Nr. 100. Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertelfährlich Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Freitag, den 29. April 1904. Gießener 13. Jahrgang. Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz OberHessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfa ionit 15 Bfg. Reklamen die Petitzeile 30 refp. 40 Vfa. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 83. Fernsprechanschluß Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen Bekanntmachung. Betr. Abhaltung landwirtschaftlicher Vorträge. Nächsten Sonntag, den 1. Mai ds. Js., nachmittags 3. Ubr, findet zu Homberg a. Ohm in der Wirtschaft des Herrn Karl Schildwächter ein Vortrag des Herrn Defonomierats Leithiger von Alsfeld über „ Zweck der Herdbuchführung und Bedeutung der Bullentaltung" statt, wozu die Mitglieder des Vereins und sonstige Interesfenten biermit eingeladen werden. Die Großh. Herrn Bürgermeister der umliegenden Gemeinden des Kreises Gießen ersuche ich um gefl. ortsübliche Bekanntgabe. Gießen, den 26. April 1904. Der Direktor des landw. Bezirksvereins Gießen für Vogelsberger Vieh. Dr. Kranzbühler, Großh. Kreisamtmann. Südweftafrikanische Sorgen. Durchweg unerfreulich sind die Nachrichten, die heute aus und über Deutsch- Südwestafrika vorliegen. Wohl am schmerzlichsten berührt die soeben eingegangene Nachricht von dem Um sich greifen des Typhus bei der Kolonne Glasenapp. Ein Telegramm des Obersten Leutwein meldet ams Windhuf: Bei der Kolonne Glasenapp sind bis jetzt 87 Typhusfälle vorgekommen, von denen 9 tödlich verliefen. 43 Typhus kranke sind in das Lazaret Wind huk überführt worden; der Rest und etwaige Zugänge bleiben in Otjihaënena, wo die ganze Abteilung unter Quarantäne gestellt wird. Aus der Meldung selbst ergibt sich, daß Leutwein mit einer weiteren Verbreitung der Seuche in der Kolonne rechnet. Das Auftreten des Typhus war ja, wie schon öfters betont, mit Sicherheit bei den klimatischen Verhältnissen der gegenwärtigen Jahreszeit in Südwestafrika zu erwarten. Die Ungunst des Klimas liegt in den gegenwärtig außerordentlich starten Unterschieden zwischen Tages- und Nacht-, Sonnenund Schattentemperaturen. Die Sonnenbestrahlung ist so stark, daß der heiße Boden durch die Stiefelsohlen hindurch brennt. Da die Uebergangstageszeiten fehlen, folgt der starken Hize zwischen 6 und 7 Uhr abends unvermittelt scharfe Kälte, die ebenso plötzlich zwischen 5 und 6 Uhr morgens der Sonnenglut Play macht. Vom Mai bis Oktober ist die Temperatur gleichmäßiger, auch fehlen die vielen Niederschläge, die in den Monaten November bis April der Entstehung der Fieberfrankheiten, wie Malaria und Typhus, Vorschus leisten. Es besteht also die Hoffnung, daß in wenigen Wochen die klimatischen Verhältnisse die Bekämpfung und Un.cr drückung der Krankheit begünstigen werden. Wenn nun auch für die soeben in der Kolonie eingetroffenen weiteren Verstärkungen eine Typhusgefahr nicht in dem Maße besteht, wie s. 3t. für die Kolonne Glasenapp, so hat doch der Vorschlag vieles für sich, dem Vorbilde der Engländer aus dem Transvaalkriege entsprechend, die noch als Ersaz hinauszusendenden Mannschaften während der Seereise gegen Typhus immun zu machen. Die Smmunisierung fönnte im Einvernehmen mit dem Berliner Institut für Infektionskrankheiten veranstaltet werden. Die augenblickliche Einimpfung ist zwar unbehaglich, es stellt sich auch starkes Fieber ein, doch tritt nach einigen Tagen wieder der normale Zustand ein. Jedenfalls sollte man die Immunifterung an den Mannschaften vornehmen, die als Ersatz für die Kolonne Glasenapp bestimmt sind, soweit sie noch auf See sind. Angesichts des Mißgeschicks der Kolonne Glasenapp und des dadurch bedingten Stillstandes in den Operationen gegen die Herero, ferner angesichts der Rücktrittsabsicht Leutweins, darf es jetzt als sicher gelten, daß neue Verstärkungen nach der Kolonie entsandt werden. Ihr Befehlshaber und zugleich der Leiter des gesamten Feldzuges wird in der Tat Generalleutnant v. Trotha sein, der bekanntlich schon von Anfang an zur Leitung der Operationen ausersehen war und nur deswegen den Posten nicht antrat, weil Gouverneur Leutwein erklärte, er selbst könne den Aufstand mit einer erheblich geringeren Truppenzahl niederzwingen, als Generalleutnant v. Trotha sie forderte. Wie unser Berliner CB- Mitarbeiter hört, hat Leutwein jetzt dem Kolonialamt depeschiert, daß zur Bewältigung des Aufstandes sehr viel mehr Truppen nötig seien; zugleich mit dieser Selbstwiderlegung hat er um feine Entbindung von der militärischen Leitung ersucht. Infol gedessen wird die Regierung binnen ganz kurzer Zeit eine neue Ersay- Verstärkungsexpedition nach Südafrika ſchicken, deren Führer, wie gesagt, Herr v. Trotha sein wird. Eine andere Meldung, Oberst Dürr komme nuu nach Berlin, um dem Kaiser über die Lage Bericht zu erstatten, und werde damn als Leiter der gesamten militärischen Operationen in die: Kolonie zurückkehren, trifft nicht zu. Zum Schluß noch eine Trauerkunde: Der bei Onganjira schwer verwundete Leutnant v. Rosenberg ist am 25. d. M. in Okahandja gestorben. * Für die„ Loyalität" der Herero- Kapitäne ein Pröbchen: In Omaruru wurde ein Bild Kaiser Wilhelms gefunden, unter das der Kapitän Michael, das Oberhaupt der Herero von Omaruru, die Worte geschrieben hatte: Omuhona Michael, Michael ist der Herr". Kapitän Michael war auch einer der deutschen Reichspensionäre! Der Krieg in Oftafien. Die Japaner sind weiter dabei, in kleinen Abteilungen den Jalu zu überschreiten. Sie haben sich bereits in Riulienhang gerade nördlich von Antung aus der mandſchuriſchen Seite des Flusses festgesetzt. Bei dem Ueberqueren des Flusses geht es natürlich nicht ohne Kampf ab. Ueber die letzten Gefechte am Jalu wird aus Mukden berichtet: Eine japanische Abteilung jezte am 26. d. M. bei Tagesanbruch beim Dorje Singadu über den Jalu, wo sie vom Feuer des russischen Kundschafterkommandos empfangen wurde. Durch die russische Artillerie wurde die von den Japanern nördlich von Widschu geschlagene Brücke zerstört. Der Uebergang erfolgte südlicher von Widschu auf Pontons. Ein Teil der Infanterie, welche mit einer Batterie über den Fluß gefekt war, marschierte auf die russische Stellung bei Tuenschen, wurde aber so zurückgeschlagen, daß die Batterie nicht einmal das Feuer zu eröffnen vermochte. Das Wladiwostokgeschwader hat inzwischen von der koreanischen Küste in nordöstlicher Richtung das Weite gesucht und wird von einem japanischen Kreuzergeschwader verfolgt. Ein zweites japanisches Geschwader sucht die Russen abzufangen, doch ist bisher die Nachricht von einer Seeschlacht noch nicht eingetroffen. Dagegen bestätigt es sich, daß außer der„ Gojo Maru" noch ein kleiner japanischer Handelsdampfer und außerdem ein japanischer Transportdampfer in den Grund gebohrt worden ist, der„ Kinschiu Maru". Er hatte Reis, verschie dene Kriegsvorräte und gegen 1500 Tonnen Kohlen geladen. Der Dampfer war mit vier 47 Millimeter Hotchkiß- Kanonen armiert. 17 Offiziere, 20 Soldaten, 85 Kulis und 65 Mann Bemannung, die sich ergaben, nahm Kontrcadmiral Jessen an Bord. Der ohne Offiziere zurückgebliebene Teil der Landungsabteilung weigerte sich nicht nur entschieden, sich zu ergeben und sich auf den russischen Kreuzer zu begeben, sondern leistete bewaffneten Widerstand und fand daher mit dem Schiff, das in den Grund gebohrt wurde, seinen Tod. Der Zustand des bei dem Untergang der Petropowlowsk" berwundeten Großfürsten Thrill hat sich bereits soweit gebessert, daß er die Rückreise nach Petersburg in kurzen Etappen antritt. Die Politik. A In der Münchener Kammer der Abgeordneten beantwortete bei der Weiterberatung des Postetats Minister v. Frauendorfer u. a. auch die jüngsten Anregungen wegen Einführung einer Einheitsmarke; er wiederholte die am 15. Januar 1902 vom Grafen v. Crailsheim in der Kammer abgegebenen Erklärungen, daß durch die Einführung einer Einheitsmarke, wie sie Württemberg vorgenom men habe, das bayerische Reservatrecht berührt und beeinträchtigt werden könnte, und daß die Beibehaltung der besonderen bayerischen Postmarke auch für die Pfalz nur unwesentliche Nachteile zur Folge habe. Unter lebhaftem Beifall des Zentrums fügte der Minister hinzu: Ich stehe auf dem Standpunkte des Grafen Crailsheim, den ich aus staatsrechtlichen und politischen Gesichts= puntten für berechtigt halte; ich bin überzeugt, daß ich mich hier mit dem Gesamtministerium in Uebereinstimmung befinde. Oefterreich- Ungarn. Der allgemeine Ausstand in Debreczin hat den Ausgang genommen, der von allen nüchternen Beurteilern der Sachlage erwartet werden mußte: Er hat mit einer Niederlage der Streifenden geendet. Die Arbeiter haben nämlich die Arbeit wieder aufgenommen. Dasselbe wird sich sehr bald in Szegedin und Großwardein ereion Auftralien. In Britisch- Neuguinea ist es Anfang März, wie erst jetzt bekannt wird, zu einer nicht unbedenklichen Rebellion der Eingeborenen gekommen. Als der stellvertretende Administrator von Britisch- Neuguinea Robinson am 3. März in Goorabri( Neuguinea) mit den Häuptlingen Verhandlungen pflog, um von ihnen die Auslieferung der Mörder des Missionars Chalmers zu erlangen, griffen ungefähr dreihundert Canoes den Regierungsdampfer Merry England" an, wurden aber unter großem Verlust zurückgeschlagen; auch auf englischer Seite waren einige Verluste zu verzeichnen. Nähere Nachrichten über den Vorfall liegen noch nicht vor. Selbstverständlich ist eine bri tische Straferpedition schon nach Goorabri unterwegs. Hof und Gesellschaft. ** Der Kaiser ist gestern nachmittag unt 5 Uhr in Karlsruhe eingetroffen, nachdem er bei Schlettstadt die Hohfönigsburg besichtigt hatte. Die Kaiserin war ihrem Gemahl bis Straßburg entgegengekommen und ist zugleich mit ihm in Karlsruhe eingetroffen. Außer dem Großherzogspaar von Baden begrüßte den Monarchen auch Reichskanzler Graf Bülow. zu Ehren des Eintreffens des Kaisers und der Kaiserin zeigt die Stadt, besonders das Rathaus und der Marktplatz, reichen Festschmuck. In der Karl- Friedrichstraße fand vor dem Rathause eine Begrüßung des aus dem Süden heimfehrenden Kaisers durch den Oberbürgermeister in Gegenwart des Stadtrats und des Bürgerausschusses ſtatt. Das Großherzogliche Hoftheater hat sein Repertoire dahin abgeändert, daß Saint Saens„ Samson und Dalila" als Festvorstellung in Szene geht. Wie weiter gemeldet wird, gedenkt das Kaiserpaar bis Sonntag früh in der badischen Residenz zu verweilen. Die Kaiserin wird am Montag, 2. Mai, früh mit der Prinzessin Quise in Potsdam eintreffen und im Stadtschloß vorübergehend Wohnung nehmen. Am jelben Tage wird auch der Kaiser in Botsdam eintreffen. Zu der Denkmalseinweihung in Saarbrücken, die am 20. Mai stattfindet, wird die Kaiſerin ihren Gemahl begleiten. Hus den Parlamenten. * Im Reichstage wird ein Antrag auf Schaffung einer Reichslotterie vorbereitet, die an Stelle der einzelnen Landeslotterien zu treten hätte. * Die Budget kommission des Reichstags hat die Einnahmen aus Zöllen um 20, aus der Zuckersteuer im 10 Millionen höher veranschlagt, so daß die Zuschußinleihe entbehrlich werden dürfte. Deuticner Reichstag ( 72. Sibung.) CB Berlin 28. Aprií. Lange haben es die eichsbote gestern gekommen waren, um die Herren Blumenthal und Dr. Braun aus den Reihen der Volksvertretung zu eliminieren, in Berlin nicht ausgehalten; heute bot das Haus schon wieder den üblichen Anblick trostloser Leere, obwohl doch die Novelle zum örsengeset gewiß nicht zu den minder wichtigen Angelegenheiten gehört. Bevor hierüber weiter beraten wurde, fand allerdings erst die dritte Lesung des Gesezentwurfs, betreffend die Krankenfürsorge für Seeleute statt. Die Sozialdemokraten brachten ihre früher abgelehnten Anträge wieder ein, ohne einen Erfolg zu erzielen. Hingegen drang das Zentrum mit einigen wenigen nichtssagenden Amendements durch. Dann kam das Börsengeset an die Reihe. Der erste Redner war heute der freikonservative Abg. v. Kardorff. der mit dem Grafen Kanit und dem Abg. Burlage darin übereinstimmte, daß an dem Verbote des Getreideterminhandels nicht gerüttelt werden dürfe. Aber eine Revision des Gesetzes zur Beseitigung gewisser Uebelstände, die es gezeitigt hat, hält er für notwendig. Nach ihm kam ein Kaufmann zum Wort, der Abg. Kempf von der freisinnigen Volkspartei, der auf Grund seiner au. eigener Anschauung gewonnenen Erfahrungen die berechtigten Interessen der Börje in längeren Ausführungen wirksam vertrat. Der nationalliberale Abg. Dr. Lucas erklärte den Terminhandel für unentbehrlich, betonte aber auch die Notvendigkeit, seine Auswüchse zu bekämpfen und der Abg. Dove won dr Frcisinnigen Vereinigung äußerte sich im Sinne des Aby. Kempf. Preufsifcher Landtag. Haus der Abgeordneten. ( 62. Sigung.) RK Berlin, 28. April. Der Kanaldebatte erster Tag! Haus und Trijünen gut besetzt, desto leerer der Regierungstisch. Man hatte Jeglaubt, der Ministerpräsident würde den großen wasservirtschaftlichen Vorlagen das Geleitwort sprechen. Aber der var zum Vortrag beim Kaiser nach Karlsruhe befohlen. Und Herr v. Podbielski, der Landwirtschaftsminister, von dem man auch eine Rede erwartet hatte, war plöglich erfrankt. So stand Herr Budde, der Minister der öffentlichen Arbeiten, allein als Schildhalter über die Vorlage vor der Volksvertretung. Er begann mit einer längeren Rede, dic, sachlich und kühl, vor allem die volkswirtschaftliche Bedeutung der Vorlagen betonte. Aber gleich zu Beginn seiner Rede schränkte er sein Thema ein. Nicht über alle Vorlagen, vor allem nicht über das eigentliche Streitobjeft, die Wasserstraßenvorlage, sondern nur über diejenigen Vorlagen wolle er sprechen, die die Hochwasserbefämpfung zum Ziele haben. Der Minister erklärte mit Nachdruck, die Regierung lege hohen Wert auf das Zustandekommen des ganzen Gesetzes. Wenngleich die Mittel zur Durchführung der Vorlage sehr erheblich sind, so glaube die Regierung, doch nicht davor zurückschrecken zu dürfen, um endlich die Oder, Havel und Spree in einen Zustand zu bringen, der eine Gewähr gegen Hochwassergefahr bietet und eines Kulturstaates würdig ist. Das war der Kern der Ausfübrungen des Ministers, der schließlich Der Aufhebenzimmer herbei. rei oer Frau Ingenohl Todte noch einige Damen aus dee ,, Was ist geschehen?" fragfer neuer Mathematifer Belling soll ein Duell gehabt im Vaimmer weiter. Alio darum nennen neue Mathematiker hat ein Duell gehabt," gab man fin ihn man den Schrecklichen!" Ja! Ja!" Wenigstens spricht er nicht Das ist Taut wiesen, daß Leute, die sich solche fonderdächtig dasselbe," erklärte bemerkte Helene mit einem unteren at Lächeln. Das ist doch auch Sommerlatte, mit feinem Hunde, wenn er mit sich selber spräche. so ein furchtbar Häßlicher Hund! Tiere halten, Es ist er ali Ein ein Schwacherinci mit seiner Kraft hauszuhalten; nur über seine Kräfte hinaus wirken. * Finish! brennen ihm auf den Lipppen, aber er drängt sie zurück unt verbeugt sich nur fühl. chen zusammen, das prauben femmt als er sich zu geben vermag, aus dem 3immer. rierte Treppenhaus passiert, stößt er mit einem jungen Mäd. Als er das geräumige, mit Teppichen und Bildern deko. ,, Auf morgen," sagt er, und schreitet mit so viel Haltung, Er will grüßend die Kommissionsberatung der Vorlagen dem Hause empfahl. Mit besonderer Spannung sah man den Erklärungen der konservativen Fraktionen entgegen. Der konservative v. 2o e- beII erklärte, seine Partei werde zu jeder Vorlage einzeln Stellung nehmen. Sie erkenne an, daß diese Freihaltung durch die heutigen geietlichen Beitimmen nicht gewährleistet ist und daß eine Ergänzung der Bestimmungen notwendig ist. Zur Vorberatung des Gesetzes beantragte der Redner schließlich die Einsetzung einer Kommission von 28 Mitgliedern. Eine Erklärung gleichen Inhalts gab der Abgeordnete Kriege namens der Freikonservativen ab. Der Nationalliberale Schmieding äußerte sich im allgemeinen zutimmend zu den Hochwasservorlagen, während der Zentrumsredner Dr. am Zehnhoff wesentliche Bedenken seiner Partei ankündigte. Fast unbedingt traten von den Freisinnigen Dr. Wiemer und der Abg. Brömel von der Freisinnigen Vereinigung für die Vorlage ein. Die weitere Debatte bot nichts Wesentliches; die Vorlage wurde schließlich einer 28gliedrigen Kommission überwiesen. Ein großer Tag" wer der heutige in seinem ganzen Zuschnitt jedenfalls nicht!! Aus dem Gerichtsfaal. § Bater- und Gattenmord. In Göttingen haben sich zurzeit vor dem Schwurgericht die Witwe des Ackermanns Stolze aus Breitenberg und ihr Sohn Hermann wegen angeblichen Mordes an ihren Mann bezw. Vater zu verantworten. Am Morgen des 14. September v. J. war er mit furchtbaren Wunden am Kopf im Bette gefunden worden. Durch Hiebe mit einer Art war ihm der Schädel zertrümmert und der linke Oberkiefer bis in den Rachen hinein gespalten worden. Stolze bezeichnete selbst seinen 24jährigen Sohn Hermann als den Täter. Dieſer ſtand damals in Hame bei Bochum in Arbeit und war an jenem Sonntag nach Hause gefahren. Es heißt, daß er seinen Vater umbringen wollte, weil dieser in einem Brandstifterprozeß gegen den Sohn zeugen wollte. Im Frühjahr v. J. war die Stolzesche Scheune niedergebrannt; der junge Stolze wurde als der Brandstifter bezeichnet. Schon im Frühjahr v. J. war der alte Stolze nachts im Bette überfallen und so übel zugerichtet worden, daß er lange Zeit im Hospital zubringen mußte. Den fürchterlichen Verwundungen, die ihm in der Nacht vom 13. zum 14. September 1903 beigebracht worden sind, ist Stolze nach zehnwöchentlichem Schmerzenslager erlegen. Nachbarn hatten in der Mordnacht aus dem Stolzeschen Hause den Angstruf gehört:„ Hermann, mach dich nicht unglücklich!" Die Mutter wird der Mithilfe beschuldigt. Beide Angeklagte leugnen. § Ein englischer Prozeß à la Humbert fand in London sein Ende durch die Verurteilung des Kapitäns Edwin Gordon MacCran Short zu fünf Jahren Zwangsarbeit. Der Kapitän hatte große Summen ergaunert auf eine legendäre Millionenerbschaft hin, die ihm ein gewisser Baring vermacht haben sollte. § Die Barrikade in der Zuchthauszelle. Das Kieler Schwurgericht verurteilte den aus dem Rendsburger Zuchthauſe vorgeführten Hausdiener Görke wegen versuchten Mordes zu fünf Jahren Zuchthaus und den üblichen Ehrenstrafen. Görke hatte im Untersuchungsgefängnis den Aufseher Lodi niedergeschlagen, mit einer Schere schwer verletzt und ihm die Schlüssel entrissen. Sein Fluchtversuch milang. Görke traf am Tage vor der Verbandlung in Kiel ein. In der Nacht hatte er seine Zelle völlig verbarrikadiert, so daß die Tür mit Gewalt geöffnet werden mußte. § Der Dallgower Gattenmordprozeß brachte gegen den Angeklagten Walther eine weitere Menge von Belastungsmaterial zutage. Es wird nachgewiesen, daß er mit seinem Dienstmädchen geschlechtlichen Verkehr hatte, trotzdem er es ableugnet. Ebenso geht aus der Zeugenvernehmung hervor, daß er sich vor seiner Reise nach Berlin durch Färben des Schnurrbarts unkenntlich gemacht hatte. Im Hotel hat er unter fremden Namen logiert. Diesen Verdachtgründen gegenüber fällt aber der medizinische Befund ins Gewicht. Die chemische Untersuchung der Leichenteile der ermordeten Frau Walther ist ohne Ergebnis geblieben. Eine Erdrosselung und nachträgliches Aufhängen ist nicht ganz auszuschließen, es wäre aber auffallend, daß dann sich nur eine Marie am Halse zeigte; es würden dann voraussichtlich zwei Marken entstehen. Dann ist noch an die Möglichkeit zu denken, daß die Gestorbene betäubt und als Leiche oder bewußtlos aufgehängt worden sei. Diese Möglichkeit ist gegeben, aber mehr kann man nicht sagen. Ein Selbstmord ist nicht ausgeschlossen. Der Staatsanwalt plädierte auf „ Schuldig des Mordes". Der Wildhirt. Eine oberhessische Dorfgeschichte von J. Becker. ( Fortsetzung) ( Nachdruck verboten.) Nab und Fern. A Weibliche Apotheker wird es von jetzt an in Desterreich geben. Eine Ministerialverfügung läßt die Abiturientinnen öffentlicher Mädchengymnasien zum Apothekerberuf zu, wenn sie sich über eine an einem öffentlichen Gymnasium mit Erfolg abgelegte Prüfung aus der lateinischen Sprache im Umfange der Anforderungen für die ersten sechs Gymnasialklassen ausweisen können. Gingeäscherte Städte. In der westrussischen Stadt Witebsk brach ein Feuer aus, das 177 Häuser des meist von der ärmeren Klasse der Bevölkerung bewohnten Stadtviertels einäscherte. Der Verlust beträgt über eine halbe Million Rubel. Viele Abgebrannte kampieren unter freiem Himmel. Ein gleiches Schicksal wurde der galizischen Stadt Buczacz zu teil, in der mehr als zweihundert Häuser verbrannten und auch zwei Menschen zu Grunde gingen. Ungefähr 3000 Personen sind obdachlos. Von der Gewalt, mit welcher die Flammen wüteten, zeigt der Umstand, daß viele Holzkreuze auf dem Friedhofe niedergebrannt sind und eine alte Frau mit Wagen und Pferden, welche auf der Straße standen, verbrannte. Tags darauf famen denn auch zwei Gensdarmen, die zum Bürgermeister gingen, damit dieser dem Besuche, den man der Wildhütte abstatten wollte, beiwohnte. Noch furchtbarer aber war eine Brandkatastrophe in der Ortschaft Babaj im ungarischen Komitat Neutra. Zahlreiche Gebäude fielen ihr zum Opfer. In den Häusern wurden elf verkohlte Leichen gefunden. Natürlich war es wie ein Lauffeuer im Dorfe herum, daß die Gensdarmen da seien, um den Pierersch Hangcurt aus der Wildhütte zu holen und nach heim zu führen, sowie eine ſtrenge Untersuchung der Hütte und deren Umgebung vorzunehmen. Im Anschluß hieran sei noch ein großer Warenhausbrand in Köln erwähnt, dem das erst vor einigen Jahren erbaute Hirschsche Warenhaus zum Opfer fiel. Waren und Stoffe verbrannten zum größten Teil. Die in Gefahr schwebenden Bewohner des zweiten Stockwerkes, eine Anzahl Frauen und Kinder, wurden durch einige beherzte Männer gerettet. Was einem Automobil- Sachverständigen passieren kann. Von einem Automobil überfahren wurde in der Mergentheimer Straße zu Würzburg die Schlossersfrau Elise Oberlies aus der nahegelegenen Grombühl, als sie mit Leseholz aus dem Guttenbergwalde nach ihrer Behausung zurückfehren wollte. Die Aermste erlitt am Kopfe und der Brust so schwere Verlegungen, daß sie bald darauf im Juliushospi tal, wohin man sie sofort nach dem Unfalle gebracht hatte, verstorben ist. Der Führer des Unglückswagens wurde als der Oberbauinspektor Horn festgestellt. Dieser Herr ist der amt liche Sachverständige für Automobilwesen in Würzburg; wer also die Berechtigung zum Automobilfahren haben will, mus sich erst von ihm eine Bescheinigung über seine Fähigkeit ausstellen lassen und diese der zuständigen Behörde vorlegen. Horn selbst hat nunmehr seinen Befähigungsnachweis auf so tragische Weise erbracht! Fast die ganze Dorfjugend folgte den Gensdarmen und dem Bürgermeister, als sie sich hinaus ins lichte Holz begaben. Sie umstand die Hütte im dichten streise, um mit gespannter Aufmerksamkeit zu sehen, was es jetzt geben würde. Allein es gab nicht viel. Der Wildhirt stand mit den Händen in den Hosentaschen vor dem Eingang und sah äußerst gleichmütig Bürgermeister und Gens. darmen daherkommen. Die letzteren musterten ihn mit vielsagenden Blicken und traten ohne weiteres in die Hütte. Aber sie war leer und von Hangcurt feine Spur. ,, Sag', wo steckt d'r Hangcurt?" fragte der Bürgermeister barsch den Wildhirten. Falschmünzer in der Kaserne. Zwei Infanteristen des 87. österreichisch- ungarischen Infanterie- Regiments in Pola sind als Falschmünzer verhaftet worden. Die beiden Infanteristen sollen, wie es heißt, in der Spenglerwerkstätte der Kaserne falsche Guldenstücke fabriziert haben. " Was weiß ich? Fragt seine Mutter!" versetzte dieser finster, wie gewöhnlich. [ Gerettetes Geld.] Zwei interessante Fälle von gerettetem Geld werden aus Baden berichtet. Im Nachlaß einer 78jährigen finderlosen Witwe in Oberlauchringen( Amt Waldshut), die letzten Sommer aus Amerika nach jahrzehntelangem Aufenthalt dort zurückgekehrt war, wurden 16 580 Mark vorgefunden, bestehend in Papiergeld und Gold, und zwar im Bettstrohsack, als dieser eben verbrannt werden sollte. Die lachenden Erben sind drei Schwestern, eine in Waldshut, zwei in Amerika wohnend. In Riedolsheim( Amt Karlsruhe) hatte ein Bürger sein Rote- Kreuz- Lotterielos, meil es ja doch wohl nichts gewonnen habe", eben einem Freund zum Verbrennen mittels Zigarre übergeben, als ihm ein Nachbar mit der Ziehungsliste in der Hand nachwies, daß das mißachtete Papierchen mit 5000 Mark gezogen sei. „ Na, wirst doch nit leugnen wollen, daß er sich bei Dic' cumgetrieben bat?" Hochwasser in Schlesien hat von neuem schweren Schaden angerichtet. Besonders im Gebiet der Biele sind große Verwüstungen zu verzeichnen. In Deutschwette ist die linke Dorfstraße teilweise aufgerissen, weil man den Schußdamm nicht vollendet hat, auch die Hotenploz ist über ihre User getreten und hat das ganze Tal überschwemmt. Katastrophe in einem Dampfbad. In Zagorze ereig nete sich im dortigen Dampfbad ein schwerer Unglücksfall. Das Bassin stürzte ein, wobei zwölf Personen schwer und zahlreiche leicht verletzt wurden. Der Landwirt. gb. Molkerei und Tiertuberkulose. Eine eigenartige Folge der Ausbreitung des Molkereiwesens will Oberroßarzt Flei scher in Halle a. S. entdeckt haben. Infolge der durch die Ausdehnung des Molkereiwesens bedingten reichlichen Ver fütterung von Magermilch habe sich die Tuberkulose unter dem Vieh ganz bedeutend ausgebreitet. In einzelnen Gegen den seien 80 Prozent des Rindviehes verseucht, ja auch die Schweine, die bisher von dieser Seuche ziemlich rein waren seien jetzt auf allen größeren Gütern von ihr befallen. Würde das Fleisch aller franken Tiere vernichtet, so würde der Land. wirtschaft ungeheurer Schaden erwachsen. Man vernichtet daher nur das Fleisch solcher Tiere vollständig, die stark abge magert sind und eine frische Infektion der Lymphdrüsen zeigen. In diesem Falle seien auch Fleisch und Blut infizieri mit Tuberkelbazillen. In allen anderen Fällen verwerfe man nur das infizierte Organ. 4. Sigung der Großh. Handelskammer Gießen für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach. Protokoll Auszug. Gießen, den 27. April 1904. Anwesend die Herren: Kommerzienrat Heichelheim, stellvertretender Vorsißender, Grünewald, Thring, Raz, Moll, Nowack, Rinn, Röhr, Zurbuch, sowie der Syndikus Dr. Knipper. Attentat auf russische Geheimpolizisten. In Warschau» wurden auf offener Straße nachmittags um 4 Uhr der Adjunkt des Chefs der Geheimpolizei, der Adjunkt des Poli zeikommissars und zwei Polizisten beim Eintritt in ein Haus von einer Bande mit Revolvern und Messern angefallen. Die beiden ersteren wurden getötet und ein Polizist schwer, der andere leicht verwundet. 4 Mitglieder der Bande wurden verhaftet. ,, Bei mir g'west is er allerdings, aber seit vorgestern nit mehr. Seine Mutter hat ihn g'holt." „ So, das is was anderes. Hast ja wohl nichts d'rgegen, wenn m'r mal' n bißchen uns bei Tir umgucke?" „ Gar nichts!" 1. Aus dem Geschäftsbericht ist folgendes mit zuteilen: a) Da im Entwurfe des Sommerfahrplans der Nebenbahn Butzbach- Lich den Bedürfnissen des Reiseverkehrs noch nicht hinreichend Rechnung getragen war, so hat die Rammer nochmals eine Alenderung in Vorschlag gebracht. Der Sommerfahrplan hat daraufhin die von den Interessenten gewünschte Umgestaltung erfahren. Bürgermeister und Gensdarmen wühlten die Bodenlage der Hütt auseinander, aber es fand sich auch nicht das Geringste, das nach irgend einer Richtung hin einen Verdacht betreffs Wieddieberei oder Diebstahl hätte unterstützen können. g) Bur Eachverständi gebracht. 2. Be Sammlung der Vollverf 24. und 25 Borfigende b teilgenommen Den Bericht Wiedergabe fo 3. Merz bor dem y märtte: D Martien auf des Markttage ärzten vorge Stunden Be beren Tiere e über den a einem erhebl an den Mar zu Alsfeld daß entweder oder die Unter tages borgeno Berechtigung des genannten 4. Ret Am 25. April Vertretern der fich auf eine vorstehende nächst dem werden soller einszollgefe Berjährung b fallen, desg oder zur Un drei Monate bei der Ueber im Innern zu laffung zur u Herablegung fellung der Sandelsgese die Erweite die Zeit von an die Bol die Sicherun Vereinsgebie die Boufreih b) Der Oberhessische Viehhändlerverein in Aisfeld hatte beantragt, den Bedarfsviehzug 6126 Alsfeld- Gießen, der an den Tagen vor den Gießener Viehmärkten gefahren wird und fahrplanmäßig um 12.44 mittags in Gießen eintrifft, mehrere Stunden früher zu legen, damit das Vieh noch am Vormittag in Gießen ausgeladen werden fönne, weil es sonst an heißen Sommertagen oft Schaden erleidet. Die Kammer hat diesen Antrag bei der Kgl. Eisenbahndirektion in Frankfurt a. M. befürwortet. c) Derselben Behörde ist ein Verzeichnis der bedeutenderen Düngemittelhandlungen des Rammerbezirks auf ihr Ersuchen mitgeteilt worden. Als man das Innere der Hütte genügend durchforscht, stöberten die Gensdarmen unter Beihilfe des Bürgermeisters die Umgegend, namentlich das nahe Nandaebüsch des Waldes, ab; allein es fand sich gar nichts Verdächtiges. An die Lehmkaute, die da drüben lag, dachte natürlich Niemand, und selbst wenn Jemand auf den Einfall gekommen wäre, sie zu durchforschen, so würde man doch schwerlich etwas gefunden haben, weil der Tiophel alles Verdächtige so wohl verborgen hatte, daß es selbst den gewiegtesten Spürnasen entgangen wäre. Das gehoffte Schauspiel, auf das sich der Dorfjanhagel schon so gefreut hatte, war also in Nichts zeronnen und enttäuscht zogen alle ab- nicht am wenigsten die Gensdarmen mit dem Bürgermeister. d) Die Kgl. Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. hatte die Kammer um eine Auskunft darüber ersucht, ob eine Aenderung des jezt üblichen Verfahrens der Nachnahmeverrechnung im Güterverfehr erwünscht sei, ob insbesondere für die Einrichtung, im Verkehr mit deutschen Bahnen die Auszahlung der Nachnahme durch die Post seitens der Empfangsstation zu bewirken, ein Bedürfnis vorliege. Die Kammer bat sich entsprechend den Aeußerungen der Mehrzahl der befragten Verfrachter für die Beibehaltung des jetzigen Verfahrens der Nachnahmeverrechnung ausgesprochen. ,,' s is dem Kerl nicht beizukommen," meinte einer der Gensdarmen. Ich möcht' doch drauf wetten, daß er irgendwo' nen Versteck hat, wo er sich alles das aufhebt, was nicht ihm gehört." „ Wie fonnt Gure Gemeinde aber auch den zum Wildhirt machen?" sagte der andere. e) Wiederholte Beschwerden der Interessenten über die Verzögerungen im Fernsprechverkehr zwischen Gießen und Frankfurt a. M. hatten die Handelsfammer veranlaßt, die Kaiserliche Ober- Postdirektion in Damstadt um Beseitigung dieses Misstandes zu ersuchen. Hierauf ist der Kammer mitgeteilt worden, daß zur Verbesserung des Sprechverkehrs auf dieser Strecke die Herstedung einer neuen Verbindungsleitung Frankfurt a. M. Gießen für das laufende Jahr vorgesehen sei. f) Am 9. April fand in den Räumen des Kaufmännischen Vereinshauses zu Gießen die zweite Konferenz der Lehrer an den faufmännischen Fortbildungsschulen Oberheffens statt. Zur Verhandlung standen die Fragen des Unterrichts in der Korrespondenz und der Zeugniserteilung. Im Anschluß an die Beratungen wurde von den Teilnehmern das Städtische Elektrizitätswerk besichtigt. „ M'r war'n froh, daß m'e ihm das Amt geben fonnten," erwiderte der Bürgermeister." M'r dachten, er würd ezt' n bißchen anders wer'n. Und außerdem, zum Wildhirt is er ganz gut." Die Dörfler sahen Gensdarmen und Bürgermeister zurückkommen ohne den Hangcurt und auch der Pierer war nicht wenig erstaunt, als die ganze Geschichte ergebnißlos verlaufen war. In wenigen Tagen war es jedoch im Dorfe herum, daß der Pierersch Hangcurt bei Nacht und Nebel nach Amerika gegangen sei, um der Schande zu entgegen, durch Gensdarmen ins elterliche Haus zurückgeführt zu werden. " Das hat seine Mutter jedenfalls gemacht", war das allgemeine Ureil. Auch der Pierer selbst erfuhr die Sache in dieser Art. Allein er freute sich im Stillen, daß seine Frau den Ausweg gefunden und in tatkräftiger Weise eingegriffen hatte. Darum tat er gar nicht, wenn der davon sprach, als habe er sie im Verdacht, die Abreise seines Sohnes veranlaßt zu haben. Er war nur zufrieden, daß alles diesen Verlauf genommen; denn er nach Hause holen zu lassen, ein sehr bedenkliches war, zollung der einfuhr nach fammer erflä 5. Vor das Etats Kammer wurd willigung des zu beantrager 6. Ein a) Da So ersucht de Wünsche. D Der Kammer übersenden. b) Von febung des ni Intereffenten Auskunft über c) Berid i intereffen in 2 abgaben. d) Flecht wesens durch bertrag. e) Mitte eins für die f) Belgi deutschen Har g) Jahr und der Rea Dber- Realsch männischen Raufleute zu bülfen zu S Deutschlands, chaftsbank un Darmstadt. Die Ging eit im Bureau * Der G lichen Brediger D. Dr. Wilhelm unter Anerkennu tand verfett. fühlte, daß das Mittel, seinen Sohn mit Gensdarmen Lichen Dienste m weil es geeignet war, die Selbstachtung Hangcurt's zu Burfter wu Burschen, welche ebenfalls um einzelner Streiche willen rofeffor, mit sernichten, und er wußte an Beispielen, daß andere durch Gensdarmen herbeitransportiert worden waren, dadurch auf den Pfad der Liederlichkeit und Verkommenheit geraten waren. ( Forts. folgt) Der dritte Bro ** Der S übel, Groß Burttembergif in Mainz, Anlegung des Ritterfreuzes Broßmütigen g) Zur Begutachtung in einem Streitfalle wurde ein Sachverständiger aus der Gärtnereibranche in Vorschlag gebracht. eigenartige Folge Oberropar Flei olge der durch die en reichlichen Ver Tuberkuloje einzelnen Gegen feucht, ja auch die emlich rein war r befallen. Wür unter würde der Lan 2. Berichterstattung über die Vollversammlung des deutschen Handelstages. An der Vollversammlung des deutschen Handelstages, die am 24. und 25. März in Berlin stattgefunden hat, hat der Borsigende der Handelskammer, Herr Kommerzienrat Koch, teilgenommen. In seiner Abwesenheit erstattete der Syndikus den Bericht über das Resultat der Verhandlungen, deren Man vernichte Wiedergabe schon früher in der Presse erfolgt ist. dig, die stark abg der Lymphdrüse und Blut infizier illen berwerfe mar elstammer **( Militärdienst nachrichten.) Graf zu Solms- Laubach, Leutnant der Reserve des Leib- Garde- Hus.Regts.( Rendsburg), zur Oberleutnant befördert. Schäfer, ( Gießen), Vizefeldw. des Inf.- Rgts. Kaiser Wilhelm( 2. Großh. Hess.) Nr. 116, zum Leutnant der Reserve befördert. Matthaei, Oberleutnant der Reseve des Inf. Regts. Kaiser Wilhelm( 2. Großh. Hess.) Nr. 116( Kiel), diesem mit der Erlaubnis zum Tragen der Landw. Armee Uniform, Kirchner ( Friedberg), Drude, Kretschmar( Gießen), Oberleutnants der Landw. Inf. 2. Aufgebote, der Abschied bewilligt. *** Submission. Für die demnächst mit dem Bau in Angriff zu nehmenden chirurgischen und ophtamologischen Kliniken zu Gießen wurden gestern u. A. folgende Offerten abgegeben: die Kanalbaugesellschaft Jäger& RumpfHanau Mt. 282000, von der Baufirma Abermann& Kling in Gemeinschaft mit der Baufirma Birkenstock& Schneider Mt 293450 und von dem Bauunternehmer Heinrich Winn Mt. 321000. ** Stachelbeere blüht reichlich und wenn noch die Obstbaumblüte und die der Heidelbeere, die jetzt beginnt, die aber wegen des hier um diese Zeit gewöhnlich eintretenden schlechten Wetters nur selten von den Bienen ausgenügt werden fann, benutzt werden kann, dann kann sich der Imfer freuen auf Schwärme und Honig. A Grünberg, 29. April. Heute Abend 8 Uhr findet hierselbst eine Gemeinderats sißung statt zu derselben ist folgende Tagesordnung aufgestellt: 1. Vorlage des Veranschlags der Entwässerungsanlage in der FrankfurterStraße. 2. die Vertilgung der Maifäfer. 3. Gesuch von W. Duchardt und Fr. Repp um Erlaubnis zur Errichtung eines Bretterbodens vor ihren Häusern. 4. Feuerlöschgerätschaften; Beschaffung eines Hydrantenwagens. 3. Aerztliche Untersuchung des Viehes vor dem Auftrieb auf die Gießener Viehmärkte: Die ärztliche Untersutung des zu den Gießener Märkten aufzutreibenden Viehes erfolgt jezt am Morgen R. Grünberg, 28. April. Kürzlich brachten wir eine des Markttages. Da diese Untersuchung nur von zwei Tiert'eine Notiz über das bald vollendete Sägewerf der Herren ärzten vorgenommen wird, so erfordert sie zweifellos zwei Haas hier. Heute hatten wir Gelegenheit, dasselbe in BeStunden Zeit. Infolgedessen würden diejenigen Händler, trieb zu sehen. Es ist eine ganz ausgezeichnete Einrichtung deren Tiere erst spät zur Untersuchung fommen fönnen, gegenDie Spar- und Leihkasse Gießen, jest mit Gatterwert neuester Konstruktion. Für Grünberg und über den anderen benachteiligt. da die Nachfrage schon zu Bezirkssparkasse Gießen, ist durch Entschließung Großh. Umgegend ist damit voraussichtlich ein rentables Werk geAlsfeld und einem erheblichen Zeile gebedt ist, wenn sie mit ihren Lieren Ministeriums des Innern vom 23. 1. Mts. als of fentschaffen. Behn Gügen des Gatterrerts und eine Brennholzan den Markt kommen. Der Oberhessische Biehhändlervereinliche Sparkasse gemäß des Sparkassengeseßes anerkannt fäge gehen gleichzeitig. Die Firma Kreuß& Röberzu Alsfeld hat daher die Kammer ersucht, dafür einzutreten, Chemnitz haben das Gatterwerk 2c. geliefert. daß entweder die Zahl der untersuchenden Tierärzte erhöht, ▷ Der Hessische Hauptverein der Gustav Adolf= oder die Untersuchung zum Teil schon am Vorabend des Markt- Stiftung wird seine 60. Jahresversammlung tages vorgenommen werde. Die Handelskammer erkannte die am 5 und 6. Juli in Groß- Gerau halten. Berechtigung der Beschwerden an nnd beschloß die Eingabe des genannten Bereins zu unterstützen. 7. April 1904. rat Heichelheim, , Jhring, Ras, Die der Syndifus ist folgendes mi lang der Neben des Reiseverkchs war, so hat die Borschlag gebrit ändlerberein 4. Revision des Vereins zolla e sezes. Am 25. April fand in Frankfurt a. M. eine Konferenz von Bertretern der Hessischen Handelskammern statt, in der man sich auf eine Reihe von Abänderungsvorschlägen für die bevorstehende Revision des Vereinszollgesetzes einigte, die dem nächst dem Großh. Ministerium des Innern unterbreitet werden sollen. Die vorgeschlagenen Abänderungen des Vereimszollgefeßes betreffen insbesondere: die Abkürzung der den Interessanten Berjährung bei Forderungen und Nachforderungen von Rollgefallen, desgleichen bei Ansprüchen auf Ersaz wegen zu viel oder zur Ungebühr entrichteter Gefälle von einem Jahre auf drei Monate, die Vereinfachung der speziellen Deklaration bei der Ueberweisung unverzollter Waren an eine Hebestelle im Innern zur schließlichen Bollabfertigung oder bei der Zulaffung zur unmittelbaren Durchfuhr mit Begleitschein I, die Herabsehung der Höchstsätze für das Lagergeld, die Gleichstellung der Haftung der Riederlage- Verwaltung mit der im Handelsgesetzbuch für den Lagerhalter vorgesehenen Haftung, die Erweiterung der Haftung der Zollverwaltung auf die Zeit von der Ablieferung der Ware durch die Eisenbahn an die Zollhalle bis zu deren Aufnahme in die Zollhalle, die Sicherung gegen Vertauschung bei Versendungen aus dem Vereinsgebiet durch das Ausland nach dem Vereinsgebiet, die Zollfreiheit des aktiven Veredelungsverkehrs, die Verzollung der im Ausland veredelten Waren bei der Wiedereinfuhr nach Makgabe ihres Mehrwertes. Die Handelsfammer erklärte ihre Zustimmung zu diesen Vorschlägen. Darfaviehzug 6126 Gießener Viehm 12.44 mittags zu legen, damit geladen werde gen oft S i der Agl. tet. nis der bedeuten erbezirks auf ihr furt a. M. hatte ersucht, ob eine er Nachnahmever insbesondere für Bahnen die Ausder EmpfangsDie Kammer Mehrzahl der be des jeßigen Ber prochen. refsenten über die erkehr zwischen ten die Handl tdirektion in D ersuchen. Hi Verbefferun Jung einer en Gießen für das äumen des Kauf zweite Konferenz ngsschulen Oberdie Fragen des Beugniserteilung 5. Voranschlag der Handelskammer für das Etatsjahr 1904/05. Der Voranschlag der Kammer wurde genehmigt und es wurde beschlossen, die Bewilligung des gleichen Staatszuschusses wie im vorigen Jahre zu beantragen. 6. Eingänge. a) Da in Brasilien ein neuer Zolltarif vorbereitet wird, so ersucht der deutsche Handelstag um Uebermittlung etwaiger Wünsche. Die Interessenten unseres Bezirkes werden ersucht, der Rammer etwaige Anträge zur weiteren Veranlassung zu übersenden. b) Von dem Handelsvertragsverein wird eine Uebersegung des niederländischen Zolltarifentwurfs herausgegeben. Interessenten fönnen vom Sekretariate der Handelskammer Auskunft über die neuen Zollfäße erhalten. c) Bericht über die Versammlung der Rheinschiffahrtsinteressen in Mainz, betreffend Erhebung von Schiffahrtsabgaben. d) Flechtner, die Neuregulierung des Feuerversicherungsworden. *** Vom hessischen gemeinnüßigen Verein zur Vermittelung von Land- und Kuraufenthalten ist erstmalig ein Verzeichnis der Sommerwohnungen im Odenwald, Vogelsberg und benachbarten Gebieten erschienen, das Interessenten unentgeltlich( durch den Geschäftsführer, Rechnungs- und Kassenführer Harth in Darmſtadt, Wilhelminenstraße 94), abgegeben wird. Nach einer solchen Busammenstellung bestand bis ißt ein wirkliches Bedürfnis. Das Büchlein ist sehr reichhaltig, es weist an nicht weniger als 154 Orten Sommerwohnungen nach und wird Erholungsbedürftigen und Touristen jedenfalls die wertvollsten Dienste bei der Auswahl ihrer Sommerfrischen und Touren leisten, insbesondere auch denen, die mit ihren Mitteln rechnen müssen. Eine Uebersichtskarte erhöht die Brauchbarkeit des Verzeichnisses wesentlich. ** Der aus Großen- Linden gebürtige Fuhrmann Otto Bauer hat am 29. Februar das Pferd seines Dienstherrn, eines Fuhrunternehmers in Budenheim, vom Sandwagen weg, für 62 Mart an einen Mainzer Pferdemegger verkauft und das Geld in einem Tage platt ge schlagen". Das Pferd hatte einen Wert von 900 Wt. Die hiesige Straffammer verurteilte den Bauer für seinen Streich zu 15 Monaten Gefängnis. Der Zimmermann Georg Feller aus Breßenhein, der ihn bei dem Handel behilflich gewesen war, erhielt 6 Monate Gefängnis. Aus dem Geschäftsbericht der Zentralstelle für Obstverwertung und über die Obstmärkte in Frankfurt a. M. aus dem Jahr 1903 ist folgendes zu berichten: Obgleich das Jahr 1903 eine sehr geringe Obsternte brachte, betrug das Angebot bei der Zentralftelle für Obstverwertung doch 14937 380 Stilo, dem aber die bedeutende Nachfrage von 28854408 Rilo gegenüberstand. Die Angebote verteilen sich auf die einzelnen Obstsorten wie folgt: Himbeeren 235000 Kilo, Heidelbeeren 809 200 Kilo, Johannisbeeren 127 835 Kilo, Preißelbeeren 106 500 Kilo, Kirschen 476050 Kilo, Alepfel 6349593 Rilo, Birnen 737097 Rilo, Zwetschen 5662 830 Kilo 2c. Verlangt wurden u. a. Himbeeren 295 825 Kilo, Heidelbeeren 247050 Kilo, Stachelbeeren 221 285 Kilo, Johannisbeeren 304210 Kilo, Kirschen 934 150 Kilo, Mirabellen 332 245 Kilo, Reineklauden 290 200 Kilo, epfel 19038 073 Rilo, Birnen 983 175 Kilo, Zwetschen 5240225 Kilo. Die durch Vermittelung des Komitees erzielten Abschlüsse beziffern sich, soweit sie bekanntgegeben wurden, auf 4712339 kilo. Auf den am 21. und 28. September und 5. Oftober abgehaltenen Kelterobst- Märkten waren angeboten 114 Waggon Kelteräpfel nnd zwei Waggon Zwetschen, von denen 29 Waggon Kelteräpfel verkauft wurden. Die Nachfrage nach Kelterobst der hohen Preise äußerst zurückhaltend. Der Obstmarkt für alle Obstsorten erfreute sich wie gewöhnlich starken Besuches. Ausgestellt waren ca. 500 Proben. Das Angebot betrug 423235 Kilo, verkauft wurden 226793 Kilo. Das Gesamtangebot betrug demnach: a) bei der Zentralstelle 15047 380 Rilo, b) auf dem Kelterobẞtmarkt 1160000 kilo, c) auf dem Tafelobstmarkt 423235 Kilo, Summa 16630615 Kilo. Der durch die unentgeltliche Vermittelung des Komitees erzielte Gesamtumsak beträgt: a) bei der Zentralftelle 4712339 Kilo, b) auf dem Kelterobstmarkt 290000 Kilo, c) auf dem Tafelobstmarkt 229793 kilo. Summa 5229 132 Rilo. Das Komitee hofft, daß seine Bestrebungen in allen Kreisen, namentlich aber bei den Obstproduzenten, immer mehr Anerkennung und Unterstützung finden, damit es seiner Aufgabe, den deutschen Obstbau und -Handel zu fördern und zu heben, in immer höherem Maße von den Teil belen durch den Geſetzentwurf über den Versicherungs- war eine sehr starke, doch verhielten sich die Käufer wegen fichtigt. das Amt geb „ M'r dachten Und außerdem nd Bürgermeist auch der Pier Geschichte n Tagen war erich Hangcurt b nze ngen sei, um det nen ins elterlid gemacht", t terer felbft erfuh te fich im Stillen nd in tatkräftiga er gar nicht, wenn vertrag. e) Mitteilungen des Berg- und Hüttenmännischen Vereins für die Lahn-, Dill- und benachbarten Reviere. f) Belgische Zolltarifänderungen, herausgegeben von der deutschen Handelskammer in Brüssel. g) Jahresberichte des Gymnasiums, des Realgymnasiums und der Realschule zu Gießen, des Realgymnasiums, der Ober- Realschule und der Höheren Handelsschule, der kaufmännischen Fortbildungsschule und des Vereins Mainzer Kaufleute zu Mainz, des Verbandes deutscher Handlungsgehülfen zu Leipzig, des Verbandes reisender Kaufleute Deutschlands, Leipzig, der Landwirtschaftlichen GenossenShaftsbank und der Bank für Handel und Industrie in Darmstadt. Die Eingänge fönnen während der üblichen Geschäftseit im Bureau der Handelskammer eingesehen werden. Lokales. 29. April 1904. ** Der Großherzog hat dem Direktor des evangegerecht werden kann. Verdacht, die schen Predigerseminars und zweiten Pfarrer zu Friedberg zu treiben, hier und da kommen auch schon einige Birnblüten + Aus dem nordöstlichen Oberhessen, 25. April. Das schöne Wetter der letzten 14 Tage lockt auch in unserer talten Gegend so allmählig die Vegetation hervor. Die Wiesen werden nach und nach grün, die Bäume beginnen en. Er war Dr. Wilhelm Weiffenbach auf erfolgtes Nachsuchen zum Vorschein, das Steinobſt iſt nahe am blühen, nur die ommen; denn unter Anerkennung seiner langjährigen treuen und ersprieß- Schlehenhecke( Schwarzdorn) ist schon vollständig im weißen mit Gensdarme lichen Dienste mit Wirkung vom 1. Mai 1904 in den Ruhe- Blütengewand. Die fast jede Nacht herrschende Kälte hält bedenkliches waand versetzt. ng Hangcurt's Burster wurde zum Direktor und ersten Professor und elen, daß andet der dritte Professor Lic. theol. Karl Eger zum zweiten wir auf eine gute Obsternte hoffen, soweit Obstbäume vorer Streiche wille Brofessor, mit Wirfung vom 1. Mai 1904, ernannt. t worden ware ** Der bisherige zweite Professor Dr. Paul die Blüten sehr zurück, was gerade für unsere Gegend sehr von Vorteil ist; kommen jezt feine Maifröste mehr, so dürften t und Verfommer Bürttembergischen Staatsangehörigen Professor C. B. F. gemeinen haben die Bienenvölker gut überwintert; man hört * Der König von Württemberg hat dem übel, Großh. Hessischen Direktor der Kunstgewerbeschule in Mainz, die nachgesuchte Erlaubnis zur Annahme und Anlegung des vom Großherzog demselben verliehenen Ritterfreuzes 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Broßmütigen erteilt. handen sind, woran es hier noch viel mangelt. Auch für die Bienen ist das Frühlingswetter gut gewesen. Im Allnur wenig von Verlusten durch Erfrieren oder Verhungern, sogar Schwärme sollen schon gefallen sein; doch dürften dies sog. Hungerschwärmer gewesen sein, bei denen das ganze Volk seine Wohnung verläßt, und die dem Imfer kein Gefallen sind. Die Salweide fonnte gut beflogen werden, die fonferenz der Lehrer für den Bezirk Grünberg A Grünberg, 29. April. Die diesjährige Frühjahrswurde heute hier abgehalten. Herr Kreisarzt Medizinalrat Dr. Haberkorn hielt einen Vortrag über„ Kinderkrankheiten". Darauf fand Musterlektion im Schreiben statt, gehalten von Herrn Kreisschulinspektor Kleinschmidt. Zum Schluß brachte derselbe noch verschiedene Mitteilungen und Verfügungen des Ministeriums zur Kenntnis. Ebenso gelangte der jetzt in ganz Hessen gültige Lehrgang für den Zeichenunterricht zur Verteilung an die Lehrer. Wetterfeld, 59. April. In der am vorigen Dienstag stattgefundenen Bürgermeister wahl wurde Herr kandidierte gegen den bisherigen Bürgermeister Herrn Lunke Landwirt Georg Krauß einstimmig gewählt. Der Gewählte von hier. Thermometer unter 0°. Auf den Bergen konnte man viel*** Oberlahnsteim, 28. April. Heute früh stand das fach starkes Eis finden. * ** Aus dem Kreise Usingen, 28. April. Die Zigeunerplage nimmt hier in lezter Zeit wieder überhand. Besonders werden Usingen und Wehrheim von dem Gesindel heimgesucht. in Stuttgart, Dozent an her dortigen Technischen Hochschule, Mainz, 28. April. Der Architekt Paul Bonaz wurde vom Justizministerium auf Grund seines mit dem 1. Preise gekrönten Entwurfs mit der Ausarbeitung aller Pläne für das neue Justizgebäude beauftragt. Mit dem Bau, der 3 Jahre erfordern dürfte, soll im Sommer 1905 begonnen werden. *** Boppard, 28. April. Der hier weilende Besizer von„ Bläsers Theater" aus Worms, H. Bläser, öffnete, als die Dampfmaschine nicht funktionieren wollte, siedendes Wasser über den Körper. Namentlich an der Brust das Dampfventil. Sofort strömten ihm Dampf und und den Beinen wurde Bläser schwer verbrüht. ** Wiesbaden, 28. April. Staatsminister a. D. von Thielen, der hier zur Kur weilt, hat vom Kaiser eine Einladung zur Teilnahme an der Einweihung der neuen Brücke in Mainz erhalten. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Oberhessen für Samstag, den 30. April 1904. Zeitweise windig, zeitweise heiter, Temperatur nur wenig verändert, höchstens im Norden etwas Regen. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Kirchliche Nachrichten für Gießen. Evangelische Gemeinde. 11 In der Stadtkirche. Cantate, Sonntag, den 1. Mai Vormittags 9.30 Uhr: Pfarrassistent Schulz. Militärgottesdienst Pfarrer Euler. Nachmittags 130 Uhr: Kinderkirche für die Marcusgemeinde. Pfarrer Schwabe. In der Johanneskirche. Sonntag, den 1. Mai. Vormittags 9.30 Uhr: Professor Dr. Drews. Nachmittags 2 Uhr: Kindergottesdienst für die Lukasgemeinde. Pfarrer Euler. Sonntag, abends 8 Uhr: Versammlung und Bibelbesprechung im Konfirmandensaal der Johanneskirche. Batholische Gemeinde. Samstag, den 30. April. Nachmittags um 5 Uhr und Abends 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht. Vorm. von 6.30 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beicht. Sonntag, den 1. Mai. 4. Sonntag n. Ostern. um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und in derselben Austeilung der heilig. Kommunion. " " " 8 Die zweite heil. Messe. um 9.30 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachm. um 2.30 Uhr: Chriſtenlehre; darauf Andacht. Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschaft. In der Synagoge, Südanlage. Sabathfeier am 30. April 1904. Freitag Abend 7.15 Uhr. Samstag vorm. 8.00 Uhr. Nachmittags 4.00 Uhr. Sabathausgang 8.30 Uhr. Wochengottesdienst: Morg. 630 Uhr, Ab. 8.30 Uhr. Methodistengemeinde, Asterweg 16. Sonntag, den 1. Mai, nachmittags 2 Uhr: Sonntagsschule; abends 84 Uhr: Predigt. Mittwoch, den 4. Mai, abends 8 12 Uhr: Bibelstunde Für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein. Bedingungen der Hessischen Landes- Hypotheken-, bank in Darmstadt für ihre vom 26. April 1. J. an bis auf weiteres zu erteilenden Zusagen. Bei Hypothef Darlehen an Private beträgt der Zinsfuß 334 Proz. Bei Kommunal- Darlehen beträgt der Zinsfuß nach Wahl der Anleiher entweder 3,70 Prozent für die ganze Dauer des Darlehensverhältnisses oder 3,75 Proz. für die ersten 10 Jahre und 3,625 Proz. vrm 11. Jahre an. Gurmania- fahrräines Reparaturwerkstätte sind unstreitig die besten! Seidel Naumann, Dresden. w NAUMAN GERMANIA Die an die Bank zu entrichtende einmalige für Bäder u. trader August Schwab, Giessen. Grosses Lager sämtlicher Vergütung für Geldbeschaffungsfost en beträgt 1½½ Proz. und erhöht sich um 0,20 Proz. für diejenigen Beträge, die nicht innerhalb 4 Wochen nach der Zusage abgehoben werden. Auf besonderen Wunsch der Anleiher wird die Bank in der Regel einen größeren Teil der einmaligen Vergütung in der Weise stunden können, daß die eigentliche Tilgung erst nach der völligen Begleichung des gestundeten Restes beginnt. Es werden nur Tilgungsdarlehen gewährt, welche von der Bank niemals gefündigt werden fönnen. Ebensowenig kann der Zinsfuß gesteigert werden. Dem Anleiher wird dagegen ein Kündigungsrecht eingeräumt. Prämiierung von Dienstboten. Die bewilligten Prämien fönnen an einen der Pinsel, Plocktrasse 4. Zubehörteile billigst. Tacke FÜRSTLICHE BRAUEREL KOSTRITZHÜRINGEN für alle Zwecke gut v.billig bei: Emil Fischbach Giessen. nächsten Zahltage( Dienstags, Mittwochs oder Sams- Vorteilhaftes Angebot! tags) bei unserer Kasse in Empfang genommen werden. Gießen, am 27. April 1904. Spar- und Leihkasse Gießen. Vergebung von Bauarbeiten. Die für den Rohbau eines neuen Schulhauses nebst Abortgebäude, Herstellung von Einfriedig ungen und Entwässerungsanlagen in Birklar erforderlichen Arbeiten und Lieferungen sollen im Wege schriftlichen Angebots vergeben werden und sind Angebote bis Samstag, den 7. Mai 1. J., nachm. 3 Uhr auf Großh. Bürgermeisterei Birklar, woselbst Pläne, Voranschläge und Bedingungen zur Einsicht offen liegen, portofrei einzureichen. Die Arbeiten und Lieferungen sind wie folgt veranschlagt: Erd- und Maurerarbeiten Steinmezarbeiten Zimmerarbeiten Dachdeckerarbeiten Spenglerarbeiten Schlosserarbeiten Schreinerarbeiten Weißbinderarbeiten Chaussierarbeiten Eisen- und Röhrenlieferung Basaltsteinlieferung 10723,05 Mt. 417,20 2524,65 947,79 389,10 201,50 282,80 " " " N " 19,20 " 32,30 " 1161,03 " 97,20" 3250 " " " 1900 2850 " " " 1520 " " 4550 " Direkter Bezug von der Fabrik für Private unter Ausfall d. Händleraufschlags! Die Fahrradfabrik ,, Schwalbe" Act.- Ges., gegründet 1896, Duisburg- Wanheimerort versendet zu Händler- Preisen ihre Fahrräder und Zubehörteile. Preisliste umsonst und portofrei. Mäntel schon zu ca. 4,20 Mk. Schläuche 2,8J 69.-" la. Fahrräder "" Turnschuhe bei L. Süss Marktstr. 9 u. Wettergasse. Turnvereine Rabatt! وو IETPADE LIVERPOOL WIEN FEDIN HIBITION FOR HYGI IN- LONDON 189 QUEEN LONDON Gegründet 1696 VENEDIG VICTORIA AL MERITO MAIRUNGSMITTE MAGDEBURG TTELAUSS 1893 AEENDE GEN MAGDEBURG INGIN DER DAM 189 AMSTERDAM BRIT LEIPZIG Gegründet 1696 Cöstritzer Schwarzbier. Dieses altberühmte Bier, welches infolge seines großen Malz- und WürzeExtractes und geringen Alkoholes besonders Kindern, Blutarmen, Wönerinnen, nährenden Müttern und Mekonvalescenten jeder Art von hohen medizinischen Autoritäten empfohlen wird, ist zu haben in Gießen bei Fr. Kühnhold. Bierdepot, Ludwigstraße 55. Man verlange ausdrücklich nur das echte„ Köstritz r Schwarzbier“. 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Der Großh. Kreisbauinspektor des Kreises Gießen. Diehm, Baurat. Verdingung. Nachverzeichnete Arbeiten und Lieferungen für die Feldbereinigung rechts der Lahn, sollen im Wege schriftlichen Angebots bergeben werden. 1. Erdarbeiten 2. Chauffierungsunterlagen ,, 3. Materiallieferung a) Brechen von Steinen b) Anfahren von Steinen c) Lieferung von Bord- oder Wandsteinen d) Lieferung von Kleinschlag e) Lieferung von llebergründungsmaterial beranschl. zu 522 Mr. " 1225" Die Verdingungsunterlagen liegen bei der unterzeichneten Behörde zur Einsicht auf. Angebote haben in Prozenten des Voranschlags zu erfolgen und sind verschlossen, postfrei und mit entsprechender Aufschrift versehen bis Mittwoch, den 11 Mai, vorm. 11½ Uhr bei der unterzeichneten Behörde einzureichen, woselbst deren Eröffnung um die genannte Zeit in Gegenwart der erschienenen Bieter stattfindet. Gießen, den 23. April 1904. Großh. Kultucinspektion Gießen. J. V.: Walle f. Freibant. 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Auf dem Dache ganz allein Saß Herr Spatz und grollte, Daß der warme Sonnenschein Heut nicht kommen wollte. Federröckchen kaum genügt Für so starken Regen: ,, Ach" piept er ganz mißvergnügt „ Heißt das Frühlingssegen!?" ,, Träumte längst von Schoten grün, Heimlich sie zu haschen Sah schon weiß den Kirschbaum blühn, Freute mich aufs Naschen. " „ Aber nun" ,, Still, lieber Mann," Mahnt Frau Spätzin leise, ,, Denkst du, ohne Regen kann Reifen süß die Speise? „ Immer kann der Sonnenschein Uns doch nicht umgeben, Mit dem Regen kommt Gedeihn Auch in unser Leben. ,, Sieh doch, wie die Bäume prangen In dem frischen Grün, Bald kannst du dir Kirschen langen Ohne viel Bemüh'n. „ Der die Blumen blühen macht, Ob der Sturmwind tost, Gibt auch auf uns Spazzen acht, Darum sei getroſt." Büffeljagd in Südafrika. Erlebnisse eines deutschen Jägers. Vor Jahren war ich in Südafrika in der Republik Transbaal und habe manche Jagd mitgemacht. Es ist ein schönes Land, zumal dort, wo Ströme und Flüsse ihren Weg nehmen und dem Lande Bewässerung geben; aber wo Wasser fehlt, glaubt man das Land in den verschiedenen Jahreszeiten nicht miedererkennen zu können. Im Herbst und Winter dünkt min sich dort in dem Gebiete des Todes; das Gros ist heruntergebrannt, und ganze Flächen sind kohlschwarz. Steingeröll bedeckt den Boden überall, größere und kleinere Blöcke und Steine liegen so dicht nebeneinander, daß man kaum begreift, wie Gras zwischen ihnen Platz findet zum Wachsen. Ein einziger warmer Frühlingsregen, und doch schauen sofort die kleinen dünnen Grasspigen hervor und werfen einen grünen Lebenshauch über das Todesfeld. Leben kommt in die ganze Landschaft, und bald ist nichts zu sehen, wie die üppigsten, schön begrasten Hügel. Im Sommer hat man Not, durch das Gras sich hindurchzuarbeiten, welches stellenweise eine solche Höhe erreicht, daß ein Reiter mit seinem Pferde darin verschwindet. Es war Frühling in Transvaal, und ich durchstreifte mit einem Neger das Land auf der Jagd. Nicht weit strömte der Fluß Limpopo, und häufig waren Sümpfe und Gewässer. Damals war das Wild noch zahlreich in jenen Gegenden, und reichlich lohnte die Jagd. Jetzt mag aber auch das schon anders sein. Vor den unaufhörlichen Nachstellungen ziehen sich die Tiere immer weiter zurück und kommen wenigstens in großen Scharen nicht mehr vor. Wir näherten uns einem Sumpfe, und unsere Hunde waren kaum mehr zu halten. Bald hörten wir auch dumpfe Laute; ein Brüllen und Grunzen tönte aus dem Rohrdickicht und dickem Gebüsch hervor. Es war mir bald klar, daß eine Herde kapischer oder kafferischer Büffel vor uns war. Vorichtig schlichen wir heran, denn dieſe kafferiſchen Büffel sind iußerst gefährliche Tiere, im höchsten Grade böswillig und ückisch. Die Jagd auf sie bringt deshalb nicht geringere Gefahren, wie diejenige auf Tiger. Mit sinnloser Wut türzen sie sich auf ihre Gegner, greifen Menschen und Tiere ohne Zögern und ohne Wahl an, schmettern sie zu Boder und zerfleischen sie mit Hörnern, welche wie ungeheure Wulste auf der Stirn aufliegen, und deren Spizen sich in der Mitte fast berühren, und zerstampfen mit den Füßen. Bald ge wahrten wir auch die sich im Schlamm wälzenden Büffel, wie sie am Tage gerne tun, während sie vom Abend bis Morgen gierig Blätter und Gras abweiden. Unsere Hunde eilten mit Tautem Gebell auf den Sumpf zu, aus dem sich die schweren Tiere auf ihren kurzen, dicken Beinen brüllend erhoben, um über die grüne Weide davon zu traben. Hinter einem Baume stehend, sandte ich ihnen aus meiner Büchse Kugeln nach, von denen die eine ein Tier niederstreckte; ein zweiter Schuß traf eine Büffelkuh, an deren Seite ein junges Tier lief. Verwundet machte der Büffel halt, wandte sich kurz um und kam, vor Wut schäumend und zorniges Brillen ausstoßend, auf den Baum los, hinter dem ich mit dem Kaffer stand. Es konnte eine schlimme Sache werden, denn wir waren verloren, wenn wir nicht sichere Hand behtelten. Die Wut hatte den Büffel unfähig gemacht, zu sehen, sinnlos stürzte er vorwärts, gerade auf den Baum los, hinter dem ich mich barg. Dicht vor mir prallte die mächtige Stirn gegen den Stamm; betäubt stand das Tier einen Augenblick. Aber ich sprang sofort seitwärts und richtete die Mündung der Büchse aus nächster Nähe auf die Bruft des Angreifers. Ein Schuß, und auf den Boden sank er. Der junge Büffel war seiner Mutter gefolgt und wurde von uns gefangen und behalten. Ein wenig gewöhnte er sich an die Gefangenschaft und legte die Wildheit bis zu einem gewissen Grade ab. Da aber doch, als er heranwuchs, die böse Gesinnung gelegentlich hervorbrach, mußte auch er später sein Leben lassen. Rätsel und Aufgaben. 1. Mit L bekleidet's Fuß und Hand, Mit Flernt führen sie gewandt. 2. Als einſt das Erst' im Zweiten ſich verſteckt, Um da der frischen Wande klug zu pflegen, Hat scharfes Aug' das Ganze dort entdeckt, Und reger Geist nußt es zu aller Segen. 3. Ihr müßt sie täglich alle essen Als Grütz, als Kuchen, Mehl und Brot; Der Herrgott hat sie zugemessen, Damit ihr leidet keine Not. Auch ist's ein Mann von großen Gaben, Der diesen schönen Namen trägt. Wenn ihr an diesem euch wollt laben, So leset seine Lieder recht. L Spiele im Freien. gv9913 Der Bärenschlag. Nach einem Abzählreime wird bestimmt, wer zuerst„ Urbär" sein soll. Diesem wird an einer Seite des geräumigen Spielplatzes ein besonderes Mal angewiesen. Die übrigen stellen die Herde dar und wandern abwechselnd, wie beim schwarzen Mann", von einem Ende des Platzes zum andern. Alle sind mit Plumpsäcken bewaffnet. Ein Schlag damit darf aber nur auf den Rücken erteilt werden. Der„ Urbär" bedarf keines Plumpsacks; es genügt, daß er einen der Mitspielenden mit der flachen Hand berührt, um diesen auch zu einem„ Bären“ zu machen. So lange er noch keinen zum„ Bären" geschlagen hat, darf er von niemand behelligt werden. Jeder sucht ihm zu ent fliehen; hat er aber einen Spieler zum„ Mitbären" gemacht, so müssen beide so rasch wie möglich nach ihrer Bärenhöhle" flüchten, denn alle übrigen verfolgen sie mit Plumpsackschlägen. Von ihrer Höhle" aus unternehmen beide" Bären" einen ges meinschaftlichen Raubzug, müssen sich aber dabei mit je einer Hand anfassen. Jeder von ihnen kann einen neuen Bär" schlagen. So wird bei jedem neuen Auslaufen die„ Bärenkette" länger. Die Flügelmänner schlagen andere zu„ Bären"; sobald ein„ Bärenschlag" aber erfolgt ist, lassen alle Bären" sich los und laufen rasch zur„ Höhle" zurück, da sie jedesmal geprügelt werden. Ist ein„ Bär" zu müde und will etwas ausruhen, so bittet er um ,, Gunst" und bleibt während seines Auslaufens in der„ Bärenhöhle" zurück. D Str. 95 Ficktag, den 29 April 1904. Oberhessische Familienzeitung. Cägliche Unterhaltungs- Beilage bez Gießener Neueste Nachrichten. Dnd und Berlag ber Chefener Berlagsbræderst, vorm. Bih Rollerichs Gudbradssei( gegs. 1788); ververs ( 4. Fortsetzung.) Iwan der Schreckliche. Original- Roman von Hans Hoffmann. ,,, Du kommst mir auf kein Damenkränzchen mehr, Helene! Dein Gelächter zeigt mir, daß du heute schon Schaden geIttten hast. Ich habe ja doch nicht gesagt, daß alles wahr ist; ich bin zum Beiſpiel vollkommen überzeugt, das Liebesverhältnis, von dem die Rede gewesen, ist ein ganz unschuldiges geweſen, aber die vielen Duelle sind und bleiben denn doch berdächtig, wenn man auch annimint, daß er jedesmal provoziert worden ist-" „ Siehst du, liebste Mutter," sagte Helene mit ungestörter Heiterkeit, so gefällst du mir, so mußt du immer sprechen, wenn die Leute dich ausfragen wollen. Begreife doch, daß gerade der Ruf eines wilden Pistolenschützen ihm nur nüz lich sein kann, weil sich die Leute und auch seine Schüler dann noch mehr vor ihm fürchten, als sie jetzt schon tun- und weiter braucht er ja nichts! Wir müssen, so viel wir können, dazu beitragen, ihn in Respekt zu setzen, Mutter. Siehst du, und dazu kommt das schauerliche Gefasel ganz wie gerufen.' Die Frau Rechnungsrätin blickte ihrer Tochter unendlich verblüfft ins Geſicht und begnügte sich dann damit, leiſe vor sich hin zu seufzen. Als sie zu Hause angekommen waren, begab sich Helene unverzüglich in den Hof, woselbst sich ein hölzerner Ausgußfasten mit beweglichem Deckel befand. Diesen Deckel hob ſie auf und schmetterte ihn mit aller ihr verliehenen Kraft, welche nicht gering war, wieder hinab, dadurch einen Knall erzeugend, der sich von einem mäßigen Kanonenschlag nicht wesentlich an Kraft unterschied. Dieses merkwürdige Spiel setzte sie in Pausen eine beträchtliche Weile fort. Voll Entsezen erschien die Frau Rechnungsrätin im Küchenfenster und sah staunend die rätselhafte Leibesübung ihrer verſtändigen Tochter. „ Kind, unglückliches Kind," rief sie hinab, was treibst du für Tollheiten? Die ganze Nachbarschaft wird in Aufruhr geraten!" Das soll sie auch," entgegnete Helene ruhig und ließ ihr Geschütz wieder knallen, und wenn sie kommt, sagen wir: Der Herr Doktor übt sich im Pistolenschießen!" ( Nachdrud verboten.)) Drittes Kapitel. Das Mädchenerziehungsinstitut von Fräulein Leinemann genoß auf Meilenweite des glänzendsten Rufes. Es gali für eine Muſteranſtalt in Hinsicht auf Sitte und Lehrer. Feſtere Disziplin, edleren Unterricht für junge Töchter be mittelter Stände gab es nirgends. Es war gleichsam eine chemische Waschanstalt für Mädchencharaktere; die zerknittertſten und verstaubtesten Exemplare kamen aus ihr zurück, wie gebadet in Wohlanständigkeit und weiblicher Tugend." Die Mittel, durch welche Fräulein Leinemann solche Wunder vollbrachte, waren die denkbar einfachsten; sie bestanden einzig und allein in sanften Blicken; Strafen kannte sie nicht. Diese Blicke aber übten über ihre Schülerinnen eine fast unwiderstehliche Gewalt, selbst fühllose Gemüter schmolzen vor dieser kondensierten Sanftmut in Reue dahin, und zartere Seelen fürchteten sie wie der Teufel das Weihwasser. Als denkende Pädagogin wußte sie natürlich die Intensität ihrer Zuchtblicke genau nach der Schwere der Vergehung abzumeſſen. Für eine gewöhnliche Vergeßlichkeit, einen schlecht geflochtenen Zopf, einen angetauten Federhalter und dergleichen Mittelsünden gab es einen kurz hinhuschenden, mit Sanftmut nur leicht imprägnierten Blick, dem Jagdhieb derberer Erzieher zu vergleichen; erheblich verstärkt ward die Gabe schon bei Faulheit oder hartnäckiger Unordnung, hier kam schon der Blick der sterbenden Gazelle in Anwendung; wehe aber der Unseligen, welche der gerechte Vorwurf des direkten Ungehorsams" oder der„ Unweiblichkeit erster Klasse" traf! Der Blick, welcher sie züchtigte, war der Inbegriff und Auszug aller Sanftmut spiritus clementiae rectificatissimus", sagte der Chemiker der Anstalt- er war engelhaft entsagend, hilfeflehend, in wollüſtigem Schmerz gebrochen, dämonisch verzweifelnd: die Sünderin vergaß ihn nicht mehr bis zu ihrem Todbette. Um diese Zeit geschah es, daß der reichste Bürger der Stadt, der Kommerzienrat Gruber, von schwerer Strafe für einen unpatriotischen Hochmut ereilt wurde: er hatte nämlich sein einziges Töchterchen Alma mit ungerechter Umgehung des Fräulein Leinemann einem Berliner Institut anvertraut, und die sechzehnjährige Alma kam nun zurück als der. selbe hübsche, kleine Satan, der sie zuvor gewesen war, völlig ungebeſſert und ungezähmt, ein Ausbund aller Untugenden, das wahre Modell einer höheren Tochter, wie sie nicht sein soll. Da ging der Kommerzienrat in sich und bat reuevoll Fräulein Leinemann, die Sünden der weltſtädtischen Pädagogik wieder gut zu machen und die milde Hand an seine entVon diesem Tag an war der Ruhm Iwans des Schreck lichen in Stolpenburg fest bgründet; vor allem bei den Schülern und den jungen Damen. Wenn die letzteren durch das tragisch Erschütternde und prickelnd Schauderhafte in seinen Schicksalen und Taten mit einem geheimnisvollen Schauer erfüllt wurden, so wirkte die Erkenntnis, daß dieser Mann des Zornes auch anderer Leidenschaften fähig sei, völlig überwältigend auf ihre Herzen. Vor der Phantasie der Schüler aber ſtand ein Duell als die äußerste Höhe des Lebensartete Tochter zu legen. Das war ein Triumph, wie die einnach der dämonischen Seite hin; und zitternd fügten sie sich dem Gewaltigen, denn jeder hatte die geheime Angst, Iwan der Schreckliche würde ihm bei dem geringsten Ungehorsam eine Pistolenforderung schicken oder auch noch einfacher einen Revolver aus der Rocktasche ziehen, wie andere Leute ihr Taschentuch, und den Unbotmäßigen mit einer graziösen Sandbewegung, auf seinem Plaz niederknallen. So hüteten sie sich wohl, seine Wut in Versuchung zu führen. heimische Erziehungskunst noch keinen erlebt hatte, ein öffentlich erteiltes Vertrauensvotum, das Fräulein Leinemann nicht hoch genug schätzen konnte; es war ein Geschenk, das sie sich wie bares Geld rechnen durfte, denn eine wirksamere Reklame ließ sich nicht gut ausdenken. Freilich verbarg sie sich auch nicht die Schwierigkeiten und Fährnisse, welche ihr etn solcher Zögling ins Haus brachte, allein der Stolz und der Ehrgeiz siegten, und sie gewährte dem reichen Mann mit ruhigem Lächeln seine Bitte. für Giner me begegnet ma des Gouverno Areifen. Nod tarifchen Obe haber geich Generalleutn Leutwein ble Beebenfall Generalleut das bleiben wir Биполәф ag bung! Donnerstag weſtafrika dak Meldungen Kaiser auf erflären, mährend da fendung ein weins als heit der 19 Diefe Forde Rei Sicher i Kaiser veri ausfallen eines Gene jagen. Wie groß Man sprich wolle weiter Die Kolonial itärtungen a machen. zu einer c Allein nur zu bald zeigte es sich, wie sehr es ein Danaergeschenk gewesen war. Alma Gruber erwies sich als schlechthin unzähmbar. Fräulein Leinemann verschwendete an dies eine Persönchen so viel sanfte Energie und energische Sanftmut, daß ste damit ganze Kannibalenvölker zu Vegetarianern hätte machen können; von Alma prallte das alles ab, wie von einem Panzerturm. Sie blieb ungehorsam, naseweis, trotzig, faul, plauderhaft, unaufmerksam, eitel, hochmütig, vor allem unweiblich, ein Schrecken aller Lehrer und mehr noch aller Lehrerinnen. Dabei aber blieb sie immer hübsch und graziös; schon be gannen die Augen der jüngeren Offiziere gefühlvoller auf ihrer Gestalt zu verweilen, und die oberen Klassen des Gym nasiums huldigten ihr mit einer feurigen Massenliebe, von welcher zunächst ihr einziger Bruder Hermann seinen Vorteil zog, denn dieser fand stets mit spielender Leichtigkeit Freunde, welche Aufsäße und Exerzitien für ihn verfertigten, wofern sie dafür nur einen Fuß über die geweihte Schwelle feines Vaterhauses sezen durften. Dieser stille Kultus der männlichen Jugend trug jedoch zu ihrer sittlichen Zerknirschung nicht wesentlich bei. Nun war wieder einmal irgend eine absonderlich schwere Tat geschehen. Fräulein Leinemann fühlte endlich, es galt den Ruf ihrer Anstalt. Dieses fürchterliche Geschöpf mußte gebändigt werden, oder sie selbst entsagte ihrer Tätigkeit und erklärte, ihren Beruf verfehlt zu haben. Zunächst beschloß sie, als letztes Mittel eine Tortur anzuwenden, welche bisher in ihrem Strafgesetzbuch nur der Theorie nach bestanden hatte und welche sie die Luftfur nannte. Dieselbe bestand darin, daß die moralische Patientin von ihr so lange schlechthin ignoriert, als Luft betrachtet wurde, bis sie mürbe war und zu Kreuze kroch. Diese Achtserklärung ward jetzt über Alma Gruber ausgesprochen, und zwar in der sehr verschärften Form, daß sämtliche Mitschülerinnen an der Vollstreckung teilzunehmen hatten. Damit war die Geächtete von jeder menschlichen Verkehr ausgeschlossen, gleichsam auf eine wüste Insel versetzt oder völlig in Luft verwandelt. Es galt für unmöglich, daß ein weibliches Gemüt diese Marter auch nur einen Tag lang ertragen könne. Allein die schreckliche Alma wußte sich auch hier zu helfen. Zunächst spielte sie eine Zeit lang mit großem Ergözen die Rolle der teuflischen Versucherin, indem sie ihre Kameradinnen m. der harmlosesten Miene unvermutet anredete und ihnen eine Antwort zu entlocken suchte, die ihnen dann notwendig einen sanften Blick des Fräulein Leinemann_zuziehen mußte. As aber bald ihre bösen Künste an der scharfen Schulung und Tugend der anderen scheiterten, verfiel sie auf eine neue Unterhaltung. Sie besaß unter anderen unnüßen Talenten auch eine nicht geringe mimische Begabung und verstand es, die Stimmen und Geberden ihrer Umgebung mit erschreckender Virtuosität nachzuahmen. Diese schöne Kunst begann sie während des gemeinsamen Mittagessens zu verwerten und solcherart mit sich selbst die muntersten Zwiegespräche zu halten. ,, Bitte, liebe Alma," redete sie sich mit der Stimme ihrer Mitschülerin Bertha Heding an, hilf mir doch bei meinem französischen Aufsatz; du weißt, ich bringe ihn nie ohne deine Hilfe zu stande." Mit Vergnügen, meine süße Bertha," antwortete Almas natürliche Stimme, ich will sogar wie neulich gern den ganzen Aufsatz für dich machen." ,, wie gut du bist! Wie liebreich!" sagte die falsche Bertha Heding. Nicht wahr, Alma," flötete die fingierte Stimme einer Edith Quade, du sagst es Fräulein Leinemann nicht wieder, daß ich ihr gestern hinter ihrem Rücken eine lange Nase gemacht habe!" " Hast du je gehört, daß Alma Gruber petzt?" ließ sich die Stimme eines Fräulein Wadepfuhl vernehmen. „ Aber es war sehr unrecht von dir, teure Edith," sagte die echte Alma mit mildem Vorwurf, du weißt doch, wie gut es Fräulein Leinemann mit uns meint und wie sanft sie ist." Ach, Alma, was wären wir ohne dich, du treue Warnerin!" flang begeistert die täuschende Stimme der kleinen Диаббе Aa ,, was ist doch der Fähnrich von Dobeneck für ein reizender Mensch!" hörte man Erna von Funk seufzen.„ Was er für herrliche Augen und Stiefel hat!" es gibt ,, Aber, Erna," rief die echte Alma entristet, nichts unpassenderes für ein junges Mädchen, als einen Husaren anzusehen! Besonders aber einen lebendigen!" In dieser Tonart ging es fort; die Geächtete unterhielt sich in der liebenswürdigsten Unbefangenheit unverdrossen weiter mit ihren selbstgeschaffenen Gesellschafterinnen. Die anderen armen Mädchen aber quälten sich jämmerlich, ihr Kichern zu unterdrücken; bald hier, bald dort zischte es plößlich auf wie eine angezündete Rakete. Fräulein Leinemann verstopfte ihre Ohren mit Sanftmul und starrte mit so leeren Blicken auf Almas Plaz, daß jeder erkennen mußte, sie sah dort Luft und nichts als Luft. Inzwischen hatte Alma im Geist bereits ihre bisherige Genossenschaft verlassen und sich einem höheren Kreise zu geſellt. Sie wagte es, ihre Lehrer selbst zu kopieren. Den Anfang machte sie mit dem deutschen Lehrer und dessen ge schmackloser Deklamationsweise. Mit süßlichem und heulendem Ton hob sie an: " Schon stehn die beiden Sänger im hohen Säulensaal, Und auf dem Throne sitzen der König und sein Gemahl, Der König furchtbar prächtig, wie blut'ger Nordlichtschein, Die Königin süß und milde, als blickte Vollmond drein-" Bei dem legten Verse warf sie einen bedeutsamen Blick auf Fräulein Leinemann und schwenkte plötzlich in deren sanften Tonfall über. Die unglücklichen Mädchen erstickten fast an dem verhaltenen Lachen; die meisten hatten sich die Taschentücher in den Mund gestopft und sahen wahrhaft beängstigend aus mit ihren blutroten Gesichtern und hervorquellenden Augen. Jetzt war der Augenblick gekommen, wo selbst Fräulein Leinemanns übermenschliche Gelassenheit ins Wanken geriet. Es war offenbar nicht mehr Luft, was ihre Augen an Almas Plaze sahen, sondern es war ein Schreckbild, eine junge Teufelin, welche ihr Zorn vernichten mußte. Den heute Anwesenden war es vergönnt, Fräulein Leinemanns olympische Stirn von Wetterwolken überschattet zu sehen. Allein Alma verstand es, ihre Erbitterung noch ein wenig zu vertiefen und ihr doch zugleich die Waffen des Zorns aus der Hand zu spielen: „ Nicht wahr, Fräulein Leinemann," sagte sie mit einer unnachahmlichen Treuherzigkeit,„ Sie nehmen mir den kleinen Scherz doch nicht übel?" Und während jene erschüttert mit sich selber kämpfte, ob sie das hübsche kleine Ungeheuer nicht einfach aus dem Hause werfen sollte, lenkte dieses schnell ab und rief mit fröhlicher Unbefangenheit: Kinder, wißt ihr, wie ich mir diesen König, furchtbar prächtig", vorstelle? Genau wie Iwan den Schrecklichen vom Gymnasium: Denn was er sinnt, ist Schrecken, und was er blickt, ist Wut- „ Na, paßt das nicht wie angegossen?" Eine überraschte Zustimmung malte sich in aller Augen. Fräulein Leinemann aber hatte in diesem Augenblid eine Offenbarung. Wenn irgend ein Mensch in der Welt, so war dieser all. gefürchtete Pädagoge berufen, Alma zu bändigen und die aus den Fugen weichende Disziplin der Musteranſtalt etn zurenken. Ihm und ihm allein mußte dies Werk gelingen; wenn aber doch nicht, wenn die Unverbesserliche auch seiner Kunſt trotte dann, ja dann war immer Fräulein Veinemanns Ruf gerettet, denn was jener Gewaltige nicht ver. mochte, das konnte auch von einem schwachen Weibe nicht verlangt werden; dann konnte Alma mit gutem Gewissen als eine verlorene Seele ihrem Vaterhause zurückgegeben werden. Fräulein Leinemann gestand sich, daß sie sich im stillen ein wenig auf den letteren Ausgang der Sache als den wahrscheinlicheren freute, denn immerhin würde ihr Ehrgeiz die Ueberlegenheit jenes finstern Mannes nur unter schmerzlichen Zuckungen anerkennen. Welch ein Genuß da gegen mußte es sein, den Helden von zehn Mordduellen vor dieser jungen Aeffin die Waffen strecken zu sehen! Wer weiß, vielleicht konnte man noch einmal aus dieser seiner Niederlage Kapital schlagen, wenn er erst Schulrat war! Ihr Entschluß war gefaßt, Doktor Belling für einige Unterrichtsstunden zu engagieren, selbstverständlich für einen sehr hohen Gehalt; das konnte die Musteranſtalt sich in solchen Fällen leisten. ( Fortsetzung folgt.), Daß die Menschen hier auf Erden viel mehr Leid als Frende zu erwarten haben, ist schon aus der Tatsache zu ersehen, daß die Dichter ein großes Leid viel erschöpfender zu schildern vermögen, als eine große Freude. 7 Nervöse Pflanzen. Von Dr. Hermann Schmidt. ( Nachdruck verboten.)) Obgleich mit Bestimmtheit nachgewiesen worden ist, daß die Angehörigen des Gewächsreiches keinerlei Organe besigen, welche den Nerven der Tiere gleichen und die als Apparate gelten können, mittels deren sich das Empfindungsleben äußert, hat man dennoch in neuerer Zeit eigentümliche Er scheinungen an Pflanzen als Nervosität bezeichnet, da die selben seltsame Uebereinstimmung mit den Symptomen am Tierkörper zeigen, welche von Nervenschwäche herrühren. Wir wissen, daß schlechte Ernährung, Kummer und Sorge, Ueberanstrengung und mannigfache andere, die normale Entwickelung des Menschen störende Einflüsse jenen Zustand herbeizuführen vermögen, der, so verschiedenartig er sich auch darstellt, mit dem allgemeinen Namen der Nervosität belegt wird, und durch ähnliche Ursachen ist es ebenfalls möglich, einzelne Pflanzen so nervös zu machen, als wären sie mit mirklichen Nerven begabt. Summer und Sorge wirken allerdings nicht auf die Pflanze ein, da ihnen das Gehirn fehlt, in dem geheimnisvoll die Leidenschaften entstehen und so Leid und Freude geboren werden, um einander in der Herrschaft abzulösen, bis zu dem Augenblicke, wo die Außenwelt vergebens durch die Tore der Sinne auf das rätselhafte Zentralorgan der Nerven eindringt, das lebend eine Welt zu gestalten vermochte, tot dagegen schweigt und vergeht wie das Blatt, das vom Baume fällt, dessen Spur binnen kurzem nicht mehr gefunden wird. Wohl aber werden Pflanzen nervös durch mangelhafte Ernährung und Ueberreizung. Viele Pflanzen schließen zur Abendzeit ihre Blüten, andere wieder legen ihre am Tage ausgebreiteten Blätter zusammmen, wenn die Sonne zur Rüste geht, so daß es scheint, als wenn sie sich zur Ruhe begeben und einschlafen. Am nächsten Morgen, wenn das Tageslicht wieder belebend zurückkehrt, öffnen sich die Blumen und falten sich die Blätter auseinander. Das sehen wir bei unserer sogenannten Akazie, bei den jungen Blättern der Bohne, bei dem Klee, der Sinn pflanze und unzähligen Blumen, die den Garten und das Feld schmücken. Werden die Blätter und Blättchen wirklich müde, die am Abend zurückfallen, als besäßen sie nicht mehr die Kraft, sich zu halten, oder die sich aneinander legen, als ſuchten sie sich gegenseitig gegen die nächtliche Kühle zu schützen? Faſt fönnte man es glauben, denn geschlossene Tulpen und Krokus öffnen sich, wenn sie dem Lichte einer Lampe ausgesetzt werden und reizbare Pflanzen schließen ihre Blätter und Blüten während der Dauer einer Sonnenfinsternis, als wäre die Nacht hereingebrochen, und verharren in einem kurzen Schlafe, bis die glänzenden Strahlen der Sonne wieder zur Erde gelangen. Die Seitenblättchen des australischen Süßklees, der auch bei uns in Treibhäusern gedeiht, schwingen bei Tage mehrere Male in der Minute auf und nieder und ruhen während der Nacht. Wird die Pflanze in einem dunkeln Raum gebracht, so schläft sie ein und rührt sich nicht, aber sie kann durch künstliches Licht zur Nachtzeit aufgeweckt werden und schwingt alsdann ihre Blätter wie am Tage. Bleibt sie jedoch zu lange im Dunkeln oder wird sie durch Beleuchtung mit Lampenlicht am Einschlafen während der Nacht verhindert, so nehmen die Blättchen eine Starre an, als wären sie in einen totenähnlichen Schlaf versunken, wie solcher bei Menschen beobachtet wird, die nach einer ungewohnten Anstrengung, zumal nach langem Wachen, einer Art von Scheintod verfallen. Die überreizte Pflanze erholt sich erst nach einiger Zeit wieder, wenn sie ungestört den normalen Verhältnissen zurückgegeben wurde. Beachtenswert ist der Umstand, daß bie Dämpfe von Chloroform und Aether ebenso lähmend auf reizbare Pflanzen wirken, wie auf Menschen und Tiere. Wird eine Sinnpflanze, deren Blätter sich bei der leiſeſten Berührung zusammenlegen, mit einer Glasglocke bedeckt, in die man einige Tropfen Chloroform gießt, so verliert sie in nicht langer Zeit ihre Empfindlichkeit und kann angerührt werden, ohne daß die Blätter sich falten und die Blattstengel wie erschreckt herabsinken. Die Sinnpflanze, welche auch den Beinamen die schamhafte" trägt, ist durch das betäubende Gift ebenso stumpf und gefühllos gemacht worden, wie ein Mensch, der unter dem Einflusse des Alkohols steht, den das Chloroform in der Wirkung um ein Vielfaches übertrifft. Wird die Pflanze gezwungen, längere Zeit in dem Chloroform- und Aetherdunst zu leben, so kränkelt sie und bleibt in ihrer Entwickelung zurück, um zuletzt zu Grunde zu gehen, wie Menschen, die dem Dämon des Alkohols unterliegen. Zieht man Pflanzen in einem Erdreich auf, dem der Chemiker durch geeignete Behandlung alles Eisen entzogen hat, das sich überall im Boden findet, so treiben sie blasse, gelbliche Blätter und werden, wie die Botaniker sagen, bleichsüchtig. Wird jedoch dem zum Begießen dienenden Wasser etwas Eisen in aufgelöster Form zugesetzt, so nehmen die Blätter bald eine tiefgrüne Farbe an, und die Pflanze gedeiht fröhlich, nachdem ihre Bleichsucht, wie die des Menschen, mit Eisenpräparaten kuriert worden ist. Es wurden nun empfindliche Sinnpflanzen in Blumentöpfen gezogen, deren Erde verschiedenartig gemischt worden war, so daß dem einzelnen Gewächse stets unzureichende Bodennahrung in verschiedener Weise geboten wurde. In einem Boden aus zwei Teilen verwester Pflanzenstoffe und einem Teil Sand wuchsen die Sinnpflanzen höher und blätterreicher als solche, die in fast reinem Sande gezogen wurden. Dies erscheint nicht auffallend, denn man weiß, daß auf magerem Boden die Pflanzen zurückbleiben und verkrüppeln; aber an den Sinnpflanzen konnten Beobachtungen gemacht werden, welche höchst interessante Tatsachen ergaben, die bisher noch nicht aufgefallen waren. Die schlecht ernährten Sinnpflanzen waren nämlich so empfindlich, daß schon der leiſeſte Luftzug oder Stoß sie veranlaßte, ihre Blätter zu schließen, während ihre normal ernährten Kameraden sich weder im Winde schlossen, noch auf eine zarte Berührung reagierten. Keine derselben brachte Blüten hervor; sie zeigten eine gelbe, kränkliche Färbung und starben bald ab. Die gnügend genährten Sinnpflanzen hielten eine Temperatur von sechs bis acht Grad Celsius noch gut aus, dagegen gingen die schlechtgenährten Eremplare bei dieser Temperatur ein, welche ihnen zum ferneren Gedeihen zu niedrig war. Die schlechtgenährte Pflanze war ebenso wenig widerstandsfähig gegen schädliche Einflüsse, wie es schlechtgenährte Menschen sind. Ueberreizung, berauschende Substanzen und mangelhafte Ernährung können Pflanzen in einen Zustand verseßen, der die größte Aehnlichkeit mit der sogenannten Nervenschwäche hat, an der überreizte, verlebte und mangelhaft ernährte Menschen ebenfalls zuweilen leiden, obgleich die Pflanzen keine Spur von einem Nervensystem besiben. Manchem möchte es vielleicht ein allerdings unzulänglicher Trost sein, im Pflanzenreiche Genoſſen ſeiner Leiden zu wissen, anderen wird sich möglicherweise das Gefühl des Mitleids bei dem Gedanken aufdrängen, daß es auch unter den Pflanzen arme und elende gibt, die auf unfruchtbaren Acker oder unter Dornen und Disteln gerieten, und sie entsinnen sich dann der Menschenknospen, von denen viele zu Grunde gehen, wie die Sinnpflanzen des Experimentators, still und stumm, nur dem Auge kenntlich, das sehen lernte und sehen will. Nachklänge. Wie das Kind, wenn's geweint hat, Sind die Augen schon zu, Lange noch schluchzet Und kommt nicht zur Ruh', Wie die See, wenn's gestürmt hat, Ist der Sturm schon gebannt, Lange noch treibet Die Welle zum Strand. So das Herz, wenn's geliebt hat, Noch woget gelind Und schluchzet noch lange Im Traum wie ein Kind. man weist der Nieder rollen, um aufständen Reichsschat Reichstages neuer, der Für den jugehen. 1 lich noch nic wähnten fai behälter ermo Schlag erw Verfügung, den Fesselb durch die u eine größer Kolonne gar nicht m nach seiner Oberst Di gezwungen Herero üb feit an ihr würden di Dem 9 bon Ansied Outjo und bei der dri bigungs fung anzun Mai beborst rn zu ber Immer m Jalu, di feit zu fonti ägigem Kar Bei der Fluß überfa Dat