orbenen jeinem Dejer damals Der wieLor an, so nicht ache ge General jungen elhaften er entchen in Beneral ich es sch rief Stimme Hatte en Sol3 der so r, Herr in berrbeizubt es il die Ein Bräber el So= en ge= Eigenuf der in eine f und ridische ächsten e einmit jitenflicht, 1765 dem Arbeit fnecht it aber weiter h" ge n fünf des einen Smit Ma rs die Be war allem ig einer lle, jonzu be auderer welche Kirche Singang Eat war. dienste, eStod oder zahlen Kaufzwang en wir auf -Katalog ler Warengsschreiben erer Waren. tigungen. paraturen 16 billigst aus Ziegler, jeret. Steinstraße 31a. Den auf Wunid dgebracht. dod. Timermes rg Fichteftr. 33 .pat. Neuheit) steinfarbe Anstrich Drogerie Bieler ktstrasse 5. Nr. 102. Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz Oberheffen, bie Kreise Weglar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg. Reklamen die Petitzeile 30 refp. 40 Pfg. Redaktion u. Haupterpedition: Gießen, Selters weg 83. Fernsprechanschluß Nr. 362. Dienstag, den 2. Mai 1905. Gießener 14. Jahrgang Abonnementspreis: abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel jährl. Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) und die Giekener Seifenblasen( wöchentlich). Das Flatt erfdent an allen Werktagen nachmittags. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblaff) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Die Quittungssteuer. Ein Beitrag zur geplanten Steuerreform. In früheren Zeiten, bei unentwickeltem Verkehr, ruhte alle Last auf dem Grund und Boden. Hatte der Staat Bedars, so lag dem Grundbesitzer die Leistung ob. Denn der Grundbesitz stellte ungefähr das gesamte vorhandene Vermögen dar, wenigstens das greifbare. Das mobile Vermögen gewann erst viel später Umfang und Bedeutung. Als dies geschehen war, mußte es zum Staatsbedarf beitragen. Gewisse Pflichten aber, die unter Umständen recht schwer ins Gewicht fielen, blieben am Grundbesitz haften, zu dessen Servituten sie teilweise noch heutigen Tages gehören. Zwischen dem immobilen und dem mobilen Vermögen entstand in steuerlicher Hinsicht eine gewisse Rivalität. Das immobile strebte danach, die größere Last dem mobilen aufzubürden, und das mobile suchte sich ihr zu entziehen, wozu es durch seine bewegliche Natur geschickter war. Ein Ausgleich, der von beiden Teilen als befriedigend angesehen wurde, ist bis zur Stunde nicht gefunden. Dabei ist das mobile Kapital allmählich in eine Art Verteidigungsstellung gedrängt worden. Es ist nicht gerade steuerscheu diesen Vorwurf darf man ihm nicht machen, aber es hat eine begreifliche und begründete Abneigung dagegen, in seiner Mobilität angegriffen zu werden, die seinen Lebensnerb ausmacht. Es mag eine Umsatzsteuer leiden, empfindet jedoch eine Steuer als unerträglich, die seinen Umsag hindert oder auch nur erschwert. Denn das mobile Kapital ist zum Tode verurteilt, wenn es unbeweglich gemacht wird; es wird unproduktiv und zehrt sich selbst auf. Besteht nun schon der Wig des Staatsfinanzmannes im allgemeinen darin, solche Steuern ausfindig zu machen, die ergiebig sind und gleichwohl nicht als drückend empfunden werden, so liegt dem mobilen Kapital gegenüber die Staatsfinanzfunst darin, die Steuer in dem Augenblick zu erheben, in dem die Bewegung des Kapitals ein nußbringendes Geschäft abschließt. Als eine Steuer, die folchen günstigen Moment erfaßt, wird allgemein die Quittungssteuer angesehen, die u. a. in Oesterreich Ungarn, Frankreich, England existiert, willig entrichtet wird und nicht unerhebliche Erträge bringt. Wir haben die Quittungssteuer nicht. Wir sollten sie einmal bekommen, doch der Entwurf scheiterte im Bundesrat. Der Vorgang war eigentümlich genug und verdient, in Erinnerung gebracht zu werden: Der Quittungssteuervorschlag war vom Fürsten Bismarck ausgegangen. Zu dem Bundesratsausschuß, dem die Prüfung oblag, gehörte, weil in dem Entmurf eine Quittungssteuer auch für die Postgeldsendungen vorgesehen war, der Staatssekretär des Reichspostamts Dr. v. Stephan, der, wie man weiß, in Bostangelegenheiten die Vertretung des Reichskanzlers hatte. Dr. v. Stephan fürchtete von der Quittungssteuer eine Beeinträchtigung der Posteinnahmen und eine Erschwerung des Postdienstes. Er erklärte sich deshalb im Bundesratsausschuß mit eifervoller Beredsamkeit gegen die Quittungssteuer. Er hatte durchschlagenden Erfolg. Der Vorschlag des Reichskanzlers fiel durch die Opposition des Vertreters des Reichskanzlers. Man fann sich denken, daß Fürst Bismarck nicht gerade in rosige Laune geriet, als er hiervon erfuhr. Es wurde Vorsorge getroffen, daß der Vorgang sich nicht wiederholen konnte. Die Quittungssteuer aber war einstweilen beseitigt. Seitdem ist fast ein Menschenalter vergangen. Neuer und großer Bedarf ist entstanden, ein weiteres Wachstum der Reichs- und Staatsaufgaben und damit der Reichs- und Staatsausgaben ist in Sicht. Man darf nicht einmal wünschen, daß es anders wäre, denn die zunehmenden Kultur aufgaben des Staats bedeuten einen Kulturforschritt. Steuererhöhungen und neue Steuern sind unausweichlich. Auch der Gedanke einer Quittungssteuer wird wiederkehren. Man hat keine Ursache, sich für irgend eine Steuer zu begeistern. Wohl aber hat man Ursache, zu wünschen, daß das obenerwähnte Ideal einer Steuer festgehalten werde, die ertragreich ist und gleichwohl nicht als drückend empfunden wird. Die Quittungssteuer fann eine solche Steuer sein. Freilich muß sie dann von den in anderen Staaten gebotenen Mustern abweichen. Die Quittungssteuerpflicht muß schon bei 5 Mark beginnen und jede Zahlung von 5 Mark und darüber umfassen, es mag sich um den Ankauf eines Theaterbillets oder eines Eisenbahnfahrscheins handeln, um Gehaltsoder Mietszahlung, um Wochen- oder Tagelohn. Wer der Zahlungspflichtige in Wirklichkeit ist, d. h. wem die Zahlung zur Last fällt, wird sich nach den wirtschaftlichen Verhältnissen richten; die Steuerentrichtung liegt bei dem Quittungsaussteller, d. i. bei dem Geldempfänger. Ob ein Preisaufschlag eintritt oder der Zahlungsempfänger in den Abzug der Zehnpfennigsteuer willigt, dafür wird es eine allgemein gültige Norm nicht geben. Der Ertrag einer solchen Steuer ist mit 100 Millionen Mark jährlich nicht zu hoch veranschlagt. Heute und morgen wird die Quittungssteuer noch nicht kommen. Aber kommen wird sie bestimmt. Sie trifft das bewegliche Kapital und sie trifft es in der Bewegung, ohne es darin zu hemmen, und das ist ihr großer Vorzug. Der Krieg in Oftalien. An der Lösung der Aufgabe, den Aufenthalt Roschdjestwenskys zu bestimmen, arbeiten die Korrespondenten englischer und französischer Blätter mit großem Eifer weiter. Die Resultate sind bisher aber ebenso zweifelhaft wie früher. Zwischen den einzelnen Meldungen bestehen unlösbare Widersprüche. Wo ist Roschdjestwensky? Nach einem Bericht aus Saigon war am 1. Mai ein russisches Geschwader in Port Dayot, 40 Meilen nördlich der Kamranhbucht und in der Binkhoi- Bucht außerhalb der territorialen Gewässer stationiert. Eine Anzahl Transportschiffe lagen unbeweglich am Cap Saint Jaques und im Saigonfluß. Die Flottendivision von Cochinchina ist mobilisiert worden, um die Achtung vor der Neutralität der franaufrecht zösischen Gewässer zu erhalten. Dagegen weiß der Korrespondent der„ Daily Mail", der in einem Fischerboot aus der Kamranh- Bucht nach Saigon zurückgefehrt ist, seinem Blatt von dort unter dem 29. v. Mts. zut melden, es liege die begründete Linnahme vor, daß sich Admiral Roschdjcstveny nach den Philippinen begeben habe, um dort mit den Schiffen aus Wladivostok unter Admiral Skrydlow und denen des dritten baltischen Geschwa ders zusammenzutreffen. Die Vereinigung mit dem letzteren soll nach einer weiteren Meldung am 2. d. Mts. vor sich gehen. Um die Blütenlese zu vervollständigen, wird aber aus Tsingtau gemeldet, daß sich Schiffe des baltischen Geschwaders mit dem dritten russischen Geschwader bereits vereinigt haben, und zwar bei Hainan. Man kann daher die Frage: Wo ist Roschdjestwensky?" mit Fug und Recht beantworten: Ueberall und nirgends. Vom Landkriegsschauplatz wird über verschiedene kleine Scharmütel berichtet. Doch handelt es sich wohl faum um Vorläufer einer größeren Offensivbewegung, sondern nur um taktische Maßnahmen lokaler Natur. Die Politik. Den Standpunkt Deutschlands in der Marokkofrage legte der nach Fez entsandte Graf Tattenbach in einem Gespräch mit dem Vertreter eines englischen Zeitungsbureaus dar. Deutschland brauche Raum wegen der schnellen Bevölferungszunahme, die Ausdehnung des deutschen Handels und der Industrie verlange Schutz gegen die Hindernisse, die im Auslande in den Weg gelegt werden. In Marokko habe Deutschland Anspruch auf Meistbegünstigung und müßte sich dem Versuch widersetzen, seine dortigen Handelsinteressen zu schädigen. Deshalb beansprucht Deutschland Gleichberechtigung mit anderen Nationen und besteht auf der Integrität Marokkos. ** Der Aufstand in Südwestafrika hält unaufhörlich die kämpfenden deutschen Truppen in Atem. Der Kommandant der Stationsbesaßung am Waterberg hat eine große Hererowerft am Osonsjacheberg aufheben lassen, da die freiwillige Uebergabe verweigert wurde. Major Täubler befindet sich auf dem Marsche, um den Bethanierhäuptling Cornelius Frederik anzugreifen. Der Bandenführer Morenga, der verwundet und zur Uebergabe geneigt sein sollte, ist nach neueren Nachrichten aus den Karasbergen geflohen und wird von Major von Kampk verfolgt. Die Kapregierung empfing ein Heliogramm aus Speringsbokfontain, nach dem die Herero einen Proviantwagen nördlich von Warmbad und zwei weitere zwischen Kalkfontain und Valmas erbeuteten. Sieben Deutsche sollen gefallen sein. In Sterbohol bei Prag sind gemeinsame Gräber für die preußischen Offiziere, die im Feldzuge von 1866 auf den Friedhöfen von Prag und Umgegend beigejezt wurden, angelegt worden. Die Gebeine wurden in der letzten Zeit auf Veranlassung des Vereins deutscher Reichsangehörigen nach Sterbohol überführt. Jetzt fand die Feier zur Einweihung der Preußengräber unter Teilnahme von Vertretern des deutschen und österreichischen Kaisers, sowie von Deputationen der Armeen beider befreundeter Länder statt. Das Befinden des preußischen Eisenbahnministers von Budde hat sich soweit gebessert, daß der Minister ohne Be schwerden von Mentone nad) Berlin zurückkehren und die Amtsgeschäfte wieder übernehmen konnte. Der oldenburgische Minister Ruhstrat sollte nach einem Gerücht seine Entlassung beim Großherzog nachgesucht haben. Dieser hätte sich aber nicht geneigt gezeigt, das Entlassungsgesuch anzunehmen. Minister Rubstrat demen. tiert das Gericht von seinem Rücktritt ganz entschieden. Er denke gar nicht daran, zurückzutreten. Italien. * Die Zusammenkunft der Minister Goluchowski und Tittoni in Venedig ist ohne besondere Ereignisse verlaufen. Bei dem Festmahl wurden von beiden Seiten die intimen Beziehungen Oesterreich- Ungarns und Italiens betont. In Italien betrachtet man die Entrevue als eine neue Stärkung des Dreibundes. Sonntag nachmittag ist Goluchowski nach Wien zurückgereist. Frankreich. In Paris herrscht Befriedigung über den Besuch König Eduards von England. Nachdem die üblichen Besuche zwischen dem König und dem Präsidenten der Republik vor sich gegangen, empfing König Eduard auch den Minister des Aeußern Delcassé. Sonntag abend fand ein Diner bei dem Präsidenten zu Ehren des Königs statt. Ob die Marokkoangelegenheit zur Sprache kam, ist vorläufig nicht bekannt. Jedenfalls betonen englische Blätter, die Reise des englischen Geschäftsträgers nach Fez habe keineswegs mit der von französischer Seite kommenden Deutung etwas zu tun, die Entsendung soll die Politik Frankreichs in Marokko unterstügen. Die letzten Nachrichten aus Fez lauten dahin, daß die Unterhandlungen der französischen Mission wenig Fortschritte machen. An dem Diner beim Präsidenten nahm auch der deutsche Botschafter Fürst Radolin teil. Rufeland. Die Befürchtungen, die man wegen Verstärkung der inneren Unruhen an den russischen Ostertagen hegte, haben sich zwar nicht ganz bewahrheitet, doch ist es immerhin zu bielen schlimmen Zusammenstößen zwischen Bevölkerung und der bewaffneten Macht gefommen. Außer Czenstochau wurde namentlich die Ortschaft Groded in Kongreßpolen betroffen. Bauern zündeten einen Gutshof an. Herbeigerufene Kosaken gaben auf die Menge Feuer. 18 Bauern wurden getötet, 24 schwer verletzt. 85 wurden gefesselt ins Gefängnis überführt. Auch aus dem Kaukasus kommen schlimme Nachrichten. Im Tionezker Kreise wurden bei einem Angriff auf die Soldaten drei Bauern getötet und 12 verwundet. Im Dorfe Tolatsopeli töteten die Kosaken, von denen ebenfalls viele verletzt wurden, einen Bauern und verwundeten 12 andere schwer. Der Zar hat die wegen des Kartätschenschusses am Wasserweihfeste zu Festungshaft verurteilten Artillerieoffiziere zu drei- bis einmonatigem Arrest begnadigt, außerdem zum Osterfeste auch noch eine Reihe weiterer Gnadenbeweise erlassen, vorzugsweise an höhere Beamte. Der seit langem in Aussicht gestellte Toleranzerlaß bestimmt, daß der Abfall vom orthodoxen zu einem anderen christlichen Glauben feine Verfolgung oder sonst irgendwelche rechtlichen Folgen nach sich zieht. Für die Seftierer werden Erleichterungen gewährt. Ihnen wird die Errichtung von Schulen gestattet. Die Strafen der wegen religiöser Vergehen verurteilten Personen sollen aufgehoben oder gemildert werden. Die obligatorische Schließung der römisch- katholischen Klöster im Königreich Polen wird aufgehoben. Der Religionsunterricht solcher russischer Untertanen, die nicht dem orthodoxen Bekenntnisse angehören, darf in ihrer Muttersprache erfolgen, also dürfen die polnischen Katholiken sich der polnischen Sprache bedienen. Den zweiten Tag des Osterfestes, den 1. Mai, benutzte die polnische Arbeiterschaft in Warschau zu großen Demonstrationen. Von morgens 10 Uhr war der Verkehr in der Stadt unterbunden. Läden, Restaurationen, Cafés wurden geschlossen. Güterzüge fonnten nicht abgelassen werden, da die Arbeiter in den Depots feierten. Auf dem Personenbahnhof nahmen Ingenieure den Dienst wahr. Nachmittags durch zogen unzählbare Massen die Straßen. In Lodz wurde in fast allen Fabriken die Arbeit eingestellt. Am Vorabend wurde eine Militärpatrouille angegriffen, sie feuerte und verlegte vier Personen, darunter zwei Frauen, tödlich. Der Oberschußmann Mironiewko wurde schwer verwundet.:- Türkei. A Heftige Zusammenstöße zwischen Aufrührern und Truppen des Sultans sind in Mazedonien an der Tagesordnung. Eine 40 Mann starke griechische Bande wurde bei Lesnika von türkischen Truppen angegriffen; von den Griechen wurden drei Mann getötet, zwei verwundet und fünf gefangen genommen. Bei Tsareteselo wurde eine 19 Mann starfe bulgarische Bande von türkischen Truppen bernichtet. Ferner hat bei Svilanovo und Rajcani, Vilajet Uesfüb, ein Kampf mit einer Bande stattgefunden. Neunzehn Komitatschis und drei Soldaten wurden getötet. Die fremdländischen Konsule haben in der kretischen Frage einen entschiedenen Schritt getan. In einer Note forderten sie die Regierung auf, von allen öffentlichen Gebäuden die griechischen Flaggen zu entfernen und sie durch fretische zu ersehen. Wenn dieser Forderung nicht nachgekommen wird, sollen die internationalen Truppen mit ihrer Durchführung beauftragt werden. Der englische Kreuzer Venus hat Kanea mit 70 Mann internationaler Truppen an Bord verlassen, die in Pyrgopsilonero gelandet werden sollen, um die Freilassung der in dem Gefecht bei Vukolies gefangen genommenen Gendarmen zu erzwingen Hof und Gefell fcbaft. Der Kaiser trifft heute in Begleitung der Kaiserin und der Prinzen in Venedig ein. Die letzten Tage waren Ausflügen in die Umgegend von Stori gewidmet, auch wurden die Sehenswürdigkeiten der Stadt selber besichtigt. Die Mitglieder der deutschen Kolonie wurden vom Kaiserpaar an der Landungsstelle empfangen. Der berühmten Kirchen in Stadt und Umgegend, der alten Kastelle und andern Bauwerke wurden Besuche abgestattet. Am Sonntag hielt der Kaiser selber wieder Gottesdienst an Bord der " Hohenzollern" ab. Wo immer das Kaiserpaar sich öffentlich zeigte, wurden ihm stürmische Huldigungen seitens der Be bölferung bereitet. Deer und flotte. Wieder einmal der kagelsichere Panzer. Eine Firma in St. Gallen will eine Masse erfunden und hergestellt haben, die sich als widerstandsfähig gegen Gewehrfugeln erweist. Es wird versichert, daß die Masse sogar gegen Schüsse aus einem Marimgeschütz sichern solle, wenn sie in stärkerem Maße aufgetragen werde. Man wird jedenfalls gut tun, abzuwarten, ob diese fugelsichere Masse größere Erfolge aufzuweisen haben wird, als frühere ähnliche Erfindungen. Ein Stück Grofsftadtfumpf. - Glossen zum Mordprozeß Klein. Wien, 1. Mai. Das Schwurgericht hat ein Weib zum Tod durch den Strang verurteilt. Das Scheusal hatte kaltherzig einen Mord begangen, nachdem sie das Opfer durch billige und gewerbsmäßige Künste an sich gelockt. Raub war der Beweggrund zu dem Mord. Der Ehemann der Mörderin war nur der„ entfernten Anstistung" von den Geschworenen schuldig befunden worden und fam deswegen mit der Strafe achtjähriger Zwangsarbeit fort. Nach dem Verdikt der Geschworenen war ein höheres Strafmaß nicht möglich. Sonst wäre wohl auf ein höheres Strafmaß erkannt worden. Es ist möglich und sogar wahrscheinlich, daß die Geschworenen das Verbrechen des Ehemannes vergleichsweise milde qualifiziert haben, um erkennbar zu machen, daß hier zwischen Mann und Weib, die beide Verbrecher sind, noch ein weiter Unterschied zuungunsten der Frau vorhanden sei. Sonst wäre die relative Geringfügigkeit der Strafe für einen Verbrecher unverständlich, dem man eine unverdiente Schmeichelei jagt, wenn man ihn einen Galgenvogel nennt. Schwerlich hätte irgendwer Bedauern empfunden oder eine leiseste Mitleidsregung, wenn das Urteil des Gerichts dem Ehepaar die Gemeinsamkeit des Todes am Galgen gönnte. Selbstverständlich kann es uns nicht einfallen, das Urteil der Geschworenen hier einer Kritik zu unterziehen und es wegen seiner Milde gegenüber dem Ehemann Klein zu tadeln. Acht Jahre Zuchthaus sind auch keine Kleinigkeit. Was allgemeines schauderndes Interesse erweckt, ist das Milieu des Verbrecherpaares. Ein Fabrikant, der nach seinen äußeren Verhältnissen zum guten Mittelstand des heutigen Wien gehört, will eine Geldhcirat machen. Denn er braucht Geld für sein Geschäft, mit dem es abwärts geht. Er lernt ,, auf dem nicht mehr ungewöhnlichen Wege" eines Zeitungsinserats eine Frau kennen, die sich für sehr vermögend ausgibt, in Wirklichkeit aber nur wenige Tausend Gulden besitzt. Daß die Frau ein uneheliches Kind hat, stört den Bewerber nicht, besonders da das Kind nicht zur Hand ist. Auch die Taubheit der Frau ist kein Hindernis. Ums Geld allein handelt es sich. Zu spät erfährt der Mann, daß er geprellt ist, und nun macht er gute Miene zum bösen Spiel. Dergleichen kommt anderwärts auch vor. Und nicht zu fnapp", wie der Berliner sagt. Doch die weitere EntwickeTung ist eigenartig, hat Lokalfärbung, ist anderwärts kaum denkbar. Daß der brave Wiener Bürgersmann seiner Frau gegenüber eine grenzenlose Duldsamkeit beweist, ist das Schlimmste noch nicht. Er ist eben der Zuhälter seiner Frau iras sich anderwärts gleichfalls trifft. Er entwirft aber mit seiner Frau einen Plan, einem bestimmten, wohlhabenden Geschäftsfreund gegenüber Erpressung zu üben und die Unterlage zur Ermöglichung einer Erpressung selbst herbeizuführen. Die Frau schreibt und telephoniert an den Geschäftsfreund, den sie in ihre Wohnung einladet. Hier will sie ihn in eine unzweideutige Situation bringen, in der ihr Mann und dessen Sozius ihn überraschen sollen. Das Weitere ergibt sich von selbst. Der Plan kam nicht zur Ausführung. Der Geschäftsfreund war zu klug, in die Falle zu gehen, die er ahnen mochte. Auch muß erwähnt werden, daß der Sozius des Ehemannes sich weigerte, die ihm zugedachte Rolle in dem Erpresser drama zu übernehmen. Er lehnte das Ansinnen entschieden ab. Doch den geschäftlichen und persönlichen Verkehr mit dem Sozius und dessen Frau gab er darum nicht auf. Und darin liegt das Charakteristische, das Typische, hierin ist die Quelle des allgemeinen schaudernden Interesses! Daß eine lasterhafte Frau, deren Aeußeres keineswegs abstoßend wirkt, die im Kampf des Lebens schon in frühen Jahren zu hohen Graden" gekommen, die sich beinahe rühmt, daß sie von einem ungarischen Offizier dessen Eristenz übrigens nur durch ihre eigene Aussage beglaubigt und darum recht fraglich erscheint ein Kind habe, die trot des notwendigen stetigen Gebrauchs eines Hörrohrs auf alternde Galane eine gewisse Anziehungskraft ausüben zu fönnen sich bewußt ist, das alles ist dagewesen. Es ist auch nicht weiter verwunderlich, daß sie den 70- oder 74jährigen wohlhabenden Armenvorsteher Sikora in den Bannkreis ihrer Gunst zu bringen weiß. Daß sie aber von dem betagten Anbeter sich unterrichten ließ, wie man seinen Geldschrank öffnet, während sie ihn um größere Darlehen" bestürmt, daß er mit den Schlüsseln in ihre Wohnung geht und sich dort zum Nachtschlaf niederlegt das scheint ebenfalls ein Spezififum des Ortes, ist anderwärts faum denkbar. Die Mörderin nimmt vom Leichnam die Geldschrankschliissel, geht in die Wohnung des Erschlagenen und nimmt, was sie irgend erlangen kann. Dann macht sie gemeinsam mit ihrem Mann einen Versuch zur Beseitigung der Leiche. Das Ehepaar gibt den Versuch auf und reist nach Paris, wo sie festgenommen werden. Die Frau beginnt sofort ein kokettes Spiel von abstoßender Widerwärtigkeit. Sie fofettiert mit den Untersuchungsrichtern, mit den Gefangenenwärtern, im Gerichtssaal noch mit den Geschworenen und den Richtern und mit ihren e- mitleidenswerten Verteidigern. Sie legt ein Geständnis ab, widerruft, gesteht aufs neue und leugnet schließlich alles. Sie entlastet ihren Mann, belastet ihn, und kommt endlich zu der Versicherung, daß sie nur aus heißer Liebe zu ihrem Mann zu dem von diesem begangenen Mord geschwiegen habe. Gerade durch diese Bezichtigung hat sie ihren Mann vielleicht vom Galgen freigemacht: Die Geschworenen mochten ihr den Schimpf nicht vorenthalten, ihre Angaben auch da für falsch zu erklären, wo sie nicht unbedingt unwahrscheinlich klingen. Und die Moral des Prozesses?- Gar feine. Aus grauenhaft versumpftem Boden sind grauenhafte Giftpflanzen emporgeschossen. Da gibt es keine andere Hilfe, als daß man sie ausrodet, mit Stumpf und Stiel ausrodet. Das Milieu aber, in dem diese Giftpflanzen gediehen, in dem man sie noch dildete, als man sie schon ganz erkannt hatte siehe den Herrn Sozius!- das sei der Sittenhygiene empfohlen! Auch Duldsamfeit fann verbrecherisch sein. Nab und f... Wechselakzepte in der Fortbildungsschule. Ein Gaunerstreich, der eines gewissen Humors nicht entbehrt, erregt in Zerbst berechtigtes Aufsehen. Die anhaltische Handwerkskammer hatte dort letzten Winter einen Meisterkursus abgehalten, an dem zahlreiche Gewerbetreibende teilnahmen. Dr. Ludw. Huberti aus Leipzig unterrichtete in Handelswissenschaften. In der vorletzten Stunde wurden zur Uebung Wechsel geschrieben, mit Akzept und Adresse versehen usw. Dr. Huberti nahm die Wechsel zur Korrektur mit, kam aber nicht wieder. Dieser Tage nun wurden verschiedene der Teilnehmer zur Polizei beschieden, um ihre Unterschriften auf Wechseln anzuerkennen. Diese Wechsel hatten kursiert, waren aber eingelöst worden. Dr. Huberti hatte als Aussteller gezeichnet. Dr. H. betrieb in Leipzig eine Verlagsbuchhandlung für Handelswissenschaften, die inzwischen in Konkurs geraten ist. Offenbar hatte er die„ Akzepte" seiner Zerbster Schüler als Zahlungsmittel für seine geschäftlichen Zwecke verwendet. Gine persische Prinzessin aus Berlin. Frau Eleonore bon Siemens, die Witwe eines Neffen Werner von Siemens, hat sich in Berlin mit dem persischen Prinzen Freydun Malcom vermählt. Er ist der Sohn des Prinzen Malcom Chan, des persischen Gesandten in Italien und selbst Militärattachee in Rom. Eine schwere Grubenexplosion ereignete sich, wie aus Wilburton in Oklahama gemeldet wird, auf einer dortigen Kohlengrube. Dreizehn Personen wurden dabei getötet. Brand eines Moskauer Museums. Eine schwere Feuersbrunst suchte das Polytechnische Museum in Moskau heim und zerstörte einen großen Teil der wertvollen Sammlungen. Diese waren, troßdem ihr Wert mehrere Millionen beträgt, nur mit 160 000 Rubel versichert. + Sechs Kinder verbrannt. Von einem herben Schlag wurde der Besizer eines Bauernhofes in Lierstrand( Norwegen) getroffen. Seine Scheunen und sein Wohnhaus brannten nieder. Trotz aller verzweifelten Anstrengungen gelang es nicht, seine Kinder aus dem Flammenmeer zu retten. Alle sechs famen jämmerlich um. * Unfall oder Familiendrama? In Hamburg wurde der Mechaniker Kruse und seine vier im Alter von 8 bis 14 Jahren stehenden Kinder tot aufgefunden. Es liegt zweifellos eine Leuchtgasvergiftung vor, doch weiß man noch nicht, ob es sich um einen bloßen Urfall oder ein Familiendrama handelt. Ans verschmähter Liebe erschoß ein vierundzwanzigjähriger Volontär sich selbst mit einem Revolver, nachdem er eine zwanzigjährige Violinistin, Mitglied einer böhmischen Damenkapelle, durch einen Schuß schwer verletzt hatte. A Die Folgen des Alkohols. In Saltlake- City wurde der Hauptmann Raibourn vom 29. amerikanischen Regiment in schwerer Trunkenheit von seinem Leutnant Point nach Hause geleitet. Dort verlegte der Hauptmann seinen Begleiter lebensgefährlich durch zwei Schüsse und erschoß sich dann selbst. Tages- Chronik. Die vom Detnolder Schwurgericht wegen der Lemgoer anonymen Briefe zu 1½ Jahren Zuchthaus verurteilte Frau Kracht hat die von ihr gegen das Urteil eingelegte Revision wieder zuückgezogen. - Das dem Oberstmarschall Grafen Bißthum von Eichstädt gehörige Schloß Lichtenwalde bei Chemnitz wurde mit vielen unerseßlichen Kunstschäßen durch Feuer zerstört. Auf einer Drahtseilbahn bei Lyon riß das Seil, der Wagen fuhr zu Tal, und bei dem Anprall wurden 17 Personen verletzt. Die Opfer des Tornado. Einer der gewaltigen Wirbelstürme, die in Teras urd Mexiko unter dem Namen„ Tornado" ebenso häufig wie gefürchtet sind, hat über die Stadt Laredo unfägliches Unheil gebracht. Nach den bisher vorliegenden Nachrichten scheint es, als ob der größte Teil der Stadt Laredo vom Orkan zerstört worden ist. Die Zahl der Toten in Laredo allein wird auf weit über 100 geschätzt. Doch hat der Sturm auch in der Umgegend arg gehaust und viele Opfer gefordert. Ueber die Katastrophe wirh des.dyeren aus Newyork gemeldet: Die Stadt Laredo im Staat Texas, an der Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Meriko, wurde durch einen mächtigen Wirbelwind, dortzulande Tornado genannt, zerstört. Die Größe dieser Katastrophe läßt sich ermessen, wenn man berücksichtigt, daß Laredo eine Stadt von 12000 Einwohnern war. Die Stadt war eine Eisenbahnstation und Industriezentrum von einiger Bedeutung. Zweihundert Häuser wurden von dem Sturm vollständig demoliert und fielen in Trümmer. Viele andere Häuser wurden teilweise zerstört. Einige Hotels, fämtliche Kirchen, sämtliche Schulen und andere öffentliche Gebäude liegen in Trümmern. Andere öffentliche Gebäude sind schwer geschädigt. Bisher hat man feststellen können, daß über hundert Personen getötet wurden. Viele hunderte Personen wurden verlegt. In einem Hotel allein wurden 25 Personen unter den Trümmern zerdrückt. Herzzerreißende Szenen spielten sich ab. Unter Trümmerhaufen hörte man das Stöhnen von Opfern, die noch am Leben waren, obwohl schwer verlegt. In vielen Fällen war es unmöglich, eine Rettung zu versuchen. Es wird einige Wochen dauern, bis man die Trümmerhaufen wird entfernen und die wirkliche Größe der Katastrophe ermessen können. Man befürchtet, daß die Verlustliste viel größer sein wird, als man bisher angenommen hat. Derselbe Wirbelsturm vernichtete einige Dörfer in der Nähe von Laredo. Die Stadt Sauchez Green, sechs englische Meilen entfernt, wurde vollständig vernichtet. In der Umgebung hat der Sturm auch viele Opfer an Toten und Verlegten gefordert. Die aenauen Verluste sind noch nicht bekannt. Fünftausend Personen sind obdachlos; große Not herrscht unter denjenigen, welche alles verloren haben. Soziales Leben. [] Streik im Fuhrwerksgewerbe zu Ping. Der größte Teil der Lastfuhrwerkskutscher ist am 1. Mai in den Ausstand getreten. Die Ausständigen behinderten die arbeitswilligen Kutscher, indem sie die Zugstränge der Gespanne zerschnitten. Die Behörden haben Schußmaßregeln getroffen. Eine Anzahl von Verhaftungen sind vorgenommen worden. Kunft und Wissenschaft. RP Ein Röntgenkongreß wurde unter reger Beteiligung in Berlin eröffnet. Er ist verbunden mit einer Röntgenausstellung. Beide Veranstaltungen sollen eine Uebersicht über die seit ihrer epochemachenden Entdeckung vor zehn Johren mit den Röntgenstrahlen gemachten Errungenschaften auf dem wissenschaftlichen und industriellen Gesamtgebiet geben. Das Hauptinstrument der Röntgenforschung, die sogenannte Röntgenröhre, hat seit ihren Anfängen eine solche Entwickelung erfahren, daß heute die ältesten Röhren fast wie ein Spielzeug erscheinen. Bald wurden die Röntgenstrahlen zu einem unentbehrlichen Hilfsmittel bei medizinischen Forschungen, und durch die Bestrahlung franker Gewebsteile wurden wesentliche Ergebnisse in der Besserung und Heilung von Hautkrankheiten erzielt. Die Industrie wußte auch für sich manchen Nutzen aus der Anwendung der unsichtbaren Strahlen zu ziehen, die ihr ein ganz neues Mittel an die Hand gaben, in die Zusammensetzung von Rohstoffen hineinzuleuchten, ihre etwaigen Mängel aufzudecken und Echtes von Unechtem zu unterscheiden. Professor Röntgen selbst ist aus Bescheidenheit dem Kongreß ferngeblieben. ME Franz v. Defreggers 70. Geburtstag brachte dem be= rühmten Maler des Tiroler Volkslebens reiche Ehrungen. Aus allen Weltgegenden liefen Glückwunschtelegramme ein. In der Münchener Villa des Künstlers erschienen zahlreiche Deputationen mit Ehrengaben. Kaiser Wilhelm verlieh dem Jubilar das Ehrenzeichen für Künste und Wissenschaften. LP Das Gotthard- Observatorium. In der Nacht vom 10. zum 11. März brannte, wie man sich erinnern dürfte, das Gotthardhospiz, das allen Gotthardwanderern wohlbekannt war, vollständig nieder. Herr Lombardi in Airolo, dem das Hospiz gehörte, hat nun die Absicht, neben der alten Kapelle einen Hospiz- Neubau aufzuführen, und die Tessiner Regierung hat ihm ihre Unterstützung zugesagt. Bei Gelegenheit des Neubaus will Herr Lombardi auch für die Unterbringung des kleinen Gotthard- Observatoriums, das jezt neben der alten Kapelle ziemlich dürftig untergebracht ist, geeignete Räumlichkeiten schaffen. In alpinen und wissenschaftlichen Kreisen findet dieser Plan lebhafte Zustimmung; denn das auf der rauhen Baßhöhe gelegene Observatorium, in welchem auch im Winter gearbeitet wird, ist für die Witterungsbeobachtung von großer Wichtigkeit. Es hat vor allen anderen Bergstationen die günstige Lage- hart an der großen Föhnstraße und der alpinen Wetterscheide voraus. Auf dem Gotthard befand sich schon von 1782 bis 1792 ein meteorologisches Observatorium, das unter der Leitung des sehr gelehrten Kapuzinerpaters Laurentius stand. Laurentius hat wertvolle Aufzeichnungen mit zahlreichen meteorologischen Beobachtungsdaten hinterlassen; sie werden noch heute in den alten Archiven des Observatoriums aufbewahrt. Plus dem Gerichtsfaal. § Die Mörderin Franziska Klein der kaiserlichen Gnade empfohlen. Eine überraschende Meldung kommt aus Wien. Der Gerichtshof, der auf Grund des Geschworenenedikts die des Mordes an dem Armenvorsteher Sikora angeklagte Franziska Klein zum Tode verurteilte, hat beschlossen, sie der Gnade des Kaisers zu empfehlen. Der Beschluß dürfte durch die Tatsache veranlaßt sein, daß nur neun Geschworene die auf Mord lautende Frage bejahten, der Angeklagten demnach nur zwei Stimmen zum Freispruch vom Morde fehlten. § Der Veteran als Bettler. Ein trauriges Bild bot sich in einer Erfurter Schöffengerichtssitzung. Vom Rheumatismus gebeugt, ging am Stocke langsamen Schrittes der Sattler Hermann Dünfel, ein Veteran von 1870/71, auf die Anflagebant, um sich wegen Bettelns zu verantworten. In großer Not hatte er sich im Januar d. J. schriftlich an einen Oberstleutnant a. D., seinen früheren Chef im 3. Thüringischen Infanterie- Regiment Nr. 71, gewandt und darauf hingewiesen, daß er mit gegen Frankreich gekämpft und infolge der Strapazen sein Leiden davongetragen habe. Schließlich bat er um Gewährung einer Unterstützung in Form von Kleidungsstücken. Beim Abholen derselben war er von einem Polizeibeamten auf der Straße angehalten worden. Nach längerer Beratung gelangte das Gericht zu einem freisprechenden Erkenntnis. Mit den Worten: Ich danke herzlich!" verließ der Veteran den Saal. § Eine aufregende Szene im Gerichtssaal spielte sich vor dem Thorner Schöffengericht ab. Als gegen den Anstreicher Dorin eine sechsmonatige Gefängnisstrafe wegen Beleidi gung des Polizeisergeanten Dehnlow und Widerstands gegen die Staatsgewalt beschlossen wurde, ergriff Dorin das drei Pfund schwere Sandfaß vom Tisch des Gerichtsschreibers, warf es auf Dehnlow, packte diesen und würgte ihn. Gendarmen machten den Wüterich dingfest. - Vermifchtes. =[ Die Grundmauern des alten Straßburger Rathause@] wurden bei Legung einer Kabelleitung auf dem Gutenberg. platz bloẞgelegt. Dies 1321 erbaute Stadthaus war ein schönes gotisches Gebäude. Den Gutenbergplay, der vor 600 Jahren noch Martinsplay hieß, hatte man deshalb für das Stadthaus erforen, damit die Anhänger der beiden mächtigsten Geschlechter Zorn und Müllenheim von ihren Trinkstuben aus gleich weit dorthin hätten". = =[" Unverschämte" Kelluerforderungen.] Schwere Sorgen bedrücken die Moskauer Gastwirte und Hotelbesitzer. Die Kellner mucken nämlich in respektwidrigster Weise auf und stellen die wunderbarsten Forderungen: Sie wollen nicht mehr wie Hunde, sondern wie Menschen behandelt werden; die Hotelgäste sollen sie nicht mehr duzen und ihre Gesichter nicht mehr mit Senf oder Kaviar beschmieren dürfen; sie wollen sich nicht mehr von schlecht aeltuinten Gästen Teller und Bratenre die unbezahlte Tafche bezahl noch mehr fin Macht steht, Menfchenftan Gäfte fönnen alles zu wün A Im W Marthart in hatte bor müffen und einen Mein Fall war. A Gdjw Greifswald bradh infel fion ein B wohner des wehr über ten. Es g waren drei Test. Unte als Leiche eritict. + Gine Gera. Er Darauf be deffen brad O Blutt fpielte fidhi Tischler, der frant im g abzufägen. furchtbaren dann in die gen blutüb serjägt. Gine zahlreiche Ballons im Weitp plötzlich f auf, der in der 2 Schredens ftürzten gebenden G legungen e 3. Gi Gießen 2.2 1905. 2 Rechnungs Gleichzeitig Staatszuf im Borja 39 Güter verkehrs Feft ftellu bon 50 zwischen Wagen an beträgt geteilt, ba dem Gewi führe. G oder Bes Handelsto ihres Bez mitgeteilt bnt hison wird. S Anregung 4.9 fenntnis tatung werden, ihren 8 bisher& Lehran Kurse i größeren begründe Berlin& Großh. anderen einer g handen bei den größere dienftes Anford Weise diesen S 5. Der de antragt, III Au im Inte 6. a) Di bie 11 па Qu da Σα 7 große Not haben. Der größte in den Aus die arbeits Der Gespanne Bregeln ge orgenommen ft. Beteiligung ner Röntgen Eine Uebersicht Eng bor zehn Errungenellen Gejamt genforschung, nfängen eine testen Röhren die Röntgen Ibei medizi franker Geer Besserung e Industrie endung der ganz neues ng von Rohaufzudecken feffor Rönt rngeblieben. cyte dem be: e Ehrungen. gramme ein. en zahlreiche berlieh dem schaften. acht vom 10. dürfte, das wohlbekannt lo, dem das Iten Kapelle Finer Regie Gelegenheit terbringung neben der t, geeignete nschaftlichen ; denn das , in welchem erungsbeob len anderen rozen Föhn. Auf dem ein meteorodes sehr gerentius hat orologischen heute in den ichen Guede Et aus Wien. nenedikts die flagte Fran fsen, sie der hluß dürfte eun Geschwoer Angeklag bom Morde ld bot sich in jeumatismus der Sattler auf die Anworten. In lich an einen 3. Thüringidarauf hinund infolge Schließlich Form von er bon einem orden. Nach nem freifprente herzlich!" pielte sich vor n Anstreicher gen Beleidi Widerstands ff Dorin das Berichtsschrei würgte ihn. Rathonfel n Gutenberg aus war ein laz, der vor deshalb für er der beiden m von ihnen Schwere Sor Hotelbefiber er Weife auf e wollen nid idelt werden: ihre Gefichter 1 dürfen; Baiten Teller und Bratenreste an den Kopf werfen lassen; sie wollen nicht die unbezahlten Rechnungen der Zechpreller aus ihrer eigenen Tasche bezahlen und was solcher wunderbaren Forderungen noch mehr sind. Die Hotelbesizer sind ratlos. Was in ihrer Macht steht, wollen sie ja tun, um die Kellner wieder in den Menschenstand zu erheben, aber für das Betragen der Herren Gäste fönnen sie nicht garantieren. und das läßt in Moskau alles zu wünschen übrig. Im Wahn, falsch geschworen zu haben, hat der Bauer Markhart in Sonthofen Hand an sein Leben gelegt.: hatte vor einigen Wochen Zeugnis vor Gericht ablegen müssen und lebte seither in der Wahnvorstellung, daß er einen Meineid geleistet habe, obmohl das durchaus nicht der Fall war. A Schwere Folgen einer Explosion. In einer in der Greifswalderstraße in Berlin belegenen Celluloid- Fabrik brach infolge einer durch einen Knaben verursachten Erplosion ein Brand aus, der so schnell um sich griff, daß die Bewohner des Hauses nur mit großer Mühe durch die Feuerwehr über Rettungsleitern ins Freie gebracht werden konnten. Es gelang, alle gefährdeten Personen zu retten, doch waren drei schwer und zwölf leicht durch Brandwunden verTetzt. Unter ihnen ist auch eine Wöchnerin, deren Kind nur als Leiche geborgen werden konnte; es war durch den Rauch erstickt. + Einen Gattenmord verübte der Sattler Werner in Gera. Er erschoß seine von ihm getrennt lebende Ehefrau. Darauf versuchte der Mörder sich selber zu erschießen, indessen brachte er sich nur eine unbedeutende Schußwunde bei. Bluttat einer Wahnsinnigen. Ein furchtbares Drama spielte sich in dem Pariser Vororte Aubervillers ab. Ein Tischler, der plötzlich tobsüchtig wurde, stürzte sich auf seine frank im Bett liegende Frau und begann ihr das Bein abzusägen. Die Unglückliche konnte sich, allerdings aus furchtbaren Wunden blutend, zu Nachbarn retten. Als diese dann in die Wohnung drangen, fanden sie den Wahnsinnigen blutüberströmt vor. Er hatte seinen Hund in zwei Teile zersägt. Eine Banik bei einem Ballenaufstieg brachte in Agram zahlreiche Menschenleben in Gefahr. Um dem Aafstieg des Ballons Turul" beizuwohnen, hatte sich um Mitternacht im Westpark eine große Menschenmenge eingefunden. Da plötzlich flammte das Magnesiumlicht eines Photographen auf, der den Ballon photographieren wollte. Die Menge, in der Meinung, der Ballon sei explodiert, stob unter Schreckensrufen aikeinander. In ihrer sinnlosen Angst stürzten viele der Flüchtenden in die den Westpark umgebenden Gräben, wobei zahlreiche Personen erhebliche Verlegungen erlitten. 3. Sigung der Großh. Handelskammer Gießen für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach. ( Protokoll Auszug.) ( Schluß.) Gießen, 11. April 1905. 2. Voranschlag der Handelskammer für 1905. Der Voranschlag der Handelslammer für das Rechnungsjahr 1904/05 wurde vorgelegt und genehmigt. Gleichzeitig wurde beschlossen, die Bewilligung des gleichen Staatszuschusses zu den Ausgaben der Handelskammer wie im Vorjahre zu beantragen. Die 3 Feststellung des Eigengewichts von Güterwagen. Nach den Bestimmungen der Eisenbahnverkehrsordnung wird bei der vom Absender beantragten Feststellung des Eigengewichts der Güterwagen eine Gebühr bon 50 Pfg. pro Baggen erhoben, wenn die Diff renz zwischen dem durch die Nachwiegung ermittelten und dem am Wagen angeschriebenen Eigengewicht nicht mehr als 2 Prozent beträgt Von der Handelskammer zu Villingen wurde mitgeteilt, daß diese Bestimmung bei Waren, die genau nach dem Gewicht ein- und verkauft werden, zu unbilligen Härten führe. Es sei deshalb die gänzliche oder teilweise Beseitigung oder Beschränkung der Wiegegebühr zu erstreben. Handelskammer hat bei einer größeren Anzahl von Firmen ihres Bezirks eine Rundfrage veranstaltet, doch ist ihr nicht mitgeteilt worden, daß die genannte Vorschrift der Eisenbahnverkehrsordnung als eine ungerechtfert gte Härte empfunden wird. Sie beschloß daher, von einer Unterstüßung der Anregung der Handelskammer zu Villi gen abzuschen. In Er4. Ausbildung der Zollbeamten. fenntnis der höheren Anforderungen, die mit der Inkrafttretung des neuen Zolltarifs an die Zollbeamten geftelt werden, haben verschiedene Staaten Einrichtungen getroffen, um ihren Zoubeamten eine weitergehende sachliche Ausbildung als bisher zu geben. Soweit diese Ausbildung nicht in besonderen Lehranstalten der einzelnen Bundesstaaten oder durch besondere Kurse im eigenen Lande erfolgt, sind von den meisten größeren Bundesstaaten Bolbeamte an die im vorigen Jahre begründete Hauptlehranstalt für 8oll- und Steuerbeamte nach Berlin zur Information entsandt worden. Dagegen hat die Großh. hess. Regierung bis jetzt weder den einen oder anderen Weg beschritten, obwohl hier ein Bedürfnis nach einer größeren Fachbildung der Bolbeamten ebenfalls vorhanden ist. Die Handelskammer zu Worms hat deshalb bei dem Großh. Ministerium der Finanzen beantragt, einer größeren Anzahl von leitenden Beamten des Bollabfertigungsdienstes Gelegenheit zu geben, sich entsprechend den erhöhten Anforderungen rechtzeitig in einer dem Verkehr dienlichen Weise borzubereiten. Die Handelskammer beschloß, sich diesen Bestrebungen anzuschließen und sie zu befürworten. 5. Detarifierung von Mineralwasser. Der deutsche Mineral brunnen- Verband in Koblenz hat be antragt, Mineralwasser aus Spezialtarif I in Spezialtarif III zu verseßen. Die Handelskammer beschloß, den Antrag im Interesse der Konsumenten zu befürworten. 6. Eingänge: a) Die Güterabfertertigungsstelle zu Gießen teilt mit, daß die in den letzten Jahren immer mehr zunehmenden Unregelmäßigteiten im Stüdgutverkehr nach den angestellten Beobachtungen fast ausschließlich auf mangelhafte Signierung und Verpackung, sowie darauf zurückzuführen sei, daß 75 Prozent der gesamten Tagesauflieferung sich in den Abendstunden von 5 big 7 Uhr zusammendrängen. Zur Vermeidung von Ver zögerungen in der Beförderung und von Verlusten von| ziehen. Wir empfehlen daher den jungen Leuten sehr den Stückgütern ist es daher unbedingt erforderlich, daß Eintritt in die deutschen Turnvereine und verweisen im die Güter in jedem Fall neben Zeichen und Num- übrigen auf die Anzeige des Männer Turnvereins mer oder der Adresse mit der Bezeichnung der Beim Anzeigenteil. stimmungsstation in dauerhafter Weise vers h n werden. Außerdem ist es zur Vermeidung von Irrtümern sehr erwünscht, daß die Auflieferung der Güter, soweit als möglich son ar Vormittag erfolgt. b) Der Handelskammer ist ferner mitgeteilt worden, daß solche ausländische Erzeugnisse, die den Anschein des französischen Ursprungs erwecken fönnten, bei der Einfuhr nach Frankreich unbedingt neben dem Worte importe" noch den Namen des Ursprungslandes in deutlicher und dauerhafter Weise aufgeprägt, eingestempelt oder dergl. tragen müßten. e) Von zuverlässiger Seite sind der Handelskammer Mitteilungen zugegangen über die Lage und Entwicklung des Bersergeschäfts in Ronstantinopel, die Einfuhr von Pistolen nach Aegypten, die Handelsund Absagverhältnisse in Para( Brasilien), den Absatz von deutschen Kartoffeln und Kartoffelfabifaten nach Australien, ferner über zweifelhafte Firmen in Bordeaux und Bukarest. Die Eingänge können während der üblichen Geschäftszeit im Bureau der Handelskammer eingesehen werden. Lokales. 2. Mat 1905. ** Ernannt wurde der Amtsrichter bei dem Amtsgericht Gießen Dr. Julius Friedrich zum Landrichter bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen. ** Uebertragen wurden dem Schulamte aspiranten Philipp Jäger aus Holzheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Berstadt und dem Schulamtsaspiranten Heinrich Wegel aus Schlitz, die 2. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Grüningen. ? Zapfenstreich. Connerstag Abend um 9½ Uhr, findet in Gießen gelegentlich der Anwesenheit des tommandierenden Generals großer Zapfenstreich statt. *** Gestern Morgen wurde unter großer Teilnahme der am Freitag verschiedene Professor Eckhardt, der Senior der medizinischen Fakultät unserer Landesuniversität, auf dem Gießeuer Friedhof beigesett Ebenfalls am selben Morgen wurde der so jäh aus dem Leben abberufene Rentier Ernst Balser zur letzten Ruhe getragen. *** Der in Gießen von der Genickstarre befallene italienische Arbeiter ist verstorben. Soweit uns bekannt geworden ist, sind außerdem nur noch an einem Arbeiter Symptome der Krankheit aufgetreten. *** Prämiiert. Auf der vom 21.- 25. pril in Nürnberg stattgefundenen großen allgemeinen Vogel- und Geflügelausstellung erhielt Herr Friedrich Becker von Gießen für seine ausgestellten Tiere einen 1. und einen 2. Preis. § Lohnbewegung der Gießener Schneidergehülfen. In der Samstag stattgefundenen Versammlung der Schneidergehütfen wurde beschlossen: 1. den Streit fortzusetzen, 2. Einberufung einer Volksversammlung im Laufe dieser Woche und 3 Gründung einer Zentral- Werkstätte auf genossenschaftlichem Wege. ** Gestern Abend 28 Uhr wurde ein Gewitter ohne Schaden anzurichten schnell über unsere Gegend hin weggetrieben. P Beanstandete Milch. Im verflossenen Monat wurde bei vorgenommenen umfangreichen Untersuchungen in einigen Fällen Milch beanstandet und behördlicherseits von ihr Stallproben erhoben. 70 Prozent Dreck. Die Kaufleute Ludwig und Arthur Benedit in Neustadt a. H. brachten„ Linsen" in den Handel, die nach dem Sachverständig- n- Gutachten 70 Prozent Dreck, Würmer, Käferlarven, Epinngewebe und völlig verdorbene Ware enthielten. Das Schöff ngerichtsurteil lautete wegen Verstoßes gegen das Nahrungsmittel gese gegen jeden der beiden Angeklagten auf 30 Mt. Geldstrafe. ** Gießener Volksbad. Im April wurden verabreicht 8477 Bäder gegen 8163 im März 1905 und 9026 im April 1904 oder im Durchschnitt pro Tag 283 Bäder gegen 263 im März 1905 und 301 im April 1904. Der Besuch im einzelnen hat sich wie folgt verteilt: Schwimmbad: 3710 Männer, darunter 1018 zu 10 Pfg. 826 Frauen, 125, 10" Wannenbäder: 1. Kl. 252 Männer, 80 Frauen 2. 1. 782 " " 448 Dampf und Heißluftbäder, sowie Massage zusammen 163 Männer, 23 Frauen. Brausebäder 1956 Männer, 237 Frauen. Die Personenwage wurde von 220 Personen benuẞt, das Bad von 9 Personen besichtigt. § Leihgestern. Bei einem Gemeindebullen sowie einigen Rühen dahier ist Bälschenausschlag festgestellt worden. * Azbach- Launsbach. Seit dem 1. April ist in mehreren Orten unserer Bürgermeisterei Hühnersperre durchge führt. Beschwerden von Landwirten, deren Grundstücke nahe an die Ortschaften reichen, haben diese polizeiliche Ber ordnung veranlaßt. = Lüzellinden.( Eingesandt) Den Feld- und Gartenbesitzern unserer Gemeinde werden zur Jeztzeit, da die junge Saat kaum aus der Erde hervorsprießt, die frei umberlaufenden Hühner förmlich zur Plage. Raum, daß der Mann, die Frau oder die Kinder die ja ebenfalls sehr nüßlichen Tiere verscheucht haben, so sind sie doch ebensoschnell wieder zur Stelle, wenn die Lust rein ist. Men munkelt zwar hier und da, daß eine Hühnersperre eingeführt werden soll, allein wenn der Herbst fommt und die Saat geerntet, das Gemüse reif heimgeholt ist, dann hat eine solche Sperre feinen Wert mehr. Wetterfeld bei Laubach, 1. Mai. Die Einweihung unseres neuen Schulhauses fand gestern Nachmittag 312 Uhr im Beisein des Patronats der Schule, Grafen Karl von Solms- Laubach, des Geh. Regierungsrats Schönefeld- Schotter, des Kreisschulinspektors Feuerbach- Schotten, des Kreisarztes des Defans Wagner Grünberg und Dr. Königer- Schotten statt. Vor dem stattlichen Neubau hielt Pfarrer Ecriba die Weiherede. Dann erfolgte die Ueberreichung des Schlüssels an Geh. Regierungsrat Schönfeld, der den Neubau zur Besichtigung öffnete. Im Schulsaale fand darauf eine besondere Feier statt. Mainzlar, 28. April. Gestern fand hier Bürgermeisterwahl statt. Von 120 stimmberechtigten Einwohnern machten 86 von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Es erhielten der bisherige Beigeordnete Vogel 67 und sein Gegenkandidat Kaufmann Schlepp 19 Stimmen. Lich, 1. Mai. Der Kriegerbezirk Lich hielt gestern in Nieder Besfingen eine Bezirksversammlung ab. Der Hauptpunkt der Tagesordnung bildete die Besprechung der Anträge zum Delegiertentag der„ Hassia" in Laubach. Der Beschluß des Präsidiums, die drei Bezirke Lich, Hungen und Laubach zu einem Bezirk„ Solms" zusammenzuschmelzen, stieß auf entschiedenen Widerstand. Allgemein wird die Beibehaltung der jeßigen Einteilung verlangt. Das Bezirks. fest erhielt für dies Jahr der Kriegerverein zu Etting 8- hausen, der sein 30jährige Befichen feiert und die Kaiserschleife befommt. Das Fest findet am 16. Juli statt. ** Kestrich, 20. pril. Dem Vorsitzenden des hiesigen Kriegervereins Weber, wurde vom Großherzog die zur Erinnerung an die Allerhöchste Vermählung gestiftete Medaille verliehen. Marktberigte. tekes, 2. Mai. Auf dem heutigen Wochenmarkt foẞeten Butter per fb. 1.10-1.20 M., Hühnereier per Stück 5-6 Pfg., Enteneter St. 6-7 PfA., Käse per St. 6-8 Pfg., Käsematte 2 St. 5-6 Pfg. 07. 0.80-1.00, Hühner per Stüd Mr. 1.00-1.60, Hahnen, per Stüd 0.80-1.80, Enten per Stü 1.80-2.20, Gänse per fb. 00-00 Pfg., Ochsenfleisch per fb. 70-80 Bfg., Rindfleisch per Pfd. 62-68 Pfg. per Bfb. Schweinefleisch 66-76 fg. Schweine Erjen per Liter 21 Pfg., Linjen per Liter 32 Pfg., Tauben per Baar Wir freuen uns, daß vorstehende Notiz, die wir der Frankfurter Kleinen Presse" entnehmen, die Namen der Verurteilten voll ausschreibt. Bei einem derartigen Ekel fleisch gesalzen per fund 0.80$ ig., Stalbfleisch per Bfb. 70-74 erregenden, gewissenlosen Gebahren müssen solche Leute mit voller Namensnennung an den Pranger gestellt und jedermann kenntlich gemacht werden, schon um durch Abfürzungen teine Verwechselungen mit einem reellen Geschäftsmann herbeizuführen. Wir haben bei dieser Namensverschweigung namentlich den Fall im Auge, wo vor Wochen die Vilbener Megger Adolf oldberg und Hermann Strauß von der Straffammer Gießen verurteilt wurden, weil sie mit fauftgroßen Tuberfelfnoten durchsetztes Fleisch nach Frankfurt verkauft hatten und ein Teil der Presse ihre Namen auch nur in Abbreviaturen brachte. -k Turnerei. Mit dem Schiuff: des leßten Echul. fahres ist für manchen die schöne Beit vorbei, in der er mit gleichalterigen Schulfameraden die freie Beit beim Spiel verbringen fonnte. Jegt fommen die Lehrjahre, in denen der weitaus größte Teil des Tages in der Werkstatt, der Fabrik, der Schreibstube oder im Laden zugebracht werden muß. In dieser Zeit, die mit der Entwickelung des menschlichen Körpers so eng verbunden ist, ist es doppelt wichtig, daß die jungen Leute nach der meist einseitigen Berufstätigkeit die Feierabendstunden richtig, d. h. ihrer Gesundheit dienlich ausnutzen. Es ist deshalb eine sittliche Pflicht der Eltern und Lehrherren, dahin zu wirken, daß ihre Pflegebefohlenen durch körperliche Ubung ihre Kraft und Gesundheit sich stählen und erhalten. Mögen alle den Saz beherzigen, dessen Richtigkeit schon im Altertum erfannt worden ist:" In einem Die gesunden Körper wohnt nur ein gesunder Geist!" Gelegenheit, Kärper und Geist zu stählen bietet sich heute in allen der deutschen Turnerschaft angehörigen Turnvereinen, die es übernommen haben, junge Leute im Alter von 14-18 Jahren als Turner auszubilden und sie so einmal an Zucht und Ordnung zu gewöhnen, zum anderen aber auch den gefährlichen Lockungen schlechter Gesellschaft zu entBfg. Hammelfleisch per Pfd. 50-74 Bfg., Kartoffeln pro 100 ile 7.00 b. 000 Mt., Zwiebeln per 3t. Mr. 8.00-10.00, Wetskraut 10-15 f. per Stüd, Zentner 3-4 Mt. Nepfel per Zentner 6-10 Mt. Zwetschen per Bentner 0,00.- 0.00 Nüffe 100 St. 00-00 fg. Milch per Liter 20 Pfg. Dauer der Marktzeit von 7 Uhr morgens bis 1 Uhr nachmittags. Gegenstände des Wochenmarktverkehrs dürfen vor Beginn der Martizeit überhaupt nicht, und während der ersten diei Stunden der Markizett im Umherziehen fetlgeboten werben. Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise am 1. Mai 1905. Ochsen Kälber Echweine Höchste Schlachtviehpreise in Frank urt a. M. Fleischpreise in Gießen 50 kg Schlachtgewicht 72-74 m. 1/2 kg 70-80 Pf. 1/2 11 87-90 f. do. 70-74" do. Getreidepreise in Mannheim Weizen 100 kg Roggen do. 67-68 " " 18.40 M. 15-15.50 " do. 60-72 Brotpreise in Gießen Weißbrot 2 kg 52 f. Schwarzbr. do. 48 " 12 K Frankfurt, a. M.( Heu- und Strohmartt.) Man notierte: Heu 3.25-3.60 Mt. Stroh, 2,60-0,00 Rt. Alles per 50 kilo. Tendenz: Feft. & legenes lastwirtschaftlicher Wetterdiens. Boraussichtliche Witterung in Hessen für Mittwoch, den 3. Mai. Zur ächst roch trüb und Regen, später etwas ausheiternd, ziemlich warm. ( Näheres durch die Gießener Wetterfarte.) Berantwortlich: für die Politik und den Insetetenteil Albin Klein, für den übrigen Inhalt: Georg Horn, belde in Gießen. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres teuren Herrn Ernst Balser sagen tiefgefühlten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Giessen( Moltkestrasse 10), den 2. Mai 1905. Bekanntmachung. Der in der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung festgestellte Vorauschlag der Stadt Gießen für das Rechnungsjahr 1905( vom 1. April 1905 bis Ende März 1906) sowie die Voranschläge des Stadterweiterungsfonds, des Elektrizitätswerkes, sowie des Gas- und Wasserwerkes für dieselbe Zett liegen nach Vorschrift des Art. 83 der Städteordnung vom 1. bis 9. Mai 1905 auf der Bürgermeisterei- Zimmer Nr. 15 sicht der Beteiligten offen. Gießen, den 29. April 1905. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung zur Eindie Bedienung der Rückstauverschlüsse betreffend. Unter Hinw.is auf§ 18 Absatz 2 der Polizeiverordnung vom 1. August 1904( die Entwässerung von Grundstücken im Anschluß an die städtische Kanalisation betreffend), welchen wir nachstehend zum Abdruck bringen, machen wir diejenigen Hausbesizer, welche ihre Grundstücke an die Neukanalisation bereits angeschlossen haben, darauf aufmerksam, daß am Montag den 1., Dienstag den 2. und Mittwoch den 3. Mai d. J. eine Spülung sämtlicher städt. Straßenkanäle vorgenommen wird. Gießen, den 27. April 1905. Großh. Bürgermeikerei Gießen. Mecum. Der Eigentümer hat für den ordnungsmäßigen Zustand und die richtige Handhabung des Verschlusses Sorge zu tragen und ist allein für alle, durch etwaigen Rückstau des Sielwassers hervor= gerufene Schäden verantwortlich. Die Verschlüsse sind so anzubringen, daß sie jeder Zeit, auch bei Rückstau zugänglich sind, bequem gehand= habt werden können.. Bekanntmachung. In der Zeit vom 22. bis 29. April 1905 wurden in hiesiger Stadt gefunden: 1 Schürze, 1 Portemonnaie mit Inhalt und 1 filberne Cylinderuhr; verloren: 1 Portemonnaie aus Seehundleder( Inhalt 3,15 ME), 1 schwarzes Handtäschchen mit etwas Wäsche, 1 Portemonnate mit 10 bis 11 Mr. Inhalt, 1 goldene Brosche und 1 schwarzes Spitzentuch. Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Gießen, den 29. April 1905. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. Arbeitsvergebung. Die nachstehenden Arbeiten zur Erbauung eines Geräte= schuppens für das Tiefbauamt sollen Donnerstag, den 11. Mai d. Js., vorm. 11 ühr öffentlich vergeben werden: 1) Glaserarbeit. 2) Schreinerarbeit, 3) Schlosserarbeit, 4) Weißbinderarbeit, 5) Pflaster und Chauffierarbeit. Zeichnungen, Arbeitsbeschreibung und Bedingungen können bei uns während der Amtsstunden eingesehen werden. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind bis zum genannten Zeitpunkt an uns einzureichen.. Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, den 2. Mai 1905. Städtisches Hochbauamt. Gerbel. Russischer Kloster- Likör Feinster Kräuter- Extrakt Likör. Drucksachen aller Art wie: Plakate Rechnungen Formulare Visiten- und Verlobungskarten liefert schnell, sauber und billigst Versteigerung. Mittwoch, den 3. Mai 1. J8. werden zwangsweise versteigert: 1. nachm. 2 Uhr im Bi fer'schen Saale: Sofas, Kommoden, Kleiderschränke, Konsole, 1 Ver: tifow, 1 Trumeau mit Spiegel, Tische, Spiegel, 2 Plüschsesser, 1 Herrenschreibtisch, 1 Glas schrank, 1 vollst. Bett, 1 Thefe mit Marmorplatte, 1 Metalldrehbank, 16 Säulenwaagen, 10 Mille Zigarren, 1 eiserne Rossette, 1 goldene Damenuhr, Schieme, Stöcke, Biergläser u. Krüge u. a. m. 2. nachm. 3 Uhr in meiner Amtsstube: 2 geschn. Eichenstämme, Eine Kiste 1 Granatkollier, 1 Armband u. 1 Wedaillon. Geißler, Gerichte vollzieher, Gießen. Nur im O Wein o liegt Wahrheit! ( 12 Fl. vorzüglichen Rheinoder Moselwein, 1 Fl. guten, deutschen Cognac, 2 Fl. 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