3 Jahre an chron. Lelden, an wird o. Berufsstör. Berlin, Chausseestr. 1 E. G. Ausk. g. Marke Delicatess Kümm 60 St. 3 Mk., Spitzk ff. Harzk. 100 St. 3 M Heinr. Henneberg, D Empfehle als Spezialt Prima Rauchfleisch, " " Rollschinken schinten). Mußichinten. Blafenfchinte Lachsschinken Caffeler R " " mit Anochen obne Nr. 74. Empfehle ferner famili Wurstwaren zu den Bemerte noch, daß mete mild gefalzen und bod find. Bersandt geslept Bernhard Re Fabrilant felner Fletsch Duisburg a. Rhel Reinbold, Duisburg. Le Fabr v. Berle Nish Büren Lenzbu Hern Nur str schrift trolle& Berleps Somit sung Prospe onnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., Saus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertelfährlich Mr. 1.50. Bratisbetingen: Oberheffifche Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werttagen nachmittags. Montag, den 28. März 1904. Gießener 13. Jahrgang. Insertionspreis: Die einspaltige Betitzeile für ganz O hefsen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 68 Fernsprechanschluß Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Unabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeifung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wezlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Bekanntmachung. Amtstage in Grünberg und Hungen betreffend. Samstag, den 9. April 1904, vormittags 9% Uhr, findet im Rathause zu Grünberg und Mittwoch, den 6. April 1904, vormittags 9% Uhr, im Rathause zu Hungen ein Amtstag der Schönhunterzeichneten Behörde statt. ist Macht macht sch beseitig Dermo Anliegen der Streiseingesessenen aus den Amtsgecightsbezirfen Grünberg, Homberg und Laubach können giebt der Haut inm Amtstage in Grünberg, Anliegen der KreiseingeGlatte chende Zaffenen aus den Amtsgerichtsbezirken Hungen, Lich und Beinigkeit derselbe Nidda am Amtstage in Hungen vorgebracht werden. Die Großh.Bürgermeistereien der in den vorverlange man oenannten Amtsgerichtsbezirken gelegenen Gemeinden des Leipzig 31, Bayer reiſes Gießen werden beauftragt, das Vorstehende in gratis und Fun Gemeinden wiederholt ortsüblich bekannt machen Blüten, Pusteln etc Dose Mk. 2,35 Ausführliche, elegan Postkarte ge Aal in dicke Stücke, Post 1/2 M. 2,50; extra di M. 5,00, M. 2,75.\ Postd, 30-40, M. 2,75( Sprotten, 500 Stück zulaffen. Bießen, den 25. März 1904. Großherzogliches Streisamt Gießen. J. V.: Dr. Wagner. gegen Nachzufammenkunft Kaifer Wilhelms A. Frerichs, h Prima Stahl- Fahr mit Glocken- Lage haft leichten Mark 75.- an schriftlicher reelle empfiehlt Oscar Win Hoflieferant Gotha, Nähmaschinen- u. Fahrret Lager u. Central- Repa Werkstatt. Tilsiter Vol per Bahn und Post Grunewald, Molkereigeschi th mit König Viktor Emanuel. A Neapel, 26. März. Der Weg vom Palazzo reale über die Piazza del Castello bis zum Hafen ist von einer vieltausendköpfigen Menge geffüllt, die mit südlicher Lebhaftigkeit ihren König begrüßt, Ser fich um 12% Uhr in einer Galakarosse, die Karabinieri mit den wogenden Federbüschen voran, zur Pforte des ArFenals begibt, die den Eingang zum Kriegshafen für jeden Linbefugten hermetisch abschließt. Fern von profanen Augen Dollzieht sich dort die Begrüßung zwischen König Viktor manuel und Kaiser Wilhelm unter dem Donner der Geschüße der italienischen und deutschen Schiffe. An der Treppe Hohenzollern" empfing Kaiser Wilhelm in Marineuniform mit dem Band des Annunziatenordens seinen Freund Lind Bundesgenossen, der das Orangeband vom Schwarzen Alenorden angelegt hatte, mit herzlicher Umarmung. Was während des fast zwei Stunden währenden Besuches mischen den beiden Herrschern gesprochen worden ist, darüber Fann man selbstverständlich nur Hypothesen aufstellen. Man meht wohl nicht fehl, wenn man annimmt, daß das Gleichgewicht Offerire Tilsiter Vollen Mittelmeer den Hauptteil ihrer Unterhaltung bildete. pfleg Pune à Ptd. 50 Pn furzer Zeit wird der Präsident der französischen Repuwie jede andere Kobalit am derselben Stätte, wo heute Kaiser Wilhelm weilt, an Der Seite König Viktor Emanuels einer Revue der italienicien Flotte beiwohnen, nachdem er in Rom seinen Gegenbesuch gemacht haben wird. Die Verhältnisse in Europa daben sich glücklicherweise derart gestaltet, daß die Politiker des Deutschen Reiches mit vollster Beruhigung auf die fran3.fisch- italienische Annäherung blicken können. Die eurobischen Allianzen und Nebenallianzen ergänzen einander in erfreinlicher Weise und was heute Kaiser Wilhelm und König b. 5. Bertin O. 27, Bittor Emanuel miteinander berieten, wird gewiß nicht im Begemsatze zu dem stehen, was der Präsident der franzöchen: Republik mit dem König von Italien zu verhandeln braben wird. ecept Susan, zur Selbstbereit wäffern etc. Gricar Achtfachen. Zusendung fo Schwarzkopf, Berlin, T Tausende Anerke nöbl. Zimme Wohn- und Schle oder ohne Pen Bismarditraße 1 Diese Betrachtungen erhöhen das Interesse an dieser Zuammenkunft, die aber auch nach außen hin eine glänzende Dr. Schon der Schauplatz: der blaue Golf von Neapel mit einer nie ausgefungenen Herrlichkeit, mit seinem Capri, einen Sorrent, dem flammenspeienden Vesuv, und Neapel elbst mit seinem bunten Volksleben. In der inneren Stadt ordings merkte man diesmal wenig von der Anwesenheit Ses Kaisers. Als er heute im Zivilanzug mit meichem Hut Eie berühmte deutsche zoologische Station in der Villa Reale Sciser an ihnen vorbeifuhr. l. Simmer Besuchte, wußten die wenigsten Passanten, daß der deutsche der Stadt, auf de beborzugt, per 1. Apr fucht. it Preisangabe unte 4 an die Erp. d. 00000 g! 租 laschenreife 60 Pfg. 100 " 1 ad Kiston ven gutsbesitser Rh. 80000 Der Krieg in Oftalien. Bährend von russischer Seite gemeldet wird, daß die janischen Operationen ins Stocken geraten sind, wird aus london das gerade Gegenteil versichert. Die Japaner seien lei, sich in Phongjang eine Operationsbasis zu schaffen, und agen starke Truppenmassen dorthin zusammen. Aus Liaotschang wird berichtet, daß der japanische Vormarsch Langs der Linie Phongjang- Andschu nach Meldungen des enerals Mischtschenko eingestellt sei. In dem egramm Beißt es weiter: Auf Seiten der Japaner ist Unentschiedenheit bemerkbut, sie wollen anscheinend einen Zusammenstoß mit den russischen Patrouillen vermeiden. Die japanische Reiterei geht den Kosakenpatrouillen aus dem Wege; sie prengte bei einer Begegnung mit den letzteren sofort davon unter Deckung durch Infanterie. In Andschu stehen 3000 Japaner, in Pattschön 1000. In Tschinam- pho anfern gegen 40 japanische Schlacht- und Transportschiffe. Offenbar planen die Japaner, die russische Abteilung auf nördlichem Wege zu umgehen, und warten nur die Zusammenziehung ihrer Armee ab.- Am 24. d. Mts. stieß eine russische Patrouille bei Paktschön auf japanische Posten, auf die die Kosaken feuerten. Als sie sich zurückzogen, begegneten sie einer japanischen Patrouille, auf die sie ebenfalls feuerten. Auf Seiten der Japaner wurden ein Offizier, ein Soldat und ein Pferd getötet. Die Russen hatten keine Verluste. Daß die Japaner in ihren Operationen Unsicherheit verraten, ist wohl nur fälschliche Auffassung des russischen Generals. Nach Londoner Darstellungen nimmt die Ausschiffung japanischer Truppen in Tschinampho lebhaften Fortgang. Die Truppen werden, sobald sie gelandet sind, nach Phongjang gesandt, das als Operationsbasis gedacht wird, und wo riesige Schanzwerke errichtet werden. Die Aufstellung der Armee, bestehend aus drei Divisionen, ist nunmehr fast vollendet. Die japanischen Vorposten haben nunmehr Unian erreicht. Der Zusammenstoß wird voraussichtlich nicht ever erfolgen, als bis die japanische Armee den Jalu zu überschreiten beabsichtigt. Die Russen in Widschu sollen beide Flußufer befestigt haben, während eine starke Truppenmacht einen Punkt besetzt hält, den die Straße von Unsan schneidet. Untergang eines russischen Torpedobootes. Wie aus Algier gemeldet wird, ist dort das russische Linienschiff Osljabja" eingetroffen. Wie dessen Offiziere erzählen, ist das russische Torpedoboot" 221" am 9. d. Mts. auf der Fahrt zwischen Port Said und der Sudabucht bei einem Sturme gesunken. Die Bejagung wurde vollzählig gerettet. Die Russen haben mit ihren Schiffen ausoPsprochenes Unglück. Marquis Jto und die Koreaner. Marquis to hielt im Auswärtigen Amt zu Söul bei einem Diner eine Rede, die auf die Koreanet einen großen Eindruck machte. Er schilderte, wie sich Japan schrittweise vom orientalischen Wesen losgemacht habe, und bot den Koreanern Japans mühsam gewonnene Erfahrung als Unterstützung an. Er forderte sie auf, nicht mehr bloß ihren eigenen Weg zu gehen und für den Vorteil des Landes zu wirken. Handelten sie nach diesem Rat, so würden sie ihre nationale Unabhängigkeit behalten, die sonst unvermeidlich in eines der Reiche aufgehen würde, die jetzt auf koreanischem Gebiet im Kampfe liegen. Die Politik. O Die Braunschw. Ldsztg." hält trok halbamtlicher Dementis ihre Mitteilungen über den Kaiser und den Herzog von Cumberland aufrecht. Jetzt macht das Blatt sogar noch nähere Angaben über die Sache. Es berichtet: Der Kaiser habe unter Bezeigung seines Unmuts in seiner temperamentvollen Weise gegenüber dem Regierungspräsidenten Fromme in Hildesheim geäußert, es sei doch ärgerlich, daß der Herzog ihm abermals ausgewichen sei, nun werde er ihm aber nicht mehr nachlaufen. Auf die Bemerfung des Regierungspräsidenten, ob der Kaiser die Verbreitung dieser Worte gestatte, habe der Kaiser erwidert, er wünsche es sogar. Die andere Aeußerung des Kaisers, er sehe das Ausweichen des Herzogs von Cumberland als einen Affront gegen ihn an, habe der Kaiser bei einem Mahle in Hannover zum kommandierenden General v. Stünzner getan. Auch zur Verbreitung dieser Aeußerung habe der Kaiser seine Zustimmung gegeben. Auch trotz dieser Benennung der Herren Fromme und Stünzner als Gewährsmänner halten wir die Erzählung des Blattes für eine Mystifikation. Herr v. Stünzner und Herr Fromme werden sich zu der Sache ja wohl äußern. Unglaubwürdig erscheint die Meldung schon deshalb, weil es doch gar seltsam wäre, daß Aeußerungen des Kaisers, deren Verbreitung er selbst wünschte, nicht schon längst hätten bekannt werden sollen. Und wenn der Kaiser das Bekanntwerden dieser Aeußerungen wünschte, warum sollten die amtlichen Stellen jetzt erklären, der Kaiser habe solche Aeußerungen nicht getan? * Der preußische Handelsminister Möller beabsichtigt, im August eine Studienreise nach den Vereinigten Staaten anzutreten. Die Reise, auf der auch die St. Louiser Weltausstellung besucht werden soll, wird voraussichtlich acht Wochen dauern. Verschiedene Beamte des Handelsministeriums und einige Professoren worden den Minister begleiten. antrag zurückgezogen. Das Gericht beschloß darauf die Ein. stellung des Verfahrens, die nicht unbeträchtlichen Kosten werden dem Kardinalfürstbischof auferlegt. Eine überraschende Wendung ist in dem Beuthener Beleidigungsprozeß gegen das radikalpolnische Blatt„ Gornoslonzak" eingetreten: Kardinal- Fürstbischof Kopp, der die Beleidigungsklage in seinem eigenen und im Namen des ihm unterstellten Klerus angestrengt hatte, hat den StrafZu dieser Maßnahme, die natürlich das größte Aufsehen erregen wird, ist der Kardinal veranlaßt worden durch den Abgeordneten Korfanty, der in diesem Prozeß ja auch als Zeuge vernommen wurde. Abgeordneter Korfanty veranlaßte den angeklagten Redakteur v. Wolski zu dem Versprechen, er werde im Gornoslonzaf" erklären, daß die von ihm aufgestellten Behauptungen sich nicht in allen Punkten, insbesondere nicht, soweit sie auf die Person Kardinal Kopps sich beziehen, aufrecht erhalten sollen. Kardinal Ropp hat sich ferner bereit erklärt, auch den Strafantrag gegen Kowaltz y f zurückzuziehen, wenn der„ Gornoslonzat eine Erklärung veröffentliche, daß er sich überzeugt habe, daß feinerlei Abmachungen zwischen dem Fürstbischof und der Kirchenbehörde einerseits und den Staatsbehörden andererseits bei der Prüfung und Anstellung der Geistlichen bejtehen. Gegen das Urteil im Endell- Prozeß hat sowohl der beflagte Redakteur Schack als auch der Kläger Major a. D. Endell Berufung eingelegt. Eine hocherfreuliche Gründung ist in Posen erfolgt: Mit 1½ Millionen Mark ist dort eine deutsche Mittelstands. bank zur Unterstützung und Förderung des deutschen Kleingrundbesitzes in der Provinz mit Ausschluß der staatlichen An jiedelungen gegründet worden. Später wird die Bank auch ihre Tätigkeit auf die Städte erstrecken. A Die Verlegung der katholischen Wochenfeiertage auf den jeweils nächstfolgenden Sonntag wird in einer an das bayerische Ministerium des Innern gerichteten Eingabe ange strebt, zu der sich 21 große Gewerbe- und Industrieverbände, darunter 6 Handels- und Gewerbekammern, zusammengetan haben. Aehnliche Bestrebungen sind bekanntlich auch in Rheinpreußen im Gange. Die vielen Feiertage in der Woche machen sich vor allem auf gewerblichem Gebiete außerordentlich fühlbar und erschweren den Unternehmern die Kon kurrenz mit solchen Betrieben der protestantischen Reichs. gegenden. Allem Anschein nach haben wir den Ausbruch eines neuen großen Bergarbeiterstreiks im Ruhrrevier zu erwar ten. Die Ursache dazu ist in der Aussperrung einer Anzahl Arbeiter und in Kündigungen zu suchen. Wenn die Entlassenen nicht wieder eingestellt werden, wollen die BergIeute auf den meisten Zechen die Arbeit niederlegen. Die Entscheidung ist stündlich zu erwarten. Dänemark. Ein Gesetz, das für Roheitsverbrechen die Prügelstrafe einführt, ist im dänischen Folkething mit 57 gegen 32 Stimmen angenommen worden. Die Einführung des Gesetzes dürfte binnen kurzem erfolgen. frankreich. Nach wie vor leisten die geistlichen Orden der Regierung nicht nur passiven, sondern auch aktiven Widerstand. Die in Paris lebenden Mitglieder des Ordens der Barnabiten erhielten vor mehreren Tagen auf Grund des Kongregationsgesetes den Befehl, ihr Pariser Kloster zu verlassen. Sie weigerten sich und verbarrikadierten sich mitten in der Hauptstadt in ihrem Kloster. Am Freitag erscheinen Polizeibeamte vor dem Kloster und nahmen einen Wachsabdruck vom Schloß des Haupttores. Die Barnabiten wurden von ihren Anhängern reichlich mit Lebensmitteln versehen, die für mehrere Wochen ausreichen. Indessen werden sie kaum in die Lage kommen, diese Lebensmittel zu verbrauchen, da die Regierung sie zweifelsohne binnen wenigen Tagen aus dem Kloster mit Gewalt vertreiben wird. Russland. Die Lebenskraft deutschen Wesens zeigt sich kaum irgendwo so deutlich, wie in den russischen Ostseeprovinzen. Als Rußland die deutschen Schulen der Ostseeprovinzen russisizierte, wurde aus den unteren Bildungsanstalten die deutsche Sprache vollständig verbannt. Allmählich indes erwies es sich, daß man ohne Kenntnis des Deutschen in den russischen Ostseeprovinzen nichts anfangen kann. Es wurden deshalb bon est hnischer und lettischer Seite um Wiedereinführung des Deutschen als Lehrgegenstand petitioniert. Die Regierung wollte anfangs nichts von der Sache wissen, sie hat sich aber genötigt gesehen, nachzugeben. In den Elementarschulen der baltischen Städte wird von nun an regel mäßiger deutscher Unterricht erteilt werden! Türkei. Wider alles Erwarten hat das Haupt des mazedonischen Aufstandes, Boris Sara fom, neuerdings erklärt, ein Frühjahrsaufstand in Mazedonien sei nicht zu erwarten. Er erklärte, das mazedonische Komitee wolle mit dem Aufstand warten, bis auch die Großmächte sich von der Nutzlosigkeit der Reformbemühungen überzeugt hätten. Selhit. berständlich werden Sarafow und seine Zeute es sich angelegen sein lassen, die Reformen ihrerseits zu durchkreuzen. Nicht durch einen offenen allgemeinen Aufstand, sondern durch unaufhörliche Beunruhigung des Landes mittels einzelner Banden. Uebrigens erschwert auch das offizielle Bulgarien die Verwirklichung der Reformen. Dicht vor dem Abschluß der Verhandlungen über das Uebereinkommen zwischen Bulgarien und der Türkei hat Bulgarien noch ein paar neue wichtige Forderungen aufgestellt. So verlangt es plößlich die Autonomie der bulgarischen Gemeinden Mazedoniens. Diese Forderung widerspricht dem Reformprogramm der Mächte, das die Begünstigung der Bulgaren oder irgend einer anderen Balkannation ausschließt. Die Forderung erschwert also in jedem Falle die Tätigkeit der Mächte. Man sollte den Bulgaren endlich den Marsch blasen. Alien. Wie sehr auch der Krieg in Ostasien die russische Politik in Anspruch nimmt, ihre zähe und unablässige Arbeit an anderen Punkten, wo russische Interessen in Frage kommen, wird davon nicht beeinträchtigt. Jezt wird eine russische Handelsexpedition nach Südpersien geplant. Die Fahrten der Dampfer der russischen Handels- und Dampfschiffahrtsgesellschaft nach Persien sollen vermehrt werden. Man will den in das Schwarze Meer gelangenden südpersischen Waren den für nordpersische festgesetzten Landzolltaris gewähren. Eine bedeutende Entwickelung des Warenaustausches wird davon erwartet. In einigen Orten des persischen Meerbusens sollen Zweiaanstalten der Ruffischen Diskontobank begründet werden. Man sieht, die Russen passen den Engländern in Persien scharf auf die Finger. Und sie verstehen es besser als die Briten, mit den Bersern umzugehen. Heer und flotte. Stapellauf des kleinen Kreuzers ,, Lübeck". Auf der Werfi des Stettiner„ Vulkan" lief am 26. d. Mts. in Gegenwart des Staatssekretärs des Reichsmarineamts v. Tirpitz der fleine Kreuzer„ Lübeck" glücklich vom Stapel. Es ist dieses der erste Kreuzer, der für die deutsche Marine mit Turbinenbetrieb erbaut ist. Die Namengebung vollzog der präsidierende Bürgermeister von Lübeck, Senator Dr. Klug. Er hob in warmen Worten die hohe Bedeutung der Seemacht für Deutschlands Wohlfahrt hervor. An den Kaiser wurde von Dr. Klug ein Telegramm geschickt, in dem er für die der Stadt Lübeck widerfahrene Auszeichnung dankte. Die franzöfifche..kleine Garnison". Auch unser französischer Nachbarstaat hat nunmehr seine ,, kleine Garnison". Nachdem der Bilsesche Roman„ Aus einer fleinen Garnison" in französischer Uebersetzung mit dem plump auf die Vorderseite aufgemalten Schilderhaus, aus dem fofett ein Frauenkleid herauslugt, in Frankreich einen großen finanziellen Erfolg gehabt hat, ist nun auch dort unter dem Namen Charly ein Bilse erstanden, der einen Roman unter dem Titel„ Eine kleine Garnison" verfaßt hat und in Tausenden unter die Menge werfen läßt. Frankreichs militärische Romanliteratur geht in ihren Uranfängen auf den bekonnten Solaschen Zusammenbruch" zurück. In diesem Roman hat der Dichter das Problem zu lösen versucht, wodurch die große Ueberlegenheit der deutschen über die französischen Waffen im Jahre 1870 begründet war, und er kommt hierbei zu. dem Ergebnis, daß die Disziplinlosigkeit und der systematische Ungehorsam der Truppen, trotz ihrer unleugbaren Tapferkeit, der tiefere Grund ihrer Niederlagen in dem großen Kriege gewesen ist. An seinen Roman schloß sich dann eine regelrechte Literatur durchaus ernsten Stiles an, deren Hauptvertreter der Schriftsteller Descaves ist. Herr Charly aber ist, wie schon eingangs angedeutet, weit entfernt, auf den Spuren dieser ernsten Männer zu wandeln. Seine„ kleine Garnison" gleicht fast wie ein Ei dem anderen dem Machwerk des ehemaligen Forbacher Leutnants. Nur ist die Sittenlosigkeit in diesem französischen Roman zum System erhoben, während sie in der Bilseschen„ kleinen Garnison" immerhin noch als die Folge persönlicher Verirrungen erscheint. Auch sind die Farbeneffefte etwas greller aufgetragen. Im Mittelpunkt der Handlung steht die Geliebte eines Regimentskommandeurs, die zugleich mit den übrigen Offizieren und den Einjährigen wacker charmiert. Diese galante Dame machte ihren Verehrer noch dadurch zum sichtbaren Gespött des Kasernenhofes, daß sie ihm bei ihren Schäferstündchen Regimentsbefehle diktierte, die von dem Konzern ihrer zahlreichen Verehrer im Konzept entworfen worden sind. Außer den Bilseschen Eigenschaften haben die französischen Offiziere noch eine weitere Liebhaberei, die Politik, die sie in Gegensatz zur Regierung bringt, denn es gehört in einem feudalen Regiment zum guten Ton, ein geheimer Gegner der herrschenden republikanischen Regierungsform zu sein. Die Aufnahme dieses Machwerkes in Frankreich ist wesentlich verschieden von der Wirkung, die der Bilsesche Roman in Deutschland gefunden hat. Man liest Charlys Buch und lacht über die bizarren und grotesken Darstellungen, aber man berwertet sie nicht zu einer pessimistischen Kritik über die allgemeinen Zustände im Heere. Es will uns scheinen, als ob uns die Franzosen hierin zum Muster dienen könnten. Bei einer Friedensarmee und bei einem so zahlreichen Bestand an den verschiedenartigsten persönlichen Qualitäten ist es unvermeidlich, daß sich mit der Zeit da und dort Schäden zeigen. Sie sind der Tribut, den die irdische Unvollkommenheit auch von den besten Organisationen fordert. Man merze die Schäden aus, aber man zittere nicht für die Tüchtigkeit und Schlagfertigkeit unseres Heeres. Ein Bilse ist keine unumstößliche Autorität, und Forbach ist kein Typus der deutschen Garnison. Sehr beruhigend muß es daher auf die deutsche Bevölkerung wirken, wenn man sieht, daß die Bilseschen Figuren auch in Frankreich Modell stehen können und daß man dort die literarischen Erzeugnisse über das eigene Heer lediglich nach ihrem belletristischen Werte beurteilt und nicht als Zeitsymptome ansieht. Cine Naturdoktorin vor Gericht. Sh. Berlin, 26. März. Ein großer Teil der geladenen Zeugen singt ein begeistertes Loblied auf die Kubesche Anstalt. Der Magnetismus spielt bei den Heilungen eine große Rolle. Ein Chemiker befundet, daß er ein an Gehirnhautentzündung erfranftes Kind zum Dr. Schlesinger gebracht habe. Die Körpertemperatur des Kindes sei unmittelbar vorher aemeſſen und auf 40 Grad festgestellt worden. Dr. Schlesinger habe an dem Körper des Kindes mit den Händen streichende Bewegungen vorgenommen und es dadurch magnetisiert. Sofort sei die Temperatur um 2½ Grad gesunken. Nach acht Tagen habe das Kind wieder auf der Straße gespielt. So reihte sich ein Fall an den andern. Nach den Aussagen verschiedener Zeugen soll der Angeklagte Dr. Schlesinger wahre Wunderkuren ausgeführt haben. Eine Dame, die am Kindbettfieber darniedergelegen, schilderte das Gefühl beim Magnetisiertwerden durch Dr. Schlesinger so, als wenn es ihr abwechselnd warm und kalt über den Körper laufe. Sie habe die Wirkungen seiner Handbewegungen gespürt, obgleich er 2 bis 3 Schritte von ihrem Bett stand und sie unter einer seidenen Steppdecke lag. Von besonderem Interesse ist die Vernehmung des Professors Dr. Dührßen, der nur als Zeuge vernommen wird. Er habe die Frau Th., eine jener beiden Frauen, welche durch unzweckmäßige Massage Schaden genommen haben, operiert. Es sei eine sehr schwere Operation gewesen, so daß er kaum gehofft habe, sie am Leben erhalten zu können. Es sei ihm bon seiner Wärterin mitgeteilt worden, daß Frau Th. vorher in der Kubeschen Anstalt massiert worden sei. Dies habe er nicht begreifen können, denn zweifellos mußte dies für die Patientin gefährlich sein. Er habe bald darauf einer Versammlung im Rathause beigewohnt, wo gegen die überhandnehmende schädliche Tätigkeit der Kurpfuscher gesprochen wurde und auch des Fräuleins Kube Erwähnung geschah. Auf Befragen des Verteidigers Rechtsanwalts Chodcziesner gibt Professor Dührßen zu, daß er die Frau Th. dazu angeregt habe, gegen Frl. Kube Strafantrag zu stellen und einen Schadeneriat von 6000 Mark von ihr zu verlangen. Der Spezialarzt Dr. Schäffer hat eine Patientin operiert, nachdem diese in der Kubeschen Anstalt einer Massagefur unterworfen worden war. Der Zeuge bezeichnet diese Behandlungsweise als eine durchaus verfehlte, wodurch der Batientin gefundheitliche Nachteile entstehen mußten. Der Angeklagte Dr. Schlesinger vertritt eine andere Ansicht und beruft sich auf medizinische Autoritäten. Nab und fern. Unfall des Lloyddampfers„ König Albert". Dem Dampfer des Norddeutschen Lloyd„ König Albert", der unseren Kaiser nach Reepel getragen, ist kurz nach seiner Abfahrt von dort ein Unfall zugestoßen. Beim Einlaufen in den Hafen von Genua stieß er mit dem Dampfer„ Sicilia" zusammen. Beide Schiffe wurden leicht beschädigt. Bergwerkskatastrophe. Wie aus Brazil( Indiana) ge= meldet wird, wurde durch Brechen eines Dammes die Ercelfior Clay Works- Grube unter Wasser gesetzt. 30 Arbeiter befanden sich in ihr, die wahrscheinlich sämtlich umgekommen sind. Ein Nachspiel zum Tilsiter Kurpfuscherprozeß. Für einige Tageszeitungen wird der Prozeß gegen den Kurpfuscher Schröter in Tilsit noch ein gerichtliches Nachspiel haben, die unter der Spizmarke:„ Eine ultige Gerichtsfitung" die Gerichtsverhandlungen jenes Prozesses einer fritischen Betrachtung unterzogen haben. Durch diese Notiz, die einer in Berlin erscheinenden Korrespondenz entstammte, hat sich der Gerichtshof in Tilsit beleidigt gefühlt. A Dämon Alkohol. Ein furchtbares Familiendrama spielte sich in Wien ab. Der dem Trunk ergebene pensionierte Eisenbahnkondukteur Josef König fam start angeheitert nach Hause und begann einen Streit mit seiner Frau. Als eine Nachbarin die beiden trennte, beruhigte sich König anscheinend, doch kaum daß die Nachbarin die Wohnung verlassen hatte, lief ihr Frau König nach und schrie, ihr Mann verschone nicht einmal ihr krankes Kind. Der Trunkene hatte nämlich so heftig eine Tür zugeschlagen, daß die Füllung zerbrach und die Splitter auf das neben der Tür stehende Bett fielen, in welchem ihr dreijähriger, an Masern erkrankter Sohn Karl lag. Frau König hatte erst wenige Worte gesprochen, als ihr Mann aus der Wohnung hervorsprang und mit einem Hirschfänger gegen sie aushofte. Die Frau rief, indem sie ihm die Brust bot: So stich, wenn d' dich traust!" Darauf bohrte ihr König den Hirschfänger in die Prust. Die Unglückliche sank in die Knie.„ Meine Kinder, mein Karl!" schrie sie und war dann nach wenigen Augenblicken tot. Der Stich hatte das Herz getroffen. Josef König wurde sofort verhaftet. Zu der Großmannschen Mordaffäre wird aus London weiter berichtet: In der Tasche des toten Mörders Croßmann wurde eine Anzahl Briefe von Damen gefunden, die auf Heirats- Annoncen geantwortet hatten, ferner Pfandscheine über versetzte Schmucksachen. Der Totenschein einer 1879 verstorbenen Frau Croßmanns, ein Damenring und ein Pfund Sterling sowie einige Schillinge Bargeld. Außerdem fand man Quittungen über Möbel in den Taschen. Es scheint, daß Croßmann öfter Möbel hat versteigern lassen. Croßmann soll sich sich Anfang Januar unter falschem Namen mit einer Frau verheiratet haben, welche 56 Pfund Sterling in der Postsparkasse hatte. Dieses Geld soll er unter Fälschung ihres Namens fast ganz abgehoben haben. Diese Frau wurde von Croßmann mißhandelt, sie lief weg zu ihren Eltern, und eine andere Frau Croßmann erschien dann im Hause. Diese wurde von ihm ermordet und zerstückelt in eine Riste verpackt. Der Mieter, welcher das Verbrechen entdeckte, war am 8. Februar eingezogen und hatte sofort den üblen Geruch bemerkt. Wiederholte nächtliche Ausgänge des Croßmann erhöhten den Verdacht des Mieters. Montag Abend bemerkte der Mieter, daß Großmann eine Stunde lang in einem dunklen Verschlage unter der Treppe bei Kerzenlicht hämmerte. Er fragte ihn direkt, ob er eine Leiche dort habe. Abends sah dann der Mieter, wie Croßmann die schwere Kiste durch den Ausgang zog. O Schiffszusammenstoß. Der Dampfer" Amerika", der französischen Gesellschaft Fraissinet gehörig, stieß in der Meerenge von Faro mit dem der Navigazione generale italiana gehörigen Dampfer Solferino" zusammen. Die„ Amerika". lief auf; die Besatzung, sowie die Reisenden nahmen keinen Schaden, nur ein Heizer erlitt leichte Verlegungen. Ein großer Teil der Waren ist beschädigt. Die Solferino" wurde ebenfalls beschädigt, die Besatzung ist wohlbehalten. * Die Insel Mauritius vom Orkan verwüstet. Ein Telegramm von der Insel Réunion meldet, daß ein Zyklon in der Nacht vom 21. zum 22. d. Mts. die ganze Insel Mauritius verwüstet habe. Tausende seien ohne Obdach und ohne Nahrung. Die Ernte sei vernichtet. Ueberall seien Trümmerhaufen zu sehen. 24 Tote habe man schon aufgefunden. Ein furchtbarer Wirbelsturm suchte die Umgegend von Chicago heim und zerstörte mindestens 500 Häuser. Der angerichtete Schaden wird auf 5 Mautonen volars schätzt. Die Telegraphen- und Telephondrähte sind auf mein lange Streden niedergerissen. In mehreren Fällen wurden Eisenbahnwagen durch die Gewalt des Sturmes von den Schienen gefegt. Am meisten hatten 14 kleine Vorstädte leiden, unter ihnen besonders Juliet und Pullman. Aud Verluste an Menschenleben sind zu beklagen. Zwölf er sonen fanden bei dem Unwetter den Tod, und über zwanzig erlitten Verlegungen. Der Sturm fam von Südwesten. D größte Teil seines Zerstörungsmerfes geschah in einen 3e pas taum zwei Minuten. Aus dem Gerichtsfaal. § Im Prozeß Ganswindt zu Berlin lauteten die Gu achten der Sachverständigen recht niederschmetternd für d Erfinder. Das ganze Vorgehen Ganswindts trage m den Charakter des gesunden, auf wissenschaftlicher Grundla beruhenden Schaffens. G. operiere nur mit ganz gering mathematischen Kenntnissen und sehr einseitigen Erfahrunge in seinem Betriebe. Er lebt in Illusionen, wie sie junge Leuten, die vom Gymnasium abgehen, anhaften mögen, und Inhalt seiner Reklamen müssen auf jeden gebildet Ingenieur einen abstoßenden Eindruck machen. Seine te nischen Behauptungen seien das kläglichste, was man auf technischem Gebiete denken kann. Die Flugmaschine m sich auf Grund der Angaben des Ganswindtschen Berid unter feinen Umständen mit einem 40pferdigen Motor heben, das ergebe sich aus den Grundprinzipien der Mechan Es müßten mindestens 100 ferdekräfte in Anwendung bracht werden. Auf keinen Fall durfte Ganswindt aber no seinen bisherigen Erfolgen als vernünftiger Mensch sein Teilhabern solche Versprechungen machen, wie er es getan. Vermischtes. [ Gegen das Rauchen jugendlicher Personen] wen sich ein soeben in Kraft getretenes australisches Gesetz. S dern unter 16 Jahren ist es danach verboten, zu rauche außerdem verfällt jeder in Strafe, der ihnen Zigarette Tabak u. s. w. verkauft oder sonstwie verabsolgt. So beispielsweise ein 18 Jahre alter junger Mensch, der seinen 15jährigen Bruder eine Zigarette gegeben hatte, vor Polizeigericht gezerrt und zu einer Geldstrafe verurteilt mor den. Die Vorschriften gehen aber auch noch weiter. Schitt nämlich ein Vater seinen Jungen in ein Zigarrengeschäft, um sich für seinen eigenen Bedarf ein wenig Tabak holen zu lassen, so wird, wie die vorliegenden Beispiele beweisen, auch gegen ihn gerichtlich vorgegangen. Er wird bestraft, sein Sprößling wird bestraft und schließlich muß auch noch der unglückliche Inhaber des betreffenden Geschäfts eine Geldstrafe bezahlen, die je nach der Auffassung des Richters zwischen 3 und 100 Mark schwankt. *[ Ein aktueller Roman.] In einem Petersburger Blatte veröffentlicht der bekannte russische Schriftsteller Apraxin einen Roman, dessen Sujet der russisch- japanische Krieg ist. Der Verfasser verfolgt, von einer Zeitungs nummer zu anderen, die verschiedenen Wandlungen de Kampfes, und macht die Leser des Blattes mit den Kriegs ereignissen bekannt, natürlich nur mit denen, die die ru sische Zensur durchgehen läßt. Mit der Kriegsschilderung hat Apraxin eine Liebesgeschichte verquickt. Dem größten Teil der auftretenden Personen hat er falsche Namen beigelegt, aber die Hauptpersonen General Kuropatkin, d miral Togo u. s. w. u. s. w.- erscheinen unter ihren wahren Namen. Mit größerer Spannung, als es bei diesem eigen artigen Roman der Fall ist, dürfte wohl noch niemals das Schlußkapitel eines Feuilleton- Romans erwartet worden sein. [ Die älteste Fran der Welt.] Eine Amerikanerin Mrs. Ramsey Wood in Oregon, steht jetzt im 117. Lebens jahre. Die Dame hatte drei jüngere und drei ältere Ge schwister, die sie alle überlebt hat. Ihre Mutter starb in Alter von 105 Jahren. Einer ihrer Brüder und ihr Vater fochten Seite an Seite in den Indianerkriegen um das Jahr 1800. Die Ramses bahen noch ein Tomahawk a Erinnerung an den Indianerkrieg.„ Aunt Mary"( wie die Dame genannt wird) lebt seit langen Jahren in einem fleinen Landhaus in Oregon. Mrs. Reynolds, ihre 74 jährige Tochter, pflegt sie. Die Dame hat im vergangenen Früh jahr den Hausgarten bestellt, und die Familie genoß die Früchte ihres Fleißes in Gestalt der eigenhändig von de Matrone gepflanzten Gemüse. Aunt Mary" schreibt ihr Langlebigkeit feinem besonderen Umstande zu. Sie ist, w sie mag, und kleidet sich schlicht und bequem. Sie hat no immer Freude am Leben und besitzt ein vorzügliches G dächtnis. Dreimal ist sie verheiratet gewesen und hatte fünf Kinder, von denen das jüngste das einzige über lebende ist. Kunft und Wissenschaft. RO. Das erste Aerztinnenegamen an der Berliner Un versität. Zum ersten Male hat sich eine Dame, Fräulein D med. Jenny Springer, der Berliner medizinischen Prüfung kommission gestellt, alle Schwierigkeiten glücklich überwunde und das Staatsexamen mit„ gut“ bestanden. Fräulein Springer, die bereits seit einer Reihe von Jahren in Berlin praktiziert, hat vorher in Zürich die medizinischen Prüfungen abgelegt. Der Landwirt. * Pri * Ziehung der H folgende Gewi ( nach Worms 31 700, 38426 Berse an der Realfagul realschule und zum Oberlehrer Ernan mann in B Alefeld zu Ober A Der Di Prof. Dr. P fitätsfrauenklini Unter am 1. April ei ten- und D gegend" ins mit an Schm gd. Warum braucht das Geflügel Steine und Sand? D Geflügel hat keine Zähne. Darum kann ein Zerkleinen der Futterstoffe im Munde nicht stattfinden. Die Nahrung mittel werden daher ganz verschluckt, und gelangen zunic in den Kropf. Dieser dient zum Erweichen der Nahrung die dann in den Magen gelangt und hier vom Magens durchweicht wird. Der Magen ersetzt bei manchen Vögel namentlich den hühnerartigen, in gewissem Sinne die Zähne Er ist mit einer dicken Muskellagerung umgeben und m einer derben, hornplattenähnlichen Haut ausgekleidet. F dem nun das Geflügel Sand und kleine Steinchen aufnimm werden die durchweichten Futtermittel bei der fortwährend Bewegung des Magens zerkleinert und zermalmt. Jezt ist es dem Huhn, der Gans, dem Puter möglich, die fein g riebene Nahrung zu verdauen. Sind die Steinchen rund worden und abgenutzt, so gehen sie mit dem Kot ab u werden durch neue fantige ersetzt. Diese zur Verdau notwendigen Steine findet das Geflügel bei freiem Ausla reichlich und in großer Menge vor. Fehlt dieser, so be säume man nicht, den Aufenthaltsraum mit Sand und Ste chen zu versehen. Sonst werden Verdauung und Eierleg mangelhaft. Rodheim. * Der taffe Gieß Januar 1905 wettere 3 Jah Reinewald S Raffe find, mit + In M tur eröffnet. bringen, S Schotteranlage Besit verkaufte sein 8200 Mt. an ** Eine befizer fällte e fang, der bie beftraft wurde. Streufen gege angeltlagt, wu doß nach den Militärbrieftau freien Tierfang X Lich, berein wurde aus ftellung die von Geflügel + Butb Großh. Real war die Anf erwarben 13 der Lehrer B Das neue Sch Marbu borene und nach burg in Stellun Karl Kraus mer unter der Er sollte dies durch eine Sc Eigenschaft a Angeklagte me nach der Sch wieder ausgel fchlagungen an ungedeckt. M Urteil gegen Monaten. A Gin ftung fand Kaufleute Frie den§ 26 der mit Sprengi gehandelt hat zahlreiche Sa Gine ober ( Fortse Der gelernt," fagt Wahrha in anderer. Sich, d brüllte der La bals faßte un mugten nun au u bedeuten bas auf den H aud wußte, da Diefer batt und alles gefeber Eifersucht in fet redt flar, weld berdiente: ob de lettere fand er er fidh fagte, da gefonnt, als de Jagen. Nur to nicht am Ende Daß dadurch ein Bangcurt, ersta boller Groll, d einen Lanz zu brüdte, um fei und- zu trin Indeffen m Wauionen Dollar ondrähte find auf m mehreren Fallen des Sturmes bo 114 fleine Bori et und Bullman. beflagen. Buil Tod, und über am von Südwesten es geschah in eine btsfaal. Lokales. 28. März 1904. ** Privattelegramm. Bei der heutigen Ziehung der Hessisch- Thüringischen Landeslotterie wurden folgende Gewinne gezogen: 10000 Mt. auf Nr. 69 723 ( nach Worms), 3000 Mt. auf Nr. 7616, 12 662, 14 637, 31 700, 38426, 56 595, 58 394. * * Versetzt wurden die Oberlehrer Dr. Sturmfels an der Realschule Gießen nach Darmstadt an die Oberrealschule und Prof. Röschen am Gymnasium zu Laubach zum Oberlehrer an das Realgymnasium nach Gießen. Ernannt wurden die Lehramtsassessoren Buxmann in Butzbach Nungesser und Zimmer in Alsfeld zu Oberlehrern. * * A Der Direktor der Universitäts frouenklinik in Gießen Prof. Dr. Pfannenstiel hat den Ruf an die Univerfitätsfrauentlinit Erlangen abgelehnt. erlin lauteten die iederschmetternd für Ganswindts trage fenschaftlicher Grun nur mit ganz gen einseitigen Erfahru lufionen, wie sie ju en, anhaften mögen, en auf jeden gebil ud machen. Seine läglichte, was man Die Flugmaschine Ganswindtschen Ber 40pferdigen Mote Sprinzipien der Med fräfte in Anwendun fte Ganswindt aber nünftiger Mensch achen, wie er es get es. licher Personen] me ustralisches Gesek. ch verboten, zu ra , der ihnen Zigan twie berabfolgt. inger Mensch, der gegeben hatte, bo Geldstrafe verurteilt auch noch weiter. in ein Zigarrenge ein wenig Labat enden Beispiele be ngen. Er wird h schließlich muß au treffenden Geschäf Auffassung des In einem Peter e russische Sch jet der russisch- ja t, von einer Ze denen Wandlungen Blattes mit den frieg mit denen, die die r it der Kriegsschilder verquickt. Dem gr er falsche Namen! General Auropatkir inen unter ihren als es bei diesem wohl noch niemal omans erwartet t.] Gine Amerikaner eht jegt im 117. Sehen gere und drei ältere& Ihre Mutter starb ihrer Brider und 1 Indianerfriegen um noch ein Tomahan „ Aunt Mary"( w angen Jahren in Reynolds, ihre 74 im vergangenen die Familie gen er eigenhändig b unt Mary" schrei istande zu. Sie i d bequem. Sie ha fitt ein vorzüglide ratet gewesen und üngste das einzige Tenfchaft. en an der Berliner eine Dame, Fräule r medizinischen Pri eiten glücklich übern it" bestanden. Fr eihe von Jahren in e medizinischen Pri dwirt. Unter dem Vorsiz des Bauunternehmer Winn tritt am 1. April eine Freie Vereinigung der Kranfen- und Doktortassen für Gießen und Umgegend" ins Leben. Von auswärts gehören dem Vorstand mit an Schmidt- Lollar, Hahn- Krofdorf und PepplerRodheim. * Der Vertrag zwischen der Ortskranken Tasse Gießen und ihren Aerzten, welcher am 1. Januar 1905 abläuft, ist im beiderseitigen Interesse auf weitere 3 Jahre verlängert worden. Neu ist, daß Dr. Meinewald Nasen- und Halskrante, die Mitglieder der Rasse sind, mit behandelt auf Rechnung der Kasse. + In Mainzlar, wird am 1. April eine ost agentur eröffnet. Derselben werden mitzugeteilt die Drte Daubringen, Staufenberg, Hof Heibertshausen und die Schotteranlage von Schepp. Besizwechsel. Der Weißbindermeister Konrad verkaufte sein an der Schüßenstraße 18 gelegenes Haus für 88200 Mf. an den Defonom Karl Euler. ** Eine wichtige Entscheidung für Brieftaubenbefizer fällte ein Kölner Gericht inbezug auf den Taubenfang, der bisher als gemeiner Diebstahl von den Gerichten bestraft wurde. Zwei junge Burschen hatten sich mittels Streufen gegenseitig einige Tauben abgefangen. Deshalb angeklagt, wurden sie mit der Begründung freigesprochen, daß nach den Landesgesehen Tauben, mit Ausnahme von Militärbrieftauben, welche im Freien betroffen werden, dem freien Tierfang unterliegen. XLich, 27. März. Dem Geflügel- und Vogelzuchtwerein wurde zu seiner am 9. Mat stattfindenden Geflügelausstellung die Erlaubnis zur Veranstaltung einer Verlosung won Geflügel aller Art und Gebrauchsgegenstände erteilt. + Butzbach, im März. Nach dem Jahresbericht der Großh. Realschule Butzbach für das Schuljahr 1903-04 war die Anstalt von 174 Schülern besucht. Ostern 1903 rwarben 13 Schüler das Berechtigungszeugnis. Die Zahl der Lehrer betrug einschließlich des Direktors Karg 12. Das neue Schuljahr beginnt am 12. April. Marburg, 25. März. Der 1872 in Alsfeld geborene und nacheinander in Rücklingen, Gießen und Marburg in Stellung gewesen Prozeßagent und frühere Kaufmann Karl Kraus aus Biedenkopf stand vor heutiger Straffammer unter der Beschuldigung, Gelder unterschlagen zu haben. Er sollte dies, da er sich in Geldverlegenheit befand, die durch eine Schuld von 2000 Mt. verschärft wurde, in seiner Eigenschaft als Konkursverwalter getan haben. Als der Angeklagte merkte, daß die Sache ans Licht tam, war er mach der Schweiz entflohen, wo er jedoch bald entdeckt und wieder ausgeliefert wurde. Von ben aus 20-30 Unterfahlagungen angeeigneten Geldern blieben 2511 Mt. 93 Pf. ungedeckt. Wegen fortgesetter Unterschlagungen lautete das Urteil gegen ihn auf eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr 3 Monaten. Eine interessante Schöffengerichtsstzung fand dieser Tage in Gießen statt. Die Herren Maufleute Friesleben u. Gen. waren, weil dieselben gegen den§ 26 der V.-D. vom 8. Nov. 1903 den Verkehr mit Sprengstoffen betr., und des§ 367,5 R.-Str.-G.-B. gehandelt haben sollen, angeklagt. Als Zeugen waren zahlreiche Schüler und Schußleute erschienen. Das Gericht Der Wildhirt. Eine oberhessische Dorfgeschichte von J. Becker. ( Fortsetzung.) ( Nachdruck verboten.) " Der hat's unter Fei'm schlechten Apfelbaum gelernt," sagte einer der Burschen. ,, Wahrhaftig nit; de kann sich seh'n lassen," meinte in anderer. r Sich, das is' n Pärchen, das paßt z'sammen," brüllte der Lange, indem er den Hannhenner um den el Steine und Sand? bals faßte und zum Wirtstisch zerrte. Die Burschen cum fann ein Zerfle attfinden. Die Nahr idt, und gelangen zu Erweichen der Nab und hier vom Mag fegt bei manchen mugten nun aue, wus vel umcßverum des Hanngeuner u bedeuten hatte und raunten einander allerlei zu, bas auf den Hangcurt Bezug hatte, von dem man doch auch wußte, daß er um's Elschen ging. Dieser hatte in der Tür der Wirtsstube gestanden und alles gesehen. Er fühlte zum ersten Male brennende Eifersucht in seinem Herzen; nur war er sich noch nicht recht klar, welches der beiden am meisten seinen Groll berdiente: ob der Bursche oder das Mädchen. Für das legtere fand er endlich eine Entschuldigung darin, daß er sich sagte, daß es als Wirtstochter schon nicht anders gefonnt, als dem Burschen den gewünschten Tanz zuzuagen. Nur war es dabei immer zweifelhaft, ob der nicht am Ende dem Elschen so gefallen haben könnte, daß dadurch ein erfolgreicher Nebenbuhler für ihn, den hangcurt, erstanden sei. Er war über die Geschichte so boller Groll, daß er gar keine Lust mehr empfand, noch einen Tanz zu machen, sondern sich still in eine Ecké baückte, um seinen grübelnden Gedanken nachznhängen und zu trinken. Indessen wurde der Lärm immer lauter, der Gesana ewissem Sinne die 3 erung umgeben und Haut ausgekleidet. leine Steinchen aufni tel bei der fortwähre und zermalmt. Se Buter möglich, die fem and die Steinchen rund fie mit dem Kot ab flügel bei freiem Au or. Fehlt diefer, fo aum mit Sand und Verdauung und Eierl Diese zur Verda - hatte die Herren Büchsenmacher A. Dicoré- Gießen und Buchbindermeister A. Bourgeois- Gießen als Sachverständigen, die Angeklagten den Herrn Pyrotechniker W. Grünewald vom Hause W. Werffenbach- Stuttgart, Underliederbach- Höchst geladen. Die Angeklagten wurden durch den Herrn Rechtsanwalt Dr. Jung- Gießen vertreten. Die Angeklagten wurden, weil dieselben in den letzten Tagen vor dem 31. Dezember 1903 an verschiedene Personen, auch an solche unter 16 Jahren, Lady Crefers, Frösche, Schwärmer verfauft hatten, mit Strafbefehlen bedacht, gegen diese legten sie Einspruch ein. Die Angeklagten stüßten sich auf die von verschiedenen Gerichtshöfen gefällten Urteile, daß Lady Creters, Frösche, 2c. nur als Spielwaren zu betrachten find und das Abbrennen derselben ausschließlich dem Zweck der Belustigung und Unterhaltung, Unerwachsener und Erwachsener dienen soll. Der Sachverständige Herr Dicoré steht nach einer genauen Darlegung des Sachverständigen Herrn Grünewald. auf demselben Standpunkt, daß man diese kleinen Feuerwerkskörper als Spielwaren behandeln muß. Sachverständiger Herr Bourgeois, stellt sich auf einen anderen Standpuntt, ja sogar geht dieser Sachverständige soweit, daß derselbe die Angabe macht, daß diese Feuerwerksförper startes Sprengpulver enthalten würden. Nach einer furzen, gründlichen Widerlegung durch den Herrn Sachverst. Grünewald, wonach die in Frage kommenden Feuerwerksförper, nur ganz geringe Mengen( 1,4-1,25 Gramm) von Mehlpulver enthalten würden, sowie nach einer ausführlichen Verteidigung durch Herrn Rechtsanwalt Dr. Jung verkündete der Herr Vorsitzende, daß das Urteil erst in acht Tagen gefällt werde. Während der Verhandlung wurden Lady Creters zc. abgebrannt, sowie mit Kinderkanonen geschossen, was von dem zahlreich anwesenden Publikum mit besonderem Interesse verfolgt wurde und auch den Sizungssaal mit einem nicht angenehmen Pulverdampf ausfüllte. - Stadttheater Gießen. Das Glück im Winkel. Schauspiel in 3 Akten von Hermann Sudermann. Die gestrige Schluß- Vorstellung war leider nicht ganz so besucht, wie man eigentlich hätte erwarten sollen, die Erschienenen versäumten jedoch nicht, ihrem Bedauern über das Scheiden in herzlichem lebhaften Beifall fund zu geben. Eine Besprechung des Sudermannschen Schauspiels möchten wir uns für heute ersparen und nur auf die Darstellung furz zurückkommen. Besonders war es Frl. Hohl, die mit ihrer feindurchdachten Elisabeth wieder einen schönen Beweis ihrer Kunst lieferte und deren Fortgang von hier wir aufrichtig bedauern müssen. Als Freiherr von Röcknig zeigte sich Herr Sandorff von seiner allerbesten Seite; das war eine Prachtgestalt, halb Edelmann, halb Naturmensch mit dem eisernen Willen im Allgemeinen und der großen Schwäche für kleine Mädchen im Besonderen. Der Direktion ist es, wie wir hören, gelungen, den Künstler für die nächste Saison zu fesseln. Dagegen wird Herr Haag Gießen den Rücken fehren. Er ist ein guter Regisseur und routinierter Schauspieler der überall seinen Mann stellt. Gestern Abend als Rektor Wiedemann hätte er die schlichte Herzlichkeit dieser Figur etwas mehr betonen fönner, auch schien er durch seine Regisseurarbeit etwas abgelenkt. Ein Stückchen echte Kunst bescherte uns zum Schlusse noch Frl. Großmüller als Helene, welche die rührende Hilflosigkeit des blinden Mädchens äußerst natürlich und ergreifend zum Ausdruck brachte, während sich Herr nabe auch gestern wieder ziemlich zurückhaltend benahm und zu schüchtern auftrat. Aus der Rolle der Bettina machte Frau Kellermann was daraus zu machen war und Herr Linz en als Kreisschulinspektor Dr. Orb war vorzüglich. Die erste Saison unter Herrn Direktor Steingoetter ist also vorüber und das diesjährige Ensemble hat unbestreitbar einen sehr günstigen Eindruck hinterlassen. Wenn auch manches vielleicht noch nicht ganz so war, wie man es gewünscht hätte, ist doch zu bedenken, daß die Räume der gepflegten Kunst nicht würdig sind und in so kleinen Verhältnissen Großes zu leisten ist schwer! Immerhin befinden wir uns auf dem besten Wege und Herr Direktor Steingoetter hat bewiesen, daß er neben dem hohen Ernste für seine fünstlerischen Aufgaben auch die Enerimmer fräftiger, die Stimmung Hangcurts immer düsterer, denn er empfand jetzt auch noch Zorn gegen seine Kameraden, die sich so leichterdings mit dem fremden Burschen eingelassen hatten, ohne im geringsten Rücksicht auf ihn selbst zu nehmen, wo sie doch wußten, daß das Elschen sein Aues war, und daß sie sich zum mindesten dem Fremden gegenüber aus diesem Grunde wohl etwas zurückhaltender hätten benehmen können. An der Türecke der Zechstube, außerhalb im Dunkeln, stand schon lange der Tiophel. Sein wachsbleiches Gesicht mit den ttefliegenden Augen unter der dicken Stirn machte durchaus teinen angenehmen Eindruck. Man sah es ihm an, daß er sich über irgend etwas grimmte. Dazu war er auch durchaus nicht firmeßmäßig angezogen, denn während alle anderen Burschen in bunten Muzen"( Jacken) erschienen, hatie er einen leinenen, vielfach geflickten Kittel an, kurze Hosen, rauwollene Strümpfe und ungeschmierte schmußige Schuhe, sodaß es fast so schien, als set er aus dem Stalle herbeigelaufen, um nur einmal bei der Kirmeß geschwind zu„ gucker". Da endlich gewahrte ihn der Hangcurt. Er stand auf und drängte sich durch die Stube auf ihn zu, um einige Worte mit ihm zu sprechen und auch einmal, wie er im lichten Holze versprochen, mit bm zu trinken " Ich steh schon lang da," sagte der Tiophel,„ hasi mich aber noch nit g'sehn." ,, Und ich size schon lang da hinten in der Ecke und hab mein Aerger." " Gelt, über den Fremden?" , Ganz natürlich!" " Der is um's Elschen' cum, wie ich schon lang g'sehn hab." ' s scheint so, und ich kann Dir sagen. Tiobbel. gie befißt, sie zu erfüllen und einen solchen Mann brauchen wir. Außer Herrn Sandorff sind auch Herr Linzen sowie Frl. Hellberg, Frau Fischer und Frau Kellermann für die nächste Saison verpflichtet. Aus dem Gerichtssaal. Strafkammer. H. H. Gießen, 26. März 1904. Die Ehefrau des Taglöhners Johann Tag zu Gießen wurde durch das Schöffengericht unter der Anklage des Diebstahls verbunden mit Hausfriedensbruch zu einer Gefängnisstrafe von einer Woche und zehn Mark Geldstrafe berurteilt. Auf Berufung der Angeklagten erfolgte houte Freisprechung. Der vielfach vorbestrafte Korbmacher Johann Adam Klein von Fauerbach schnitt sich aus einem an der Straße Friedberg- Wölfersheim stehenden Obstbäumchen einen Spazierſtock. Wegen Sachbeschädigung und Diebstahl erkannte das Gericht auf neun Monate Gefängnis. Eine frühere gegen ihn erkannte Strafe wurde eingezogen und auf eine Gesamtstrafe von einem Jahr Gefängnis nebst Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre und Stellung unter Polizeiaufsicht erkannt. Der Schneider Hch. Korell von Alsfeld wurde unter der Anklage seinen Hauswirt bedroht und mit einer Art förperlich verletzt zu haben, mit einer vierwöchigen Gefängnisstrafe belegt, wogegen er Berufung verfolgte. Das Berufungsgericht sette heute die Strafe auf 10 Tage herab.- Der Sprachlehrer Gerhard Schornberg von Bad Nauheim war angeflagt eine Vollmacht fälschlich angefertigt zu haben. Er mußte aber von der gegen ihn erhobenen Anklage der Urkun denfälschung mangels Beweis freigesprochen werden. - Den Schluß bildete die Verhandlung über die Berufung des Landwirts Friedrich Schmidt von Trais Horloff, welcher wegen unerlaubten Schießens mit 3 Tagen Gefängnis bestraft worden war. Während er die Anschuldigung bestreitet, wird seine Schuld durch Zeugen bestätigt. Das Gericht hält jedoch die Strafe für zu hart und erkennt auf 10 Mt. Geldstrafe. Geschäftliches. Seiden- Mode- Bericht. Es schreibt uns die bekannte Seidenstoff- Fabrif- Union Adolf Grieder& Cie. in Zürich: Kenner der Mode und in die Geheimnisse der Mode Eingeweihte behaupten kecklich, daß die Signatur für kommende Saison eine" Seidene" genannt wird. Drei Viertel der von den großen Schneidern gebrachten Modelle sind in Seide gearbeitet. Auf der Promenade, am Strand, in den Cercles werden wir Seide sehen. Die vornehme Welt wird Seide tragen, aber wirkliche, echte Seide, nicht durch Farbstoff hervorgebrachte Surrogate, wie sie oft in den letzten Jahrzehnten unter der fälschlichen Bezeichnung„ Seide" dem Bublifum vorgefeßt wurden. Vor allem bevorzugt die Mode, speziell für Straßen- Toiletten, weiche, schmiegsame und dünne Seidenstoffe und unscheinbare Dessins, winzige Motive und fleine Buntte. Crêpes, Voiles, Gazes, Grenadines, Louisines, Messalines 2c. find die leitenden Artikel. In wundervollen Vartationen und Varietäten macht man Foulards, das Straßenkleid par excellence; neben den asiatischen PongéFoulards bringt man neue Kombinationen auf Crêpe- Voile mit glattem und façonniertem Fond. big Marktberichte. *** Fruchtpreise am Grünberger Fruchtmarkt, vom 26. März. Weizen 18,20-00,00, Rorn 00,00 Gerste Hafer 13,28-00,00, Erbsen 18,69, Samen 00,00, Kartoffeln 9,90-00,00, Linsen 00,00 Alles per Doppelzentner. Mark. Drud und Verlag der Gießener Verlagsdruderei( vorm. Wilh. Keller), Gießen Berantwortlich: für den politischen und Inseratentell: Albin Klein für das Lotale, den Gerichts-" und" Deffentlichen Sprechsaal": Fr. Orbermann Möbl. Zimmer per 1. März zu vermieten. Gießen, Marktstraße 11. Schöne möbl. Zimmer immer, mit oder ohne Pension auf Wunsch Wohn- und Schlafzu vermieten. Gieken, Bismarcktrake 17. wenn m'r einer' s Elsaye was ich tät!" Wir suchen für einen Jungen von auswärts zu sofortigem Eintritt eine Schreibgehilfenstelle bei einem Rechtsanwalte oder aaf einem sonstigen Bureau. Gießen, am 24. März 1904. Armenamt Gießen. abspannt tch mußt nit, " Ich glaub' Dir's!' s is' n Mädche, das könnt, ein' glücklich machen. Ich glaub', wenn mich's möcht ich würd'' n ganz and'rer Mensch, als ich sein- abei da is ja gar len Gedanke dran!" Währenddem wurde in der Tanzstube immer flot! darauflos getanzt. Eben fam auch Elechen mit auf gewickelten Hemdärmeln und gerötetem Gesicht aus der Türe, um in die gegenüberliegende Schenkstube zu gehen. Im Vorübereilen sah es den Hangcurt und den Tiophe! zusammenstehn und über sein Gesicht glitt ein Schatten des Unwillens, als es dies gewahrte. „ Ezt hat mich's bet Dir steh'n seh'n," sagte Hangcurt bitter, gib acht, ett hab' ich's ganz bei ihm verdorben." ... ich will Dir was faaen." raunte Tiophel ,,, dem Ding muß' n End' gemacht wer'n-!" Wie willste denn das machen?" " Dem Fremden muß' s ein für allemal verleid't wer'n, hierherzukommen und um's Elsche rumzu= scharwenzeln." „ Das paẞt mir auch nit," erwiderte Hangcurt nachdenklich.„ Damit, daß mir den Burkhennersch mit Gewalt wegtreiben, is am End nichts getan; das Elsche könnt'n am End' d'rnach erst recht gern haben. Wenn ich'm nit aus freien Stücken lieber sein als der Fremde, dann mag ich überhaupt nichts von ihm wissen." ,, Du hast immer' n närr'schen Kopf!" sagte Tiophel wieder. Wenn ich so'n Mädchen hätt' und' s fäm mir einer d'rzwischen, der müßt-- ,, Na ja, Du mächst'n falt," unterbrach ihn Hangcurt „ Das möcht' ich aber nit; wenn ich'm Eische nit lteber sein, so lieb, daß mich's jedem andern vorzieht, dann hätt's fein Wert für mich." ( Forts. folgt.) Holländische Pfingstkartoffel. Holländische Pfingstkartoffel. Diese ausgezeichnete Frühkartoffel haben wir aus Holland importiert, wo sie schon Mitte Mai im Freien geerntet werden soll. Da das Klima dort von unserem nicht wesentlich abweicht, dürften mit dieser Sorte auch bei uns sehr frühe Ernten zu erzielen sein. Die Kartoffel ist länglich. mit gelblicher Schale, flachen Augen und gelbem Fleisch. Sie tocht sich ausgezeichnet und hat einen sehr feinen Geschmad. Wir offerieren direkt importiertes Saatgut dieser Holländischen Pfingstkartoffel ein 10 Pfd.- Postcolli M. 3- Diamant- Kartoffel Enorm ertragreiche mittelfrühe hochfeine Speisekartoffel, zum Massenanbau sehr zu empfehlen Von unübertroffener Haltbarkeit. Diese wunderschön geformten, runden, sehr großen Knollen liegen dicht um den Stock, haben ganz glatt rosa angehauchte Schale mit wenige flachliegenden Augen. Das Fleisch ist weiß, sehr wohlschmeckend und mehlreich. Die Kartoffel ist äußerst widerstandsfähig gegen Krankheit und paßt für jeden Boden. Sie bewahrt ihren Wohlgeschmack bis in den Juli hinein. 5 Ctr. M. 85., 1 Ctr. M. 9.-, 10 Pfd.- Postcolli M. 1.50. 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Entlaufen ist: 1 rotgelbe Dachsel- Hündin. Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegen: stände belieben thre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Gießen, den 26 März 1904. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. Bekanntmachung. Die am 15. d. Mts. stattgefundene Nadelnutzholz- Dersteigerung der Gemeinde Krofdorf- Sleiberg ist nicht genehmigt. Krofdorf, 25 März 1904. Das Bürgermeistereiamt. Nadelnußholz- Verkanf der Gemeinde Krofdorf- Gleiberg im Wege des schriftlichen Aufgebotes. 1. Fichten. Distrikte 5( Steinbusch), 7a( Judenkirchhof), 8d( Krofelberg), 17b( Heide), 23e( Bruch): Los 1: 175 Stämme = 38,55 Fitm.; 67 Derbholzstangen= 6,03 Fftm. 2. Kiefern. Distrikt 23a( Schinnhecken). Los 2: 66 Stämme 14,75 Fstm. Los 3.: 41 Rm. Schichtnutholz, 2 Mtr. lang. Die Gebote sind bis spätestens Mittwoch, 6. April d. Js. unter Bezeichnung des betreffenden Loses an das Bürgermeistereiamt in Krofdorf einzureichen. Nähere Auskunft erteilt Förster LucasKrofdorf. Bürgergesellschaft. 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Menn's Euch recht iff," meinte er, von dem Wunsche geist mir's recht," versicherte der Satan, Ihr könnt lebei zu sein, wenn einer vom Teufel geholt wird, ich noch ein Stündlein bei Euch." a behilflich fein. rte, wo die beiden noch ja," sagte der Teufel ruhig, und im nächsten Augenblic war er mit dem Richter verschwunden, während das Weib aschfahr werdend vor Angst. " Aber Ihr werdet doch nicht, Herr Teufel- rief Konrad, Nr. 69. fo b he Fam Montag, den 28. März. 1904 די cei Gießen ung. bis 26. März 190 3,1 3wider und it Inhalt, 1 Siege Stapuze. Huhn und 1 Natter chfel- Hündin. bald bet uns gelten gefundenen Gege mt Gießen. ung. dene Gleiberg teigerung alung bends 9 Uhr ſchaft. teilt Förster Sus Bezeichnung des find bis späte 41 Am. Schicht eden). Los 2: ereiamt in Arofdorf gen= 6,03 $ 1: 175 Stäm irchhof), 8d( fro otes. 1. Fichte Sertanf Gleiberg rmeistereiamt. 1. gsablage, 3. Vorstande 8. gesucht. Löber, Bäckerm ansburiche Ben, Wallthorstraße Gießen, Ludwigspa erlehrling aver Junge Serall fäuflich. -Dose 25 Pfg. • beste aller Bamma Bmittel Der Vorstand. Wunsche ge,, Wenn's Euch recht ist," meinte er, von dem trieben, dabei zu sein, wenn einer vom Teufel geholt wird, .so bleibe ich noch ein Stündlein bei Euch." Gewiß ist mir's recht," versicherte der Satan, Ihr könnt mir ja behilflich sein." ,, Gern." So schritten sie über den Markt, an Buden und Bänken porbei, und lauschten aufmerksam nach allen Seiten, ob nicht irgendwo etwas zum Teufel gewünscht würde. Man scheint Euch heute nichts geben zu wollen, Herr Teufel," meinte Konrad, nachdem sie wohl eine halbe Stunde lang vergeblich durch das Gewühl gewandert waren. ,, Kommt nur," entgegnete der Teufel ruhig, und sie durchquerten von neuem das Gewimmel des Marktes. Als sie in dessen Mitte angekommen waren, sahen sie sich einer wunderlichen Szene gegenüber: einer Bäuerin, die mit einem Schweine hergekommen, war dieses davongelaufen. In raschen Sägen jagte es dahin, gerade auf eine Bank zu, auf der ein ganzer Berg Zwiebeln zum Verkaufe aufgeschüttet lag. Das Tier rannte im wilden Lauf gegen die Bank, stieß sie um, und die Zwiebeln kollerten nach allen Richtungen hin auf den Boden. Dann stürmte es mitten unter die Töpfe, die ein anderes Marktweib feilhielt, und zerstampfte wohl ein Dußend davon. So entstand eine wilde Jagd nach dem weiterrennenden Tier, denn die Bäuerin lief hinter ihm her, der Bauer mit den Zwiebeln rannte ihr nach, und diesem folgte das Töpfermeib. Alle schimpften und fluchten. Meine Töpfe!" schrie das Weib und ballte die Fäuste.. Meine Zwiebeln!" schrie der Bauer und brüllte wie ein Wilder. Verwünschtes Schwein," kreischte die Bäuerin,„ verwünschtes Schwein, der Teufel soll dich holen!" Hört ihr, Herr Teufel," ermahnte der Richter,„ da kommt Ihr schon zu einem fetten Schwein!" " nein," entgegnete der Schwarze lächelnd,„ auch das war nicht im rechten Ernst gemeint!" Aber geht!" rief Konrad ärgerlich, Ihr seid wirklich zu penibel. Das Wasser läuft einem schon im Munde zusammen, wenn man's nur ansieht! Das gibt einen Sonntagsbraten für die ganze Hölle!" " In der Hölle fehlt's uns nicht an Schweinen", erwiderte der Teufel ruhig, lassen wir's nur auf Erden." Nun, Ihr müßt's wissen," sagte der Richter resigniert und ging ärgerlich weiter, denn dieser Teufel war gar nicht nach seinem Geschmack, und er beschloß, ihm einmal zu zeigen, wie man mit den Leuten umgehen müsse. " Herr Teufel," meinte er, begleitet mich dort hinüber zu dem Weibe, das die Kuh feilhält; ich habe mit ihr zu reden." Gern," antwortete der Schwarze, und sie gingen hinüber. Das Weib grüßte sie, als sie herantraten, aber der Richter dankte gar nicht. Ist das Eure Kuh?" fragte er kurzweg. " Ja," sagte sie, ein schönes Tier, Herr Richter, sie steht Euch zu Gebote. Milch gibt" " Laßt Euer Geschwäß!" rief Konrad barsch,„ ich habe Euch nur gefragt, ob das Tier Euer iſt." " Ja doch, Herr Richter." " Dann pfände ich sie," fuhr dieser fort, ein Schriftstück mit großen Siegeln vorweisend. Herr Richter," schrie das Weib entsetzt, Ihr werdet mir doch meine Kuh nicht pfänden?" " Ja, sage ich!" rief Konrad. Habt Erbarmen, Herr Richter," flehte das Weib,„ sie ist das Lezte, was ich habe. Habt Erbarmen!" ,, Laßt ihr doch die Kuh," bat ihn der Teufel. Ja wohl," rief er höhnisch, Ihr glaubt wohl, ich wäre auch so ein Wachsherz wie Ihr? nein! Her die Kuh!" ,, Laßt mir die Kuh, verwünschter Richter!" schrie das Weib verzweifelt. Sie gehört mir, Euer Urteil ist falsch! Ihr seid bestochen worden!" „ Ruhig, Weib!" donnerte Konrad. ,, Nein, ich bin nicht ruhig!" schrie sie desto heftiger. Ihr seid ein Schurke, ein Schuft! Der Teufel soll Euch holen!" " Oho!" rief der Teufel laut und trat dem Richter ganz nahe. Wie?" fragte dieser und tat reichenblaß einen Schritt zurück. " Diesmal war's im rechten Ernst gemeint," sagte der Satan lächelnd. ,, Aber Thr werdet doch nicht, Herr Teufel- rief Konrad, aschfahl werdend vor Angst. ja," sagte der Teufel ruhig, und im nächsten Augenblick war er mit dem Richter verschwunden, während das Weib ganz verdugt auf den Platz starrte, wo die beiden noch eben gestanden hatten. AUS FERNEN ZONEN Die Perlmutter- Fischerei in Indien. Der Handel mit Perlmutterschalen im englischen Indien ist sehr beträchtlich. Hauptsächlich sind es Schalen von der Gattung " Turbinella", und man findet sie in den verschiedenen Teilen des Golfes von Manaar, von Jaffnapatnam, von Travancore, Tuticorin und Kilakarai, aber die Fischerei wird hauptsächlich an den beiden letzten Punkten betrieben; sie beginnt im Oktober und endet im März. Gut verkäufliche Schalen sind vornehmlich die, welche eingefischt werden, solange das Schaltier noch lebt; im anderen Falle verliert die Perlmutter ihren Glanz und ist mehr oder weniger lädiert; sie hat dann kaum den Wert der Transportkosten. Aber selbst unter den lebend eingefangenen Tieren gibl es solche, deren Schalen von Würmern angestochen sind, wie dies auch bei den Auſtern vorzukommen pflegt, und diese schlechten Schalen machen ungefähr den zehnten Teil der gesamten Ernte aus. Die großen Verkaufs- Centren sind Calcutta und Madras. Zur Zeit, da die Dynastie der Chalukya über Kahun herrschte, bildete das Perlmutter- Mollusk( die Muschel) eines der Insignier des Königtums; selbst heute noch werden den reichen Indern eine Menge von aus Perlmutter angefertigten Pretiosen in's Grab mitgegeben; es sind dies Bracelets, Halsbänder, Ringe; auch Schachteln werden aus Perlmutter angefertigt. Die Fischerei wird auf Rechnung der englischen Regierung betrieben. In den Jahren 1877 bis 1892/93, demnach in 17 Jahren, ergab die Ausbeute einen Wert von nahezu einer Million Francs. In der Campagne 1892/93 wurden 316,354 Muscheln gefischt, wovon 30,132 wurmstichig waren; der gesamte Verkaufspreis betrug ungefähr 40,000 Francs, wovon die Ausgaben nahezu die Hälfte in Anspruch nahmen. Aber der Verkaufspreis der Schalen ist kein regelmäßiger. Ir der letzten Campagne erzielte man für das Tausend bloß 45 bis 51 Rupien, in der Campagne 1890/91 aber 78 und in de Campagne 1887/88 123 Rupien. Ueberdies schwankt auch der Einheitspreis der Schale außerordentlich; der Wert hängt haupt: sächlich vom Volumen ab; zu bemerken ist, daß diejenigen, die nach rechts offen sind, sehr teuer verkauft werden; man hat für solche Schalen 400 bis 500 und selbst 2000 Rupien( 2400 Francs erzielt. Man erwähnt sogar, daß eine einzige Schale einmal den Preis von mehr als 47,000 Francs erreichte. Bunte Blätter. Geldtransport in China. In China befördern die ent ferntesten Provinzen ihre Abgabenbeträge nach Peking in Silber: münzen und auf die allereinfachste Weise, ohne irgendwelche mili tärische Bedeckung. Das Silbergeld wird in ausgehöhlte, rohe Holzscheite verpackt. Von diesen bindet man mehrere zusammen und bringt auf jeder Last eine gelbe( kaiserliche) Fahne an, die den Wertbetrag und den Bestimmungsort angiebt. Das ist der ganze Schutz, den man für nötig hält, denn die gewöhnlichen Führer der Tragtiere( Maulesel, Pferde oder Kamele) führer nicht einmal eine Waffe bei sich und haben auch keinen Mann zur Hilfe. Der heißeste Punkt der Erde liegt an der Südwestküste von Persien, wo dieses Land an den gleichnamigen Golf angrenzt. Vierzig aufeinanderfolgende Tage im Juli und August zeigte das Thermometer daselbst Tag und Nacht nie weniger als 37% Grad Celsius und zuweilen gegen Abend bis 53 Grad!- Jn Barin, in der Mitte des dürrsten Landesteiles, ist Waffer nicht anders zu erlangen als aus 100, 200 und sogar 500 Fuß tiefen Brunnen, und doch lebt hier eine zahlreiche Bevölkerung, welche ihren Wasserbedarf aber großenteils aus weit entfernten Queßen nahe der Küste deckt, aus denen es in Biegenbälgen ins Innere geschafft und dort zu ziemlich hohem Preise verkauft wird. e Nr. 69. Montag, den 28. März. 1904 Oberbessische Familienzeitung. Tägliche Unterhaltungs- Beilage der Gießener Neueste Nachrichten. Band and Berlag ber Stefaner Berlag berderet, verm. Bilh. Rellerie Besu@ stat( gegs. 1789); secantwo ( 32. Fortsetzung.) Der Goldmarder. Original Roman von M. Behold. ,, Und wenn ich mich dieser Bedingung nicht unterwerfe?" fragte Spangenberg mit heiserer Stimme. Dann muß ich dem Untersuchungsrichter die Beweise übergeben, die ich heute morgen entdeckt habe," antwortete Martin in entschlossenem Tone," mein Gewissen macht mir schon jetzt Vorwürfe, daß ich es nicht bereits getan habe. Dasselbe wird geschehen, wenn Sie flüchten, ohne ein Schuldgeständnis zu hinterlassen. Werfen Sie mir nicht vor, ich drohe Ihnen, ich kann nicht anders, ich muß ja tun, was Pflicht und Gewissen mir gebieten, der Himmel weiß, wie schwer es mir wird." Wir wollen dir Zeit lassen bis morgen früh," sagte Adolph, als sein Onkel hartnäckig schwieg, morgen früh erwarten wir deine Antwort, wir hoffen beide,„ daß du den Weg wählen wirst, den wir dir gezeigt haben. Wenn dann der Fürst Gnade für Recht ergehen läßt, so soll außer ihm und uns beiden niemand erfahren, welch' schwere Schuld auf dir ruht; die Schuld selbst möge Gott dir verzeihen, wir können es nicht, denn wir finden keine Entschuldigung dafür." " Ich komme noch einmal auf das Armband zurück," fügte Martin ernst hinzu.„ An die Schuld Peter Schönbach's glaube ich nicht „ Sie haben es ja zurückerhalten," brauſte Spangenberg auf ,,, was wollen Sie noch mehr?" „ Peter Schönbach sitzt noch in Unterschungshaft, seine Ehrenrettung ist das Wenigste, was ich verlangen darf. Wenn Ihr eigenes Gewissen Ihnen das nicht sagt, dann muß ich Sie darauf aufmerksam machen! Sie haben nun die Wahl, treffen Sie Ihre Entscheidung und geben Sie sich nicht der Hoffnung hin, daß wir aus irgendwelchen Rücksichten unserem Entschluß untreu werden könnten. Wir können nicht anders, wir müssen so handeln, und wenn Sie gerecht sein wollen, so werden Sie das einsehen." " Die beiden Freunde atmeten tief auf, als sie das Haus wieder verlassen hatten, aber die schwere Last, die drückend auf ihnen lag, wollte nicht leichter werden. " Wir müssen uns nun bis morgen gedulden," sagte Adolph, ich hoffe, der Gang zum Untersuchungsrichter wird uns erspart bleiben. Wenn Onkel Joachim klug ist, so flüchtet er noch heute Abend, er kann dann morgen schon in Sicherheit sein." Ob er aber ein Schuldbekenntnis hinterlassen wird, ist sehr fraglich," erwiderte Martin, sein Stolz wird es ihm nicht erlauben." " Ich glaube das doch, er kennt die Folgen, die sein Trotz für ihn haben würden, und er weiß nun auch, daß wir kein Erbarmen mit ihm haben." Mir wurde es unsagbar schwer, dem Vater meiner geliebten Braut das alles sagen zu müssen!" „ Glaubst du, ich habe mit leichtem Herzen neben dir gestanden?" fragte Adolph. Wäre er nicht der Bruder meines Vaters, so hätte ich den Gang zum Untersuchungsrichter ohne Bedenken vorgezogen." ,, Arme Irma!" seufzte Martin. Ich halte es fast für undenkbar, daß die Schuld ihres Vaters geheim bleiben kann, ( Nachdruck verboten.) seine Entehrung wird für sie ein furchtbarer Schlag sein. Ich sehe voraus, daß der Fürst, empört über diesen Mißbrauch seines Vertrauens, die Verfolgung des Flüchtlings fordern wird, dann ist die Schande öffentlich, alle Neider und Feinde Spangenberg's erheben sich, um ihn zu steinigen," Wenn das geschehen sollte, so wirst du deiner Braut eine Zuflucht in deinem Hause bieten müssen, ihr Bruder mag dann selbst für sich sorgen; er wollte bisher nicht arbeiten, der Hunger muß ihn dazu zwingen, sonst kommt er niemals auf einen grünen Zweig. Schwere Tage stehen dir noch bevor, Martin, der Flucht meines Onkels wird der Bankerott folgen, sei nicht zu gutmütig, du hast dein Geld selbst nötig und bist nicht verpflichtet, die Schulden deines Schwiegervaters und deines Schwagers zu tilgen. Auf die Aussteuer deiner Braut wirst du ohnehin verzichten müssen, vielleicht werden auch noch andere Opfer von dir gefordert, die du nicht verweigern kannst. Darum sei vorsichtig, versprich nicht zu viel, prüfe jede Forderung, die an dich gestellt wird." Adolph war bei den letzten Worten stehen geblieben, um mit einem Händedruck von dem Freunde Abschied zu nehmen, er mußte nach Hause eilen, wo voraussichtlich mehrere Patienten ihn ungeduldig erwarteten. Und Gabriele Schönbach?" fragte Martin, ihn erwartungsvoll anblickend. ,, Reden wir jetzt nicht von ihr," bat Adolph,„ warten wir nun ab, wie die Dinge sich gestalten werden. Leb' wohl, ich sehe drüben deinen zukünftigen Schwager v. Bodenlauben aus dem Kaffeehause kommen, muß ich ihn begrüßen, so werde ich noch länger aufgehalten." Er ging rasch von dannen, in der nächsten Minute bot Alfred v. Bodenlauben dem Bruder seiner Braut die Hand. Wir gehen wohl denselben Weg?" sagte er. Ich will Ida besuchen und den Nachmittag mit ihr verplaudern, übermorgen reise ich mit meinem Onkel ab, um auf meinem Gute unser neues Heim einzurichten." Du wirst lange fortbleiben?" fragte Martin, dem Blick des Freundes ausweichend. " Ich kann es noch nicht sagen, vor unserer Hochzeit muß alles geordnet sein, damit ich ohne Sorge reisen kann. Mein Onkel, der drüben im Kaffeehause geblieben ist, läßt dich übrigens fragen, ob er die Münzen faufen kann. Den geforderten Preis will er zahlen, wenn der Brüsseler Juwelier dir eine befriedigende Auskunft gegeben hat." " Ich kann ihm noch keine Antwort geben," erwiderte Martin, der Herr Baron muß sich noch einige Tage gedulden." ,, Dann ist er nicht mehr hier." " Ihr reist erst übermorgen, vielleicht kann ich schon morgen seine Frage definitiv beantworten, der Herr Baron weiß ja, daß ich zuvor mit meinem Brüsseler Geschäftsfreunde darüber reden muß. Du könntest mir einen großen Gefallen erzeigen, Alfred." „ Sehr gerne! Was ist es?" " Schönbach, dessen Familie bei mir wohnt, wird höchstwahrscheinlich in einigen Tagen aus der Untersuchungshaft ter) zur weiteren Ar t junges Mädchen Haushalt, Aufnahme ang. Famille bei voll miltenanschluß ohne zu Ostern oder gütung. 30 ff. unter 152 an d. Exp. d. Bl 1. hlafzimmer per 1. pr in der Erp. d. Bl. Billig zu verm. hön möbliertes Wohr er), mitten der Stadt g One Wohnung Rodheimerstraße 29. nmer nebst Küche und er sogleich zu vermieten e Wohnung eten. t. 4.50 an Bor- Calf bon ur in Snopf u. Schni Für Knaben sleder, Kalbleber und aftiefel Wallthorstraße 15. is Semmler, Gichen, Wettergaffe. Marktstraße 9 r. 75. Baus gebrach Wennementspr wab bie Gi Dal Blatt ald Bootlebellagen: ว für S Q5 ungseide Das Großh Betr.: Die Abl richtsbezirke Grü an die Großh. Mittw Die Ableistu Amtsgeric gelegemen 1. der Orts Ausnahme bürger, sowie der A eldes der in Ihrer fich, ohne Ortsbü pwie nachstehend a in dem Rathause 30 Sams gelegenen der Geme Amtsgeric 2. der OrtsWir beauft halten fich Personen zu den T unter Angabe der wollen Sie deren Intemand borzulade Rum 4. April d. in dem Rathause De Die Japaner Safeneinfahrt vo Nach der an böllig mißglückt. Dieser ist aber dant von Port Ar Telegramm an de In der N fandten die Torpedoboots Wachtschiffen lichen Schiff eröffneten. folgendermaßen und in bede welche auf die Aktion d Infolge des gebens unfe Hafeneingan Berge auf ei unferer Tor unter; der bi Der Hafene Hotchfiß- Schnell frei geblieben. aus denen auf Bon jedem der ebenfalls unte fenen japani Rettung der Be entlassen werden, seine Schuldlosigkeit ist an den Tag getommen" ,, Ah, und wer ist der Dieb?" „ Das weiß ich nicht, die Sache muß einstweilen noch geheim bleiben. Also strenge Diskretion, Alfred, wenn ich bitten darf." ,, Gerne gewährt, wenn du es wünſcheſt!" " sch interessiere mich für die unglückliche Familie, die Gründe werden dir später klar werden, überdies sind es durch aus brave Leute, die unsere Teilnahme verdienen. Schönbach wird nicht so leicht hier wieder einen Posten finden, wir wissen ja, wie oberflächlich und herzlos im allgemeinen die Menschen in dieser Beziehung urteilen! Da meine ich denn, wenn du auf deinen Gütern eine Stelle für den Mann hätteſt, du würdeſt ein gutes Werk tun, für seine Treue und Ehrlichkeit verbürge ich mich." „ Hm, von Landwirtschaft versteht er nichts—" Schwerlich, aber als Hausmeister oder Aufseher über die Arbeiter würde er gute Dienste leisten." „ Na, ich will mir's überlegen," sagte Alfred nach kurzem Nachdenken. Ich habe ein großes Personal, und es find biele darunter, die entlassen werden müssen. Ich habe mich schon zu lange nicht um die Verwaltung so ernst befümmert, wie es hätte geschehen müssen. Das soll nun energisch nachgeholt werden. Kannst mir ja den Mann schicken, wenn er wieder frei iſt, ich will dann sehen, zu welchem Posten er sich eignet." Abgemacht!" sagte Martin.„ Wird die Duellgeſchichte dich hier nicht zurückhalten?" Sa so, das weißt du noch nicht," scherzte Alfred,„ die Sache ist niedergeschlagen. Mein Onkel hatte heute Morgen eine Audienz, seinen Bitten ist es gelungen, den Fürsten zu bersöhnen, die Duellaffäre soll nicht weiter verfolgt werden. Durchlaucht haben freilich dabei die Bedingung gestellt, daß Fräulein v. Derendorf und ihr Verlobter die Residenz verlassen müssen. Dieser Bedingung wollen die beiden gerne sich fügen, zumal ihnen hier nun alle Türen verschlossen find. So weit wäre diese Angelegenheit erledigt." ‚ Die Spike dieſer Bedingung richtet sich sowohl gegen den Hofrat v. Weisweiler?" fragte Martin. So scheint es, jedenfalls iſt er gründlich in Ungnade gefallen, und auf Rehabilitierung darf er nicht mehr hoffen, seit dem er mit seinen Memoiren gedroht hat. Er ist bereits abgereist, auf dem Gute seiner zukünftigen Schwiegertochter brütet er nun seine Bosheiten aus." „ Die ihn selbst möglicherweise zwingen, dieses Asyl wieder zu verlassen!" „ Möglich wäre das allerdings, denn er hat bei Hofe nun biele Feinde, indessen ist es noch fraglich, ob seine Pfeile wirklich ſo ſpit ſein werden, daß sie verwunden können. Vielleicht lacht man nur über sein Buch; wir wollen's abwarten." Sie hatten das Haus Martins erreicht und traten hinein. Du entschuldigst mich wohl," ſagte Martin, dem es schwer fiel, die erzwungene Ruhe zu bewahren,„ der Familienschmuck Fräulein v. Derendorf soll heute fertig werden, ich will nachsehen, und ihn dann pesönlich hinbringen." sa so, ich schicke dir auch meinen Familienschmuck, sobald ich auf meinem Gute angekommen bin," erwiderte Alfred,„ laß ihn umarbeiten, wie Ida es wünscht, er ist ja nun ihr Eigentum." „ Es soll geschehen", sagte Martin, und nachdem er dem Freunde die Tür des Wohnzimmers geöffnet hatte, ging er in seine Werkstätte, bei dem Brautpaare zu weilen, Zeuge ihres Glückes zu sein und an ihrer Freude teilzunehmen, wäre ihm in seiner jezigen Stimmung nicht möglich gewesen. Der Schmuck war fertig. Martin fand an der Arbeit nichts zu tadeln, er schob das Etui in die Tasche, schrieb die Rechnung aus und verließ wieder das Haus. In der Villa Sabinens fand Martin schon im Hausflur eine Menge von Reisefoffern, Kisten und Schachteln, mit benen das Dienstpersonal sich beschäftigte. tokar, der auf der Treppe stand und seine Befehle gab, fam dem Freunde entgegen. Wir reisen ab", sagte er frohgelaunt, ab in die Verbannung! Es hat doch Niemand gesehen, daß Du in dieses Haus tratest?" ,, Welch seltsame Frage!" " Sie hat ihre Berechtigung, fürstliche Ungnade ist an steckend, willst du nicht in unseren Sturz verwickelt werden Unsinn, Ottofar! Ich bringe deiner Braut den Brillantschmud zurück." hin„ Na, dann komm' mit, wir wollten soeben zu Dir schicken. Du weißt wohl noch nicht, daß mir die Duell. geschichte verziehn worden ist unter der Bedingung, daß—“ ,, Alfred sagte es mir schon." „ Um so besser, dann brauche ich's nicht zu wiederholen. Uns macht der Abschied von der Residenz keinen Kummer, unserer gnädigen Tante, der Baronin v. Gagern, gömmen wir diesen Triumph gern, sie hat dabei nur nicht bedacht, daß sie selbst den Kürzeren ziehen wird. Mit ihrer kleinen Rente wird sie nicht auskommen, und meine Braut ist ihre einzige Verwandte, da muß sie schließlich wohl zu Kreuz kriechen, und auf diesen Augenblick freue ich mich." „ Du wirst deine Braut begleiten?" fragte Martin. Jawohl, mein Vater wohnt ja schon auf dem Gute, also kann die böse Welt nichts darin finden. Und täte sie es dennoch, so würde es uns wenig kümmern, unser Glück soll darin nicht getrübt werden. Wir reisen morgen früh, in vier Wochen feiern wir in aller Stille unsere Hochzeit, und dann geht's nach Italien, wo wir bis zum Frühling bleiben werden." Ottokar öffnete bei den letzten Worten die Tür des Boudoirs, der Blick Martins fiel auf Sabine und ihre Zofe, die mit dem Einpacken der Garderobe emsig beschäftigt waren. Der Schmuck fand volle Anerkennung, Ottokar ruhte nicht, bis seine Braut sich damit geschmückt hatte, in toller Ausgelassenheit tanzte er mit ihr in dem engen Raume, bis Sabine erschöpft auf den Divan sant. Martin stand ernst, mit umwölfter Stirne an der Türe, er konnte ſich mit den Fröhlichen nicht freuen, und es war ihm lieb, daß Sabine jetzt die Rechnung forderte und, nach. dem sie das Geld gezahlt hatte, mit einigen freundlichen Worten Abschied von ihm nahm. Ottokar blieb im Boudoir zurück, er drückte dem Freunde die Hand, und mit sorgenvoller Miene verließ Martin die Villa. Durfte er hoffen, daß Irma jemals so heiter und ausgelassen, so glückstrahlend sein würde, wie er Sabine gesehen hatte? Mochte es ihrem Vater auch gelingen, sich durch die Flucht der Verurteilung zu entziehen, mochte auch der Fürst auf die Verfolgung verzichten, die Schuld konnte dennoch nicht verschwiegen bleiben, sie warf auf das Leben Irmas einen Schatten, der niemals ganz beseitigt werden konnte. Martin mußte nach seiner Heimkehr gewaltsam sich bezwingen, um ſeine innere Unruhe der Schwester nicht zu verraten, er fand keinen Schlaf in der Nacht, die diesem verhängnisvollen Tage folgte, jede Möglichkeit, wie die Dinge sich gestalten konnten, erwog er im Geiſte, nur die eine nicht, die gleichwohl so sehr nahe lag. Auf dem Frühstückstisch fand er am nächsten Morgen einen Brief, den der Postbote gebracht hatte, er erkannte auf der Adresse, die Handschrift Spangenberg's, und da er in Gegenwart seiner Schwester den Brief nicht öffnen wollte, so ging er damit, nachdem er hastig eine Tasse Kaffee getrunken hatte, in sein Arbeitszimmer. Seine Hände zitterten, als er das Schreiben aus dem Umschlag holte und entfaltete. „ Die Komödie iſt zu Ende," las er,„ lassen Sie nun den Vorhang fallen und finden Sie sich mit Ihrem eigenen Gewissen ab, so gut Sie können. Sie verlangen von mir ein Schuldbekenntnis, hier ist es. Ja, ich habe die Münzensammlung verkauft, weil ich kein anderes Mittel fand, meine drängenden Gläubiger zu befriedigen. Die Gnade des Fürsten hatte mir einen Posten gegeben, auf dem die Einnahmen mit den notwendigsten Ausgaben in keinem Einklang standen. Ich mußte ein großes Haus machen, um nicht in den Hintergrund gedrängt zu werden, indem man so bald vergessen ist, ich hatte Ehrgeiz und wollte höher steigen. Man wirft mir vor, persönliche Eitelkeit sei die Triebfeder meines Strebens gewesen, ich will das nicht bestreiten, aber in der Hauptsache dachte ich nur an die Zukunft meiner Kinder. Sie sollten reich und glücklich werden und dies glaubte ich nur dadurch erreichen zu können, da ich mich in der Gunſt des Fürſten behauptete. Meine Gläubiger wollten sich nicht gedulden, ich war verloren, wenn der Fürst von meinen Schulden Kenntnis erhielt. Mit der angeblichen Erbschaft hatte ich den Leuten Sand in die Augen gestreut, um meine Ausgaben vor ihnen zu rechtfertigen, tamen nun meine Schulden an den Tag, so durfte ich mich auf den Vorwurf gefaßt machen, daß ich ein Schwindler sei, der weder Achtung noch Vertrauen verdiene." ( Schluß folat.) Der rechte Ernst. Nach einer Volkssage von Ernst Bach. ( Nachdruck verboten.) In der alten Stadt Berblingen im Thüringenschen lebte im 15. Jahrhundert ein Richter, der wegen seiner schlimmen Streiche in üblem Rufe stand. Er war bestechlich, ein wüster Becher, ging niemals zur Kirche- kurz, er war ein arger Geselle, an dem niemand Freude hatte. Eines Morgens nun machte sich dieser Richter auf, um eine Amtshandlung vorzunehmen; er hatte dazu ehnen Weg ben einer guten halben Stunde zurückzulegen, denn er wohnte - wohl um bei der Ausführung von mancherlei Tollheiten nicht allzu leicht beobachtet werden zu können in einem Hause vor der Stadt. Zu beiden Seiten der Landstraße, die er entlang ging, breiteten sich Felder aus; dann bog er in einen schmalen Weg etn, zu dessen Rechten sich eine mäßig hohe Steinmauer erhob, während zur Linken allerlei Heckenzeug wucherte, das auch eine kleine, halbverfallene Kapelle umgab, die weiter unten, beinahe ganz am Ende des Weges, lag. Der Richter, der in den besten Mannesjahren war, schritt munter vorwärts auf dem menschenleeren Weg und kam jener Kapelle immer näher; sie lag ganz einsam da, und es war ringsum still nur ein paar Vögel sangen, und der weiche Sand knirschte unter den Füßen des Vorwärtsschreitenden. „ Guten Morgen, Richter Konrad," ſagte da plötzlich jemand hinter ihm. Der Angesprochene sah erstaunt auf. Zu seiner Rechten stand wie aus dem Boden gewachsen ein Mann in guten Kleidern mit einem schwarzen Barett auf dem Haupte; er hatte ein schmales, blasses Gesicht mit einem dünnen, schwarzen Schnauz- und Spitbart und schien ein lustiger Geselle zu sein, denn um seine Mundwinkel spielte fortwährend ein schalfhaftes Lächeln. Thr seid wohl hier fremd, Herr?" fragte Konrad, dem der Schwarzbärtige völlig unbekannt war. " Ja," erwiderte dieser.„ Aber Euch kenne ich trotzdem, Herr Richter, und ich wollte mit Euch gemeinsam nach Berblingen zu Markte gehen; denn ich weiß, daß ihr dorthin wollt." Der Richter musterte ihn genau und schien das alles etwas rätselhaft zu finden. ,, Sagt mir doch," meinte er, wo seid Ihr denn so plöklich hergekommen, der Weg erschien mir vorhin doch ganz menschenleer?" Aus der Kapelle dort," antwortete der Fremde, auf das halbverfallene Gemäuer deutend;„ aber kommt jetzt!" Der Richter, obwohl noch immer kopfschüttelnd über den abenteuerlichen Unbekannten, ging schweigend eine Strecke mit ihm. Seid Ihr weit von hier zu Hause?“ hub er endlich wieder zu sprechen an. „ Sehr weit, aber ich komme häufig in diese Gegend." So, so," machte der Richter, und dann gingen sie wieder schweigend einher. Und wollt Ihr mir nicht Euren Namen und Euer Gewerbe nennen?" fragte Konrad dann von neuem, diesmal direkt auf sein Ziel zusteuernd. ,, Gern will ich Euch meinen Namen und mein Gewerbe nennen," lautete die Antwort, aber ich denke, daß Ihr Euch fürchten werdet, wenn Ihr's erfahret." " Haha," lachte der Richter und sah ihm herausfordernd ins Gesicht, ich mich fürchten?" „ ja!" " Nein," rief Konrad und schlug ihm mit der Hand kräftig auf die Schulter; ich sage Euch, ich fürchte mich nicht, und wenn Ihr der Teufel selber wäret!" hr habt recht geraten," sagte der Fremde, indem der schalkhafte Bug wieder um seine Mundwinkel spielte ,,, ich bin der Teufel!" Der Richter zuckte doch ein bißchen zusammen und murmelte nur:„ So, so!" Dann aber fiel es ihm ein, daß er doch eigentlich wenig Lebensart zeige, wenn er seinem so ungewöhnlichen Begleiter nicht ein paar Artigkeiten sage. ,, Na, das freut mich einmal, Euch in Person kennen zu lernen, Herr Teufel," meinte er, ihm die Hand reichend;„ wie geht's Euch denn?" " Ich danke gut," entgegnete der Teufel So, so, das freut mich," fuhr der Richter fort,„ und Ihr wollt auch nach Berblingen zu Markte? Was treibt Ihr denn da?" ,, D," erwiderte der Teufel ,,, das ist eine seltsame Geschichte. Denkt Euch, nach einem uralten Recht bekommt alles, was man heute auf dem Markt zu Berblingen zum Teufel wünscht", wirklich der Teufel. Da gibt's oft viel einzuheimsen." Das läßt sich denken!" rief der Richter lachend;„ und Ihr bekommt wirklich alles, was man zum Teufel wünscht?" ,, Ales," entgegnete der Satan mit Nachdruck ,,, was man im richtigen Ernst zum Teufel wünscht." ,, So, so," sagte Konrad, also wenn ich in der Schenke zum bunten Krug" am Markt eine Kanne Wein im rechten Ernst zum Teufel wünsche, dann nehmt Ihr sie." Der Teufel konnte sein Lächeln über diese sonderbare Form, ihn zu einer Kanne Wein einzuladen, kaum zurückhalten, meinte aber dann doch ernsthaft: Bei der Sache ist wenig zu scherzen, Herr Richter!" „ Ach, Unsinn!" rief Konrad ,,, wir trinken eine Kanine Wein." Gut," sagte der Teufel, ich nehme an, Herr Richter; wenn wir uns in der Hölle wiedersehen, dann will ich mich dafür erkenntlich zeigen." Der Richter lachte laut auf, machte aber doch plötzlich ein verdubtes Gesicht, als er den anderen in sein Gelächter nicht mit einstimmen sah. Meint Ihr denn wirklich, daß ich in der Hölle braten muß?" fragte er zaghaft. ,, Weiß nicht, Herr Richter." „ Das wäre ein verfluchter Spaß," murmelte Konrad, gleich darauf aber, denn sie hatten eben den Markt erreicht, rief er wieder fröhlich: ,, Da ist die Schenke, Herr Teufel, kommt!“ Und sie traten ein, indem der Richter dem Satan den Vortritt ließ; das große Schenkzimmer, wo allerlei Marktvolk zechte und lärmte, durchschritten sie und begaben sich ins Hinterzimmer, dessen geöffnete Fenster nach dem Hofe hinaus lagen. Da setten sie sich nieder, der Richter ließ Wein kommen, und sie tranken und plauderten. Draußen auf dem Hofe gackerten die Hühner, und in der Küche, die nebenan lag, wurde mit Tellern und Töpfen rumort. Wie geht's denn heuer in der Hölle?" erkundigte sich Konrad im Laufe des Gesprächs. ,, Recht gut," gestand der Teufel offen,„ wir können nicht klagen; die Welt ist gerade so, wie wir sie uns wünschen." So, so," meinte der Richter,„ da ist es wohl ein recht einträgliches Geschäft, Teufel zu ſein?" ,, Gewiß," entgegnete der Satan ,,, man tut sehr unrecht, von armen Teufeln zu reden; wir befinden uns alle wohl." „ Na," sagte Konrad wohlwollend,„ das freut mich In diesem Augenblick tönte von draußen lautes Geschrei herein, und man sah, wie die Wirtin ihr achtjähriges Söhnchen durchprügelte. Du Lümmel, du Bengel!" rief sie dabei. Hört doch," wandte sich der Richter an seinen Genossen, ,, wie munter unsere Frau Wirtin heute ist." Du Bengel," rief die Frau von neuem, der Teufel soll dich holen, du Galgenstrick!" Herr Teufel," rief Konrad vergnügt,„ hört Ihr nicht? Holt Euch doch den Bengel!" Dar Satan lächelte flüchtig. Nein," sagte er dann, das war ja nicht im richtigen Ernst gemeint!" „ Aber ich bitt' Euch, nehmt's doch nicht so genau!" " Nein, nein," beharrte der Schwarze ,,, das würde ja auch die Mutter betrüben, wenn ich mit ihrem Sohne zur Hölle führe." Konrad zuckte die Achseln. „ Wenn ich der Teufel wäre, müßte der Bube mit," erklärte er mit Bestimmtheit. Ihr seid ja auch nicht der Teufel," entgegnete dieser lächelnd. „ Aber das muß man wenigstens sagen," hub der Richter von neuem an, daß Ihr ein recht freundlicher Teufel ſeið!“ ,,, o," wehrte er bescheiden lächelnd ab. " Ich habe mir immer gedacht, daß die Teufel ein recht hartherziges Pack seien," fuhr der andere fort. „ Ach nein," entgegnete der Teufel sanft, wir sind ja gar nicht so." „ Sonderbare Leute, diese Teufel," murmelte Konrad vor sich hin, und dann zechten und plauderten sie weiter, bis der Schwarze endlich zum Aufbruch drängte. " Ja, kommt," sagte der Richter, und sie gingen. Als sie draußen angelangt waren, wandte sich der Richter von neuem an seinen Begleiter. Gegen Schaluppen schei Gegen 4 16 boote zurüd, un dierende Admir futter auf die genic Richtung mertt, auf wel 6 1hr eruien Schiffen o japanijde Gei offenbar einer Schwand das