Sen aldsgarte gung er Vorstan in Alsfeld feld unter& hen find, hab ingt. feld. Elpenrod d tig erscheine perre berbang feld. gerung gs 6 Uhr berfchieden en dem Güte is 10 Morgen ecntung me r Weg an de Steßen. rbeiten. nnengaffe in να bestehend in 938,80 Mt. 411,40 405,90 2800,00 eben werden. iche, als aug stehen tönn ittags 4 Uhr a. d. Lda. ab en stattfindet. en liegen im 9, Zimmer ). Gießen 34 Uhr ab: ert Nr. 124. bonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., Saus gebracht 60 fg., durch die Poft bezogen viertelfährth Mr. 1.50. Gratisbetlagen: Oberheffifche Familienzeitung( täglich) und die Steffener Seifenblafen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Berktagen nachmittags. Montag, den 30. Mai 1904. Gießener 13. Jahrgang. Insertionspreis: Die einspaltige Betitzeile für ganz Ober heffen, die Kreise Weglar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Vfs. Reklamen die Petitzeile 30 refp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 88. Fernsprechanschluß Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Beklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Ein neues Gefecht mit den Herero hat, wie aus einer nachträglichen Meldung des Gouverneurs Leutwein hervorgeht, am 24. Mai bei Otjo maso stattgefunden. Beteiligt waren die Kolonne Estorff auf der einen und die Herero des Häuptlings Tietjo auf der amberen Seite. Die Depesche Leutweins meldet: Am 24. Mai, vormittags 5 Uhr, stieß Major b. E storff, auf die Nachricht vom Abmarsch der TjetjoLeute vom Often zum Omurambafluß von Okamatangara auf Otjomaso vor und fand letzteres besetzt. Der überraschte Feind verteidigte fich tapfer. In dichtesten Gebüsch griffen die 1., 2. und 6. Kompagnie an. Der Feind wich nach allen Seiten auseinander und hinterließ 6 Tote, darunter einen Großmann; außerdem wurden Tote und VerwunDete weggeschleppt, der Verlust Tjetjos ist also jedenfalls größer. Diesseitiger Verlust: Von der 1. FeldFompagnie gefallen: Reiter Lucier aus Paris und Kriegsfreiwilliger Richard Spindler aus Leubus, Kreis Wohlau. Es wurden 115 Stück Kleinvieh erbeutet. Major v. Estorff verfolgte den fliehenden Feind, und tehrte dann auf seine Marschroute Okamatangara- Omurambafluß zurück. Die Meldung bestätigt die Richtigkeit des dieser Tage bon Leutwein mitgeteilten Gerüchts, daß Samuel Maharero die nach Osten zu ausgewichenen Herero nach dem Waterberg zusammenziehe. Durch das Treffen bei Otjomaso ist numm die Schar des Häuptlings Tjetjo am Weitermarsch zum Waterberg gehindert worden. Aus nachträglich eingegangenen Gefechtsberichten von Angehörigen des Expeditionskorps geben wir noch einige interessante Stellen wieder. So teilt ein Einjährig- Freiwilliger vom 1. Scebataillon- er ruht jetzt im heißen Sande Südwestafrikas aus dem Gefecht bei Oviumbo, in dem 800 Deutsche 10 000 Herero gegenüberstanden, einige intereffante Episoden mit. Er schreibt: Um 6 Uhr, es ist schon dunkel, hören wir plößlich laute Kommandorufe vor unserer Front. Wir sind erst der Meinung, es find unsere Witboys, wir bekommen jetzt aber heftiges Feuer aus 200 Meter Entfernung und unter ises Gießen. lautem Hurrarufen- Hurra, hurra rufen sie- kommen die Kaffern auf uns los; sie wagen tatsächlich einen Sturmangriff, ca. 1000 Mann gegen uns 50. Nun heißt es aber, aus den Büchsen, was das Zeug halten kann. Das Seitengewehr wird aufgepflanzt, und Salve auf Salve wird den Schwarzen entgegengejagt. Aber vergeblich, unser Feuer vermag die Kerle nicht zurückzudrängen, die Schüsse blizen schon aus 50 Meter Entfernung und die Hurrarufe fommen immer näher. Ein Zurück unsererseits gab's natürlich nicht. Wir sahen dem Tode mutig ins Auge, ich hatte schon im Geiste Abschied von dieser Welt genommen, und so ging es allen von uns. Wir schossen noch immer, was wir konnten. Da, in der allerhöchsten Gefahr, tommt zuerst die Kompagnie Franke und dann noch andere Kompagnien mit Geschüßen uns zur Hilfe. Nun geht's aber los: Achtung, Schnellfeuer!"„ Regt an“,„ Feuer!", „ Laden", usw. Dazwischen frachen die Geschüße. Einem solchen Feuer können die Wilden nicht widerstehen, sie ziehen fich zurück, erwidern das Feuer aber noch immer aus 300 Meter Entfernung. Um 8 Uhr kommt der Befehl, daß wir uns still zurückziehen sollen, die Munition für die Geschütze ift ausgegangen, auch haben wir keinen Proviant. Wir haben nichts erreicht." n. inbergerstraße 4 3 aeiorgt. ne idinen er dem berg. 0 ste Marke! össte" reitung. schinen, edalllen etc. berg. er. billig Sehr bemerkenswert ist auch die Schilderung eines anderen, inzwischen gefallenen Seefoldaten von der Verpflegung der Truppen. Unterm 26. März schreibt der Mann: " Ich habe bis jetzt noch keine Patrone verschossen, wohl aber schon schmer Hunger leiden müssen, denn es gibt meistens bloß mittags eine Portion Fleisch mit Reis oder Nudeln, Makaroni oder etwas Mehlspeise, das wir ims selbst zurechtmachen und dann auch halbwegs satt werden. Aber dann geht's auch wieder bis zum nächsten Mittag, abends und morgens ein wenig Kaffee und hin und wieder mal ein Stückchen Brot, wenn wir das Glück hatten, Mehl zu befommen, und uns eine Art Brot gebacken haben. Die Märsche sind hier sehr ermüdend, denn es geht meistens durch Sand und Gras, und dann brennt die Sonne, daß mittags immer 40-46 Grad find, und auch die Fliegen sind fo belästigend, daß es nicht schlimmer sein kann. Mit Wasser können wir uns schon jetzt versehen, da wir drei Feldflaschen haben. Aber des Nachts herrscht eine große älte, weshalb auch jetzt unsere leichten Anzüge durch die dicke Schutztruppenuniform ersetzt werden, die aus Velourtuch ist. Wir bekommen auch noch eine wollene Decke nachts, eine haben wir." Der Krieg in Oftafien. Die Erstürmung des Forts Kintschau und der südlich dahinter gelegenen von den Russen stark befestigten Höhen durch die Japaner bedeutet für diese einen großen strategischen Erfolg, hat sie aber ungeheuere Opfer gekostet. Die Verluste in der Schlacht von Kintschau werden nach Meldungen von japanischer Seite folgendermaßen dargestellt: Die Russen verloren im Verlauf des Kampfes fünfzig Geschütze verschiedenen Kalibers und vierhundert Tote. Die Japaner hatten einen Verlust von dr citausend Mann. In Tokio hat man diese schweren Verluste äußerst gejaßt aufgenommen. Es war von vornherein anzunehmen, daß es ohne große Opfer bei dem Sturm gegen die, wie schon berichtet, mit Stacheldrahtzäunen und Laufgräben verstärkte und mit Geschützen gespickte russische Höhenpoſition richt abgehen würde. Troß dieses scheinbaren Mißverhältnisses in den Verlustziffern des Siegers und Besiegten bedeutet die Eroberung Kintschaus doch für die Japaner einen starken Erfolg. Die Bedeutung Kintschaus ist sowohl für den Angriff wie die Verteidigung Port Arthurs ausschlaggebend. Enva fünfzig Kilometer nordöstlich von Port Arthur schneiden zwei große Meeresbuchten, die Bai von Talienwan und die Sintschau- Bai, tief ins Land ein, so daß die Kwantunghalbinsel dort nur durch einen zwei bis drei Kilometer breiten Hals mit der Ziautunghalbinsel zusammenhängt. Diese schmale Landenge bot eine gute Verteidigungsstellung, Front nach Nordosten, und fonnte daher von Truppen in dem Falle leicht gegen einen über Kintschau von Nordosten her kommenden Angreifer verteidigt werden, wenn letterer nicht gleichzeitig zur See gegen Flanke und Rücken der Stellung vorzugehen vermochte. Da die Meeresbeherrschung aber gegenwärtig auf den Angreifer übergegangen war, so mußte es diesem gelingen, den russischen Verteidiger dieser Landenge durch Flanken- und Rückenangriffe mit Schiffen vom Meere aus zu vertreiben. Sind die Japaner jetzt einmal zu Beherrschern der Landenge geworden, so dürften alle russischen, lediglich zu Lande unternommenen Entsagversuche aussichtslos und vergeblich sein. Port Arthur wird bis tief in den Hochsommer, eventuell bis in den Herbst hinein auf sich angewiesen bleiben. Fällt es vor diesem Zeitpunkte, so ist auch die etwa eintreffende russische Entsatzflotte infolge des Mangels guter Stützpunkte großen Gefahren ausgesetzt. Die Politik. Noch immer macht die Leipziger Ortskrankenkasse den umnüßen Versuch, sich gegen die Entscheidung der Aufsichtsbehörde aufzulehnen. Die Generalversammlung der Ortsfrankenkasse hat endgültig" die Wiedereinführung der freien ärztlichen Behandlung der Familienglieder abgelehnt und gegen die Aufhebung des Distriktsarztsystems durch den Kreishauptmann protestiert. Welchen Zweck diese Proteste haben sollen, ist unerfindlich. Sie fönnen höchstens dazu dienen, die Aufsichtsbehörde zu noch schärferem Einschreiten gegen die Kasse zu veranlassen, zumal da ihr das gefeßliche Necht zur Seite steht. * A In Kassel tagte der Landesverein preußischer Lehre. rinnen. In der ersten öffentlichen Versammlung hielt Fran lein Kung- Halle einen Vortrag über:„ Die gemeinsame Er. ziehung der Geschlechter". Nach einer lebhaften Diskussion nahm die Versammlung eine Resolution an, in der die ge. meinsame Erziehung der Geschlechter für alle Schulen gefordert wird. Männer und Frauen sei der gleiche Anteil an der Erziehungsarbeit zu sichern. Einen beachtenswerten Versuch hat eine Halberstädter Firma mit der Einrichtung einer Fortbildungsschule für Verkäuferinnen gemacht. Die Anstalt soll in keiner Weise mit eigentlichen Handelsschulen konkurrieren, sondern den Schülerinnen nur das für sie notwendige Maß kaufmännischen Wissens vermitteln. Als Lehrgegenstände kommen hauptsäch lich Deutsch und Rechnen in Betracht. Der Unterricht im Deutschen umfaßt Rechtschreiben, Aufsatz, Sprachübun gen, Schön- und Schnellschreiben. Die Stoffe für Aufsäse und Diktate sind dem Geschäftsleben angepaßt. Dem pra tischen Bedürfnis entsprechend haben die Mädchen außerdem Formulare, wie Postpaketadressen, Bostanweisungen, Fra.hi briefe auszufüllen, ferner Rechnungen, Quittungen, Hewerbungen mit Lebenslauf, Annoncen, Bestenbriefe, Erkun digungs- und Auskunftsbriefe und dergl. anzufertigen. Dr. Rurfus zerfällt in zwei Abteinlngen. Die befähigteren Schn lerinnen, die zu der ersten Abteilung gehören, bekommen auch einen Einblick in die einfache Buchführung, werden über Warenfunde unterrichtet und erhalten Aufschlüsse über die wichtigsten handelsrechtlichen und volkswirtschaftlichen Frogen. Der Unterricht wird wöchentlich zweimal je 1% Shmde lang erteilt. Die bisherigen Ergebnisse der Anstalt sind durchaus zufriedenstellend. Oefterreich- Ungarn. Auch in der Presse der Donaumonarchie werden scharfe Beschwerden gegen die Politik des Vatikans laut. Den Anlas; dazu gibt die Verleibung päpstlicher Orden an zwei Mitglieder der Innsbrucher fatholischen Studentenverbindung ..Austria", die wegen Verweigerung des Zweikampfes fürzlich ibre Reserveoffizierseigenschaft verloren. Man sieht in dieser Ordensverleihung eine absichtliche Demonstration des Vatikans gegen Kaiser Franz Josef. Der persönlich streng fatholische Kaiser hält in seiner Armee unbedingt an der Institution der bewaffneten Austragung von Ehrenhändeln der Offiziere fest, da die Zusammensetzung des Heeres aus so verschiedenen nationalen Elementen diese Auskunft in Ehrenbändeln ihm unentbehrlich scheinen läßt. Man schreibt übrigens die Ordensverleihung nicht sowohl der persönlichen Entschließung des Papstes als seinem Pardinalstaatssekretär Merry del Val zu und fennzeichnet dessen Bolitik als unflug und unvorsichtig. frankreich. Was man mit Fug erwarten durfte, ist erfolgt: Der Bruch zwischen dem französischen Kabinet und dem Vatikan ist vollzogen. Die Variser Deputiertenkammer hat mit erdrückender Mehrheit, 420 gegen 90 Stiminen, die Abberufung des französischen Botschafters beim Batikan, Nisard, gebilligt; auch die der Regierung feindlichen Nationalisten stimmten großenteils dafür. Das wichtigste Moment in der Debatte dürfte sein, daß der Ministerpräsident Combes sich bereit erklärt hat, auf einen vom Sonderausschusse der Kanuner ausgearbeiteten Entwurf über die Trennung der Kirche vom Staate und die Kündigung des Konkordats, die nach dem Entwurf bereits am 1. Januar 1905 in Kraft treten soll, einzugehen. Wenn das Stabinet noch ein paar Monate am Ruder bleibt, dürfte in der Tat die Trennung von Kirche und Staat in Frankreich zur Tatsache werden. Balkan- Staaten. Die Serben werden nun doch den Vorzug haben, einen regelrecht gefrönten König zu besitzen. Die Krönung König Peters ist nunmehr endgültig für die erste Augustwoche anberaumt. Sie wird in der Belgrader Kathedrale stattfinden. Afrika. zugleich mit O+ Ein Bürgerkrieg in Abessynien wird der Meldung von dem bevorstehenden Ableben des Nejus Menelik- angekündigt. Noch Meldungen aus Adis Abeba ist Menelik so schwer erkrankt, daß die Aerzte ihn bereits aufgegeben haben. Stirbt er, so ist der Ausbruch eines Bürgerkriegs, der sich um die Thronfolgefrage drehen wird, so gut wie sicher. Jin geheimen sind bereits alle Vorbereitungen dazu getroffen. Der lachende Dritte bei diesem genzen Handel aber wäre der tolle Mullah!" Der Ebrentag der Kaiferbrigade. O Döberik, 28. Mai. Auf seiner Rückkehr von der Einweihung des neuen Linienschiffes ,, M", das in der Taufe auf der Danziger Werft den Namen„ Lothringen" erhielt, machte der Kaiser auf der Station Döberiß Halt, um auf dem dortigenTruppenübungsplatz die 2. Gardeinfanteriebrigade zu besichtigen. Sonst findet die Vorstellung der Brigade alljährlich am 29. Mai statt, doch wurde sie des Sonntags wegen diesmal auf den 28. verlegt. Der 29. Mai ist ein Gedenktag an Kaiser Friedrich, dem sein Sohn, der jezige Kaiser, an diesem Tage im Jahre 1888 die 2. Gardeinfanteriebrigade in Parade vorführte. Es war die einzige Parade, die der schon damals Schmerfranke als Kaiser abnahm. Die Brigade ererzierte damals gerade unter dem Kommando des Generalmajors Kronprinzen Wilhelm bei Tegel, als von Charlottenburg her ein föniglicher Diener mit einer Meldung auf den Kommandierenden zugeritten fam. Wenige Minuten später befand sich die Brigade im Eilmarsch nach Charlottenburg und nach kaum dreiviertel Stunden defilierte sie dort im Schloßhof vor dem todkranken Kaiser Friedrich, der vornübergebeugt im Wagen sipend, die Parade über die braven Truppen abnahm. Nur mit Mühe richtete er sich auf, um den Gruß der Vorbeimarschierenden militärisch zu erwidern. Seine Zufriedenheit über das Gesehene mußte er dem Kronprinzen schriftlich ausdrücken. Er schrieb auf ein Blatt die Worte:„ Zufrieden und eine große Freude empfunden". Seither hat Kaiser Wilhelm im treuen Gedenken an den ergreifenden Moment, in dem er dem sterbenden Vater seine Brigade vorführte, jedes Jahr am 29. Mai mit dieser ererziert. Die Brigade, die früher eiserne Brigade" hieß, weil sie die einzige des Heeres ist, welche aus drei geschlossenen Regimentern besteht, trägt seit jenem Tage den Ehrennamen: Kaiserbrigade. Auch dieses Jahr wurde sie wieder dem obersten Kriegsherrn vorgeführt. Der Kaiser traf um 9 Uhr auf Station Priort ein, stieg dort zu Pferde und ritt nach dem TruppenUebungsplatz. Dort stand an der Dyroßer Chaussee die Kaiserbrigade. Der Kaiser ritt die Front ab, übernahm selbst das Kommando und eyerzierte dann die Brigade. Inzwischen war die Kaiserin, von Wildparkstation kommend, um 10 Uhr hier eingetroffen, und begab sich im Wagen nach dem Nebungsplatz und stieg dort an der Villa Wahren. dorf aus. In ihrer Begleitung befanden sich die Palastdame Gräfin Brockdorff und Oberhofmeister Freiherr von Mirbach. Nach der Besichtigung der Brigade ritt der Kaiser zu seiner Gemahlin und holte sie zu dem jetzt stattfindenden Feuergefecht ab. Die erste Abteilung bestand aus der 2. Gardeinfanteriebrigade, kommandiert vom Generalmajor von Strant, dem Lehr- Infanterie- Bataillon, einer reitenden Abteilung des 4. Feld- Artillerie- Regiments, dem Leibgardehusaren- Regiment und einer Abteilung des 4. Garde- FeldArtillerie- Regiments. Der Feind, befehligt vom Generalmajor von Salisch, setzte sich zusammen aus der 5. Gardeinfanteriebrigade, den Garde- Jägern, dem Regiment Garde du Corps, einer Abteilung des 2. Garde- Feld- Artillerie- und einer Abteilung des 1. Garde- Feld- Artillerie- Regiments. Verteilt auf beiden Seiten war eine Eskadron der Garde- Jäger zu Pferde. Das Gefecht dauerte über 2 Stunden. Nach der Kritik folgte ein Parademarsch am Denkmal am Hasenheidenberg. Der Kaiser begab sich darauf nach dem Offizier- Kasino im Baradenlager und nahm dort am Frühstück teil. Die Kaiserin begab sich zu Wagen vom Uebungsplatz direkt nach Potsdam zurück. Vatikan und Quirinal. Rom, 27. Mai. König Victor Emanuel hat heute eine Reise nach Mittelund Norditalien angetreten, um der Eröffnung mehrerer Ausstellungen beizuwohnen. Das wäre nun nichts Außergewöhnliches. Aber diesmal hat diese Ausstellungsrundreise eine große politische Bedeutung. Führt den König doch sein Weg nach Bologna und wird dort, in der altersgrauen zweiten Stadt des früheren Kirchenstaates eine Begegnung vor sich gehen, deren Ankündigung noch vor kurzem ein weises ungläubiges Kopfschütteln sämtlicher berufenen und unberufenen Diplomaten erregt hätte: Kardinal Svampa wird dem König einen offiziellen Besuch abstatten. Was das besagen will, kann nur der ermessen, der die Zähigkeit kennt, mit der die Kardinal- Erzbischöfe von Bologna bisher den Protest gegen die Annerion des ihnen unterstellten Kirchenstaatsteiles den ,, savoyischen Usurpatoren" gegenüber zum Ausdruck brachten. Da ihnen keine päpstlichen Gendarmen mehr zur Verfügung standen, um die Eindringlinge über die Grenze zu befördern, mußten sie sich allerdings mit passivem Widerstand begnügen. Sie fanden ein geeignetes und wirksames Mittel darin, stets, wenn der König des geeinten Italiens bei festlichen Anlässen seine gute Stadt Bologna letrat, dieser und ihm ostentativ den Rücken zu fehren. Es fanden sich zur rechten Zeit immer unaufschiebbare Geschäfte, die die höchste Spitze der Bologneser Klerisei zwangen, auf die Ehre eines Zusammentreffens mit Sua maestà il re verzichten zu müssen. Auch Kardinal Svampya, der jetzige Inhaber der geistlichen Obergewalt zu Bologna, hatte das probate Mittelchen schon mit Erfolg erprobt. Beim jetzigen Besuch des jungen Königs aber lenkt er plötzlich ein. Ein Akt von nicht genug zu schäßender politischer Bedeutung und von ungemessener Tragweite für das fünftige Verhalten zwischen Quirinal und Vatikan. Ist doch im Gegensatz zu der früheren unversöhnlichen Haltung der päpstlichen Diplomatie den neuen Machthabern gegenüber die Entrevue von Bologna wenigstens als eine Verzichtleistung auf einen Teil der politischen Ansprüche des Vatikans aufzufassen. Es ist denn auch ganz sicher, daß Kardinal Svampa erst nach langem Hin- und Herparlamentieren mit dem Vatikan von dort aus das Placet für seinen wichtigen Schritt erhalten hat. Der Kardinal schickte sich auch diesmal an, vor der Ankunft des Königs die Stadt zu verlassen, aber Protestversammlungen der Einwohnerschaft, in denen sogar gedroht wurde, man werde den Kirchenfürsten eventuell am Wiedereintritt in die Mauern Bolognas mit Gewalt verhindern, zeigten ihm die Gefahr, sich mit seiner undersöhnlichen Politik die Sympathien der Romagnolen zu verscherzen. Auch im Vatikan zog man es angesichts der Strömung im bologneser Volke vor, es diesmal nicht auf einen Bruch ankommen zu lassen, sondern sich lieber zu biegen, umsomehr, als man mit dem Aufgeben der doch unhaltsamen Position zugleich neue große Vorteile erringen konnte. 1 das Die zunehmende Verfeindung mit Frankreich, der ältesten Tochter der Kirche" weist den Vatikan von selbst auf eine Politik des leidlichen Einvernehmens mit dem Quirinal hin. Der Zwischenfall des französischen Besuches brachte der vatikanischen Diplomatie deutlich zum Bewußtsein, daß die Fortdauer des feindlichen Verhältnisses zwischen dem Papsttum und dem italienischen Königshause unter Umständen zu einer eklatanten Schädigung des päpstlichen Ansehens führen kann. Solange die katholischen Staatsoberhäupter ein solches ist Präsident Loubet schließlich auch Machtgebot des Vatikans, der einen offiziellen Besuch am Quirinal untersagt, respektieren, ist dieses Interdikt eine wirksame politische Waffe. Im vorliegenden Falle aber hat sich gezeigt, daß eben dieses Verbot ernste Konflikte entwickeln könne, die in keinem richtigen Verhältnis zu der politischen Wirkung des Interdifts gegen den Quirinal stehen. Dem Papsttum fehlen alle Machtmittel, um diesem Verbot Geltung zu verschaffen, und der Versuch, die öffentliche Meinung eines Landes gegen die Regierung zu beeinflussen, bietet keinerlei Garantien. In Frankreich hat die Kammer jedenfalls mit großer Mehrheit der Regierung ihr Vertrauen ausgesprochen und damit dem päpstlichen Mißerfolge mit dem Besuchsverbot einen zweiten Mißerfolg in ihrem Einfluß auf die katholische Bevölkerung des Landes beigefellt. Man ist allerdings hier der Ansicht, daß der erste Schritt der Annäherung an den Quirinal nicht mit dem weiteren Ziel einer radifalen Beseitigung des Konfliktsgrundes erfolgt ist, sondern der Vatikan wollte lediglich das katholische Volt Italiens gegen Frankreich ausspielen. Die Herstellung guter Beziehungen zu der italienischen Regierung in einem Augenblicke, da der Konflikt mit Frankreich seinen Höhepunkt erreicht hat, soll der französischen Bevölkerung vor Augen führen, wie sehr sie sich als älteste Tochter der Kirche mit ihrer Haltung gegen die Ordensgemeinschaften und den Vatikan gegen ihre traditionellen Pflichten vergangen hat. Welches aber auch das Ziel der Aenderung gewesen sein mag, das Eis ist gebrochen, dem ersten Schritt werden weitere folgen, und wenn sich unter dem neuen Papste ein friedliches Verhältnis zwischen dem Vatikan und dem Quirinal herausbildet, so ist Das jedenfalls ein Verdienst, das man nicht nur hier in Rom 31 schizen weiß, sondern das auch in der ganzen politischen Welt Beifall finden wird. Hus dem Gerichtsfaal. § Geblüfft. Einen eigenartigen Ausweg schlug der Vorsitzende eines Berliner Gerichtshofs ein, um sich darüber zu informieren, ob ein russisches Kartenspiel Ddo" zu den Hasardspielen zu rechnen sei: Er ließ sich das Spiel von den Zeugen, die zur Ueberführung eines der Duldung von Hasardspielen angeklagten Gastwirts dienen sollten, im Gerichtssaal vorführen, um zu entscheiden, ob das Spiel, wie der Verteidiger behauptete, feineswegs auf bloßes Glück, sondern auch auf Kombination gegründet sei. Der Gerichts. hof überzeugte sich davon, daß das wirklich der Fall sei, und kam zu einem freisprechenden Erkenntnis. Wie uns aber von sachverständiger Seite mitgeteilt wird, ist„ Ocko" in der Tat ein Hasardspiel, ähnlich dem amerikanischen Pocker, bei dem das einzige in die Hand des Spielers gegebene Mittel, dem Glück ein Paroli zu biegen, darin besteht, seine Mitspieler auf falsche Fährte zu locken, sie zu ,, bluffen". Nach Aussage unseres Gewährsmannes scheint es so, als sei in diesem Fall der Gerichtshof geblufft" worden. Nab und Fern. Schwere Gewitter sind über verschiedene deutsche Landstriche niedergegangen und haben schweren Schaden ange richtet. In Württemberg verursachten Wolkenbrüche zwischen Tübingen und Balingen große Ueberschwemmungen, die noch größer waren als die im Jahre 1895, bei denen 47 Personen ums Leben kamen. Diesmal waren wunderbarer. weise keine Menschenleben zu beklagen. In Heilbronn stand das Wasser meter hoch in den Straßen. Blitzschläge äscherten mehrfach Geschäfte und Häuser ein. In Unterkirchberg wurde der Schultheiß Volk am Schreibtisch vom Bliz erschlagen. Auch in Thüringen wüteten schwere Unwetter und Wolfenbrüche: Der Blitz zündete mehrfach und forderte auch hier Menschenleben zum Opfer. In Groß- Bartloff( Kreis Heiligenstadt) wurde der Postagent Hahn auf einem Dienstgange vom Postamt zum Bahnhof vom Blitz erschlagen. Im Bezirk der Oberförsterei Elend bei Benneckenstein in Harz schlug der Blitz in eine Köhlerhütte ein, tötete zwei Köhler und betäubte zwei andere. Die Prämie der preußischen Klaffenlotterie im Betrage bon 300 000 Mark fiel auf Nr. 110 718. Bekanntlich wird am letzten Ziehungstage nach dem neuen Verlosungsplan der letzte größere Gewinn von 1000 Mark an mit dieser Extraprämie bedacht. Gin jugendlicher Unhold. In Wörrstadt( Rheinhessen) wurde ein 13 Jahre alter Junge verhaftet, weil er auf offener Landstraße ein 20jähriges Mädchen überfallen und den Versuch gemacht hat, es zu vergewaltigen. Früh verdorben! Das Kapitel Breisringfämpfe, das in letzter Zeit öfter recht unliebfam die öffentliche Meinung beschäftigte, wird durch eine soeben in Berlin angestrengte Klage vielleicht eine wünschenswerte Klärung erhalten. Ein Wettlustiger, der gelegentlich der Ringkampf- Konkurrenz im Zirkus Busch bei einem Buchmacher 6000 M. auf Eberle gesezt und das Geld zu seinem Erstaunen verloren hatte, hat jetzt gegen den Buchmacher die Klage auf Herausgabe der Summe angestrengt. Er behauptet, daß der abgeschlossene Wettvertrag auf der Voraussetzung begründet war, daß es sich um einen ernstgemeinten Ringfampf handelte, während sich herausgestellt habe, daß nur ein Scheinkampf vorlag. Zum Beweise dieser Behauptung beruft sich der Kläger auf das Zeugnis des Zirkusdirektors Busch sowie dessen Angestellte, ferner der in Aktion getretenen Ringfämpfer und insbesondere des Eberle und Koch selbst, sodann auf das Zeugnis des Herausgebers des Roland von Berlin, der seinerzeit einen längeren Artikel über den angeblichen Scheinkampf veröffentlicht hat, und endlich auf den Gewährsmann für jenen Artikel. Eberle tritt übrigens 3. 3t. im Leipziger Krystallpalast auf, ebenso die aus den Berliner Kämpfen bekannten Franz Sauerei und Peyrouse, der Löwe von Valencia". Am Vorabend der Hochzeit in den Tod gegangen ist, wie aus Wien gemeldet wird, der Professor Rudolf Meißner aus Göttingen. Er wurde in der Donau aufgefunden. Der unglückliche Gelehrte, in dessen Familie mehrere Jälle von plötzlicher Geistesstörung vorgekommen sind, hat zweifellos in einem Augenblicke geistiger Verwirrung gehandelt. Professor Meißner, der im 46. Lebensjahre stand, war Ertra ordinarius für Germanistik in Göttingen. Er hatte sich vor einiger Zeit mit einer damals in Göttingen weilenden jungen Wienerin, der Tochter eines angesehenen Arztes, verlobt. Explosionskatastrophe. In einem Bergwerke bei dem ungarischen Orte Ozena ereignete sich ein furchtbarer Unglücksfall. In einer Scheune, in welcher die Bergarbeiter ihre Requisiten aufzubewahren pflegen, hatte der Bergarbeiter Lazar Vlasovau einige Dynamitpatronen aufgehoben. Kinder, die den Arbeitern Lebensmittel brachten, fanden die Patronen und spielten mit denselben. Im nächsten Augenblicke erfolgte eine fürchterliche Detonation, und die Scheune flog in die Luft. Am Plate blieben fünf vollständig verkohlte Kinderleichen. Drei Bergarbeiter, welche sich in der Nähe befanden, wurden gleichfalls getötet. Kunit und Wiffenfchaft. PF Auf der internationalen Tuberkulosekonferenz in Kopenhagen, an der 112 Gelehrte, unter ihnen 24 aus Deutschland, teilnahmen, wurde über interessante Versuche berichtet, die in Wien an einer Reihe von Patienten mit Einatmung des zerstäubten Kochschen Tuberkulins gemacht nurden. Die Patienten atmeten durch den Mund, so daß von der zerstäubten Flüssigkeit nichts in die Nase gelangen konnte. Die Kranken atmeten ruhig und tief, die Inhalation war nach fünf bis zehn Minuten beendet. Die Beobachtungen er streckten sia) auf 28 Patienten verschiedenen Alters und Geschlechtes und es zeigte sich, daß die Inhalation von Tubertulin die gleichen Erscheinungen hervorrufe, wie die Injektion des Präparates. Was das Einsezen der Fieberbewegung anlangt, so erfolgte der Anstieg der Temperatur im Mittel etwa nach fieben Stunden. Bezüglich der Heilerfolge dürfte demnächst eine Publikation erscheinen. Die Hauptverhandlungsgegenstände waren: Berbot des Spuckens auf der Straße; Anmeldepflicht von Tuberkulosefällen; Disposition zur Tuberkulose und Tuberkulose und Erziehung. KU Das Problem des lenkbaren Luftschiffs gelöst? Bouquet Delagrye, der Präsident der aeronautischen Sektion in der Pariser Akademie der Wissenschaften, erklärt in einem eben fertiggestellten, von anderen Fachmännern geprüften Memorandum das Problem des lenkbaren Luftschiffes für gelöst. Es handelt sich um das von dem Pariser Malecot ersonnene System der Vogelflugnachahmung. Bis man die Malecotsche Erfindung im Betrieb gesehen hat, wird es gu sein, sich ihr gegenüber sehr skeptisch zu verhalten. †[ Ein Autodafe von alten Klavieren] wurde in Atlan tic City von den dortigen Pianinohändlern veranstaltet. Die Vereinigung der Händler hatte beschlossen, keine alter Klaviere mehr als Anzahlung beim Kauf von neuen an zunehmen. Die in ihren Lagern befindlichen alten Klaviere, etwa 200 an Zahl, wurden am Stiftungsfest der Verein gung feierlich auf einem Hügel verbrannt. Um das Riefen. feuer führten die Kaufleute einen Indianertanz auf. Lokales. 29. Mai 1904. *** Die Baugenossenschaft des Evang. Ar. beitervereins zu Gießen hielt am legten Samstag beim Gastwirt Sauer ihre Generalversammlung ab. D Vorsitzende des Aufsichtsrates, Herr Kommerzier rat und Reichstagsabgeordnete Heyligenstaedt leitete dieselb und Herr Rendant Döring erstattete in ausführlicher Weise den Jahresbericht. Diese beiden Herren wurden bei Punkt: Wahlen per Afflamation auch wieder und an Stelle bes nach Darmstadt versezten Landgerichtsdirektor Dornseiff wurde Herr Landgerichtsdirettor Schmeckenbecher neu gewählt. Aus dem Verlauf der Versammlung sind ferner erwöhnenswert die beiden Beschlüsse, wonach die Kanalisations: Kosten zu den Anschlüssen der Häuser aus dem Reservefond gedeckt werden sollen und daß die neuerbaute Kleinkinderschule in der Crednerstraße kommenden Herbst ihrer Bestimmung übergeben werden soll. feiten und bag am 1. malpflege ein bemert Runft u Bundes i folgende 6 lieferten Haltung be lichen Nat ber einhei ologijden der beweglic από Σταφί Sonderer L eine Anzahl Die Mitglie noch für de geknüpft, b lide Buwer in verschiede oder als„ G ftellt feine zur Verfügu Wohnort Vereins fü dafelbft no Lediglich и Robert Deimaticu richtern, wo $ 5 D Heute Mon Brozeß, b Lily Brau des Gene zuges 187 aus dem Auszüge zeichnete d Friedrich Gefängnis verbüßte. Briefen en unbestimmt ** Ganz plößlich hat der Tod den etwa 30 Jahre alten Sohn des Pflastermeister Nickel zu Gießen abgerufen. Der Verstorbene, ein fleißiger junger Mann, leitete in der Hauptsache den Betrieb des in Ober- Widdersheim gelegenen Steinbruch seines Vaters. - -1. Die Generalversammlung des Obstbauvereins für die Provinz Oberhessen fand gestern in Friedberg statt und war gut besucht. Der erste Vorsitzende, Graf Oriola- Büdesheim, begrüßte besonders den Vertreter der Regierung, Dekonomier at Müller aus Darmstadt. Der Versammlung wohnte vom Kreisamt Gießen Kreisamtmann Hechler bei. Nach der Rechnungsablage für 1903/04 be trugen die Mitgliederbeiträge 4800 Mt. und der Staatszuschuß 2850 f.; die Vorträge fofteten 2550 Mt., die Gehälter der Technifer betrugen 2500 Mt., die drei Versuchsgärten bei Büdingen, Aisfeld und Schotten erforderten 1650 Mt. Dem verdienstvollen verstorbenen Obstbautechniker Metz wurde vom Verein ein Denkmal gesetzt. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt und der Voranschlag für 1904/05 einstimmig genehmigt. Nach dem Jahresbericht der Techniker wurden im Kreise Gießen von den Herren Wiesner und Koch 62 Vorträge gehalten und besonders der gute Zustand der Kreisstraßenpflanzungen im Kreise Gießen lobend erwähnt, durch richtige Plaz- und Sortenwahl hat die Behörde außerordentliches erzielt. Ueberhaupt macht der Obstbau im Kreise Gießen erfreuliche Fortschritte. In den Gemeindepflanzungen ist der Bestand der Bäume sehr verschieden. Lich steht in der besten Obstbaumzucht und Pflege obenan und führt über die Bäume ein besonderes Register, das nachahmenswert ist. Die Gemeinden werden ersucht, mehr junge Leute zu Baumwarten ausbilden zu lassen. Auf größere Anpflanzung von Nußbäumen soll hingewirkt werden. In Zukunft sollen bei den Versammlungen auch Nistkästen für Meisen verlost werden, da diese Singvögel als Insektenvertilger einen unschätzbaren Wert haben. - Prof. Reichel- Friedberg erstattet Bericht über die Obstausstellung gelegentlich der landwirtschaftlichen Provinzialausstellung in Gießen, die er trotz des frühen Zeitpunktes als eine wohlgelungene bezeichnet. In diesem Jahre finden 2 Obstausstellungen statt, in Büdingen und Friedberg. Auch die Teilnahme an der großen Ausstellung in Düsseldorf 16.- 18. Ottober wird beschlossen; es ist ein Kostenanschlag von 1000 Mt. vorgesehen. An 3 Vereinsbaumwarte werden Diplome verabreicht: Merle Liederbach, Löschhorn- Bad- Nau heim und Grasmüller- Eckartshausen. Zu Ausschußmitgliedern werden gewählt die Herren: Professor Wamser, Forstrat Müller, Kammerrat Dern, Bürgermeister Feldmann- Lauter, Posthalter Zelarius- Schotten und Reiz- Echzell. Der erste Präsident Graf Oriola, der zweite Präsident Kreisrat FeyFriedberg und der Rechner Direktor Peter- Friedberg werden einstimmig wiedergewählt. Nach dem Rechenschaftsbericht für 1902/03 hat sich der oberhessische Obstbau erfreulich weiter entwickelt, die Zahl der Mitglieder ist auf rund 4850 angewachsen und beträgt im Kreise Gießen 945, Alsfeld 544 Mitglieder. In einem Schlußwort führt Graf Oriola aus, daß der deutsche Obstbau durch den Zolltarif gegen allzugroße Konkurrenz des Auslandes geschüßt sei. Die Obstaussichten für diesen Herbst seien die denkbar besten. Im Interesse der Obstzüchter liege es, sich an den Ausstellungen reichlich zu beteiligen. Ein Vortrag des Prof. Reichelt über„ Obstbaumzucht" mußte der vorgerückten Beit wegen von der Tagesordnung geset werden. *** Aus Marburg wird geschrieben: Gutem Vernehmen nach wird zur Feier des 400 jährigen Geburtstages Philipp des Großmütigen vom Kasseler Theater ein Festspiel vorbereitet, das aus der Feder des Marburger Professors der klassischen Philologie Birt stammt und die Geschichte der Mutter des Landgrafen, Anna von Mecklenburg, zum Gegen stande hat. Professor Birt ist schon längst als feinsinniger Port unter den Pseudonym Beatus Rhenanus über die Grenze Marburgs hinaus bekannt. Als Grundlage zu seiner Dichtung hat die treffliche Monographie des ebenfalls Marburger Privatdozenten Dr. Hans Glagan über die Landgräfin Anna gedient. * " ** In Dresden wurde am 30. März, ds. J3. der Bund Heimatschuß" gegründet, welcher sich über das gesamte Deutsche Vaterland erstrecken soll. Zweck des Vera eins ist, Schuß gegen das fortschreitende Verschwinden des heimatlichen Wesens nach seinen verschiedenen Richtungen und Erhaltung der der Heimat eigentümlichen UrsprünglichSchon von wollen wi Sens: n einer ung auf der G eine nimm will einen zu haben, es verhin tot. Sol verleiden." Aufsehen, eine Breßfe als fchmähl am 9. De und erklärt ebenfalls d Angaben d ruhten. G Haffia" Hagen, aud wieder Re dem Gefän waltschaft g wegen Bel Darmstadt beibe 1870Hessischen Beleidigung Die Angell werden, ha fo u. a. e bernehmen fungieren. ΔΕ fangver begünstigt Die Rüdt A Anabe vor Hilfe war A Vi herrschte ge weihung R Bis man hat, wird es halten. tourde in Si Lern beranita offen, teine a f bont neuen en alten Slabi Sfeit der Vere Um das Miele ertanz auf. 9. Mai 1904 Evang. legten Sam mlung ab. mmerzier rat leitete die keiten und charakteristischen Merkmalen anzustreben. Durch bas am 1. Oktober 1902 in Kraft getretene Gesetz die Dentmalpflege betreffend ist in unserem engeren Vaterland bereits ein bemerkenswerter Schritt für die Erhaltung heimatlicher Kunst- und Naturschönheiten getan, das Arbeitsfeld des Bundes ist durch 31 der Satzungen festgelegt und umfaßt folgende 6 Gruppen: I Denkmalpflege. II Pflege der überlieferten ländlichen und bürgerlichen Bauweise, sowie Er haltung des vorhandenen Bestandes. III Schutz der landschaftlichen Naturschönheiten einschließlich der Ruinen. IV Rettung der einheimischen Tier- und Pflanzenwelt, sowie der geologischen Eigentümlichkeiten. V Volkskunst auf dem Gebiete VI Sitten, Gebräuche, Feste der beweglichen Gegenstände. und Trachten. Für jede dieser 6 Gruppen wird ein besonderer Leiter ernannt, dem ein Geschäftsführer, sowie eine Anzahl von Vertrauensmänner zur Seite gestellt wird. Die Mitgliedschaft ist weder für schon bestehende Vereine noch für den einzelnen an die Zahlung eines Jahresbeitrages geknüpft, dagegen wird auf freiwillige einmalige oder jährliche Zuwendung allerdings gerechnet. Der einzelne fann in verschiedener Eigenschaft Mitglied werden: Als Helfer" oder als„ Gönner" oder als beides zugleich. Der" Helfer" stellt seine persönliche Tätigkeit den Interessen des Bundes zur Verfügung. Er soll namentlich bemüht sein in seinem Wohnort oder dessen Nähe die Gründung eines örtlichen Vereins für Heimatschut" anzuftreben, sofern ein solcher daselbst noch nicht besteht. Der„ Gönner" verpflichtet sich lediglich zu Gelbbeiträgen. Anmeldungen sind an Herrn Robert Mielke( vorläufige Geschäftsstelle des Bundes Heimatschutz) Charlottenburg 5 Rönnestraße Nr. 18 zu richtern, woher auch jede weitere Auskunft erteilt wird. in ausführli tren wurden w er und an Sta reftor Dornf fenbecher re lung find ferme pie Kanalisations dem Refervefon Kleinfinderf hrer Bestimmun en etwa 30 Ja Bießen abgeru 1, leitete in Biddershei it bauvereir fand gestern in erfte Borsigente, rs den Vertreter Darmstadt. D n Kreisamtman ir 1903/04 nd der Staat 2550 Mt., be ie drei Berjud tten erforderten Obstbautegniter Dem Regner ag für 1904/05 bericht der Leh ren Wiesner und Der gute Zustand lobend erwähnt, Behörde außer t der Dbft liche Fort ft der Bestand Der beften Obst er die Bäume ift. Die Ge Baumwarten ng von Nuß Jen bei den Ver werden, da diese ren Wert haben. über die ObstSen Provinzial Beitpunktes als Jahre finden 2 edberg. Auch in Düsseldorf Kostenanschlag " §§ Die Kretschmannbriefe vor Gericht. Heute Montag begann vor der Mainzer Straffammer ein Brozeß, der großes Interesse hervorrufen dürfte. Frau Lily Braun hat im vorigen Jahre Kriegsbriefe ihres Vaters, bes Generals Kretschmann, die dieser während des Feldzuges 1870-71 geschrieben, in einem Buche veröffentlicht, aus dem die Mainzer Boltsztg." am 5. November 1903 Auszüge veröffentlichte. Als verantwortlicher Redakteur zeichnete damals der Geschäftsführer der„ Volfsztg.", Herr Friedrich Döller, da der Redakteur Bernhard Adelung eine Befängnisstrafe von drei Monaten wegen eines Breßdelifts verbüßte. In dem Artikel war folgende Stelle aus den Briefen enthalten: Db wir morgen hier bleiben, ist noch unbestimmt. Sens, ein Ort von 11 000 Einwohnern, ist schon von den Hessen total ausgeplündert worden. Da wollen wir nicht hingehen." Und tagts darauf doch aus Sens:, Diesen Ort haben die hessischen Bundesbrüder in einer unglaulichen Weise mitgenommen. Ein Zivilist reitet auf der Straße, zwei Offiziere nötigen ihn vom Pferde, der eine nimmt dies, der andere den Sattel. Ein Stabsoffizier will einen Schrank öffenen, der Wirt gibt vor, feinen Schüssel zu haben, und als sein Gast den Schrank erbrechen und er es verhindern will, da schießt der Stabsoffizier den Wirt tot. Solche Dinge fönnen einem den Krieg wirklich ververleiden." Diese Veröffentlichung erregte in Hessen großes Aufsehen, namentlich bei den Kriegsteilnehmern. Es entstand eine Breßfehde, bei welcher die Aeußerungen Kretschmanns als schmähliche Beschuldigungen bezeichnet wurden. Darauf am 9. Dez. nahm 1903 die Voltsztg." wieder das Wort und erklärte in einem Artikel, daß ihre Parteigenossen, die ebenfalls den Feldzug mitgemacht hätten, versichern, daß die Angaben des Generals von Kretschmann auf Wahrheit becuhten. Sie würden also, falls sich der Kriegerverband Hassia" wirklich den Scherz erlauben würde, sie zu ver= Flagen, auch Zeugen stellen können. Diese Nummer hatte wieder Redakteur Adelung gezeichnet, der mittlerweile aus dem Gefängnis entlassen war, weshalb von der Staatsanwaltschaft gegen Adelung und Döller Klage erhoben wurde wegen Beleidigung des Oberleutnants a. D. Balser in Darmstadt und des Majors a. D. Mickel in Meß, die beibe 1870-71 als Offiziere der 2. Kompagnie des Großh. Hessischen Jägerbataillons angehört hatten, sowie wegen Beleidigung der übrigen Angehörigen dieses Truppenteils. Die Angeklagten, die von Rechtsanwalt Dr. Löb. verteidigt werden, haben einen umfangreichen Beugenbeweis aufgeboten, so u. a. eine Menge Einwohner von Sens kommissarisch vernehmen lassen, ebenso wird Lily Braun als Zeugin fungieren. Die Verhandlung begann um halb 9 Uhr. der großen Wirtschaft waren überfüllt, sondern es mußten noch vor dem neuen Saale auf der Straße Siggelegenheiten geschaffen werden, um alle Gäste zu bewirten. Süßigkeitsbuden waren ebenfalls vorhanden und besonders trug auch ein aufgestelltes Karoussell viel zur Erheiterung bei, sodaß die Saaleinweihung mehr einem Kirmesrummel glich. Durch Erbauung dieses schönen und geräumigen Saales ist gleich zeitig den Vereinen bei vorkommenden Festlichkeiten ein gutes Unterkommen geschaffen. b. Großen- Eichen. Ein moderner Robinson" hatte seit Jahren dahier sein Wesen getrieben. Es ist ein alter Junggeselle, der in einem ganz baufälligen Häuschen sein armes Dasein fristete. Er besorgte seine häuslichen Geschäfte ganz allein und hatte seinen Hausrat auf das allernotwendigste beschränkt. Den Teig für Brot und Kuchen bereitete er in der Tischschublade; das Bett, aus ein paar Brettern bestehend, war an der Decke mit 4 Ketten angehängt. Er gewann dadurch mehr Raum für seine Kartoffeln, die er mit Holz und anderen Vorräten unter dem Bett aufbewahrte. Seit einigen Wochen haben ihn nun seine Angehörigen zu sich auf genommen. Seine Hütte aber ist wieder bewohnt von einer armen Familie, die im vergangenen Winter infolge eines Brandes obdachlos geworden war. *** In Assenheim( Wetterau) begeht der Gesang verein Frohsinn" im Juni 1905 das 60jährige Jubiläum seines Bestehens. Damit ist ein Gesangsto ett streit verbunden. × Hungen. Gegenwärtig sind die Arbeiten zur Herstellung der Perronsperre auf der Linie Gießen- Gelnhausen im Gange. X Deckenbach, 28. Mai. Welcher Segen es für den Viehzucht treibenden Landwirt ist, wenn bei Krankheitsfällen im seinem Viehbestand sogleich ein tüchtiger Tierarzt zur Hand zu haben ist, das fonnte der hiesige Landwirt Konrad aus erfahren. Vor ungefähr 14 Tagen wäre ihm sein Mutterschwein, nachdem es schon 8 Ferfel geworfen hatte, sicher verendet, wenn nicht Herr Tierarzt Hofmann von Homberg a. d. D. auf fünstliche, operative Weise( durch Anwendung des sog. Kaiserschnitts) noch 2 weitere Ferkel ( natürlich tot) zutage gebracht hätte. Das Mutterschwein hat durch die Operation gar keinen Schaden gelitten und jede Gefahr ist jetzt ausgeschlossen; auch die 8 lebenden Ferkeln sind munter. = Bingerbrück, 19. Mat. Das Braunsteinbergwerk „ Braut" bei Wald- Erlbach ist erschöpft und wird demnächst geschlossen. Eine Entlassung von Arbeitern findet nicht statt. Die Freiwerdenden sollen in anderen Bergwerken der Gebrüder Wandesleben untergebracht werden. )( Michelstadt, 29. Mat. Der Gemeinderat kaufte einen größeren Komplex Land an, um kleine Wohnungen darauf zu errichten. Aus Arbeiterkreisen wurde eine Kommission von 8 Mann gewählt, die gemeinsam mit dem Gemeinderat an der Errichtung von Arbeiterwohnungen nach dem Wohnungsfürsorgegesek arbeiten will. *** Von der Bergstraße, 27. Mai. Schon in den nächsten Tagen dürften die ersten Bergsträßer Kirschen auf den Markt kommen. Die Hiße der letzten Tage hat die Frühkirschen rasch zur Reife gebracht. Mer saßte us en e Ede en wollte' s Jescht sche belausche en do foam gleich aaner met so'm gruße schworze Rock en brocht so e Steck Babeier en saht,' s wehr die Speisetorte, en ob m'r Bäier oder Wei trente wollte. Ech hätt jo läwer Bäier getrunke, ower mei Ahit mahnt, so' mr groat e mol häi wehrn, kennte' mr aach emol Schlambanjer getrente,' s wehr jo nur e poar Penning Innerschied. Ech bestellt dänn aach do dem Zeug, en bis dersch bringe dert, guckt ech emol uff die Speiseforte, woas e wint woarm Wörscht orer Solwerflaasch fofte sollt, ower vo laurer Kaufia, Rostbiff en Wäiner Geschnigel woar vo Wörscht en Solwerflaasch naut se seh, ech bestellt dann e wink vo dem Wäiner Geschnitzel, dann vo dem Zeug harre m'r doch noch naut gässe, en wäi ersch bringe dert, brocht he so zwo weiße Saidebabaire met, de sollt' mr us imbinne, ech sahr ower, so kaa Saudeuwel sei mir net, mir hun noch naut verdreppelt en naut verschett, m'r brauche so taa Dent. Wäi m'r nu groat oam ässe woarn, mahnt mei Ahlt, m'r wellte aach emol de Schlambanjer versuche. Ech moacht ' s selber en de Droht vo de Flasch en wollt groat met dem Mässer de Stoppe leste, do sprang d's Dos vo sälbst eraus en groat meiner Ahle uff die Noas, doß se gleich se blaute oafing. Nu wehr doas noch goar net schlimm geweßt, wann net doas gaut Zeug all fortgelaafe wehr, dann wäi ech enschente wollt, woar nur nooch a Gläsi drenn. Mei Ahlt räfeniert schie, häiß mech en Dommtopp vern Dannern en aach so e vernehm Fraa, de näwe m'r saß, beschwort sich, ech hätt ihr nau Montur met dem Zeug verärwert. Wäi se nu so richtig oam räsenirn woarn, fung uff amol die Mausig o se späle en die Senger funge d's Begrißungslied o se sänge,& woar wirklich e Bracht. Wäi se hernach fertig woarn, dere ser Rede hahle, ech glawe, so fanns us Bürgemaaster dehaam näit, en dann sunge sa emol dezwesche vom erschte Lied en in einem fühlen Grunde, en uff amol foam aach äbbes vo Haamweh in dem a Ding fehr en do fung mei Ahlt gleich o se greine, weil se o ußer Gaast dehaam mußt denke, däi m'r doch näit met uffs Fescht metnemme konnte. Während se nu so sänge dere, dert uff amol ahne Jungfraa so en bloae Bennel iwwerreiche, en saht, se sollten o die Fohn mache en dann foame noch e paar annern, düi broachte Näjel met, doaß die Fohn net sollt kaput geh. Wäi dann so weit olles fertig war, fregt ech den, der doas Zeug all gebroacht hat, noach de Reste, en do saht he, doaß m'r fehr den Krom zwelf Mark sen fünfzig Pfennig bezohn mißte. Ech reß die Auge uff, mußt' m ower sei Geld gäwe en ging dann mit meiner Ahle in's Andres, wo de Frohsinn" vo Assenheim ässe sollt, en bläib die Nocht do im Logie. ( Forts. folat.) Großh. Kurtheater Bad- Nauheim. Spielplan. Montag, den 30. Mai: Pension Schöller. Dienstag, den 31. Mat: Liebesmanöver. Mittwoch, den 1. Juni: Biberpelz. Samstag, den 4. Juni: Im weißen Röß'l. Stadttheater Marburg. Donnerstag, den 2. Juni: Bettelstudent. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Dienstag, den 31. Mai. Meist schwachwindig, heiter, bei etwas fühlerer Näheres durch die Gießener Wetterfarte. En Besoch uff dem Gäßer Sengerstreit.**) Nacht tagsüber wärmer, trocken. Von Guschtav Velten aus L.... ( Fortseßung.) Endlich foame m'c o so e gruß Festing vo Brärrer en grine Reißer, en owe druff harre se so e gruß Mäufig Henuffgeärwert, ech glaab es woar e Zirrer. Wäi mer nu enin wollte gieh, ftreckt aaner aus so em klane Loch de Kopp eraus en fregt gleich noach de Billjetter. Ech greif en Sack en will sem weise, en seh jo zu meim gruße Schräcke, doaß ech dem, der die Billjette o d'r Eisebooh knipst, mei Eitritt forte stott Billjett gegäwe hu. Der hotts natirlich aach schie genomme, deswege hoat he aach so gelacht. Woas sollt ech nu mache, mei Ahlt dert schimpe wäi noach nie, en weil m'r doch nu amol doworn, so fäif ich e nau Familiforte en ging mit meiner Ahlt uff de Festplatz. Wäi m'r nu enin foame, läife m'r gleich näwe en de Wirtschaft vom Denninghoff en trunte e Deppsche Böier. Dann drifte m'r us weirer a d'r Wirtschaft von der Aischttenbraurei, wu d'r ▲ Grünberg, 30. April. Der hiesige Kirchen- Ge- Wigandt voam Neuweg zoppte, verbei en ftanne uff amol sangverein unternahm gestern, vom schönsten Wetter fer so' r gruße gruße Hall, se sahre,& wehr die Festhall, begünstigt, einen Ausflug nach dem Jägerhause bei Laubach. wo nur de vernehme Leu enin ginge. Ech steckt de Peiffe Die Rückfehr erfolgte abends gegen 9 Uhr per Bahn. weck, moacht de Schnurrbort en die Reih en ärwert mech A Lumda, 30. Mai. Gestern früh stürzte hier ein mit meiner Ahle durch die Leu en die Festhall. M'r konnte Knabe von einem Baume und brach den Arm. Aerztliche us net genunt verwunnern, wäi do alles so schie woar. En der Mitt woarn laurer Desch, de woar met lauter weiße geschüßt sei. Hilfe war bald zur Stelle. A Villingen, 30. Mai. Ein frohes Leben und Treiben Descher zugedeckt en do saße se schon all en spannte, im der Obftzüchter herrschte gestern in unserem Orte anläßlich der Saalein zwate Stock saß die Mausig en rinde rimm woar alles met weihung des Herrn Strack. Nicht nur sämtliche Räume| Fohna en Grines geschmeft. Imwarte werden horn- Bad- Mau Schußmitgliedern amfer, Forftrat Feldmann- Lauter, zell. Der erfte t Kreisrat F Friedberg werden Rechenschafts ffifche Obstbau itglieder ift auf fe Gießen 945, vort führt Graf hden Zollarif Herbft feien zu beteiligen. aumzucht" mußte Sordnung geft Butem Bernehmen artstages Philipp Feftfpiel vorbe Profeffors der Te Befchichte der rg, zum Gegen als feinfinniger nanus über die undlage zu feiner ebenfalls Mar er die Landgrafin , 68. 38. ber über das ge 8wed des Ber Berschwinden des enen Richtungen en Ursprünglich Neuheiten in Strohhüten für Herren, Knaben und Kinder. Sommermützen in weiss und farbig. Grösste Auswahl, billigste Preise. Rudolf Richter, Hutmachermstr. Marktstr. 26. Reparaturen gut und billig, Arbeitsnachweis der Stadt Gießen. Gartenstraße Nr 2( Bürgermeistereigebäude) Zimmer Nr. 14. 2 1 Es können eingestellt werden: Installateure( ausw.), 1 jüngerer Schmied, 2 Schreiner, jüngerer Bäcker, 1 Schneider, mehrere Arbeiter, 1 Stallbursche, 8 Dienstmädchen, 1' Köchin, 3 Lauffrauen. Lehrlinge: 1 Installateur, 1 Schreiner, 1 Bäcker, 2 Friseure, 1 Kaufmann, 2 Kellner. Es suchen Arbeit: 1 landwirtsch. Knecht, 1 Steinhauer, 1 Installateur, 1 Wagner, 1 Wasch- oder Pugfrau, 1 Bureaudiener, 1 Fahrbursche, 2 Dienstmädchen, 1 Lagerarbeiter, 3 Bureaugehilfen. Verantwortlich: für den politischen, vermischten und unter: haltenden Teil Albin Klein Gießen; für den lokalen Teil Karl Klose, Grünberg. Königl. Preuss. Staats- Medaille Seidenstoffe jeder Art, in jeder Farbe, zu jedem Preise, der Meter von 75 Pf. aa. Muster portofrei. Fertige seidene Kostüm- Röcke, Jupons, Blusen, halbfert. Roben. Deutschlands grösstes Spezial- Seiden- Geschäft M Seidenhaus Michels& Cle., Berlin SW. 19 43 Leipziger Strasse 43 Ecke Markgrafen- Strasse. Mechanische Seidenstoffweberei in Krefeld Seltersweg 73, Küchenmädchen| Städt. Wohnungsnach- Laden ist mit oder ohne sofort gesucht. Alte Klinik Gießen. Näh. Seltersweg 65, Giesen. weis Gießen. Wohnung per sofort zu vermieten. 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Makulatur hat abzugeben die Expedition. Die Reinigung von Zimmer- Ausstattungen. Wollene und seidene Vorhänge, Portiéren, Teppiche, Felle, ebenfalls Gardinen und Decken etc. sind sehr aufnahmefähig für feine Staubteilchen und alle Arten von Mikroben und Bazillen. Wenn auch durch Ausklopfen und Bürsten die Unreinlichkeiten zum Teil wieder entfernt werden, so bleiben doch immer feine Schmutzteilchen in den angeführten Gegenständen haften, die, jemehr diese unsauberen Körper sich einnisten, zerstörend für Farbe und Stoff sowohl, als auch gesundheitsschädlich wirken. Zu entfernen sind derartige Schmutzteilchen nur gründlich durch ein Lösungsverfahren und zwar liegt es im Interesse der Sachen, ein solches zu benutzen, welches auf Farbe, Appretur und Stoff- Faser neutral wirkt. Ein solches Verfahren ist unsere chemische Reinigung. Dass bei dieser Reinigung eine Desinfektion vorgenommen wird, ist noch ein besonderer Vorzug. Unsere chemische Reinigung empfiehlt sich daher bei Zimmer- Ausstattungen aus folgenden Gründen: 1. Weil sie für Stoff und Farbe ohne Nachteil ist. 2. Weil die Gegenstände viel länger in gutem, gebrauchsfähigem Zustande bleiben. 3. Weil dadurch dem Ordnungssinn, dem Geschmack und dem persönlichen Wohlbehagen Rechnung getragen wird. Färberei Gebr. Röver chem. Wasch- Anstalt Bedeutendstes Etablissement dieser Branche in Mitteldeutschland. Giessen, Marktplatz 18. Bekanntmachung. Die diesjährige öffentliche Impfung in der Stadt Gießen wird, beginnend - - für Mittwoch, den 1. Juni, im Impflokale Schulgebäude. Neustadt 61 die nächsten 5-6 Wochen jeden Mittwoch, nachmittags 5-6 Uhr, abgehalten werden. Impfpflichtig im laufenden Kalenderjahr sind die im vorigen Jahre geborenen Kinder, sowie die Rückständigen aus früheren Jahren. Bekanntmachung. In der Zeit vom 21. bis 28. Mat 1904 wurden in hiesiger Stadt gefunden: 1 Geldrolle, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 grüner Sportwagen und 1 Packet mit In halt; berloren: 1 schwarzes Portemonnaie mit 10 Mr. Inhalt, 2 schwarzseidene Umhänge und eine filberne Cylinderuhr mit Goldrand und Monogram B. S. Wir laden die hiesigen Einwohner, welche impf- Entlaufen ist: 1 kleiner brauner Dachshund. pflichtige Kinder haben, zur Benutzung dieser öffentlichen Die Empfangsberechtigten der gefundenen GegenTermine mit dem Bemerken ein, daß alle in denselben stände belteben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend vorgenommenen Impfungen unentgeltlich sind. Wer zu machen. die Termine nicht benuzen will, muß die Impfung seines pflichtigen Kindes bis zum Jahresschlusse auf seine Kosten bewerkstelligen lassen, widrigenfalls ihm im Januar nächsten Jahres eine vierwöchentliche Frist zur Nachholung der Impfung unter Strafandrohung gesetzt wird. Gießen, den 28. Mai 1904. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Herberg. Arbeitsvergebung. Die für die baulichen Herstellungen im vormaligen Außer den Pflichtigen werden auch Kinder, welche Hause Bourgeois, Kirchenplag Nr. 18 erforderlichen im laufenden Jahre geboren sind, auf Wunsch ihrer Maurer, Zimmerer, Dachdecker-, Schreiner-, Vertreter geimpft. Schlosser- und Weißbinderarbeiten Alle in einem Termine geimpften Kinder müssen sollen in dem 8 Tage später abgehaltenen Termine zur Nachschau nochmals erscheinen. Samstag, den 4. Juni d. Js., vorm. 11 Uhr Kinder, deren Zurückstellung von der Impfung öffentlich vergeben werden. und wegen Kränklichkeit beansprucht wird, können gleichfalls während der Amtsstunden auf unserer Schreibstube zur Arbeitsbeschreibung Bedingungen liegen dem Impfarzte in den öffentlichen Terminen vorgestellt Ginsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst er= Die Impflinge müssen mit reiner Wäsche und rein- hältlich, find spätestens zu obengenanntem Zeitpunkt an Zuschlagsfrist 14 Tage. gewaschenem törper zur Impfung gebracht werden. Es uns einzureichen. wird nur an einem Arme mit Lymphe aus dem LandesGießen, den 28. Mai 1904. impfinstitut geimpft. werden. Kinder aus Familien, in denen ansteckende Krankheiten herrschen, dürfen nicht in die Termine gebracht werden. Gießen, den 28. Mat 1904. Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen. J. V. Curschmann. Hypothek Mr. 10 000 an 2. Stelle bei 5% 3 nsen zu leihen gesucht. 0 Brima Kartoffel Off. u. 4449 a. d. Exp. d. Bl. Speise- u. Salatkartoffel Gebrauchter 2itiger zu den billigsten TagesSportwagen billig zu verkaufen. Näheres Gießen, Weidengoffe Nr. 9. pretsen empfiehlt Verzinkte J. Hankel Schloßgaffe - Gießen. Flaschentransportkasten für Brauereien, Flaschenbierhändler 2c. empfiehlt Edgar Borrmann, Giessen, Eisenhandlung. Städtisches Hochbauamt. Gerbel. G. F. F. Dessert- u. Stärkungsweine Dienstag, den 31. Mai: untersucht und begutachtet, in drei Flaschengrößen bei: E. Bender, Gießen, Neustadt 33, Auguste Friese, Bleichstr. 21, Speyer, Bieſed, Auguft Seibert, Wieseck, Sermann Scherb, Lollar. Ein Britschwägelchen 15-20 Ctr. Tragkraft, steht billig zu verkaufen. Konrad Schneider, Ober- Widdersheim. * g.Blutstock.Timermann Hilfe* amburg, Fichteſtr. 33. Uebung. Antreten präzis 8½ Uhr. Die Mannschaften der mechanischen Leiter, sowie die Steiger haben 8 Uhr zu einem Apell anzutreten. Sämtliche Uniform und Ausrüstungsstücke sind mitzubringen. Das Kommando. Gemahlene DalliSeife Unersetzlich für Wäsche u.Hausputz. Mäurer& Wirtz.Stolberg Rhld. Gras- und Kleeversteigerung der Stadt Gießen. Mittwoch, den 1. Juni, nachmittags 6 Uhr wird die Gras- und Kleeernte von verschiedenen Grundstücken am Wetlarerweg zwischen dem Güterbahnhof und der Margaretenhütte( 8 bis 10 Morgen) an Ort und Stelle zur sofortigen Aberntung meistbietend versteigert. Die Zusammenkunft ist am Weglarer Weg an der Eisenbahnbrücke. Gießen, 28. Mai 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Vergebung von Bauarbeiten. Die zur Kanalisierung der Brunnengasse in Allendorf a. d. Lumda erforderlichen Arbeiten und Lieferungen, bestehend in beranschl. zu 938,80 Mt. Erdarbeiten Betonarbetten Rohrlegarbeiten Materiallieferungen " " " " " " " 411,40 405,90 2800,00 " " sollen im Wege schriftlichen Angebots vergeben werden. Angebote, die sich sowohl auf sämtliche, als auch sind bis auf einzelne der vorgenannten Arbeiten beziehen können, Dienstag, den 7. Juni 1. Js.. nachmittags 4 Uhr auf der Großh. Bürgermeisterei Allendorf a. d. Lda. abzugeben, wo alsdann die Eröffnung derselben stattfindet. Voranschlag, Pläne und Bedingungen liegen im Bureau des Unterzeichneten( Brandplay 9, Zimmer Nr. 20) zur Einsicht offen. Gießen, den 24. Mai 1904. Der Großh. Kreisbaninspektor des Kreises Gießen. Diehm, Baurat. Warum ist es wohl notwendig gewesen, dass zu all den vielen Sorten in der NaumanniaSeife noch eine neue KernSeife in den Handel gegebracht wurde. Weil in so eine eben darunter keine hohem Grade, die für wirklich gute Haushaltungsund Küchenseife erforderlichen Eigenschaften besitzt als gerade Naumannia- Seife Sparsam, rein, mild, neutral, billig, Wäsche und Hände nicht angreifend, für alle Waschzwecke gleich gut geeignet, sind die Eigenschaften, welche bei nur 12 Pfg. die Naumannia- Seife per Stück bei jeder einsichtigen Hausfrau beliebt machen. hartnäckig, die Geschichte selbst weiter erzählen zu dürfen. Der Seren unbekannten Herrn aber gewähren, und Grzähler gab zuerst seinem Unwillen über die Störung Ausdrud, liek Sann Sammer dieser Welt zu den Wonnen des Paradieses trägt. ie Champagne! Es lebe Coffin und die Dieſe mit fo noringlichem Feuer verfaßte Apotheose, Str. 119 Montag, Famil ben 30. Mat. 1904. gerung erntung meist to 10 Morgen) en dem Güter ags 6 Uhr n verschiedenen er Weg an der Bießen. arbeiten. runnengaffe in da 411,40 en, bestehend in 938,80 Mt. Jammer dieser Welt zu den Wonnen des Paradieses trägt. Es lebe Coffin und die Champagne! Diese mit so eindringlichem Feuer verfaßte Apotheose, die der unverfälschte Ausdruck der Ansichten und Neigungen eines Mannes war, der als achtzigjähriger Greis einem jungen Mädchen, mit dem er tändelte, auf dessen Bemerkung: ,, Lassen Sie ab oder ich schreie!" antwortete: Schreien Sie! es wird uns beiden zur Ehre gereichen!", diese Apotheose also fand in ganz Paris einen so ungeteilten, lauten AnKlang, daß selbst Grenans eifrigste Anhänger dem Burgunder untreu wurden und, trotz der wiederholten Warnungen Fagons, allmählich mehr und mehr auf die Seite des Champagners traten. Der Champagner, wiederholten alle Roués von Paris, ist der Weine Don Juan. Und diese einzige Metapher verschaffte diesem Weine einen glänzenden Sieg über die Schwerfälligkeit des Burgunders, der seit jenem Augenblick den Kürzern zog und für alle Zeiten den Mut verlor, mit dem„ Don Juan der Weine" in die Schranken zu treten. Die Stadt Rheims aber, eingedent der Verdienste, die sich der ehrenwerte Meister Coffin zur Förderung des Sieges der Champagne über ihren burgundischen Nebenbuhler erworben hatte, decretierte, daß dem ausgezeichneten Verteidiger alljährlich zwei Körbe des allerfeinsten Champagnerweins auf Kosten des Magistrats poſtfrei nach Paris geschickt werden sollten. Coffin teilte dieses freiwillige Geschenk der guten Stadt Rheims mit Herrn von Fontenelle bis zum Jahre 1749, wo er am 20. Juni in einem kräftig- blühenden Alter von dreiundsechszig Jahren an einer Brustentzündung starb. Grenan, der, dem äußeren Anscheine nach, Coffins unerbittlichster Gegner geblieben, im stillen aber fortgefahren war, seinen Bibliothekskeller zu leeren, hatte 26 Jahre früher, in einem Alter von 32 Jahren, seiner Kellerbibliothek den Rücken gekehrt und in einem starken Burgunderrausche seine Reise ins Jenseits angetreten. Fontenelle aber, der täglich ein Glas Champagner trank, erreichte bei dieser Lebensweise ein Alter von fast hundert Jahren. Geboren am 11. Februar 1657 zu Rouen, starb er am 9. Januar 1757 zu Paris, nach einem fröhlichen Mahle, bei dem er das letzte Glas Deil de Perdrix auf das Andenken seines Freundes Coffin geleert hatte. Auch nach Deutschland spielte dieser Streit hinüber. Friedrich d. Gr. legte seiner Akademie die Frage vor:" Warum gibt ein mit Champagner gefülltes Glas einen reineren Klang, als ein mit Burgunder gefülltes?" Im Namen der Akademie antwortete der gelehrte Sulzer:" Die Mitglieder wären bei ihren geringen Besoldungen außer Stande, ſo koſtbare Versuche anzustellen. EINSTUND JETZT Ein Wiedersehen. Auf den Höhen längs des Hudson in Amerika hatte sich ein preußischer Krieger, der Unteroffizier H. vom 71. Regiment, sein Haus gebaut. An einem schönen Sonnabend des Jahres 1898 betrat er ein Lokal in West- Hoboken, wo er bald einige Herren entdeckte, die es sich an einem Tische gemütlich gemacht hatten und eine animierte Unterhaltung pflogen. H. setzte sich zu ihnen und, da sich die Unterhaltung um den Krieg von 70/71 drehte, speziell um die Beschreibung der Schlachtfelder nach dem Kampf, so hatte er denn als Mitkämpfer von Sedan auch bald Gelegenheit, in die linterhaltung mit einzugreifen. Dabei spielte sich folgender merktrürdiger Zufall ab: Der Erzähler, Unteroffizier H. von der 2. Kompagnie 71. Regiments begann: ,, Nachdem die ganze Aktion vorbei war, lagerten wir auf dem Glacis der Festung Sedan in Balan. Gegen 11 Uhr zog ich mit meinen 16 Mann durch das brennende Dorf Balan, um jenseits des Ortes vielleicht einige Lebensmittel zu entdecken. Kurz hinter Balan, auf der Chaussee nach Bazeilles, gab ich meinen Leuten einen Platz an, wo sie sich am nächsten Morgen sammeln sollten. Ich selbst ging querfeldein und gelangte bald an ein Lagerfeuer der bayerischen Artillerie. Eine kräftige Stimme rief: Hollah Preuß!" Weiter kam der Erzähler nicht, denn ihm gegenüber am Tische erhob sich plötzlich einer der Zuhörer und verlangte stürmisch und hartnäckig, die Geschichte selbst weiter erzählen zu dürfen. Der Erzähler gab zuerst seinem Unwillen über die Störung Ausdruck, ließ dann den anderen unbekannten Herrn aber gewähren, und nun entwickelte sich folgendes Zwiegespräch zwischen Herrn H. und dem anderen- nennen wir ihn W.: W.:„ Und dieser Bayer gab Ihnen einen Kochgeschirrdeckel voll Suppe?" H.( ganz erstaunt):" Das stimmt!" W.: Und dann zeigte er Ihnen die Leichen zweier bayerischer Offiziere, umgeben von hohen brennenden Kerzen?" H.( verblüfft):„ Ganz richtig!" W. Dann gab er Ihnen eine Pferdedecke für die kühle Nacht?" H.( mit der Faust auf den Tisch schlagend):" Donnerwetter, ja, wirklich!" W.( noch stärker auf den Tisch schlagend):„ Sehen Sie, und der Baher war ich!" Es bleibt nur noch übrig, zu berichten, daß dieser Vorfall zu einer gemütlichen Kneiperei führte, die sich bis zum frühen Morgen hinzog, denn das Zusammenfinden zweier Kriegskameraden unter so eigenartigen Umständen im fernen Amerika, 28 Jahre nach der Schlacht bei Sedan, mußte doch gehörig gefeiert werden. * Bunte Blätter. Ein sonderbares Verteidigungsmittel wandte der Abt von Münchsteinach bei Neustadt an der Aisch an. Er ließ sich im Bauernkriege 1522 vor seinen Belagerern dadurch retten, daß er Bienenkörbe in großer Zahl auf die stürmenden Bauern hinabwerfen ließ. Aehnlicherweise wurden im 30jährigen Kriege bei einem Sturmversuch der Schweden auf Kissingen die Feinde, welchen eine Menge Bienenkörbe mit ihren Bewohnern entgegengeschleudert wurden, gezwungen, vom Sturm abzulassen. Dieses Verteidigungsmittel benutzten übrigens auch die Burgunder gegen die Schweizer im sog. Pontarlierkriege. Lord und Dichter. Der engliche Lord Fitzgerald hatte längst gewünscht, den Dichter Johnson fennen zu lernen und ließ ihn eines Tages zur Tafel laden. Johnson erschien, wurde aber wegen seiner nachlässigen Kleidung vom Psörtner abgewiesen. Während des darüber entstandenen Wort: vechsels kam der Lord selbst dazu, und als er die Ursache desselben erfahren hatte, sah er den Dichter befremdet an und sagte:„ Es ist nicht möglich, daß Sie Johnson sind; Sie sehen ja aus, als könnten Sie nicht " Mä!" zu einem Schafe sagen."-" Mä!" antwortete Johnson und sah dabei den Lord unverwandten Blickes an. * Ein tättowierter König. Als Bernadotte, König von Schweden, im Sterben lag, verlangte man von ihm, daß er sich zur Ader lassen solle. Er weigerte sich trotz der ernstesten Vorstellungen seiner Aerzte mit der Ausrede, daß Alexander der Große, obgleich ein viel jüngerer Mann, so einem Aderlaß erlegen wäre. Nach des Königs Tode wurde der wahre Grund seiner Weigerung entdeckt. Sein Arm war tättowiert; man konnte groß und deutlich die Worte: Liberté, Egalité, Fraternité" lesen, die aus der Revolutionszeit stammten. Natürlich hatte Bernadotte sie lebenslänglich zu verbergen gesucht. * Was nützt mich der Mantel, wenn er nicht gerollt ist? Dieses geflügelte Wort vom Kasernenhofe hat wohl Vielen, die es aussprechen hörten oder selbst aussprachen, ein Lächeln abgewonnen; einem Herrn E. ist aber in der Schlacht von Beaumont vom 30. August 1870 durch den„ gerollten" Mantel das Leben gerettet worden. E. erhielt, als das 4. Armeekorps die Divisionen de Failly's aus dem Gehölz von Givodeau warf, einen Schuß in den linken Teil der Brust, der unter den Tragriemen des Tornisters zu liegen kommt. Die Kugel hatte aber, da sie den Weg durch den gerollten Mantel und den Tragriemen nehmen mußte, an Kraft verloren und schlug nur oberflächlich in das Rippenfleisch ein, ohne die Rippen selbst zu treffen. Ja, sie war, als sie später entfernt wurde, dem Gesetze der Schwere folgend, ein Stück zwischen Haut und Fleisch abwärts geglitten. Herr E. durfte nun als Leichtverwundeter auf einige Wochen nach seiner deutschen Heimat reisen. Hier zeigte er den aufgerollten Mantel, der nicht weniger als sechzehn Löcher durch die Kugel erhalten hatte, seinen Freunden und Verwandten. Nr. 119 Montag, den 30. Mai. 1904. Oberbessische Familienzeitung. Tägliche Unterhaltungs- Beilage der Gießener Neueste Nachrichten. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1788); verantwortlich: Albin Klein. (( 8. Fortschung.) Die Rache ist mein. Originalroman von Ottomar Beta Franziska nickte Erich zu und reichte ihm die Hand, welche er in plötzlicher Ergriffenheit inbrünstig an die Lippen führte. ,, So habe ich mir den Sohn gedacht, dessen Mutter jene Briefe schrieb," sagte sie, ihm sanft die Hand entziehend. Dann crrötete sie tief und beugte sich über ihre Stickerei. Aber um einer nicht erwünschten Pause vorzubeugen, beschrieb sie ihm nun die Lage der Gräber seiner Eltern. ,, Wir haben cin Lieblingswort Ihres Vaters auf den Stein setzen lassen: Sumus umbra." Fiebiger kehrte zurück, Stöberer folgte. Also Herr Staudius will uns schon wieder verlaffen...?" Erich erhob sich. Er blickte auf die beiden Herren, als wenn ihnen jenes Motto auf der Stirn geschrieben stünde. Leider muß ich," sagte er, ich werde genötigt sein, eine Wohnung im Speicher zu beziehen... das ist mir zur Bedingung gemacht worden; keine sehr angenehme, aber da ich einmal zusagte, so muß ich schon an dem Pakte festhalten. Indessen es hat damit keine übermäßige Eile." ,, Bei uns hätten Sie es besser gehabt, Herr Staudius," schmunzelte Stöberer, sich verlegen die Hände reibend. Wir hatten uns das so schön ausgedacht, alles so schön zufammengereimt. ,, Nicht wahr?!" rief der alte Fiebiger;„ nun, vielleicht kommt das noch alles in Ordnung. Ich höre, lieber Erich, daß Herr Stöberer Sie von unseren Plänen unterrichtet hat. „ Herr Stöberer hielt es für angemessen," sagte Erich. „ Ich danke für das mir geschenkte, in diesem Falle durchaus ungesuchte Vertrauen. Ich lehne jede Verantwortung der Konsequenzen ab." Diese trägt ein anderer," schmunzelte Stöberer mit breitem Grinsen. ,, Das freut mich," sagte Erich. Dann empfahl er sich. Es trieb ihn nun doch, zunächst die Gräber seiner Eltern aufzusuchen. Denn obwohl, wie Franziska sagte, Gott ein Gott der Lebendigen ist und nicht der Toten, so sind wir Menschen, doch am irdischen haftend, auch dem Staube noch verwandt und ihm zugetan, der im Schoße der Erde ruht. Wir sind dem Schatten ähnlicher als wir wähnen. Sumus umbra. 3ehntes Kapitel. Herr Moritz hatte allerdings den Bureauvorsteher des Justizrats veranlaßt, jene Frühstücksunterhaltung mit Erich zu pflegen. Er selber fand sich denn auch am Nachmittage ein, um sich über den Erfolg derselben zu unterrichten. Er var nicht in rosiger Laune. Denn seine eigenen Nachforschungen in der Stadt und am Hafen waren im gewissen Sinne ergebnislose gewesen, oder vielmehr, sie waren an ür ihn höchst unerwünschten Ergebnissen sehr reich. Er bat Stöberer zu sich empor in seine große, elegant eingerichtete, aber trotzdem öde Garçonwohnung im Obergeschoß des Staudiusschen Hauses; und Stöberer gehorchte Nachdrud verboten); ihm, würde ihm selbst gehorcht haben, wenn auch dringende Geschäfte im Bureau des Justizrats vorgelegen hätten. ,, Nun, Stöberer?" „ Es war vergebens, Herr Morit." Ein Fluch entfuhr den Lippen des Kaufmanns. „ Er hat sich an die Amerikaner versagt und will sein Wort nicht brechen, indessen in einem Punkte hat er nachgegeben. ,, Nun?" „ Er wird das Haus räumen und im Speicher Wohnung nehmen." " In welchem? Riet hat bereits sämtliche leere Speicher gemietet, die zu haben waren," grollte Herr Moritz, das e- sicht verziehend. Sie werden ja hören, was da vorgebt. Ein Teil meiner Träger sind mir schon davongelaufer. " Ich riet Ihnen stets, Sie sollten mit den Leuten ein festes Abkommen treffen," erwähnte Stöberer, mun fönnen Sie sie nicht einmal polizeilich belangen." Wer konnte so etwas voraussehen... und ich petie doch, dieser hergelaufene Tunichtgut... er steckt dahinter," Knirschte Morig. Wohl möglich, und das wird ja auch nicht lange ein Geheimnis bleiben. Vorläufig wissen wir mir, daß er von einem Sträfling Geld borgt und... Bodenmeister wird mit einem Freilogis im Speicher, gleichsam Nachtwächter. Wenn er wirklich als Kapitalist beteiligt müre, wie Sie vermuten, so würde er keinen Grund haben, daraus einen Hehl zu machen!" ,, Meinen Sie?" Diese Worte sprach Herr Morit mißtrauisch und abweisend. Dann ging er auf den schweren Teppichen, mit denen seine halbdunkeln Gemächer belegt waren, unruhig auf und ab, mit dem lautlosen Tritt des Panthers. ,, Welches Motiv..?" fragte Stöberer heimlich lächelnd; aber Moritz achtete seiner nicht. Plötzlich fuhr er halb ingrimmig, halb weinerlich heraus: „ Ach!... Mir ist das Leben zuwider... ich kann nicht sagen, wie!" Dabei ballte er seine kleine elfenbeinfarbige Faust, als wollte er jemand erdrosseln, und seine Augen funkelten im Finstern. Die ganze Gestalt, das gelbliche Gesicht, das schwarze, kurze Haar erinnerten wirklich an einen Napoleon, dessen Ehrgeiz sich auf dem Boden des Handelsmonopols austobte. Stöberer räusperte sich. „ Wenn Riez," sagte er leise, gleichsam hörbar sinnend, nur vorgeschobene Person ist, dann könnte man jene Leute, die sich seiner bedienen, überbieten." Morig stieß einen unartikulierten Schrei aus. " Jene Leute hätten sich also den rechten Mann ausgesucht, meinen Sie," fann Stöberer weiter, einen Mann, der die Geschäftslage genau kennt, der auf demselben Boden mit Ihnen schon Schlachten geschlagen und verloren hat und mit Lust bei der Sache ist." „ Hol's der...! Sie haben sämtliche schwimmende Ladungen aufgenommen und bar bezahlt," knirschte Moritz, 2800,00 405,90 bergeben werden mtliche, als aug beziehen können lag 9, Zimmer gungen liegen im cfelben stattfindet orf a. d. Lda. ab mittage 4 Uhr Kreises Gießen. aumannia- Seife ten besitzt als geute Haushaltungsseife erforderlichen ade, die für eine Weil nter keine in so al, billig, enschaften, alle Waschzwecke per Stück liebt machen. Str. 12 onneme Saus g Bestiebell und Dat Bl Am legten nahezu ohne Bunn eröffnet. trächtiges Buj des Vereins jchaftlichen Au der kird renz, Buftande geto batten Deleg magent allen Frager Der Kurjus die Arbeiterb öffentlichen unterworfen. ein halbes ein deutschen Hei Lic. Mu reicherung Wolfsafaden Programm auf geistiger Wissenscha Mittel habe fluk teilhaf auch die m น อ çuagiaa ,, und wer kann wissen, wie es in Kronstadt, in Riga, in Reval aussieht. Der Telegraph spielt schon seit heute früh. Meine Reise wäre vergebens gewesen." Herr Moritz winselte jetzt beinahe vollends; er hatte versucht, die Preise zu drücken, und nichts schmerzt so sehr, als wenn sich eigene Ungerechtigkeiten an uns rächen. ,, Das nennen sie in Amerika einen Corner," meinte Stöberer ,,, kommt plötzlich wie ein Tornado. Da muß man abwarten... der Rückschlag bleibt nicht aus." Inzwischen machen diese Leute ein Riesengeschäft und lassen einem die leeren Stoppeln!" schrie Moriz. Darauf kann man verhungern. Und dazu kommt, ich habe doch Abschlüsse gemacht nach London und muß liefern. Stöberer, Stöberer! Wenn Sie mir Klarheit verschaffen, daß ich weiß, wer dieser jemand ist, daß man ihn... ihn... Er erstickte fast in seiner Wut und schwieg notge drungen. Inzwischen," so spann Stöberer den Faden seiner hörbaren Gedanken weiter, inzwischen können Sie die Unternehmung in Bredow betreiben, die Maschinengießerei und Schiffsbauanstalt. Das bietet die Grundlage zu einer Aktiengesellschaft, an der sich ganz Deutschland beteiligen wird. Geld in Hülle und Fülle wird dadurch in Ihre Kassen geführt. Steine sammeln und Steine zerstreuen, alles hat seine Zeit, auch das Getreidegeschäft." „ Wahr,“ stieß Moritz beraus und trat vor Stöberer hin, ihm mit unsicheren Flackern in die Augen sehend, das ist wahr! Und inzwischen noch eins, Stöberer, inzwischen nicht vergessen, daß wir einen Feind in unsern Mauern haben, den es gilt, unschädlich zu machen, so unschädlich wie eine fote Kaze... Bah!" Moritz wandte sich wiederum hastig ab und lief wiederum hin und her. Stöberer sah ihm mit einem Ausdruck nach, der Haß und Verachtung und lauernde Berechnung verriet. Dieser jemand," sagte er nach einer Pause mit etwas veränderter Miene, zieht morgen oder übermorgen aus." Mir gar nicht recht," murrte Moritz,„ ich hätte gewünscht..." Er verstummte. Stöberer schien es gewöhnt zu sein, auf bloße halbe Andeutungen hin zu erwidern, vielleicht auch zu handeln. Sie würden es gerne sehen, wenn er Ihnen trotte?" sagte er. " Ich will mir über diesen hergelaufenen Burschen Klarheit verschaffen," knirschte Morit; ich will, daß er meine Wege nicht mehr durchkreuzt, ich will, daß man diesen meinen Willen hier im Hause respektiert, aber ich wünsche, meiner seits nicht mit ihm in einen Konflikt zu geraten." „ Er ist ohnehin selbst klug genug, einem Konflikte auszuweichen," sagte Stöberer, und Ihnen jede Gelegenheit zu nehmen, Ihren Willen geltend zu machen, da er auszieht." Sehr rücksichtsvoll... sehr; aber noch ist er hier, noch wohnt er unter diesem Dache... man muß schneller sein als er...!" Moritz hatte etwas Herrisches in seinem Wesen, und dieses Element schien er Stöberer gegenüber ganz vornehmlich her auskehren zu wollen. Stöberer schrumpfte ein wenig darunter zusammen. Ich verstehe nicht recht, verzeihen Sie, Herr Moritz. Sie sagten soeben, Sie hätten Lust zu einer Demonstration." ,, Nein," sagte der junge Kaufmann,„ ich will rekognoszieren... sicher sein; es soll auch etwas Entscheidendes geschehen; aber muß denn der Feind wissen, was ihm bevorsteht? Er verachtet mich, Stöberer, er wähnt mich vernich ten zu können." Bei diesen Worten sah Moritz dem Bureauvorsteher beinahe drehend in die Augen und dieser zuckte wie zu seiner Entjduldigung mit den Achseln. Habe alles getan, Herr Morig," hüstelte er,„ ich glaube, ich war beredt wie Cicero, um ihm oder seinen Amerikanern das Geschäft zu empfehlen, aber er wollte nicht oder konnte nicht. Man kann sich ja täuschen. Er ist wohl weniger einflußreich als Sie denken, Herr Morib, sonst würde er doch in irgend einer Weise sich verraten haben. Man muß seine Hinterniänner ausfindig machen, das geht nicht heut und morgen." ,, Aber etwas anderes ginge heut und morgen, Sie sind doch sonst so erfinderisch, Stöberer," knirschte Moritz heiser und fast toulos, bohrte seine Blicke in die Augen des Sklaven, wandte sich ab und schritt unruhig hin und her, lautlos wie eine Kate. " Ich fahre morgen früh zu Ihrer Frau Mutter hinaus," fuhr Stöberer nach einer Pause und mit listigem Seitenblick und frostigem Tone fort, um Rechnung zu legen. Da fehlt es wieder am Zins... man macht eine Observanz aus dem niedrigen Prozentsatz, den man während der letzten Jahre zahlte." Ja, und man beherbergt unsere Feinde. Sie brauchen meiner Mutter weiter nichts zu sagen, als daß Erich Staudius hier ist und im Hause waltet, als wäre es bereits wieder sein eigenes, daß er alle Vorschläge zurückweise, daß er daß er ein erklärter Feind ist, den man vernichten muß!" Moritz trat abermals vor den Bureauvorsteher hin und faßte seinen Arm. Stöberer," flüsterte er listig, vernichten! Höflich bis an die letzte Galgensprosse; aber gehangen muß er werden. Auch meine Mutter soll ihm so liebenswürdig begegnen wie ehedem der alten Großmutter. Zu derlei Arbeiten wissen Sie ja wohl unter Ihren Klienten Leute, die ohnehin das Zuchthaus in Sicht hätten..." Stöberer wich weiteren Blicken, Berührungen und Andeutungen in demselben Sinne aus. Er verbeugte sich, um seine erdfahle Gesichtsfarbe zu verbergen und sagte devot: " Ich werde Ihren Wunsch erfüllen." Dann verließ er ohne weiteres das Zimmer. Moritz, in dieser Weise allein gelassen, sah betroffen auf die Türe, die sich hinter Stöberer schloß. Er wollte ihm nachstürzen, dann prallte er wie vor einem Schatten zurück und schlug sich vor den Kopf. Er war es nicht gewöhnt, daß Stöberer ohne förmliche Entlassung sich ihm gleichsam entzog. Taumelnd warf er sich in die Polster eines Diwans und starrte einige Zeit vor sich hin, er starrte Goldleisten und Stuck, Kandelaber und Kronleuchter an, als ob alle diese Gegenstände ihm näherrücken und ihn erdrücken wollten. Dann geriet er in Angst und Aufregung und feuchte wie von einem Alp besessen; er wühlte in dem Bärenfell, mit welchem er sich halb bedeckt hatte, zog eine schwere Decke von dem vor ihm stehenden Tisch herab und stieß einen Schrei aus: „ Verjährt!" Eine bemalte Astrallampe, wie sie damals in Aufnahme kamen, und andere Porzellane fielen zu Boden. Der Bediente stürzte Herein und rang die Hände, als er seinen feuchenden Herrn und Gebieter in diesem Chaos wühlen sah. Der richtete sich nun auf und stützte sich auf die Hand. Dabei schnitt er sich in einen Scherben und sein Blut quoll hervor. Bei dessen Anblick bebte er und erhob sich bleich und zittternd. Es war nur eine kleine Wunde, aber er starrte darauf hin wie ein vom Blitz Getroffener... lange Zeit, als müßte er sich auf den Zusammenhang der Dinge besinnen. Dann ergriff er den Arm seines Dieners und ließ sich von ihm in sein Schlafzimmer führen. Er war wie gelähmt. „ Ein Anfall," stöhnte er, weiter nichts... Wasser, Arnika, Verbandzeug. Es ist nichts... es ist nichts." Eine Stunde später, nachdem er sorgfältig Toilette gemacht hatte, trat er nach seiner Gewohnheit beim Justizrat ein und meldete sich zu einer Tasse Tee. Erich war vom Kirchhof zurückgekehrt, in ernster Stimmung, und Franziska ihrerseits bemüht, ihn aufzuheitern. Moritz konnte es nicht entgehen, daß er in diesem Kreise, trotzdem er doch sonst fast täglich in demselben verkehrte, wie ein Fremdling erschien. Er selbst freilich wußte es nicht, daß eine Kälte von ihm ausging und fast fühlbar das trauliche Gemach durchwehte. Er gab sich überdies mit einer fünstlichen Unbefangenheit, die nach den Ereignissen des Tages völlig unverständlich blieb, bizarren Einfällen hin. Er erwähnte der kritischen Vorgänge nicht einmal, sondern bat nur um Entschuldigung, daß er trotz seiner verbundenen Hand sich nicht enthalten könnte, der angenehmen Gesellschaft seiner Hausgenossen teilhaft zu werden. Er erklärte die kleine Verletzung beim Aufziehen einer Flasche bekommen zu haben, die der Tölpel von Bedienter ihm unentforkt vorgesetzt hätte. Er entkorfte seinen Wein übrigens immer eigenhändig. „ Und zu wann darf sich mein Mütterchen auf Ihren so sehr ersehnten Besuch vorbereiten?" fragte er im Laufe gleichgültiger Gespräche, zu Erich gewendet. Erich war etwas verwirrt, aber er faßte sich schnell. ,, Am Sonntag... das ist morgen, morgen also, wenn das Wetter..." ( Fortseßung folgt.)) Wenn es dir übel geht, nimm es für gut nur immer. Wenn du es übel nimmst, so geht es dir noch schlimmer. Der beste Wein. Skizze von Adolf Stein. ( Nachdruck verboten.)) Die Worte des Psalmiſten David:„ Der Wein erfreut des Menschen Herz!" sind bis auf den heutigen Tag noch nicht widerlegt worden und gegen den Kettenschluß jenes Trinkers: ,, Guter Wein macht gutes Blut, gutes Blut gute Laune, gute Laune gute Gedanken, gute Gedanken gute Werke, die zum Himmel führen, folglich führt der Wein zum Himmel," läßt sich, wenn man des Guten nicht zu viel tut, auch nichts einwenden. Nur fragt man sich unwillkürlich: Welcher Wein ist der größte Freudenspender? Welcher bringt uns am Leichtesten, angenehmsten und sichersten in Abrahams Schoß? Die Antwort darauf ist nicht leicht, denn bekanntlich gibt's viele Weinsorten. Zu Plautus' Zeiten waren im alten Rom schon viererlei Arten süßen Weines bekannt; der große Cato fannte bereits acht Sorten italienischer Weine. Schade nur, daß er uns nicht gesagt hat, welche darunter für die beste gehalten wurde. Plinius rühmt den Mamertiner, Vater Horaz den Falerner, Hortensius, ein Nebenbuhler Ciceros, lichte beide Sorten zugleich und außer ihnen auch noch den Cyperwein. Dieser große Redner hinterließ seinen Erben eine Bibliothek von- zehntausend Eimern, womit er ihnen jedenfalls mehr Freude gemacht hat, als der Ankläger Catilinas den seinigen mit den oratorisch- meitschweifigen Werken. Jetzt gibt es Tausende von Weinsorten. Aber welche da runter ist die beste? Schon im Jahre 1652 geriet die medizinische Fakultät zu Paris auf den Einfall, einen Preis auszuschreiben für die beste Beantwortung der Frage: ob der Champagner dem Burgunder, oder umgekehrt der Burgunder dem Champagner vorzuziehen sei? Es sollen damals über 1000 Abhandlungen eingelaufen sein, von denen zwei Drittel dem Champagner den Vorzug einräumten. Erst 50 Jahre später trat ein Herr J. B. de Salins für den Burgunder in die Schranken und bewies in seiner Défense du vin de Bourgogne contre le vin de Champagne", Luxembourg 1704, daß der letztere weit ungesünder als der erstere sei. Im Jahre 1711 gab diese hochwichtige Frage in Frankreich Veranlassung zu einer literarischen Fehde zwischen zwei der berühmtesten Professoren der Universität zu Paris. Der eine, Benigne Grenan( geboren 1681 zu Noyers in Burgund) hatte, aus Liebe zu seinem Vaterlande, den feurigen Burgunderwein in einer nicht minder feurigen Ode in lateinischer Sprache besungen. Der andere, Charles Coffin( geboren 1676 zu Buzanci bei Rheims) hatte sich dagegen zum Kämpen des brüselnden Champagners aufgeworfen und in einer gleichfalls lateinischen Ode die Vorzüge seines schäumenden Landsmanns mit so vieler Glut und Begeisterung verteidigt, daß Meister Grenans Gedicht dadurch einen schweren Stand bekam. Infolge dieses poetischen Wettkampfes hatten sich unter den Weintrinfern der Hauptstadt zwei Parteien gebildet: die Grenaner hielten es mit den Weinen von Burgund, die Coffinisten mit den Weinen der Champagne. Beide Parteien standen sich so feindlich gegenüber, wie einst zu Justin I. Zeiten die Blauen und Grünen in Byzanz, wie zu Dantes Zeiten die Neri und Bianchi in Italien. Professor Grenan, der mit Schrecken gewahrte, daß seine Partei, welche die kleinere war, früher oder später der stärKeren unterliegen müsse, gebrauchte die List, einen der berühmtesten Aerzte der damaligen Zeit, den Professor GuiCrescent Fagon, in sein Interesse zu ziehen und denselben zu bewegen, deni Champagner den Krieg zu erklären. Fagon, der für jeden Pariser, welcher seine Gesundheit liebte, ein Orakel war, erklärte, daß der Champagner Bestandteile enthalte, die dem menschlichen Organismus durch aus nicht zuträglich seien: das kohlensaure Gas erzeuge Magensäure und lege den Grund zu einem krampfhaften Hautjucken, das, in der Medizin unter dem Namen Prurigo bekannt, eine schwer zu beseitigende Rolle spiele. Zehnmal gesünder sei der kräftige Burgunder, der dem Körper eine wohltuende Wärme und eine gewisse Spannkraft verleihe, die selbst in krankhaftem Zustande von heilbringender Wirfung sei. • Durch diese Erklärung verlor der Champagner einen großen Teil seiner Anhänger, die ins feindliche Lager übergingen und sich der Fahne des Burgunders anschlossen. Meister Grenan triumphierte öffentlich, im Stillen aber ließ er seinem Feinde volle Gerechtigkeit widerfahren und trank, wenn er allein war, den Champagner lieber als den Burgunder. Natürlich durfte dies niemand erfahren, sonst hätten ihn den Meister Grenan nämlich seine Anhänger gesteinigt. Unter dem Siegel der größten Verschwiegenheit ließ Professor Grenan von einem seiner treuesten und verschwiegensten Diener in Paris den allerfeinsten Champagner, der durch Fagons Erklärung im Preise gesunken war, aufkaufen und die großen Vorräte nachts, da alles schlief, in seine Wohnung bringen. Jeder andere an seiner Stelle würde die Flaschenkörbe in dem Keller untergebracht haben; Meister Grenan aber glaubte sie dort nicht so sicher, als in seinem Zimmer; hier versteckte er jede Flasche in ein eigens dazu bestelltes Bücherfutteral, auf dessen Rücken er mit goldenen Buchstaben den Namen eines römischen Klassikers drucken ließ. So prangte in seiner Bibliothek nun eine lange Reihe von Einbänden, in denen das uneingeweihte Auge Horaz' Oden, Catulls Liebesgedichte, Ovids Metamorphosen, Theokrits Idyllen, die Lustspiele von Terenz und Plautus, Martials Epigramme und Persius' und Juvenals Satiren erblickte, während sie nichts weiter als die Flaschenhülle ausgezeichnet feiner Champagner- Weine waren. Und um Platz für neue Antäufe zu gewinnen, ließ er einen Teil seiner unnüßen Bücher in den Keller schaffen. Coffin, der die Zahl seiner Anhänger von Tag zu Tag kleiner werden sah, gebrauchte nun eine andere List, um den Champagner, der immer mehr aus der Mode kam, von neuem zu Ehren zu bringen. Eines Morgens schickte er fünfzig Flaschen des allerfeinsten Deil de Perdrix an den Herrn von Fontenelle, Mitglied der Akademie und einem der einflußreichsten Mitarbeiter des Journal des Savants", mit der Bitte, sich huldreich des durch Grenans und Fagons Intrigue unterdrückten Champagners anzunehmen und durch die Macht seiner Feder und den Einfluß seiner Beredtsamkeit zu beweisen, daß der Ausspruch eines Fontenelle in Frankreich mehr Widerhall finde, als die verdächtige Drakel- Weisheit eines armseligen Arztes, der die Tugenden des Champagners ebensowenig, wie ein Blinder die Schönheiten einer Raphaelischen Madonna, zu begreifen wiſſe. „ Ich lege is flot tiefer Brief das Schicksal meines aus gerechtem Zorne überschäumenden Landsmannes in Ihre Hand und an Ihr für alles Schöne hochbegeistertes Herz und überlasse mich der süßen Hoffnung, daß Sie, mächtiger als Fagon, den armen, schwer verkannten Champagner zu neuen Siegen führen und durch den Zauber Ihrer Poefie unsterblich machen werden." Der Weihrauch, den Meister Coffin dem berühmten Verfasser der„ Dialogues des morts" und der Lettres du Chevalier d'Her..." gestreut hatte, verfehlte seine Wirkung nicht. Kizelnd wie das kohlensaure Gas des Champagners stieg ihm die feine Schmeichelei des gelehrten Professors in die Nase; er öffnete eine Flasche des Deil de Perdrix, trank ein Glas auf die Gesundheit des galanten Gebers und war seit jenem Augenblick der eifrigste Verehrer, der unermüdlichste Verteidiger des durch Jagon arg verdächtigten Champagners. Wir wollen sehen, sagte der Panegyriker der Akademie, wer von uns beiden mehr Glauben findet: Fagon der Arzt oder Fontenelle der Journalist. In der nächsten Nummer des Journal des Savants" erschien ein sehr ausführlicher Artikel, worin die zwischen Grenan und Coffin schwebende Streitfrage über die Vorzüge beider Weine mit großer Gelehrsamkeit und folossaler Belesenkeit von allen Seiten beleuchtet und am Schlusse gesagt wurde, daß es nach diesen schlagenden Beweisen nicht mehr dem kleinsten Zweifel unterliege, daß ein Glas Champagner der menschlichen Gesundheit zuträglicher sei, als eine Flasche Burgunder. Der einzige Wein, der unserem von Grillen gequälten Geiste den Segen der Fröhlichkeit einimpfe, sei die moussierende Milch der Champagne. Der Champagner ist der Don Juan der Weine, der alle Frauenherzen besiegt, der Talisman, der uns den goldenen Schlüssel zu den Rosenpforten der Liebe leiht, die Zauberschwinge, die uns aus dem Arbeitern ab, daß die ben nach 933 feiten Kräfte bereit redtfamkeit u Crampite Lab jpruch aufgef hervorgehobe bildungs hört, das die über die int für die als Ver sieht. 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