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Neueste Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeifung) für Oberheffen und die Kreiſe Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Volizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Der letzte Akt. Nachklänge zum Frieden von Portsmouth. Das Stück ist aus! Atemlos, bis aufs äußerste gespannt hat die Welt seit Wochen den wechselnden Szenen zugesehen, die sich in dem bisher ziemlich unbekannten amerikanischen Portsmouth in New- Hampshire abwickelten. Unregelmäßig war der Gang der Handlung, bald schien die eine, bald die andere Partei die Oberhand zu gewinnen, und mehr wie einmal drohte das Spiel mit plößlicher Katastrophe und in schriller Dissonanz zu enden. Und wurde doch zum guten Ende gebracht, obwohl die Akteure dies- und jenseits mit unzufriedenen Gesichtern die Hand zur schließlichen Verföhnung boten. Doch die finster gezogenen Brauen gehören zum Handwerk, und man darf überzeugt sein, daß hüben wie drüben im Herzen die Befriedigung wohnt, das schwierige Werk nach besten Kräften bewältigt zu haben. Der einmütige Beifall, die Freude bei allen human und kulturfreudig denkenden unbeteiligten Zuschauern muß Widerhall gefunden haben in den Herzen der leitenden Männer, soweit sie noch nicht gänzlich den Blick verloren haben für die großen Ziele, denen die Menschheit trotz aller Hemmungen und Wirrungen zustrebt. Daß das Volk in Rußland wie in Japan zin Ende des Blutvergießens Hosianna singt, braucht man sowieso nicht zu bezweifeln. Die Blüte der jungen Mannschaft beider Völker schläft auf den unwirtlichen Steppen der Mandschurei den Schlaf, aus dem es fein Erwachen gibt, trostlose Frauen und verlassene Waisen jammern vergeblich nach dem Gatten und Vater. Langsam nur werden die Wunden verharschen, tausendfach wird die dem Kriege folgende hohläugige Not ihren Tribut fordern, und der wirtschaftliche Niedergang wird in langen Jahren noch seine Wirkungen zeigen. Da war es Zeit zum Frieden, höchste Zeit trop aller Tiraden von jenen Armeen, die nach dem Kampfe lechzen, von jenen Volksbaufen, die unter dem drohenden Ruf der Empörung den Frieden verworfen haben sollten. Die Friedensglocken von Portsmouth gaben tröstliches Echo unter den Mauern des Kreml und in der Stadt Peters des Großen, sie flangen wohlgefällig wieder an den Ufern der Kurileninseln und in den zierlichen Bambushäuschen, die sich um den Palast des Mikado scharen. Einfacher und stiller, wie man wohl angenommen hatte, ging der letzte Akt des weltgeschichtlichen Schauspiels in Bortsmouth, die Unterzeichnung des Friedensbertrages, vor sich. Die amerikanische Marine hatte eine Ehrenwache gestellt. Mit Musik und präsentiertem Gewehr wurden die russischen Delegierten, an ihrer Spize der mit neuem diplomatischen Ruhm bedeckte Witte, emp= fangen. Unterstaatssekretär Pearce und Admiral Dead als Vertreter der Unionsregierung begrüßten die im Automobil ankommenden Russen und geleiteten sie zu dem für sie bestimmten Raum. Im Konferenzsaal harren die Sekretäre, der in verschiedenen Sprachen abgefaßte Vertrag wird nochmals von ihnen durchgelesen und verglichen. Aber wo bleiben die Ia paner? Für 3 Uhr war die Unterzeichnung festgesetzt und schon zeigt die Uhr eine Viertelstunde mehr. Noch aber ist nichts von Baron Komura und seiner Gefolgschaft zu sehen. Sollte im letzten Augenblick das ganze Werk in Frage gestellt werden? Schon stürzen eifrige, übereifrige Berichterstatter zu den Telegraphenämtern, schon fängt der elektrische Draht an zu arbeiten, um die Kunde bon der Weigerung der Japaner, den Frieden endgültig zu besiegeln, in die Ferne zu tragen. Doch blinder Eifer schadet nur", nach zwanzig Minuten schnaubt der Kraftwagen der japanischen Kommission heran und dem behenden Gefährt entsteigt der winzige Komura, hinter ihm seine Landsleute. Die amerikanischen Zeitungen, welche das voreilige Telegramm ihrer Korrespondenten in der gleichen Stunde noch veröffentlichten, hatten das Nachschen. Nach der Begrüßung betraten Witte und Komura mit ihren Suiten von entgegengesetzten Seiten den Konferenzsaal. Man läßt sich an dem Beratungstische nieder, wo die Unterschriftseremplare des Vertrages bereit liegen. Einige Augenblicke, die still und feierlich verstreichen, dann hört man das Geräusch der Federn das große Werk ist getan. Im gleichen Moment donnern vom Hafen her die Kanonen, alle Kirchenglocken der Stadt beginnen zu tönen. Die Delegierten haben sich erhoben, Witte und Komura schütteln sich die Hände. Baron Rosen nähert sich dem japanischen Staatsmanne und spricht: Im Namen des ersten Bevollmächtigten der Russen, im Namen des Zaren und im eigenen Namen habe ich Ihnen zu sagen, wie glücklich wir sind, daß es uns gelungen ist, dieses Dokument zu unterzeichnen, das für Sie und für uns das Ende eines Krieges bedeutet, der unseren Völkern und der ganzen Welt so viel Schaden zugefügt hat." Romura antwortet auf englisch: Ich danke Ihnen für Ihre Worte, ich bin ebenso glücklich wie Sie." Witte ladet zu einer geheimen Unterredung im Stebensaal ein. Sie dauert 10 Minuten, man erfährt nichts von ihrem Inhalt. Die Dokumente werden unterdessen gesiegelt, noch einige furze Worte zwischen den Diplomaten, dann wird Chambaaner gereicht und man stößt auf gute Freundschaft an. Die persönliche Aussprache Tommt zu ihrem Rechte nach der ernsten Stimmung der vorhergehenden Minuten. In den Kirchen Portsmouths beginnen Dankgottesdienste, auch nach russischem Ritus. Die russischen Delegierten wollen den heimatlichen Gottesdienst besuchen, deshalb trennt man sich im Konferenzsaal alsbald, die Japaner fahren in ihr Hotel.- Und so ist der diplomatische und der wirkliche Feldzug zu Ende, der Frieden kann daran gehen, die bitteren Wunden des Krieges zu heilen. Viel Zeit, Jahre und Jahrzehnte, wird er brauchen, noch mehr Zeit wollen wir ihm münschen. Baron Komura sowie die übrigen japanischen Mitglieder der Konferenz sind von Portsmouth nach Boston abgereist; sie wollen auch noch nach Kanada. Die russischen Mitglieder der Konferenz reisten gestern vormittag nach Newyork Die angeklagte Regierung. ( Eig. Bericht.) Budapest, 5. September. Das Ende der Parlamentsvertagung ist nahe gerückt, und noch ist kein Ergebnis der mannigfachen Bemühungen des Verlegenheitsministers Baron Fejervary zu erkennen. Die vereinigte Opposition, die sich für allein regierungsberechtigt hält, obgleich sie selbst ihre Regierungsfähigkeit noch zu beweisen hätte, läßt durch ihren Ausschuß das Ministerium, die Gemeinden, die Komitate überwachen". Der Ausschuß gebärdet sich, als ob die Regierung aus Verrätern bestände, als ob die Kommunen und Komitate durch Einvernehmen mit der Regierung in der unentbehrlichen Besorgung der laufenden Geschäfte sich des Verrates mit schuldig zu machen im Begriffe sei, und als ob es Vaterlandsliebe, Einsicht und Gerechtigkeit einzig in seiner Mitte gäbe. Der Ausschuß allein prägt die geltende Wahrheit und verkündet in Orafelsprüchen, die sich von den mehrsinnigen delphischen durch den Mangel an jedem Sinn nicht gerade vorteilhaft unterscheiden, welchen Weg die Politil des Landes nicht nehmen dürfe. Die neueſte Aus: Tassung vom oppositionellen Dreifuß besagt, daß die Regie. rung unter Anklage gestellt werden solle. Der Ausschu hat einen engeren Ausschuß mit der Aufgabe betraut, die Anklage zu entwerfen und am 15. September vor das neu zusammentretende Parlament zu bringen. Worauf die An flage lauten soll, ist nicht gesagt. Das braucht auch nicht gesagt zu werden. Die Regierung ist eben eine landesver räterische Regierung, eine verfassungsbrecherische Regierung, furz, eine Regierung, die man nicht an der Regierung lassen darf. Baron Fejervary ist abgebrüht genug, sich aus diesen Vorwürfen, die hier nur in gemildertster Form zum Aus. druck kommen, gar nichts zu machen. Er fürchtet sich nicht einmal vor dem Donner der Drohungen und vor den Oppo sitionsblizen, die er, wie es scheint, für Theaterblige hält, und die in der Tat nach Kolophonium riechen. Die Anflagedrohung und Anklageausarbeitung ist wirklich eine lächerliche Komödie, die nur in dem Heimatland der politischen Komödianterei und der komödiantischen Politik möglich ist. Bringt Baron Fejervary bis zum 15. September eine freundliche Vereinbarung zustande, was allerdings wenig wahrscheinlich, aber durchaus nicht unmöglich ist, so fann natürlich aus der Anklage nichts werden; im anderen Call läßt Baron Fejervary das Abgeordnetenhaus am 15. nur zusammentreten, um es sofort aufzulösen, und dann liegt die Anklage gleichfalls unter dem Tisch. Es ist bekannt, daß Baron Fejervary die Absicht hat. das allgemeine Wahlrecht in Vorschlag zu bringen. Er müßte also versuchen, die Neuwahlen unter der Parole des allgemeinen Wahlrechts sich vollziehen zu lassen. Wenn ihm das gelingt, so hat er gute Aussichten, die Opposition zu sprengen, gerade weil ein erheblicher Teil der Opposition schon früher das allgemeine Wahlrecht empfohlen hatte, während der größere Teil für diese Neuerung, die dem Moguarismus gefährlich werden könnte, ganz und gar nicht schwärmt. Die Opposition gerät dann durcheinander und, was das wichtigere ist, auseinander. Im übrigen treten mehr und mehr Anzeichen hervor, daß das Land der lächerlichen und gefährlichen Komödie überdrüssig ist und eine Verständigung berbeiwünscht. Der ..psychologische Woment" ist gekommen; von der Geschicklichkeit des Baron Fejervary hängt es ab, ihn zu nußen. Politifche Rundfchau. Deutsches Reich. Tie Generalversammlung der Deutschen Mittelstandsvereinigung ist nach Erledigung der Tagesordnung geschlossen worden. Es wurde eine Erklärung zugunsten der Privatbeamten angenommen, die für diese Berufsklasse eine staatliche obligatorische Alters- und Reliktenversicherung, eine gefeßliche Regelung der Arbeitsverhältnisse und eine auskömmliche Besoldung fordert. In Sachen des Befähigungsnachweises wurde empfohlen, daß das Handwerk die Frage bis zur nächsten Versammlung eingehend studiere und aus den Innungen heraus das Material dazu schöpfe. Ferner wurde gefordert, daß die Werleitung von Arbeitern zum Kontraktbruch unter Strafe gestellt werde. Ein von seiten der Gastwirte gestellter Antrag, betreffend Stellungnahme zur Fleischteuerung wurde dem Vorstande überwiesen. Im Auftrage des Kaisers war vom Geh. Kabinettsrat von Lucanus ein Telegramm eingelaufen, in dem der Kaiser für den Ausdruck treuer Ergebenheit seinen Dank ausspricht. Am Grabe Miquels wurde ein Kranz niedergelegt. In Bremen gelangte vor einiger Zeit bekanntlich eine Eingabe wegen Abschaffung des obligatorischen Religionsunterrichts an Senat und Bürgerschaftsvertretung. Die bremische Lehrerschaft stimmte jetzt in einer Versammlung mit 273 gegen 43 Stimmen dieser Eingabe zu. ** Im preußischen Abgeordnetenhause soll gleich nach dem Beginne der kommenden Session eine Interpellation über das Spremberger Eisenbahnunglück eingebracht werden. Die Begründung wird der nationalliberale Abgeordnete von Schenckendorff geben, der schon in den neunziger Jahren den zweigleisigen Ausbau der Strecke Kottbus- Görlitz gefordert hat. * Mehrfache Petitionen, die einen erhöhten Schutz des Meistertitels für Handwerker befürworten, sind in letzter Zeit an die preußische Regierung gelangt. Wie diese jetzt in einer Mitteilung an den Berliner Polizeipräsidenten und die Regierungspräsidenten erklärt, beabsichtigt sie keine allgemeinen Maßnahmen in dieser Beziehung zu treffen. * Die letzten Schiffe der englischen Flotte haben gestern den Hafen von Neufahrwasser verlassen. Die großen Linienschiffe und Kreuzer waren schon am Abend vorher in See gegangen, die Torpedobootzerstörer folgten gestern. Der Besuch hinterläßt hier den besten Eindruck. Wie aus England einlaufende Nachrichten besagen, ist dort die Befriedi gung über den Empfang des Geschwaders in den deutschen Häfen allgemein. Der in Westerland auf Sylt tagende deutsche Genossenschaftstag wurde vom Geh. Regierungsrat Dr. France als Vertreter des preußischen Handelsministers, sowie vom Geh Regierungsrat Dr. Rödlin als Vertreter des Eisenbahnministers Budde begrüßt. Der Genossenschaftsanwalt Dr. Crüger unterzog die gegenwärtige Krise im Genossenschaftswesen einer eingehenden Besprechung. Der Ausschuß des Reichsgesundheitsrats für Seuchen bekämpfung wird zur Beratung über den Stand und die Bekämpfnng der Cholera im Deutschen Reiche am 9. d. M. im kaiserlichen Gesundheitsamte zusammentreten. * Die Bewegung in den deutschen Städten wegen ber noch immer anhaltenden Fleischteuerung zieht täglich wei tere Kreise. Der Rat der Stadt Leipzig hat beschlossen, die Staatsregierung um schleunige Abhilfemaßregeln gegen die Fleischteuerung zu ersuchen. Der Gesamtstadtrat in Dresden will bei der Staatsregierung und dem Reichs. fanzler vorstellig werden und die Oeffnung der französischen dänischen und italienischen Grenze empfehlen. Die Stadt verordneten in Schöneberg bei Berlin wollen sich an den Bundesrat wenden und die Frage vor den branden burgischen Städtetag bringen. Die Stadtverordnetenversammlung in Frankfurt a. M. nahm einen Antrag an der Magistrat möge anläßlich der Fleischnot die Berufung eines deutschen Städtetages anregen und der Stadtverord netenversammlung über das Ergebnis seiner Bemühungen berichten. In Elbing hat der Konsum- und Sparverein zur Selbsthilfe gegriffen und einen Fleischverkauf zum Selbstkostenpreis eingerichtet. Schweinefleisch konnte zu dem für die heutige Zeit enorm billigen Preise von 65 Pfg. pro Pfund abgegeben werden und zwar ganz gleich, ob es sich um Bauchfleisch, Karbonaden oder Schinken handelte. Der Andrang der Käufer war so groß, daß man nicht im entfern. testen der Nachfrage genügen konnte. In Zukunft sollen regelmäßige Schlachtungen stattfinden. Die In Berlin wurde gestern nachmittag die Versammlung deutscher Fleischermeister eröffnet, die gemeinsamen Protesi gegen die Teuerung erheben wollen. In den Konkordia sälen waren etwa 3000 Angehörige des Fleischerhandwerks aus allen Teilen Deutschlands zusammengefoinmen. Verhandlungen begannen mit Begrüßungen und dem Ver. lesen von Briefen der Berliner städtischen Behörden, in denen diese ihr Interesse für die Versammlung befunden. Den ersten Vortrag hielt der Verbandsvorsitzende Wiegand, Nordhausen, über das Thema„ Vieh- und Fleischnot". Spanien. ** Die Urheber des Bomben- Attentats in Barcelona sind noch nicht entdeckt. Infolgedessen forderte die Militärbehörde die Akten des Verfahrens ein. Es herrscht Panik, zahlreiche Fremde verlassen Barcelona. Die Zeitung La Lucha ist infolge eines Artikels, in dem sie das Attentat zu rechtfertigen versucht, beschlagnahmt worden. Rufsland. ** Schr schlimme Zustände stellen sich in den immer Trößere Dimensionen annehmenden Metzeleien und Straßenfämpfen im Kaukasusgebiete dar. Außer Schuscha befindet jich Baku in voller Anarchie. Große Naphthaniederlagen tehen in Flammen, auch die sogenannte schwarze Stadt brennt. Aller Handel ist unterbrochen, der Bahnverkehr ist eingestellt. Die Geistlichkeit, die Volksvertreter und der Gouverneur veranstalteten einen Umzug in der Stadt, durd; den es ihnen gelang, das Feuergefecht vorübergehend zum Schweigen zu bringen. Als jedoch wieder ein Haus in Brand gesteckt wurde, brachen die Unruhen von neuem aus. Armenier und Tataren schossen wieder aufeinander und mehcere Häuser gingen in Flammen auf. Nach Tiflis strömten zahlreiche Familien hinein, die aus den Provinzen Elisabethpol und Baku flüchteten, wie auch aus der Umgebung von Tiflis, wo Greueltaten der Tataren befürchtet werden. Die von den Unruhen betroffene Bevölkerung leidet bitterste Not. Die Folgen dieser Zustände am Kaukaus machen sich weithin geltend. Das Börsenkomitee in Nishni- Nowgorod hat den Finanzminister drahtlich um energische Maßnahmen gebeten, damit die Ereignisse in Baku nicht den ganzen Wolgahandel, sowie die Fabrikindustrie lahmlegen. In Helsingsfors, wo die Hafenarbeiter wieder in den Ausstand getreten sind, wurde vor der Polizeistation in der Erikstraße eine Bombe geworfen, wodurch eine Person verwundet wurde. Der Täter ist entkommen. Im Militärresort wurde beschlossen, die aktive Dienstzeit auf zwei Jahre herabzusetzen, da die Kriegserfahrungen bewiesen haben, daß die jungen Soldaten allen gleichwertig sind. Türkei. ** An der Bahnlinie Smyrna- Aïdin sind unter den Brücken zwischen Ajasoluk und Azizie 60, bei Balacik 30 und bei Aïdin 24 Kilogramm Dynamit aufgefunden wor den. Infolgedessen herrscht unter den Mohammedanern Erbitterung. Die Christen werden beschimpft. Die Konsuln in Smyrna unternahmen Schritte zum Schuße der fremden Untertanen. Soziales Leben. Ende der Dresdener Aussperrung. Zwischen den Arbeitern und der Direktion der Aktiengesellschaft Nähmaschinenfabrik und Eisengießerei Seidel und Naumann ist eine Einigung erzielt worden. Die Fabrikleitung hat die AusSperrung der 2500 Arbeiter aufgehoben, so daß der gesamte Betrieb heute wieder aufgenommen wird. Streifunruhen in der Schweiz. Infolge eines in Rorschach ausgebrochenen Streikes der Gießereiarbeiter veranstaltete die Arbeiterschaft eine Kundgebung, an der 2000 Personen teilnahmen. Die Manifestanten demolierten durch Steinwürfe die Gießerei und ein Gasthaus, in dem sich zugereiste französische Arbeiter aufhielten. In der Nacht wurde von Sankt Gallen eine Landwehrkompagnie nach Rorschach beordert. * ** Hof und Gesellschaft. Der Kaiser und die Kaiserin sind nach Homburg b. d. H. zur Teilnahme an den Manövern des 18. und 8. Armeekorps abgereist. Zu der am 11. Oktober stattfindenden Hochzeit des Herzogs Karl Eduard von Sachsen- Koburg und Gotha hat das Kaiserpaar sein Erscheinen zugesagt. König Eduard von England begibt sich von Marienbad nach England zurück. Nab und Fern † Von der Cholera. Nachdem in Zantoch, Bezirk Frank furt a. D., auf zwei Flößen choleraverdächtige Erkrankungen und Todesfälle vorgekommen sind, trifft man in Berlin weitgehende Vorsichtsmaßregeln, um sich gegen einen Einbruch der Cholera aus den infizierten Gegenden zu schützen. Ein in Charlottenburg unter diarrhöischen Erscheinungen erkrankter Kaufmann, der aus dem Weichselgebiet gekommen war, wurde sofort im Krankenhause isoliert; dort zeigte e sich, daß es sich um eine harmlose Darmerfrankung handelte. Die auf Anordnung der Landespolizeibehörde in Köpenick errichtete Untersuchungsstation läßt feine vorüberfahrenden Schiffer ohne Untersuchung passieren. Der Auswanderer- Bahnhof Ruhleben ist streng abgesperrt, tein Fremder darf sich von dort entfernen. Im infizierten Gebiet sind wieder mehrere Erkranfungen und Todesfälle vorgekommen; meistens handelt es sich um Schiffer oder deren Familienmitglieder, doch ist auch u. a. ein Telegraphist in Schleusenau bei Bromberg an Cholera gestorben. Eine Verfügung des Generalfommandos in Danzig ordnet an daß die Arbeiten zur Festungs- Kriegsübung in Thorn bis auf weiteres einzustellen sind. In Havre werden alle aus den Häfen zwischen Helsingfors und Hamburg kommenden Schiffe vom Arzte des Sanitätsdienstes genau untersucht. Auch in Konstantinopel ist für alle zu Wasser und zu Lande aus Europa arkommenden Reisenden die ärztliche Untersuchung angeordnet worden. † Eisenbahn- Unfälle. Auf dem Bahnhofe Peiskretscham in Schlesien stießen zwei Güterzüge zusammen. Eine Loko motive und neun Wagen sind entgleist, drei Geleise gesperrt Ein Lokomotivführer und ein Zugführer sind verlegt. Aerzte und Hilfspersonal waren sofort herbeigeeilt. In Purmerend in Nordholland entgleiste ein Personenzug. Eine Person wurde getötet, zwölf wurden verlegt, zwei davon schwer. † Zerstörte Telegraphen- Kabel. Durch einen heftigen Taifun sind im ostchinesischen Meere sechs Telegraphen- Kabel zerstört worden. Dadurch wurde die Verbindung mit Japan unterbrochen, und so entstand das Gerücht, in Tokir und im ganzen Inselreiche sei ob des Friedensschlusses ein: Revolution ausgebrochen, und die Aufständischen hätten di telegraphischen Verbindungen zerstört. Inzwischen ist die Leitung zwischen Schanghai und Nagasaki wiederhergestellt worden. Die Verbindung mit Japan ist somit wieder normal. † Ein Riesen- Diamant gefunden. In Johannesburg win man wieder einen kolossalen Diamanten gefunden haben Es soll 460 Starat wiegen und ohne jeden Fehler sein. † Selbstmord eines Lebemannes. In Moskau erschos sich ein Neffe des Ministers Witte, der freiwillig in einem russischen Dragoner- Regiment diente, nachdem er vorhei seine Geliebte durch Revolverschüsse getötet hatte. Der junge Mann verbrauchte jährlich über 10 000 Rubel. Auck scine vier Brüder haben ihrem Leben gewaltsam ein Endi gemacht. † Der Tod des Lebensretters. Im Kanton Luzern versuchte ein Maurermeister ein von einem französischen Automobil gefährdetes Kind zu retten. Das Werk gelang ihm auch, aber er selber geriet dabei unter das Fahrzeug und fand den Tod. Der Mann ist Vater von vier Kindern. † Vergiftung durch Pilze. In Rosenheim erkrantte eine ganze Familie an Pilzvergiftung. Drei Kinder im alter von vier, sechs und neun Jahren sind gestorben. # † Tod infolge der Sonnenfinsternis. In Wels beobachtete die Requisiteurin des Theaters die Verfinsterung der Sonne längere Zeit durch ein Fernrohr, ohne ein farbiges Glas zu Hilfe zu nehmen. Die bis dahin ganz gesunde Frau kam mit stark gerötetem Gesicht nach Hause, flagte über Kopfschmerzen, wurde bald bewußtlos, und abends trat der Tod irfolge Gehirnschlages, offenbar durch Ueberanstrengung der Augen, ein. † Schiffsbrand. An Bord des englischen Dampfers ,, Chatham", der von Middlesborough nach Yokohama unterwegs ist, brach im Suez- Kanal Feuer aus. Der Verkehr im Kanal ist eingestellt, und es herrscht große Beunruhigung, da die„ Chatham" siebzig Tonnen Dynamit an Bord hat. † Feuer in einer Kirche. In dem mit der berühmten Ba filifa Santa Cäcilia in Trostevere bei Rom verbundener Nonnenkloster brach Feuer aus. Vier Zellen sind ausgebrannt, und das Dach des Klosters stürzte ein. † Todessturz eines Offiziers. In Kaschau in Ungarn war ein Jäger- Hauptmann in dem ersten Stockwerf eines Hauses einquartiert. Neben der Tür seines Zimmers befand sich eine zweite Tür, die auf den Hof geht, ohne daß eine Treppe sich davor befindet. Der spät nachts heimkehrende Hauptmann scheint in der Dunkelheit anstatt, seiner eigenen Wohnungstür diese Tür geöffnet zu haben. Er fiel auf das Pflaster des Hofraumes, wo er mit tödlichen Wunden, mit einem Rippen- und Schädelbruche aufgefunden wurde. Das Korps- Kommando hat gegen den Hauseigentümer eine Entschädigungsklage angestrengt. † Sechs Menschen ertrunken. In der Bucht von Morecambe, östlich von der Insel Man, wurden auf Anweisung des Schiffers auf die Fähre, durch die der Verkehr zur Eisenbahnstation vermittelt wird, wegen flotten Wellenschlages mur zehn Personen aufgenommen, während sie sonst viel mehr Menschen faßt. Troßdem brachte eine große Woge das Fahrzeug zum Sinfen. Sechs der Insassen ertranken, die übrigen konnten sich an der Fähre festhalten, bis ihnen Hilfe gebracht wurde. † Verschluckte Banknoten. In Bulla in der Schweiz wurde ein Banknoten- Dieb festgenommen. Man sand bei ihm von den gestohlenen Stücken für 250 Francs. Den Rest hatte er verschluckt. Ein Arzt gab dem Diebe cin fräftiges Brechmittel, durch das die sehlenden 250 Francs glücklich zutage gefördert wurden. † Tragödie zweier Brüder. In Török- Becse in Ungarn spielten die Söhne eines wohlhabenden Grundbesitzers mit dem Revolver ihres Vaters. Der eine Knabe zielte auf den anderen, der Schuß ging los und drang ihm in den Kops. Nach wenigen Minuten war der Unglückliche eine Leiche. Aus Verzweiflung erhängte sich der Bruder. Die folter auf der Zeugenbank. Die Strafprozeßordnung soll reformiert werden. Man braucht nicht gerade neuerungssüchtig zu sein, um von Herzen zu wünschen, daß diese Absicht recht bald verwirklicht werde. Man braucht nicht im geringsten zu zweifeln, daß unsere Richter nicht bloß die für ihr weihevolles Amt selbstverständliche Tugend der Unparteilichkeit, sondern überdies tiese Einsicht, reiche Erfahrung und Weltkenntnis besitzen, und kann doch der Meinung sein, daß im Gerichtsverfahren der Formalismus manchmal stärker ist als unbedingt nötig. Man hat ganz allgemein das Gefühl: es wird vor Gericht zu viel geschworen, und die Zeugenaussage wird nicht selten, wir wollen nicht sagen: höher, aber: genauer bewertet, als sie verdient. Es kann uns nicht in den Sinn kommen, der Leichtfertig. feit der gerichtlichen Bekundung das Wort reden zu wollen. Das sei ferne! Aber wir meinen, der Richter solle immer bedenken, daß er nicht allezeit in den Zeugen Menschen von einer der seinigen gleichen Einsicht und Schärfe des Auffassungs- und Urteilsvermögens vor sich hat. Auch der ge. wissenhafte Mann, der um alles nicht absichtlich von der Wahrheit abweichen wollie in dem, was er unter Eid aussagt, kann objektiv Unrichtiges bekunden. Wenn zwei Beugen Entgegengesetztes eidlich erhärtet haben, so hat der Laie leicht die Ansicht, ein Zeuge müsse einen Meineid geleistet haben. Das ist nicht wahr. Denn auch das tatsäch lich unrichtige kann init subjektiver Ueberzeugung befundet und beschworen werden. Der Durchschnittsmensch besitzt gar nicht die Fähigkeit, genau auseinander zu halten, was er wirklich selbst wahrgenommen und was er bei einer richtigen tatsächlichen Wahrnehmung als eigene Schlußfolgerung sich unbewußt hinzugedacht hat. In gutem Glauben beschwört er dann, daß er gesehen oder gehört hat, was er in Wirklichkeit aus Gesehenem und Gehörtem nur gefolgert hat. Er bleibt subjektiv bei der Wahrheit, er schwört keinen Meineid, und doch ist falsch, was er beschwört, objektiv falsch. Man fann von einem Eide auch gar nicht verlangen, daß er objektive Wahrheit schasse. Der Schwörende tut, was er fann, wenn er subjektive Wahrheit bietet. Das ist auch ursprünglich der Sinn des Eides gewesen, und die Eides formel sagt gar nichts anderes, als daß der Schwörende unter Anrufung des allmächtigen und allwissenden Gottes versichert ,, nach bestem Wissen und Gewissen" die reine Wahrheit reden, nichts verschweigen und nichts hinzusehen zu wollen Mehr kann kein Mensch versprechen, denn er ist immer in den Banden seines beschränkten Wissens, seines begrenzten Erkenntnis- und Unterscheidungsvermögens. Der Mensch tann sich nicht verpflichten, die Fehlsamkeit seiner Sinneswahrnehmungen, die Trüglichkeit seiner Auffassung und seines Urteils abzulegen. Er kann das so wenig, wie cr über seinen eigenen Schatten springen kann. Dieser richtigen und natürlichen Sachlage entspricht es, daß dem Richter freie Verfügung gegeben ist, auf eine eidliche Aussage entscheidendes Gewicht zu legen oder ihr solches Gewicht zr versagen. Seine Menschenkenntnis und die ganze Lage der Verhältnisse müssen dem Richter helfen, zu einem Urteil darüber zu kommen, ob des Schwörenden Aussage, die als subjektiv richtig unterstellt werden mag, als objektiv zuver lässig zu gelten hat oder nicht. Der Zeuge, dessen Aussage nicht als objektiv vollwichtig angesehen wird, darf deswegen nicht glauben, daß seine subjektive Glaubwürdigkeit be stritten oder angezweifelt oder irgendwie als fraglich hin gestellt werden soll. Wir wollen ein Beispiel anführen, das eine ge wisse Notorietät erlangt und vor kurzem großes Aufsehen crregt hat. In einem Prozeß, in dem es sich um die Fest stellung handelte, ob der oldenburgische Minister Ruhstrat nach einem gewissen Zeitpunkt in einem öffentlichen Lokal ,, Lustige Sieben" gespielt habe, sagte der Kellner Meyer unter Eid bejahend aus und bezeichnete noch einige Per sonen mit der gleichen Bestimmtheit als Mitspieler. Einer dieser angeblicken Mitspieler, ein absolut einwandfreier und unabhängiger Mann, dem es überdies nicht den geringsten Schaden gebracht hätte, wenn er die Teilnahme am Spiel zugestand, beschwor, daß er in seinem Leben noch nicht Lustige Sieben" gespielt habe. Man konnte an die Mög lichkeit eines Irrtums glauben, wenn er sagte, er habe zu einer bestimmten Zeit sich nicht an dem Spiel beteiligt; ein Irrtum war ausgeschlossen, da er aussagen konnte, er habe das genannte Glücksspiel überhaupt nie gespielt. Der Kellner Meyer hatte also objektiv Falsches beschworen. Einen Meineid aber hat er nicht geleistet, denn er hat ,, nach bestem Wissen und Gewissen" ausgesagt, was er als tatsächlich sich vorgestellt und in der Erinnerung gehalten hatte. Wäre er ein Aufpasser, ein„ Spitel" gewesen, so dürfte man einen Meineid annehmen. Aber gerade seine naive Unbefangenheit mußte gleichzeitig ihn vor dem Verdacht des Meineids schützen und seiner Aussage den objektiven Wert nehmen. = Das Teftame ifchen Truppen- lle einsamen Mitte der legungen davon, d perftarb. Man fan jtück, das offenbar gefchrieben war. Beld, einschließlid jeines Regiments riffenfchaftliche einen Phonograp er der mediziniid perimente, die d fügung. Rühren vollzogen auf der Sinnes meinen legten Grüße an die Ehre habe." = Der Ausba Fehren feiner B Berbefferung erfa jo tief gewerben geftaltung wird Range eine gleich Lie Breite am B auf 38,5 Meter verbeifert, fo daß fidhen Hälfte 90 beträgt = Gin Hotel ein Bauwerk erri Stadt übertrifft. Stodwerken joll 2200 Gästen Unt gezählte Reihe jo Speise- und Tan türfische Schwin bädern in Pari Betrieb des Ho mögen von 20 Macher des Rie Noch einen anderen Punkt möchten wir erwähnen, in dem uns die Praris des Gerichtsverfahrens reformbedürftig erscheint, das ist die Befragung der Zeugen nach ihren persönlichen Verhältnissen. Reugen werden häufig durch Angeklagte oder deren Rechtseistände nach Dingen befragt, deren Beantwortung ihnen peinlich ist, ohne daß der Prozeß selbst die Beantwortung verlangte. Es ist mehr als einmal vorgekommen, daß ein angeklagter Verleumder seine verleumderische Behauptung durch den unter Eideszwang stehenden Verleumdeten zu erhärten versuchte. Hier fann ein gewandter Richter Abhilfe schaffen. Aber gewisse Fragen werden jedem Zeugen vorgelegt, z. B. die nach Vorstrafen. Ist ein Zeuge wegen Meineids bestraft, so ist diese Feststellung notwendig, weil sie das Maß der Glaubwürdigkeit des Zeugen illustriert. Wozu aber ist es nötig, daß ein Zeuge Fei Strafe des Meineids gezwungen wird, öffentlich das Bekenntnis einer längst vergessenen, verbüßten, verjährten Jugendsünde abzulegen und sich dadurch übler Nachrede auszusetzen, die das Ansehen, die Frucht einer langen, tadellosen Lebensführung, vernichtet! Vergehen und Verbrechen verjähren, selbst ein Mord kann verjähren widerspricht es nicht aller Logik, daß die Folgen eines verbüßten Vergehens oder Verbrechens unverjährbar seien, nie aus den Akten, nie aus der Erinnerung verschwinden sollen! Das ist nicht bloß unlogisch, es ist auch grausam. Vielleicht kann in dieser Beziehung durch die bloße Praris Wandel geschaffen werden. Es wäre am Ende nicht einmal vom Uebel, wenn die Fragen nach Vorstrafen auch gegenüber Angeklagten wenigstens nicht an den Beginn der Verhandlung verlegt würden. Vermischtes. = Die Heirat der Erkönigin. Die von den Franzosen entthronte und in Algier lebende Erkönigin Ranavolo will sich, wie erzählt wird, mit einem französischen Arzte wieder. berheiraten. Die ebenfalls von den Franzosen abgesezte schöne Sulima Machamba, frühere Sultanin von Mohely, hat ebenfalls eine Mesalliance geschlossen. Sie verliebte sich in einen stattlichen Gendarmen der ihr von Frankreich gegebenen Leibwache und folgte ihm als seine Frau in seine dörfliche Gebirgsheimat an der Schweizer Grenze. == Massage des Herzens. Einem Pariser Arzte ist es gelungen, einem in der Narkose liegenden Patienten, bei dem während der Operation das Herz still stand, durch eine Massage des Herzens das Leben zu retten. Der Leib des Patienten war bereits eröffnet worden, da ſetzten plötzlich Puls und Atmung aus, das Herz stand still. Rasch entschlossen schob der Arzt seine rechte Hand, die in der Bauchhöhle ruhte, nach oben gegen das Zwerchfell vor, bis er die Herzspite durch das Zwerchfell hindurch fühlte. Dann um griff er mit Daumen und Fingern das Herz und begann es rhythmisch zu fneten. Zunächst hatte er den Eindruck, als ob das Organ schlaff und leer sei; aber schon nach fünf Minuten dauernder Massage fühlte er, wie der Herzmuskel härter und das Herz größer wurde. Wenige Augenblicke später spürte er, wie sich das Herz zusammenzog; noch eine furze Pause, und die Herzschläge setten sehr leise ein, und etwa zwei Minuten darauf erfolgte der erste Atemzug. Gleichzeitig rötete sich das Gesicht, der Puls wurde regel mäßig, fräftig. Rasch schloß man die Bauchhöhle, und wenige Sekunden später war das Bewußtsein wiedergekehrt. " = Der Papst und die Schleppen der Damenkleider. Gegenüber einer Anzahl Damen der römischen Aristokratie, denen er Audienz erteilte, hat Bapst Pius X. sich sehr ener gisch für die Beseitigung der Schleppen an Damenkleidern erklärt. Sie sind ein wahrer Brutherd der verschieden. artigsten Mikroben," sagte er, und außerdem sind sie recht lästig. Wenn ich die Soutane trage, müssen mir vier Prä laten die Schleppe nachtragen."- ,, Aber wir raffen doch auf der Straße unsere Schleppen gleichfalls auf," bemerkte eine der Damen. Schon das ist lästig," entgegnet Pius X., und um zu beweisen, wie lästig es sei, hob er ein Endchen seiner Soutane in der Art, wie die Damen ihre Schleppen zu tragen pflegen, und schritt mehrmals gravi tätisch durch Zimmer. So guter Laune hatte den Papst noch niemand gesehen! Pfarrer und Briefträger. Für ein 15 Kilometer vom nächsten Bostamt entferntes Dorf war eines Tages kein einziges Poststück zu bestellen, als die Zeitung für den Ortsgeistlichen. Da es außerordentlich heiß war, dachte der Postbote, sich den Weg sparen zu können. Am nächsten Tage fragte ihn der Pfarrer:„ Nun, Freund, meine Zeitung? Sie haben sie gestern nicht gebracht." ,, Nein," antwortete der Postbote, aber ich habe sie gelesen, es stand nichts drin."„ Ganz recht, lieber Freund, aber wenn Sie sie wiederfinden, so ist es mir lieb. Ich habe nämlich wegen des Nomans abonniert." ** Der G Wildpart Kranich Am Nachmittag f Friedberg, um fi begeben. ** Der Gr Raspar Rüff bei dem Kreikant * ** Manöt Dienstag zu En Division, Brigade Törper fuchten ei oder fich zu umfaf Frontangriffe. Da dehnte fich zwischen woch nahm die T Soden, Soffenheim, bei Höchst und St Bommersheim den hatte die 21. St bie badische Infan *** Kaiserp militärischen Schar alle Welt ergreift Für die Truppen gordnet, das ist a verstander, sondern und Buzen und und bl gen und nu oberfte Ariegsherr Mufit bleib nicht verfammeln fich fa 2000 Mann, im R Bapfenfireich zu ha alle Borbereitungen Krieger Berei hof an und begib das Bublifum hat Einlegung von So dem ersten Morgen Menuzung ist zu Tages das Geb Homburg nach der Tribüne m Barabe beginnt Himmel mit e ?? 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Man fand in den Händen des Toten ein Schriftstück, das offenbar von dem Sterbenden mit der letzten Kraft geschrieben war. Danach vermachte der Offizier sein ganzes Geld, einschließlich des fälligen Soldes, dem 1. Bataillon jeines Regiments mit der Bestimmung, dafür Material für rissenschaftliche Forschungen, einen Lichtbilder- Apparat und einen Phonographen anzuschaffen. Seinen Körper stellte er der medizinischen Fakultät der Universität für alle Erperimente, die der Wissenschaft nüßen könnten, zur Verfügung. Rührend wirkt der Schluß des Testaments:„ So vollzogen auf dem Felde von Sissonne. Indem ich festen Sinnes meinen lezten Moment erwarte, richte ich meine legten Grüße an das schöne Regiment, dem anzugehören ich die Ehre habe." = Der Ausbau des Suez- Kanals. In den zwanzig Jahren seiner Benutzung hat der Suez- Kanal eine stete Verbesserung erfahren, so daß er jetzt doppelt so breit und jo tief geworden ist, wie er zu Anfang war. Die Ausgestaltung wird fortgesetzt, bis der Kanal in der ganzen Ränge eine gleichmäßige Tiefe von 9,5 Metern erreicht hat. Tie Breite am Boden ist auf der Hauptstrecke schon von 36 auf 38,5 Meter gewachsen. Auch die Krümmungen sind verbessert, so daß die Breite im Wasserspiegel in der nördlichen Hälfte 90 bis 110, in der südlichen 70 bis 90 Meter beträgt. - Ein Hotel mit 42 Stockwerken. In Newyork wird ein Bauwerk errichtet, das das bislang größte Gebäude der Stadt übertrifft. Es handelt sich um ein Hotel. In 42 Stockwerfen soll es 500 Zimmer mit Bädern haben und 2200 Gästen Unterkunst bieten. Dazu kommen eine ungezählte Reihe sonstiger Räume für alle möglichen Zwecke, Speise- und Tanzsäle im obersten Stock, und zu ebener Erde türkische Schwimmbäder mit Personal aus den Hammambädern in Paris und khedivischen Bädern in Kairo. Zum Betrieb des Hotels hat sich eine Gesellschaft mit einen Vermögen von 20 Millionen Mark gebildet. Der eigentliche Macher des Riesen- Unternehmens ist ein Herr Adams. Lokales. 7. September 1905. *** Der Großherzog erlegte gestern Morgen im Wildpart Kranichstein einen Edelhirsch und einen Schaufler. Am Nachmittag fuhr der Großherzog im Automobil nach Friedberg, um sich von dort aus zur Kaiserparade zu begeben. ** Der Großherzog hat den Bureaugehilfen Kari Raspar Rüffer aus Höchst i. D. zum Kreisamtsgehilfen bei dem Kreisamt Schotten ernannt. *** Manöver. Sehr interessante Momente boten die Dienstag zu Ende gegangenen Manöver innerhalb der Division, Brigade operierte gegen Brigade und beide Truppenörper suchten einander die Stellungen streitig zu machen oder sich zu umfassen. Es erfolgten Umgehungsversuche und Frontanguiffe. Das Gelände der 25.( hessischen) Division dehnte sich zwischen Wiesbaden, Soden und Höchst. Mitt woch nahm die Division die Linie Oberurses, Cronberg, Soden, Sossenheim, Höchst ein. Die 116er und 168er hielten bei Höchst und Soffenheim den rechten und die 118er bei Bommersheim den linken Flügel. Der Division gegenüber hatte die 21. Stellungen bezogen. Heute Morgen rückte die badische Infanterie von Bilbel aus vor. *** Kaiserparade. Endlich ist der Tag des großen militärischen Schauspiels in unmittelbare Nähe gerückt und alle Welt ergreift das Parade fieber, Militär wie Zivil. Für die Truppen ist heute ein allgemeiner Ruhetag angordnet, das ist aber nicht die Ruhe im bürgerlichen Sinne verstander, sondern das ist ein Arbeiten und Schaffen, ein Bürsten und Puzen und Appell auf Appell, denn alles muß blinken und blißen und nur so seine Art haben, wenn morgen der oberste Kriegsherr die Parade abnimmt. Doch auch die Musit bleibt nicht müßig. Im Laufe des heutigen Tags versammeln sich sämtliche Kapellen des 18. Armee- Korps, 2000 Mann, im Kurgarten, um die Hauptprobe zum großen Bapfenftreich zu halten. Die Kriegervereine haben gleichfalls alle Vorbereitungen zur Parade vollendet. Der Gießener Krieger Verein tritt morgen früh 3 Uhr 30 am Bahnhof an und begibt sich 3 Uhr 55 nach Homburg. Für das Publikum hat die Eisenbahndirektion Frankfurt durch Einlegung von Sonderzügen gesorgt, die teilweise schon vor dem ersten Morgendämmer fahren. Die möglichst frühzeitige Benutzung ist zu empfehlen, da mit dem Vorrücken des Tages das Gedränge auf den Wegen von Bonames und Homburg nach dem Paradefeld zunimmt. Die Pläße auf der Tribüne müssen bis 349 Uhr eingenommen sein. Die Barade beginnt Bunft 9 Uhr. Hoffentlich beteiligt sich der Himmel mit echtem Kaisermetter ebenfalls an der Parade. ?? Ein roher Batron mißhandelte gestern Abend beim Tempelchen" in der Südanlage derartig seine Frau, daß sie laut aufschrie und die Passanten stehen blieben. Der Wüterich suchte sich das Publikum durch wohlgesetzte Reden vom Halse zu halten, trobem traten aber zwei beherzte Männer hinzu, die die Frau aus ihrer peinlichen Lage befreiten. eintretenden Arbeitslosigkeit zu leiden. Als Ort des nächsten Verbandstages wurde Frankfurt a. M. gewählt. ** Gegenwärtig tagt die 6. Hauptversammlung des Dentischen Forstvereins in Darmstadt. * Wichtig für Abiturienten! Für die Abiturienten, die im Herbst das Gymnasium verlassen, ist eine Mitteilung von Wichtigkeit, die der„ Tgl. Rdsch," von wohlunterrichteter Seite zugeht: Danach behält der amtliche Erlaß des Reichsfanzlers vom Jahre 1903 vollauf seine Gültigkeit, der die geringen Aussichten der Jurastudierenden auf Anstellung im Justiz oder Verwaltungsdienst nachdrücklichst betonte. Die guten Aussichten der Philologen haben sich inzwischen geändert: Es herrscht nämlich zurzeit nur noch Mangel an klassischen oder Altphilologen, während der Bedarf an Neuphilologen, Mathematikern besonders und Naturwissen schaftlern im höheren Schulamt zurzeit bereits hinreichend gedeckt ist. * ** Radferufahrt Köln- Breslau des Deutschen Radfahrer- Bundes. Man schreibt uns aus Sportkreisen: Eine Fernfahrt quer durch Deutschland von der ansehnlichen Länge von 938 Kilometern findet in den Tagen vom 7.- 10. September statt. 29 der bekanntesten Dauerfahrer haben sich zu dieser Fahrt gemeldet. Die Linie geht über Hagen, Baderborn, Raffel, Eisenach, Naumburg, Halle, Torgau, Görlig, Liegnig nach Pöpelwitz bei Breslau, wo die Fahrt am Gasthaus Zum legten Heller" ihr Ende findet. Seit den letzten großen Fahrten Mitte der neu ziger Jahre, wie Wien- Berlin und Mailand- München, ist dieses das erste radsportliche Unternehmen von größerer Bedeutung, welches auf der Landstraße zum Austrag kommt. Der Fahrt wird deshalb in allen rad sportlichen Kreisen das größte Interesse entgegengebracht, zumal sie eine klassische Prüfung der Qualität der heutigen Fahrräder und Reifen darstellt. * Zur Fleischnot. Selbst in dem wesentlich landwirtschaftlichen Ostpreußen ist das Schweinefleisch von 40 und 50 Pfg. auf 80 Pfg. pro Pfund gestiegen. Es kommt vor, so schreibt das„ Göttinger Tageblatt", daß an manchen Tagen bei den Schlächtern nicht ein Pfund Fleisch erhältlich ist. In Elsaß notiert das Pfund Schweinefleisch mit 72 Pfg., Rindfleisch mit 72 Pfg., Kalbfleisch mit 84 Pfg. Da in der Schweiz das Fleisch um 12 Pfg. billiger ist, deckt die Grenzbevölkerung ihren Bedarf jenseits der Grenze, zumal 4 Pfund Fleisch zollfrei eingeführt werden dürfen. In Gotha macht sich die Fleischnot dermaßen bemerkbar, daß hunderte von Personen und zwar nicht nur Leute, die den sog. niederen Ständen angehören, dort oft stundenlang auf den Moment lauern, wo das Verkaufsfenster sich auftut und die Abgabe beginnen darf. Wilden Tieren gleich stürzt dann alles den schmalen Aufgang hinauf, und es entwickelt sich dabei jedesmal um eines minderwertigen Stückes Fleisch willen ein Käufer erhält nur bis zu zwei Kilogramm ein Kampf, wie er häßlicher und rücksichtsloser taum gedacht werden kann.- Aber-„ Es gibt keine Fleischnot." " - Unterdessen arbeitet die Regierung unermüdlich in „ Erhebungen". Aus Thorn wird beispielsweise gemeldet, daß die Regierung von den Guts- und Gemeindevorstehern Nachweisungen verlangt über die in den ländlichen Haushaltungen vorhandenen Bestände von geräuchertem Speck, an Schinken, Wurst und anderem Rauchfleisch. Hoffentlich, 10 bemerkt die Berliner Boltsztg.", läuft dem schlechtbezahlien Hilfsarbeiter bei Aufarbeitung dieser Wurststatistik nicht das Wasser im Munde zusammen. Auf dem Markte in Hannover notieren: Schweine pro 100 Pfund Schlachtgewicht 1. Qual. 73 Mt, 2. Qual. 72 Mt. und 3. Qual. 70-71 Mr. Was das für eine Steigerung bedeutet, zeigt am besten folgende fleine Tabelle: 72 72 73 1. Qual. 2. Qual. 3. Dual. Auftr. Preise am Mt. Mt. Mr. Stück 52-55 1. Aug. 1904 55-57 48-51 589 31. Juli 1905 67-78 64-66 60-63 561 70-71 3. Aug. 1905 62-68 542 70-71 28. Aug. 1905 63-69 527 31. Aug. 1905 72 70-71 404 * Bostsekretär özel XHungen, 6. September. Boftsekretär özel dahier trut demnächst in den Ruhestand. Weylar, 6. September. Die Straffammer verhandelte Heute u. a über folgenden Fall: Von dem Bürgermeisteramt Krofdorf wurde dem Gastwirt Gerhard K. von Launsbach eine Geldstrafe von 10 Mt. auferlegt, weil er am 30. April d. J. bei einer geschlossenen Tanzmusit Leute, welche nicht in den Verein gehörten, duldete. Gegen diese Strafe legte K. Berufung ein. Bei der Verhandlung des Schöffengerichts hierselbst am 28. Juli d. I. wurde die obengenannte Geldstrafe aufrecht erhalten. Gegen dieses Urteil legte R. nochmals Berufung ein. In der heutigen Verhandlung wird der Angeklagte freigesprochen und die Koften des Verfahrens der Staatstasse auferlegt. ( Wetzl. Anz.) * Alsfeld, 6. September. Die letzte Stadtvorstandssigung befaßte sich u. a. mit einer Eingabe der Rühl Buchdrudereibefizer Ehrenklau, Gellarius. Die genannten Buchdruckereibefizer geben ihrer Verwunderung darüber Ausdruck, daß städtische Drucksachen in auswärtigen Druckereien hergestellt werden, u. a. die Lose für den Prämienmarkt. Ferner wünschen die beschwerdeführenden Buchdruckereibesizer eine gerechtere Verteilung der städtischen Druckarbeiten. *** Leßten Sonntag tagte in Frankfurt die Hauptversammlung des Landesrechnerverbandes des Groß herzogtums Hessen, die über eine ganze Reihe wichtiger Gegenstände verhandelte, u. a. wurde bekannt gegeben, daß die Regierung das Recht der Gemeinderechner auf Pensionierung Beigeordneter Kurz verweist auf seinen mit der und Hinterbliebenen. Versorgung anerkenne. Um die weiteren Stadt abgeschlossenen Vertrag, wonach er für sämtliche Interessen der Gemeinderechner zu vertreten, wurde eine für den Prämienmarkt notwendigen Drucksachen zu Kommission zur genauen übersichtlichen Zusammenstellung sorgen hat, und es ganz seine Sache ist, wo er dieselben der Wünsche der Gemeinderechner, soweit sie bei der neuen herstellen läßt.- Zu dem zweiten Punkt, gerechtere Landgemeindeo: dnung Berücksichtigung finden sollen, gewählt. Verteilung der städtischen Drudarbeiten, teilt Bürger** Gegen die Fleischuot. Der in Leipzig ab- meister Arnold mit, daß er stets darauf bedacht sei, gehaltene Verbandstag der Gehülfen- Organisation der jede Druckerei nach Möglichkeit zu berücksichtigen.- Fleischer und Berufsgenossen beschloß, an die Reichsregierung G.-M. Ramsped äußert sich in dem Sinne, daß man eine Betion zur Beseitigung der Fleischnot zu richten. hier kein Monopol schaffen dürfe, indem man der AnTausende von Meistern seien bereits existenzlos geworden, regung der Gesuchsteller, abwechselnd jedem ein Jahr regung der Gesuchsteller, abwechselnd jedem ein Jahr wurde angeführt, und die Gesellen hätten schwer unter der lang die Drucksachen zu bestellen, stattgebe. Im übrigen * - spricht auch er für eine möglichst gleichmäßige Verteilung der Drucksachen. im Zuhörerraum anwesenden Buchdruckereibesitzer Post, G.-M. Gg. Bücking VIII. fragt den wie er sich zu dieser Sache stelle, worauf letterer erwidert, er wisse von der ganzen Eingabe nichts. Dazu bemerkt die„ Alsfelder Oberheff. 3tg.", daß die Aeußerung des Buchdruckereibesizers Post nicht recht verständlich ist. Die Eingabe wurde ihm zur Unterschrift vorgelegt, doch weigerte er sich zu unterschreiben. * Lauterbad), 5. September. Herbes Geschic. Gestern nachmittag um 4 Uhr fand unter außerordentlicher Beteiligung von nah und fern die Beerdigung des Kaufmanns Wilhelm Finger, Mitinhaber der Lederhandlung H. C. Finger, statt. Finger, der 45 Jahre alt war, ist plötzlich einem Schlaganfall erlegen; dasselbe Geschick hatte 6 Wochen vorher seinen Vater getroffen. > Schlüchtern, 6. September. Gransiger Fund. Bei Oberzell wurde in einem Waldrevier das Skelett eines 10-12jährigen Mädchens gefunden. Die Behörden haben Schritte eingeleitet, um zu ermitteln, wo ein Mädchen in diesem Alter vermißt wird. § Worms, 6. September. In Oktober kann unsere Schuhmannschaft auf ein 25jähriges Bestehen zurückblicken. Kriegserlebnisse in Klein- Linden aus dem Jahre 1797. ( Von unserem Spezial- Korrespondenten.) In einer von dem ehemaligen Schullehrer Frank zu„ Klein- Lindes" geführten Ortschronik findet sich nachstehende Aufzeichnung, die wir in unverändertem Wortlaut in Folgendem wiedergeben wollen. " Pro memoria: Nachdem der Kriegsschauplatz schon verschiedene Jahre in hiesiger Gegend gewesen und die Kaiserlichen und französischen Armeen wechselsweise abanciert und retiriert waren, drangen die Franzosen den 18. April 1797 bei Neuwied über den Rhein und zwar so geschwind, daß sie am 21. April die Kaiserlichen von dem ganzen Lahnstrom bis an die Nidda verdrängten. Um 3 Uhr nachmittags waren die Kaiserlichen noch in Klein- Lindes, aber schon 3½ Uhr famen die ersten französischen Dragoner ins Dorf, die in der Lindner Mark ins Handgemenge gerieten. Bald darauf fam es zwischen Steinberg- Grüningen zu einer Schlacht, die zum Nachteil der Franzosen ausfiel, wobei auch der französische General Ney gefangen wurde. In der nämlichen Nacht bekam das hiesige Dorf 600 Mann Dragoner in Quartier, welche aber am anderen Morgen wieder abrückten. Am 22. April, morgens 6 Uhr, fiel eine französische Armee, welche sich bei Gießen in den Gärten gelagert hatte, hier zum Plündern ein und dies dauerde bis abends 7 Uhr. Wenn eine Partte fort war, kam die andere, sodaß in manchen Häusern nicht die geringsten Lebensmittel übrig blieben und die meisten Leute haben in 3 Tagen feinen Bissen Brot gehabt. Der Schaden, den der Ort erlitten, wird auf 14 000 Gulden gerechnet; nicht allein Lebensmittel, sondern auch Kleider und Weißzeug nebst vielem Geld haben die Feinde genommen. Der Schullehrer Frank hat nach seiner geringen Haushaltung einen Verlust von 250 Gulden. Es ist doch auch ungleich bei der Plünderung hergegangen. Einige der reichen Häuser in der Obergaß hatten sich durch eine Partie Kanoniere Sicherheit verschafft, daß sie nichts dabei verloren. Gleich nach der Schlacht bei Grüningen fam ein Waffenstillstand zuwege, Die französischen Truppen der 22 Monate dauerte. wurden in das ganze Oberfürstentum repartiert, wo Das Land ist dadurch endlich alles drauf gegangen. so auf- und abgezehrt worden und hat so viele Schulden gemacht, daß Kindesfinder sie nicht bezahlen können." Wie sehr der Chroniksa, reiber in seiner Schlußbemerkung recht hat, beweist die Tatsache, daß heute rechnung für Klein- Linden eingestellt sind. noch 1742 W. ältere Kriegsschulden in der GemeindeWarttberigte. -le icken, 7. Sepbr. Auf dem hertigen Wochenmarti tefieten Buttes per Pfb. 115-1.20 M., Hühnereier per Stück 7-8 Pfg., Enteneter St. 6-7 Bfg., Käse per St. 6-8 Pfg., Käsematte 2 St. 5-6 Pfg. Erbsen per Liter 21 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg., Tauben per Baar Mr. 0.80-1.00, Hühner per Stüd Mt. 1.00-1.60, Hahnen, per Stud 0.80-1.80, Enten per Stüd 1.80-2.20, Gänse per Pfb 00-00 Pfa., Osenfleisch per fb. 72-82 Big., Rindfleisc per fb. 70-72 Pfg. per Pfb. Schweinefleisch 76-86 Big. Sowetne fletsch gesalzen per Pfund 0.90 g.,#albfleisch) per fb. 70-80 Pfg. Sammelfleisch per Pfd. 50-76 Bfg., Kartoffeln pro 100 kilo 7.0-800 mt., 3wiebeln per 31 mr. 8.00-10.00, Weistraut 10-15 Pf. pe Stüd, Zentner 3-4 Mt. Aepfel per Zentner 6--10 Mt.. Zwetschen des Zentner 0,00-0.00, Kirschen per Pfd. 00-00 Pfg Milch per Lite: 20 Pfg. Dauer der Marktzet: bon 7 Uhr morgens bis 1 lb nachmittags. Gegenfiände des Wochenmarktverkehrs dürfen bor Beginn der Marktzeit überhaupt nicht, und während der ersten brei Stunden der Marktzeit im Umberzieben fellaeboten werben. Arbeitsnachweis der Stadt Gießen. Gartenstraße Nr 2( Bürgermeistereigebäude) Zimmer Nr. 14. Es können eingestellt werden: 1 landw. Knecht, 1 Spengler, 5 Schlosser, 6 Schreiner, Schneider, 1 Tüncher, 1 Erdarbeiter, 1 Hausbursche, Hausoder Dienstmädchen, Laufmädchen und Lauffrauen. Lehrlinge: 2 Schlosser, 2 Schreiner, 1 Schuhmacher, 1 Schreiber. Es suchen Arbeit: 2 Schmiede, 1 Spengler, 1 Maschinist, 1 Striderin, 1 Buchbinder, 1 Weißbinder, 1 Schreiner, Maurer oder Taglöhner, 1 Fahrbursche, 1 Taglöhrer für leichtere Arbeit, Haus- oder Bu caudier er, Auslaufer, Kassierer. Verantwortlich: für die Politik und den Inseratentell: 1bin Klein, für den übrigen Jrhalt: Georg Horn, beide in Gießen. Bekanntmachung. Betr. Die ärztliche Behandlung der Stadtarmen. Herr Privatdozent Dr. Volhard ist bis zum 4. Oftober 1905 berreist. Meldungen von Stadtarmen sind während dieser Zeit an die medizinische Klinik zu richten. Gießen, den 4. September 1905. Armenamt Sießen. Curschmann. Vergebung von Bauarbeiten. Zur Erbauung der chirurgischen und der Augenklinik werden die folgenden Arbeiten unter Zugrundelegung des Ministerialerlasses vom 16. Juni 1893 hiermit öffentlich ausgeschrieben: Los I 179 Fenster B. Augen- Klinik. A. Chirurgische Klinik. I. Glaserarbeiten: Los I 112 Fenster II 107 " 1 " " III 106 " " II 87 III 82 " " IV 132 IV 82 " " V rund 130 qm Oberlichtverglasung mit Rohglas. V " 1 ca. 21' qm Oberlichtver= verglasung mit Rohglas. II. Spenglerarbeiten: Los I Schwitzwasserrinnen 2c. für Glasdan und Oberlichter rund 110 qm. III. Weißbinderarbeiten: 3610 qm 1246 Los I Wandpuz 3740 qm 208 I Wandpuz Deckenpuz 2490 Deckenputz Zementput 1265 Zementput Rappuz 2000 " 1 " 300 " " " Los II Wandpuz 6200 qm 1838 750 " Los II Wandpuzz Deckenpuzz Zementpug 4956 qm 1291 " 300 " Los III Wardpuzz Deckenputz Zementpuz Los IV Wandpuz 1557 qm Deckenputz auf massive u. Holzdecken Zementput 584 44 M " Los III Wandput Deckenputz Zemenipuz Stuckgesimse Deckenputz Sementbuz Studgesimse Los IV Wandpuz 89 lfdm 5450 qm 1838 930 " 420 lfdm 3478 qm Deckenpuz auf massive u. Holzdecken 1670 675 " " 1 " 3957 qm 1296 300" BAA Biergrosshandlung Emil Schmall Tel. 83. Gießen. Frankfurterstraße 7 Löwenbräuempfiehlt ächt Tel. 83. Münchener Bürgerbräu- Bier, Culmbacher Bier Dortmunder Union Pilsenersowie Frankfurter und hiesiges Bier " 99 in Flaschen, Gebinden, Selbstschänker( Syphon à 5 Liter). Reelle Preise. Aecht Pilsener Urquell nur in Syphons á 5 Liter. Beinlichfte Reinlichkeit der Abfüllung. Für alle Lieferungen Garantie der Originalität. Vergebung von Arbeiten. Sämtliche zur Erbauung einer Wasserleitnug nnd Kanalisation für die Gemeinde Benera erforderFlechten näss. und trockene Schuppenflechte, skroph. Ekzema, Hautausschlage, lichen Arbeiten und Lieferungen sollen im Submissions offene Füsse wege vergeben werden. Schriftliche Angebote sind bis Dienstag, den 12. September 1. Js. nachmittags 3 Uhr auf der Großh. Bürgermeisterei Beuern abzugeben, wo alsdann die Oeffnung derselben stattfindet. Die Pläne und Bedingungen liegen auf dem Bureau des Unterzeichneten Landgraf Philipp- Plaz 3 zur Einsicht offen und es können dort Angebotsformulare gegen Erstattung der Herstellungskosten in Empfang genommen werden. Gießen, den 21. August 1905. Beinschäden, Beingeschwüre, Aderbeine, böse Finger, alte Wundas sind oft hartnäckig; wer bisher vergeblich hoffte geheilt zu werden, mache noch einen Versuca mit der bestens bewährten RINO- SALBE frei von Gift u. Säure, Dose Mk. 1.-. Dankschreiben gehen täglich ein. Wachs, Naphtaan je 16, Walms Benzoefett. Veuet Terp., Karapferptisaint, Perubalsam je 5, Eigelb 30, Chrysareble 0.2 Zu haben in den Apotheken. bes. in d. Hirsch- Apotheke und in der Universitäts- Apotheke. Der Großh. Kreisbauinspektor des Kreises Ein Hausbursche Gießen. J. V.: Müller. gesucht. 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Erntewagen m. 4 Pferd n bespannt, nebst dazugehörigem Geschirr im Werte von 7000 Mark. ausSämtliche Gewinne werden auf Wunsch Bar bezahlt. gegen Abzug einer entspr. Provision in Lose à 1 Mk.( 11 Lose für 10 Mk.) zu haben bei: Richard Buchacker, HauptKollekteur, sowie allen durch Plakate kenntlichen Verkaufsstellen. ( Porto und Liste 25 Pfg. extra.) NAUMANNIA- SEIFE Best Selfe nah undfern! mit dem Für Weinbezug! Unter aller Garantie naturreine, flaschenreife Weissweine per Liter oder Flasche von 60 Pfg. an. Rotwein ( echter Ingelheimer) Liter oder Flasche von 100 Pfg. an versendet in Gebinden von 25 Liter und Kisten von 12 Flaschen an P.Chr. Saalwächter Weingutsbesitzer. Nieder- Ingelheim a. Rhein. Was Sie sagen ist richtig! Ein sehr willkommenes Festgeschenk sind 100 Visiten- Karten. Schon von 1 Mark an zu haben in der Buchdruckerei von Albin Klein, Giessen Seltersweg 83. Gothaer Lebensversicherungsbank auf Gegenseitigkeit. Größte Auftalt ihrer Art in Europa. 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