Bt. 149. onnement@ prets: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Bfg., Seus gebracht 60 Pfg., durch die Doft bezogen stertelfabr. 1.50. Bastebetlagen: Oberbeffifthe Familienzeitung( täglich) und die tekener Geifenblafen( wochentlich). Bas Blatt arsebeint an allen Berttagen nachmittags. Dienstag, den 28. Juni 1904. Gießener 13. Jahrgang. Insertionspreis: Die einspaltige Betitzeile für ganz Ober heffen, die Kreise Mezlar und Marburg 10 Bfg ienft 15 f. Reklamen die Petitzeile 30 refp. 40 Pfg. Bostzettungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 83. Fernsprechanschluß Mr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Beitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Die Monarchenzufammenkunft. O Kiel, 27. Juni. Den heutigen Morgen benutzte Kaiser Wilhelm, um seinem englischen Gaste die Werkstätten zu zeigen, in denen man zum großen Teil jene Schiffskolosse gebaut hat, die sich auf Hen Wellen der Föhrde schaukeln. Er holte den König Oduard mit dem Verkehrsboot Hulda" von der Jacht ,, Victoria and Albert" ab, und Oheim und Neffe fuhren zunächst mad der Kruppschen Germaniawerft, an deren gründliche Besichtigung sich eine Inaugenscheinnahme des Linienschiffs Braunschweig" schloß. Von der Germaniawerft ging's zur laiserlichen Werft, wo besonders die neuen großen Anlagen tas Interesse König Eduards hervorriefen. Nach den Stätten rnster Arbeit, in denen Tausende von Werftarbeitern die herbigen Fäuste regen und die Maschinen stöhnen und ächzen, im Deutschlands eiserne Meeresfestungen zusammenzuchmieden, führte der Kaiser seinen Gast mit landesväterlichem Stolz auch an jene Orte, die soziale Fürsorge dem Arbeiterjeer geschaffen: in den Werftpark und zum Werfterholungsheim. Hier findet heute ein gemeinsames Fest deutscher und englischer Deckoffiziere, Maats und Gemeiner statt, an dem je 750 Engländer und Deutsche teilnehmen, die mit sämtlichen Kapellen der deutschen Kriegsschiffe in geordnetem Buge zum Festlokal ziehen. Im Anschluß an die Werftbesichtigungen folgte eine Bootsparade auf dem Flaggschiff des Admirals v. Köster ,, Kaiser Wilhelm II." und dann ein Frühstück beim Admiral." Vor der Ausfahrt mit dem Kaiser hatte König Eduard die Mitglieder des Vorstandes des kaiserlichen Jachtklubs an Bord der Victoria and Albert" empfangen, die ihm ihren Dank für die gestern abend durch ihn erfolgte Annahme der Mitgliedschaft übermittelten. Der König hatte noch nach dem Festmahl, das er gestern an Bord seines Schiffes gab und bei dem er zwischen dem Kaiser und der Kaiserin zu Tisch saß, der Leitung des vornehmsten deutschen Seglervereins wissen lassen, daß er es sich zur Ehre rechnen werde, dessen Abzeichen zu tragen. Darob herrschte natürlich großer Jubel in den prächtigen Räumen des Klubs, wo sonst in diesen Tagen im ganzen die Stimmung nicht so freudig war wie sonst wohl in dieser festlichen Zeit. Die Unglücksfälle bei der Ariegsbootwettfahrt und das anhaltende stürmisch- regnerische Wetter fönnen auch dem enthusiastischsten Sportsman die Laune trüben. Doch heut weht wieder ein frischer Segelwind aus Nordwest, wenn auch der Himmel noch immer seine Tränen nicht trocknen will. Die Jachten der Klasse 5 und 6, Die ihr Rennen auf der bekannten Dreieckbahn im inneren Hafen begonnen haben, profitieren von dieser günstigen Wendung ebenso wie die dritte Regatta der Sonderklasse bei Laboe, an der mit 11 Mitbewerbern auch die Jacht des Kronprinzen Angela" teilnimmt. Nur die flinken Motorboote sind bisher noch nicht dazu gekommen, den Fortschritt der modernen Technik im Wettkampf auf den Wellen der Föhrde zu demonstrieren. Doch hofft man, daß auch sie heute nachmittag endlich an den Start gehen werden. Morgen wird König Eduard von hier aus einen Abtecher nach Hamburg machen. Er trifft dort um 11 Uhr vormittags im Hofsonderzug am Dammtorbahnhof ein, wo er bon Mitgliedern des Senats und der englischen Kolonie empfangen und begrüßt wird. Auch eine Ehrenkompagnie wird zum Empfange auf dem Platz vor dem Bahnhofe Aufstellung nehmen. Vom Bahnhof aus unternimmt der König eine Wagenfahrt nach den St. Pauli- Landungsbrücken, die ihn durch die schönsten Straßen der Stadt führt. Um 12 Uhr mittags ist eine Hafenrundfahrt vorgesehen, nach deren Beendigung eine Wagenfahrt zur Börse stattfindet, welch letztere besucht werden wird. Gegen 2 Uhr begibt sich der englische Monarch von der Börse zum Rathause zwecks Teilnahme an einem ihm zu Ehren vom Senat veranstalteten Frühstück. Die Rückfahrt nach Kiel ist auf 3½ Uhr nachmittags festgesetzt. Der Krieg in Oftalien. Während es noch gestern hieß, daß die japanischen Armeen unter Kuroki und Oku sich vereinigt hätten, wird jetzt bon russischer Seite mitgeteilt, daß dieser Plan aufgegeben worden sei. Rückzug der Japaner. Ueber die rückwärtige Bewegung der Japaner meldel die Russische Telegraphenagentur folgendes: Die zweite Armee unter General Oku, die von Süden fam, ist auf der ganzen Linie zurückgegangen. Sie scheint die Absicht, sich mit der ersten Armee unter General Kurofi zu vereinigen, aufgegeben zu haben. Unsere Truppen haben Ssenjutschen besetzt. In der Umgebung von Ssiu. jan ist alles ruhig. Die Behauptung, daß der Plan aufgegeben sei, braucht nicht ohne weiteres zutreffend zu sein. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Kuroki ist als ungemein vorsichtiger Stratege bekannt und wird wahrscheinlich der wieder kräftiger einseßenden russischen Offensive gegenüber erst seine Verstärfungen abwarten wollen, die in beträchtlicher Zahl von Kuandiasian her im Anmarsch sein sollen. Die Russen sind ungemein rührig. General Kuropatkin ist in Tschaschitschao lan der Eisenbahn zwischen Port Arthur und Liautschana) eingetroffen und konzentriert dort größere Truppenkörper. Er soll entschlossen sein, die Vereinigung Ofus und Kurokis durch einen energischen Vorstoß zu verhindern. Inzwischen ist auch von russischer Seite ein Bericht über das letzte Seegefecht vor Port Arthur eingelaufen, der allerdings den Ausgang des Gefechts nicht schildert, aber interessante Einzelheiten bringt. Statthalter Alexejew meldet vom 26. Juni: Das Port Arthur- Geschwader ging unter der Flagge des Kontreadmirals Witthöft, bestehend aus 6 Schlachtschiffen, 5 Kreuzern und 10 Torpedobooten, am 23. d. M. um 8 Uhr morgens in See. Nach Beobachtungen von der Signalstation auf Liauteschan erfolgte das Auslaufen ohne irgend welchen Zwischenfall. Beim Auslaufen wurde am Horizont ein feindliches Geschwader, darunter drei Schlachtschiffe und 22 Torpedoboote, gesichtet. Unser Geschwader griff den Feind an. Nachrichten über das Ereignis habe ich bis zu diesem Augenblick nicht erhalten. Ueber das Schicksal der angeblich in den Grund gebohrten oder beschädigten Kriegsschiffe erfahren wir aus diesem Bericht also auch nichts. Ebensowenig aus einem Privatbericht, der den Seekampf bestätigt und dann fortfährt: Die Belagerung der Festung ist nicht vollständig durchgeführt. Unsere Truppen stehen 14 Werst von den Forts von Port Arthur entfernt. Die Dschunke, auf welcher der Ueberbringer dieser Nachricht war, wurde von einem japanischen Torpedoboot in den Grund gebohrt. Der Ueberbringer rettete sich auf eine Tonne, blieb zwei Stunden auf dem Meere, wurde dann von einer anderen Dschunke aufgenommen und gelangte schließlich nach Kaiping. Lebensmittel treffen in Port Arthur ungehindert auf dem Seewege ein. Eine Nachricht, die von der Explosion einer Landmine uf dem Bahnhof von Port Arthur zu erzählen weiß, bei er eine große Anzahl russischer Soldaten umgekommen ein soll, bedarf der Bestätigung. Barbarifche Kriegführung, Berlin, 27. Junt. Nachdem schon mehrfach Preßstimmen laut geworden waren, die die Japaner häßlicher Grausamkeiten gegen ver: mundete Russen bezichtigten, gesellt sich zu diesen Anklägern nunmehr auch die für offiziös geltende„ Russische Telegraphen agentur". Sie läßt sich aus Liautschang vom 26. d. Mts. melden, Prinz Bourbon( der als„ Don Jaime" bekannte Sohn des Prätendenten Don Carlos) sei Augenzeuge von empörender Behandlung russischer Verwundeter durch Japaner gewesen, die sogar Tote mit dem Bajonett durchbohrt hätten. Er habe bei der Räumung der Station Wafangou durch die russischen Truppen eine mit großen Buchstaben an eine Wand geschriebene, an die japanischen Generale und Offiziere ge richtete Mitteilung über die mit eigenen Augen gesehenen Greuel zurückgelassen, in der er zum Schluß die Zuversicht ausspricht, daß sich Aehnliches nicht wiederholen werde. Hoffentlich werden die japanischen Oberen alles aufbieten, um derartigen barbarischen Ausschreitungen entgegenzutreten. Aber ganz schuldlos sind die Russen nicht, wenn im japanischen gemeinen Mann die Leidenschaft entzügelt wird und sich in beklagenswerten Roheiten Luft macht. Das drakonische Verfahren der russischen Wladiwostokkreuzer gegen die wehrlose Besatzung der von ihnen aufgebrachten Transportschiffe ist, wie die nachstehende Zuschrift eines berufenen deutschen Fach: mannes beweist, eine unkriegsgemäße Grausamkeit gewesen, die die Wut der Japaner aufstacheln mußte. D. Red. Schon zu Beginn des Krieges wurde darauf hinge miesen, daß das Ringen entsprechend dem Charakter beider Parteien, ein äußerst blutiges werden würde, und die Nachrichten vom Kriegsschauplatz haben diese Ansicht vollauf be. stätigt. Die Japaner gehen mit einer Energie und Hintansegung des eigenen Lebens vor, die an den wilden Fanatismus der Janitscharen erinnert, und wie sehr sie dem Tode mit einer trotzigen Gleichgültigkeit entgegentreten, beweist der freiwillige Untergang der Truppen auf der„ Kinschu Maru", welche kürzlich von dem russischen Kreuzer Rossija" durch Torpedos zum Sinken gebracht wurde. Nun steht zweifellos den Russen das Recht zu, japanische Transportdampfer zu vernichten, aber das einfache Ersäufen bon mehreren hundert Mann gleich Ratten in der Falle muß unter allen Umständen als barbarisch und den modernen Anschauungen einer zivilisierten Krieg. führung widersprechend bezeichnet werden. Wenn es in offener Seeschlacht oft unmöglich sein wird, die Ueberlebenden eines sinkenden Schiffes vor dem Untergang zu retten, selbst beim besten Willen des Siegers- ich erinnere an die durch das Geschüßfeuer der italienischen Schiffe verhinderten Bemühungen der Desterreicher in der Schlacht bei Lissa nach dem Rammstoß des Erzherzog Ferdi nand" gegen den Rè d'Italia" so liegt bei der Vernichtung eines widerstandslosen Transportdampfers kein Grund bor, in so, ich wiederhole das Wort, barbarischer Weise zu handeln. Selbst der Ablauf der gesezten Frist zum Verlassen des Schiffes und der Weigerung der Japaner, diese innezuhalten und davon Gebrauch zu machen, entschuldigt das Vorgehen der Russen in keiner Weise. Hier hat die Wut über die bisherigen allgemeinen Niederlagen im Verein mit asiatischer Roheit bestimmend aemirft. Wenn die Tussen aber glauben, durch solche Handlungsweise einen Vorteil zu erringen, so dürften sie sich in schwerem Irrtum befinden. Die Division, welcher die Kompagnie Sufurais angehörte, soll wegen früherer Mutlosigkeit im Feldzug auf Formosa keinen guten militärischen Ruf gehabt haben. Dieser Makel ist durch den heldenmütigen Untergang der Kompagnie, welche fast geschlossen den Tod der Gefangenschaft vor30g, ausgelöscht worden. In den Reihen ihrer bisherigen Kameraden aber wird umsomehr jedem einzelnen ein blutiger Nächer erstehen, und auf Gnade wird kein Russe, der ihnen gegenübertritt, zu rechnen haben. Rachedurst ist ein scharfer Sporn, der selbst den Feigen vorwärts und zu Heldentaten treibt! Betrachtet man nun den Borgang vom rein militärischfritischen Standpunkt, so erscheint es unbegreiflich, daß die Transportschiffe von nur einem einzigen japanischen Kreuzer begleitet wurden, welcher sich der russischen Uebermacht gegenüber tatenlos verhalten mußte. Noch unbegreiflicher aber ist das Verhalten des Admirals Kamimura, dem die Aufgabe übertragen war, das Wladiwostok- Geschwader zu finden und zu vernichten. Nachdem das Auslaufen der Russen aus Wladiwostor durch ihre Tätigkeit bekannt geworden und unzweifelhaft war, hätte sich der japanische Admiral nicht auf eine nuẞlose Suche begeben sollen, sondern v or Wladimo st of Stellung nehmen müssen, um dort den Gegner zu erwarten und mit absoluter Sicherheit zu finden. Denn selbst in dem Falle, daß die russischen Kreuzer Kohlentransportschiffe mitführten und ihnen so eine längere Aktionszeit in Bezug auf BeweJungsfreiheit gewährleistet war, so mußten sie doch nach einem gewissen Zeitraum zur Ergänzung von Munition zurückfehren und fanden dann das Loch gesperrt. Die zur Zeit der Segelschiffe gültige Regel, daß die seegewöhnteste Flotte die überlegene sei, stimmt für heutige Verhätlnisse nicht mehr, sondern hat sich in das Gegenteil getehrt, daß die Schiffe mit ausgeruhter Maschine und Mannschaft die größeren Chancen für sich haben. Die letzten Vorgänge beweisen aber wiederum auf das schlagendste, von welch ungeheuerer Bedeutung für die Japaner die Einnahme von Port Arthur und darnach die Gemining absoluter Seeherrschaft ist. Graf Bernstorff, Korvetten- Kapitän a. D. Die Politik. In Bundesratskreisen glaubt man daraus : echnen zu sollen, daß die neuen Handelsverträge dem Neichsag sämtlich im nächsten Winter zugehen und daß der neue Zelltarif bezw. die neuen Verträge am 1. Oftober 1905 in Kraft treten werden. Wie unser Berliner CB- Mitarbeiter veiter hört, hat die deutsche Regierung bei den Handelsverragsverhandlungen mit der Donaumonarchie in Berlin den ntschiedenen Wunsch geäußert, daß die Entscheidung über ie handelspolitische Verständigung zwischen DesterreichUngarn und Deutschland noch vor dem Wiederzusammentritt > es deutschen Reichstages( im November) getroffen werde. Bon österreichischer Seite wird diesem Ersuchen willfahrt verden. Die zweite Lesung der deutsch- österreichischen Verjandlungen wird binnen kurzem beginnen. So lange der König Eduard der Gast seines kaiserlichen Neffen ist, beliebt es der britischen Presse wieder einmal Sajalmeicntöne gegenüber Deutschland erklingen zu lassen.„ Blut ist dicker als Wasser" ist für ein paar Tage die Losung der englischen Publizistik gegenüber dem deutschen Vetter. In eitel Liebe zu uns schwelgt das Blatt des englischen Ministerpräsidenten, der" Standard"; er schreibt: „ Die Kieler Begegnung ist ein Beweis von dem Nachlassen der Spannung, die einst in Europa bestand. Deutsche und Engländer haben nur davon abzustehen, auf Störenfriede zu hören, um zu sehen, daß sie keinen wirklichen Grund zum Streite haben. Kaiser Wilhelm und König Eduard schlagen einen wirksamen Weg ein, eine Lehre zu geben und aus diesem Grunde hat die Kieler Begegnung eine wirklich politische Bedeutung." In Deutschland hört kein Mensch auf „ Störenfriede", die zu einem deutsch- englischen Konflikt treiben. Wenn die Engländer selber den Rat des„ Standard" beherzigen und nicht nach Anlässen zum Streit mit uns juchen wollten, so wäre das sehr schön und wertvoll. Das beste Beispiel dazu könnte ihnen der" Standard" selber geben, der mehr als einmal das getan hat, was er jetzt uns und seinen Landsleuten bieder und brav widerrät. + Die bahnamtliche Zuführung des Exprekgutes an die Empfänger soll möglichst ausgedehnt und deshalb die Abrollung der Sendungen vertraglich besonderen Unternehmern übertragen werden. Der Eisenbahnminister hat angeordnet, daß die Eisenbahndirektionen das Erforderliche unverzüglich veranlassen. * O Der Beirat für Arbeiterstatistik hat in seiner in den letzten Tagen abgehaltenen Sitzung sich mit Vorarbeiten für die demnächst zu erlassende Fleischerei- Verordnung be schäftigt. Es wurden vornehmlich Angehörige des Fleischer. newerbes über die in diesem Gewerbe üblichen Arbeitszeiten In früheren Seiten wurde ich von Cherif- Pascha anders da du dich gegen ein solches Anfinnen verwahrſt, empfangen," berfette der Gefragte. Da hieß es nicht so dich körperlich zu züchtigen. drohe ich, Was tätest du da?" barsch: Was willst du hier?", sondern freundlich: Willtommen, Freund!"" Die Beiten ändern fich." erwiderte der Bascha in einem ich über das Seiek erhaben nicht auf gleicher Stufe ſtehe. Du vergiffest, mein Bester, daß ich mit deinem Freunde mährend In gewisser jer Beziehung bin macht Statt andrer leiden und unglücklich sein, Den bittren Kelch, den ihren Lippen strafend Für andre fürchten und für andre forgen, Entzücken. tümlich gep drückte ihr Gesicht gegen das ihres Mannes und Tachte vor Das Lustspiel war fast vollendet und eigenMarfaller vernommen. Es wurden 47 Auskunftspersonen und zwar 24 Fleischermeister und 23 Fleischergehilfen gehört, die in verschiedenen Gebietsteilen des Reiches tätig sind. Die vernommenen Arbeitgeber waren sämtlich von Fleischerinnungen, die Mehrzahl der Arbeitnehmer von Vereinigungen der Fleischergehilfen als Auskunftspersonen in Vorschlag gebracht worden. Ueber das Ergebnis der Erhebung ist vorderhand nichts bekannt. Türkei. Die braven Engländer haben nicht übel Lust. nicht nur in Tibet, sondern auch am Kaukasus auf Kosten der Russen im Trüben zu fischen. Man kann tausend gegen eins wetten, daß, wenn in Armenien Unruhen ausbrechen, englische Wühler ihre Hand im Spiele haben. Bei den jüngsten armenischen Unruhen steht das ganz außer Frage. Jezt beginnt England denn auch schon, wie immer im weiteren Verlaufe armenischer Händel, sich offiziell in die Sache zu mengen. Der englische Botschafter in Konstantinopel O'Connor liegt dem Sultan und der Pforte täglich wegen der Vorgänge in Armenien in den Ohren. In der letzten Audienz beim Sultan soll der Botschafter eine Sprache geführt haben, wie sie der Sultan selten zu hören bekommen hat. England scheint tatächlich Rußlands Verlegenheiten benutzen und in der Türkei den russischen Einfluß ganz verdrängen zu wollen. Der Augenblick hierfür ist auch deshalb günstig gewählt, weil Englands Heimlicher Verbündeter wider Rußland, die Vereinigten Staaten, gerade jetzt ein Geschwader nach den türfischen Gewässern entsendet, um den Sultan für ihre Forderungen gefügig zu machen. Beide angelsächsischen Mächte vor der Nase und den Zaren in einen üblen Krieg, der Rußlands Kräfte in Europa lahm legt, verwickelt zu wissen bas mag für Sultan Abdul Hamid Anlaß genug sein, sich ben Briten willfährig zu zeigen. Oefterreich- Ungarn. * Die Deutschen in Böhmen haben sich endlich aufgerafft zu gemeinsamer Bekämpfung des Tschechentums. Am Sonntag fand in Prag die konstituierende Versammlung des Deutschen Volksrats" statt, an der Vertreter der deutschen Fortschrittspartei, der deutschen Volkspartei, der Agrarier, der Christlich- Sozialen, des deutschen Schulvereins u. s. w. teilnahmen. Hoffentlich zeigen die Deutschen in Böhmen nun, daß sie sich nicht nur zusammen finden, sondern auch zusammen halten können. Nur durch die Gemeinbürgschaft aller Deutschen im Kampfe gegen die größenwahn. sinnigen Tschechen kann das Deutschtum in der alten böh. mischen Mark gekräftigt und zum Siege geführt werden. Amerika. Mit Rücksicht auf die mehrfach erwähnten Uebergriffe ber haitianischen Behörden gegenüber deutschen und französischen Staatsangehörigen haben Deutschland und Frankreich gemeinsam beschlossen, je ein Ariegsschiff nach Haiti zu senden, um eine angemessene Genugtuung zu erzwingen. Das von der haitianischen Regierung den Gesandten beider Mächte zugestellte Entschuldigungsschreiben wird weder in Berlin noch in Paris als aus= reichende Sühne angesehen. Preufsifcher Landtag. ( 21. Sigung.) an.- Herrenhaus. RK Berlin, 27. Juni. Das Lotteriegesez hatte heute in seiner vom Abgeordnetenhause beschlossenen Fassung die Feuerprobe vor der Pairskammer zu bestehen. Der Berichterstatter Graf York v. Wartenburg empfahl der ersten Kammer die Zustimmung zu den Beschlüssen des anderen Hauses. Nur ein Redner, Oberbürgermeister Strudmann, äußerte Be denken, dann nahm das Haus das Gesez in Bausch und Bogen Die Novelle zum Gesetz über die ärztlichen Ehrengerichte folgte; auch sie rief eine kurze Erörterung hervor. Es lag dazu ein Antrag vor, wonach die Höhe der ärztlichen Beiträge zu den Aerztekammern auf nicht mehr als 5 Proz. der Einkommensteuer des betreffenden Arztes festgesetzt werden soll. Er wird angenommen und der Rest des Gesetzes debattelos bewilligt. Der Gesezentwurf betr. die Gewährung von Beihilfen an die Veteranen von 1864 wird, da dies Sache des Reiches sei, abgelehnt. Haus der Abgeordneten. ( 91. Sizung.) RK Berlin, 27. Juni. Nachdem einige kleinere Vorlagen teils erledigt, teils von der Tagesordnung abgesetzt worden waren, wurde in dritter Lesung der Gesezentwurf betr. die Kapitalserhöhung bei der Seehandlung angenommen. Hierauf folgte die dritte Lesung des Gesezentwurfs betr. die Ansiedlung in der Ostmark, den die Polen durch den Antrag auf Zurückverweisung an die Kommission zu verschleppen suchten, was indes mißlang. Dann wurde vom§ 13b des Entwurfs aus Sturm gelaufen, weil einige Parteien in dem Rechte, die Ansiedlungsgenehmigung zu verweigern, einen Verstoß gegen die Reichs- und die preußische Landesverfassung erblicken. Der Zentumsabgeordnete Roeren vertrat mit Entschiedenheit diesen Standpunkt, während Abg. Glazel von den Nationalliberalen nachwies, daß diese Vorlage die urnotwendige Folge der staatsfeindlichen Haltung der Polen sei. Nicht die Polen sollen am Erwerb der Güter verhindert werden, sondern die Güterparzellierung durch die Polen soll befämpft werden. Dr. v. Dziembowski( Pole) nennt das Gesetz nach juristischem und logischem Gehalt eine Stümperei". Freiheri b. Zedliz und Neukirch wies alle Verschleppingsver suche zurück. Von den 5 anwesenden Ministern, Freiherrn v. Rheinbaben, Freiherr v. Hammerstein, Dr. Schönstedt, Dr. Studt und v. Podbielski, treten die erstgenannten drei mit großer Entschiedenheit für die Vorlage ein. Abg. Trä: ger von der Freisinnigen Volkspartei stellt sich auf den Standpunkt Noerens und v. Dziembowskis, seine Rede erntet in den Reihen der Bolen mehrfach stürmischen Beifall, und als er geendet, bringen ihm die Polen, die sich um ihn geschart haben, eine regelrechte Ovation dar. Schiffe an sich riß. In der Stille arbeiten die englischen Ingenieure an der Verbesserung der Technik, um das blaue Band des Ozeans zu erringen, aber sie haben es auch in jüngster Zeit nicht verhüten können, daß die deutsche Reederei mit einem neueren Schiff den Schnelligkeitsrekord geschlagen hat. In dieser Tatsache zeigt sich, wie recht seinerzeit Joe Chamberlain hatte, der gewiß nicht zu unseren Bewunderern zählt, als er in der rein theoretischen und wissenschaftlichen Ueberlegenheit des Deutschtums den Grund für unsere unaufhaltsamen Fortschritte erblickte. Unsere Leistungen sind tatsächliche Kulturerfolge, und es gibt daher dem Wettkampf der englischen Reederei einen Schein von Brutalität, wenn sie uns mit finanziellen Mitteln zu überflügeln sucht. Das blaue Band des Ozeans. Während in Kiel die Segeljachten der internationalen Sportswelt um den Schnelligkeitsreford ringen, kämpfen auf dem Meere die deutschen Reedereigesellschaften mit englischen Linien um das gleiche Ziel, um das„ blaue Band des Dzeans ,,. Für die Engländer war es eine der unangenehmsten Ueberraschungen, daß der teutonische Vetter auf dem Kontinent bereits furz nach dem Eintritt in den Seeverkehr die Frachten durch die größere Schnelligkeit und den Personenverkehr durch die arößere Behaalichkeit und Eleganz seiner Der Kampf um die Passagiere wird von der englischen Tunardlinie durch Herabsetzung der Zwischendeckspreise mit der größten Erbitterung geführt. Hinter dieser Gesellschaft teht bekanntlich die Finanzkraft der englischen Nation, denn seit den Tagen der Vereinigung der Reedereigesellschaften durch Morgan genießt die unabhängig gebliebene Cunardlinie in überaus reichem Maße die finanzielle Unterstützung der englischen Regierung. Ursprünglich war sie ebenfalls mit Morgan vereinigt, und es war ihr hauptsächlich der sogenannte skandinavische Verkehr zugewiesen. Das Anwachsen einer selbständigen skandinavischen Flotte gab ihr aber, als die Verschmelzung der Schiffahrtsgesellschaften in großem Stile betrieben wurde, den willkommenen Anlaß, sich von dem Vertrage mit Morgan zurückzuziehen. Sie engagierte noch einen der Morganschen Direktoren weg und nahm einen scharfen Tarifangriff gegen den Morganschen Dampfertrust vor. Die ganze Wucht des Stoßes aber richtete sich gegen die deutschen Meedereigesellschaften, denen sie insbesondere den zahlreichen österreichisch- ungarischen Verkehr durch Forzierung des Hafens von Fiume wegzunehmen suchte. Die ungarische Regierung fam ihr bei diesem Bestreben auf halbem Wege entgegen, indem sie der Gesellschaft jährlich 30 000 Auswanderer und für jeden Auswanderer einen Zuschuß von 100 Kronen ga rantierte. So fonnten natürlich die englischen Schiffe billige Passagierkosten berechnen, und Deutschland wäre mit der Zeit ganz erheblich geschädigt worden, wenn nicht die deut schen Reedereien den gegen sie geführten Schlag mit einem ebenso fräftigen Rückschlag beantwortet hätten. Anstatt sick untereinander zu befehden, vereinigten sie sich und benützten das durch die Schiffsverkäufe an Rußland gewonnene Kapital, um die in Fiume domizilierte österreichische Schiffahrts. iftiengesellschaft" sich anzugliedern. Deren Aktienkapital wurde auf 15 Millionen Kronen erhöht, von denen 5 Mil lionen von den deutschen Reedereigesellschaften übernommer verden. Die Gesellschaft bleibt in völlig selbständiger Form bestehen, nur die Auslandsagenturen werden in gemeinsam Negie genommen. Inzwischen hat die Cunardlinie die Zwischendeckspreise wiederum vermindert, und auch die deut schen Reedereigesellschaften sind ihr die Antwort hierau nicht schuldig geblieben. Da die englische Regierung es eigent lich ist, die diesen Kampf führt, so ist dieser geradezu ein nationale Frage und muß, wenn er in diesem Stile fort eführt werden sollte, zu weiteren Staatssubventionen führen Jedenfalls zeigt uns das brutale Vorgehen der englischer Schiffahrtspolitik das ferne Endziel, nämlich die vollständig Niederwerfung unserer deutschen Hande flotte, die ihr indel niemals gelingen wird, denn auch in Deutschland weiß man was er bedeutet, der Kampf um das blaue Bani des Ozeans. Nab und form. * Ein schwerer Automobilunfall hat sich bei Langenchwalbach zugetragen. Als Prinz Moritz von Schaumburg. Rippe mit dem Kammerherrn von Specht eine Automobilahrt unternahm, fuhr der Chauffeur, der einem Hunde aus. veichen wollte, eine Telegraphenstange an. Diese schlug um mnd erschlug den Kammerherrn. Der Erbprinz und der Shauffeur wurden aus dem Wagen geschleudert, erlitten aber nur leichte Verlegungen. + Das seltene Fest der diamantenen Hochzeit feiern heute Dienstag) die Eheleute Heinrich Högel und Frau Henriette jeb. Paffrath zu Krefeld. Der Jubilar zählt 79 und dessen Battin 81 Jahre. Den alten Leuten, die sich der besten Geundheit erfreuen, werden zahlreiche Ehrungen erwiesen. O Französischer Deutschenhaß. Während Théry, der franösische Sieger im Gordon Bennett- Rennen auf deutschem Bosen, sich in feiner Weise über die Haltung des durch die Niederlage des deutschen Champions Jenazzy enttäuschten Bublifums beklagen konnte, haben die Pariser sich in einem ihnlichen Fall zu häßlichen Ausschreitungen hinreißen lassen. Bei einem großen Radrennen belegten zwei Deutsche, Mayer und Rütt, gegen den französischen Favoriten Jaquelin die ersten Plätze. Daraufhin ließ ein Teil der Zuschauer ihrem gefränften Patriotismus" die Zügel schießen und veran staltete eine lärmende Kundgebung gegen Mayer, dem sie auch Sand vor das Rad warfen. A Das Defizit des Gordon Bennett- Rennens für den deutschen Automobilklub soll, wie aus Homburg v. d. H. ge meldet wird, ein ganz befrächtliches sein. Wie verlautet, merden die Garantiefondszeichner zur Deckung dieses Defi. zits mit der vollgezeichneten Summe einspringen müssen, in welchem Falle es noch sehr fraglich sein dürfte, ob die Unter. bilanz damit überhaupt gedeckt sein wird. Die Einnahmen, die die Veranstaltung des Gordon Bennett- Rennens gebracht hat, übersteigen kaum die Summe von 130 000 Mark, wäh rend die Ausgaben auf mehr als das Doppelte zu berechnen sind. Die Herrichtung der großen Tribüne auf der Saalburg hat allein 95 000 Mark gekostet. Andere Einnahmequellen, auf die man mit Sicherheit gerechnet hatte, sind leider aus. geblieben. So mußten die Einnahmen aus der Aufstellung der Rennwagen ausfallen, weil nur ein einziger Wagen auf dem grünen Rasen des Kurparks in Homburg aufgefahren var, und dem Automobil- Blumenkorso, für den eine Anzahl Preise gestiftet war, ist es nicht besser ergangen. Mit der Regimentskasse verschwunden sind zwei Drajoner Mulojarom und Riabow aus der Garnison Maryampol. Die Kasse enthielt 44 000 Rubel in bar und außerdem noch Wertpapiere im Betrage von 134 000 Rubeln. Der Regimentskommandeur vermutet, daß die Diebe über die Deutsche Grenze geflüchtet sind, und hat auf ihre Ergreifung ine olohnung von 500 Rubel setzen lassen. A Das deutsche Deroy, das bei Hamburg auf dem Horner Moor gelaufen wurde, fiel dies Jahr wieder einem österreichischen Pferde zu. Graf L. Trauttmannsdorfs Con amore siegte gegen Bon marché und Neal Skotch. Eine wichtige Entdeckung zum neuesten Berliner Lustmord ist jetzt gemacht worden. Der bisher fehlende Korb, in bem der mutmaßliche Mörder der kleinen Lucie Berlin. der Buhälter Berger, den Rumpf des unglücklichen Kindes nadi der Spree geschafft hatte, ist von einem Schiffer gefunder und jetzt dem Polizeipräsidium abgeliefert worden. Dii Riebetrut, die Geliebte des Berger, erkannte den Korb mil Sicherheit als den aus ihrem Zimmer, wo die Mordtat wahr scheinlich geschehen ist, von Berger entfernten wieder. Da anfänglich verhaftete Agent Lenz ist jetzt als gänzlich verdächtig entlassen worden. นา an artig tiefeingreif wirtung ber R der Gerechtigkeit parteipolitifgen in den Vorderg bes Wahlgefepa ΠΗΤ δι Fall war Sie 1) In Ueberei nationalliberalen der Anficht, daß einteilung Berfammlung er terungsgiffer unt der fonfeffionelle Bafis einer gere verständlich, daß der Wahlkreise § Der Konkurs der Scherrebeker Kreditbank. Wie Flensburg gemeldet wird, verurteilte die dortige Stra fammer den Vorsitzenden der Scherrebeker Kreditbank, Bast Jacobsen, und zwei Aufsichtsratsmitglieder der Kunstwe schule wegen Bergehungen gegen das Genossenschaftsgese ersteren zu zwei Monaten Gefängnis und 900 Mark Gel strafe, letztere zu je einem Monat Gefängnis und 600 Ma Geldstrafe. Eine Kollektivforderung zum Duell ließen die Agrame Universitätshörer dem österreichischen Reichsratsabgeordnete Dr. Schalk zugehen. Sie fühlten sich durch eine von diesen in einer öffentlichen Versammlung getane Aeußerung be leidigt. Sie wollen, wenn der Abgeordnete die Forderun annimmt, aus ihrer Mitte, wahrscheinlich durch das Los seinen Gegner bestimmen. Hus dem Gerichtsfaal. § Wegen Feigheit wurde vom Nürnberger Kriegsgeri ein Unteroffizier der Reserve zu sieben Tagen gelinden restes verurteilt. Er war vor einem Soldaten, der ihm dit Ehrenbezeugungen nicht erwiesen und dann mit dem Gabel auf ihn losgegangen war, davongelaufen, aus Furcht", wit die Anklage lautete, um die Wache zu holen. Der Unterofft zier hatte nur sein kurzes Infanterie- Seitengewehr al Waffe gehabt, der Soldat dagegen, ein Chevauleger, seinen langen Reitersäbel. gien der fleiner wegzufallen hat. entfchieden dage mit 282,000 Mt. 2,318,171 ift wie Rheinhe Steuerleiftung b entfchiedendfte pr bem Wahlrechtsa bei genauer Pri politit, insbesond im Intereffe des fratie. Von bie Berfammlung th der Stände dag gefeßausschusse einer Wahltreise Morgen 6 Ständetammer d man ift allgemei ** Die besuchten am vo foren die hiesige § Wegen Mißhandlung und vorschriftswidriger Behand lung Untergebener in drei Fällen und Beleidigung eines Untergebenen wurde der Hauptmann v. Abeken, Kompagnie chef im 12. Freiberger Jägerbataillon vom Kriegsgericht der 32. Division in Dresden zu insgesamt zwei Monaten Festungshaft verurteilt. Der Verurteilte ist ein Sohn des verstorbenen sächsischen Justizministers. § Freispruch einer Gattenmörderin. In Triest wurde Maria d'Amico, die in der Nacht vom 6. April ihren Man im Schlafe erschoß, vom Schwurgericht freigesprochen. De Ermordete war Hausbesorger und zugleich Schuster und mi handelte seine Frau und seine Kinder in schrecklichster Weise, infolgedessen sein elfjähriger Sohn gestorben sein soll. A jenem Abend war er vollständig betrunken und wollte un jittliche Handlungen verüben. In ihrer Verzweiflung wollt die Frau sich und ihr Töchterchen umbringen, schoß jedoc auf den Mann. Die Geschworenen erkannten sie einstimmi der Tat schuldig mit dem Rusaße der Sinnesverwirrung, wo rauf der Freispruch erfolgte. Lokales. 28. Juni 1904. * Die Beratung der Wahlrechtsvorlage im Plenum der Zwetten Kammer beginnt morgen Mittwoch, den 29. Juni. Man sieht den Debatten darüber in politi sen Kreisen mit großer Spannung entgegen und erwartet namentlich bezüglich der Wahlkreiseinteilung sehr lebhafte Auseinanderseßungen. A Die Tagesordnung für die nächste Sigung der Stadtverordneten Versammlung am tommen den Donnerstag, den 30. Juni, nachmittags 4 Uhr, umfaßt folgende Punkte: 1. Mitteilungen.- 2. Gesuch der Gail'schen Dampfziegelei um Erlaubnis zur Erbauung eines Ringofens; hier: Dispens. 3. Baugesuch der Joh. Gg. Weber Erben für Neuen Bäue 18 und 20; hier: Dispens. 4. Gesuch des Karl Gessert dahier um Erlaubnis zur Anbringung eines Firmenschildes am Hause Bleichstraße 31.5. Gesuch der Firma Sack& Jughardt um Erlaubnis zur Anbringung eines Firmenschildes am Hause Südanlage 20.- 6. Her stellungen am Elektrizitätswerk und Anschaffungen für das selbe. 7. Beschaffung von Farbe zwecks Anstrichs ver schiedener Brückentonjiruftionen. 8. Bergebung von Stein mezarbeiten fürs alte Schloß. 9. Anlage einer Zapfftelle der Wasserleitung in der städt schen Kaserne. 10. Be schaffung von Wandtafeln für die Stadtmädchenschule. 11. Beschaffung von Bureauräumen für die Bü germeisterei. 12. Befestigung des Viehmarkiplages. 13. Ausbau der Verbindungsstraße zwischen der Frankfurterstraße und dem Bahnübergang. 14. Errichtung eines Geräte - - - - - - 16. 17. schuppens für das Tiefbauamt und den Stadtgärtner. 15. Das Adreßbuch der Stadt Gießen. Ausbeutung eines Sandlagers im Stadtwald. Vertilgung der Obstschädlinge. 18. Ueberlassung einiger Beete im Pflanzgarten Lumpenmannsbrunnen an Forstwart Arft. 19. Vermietung eines Kellerraums im Schlachthaus an S. Klebe zur Fellaufbewahrung. 20. Sonntagsruhe im Handelsgewerbe. 21. Gesuch des Karl Vogt dahier um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Hause Brandp ag 13. 22. Desgleichen des W. Schneider für Walltorstraße 24. 23. Desgleichen des Ludwig Gräf für eine Kantine bei den Kliniksneubauten. 24 Des gleichen des Konrad Ruth für seinen Hof Klinifstraße 24. 25. Desgleichen des Heinrich Elges für seinen Garten Seltersweg 68. 26. Desgleichen des Heinrich Prieß um Erlaubnis zum Branntweinausschank im Hause Ebelstraße 2. > Gegen die hessische Wahlkreis einteilung In der am Sonntag zu Oppenheim stattgefundenen Brotestversammlung Rheinhessens gegen die Beschlüsse des Wahlausschusses bezüglich der neuen Wahlkreiseinteilung wurde folgende Resolution angenommen: " - * § Nach Rechtsanwalt S meifter in Fried fandidaten für d In legter über neue Eif auch am Sonn mörlen flattfi in der Umgegen tag verschoben m Eine in Oppenheim zusammengetretene, aus allen Teilen der Provinz sehr zahlreich 6 suchte Versammlung theinhessischer Bürger hat Stellung genommen zu den Arbeiten des Wahlgeschausschusses ud diese ihre Stellung in folgenden Säßen niedergelegt: Zunächst haben wir das fol gende prinzipiell zu erklären: Durch den Kompromiß der verschiedenen Parteien in einem Ausschusse kann eine der** * 8ur tag in Limburg Kanalvereins, di zur Annahme, führungen in d aufs neue nachd fchiedung der nehmigung der lichen Existenz duftrie im Lahr hang stehenden barer Zeit der der von den B des Lahntals auszuwandern. nahmen nicht H von der Weish vollen Schuß d des Lahngebiet fation erblickt Schließt, die preußischer 8 ordnetenhauses Lohnfanalisoti wahl des Vor Bürgermeister + ef Sonntag in wettftreit errar in Klaffe I b und den 2. Gießen in R Gefangverein 2. Ehrenpreis 4. Preis. > Erst In den Borm im Restauran hessischen Großeinfaufeg anwesend, um Er hatte eine artigsten Rolo bon den Anwe waren die Ro Stauffen be Gießener * Gine dauer im Bundesrat w Lidliden Stunde em Sdiffer iefert moorden annte den po die Mor fernten miele felt als gan Freditbank, Sie dortige fer Kreditbart Lieder der Genojiendo und 900 Mar ngnis und 60 ll ließen die eichsratsabge Durch eine bo etane Aeußer rdnete die Fo nlich durch da tsfaal. nberger Krieg Tagen gelin Soldaten, der i dann mit dem en, aus Fur jolen. Der Un ie- Seitengeme Chebauleger riftswidriger nd Beleidigung Abeten, Komb bom Kriegsgeri amt zwei Ma ilte ist ein So . In Triest 6. April ihren! t freigesprochen. eich Schuiter und in schrecklichster torben sein soll infen und woll Verzweiflung bringen, schoß fannten sie einstim Sinnesverwirrung 28. Juni 1904 tsborlage morgen Millwo En darüber in politi tgegen und erwart eilung fehr lebbo fte Sigung de ung am tomme ags 4 Uhr, umf Besuch der Gail's ng eines Ringofer h. Sg. Weber Erb pens.- 4. Gef r Anbringung ein -- 5. Gesuch 8 zur Anbringu ge 20.- 6.5 haffungen für d Deds Anftrichs v rgebung von St age einer Bapt rne. 10. Otmädchenschule. Die Bü germeister .- 13. Ausb antfurterstraße u ng eines Gerät den Stadtgärtne Gießen. adtwald. 16 11 18. Ueberloffun mannebrunnen a es Rellerraums ir aufbewahrung. artig tiefeingreifende Verfassungsänderungsfrage ohne Mit wirfung der Regierung auch nicht einmal vorschlagsweise der Gerechtigkeit entsprechend gelöst werden, weil sich bei parteipolitischen Erwägungen die Machtfragen unabweisbar in den Vordergrund drängen, wie dies bei der Entscheidung des Wahlgefeßausschusses leider in erfolgreicher Weise der Fall war. Hieraus ergeben sich für uns folgende Thesen: 1) In Uebereinstimmung mit dem Landesausschusse der nationalliberalen Partei ist die Versammlung entschieden der Ansicht, daß eine eventuell geplante neue Wahlkreiseinteilung nur durch Gesez zu verabschieden ist. 2) Die Versammlung erblickt in der Zugrundelegung der Bevölferungsziffer unter gleichzeitiger tunlichster Berücksichtigung der fonfessionellen Verhältnisse sowie der Steuerleistung die Basis einer gerechten Wahlkreiseinteilung. 3) Es ist selbst. verständlich, daß aus diesen Gründen bei einer Neugestaltung der Wahlkreise die Rücksicht auf die alten Wahlkreisprivilegien der kleinen Städte Alsfeld, Friedberg und Bingen wegzufallen hat. 4) Im Interesse der Gerechtigkeit wird entschieden dagegen Verwahrung eingelegt, daß Oberhessen mit 282,000 Einwohnern und einer Steuerleistung von Mt. 2,318,171 die gleiche Anzahl von Abgeordneten zugedacht ist wie Rheinhessen mit 348,000 Einwohnern und einer Steuerleistung von Mt. 4,748,780. 5) Auf das Allerentschiedendste protestiert die Versammlung gegen die von dem Wahlrechtsausschuß beliebte Wahlkreis geometrie, die sich bei genauer Prüfung darstellt als eine einseitige Interessenpolitik, insbesondere als eine fonfessionelle Wahltreiseinteilung im Interesse des Zentrums, sowie zugunsten der Sozialdemofratie. Von diesen Gesichtspunkten ausgehend, richtet die Versammlung rheinhessischer Bürger an die beiden Kammern der Stände das dringende Ersuchen, dem von dem Wahlgefeßausschusse der Zweiten Rammer beschlossenen Entwurf einer Wahlkreiseinteilung die Zustimmung zu versagen." Morgen beginnen vor dem Plenum der II. Hess. Ständekammer die Beratungen über diese Gesetzesvorlage und man ist allgemein gespannt, was herauskommt. ** Die Studenten der Gießener juristischen Fakultät besuchten am vorigen Sonntag unter Leitung ihrer Professoren die hiesige Bellenstrafanstalt. - 21. Gesuch be irthdaftsbetrieb i des W. Schneide des Ludwig Graf 24 De finifftrage 24. feinen Garten einrich Brieß un aufe Ebelstraße 2 reiseinteilung mftattgefundenen Die Beschlüffe des freiseinteilung tene, aus allen men zu den r ihre Stellung in ben wir bas fol Rompromis ber fann eine ber te Versammlung § Nach Blättermeldungen besteht die Absicht, den Rechtsanwalt Sanemann in Hungen, früherer Bürgermeister in Friedberg, bei der nächsten Wahl als Landtagsfandidaten für den Kreis Büdingen aufzustellen. * In letzter Zeit wimmelt es von Versammlungen, die über neue Eisenbahnprojekte beraten. So sollte auch am Sonntag eine solche Versammlung in Obermörlen stattfinden, die aber wegen den verschiedenen Festen in der Umgegend an diesem Tage auf einen späteren Sonntag verschoben worden ist. *** 8ur Lahnkanalisation. Bei der am Sonntag in Limburg abgehaltenen Hauptversammlung des LahnKanalvereins, die zahlreich besucht war, gelangte eine Resolution zur Annahme, in der es u. a. heißt: Die heutigen Ausführungen in der Hauptversammlung haben allen Beteiligten aufs neue nachdrücklich vor Augen geführt, daß bei Verabschiedung der wasserwirtschaftlichen Vorlage und bei Genehmigung der Mosel- und Saar- Kanalisation der wirtschaftlichen Existenz der Jahrhunderte alten Berg- und Hüttenindustrie im Lahngebiet und der damit im engsten Zusammenhang stehenden Tätigkeit in Handel und Gewerbe in absehbarer Zeit der Todesstoß verseßt und die seßhafte, treu an der von den Vätern ererbten Scholle hängende Arbeiterschaft des Lahntals gezwungen wird, nach den Industriezentren auszuwandern. Solche Wirkungen dürfen staatliche Maßnahmen nicht haben, und deshalb erwartet die Versammlung von der Weisheit der Regierung rechtzeitigen und wirkungsvollen Schutz der aufs höchste bedrohten Lebensbedingungen des Lahngebiets, der nur in der Ausführung der Lahnkanalisation erblickt werden kann. Die Hauptversammlung beschließt, die Resolution ohne Zögern zur Kenntnis der preußischer Zentralbehörde, der Landesbehörden, des Abgeordnetenhauses und aller der Kreise zu bringen, die bei der Lahnkanalisation beteiligt sind.". Bei der Ergänzungswahl des Vorstandes wurden u. a. mit gewählt: OberBürgermeister Mecum und Kommerzienrat Koch- Gießen. + Gesangswettstreit. Auf dem am vergangenen Sonntag in Hamm a. d. Sieg stattgefundenen Gesangswettstreit errang der Gesangverein„ Liederkranz" von Kirchen in Klasse I von 7 wettstreitenden Vereinen den 4. Preis und den 2. Eyrenpreis. Derselbe Verein erhielt s. 8t. in Gießen in Klasse I auch den 2. Preis. Ebenso erhielt der Gesangverein Daaden in Klasse Illa den 1. Preis und den 2. Ehrenpreis; in Gießen erhielt er in Klasse Ib den 4. Preis. > Erste Hessische Eintaufsvereinigung. In den Vormittagsstunden des vergangenen Sonntags fand im Restaurant Jesberg zu Marburg ein Einkaufstag der Hessischen Konsumvereine statt. Ein Vertreter der Großeinkaufsgesellschaft vom Zentrallager in Mannheim war anwesend, um die Aufträge der Vereine entgegenzunehmen. Er hatte eine kleine Ausstellung von Proben der verschiedenartigsten Kolonial- und sonstiger Waren veranstaltet, welche von den Anwesenden eingehend besichtigt wurden. Vertreten waren die Kosumvereine von Kassel, Melsungen, Lollar, Stauffenberg und Marburg, während sich der Gießener Verein hatte entschuldigen lassen. * Eine Verordnung über die Arbeitsdauer im Fleischer gewerbe steht in Sicht. Im Bundesrat wird eine Verordnung über die Arbeitsdauer I im Fleischer gewerbe, giltig für das ganze deutsche Reich| vorbereitet, welche derjenigen für das Bäckereigewerbe unge fähr entspricht. Nach den vielen Anfechtungen, welche die leßtere erfuhr, wird jede neue einschlägige Verordnung natürlich erst die Genehmigung durch den Reichstag erhalten. > Die Lehrer veteranen, welche in den Jahren 1854 und 1855 das Friedberger Lehrerseminar besuchten, also unmittelbar vor ihrem goldenen Berufsjubiläum stehen oder den Schulstab bereits niederlegten, sind vom sehnlichsten Wunsche beseelt, sich am Abend ihres Lebens noch einmal an dem Ort wiederzusehen, wo sie einst ihre Berufsbildung empfingen. Der größte Teil der damaligen Kursgenossen ist bereits in die Ewigkeit gegangen; aber die wenigen noch zurückgebliebenen Freunde bestimmten den 25. August d. I., das Namensfeft des Landesherrn, zu einem Stelldichein in Friedberg, dem Orte iherer ersten Begegnung zur goldenen Jugendzeit. Diese von Darmstadt ausgegangene Idee begegnet allenthalben in Lehrerkreisen der wärmsten Sympathie und zahlreiche jüngere Kollegen dürften sich am 25. August gleichfalls zum Jubelfeste in Friedberg einfinden, um die greisen Jubilare angemessen zu begrüßen. < Ein Opfer des Submissionswesens. Bei der Erweiterung des Kasseler Güterbahnhofes wurden die Arbeiten in üblicher Weise ausgeschrieben, und die Erdarbeiten einem in Worbis auf dem Eichsfelde wohnenden Unternehmer übertragen, dessen Submissionsangebot sich als das billigste herausstellte, da es gerade an die Hälfte der Summe des Voranschlages heranreichte. Der Unternehmer nahm auch die Arbeiten sofort auf; als er aber ein Drittel davon ausgeführt hatte, fam er zu der Einsicht, daß er sich gründlich verechnet habe und daß er wollte er die Bes bingungen der Submission erfüllen- ungefähr eine seinem Angebot gleichkommende Summe darauflegen müsse. Er entließ seine Arbeiter und zog sich nach Worbis zurück, der Eisenbahndirektion die Vollendung der angefangenen Arbeit überlassend. Diese hat die Arbeit auf Kosten des Submittenden durch einen Dritten ausführen lassen. Der Schaden, der dem ersten Unternehmer erwächst, wird auf ca. 100 000 Mart geschäßt. ▲ Ein Schintenwettbewerb. Ein Preiswettbewerb um die Herstellung befter deutscher Schinken wird von der„ Allgemeinen Fleischer- Zeitung" in Berlin für die deutschen Schweinemäster, Fleischermeister und Fleischwarenfabrifanten veranstaltet. Der Landwirtschaftsminister v. Podbielski, der der Sache lebhaftes Interesse entgegenbringt, hat die Bestimmungen über die Ausführung des Schinkenwettbewerbs nach erfolgter Prüfung bereits genehmigt und je vier silberne und bronzene Staatsmedaillen als Preise geftiftet. Außerdem sind für Preise größere Geldsummen schon überwiesen und weitere in Aussicht gestellt; ferner gelangen goldene Medaillen und Ehrendiplome zur Schweinemäster, Fleischermeister und Wurstfabrikanten, sowie Verteilung. Das Preisrichterkollegium, dem die namhaftesten Röche angehören werden, unterliegt der Ernennung bezw. Bestätigung des Landwirtschaftsministers. Die Anmeldung zur Teilnahme am Wettbewerb hat bis zum 15. November d. Js. bei der Allgemeinen Fleischer- Zeitung", Berlin S. 19, die Einlieferung der Schinten vom 7.- 14. Februar 1905 bei der„ Direktion des Hotel Kaiserhof", Berlin W., zu erfolgen. Am 16. Februar tritt das Preisrichterfollegium zusammen. Nach der Entscheidung werden die Schinken in einer im„ Hotel Kaiserhof“ zu errichtenden Kost halle für das Publikum ausgeschnitten, das dadurch Gelegenheit erhalten soll, selbst die Schinken zu prüfen und auf ihren Werth zu vergleichen. Der Erlös aus dem Schinkenausschnitt und die verbleibenden Schinken werden an Wohltätigkeitsanstalten oder Arme überwiesen. Die Bestimmungen über den Preiswettbewerb werden von der Allgemeinen Fleischer- Zeitung", Berlin SW. 19, an Interessenten auf deren Verlangen kostenfrei versandt. " § Krofdorf. Bei einem verendeten Schweine des Johannes Schmidt zu Launsbach ist die Schweinefeuche amtlich festgestellt und ist über das Gehöft des p. Schmidt die Sperre verhängt worden. * Aus Oberhessen. Den Arbeitern der Glasfabrik in in Büdingen wurde eröffnet, daß sie in nächster Zeit ihrer Entlassung gewärtig sein müßten. Die Fabrik hat im vorigen Jahre schon eine bedeutende Betriebsreduktion eintreten lassen. Oberursel, 26. Juni. Von hier aus wird ein junger Mann steckbrieflich verfolgt, der Mt. 60 000 unterschlagen haben soll. + Bad- Nauheim, 27. Juni. Das Hotel Kaiserhof" ging für die Summe von Mt. 1,650,000 an Herrn Hotelier Haberland, früherem Besizer des Hotel National in Frankfurt a. M., über. Marburg, 27. Juni. In gemeinschaftlicher Sizung des Magistrats und der Stadtverordneten- Versammlung wurden Regierungsbaumeister Sardemann als unbesoideter Beigeordneter, und Prof. Dr Fr. Schenk als Magistratsmitglied eingeführt und verpflichtet. Die Kommission, der die Eingabe des Frankfurter Vereins wegen Unterstützung der Bestrebungen zur Heranziehung der gelehrten Berufe zu der Gewerbesteuer usw. übertragen ist, hat beschlossen, die Sache auf dem Städtetag einzubringen und anzuregen, ofb nicht die Gewerbesteuer gänzlich abzuschaffen und durch einen Zuschlag zur Einkommensteuer zu ergänzen sei. MAGGI Würze erhielt 5 Gross- Preise folgende 30 Goldene Medaillen Auszeichnungen: 6 Ehrendiplome 5 Ehrenpreise × Vom Odenwald, 26. Juni. Die Heidelbeerernte ist in vollem ange. Die Preise sind von 16 Pfg. pro Pfund auf 10 und 9 Bfg. gesunken. ▲ Frankfurt a. M., 26. Juni. Die Trauerfeier für Dr. Wilhelm Jordan findet am Mittwoch Vormittag 9 Uhr in der Paulskirch statt. + Schwanheim a. M., 26. Juni. In der hiesigen Gemarkung wurden bereits die ersten Frühfartoffeln geerntet. Sie sind außergewöhnlich dick. Mainz, 26. Juni. Hier sind große Unterschlagungen der in Untersuchungshaft genommenen Else Fretwurst feftgestellt worden; dieselben belaufen sich auf etwa 45-50000 Morf, 36000 Mark wurden noch in ihrer Wohnung ge= funden. Offenbach, 27. Juni. Die hiesige Portefeuillerfirma Bosen leh dem Arzt Dr. Karl Schulz in Frankfurt a. M. 205 000 Mt. Nach Empfang dieser Summe ist der Arzt verschwunden. Wiesbaden, 27. Juni. In der Nähe von HolzHausen an der Heide bei Nastätten verunglückte ein Automobil, in dem sich der 20jährige Prinz Morig von SchaumburgLippe befand. Ans dem mittleren Rheinhessen, 26. Juni. Der Heuwurm tritt hier stark auf. Die Aussichten auf einen guten Herbst, zu dem der Stand der Weinberge berechtigte, sind infolg der Heuwnrmblage fehr gefunken. Marktberichte. Gekes, 28. Junt Auf dem heutigen Wochenmartt lofteten Butter per fb 090-1.10 ct., Hübnereter per Stüd 5-6 Bfg., Enteneier St. 7 Big.. Räie per St. 6-8 Pfg., Käsematte 2 St. 5-6 Pfg. Erbsen per Liter 21 Bfg., Linsen per Etter 32 Pig.. Tauben per Paar 01. 0.80-1.00, sübner per Stitd Mt. 1.30-1.40, Hahnen, per, Stid 0.80-1.70, Enten per Stüd 1.70-2.20, Gänje per Pfd 65-70 fg., chsenfleisch per Pf. 70-80$ f., Rindfleisch per f. 62-68 Pfg. per Pf Scte nefleri 60-72. Sd eine fleisch gefalzen per fund 0.76 fg., Halbfleisch per fb. 68-76 Pfg., Hammelfleisch per Pfd. 50-74 Bfa. Kartoffeln pro 100 Kilo 6.00 Mit., Zwiebeln per 31. Mr 7.00-10.00, Kirschen 15-20 Bf. per Pfd. Aepfel per Centner 20-25 Mr. Milch der Liter 18 Vfa. Dauer der Marktzen von 7 Uhr morgens bis 1 Uhr Nachmittags. Gegen slände des Wochenmarktverkehrs dürfen vor Beginn der Marktzeit überhanzt nicht, und während der ersten drei Stunden der Marktzeit im Umherziehen feilgeboten werden. Frankfurter Vichmarkt. Zum Verkauf standen 614 Ochsen, 59 Bullen, 557 Kühe und Färsen( Stiere und Rinder), 207 Kälber, 186 Schafe und Hämmel, 1496 Schweine, 1 Ziege, 2 Biegenlämmer. Bezahlt wurde für 50 Kilo Ochsen: a) vollfleischige aus= gemästete höchsten Schlachtwertes bis zu 6 Jahren Mt. 71-73, b) bis 68, c) mäßig genährte junge, gut genährte ältere Mr. 60-63, funge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete Mt 66 d) gering genährte jeden Altecs Mt.-. Bullen: a) vollfleischige höchsten Schlachtwertes Mt. 63-65, b) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere Mr. 60-62, c) gering genährte Mr., ühe und Färsen,( Stiere und Rinder): a) vollfleischige. ausgemästete Färsen ( Stiere und Rinder) höchsten Schlachtwertes mt 70-72 b) bollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes( bis zu 7 Jahren) Mr. 65-67, c) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte füngere Kühe und Färsen( Stiere und Rinder) Mr. 60-2, d. mäßig genährte Kühe und Färsen( Stiere und Rinder) Mk. 47-49, e) gering genährte Kühe und Färsen( Stiere und Rinder) Mt. Bezahlt wurde für 1 Pfund a) feinste Mast-( Vollm.- Mast und beste Saugfälber( Schlachtgewicht) 84-87 Bfg.( Lebendgewicht) 50-52 fg., b) mittlere aft- und gute Saugfälber( Schlachtge= wich) 77-82 fg.,( Lebendgewicht) 46-49 Pfg., c) geringe Saugfälber 60-65 Pfg., d) ältere gering genährte Kälber( Fresser) Bfg., Schafe: a) Mastlämmer und füngere Mastbämmel 68-70 Bfg., b) ältere Masthämmel 60-62 Pfa., c) mäßig genährte Hämmel und Schafe( Märzschafe) Pfa. Schweine: a) vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuzungen im Alter bis zu 1½ Jahren ( Schlachtgewicht) 56 Pfg.,( Lebendgewicht) 43 Pfg., b) fleischige ( Schlachtgewicht) 54-55 Pfg.,( Lebendgewicht) 42 Pfg. c) gering entwickelte, sowie Sauen und Eber( Schlachtgewicht) 48-50 Pfg., Lebendgewicht- d) ausländ. Schweine unter Angabe der Herfunft Pfg. Das Geschäft in Hornvieh war gut. Ueber stand unbedeutend, Kleinvieh gut, Markt geräumt. stepener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Mittwoch, den 29. Juni. Heiter, erheblich wärmer bei etwas milderer Nacht, trocken. Näheres durch die Gießener Wetterfarte. Verantwortlich: für den politischen, vermischten und unterhaltenden Teil Albin Klein Gießen; für den lokalen Teil Karl Klose, Grünberg. Praktisch, bequem u. angenehm unentbehrlich für Gebirge, Jagd, Sport, Reise, sowie für die See sind meine wasserdichten, wetterfesten, echt Steyrische Loden- Fabrikate. Wasserdichte Wetterkragen mit abknöpfbarer Kapuze und Durchgreifschlitz, in tadelloser Ausführung von Mk. 17 110 cm Länge aufwärts. Julius Fischer Giessen, Schulstrasse 6. Sech smal ausser Wettbewerb: J. maggi Preisrichter u. a. Weltausstellungen Paris 1889 und 1900. Altbewährt und einzig in ihrer Art, macht schwache Suppen, Saucen, Gemüse 2c. gut und kräftig im Geschmack! Hessischer„ Waisenschuk" Sonntag, den 3. Juli 1904: XII. Landesversammlung im Giessener Festsaal ,, Café Leib". Beginn der Verhandlungen präcis 11 Uhr. Nachmittags 4 Uhr: Spaziergang. Abends 8 Uhr: Unterhaltung mit Tanz. Freunde und Gönner des Vereins sind herzlich willkommen. Der Vorstand. August Kilbinger, Giessen, - Seltersweg 19. Telefon 276. Größtes Kinderwagen- Geschäft am Plak. Enorme Auswahl in allen Preislagen. Erstklassige Fabrikate von Kinderwagen, Sportwagen, Leiterwegen, und Krankenfahrstühlen. Ständiges Lager von 200 Stück Kinderwagen. Auf Wunsch Katalog. sowie alle Stottern, Sprachfehler heilt Dir. F. Baum, Hauptanstalt Darmstadt. Kursus in Gießen Ludwigstraße 52, 3. St. im Hause von Frau Rittmeister Douglas. Für Schwerhörige Hörübungen zur Stärkung des Gehörs. Die besten Zeugnisse. Anmeldungen sofort erbeten. ☛ Für Weinbezug! Onter aller Garantie naturreine, flaschenreife Weissweine, per Liter oder Flasche von 60 Pfg. an, Rotwein( echter Ingelheimer) Lit. od. 100 versendet in Gebinden von 25 Liter und Kisten von 12 Flaschen an 99 " " " P.Chr. Saalwächter, Weingutsbesitzer, Nieder- Ingelheim a. Rh. 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Polizeiamt Gießen. Herberg. Bekanntmachung. Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird die Brandgasse von Dienstag den 28. d. Mts. an bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrradverkehr gesperrt. Gießen, den 27. Juni 1904. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg cg. Bekanntmachung. Die diesjährige öffentliche Impfung in der Stadt Gießen wird, beginnend Mittwoch, den 1. Juni. im Impflokale- Schulgebäude. Neustadt 61- für die nächsten 5-6 Wochen jeden Mittwoch, nachmittags 5-6 Uhr, abgehalten werden. Impfpflichtig im laufenden Kalenderjahr sind die im vorigen Jahre geborenen Kinder, sowie die Rückständigen aus früheren Jahren. Wer Wir laden die hiesigen Einwohner, welche impfpflichtige Kinder haben, zur Benutzung dieser öffentlichen Termine mit dem Bemerken ein, daß alle in denselben borgenommenen Impfungen unentgeltlich sind. die Termine nicht benußen will, muß die Impfung Semmler Cig. Seltersweg 25, feines pflichtigen Kindes bis zum Jahresschlusse auf seine Gg. Carl Volk, Cig., Grünberger- Soften bewerkstelligen lassen, widrigenfalls ihm im Januar nächsten Jahres eine vierwöchentliche Frist zur Lose in Giessen zu haben bei Philipp Weiler, Markt 1, Richard Buchacker, Neuen- Bäue II, Wilhelm strasse 4. Das Heu- und Grummetgras von 5 Morgen Wiesen am vor= deren Heegstrauch, sowie 1 Morgen am Gänsader zu verfaufen. Wilh. Löber, Gießen, Waltorstraße 20. Nachholung der Impfung unter Strafandrohung gesetzt Außer den Pflichtigen werden auch Kinder, welche im laufenden Jahre geboren sind, auf Wunsch ihrer Vertreter geimpft. Alle in einem Termine geimpften Kinder müssen in dem 8 Tage später abgehaltenen Termine zur Nachschau nochmals erscheinen. Kinder, deren Zurückstellung von der Impfung wegen Kränklichkeit beansprucht wird, können gleichfalls dem Impfarzte in den öffentlichen Terminen vorgestellt Zur Rettung v. Trunksucht! werden. versendet Anweisung n. 32jähr. Die Jmpflinge müssen mit reiner Wäsche und reinapprobierter Methode, radikale gewaschenem Körper zur Impfung gebracht werden. Es Beseitigung, mit, auch ohne Vor- wird nur an einem Arme mit Lymphe aus dem Landeswissen zu vollziehen, Berufsstörung. feine Briefen find impfinstitut geimpft. 50 Pfg. in Briefmarken beizufügen. Kinder aus Familien, in denen ansteckende KrankMan adressiere: Privat Anwalt heiten herrschen, dürfen nicht in die Termine gebracht Villa Chriftina, oft Säckin- werden. gen, G. 52, Baden. Ein tücht. Sattlergehilfe gegen hohen Lohn auf dauernde Stellung gesucht. Adam Hek, Sattler, Gießen, Marktstraße 14. Gießen, den 28. Mai 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. J. V. Curschmann. Vergebung v. Anstreicherarbeit. Zu mieten gesucht des Anstrichs der sichtbaren Eisenteile sämtlicher Die Arbeiten und Lieferungen zur Erneuerung 3- Zimmerwohnung in der Nähe Kreisstraßenbrücken des Kreises Gießen sollen der Grünbergerstr. v. ruh. Leuten. Off u. H. K. 4663 a. d. 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Zimmer Wwe., Bahnhofstr. 12.1 UNUBERTROFFER Waschen und Putzen WASCHET ESETZLICH NUR MIT NAUMANNIA SEIFE NUR12 PES SCHU EENBACH WITZ HUMOR Fräulein, jetzt brauche ich mir überhaupt von Ihnen mehr Ein Tenorist erhebt bei seinem Auftreten herricht. Blöblich ruft von der Galerie herab die feine Stimme allmählich bis zu einer solchen phänomenalen Höhe, gefallen zu lassen, denn wissen Sie, ich habe mich geſtern verlobt daß atemloses Schweigen und gespannteste Aufmerksamkeit im ZuGefährliche Höhe. tr. 144 Dienstag, den 28 Junt. essische Familienzei 1904 FE NOR MIT FFEE Putzen NNIA 2 rei dieser WITZ HUMOR GND Nicht viel gehört dazu, Der Welt zu imponieren: Nur Feßen mancher hat, Doch weiß er zu drapieren. Realistisch. Schauspieler:„ Ich habe einmal in Newyork in einem Stücke den Pantoffelhelden so lebenswahr gespielt, daß ich am nächsten Tag von der Damenwelt über zwei Dutzend Heiratsanträge erhielt." Kennzeichen. Also auf dem Betriebsamt sind Sie; kennen Sie einen gewissen Meier?" ,, Wir haben mindestens zwanzig Meier, wie sieht er aus?"" Ja, so genau kann ich ihn nicht beschreiben; er hat mir neulich zwanzig Mark abgeborgt ,, Den kenn' ich!" .." Gerecht. Richter( zum Angeklagten, einem Vagabunden, welcher eingesteht, das anwesende Fräulein nachts auf offener Straße gefüßt zu haben):„ Haben Sie noch etwas zu Ihrer VerAngeklagter( das Fräulein, eine teidigung anzuführen?" alte, sehr häßliche Jungfer betrachtend):" Nee Herr Richter, diesmal nich, so wat is strafbar!" * Feine Rache. Ein älteres, nicht gerade durch Schönheit ausgezeichnetes, aber trotzdem immer noch sehr tanzlustiges Fräulein hat bei einer Abendgesellschaft in lauter und nicht eben höflicher Weise ihr Mißfallen darüber geäußert, daß der Beginn des vorgeschlagenen Tanzvergnügens durch einen Musikvortrag des namhaften Pianisten X. um ein Viertelstündchen verzögert werden soll. Nachdem der Pianist seinen Vortrag beendet, wendet er sich zu der Dame mit den Worten:„ So, mein Fräulein, nun kann die Sizung ihren Anfang nehmen!" * Genügt! A.:„ Ich habe neulich das Arbeitszimmer des Rentier Meier besichtigt. Ich muß sagen, es ist sehr einfach."- B.:„ So?" A.: Ja. Eine eiserne Kassa und auf dem Schreibtische eine Schere - - - das ist alles." * Galant. Dame:„ Sagen Sie, Herr Oberleutnant, sind Sie auch Gegner der Schleppe?" Leutnant:„ Aber nädigste, wie kann ich denn, es jibt doch nun einmal keine Blumen ohne Staubjefäße!" Immer derselbe. Junger Bergfex( in einen Abgrund gestürzt):" Jeßt warte ich hier unten, bis eine junge Dame nachpurzelt das ist dann sicher eine passende Frau für mich." * Ein felklamer Dogel. Eine junge Frau, die, wie viele ihres Geschlechts, küchenunerfahren ist, hat zum erstenmale Gäste bei sich. Für die nicht unbeträchtliche Anzahl derselben ist nur eine Gans bestimmt. Da die junge Frau des Tranchierens unkundig ist, übernimmt eine ältere Freundin dasselbe. Bald ist die Gans völlig aufgeschnitten, und nur das Gerippe bleibt übrig. Verlegen wendet sich die Freun= din an die Wirtin: Was sollen wir tun, die Gans ist zu Ende?" Diese nicht die Gans, sondern die Wirtin- blickt erschreckt auf das Gerippe und ruft erstaunt:„ Ja, ist denn das Ding hohl?" * Nur das nicht. Herr( eine junge Dame zärtlich umfassend, auf einer Bank fizzend): ,, Aurelie, noch heut muß es zwischen uns ins Reine kommen, wir wollen uns auseinandersetzen."-„ Um Gotteswillen, nein!" Schnippisch. Badtisch:" Tante, du suchst ja immer nach Schönheitsmitteln in der Zeitung, hier steht eins." Tante: Wo denn? Gib her?"- Badfisch:" Da lies:„ Altes Eisen bor Rost zu schützen.' # In der Vension. Institutsvorsteherin: Fraulein Ella, Sie sind unverbesserlich! Dieses Ererzitium ist voll von Fehlern! Und diese Schrift! Diese äußere Form der ganzen Arbeit! I muß sagen..."-- Fräulein lla:„ Wissen Sie, Fräulein, jekt brauche ich mir überhaupt bon Ihnen nichts mehr gefallen zu lassen, denn wissen Sie, ich habe mich gestern verlobt!" Gefährliche Höhe. Ein Tenorist erhebt bei seinem Auftreten feine Stimme allmählich bis zu einer solchen phänomenalen Höhe, daß atemloses Schweigen und gespannteste Aufmerksamkeit im Zuschauerraume herrscht. Plötzlich ruft von der Galerie herab die urwüchsige Stimme eines Schusterjungens:„ Männeken, fallen Se man nich von de Tonleiter." Wie's gemacht wird. In einem großstädtischen Speisehaus, dessen Mittagsgäste hauptsächlich junge Kaufleute sind, die nicht allzu viel zu verzehren haben, wird der menschliche Appetit in folgender genialer Weise, den Wünschen des Wirts entsprechend geleitet. Am Schalter, der nach der Küche führt, ertönten aus dem Munde von vier Kellnern rasch hintereinander die Rufe: „ Reisspeise!" „ Reisspeise!" „ Reisspeise!" „ Reisspeise!" ,, Reisspeise ist ja heute stark begehrt," bemerkte ein Stammgast. Ist sie denn heute besser als gewöhnlich?" ,, Nein," erwiderte der angeredete Kellner. aber wir sollen sie poussieren." ,, Was heißt das?" " Ja, sehen Sie, heute ist im ganzen mehr Apfeltorte als Reiswar die Erklärung, und wir werden speise verlangt worden," wahrscheinlich eine Menge davon übrig behalten; deshalb hat der Thef Order gegeben, sie zu poussieren. Wenn irgend etwas nicht ordentlich bestellt wird, so bestellen wir es zum Schein, und das muntert die Leute auf." „ Einmal Reisspeise!" hörte man jeẞt rufen. " Sehen Sie, sie bekommen Appetit darauf. Das war eine echte Bestellung, weil es hieß einmal". Auf diese Art weiß der Koch unten, ob er das Bestellte heraufschicken soll oder nicht. ,, Der Einfall ich gut." " " Ja," fuhr der Kellner fort, es ist meine Idee, ich bekomme vom Chef wöchentlich fünf Mark extra dafür. Wir können die Leute essen lassen, was wir wollen; wir poussieren es einfach. Was der eine will, das wollen alle; einfach Modefache." In diesem Augenblick wurde der Kellner unterbrochen: ein Gast bestellte Reisspeise. ,, Bedaure sehr," sagte der Kellner, nachdem er am Schalter gewesen war, aber die Reisspeise ist eben alle geworden. Vielleicht etwas anderes gefällig?" ,, Nein, dann nehme ich weiter nichts." Hier erschallten die Rufe: „ Sahnenkäse!" ,, Sahnenkäse!" „ Sahnenkäse!" „ Sahnenkäse!" ,, Wissen Sie, bringen Sie mir eine Portion Sahnenkäse," sagte der Herr, der eigentlich nichts weiter hatte essen wollen. Auch eine Unsterblichkeit. A.:„ Nun, was hältst du von meinem Epos?"- B.:„ Du wirst damit die Unsterblichkeit erringen." A.( abwehrend):" Bitte, soviel Lob verdiene ich doch wohl nicht." - B.: Nein, ich meine, wenn das gedruckt wird, hast du dich unsterblich- blamiert!" == Pfiffig.( Hans ist ungezogen. Der Vater bedeutet ihm): ,, Hans, weißt du auch, was da in der Ecke steht?"„ Ja, Papachen, dein Stock.". ,, Und weißt du ungezogener Schlingel auch, was ich damit gleich machen werde?" ,, Ach Gott, spazieren geh'n." Unsere Dienstboten. Baron( zu seinem nicht mehr ganz jugendlichen Diener, den er auf einer groben Fahrlässigkeit be= troffen hat):„ Ich glaube, Johann, du wirst alt!"- Johann: ,, Glaub's selbst, Herr Baron, mein Vater selig wurd' auch so an die achtzig!" ** Pfiffig. Was? Eurem Amtmann, der euch immer nur plackt und grob behandelt, wollt ihr die Ehre antun, ihn zum Abgeordneten zu wählen?"- Bauer:„ Da werd'n mer'n halt auf einige Beit los!" Str. 144 Dienstag, den 28. Junt. 1904. Oberhessische Familienzeitung Tägliche Unterhaltungs- Beilage der Gießener Neueste Nachrichten. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein. ( 11. Fortseßung.) Die Adjaren. Originalroman von Arthur Gundaccaro. Suttner. ere ... Ich täte es gewiß, wenn sich ein solcher Schritt mit meiner Stellung vertrüge. Bedenke, daß ich dir den Wink als Verwandter gegeben habe als Richter müßte ich mich einer ähnlichen Andeutung enthalten, und als solcher kann Ich daher auch nicht mit unserem Rechtsfreunde Rücksprache nehmen. Dieser kennt übrigens die Verhältnisse ganz genau - sie sind ja leider niemand mehr ein Geheimnis; es genügt also, wenn du einfach zu ihm bemerkst, für Totia Nitscheladze stünde eine Summe von so und so viel zur Verfügung." ,, Gut, auch diesen Schritt will ich noch tun. Elisba soll sehen, daß alles geschehen ist, was von meiner Seite möglich war. Der Rechtsanwalt verstand sogleich den Wink und meinte, daß Totia mit einer verhältnismäßig bescheidenen Summe zu gewinnen sei. Er versprach, die Angelegenheit in die Hand zu nehmen und Djambek sogleich vom Ergebnis seines Schrittes Nachricht zu geben. Mehrere Tage später erhielt Djambek, der wieder heimgekehrt war, das versprochene Schreiben; es lautete: Die bewußte Persönlichkeit hat sich bereit erklärt, ihren Einfluß zugunsten unseres Klienten geltend zu machen. In wenigen Tagen hoffe ich, günstige Nachrichten geben zu können." Der Kaimakam hatte sich so weit von seiner Verwunderung erholt, daß er endlich eine Fahrt nach Batum unternehmen konnte, um den Prozeß gegen Elisba zu betreiben und so seinen Rachedurst zu stillen. Auch ihm war es bekannt, daß man sich zur Erledigung solcher Angelegenheiten am besten an des Paschas Faktotum wandte, und sein erster Besuch galt mithin Totia. Dieser ließ den anderen ruhig sein Ansuchen vorbringen, ohne im mindeſten in Verlegenheit zu geraten, dann, nachdem Ali- Beg geendet hatte, sagte er in bedauerndem Ton: „ Ich fürchte, daß die Sache nicht nach deinen Wünschen enden wird, denn Cherif- Pascha hat genaue Erkundigungen eingezogen und mehrere Einzelheiten erfahren, welche die Sache in einem anderen Licht erscheinen lassen. Ueberhaupt, im Vertrauen gesagt, es sind gewichtige Klagen gegen dich eingelaufen, die dir sehr zum Schaden gereichen können." Diese Antwort versetzte den Kaimakam in große Aufregung. Du glaubst wirklich, daß Cherif- Pascha mir ungnädig gesinnt ist?" fragte er erschrocken. ,, Es kann nicht leicht anders möglich sein, da du hier niemand hast, der für dich Partei nimmt. Einiges suchte ich wohl zu mildern aber du wirst begreifen Ali- Beg hatte bereits ein Beutelchen aus der Tasche gezogen, das mit Goldstücken gefüllt war, und nun drückte er dasselbe dem anderen ohne Umstände in die Hand: ,, Einen Dienst für den anderen," sagte er hastig ,,, es liegt an dir, einem ehrlichen Mann zu seinem Recht zu verhelfen, und wie ich deine Gerechtigkeitsliebe kenne, wirst du meine Sache in die Hand nehmen. In einer Woche komme ich wieder, und du kannst meiner Dankbarkeit sicher sein, wenn du mir gute Nachricht zu geben hast." ( Nachdruck verboten.) Totia überlegte keinen Augenblick. Ali- Begs Geschenk betrug wenigstens das Doppelte dessen, was der Anwalt Elisbas auf dem Tisch liegen gelassen, und eine Wiederholung stand in Aussicht daher war sein Entschluß rasch gefaßt. Was an mir liegt, soll geschehen," sagte er bestimmt, „ berlaß dich darauf, ich will deine Sache zu der meinen machen." Kaum war der Kaimakam gegangen, so setzte sich Totia an seinen Tisch und schrieb dem Rechtsanwalt: " Ich habe nach Deinem Fortgang eine Geldrolle gefunden, die Du ohne Zweifel in der Berstreuung bei mir vergessen hast. Hier Dein Eigentum, das ich Dir zurückstelle. Er legte das Schreiben um die Rolle, versiegelte das Ganze und gab einem Diener Auftrag, das Päckchen Elisbas Vertreter zu überbringen. Die nächste Nachricht, welche Djambek erhielt, lautete mithin nicht günstig: ,, Es scheint, daß es dem Gegner gelungen ist, uns einen Streich zu spielen: der Betrag, den ich zur Betreibung unserer Sache hinterlegt habe, ist mir plöglich unter einem nichtigen Vorwand zurückgeschickt worden. Soll ich noch einen Versuch machen und überbieten? Die Verhandlung beginnt nächste Woche." Djambek beantwortete auf der Stelle die Frage: " Ich habe diese Art, Recht zu suchen, satt. Möge der Prozeß seinen Verlauf nehmen; sämtliche Zeugen hier haben sich bereit erklärt, der vollen Wahrheit gemäß auszusagen und vollzählig zu erscheinen. Deiner Beredsamkeit wird es vielleicht gelingen, den Richtern ein ungerechtes Urteil unmöglich zu machen." Der Tag der Verhandlung kam heran, und Diambek begab sich wieder nach der Stadt, um dem Prozesse beizuwohnen. In seinem Gefolge befanden sich die Zeugen, welche ihrem Versprechen gemäß pünktlich zusammengekommen waren, um Elisbas Sache zu vertreten. Der Gerichtssaal war bereits zu dreiviertel gefüllt, als Djambek denselben betrat. Er bemerkte unter den Anwesenden mehrere Bekannte, unter anderen auch Murza- Chan, der auf einer der vordersten Bänke Platz genommen hatte. ,, Du bist erstaunt, mich hier zu sehen," flüsterte er dem jungen Mann grinsend zu. In der Regel weiß ich mir auch einen besseren Zeitvertreib, aber heute haben wir einen Ausnahmsfall: es interessiert mich, zu erfahren, ob es unsereinem gelingen kann, gegen so einen kleinen Distriktsfönig sein Recht zu erlangen. Oder hat sich Elisba vielleicht die Sache etwas kosten lassen? Dann gehe ich lieber gleich." ,, Da kannst du ruhig bleiben; von unserer Seite ist kein Piaster geopfert worden, obwohl wir nahe daran waren, es den übrigen gleich zu tun." Das Tribunal erschien nun im Hintergrunde, und die Anklageschrift wurde verlesen. Der Kaimakam, dem Jussuf- Effendi als Beirat zur Seite stand, beantwortete einzelne Fragen der Richter in mattem, gebrochenem Ton, damit es das Aussehen habe, als leide er. 150 tobetingen: Oben Baus gebracht 60 und die Stetten nement@ preto: Bad Blatt aideint Ober Enthält Die Kieler Mor ( Ein pol Croßdem mit einer g en Rieler Trinffprüchen ermieden wurde, wird i dert daß König Eduard aner Bermittelungsverfu ien in Ostajien interessi informationen a hert uns demgegenüber rbeiter, daß von eine , daß er aber auch bol Auch heute noch," fo lei dem fein Bewende dim Reichstag ausgef all noch entfinnen, daß habe an der Mandschu aim weiten Felde stan Derbficht eine Rollettiv ins Wasser, a Mandschurei zustande fiel ilmadite gen nun neuerding Bum zweiten Gulärung im Reichstag aum Ausbruch gekommen laben, daß inzwischen Stitt entschlossen haben Andrejse haben und der erlanden werden kann. Ride des Königs Eduar neil die englische Regier Baltik Deutschlands und finlichkeit ergibt ſich a dfrischen Tenor der Denn Ser Gewährsmann unser mung Deutschlands zu d übe Egypten als die mit England und als Beichungen ausgespielt de Deutschland zuletzt Michten feine Genehmig nch ber Desterreich und nco, ohne irgend welch Br deutscher Seite aber badungen, in denen un Dinge genau auf dem geradht worden, daß der Terd ihren Frankreich und ehnt werde. Die Vo London noch in Berl faden am 24. d. Mts. Dr England Das ist entschieden und speziell der Büler aner der Verhältniss mifen. Es handelt sich brtrag mit Egypten, allnuqupj; 8 δε auf dem G delwesens und iciffahrt Verkehr in di aber, gestattet, Bo Doe wie ich betoner und geringſte gemein die zuj Diplomatie dan das ideale Bestre grau ausgesprochen. die sowohl des Kaisers Begierungsprinzip ist. Femintte Wahrheit ge Roasten der Fall." Heber den weit bird uns aus Kiel r Mitgliedes des Kaiser länzendesig wischen Kaiser Wilhel fand in den Dem ind Heinrich. Kaiser nagnidad Eduard dem Klub 20 geis wie auch bei lelm in feinem Trin Eduard trank auf das einen Toast in deutsc usgebrachten Loaft w ie Majeftäten Cercle angeres Gespräch mit Luminati Fr hielt, berstärkt eftlichen Veranstaltung Britiden Seeleute im noch immer an den Folgen des Attentates. hatte ihm Jussuf anempfohlen, und der Anwalt lächelte vergnügt vor sich hin, als er sah, wie sein Klient die Rolle des Schwerleidenden mit großem Geschick spielte. Er selbst stellte demselben einige Fragen, und zwar war er bedacht, sich dabei so zu stellen, wie wenn er streng auf Wahrheit sähe und unter keiner Bedingung zugäbe, daß man davon abweiche. Nachdem endlich Ali- Beg Red und Antwort gestanden und erschöpft in seinen Stuhl zurückgesunken war, wurden Elisbas Zeugen vorgerufen. Diesen Kniff wärtigen Zeugen Aussage für unzulässig zu erklären. selbe stellt seine Besprechung so dar, als hätte sie einzig und allein den Zweck gehabt, zwischen den Dienern der Gerechtigkeit und dem Attentäter Frieden zu stiften. Ich vermute, daß sich aber die Verhandlung noch auf etwas anderes bezog und zwar in erster Linie auf die Flucht des Angeklagten und ferner auf das Entweichen der Gattin desselben, die noch obendrein das Haus von den obersten bis zu den untersten Räumen ausleerte. Es ist unzweifelhaft, daß in beiden Fällen noch andere Leute hilfreiche Hand geliehen haben." Meines Schußbefohlenen Gattin war, als sie das Haus verließ, vollkommen Herrin ihrer Person und ihres Eigentums," entgegnete Elisbas Vertreter. Und was die Entweichung des Angeklagten betrifft, so hatte in jenem Moment niemand einen Haftbefehl gegen ihn vorzuweisen." Da aber sprang nun Jassuf- Effendi empor und erhob energisch Einrede. " Jener Mann steht zum Gegner in abhängigem Verhältnisse!" rief er ,,, und dieser und jener dort drüben auch," und er bezeichnete der Reihe nach mehrere von den Leuten; ,, und außerdem muß ich betonen, daß diese Burschen es gewagt haben, gegen die Behörde eine herausfordernde Stellung einzunehmen." Auf dieses Schlagwort hin trat der Führer der Eskorte mit mehreren seiner Untergebenen vor. „ Sprich, was hast du auszusagen?" wandte sich der Anwalt an diesen. Es ist ganz richtig, daß nicht nur die an wesenden Zeugen, sondern noch ein ganzer Haufen Bauern uns anzugreifen und die Waffen gegen uns zu gebrauchen drohten, wenn wir bei der Ausführung unserer Pflicht beharrten." ,, Und sind sie dann nicht friedlich ihrer Wege gegangen, ohne euch weiter zu stören?" schrie Djambek in heftiger Erregung von seinem Platz aus. Alles blickte nach der Richtung, wo der junge Mann emporgeſchnellt war und mit glühenden Augen die Anzeiger maß. ,, Wer wagt es, die Verhandlung auf so freche Art zu unterbrechen?" ergriff der Vorsitzende das Wort.„ Wer bist du, daß du dich unterstehst, in der Angelegenheit mitzureden?" Ich bin Djambek Taguiridze, der Freund und Nachbar des Angeklagten, und ich halte es für meine Pflicht, den Abwesenden in Schuß zu nehmen." Artschil, der neben dem Vorsitzenden saß, flüsterte diesem etwas zu, worauf derselbe in ruhigerem Ton erwiderte: ,, Warst du beim Auftritt gegenwärtig?" Im Moment, als die Tat geschah, nicht; wohl kam ich aber zurecht, um die Leute zu beruhigen und sie zur Heimkehr zu bewegen, denn Elisba beschwor mich, nicht zuzugeben, daß den Leuten des Gesezes Widerstand geleistet werde.“ Ein beifälliges Gemurmel ging durch die Zuhörermenge, und viele von den Anwesenden winkten Djambek ermunternd zu. „ Warum hast du dich nicht als Zeuge gemeldet?" fragte nun der Richter. Weil deren so viele sind, daß ich es für überflüssig hielt. Jetzt, da man ihnen aber das Recht, auszusagen, streitig macht, bin ich bereit, Bericht abzustatten." „ Auch er hat uns anfangs gedroht," versetzte der Führer der Wache. „ Er hat euch auch gedroht?" nahm Jussuf- Effendi diese Bemerkung eifrig auf. Das dürfte dann wohl seine Befähigung, als Zeuge zu dienen, aufheben." Ich habe euch insofern gedroht, als ihr mich hindern wolltet, das Haus zu betreten. Als ihr mich endlich hineinließet, und als ich meinen Landsleuten Elisbas Bitte mitteilte, da war niemand froher als ihr, daß die Sache so friedlich endete." Da der Mann nichts zu entgegnen wußte, forderte der Vorsitzende Djambek auf, den Hergang zu erzählen, und dieser beeilte sich, alles zu berichten, was er wußte. Er betonte schließlich auch, daß die Pächter nur insoweit in einem abhängigen Verhältnisse zu Elisba standen, als dieser das Recht hatte, den Pacht nach Ablauf der Frist an jemand anderen zu übertragen; während der Dauer des Vertrages benötigte der Bächter ebensowenig den Grundherrn, wie umgekehrt dieser jenen. Da nun die Pachtungen vor dem Ereignisse erneuert worden waren, so meinte Djambet, daß Sussuf- Effendis Einwendung gegen die Zeugen nicht stich haltig sei. Vor allem muß ich mich dagegen verwahren, daß sich ein Unberufener in die Einzelheiten der Verhandlung mengt!" rief Jussuf auffahrend. Dazu ist des Gegners Vertreter da. Ferner möchte ich auf einen Umstand zurückkommen, der vielleicht das Gericht bestimmen wird. des aeaenverbindlichem Grinsen, allein mich dünkt, daß ein Unschul,, Das ist recht flug erdacht," bemerkte Jussuf- Effendi unter diger keinen Grund hat, seine Person in Sicherheit zu bringen, Durch diese Tat allein hat er schon seine Schuld bewiesen. Uebrigens wollen wir uns nicht auf Abwege begeben. Daß er einen Angriff auf das Leben eines Mannes ausgeführt, der direkt den hiesigen Höchstgebietenden und infolge dessen auch unsern gnädigsten Herrn, den Padischah, vertritt, das liegt wohl auf der Hand und braucht nicht erst nachgewiesen zu werden. Die Aussagen jener Zeugen nun, die für den Angeklagten eintreten, sind meiner Ansicht nach wertlos, weil ein Pächter ebenso gut als abhängig, wie irgend ein Diener angesehen werden muß, und was die Einwendung Djambek Taguiridzes betrifft, so wiederhole ich: derselbe sollte eher zur persönlichen Verantwortung gezogen werden, denn es ist hundert gegen eins zu wetten, daß er bei der Flucht des Verbrechers beteiligt war." Djambek vermochte seinen Zorn nicht länger zu bemeistern. Wie, dieser feile Wicht, der sich bereit erklärt, gegen hohen Lohn die Sache des Freundes in die Hand zu nehmen, derselbe verteidigte nun eifrig den Gegner, der ihm ohne Zweifel die verlangte Summe zugesichert hatte. Und da frage ich nun," schrie er hinaus,„ ob es statthaft ist, einen Menschen als Anwalt sprechen zu lassen, der uns angeboten hat, die Angelegenheit desselben, den er jetzt angreift, durchzuführen, der mich versichert hat, daß es ihm durch Bestechung der Richter gelingen wird, den Freispruch des Angeklagten zu erlangen." Dieser Ausbruch verfehlte nicht seinen Eindruck bei den Richtern. Artschil sprang entrüstet empor und sprach unter erbitterten Gesten mit dem Vorsitzenden, während die übrigen Mitglieder des Gerichts unter einander flüsterten. Der einzige, der seine volle Ruhe bewahrte, war Jussuf- Effendi; er zuckte mit der Achsel und lächelte spöttisch, da er aber die unzufriedenheit jener bemerkte, die über seine Sache zu urteilen hatten, so wandte er sich kühn gegen Djambek und ſagte mit lauter Stimme: Derlei Anschuldigungen sind leicht vorgebracht, müssen aber bewiesen werden." Der Beweis ist mein heiliges Wort," versetzte Diambek ebenso laut. ,, Das soll ein Beweis sein?" Du willst also leugnen, daß du zwanzigtausend Viaſter begehrtest, um die Richter zu erkaufen?" " Ich leugne es." „ Und du hast nicht sogar die Summe vor mir in die einzelnen Beträge zerlegt, um mir die Versicherung zu geben, daß jedes Mitglied vom Vorsißenden an so und so viel beanspruche?" Nein." Da stand plötzlich Artschil auf: Zeuge zu melden: Djambek kam augenblicklich nach seiner Ich entsage für heute meinem Richteramt, um mich als Unterredung mit Jussuf- Effendi zornerfüllt zu mir und erklärte, dessen Vertretungsantrag nicht anzunehmen, da er ihm das Gericht als bestechlich bezeichnet und in der Tat die eben erwähnte Summe verlangt habe." Jetzt brach ein wahrer Tumult im Saal los. Zuhörer laut, man möge Jussuf aus dem Saale weisen. In diesem und Beteiligte schrieen durcheinander, und Rufe wurden kritischen Moment, der Djambek mit frohen Hoffnungen erBei seinem Erscheinen legte sich der Lärm, und Jussuf- Effendi füllte, trat unerwartet Cherif- Pascha, von Totia gefolgt, ein. stürzte auf den Gouverneur los, um ihm in erregten Worten den Hergang zu erzählen. ( Fortsetzung folgt.)) Glück ist die Sonne, die der Strahlen Fülle Versengend heiß herab zur Erde schickt; Zufriedenheit der Stern, der mild und stille, Ein Freundesange, auf uns niederblickt. Ein frommer Betrug. Novelle von I. Cassirer. ( Schluß.) ( Nachdruck verboten.) Nur Gott allein weiß, was der junge Mann litt, als ihm die Bedeutung dieses Ausspruches des Arztes klar wurde. Die Freude seines Lebens sollte ihm entrissen werden, und nur die Last seines Daseins blieb ihm zurück. Die Tage flossen dahin und seinen scharfen Augen entging es nicht, daß die Schwäche seiner geliebten Frau immer mehr zunahm. Den größeren Teil des Tages mußte sie im Bett zubringen und ihre Freundin, die alte Frau aus der unteren Etage, hatte es übernommen, sie zu pflegen. ,, Erwarten Sie vielleicht einen Brief?" fragte ihn die gute Frau eines Abends, als sie ihm auf der Treppe begegnete. Jedesmal, wenn es flingelt, sieht sie mich fragend an und es scheint ihr etwas das Herz zu bedrücken.„ Warum kommt denn der Brief nicht?" Das habe ich sie gar oft manchmal fragen hören, und wenn sie glaubt, ich sähe es nicht, wendet sie sich gegen die Wand und weint. Sie können mir's glauben, wenn dieser Brief endlich mal kommen möchte, würde es auch mit Ihrer Frau besser gehen." Diese Worte zeitigten im Geiste des jungen Mannes einen Plan, wie er seine Frau täuschen könnte. Der Gedanke, daß das Lustspiel angenommen und demnächst zur Aufführung gebracht werden würde, sollte ihre Brust mit neuen Hoffnungen schwellen. Die Wahrheit würde sie ja doch nie erfahren, denn auch er konnte bereits jetzt erkennen, daß ihr Leben nicht mehr nach Monaten, sondern nur noch nach Wochen zählte, und die wenigen Tage, die sie ihm noch erhalten blieb, zu verschönen war alles, was er noch für sie tun konnte. Sich zu einem Lächeln zwingend, trat er zu der Kranken ins Zimmer. Gute Neuigkeiten, lieber Schatz," rief er ihr mit triumphierender Stimme zu, indem er seine Wange an die ihre drückte, so daß sie sein Gesicht nicht sehen konnte.„ GruhlGrundner hat mein Stück angenommen." Die gebrechliche Gestalt, die in seinen Armen ruhte, schien plötzlich von neuen Kräften belebt zu werden. Sie richtete sich im Bette auf und ihren Gatten näher an sich heranziehend, bedeckte sie ihn mit Küssen. Ihre Freude war so überschwenglich, daß ihr Gatte davon fast erschreckt wurde. Die frohe Nachricht schien ihr neuen Lebensmut eingeflößt zu haben, und zum ersten Male seit langer Zeit äußerte sie den Wunsch, aufzustehen und sich auf's Sofa zu legen, um sich hier alles nähere über das Stück erzählen zu lassen. Um ihre Neugier zu befriedigen, erfand er eine lange Geschichte, wie Herr Gruhl- Grundner ihn habe zu sich bitten lassen, wie er mit größtem Entzücken von seinem Stücke, von dem er einen großen Erfolg erhoffte, gesprochen und wie er sich bereit erklärt habe, dasselbe sofort einzustudieren und aufführen zu lassen. Einen ganzen Monat lang setzte er diese Täuschung fort. Die Versuchung bei seinen Erzählungen, die Freudentränen in die Augen seiner geliebten Frau treten und ihr ganzes Wesen sich erheitern zu sehen, war zu groß, als daß er ihr widerstehen konnte. Inzwischen war das Stück ihm zurückgesandt worden, das Spiel aber, das er begonnen hatte, mußte er weiter fortsetzen. Um sie zu beruhigen, hatte er ihr erzählt, daß die Premiere in sechs Wochen stattfinden sollte. Auch das Datum dafür hatte er bereits festgesetzt und jeden Abend wußte er etwas neues zu berichten, über den Verlauf der bereits stattfindenden Proben, über veränderte Rollenbesetzungen und über den Eifer, mit dem sich die Darsteller ihrer neuen Aufgabe hingaben. Nur eins störte ihr Glück. Sie selbst würde nicht imstande sein, der ersten Aufführung des Stückes beizuwohnen. Aber er würde aehen und in seinem Knopfloche die rote Rose tragen, welche hineinzustecken sie sich so lange gefreut habe; sie würde in ihrem Bett wach liegen und von dem Applause träumen, der den erfolgreichen Autor nach jedem Aftschlusse hervorrufen würde. Ich werde dann glücklicher sterben," sagte sie, indem sie mit ihren abgezehrten Fingern die Hände ihres Gatten streichelte ,,, denn für mich, lieber Schatz, wird es ein großer Trost sein, zu wissen, daß ich dich als berühmten und anerkannten Schriftsteller zurücklasse." Endlich war der Abend herangekommen, den er für die erste Aufführung auserwählt hatte. Den ganzen Tag über hatte sich seine Frau in freudevoller Erregung befunden, und ohne daß er es wußte, hatte sie ihre Pflegerin beauftragt, eine Rose für sein Knopfloch zu besorgen. Mit einem Kusse verabschiedete sich ihr Gatte. Sein Herz wollte ihm brechen und er hatte Mühe, sich aufrecht zu halten. Nicht, wie sie sich einbildete, in ein glänzend erleuchtetes Theater ging er, sondern in einer Stimmung, die ihn der Verzweiflung nahe brachte, wanderte er unruhig durch die Straßen, bis es Zeit war, wieder nach Haus zu gehen. Es war gerade halb elf, als er wieder ins Zimmer trat. Mit freudigem Lächeln öffnete er die Tür. Die Lampe brannte und im Ofen flackerte ein gemütliches Feuer, in der Nähe des Ofens stand der Tisch, der zum Abendbrod gedeckt war und auf dem auch eine Flasche Wein und Obst zum Nachtisch nicht fehlte. überzogen hatte, saß aufrecht im Bett und erwartete ihn in Seine Frau, die zur Feier des Tages eine neue Matinee freudiger Erregung. „ Es ist alles prächtig verlaufen!" rief er ihr zu, indem er an das Bett stürzte und sie stürmisch küßte.„ Das Publikum konnte gar nicht genug applaudieren, und ich kann gar nicht sagen, wie oft ich vor dem Vorhange erscheinen mußte." Er fühlte, wie ihr Herz heftiger ſchlug. ,, Großer Gott, ich danke dir," hörte er sie noch sagen ,,, wie glücklich ich bin. Ich habe auf Erden nichts mehr zu wünschen." Und dann, ehe er noch eine Bewegung machen oder ein Wort sprechen konnte, fiel sie mit einem leisen Seufzer tot in die Kissen zurück. Ein Lächeln umschwebte ihr Gesicht. Sie war glücklich gestorben, in dem Glauben, daß das Genie ihres Mannes nunmehr von der Welt anerkannt sei, und als ihr Mann zum letzten Male ſeinen Mund auf ihre falten Lippen drückte, verklärte noch diese selige Freude ihr blaſſes Gesicht." Mit bewegter Stimme hatte Hübner seine Geschichte beendet. Seinen Wirt, den diese Erzählung auch mächtig erregt hatte, scharf ansehend, bemerkte Hübner noch:„ Du magst diesen Mann so viel verurteilen wie du willst, Troppau. Ich aber weiß, was er durchgemacht und gelitten hat, und wenn er gefehlt hat, so hat er es nur getan, um die Schmerzen derjenigen zu mildern, die er auf Erden so sehr geliebt hat. Denn, Troppau, ich war jener Mann, und ich muß dir gestehen. daß ich meine Falschheit nie bereut habe." Wir Alten. Von unsern Freuden blüht ein letzter Strauß; Wie viele sind ihm schon vorangegangen, Die du von mir, die ich von dir empfangen! Verödung endet jedes Festgebraus. Ein jedes Dach bedeckt ein Sterbehaus, Des Alters Hauch bedroht der Jugend Wangen, Verlust, Geliebte, jegliches Erlangen Und selbst die schönsten Sterne löschen aus. Ich hab' die Nacht kein Auge zugetan, Denn auch der uns're sinkt am Himmelsbogen; Doch morgens hat die Freude überwogen: Willst du, wir leben rückwärts uns're Bahn, Ich weiß noch jedes Glück, das uns geboren, Und wenn wir glauben, ist kein Tag verloren.