angsanlagen. Serversorgungs n und Lieferungen , Kreis Lauter iten cbm), nd Verlegung en werden. Der unterzeichn oßh. Bürg Bedingungen fendung bon 1 ziehbar. der Vordrucke drift bersehen mittage 12 Be 29 einzureid Frete Auswa Wochen. Gießen. ieferungen für sollen im A schl. zu 522 3250 " " " " 1 1900 2850 1520 4550 1225 Bureichen, woselb seit in Gegenwart Nr. 101. Zweites Blatt. Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., In's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen vierteljährlich Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberhefftsche Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Samstag, den 30. April 1904 Gießener 13 Jahrgang. Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz OberHessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. fonit 15 Pfg. Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 83. Fernsprechanschluß Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Unabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. ,, aferlofe Pläne". ( Ein Interview.) Unsere Zukunft auf dem Wasser" bildet in polifischen Zirkeln wieder einmal das Tagesgespräch. Von den Menßerungen bei den kürzlich abgehaltenen Verhandlungen des Deutschen Flottenvereins ausgehend, schwirren Gerüchte umher von„ uferlosen" Plänen, die im Reichsmarineamt ausgeheckt worden seien und über kurz oder lang dem Reichstag unterbreitet werden sollen: Pläne zum übermäßigen Ausbau unserer Flotte, die der augenblicklichen Finanzkraft des Reiches geradezu Hohn sprächen. Daß die öffentliche Meinung durch derartige Gerüchte beunruhigt werden muß, liegt auf der Hand. Unser Berliner CB- Mitarbeiter hielt es daher für seine publizistische Pflicht, an einer der zuständigen Stellen eingehende Informationen einzuziehen. Dort wurde ihm folgendes mitgeteilt: bei der unter ngebote bafi en und find be Die Verhandlungen des Deutschen Flottenvereins haben Der Auffart ber dem deutschen Volke und wohl auch den verbündeten Regie: borm. 11hrungen das Ziel gezeigt, welchem das Reich, wenn es wirksame Heim- und Weltpolitik treiben will, zuſtreben muß: die Verstärkung der deutschen Wehrkraft zur See! Freilich, über das Tempo, in welchem auf diesem Wege vorzuschreiten ist, dürfen ohne Schädigung der im Prinzipe übereinstimmenden Anschauungen, die Ansichten geteilt sein. Dem Deutschen Flottenvereine, dessen klärende und vorbereitende Tätigkeit unseren maßgebenden Marinefreisen ja selbstverständlich nur hochwillkommen sein kann, erscheint das im gegenwärtig zu Recht bestehenden Flottenban gesetze vorgesehene Tempo bei weitem zu langsam. Er wünscht zu den beiden in Aussicht genommenen Linienschiffsgeschwadern bis spätestens 1912 ein drittes hinzuzufügen. Diesen Eifer in allen Ehren.... aber unsere leitenden Streise haben nicht nur mit den techniſchen, miliGießen. Die Lieferung b kartoffelt bergeben werden Bedingungen liegen 3-5 Uhr auf dem entsprechender Auf on Probelartoffeln, Stag, den 5. Mai tärischen, sondern auch mit den politischen, parlamentariſchtaftischen Realitäten und Möglichkeiten zu rechnen. Wie eine genaue Prüfung der einschlägigen Verhältnisse ergeben hat, wäre allerdings die deutsche Industrie nunmehr im Stande, jede an sie herantretende Aufgabe auf dem Gebiete des modernen Kriegsschiffsbaues prompt zu lösen; ein drittes Liniengeschwader wäre also ohne Schwierigkeit in verhältnismäßig kurzer Frist erbaut. Auch das durchschnittliche Maschinen- und Matrosenpersonal wäre zu schaffen. Aber schon ein hinreichend gut geschultes, durchgebilnoben erwähntendetes Offizierkorps wäre in einigen wenigen Jahren recht Mai 1904. rischen Blinik. arbeiten erialerlag bor ach vorkommende ng gestellt: Erbauung cbm Erdaush Sadfteinmauerwe f.): ein, 1,3 cbm น. j. f.) eldach); schwer in der erforderlichen Kopfzahl zu erlangen. Und in noch weit höherem Maße würden sich Schrierigkeiten ergeben bei der Bedienung der schweren Bestückung und anderer Spezialapparate an Bord so großer Schlachtschiffe. Auch die Torpedoarmierung und ihre sach- und fachgemäße Verwendung erfordert ein mehrjährig ausgebildetes Personal. Beispielsweise kann an 28 3tm.- Geſchizen beim besten Willen als Geschüßführer kein Mann Verwendung finden, der 2 oder 3 Jahre Bord- und Geschützdienst geübt hat und an Maschinen-, Schnellfeuergeschützen u. s. w. die genügende Handfertigkeit erworben hat. Die schweren Kalibergeschütze der modernen Marine stellen die allerhöchsten Ansprüche an den Führer in technischer wie moralischer Hinsicht und an den zuständigen Stellen der Reichsmarine hält man mit vollem Rechte daran fest, daß gerade diese Geschüßzführer ert Elite artilleristischer Tüchtigkeit und Schwierigkeit darstellen. Zur ausreichenden Heranbildung zu diesem Ziele aber gehören mindestens 6-8jährige ſyſtematiſche Vor- und Ausbildung. Schon aus diesen furzen Angaben erhellt zur Genüge, daß das Tempo unserer Flottenausbauer, ganz abgesehen von der Unzulänglichkeit der Reichsfinanzlage, von der AbAbfallrohre u geneigtheit großer parlamentarischer Parteigruppen und f); 22 Türen u. en- und Wand hlag bon 22 6 bet uns wäh Snahme Mont bon 10 Uhr bo schaft bon hi liegen. Arbe rets abgegeben. frei, berigloffen henden Angeb 33., vorm. 11 amt. bon der nicht in allen Bundesstaaten gleichmäßigen Flottenfreudigkeit", in ein richtig abgemessenes Verhältnis zur rauhen Wirklichkeit, zum praktischen Können gebracht werden muß. Ein überraschendes Todesurteil. ( Von unserem Gerichtsberichterstatter.) § Berlin, 29. April. Die Geschworenen haben den Angeklagten des Mordes chuldig befunden. Für dieses Verbrechen kennt das Gesetz nur eine Strafe: den Tod. Das Gericht verurteilt den Angeklagten daher zum Tode." Mit diesen Worten verkündigte der Vorsitzende des Gerichtshofs das Urteil im Dallgower Battenmordprozeß. Man geht wohl nicht fehl, wenn man in ihnen den, allerdings sehr diplomatisch verklausulierten Ausdruck einer gewissen Ueberraschung und Verwunderung erkennt, den der Wahrspruch der Geschworenen in dem Vorizenden auslöfte. Eine Ueberraschung, die im Auditorium sichtlich allgemein geteilt wurde, deren Effekt aber wohl am deutlichsten beim Angeklagten zutage trat, dem es trotz aller Anstrengungen, seine bis dahin zur Schau getragene kühle Ruhe zu bewahren, doch wie ein elektrischer Schlag durch die Glieder zuckte. Darauf war er nicht vorbereitet gewesen. dagen doch, nachdem die ärztlichen Gutachten auch nicht den Teisesten Anhalt eines positiven Verdachtes ergeben hatten, die Chancen für ihn so günstig, daß seine Verteidiger es verschmähten, überhaupt die mildere Unterfrage auf Totschlag zu ventilieren, sondern direkt auf Nichtschuldig plädierten. In der Tat, was konnte denn als bewiesen angesehen werden? Unstreitig doch nur, daß, wenn die Frau Walther in Dallgow ermordet worden war, auf niemand ein dringenderer Verdacht lasten könne als auf ihrem Ehemann, von dessen Charakter die Verhandlung ein abschreckendes Bild ergab. Walther entpuppte sich als ein gewissenloser Mädchenjäger, der trog aller scheinheiliger Reden sicherlich seine erste wie auch seine zweite Frau, deren rätselhafter Tod den Ausgangspunkt des jetzigen Prozesses bildet, in der gemeinſten Weise behandelt und mißhandelt hat. Ebenso ergab es sich zur Evidenz, daß ihm alles daran gelegen sein mußte, von seiner Frau loszukommen, da er eine neue Ehe einzugehen gedachte. Daß es ihm bei seinem moralischen Tiefstande schließlich gleich gewesen ist, ob diese Trennung im Guten oder Bösen bewerkstelligt werde, wenn sie überhaupt nur erfolgte, ist ebenfalls einleuchtend. Ein Mann wie Walther schreckt vor einem Morde nicht zurück. Die Kenntnisse, die er aus seiner Praris als Heilgehilfe von schnell betäubenden und schwer nachweisbaren Giften besaß, fügen den belastenden Momenten ein neues Gewicht gegen ihn hinzu. Und doch ist die Beweisfette nicht geschlossen, da sie sich auf einer gänzlich unerwiesenen Voraussetzung aufbaut. Um zu dem Schluß zu kommen, daß Walther der Mörder ſeiner Frau iſt, muß doch erst feststehen, daß diese wirklich ermordet ist. Und über diesen Punkt herrscht nach den medizinischen Gutachten berechtigtes Zweifel. Eigentlich besteht überhaupt nur der schwache Schimmer der Möglichkeit einer Ermordung. Der Befund spricht mit großer Wahrscheinlichkeit für einen Selbstmord. Die Strangulierungsmarfe war die typische. Wäre die Tote vorher erdrosselt und nachher aufgehängt worden, hätten sich zwei Streifen am Halse finden müssen. Für die Annahme, daß Frau Walther durch ein Gift betäubt und dann aufgehängt worden wäre, ergab sich durch die chemische Untersuchung nicht der geringste Anhalt. Die Leichenteile waren allerdings schon zu stark verwest. Einen lebenden Menschen aber derart in halb sitzender Stellung aufzubängen, wie es bei der Toten der Fall war, ist ein Ding der Unmöglichkeit: ergo mußte Selbstmord angenommen werden. Troßdem ist Walther als Mörder zum Tode verurteilt worden! Die Geschworenen haben sich in diesem Falle eben durch die innere Stimme in ihrer Brust leiten lassen, die ihnen sagte: Der Mann da ist ein Mörder, wenn es ihm auch nicht haarscharf bewiesen ist. Er hat con dies sein Werk so schlau angelegt, und ist außerdem durch zufällige Umstände derart begünstigt worden, daß eine Lücke in den Indizienbeweis gerissen ist. Aber was gegen ihn spricht, ist schwerwiegend genug, um diese Lücke auszufüllen. Die Volksstimme wird den Geschworenen vielleicht recht geben. Vom Standpunkt des reinen Rechts aus, das nur nach Tatsachen, nicht nach Eindrücken und Stimmungen seine Entschließungen trifft, erregt der Urteilsspruch starke Bedenken. Im Zuschauerraum fragte man sich auch, weshalb nicht mindestens die Unterfrage auf Totschlag gestellt sei, die manchem Geschworenen gewiß recht willkommen gewesen wäre. Nach der Verkündung des Todesurteils ab hörte man einhellig die Ansicht, daß die Verteidigung die Pflicht habe, die Umwandlung des Todesurteils in Zucht ausstrafe im Gnadenwege anzustreben. Und die Ueberzeugung ist allgemein, daß diesem Gnadengesuch entsprochen werden wird, wenn es nicht gelingen sollte, das Rechtsmittel der Revision einzulegen. Vermischtes. *[ Kayser Wilhelm 1. und Franz Joseph.] Die Erörte rungen über eine mögliche Begegnung unseres Kaisers mit dem Präsidenten Loubet das Schiff unseres heimkehrenden Kaisers und das des Präsidenten der französischen Republik sollten sich nach französischen Zeitungen in den italienischen Gewässern so nahekommen, daß per distance eine Art von Begrüßung ausgetauscht würde- haben eine interessante Erinnerung wachgerufen. Kaiser Franz Joseph bon Desterreich konnte es nach 1866 lange nicht über sich gewinnen, König Wilhelm I. von Preußen wiederzusehen und ihm Auge in Auge zu begegnen. Der letztere dachte anders. Als er 1867 in Baden- Baden zur Kur weilte und erfuhr, Kaiser Franz Joseph werde auf seiner Reise ganz nahe bei Baden- Baden vorbeifahren, begab er sich nach der Eisenbahnstation Dos, um dem durchfahrenden Gegner von 1866 wiederum die erste Höflichkeit seit dem Vorjahre zu erweisen. Kaiser Franz Joseph wurde von der Anwesenheit des greisen Königs von Preußen auf dem Perron des Bahnhofes der Vorstation von Baden- Baden rechtzeitig in Kenntnis gesezt. Er nahm aber, obgleich sein Zug mit verminderter Geschwindigkeit an der Station vorüberfuhr, von dem in großer Uniform erschienenen König Wilhelm nicht nur feine Notiz, sondern hatte am Fenster mit abgewandtem Gesicht Plaz genommen. Je mehr sich später die politischen und persönlichen Beziehungen zwischen Wien und Berlin wieder besserten, um dann zu einer Erneuerung der alten Waffenbrüderschaft auf besserer Grundlage zu führen, um so weniger ließ der Vorgang auf dem Bahnhofe in Dos ein Stachel zuru in der Seele eines so großherzigen wconarazen, wi. König Wilhelm I. war. [ Ein Heiratsantrag an König Christian von Dänemark] wurde von einer Kopenhagener Dame gerichtet, die sich natürlich als geistesgestört herausstellte. Der König pflegt allwöchentlich öffentliche Audienz zu geben, zu der jedermann Zutritt erhalter fann; natürlich sind diese Audienzen immer stark besucht. Zur legten Audienz erschien auch eine anscheinend den besseren Ständen angehörige ältere Dame, die sich vor dem König verneigte und auf dessen freundliche Frage nach ihrem Anliegen antwortete, sie wünsche zu fragen, ob nicht der König Lust hätte, sich mit ihr zu verheiraten! Ich glaube," erwiderte der König, daß ich dazu ein bischen zu alt bin." Bei dieser zarten Ablehnung beruhigte sich die Dame merkwürdigerweise, um dann aber zu fragen, ob sie nicht die Frau des Kabinettssekretärs werden fönnte? Der König meinte, auch Herr Rosenstand sei gewiß it alt, worauf die Dame den Justizminister Alberti zum Mann verlangte. Hierauf ging der König ein und versprach, den Minister darauf vorbereiten zu wollen. Dann aber wandte sich der König mit ein paar Worten an seinen Adjutanten und ließ durch diesen die geistesgestörte Dame schonungsvoll fortführen. [ Präsident Loubet] ist seit Jahrhunderten das erste französische Staatsoberhaupt, das Rom betritt. Wenn man Karl d. Gr. als französischen König mitrechnen will, so war er der erste, der die Stadt der Päpste betrat und durch die Anerkennung der sogenannten Konstantinischen Schenkung die weltliche Macht des Papsttums begründen half. 700 Jahre später, am 31. Dezember 1494, 30g König Starl VIII. als siegreicher Eroberer Italiens durch Rom, um Neapel anzugreifen, und erzwang vom Papste Alexander VI. die Belehnung mit Neapel. Der drittte ist heute der Präsident der Republik. [ 3n früh triumphiert.] Von den Begründern der wissenschaftlichen Hygiene Mar v. Pettenkofer erzählt der Hojrat May Gruber in den soeben erschienenen Berichten der deutschen chemischen Gesellschaft eine hübsche Anekdote. Bettentofer war, wie das öfter bei Professoren vorkommen sell, sehr zerstreut. Er war der ständige Spott seiner Familie, daß er stets ohne Regenschirm heimkehrte. Darum mar er besonders stolz, als er einmal von einer Reise nach England seinen Regenschirm glücklich wieder auf den Nonnent zurückgebracht hatte. Triumphierend telegraphierte von Augsburg nach Hause:" Ich und mein Negenschirm Tommen um die und die Stunde heim". Als er aber seine Wohnung betrat und das glücklich gerettete Gerät den Seinigen voll Genugtuung vorweisen wollte, bemerkte er mit Schrecken, daß seine Hand leer war. Er hatte den Regenschirm im Telegraphenant zu Augsburg stehen lassen. †[ Die Ehre des Fünfjährigen.] Ein sonderbarer Beleidigungsprozeß spielte in Wien. Die Privatiere Philomene Renk hatte sich beim Bezirksgerichte Josephstadt gegen die Ehrenbeleidigungsflage eines fünfjährigen Kindes zu verant worten. Frau Rosa Pramer hatte in Vertretung ihres füns Schre alten Sohnes geklagt, dessen Ehre dadurch verletzt wurde, daß er von der Angeklagten eine leichte Ohrfeige erhalten hatte. Der Richter bemerkte:„ Die Klage für ein fünfjähriges Kind wegen einer Watschen" ist wohl ein Unifum; am Ende werden auch Wickelkinder wegen Ehrenbeleidigung flagen." Frau Pramer bemerkte, sie könne doch nicht ruhig bleiben, wenn ihr Kind„ blutig" geschlagen werde. Richter: Sie können ja eine Strafanzeige machen, aber wegen Ehrenbeleidigung klagen ist nicht der richtige Weg. Schließlich erklärte sich Frau Pramer bereit, die Klage gegen Frau cnf zurückzuziehen, so daß der Richter nicht in die Lage kam, zu entscheiden, ob eine Beleidigung der Ehre des Fünfjährigen vorliege oder nicht. Das Neueste vom Saharakaiser. Die fünf Matrosen der Jacht Frasquita", die den„ Kaiser der Sahara" Jacques Lebaudy auf Schadenersatz verklagt hatten, weil er sie an der afrikanischen Küste ausgesetzt hatte, haben von der Weiterführung des Prozesses abgesehen, nachdem zwischen ihren Anwälten und dem Lebaudys eine gütliche Einigung erzielt worden ist. Sie erhalten 50 000 Fr. Entschädigung und stellen nun die Zivil- und Strafflage ein. Es heißt, Lebaudy habe darauf bestanden, in der Quittung über die empfangenen Gelder ausdrücklich in seiner hohen Eigenschaft als Wüstenkaiser angeführt zu werden, so daß die Quittungen gelautet hätten: Empfangen von Sr. Majeſtät dem Kaiſer der Sahara die Summe von... usw. [ Dreihundert Kongresse zu gleicher Zeit] werden auf der Weltausstellung in St. Louis abgehalten werden. Es handelt sich dabei in der Mehrzahl um kleine Kongresse, für die nur hundert Mitglieder angemeldet sind. Hundert von diesen Kongressen aber werden mindestens tausend Teilnehmer finden, und bei zwei Kongressen rechnet man mit Jeradezu riesenhaften Besuchsziffern. Der eine dieser Kongresse ist ein politischer, nämlich die Demokratische Konvention, zu der man 50 000 Besucher erwartet. Der zweite Kongreß betrifft das Erziehungswesen, und man erwartet dazu aus den Vereinigten Staaten von Amerika allein 50 000 Lehrer. Jurmania fäßxäins Reparaturwerkstätte sind unstreitig die besten! Seidel u. Naumann, Dresden. 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Nun haben wir ein Dienstmädchen engagiert, mit dem wir im großen und ganzen zufrieden sind, d. h. zufrieden gewesen wären, wenn wir nicht eine abscheuliche Entdeckung gemacht hätten. Ich brauche mich wohl nicht näher zu erklären, Herr Oberlehrer, Sie wissen ja ganz genau, um was es sich handelt." ,, Bedauere, gnädige Frau, ich habe wirklich keine Ahnung, da ich leider keine Zeit habe, mich um die Angelegenheiten Ihrer Wirtschaft zu kümmern." ,, Nicht um meine Wirtschaft handelt es sich," erwiderte Jenny nachdrücklich, sondern um mein Dienstmädchen, wie bereits bemerkt, und ich möchte Sie bitten, diesen Weg zu verlassen, der doch beiderseits ins Verderben führen kann." ,, Aber, gnädige Frau, ich verstehe nicht-" ,, bitte, Sie verstehen wohl. Sie würden ein gutes Werk tun, wenn Sie sich mit Elvira vollständig auseinandersetzten ,, Ah, um Elvira handelt es sich?" ,, Ah, endlich verstehen Sie doch. Elvira ist es allerdings, derentwegen ich gekommen bin." ,, Sie ist allerdings etwas dreist," meinte nachträglich der Oberlehrer, und wenn sie Ihnen etwa unverschämt gekommen sein sollte, so bin ich gern bereit, ihr nachdrücklich meine Meinung darüber zu sagen." „ Herr Oberlehrer, mir sind Ihre moralischen Anschauungen ganz unverständlich. Ich wünsche im Gegenteil, daß Sie Ihren Einfluß auf Elvira ganz aufgeben, daß Sie mit ihr gar nicht mehr sprechen, daß Sie sie vollständig ignorieren sollen." " Aber entschuldigen Sie, gnädige Frau, wofür bezahle ich sie denn?" " Sie sollen sie nicht mehr bezahlen, das verlange ich in erster Linie." Oberlehrer, sein Gegenüber erstaunt anblickend. " Ich soll sie gar nicht mehr bezahlen?" fragte der ,, Ganz gewiß, denn sie bekommt von uns Kost und Lohn genug. Wer? Elvira, unser Dienstmädchen?" " Ihr Dienstmädchen?" „ Ja, unser Dienstmädchen, das meine Frau selbst ge= mietet hat. Oder gibt es hier zwei Elviras? Sie meinen doch die mit dem roten Haar und der Narbe an der Stirn?" " Ja, ganz dieselbe. Aber ich wußte nicht, daß Sie eine Frau haben, und gemietet wurde Elvira nicht von Ihrer Frau Gemahlin, sondern von mir." In der nun folgenden Unterredung kam endlich die Wahrheit zutage. Fräulein Jenny bat um Entschuldigung, und man kam schließlich überein, das gegenwärtige Verhältnis bis zur Rückkehr der Frau Oberlehrer bestehen zu lassen. Diese sollte dann entscheiden. Als nun Frau Oberlehrer zurückkehrte, kannte ihre Entrüstung über den frechen Streich Elviras keine Grenze, und da diese Entrüstung von den beiden alten Damen geschürt wurde, stand es bald fest, Elvira sollte beiderseits entlassen werden. Der Tag der Entlassung kam heran. die Frau Oberlehrer. ,, Haben Sie schon eine Droschke bestellt, Elvira?" fragte ,, Nein, wozu eine Droschke, ich ziehe ja gegenüber zu den beiden alten Damen. " Empört lief Frau Oberlehrer Müller hinüber. " Ist es wirklich wahr, daß Sie Elvira gemietet haben?" " Ja, liebe Frau Oberlehrer," erwiderte Fräulein Jenny, die Achseln zuckend,„ Dienstmädchen sind knapp." Frau Oberlehrer seufzte. „ Das ist allerdings wahr, und ich hätte es auch bedenken sollen." Damit wandte sie der falschen Dame den Rücken. WITZ HUMOR Der verdächtige Aufsak. In Sekunda der Herr Professor spricht Mit Würde vom hohen Katheder: " Ich will beginnen den Unterricht, Es gebe Achtung ein jeder! Die deutschen Aufsätze geb' ich zurück Ja, lachen Sie nur, Karl Siefert: Sie haben ein wahres Meisterstück Von Interpunktion geliefert! Als Varus, Komma, im dunklen Wald Zur, Komma, Stelle kam, Komma. Wo die Deutschen, Komma, im Hinterhalt Ihn, Komma, erwarteten, Komma So bis zum Schluß sich die Kommata ziehn- Mir wird's ganz schwarz vor den Blicken! Ich möchte den Aufsatz wohl nach Berlin Zum Geheimrat Koch hinschicken. Und untersucht diesen Kohl er da, Dann wird er seufzen im stillen: Der Aufsatz hat ja die Cholera, Er wimmelt von Kommabacillen!" Vorschlag zur Vernunft. In einem kleinen Städtchen hat, wie man dies noch zuweilen findet, ein„ Schnellläufer" die Jugend durch seine Kunststücke belustigt. Nachdem derselbe das Städtchen verschiedene Male auf und ab gelaufen ist, geht er schließlich von Haus zu Haus sammeln", um sich den wohlverdienten Preis für seine Anstrengungen einzukassieren. Bei diesem Rundgang kommt er auch unter anderm an die Tür des dicken Rentier X., der gerade ins Wetter guckt. Als er dem wohlbeleibten Herrn Rentier seinen Teller hinhielt, fragt ihn derselbe, was die Sammelei zu bedeuten habe. „ Es ist fürs Schnelllaufen!" erwidert der Künstler selbstbewußt. „ Was? Schnelllaufen? Darauf gebe ich nichts. Weshalb gehen Sie nicht langsam, wie andre vernünftige Menschen?" ** Traurig. A.:„ Du siehst so traurig in die Welt, lieber Freund; bist du vielleicht in deiner jungen Ehe nicht glücklich? Sprich dich doch aus, oder hast du nichts zu sagen?"- B.: ,, Absolut nichts! und eben deshalb bin ich traurig!" Erklärt. Präsident:„ Sie werden beschuldigt, eine Hand voll Kleingeld, etwa fünf Mark, aus der Kasse eines Schenkwirt@ entwendet zu haben.' Angeklagter:„ Ach, Herr Präsident, wenn man seit zwei Tagen nichts gegessen hat!..." Präsident: " ,, Aber es ist doch festgestellt worden, daß Sie bei Begehung des Diebstahls einen Zwanzigmarkschein in Ihrer Börse hatten." Angeklagter:„ Das gestehe ich ein, Herr Präsident, aber ich wollte denselben nicht wechseln! * Kinderhumor. Ungefährlich. Tante:„ Wir wollen heimgehen, Karlchen es droht zu regnen." Karlchen:„ D, Tantchen, das macht nichts! Darum tut es es doch nicht." Tante: Wieso?" Karlchen:„ Papa droht auch immer mich durchzuprügeln, tut es aber doch nie." " Unangenehme Logik. Tante: Frißchen weißt du nicht, daß, wenn ein Kind immer so häßliche Gesichter schneidet, der liebe Gott sie ihm einmal stehen läßt?" Frißchen:" Nicht wahr, Tante, wie du klein warst, ist dir auch einmal das Gesicht stehen geblieben?" Stellvertretung. Die Mutter hat Lenchen zu Bett ge bracht, mit ihr gebetet und wendet sich zum Gehen, als di Kleine zärtlich bittet, noch ein Weilchen bei ihr zu bleiben. ,, Nein mein Herzchen", erwidert die Mutter, ich muß jetzt wieder zum Papa und du bist ja auch nicht allein, bei dir ist der lieb Gott." Lenchen besinnt sich ein wenig und sagt dann bittend: „ So schicke doch den lieben Gott zum Papa und bleibe du bes mir."- Nr. 96. Samstag, den 30. April. 1904. Oberhessische Familienzeitung. Tägliche Unterhaltungs- Beilage ber Gießener Neueste Nachrichten. Sand und Beslag ber Chebaner Berlagsbruderet, vorm. Bilh. Reller'sche Buchbruderst( segs. 1789); verantwor ( 5. Fortsetzung.) Iwan der Schreckliche. Original- Roman von Hans Hoffmann. Nur wie war ein Mathematiker an der Mädchenschule zu verwerten? Als gemeiner Rechenlehrer dieser unmöglich! Mit großer Geistesgegenwart erkannte sie, daß die mathematischen Wissenschaften zwar im allgemeinen in ihrer abstrakten Herbheit für Mädchenköpfe wenig geeignet sind, in ihren Anfangsgründen jedoch für gereiftere Schülerinnen von erklecklichem Nußen sein könnten. Klagt man doch allerorten so viel über die Eigenartigkeit weiblicher Logik; warum sollte man nicht einmal versuchen, von hier aus die bessernde Hand anzulegen? In dieser rasch eroberten Erkenntnis schrieb sie Herrn Doktor Belling einen sehr schmeichelhaften Brief, in welchem sie ihm ihre Bitte vorlegte, einige besonders begabte junge Damen ihrer Anstalt in seiner schönen Wissenschaft zu unterrichten. Mit Alma Gruber schloß sie inzwischen einen heuchleriſchen Waffenſtillſtand. Seit jenem ersten Kaffeebesuch in der Gartenlaube hatte Gotthold Belling die Gewohnheit angenommen, alle Dinge von Wichtigkeit, die in sein stilles Leben fielen, mit Fräulein Helene Gehrke zu besprechen; er fand, daß solche Aussprache in: wunderbarer Weise seine Gedanken klärte und sine Entſchlüſſe feſtigte. Und es war merkwürdig, wie sich die Zahl der wichtigen Dinge im Lauf der Wochen mehrte; bald gab es kaum noch Vorfälle, die unbedeutend genug waren, um nicht dringend einer Erörterung zu bedürfen. Und wenn er ging, sie in der Laube oder in dem behaglichen Hinterſtübchen aufzusuchen, hatten ſeine düstern Augen einen warmen Glanz, und wenn er zurückkam, einen noch wärmeren. Ihr Verkehr war ein sehr offenherziger und zwangloser, wie unter guten Kameraden; eine sanfte Kühle wehte zwischen ihnen hin und her, eine freundliche Klarheit, die jede schwüle Stimmung ausschloß. Helene war stolz darauf, daß sie durch ihre kluge Ehrlichkeit diesen erquickenden Umgangston ermöglicht hatte; lagen seitdem doch ihrer beider Herzen offen vor einander wie zwei schöngedruckte Bücher. Sie konnte friedlich ruhen in seiner edlen Freundschaft wie in einem sommerlichen Kornfeld, und sie konnte ungestört den versunkenen Blumengarten der süßen Leidenschaft im sicheren Herzen verwahren. wußte, sie hatte nichts von dem Freunde, nichts für den Freund zu fürchten; sie sah, seine Augen ruhten mit maßvoller Wärme auf ihr und sein Händedruck verriet niemals einen schnelleren Pulsschlag. Sie Und er, er gestand sich, daß er noch niemals eine gleich glückliche Zeit durchlebt habe; er war mit sich und der Welt zufrieden; die täglichen Angſtſtunden vor der Klasse waren schnell überstanden; weitere Wünsche hatte er nicht, als täg lich ein halbes Stündchen lang in Helenens große graue Augen zu sehen und mit ihr ein vernünftiges Gespräch zu führen. Daß ihr Herz versagt war, wußte er ja; so kam ihm auch nicht einmal der Gedanke, ob es vielleicht ein noch reizvolleres Verhältnis zwischen zwei jungen Leuten ungleichen Geschlechtes geben könne. Auch erfüllte ihn die hohe Idea( Nachdruck verboten.) lität ihrer Auffassung mit so großer Hochachtung, daß er es für schändlich gehalten hätte, die Haltbarkeit derselben auch nur auf die Probe zu stellen, denn er war von der Einzigkeit einer wahren Liebe genau so fest überzeugt wie sie. Als Gotthold das überraschende Schreiben des Fräulein Leinemann empfing, eilte er natürlich auf der Stelle, den Rat seiner guten Freundin einzuholen. Was gedenken Sie zu antworten?" fragte Helene, als sie den Brief gelesen hatte. Ich hätte Lust, den Antrag anzunehmen," sagte er, vornehmlich des mir gebotenen schönen Ertrahonorares megen; wenn ich dasselbe regelmäßig zurücklege, so kann ich vielleicht schon in zwanzig Jahren so viel beiſammen haben, um mich als Privatdozent habilitieren und ganz meiner Wiſſenſchaft leben zu können. Ich bin dann eben erst fünfzig Jahre alt und habe noch eine reiche Zukunft vor mir" ,, Spätestens mit siebenzig Jahren werden Sie dann schon Professor," lachte Helene, mit neunzig bekommen Sie den Charakter als Geheimrat, mit hundert bis hundertundzehn den Orden pour le mérite für Kunst und Wissenschaft, mit hundertundzwanzig den Ehrendoktor der Universität Yoko hama welche glänzenden Aussichten! Und das alles wer den Sie im letzten Grund einem ungezogenen kleinen Backfischchen verdanken.' Wie meinen Sie das?" fragte er verwundert. Ganz einfach. Fräulein Leinemann bedarf Ihrer pädagogischen Faust zur Zähmung einer Widerspenstigen nebenbei bemerkt, des reichsten und hübschesten Mädchens der Stadt, Fräulein Alma Gruber-" Da ist sie freilich sehr an den Unrechten gekommen obgleichwer weiß vielleicht werde ich mit den Mädchen von vornherein besser fertig als mit den Jungen, auch mit einem freundlicheren Gesicht sie sind von Natur zarter, feinfühliger, schmiegsamer- „ Um Gottes willen, wo denken Sie hin? Nur feinspiziger, boshafter, listiger und übermütiger sind wir natürlich nur, so lange wir Schulmädchen sind ich rate Ihnen ernstlich, lieber dort die Hand aus dem Spiele zu Lassen, wenigstens so lange Alma Gruber die Schule besucht, und nachher wird Fräulein Leinemann Sie ohnehin ent behren können." st denn dieses Kind ein so unerhörter Ausbund von Gefährlichkeit?" Allerdings, und für Sie doppelt gefährlich, denn Ihr Nimbus darf nicht den kleinsten Riß bekommen. Sie mag sonst nicht bösartig von Natur sein, aber sie kennt weder Nespekt noch Furcht; unr wenn Sie wirklich so wären, wie Sie manchmal aussehen, dann könnten Sie den Versuch wagen, die junge Löwin zu zähmen. So aber- denken Sie doch, sie versagt Ihnen den Gehorsam, sie troẞt Ihren grimmigen Blicken und lacht Sie aus ich traue ihr das zu, sie ist verzweifelt flug was wollen Sie machen Prü geln können Sie sie doch nicht, sich mit ihr schießen auch nicht. Sie müssen Ihre Niederlage hinnehmen; Alma wird dann zwar aus der Anstalt entfernt werden und fortan auf anderem - 1081 8 16 pu| u Gebiete gegen andere Männer zu Felde ziehen, aber was nüßt das Ihnen? Am nächsten Tage kennt die ganze Stadt den Schiffbruch Ihrer Autorität, nicht am letzten Ihre Tertianer, und dann Sie haben recht, liebe Freundin, dann werden sie es auf der Stelle auch versuchen, und ich bin verloren. Ich danke Ihnen von Herzen für Ihre treue Warnung. Es ist entschieden, ich werde mich nicht aufs Eis locken lassen." ,, Gott sei Dank! Ich war schon ernstlich in Sorge um Sie. Uebrigens ist diese Alma fein Kind, sondern ein sech zehnjähriges Fräulein. Ich werde Ihnen nachher einige von ihren Streichen erzählen, die ich durch ihre Mitschülerin Bertha Heding weiß, und Sie werden erschrecken, an welchem Abgrund Sie gestanden haben. Gegen diese Künste wären Sie waffenlos wie ein Kind gewesen." Sonderbar! Ich hätte mir alle Mädchen gedacht ungefähr wie Sie-" " Das wäre auch schon gerade schlimm genug," lachte Helene. Ohne mich zu rühmen, aber ich war als Schülerin eine der Ausgelassensten und Unbändigsten; wenn ich jetzt etwas ernster geworden bin, so danke ich das allein nun aber gehen Sie und schreiben Sie Ihren Absagebrief; ich bin nicht ruhig, ehe ich ihn unterwegs weiß. Schicken Sie ihn durch die Post, eingeschrieben, das ist am feierlichsten." Belling gehorchte, schrieb den Brief mit einer sehr höflichen, aber bestimmten Ablehnung- Grund: Arbeitsüberhäufung und ging, ihn sogleich auf die Post zu tragen. Unterwegs erinnerte ihn die Form des Briefumschlags an ein mathematisches Problem, in welchem der Kreuzpunkt der Diagonalen eines Parallelogramms eine gewisse Rolle ſpielte, und er verſenkte seinen Geist alsbald so tief in diese Untersuchung, daß er den Zweck seines Ausgangs völlig vergaß und mit dem Brief in der Hand die städtische Promenade entlang brütete. Fast hatte er schon den Jaden der endgültigen Lösung sicher in der Hand, als er plößlich aufgestört wurde durch den Anblick zweier dicht vor ihm spazierenden Damen, in deren einer er mit einem kleinen Schreck Fräulein Leinemann er kannte. Er mäßigte sofort ſeine Schritte und gedachte bei dem erſten Querweg seitwärts abzubiegen, als sein Auge durch die Gestalt und das Gebaren ihrer Begleiterin gefesselt wurde. Es war eine kleine, feste Gestalt voll jugendlicher Geschmeidigkeit, mit einer eigenen fecken Grazie des Ganges. Sie drehte ihr bewegliches Hälschen nach rechts und links herum, und dabei gab sie gelegentlich ihr Profil zur Ansicht, das durch eine vornehme Kühnheit des Schnittes ausgezeichnet war. Flotte Löckchen kräuselten sich über dem Nacken auf und hüpften leicht wie in heiterem Uebermut. Selbst die streng geometrisch geschulte Seele Iwans des Schrecklichen fonnte sich ein männliches Wohlgefallen an dem regellosen Reiz dieser Erscheinung nicht verhehlen. Bald darauf fiel ihm an Fräulein Leinemanns hagerer Hochgestalt etwas Sonderbares ins Auge; es hatte den Anschein, als fiele ihr ein langer, prächtiger Zopf frei über den Rücken. Das schien doch eine recht auffallende Frisur für eine Pädagogin vom Rang und Lebensalter dieser Dame; übrigens hatte der Bopf eine sehr ungewöhnliche, stark ing Grünliche spielende Färbung. Da streckte sich plötzlich die rechte Hand der jungen Dame ganz leise hinter den Rücken der älteren und machte sich in geheimnisvoller Weise etwas an jenem Zopf zu schaffen. Jetzt erkannte er die wahre Natur desselben: er bestand aus einer langen Reihe von Kletten, welche, in zierlicher Regelmäßigkeit aneinander gefügt, von dem Mantelfragen herabhingen. Gleichzeitig vernahm er nun auch die Stimme der berühmten Lehrerin, welche vernehmlich sagte: Wirklich, liebe Anna, Sie glauben nicht, wie sehr es mich freut, daß Sie mir endlich einmal aus freien Stücken Ihre aufrichtige Reue zu erkennen geben; ich muß Ihnen Jestehen, daß ich im Begriff stand, völlig an der inneren Weibichkeit Ihres Gemütslebens zu verzweifeln, und doch, liebes Rind, ist nichts so häßlich an einer Jungfrau, nichts so uningenehm vor Gott und den Menschen als ein unweibliches Wesen. Es wäre mir ein wahrhaft tröstlicher Gedanke, wenn ch den heutigen Tag mit heiligem Ernst als Ihren Tag von Damaskus bezeichnen könnte-- Die junge Dame tat einen leuten Seufzer, der von tiefer Berknirschung sprach, und fügte gleichzeitig mit der geschickten Rechten eine neue Klette an den Zopf. Doktor Belling entsetzte sich und dachte:„ Gott sei Dank, baß der Balg nicht in meiner Tertia sitzt!" In diesem Augenblick mochte Fräulein Reinemann ei Zupfen an ihrem Rücken verspüren; sie wandte den Kopf plög. lich herum und ward des nicht allzu weit hinter ihr schreiten. den Mathematikers gewahr. Sogleich blieb sie stehen und erwartete mit einem liebenswürdigen Lächeln sein Herannahen. Belling war peinlich betroffen; ein Fluchtversuch war durch die Umstände ausgeschlossen; auch der Gedanke, ihr den Brief zu überreichen und sich aus dem Staube zu machen, schien ihm nicht ausführbar; so ergab er sich denn und trat heran, sie zu begrüßen. Indem er nun gleichzeitig einen etwas scheuen und finſteren Seitenblick auf die hübsche junge Uebeltäterin warf, machte er eine ganz überraschende Entdeckung. Dieselbe stand da in der äußersten Verwirrung und Beschämung, von flammendem Rot übergossen, die Augen regungslos zu Boden gerichtet. In dieser Verfassung hatte noch kein Sterblicher Alma Gruber gesehen, und es steht fest: so hatte sie auch noch kein Sterblicher in ihrem anmutigsten Reiz gesehen. Auf Belling übte dieser Anblick eine Wirkung, die fast einer leichten Betäubung oder einem angenehmen Schwindel gleichkam. Nur wie aus einer gewissen Ferne und mit eigentümlicher Gleichgiltigkeit hörte er die reich fließenden Worte der Institutsvorsteherin, welche in verbindlichster Form ihre Bitte wiederholte, viel von dem idealen Wert der reinen Mathematik redete, von der bildenden Kraft abgezogener Vorſtellungen, von der nahen Verwandtschaft mit der Logik und der Metaphysik, von dem Einfluß der praktischen Trigonometrie auf die Charakterentwickelung, von der Vertiefung des weiblichen Gemütslebens durch klare stereometrische Anschauungen und vielen ähnlichen pädagogischen Wunderner ſtand stumm mit seinem Absagebrief in der Hand, und als er zur Besinnung kam und von ihr freigelassen war, hatte er Ja gesagt, und alles war verabredet und geordnet. Mit einem Gefühl tiefen Unbehagens fehrte er nach Hause zurück; den unbenüßten Brief legte er zu den Personalaften und den Papieren, welche die wichtigsten Abschnitte ſeines Lebens bezeichneten, Prüfungszeugnisse, Anstellungsdekrete und dergleichen. „ Wir haben uns überrumpeln lassen, Molly," sagte er, ,, wir sind im Begriff, etwas gegen unsere Ueberzeugung zu tun, unsere ganze Existenz mutwillig aufs Spiel zu setzen!" Molly gab einige sanft heulende Töne von sich, wie immer, wenn er ins Gespräch gezogen wurde. „ Ist das nicht halber Wahnsinn? Wie war es nur möglich, sich in einer flüchtigen Verwirrung so widerstandslos gefangen zu geben? Ist es wirklich eine so merkwürdige reizvolle Aufgabe, die Kindereien eines verzogenen Backfisches zu bekämpfen?" Er war entschieden nicht dieser Ansicht; aber es gab in einem Winkel seiner Seele eine Stimme, welche dreist behauptete: Ja, es iſt eine merkwürdig reizvolle Aufgabe. Was ihn zunächst am meisten verdroß und mit einer wahren Angst- erfüllte, war die Notwendigkeit, Helene von seinem tollen Wankelmut in Kenntnis zu sehen; auch rang er den ganzen Abend hindurch vergebens mit diesem Entschluß und verbrachte infolgedessen eine schlaflose Nacht; er hätte ebenso gern ein zweites Oberlehrereramen bestanden. Am nächsten Tage aber legte er ihr die schwere Beichte ab und berichtete mit ziemlich erheblicher Wahrheitsliebe die näheren Umstände seines Stimmungswechsels. Helene sah ihn durchdringend an, ward dann auffallend blaß und sagte nur: Gott gebe, daß es Ihnen zum Glück ausschlage!" " Mit so einer Gans sollten Sie nicht fertig werden, verehrter Herr Doktor," rief sie, ich bitte Sie! Meine Helene war doch auch ein wildes Pflänzchen und ist es im Grunde noch jezt- Sie kennen sie nicht aber vor Ihnen hat sie einen Heidenrespekt, Sie wissen gar nicht, was für einen! Und nun so eine dumme kleine Pute!" Und als er gegangen war, sagte sie zu ihrer Tochter: „ Ich weiß wirklich nicht, warum du dich so gefürchtet hast, Lenchen; und wenn er sie wirklich nicht zur Vernunft bringt, ist das Unglück auch noch nicht so groß. Seine Tertianer sind schon viel zu gut gezogen, die revoltieren nicht mehr. Sie haben zu großen Respekt vor seinem Schießen." Ach, wenn es nur das wäre!" sagte Helene geheimnisvoll und trocknete heimlich eine Träne. Dann ging sie hinaus auf den Hof und vollführte eine Kanonade, als ob es der Stadt eine gewonnene Schlacht zu verkünden gälte. ( Fortsetzung folgt.), Es hat mir Einer was versprochen, Hat's aber nicht gehalten. Mich hat es nicht zerbrochen, Daß seine Worte nicht galten. Ich sollte denken, Ihn muß es tiefer kränken. „ Dienstmädchen sind knapp". Humoreske von Mar Hirschfeld. ( Nachdruck verboten.) Oberlehrer Müllers waren ins Bad gefahren, Mann, Frau und Kinder und zwar mit um so lebhafterer Genugtuung, als es dem Herrn Oberlehrer Müller gelungen war, über die vier Wochen Ferien hinaus noch einen zweiwöchentlichen Urlaub zu erhalten. Da aber das Bad nicht allzu entfernt war und der Oberlehrer es für wahrscheinlich hielt, daß seine Anwesenheit in der Stadt während des Ferienaufenthaltes irgend einmal wünschenswert oder notwendig sein werde, andererseits auch aus Furcht vor Dieben und vor Staub, beschloß man, Elvira, das Dienstmädchen, -die Küchenfee hatte unbarmherzig die Umwandlung ihres Namens in Jette abgelehnt in der Wohnung zurückzulassen. Nach einigem Parlamentieren erklärte sich Elvira damit einverstanden. Da ereignete es sich, daß die bisher leergebliebene Wohnung gegenüber Oberlehrers von den Damen Jenny und Laurette Wegner bezogen wurde. Auch hier können die Vornamen vielleicht zu falschen Mutmaßungen verleiten und so sei es denn sogleich gesagt, daß es sich um zwei ältere ledige Damen, zwei Schwestern im Alter von 45 und 50 Jahren handelte. „ Na, ihr habt ja Nachbarn bekommen," ſagte eines Tages eine Kollegin vom dritten Stock zu Elvira. „ Ja, ich habe die alten Schachteln beim Einzuge vom Fenster aus gesehen," lautete die Antwort, im übrigen gehen sie mich ja nichts an." " Wer weiß, welch' ein Dienstmädchen die uns anbringen werden!" meinte die Freundin. " Sie sehen gar nicht danach aus, als ob sie ein Dienstmädchen nehmen werden," entgegnete Elviva, die Nase rümpfend. " doch! Der Portier sagte, sie seien steinreich und hätten einen großen Koffer mit alten Strümpfen angefüllt-" ,, Was ist denn dabei?" " Ja, aber jeder dieser Strümpfe ist mit Talern gefüllt." ,, Ach, wenn ich die beerben könnte," seufzte Elvira, welche nie mit ihrem Lohn auskommen konnte. Nun," schlug die andere vor, so gib doch deine Stellung bei Oberlehrers auf und tritt bei den beiden Alten ein. Viel leicht setzen sie dich wirklich zum Erben ein." ― Elvira wollte die Sache nicht aus dem Kopfe gehen, allmählich reifte ein kühner Plan in ihrer Seele. Wie wäre es, wenn sie, ohne den Monatslohn und das Kostgeld bei Oberlehrers aufzugeben, sich wenigstens für die Ferienzeit bei den beiden Damen drüben vermietete, so daß sie drüben außer der Kost noch einen zweiten Monatslohn einstreichen fönnte? Dabei gab es fast gar nichts zu bedenken. Um einmal ein bischen Staub zu wischen, konnte sie wohl unbemerkt in die gegenüberliegende Wohnung schlüpfen und vor Rückkehr der Oberlehrerfamilie fand sich wohl ein großer Bank, um ganz plößlich aus dem Dienste der beiden alten Fräulein entfernt zu werden. So kleidete sie sich denn gleich am nächsten Morgen nach ihrer Unterredung mit der Freundin zum Ausgehen an, und nachdem sie den Schlüssel von der Oberlehrerwohnung gezogen, klopfte sie drüben, bis geöffnet wurde. ,, Verzeihen Sie, ich hörte, Sie wollten ein Dienstmädchen mietenFünf Minuten nach dieser Einführung war der Handel geschlossen. Elvira bezog denselben Lohn wie bei Oberlehrers und stand nun im Dienste der beiden Fräulein. Die Dienstmädchen im Hause amüsierten sich köstlich über diesen Sachverhalt, besaßen aber zu viel Korpsgeist, als daß sie ihren Herrschaften ein Wörtchen davon verraten hätten. Die Ferien waren zu Ende, und nun begannen iene zwei Wochen, welche der Oberlehrer extra als Urlaub erhalten hatte. Da aber wollte das Unglück für Elvira, daß der Stellvertreter des Oberlehrers Müller erkrankte und dieser telegraphisch aus dem Bade zurückberufen wurde. Der Oberlehrer wunderte sich, als er Elvira nicht in der Wohnung vorfand und diese erhielt erst mehrere Stunden nach seiner Ankunft durch den Portier Kenntnis von der selben. Was nun? Sollte sie bei ihren alten Damen nun die Katastrophe herbeiführen? Nein, Elvira besaß eine edle, beneidenswerte Dreistigkeit und hielt sich für flug genug, um für eine kurze Zeit von vierzehn Tagen zweien Herren dienen zu können. Diese Doppelrolle führte sie auch ein paar Tage glücklich durch, was ihr um so leichter wurde, als der Oberlehrer größtenteils entweder in der Schule war, oder bei der heißen Witterung im Sommergarten Bier trank. Sam er dann abends nach Hause und mußte eine Zeitlang warten, bis Elvira endlich erschien, so gab sie auf seine Vorwürfe aufgebracht zur Antwort, ein armes Dienstmädchen, das sich tagsüber schinde, wolle auch einmal frische Luft schöpfen. Zwischen den beiden Schwestern Jenny und Laurette bestand jenes Verhältnis, wie es oft bei älteren ledigen Damen vorkommt, bei denen die eine einige Jahre jünger ist als die andere. Fräulein Jenny behandelte ihre jüngere Schwester Laurette kaum anders wie einen Backfisch. Dieser Backfisch von 45 Jahren kam nun eines Tages mit rotent Gesicht und gesenkten Augen aus dem Korridor in die Stube hineingestürzt. Jenny, denke dir, was ich gesehen habe-" ,, Sprich, mein Kind, was ist es?" fragte Jenny, die Arme um ihre etwas korpulente Schwester schlingend. ,, Du weißt, wir haben drüben das Schild gelesen: „ Müller, Oberlehrer!" Dieser Junggeselle natürlich ist es ein Junggeselle, hat denke dir diese Schändlichkeit - unsere arme Elvira verführt" ,, Laurette, meine Kind, bedenke, was du sprichst!" „ Aber ich schwöre dir, ich habe nicht einmal, nein, dreimal bereits Elvira in die Wohnung des Oberlehrers hineingehen und herauskommen sehen, und sie tat es mit so auffallender Heimlichkeit und Angst, daß mir schließlich jeder Zweifel geschwunden ist.“ „ Empörend!" entgegnete Jenny. Nun, es schickt sich für dich nicht, daß du dergleichen Dinge beobachtest, fortan werde ich die Sache in die Hand nehmen." Würdevoll schritt sie in die Küche, in welcher sich das vielseitige Dienstmädchen befand. ,, Elvira, ich habe mit Ihnen etwas Ernstes zu besprechen. Ich glaube, Sie werden mich verstehen, wenn ich sage, daß es sich um den Oberlehrer Müller drüben handelt." Elvira sank das Herz wesentlich tiefer. Ihr Geheimnis war also heraus. Von dem schnöden Verdacht der beiden alten Damen hatte sie keine Ahnung. Ihr böses Gewissen sagte ihr, daß es sich nur um den doppelten Dienst handeln könne. Aber die bereits erwähnte Dreistigkeit verließ sie nicht. „ Also Sie wissen, gnädiges Fräulein? Und was nun?" „ Schämen Sie sich, daß Sie mir gegenüberſtehen können, ohne nur einmal zu erröten. Ich habe mir bereits überlegt, Elvira, was zu tun ist; ich werde mit dem Geistlichen unseres Bezirks sprechen." Wollen Sie vielleicht beichten, gnädiges Fräulein?" ,, Elvira, eine solche Unbußfertigkeit ist mir noch nicht vorgekommen. Nein, Sie sollen beichten, oder vielmehr, woran noch mehr liegt, Sie sollen diesen skandalösen Lebenswandel aufgeben." „ Na, so schlimm ist es doch am Ende nicht, gnädiges Fräulein, wegen der 50 Mark, die ich dadurch mehr kriege" Also bezahlen lassen Sie sich auch noch," fiel die alte Dame ein, die Hände zusammenschlagend,„ es ist schändlich, ich finde gar keine Worte." Damit entfernte sich Fräulein Jenny aus der Küche. Während sie noch nach ihrem Umhang suchte, um sich für den beabsichtigten Besuch vorzubereiten, kam ihr plötzlich ein anderer Gedanke. Wie, wenn sie dem Oberlehrer drüben ins Gewissen redete? Als gebildeter Mann würde er sicherlich einsehen, wie gefährlich das böse Beispiel sei, das er im Hause gebe.