3. eines Gi m. 11 Uhr mgen fönnen 6 Angebote a annten Zeitpun t. jede muk erden, daß t rwürze Bauer che Bichhaltu eu, daß, Bauer Iften, aus ef fabriziert wir Den, daß feir hmungen be ihr auch nu werden, baj Ben und fleinen Sufriedenstellenb 8 findet. werden, daj Bauernfreude n. . die lobenbite erden, bai eine rofefforen, Lier: nder Weise über it der Bauern rden, daß der og aller gegner Berleumdungen , sondern fort vas cin weiterer der„ Bauern den, daß wir mangel zu ber jest shon am aber bei Ber ebentbar weit em Nußen er: bon, Bauern bom Veh boll 7. werden, daf amfeit fich ftan ben einfichtige freut und diesen chem Nußen ver rein Sommerhalb Beturnt wird ceitag: Riegenturnen, nerstag: Abenden um pünktlich in Ludwigstraße nden durch die erften Sprecher en Schriftführer mmen. Turnverein sderfer maschine ach patentiertes und ; vielseitigste Vor gröste Einfachheit -Katalog franko A.Mk 225 fmann, Köln. Ersparnis Butter! Nr. 106. Jnsertionspreis:: Die einspaltige Petitzeile für ganz OberBeffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg. Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Redaktion u. Haupterpedition: Gießen, Seltersweg 83. Fernsprechanschluk Nr. 362. Samstag, den 6. Mai 1905. Gießener 14. Jahrgang Abonnementspreis: abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel jährl. Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberbeffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt ersc eint an allen Werktagen nachmittags. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Beifung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Bekanntmachung. Die hiesige Volksschule veranstaltet Sonntag, den 7. Mai, nachmittags 4 Uhr in der Turnhalle des Turnvereins an der Nordanlage eine Schillerfeier. Wegen Raummangel fönnen zu dieser Feier nur solche Personen zugelassen werden, welche eine besondere Einladungskarte erhalten haben. Gießen, den 5. Mai 1905. Der Schulvorstand: Mecum, Oberbürgermeister. Hahn, Rektor. Der Krieg in Oftalien. Die Frage, ob Roschdjestwenskys Flotte sich noch in französischen Territorialgewässern befindet, ist immer noch nicht geklärt. In Japan wächst infolge der ausweichenden Antworten, die der Pariser japanischen Gesandtschaft auf ihre diesbezüglichen Anfragen zuteil geworden sind, die Erregung immer mehr. In Paris verlautet, daß ein neuer japanischer Protest gegen Frankreichs Neutralitätsverlegung unmittelbar bevorstände. Veranlaßt sei er durch die Meldung, daß die Flotte Roschdjestvenskys am 30. April im Hafen Port Dayot in der Penghoibucht Anker geworfen habe. Der japanische Gesandte Motono habe bereits die Aufmerksamkeit Delcassés auf diese Angelegenheit gelenkt. Es heißt, die französische Regierung habe am Dienstag eine Abteilung des französischen ostasiatischen Geschwaders unter dem Befehle des Admirals Jonquières nach der Penghoibucht entsandt, um über genaue Beachtung der französischen Neutralität zu machen. In Japan bezeichnet man diese französischen Maßregeln zur Aufrechterhaltung der Neutralität als eitel Spiegelfechterei. Man behauptet in Tokio allen Ernstes, daß zurzeit die ganze annamitische Küste von den Russen als Stüßpunkt benutzt wird. Man wird sich auch dadurch nicht beruhigen lassen, daß das offiziöse französische Depeschenbureau mitteilt, daß das russische Geschwader, das bei der Hon- Kohe- Bucht nördlich der Kamranh- Bucht am 2. d. M. bor Anker lag, beabsichtige, am Morgen des 3. Mai den Ankerplatz zu verlassen. Der russische Admiral hätte die französischen Behörden davon in Kenntnis gesetzt. Die japanische öffentliche Meinung verlangt die strifte Erklärung, daß sich kein russisches Kriegsschiff mehr in französischen Gewässern befindet. Die Schiller- Feier in Gießen. Der erste Fest att. Die Aufführungen der Studenten. So feiert ihn! Denn was dem Mann das Leben Nur halb erteilt, soll ganz die Nachwelt geben. So sette Goethe vor fast 100 Jahren bei der Schiller- Gedächtnisfeier in Weimar am 9. Mai 1810 dem großen Heimgegangenen ein lebendes Lorbeerreis. Wie tief Goethe auch immer geforscht und mit wie großem Rüstzeug ein gütiges Geschick ihn auch dazu versehen, so hatte sein Adlerblick doch klar wie fein anderer erkannt, daß eine Generation die gewaltigen Ströme des Schillerschen Genius, die für die ganze Menschheit rauschen, auszuschöpfen nicht imftande ift. So wandte er sich an die kommenden Geschlechter. Und sein Ruf ist nicht ungehört verhallt, sein Wort hat gezündet! In allen Kreisen hat man sich aufgemacht, Schiller dem Volke zu geben und heute, nachdem ein Jahrhundert über seinen Hügel hinweggegangen ist, gehört er dem Volke. Wie schnell auch in dieser Zeit die Epochen übereinander stürzten und Weit und Geschicke mit bunten Refl yen überzogen, immer deutlicher schritt der Dichter des Menschentums dem Volke entgegen. Er donnerte furchtlos mit flammenden Worten dem Despotismus sein Menetekel zu und verklärte die Hütte des Armen mit dem goldenen, wärmenden Strahl der Schönheit, an seinem hohen Menschentum zerbrachen der Dolch des Möros und die Menschen verachtung des Tyrannen. Alles ist frei an ihm, er ist der Künder der Freiheit im höchsten, edeisten Sinne und weil Das dritte russische Geschwader ist nunmehr auch in die Gewässer des Chinesischen Meeres eingelaufen. Nachdem es bereits hieß, daß es Malakka passiert habe, ist es jetzt bei Singapore gesichtet worden. Das Geschwader des Admirals Nebogatom besteht aus zehn Schiffen, sechs Kriegs- und vier Transportschiffen. Die finanzreform in Marokko. Die von Frankreich aufgestellten Reformvorschläge für die marokkanischen Finanzen sind nammehr in ihrem Wortlaut bekannt geworden. Ein Beamter in Tanger hat das Verdienst, die Oeffentlichkeit über die Pläne unterrichtet und sie in den Bereich der Diskussion gestellt zu haben. Eine marokkanische Staatsbank soll gegründet werden, die alle Geldumlaufsfragen und den fremden Wechselkurs regeln soll. Die marokkanische Münze wird im Variwerte Alle Zahder englischen und französischen gleichgestellt. lungen an Beamte und Heer leistet die Bank, nimmt Steuern und Zölle in Empfang und verwaltet den Regierungsbefig. Der Maghzen, d. h. der Staatsrat, soll Anleihen nur von dieser Bank nehmen, die gehalten ist, Ueberschüsse aus dem Besitz der Moscheen zur Gründung und Erhaltung Don Schulen zur Verbreitung der franzö sischen Sprache zu verwenden. Zur Erhöhung der Staatseinnahmen wird vorgeschlagen, von allen Personen, die Marokko betreten, eine Steuer zu erheben und den Paßzwang einzuführen. Diese Reformvorschläge sind in mehr wie einer Beziehung geeignet, Widerspruch hervorzurufen. Der französische Einfluß auf die Geschäftsführung der Bank würde bei unveränderter Annahme des Projektes schon deshalb zweifellos sein, weil für die Gründung zunächst ein Gutachten der Banque de Paris et des Pays- Bas eingeholt werden soll. Das soll wohl mit anderen Worten heißen, daß diese Bank und damit das französische KapiDer tal die Finanzierung in die Hand nimmt. marokkanischen Bank soll das Recht zustehen, dem Maghzen die Entnahme von Geldern zu verweigern. Wer das Geld hat, hat die Macht, das ist eine Binsenwahrheit. Sicherte sich Frankreich also auf diese Weise die Herrschaft über die Finanzen, so wäre seine Suprematie in allen übrigen Dingen selbstverständlich, und es würde sicherlich nicht lange zögern, diese Machtvollkommenheit in ausgiebiger Weise für den französischen Handel und die französische Politik auszunügen. Daß dabei Interessen anderer Länder und namentlich diejenigen des beneideten und gefürchteten Deutschland in das Hintertreffen gedrängt würden, braucht nicht erst nochgewiesen zu werden. Die weitere Forderung, die Ueberschüsse aus dem kirchlichen Vermögen, aus dem Besiz der Moscheen, für französische Schulen zu verwenden, zeigt den Pferdefuß ebenso deutlich. Warum nicht gleich für eine ansehnliche Invasionstrippe der niedlichen Piou- Pious oder einige Bataillone der Fremdenlegion? Und was soll die Einwanderungssteuer, und gegen wen wird sie angewandt? er vor dem Sklaven, der die Fessel bricht, nicht erzittert", darum strebt die Menschheit seinem hohen Fluge nach, der zu den höchsten Höhen führt, darum sieht sie auf ihn als ein hohes Bild, das ihr errichtet worden und bringt ihm ihre Huldigungen dar. Einig eilt sie zu ihm hin und in seinem Bannkreis verftummt aller fleinlicher Parteihader. In Gießen ist die offizielle Schillerfeier gestern Abend durch die Aufführung der Studenten bei ungemein gut beseztem Hause des Stadttheaters in würdiger Weise eingeleitet worden. Festbereit harrte die Menge, als vom Drchefter, das die Kapelle unserer 116er eingenommen hatte, der Meyerbeersche Schillermarsch in gewaltigen Afforden durch den Saal brauste. Gleich darauf rollte der Vorhang auf und das Festspiel, das als Erinnerungsblatt an die erste Aufführung des Wilhelm Tell" am 17. März 1804 in Aufführung des Wilhelm Tell" am 17. März 1804 in Weimar von Alexander Otto gewidmet ist, ging in in Szene. Anlage und Durchführung dieser kleinen dramatischen Arbeit sind sehr zweckentsprechende, die Sprache ist feurig und von Schillerschem Schwunge. Der Dichter dient dadurch ebenso sehr der Objektivität wie dem Rahmen des Werkes. In dem Festspiel nahen sich Schiller schon die Todesahnungen, aber nicht bang und grauenerregend, sondern in überirdischer Erscheinung die Erkenntnis ihm bringend, daß er seine Lebensarbeit vollendet habe. Hingerissen von dem Gedanken an die Erscheinung teilt er sie der treuen Lebensgefährtin mit und wartet dann klopfenden Herzens ab, ob das Volk auch seinen Tell, der drüben im Theater zum ersten Mal zur Aufführung gelangt, verstehen wird. Da öffnet sich die Tür herein stürzt Heinrich Boß und wirft sich von dem Genius bezwungen, dem Meister vor die Füße. - Die Maroffaner selbst ziehen ähnliche Schlüsse aus den fränkischen Eireneaffängen. Der Maghzen, also die Versammlung der vom Sultan berufenen Senatoren, hat erflärt, er erfenne die Notwendigkeit der Reformen an, wolle aber zit ihrer Verwirklichung nur den gemeinsamen Beistand aller europäischen Mächte, nicht denjenigen Frankreichs allein, annehmen. Nach der unzweideutigen Stellungnahme Deutschlands, mit dem Italien und Spanien auch ohne offizielle Verlautbarung Arm in Arm gehen, werden die Reformvorschläge" wohl noch einer gründlichen Umarbeitung bedürfen, ehe sie aus der schönen Welt des Scheins in die nüchterne Wirklichkeit treten fönnen. Die Politik. Der Kriegsminister bringt das Verbot des Vertriebs von Druckwerken beim Militär in Erinnerung. Unteroffizieren und Mannschaften ist dienstlich untersagt, auf Veranlassung von Zivilpersonen Drucksachen und Waren bei Truppenteilen oder Behörden zu verteilen. * O Ein Abkommen des Deutschen Reichs mit Luxemburg über Unfallversicherung und den Bezug von Invaliden- und Unfallrenten wurde vom Bundesrat genehmigt. Es soll dadurch verhütet werden, daß Personen, die auf deutschem Boden arbeiten und in Luxemburg wohnen, die ihnen durch Tätigkeit und Einzahlung zustehenden Renten verlieren. In der Frage der Personentarifreform soll die bayerische Verwaltung auf dem Standpunkte der unbedingten Ablehnung der 4. Wagenklasse für das rechtsrheinische Bayern stehen. Dagegen ist man geneigt, den Tarif für die 3. Klasse von 3,4 auf 2 Pfennig pro Kilometer zu ermäßigen. Dafür sollen die Säße für die 1. und 2. Klasse etwas erhöht werden. Die Konferenz der deutschen Eisenbahnverwaltungen in Berlin unter Vorsitz des preußischen Eisenbahnministers Budde hat begonnen. men. Im Lauf der kommenden Woche, am 10. Mai, wird der deutsche Reichstag seine Plenarsizungen wieder aufnehMan nimmt an, daß das Reichsparlament am 30. Mai geschlossen oder vertagt wird. Mit besonderem Interesse sieht man allgemein der Beratung der Militärpensionsgesete entgegen. & Der preußische Landtag wird sich nach den Osterferien in erster Linie mit den Berggesetznovellen, der Nebenbahnborlage, dem Geseßentwurf über die Verwaltung gemeinschaftlicher Jagdbezirke und demjenigen über den Vertragsbruch landwirtschaftlicher Arbeiter zu befassen haben. Rufsland. Obwohl der angekündigte Generalstreik in RussischPolen als mißlungen gilt, nimmt die Beunruhigung der Bevölkerung nicht ab. In Warschau wurden abermals eine Anzahl Personen durch das Militär verwundet. Die - Und während er daliegt, tönen von draußen die Hochrufe der entflammten Menge herein. Das Stück machte, bescnders da es recht flott gegeben wurde, einen recht wirkungsvollen Eindruck und wir bedauern nur, daß uns zur eingehenden Würdigung der Einzeldarstellungen in diesem Spiel wie auch in der Rütli- Szene" und„ Wallensteins Lager" nicht der genügende Raum zur Verfügung steht. Dem Festspiel reihte sich die Festouverture von Klughardt an und dann hob sich der Vorhang zum zweiten Male und der Zuschauer erblickte die Rütli- Szene mit der gewaltigen Massenentwicklung, der die Regte des Herrn Direktor Steingoetter und die gut durchdachte Auffassung der Darsteller ein prächtiges, lebendfrisches Kolorit verliehen. Dasselbe läßt sich auch von der Aufführung des Wallensteinschen Lagers, das den Abend wirkungsvoll abschloß, sagen. Das Haus hielt mit seinem Beifall nicht zurück. G. H. Der Dichter der Glocke. Bur Schillerfeier wird in der Köln. 8tg." angeregt, daß am 9. Mai die Glocken im ganzen deutschen Lande zur und zwar in der Todesstunde selben Stunde Schillers: 5 bis 6 Uhr nachmittags- geläutet werden. Der Gedanke ist ausgezeichnet; seine Verwirklichung ergäbe eine würdige Huldigung für den Dichter des Liedes von der Glocke: ein vieltausendstimmiger Preis aus chernem Munde ein Meer gewaltiger Klangwogen brauste über ganz Deutschland hin ihm zu Ehren. Mögen daher auch die Glocken Gießens dem gewaltigen deutschen Geistesheros ihren ehernen Gruß entbieten! Gesamtzahl der am 1. Mai Getöteten oder an den Berlegungen Gestorbenen beträgt 42. Donnerstag abend zehn Uhr wurde in der Marschalkowskastraße gegenüber dem Hause Nr. 116 eine Bombe unter das Pferd des berittenen Die Oberpolizeimeiſtergehilfen Seyfarth geschleudert. Bembe explodierte so schwach, daß niemand verletzt wurde. Die Täter sind nicht entdeckt. Acht Arbeiter überfielen in Petersburg einen politischen Geheimdetektiv und mißhandelten ihn, so daß er mit tödlichen Schädelverletzungen davongetragen werden mußte. In der Deribassowstraße zu Odena wurde eine Person verhaftet, die eine Sprengbombe bei sich trug. Türkei. Der franke Mann am Bosporus wird wieder einmal von allen Seiten bedrängt. In Kreta, in Mazedonien und in der Provinz Yemen slackert der Aufstand in hellen Flammen. Nachrichten aus Kreta lassen eine Intervention der Mächte unvermeidlich erscheinen, um der gefahrvollen Lage ein Ende zu setzen. Man hält die Entsendung eines internationalen Geschwaders mit Landungstruppen für bevorstehend. In Mazedonien sind wieder mehrere Mordtaten an bulgarischen Geistlichen begangen worden. Nach aus Yemen kommenden Meldungen haben die Aufständischen alle türkischen Verwaltungsbeamten ermordet. Ein außerordentlicher Kriegsrat in Konstantinopel beschloß, behufs Unterdrückung des Aufstandes in Yemen 100 000 Mann zu mobilisieren. Der Chef der Rebellen hat sich den Titel Groß- mam" beigelegt und Yemen für unabhängig erklärt. Auch in Albanien beginnt es sich zu regen. Zwei Thronprätendenten, Prinz Albert Ghifa und Fürst Don Atadro Castrata, machen für sich Propaganda. Man beabsichtigt nichts weniger als die fünf albanesischen Vilajets von der Türkei loszureißen und ein selbständiges Staatswesen zu bilden. Hof und Gesellschaft. Der Kaiser ist mit der Kaiserin und den Prinzen in Karlsruhe angekommen und begeistert empfangen worden. Offizieller Empfang auf dem Bahnhofe und Begrüßung durch die Vertreter der Stadt waren auf Wunsch des Kaisers unterblieben. Die Einzugsstraßen, in denen Vergine und Schulen Spalier bieten, waren prachtvoll geschmückt, auch das Rathaus war in ein prächtiges Blumen- Gewand gehüllt. Der Reichskanzler Graf Bülow, der in Karlsruhe eintraf, ist im großherzoglichen Schlosse abgestiegen. Beim Verlassen des italienischen Bodens hat der Kaiser an den König Victor Emanuel ein sehr herzliches Telegramm gesandt, in dem er erklärt, er werde stets an allem von Herzen teilnehmen, was das befreundete und verbündete Italien betrifft. ** Vom Kaiser ist dem Sultan von Marokko der Stern des Roten Adlerordens mit Brillanten verliehen. Graf Tattenbach ist beauftragt, die Ordensauszeichnung dem Sultan zu überbringen. Sie ist bestimmt, an Stelle der bei den Gesandtschaften zum marokkanischen Hofe üblichen Geschenke zu treten, da zu deren Besorgung keine Zeit mehr borhanden ist. * ** Das Programm für die Feierlichkeiten bei der Hochzeit des deutschen Kronprinzen steht jetzt in großen Zügen fest. Am 3. Juni hält die Prinzessin Cäcilie ihren feierlichen Einzug in Berlin, und im Anschlusse daran findet Galatafel statt. Am darauffolgenden Sonntag, dem 4. Juni, ist Familientafel. Montag folgt sodann der Polterabend im Königlichen Schlosse, und der Dienstag, 6. Juni, ist der Hochzeitstag. Die Trauung wird vom Oberhofprediger Dr. Dryander in der Schloßkirche vollzogen, und an diesen weihevollen Aft schließt sich das Hochzeitsmahl an. Am Tage darauf ist in dem historischen Weißen Saale des Königlichen Schlosses Defiliercour vor dem neuvermählten Paare. In Aussicht genommen ist auch noch ein großer Zapfenstreich, doch steht noch nicht fest, an welchem Abend dieser stattfinden soll. Am 18. Juni erfolgt der Einzug des Kronprinzen- Paares in Potsdam. Dort werden auch die Havelschiffer dem Paare ihre Huldigung darbringen. * ** Der König von Sachsen ist von Wien in Begleitung des Erzherzogs Franz Ferdinand nach Neuberg abgereist, um dort Jagden abzuhalten Feer und flotte. Unsere beiden Turbinenschiffe, der kleine Kreuzer Lü beck" und das Torpedoboot S. 125" sollen demnächst ihre Probefahrten abhalten. Auf den Ausfall ist man in den leitenden Kreisen äußerst gespannt, da die Urteile über die Turbinen in den fremden Kriegsmarinen bisher sehr widersprechend sind. Unsere Marineverwaltung wird, da Leistungen an Dampfturbinen in Pferdestärfen nicht direkt bestimmt werden können, zwischen dem Turbinenkreuzer„ Lübeck" und einem Schwesterschiff Versuchsfahrten vornehmen lassen, selbstverständlich genau unter denselben Bedingungen und Betriebsverhältnissen. Das Gewicht der ganzen Turbinenmaschinenanlage ist um 77,5 Tonnen kleiner als das Gewicht der Kolbenmaschinenanlage des Schwesterschiffes Hamburg". Man glaubt bestimmt, daß man durch Lie Turbinenmaschinenanlage viel Kohlen sparen wird; wenigstens steht dies fest von den Turbinenschiffen fremder Marinen. Nah und fern. + Gemeinsam in den Tod. Ein achtzehnjähriger Hausdiener und ein neunzehnjähriges Dienstmädchen in Schöneberg sind als Leichen am Landwehr- Kanal angefunden. Sie hatten beschlossen, gemeinsam ins Wasser zu gehen, da sie feine Aussicht hatten, zur Heirat zu gelangen. Dazu kam, daß das Mädchen ihrem Dienstherrn Geld entwendet hatte und eine Anzeige fürchtete. Sie tanzten die Nacht hindurch und gingen heiter vom Tanzboden fort. Erst als Leichen fand man sie wieder. A Das Auto. Auf der Pleißebrücke bei Möckern überfuhr der Kaufmann Wolff aus Zwickau eine Frau. Sie erliti einen Schädelbruch und verstarb alsbald. Der unvorsichtige Fahrer hat einer kinderreichen Familie die treu sorgende Mutter genommen. Er dürfte eine empfindliche Strafe da bontragen. Englische Raubfischerei in deutschen Gewässern. Daf die alte Klage der deutschen Fischer, daß die englischen Kollegen die Neutralitätsgrenze nicht respektieren und feelenruhig die guten deutschen Fischgründe abernten, noch inimer zu recht besteht, beweist der folgende Fall, der aus Wilhelmshaven gemeldet wird. Das deutsche Fischereitor. pedoboot S. 21" traf in der Nordsee auf deutschem Gebiet den englischen Fischereidampfer„ Conger" an, beschlagnahmię ihn und brachte ihn nach Wilhelmshaven. Die Geräte sind konfisziert worden. Wenn die englischen Fischer erst merken daß ihnen scharf auf die Finger gepaßt und unnachsichtig gegen sie vorgegangen wird, werden sie sich allmählich ge wöhnen, die internationalen Vorschriften zu achten. Explosion auf einem Stockholmer Postamt. Wie aus Stockholm gemeldet wird, explodierte auf dem dortigen Post: amt eine Sendung aus dem Auslande, wobei einer Postbeamtin zwei Finger abgerissen und zwei andere Beamte leicht verletzt wurden. Die Sendung enthielt eine Flasche mit einem bräunlichen Pulver, zugleich mit einem Preisfidcant und einem Reklamezirkular einer Berliner Parfümeriefirma. In dem Zirkular wird mitgeteilt, daß die Firma 10 000 Probeflaschen über ganz Skandinavien versandt habe. Die Berliner Firma erklärt, daß sie mit dieser Angelegenheit nicht in Verbindung stehe. Sie habe niemals etwas nach Schweden geschickt. Soziales Leben. [] Stiftung für Wohlfahrtszwecke. Die Jabrik R. WolfMagdeburg stellte die 10 000. Lokomotive fertig. Aus diesem Anlaß machte die Firma eine Stiftung von 120 000 Mark zu Wohlfahrtseinrichtungen für Angestellte und Arbeiter. Lokales. 6. Mat 1905. ** Der Großherzog hat den Aftuariatsassistenten bei dem Amtsgericht Gießen Karl Block zum ftuar bei dem Amtsgericht Lampertheim, den Amtsgerichtsbiener bei dem Amtsgericht Schotten Franz Dörr zum Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgericht Lampertheim und der Fußgendarm Philipp Essinger in Schotten zum Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgericht Schotten ernannt. * Der Großherzog über das Attentat auf sein Automobil. Wir haben berichtet, daß fürzlich in Friedberg von bösen Buben nach dem Automobil des Großherzogs ein Stein geworfen ist. Der Bürgermeister von Friedberg hat darauf an den Landesfürsten ein Telegramm gerichtet, in welchen er der Entrüstung der Bürgerschaft über diesen Bubenstreich Ausdruck gab. Darauf ist nunmehr von dem Großherzog folgende Antwort eingegangen: " Ich danke Ihnen und den Bürgern Friedbergs für die in Ihrem Telegramm ausgesprochenen Worte und bin nach wie vor von der Treue und Anhänglichkeit der Stadt überzeugt. Ich bin weit davon entfernt, diesen Bubenstreich auf Mich persönlich gerichtet zu betrachten, bedauere aber, daß derartige teils findischen, teils bösartigen Angriffe, die leider nicht vereinzelt daft hen, in Meinem Lande vorkommen fönnen. Ernst Ludwig." Die stregnen Worte des Großher: zogs sind völlig berechtigt. Wie es früher und wohl auch jezt noch hier und da den Radfahrern geschah, so passiert es jetzt den Automobilfahrern, daß sie unter heimtückischen und pöbelhaften Angriffen roher Elemente zu leiden haben. Hoffentlich führen die Worte des Großherzogs dazu, daß die Behörden gegen derartige Roheiten die äußerste Strenge anwenden. - ** Zu der demnächst stattfindenden Landtagswahl schreibt man uns: Die fürzlich durch die Blätter gegangene Notiz, wonach der durch den Rücktritt des Abg. Ripper freiwerdende Landtagswahlsiz Reichelsheim- Fürth Lindenfels seitens der Bauern bündler zu gunsten des Abg. Haas, dessen Mandat Gernsheim Pfungstadt bekanntlich sehr gefährdet erscheint, an die Nationalliberalen abgetreten würde, wird uns von authentischer Seite als unrichtig bezeichnet, da die Bauernbündler für den freiwerdenden Wahlfreis den Mühlenbesizer Fr. Brauer in Fränkisch. Krumbach in Borslag bringen werden. Auch der sozialdemokratische Reichs- und Landtagsabg. Cramer soll amtsmüde sein und fein Mandat für beide Häuser niederzulegen beabsichtigen. Bon sozialdemokratischer Seite soll nun das Reichstagsmandat dem Rechtsanwalt Dr. Fulda angetragen werden, während von den übrigen Parteien der Abg. Dr. Becker- Sprendlingen vorgeschlagen werden soll, der voraussichtlich auch große Chancen hat. ** Eine zeitgemäßige Ehrung Schillers zum 100jährigen Todestage Schillers plant der Ausschuß zur Sammlung einer Schillerspende für das RheinMain- Gebiet. Die Schillerspende soll einer planmäßigen Volksbildungsarbeit in Hessen, Nassau, der Pfalz und den angrenzenden Gebieten dienstbar gemacht werden; es soll eine beratende und anregende Zentralftelle für das Volfsbildungswesen im Geifte Schillers geschaffen und die örtliche Boltsbildungsarbeit( Vortragswesen, Voltsbibliotheken, VolksKunstpfl ge), namentlich in ärmeren Orten, unterstützt werden. Wer sich an einer solchen Ehrung unseres großen Dichters beteiligen will, wolle seinen Beitrag an die Expedition unseres Blatt& richten, die bereit ist, ihn an den Ausschuß abzuführen. Der Eingang jeder Gabe wird durch Quittung bestätigt. *** Der Bogelsberger Höhenklub wird seine Generalversammlung am Donnerstag, den 1. Juni, am Himmelfahrtstage, in Gießen abhalten. * ** Eine tätowierte Dame zu bewundern, ist dem Gießener Publikum von morgen, Sonntag ab, im„ Adler" Gelegenheit gegeben. Dort gastiert Miss Carri, eine junge Dame, deren Körper ganz mit Tätowierungen, zu deren Herstellung nach Urteil der Sachverständigen 60 Millionen Na elstiche erforderlich waren, bedeckt ist. Miss Carri wurde mehrfach durch Einladungen an Höfe ausgezeichnet. Jeder, der sich für die Kunst der Tätowierung interessiert, ist ein Besuch nur zu empfehlen. * Nach dem ersten amtlichen Bericht über den Saatenstand in Deutschland der kürzlich erschienen ist, sind die Saaten im allgemeinen recht gut durch den Winter gekommen. Tierische Schädlinge sind fast gänzlich verschwunden, sodaß die naßfalte Witterung doch wenigftens etwas gutes gezeitigt hat. -ul Das Heufieber, dieser schlimme Plagegeist, der sich bei allen einmal davon Befallenen unentrinnbar alljährlich im Frühsommer einstellt, steht wieder vor der Tür. Tausende werden alljährlich von ihm heimgesucht. Diesen Bund von Helgoland wie alljährlich so auch j bt wieder eine Sammelschrift herausgegeben hat, in der von der sachkundigen Hand des selbst am Heufieber leidenden Bicken, 6. Mai. NT Bfb. 1.10-1.20 61 6-7 Bfa., Safe p Frijen per Liter 21 2 0.80-1.00, dürfte es erwünscht sein, zu erfahren, daß der Heufieber Shid C.80-1.80, ah 00-00 Bfg. Die per Bfb. 62-68 fg feld gefalzen per fg. Sammelfletfop Dr. med. Mohr, Mügeln, die durch Umfragen bei 100 M., Zwiebeln p 2000 Leidensgefährten gesammelten Erfahrungen des letzten tid, Bentner 3 Sommers über Wert oder Unwert der bisher angewandten Heil und Linderungsmittel ausführlich erörtert sind. Die Schrift wird allen Heuleidenden und ihren Aerzten auf Anfordern unentgeltlich zugesandt; man wende sich dazu an den Vorsitzenden des Bundes, Otto Schulz, Hannover, Mittelstraße 8. § Grünberg, 6. Mai. Der Gemeinderat verhandelte gestern über den Holzschlag im Stadtwalde. ? Laubach, 5. Mai. Unsere Schillerfeier findet am Sonntag, den 7. d. M. statt. Die Stadt wird an dem Tage eine Schillerlinde auf dem Ramsberge anpflanzen. § Butzbach, 5 Mai. Schiller in der Kirche. Bentner 0,00-0.00 10. Pfg. Dauer nachmittags. Geg Beginn der Marti biet Stunden ber Gießenez Borausfid bert 7. Mai. M worm. ( Näheres d Berantwo Pfarre: Los predigt am Sonntag im Nachmittagsgottesdienst albin Klein, über Schiller. " ▲ Ilbeshausen, 5. Mai. Luftkurort. Zu dem hier projektierten ersten Vogelsberger Luftfurort wurde im April das erste Gasthaus„ Zum Felsenmeer" unter Leitung des Eastwirts D. Friedel aus Kaffel eröffnet. Eine Anzahl Sommerfrischler sind schon angemeldet. Die Pläne der Gebäude hat Architekt L. Hofmann entworfen. K Darmstadt, 5. Mai. Wahnsinn und Selbsts mord. Zwischen Eberstadt und Nieder- Ramstadt wurde heute Morgen der Wirt Peter Breitwieser von hier mit einem Schuß in der Brust aufgefunden, den er sich, wie man annimmt, in einem Anfalle von geistiger Umnachtung, selbst beigebracht hatte. Er wurde hierher ins Mathildenfrankenhaus gebracht. Standesamt- Nachrichten der Stadt Gießen. Geborene. Am 24 April. Dem Handschuhmacher Heinrich Henn eine Tochter, Mariane Anna; 25. Drechsler Georg Kraus ein Sohn; 28. Bauschreiber Joseph Herbert eine Tochter, Elisabeth Magdalene; 29. Gesellschaftsdiener Franz Gopon ein Sohn, Arthur Kurt; 30. Kaufmann Samuel Rosenbaum eine Tochter, Rosi. Am 1. Mai. Bahnarbeiter Heinrich Karl Rethwish eine Tochter, Elisabeth Marie Luise; 4. Knecht Heinrich Becker ein Sohn. Aufgebote. Am 29. April. Wilhelm Flett, Bauschlesser dahier mit Johanna Schmidt hierselbst. Florian Kasprowicz Hilfsschaffner dahier mit Elisabeth Werner hierselbst. 30. Franz Rausch, Pflasterer in Seligenstadt mit Luise Kick dahier. Am 1. Mai. Karl Reuter, Schlosser dahier mit Sophie Margarete Nödel hierselbst. 4. August Bogler, Monteur dahier mit Katharine Stieglitz hierselbst. Eheschließungen. Am 29. April. Peter Wilhelm Sommer, Metzger dahier mit Staroline Elise Dittmar hiers- lbst. Johann Philipp Kindinger, Postbote in Darmstadt mit Katharine Marie Wilhelm Förster, Taglöhner Friederike Schäfer dahier. dahier mit Anna Elisabeth Schneider hierselbst. Am 1. Mai. Wilhelm Fillmann, Bautechniker dahier mit Elisabeth Müller herselbst. 2. Hugo Richard Bromm, Schneider dahier mit Bertha Sperling hierselbst. Gestorbene. Am 28. April. Dr. Konrad Eckhard, Geh. Medizinalrat, Professor dahier. Am 1. Mai. Erwin Wilhelm Schädel, 1 Jahr alt, Sohn des Universitätspedellen Johannes Schädel dahier. 2. Guilio Aiazzi, 17 Jahre alt, Edarbeiter dahier. Johann Joft Heck, 78 Jahre alt, Kohlentändler dahier. 3. Anna Minna Frenzel, 7 Mte. alt, Tochter des Kürschners Richard Frenzel dahier. Wiegand Wagner, 48 Jaher alt, Musiker dahier. Kirchliche Nachrichten für Grünberg. Am Sonntag, Misericordias- Domini,( 7. Mai.) predigt: 1. vormittags: Defan Wagner. Text: Joh. 10, 12-16. Lied Nr. 271. 2. nachmittags: Pfarrer Schmidt. Text: 1, Petr. 2, 21-25. Lied Nr. 244. 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( Siller, Ideal und Leben, 11.) beiden ssen. forte, des anzböden, forderlichen - Gärtner Den werden. en Lag auch Uhr in der Nr. 21 III) lare, welches m 5 Uhr Zuschlagsfrist lbrunnens rforderlichen sechsedigen lzer( 15 cm Beitpfäyle, Bangen usw. mer bon rd. wie Stellung g des dazu usw. terel getrennt verfahrene Been usw. auf oder Dienst Bfunft erteilt Auskunft f- Darmstadt, bormittags Der Aufschrift erfolgt innerGießen. Zum neunten Mai. as tönt so dumpf die maienluft, die klare? Was will der Trauerfang, so feierlich? 2. Er ist doch unfer, ob auch hundert Jahre Dahingegangen, feit er einst erblich, Ob unfre Ahnen schon an seiner Bahre In Tränen klagten, weil sein hauch entwich.- Es wandelte fein Sarg sich zum Altare, Sein Dichterwort, es wurde zur fanfare. Der Jugend Sturm, ihr graufiges Zerschellen, Der Standesschranken tötende Gewalt, Des Bürgeraufstands blutgetränkte Wellen, Des Wallensteiners mistische Gestalt, hispaniens, Englands hof, die Kriegsgefellen Der frommen Jungfrau allem gabft Du nalt. Und was dein Griffel formte zum Gedichte, Das blieb am Leben, wurde zur Geschichte. - Was in der Jugend keimen will und sproffen, was in des mannes Bufen kühn sich regt, Was in der Jungfrau Seele fich erschloffen, Der Gattin und der mutter herz bewegt, Was nach des Lebens Stürmen unverdroffen Der Greis als Edelschatz im Innern hegt Wir dankens Deinem klingenden fanale, Dir, Urquell unfrer höchsten Idcalc. - - Als Zwietracht unser Vaterland verzehrte, Uns schmählich unter fremdlingsjoch gebeugt. Wer war's, der uns zur Einigkeit bekehrte? Wer machte unser herz dem Kampf geneigt? Wer war es, der zur Frethelt uns bewehrte? Wer hat uns mahnend Tells Geschoß gezeigt? Du riefft zur hoffnung uns, zum Stolz, zum Trube, Wir zogen aus in Deines oculics Schuße. Dein Todestag? Wes Lied wie Deins erklungen, Der ist erhaben über Zeit und Ort, Der hat unsterblichkeit sich selbst ersungen, Und unvergeßlich lebt sein name fort. Du hast den Allbezwinger Tod bezwungen, Und durch Honen klingt Dein Scherwort. Wo Deutsche leben auf dem Erdenrunde- Dein name einigt sie zum Bruderbunde. worsen, Friedrich v. Schiller willst Du Dich selber erkennen, so fleb, wie die andern es treiben, wiast Du die andern verstehen, blick in dein eigenes Herz. ( Tabulae votivae.) Unser Schiller. Von Professer Dr. Eduard Hermani. An der Wende des 17. und 18. Jahrhunderts stehen jene beiden Riesengestalten deutscher Dichtkunst, deren Werke die Kleinodien in der Krone der deutschen Literatur bilden: Goethe und Schiller. Aber während Goethe wie in seinem Leben so auch in seinen Werken nur selten herabsteigt in jene Niederungen, wo das Volk sich müht und plagt, griff der stürmende Idealismus seines Freundes tief ein in das Volksleben, erfrischte und erhob nach des Lebens täglicher Mühsal und gewährte einen Ausblick auf jene Höhen der Glückseligkeit und der reinen Freude, die für ach so wenige von uns Sterblichen erreichbar sind. So wurde Friedrich Schiller der Liebling des deutschen Volkes, und er ist es geblieben. Hundert Jahre sind seit des Großen Tod verflossen, aber noch lebt sein Andenken frisch im Herzen der deutschen Nation, noch gehen tiefe, nachhaltige Wirkungen von seinen Werken aus. Ja, gerade unsere Zeit des materialistischen Hastens und Jagens, der realistischen Anschaungs- und Betrachtungsweise, sie verspürt wieder ein leises Sehnen nach jenem glühenden Idealismus, der die Schöpfungen des Meisters durchzieht. Das deutsche Volk, das der Mahnung seines größten Dichters: Seid einig, einig, einig!" Folge geleistet hat, blickt nun zurück auf die glorreichen Ruhmestage und, stolz auf sein Werk, wendet es sich wieder zu ihm, der in feinem Wilhelm Tell" das ragende Denkmal der Freiheit errichtet hat, um von ihm weitere Anregung und Belehrung zu empfangen. Und vom unerschöpflichen Quell Schillerscher Poesie ergießt sich von neuem ein befruchtender Strom in die deutschen Lande. Ist doch neben dem Freiheitsgedanken das Pflichtbewußtsein der Kernpunkt der Schillerschen Gedankenwelt. Und was ist den Bürgern eines großen und mächtigen Staates notwendiger als der Gedanke ihrer Pflichten gegen ihre Nation! Jeder einzelne muß sich voll bewußt sein seiner Pflichten gegen Staat und Gesellschaft und handeln im Rahmen der Gesetzmäßigkeit. Das ist die Freiheit, die Schiller meint, nicht die Zügellosigkeit, nicht die völlige Loslösung von allen staatlichen und gesellschaftlichen Gesetzen und Formen, mit einem Worte nicht die Anarchie, sondern die Freiheit, deren innerster Kern ein tiefes und heiliges Pflichtbewußtsein bildet. Es ist das Freiheitsideal des großen Weisen von Königsberg, Immanuel Kant, dem auch Friedrich Schiller seine Huldigung darbringt. Und es ist kein Zufall, daß der deutscheste aller Philosophen, Kant, und der deutscheste aller Dichter, Schiller, dasselbe Ideal der Freiheit sich formen. Das deutsche Volk hatte während der kaiserlosen, der schrecklichen Zeit genugsam die Schrecken einer zügellosen Anarchie verspürt, und im Zeitalter Schillers war der Dreißigjährige Krieg mit all seinen Wirrnissen noch nicht verschmerzt und vergessen. Konnte der Genius des deutschen Volkes, wie er sich in Schiller offenbarte, also cinen anderen Freiheitsbegriff bilden als den der Gesetzmäßigkeit und vollendeten Harmonie? Diese ebenmäßige Harmonie durchzieht alle Schöpfungen des Meisters, insbesondere seine dramatischen. Von Thüringen, von wo aus Luther dem deutschen Volke die Bibel schenkte, reichte Schiller seinem Volke das deutsche Drama dar. Durch das Wirken von Schiller und Goethe im lieblichen Weimar gelangte die deutsche Literatur zur ebenbürtigen Selbständigkeit, und Frankreich, das soeben durch das Schwert Friedrichs des Großen des deutschen Landes verwiesen worden war, wurde nun auch auf dem Gebiete der Literatur endgültig auf seine Landesgrenzen beschränkt. Man kann wohl sagen, daß Goethe und Schiller die literarische Einigung des deuschen Volkes vollzogen haben, welche die notwendige Vorbedingung für die politische war. SchilIers spezielle Bedeutung aber liegt darin, daß er der begeisterte Herold des Einigungsgedankens war, des entsagungsfreudigen Idealismus, der sein Alles dareinsetzt, die Ehre und Größe seines Volkes zu verteidigen. Die Hunderttausende, die während der Freiheitskämpfe herbeiströmten, um ihr Herzblut für die Befreiung des Vaterlandes zu opfern, sie alle waren echt Schillerschen Geistes voll, durchdrungen von der Hehren Bedeutung ihrer Aufgabe. Auch die Freiheitsdichter selbst, was predigten sie anderes als ihr großes Vorbild! Wandelten sie nicht in seinen Fußtapfen, wenn sie die Aufopferung für das Vaterland als bedeutungsvollste Pflicht der Bürger priesen! Und im letzten Kampfe, der Deutschland die Einigung brachte, schwebte nicht Schillers Mahnung allen vor, als die deutschen Stämme bon Nord und Süd, von Ost und West ihren, den deutschen Kaiser wählten? Was auch in deutschen Gauen im letzten Jahrhundert geschaffen wurde, der Geist von Deutschlands größtem Dichter war in allen Schöpfungen zu spüren und nicht zum wenigsten in den Werken derer, die ihn verkannten und verlästerten. Eine Zeitlang war es Mode, über Schiller heimlich zu lächeln, als ob wir weit hinaus wären über solch weltfremden Idealismus. Es war jene Epoche, wo naturwahr sein die Hauptsache war, wo die wahre Kunst im Kopieren der Natur gesucht wurde. Aber der Naturalismus berging, und neue Zeiten hörten mit freudiger Rührung wieder auf das Fittigrauschen des Genius des Idealismus, der heute weit über die deutschen Lande seine Palmen breitet und ermahnt und ermuntert zum ernsten Streben und Schaffen im Geiste Friedrich Schillers. - Aus des Dichters Lebensbuch. Um das Roß des Reiters schweben, Um das Schiff die Sorgen her... Ein passenderes Motto für das Buch seines eigenen Lebens hätte sich Schiller nicht wählen können, als dieses sich an Horaz anlehnende Zitat aus seinem„ Siegesfest". Von frühester Jugend an umschatteten ihn Frau Sorges graue Flügel. Als er am 10. November 1759 zu Marbach am Neckar das Licht der Welt erblickte, weilte sein Vater, der damalige Leutnant, früher Feldscher Johann Kaspar Schiller, im Kriegslager fern der Heimat. Sein Großvater mütterlicherseits, der Bäcker und Löwenwirt Kodweis, bei dem seine Mutter Elisabeth Dorothea während der jahrelangen, nur durch kurze Urlaubswochen unterbrochenen Abwesenheit ihres Mannes wohnte, befand sich in den mißlichsten petuniären Verhält nissen und entging nur mit Mühe dem drohenden Bankerott. Die sanfte, treusorgende Mutter, die bei beschränkter Schulbildung regen Sinn für Natur und Poesie besaß, wußte trotz der bedrückenden Enge diese Häuslichkeit zu einer harmonischen zu gestalten, in der das Talent des heranwachsenden Knaben nicht erstickt, sondern gefördert wurde. Allerdings hatte sie in ihrem frommier Sinn für ihren Sohn den Beruf eines Pfarrers in Aussicht ge= nommen. Seinen ersten Unterricht erhielt der junge Johann Christoph Friedrich denn auch in Lorch, wohin sein inzwischen zum Hauptmann beförderter Vater versetzt worden war, bei dem dortigen Ortspfarrer Moser, dem er in seinen„ Räubern" später ein Denkmal seßte. Die Lage der Familie besserte sich, als der Herzog Karl von Württemberg 1770 dem Hauptmann Schiller die Aufsicht über die Gärten des Luftschlosses Solitude übertrug. Eine Folge dieser Beziehungen zum Herzog war es auch, daß der junge Friedrich zu Anfang des Jahres 1773 in die militärische Karlsschule aufgenom men wurde, die damals auf der Solitude selbst ihren Siß hatte, zwei Jahre später aber nach Stuttgart verlegt wurde. Schiller widmete sich zunächst dem Studium der Jurisprudenz, in Stuttgart dem der Medizin. Hier schuf der jugendliche Dichter seine „ Räuber", an deren Vollendung ein Kreis jugendlicher Bewunderer regen Anteil nahm. Große Verstimmung erregte es bei dem sid nach freiem Schaffen sehnenden Jüngling, daß seine Entlassung von der Akademie auf persönliche Anordnung des Herzogs um ein Jahr hinausgeschoben wurde, weil seine wissenschaftlichen Arbeiten exzentrische Ausdrücke und zu viel Feuer" enthielten, das erst gedämpft werden müsse. Seitdem mag schon der Gedanke an Befreiung vom lästigen Joch des militärischen Berufes in des Tichters Seele erwacht sein. Mit Glücksgütern war der Regimentsmedikus ohne Portepée beim Grenadierregiment des Generals Augé, zu welchem Range Schiller nach Absolvierung der Karlsschule erhoben wurde, auch nicht gerade gesegnet. Bei 18 Gulden Monats= gage war der bittersten Not die Tür geöffnet, umſomehr, als Schiller auch für seine literarischen Bestrebungen Geld aufwenden mußte Als ihm im Mai 1872, nachdem er ohne Urlaub heimlich einer Aufführung seiner„ Räuber" in Mannheim beigewohnt hatte, in einem herzoglichen Utas das„ Komödienschreiben" ein für allemal untersagt wurde, gedich in ihm der Fluchtplan zur Reife. Am 17. September 1782 verließ der Dichter in Begleitung seines treuen Freundes, des Musifus Streicher, nach rührendem Abschied von seiner Mutter, die württembergische Residenz Stuttgart und entfam glücklich nach Mannheim, um von nun an gänzlich seiner Kunst zu leben. Aber so hoch die Schwingen seines Genies ihn auch trugen, neben dem Flügelroß schwebte nun erst recht ständig die Sorge her. Jahre der bittersten Enttäuschungen, der schwersten Kämpfe folgten. Zwar fand Schiller in Mannheim treue Freunde, besonders war es die geistreiche Charlotte von Kalb, die fördernd in sein Leben eingriff und ihn in Beziehungen zum funstliebenden Herzog Karl August von Weimar brachte, die für seine spätere Zukunft so be= deutungsvoll werden sollte. Doch Not und Sorge verließen ihn nicht. Als er 1785 Mannheim verließ, um einer Einladung des Oberkonsistorialrats Körner nach Leipzig und Dresden zu folgen, war er so entmutigt, daß er sich ernstlich mit dem Gedanken trug, das juristische Studium als Broterwerb wieder aufzunehmen. Die Hochherzigkeit des neuen Freundeskreises ermöglichte es ihm aber, bis 1787 in behaglichem Asyl ohne Sorge ums tägliche Brot seinem dichterischen Schaffen und seinen Studien obzuliegen. Schiller bezeichnet diese Dresdener Zeit selbst als die glücklichste seines Lebens. Aus dieser Idylle aber mußte er sich wieder losreißen, und der Kampf begann von neuem. Zivar wurden ihm jetzt Ruhm und Ehren reichlich zuteil. Die Beziehungen zum Weimarer Hofe tourden enger, und der Vermittelung Goethes, damals Minister des jungen Herzogs, gelang es, unserem Dichter 1788 eine Lehrstelle für Geschichte an der Universität Jena zu erwirken. Das Einkommen war aber färglich, und zu den petuniären Schwierigfeiten gefellte sich noch schweres körperliches Leiden. 1791 er frankte Schiller, der sich inzwischen mit Charlotte v. Lengefeld verHeiratet hatte, so schwer, daß er seine Lehrtätigkeit aufs geringste einschränken mußte. Nur durch freiwillige Spenden von wohlhabenden Gönnern war es dem Dichter möglich, die äußerste Not von seinem Haushalt abzukehren. Kümmerlich blieb Schillers Einkommen sein ganzes Leben lang. Erst 1804 bezifferte sich sein festes Gehalt auf 800 Taler. Damals pries er sich glücklich, endlich ruhig in die Zukunft schauen zu können. Doch der Tod, der schon vor 13 Jahren mit knöchernem Finger an seine Tür geklopft, hatte die ganze Zeit auf der Lauer gelegen. Während der langen Jahre tränkelte der Dichter fortwährend. Man muß die Energie des Willens bewundern, der sich den hinfälligen, schmerzdurchwühlten Leib zu Diensten zwang, um die Geisteswerke zu vollenden, die wir dankbaren Herzens heute bewundern. Noch in den letzten Tagen seines Lebens schleppte sich der kranke Dichter in schlafloser Nacht zum Schreibtisch, um mit zitternder Hand Ewigkeitsgedanken aufs Papier zu bannen. Am 9. Mai erlosch nach unsäglich schweren Leiden die Fackel seines Genius. Der Lorbeer, den wir ihm widmen, deckt die Dornen einer Marterfrone. Schiller- Erinnerungen. Charakter- Studien. E. B. Bei der Gestaltung seiner dramatischen Pläne hatte Schiller mehr als einmal das Bedürfnis, den Verkehr mit Menschen zu pflegen, um Stoff und Anregung zu finden. So schreibt er einmal an seine Gattin:" Manchmal versinkt meine Seele ganz in der Einförmigkeit ihrer Beschäftigungen. Frisch und kräftig wird das innere Leben des Geistes nur durch die Reibung mit anderen. Es ist mir aber nicht immer gegeben, erst die Hebamme eines anderen zu machen, wenn ich nach einem erfrischenden Umgang schmachte." Eine Kritit. Ein junger Reimschmied brachte Schiller eines Tages eins seiner Erzeugnisse mit der Bitte, ihm darüber seine Meinung zu sagen. Schiller entsprach dem Wunsche und unterstrich zugleich die ziemlich zahlreichen Mängel. Einige Tage später fand sich der Dichterling abermals ein und legte sein verändertes Machtverk vor. ,, Viel besser allerdings", nickte Schiller, aber, lieber Freund, aus einem Holzapfel wird auch durch noch so sorgfältiges Feilen keine Ananas." Dichter und Schauspieler. Genest, ein von Schiller besonders geschäßter Schauspieler, dem er viel Vertrauen entgegenbrachte und den er mit Vorliebe als Regisseur bei den dramatischen Proben verwandte, meint in einer hinterlassenen Niederschrift: Er war eben einer, dessen Milde und Liebenswürdigkeit ganz unwiderstehlich jeden anzog, der das Glück hatte, in seiner Nähe weilen zu dürfen. Er war für mich der Stern einer milden Sommernacht, zu dem ich mit unbegrenzter Verehrung aufblickte, während mich Goethe öfters die Mittagshize einer Julisonne empfinden ließ." Das Spiel des Lebens steht sich heiter an, Wenn man den sichern Schutz im Herzen trägt. ( Die Piccolomini, 3. Uft, 4. Auftritt.) Schiller am Skattisch. Erlauschtes und Erlebtes von A. M. v. Ker sten. Nicht daß Schiller dem urdeutschen Wenzelspiel gehuldigt habe, soll vorstehende Ueberschrift besagen. Sondern daß kein Dichter so im Munde unseres Voltes lebe, wie Friedrich Schiller, sollen nachs stehende Zeilen beweisen. Sie sind das Ergebnis einer Beobachtung, die ich jüngst in meinem Stammlokal gemacht, in der Nähe eines Stattisches, den vier schlichte, wackere Bürger besetzt hatten. Sie alle haben nur die hohe Schule des Lebens besucht; die Werke Schillers gehörten nicht zu ihrem ständigen geistigen Verkehr. Dennoch ist ihre Gedankenwelt von Bruchstücken aus Schillers Schriften gleichsam gespickt, daß sie ihn mit Vorliebe zitieren, auch wenn der Ursprung der Zitate ihnen nicht bekannt ist. Und was ich jüngst erlauscht und erlebt, will ich hier niederlegen und damit ein cigenartiges„ Gedenkblatt" zum Schiller- Jubiläum stiften. Und nun: Hans und Paul ſizen am Stammtisch. Sie fühlen sich zu Zweien vereinsamt. Zum Stat gehören doch mindestens drei, schon Der seit des Cherusters Armin Zeiten. Eigentlich sogar vier. dritte Mann ist eine unentbehrliche Notwendigkeit, der vierte erst schafft den angenehmen Lurus, denn er ermöglicht eine Unterbrechung ohne Pause, eine Ruhe ohne Aufhören des Interesses. Hans und Paul verschmähen es nicht, sich zu dreien mit den vier Wenzeln zu beschäftigen, aber zu vieren ist es ihnen behaglicher. Heute zögert der Dritte, und Hans, der Cholerische, möchte teine Zeit bers lieren. Was tun? spricht Beus" redet er den Gefährten an, der auch keinen Rat weiß. An den verwaisten Tisch, der in aller Stummheit zum Himmel flagt und um fallende Blätter bittet, als ob diese ihn an die Zeiten erinnerten, da er noch eigene Blätter trug, tritt Friedrich. Sein narbengezeichnetes Gesicht macht ihn als Kommilitonen fenntlich und ist genügende Einführung. " Ich sei, gewährt mir die Bitte, In eurem Bunde der Dritte." Daß es sich um den Statbund handelt, der für den internatio nalen Dreibund vorbildlich gewesen, ist selbstverständlich. „ Des freut sich das entmenschte Paar." Hans und Paul sagen das nicht mit Worten, aber ihre Mienen sprechen es aus, verständlich genug für den, dem es gilt. Dieser begegnet der Zuversicht mit Zuversicht. Ich fühle eine Armee in nteiner Faust", ruft er jenen zu, und ich werde fürchterlich Mustes rung halten".„ Dein Register hat ein Loch", erwidert Hans, und Paul, das ältere Semester, meint steptisch: Schmell fertig ist die Jugend mit dem Wort". Tie Vorstellung ist beendet, die Karten sind zur Stelle. Gerade da eine Hand sich zum Mischen ausstreckt, erscheint Heinrich, der Säumige. Heinrich, mir graut vor dir", würde der Gruß an ihn gelautet haben, wenn das Wort nicht von Goethe wäre. Um Schillers willen wird ihm mit höflichem Verzeihen begegnet:„ Spät femmt ihr, doch ihr kommt". Das Spiel beginnt, sein Eifer erwacht, und der Kiebitz findet sich ein. Er wird schlecht behandelt, mit Deutlichkeiten bedacht, aber im Grunde hat er das beste Teil erwählt. Denn es dauert nicht lange, so spielt der Spieler für die Korona, d. i. für den Niebib, und kein Tragöde buhlt so um die Gunst des Publikums, wie der Statspieler um den Beifall des Niebitz. Was beide nicht hindert, das Publikum, das mit Beifall targt, zu verachten. Der Spieler ist eben überall derselbe. Friedrich ist Mittelhand. Ein schwaches Spiel, das nur durch verschlagene Kunst zu gewinnen ist. Treff- Zehn und Treff- Dame machen ihm Sorge. Wenn ihn der Gegner hier schneidet", so ist's aus. Und Paul, der Verschmitzte, kommt mit dem Treff- König heraus. Was wolltest Du mit dem Dolche?" fragt Heinrich. Doch gerade weil Paul der Verschmißte ist, der schon manchesmal ges altenburgert", d. H. unter dem eigenen As den König ausgespielt hat, winkt Rettung. Friedrich legt seine Zehn auf den König, und die Gefahr ist vorüber.„ Spiegelberg, ich kenne dich"- ruft er, und Paul ist tief gekränkt, daß seine Methode durchschaut worden. Ihm bleibt nur die Drohung, von der er selbst weiß, daß sie keine Schrecken hat:„ Das sollst du am Kreuze bereuen!" Die Revanche bleibt gleichwohl nicht aus. Der Erfolg verführt Heinrich, seinem Stern über Verdienst zu trauen. Er tourniert und muß bekennen, daß er sich überreizt", d. h. das angenommene Spiel zu hoch bewertet hat, und darum als doppelt verloren gelten lassen muß. Er quittiert Paul, der ihn verlodt hat, mit anerkens nendem Du hast's erreicht, Ottavio". Paul aber gedenkt übermütig früherer ähnlicher Erfolge und kann sich nicht bersagen, den Freund daran mit der Bemerkung zu erinnern:" Legt's zu dem übrigen". für den Es kommt zum„ Ramschen". Das soll eine eine Strafe für „ Maurer" sein, der auch eine gute Karte verpaßt, um im Hinters halt auf den kühneren Spieler zu lauern. Doch der„ Schiebes ramsch", der die Statkarten der Vorhand zuweist und in wechseln der Gestalt bis zur Hinterhand gelangen läßt, ruft manchmal ers staunlichen Wandel hervor, belohnt„ Maurer" noch und weist die meisten Verlustaugen dem zu, der zuvor die schlechteste Karte hatte. Vergeblich beschtvört er die Freunde laßt genug sein des grausamen Spiels!" Hat er sich glücklich vom Stich freigemacht, so wird er ihm schnell und tückisch wieder zugeschoben; mit fälschender Bedeutsamkeit wird ihm dabei zugerufen: Zurück, du rettest den Freund nicht mehr", und der billige Trost flingt an sein Ohr: Da rast der See und will sein Opfer haben". Ihm freilich hat sich im lieben Gemüt die beruhigende Ueberzeugung aufgetan, daß er nicht durch seine Schuld zu Schaden gekommen, sondern durch der andern Unverstand. Hätten diese nur richtig und nach den Regeln der Kunst gespielt, er wäre nicht bloß unbesiegt, nein, als " Jungfer" vom Kampfplatz gegangen, was eine beneidete Ehre ist. Doch die Banausen verstehen eben vom feinen Spiel nichts, und ,, mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens". Das sagt er natürlich nicht laut, er murmelt es nur vor sich hin, gerade so, daß die andern es nicht durchaus verstehen müssen. Das Unerhörte ereignet sich: der Niebiß wird um seinen Rat angegangen. Das Unglaubliche geschieht: der Kiebitz lehnt die Rats erteilung ab. Ich habe hier nur ein Amt und keine Meinung", sagt er. Er weiß in seinem Herzen, daß den schlechten Rat der Beratene, den guten Rat die andern ihm übel nehmen, er kennt auch die schönen Sprüche und Regeln, die zornige Spieler für den Kiebitz ersonnen haben. Er hat's aber wieder nicht getroffen, auch seine korrekte Ablehnung wird ihm berargt, und der eben noch so freundliche Ratsbittsteller läßt dem Gehege seiner Zähne eine Aufforderung entfliehen, die trotz aller Klassizität noch nicht salonfähig geworden ist, und die wir auch schon darum nicht wiedergeben mögen, weil sie nicht von Schiller ist. Siebib fühlt sich beleidigt, ernstlich beleidigt. Er erhebt sich" Johanna geht und nimmer kehrt sie wieder". Dem Scheidenden folgt kein Bedauern. Kiebitz flicht auch die Mitwelt feine Kränze. Dem Der Anstifter des Unheils hat taum bemerkt, was er anges richtet. Er hat den Grand ohne Vier angenommen, in Aengsten und Kummer ihn fnapp gewonnen, um beim letzten Stich zu merken, daß der„ liegende" Alte ihn um drei Fünftel des Preises gebracht hat.„ Und darum Räuber und Mörder!" Das Spiel ist zu Ende. Nur die Verlierer möchten es noch fortsetzen, wobei sie merkwürdigerweise eine Begründung anführen, die ihnen fern liegen sollte:„ Dem Glücklichen schlägt feine Stunde". Der eine zahlt und charakterisiert den Zustand seines Geldbeutels mit den Worten:„ Leergebrannt ist die Stätte". Dem andern ist's noch schlimmer ergangen, so daß er zu philosophischen Betrachtungen reif wird:„ Der Uebel größtes aber ist die Schuld". Wer besitzt, der lerne verlieren, Wer im Glück ist, der lerne den Schmerz. ( Braut von Messina. Kaffee wird immer zu einsbierzig das Pfund genommen. Blechbüchse neben der Gemahlen. Busaz steht in der fonst gehts dir Bei Bladen an der Edeaschine. Nicht zu viel, denn wenn Salt' feine Sachen propper, Knoppe, Säbel, Helm, alles was br ers fchmedt, fchimpft er. bredig. iein AUS FERNEN ZONEN Mr. 106 Samstag, den 6. Mat ische Familien: 1905