Nr. 151. Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 30 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen vierteljährlich Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Donnerstag, den 30. Juni 1904. Gießener 13. Jahrgang. Jnsertionspreis: Die inspaltige Peritzeile für ganz OberHessen, die Kreise Weklar und Marburg 10 Pfg. sonft 15 fg. Reklamen die Vetitaeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 83, Fernſprechauschluß Nr. 362. Neueste Nachrichten ( Gießener Tageblaff) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeifung) für Sberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Der Wirtschaftswert unferer Kolonien. Von fachkundiger Seite wird uns geschrieben: Unter dem Protektorat des Fürsten Karl von Urach und unter dem Vorsitz des Präsidenten der Stuttgarter Handelskammer Widenmann wurde soeben ein Verein zur Errichtung einer deutschen Ansiedlerschule in Hohenheim zur Vorbildung für deutsche Kolonisten gegründet. Wieder ein Zeichen, daß von der im Reichstag behaupteten kolonialen Verdressenheit" im deutschen Volke im Grunde nicht geredet werden kann. Einzelne Mißerfolge mögen zu hoch gespannten Erwartungen einen starten Stoß versezt haben, das ist nicht zu leugnen. Wie aber bereits in der legten Denkschrift der Reichsregierung über die wirtschaftliche Entwickelung unserer Kolonien mitgeteilt wurde, sind die Aussichten für eine gewinnbringende Kulturtätigkeit außerordentlich verbessert worden. Am besten stehen sie in der Südsee, wo das günstige Klima und der ziemlich gutartige Charakter der eingeborenen, ziemlich auf 13 Millionen bezifferten Bevölkerung sich angenehm fühlbar macht. Diese Besizungen sind bekanntlich auch für unseren Verkehr nach Ostasien von höchster Wichtigkeit. Was nun die Produktion der Südsee anbelangt, so beschränkt sic sich im wesentlichen auf die landwirtschaftliche Tätigkeit und zwar auf die Gewinnung von Palmöl. Die Anpflanzung von Baumwolle hat sich hier weniger bewährt als in unseren afrikanischen Besitzungen. Im allgemeinen fann man folgende Merkmale für unsere Colonien auseinander halten: Togo cignet sich am best... für die Anpflanzung von Baumwolle, die in den letzten Jahren um das Zehnfache gestiegen ist. Auf dem Markte in Liverpool wurde die Togobaumwolle als der beste Ersatz für egyptische Baumwolle erklärt. Die Produktion beschränkt sich ja allerdings erst auf 2000 3entner; aber sie wird durch den inzwischen von dem Reichstag genehmigten Bau der Logobahn ganz erheblich gefördert werden. Ostafrika ist beffer für die Anpflanzung von Guttapercha qualifiziert, die ja durch unfere elektrische Industrie zu einem sehr begehrten Artikel geworden ist. Deutsch- Südwestafrika ist das klassische Gebiet der Viehzucht und daher sehr geeignet zur Ansiedlung von Farmern. Im Norden dieses Gebiets hat Dr. Rohrbach, der im Auftrag der Regierung dieses Schutzgebiet bereist hat, einen sehr guten Humus für Bodenkulturen und die günstigsten Bedingungen für den Tabakbau und für die Kleinviehzucht festgestellt. Kamerun aber scheint das Gebiet für industrielle Ausnügung zu sein. Nachdem man dort früher bereits Mineralienfunde gemacht hat, ist neuerdings durch den Gouverneur von Puttkamer in der Hauptversammlung der westafrikanischen Pflanzungsgesellschaft Viktoria zu Berlin die Mitteilung gemacht worden, daß, wenn auch vor zu großem Optimismus gewarnt werden müsse, feine ungünstigen Aussichten für den Abbau von Petroleumquellen vorhanden sind. Die Gesellschaft hat vierzig Schürfscheine erworben und auch bereits Petroleumfunde ge= macht. Das gefundene Produkt ist von der Bergakademie untersucht worden und der Befund ergab 35 Prozent Rohpetroleum, 55 Prozent Schmieröle, 5 Prozent Benzin, der Rest ist Teer, Asphalt und Pech. Das Kamerunprodukt soll dem rumänischen Del am ähnlichsten sein. Die Transportberhältnisse sind ebenfalls so günstig, daß die von dem Prinzen von Löwenstein in Aussicht genommene und mit Hochdruck betriebene Gründung eine Kamerunbergbauaktiengesellschaft wohl faum großen Schwierigkeiten begegnen wird. Alles in allem zeigt sich also, daß der in früheren Jahren nd auch jüngst im Reichstag noch zur Schau getragene Pessimismus über die wirtschaftliche Bedeutung unserer Kolonien dech nicht mehr ganz zeitgemäß ist. Die jeßigen Wirren, so beflagenswert sie wegen der ungeheueren Opfer an Gut und Blut find, werden wenigstens den einen Vorteil haben, daß sie die Beseitigung der Fehler in der Verwaltung herbeiführen und vor allen Dingen auch bewirken, daß der Schwerpunkt unserer Kolonialpolitik nicht in der Verwaltungstätigkeit, sondern in der wirtschaftlichen Erschließung unserer Schutzgebiete bestehen muß. Der Herero- Aufstand. In aller Ruhe wird von den zuständigen Stellen die Entsendung der von General v. Trotha geforderten Ver stärkungen vorbereitet. Wie jetzt bekannt wird, gehen am 23. Juli und 20. August vier Kompagnien und zwei Batterien nach der Kolonie ab. Ihnen wird im Sep. tember noch ein weiterer größerer Transport folgen. Am 6. August wird eine Feldtelegraphenabteilung nach Swakop. mund in See gehen. Die ersten drei Transporte am 23. Juli, 6. und 20. August- werden insgesamt eine Stärke von 59 Offizieren, 1299 Mann, 1790 Pferden und 43 Geschützen aufweisen; sie werden auf den Dampfern„ Gertrud Woermann",„ Montevideo" und„ Silvia" eingeschifft. Im September folgt dann der Dampfer Alexandra Woermann" mit dem erwähnten größeren Transport. Aus der Kolonie selbst liegen zur Zeit nur spärliche Nachrichten vor. Zunächst eine Trauerbotschaft des Hauptquartiers Ofabandia. Leutnant Sa as früher im 2. niederschlesischen Infanterieregiment Nr. 47, ist infolge eines unglücksfalls am 18. Juni in Outjo verstorben. Ferner ist der Reiter Mar Wunderlich, vom Transport Buder, am 25. Juni am Typhus gestorben. Unter dem Unglücksfall bei Outjo ist wohl die bisher nicht aufgeklärte Dynamiterplosion zu verstehen, die nur kurz gemeldet wurde und über die alle näheren Nachrichten zur Zeit fehlen. Ein weiteres Telegramm des Generals v. Trotha berichtet über die Bewegungen des deutschen Expeditionskorps. Das vom 27. Juni datierte Telegramm aus Okahandja besagt: Von Major v. E storff wurde Osombu- Karupuka( Oka wapufa) am Omuramba, von v. d. Heyde Okosondusu ohne ampf erreicht. Zwischen allen drei Abteilungen ist Funkenverbindung hergestellt. Zu Major v. Glasenapp, der im Vormarsch auf Otjire ist, geht die 9. Kompagnie und der Rest der Maschinengewehr- Abteilung Dürr morgen ab. Auf einem Patrouillenritt von Epukiro aus erreichte Oberleutnant v. Winkler Otjensondu, halbwegs zwischen Dwikokorero und Okosondusu, wo er angehalten und v. d. Heyde zugeteilt wurde. Vom Feinde und vom Vieh ist der West-, der Nord- und der Ost- Distrikt Gobabis bis zum Eisebfluß vollkommen frei. Epukiro, Gobabis, Rietfontein S. D.( Mier) diesseits noch besetzt. Dadurch, daß Major v. Estorff nach Osombu- Karupuka borgedrungen ist und daß gleichzeitig Major v. Glasenapp von Süden her näher an den Waterberg heranrückt, während b. d. Heyde und v. Winkler miteinander sich vereinigen konnten, ist der Ring, den die deutschen Truppen um den Waterberg gezogen haben, wieder ein gutes Stück enger ge worden. Ein Entweichen größerer Hererotrupps aus dem Waterberggebiet scheint dadurch so gut wie ausgeschlossen. Der Krieg in Oftafien. Die Anzeiajen mehren sich, daß eine Entscheidungsschlacht in der Stähe von Kaiping in allerkürzester Frist stattfinden wird. In einer Depesche aus Niutschwang wird jezt als wahrscheinlicher Ort des bevorstehenden Kampfes Taschitschau, halbwegs zwischen Kaiping und Haitscheng, angegeben. Kuropatkins Pläne. Die Depesche aus Niutschwang enthält über Kuropatkins Absichten ziemlich detaillierte Angaben. General Kuropatkin beabsichtigt, in der Nähe von Taschitschau eine große Schlacht anzubieten. Er hat dort fünf bis sechs Divisionen, zirka 100 000 Mann, zusammengezogen. Er soll selbst dort sein und persönlich das Kommando führen. Die japanischen Liautung- und die Takaschan- Armee haben die Berührung miteinander hergestellt, und Kurokis Armee wird wahrscheinlich ebenfalls bald mit ihnen in Berührung sein. Man erwartet entscheidende Ereignisse in den nächsten Tagen. General Stackelberg steht ebenfalls mit seiner Brigade bei Taschitschau. Wie es heißt, haben die Japaner die Pässe des Fenschutfingebirges, den Dalin-, den Motien- und den Fenschuilin- Paß bereits in ihre Gewalt bekommen und können nun ihre Heereswogen ungehindert in die Ebene von Kaiping ergießen. Allerdings dürfte ihnen dort die russische Kavallerie mehr Verlegenheiten bereiten, als bisher. Weitere Kämpfe vor Port Arthur sollen nach Nachrichten aus Tschifu sowohl zur See als zu Lande stattfinden. Das bezügliche Telegramm lautet: Auf einer Dschunke hier eingetroffene Chinesen berichten, ein großes Schiff, wahrscheinlich ein russisches, liege auf Felsen 10 Meilen südöstlich von Liauteschan. Nachdem die japanischen Kriegsschiffe sich am 24. Juni von Port Arthur zurückgezogen hätten, sei die russische Flotte wieder aus dem Hafen herausgekommen und sei kurze Zeit draußen geblieben. Bei Port Arthur werde zu Lande weiter gekämpft und von der See aus häufig Angriffe unternommen. Eine anderweitig nicht bestätigte nicht amtliche Nachricht besagt, die Japaner hätten am Sonntag drei Forts im südöstlichen Teile der Verteidigungswerke von Port Arthur angegriffen und eingenommen. Das baltische Geschwader, auf das die Russen so große Hoffnungen setzen, soll nun wirklich in Aktion treten. Wenigstens behauptet man in Petersburg, daß die Kommandanten von Kronstadt und Liebau den Befehl erhalten hätten, die Schiffe des baltischen Geschwaders mit solchem Proviant zu versehen, daß diese bei sofortiger Order auslaufen können. Ein russischer Marineoffizier erklärte, daß ein Teil des baltischen Geschwaders bereits aus Kronstadt abgegangen sei. Eine Bestätigung dieser Nachricht liegt noch nicht vor; es ist nur festgestellt, daß Admiral Avellane mehrere Kriegsschiffe eingehend inspizierte und daß Admiral Anquist, Unterbefehlshaber des Geschwaders, vor einigen Tagen vom Kaiserpaar in Audienz empfangen wurde. Und dabei wird es auch wohl bis zum Herbſt boraussichtlich sein Bewenden haben. Greueltaten der Japaner. Immer wieder wird von russischer Seite die Behauptung aufgestellt, dast die Japaner sich an die Genfer Konvention nicht kehren, sich an Aerzten und Kranfenträgern vergreifen und die Verwundeten mißhandeln und verstümmeln. Die Russische Telegraphenagentur meldet aus Liautschang vom 28. d. Mis.: General Kuropatkin hat einen Befehl an die Armee erlassen, die gefallenen oder gefangenen Japaner mit der Achtung zu behandeln, wie sie einem tapferen Gegner zufommt, den gefallenen Soldaten die militärischen Ehren zu erweisen und für die Verwundeten so zu sorgen, wie wenn es sich um Russen handelte. Dieser Befehl sollte als Antwort dienen auf die ausgezeichnete Behandlung, welche die verwundeten Russen in den japanischen Hospitälern gefunden haben. Leider treffen in jüngster Zeit Berichte ein über rohe Behandlungen, Torturen und Verstümmelungen, denen verwundete Russen ausgesetzt wurden. Das Armeeblatt teilt mit, am 21. ds. seien bei Saimedsi die verstümmelten Leichen. zweier Tirailleure aufgefunden worden. Das Blatt führt dann mehrere ähnliche Tatsachen an, nach denen selbst Offiziere unter der Behandlung zu leiden hatten und fügt hinzu, die Vertreter der Armee möchten glauben, daß die erwähnten Torturen von Chinesen, nicht von Japanern vorgenommen wurden; nun habe es sich aber herausgestellt, daß die japanischen Soldaten, die von ihren Vorgesetzten nicht daran gehindert werden, sich in keiner Weise von den alten barbarischen Völkerschaften Asiens unterscheiden. Ebenso wird Klage adrüber geführt, daß die Japaner noch immer Granaten benußen, die bei ihrer Explosion giftige Gase ausströmen und die durch das internationale tebereinkommen verboten sind. Einem russischen Unteroffizier wurde für kühne Spionage bom Oberbefehlshaber das Georgskreuz verliehen. Dem Unteroffizier Wolkoff, der der chinesischen Sprache mächtic ist, gelang es, als Chinese verkleidet, nach Sanjutchen in d Lager der Japaner zu dringen, und es auszufundschaften. Er erstattete dann seinem Befehlshaber Bericht, gelangte an einen von Japanern besetzten Ort und stieß auf eine japanische 13 Mann starke Patrouille, welche über die Stellungen der russischen Streitkräfte Erkundigungen einzog. Man schöpfte alsdann Verdacht und Wolkoff wurde einem Verhör unterworen; er erschoß dann mit seinem Revolver mehrere Mann und entfam auf einem japanischen Pferde. Montenegrinische Freiwillige bei den Russen. Aus Charbin telegraphiert man den russischen Blättern, daß dort eine montenegrinische Freiwilligen- Tscheta eingetroffen ist, welche 150 Mann zählt und von dem gewesenen montenegrinischen Kriegsminister Woiwoden M. J. Spadier fonimandiert wird. Die Tscheta wir aus der Kriegskasse besoldet. Ueberdies wurden dem Kommandanten für die Ausrüstung 100 Rubel per Kopf ausgezahlt. Der Barjaktar ( Fahnenträger) ist ein Petrowitsch- Njegusch, ein Verwandter des regierenden Fürsten von Montenegro. Die Fahne, die er mitgebracht hat, ist eine alte Türkenfahne, welche in den Kriegen Montenegros mit der Türkei erbeutet wurde. Die Escheta wird dem Hauptquartier Kuropatkins zugeteilt wer den und dort den Lagerdienst versehen. Die Politik. Der Name des deutschen Kriegsschiffs, das nach Haiti in See gegangen ist, um für die dort deutschen Reichsbürgern widerfahrene Unbill Genugtuung zu erzwingen, wird jezi bekannt gegeben. Es ist das Kanonenboot Panther" vom amerikanischen Geschwader, das gegenwärtig in Newport News liegt. Die Franzosen schicken bekanntlich einen Kreuzer zu dem gleichen Zwecke nach Haiti. Die Schaffung einer preußischen Landeskommission für Volkswohlfahrt fordert ein Antrag, den der freikonservative Abg. Graf Douglas, der auf dem Gebiete der Volkswohlfahrt seit langen Jahren eine ungemeine Rührigkeit und erfolgreiche Tätigkeit entfaltet, im Abgeordnetenhause eingebraucht hat. Der Antrag ersucht die Regierung, die vom Abg. Grafen Douglas früher angeregte Landeskommission zur Bekämpfung des Alkoholismus zu einer solchen Volkswohlfahrtskommission zu erweitern. Die Kommission soll als ein die Regierung in Fragen der Erhaltung und Hebung des körperlichen, geistigen, sittlichen und wirtschaftlichen Wohls beratendes Organ tätig sein. O Die von der Freisinnigen Volkspartei im preußisajen Abgeordnetenhause eingebrachte Mirbach- Interpellation" dürfte ein Schlag ins Wasser bleiben. Die Regierung hat erFlätt, sie könne die Interpellation, die diesen Donnerstag aufs Tapet kommt, nicht sofort und frühestens am Freitag beantworten. Wie nun aber inzwischen bekannt geworden ist, wird die Donnerstagfißung die lette des Abgeordnetenhauses vor der Vertagung sein. Diese wird formell bis zum 18. Oktober dauern, doch wird das Haus in Wirklichkeit erst Ende Oktober zusammentreten. Geht das Abgeordnetenhaus wirklich am Donnerstag in die Ferien, so fällt die Beantwortung der Interpellation und auch ihre Besprechung bis zum Spätherbst unter den Tisch. Diambet die Hand schwenkend:„ Ich bleibe doch bei meiner Das aacht!" rief der Besitzer desselben, dann gegen Gute fuhr nur fnapp an ihnen vorbei. er selbst," bemerfte Artschil, den Gruß erwidernd. Das ist eines von Murza- Chans Schiffen, und dort steht Diambet hatte jich such abzustattten, um mit allen, dem reunoe einen Be9 tigkeit war, zu erfahren, wie sich ihr Patron zu verhalten gaben ihm das Geleite, da es hauptsächlich für sie von Wichfunft zu tun sei. Jordane und einige von Elisbas Leuten zu beraten, was in der 34Stets fremdes Leid zu tragen. Auch andern mußte klagen, Vielmehr noch selber war bereit Wohl dem, der nie sein eigen Leid Auf diese und ähnliche Weise hatte sich label bei der Frau Dienſte beſt als Hahn, in den Korb geschlichen und die Verdie er sich heimlich erwarb, wurden öffentlich anerfannt. Ein für Selbsteinschätzungspflichtige außerordentlich wichtiges Urteil hat das Kammergericht gefällt. Das Einkommensteuergesetz bedroht bekanntlich denjenigen mit Strafe, der wissentlich in der Steuererklärung oder bei Beantwortung der von zuständiger Seite an ihn gerichteten Fragen oder zur Begründung eines Rechtsmittels über sein steuerpflichtiges Einkommen unrichtige Angaben macht, die geeignet sind, zur Verkürzung der Steuer zu führen". Ein Kaufmann M. hatte die ihm vom Gemeindeborstande übersandte Liste unrichtig ausgefüllt und eine Hypothek nicht angegeben. Nach der Ausführungsanweisung des Finanzministers ist ein Steuerpflichtiger nicht verpflichtet, in den betreffenden Steuerlisten Erklärungen über sein Einkommen abzugeben; wer aber in der Liste Angaben über sein Einkommen mache, muß, so heißt es in der ministeriellen Anweisung, unbedingt bei der Wahrheit bleiben. Trotzdem wurde M. vom Landgericht freigesprochen, da die fragliche Bestimmung der Ausführungsanweisung des Finanzministers im Gesetz keine Grundlage finde. Dieser Ansicht trat das Kammergericht bei und wies die Revision der Staatsanwaltschaft als unbegründet zurück. frankreich. Das seit den letzten Sigungen der KarthäusermillionenKommission kaum noch Zweifelhafte ist eingetreten: Die Pariser Staatsanwaltschaft hat der Untersuchungskommission in der Karthäuser- Angelegenheit mitgeteilt, daß die Unterjuchung gegen Chabert wegen Bestechungsversuchs ein- gestellt worden sei. Also, wie so oft bei den Romanen: Viel Geschrei und wenig Wolle! A Rund 10 Millionen Francs fordert die französische Marineverwaltung von der Kammer für Verstärkung der französischen Seestreitmacht in Ostasien. Die Marineverwaltung erklärt es für nötig, das ostasiatische Geschwader mit einer Abteilung Torpedojäger auszustatten, Kohlenläger in Saigon und Diego Suarez zu errichten, Munition nach Saigon und Biserta zu senden und die Häfen mit Torpedos auszurüsten. Sind diese Maßnahmen ein Zeichen dafür, daß Frankreich internationale Verwickelungen in Ostasien aus dem russisch- japanischen Kriege aufsteigen sieht? Türkei. 34 Sultan Abdul Hamid hat sich von seiner Tochter Naime, der bisherigen Gattin des Schwerenöters Ke maleddin, doch nicht erweichen lassen. Zwar hat er die Degradation Kemaleddins, die vor dessen Verbannung nach Brussa im Yildizpalast in schimpflicher Form vorgenommen wurde, auf die Fürbitte der Prinzessin Naime rückgängig gemacht. Kaum aber war Kemaleddin in Brussa eingetroffen, so erfolgte dort die Degradation. Das Wunderliche dabei ist, daß der Marschall nicht wegen seiner ehelichen Untreue und wegen des Aergernisses, das er dadurch erregt, sondern wegen Gotteslästerung degradiert wurde! Diese Gotteslästerung wurde in den Liebesbriefen Kemaleddins an die Prinzessin Chadische, die Tochter des von Abdul Hamid entthronten Sultans Murad, gefunden: Kemaleddin Deutsch: Säule des Glaubens soll in diesen Briefen seine Angebetete und auch sich selbst mit Ausdrücken belegt haben, die der Muselman nur in Bezug auf Allah zu gebrauchen gewöhnt ist. Offenbar hat er in seinen überschwänglichen Riebesbeteuerungen die hübsche Chadische seine Göttin genannt und ihr versprochen, ihr den Mond vom Himmel zu Jolen oder ihr die himmlische Seligkeit auf Erden bereiten zu wollen. Das brach ihm den Hals, er wurde als Religionsberächter und Gotteslästerer aus den Reihen der Moslim ausgestoßen. Das geschah, um seine Ehe mit Naime trennen zu können. Wenn Kemaleddin nicht mehr Muselmann war, so durfte, da ein Nichtmuselmann keine Frau islamitischen Bekenntnisses besitzen kann, die Ehe auch ohne seine Zutimmung aufgelöst werden. Seine Ausstoßung aus dem Heere war dann die weitere Folge der Gotteslästerung. Urmer Kemaleddin! Wenn jeder türkische Würdenträger jolche Extratouren" so schwer büßen müßte, würde so mancher fette Höflingsposten vakant werden! Dof und Gefellschaft.. *** Der Kaiser begab sich gestern vormittag nach dem Frühstück an Bord der Victoria and Albert" md ging auf derselben mit dem König von England in See, um den Jachten entgegenzufahren, die das Handicap um den von König Eduard gestifteten Goldpokal von Eckernförde nach Kiel aussegeln. Mit dem Kaiser hatten sich auf die ,, Victoria and Albert" begeben Reichskanzler Graf Bülow, Oberhof- und Hausmarschall Graf Eulenburg, Admiral Frhr. v. Senden- Bibran, Kapitän z. S. v. Usedom und Fregattenkapitän v. Grumme. Der Kronprinz war gestern früh an Bord des kleinen Kreuzers Hamburg" nach Eckernförde gefahren, um auf dem Meteor" mit zurückzusegeln. Abends borher hatte im Schlosse beim Stationschef Prinzen Heinrich bon Preußen zu Ehren König Eduards eine Galata fel stattgefunden, zu der Kaiser Wilhelm seinen Gast von der Barbarossabrücke abgeholt hatte. Dort hatten die Fähnriche z. S. und die Leibkompagnie des 1. Garderegiments 3. F. Aufstellung genommen. Im Schloßhof erwies eine Kompagnie des Seebataillons mit Fahne und Musik die militärischen Ehren. Bei der Tafel hielten Kaiser und König Trinksprüche, in denen sie die Vorzüge der beiderseitigen Marinen rühmten. Die Offiziere und Mannschaften der britischen Schiffe erhiclten durch cine städtische Deputation eine Ehrengabe überreicht. Rear- Admiral Sir Berkeley Milne lud die Herren zu einem Imbiß an Bord der Victoria and Albert" ein. Nab und Ferr. Des Untergang des General Slocum auf dem Hellgate Neohort, der über 1100 Personen das Leben kostete, wird er gerichtliches Nachspiel haben. Das Leichenschauger at bezüglich des Unglücks auf dem Dampfer ,, General Slocum" entschieden, daß dasselbe auf übles Verhalten der Dioren der Knickerbocker- Dampfschiffsgesellschaft zurückzuführen sei. Auch der Kapitän van Schaidt vom verunglückten Dampfer und der Kapitän Beaze von derselben Gesellschaft seien strafr htlich verantwortlich. Gegen die Di reren und die Offiziere, im ganzen elf Personen, ist dic Antige auf Totschlag erhoben. Ihre Verhaftung ist an geordnet worden, doch wurden sie gegen Bürgschaft frei. Classen. † Eine schwierige Verhaftung hatten Gendarmen zu vol ziehen, die den des Mordes an einem Regensburger Geschästs. führer namens Knöchel verdächtigen Schuhmacher Johann Hirschvogel ins Gefängnis bringen wollten. Hirschvogel Teistete den heftigsten Widerstand und sprang dann von einer Brücke in die Donau, wurde aber von nachspringenden Arbeitern wieder an das Land gebracht. Mit Hirschvogel wurde zine Dirne, die mit dem ermordeten Knöchel zur kritischen Zeit gesehen wurde, verhaftet. Straftaten à la Dippold scheinen jetzt Mode zu werden. In Rottenburg am Neckar trieb sich in der Realschule ein junger Mann umher, der eine ganze Reihe Schüler, die ihn für einen visitierenden Lehrer hielten, teils mit einem Stod des Klassenlehrers, teils mit einem von ihm scibst unter seinem Rock mitgebrachten Stock ohne jeden Grund körperlich züchtigte. Als er tags darauf wieder die Realschule betrat, wurde er festgenommen und vorgeführt. Zunächst leugne: 2 er alles, nachdem er aber von den Knaben erfannt war, räumte er die Tat ein. Er ist ein Elsässer und Student der Philologie in Tübingen. Inzwischen stellte sich heraus, da cr gleicherweise Schulknaben in Reutlingen mißhandelt hat. Ein zweiter Fall von„ Dippoldismus" wird aus Memel gemeldet. Dort lockte ein sechzehnjähriger Radfahrer einen fleinen Knaben an eine abgelegene Stelle der Promenade, zwang ihn durch Drohungen, sich zu entkleiden, und schlug dann unbarmherzig auf den entblößten Rücken ein. Die lauten Schmerzensschreie des Kindes unterdrückte der 1: hold mit der Drohung, er würde ihn totprügeln, wenn er nicht still sei. Zum Glück wurde der Unhold durch Vorübergehende verscheucht, ehe er diese Drohung cusführen konnte. Es gelang, ihn später zu verhaften. [ Ochsenkavallerie.] Die seltsamste Reiterei der Welt hält der Generalgouverneur J. G. Gallieni an der Westküste Madagaskars. Während die französischen Truppen bei Revolutionen, die öfters vorkommen, verwendet werden, braucht der Generalgouverneur die Eingeborenen als Polizisten in entlegenen Ortschaften. An der Westküste Afrikas leben die Sakalova, die wahrscheinlich mit den Hovas verwandt sind. Die Eingeborenen organisierten nun eine Ochsenreiterei unter dem Oberbefehl eines französischen Offiziers. Sie sind mit modernen langen Zanzen oder Speeren und Seitengewehren bewaffnet. Sie tragen Khakiuniform und Sturm. hauben. Sie reiten barfuß, ohne Steigbügel, siten auf ihrer Ausrüstung, die wie ein Sattel mit Stricken aus einer einheimischen Faserpflanze befestigt ist, und haben eine Art Zügel aus Stricken, der durch die Nase des Tieres gezogen ist. Die Ochsen sind weder langsam noch furchtsam, und sollen unter einer auf Pferden berittenen Kavallerie großen Schaden mit ihren Hörnern anrichten. [ Der gerettete Schnurrbart.] Vor einigen Tagen wurben in Olmütz die nach Salonik zuständigen Mohamedaner Dsman Ramadan und Demir Agha wegen Betrugs zn sechs und vier Monaten schweren Kerkers verurteilt. Nach der in der Olmüßer Fronbeste herrschenden Hausordnung muß jedem Sträfling, dessen Strafe die Dauer von drei Monaten überschreitet, der Schnurrbart abgenommen werden. Dieses Schicksal sollte auch die beiden Türken treffen. Als ihnen dies mitgeteilt wurde, fingen sie schrecklich zu jammern an und erklärten, daß in ihrer Heimat das Abnehmen des Schnurrbartes für Männer die größte Schmach bedeute, und daß sie sich lieber aufhängen, als ihres Schnurrbartes be rauben ließen. Auch stehe der Ehefrau das Recht zu, ihren Mann sofort zu verlassen, wenn er sich ohne Schnurrbari sehen lasse. Mit Rücksicht auf diese Gründe wurde den beiden Mohamedanern ausnahmsweise der Schnurrbart gelassen, worüber sie die größte Freude an den Tag legten. § Nette Zustände in einer Bäckerei enthüllt die letzte it München veröffentlichte Liste der wegen Verfehlung gegen das Nahrungsmittelgeset erfolgten Bestrafungen. Der Sohn eines Bäckers, der beim Backen von Faschingskrapfen"( Ber liner Pfannkuchen) wiederholt in das kochende Backschmali spuckte, wurde zu 20 Mark Geldstrafe verurteilt. Die Mün chener öffentliche Meinung sieht diese Strafe nicht als ge nügende Sühne für eine derartige haarsträubende Gemein beit an. Zu blutigen Zwistigkeiten zwischen deutschen und italienischen Arbeitern kam es in den letzten Tagen in KölnSülk. Schon am Sonntag hatte eine Schlägerei stattgefunden, wobei ein deutscher Arbeiter durch einen Messerstich berletzt wurde. Die italienischen Arbeiter wurden tags darauf oon einem Trupp Fuhrleute und Tagelöhner angefallen und mißhandlt. Dann zog der Trupp vor die Häuser, in denen italienische Arbeiter wohnen und demolierten Türen und Fenster. Die Polizei konnte nur mit größter Mühe die Ruhe pieder herstellen. Unfall in den Bergen. Der Assistent der StaatsbahnDirektion zu Pilsen Guido Ritter v. Schildenfeld stürzte bei Besteigung der Teufelswand am Meerauge in der Hohen Tatra in den See, aus dem er von Fischern bewußtlos herrusgezogen wurde. Ueber das Schicksal seines Reisegefährten, les Barons Schittenhelm, der mit Schildenfeld zusammenreseilt war, fehlt jede Nachricht. Das Seil war während des Absturzes gerissen. Hus dem Gerichtsfaal. § Wegen Falschmünzerei wurde in Hamburg der 28jährige Handlungsgehilfe Robert Paradies zu fünf Jahren Zuchtjaus verurteilt. Er hatte gemeinsam mit dem Photographen Busecke falsches Geld angefertigt und verausgabt. Busece ergiftete sich bekanntlich bei seiner Festnahme und seine janze Familie, Mutter, Frau und Kinder, folgte ihm in den Σοδ. § Ein Vampyr. Ein häßliches Charakterbild entrollte der Szegediner Prozeß gegen die Mörder des ungarischen Abjeordneten Eremits aus Nagy- Kikinda, die neulich unter dem Jubel des Auditoriums, trotzdem sie geständig waren, freijesprochen wurden. Es bestätigte sich durch die Beweisauftahme, daß Eremits einer der gefährlichsten Geldvampyre var, der wie die Angeklagten so viele Hunderte anderer Fanilien durch Wucher und Betrug zu Grunde gerichtet hatte. Er hielt ganz Nagy- Kikinda so fest in Händen, daß alles vor hm zitterte und jedweder Versuch, sein verbrecherisches Treien an die Deffentlichkeit zu bringen, scheiterte. Eremite begann seine Laufbahn als Gehilfe in einem Eisengeschäft. Seine ersten Sporen verdiente er sich durch eine Anzeige Jegen seinen Brotherrn, den er auch vollständig ruinierte, so Daß er dessen Geschäft fast ohne Geld übernehmen konnte. Dann verlegte er sich auf den Bauernwucher, und zwar in Janz eigenartiger Weise. Wenn ein Bauer ein wenig ver chuldet war, überredete er ihn, seine Liegenschaften feil. jieten zu lassen. Bei den Feilbietungen kaufte er dann zu Spottpreisen, oft um 5 bis 10 Gulden Liegenschaften, die Hunderte, ja Tausende wert waren, da er die übrigen Mit bietenden wieder unter dem Vorwande entfernte, er wolle bie Liegenschaft für den bisherigen verarmten Besitzer an laufen. In solcher Weise wurde Eremits binnen wenigen Fahren ein reicher Mann. Nun begann er, in größern Stile zu arbeiten". Er machte sich zum Bankdirektor ief von seiner Bank die schauerlichsten Wuchergeschäfte reiben. Nachweislich nahm er bis zu 170 Prozent. Uebn bies war es eine alltägliche Manipulation, daß aus ein Wechsel vier bis fünf gemacht wurden, indem die jeweilige Deckungs- und Prolongationswechsel nicht zurückerſiate sondern ebenfalls geklagt wurden. So trieb es Gremits g Jahre lang. Die zahllosen Zivil-, Straf- und Wucherpro zesse, die gegen ihn angestrengt wurden die Zahl der I teren allein betrug 271- waren vergeblich. Erst jest ni jeinem Tode begannen die zu reden. die sich bisher vor seine Rache gefürchtet hatten. § Der Prozeß Hoensbroech- Dasbach wird auf die e rufung des Klägers hin vor dem Oberlandesgericht Köln on 23. September von neuem verhandelt werden. Ob es einer Prüfung des Klägerischen Materials über die Eristen des angeblichen jesuitischen Grundsatzes:„ Der Zweck heilig die Mittel" kommen wird, ist nach dem vom Vorderrichte dargelegten Rechtsstandpunkt allerdings sehr fraglich. Am Marterpfahl. In Landsberg a. W. wurde de 16jährige Dienstknecht Otto Fabiente aus Pollychen wegen versuchten Mordes und Raubes zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt. Er hatte den dreizehnjährigen Sohn des Eigen tümers Schnell im Walde überfallen, ihn mit einer Zucker hutschnur an Armen und Beinen gefesselt, dann an einen Baum gebunden, den Mund mit einem Taschentuch verstopft, die Kehle durchschnitten und die Taschen untersucht. Nachdem er glaubte, der Knabe sei tot, löste er ihn vom Baum los Als der Knabe wieder zu sich fam, hieb er wieder auf ihn ein Diesem gelang es, sich zu früchten, er wurde alsdann von dem Dienstherrn des Angeklagten halbtot aufgefunden. Der Angeklagte wollte sich für das Geld Kaninchen anschaffen Hessischer Landtag. aber die Bebol wachsen. Die Händig gewend Städtischen Siz ganzen Landes Abg. Ref Namen einer g Linie ftehen wi Wenn diefe aber Ausschußanträge antrages eintreter ben gegen die v Partei, die der Männer, gegen abfendet. Ich außer dem Hau fäumt, aber ich meine Schuldig unterflellt mir, fatholischer Bef einteilung gelten Ausschuß, ob d folche hinterliftig beliebt, die ebe agitieren mögen 2 Heuchler.) Freunde die Gril und im Falle d Bermehrung der fleisch ftimmen nomens eines fie Begner des i werde für die B nahme finde. Sierauf wi früh 9 Uhr vert Die Wahlrechtsvorlage in der zweiten Kammer, Darmstadt, 29. Juni. Präsident Haas eröffnet die General debatte, mit der zugleich die Diskussion über den Artikel 4 des Geset entwurfes, der die Einführung der direkten Wahl vorsicht, verbunden wird. Staatsminister Dr. Rothe gibt eine Uebersicht über die seitherigen Schicksale der Vorlage. Ent schieden weist es der Staatsminister zurück, daß man bei dem Gesetz von einem unvorbereiteten Machwerk zu reden sich erlaubte. Seit langen Jahren, so schreibt die„ Kl. Presse", habe sich die Regierung eifrig mit der Durcharbeitung der Materie beschäftigt, alle Einwendungen, alle Vorschläge seien gebührend berüdfihtigt worden. Die Einführung des Brin zips der direkten Wahl sei eine Folge des im Hause mehrfach und dringend geäußerten Verlangens. In Beiten, wo wie heute die wirtschaftlichen und politischen Gegensäge so scharf gegeneinander ständen, sei es von größtem Nachteil, wenn nun auch über Verfassungsfragen der Kampf entbrenne. Der Streit aber werde künstlich geführt mehr noch durch versteckte, als durch offene Gegner. Ich werde mich in dem Bewußtsein, dem Lande gegenüber meine Pflicht zu tun, durch Kritik und Angriffe nicht beirren lassen. Ist das Haus anderer Ansicht über die Wahlrechtsvorlage als die Regierung und lehnt sie ab, so wird die Regierung sie dennoch immer wieder bringen. Ich habe ein feines Gefühl dafür, aus welchen Gründen man die Vorlage bekämpft und darum er fenne ich flar, wieviel persönliche Motive bei den Gegnern im Spiele sind. Die Kammer hat selbst dahin entschieden, daß sie nicht mehr Vertretung der Stände", sondern Landtag" heißen will, damit habe sie ja dokumentiert, daß sie nicht einzelne Klassen oder Bevölkerungsgruppen, sondern das ganze Volt, das ganze Land zu repräsentieren habe. Die Privilegien der drei kleinen Städte Alsfeld, Friedberg und Bingen find historisch berechtigt und durch Verfassung gewährleistet. Von dem Ergebnis der Verhandlungen der Kammer wird die Regierung ihre Stellung zu dem Kompromißvorschlag, der die Ziffer der Abgeordneten auf 60 erhöhen will, und der die Einteilung der Wahlkreise in den Artikel 19 des Gesezes einbezieht, abhängig machen. Die Rede des Staatsministers wurde, besonders in in ihrem ersten Teil, wiederholt durch laute Beifallskundgebungen unterbrochen. Abg. von Brentano( 8.) als Berichterstatter des Ausschusses beleuchtet scharf die Kritik, die eine gewisse Presse an dem Regierungsentwurf und dem Ausschußbericht geübt hat. Wenn die Blätter jener Richtung die Motive zum Gesetz und das Referat dürftig nennen, so ist darauf zu erwidern, daß Regierung und Ausschuß die Wiederholung der Ausführungen zur vorigen Vorlage ersparen wollten. Ein Teil dieser Presse hat in Mißbrauch ihrer Freiheit bewußt die Unwahrheit zu sagen sich erdreistet. Sie strebt danach aus Feindseligkeit gegen das Gesetz der Bevölkerung einzureden, es handle sich um ein tautelenloses Wahlrecht. Dieser Behauptung steht die Tatsache gegenüber, daß der Entwurf eine dreijährige Ansässigkeit im Hessenlande und die dreijährige Staatsangehörigkeit voraussetzt und außerdem die Verschärfung der Steuerrückstandsklausel und das Wahlalter von 25 Jahren verlangt. Es ist nicht zu begreifen, wie man da sagen kann, das Wahlrecht sei ein fautelenloses. Es ist ebenso nicht zu begreifen, wie man ein Wahlgesetz, das seine Entstehung im wesentlichen der Initiative des Landesherrn verdankt, auf Treibereien einzelner Parteien, einzelner Aliten. Die Regierung ist sich bewußt, daß die Einführung des direkten Wahlrechts eine wichtige Verfassungsrevision bedeutet. Sie ist sich aber auch bewußt, daß sie ein völlig uneingeschränktes direttes Wahlrecht nicht ohne weiteres dem Lande geben darf. In den Kautelen ist die Regierung weitergegangen als alle anderen süddeutschen Staaten und es ist einfach unverständlich, wie man dem Entwurf gegenüber ron einem fautelenlosen Wahlrecht reden kann. Dann geht der Staatsminister auf die Zusammensetzung der Kammer ein. Wenn die Zahl der städtischen Mandate im Artikel 3 um fünf erhöht werden soll, so wird damit nur noch eine Förderung der Gerechtigkeit und des billigen Ausgleiches erfüllt. Seit der Verfassungsurkunde vom Jahre 1820 ift die Zahl der Abgeordneten von 50 nicht erhöht worden, > Das ausgegeben am die Abänderung Echlachtvieh u befagt in ihrer ( 1) Die un Sinne des Gefe ( 2) Unter burchgang zu be wird, ohne im ohne aus der verfehr treten. aus ( 3) Bei der lager gilt der F als vorliegend, zeichneten Bora Fleisches zur N fertigung des fchloffen ist. * Der für eingerichtete Fo gestern seinen A ** Der * und Umgeg 3. Juli, auf de Philosophenwal öffentliches Bre zahlreiche Mel Veranstaltung, ladungen ergeb füßler nur b allen denjenige Jagd bisher gegenübergefta mittags 8% 1 gegen Abe bis Jun des Gießener aus Klein- Lir als Radett zu Am 1. Juli fegler„ Soph len Ozean ab * Groß Lobe verurte am Samstag handlung. ** Bie Unibersi früheren an Berfonalbefta mert, Vissza fand sich for Vissz Ungarn. S Bitte nach Stemp des Rett Der Brauns Kol erfolgt nic > der Fort a. M., a auf den der Forf ann er, in gr um Bankdiret Muchergei 170 Prozent. ation, daß aus indem die je nicht zurüder trieb es Gremi raf- und Wud -die Zahl de eblich. Grit je fich bisher vor dy wird auf die andesgericht Köl werden. Ob als über die G Der Zwed he in vom Bordern sehr fraglich. ga. W. wurde aus Bollnchen me If Jahren Gefan gen Sohn des G ihn mit einer Bu felt, dann an& Taschentuch berit untersucht. Nat ihn vom Baum er wieder auf ihn wurde alsdann ot aufgefunden. Raninchen anscha ag. weiten Kamm dt, 29. Juni. heraldebatte, Artikel 4 des Ge retten Wahl borf Rothe gibt der Vorlage. G zurück, daß man Machwert zu re reibt die, l. Pre Durcharbeitung alle Vorschläge f inführung des Brin Des im Haufe me ns. In Beiten, tischen Gegenfäge f n größtem Rad der Kampf entbrenne rt mehr noch dur werde mich in den Pflicht zu tun, dure en. Ist das Hau ge als die Regierung g fie dennoch imma Gefühl dafür, au npft und darum be bei den Gegne oft dahin entschieden de", sondern Land ofumentiert, daß f gegruppen, fondem räsentieren habe. Alsfeld, Friedberg durch Verfassun Verhandlungen de ung zu dem Rom geordneten auf 6 Wahlkreise in de ngig machen. Ders in in ihre eifallsfundgebunge Berichterstatter de eine gewiffe Bre Bihusbericht ge Die Motive zu ift darauf zu er Wiederholung de ren wollten. Ein er Freiheit bewußt Sie ftrebt danach Bevölkerung einzu Wahlrecht Diefer baß der Entwurf De und die brei and außerdem die no das Wahlalter begreifen, wi autelenloses. E Wahlgefeh, bai ive des Landes arteien, einzelne B die Einführung Serfaffungsrevifion aß fie ein völlig hne weiteres bem die Regierung Jen Staaten und en fann. Dann ung der Rammer Entwurf gegen ate im Artitel 3 t nur noch eine Jahre 1820 if gen Ausgleiches erhöht worden Abg. Reinhardt( natl.) gibt eine Erklärung ab im Namen einer größeren Bahl seiner Parteifreunde. In erster Linie stehen wir auf dem Standpunkt der Regierungsvorlage. Benn diese aber fallen sollte, werden wir geschlossen für die Ausschußanträge im Sinne des Dr. Gutfleisch chen Kompromißantrages eintreten. Sodann verwahrt sich Reinhardt entschieden gegen die unerhörten Angriffe einer Presse der eigenen Bartei, die der Wahrheit ins Gesicht zu schlagen pflege, die gegen Männer, die ihr Bestes taten, die giftigsten feile absendet. Ich lasse mir von niemand nach sagen, ich hätte außer dem Hause meiner Partei gegenüber die Pflicht versäumt, aber ich lasse mir ebensowenig vorschreiben, wie ich meine Schuldigkeit im Ausschuß aufzufassen habe. Mon unterflellt mir, weil ich Katholik bin, hätte ich im Interesse katholischer Bestrebungen meinen Einfluß bei der Wahlkreiseinteilung geltend gemacht. Ich frage jeden der Herren im Ausschuß, ob das wahr ist.( Laute Zurufe: Nein.) Gine folche hinterliftige und frivole Kampfesweise wird von Leuten beliebt, die eben nicht offen gegen das direkte Wahlrecht agitieren mögen.( Abg. Wolf( Antisemit) ruft: Das sind Heuchler.) Abg. Reinhardt gibt für einen Teil seiner Freunde die Erklärung ab, daß sie für die Regierungsvorlage und im Falle der Ablehnung derselben in Bezug auf die Vermehrung der städtischen Mandate für den Antrag Gut fleisch stimmen würden. Abg. Dr. Heidenreich erklärt sich namens eines Teils seiner Freunde gegen die Vorlage, da fie Gegner des direkten Wahlrechts seien. Ein anderer Teil werde für die Vorlage stimmen, wenn die Wahlpflicht Annahme finde. aber die Bevölkerungsziffer ist seitdem ganz bedeutend ge-| auslief. Der 2. Schuß des Wilderes verwundete den Forstwachsen. Die wirtschaftlichen Verhältnisse haben sich voll- wart am Rinn und Wange. Zugleich aber ergab sich auch ständig gewendet und so entspricht die Vermehrung der der Angreifer, da ihm die Munition ausgegangen war. städtischen Sige nur dein wohlverstandenen Interesse des Beide wurden nach Würzburg in die Klinik gebracht. Der Bilddieb war der 27 jährige Maurer Englert von Wiestal. ganzen Landes. ** Ein Wort zur Anti- Alkoholbewegung. Die Entartungen im Alkoholkonsum, die niemand verteidigen wird, wie man jede Unmäßigkeit verwerfen wird, auf welchen Gebiete es auch sei, haben die Aerzte oder wenigstens viele von ihnen zu dem anderen Extrem geführt. Hier Unmäßigkeit, dort völlige Abstinenz! Es ist das auch so eine Art Mode, eine Zeitströmung, wie man sie im Leben der Völler häufig findet. So eine„ Mode" kommt und geht auch wieder. So wird man es heute kaum glauben, daß auf das harmlose Raffeetrinten einmal Zuchthausstrafe gesetzt war. Und doch ift's wahr. Am 23. Dezember 1766 erließ die turfürstliche Regierung von Bonn aus, auf Antrag der Landstände des Herzogtums Weftfalen, das zu Köln gehörte, eine Verordnung, dergemäß der Handel mit Kaffee, sowie der Genuß dieses Getränkes allen Bürgers, Bauers- und Arbeitsleuten bei Vermeidung harter Strafen verboten ward. Desgleichen wurde die Abschaffung alles Kaffeegeschirrs strenge anbefohlen. Nur den höheren Ständen ward der Bezug von Kaffee aus dem Ausland und ein mäßiger Genuß gestattet. Am 6. Oftober 1770 erlaubte man, um den Ankauf im Ausland zu hintertreiben, den Verkauf im Inlande, auch den Genuß, aber es mußten die Wohlhabenden dafür jährlich 4 Taler, jede andere Haushaltung vierteljährlich 1 Taler bezahlen. Als aber dann das Kaffeetrinken sehr stark zunahm, tam am 17. Februar 1781 ein neuer Erlaß, der nicht nur allen Handel mit rohem und gebranntem Kaffee und alles Kaffeeschenken unter schweren Geldstrafen und Zuchthaussteafen verbot, sondern auch untersagte, daß Kaffee vom Ausland in weniger als 50 Pfund bezogen werde. Diese 50 Bfund durften aber nicht verteilt, nicht verschenkt, sondern nur von einem einzigen gebraucht werden. Hausfrauen, die den Dienstboten Kaffee gaben, wurden ebenfalls schwer bestraft. Man ist heute, über ein Jahrhundert nach dieser unglaublichen Historie, auf dem besten Wege, in Bezug auf den Alkohol zu ähnlichen drafonischen Strasbestimmungen zu gelangen. Wie gesagt: Der Unmäßigkeit wird niemand das Wort reden, aber was gegenwärtig in der Alkoholbewegung geschieht, ist ein ungesunder Radikalismus und geht über das Ziel wit hinaus. Das Richtige liegt in der Mitte: feine Unmäßigkeit, aber auch keine altjüngferliche Abstinenz! - Hierauf wird die weitere Beratung auf Donnerstag früh 9 Uhr vertagt. Lokales. 30. Junt 1904. > Das Großh. Regierungsblatt Nr. 21, ausgegeben am 29. Juni d. I., enthält die Bekanntmachung, die Abänderung der Ausführungsbestimmungen D zum Schlachivieh- und Fleischbeschaugesez betreffend. Dieselbe besagt in ihrer neuen Fassung: § 10. ( 1) Die unmittelbare Durchfuhr ist als Einfuhr im Sinne des Gesetzes nicht zu betrachten. ( 2) Unter unmittelbarer Durchfuhr ist derjenige Warendurchgang zu verstehen, bei dem die Ware wieder ausgeführt wird, ohne im Inlande eine Bearbeitung zu erfahren und ohne aus der zollamtlichen Kontrolle oder verkehr aus dem Gewahrsam der Poftverwaltung zu treten. ( 3) Bei der Ueberführung von Fleisch auf ein Zolllager gilt der Fall der unmittelbaren Durchfuhr nur dann als vorliegend, wenn, abgesehen von den im Abs. 2 be= zeichneten Voraussetzungen, bereits bei der Anmeldung des Fleisches zur Niederlage sichergestellt wird, daß eine Abfertigung des Fleisches in den freien Verkehr ausgeschlossen ist. * Der für dieses Sommersemester ar unserer Universität eingerichtete Fortbildungskursus für Volksschullehrer fand gestern seinen Abschluß. Die Zahl der Teilnehmer betrug 150. ** Der Verein Hundesport für Sießen und Umgegend veranstaltet kommenden Sonntag, am 3. Juli, auf dem neuen Schliefplage am Mittelwege nahe Philosophenwald und Liebigshöhe- sein erstes diesjähriges öffentliches Preisschliefen für Teckel und Forterriers, zu dem zahlreiche Meldungen eingelaufen sind. Der Besuch dieser Veranstaltung, zu dem der Vorstand durch Amoncen Einladungen ergehen läßt, fann allen Freunden unserer Bierfüßler nur bestens empfohlen werben, insbesondere aber allen denjenigen, die solchen notwendigen Vorübungen zur Jagd bisher mit einem gar nicht berechtigten Mißtrauen gegenübergestanden haben. Das Schliefen beginnt vormittags 8 Uhr und dauert mit einstündiger Mittagspause bis gegen Abend. Junger Seefahrer. Der seitherige Schüler des Gießener Gymnasiums, Unterprimaner Harald Mathes aus Klein- Linden, ist heute nach Bremerhaven abgereift, um als Kadett zur See beim Norddeutschen Lloyd einzutreten. Am 1. Juli fährt er mit einem Schulschiff, dem Biermastfegler„ Sophie Charlotte" nach den Sandwich- Inseln im Stillen Dzean ab. * Groß und Stafforst. Die Revision der zum Tode verurteilten Raubmörder Groß und Stafforst tommt am Samstag den 2. Juli vor dem Reichsgericht zur Verhandlung. * ** Wie man der„ Frfftr. 3tg." berichtet, hatte die Universität Gießen in diesem Semester wie in den früheren an die Universität Klausenburg ihren Bersonalbestand eingeschickt. Die Sendung ist mit dem Vermert ,, Vissza!" zurückgekommen und auf der Rückseite befand sich folgende amtliche Bemerkung des Reftorats: " Vissza! Zurück! Es gibt kein Klausenburg in Ungarn. Der offizielle und historische Name ist Kolozsvár. Bitte nach Kolozsvár, Ungarn, zu adressieren. Stempel des Rettorats. Rettorat ber Universität Kolozsvár." Der gegenwärtige Rektor der Universität Gießen Prof. Brauns hat dazu verfügt: ,, Kolozsvár ist mir unbekannt. Eine Sendung bahin erfolgt nicht! Brauns, 25. Juni 1904." > Einen Kampf mit einem Wilderer hat der Forstwart Günder von Neuhütten, Forstamts Lohr a. M., am Samstag Abend gehabt. Der Wilderer feuerte auf den Beamten und traf ihn am Finger. Jetzt feuerte der Forstwart und schoß dem Wilderer ein Auge aus, das sofort A Grünberg, 30. Juni. Nächsten Montag, den 4. Juli, abends 8 Uhr, findet schon wieder eine GemeinderatsSigung statt und zwar liegt folgende Tagesordnung vor: 1) Erledigung der freisamtlichen Verfügung betr. Bahnbau Grünberg- Lich. 2) Mitteilung des Musifvereins, insbesondere§ 11 ihrer Statuten. 3) Anschaffung des Hydrantenwagens und von Schläuchen. Δ Grünberg, 30. Juni. Einem Mitgliede der Wegebau- Kommission und des Gemeinderats ist es auch endlich gelungen, in einer von ihm in der Wirtschaft Hofmann für den verflossenen Montag einberufenen Versammlung der Interessenten, die Pflasterung des„ grünen Meeres"( hinter den Hofraiten Dreyling, Seim, Hofmann einerseits und Frank andererseits), durchzuseßen. Hierdurch wird einem, wenn auch nicht zum Himmel schreienden, jedoch stinkenden Zustand endlich einmal abgeholfen. Es bleibt der Wege- Kommission vorbehalten, noch weitere Schmugpläßchen" in unserer sonst so schönen und sauberen Stadt zu beseitigen und daß sie hierzu den Willen hat, zeigte das schneidige Vorgehen am verflossenen Sonntag. 11 A Grünberg, 30. Junt. Bezugnehmend auf das gestrige Eingesandt", welchem allgemein zugestimmt wird, sollen nach dem Beschluß des Gemeinderats nicht allein die städtischen Plätze geräumt und gereinigt werden, sondern es sind die sämtlichen Straßen von der Wegekommission am verflossenen Sonntag besichtigt worden und die Besitzer der Hofraiten, an welchen die Miststätten sich dem Auge der Passanten unverhüllt präsentieren, aufgefordert worden, bis zum Sonntag, den 3. Juli dieselben durch eine ordnungsmäßig hergerichtete Umzäunung, ob in Gestalt einer Mauer oder einer das Schönheitsgefühl nicht verlegenden Bretterwand( à la S. in der Bahnhofstraße) zu versehen. Kommt man dieser Aufforderung nicht nach, sollen dem Vernehmen nach, vom darauffolgenden Montag ab diese Arbeiten auf Kosten der Besizer durch die Wegekom mission bezw. der von derselben Beauftragten ausgeführt werden. Es ist auch die höchste Zeit, daß der Gemeinderat seinem vor 10 Jahren einstimmig gefaßten Beschluß Nachdruck verleiht und diese Mißstände mit Energie anfaßt und beseitigt. Der Dank der einsichtigen Bewohner ist ihnen sicher. A Großen- Linden.( Auszeichnung) Herr Dr. Hugo Hepding in Gießen, Sohn des hiesigen Pfarrers Hepding, ist von der Zentraldirektion des faiserlichen Archäologischen Instituts als Stipendiat in der Abteilung für klassische Archäologie für das Studienjahr 1904/05 erwählt worden. = Friedberg. Zu den beiden Bahnprojekten Friedberg Florstadt- Ranstadt und Friedberg- Rockenberg- Holzheim- Gießen ift jetzt noch ein drittes getreten, Friedberg- Bad Nauheim Usingen. Die Bahn soll dem Usatal folgen und von Nauheim über Nieder- Mörlen, Ober- Mörlen, Bodenrod und Ziegenberg nach Usingen führen. • × Bad Nauheim, 27. Juni. Der hiesige Kaiserhof"( Besizer A. Seethaler) wurde nach dem„ Gieß. Anz." für 1630 000 W. an eine Frankfurter Gesellschaft. verkauft × Eberstadt. Am nächsten Sonntag und Montag wird der hiesige Gesangverein„ Germania" sein 50 jähriges Stiftungsfest feiern und sind aus diesem Anlaß die weitgehendsten Vorbereitungen getroffen, so daß den zahlreich zu erwartenden Festgästen ein genußreicher und angenehmer Aufenthalt bevorsteht. = Biedenkopf. Am 10. Juli d. J. wird hier der Verbandstag der nassauischen landwirtschaftlichen Genossenschaften abgehalten, zum ersten Male seit Bestehen des Verbands. Die Tagesordnung bietet zwar nichts außergewöhnliches, doch sind Veranstaltungen projektiert, die den Genossenschaften den Aufenthalt hier angenehm zu machen geeignet sind. V Darmstadt. Hier streiken die Zimmerer. Wie wir dazu hören, beabsichtigen die 3 mmermeister, falls in Kürze feine Ginigung der streitenden Parteien zu Stande kommt, in den ersten Tagen des Juli ihre Betriebe zu schließen. Mainz, 29. Juni. Die wegen Unterschlagungen festgenommene Ese Fretwurst hat jeßt ein umfassendes Geständnis abgelegt. Die bei ihr gefundenen 36 000 Mt. wurden der bestohlenen Firma wieder eingehändigt. Ihr Bräutigam in Antwerpen hatte von den Ünterschlagungen feine Kenntniß. < Aus Rheinhessen. Von einem Landwirt wird folgendes erzählt: Dieser mochte sich nie mit den üblichen Preisen für Getreide zufrieden geben und ließ so 7 volle Jahre hindurch seinen gesamten Vorrat von Gerste liegen, im ganzen 600 Sack. Dieser Tage erst verkaufte er seinen aufgespeicherten Vorrat, der aber infolge Eintrocknens auf 300 Sack zusammengeschmolzen war! Dazu tam noch, daß sich in dem Getreide das Ungeziefer in großer Menge eingenistet hatte, so daß die Frucht nur noch als sog. Futterkorn in Betracht kam. Der Schaden soll einige Tausend Mart betragen.( Wer glaubt es? D. Red.) Litterarisches. Der Untergang des Erdenlebens gibt den Stoff zu einem hochinteressanten Aufsatz aus der Feder eines bekannten Astronomen, der in der neuesten Nummer des unübertrefflichen Moden- und Familienblattes„ Mode und Haus", Verlag von John Henry Schwerin, Berlin W 35, enthalten ist. Außerdem findet man in diesem wundervollen Blatte alles, was die Hauswirtschaft und die Familie betrifft. Da werden uns in zahlreichen fünstlerischen Abbilbungen prächtige Moden- Genrebilder für Erwachsene, wie für Kinder vorgeführt, Haus, Gesellschafts und Straßenfostüme, ferner Wäsche, Handarbeiten, Kindererziehung, ärztliche und juristische Ratschläge, vorzügliche geistige Unterhaltung, Aktuelles aus der Zeit, wie aus dem Leben der Frau. Schon die große Anzahl der Beilagen gewährt einen Begriff von dem Reichtum des Blattes. Da sehen wir die reich illustrierte Belletristische Beilage, ein farbenprächtiges Moden- resp. Handarbeiten- Kolorit," Illustrierte Kinderwelt", die große Romanbeilage„ Aus besten Federn"," Humor", Aerztlichen Jiatgeber", eine Musikbeilage und viele andere noch. Ganz speziell machen wir auf den jeder Nummer beiliegenden mustergiltigen Schnittbogen aufmerksam, außerdem liefert der Verlag Extraschnitte nach eingesandtem Körpermaßfeine sogenannten Normalschnitte gegen Vergütung der eigenen Selbstkosten von 50 Pfg. pro Schnitt für Erwachsene, 35 Pfg. für Kinder.„ Mode und Haus" kostet trop seines reichen Inhalts pro Quartal nur f. 1 ,, mit Moden- resp. Handarbeiten- Kolorits Mt. 1,25. Abonnements bei allen Buchhandlungen und Postanstalten. Gratisprobenummern bei ersteren und durch den Verlag John Henro Schwerin, Berlin W. 35. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Boraussichtliche Witterung in Hessen für Freitag, den 1. Juli. Zunächst noch heiter, später moltig und stellenweise Gewitteregen, bei erheblich milderer Nacht tags. über etwas fühler. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Marktberichte. Sießen. 30. Juni Aus dem heutigen Wochenmarkt lofteten Butter per Pfd 0.90-1.10 wt., Hühnereler per Stüd 5-6 Bfg., Enteneter St. 7 Btg Käje per St. 6-8 Pfg., Käsematte 2 St. 5-6 Pfg. Erbsen per Liter 21 Bfg., Linjen per tier 32 Brg., Tauben per Paar T. 0.80-1.00, Huhner per Stüd Mt. 1.30-1.40, Hahnen, per, Stud 0.80-1.70, Enten per Stüd 1.70-2.20, Gänje per Pfd 65-70 Pfg., Ochsenfleisch per Pfd. 70-80 Big., Rindfleisch per Pfd. 62-68 Pfg. Der Pft Schweineflench 60-72 fg. Someine fletsch gesalzen per fund 0.76 fg., albfleisch per sfd. 68--76 Bfg., Hammelfleisch per Pfd. 50-74 Bfg., Kartoffeln pro 100 kilo 6.00 M., Zwiebeln per 3t War 7.00-10.00, Kirschen 15-20 Pf. per Pfd. Aepfel per Gentner 20-25 Mt. Wilch per Liter 18 Bfg. Dauer der Markizen von 7 Uhr morgens bis 1 Uhr Nachmittags. Gegen flände des Wochenmarktverkehrs dürfen vor Beginn der Marktzeit überhant nicht, und während der ersten drei Stunden der Markteit im Umberziehen feilgeboten werden. Arbeitsnachweis der Stadt Gießen. Gartenstraße Nr 2( Bürgermeistereigebäude) Zimmer Nr. 14. Es können eingestellt werden: 2 landw. Arbeiter, 1 Spengler, 6 Wagner, 1 Metalldreher, 2 Schreiner, 4 Schneider, 2 Glaser, mehrere Arbeiter, 10 Dienstmädchen, 1 Laufmädchen, 2 Bauffrauen. Es suchen Arbeit: 1 Gartenarbeiter, 1 Maschinenschlosser, oder Heizer, 1 Wäscherin, 1 Flickerin1 Bureaudiener, 1 Kindermädchen, 1 Bauffrau. Berantwortlich: für den politischen, vermischten und unte:- haltenden Teil Albin Klein Gießen; für den lokalen Teil Karl Klose, Grünberg. Königl. Preuss. Staats- Medaille Seidenstoffe jeder Art, in jeder Farbe, zu jedem Preise, der Meter von 75 Pf. an. Muster portofrei. Fertige seidene Kostüm- Röcke, Jupons, Blusen, halbfert. Roben. Deutschlands grösstes Spezial- Seiden- Geschäft Seidenhaus Michels& Co., Berlin SW. 19 43 Leipziger Strasse 43 Ecke Markgrafen- Strasse. Mechanische Seidenstoffweberel In Krefeld Danksagung. Allen Freunden, Bekannten und Verwandten für die teilnehmenden Beweise bei dem Tod und Begräbnisse unseres innigst geliebten Töchterchen Irma sagen wir hiermit unseren tiefgefühltesten Dank. Giessen, 29. Juni 1904. ( Wetzsteingasse 33.) Karl Beil u. Frau geb. Rinn. August Kilbinger, Giessen, Seltersweg 19. Telefon 276. - Größtes Kinderwagen- Geschäft am Plak. Enorme Auswahl in allen Preislagen. Erstklassige Fabrikate von Kinderwagen, Sportwagen, Leiterwegen, und Krankenfahrstühlen. Ständiges Lager von 200 Stück Kinderwagen. Auf Wunsch Katalog. Zum neuen Saalbau Donnerstag, den 30. luni: IV. Abonnements- Konzert ausgeführt von der Kapelle des Inf.- Regts. Kaiser Wilhelm( 2. Gr. Hess.) Nr. 116 unter persönlicher Leitung des Grossh. Musikdirektors Herrn C Krausse. Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 Pfg. Gewerbebank Lollar Aktien- Gesellschaft. Die Aktionäre unserer Gesellschaft werden zu der Montag, den 18. Jult d. Js., nachmittags 3 Uhr, in dem Rathaussaale zu Lollar stattfindenden ordeutlichen General- Versammlung ergebenst eingeladen. Tages- Ordnung: 1. Vorlage des Geschäftsberichts, Bilanz und Gewinnund Verlustrechnung pro 1903/04. 2. Bericht des Aufsichtsrates über die stattgefundene Prüfung der Jahresrechnung und Beschlußfassung über die Bilanz und Gewinnberteilung, sowie über die Erteilung der Decharge. 3. Uebertragung von Aftien. 4. Wahlen zum Aufsichtsrat. Geschäftsbericht, Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung liegen von heute an in dem Geschäftslokale zur Einsicht der Aktionäre offen. Diejenigen Aktionäre, welche an der Generalversammlung teilnehmen oder sich vertreten lassen wollen, haben ihre Aktien bis spätestens den 16. Juli d. Is., nachmittags 6 Uhr, auf dem Geschäftszimmer unserer Gesellschaft zu deponieren. Lollar, den 25. Juni 1904. Der Vorstand. Malz- Treber täglich frisch per Zuber 38 Pfg. bei Attien- Brauerei Gießen. Eine größere Fabrik in der Nähe von Mühlheim a. Rh. sucht mehrere Handwerker wie Bleilöter, Klempner, Schloffer, Dreher, Schreiner, Küfer, Maurer und dergleichen, sowie eine größere Anzahl Arbeiter u. Arbeiterinnen für dauernde und lohnende Beschäftigung. Vorkenntnisse für leztere sind nicht erforderlich. Auskunft erteilt: Herr Philipp Schneider, Gasthaus zum Adler, S in Gießen. Flinker Hausbursche fann sofort eintreten in der Buchdruckerei dieser Zeitung. Former, Aufſtampfer und Arbeiter für dauernde, gutbezahlte Arbeit gesucht. Eisenwerke Collar, Aktien- Ges. Lollar, Oberhessen. In Giessen: Ph. Weiler. Gg. Carl Volk. Letzte Wohltätigkeits Geld- Lotterie desStrassb.- Neud Arbeiterheims Ziehung sicher am 23. Juli Nur Baar Geld! 2490 Gew. ohneAbzug Mk. 41000 15000 6000 1 à M. 1 à M. 3 à 1000= 3000 425 zus.== 9500 2060 zus. 7500 Los 1 M. = 11 Lose 10 Mk. Port.u.List. 25Pf. versendet das Gen.- Debit J. 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Betr.: Wie oben. Emil Schön von Gießen beabsichtigt, auf dem Grundstück seines Anwesens der Gemarfung Gießen in der Ebelstraße einen Dampfsparmotor zu errichten. Pläne und Beschreibung hierüber liegen 14 Tage lang, vom Erscheinen dieses in der Darmstädter Zeitung bezw. im Kreisblatt für den Kreis Gießen an gerechnet, auf dem Bureau der Großh. Bürgermeisteret Gießen zur Einsicht der Interessenten offen. Etwaige Einwendungen sind binnen dieser Frist bet Meidung des Ausschlusses bei Großh. Bürgermeisterei Gießen vorzubringen. Gießen, den 24. Juni 1904. Großherzogliches Kreisamt Gießen. J. V.: gez. Haberkorn. Bekanntmachung. Die Reparaturarbeiten an der Wage an der Margaretenhütte sind beendet und die Wage kann von heute an wieder benutzt werden. Gießen, den 30. Juni 1904. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Der Fluchtlinienplan für die Große Mühlgasse von der Westanlage bis zum Eingang in die Große Mühlgasse, bezw. den mit a- b bezeichneten Punkten ist von Großh. Kreisamt genehmigt und von uns festgestellt worden. Derselbe kann bei dem Tiefbauamte eingesehen werden. Gießen, den 24. Juni 1904. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, Durch Verkauf meines Hauses daß in der Zeit vom 1. August bis Mitte September verfaufe meinen großen Vorrat in d Is. voraussichtlich keine Sigungen der StadtNaturweinen, selbstget. Weik-, verordneten- Versammlung abgehalten werden. Rot- und Moselweinen, Champagner unter Selbstfostenpreis, einen Poften felbstgebrannten 1893er Weintrester. Wilh. Comes, Zum Andres. Gießen Das Heu- und Grummetgras von 5 Morgen Wiesen am vor= deren Heegstrauch, sowie 1% Morgen am Gänsader zu verfaufen. Wilh. Löber, Gießen, Walltorstraße 20. Zur Rettung v. Trunksucht! bersendet Anweisung n. 32jähr. approbierter Methode, radikale Beseitigung, mit, auch ohne Vorwissen zu vollziehen, feine Berufsstörung. Briefen sind 50 Pfg. in Brieima fen beizufügen. Man adressiere: Privat- Anstalt Villa Chriftina, Boft Säckingen, G. 52, Baden. In meiner mech Schreinerei mit Motorbetrieb finden mehrere Schreiner oder Schöne Manſardenm, 3. St., 5 Glasergesellen Räume nebst Küche, Bleichpl. u. Gartenant, per sof oder sp. zu v. Gießen, Ederstr. 2, Ede Nordanlage. Da dauernde Arbeit. H. Keßler, Lollar. es wiederholt borgekommen ist, daß GeschäftsKunden von mir sich nach meinem früheren Lokal wandten, gebe ich nochmals befannt, daß meine Druckeret nicht mehr neuenweg 28 sondern Seltersweg Nr. 83 Dringliche, die Beschlußfassung der StadtverordnetenVersammlung erfordernde Angelegenheiten sind daher spätestens bis 20. Juli d. Js. bei uns vorzubringen. Gießen, den 28. Juni 1904. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird die Weftanlage zwischen Bahnhof- und Frankfurterstraße von Donnerstag, den 30. 1. Mts. an bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrradverkehr gesperrt. Gießen, den 29. Juni 1904. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. Bekanntmachung. Die Stelle eines Marktwächters ist zu besetzen. Lufttragende mit unbescholtenem Rufe wollen sich bei unterzeichneter Stelle bis zum 14. Jult I. J. melden. Grünberg, am 29. Juni 1904. Großh. Bürgermeisterei Grünberg. 3immer. Vergebung v. Anstreicherarbeit. Die Arbeiten und Lieferungen zur Erneuerung des Anstrichs der sichtbaren Eisenteile sämtlicher Kreisstraßenbrücken des Kreises Gießen sollen Dienstag, den 12. Juli 1. J., vorm. 9 Uhr im Amtszimmer des Unterzeichneten, woselbst die BeDingungen zur Einsicht offen liegen, im Wege schriftlichen Angebots vergeben werden. Gießen, den 25. Juni 1904. Der Großh. Kreisbaninspektor des Kreises Gießen. Diehm. Wer Freund einer guten Suppe ist verwende S MAGGI Schutzmarke Kreuz Stern Suppen MACCI zu 10% in Würfeln P für 2 gute Teller Suppe. Stets frisch und in den verschiedensten Sorten zu haben bei Carl Eichmann, Giessen, Ederstr. 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Datumstemp. v. 50 Pf. an. Musterb.gr... HAUSLICHEN Ein Bissen Brot und Herzensfreundlichtet. der Reiche bergebens in seiner Silbertifte HERD find Wohltaten, die dürfte. Jedenfalls wird es im Intermöglich, daß man fagt, awischen welchen Preisgrenzen sich esse jeder einzelnen nig su veftinunen moglia), so ist es doc) ganz gewiß so weit die Rechnung bem Gausfrau wie des allgemeinen feilderten gegen die tagtäglich wiederkehrenden, foeben geschilderten Bustände mit Entschiedenheit aufgetreten wird. Küche und Keller. Donnerstag, den 30 messische Funt Familienzeitu Tägliche Unterhaltungs- Beilage sen, Ederstr. 1 verschiedensten ne Benfion. Bfteingaffe 7. er zu vermieten, legen, Walltorfir. es bei Bädermftr. traße 7 ung per 1. Juli Stempelfabrik -Kaiser) arlottenstr. 16 hen and Portemonnaies empel jed. Art billigst roa 2,25 A OPL A. Mesterb Kl. Stempel art Karb.gr.u.m HAUSLICHEN AM Gießen. Cn. ng. te Wage fann bo Wage an de Gießen. ng. n uns festgestellt Buntten ist bo die Große Müh Be Mühlgasse bo uamte eingesehen ng. Gießen. ntlichen Kenntnis, verden. Stadtverordneten uns vorzubringen. eiten sind daher ngen der Stadt Mitte September Sießen. ng. und Frankfurter onsarbeiten wird berkehr gesperrt. Mts. an bis auf gen. 14. I. J. melden. wollen sich bei ist zu besezen. inberg. n sollen Bege schriftlichen rm. 9 Uhr oselbst die Be eile fämtliger Erneuerung Jerarbeit. reifes Gicken. st verwende ACE 20 HERD Ein Bissen Brot und Herzensfreundlichkeit sind Wohltaten, die der Reiche vergebens in seiner Silberkiste sucht. " Handwerker und Hausfrau. ,, Guten Morgen, Herr Tischlermeister, schön, daß Sie tommen. Haben Sie doch die Güte, und folgen Sie mir in den Salon. Der Herr Tischlermeister X. erwidert einige gemurmelte Worte und folgt der Frau Rätin in den Salon. Hier, angesichts eines Spiegelschrankes, hebt die Gnädige an, daß die Ungeschicklichkeit eines Dienstmädchens beim Fegen mehrere Verzierungen teils zerbrochen, teils verletzt habe.„ Meister X., können Sie mir dieselben in den nächsten Tagen erneuern?"" Ei gewiß, gnädige Frau Rätin, ich komme morgen schon wieder; Sie wissen, welche Ehre es für mich ist, für Sie arbeiten zu dürfen.*- ,, Also, morgen, Herr X., meinetwegen auch übermorgen, aber ganz gewiß vor Sonnabend, da ich am Montag Gesellschaft habe und dann der Spiegelschrank unter allen Umständen fertig sein muß.„ Na, Frau Rätin, darauf können Sie sich bei mir verlassen." Tischlermeister X. hatte aber seine Werkstatt so voll Arbeit stehen, welche er ebenfalls bis Sonnabend zu liefern versprochen, daß er, als er die Türe der Frau Rätin ins Schloß drückte, ganz genau wußte, unter keinen Umständen die Reparatur nach Versprechen ausführen zu können. Aber was tut es," sagte er sich, wenn die Frau Rätin auch etwas unwillig wird, so behalte ich doch immer die Arbeit, während, hätte ich es abgeschlagen, diese und vielleicht alle fünftigen Arbeiten an einen Konkurrenten übergegangen sein würden." Dies zu vermeiden belügt er also seine Auftraggeberin vorsätzlich und macht sich auch sehr wenig daraus, wenn am bestimmten Gesellschaftsabend die Ordnung liebende Hausfrau mit zerbrochenen Möbeln aufwarten muß. Ein anderer, tagtäglich wiederkehrender Vorgang ist fol= gender: In einem Hausstande ist irgend etwas anzufertigen: Man holt, je nachdem den Schlosser, Maler oder Lackierer, und zeigt oder bespricht mit ihm die in Frage stehende Arbeit. Ist es nun irgend etwas belangreiches, so wird wohl jede vorsichtige Hausfrau fragen, welchen Preis er dafür fordern müsse. Man verlangt also, wie es z. B. Behörden und gewissenhafte Geschäftsleute bei allen wichtigen Anschaffungen halten, eine Offerte, einen Voranschlag, oder was sonst die Sache bezeichnet. Nun mag es ja sein, daß viele Meister auch ihrerseits verschiedene Erfahrungen gemacht haben; furz, die meisten dieser Handwerker werden ihre Anschlagsumme immer niedrig halten, damit sie von vornherein eine Anfrage hin die Arbeit gegeben und wird sie abgeliefert, so hat sich bei der Konkurrenz beseitigen. Hat man ihnen aber darauf fast regelmäßig der Meister geirrt" und will das nicht gesehen, jenes nicht gewußt und manches nur oberflächlich abgeschätzt haben. Man spricht hin und wieder, die genaue Hausfrau handelt wohl auch noch einige Groschen ab, aber im großen und ganzen bezahlt man doch den Handwerker nicht nach seinem Voranschlage, sondern nach seiner Forde billigen. Wohl mag manchmal bei Reparaturen ein genauer rung. Entschieden ist jedoch diese Art des Verkehrs zu mißso, daß zwischen den und den die Rechnung schwanken werde. Anschlag nicht zu geben möglich sein, aber dann fasse man es Nicht nur, daß dadurch der Handwerfer weit gerechtfertigter dasteht, sondern auch die Hausfrau vermag ihre Kasse darauf einzurichten oder kann, bei größeren Forderungen, noch weitere Anfragen halten. Mit der Arbeit in der Hand aber zu sagen: Bahlen, oder ich behalte so lange den Gegenstand." ist nicht nur eine Ungehörigkeit, sondern eine entschiedene Gefezwidrigkeit. sobald der Preis für die fragliche Herstel. lung im voraus bedungen war. Da nun glücklicherweise nicht alle Handwerksmeister nach solchen kniffigen Prinzipien handeln, sondern mit Vorsicht, ja lieber etwas höhere Breise im voraus bestimmen, so wird man die„ bfiffigen" Meister dadurch am besten furieren fönnen, wenn jede Hausfrau, die solche Erfahrungen macht, nie wieder Aufträge an lolbe Cieferanten erteilt. Ich frage eben deshalb nach dem Preise im voraus, damit ich eben Anbolt bobe aft aber sie wi Beller und Vian nig zu bestimmen möglich, so ist es doch ganz gewiß so weit möglich, daß man sagt, zwischen welchen Preisgrenzen sich die Rechnung bewegen dürfte. Jedenfalls wird es im Interesse jeder einzelnen Hausfrau wie des allgemeinen sein, wenn gegen die tagtäglich wiederkehrenden, soeben geschilderten Zustände mit Entschiedenheit aufgetreten wird. Küche und Keller. Erbsenschotenextrakt. Die entfernten Schalen der Erbsen können zu einem wertvollen Erbsenschotenextrakt benutzt werden. Zu diesem Zwecke werden die von den Samenkernen entleerten Erbsenschalen in Wasser unter Zugabe von ein wenig doppelt= fohlensaurem Natron( Natron bicarbonicum) ordentlich ausge= kocht, die Flüssigkeit ausgedrückt und durchgeseiht und hierauf mit Zucker dick eingefotten. Dieser so hergestellte Extrakt kann wie andere Pflanzensäfte in gut verschlossenen Flaschen aufbewahrt werden. Er liefert so zu jeder Zeit eine ausgezeichnete Fruchtwürze, von welcher eine Kleinigkeit genügt, den verschiedenen Gemüsen, Suppen und Saucen den allbeliebten Geschmack frischer, grüner Erbsen zu geben und sie gleichzeitig damit wohlbekömmlicher und gesundheitsfördernder zu machen. Diesem Erbsenschalenextrakt können mit Leichtigkeit noch verschiedene andere Würzen zugegeben werden, indem man beim ersten Kochen nach Belieben andere Küchenfräuter oder Früchte zusetzt. 80 Gespickter Hecht mit Madeirasauce. Mittelgroße Fische schuppt und reinigt man, wäscht sie sorgfältig, häutet sie, bestreut sie mit Salz und stellt sie mindestens eine Stunde beiseite, bevor man sie entweder nur mit feinen Speckfäden oder mit Speckfäden, Sardellenstreifen und Zitronenstückchen abwechselnd zierlich spickt. Dann wendet man die Fische in Mehl, welches man mit wenig geriebener Muskatblüte vermischt hat, und brät sie alsdann in reichlicher Butter im Ofen bei häufigem Begießen oder auf der Herdplatte bei gleichmäßigem Feuer lichtbraun und gar. Den Bratensatz verdickt man mit Kartoffelmehl, kocht aus ihm mit siedendem Wasser, einem halben Teelöffel Liebigs Fleischertrakt, einem Glas Madeira und etwas Zitronensaft die Sauce, die man zu den auf warmer Schüssel angerichteten, mit gewiegter Petersilie und geriebenem harten Eigelb umkränzten Fischen reicht. Das Austrocknen der Wohnräume. Um zu wissen, ob eine Wohnung trocken genug ist, um sie bewohnen zu können, fraze man etwas Kalk von den Wänden und begieße denselben mit Essig. Braust der Essig auf, so ist das Zimmer trocken, braust der Essig nicht auf, so wird, nicht etwa durch das Anlegen der Tapete, wohl aber durch etwaiges Bewohnen, sich Nässe an den Wänden zeigen, die vorher nicht vermutet wird, da die Wand ganz trocken erscheint. Und das geht so zu: Der Kalf, der zur Mörtelbereitung benutzt wird, enthält chemische Bestandteile, welche an und für sich wasserhaltig sind. Diese Nässe kann mir durch längere Eimvirfung von Wärme und Luft vertrieben werden. Man betrachte ein Stückchen Soda; dasselbe ist außen vollständig trocken, enthält innen jedoch chemische Wasserbestandteile, welche bei Einwirkung von Säuren selbsttätig hervortreten. Genau so verhält es sich mit dem noch nicht ganz trocken gewordenen Kalf, wenn die Kohlensäure, welche der Mensch ausatmet, in Verbindung mit dem nicht genügend trockenen Kalt tritt, die Nässe kommt dann hervor. Dieser Umwandlungsprozeß dauert so lange, bis sich auf den Wänden eine hinreichend starke Schicht fohlenjauren Kalkes, der im gewöhnlichen Leben als.cide bekannt ist, gebildet hat. Die Wände sind so lange feucht, und erst, wenn jene Schicht sich gebilder hat, ist ein Bimmer wirklich trocken. Es folgt daraus die Nuganwendung, neu gebaute Zimmer feines. falls gleich zu tapezieren, weil die Tapete nie durchlässig genug ist, sondern die Wände zuerst mit einer Wasser. oder Leimfarbe zu streichen. Am besten ist es natürltd), wenn man die Zimmer so lange unbenutt läßt, bis die chemische Aus. trocknung vollzogen ist. Beschleunigt wird diese durch das Aufstellen von Körben und Beden, die mit glühenden Rofs oder Kohlen gefüllt find, in den geschlossenen 8inunern. Selbstverständlich dürfen sich dann feine Menschen in den Räumen aufhalten Durch Cetzen der Defen wird die che mild Austrocknung übrigens nicht beschleunigt, das moller wir ausdrüdlich ber borbeben 73 146 Donnerstag, den 30 Junt. 1901 Oberbessische Familienzeitung. Tägliche Unterhaltungs- Beilage der Gießener Neueste Nachrichten. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein. (( 18. Fortsetzung.) Die Mojaren. Originalroman von Arthur Gundaccarb. Suttnet. Der beseligende Gedanke an die Geliebte allein war es, der Djambe aufrecht erhielt und der ihn bestimmte, allen Zorn und alle Bitterfeit in Schranken zu halten. Wäre das nicht gerrassa, er hätte dem Land mit Ekel den Rücken gekehrt, er wäre nach dem Nachbarstaate ausgewandert, wo seine Stamnesverivandten unter friedlicheren und geordneteren Berhaltnissen lesien. Das beruhigende Gefühl al er, si in Thamars Nähe zu wissen, das Bewußtsein, daß ihre Gedanken oftmals liefdevoll bei ihm weilten, ließ ihm alles andere weniger herb, weniger unerträglich erscheinen, und hätte heute Cherif Pascha seine Ungerechtigkeit gut zu machen geſucht, Djanibek wäre der erste gewesen, der sich aufgemacht haben würde, um Elisba zu beschwören, daß er eine Versöhnung eingehe. Die Frist war jetzt abgelaufen, und der Nachbarbesik wurde behördlich eingezogen. Da das Gebäude eines der stattlichsten in der Umgebung war, so hielt es Ali- Beg für angemessen, dortselbst seine Residenz aufzuschlagen. Seitdem er zu wiederholtenmalen Bericht über die drohenden Reden der Bewohner erhalten, zog er es vor, sich außer Hause nur in Begleitung mehrerer bewaffneter Leute zu zeigen, und da ner in schroffer, herausfordernder Weise aufzutreten; auf fühlte er dann Mut genug, un gegen die einzelnen Umwoh diese Art meinte er, ihnen mehr Respekt und Furcht einzu jagen auch benützte er jede Gelegenheit, um an solchen über mit Verbindlichkeiten im Rückstand waren. feinen Born auszulassen, die irgendwie der Behörde gegen In früheren Jahren hatte man oft, wenn die Ernte eine schlechte war, ein Auge zugedrückt und den Steuerpflichtigen geſtattet, ihr Schuld auf ein beſſeres Jahr zu übertragen jetzt hingegen gab es kein Erbarmen, wer nicht zahlen konnte, wurde gepfändet und wer nichts Pfändenswertes besaß, mußte Haus und Hof verlassen; es war, wie wenn man die Einwohner hätte zwingen wollen, sich gegen die Gewalt aufzulehnen. Am schärfsten suchte er natürlich gegen die vorzugehen, die ihm von seinen Spähern als Unzufriedene, als Murrföpfe bezeichnet wurden; aber sonderbarerweise war diesen nicht so leicht beizukommen: sobald seine Abgesandten erschienen, um die Pfändung vorzunehmen, lag die schuldige Summe bereit. Er suchte wohl der Sache auf die Spur zu kommen und herauszubringen, wer ihnen im rechten Moment zu Hilfe fam auch richtete sich sein Verdacht mit Grund auf Diambet, in dessen Gehöft sich oft Leute meldeten, die bei ihm nicht bedienstet waren, aber der Beweis fehlte, und gegen einen der Tonangeber wollte er überhaupt nicht unmittelbar nach jener Geschichte mit Elisba vorgehen. Er hoffte, daß auch für diesen Gegner der Zahltag kommen werde, es hieß sich eben noch in Geduld fassen. Eines Tages unternahm der Kaimakam einen Ritt nach einem entfernten Gehöft, dessen Insasse in einem abhängigen Verhältnisse zu Elisbas Gut stand. Der Mann, der gegen das Gebirge hinein ganz abgeschlossen von aller Welt lebte, war den Ereignissen fern geblieben und hatte erst vor kurzem erfahren, was mit seinem Grundherrn vorgefallen war. Als er die Zahlungsaufforderung mit dem Bescheide erhielt, daß man gegen ihn gerichtlich vorgehen werde, wenn er nicht auf ( Nachdruck verboten. der Stelle seiner Verpflichtung nachkam, stürzte er laut jam. mernd zum Hause hinaus und irrte wie ein Verzweifelter im Gebirge unher. Plötzlich stand, wie aus dem Boden gewachsen, Elista vor ihm. " Was fehlt dir, Jesse?" fragte ihn sein einstiger Gutsherr. semn Reid. Der Mann bhach in Tränen aus und klagte dem andern " treiben?" Wann, sagst du, wollen sie kommen, um dich zu verIn drei Tagen." ,, Weißt du nicht, wer von den Beamten erscheinen wird?" " Der Kaimatam selbst." " Der Kaimakam!" rief Elisba fast freudig.„ Bist du sicher?" „ Es ist so, Herr; er hat es selbst gesagt!" „ Geh ruhig heim, Jesse. Vielleicht gelingt es mir, Dir wei itens eine längere Frist zu verschaffen. Aber wohl. gemerk sprich kein Wort davon, daß du mich gesehen; vergiß nicht, daß sie mir nach dem Leben trachten." Jesse ging mit etwas leichteren Herzen nach Hause, obwohl ihm später wieder Bedenken kamen, wie ein Geächteter ihm den Aufschub erwirken wollte. Vor Anbruch des gefürchteten Tages, der für Jesse gleich bedeutend mit dem Untergang der Welt war, wurde er durch Hufgeklapper jäh aus dem Schlaf geweckt, und wenige Mimuten später polterte man laut an seiner Tür. Seine Gattin kam jammernd hereingestürzt: ,, Da sind sie! Nun ist alles verloren!" Er verließ erschrocken sein Lager und schlich zur Türe: „ Wer ist draußen?" fragte er mit zitternder Stimme. " Ich bin's, Jesse- Elisba!" Freudig überrascht riß der Mann nun den Riegel zurück: " It's möglich? Ihr seid es wirklich, Herr?" Hab' ich dir nicht mein Wort gegeben?" Jesse stotterte noch einige Phrasen und rannte dann ins Haus zurück: „ Schnell, Maiko, Elisba ist hier; er bringt uns Hilfe! Sieh nach, was du ihm zum Frühmahl zu bieten hast." Sezt lte auch die Frau hinaus, prallte aber erschrocken zurüd. sie hinter dem Gutsherrn noch einige dunkle Geſtalten deckte. Ihr seid nicht allein?" " S fürchte, allein könnte ich von wenig Nuzen sein. Zu der, was ich vorhabe, brauche ich den Beistand meiner Getreuen. Was ist mit Jesse geschehen? Wir haben einiges mit ihm zu besprechen und dürfen nicht viel Zeit verlieren." Der Gerufene kam sogleich wieder zurück. " Ich wollte mich nur um einen Imbiß bekümmern ihr müßt Den mag deine Frau besorgen; einstweilen kannst du uns notwendige Auskunft geben." Elisba zog den Mann mit sich ins Freie hinaus und erkundigte sich nun eingehend, um welche Stunde er den Kaimakam erwarte und ob derselbe etwa von einem andern Ort oder von der Station käme. الحد Ponunt von belnem Hause, woselbst er, wie ich gehört, seine Wohnung aufgeschlagen hat." " In meinem Hause also? Nun, um so besser, daß er tenen Weg nimmt; da muß er ja am Bärenfelsen borbei." Es gibt keinen anderen Weg, ausgenommen noch den schmalen Fußpfad längs des Sturzbaches, den er wohl kaum benüßen wird, da er für Pferde unzugänglich ist." Gut so! Schnell jezt, Mann; wir haben nichts gegen einen Imbiß einzuwenden, aber spute dich; die Zeit drängt, und wir müssen bald fort, um noch einige notwendige Vorbereitungen zu treffen." " Ihr werdet ihn also nicht hier erwarten?" versette Jesse enttäuscht. „ Bewahre, da wäre dir ein schlechter Dienst erwiesen, wollte ich die Angelegenheit in deinem Hause regeln." Elisba und seine Begleiter nahmen hastig eine Stärkung zu sich, dann wandte sich der Führer an Jesse: 11 Du übernimmst unsere Pferde und bringst sie im Wald in Sicherheit; du weißt doch, bei der abgestorbenen Eiche? Und bleib du ruhig bei den Tieren, bis von uns Botschaft fommt. So, und nun auf!" sagte er zu seinen Leuten, die bereitstanden. Der Bärenfelsen war ein riesiger Steinblock, der sich vor langer Zeit von der Gebirgswand losgetrennt hatte, um den Abhang hinabzukollern, bis er von einer starken Baumgruppe, welche knapp am Wege stand, aufgehalten wurde. Hier hatte er sich nun festgesetzt, und nach und nach wucherte aus seinen Ritzen allerlei Buschwerk hervor, das ihn schließlich ganz mit einer grünen Decke überzog, welche noch durch ein Neg von Schlingpflanzen so verdichtet worden war, daß der Dahinterstehende den Augen der Vorbeikommenden gänzlich entzogen war. Da der Fels gegen unten zu schmäler war, so ließen die bis zum Boden hängenden Ranken der Schlinggewächse zu beiden Seiten einen Naum frei, der groß genug war, mehreren Personen ein bequemes Versteck zu bieten. Es hieß nun nur noch beiderseits einen Ausgang nach vorne aus dem Gestrüpp hauen, um im rechten Moment einen Ausfall bewerkstelligen zu können. Diese Arbeit war schnell verrichtet, und man schaffte noch eiligst das Ast- und Laubwerk beiseite, damit die Anfömmlinge nicht etwa dadurch stußig gemacht wurden. Nachdem dies bewerkstelligt worden war, schlüpfte ein Teil der Leute in das Versteck, das gegen die Seite zu lag, von welcher der Kaimakam kommen mußte, denn es stand zu erwarten, daß der Trupp, sobald die zweite Abteilung hervorbrach, Kehrt machen würde, um in der Richtung zu fliehen, aus der er gefommen war. Elisba und der Rest seiner Begleiter begaben sich nach dem jenseitigen Hinterhalt, so daß der Feind zwischen den beiden Abteilungen eingeschlossen war; rechts stellte sich die Felswand als Hindernis entgegen- links fiel die Straße schroff gegen die Tiefe abjede Möglichkeit des Entkommens war somit abgeschnitten. Damit der Angriff nicht etwa verfrüht geschähe, wurde ein Mann beordert, einige hundert Schritte gegen die Rich tung vorzugehen, in welcher man Ali- Beg erwartete, und dort am Straßenrande so lange siten zu bleiben, bis er das Nahen des Feindes hörte. Dann sollte er sich erheben und langsam in der Art eines ermüdeten Wanderers die Straße heraufkommen, doch so, daß ihn der Trupp in der Nähe des Felsens überholte. Gelangte man dann an die Stelle, wo Elisba hervorbrechen mußte, so brauchte der Mann nur laut zu sagen: Das ist der Bärenfelsen." Die Sonne war mittlerweile emporgestiegen, und ihre Strahlen fielen trop der frühen Stunde sengend auf die Straße herab. Von Elisbas Besibung bis hierher brauchte man gut vier Stunden, da der größte Teil des Weges im Schritt zurückgelegt werden mußte; wenn Ali- Beg unmittelbar vor Sonnenaufgang aufgebrochen war, konnte er nicht mehr lange ausbleiben. Elisba und seine Leute waren alle bis an die Zähne bewaffnet; jeder hatte den Dolch und ein paar Pistolen im Gür tel und die Flinte auf der Achsel; der Führer selbst trug noch außerdem, wie es seinem Stande von Rechts wegen zufam, den breiten Krummsäbel an der Seite. Man mochte etwa eine Stunde auf der Lauer gelegen sein, als hier und da ein fernes Klappern von Hufen auf Stein vernehmlich wurde. Die Leute, welche gegen die Richtung zu versteckt lagen, aus welcher die Erwarteten kommen mußten, hatten das Geräusch zuerst vernommen und ihre jenseitigen Kameraden davon benachrichtigt. Alle rissen nun die Büchsen von den Schultern, um die Waffen schußfertig in den Händen zu behalten. Es verging einige Zeit, bis man auch Stimmen vernahm, die sich immer mehr und mehr näherten; jetzt schien es, wie wenn die Reiterschar schon knapp vor den Verstecken angekommen wäre, so daß in Elisba die Besorgnis aufstieg, seir Vorposten sei vielleicht irgendwie verhindert worden, den ihm erteilten Auftrag auszuführen, und in fieberhafter Erregung gab er seinen Genossen ein Zeichen, entschlossen, hervorzu. brechen, sobald der erste Pferdekopf sichtbar wurde da vernahm er im selben Augenblick die Stimme Ali- Begs: Wie ist dieser Steinklumpen hierher gekommen, Mann?" Ich weiß es nicht, Herr das ist der Bärenfelsen!" er widerte der Befragte mit überlauter Stimme und er. schrocken rissen die Reiter ihre Pferde zurück, als urplö ein Häuflein Bewaffneter vor ihnen stand, die Flinten schuß. bereit im Anschlage. Die erste Bewegung der Ueberraschten war die, Kehrt zu machen, aber da stand ihnen auch schon die zweite Abteilung gegenüber. ,, Ergebt euch! Die Waffen zu Boden geworfen, oder ick lasse Feuer geben!" schrie ihnen Elisba zu: Ali- Begs Eskorte bestand aus sechs Mann, während der Feind das Vierfache zählte. Außerdem trugen die Reiter ihre Flinten sorglos in den Hüllen verwahrt, unmöglich, dieselben also in der Schnelligkeit in Gebrauch zu setzen; es blieben ihnen nur die istolen, die gegen die Büchsen der anderen eine gar unsichere Waffe abgaben. Nach kurzer Ueberlegung also befolgten sie Elisbas Befehl, ihr einziges Heil darin sehend, daß sie sich nicht zur Wehr setzten und die anderen herausforderten. Kummer und Sorge hatten Elisbas Aeußeres so verändert, daß ihn sein Feind im ersten Augenblick gar nicht erkannte; erst als jener jetzt vortrat, zuckte der Kaimakam erschrocken zusammen, und sein Gesicht überzog sich mit Leichenblässe. Du hast mir mein Heim genommen dir verdanke ich es, daß ich wie ein wildes Tier gehegt werde du bist schuld, daß meine Lebensgefährtin in schwere Krankheit verfiel, durch die sie mir geraubt wurde dein Maß, niederträchtiger Schurke, der sich vom Blut und vom Schweiß der anderen mästete, wäre voll genug, auf daß man dir einen Strick um den Hals knüpfte, um dich wie einen wütenden Hund zu erdrosseln denn du bist die Kugel nicht wert, die man dir ins elende Herz schösse. Und doch soll man nicht sagen, Elisba sei ein Mörder; es soll nicht heißen, eine Uebermacht habe dich überfallen, um an dir Henkersdienste zu verrichten." Er zog seinen Säbel:„ Verteidige dich es geht um Tod und Leben!" Die Waffen blitten aneinander, und Ali- Beg kämpfte wie ein Verzweifelter; bald aber fühlte er, daß sein Arm ermattete, daß er den wirbelnden Bewegungen des Gegners nicht mehr folgen konnte, und da griff er in seiner Todesangst nach dem Säbel des Feindes, um mit dem eigenen einen raschen Hieb auszuführen blitzschnell aber riß Elisba den Dolch aus dem Gürtel und bohrte ihn dem andern bis an das Heft ins Herz. Da nimm, Feigling!" rief er heiser, als der Gegner röchelnd in die Kniee brach. Du hast den ungleichen Kampf gewollt!" Auch Ali- Begs Säbel hatte sein Ziel getroffen und Elisbo an der Schulter verwundet, doch die Wunde war nicht der Rede wert ein fest gebundenes Taschentuch genügte, um die Blutung aufzuhalten. wandte sich Elisba an die entsetzten Wachleute, bringt ihn ,, Da nehmt die Reste eures schurkischen Anführers," zurück, woher er gekommen nach meinem Hause meinet. wegen, denn jetzt kann sein Juß nicht mehr die Schwelle be schmutzen und schänden. Eins vergeßt aber nicht, ihr Leute, daß ihr euren Vorgesezten die Wahrheit berichtet; nicht etwa, daß ihr in eurer Zeigheit eine Geschichte von einem meuchle. rischen Ueberfall erzählt, um von euch alle Verantwortung abzuwälzen. Ich werde es erfahren, und das Gesicht eines jeden von euch wird uns im Gedächtnisse bleiben. Wehe euch, wenn ihr über uns eine verleumderische Nachricht verbreitet! Einer büßt dann sein Leben für alle und alle für einen." L Elisbas Leute nahmen die Waffen der Eskorte als gute Beute mit sich; sie wußten, daß jene heimtückisch genug waren, um ihnen aus sicherer Verschanzung ihre Kugeln nachzusenden. Während die Wachleute mit zitternder Hast, im Herzen froh, so durchgekommen zu sein, aus Astwerk eine Bahre zusammenrichteten, schlug die Schar der Rächer schweigend den Weg gegen das Gebirge ein. ( Fortsetzung folgt.) Wer weiß zu leben? Der zu leiden weiß! Wer zu genießen? Der zu meiden weiß! Wer ist der Reiche? Der sich beim Ertrag des eignen Fleißes Zu bescheiden weiß! Wer lenkt die Herzen? Der den herben Ernst stets in ein sanftes Wort zu kleiden weiß!- Wer ist der Weise? Der falsches Gold vom echten schnell zu Unterscheiden weiß!- Die Rache der Dächse. Humoreske von Hans von Wenzel. ( Nachdruck verboten.)) ( Schluß.) Um nur etwas zu sagen, spricht Glazel, vom Wetter, und daß es bald ein Gewitter geben dürfte, und dann erzählt er, pie sich der Mensch am besten vor dem Blitz schützen kann, besonders auf freiem Felde. Man muß sich nämlich lang auf die Erde legen, das ist das Beste." " Jawohl," sagt Käferstein,„ das finde ich auch sehr schneidig, zumal für einen Soldaten." Darob große Entrüstung bei Glazel, der aber schlau genug ist, abzustopfen, weil er fühlt, daß er eine ruhmlöse Sache verteidigt. ,, Ach, Sie haben ja überhaupt keinen Schneid," sagt Käferstein, der sich das Air gibt, angetrunken zu sein. " Erlauben Sie, lieber Käferstein, da muß ich denn doch- Ich wette, daß Sie nicht einmal den Schneid haben-" ,, Na, was denn, was denn" Na, zum Beispiel einem farzierten Schweinskopf die Nase abzuschneiden." " Farzierten Schweinskopf, wie kommen Sie denn auf so was? Die Nase is ja kindisch!" Nein, nein, gar nicht kindisch! Morgen Abend gibt's bei Oberstens farzierten Schweinskopf, und da wette ich, daß Sie nicht den Schneid haben, dem Schweinskopf die Nase abzuschneiden." Warum soll ich ihm denn nicht die Nase abschneiden?" " Weil ich es Ihnen nicht zutraue, wetten, daß nicht?" ,, Jawohl, wetten!" " Zehn Pötte Bier gegen einen Schnaps!" ,, Einverstanden!" „ Schlagt durch, Kinder, so! Also morgen Abend, wenn bei Tisch der Schweinskopf zu Ihnen kommt, werden Sie ihm gefälligst die Nase heruntersäbeln, mitsamt der Zitrone, die er im Maule hat." Natürlich, warum denn nicht werden ja sehen!" Damit trennte man sich. Am nächsten Abend waren wir pünktlich beim Obersten zur Stelle. Es ging zu Tisch und Glazel genoß die besondere Auszeichnung, rechts neben der Kommandeuse zu sitzen. Da erschien der Wildschweinskopf. Die Bureau- Ordonnanz präsentierte ihn gravitätisch. Die Frau Oberst dankte und nun war die Reihe an Glazel. Jetzt sollte er seinen Schneid zeigen. Aller Augen ruhten auf ihm, denn man hatte es natürlich nicht unterlassen, seine zahlreichen Neider mit in das Geheimnis zu ziehen. Und wahrhaftig!- Er ergriff das große Messer und blickte sich siegesbewußt wie ein Triumphator rings um. Dann setzte er das Werkzeug der Vernichtung an, schräg, mitten über dem Nasenbein, und mit gewaltigen Streichen geschah das Gräßliche die Schändung des Kopfes. Da, wo das schweinerne Nasenbein zu den fleischigen Teilen der Schnauze hinüberknorpelt, gähnte urplötzlich eine große Kluft. Zwei blutrünstige Höhlen, die stummen und doch so beredten Zeugen der Glazelschen Untat, starrten racheheischend ins Leere. Der Anblick war keineswegs ästhetisch. Das Racheforps der Dächse aper brach in ein bestialisches Gelächter aus, das jedoch in den Herzen der Wirte feineswegs ein begeistertes Echo fand. Der Herr Oberst blickte etwas konsterniert darein. Das Attentat auf die Schweinsnase erschien ihm augenscheinlich als ein unpassender Scherz. Anders die Frau Oberst. Sie war blaß vor Ingrimm, sie zitterte vor seelischer Erregung. Glazel seinerseits war in hohem Grade frappiert über die gewaltige Wirkung seines Scherzes. Kaltblütig legte er die erstrittene Schweinsnase samt der Zitrone auf seinen Teller und stimmte naiv in das Gelächter der lieben Kameraden ein. Dann aber warf er einen verstohlenen Blick auf den Herrn Oberst und einen noch verstohleneren auf die Kom. mandeuse. Da ward er zur Salzsäule, und es begann ihm zu schwanen, daß er eine furchtbare Torheit begangen habe. Schnell gefaßt, wandte er sich seiner Gönnerin zu und plauderte in harmlos seir sollender Weise von seiner ausgemachten Passion für das Mundstück des Schweinskopfes. Auch Ochsenmaulsalat esse er so gern, das sei ja etwas ganz ähnliches; beim Gänsebraten dagegen bevorzuge er, gleich vielen underfälschten Gourmands, gerade das entgegenge setzte Ende des Vogels. Er plauderte bestrickend, und doch die Frau Oberst hörte ihn gar nicht. Er redete in die blaue Luft, und als er den Versuch wiederholte, sie zum Sprechen zu bringen, wandte sie sich ihrem Nachbar zur Linken zu und errichtete mit dem Fächer eine Scheidewand zwischen sich und Glazel. Das war sehr traurig, und um seinen Worten den Schein der Wahrheit zu leihen, begann Glazel jetzt, die Schweinsnase auf seinem Teller zu tranchieren und trotz des größten Efels, den er dagegen empfand, mit Haut und Haaren hinunterzuwürgen. Das machte den Gästen aufs neue unbändigen Spaß. Kein Auge blieb trocken. Leider verhalf die todesverachtende Tat dem Glazel nicht zu der dadurch bezweckten Rehabilitierung. Die Gnädige blieb ungnädig. Nach Tisch wurde das Unerhörte Ereignis: sie enthielt sich des Tanzes. Glazel winselte um Gnade und Absolution. Alles vergeblich! Unerbittlich ließ die strenge Herrin ihn die ganze Skala der Ablehnungen durchkosten; auch beim Fortgange gab sie ihm nicht die Hand, die er sonst immer so inbrünstig an seine Lippen geführt hatte. Er hatte ihr den ersten Schmerz getan, der aber hatte getroffen, denn der forzierte Schweinskopf kostete fünf Taler preußisch Kurant, was für jene Zeit, in der man sich mit zwei guten Groschen drei Tage lang zu amüſieren vermochte, eine recht erkleckliche Summe war. Armer Glazel!- Sein Prestige war dahin, und als er am nächsten Morgen wie gewöhnlich den kleinen Fuchs reiten wollte, ließ der Herr Oberst bedauern, daß er schon anderweitig über das Pferd verfügt habe. Die Nache der Dächse hatte Glazel gestürzt. Von der Stunde an ward er vom Unglück begünstigt. Käferstein ritt hinfort den kleinen Fuchs, und weil er ein netter Kerl war, gönnten es ihm auch alle. Erfahrungen. Wenn nach Stürmen im Gemüt Wieder sanft die Seele flutet, Wenn die Wunden ausgeblutet Und die Schmerzen ausgeglüht- Glücklich, wem dies Los gelungen! Mehr noch, wer es nie erfuhr: Daß der holde Friede nur Mit Verlusten wird errungen. Junge Schöne, trau're nicht, Legt das Alter feine Falten Auch ins lieblichste Gesicht- Schöne Augen altern nicht. Schöne Augen werden nie erkalten, Werden immer ihren Reiz behalten, Weil aus ihrem sanften Licht Geist und Seele spricht.