Enfelchen?" ie Mutter gehalten nd wirklich schon wie Daiv. tr. 148. onnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., Saus gebracht 60 Bfg., durch die Bet bezogen viertelfährt. 1.50. stabeilagen: Oberhefftfche Familienzeitung( täglich) und die Gießener Geifenblafen( wöchentlich). Bas Blatt erscheint en elfen Werttagen nachmittags. Montag, den 27. Juni 1904. Gießener 13. Jahrgang. Jnsertionspreis: Die einfpaltige Betitzeile für ganz Ober Heffen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfo. fenit 15. Reklamen die Petitzeile 30 refp. 40 fg. Postzeitungsliste No. 3269. Rebattion und Expedition: tegen, Seltersweg 28. Fernsprechanschluß Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblaff) Anabhängige Tageszeitung. ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wezlar; Rokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Die Notlage der Herzte. Von einem Arzt wird uns geschrieben: In Rostock hiell der Verband der deutschen Aerzte seine diesjährige General Richter: bersammlung ab, um in follettiver Form die wirtschaftlichen „ Sind Sie schon' mal Stan desinteressen wahrzunehmen. Obgleich ein durchaus mit den Gewissenschaftlicher Beruf, ist der Aerztestand doch gezwungen richten in gewesen, sich in genau derselben Weise zu organisieren, wie Berührung jeder andere Erwerbszweig. Auch an ihm ist die moderne gekommen?" Entwickelung nicht spurlos vorübergegangen und zwei Mo Beuge: „ Ja mente sind es namentlich, die als ein Uebelstand empfunden ich werden: Auf der einen Seite die Ueberproduktion an Nach, hatte einmal wuchs und auf der anderen Seite die Einengung des Arbeits, einen Freund gebietes durch die wissenschaftlichen Errungenschaften und der war durch das Kassenwesen. Gerichtsdiener." * Hm, hm. Gast: „ Ja, Hasen braten möch te ich gem essen; wenn der Haje aber, wiesie jagen, erit beim Sändler geholt werden. muß, dann wird e wohl recht Lange dauern?" Kellner ( dienſteifrig „ Gott wahre, es igam ist ja nur ein Kagen sprung da hin." edaktion der Neuen Berliner Gegen den Nachwuchs gibt es keine andere Abhilfe als die Veröffentlichung der wirtschaftlichen Lage der Aerzte. Es ist die notwendige Folgeerscheinung unseres hochgesteigerlen Bildungsbedürfnisses, daß alle wissenschaftlichen Berufe m einem übertriebenen Zugang leiden. Bei der Staats. harriere macht sich dieser Ueberfluß an Kräften natürlich weniger bemerkbar, weil das langsame Avancement in Verindung noch mit unzureichenden Gehaltsverhältnissen einen großen Teil des Nachwuchses bereits vorzeitig aus seinen Bahnen herausdrängt und die proletarische Aeußerung dieser leber produktion auf andere Stände, vorzugsweise auf den modernen Journalismus und das Versicherungswesen überhrägt. Der ärztliche Beruf aber ist frei und die Proletarisierung kommt daher innerhalb des geschlossenen Berufsfreises zur Geltung. Nur dann, wenn die Eltern und die vor der Berufswahl stehende Jugend über die teilweisen hostlosen Zustände im Aerzteberuf unterrichtet sind, wird der ungesunde Zustand eines übertriebenen Nachwuchses cfeitigen laffen. Was nun die Einengung des Gebietes anlangt, so machen die Fortschritte der modernen Hygiene und die Vereindung, sowie die Zugänglichmachung der Heilmittel für die Laien außerordentlich fühlbar. Seuchen, die mit ehernem Echritt durch die Länder gehen, gehören zu den allergrößten Geltenheiten. So ist die ärztliche Wissenschaft durch Beseitigung der Ansteckungsgefahren und der verheerenden Krankeiten eine Wohltäterin der Menschheit geworden, aber sie at ihren Süngern den Kampf ums Dasein erschwert. Verhärft wird die Situation noch dadurch, daß die ärztliche Sunft fich in der Praxis wieder vielfach den natürlichen Heilmitteln zuwendet und daß vor allen Dingen auch eine Reihe Don Medikamenten gegen landläufige Krankheitserscheinungen des täglichen Lebens fabrikmäßig hergestellt und den Bien förmlich in die Hand gegeben wird. Mit allen diesen Perhältnissen muß der Aerztestand sich guten Humors abFinden und das geschieht auch in dem Bewußtsein, daß die tliche Wissenschaft nur Mittel zum Zweck, daß sonach der ärztliche Stand nicht Selbstzweck ist. Um so notwendiger aber ist es, gegen die Wirkungen der zialpolitischen Gesetzgebung Sicherungen zu treffen und Fierzu gibt es nur, wie bei allen anderen Erwerbszweigen, ein virtsames Mittel: der Zusammenschluß des Standes und die Durchsetzung eines korporativen Dienstvertrages mit den Raffenverwaltungen. Auch bei dem Aerztestand macht sich die Teie Konkurrenz bei der Honorarforderung in ruinöser Weise eltend. Die vielumstrittene Frage der freien Aerztewahl, ie ein Teil der Laienwelt für förderlich, ein Teil aber für Lachteilig für die Gesundheitspflege erachtet, eriſtiert für den Mateftand nur als ein erstrebenswertes Ziel. Denn ea ann feinem Zweifel unterliegen, daß es den wirtschaftlichen nteressen des einzelnen Arztes am förderlichsten ist, wenn rch die Kassenverwaltungen keine Aerztemonopole geschaf en werden, die ja zudem auch mit dem Geiste des Gesetzes, as den Aerztestand zu einem freien Berufe macht, in Ciderspruch stehen. Es ist also nur natürlich, wenn in der Rostocker Versammlung diese Frage gründlich durchgesprochen and mit der Ausrufung des Grundsatzes der freien AerzteDahl erledigt wurde. de für wetter oder sonst äußere Uebel. ins dagegen, wie gegen Frost, Sturm, Regen en wir nicht, wir erfahren's nur, lehnen's ab Persönlichkeit. Was Feinde gegen uns unteruns tun, ist auch ein Erlebtes, denn es Du wirst ohnehin Hilfskräfte brauchen. Gilen Sie, das Million 1" gelegenen, heißt an die Frau zu Sie werden mit doppeltem Dampf arbeiten müssen. derhand genügt es unter dem gewissen Schlagwort, alle abjunge Baar hier zu verloben, Herr, und dann in die Fabrik! , nicht recht gangbaren Artikel an den Mann, das gewendet, meinte er: Und dir Jch gratuliere zur fünftigen VorUnd zu Edm.gen. Der Herero- Hufftand. Infolge der abwartenden Haltung des deutschen Obermmandos sind zurzeit keine größeren Gefechte in SüdwestFrita zu erwarten. Dagegen wäre es falsch, anzunehmen, a nun überhaupt auf der ganzen Linie völlige Ruhe einetreten wäre und die Schüsse garnicht mehr knatterten. Die Emgehungsbewegungen, die die deutschen Kolonnen ausfühen, werden ständig zu kleinen Reibungen mit den Gegnern hren. Erst jetzt wieder meldet Generalleutnant v. Trotha on einem solchen Zusammentreffen, bei dem diesmal unsere warzen Verbündeten, die Witbois, die Ehre der deutschen lagge vertreten haben. Sie kamen auf einem Erkundungs it mit einer Hereroschaar ins Gefecht und töteten drei der Begner. Die Witbois, deren greiser Kapitän Hendrick Witboi, erst wieder, um Gerüchten von beabsichtigtem Verrat eneri entgegenzutreten, 30 seiner erprobtesten Orlogsmänner, friegserfahrene Unterführer, ins deutsche Hauptquartier fandt hat, leisten unseren Truppen die wertvollsten Dienste Kundschafter. Mit der Eigenart des Landes aufs geaueste vertraut, an die Kampfweise der Feinde von Jugend f gewöhnt, fühne, vor nichts zurückschreckende Krieger, find sie nicht hoch genug einzuschätzende Verbündete. Die kleine Kundschafterabteilung, um die es sich im oben bezeichneten Tall handelt, ritt über Otjive- Ovutjiwa- Kamandumba auf Evindi- Otjikuvare und ist dann nach dem Omuvamba- Fluß und zu Major von Estorff zurückgekehrt. Im Süden vom Omuvambaflusse befindet sich dichter Busch mit langen wasserlosen Strecken, so daß sowohl die Aufklärung wie der Marsch für die deutschen Truppen sehr schwierig ist. In der ganzen Gegend findet man die großen Wersten gänzlich von den Eingeborenen verlassen. Sie befinden sich alle im großen Lager der Herero um Samuel Maharero geschaart. Die Witbois- Abteilung unter Major v. Estorff verhinderte die Herero am Ausweichen nach Nordosten. Generalleutnant b. Trotha hat in der minutiösesten Form an alle Eventuali. täten gedacht und die ihm unterstellten Truppen so gegliedert und dirigiert, daß den Herero ein vorzeitiges Entweichen aller menschlichen Berechnung nach unmöglich gemacht ist. Die Hauptmacht der Herero ist nach dem Waterberg gezogen, weil dort ihr Vieh( 3- bis 400 000 Stück) sich in einer aus. gedehnten natürlichen Festung in Sicherheit befindet. Das den Ansiedlern geraubte Vieh, das in viel besserem Ernährungszustande als das der Eingeborenen war, haben die Herero verzehrt. In den ersten Tagen des Juli gehen weitere Ergänzungstransporte an Truppen und Pferden von Hamburg aus nach Südwestafrika ab, ebenso, hat der Dampfer ,, Nassovia" mit einem reichen Vorrat an Munition und Geschüßen die Reise dorthin angetreten. Neue Seefchlacht vor Port Arthur. Während die allgemeine Aufmerksamkeit sich auf die Vorgänge in der Umgegend von Kaiping richtete, wo ein entscheidender Zusammenstoß erwartet wurde, ja schon stattgefunden haben sollte, wird sie plötzlich wieder nach dem ursprünglichen Brennpunkt des Interesses: Port Arthur gelenkt. Dort ist es zu einer schweren Seeschlacht zwischen den Geschwadern des russischen Kontreadmirals Witthöft und des japanischen Admirals Togo gekommen, in der die Japaner die Oberhand behielten. Ueber den Verlauf der neuen Seeschlacht vor Port Arthur liegt folgender Bericht des Admirals Togo vor: Ich erhielt am Donnerstag Nachricht von dem Erscheinen der russischen Flotte in der Nähe der Einfahrt des Hafens von Port Arthur und ging sofort mit meiner ganzen Flotte vor. Die russische Flotte bestand aus sechs Schlachtschiffen, fünf Kreuzern und vierzehn, Torpedobootszerstörern; es war augenscheinlich ein Vorstoß nach Süden geplant. Die japanischen Torpedoboots zerstörer griffen an, brachten ein Schlachtschiff von der BereswjetKlasse durch einen Torpedo zum Sinken und machten ein anderes Schlachtschiff sowie einen Kreuzer kampfunfähig. Der japanische Torpedobootszerstörer Schirakumo" ist be schädigt, und drei japanische Torpedoboote sind leicht be schädigt. Drei Japaner sind gefallen, drei verwundet. Wenn auch der neue Verlust, den die russische Flotte erlitten hat, in Petersburg große Trauer hervorrufen wird, so vird es doch auch zugleich ein Gefühl freudigen Stolzes er. vecken, daß nach der Wladiwostok- Abteilung jetzt auch die bisher untätig in Port Arthur eingeschlossenen Schlachtjchiffe anfangen, seemännischen Schneid zu entwickeln. Admiral Togo war allerdings auf ihren Angriff besser vorbe. : eitet, als sein Kollege Kamimura auf den kühnen Kreuzjug der Wladiwostoker. Aber wenn auch der Erfolg dem unternehmungsluftigen Admiral Witthöft nicht beschieden var, er kann doch mit Genugtuung auf die Tatsache zurückblicken, daß es ihm gelungen ist, das ihm unterstellte Geschwader wieder gefechtsbereit zu machen und aus dem Gefängnis in blockierten Hafen wieder an den Feind zu bringen. Dieser muß jetzt allen Ernstes mit der neuen bedrohlichen Erstarfung des Gegners rechnen und verliert so viel oon seiner freien Beweglichkeit und Kontrolle der See. Die jetzige Lage auf dem Landkriegsschauplat brängt unbedingt auf eine Entscheidung hin. Nach einer Mel. dung aus Liautschang sind dort Gerüchte verbreitet, denen zufolge die japanischen Armeen sich bereits vereinigt hätten. Wie aus Taschitschau gemeldet wird, rücken die Japaner Don Senjutschen weiter nach Saiping heran; in Senjutschen haben sie bedeutende Kräfte konzentriert mit einer großen Bahl von Geschützen. In der Nacht zum 23. d. M. machten ie mißlungene Versuche, sogar hinter die Kette der russischen Corposten südlich Inkou durchzudringen. Gleichzeitig er. schienen an der Küste von Kaiping japanische Schiffe. Nörd. lich von Fönghwanghtscheng ist keinerlei Veränderung bemerkt worden. Zahlreiche Tschuntschusenbanden beunruhigen den linken Flügel der Russen; sie überfallen die Vorposten und die Postverbindungen, wobei sie augenscheinlich nach den Anweisungen der Japaner handeln. Eine abgestiegene ja. panische Schwadron geriet infolge eines geschickten Manövers ber Grenzwache in einen Sinterhalt und erlitt starke Verluste. Am 23. stellten die Japaner ihren Vormarsch ein, offenbar, um einen Rasttag zu machen. Auf den Wegen südlich von Siujan- Kaiping hatten russische Vorposten einen Erfolg im Zusammentreffen bei Siandiau. Eine Kosakensotnie, welche die Besatzung des Ortes bildete, wurde verdrängt, Hilfstrupven mit einigen Geschüßen eilten jedoch herbei und dräng ten die Japaner zurück, die in Verwirrung abzogen. Dabei erlitten sie erhebliche Verluste. Auf russischer Seite wurden 3 Offiziere verwundet und 24 Mann getötet oder verwundet. Den russischen Generalen Kondratichent und Stackelberg foll die Vereinigung geglückt sein. Stackelbergs Rückzug werde in guter Ordnung bewirkt; mehrere seiner Geschütze wurden auf die Bahn gebracht. Kuroki bewegt sich nach Norden, geschützt durch seine verschanzten Stellungen. Die Monarchenzufammenkunft. O Kiel, 25. Juni. Eine gewaltige Kanonade aus mehr als tausend FeuerSchlünden, zum größten Teil der schwersten, die die heutige Technik fennt, weckte nachmittags gegen 3 Uhr ein tausendfaches Echo, als die stolze Jacht des Königs Eduard von England ,, Victoria and Albert" in den Hafen einlief. Die ,, Victoria and Albert" war esfortiert von einem stattlichen Geschwader, das den donnernden Salut der deutschen Kriegsschiffe erwiderte. Der Kaiser war seinem Gaste bereits früher auf dem Verkehrsboot„ Hulda" bis Holtenau zur ersten Begrüßung entgegen gefahren. Die Victoria and Albert" glitt wie ein leichter Schwan durch die lange Reihe der gewaltigen Eisenkolosse, die bald in einen so dichten Rauch gehüllt waren, daß man die lustig pehende Flaggengala nicht mehr sehen konnte. 22 Schiffe sind es, die unsere aktive Schlachtflotte bilden. Weiter im Torpedobootshafen liegt die aus nur großen Booten bestehende Torpedobootsflottille, dicht bei der Hohenzollern der PanzerFreuzer Prinz Adalbert", auf dem die Flagge des Staatssekretärs von Tirpitz weht. Auf den Raaen die Mannschaften in Parade aufgestellt, und während der ganzen Fahrt scholl aus Tausenden pon Seemannsfehlen dem Gast ihres Kaisers ein donnerndes dreifaches Hurra entgegen, während die Kapellen das ,, God save the king" intonierten. maren " Die Victoria and Albert" machte an der Boje neben der Hohenzollern" fest und sogleich entwickelte sich ein lebendiges Leben an Bord der letzteren. Ganze Scharen von hohen Offizieren strömten hinzu in goldstrogenden Galauniformen, und bald erscheint auch an Bod des in einen wahren Blumenjain verwandelten deutschen Kaiserschiffes der königliche Bast, der vom Kaiser, der Kaiserin und den anwesenden Prinzen herzlich empfangen wird. Daran schloß sich eine große Defiliercour der Offiziere und der Hofgesellschaft. Die Politik. Die Preßpolemik über Miniſterreisen spinnt sich noch weiter fort. Die zuerst angreifenden Blätter ziehen sich jetzt darauf, daß der den preußischen Ministern gemachte Vorwurf nicht dagegen richte, daß sie gelegentlich auf Reisen oder Erholungsurlaub gingen, sondern dagegen, daß Reisen, die nicht Amtszwecken dienten, ohne genügende Rücksicht auf die parlamentarischen Arbeiten unternommen würden. Für diesen Vorwurf fehlt es allerdings an Beweisen, nachdem selbst Herr v. Hammerstein nachgewiesen hat, daß er um Verschiebung von parlamentarischen Arbeiten gebeten habe, nur insoweit dies ohne deren Schädigung möglich sei. Mehr Beachtung verdient die Ausführung eines konservativen Blattes, welche der Ueberzeugung Ausdruck gibt, daß es des Festefeierns mit Die der Diners, Frühstücks und Reden zu viel werde. ernsteren Arbeit zu widmende Zeit müsse darunter leiden. Die Finanzkommission des Preußischen Herrenhauses verhandelte am Sonnabend, wie unser CB- Korrespondent schreibt, über den im Abgeordnetenhause beschlossenen Gesetzentwurf betr. die Gewährung von Beihilfen an ehemalige Angehörige des preußischen Heeres und der Marine, die an dem Kriege gegen Dänemark 1864 teilgenommen haben. Die Vorlage wurde einstimmig abgelehnt. Es gelangte eine Resolution zur Annahme, welche es als bedenklich erklärte, solche dem Reiche zukommenden Ausgaben den Einzelstaaten aufzuerlegen. Dagegen wird darin die Erwartung ausgesprochen, daß die preußische Staatsregierung beim Bundesrat dahin wirken werde, eine ausreichende Veteranen- Entschädigung anläßlich der früher geführten Kriege herbeizuführen. Die Spannung zwischen Unterhaus und Oberhaus, die zurzeit in den drei süddeutschen Staaten besteht, scheint sich im Großherzogtum Baden am ehesten lösen zu wollen. Wie aus Karlsruhe telegraphiert wird, hat die Verfassungskommission der Ersten Kammer Sonnabend über die Verfassungsreformvorlage Beschlüsse gefaßt, die eine Verständigung der gefeßgebenden Faktoren über diesen Gesezentwurf erhoffen laffen. Die Regierung hat soeben der Kammer einen neuen Entwurf einer Wahlkreiseinteilung für die Wahlen zur zweiten Ranimer vorgelegt. Derselbe enthält einige Abänderungen für einzelne Bezirke. ! Der Tafer, der sich bei allen Leuten, auch wenn sie ihrer nicht viele baben, einer großen Beliebtheit erfreut, scheint nun wie wir allerdings vorausgefeßt baben- endgültig zu scheiden, uc) in der neuen Form als Dreimart. it ii et hat ihn der Bundesrat abgelehnt, indem er der Stovelle zum Reichsmiinzgesetz in der Saffung, wie fie der Breid) stag befchloffen batte, seine Bustimmung versagt hat. * Die Forderung einer gesetzlichen Stegelung der Altersverforgung der Lehrer- und Lehrerinnen an Brivatfdjulen und Erziehungsanstalten ist in Form einer Betition an das Preußische Abgeordnetenhaus herangetreten. Die Unterrichtskommission des Hauses hat sich mit dieser Forderung beschäftigt und zu beantragen befchloffen, die Petition an die Regierung als Material zu überweisen. A Ginige nicht unwichtige Beränderungen sind aus dem Reichsamt des Juneren zu melden. Das Mitglied der wirt. schaftlichen Abteilung Geb. Nat Dr. van der Borght ist vor furzem zum Präsidenten des Reichsstatistischen Antes er. nannt. An seine Stelle ist der Direktor im Batentamt Def. brit of getreten. Geb, Nat Dr. van der Borght hatte in der legten Zeit auch die Protokollführung im Bundesrat abge. geben. Diese Funktion ist jetzt einem anderen langjährigen Witglied des Reichsamts des Inneren, dem früher im bayerischen Verwaltungsdienst tätigen Oberregierungsrat Bumm, übertragen. Rufeland. Daß der junge Finnländer Schaumann mit der Grmordung Bobrifows, wie vorauszusehen war, Sturm gefäe! hat, zeigt sich schon jetzt. Der Bar bat angeordnet, daß die Untersuchung über die Tat in Petersburg geführt wird, meil er bei den Behörden in Finnland nicht die nötige Objektivität bermutet. Der neue Gouverneur wird den alten an Rück sichtslosigkeit nod) übertrumpfen. Wer Wind säet, wird Sturm ernten. Balkan- Staaten. Die mehrfachen Zusammenfünfte zwischen dem König von Serbien und dem Fürsten von Bulgarien hatten die Wutmaßung, daß ein Balkanbund zwischen diesen beiden ziviliHierten Staaten zu Schuß und Trub im Entstehen sei, mächtig in die Salme schießen lassen. Steuerdings zeigt sich indessen, daß die inneren Gegensätze zwischen den Bölfern doch nicht so leicht zu überwinden sind, selbst wenn nicht die Großmächte im Interesse des Friedens die Entwickelung eines solchen für Bulgarien wenigstens mit der Staatsrechtlichen Stellung unvereinbaren Bündnisses verhinderten. Stach den mehrfachen Freundschaftsfundgebungen ist zwischen der serbischen und bulgarischen Preffe eine beftige Bebde ausgebrochen, ob und von wem ein Schutz- und Truzbündnis gemünscht werde. Die bulgarischen Blätter hatten behauptet, König Peter molte damit seine Position verbessern und sie muß sich nun von den Belgrader Organen mit dürren Worten sagen lassen, Fürst Ferdinand habe keinen Grund zum Großfun. In Petersburg und Wien sei seine Stellung feine febr günstige und im eigenen Lande erst recht nicht. König Beter brauche feine Stilße durch Bulgarien. Tatsächlich hat sich deffen Position durch die Verbannung der dönigsmörder berbeffert; die Gesandtensperre ist aufgehoben und die ausBeflogenen Schwalben Fehren wieder. Is erster von den „ beurlaubten Gesandten" hat der deutsche Vertreter in Belgrad wieder seine Tätigkeit aufgenommen. Wenn übrigens Ser Plan eines Balkanbundes so streng abgeleugnet wird, dann muß man filglich fragen, was denn die mehrfachen Unterredungen zwischen den beiden Herrschern bezweckten. + Infolge der erneuten Unruhen in Mazedonien hat der Sultan neuerdings den Bulgaren wieder einmal mit dem Finger gedroht. Der bulgarische Gesandte Matschewitsch) wurde von dem Großberrn in Audiens empfangen, offenbar um ibn über die etwaigen Begenmaßregeln der Türkei gegen eine bulgarische Vegünstigung des Ausstandes zu unterrichten. Inzwischen faucheu auch anderwärts Unruben auf; so baben die Arnauten ohne Grund montenegrinische Bandarbeiter überfallen, und es entroickelte sich von Bergruppe zu Bergruppe ein lebhaftes Feuergefecht. Wontenegro bat wegen dieses Vorganges in Stonstantinopel Proteft erhoben. Hoffentlich läßt dieses Lichtenstein des Oftens nicht seine Truppen marschieren. Infolge der Unruben wird die europäische Gendarmerie verstärkt werden. Wegen der mehrfachen Wilitärrevolten hat sich die Regierung in Ronftantinopel entschloffen, die überfällig gewordenen Mannschaften nun endlich mit mehrmonatiger Verspätung zur Reserve zu entlaffen. Afrika. * Der marokkanische Räuberhauptmann Maisuli bat den amerikanischen Untertan Perbicaris freigegeben. Die Bilanz dieses Abenteuers stellt sich also folgendermaßen: Der Sultan wurde genötigt, die französische Anleihe anzunehmen und hat infolgedessen die Vormundschaft Frankreichs au erwarten. England unterbäft für den Fall von Verwickelungen in Gibraltar eine lotte von 80 Schiffen und Amerika übt eine Kontrolle über die weitere Entwickelung der Verbältnisse im Wittelmeer aus. Amerika. + Von den vielen Aufständen, die jabraus und jabrein in Sildainerita im Gange sind und die durch das beißblütige Temperament der lateinischen Bevölkerung angefacht werden, nimmt man nur insoweit Kenntnis, als sie eine Art Vorspiel für die fünftige Entwickelung darstellen. Durch diese Kämpfe ber Staaten untereinander und durch diese Bürgerkriege wird Sildamerika einmal feine Unabbängigkeit einblißen, denn sie bieten dem Worden die willkommene Gelegenheit, sich einzumischen. Weist sind diese Aufstände auch mit dem Gelde Der Vereinigten Staaten geschilrt, wie dies allem Anscheine nach in Uruguay gegenwärtig der Fall ist. Auch die indianischen Unruben im Weregebiet sind verdächtigen Ursprungs, da bier die Union viel Industrie angesiedelt bat und daber Teicht ein Einmischungsrecht konstruieren kann. Etwa 50 Indianer baben dort mehrere Dörfer in Brand gesteckt. Und im Amazonenftrom ist ein permanisches Transportschiff mit Truppen untergegangen. Es scheint sich also auch im öſtlichen Winkel, wo die Grenzen von Ecuador, Bolivia, Beru und Brasilien aneinanderstoßen, ein Brand zu entzünden, Im lateinischen Amerika berrscht noch ein Stück wilde Nomantir aber sie wird wahrscheinlich für Sildamerika politisch sehr kostspielig werden. Preufsifcher Landtag. Herrenhaus. RK Berlin, 25. Juni. ( 20, Sigung.) Die erste Aufgabe des Herrenhauses dem heutigen Tagen hängt mit den üblen Erfahrungen zusammen, bie das Reich) und der preußische Staat mit den Kursen der Anleihen gemacht haben. Sie find Spefulationsobjekte geworden und baber allzusehr den schwankenden Tendenzen. der Börse unterworfen, Aus diesem Grunde strebt der preußische Staat dahin, einen Teil der Staatspapiere dem freien Berkehr zu entziehen und dieses Biel foll burd) gebührenfreie Eintragung in bas Staatsschuldbuch erreicht werden. Man glaubt, daß durch die gebührenfreie Sicherung der Befiber gegen Dieb Stahl und ersgefahr ein Teil der Aktien festgelegt wird und der Stoß der auf den Stursrückgang arbeitenden Spetulanten, wenn die nötige Menge an Bapieren zur Ueberschwemmung des Marties fehlt, nicht ganz so beftig wiro, wie seither. Diese Ansicht vertrat heute auch Reichsbantpräsident Dr. Se o ch. Nachdem noc) Oberbürgermeister Stradmann- Sildesheim die Regierungsvorlage über die gebührenfreie Eintragung ins Staatsschuldbuch) unterftiitzt hatte, wurde diese einstimmig angenommen. Desgleichen der Antrag über die Aenderung der preußisch- braunschweigischen Landesgrenze. Der nächste Bunft über die gefchäftsmäßige Behandlung der Betitionen von Richtpreußen wurde von der Tagesordnung abgesetzt, ebenso die Betition um Aenderung der Schlachtgebühren, weil die Stellungnahme des Abgeordnetenhauses erst abgewartet werden soll. Nab und Fern. A Leiden Schiffbrüchiger. In Grimsby landeten zehn norwegische Matrofen, die auf hoher See von dem Dampfer " Orania", dem Tode nabe, aufgefunden worden waren. Mehr als zehn Tage hatten sie sich in einem Boote auf offener See befunden, nachdem ihr Schiff Bring Eugen" infolge beftigen Sturmes untergegangen war. Ein Telegramm aus Cardiff berichtet, daß der Kapitän und zehn Wann des Dampfers La Porte" an der afrikanischen siste gelandet feien. Das Schiff war auf hoher See infolge einer Explosion gefunken; die Bemannung rettete sich in zwei Booten, von benen mir dieses eine bisher an Land gelangte; man glaubt, daß das zweite untergegangen ist. * Bootskatastrophe in Rußland. In der Nähe von Nostow am Don hat sich ein entsetzliches Unglück ereignet, dem faft zweihundert Frauen und Kinder zum Opfer fielen. Ueber den Fluß wollten zweihundertfünfzig Frauen und Kinder übersetzen, der faule Boden des Bootes brach während der Fahrt durch. Infolgedessen entstand eine Panik. Die Bassa. giere, die nicht ertranken, wurden von der Strömung zu einem Mühlengang getragen, wo die Wermsten von den Rädern zermalmt wurden. Nur zweiundsechzig Prefonen kamen mit dem Leben davon. Gemeinderats Sigung zu Grünberg. A Grünberg, 27. Juni. In der am vorigen Samstag abgehaltenen Siyung bes Gemeinderats waren anwesend die Herren Bürgermeister 8immer, Beigeordneter Seif und die Gemeinderäte Frant, Saiser, Wolf, Möller, Ranft, Sehrt und Trinkau 8. Zu Punkt 1 der Tagesordnung: Anschaffung von neuen Schulbänken und einem Ratheber im Werte von ca. 1000 r. wird von der Versammlung Genehmigung erteilt.- Ueber die Besuche der Industrielehrerin Frl. Balser und der Felbschilßen Stämmler und Streuder um Gehaltserhöhung entspinnt sich eine längere Debatte. Beschlossen wird, bei Frl. 8 alfer eine Gehaltserhöhung von 50 02. vom 1. Juli ab eintreten zu lassen, sodaß das Gehalt dann 450 r. jährlich beträgt. Beantragt war eine Erhöhung von 100 r., wurde jedoch mit 6 gegen 2 Stimmen abgelehnt. Den beiden Feldschilßen Stämmler und Streuber wird einstimmig eine Zulage von 25 Wer. bewilligt, sobaß dieselben vom 1. Juli b. Is. ab ein Gehalt von 475 Mr. beziehen, welches sich durch einen rom Kreis leiftenden Zuschuß auf 500 wt. jährlich erhöht. Der Schuldiener rasch hatte am 1. April d. Js. seinen Bosten gefündigt, jedoch später widerrufen mit der Motivierung, man solle ihm für die Reinigung des neuen Schulsaales eine Extravergütung gewähren. Da der neue Schulsaal noch) Yange nicht fertiggestellt ist, wird die Angelegenheit bis auf weiteres zurückgestellt. Die Besetzung der Marktwacheſtelle soll, wie bisher üblich gewesen, ausgeschrieben werden.- An Stelle des verstorbenen Feldgeschworenen Jacob Haas III. wird hierauf Derr Fr. Schröder gewählt. Bei der geheimen Abstimmung erhielt der Gewählte 4, Herr Gustav Robleder, der sich zuerst gemeldet hatte, nur 3 Stimmen, ein Bettel war unbeschrieben. Die Eingabe der GebäudeEigentümer in der Barfüßergasse um Ümpflasterung der Goffen wird als berechtigt anerkannt und sollen die Arbeiten auch sofort ausgeführt werden. Zu dem 8. Gegenstand der Verhandlungen: Eingabe des Herrn Friedrich Repp um Genehmigung zur Aufstellung einiger Fichtenbäumchen vor seiner Wirtschaft wird kein Beschluß gefaßt, vielmehr soll die Wegekommission bei Herrn Repp eine Besichtigung vornehmen und in der nächsten Sigung Bericht erstatten. Defammtlich hatte s. 8t. ein in der Nähe des Herrn Repp wohnender Geschäftsmann beim Stadtvorstand um Verweig rung der Genehmigung zur Errichtung eines Bretterbodens und Aufstellung von Bäumchen ersucht, weil sein Geschäft dadurch geschädigt würde. Hoffentlich findet durch) bie Beaugenscheinigung der Wegefommission die Angelegenheit ihren Abschluß.( Bemerken wollen wir hierbei, daß wir ein solches durch Bäumchen und Jalousie geschütztes Aufenthaltspläschen im Heißsommer nicht nur als sehr angenehm, sondern auch als einen Fortschritt refp. als eine Zierde der Stadt betrachten. Außerdem fönnen wir nicht der Ansicht beipflichten, daß ein solches harmloses Arrangement schädigend für ein Geschäft wirken soll, welches mehrere Häuser von der Wirtschaft entfernt sich befindet. D. Neb.) Das Gesuch des Vorstandes der deutschen Heilstätte in Davos um Beitritt wird abgelehnt. Die Eingabe des Herrn Starf Jödel VIII. um Entbindung von dem Bertrage betr: bie Haltung des Simmentaler Buchtbullen wird von der Ber fammlung berücksichtigt, da ich Herr Christ in der Neu stabt bereit erklärt hat, den Buchtbullen zu denselben Bes bingungen in Afford zu nehmen. Die Tages Ordnung war sobann erschöpft und tamen noch einige interne Angelegenheiten zur Sprache. Es wurde u. a. betont, baß unbebingt dafür gesorgt werden müsse, daß bis zu dem am 9., 10. und 11. Juli stattfindenden Sängerfest erstens alle Stäbtischen Plätze in Drbnung gebracht werben, aber auch bie Eigentümer von Dungstätten 2c. aufgefordert werben sollen, dieselben in der noch vorhandenen Frist so herzustellen, wie es die polizeiliche Vorschrift verlangt. Fall dies nicht ge schieht, sollen bie notwendigen Arbeiten auf Sosten der betr. Eigentümer ausgeführt werden nach vorausgehender An. ordnung der Stadtvertretung. Schluß der Sigung gegen/ 11 Uhr. Lokales. 27. Juni 1904. * Der Großherzog empfing am 25. Juni den Major v. Friebeburg, Flügelabjutant Seiner Majestat bes Staisers und Rönigs, ben Kriegsgerichtsrat Linck von Mainz, den Pfarrer i. B. Dr. Gich nbroot von Auerbach, den Diret tor Dr. Wurster vom Predigerseminar Friedberg, die Profefsoren Helm, Kinkel und Henneberg von der Universität Gießen, ben Geheimen Oberbaurat Professor Hofmann, ben Architekten Bonaß von Stuttgart; zum Vortrag den Staatsminister Rothe, den Geheimen Kabinettsrat Römheld. Der Großherzog hat dem Gardisten Müller von der 5. Kompagnie des 1. Großh. Infanterie-( Leibgarbe-) Regiments Nr. 115 die Rettungsmedaille verliehen. × Das Regiments- und Brigade Exerzieren der 49. Infanterie- Brigade soll in der Gegend Schiffenberg, Steinbach, Garbenteich und 23 atzen born abgewerden. Unser Kaiser Wilhelm Regiment wird in ber Kaserne bleiben, die 115er- Darmstadt und 168er- Butzbach und Offenbach werden in der Umgegend einquartiert. Der Brigade- Kommandeur tommt auf den Schiffenberg zu liegen. Die 50. Infanterie- Brigade 117er- Mainz und 118er- 28orms manöverieren weiter östlich in dem Ge lände bei Grünberg, Quedborn, Wirrberg und Lauter. Unglücksfall. Am legten Samstag, morgens gegen 7 Uhr stürzte von einem Neubau in der Eberstraße zu Gießen ein Maurer aus Kirch- Göns. Derselbe erlitt einen Schenkelbruch und wurde in die chirurg. Klinik berbracht. † Ein an epileptischen Unfällen leidender Handwerks bursche verursachte am Samstag Abend auf dem Lindenplay zu Gießen einen großen Menschen auflauf, indem er bort mehrmals in Krämpfe fiel. Derselbe mußte polizeilich von der Straße entfert werden. Am geftrigen Sonntag, nachmittags, tollibirte bas einspännige Fahrwert eines Gießener Arztes mit der Biebertalbahn in der Rodheimerstraße. Das Fuhrwert wurde start beschädigt. Der Kutscher, der sich auf dem Fuhrwerk befand, tam mit dem Schrecken davon. *** Gestern Abend kam es in der oberen Bahnhofstraße zwischen mehreren Kroaten, die hier am Kanalbau beschäftigt werden, zu einer Schlägerei, wobei zwei verlegt wurden und in die chirurg. Klinik verbracht werden mußten. Edrittmacher für bollfiändig an bon Fahrern liber Nach dem Rennen werteilung burd Her widelle fich eine zahlreichen Feftgefell unter Mabfahrern Die Wanderer", Radfahrverein zu Gießen hatten, wie unseren Lesern schon hinlänglich durch die " Nachrichten" vorher bekannt gegeben, für gestern Sonn tag auf dem Sportplatz an der Hardt ein Rad- und Motorrennen arrangiert. Schon die Vorbereitungen ließen erkennen, daß dieses Mal mehr Publikum mit weit größerem Interesse dem Verlauf der Rennen folgen und die Rennen selbst an sich viel schärfer sein werden. Was man erwartete, ist in vollem Umfang eingetreten. Der Besuch war ein sehr guter und bet den selängen der Regiments- Musik folgte man allseitig mit Spannung dem Wettfahren. Im ganzen famen 6 Rennen zum Austrag. 1. Grstfahren: 2000 m= 5 Runden für Herrenfahrer, die noch keinen 1. Preis errungen haben. Erster: Schaffner Frankfurt 4 Minuten 37 Set. Zweiter: Kirchhöfer Schierstein 4 Min. 37% Set. Dritter: Jako bi Marburg 4 min. 37% Set. 2. Sportplatfahren: 2000 m für alle Herren fahrer. Erster: Worms- Köln 4 Min. 10% Set. Zweiter: Hartmann- Nüsselsheim 4 min. 10% Set. Dritter: Drescher Mainz 4 Min. 10% Set. 3. Motorfahren: 6000 m für einspurige Motore. Gefter: Wilhelm Hamel Gießen 7 Min. 33% Sef. 3wetter: Schönau Haiger 7 Min. 58 Set. Dritter: Burow Gießen 8 Min. 16 Set. 4. Vorgabefahren: 2000 m für Herrenfahrer. Gefter: Kullmann Biebrich 2 min. 39% Set. Zweiter: Worms- Köln 2 Min. 39% Set. Dritter: Görtz- Weilburg 2 Min. 40 Set. 5. Tandemfahren: 4000 m für alle Fahrer. Grste: Kullmann Biebrich und Kirchhöfer Schierstein 6 Min. 5% Sef. 8weite: Gör- Weil burg und Drescher Mainz 6 Min. 6 Ser. @( Befigme nbres" ging am 114.000 liber. an bie Xr bunge man eine gemeinfame A Grünberg, 2 bahnbereing ausflug nach bem Eisenbahnwagen wa amüsierte fich aufs be folgen, was bebauert Klein Linde brennung.) Um Branbwunben schwer bahier. Man nim fwergeprüften Fam n. Bobheim, b besonders jetzt auch ift, war gestern Son Beute und überhaupt weibe- Fest des Der Festplatz, von Megen, war recht b tonnte über bas 6. Niederrad- Hauptfahren: 25000 m= 62% Runden, mit Schrittmacher. Das Resultat dieses Mennens ist folgendes. Gefter: Hartmann- Nüffels beim 31 Min. und 34 Set. Zweiter: Drescher Mainz. Dritter: Görg- Weilburg 35 Min 10% Sel Dieses Rennen war vor allen anderen das in teressanteste. Der Schrittmacher des Fahrers Drescher Mainz versagte anfangs vollständig und so kam es daß Hartmann- Nüsselsheim, der über eine vorzügliche Motorführung verfügte, alle 2000 mtr. je eine Runde vor den anderen Fahrern gewinnen konnte, bis neue Ueberficht halten un Die offizielle Fe einem Rommers beg bes Tages hingewie fonbere aber noch bas allezeit fräftige biefelbe hinwies. Ende und der Haup heimern zu früher 2 Am Vormittag zeigt Wetter voraus, aber bie auswärtigen Tu Firmament, es schi allen eine recht fröß ber sich nach Einho schmude und große betreffend die B Waffer und Ele Auf Beschlu bom 10. März Ministeriums des d. J. 178 90 wir Die Leitur Glektrizitätswerks deputation im S ordnung übertrag tation für das 6 besteht aus dem von der Stadtve gliedern. Die nach jeder Neu Stadtverordneter Die Depu fißende es für antragen. Di schriftlich mit 2 Die Depu Borsigenden dre mäßig geladen Stimmenmehrb fcheidet die Sti erste Buchhalter Zu den Betriebsleiter Stimme zugez leber di geführt und ve am Schluß jed In eilig flimmt werde Protokoll der Die Depu Flettrizitätswer Diese Bestimmun aus selbständig. Die Genel lung bedilesen: 1. Veränder und Glet die laufe geben, 2. Die Auff 8. Die Fefti 4. die Fest und St 5. Die Auft auf die der Gem ung find in Cabot pes Serm rtrage betr bon der B It in der Denfeld Eages Oth ge interne a. betont, bis zu den eft erftens Den, aber t werden f herzustell Dies nig Roften der egebender Der Si Sunt 1904 25. Juni er Majeftat ind von bach, den D berg, die B der Unive Hofmann, rag den Rombeld Diften Miller erie-( Leibg erlichen. Exerzieren Siffenbe enborn ab wird in i 168er Ba end einquartier Schiffenbe 117er- Main 5 in dem Ge irrberg und mstag, morgen der Ederstra Derfelbe erlit arg. Alinit be der Handwe dem Lindenple lauf, indem mußte polizeili gs, tollibirte ba 3 mit der Bieber Fuhrwert wurd f dem Fuhrwe en Bahnhofftra nalbau beschäftig ei verlegt wurde mußten. зи rein zu Gießen glich durch die geftern Sonn in Rad- und orbereitunger Bublifum mi Rennen folge er sein werde ng eingetrete i den klänge mit Spannun 5 Rennen zu en für Herre ungen habe uten 37 6 lin. 37%& / Set. ir alle Herr n. 10% G lin. 10% G 5 Set. ür ein puri teßen 7 Mi ger 7 Mi lin. 16 G Herrenfahre 39% Gel Set. Dritter alle Fahr irghöfe Börz- Wei Set. 25000 m: Cefultat die nn- Hüffel Dresche in 10% G eren das i ers Dresche fo fame e borzügli eine Run e, bis ne Schrittmacher für diese eintraten, wodurch das( Bild sich vollständig änderte, sodaß dann Ueberrundungen bon Fahrern überhaupt nicht mehr vorkamen. Nach dem Rennen faud auf Textors Terrasse die Preisberteilung durch Herrn W. Homberger statt und dann entwickelte sich eine recht nette Gemütlichkeit unter der zahlreichen Festgesellschaft, die erkennen ließ, daß es sich unter Radfahrern auch gut verweilen läßt. ( Besizwechsel.) Die Restauration 8 um Andres" ging am Samstag durch Kauf zum Preise von 114 000 Mt. an die Brauereibesizer Bichler und Asprion iber. X Für Hungen und die umliegenden Orte plant man eine gemeinsame Wasserleitung. ▲ Grünberg, 27. Juni. Die eine Hälfte des Eisenbahnvereins Grünberg unternahm gestern einen Ausflug nach dem herrlich gelegenen Braunfels. Die Eisenbahnwagen waren festlich geschmückt. Alt und Jung amüsierte sich aufs beste, nur mußte die Rückfahrt zu früh erfolgen, was bedauert wurde. Klein- Linden, 26. Juni.( Tod durch Verbrennung.) Am Samstag Nachmittag verstarb das durch Brandwunden schwer verletzte Kind des Holzhändlers Jung dahier. Man nimmt allgemein Anteil am Schmerze der schwergeprüften Familie. n. Rodheim, das so herrlich im Biebertal liegt und besonders jetzt auch für Ausflügler ein gern besuchter Drt ist, war gestern Sonntag das Ziel vieler Männer, junger Leute und überhaupt ganzer Familien, um am Fahnen weibe- Fest des Männerturnvereine teilzunehmen. Der Festplatz, von Gießen ausgerechnet vor dem Dorf ge. legen, war recht bequem und übersichtlich angelegt, man fonnte über das sehr zahlreich erschienene Bublikum Uebersicht halten und doch brauchte sich niemand zu beengen. Die offizielle Feier hatte schon am Abend vorher mit einem Kommers begonnen, bei welchem auf die Bedeutung des Tages hingewiesen, Bezirksturnwart Wigandt insbesondere aber noch auf die Bestrebungen der Turnerei und das allezeit fräftige Eintreten des Männerturnvereins für diefelbe hinwies. Gegen 12 Uhr war der Kommers zu Ende und der Hauptfesttag, der Sonntag wurde den Rodheimern zu früher Morgenstunde durch Reveille angekündigt. Am Vormittag zeigte der Himmel nicht so besonders schönes Wetter voraus, aber als die Mittagszeit vorüber war und die auswärtigen Turnvereine eintrafen, da klärte sich das Firmament, es schien die Sonne und mit ihr kehrte bei allen eine recht fröhliche Festesstimmung ein. Am Festzug, der sich nach Cinholung der neuen Fahne durch eine recht schmucke und große Fahnensektion dann aufstellte, beteiligten Statut | sich der Kriegerverein zu Rodheim, der Gesangverein Eintracht zu Rodheim, der Kriegerverein zu Crumbach, die Turnvereine von Dorlar, Krofdorf, Launsbach, Heuchelheim, die Turnerschaft Gießen und Turner von Weßlar, welche unter Führung des Gauturnwart Will schon am Vormittag zu Fuß von zu Hause weg einen Turngang gleich mit verbunden hatten. Die einzelnen Vereine waren recht zahlreich angetreten, so daß der Festzug unter dem Voranfahren einiger Turner auf geschmückten Fahrrädern und der fleißigen Kappell'schen Musikkapelle beim Marsch durch den Ort eine ganz ansehnliche Länge hatte. Gleich nach Ankunft auf dem Festplatz begrüßte der Vereinsvorsitzende Bäckermeister Deuter, die ganze Festversammlung, gedachte Se. Maj. des Deutschen Kaisers als Schirmherr aller edlen Bestrebungen, wozu das Turnen ja in erster Linie mit gerechnet werden muß und brachte ein Hoch auf ihn aus, das hellen Wiederhall in der ganzen Feftversammlung fand. Fräulein Deuter sprach einen auf die Bedeutung des Turnens gezielten wie auch im Allgemeinen inhaltsvollen Prolog und überreichte am Schlusse die neue Fahne, welche aufgerollt die Bewunderung aller auf sich zog. Dieselbe ist hergestellt in der Hannoversch- Mündener Fahnenfabrik; auf der einen Seite ist das Bild des Altmeisters Jahn und der Vereinsname, die andere Seite zeigt das Turnerwappen auf schwarzrot- goldnem Schild, oben und unten umrahmt mit dem Spruch: betreffend die Bildung einer Deputation für das Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerk der Stadt Gießen. Auf Beschluß der Stadtverordneten- Versammlung vom 10. März 1904 und mit Genehmigung Großh. Ministertums des Innern vom 9. Juni 1904 zu Nr. M. d. J. 178 90 wird nachstehendes Statut erlassen. § 1. Wer seinen Körper stählt, Pfleget seine Seele. Der offizielle Vertreter des Gauausschusses des Turngaues Hessen, Gauturnwart Will- Wezlar beglückwünschte den Männerturnverein Rodheim zu dieser neuen Fahne und gab feinen Mitgliedern die Ermahnung, sich allezeit Mann für Mann, wenn der Ruf an sie ergeht, um sie zu sammeln. Es folgten dann Freiübungen, ausgeführt von den aktiven Mitglieder des festgebenden Vereins und allgemeines Schauturnen. Konzert, Tanz Karouſſell und Juxbuden sorgten dann für den gemütlichen Teil. Die Stimmung war durchweg eine sehr harmonisch- lustige, so daß für manchen die Abfahrt mit dem„ Bähnchen" zu früh war. Heute Montag, am dritten Festtag, sind die Rodheimer wieder mehr unter sich. Am Vormittag fand das Zöglings- Wetturnen statt und am Abend freut sich beim Tanz und Konzert nochmals Alles bis die Nachtruhe ihre Rechte verlangt und der anbrechende Dienstag zur Arbeit wieder ruft. " - Homburg v. d. H., 26. Juni. Wenn es auch nicht die Nr. 13" führt, so ist es doch ein wahres Unglücksvehikel, das Aut, mit dem der Baron Leitenberger und sein Chauffeur ihren Tod fanden. Es gehörte ursprünglich dem Rennfahrer Albert aus Biebrich, der damit bei Ingelheim in den Tod fuhr. Die noch gebrauchsfähigen Teile des Wagens wurden zu einen Automobil verwandt, mit dem im vergangenen § 4. | Insbesondere bleibt der Deputation der Erlaß von Dienstanweisungen und Betriebsordnungen vorbehalten. Sie ist berechtigt, im Rahmen des Voranschlags alle Arbeiten und Lieferungen, soweit es erforderlich erscheint, auch freihändig zu vergeben, und, vorbehaltlich der Vorschrift in§ 3 Abs. 2 3. 4, die näheren Bestimmungen über die Preise und Abgabe der Erzeugnisse und die Benugung der Einrichtungen der ihr unterstellten Werke zu treffen. 5 Jahre Graf Iborowski in Nizza gegen einen Felsen rannte und getödtet wurde. Das Fahrzeug ging dann in den Besitz des französischen Konsuls Pallu in Stuttgart über, der es an Baron Leitenberger weiter verkaufte, für den es zum Verhängniß wurde. ===== Fulda Hauptlehrer Vonderau deckte am Schulzenberg vorgeschichtliche Gräber auf, von denen eines noch gut erhaltene menschliche Gebeine enthielt. Die Gerätschaften in der Begräbnisstätte weisen ihre Anlage in der Uebergangszeit der Stein- zur Bronzeperiode. Zwischen diesen Gräbern und den am gegenüberliegenden Haimberg aufgedeckten Wohnanlagen herrscht große Üebereinstimmung, so daß man annimmt, die Bewohner und Erbauer des Schlackenwalles haben ihre Toten am Schulzenberg bestattet. Amorbach, 26. Juni. Großfürst Kyrill, die& x- Großherzogin Vittoria Melitta von Hessen und der Regent von Sachsen- Koburg Gotha, Erbprinz zu Hohenlohe nebst Gemahlin trafen zum Besuche des Fürsten von Leiningen per Automobil hier ein und fuhren nach furzem Aufenthalt nach Langenburg weiter. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Boraussichtliche Witterung in Hessen für Dienstag, den 28. Juni. Zeitweise heiter, bei fühler Nacht tagsüber wärmer, trocken. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Marktberichte. *** Fruchtpreise am Grünberger Fruchtmarkt vom 25. Juni. Wetzen 17,00-00,00, Rorn 14,00 bis Gerste 14,00, Hafer 14,00-00,00, Erbsen 20,00, Samen 00,00, Kartoffeln 4,00-0,00, Linsen 00,00 Mart. Alles per Doppelzentner. Arbeitsnachweis der Stadt Gießen. Gartenstraße Nr 2( Bürgermeistereigebäude) Zimmer Nr. 14. Es können eingestellt werden: 1 Gartenarbeiter, 1 jüngerer Schlosser, 1 Metalldreher, 1 Wagner, 2 Schreiner, 2 Schneider, 2 Glaser, 2 Weißbinder, 1 Laufmädchen, 10 Dienstmädchen, 3 Lauffrauen. Lehrlinge: 1 Buchbinder, 1 Tapezier, 1 Kaufmann, 1 Bäcker, 1 Kellner. Es suchen Arbeit: 1 Heizer, 1 Maschinenschlosser, 1 Wäscherin, 1 Flickerin, 1 Bureaudiener, 1 Bureaugehilfe, 1 Kindermädchen. Verantwortlich: für den politischen, vermischten und unterhaltenden Teil Albin Klein Gießen; für den lokalen Teil Karl Klose, Grünberg. Pferchversteigerung. Mittwoch, den 29. ds. Mts., abends 5 Uhr. Grünberg, am 27. Juni 1904. Großh. Bürgermeisterei Grünberg. 3immer. Arbeitsvergebung. Die Anstreicherarbeit zur Instandsetzung der Kreuze Gedenksteine auf den Kriegergräbern des alten Friedhofes soll Freitag, den 1. Juli d. J., vorm. 11 Uhr öffentlich vergeben werden. und Die Leitung des städtischen Gas-, Wasser- und Sie ist berechtigt die bei einzelnen Posten des VorElektrizitätswerks wird einer bleibenden Verwaltungs- anschlags vorgesehenen Beträge im Rahmen der im deputation im Sinne des Artikel 52 und 53 der Städte Ganzen bewilligten Summe zu überschreiten. Die Annahme und Entlassung des technischen und ordnung übertragen. Diese führt die Bezeichnung:„ Deputation für das Gas-, Wasser- und Elektrizitätswert" und Bureaupersonals, soweit es nicht unter§ 3 Abs. 2 3. besteht aus dem Bürgermeister als Vorsitzenden und 6 fällt, erfolgt auf Beschluß der Deputation durch den Vorvon der Stadtverordneten- Versammlung gewählten Mit- figenden. gliedern. Die Wahl erfolgt auf drei Jahre und wird nach jeder Neuwahl oder regelmäßigen Ersatzwahl der Stadtverordneten- Versammlung erneuert. § 2. § 5. Dem Vorsitzenden der Deputation steht ein Disziplinarrecht über das gesammte Personal nach Maßgabe des Artikel 51 der Städteordnung zu. Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhä tlich sind bis zum vorgenannten Zeitpunkt an uns einzureichen. Buschlagsfrist 14 Tage. Die Deputation versammelt sich, so oft der VorUrlaub erteilt der Vorsitzende, bei längerer als auch fizende es für nötig erachtet oder zwei Mitglieder es be- 14 tägiger Dauer die Deputation. antragen. Die Einladung zu den Sizungen erfolgt schriftlich mit Angabe der Tagesordnung. 6. Gießen, 24. Juni 1904. Städtisches Hochbauamt. J. V: Altvater. Außer den von mir seither geführten Bieren bringe Die Regnungen find noch den Anordnungen Mainzer Aktienbier der Die Deputation ist beschlußfähig, wenn außer dem Deputation in Uebereinstimmung mit den Vorschriften beliebt wegen seines reinen, milden Geschmackes und weil Borsigenden drei Mitglieder anwesend und alle vorschrifts- über die Gemeinderechnung zu führen und zwar die des es außerordentlich gut bekommt, zum Verkauf und empfehle mäßig geladen sind. Die Beschlüsse werden nach Gas- und Wasserwerks durch den ersten Buchhalter, die dasselbe die Stimmenmehrheit gefaßt; bei Stimmengleichheit ent- des Elektrizitätswerks durch die Stadtkasse in besonderer scheidet die Stimme des Vorsitzenden. Rechnung. Mit Genehmigung der StadtverordnetenZu den Sizungen können der Direktor und der Versammlung kann die Kasse des Elektrizitätswerks mit erste Buchhalter des Gas- und Wasserwerks, sowie der der des Gas- und Wasserwerks vereinigt werden. Betriebsleiter des Elektrizitätswerks mit beratender § 7. Stimme zugezogen werden. Das Statut, die Verwaltung des städtischen GasUeber die Beschlüsse werden fortlaufend Protokolle geführt und von den anwesenden Deputationsmitgliedern und Wasserwerks Gießen betreffend, vom 26. Oftober 1888 wird aufgehoben. am Schluß jeder Sigung unterzeichnet. In eiligen Angelegenheiten fann schließlich abgestimmt werden. Die schriftliche Abstimmung ist im Protokoll der nächstfolgenden Sizung zu wahren. § 3. Die Deputation verwaltet das Gas-, Wasser und Elektrizitätswerk und leitet den Geschäftsbetrieb, soweit diese Bestimmungen keine Ausnahme enthalten, durchaus selbständig. Gießen, den 23. Juni 1904. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum, Oberbürgermeister. Bekanntmachung. 1/1 Flasche zu 18 Pfennig 1/2" 9 " Wiederverkäufer erhalten Rabatt. Zugleich bemerke ich, um Täuschungen und Verwechselungen vorzubeugen, daß nur mir allein die Vertretung der Mainzer Aktien- Brauerei für Gießen und Umgegend übertragen worden ist. Gotthilf Nöhrle Bier- Großhandlung. Marburgerstraße 7. Telephon 344. Gießen. 2 tüchtige Pferdeknechte hohem Lohn gesucht. Gebrüder Kahl, ( Stempel- Kaiser) Berlin 12, Charlottenstr. 16 Kautschuk- u. Metall- Stempel jed. Art billigst. Theodor Kaiser, Stempelfabrik mit Stempel von 2,25 an, Druckereien ТурепFirmen- u.Datumstemp. v. 50 Pf. an. Musterb.gr.u. O v. 1,25 an, kl. Stempel v. 20 Pt. Die Stellen für 3 Straßenwärter mit dem Wohn- für dauernde Beschäftigung bei Ges. gesch. Zigarrentaschen und Portemonnaies fit in Alsfeld, Bieben und Mücke oder Flensungen sind Die Genehmigung der Stadtverordneten- Versamm- von der Kreisstraßenverwaltung zu besetzen. lung bedürfen: 1. Veränderungen in dem Bestand des Gas-, Wasserund Elektrizitätswerks und Erweiterungen, die über die laufende Unterhaltung und Ergänzung hinaus gehen, 2. die Aufstellung des Voranschlags, 3. die Feststellung der Rechnungsergebnisse, 4. die Festsetzung der Preise für Gas-, Kofs-, Wasserund Stromabgabe, Der Jahreslohn beträgt 600 Mark steigend bis 720 Mt., ferner sind die Wärter auf Kosten des Kreises und der Provinz in der V. Klasse der Alters, und Invalidenversicherung versichert. Mit Straßenarbeiten vertraute, gesunde, kräftige und nicht über 35 Jahre alte Bewerber wollen ihre Gesuche unter Beifügung eines selbstgeschriebenen Lebenslaufes, eines Leumundzeugnisses der Ortspolizeibehörde sowie etwaiger Militärpapiere bei Unterzeichnetem bis Alsfeld, den 18. Juni 1904. 5. die Anstellung und Entlassung der Betriebsbeamten, 5. Juli d. Js. etureichen. auf die die Sagungen über die Dienstverhältnisse der Gemeindebeamten der Stadt Gießen Anwendung finden. Der Großh. Kreisbauinspektor. Balk. Gießen. Ernst Challier( Rudolphs Dachf.) Giessen. Special- Geschäft für Musikwaren aller Art. Grosse Auswahl, solide Preise. Illustrierte Preisverzeichnisse gratis und franko. Musikalien- Handlung und-Leihanstalt Spezialität: Billige Ausgaben. Todes- Anzeige. Heute Nacht verstarb nach kurzem schweren Kranksein unser innigst Töchterchen Irma. geliebtes Mit der Bitte um stille Teilnahme dies allen Freunden, Bekannten und Verwandten zur Nachricht. Giessen, den 27. Juni 1904. ( Wetzsteingasse 33.) Die tieftrauernden Eltern: Karl Beil und Frau geb. Rinn. Zum G. F. F. Bekanntmachung. Die diesjährige öffentliche Impfung in der Mittwoch, den 1. Juni. Montag, den 27. Juni Stadt Gießen wird, beginnend präzis Uhr Bezirks- Kriegerfesting des Bezirks- Kriegerverbandes Alsfeld verbunden mit Fahnenweihe und - für im Impflokale- Schulgebäude. Neustadt 61 die nächsten 5-6 Wochen jeden Mittwoch, nachmittags 5-6 Uhr, abgehalten werden. Impfpflichtig des ersten Löschzuges. im laufenden Kalenderjahr sind die im vorigen Jahre Die Mannschaften haben pünktlich geborenen Kinder, sowie die Rückständigen aus früheren und zahlreich zu erscheinen. Jahren. Das Kommando. approbierter Methode, radikale Wir laden die hiesigen Einwohner, welche impfZur Rettung v. Trunksucht! pflichtige tinder haben, zur Benutzung dieser öffentlichen Termine mit dem Bemerken ein, daß alle in denselben versendet Anweisung n. 32jähr. vorgenommenen Impfungen unentgeltlich sind. Wer Beseitigung, mit, auch ohne Vor- die Termine nicht benutzen will, muß die Impfung wissen zu vollziehen, feine seines pflichtigen Kindes bis zum Jahresschlusse auf seine Berufsstörung. Briefen sind Kosten bewerkstelligen lassen, widrigenfalls ihm im 50 Pfg. in Feier des 30jährigen Bestehens Brie- marken beizufügen. Januar nächsten Jahres eine vierwöchentliche Friſt zur des Kriegervereins zu Gross- Felda am 9., 10. und 11. Juli d. S. laden wir hiermit alle Kameraden, sowie die gesamte Bevölkerung von hier und den umliegenden Orten herzlichst ein. Man adressiere: Villa Chriftina, Bost Säckin- Nachholung der Impfung unter Strafandrohung gesezt gen, G 52, Baden. Zahnklinik Gießen, Bahnhofstraße 63. Wochentags 1-3 Uhr Unbemittelte unentgeltlich. D Bu vermieten er Manſarden- Stoď meines Wir haben reichlich Sorge getragen, daß das Fest in Groß- Felda ein der Zubehör, Kochgas, ist per 1. SepBedeutung desselben würdigen Verlauf nehmen kann. Groß- Felda, den 20. Juni 1904. Der Vorstand. Hauses, fünf Zimmer mit tember ev. früher zu verm. Chr. Zimmer Wwe., Bahnhofstr. 12. Schottstraße 7 Die Vereins- Vorsitzenden werden gebeten, ihre Anmeldung dem Vor- Dreizimmerwohnung ver 1. Juli fizenden des Krieger- Vereins Groß- Felda möglichst sofort zuzusenden. Bekanntmachung. 6000 Mark auf ein neues Geschäftshaus per fofort oder 1. Juli mit 4 Proz. Zinsen gesucht. Gefl. Angebote unter 4634 an die Exp. d. Bl. Auf vielseitiges Verlangen der Einwohner von erbeten. Gießen und Umgebung findet der Grosse Emaillewaren- Verkauf zu verm. Näheres bei Bäckermſtr. Schomber, Gießen, Walltorftr. Schöne Mansardenw., 3. St., 5 Räume nebst Küche, Bleichpl. u. Ga tenant., per sof. oder sp. zu v. Gieken, Ederftr. 2, Ede Nordanlage. Mö Mösl. Zimmer zu vermieten, mit oder ohne Vension. Näheres Wetsteingaffe 7. wird. Außer den Pflichtigen werden auch Kinder, welche im laufenden Jahre geboren sind, auf Wunsch threr Vertreter geimpft. Alle in einem Termine geimpften Kinder müssen in dem 8 Tage später abgehaltenen Termine zur Nachschau nochmals erscheinen. Kinder, deren Zurückstellung von der Impfung wegen Kränklichkeit beansprucht wird, können gleichfalls dem Impfarzte in den öffentlichen Terminen vorgestellt werden. Die Jmpflinge müssen mit reiner Wäsche und reingewaschenem Körper zur Impfung gebracht werden. Es wird nur an einem Arme mit Lymphe aus dem Landesimpfinstitut geimpft. Kinder aus Familien, in denen ansteckende Krankheiten herrschen, dürfen nicht in die Termine gebracht werden. Gießen, den 28. Mai 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. J. V. Curschmann. Bekanntmachung. ¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤in hiesiger Stadt Flinker Hausbursche In der Zeit vom 18. bis 25. Juni 1904 wurden gefunden: 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Zehnverloren: 2 Paar weiße Glaçehandschuhe. Herrenuhr, 1 Portemonnaie mit 10,50 Mt. Inhalt, 1 rotbrauner seidener Damengürtel. markstück; fann sofort eintreten in der Buchdruckerei dieser DODAMO im Hofraum des Gasthauses zur ,, Alten Post", Gießen, Zeitung. Walltorstraße 24 noch bis zum 5. Juli, abends 9 Uhr statt. Tüchtige Vertreter Es ist wieder eine Ladung Kochtöpfe, Wasserteffel, Suppen- Schüffel und Löffelbretter eingetroffen. werden für eine vorzüalich einge ichtete Krankenkasse an allen Orten für Afquisition und Inkasso unter sehr günstigen Bedingungen Versäume deshalb Niemand, solange der Vorrat sofort gesucht. Gef Off. befördert Rudolf Mosse, Frankfurt a. M. unter F. W. T. 959, da ist, seinen Bedarf gut und billig zu decken. Ich sehe einem geneigten Zuspruch entgegen. Hochachtungsvoll Frau Karl Dorp aus Elberfeld. Wascht mit Schwan- Seifenpulver Former, Aufstampfer und Arbeiter für dauernde, gutbezahlte Arbeit gesucht. Eisenwerke Collar, Aktien Ges. Zollar. Oberhessen. 1 Entlaufen ist ein brauner kurzhaariger Jagdhund. Entflogen ist: ein Kanarienbogel. Zugeflogen ist: ein Kanarienbogel. Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Gießen, den 25. Juni 1904. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Herberg. Bekanntmachung. Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird die Brandgasse von Dienstag den 28. d. Mts. an bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrradverkehr gesperrt. Gießen, den 27. Juni 1904. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. FÜR UNSERE JUGEND feine Beteuerungen, daß er ein ehrlicher alter Soldat fet, werden. uch zur Hand nehmen, erschossen der nur, als er des Weges gekommen, seine Kampfeslust nicht habe bezwingen fönnen, halfen ihm nichts. Niemand kannte ihn; und so wurde er ins Gefängnis geschleppt und sollte am folgenden Morgen friegsrechtlich Nr. 143 Montag, den 27. Junt. sische Familienz 1904. ten pfung in d en aus früheren vorigen Jahre Impfpflichtig ittwoch, nach tadt 61- für Der Impfung ne zur NachCinder müssen Wunsch ihrer Kinder, welche idrohung gesezt ntliche Frist zur falls ihm im chlusse auf seine die Impfung ich find. Wer le in denselben efer öffentlichen welche impftes FÜR UNSERE JUGEND Fleiß'ge Hand Geht durch alle Land'. Glaube nur, du hast viel getan, Wenn dir Geduld gewöhnest an. Der alte Husar. Ein deutsches Volksmärchen. - ( Fortsetzung aus vor. Jugend- Nr.)] Da ging der alte Husar wieder hinab zu den KaufLeuten und fing von neuem an zu spielen. Jetzt soll's Ernst werden," sagte er und besetzte jede Karte doppelt und dreifach, und die Kaufleute sahen mit langen Gesichtern, wie die Reihe des Verlierens jest an sie gekommen war. Nicht lange, so hatten sie nicht nur ihr gewonnenes Geld, sondern auch ihr Sonstiges Hab' und Gut verspielt. Da sagte er:„ Ich habe ohnehin genug, behaltet nur, was euer war." Da bedankten sie sich herzlich und gingen eilig fort. Dem Husaren aber war das gar nicht recht, er wollte gern noch mehr spielen; und so rief er den Wirt herbei und sprach:„ Wir wollen drei Spiele miteinander machen, Herr Wirt! Wer zwei davon gewinnt, der soll des andern ganzes Vermögen haben!" Der leichtsinnige Wirt dachte, er müsse natürlich gewinnen, und war's zufrieden. Das erste Spiel gewann er auch, aber in den beiden anderen war der alte Husar der Glückliche, und der arme Wirt raufte sich verzweiflungsvoll die Haare." Was soll nun aus meinen armen Töchtern werden?" rief er einmal über das anderemal aus und rang die Hände.„ Nun, beruhigt Euch doch ein wenig," sagte der Husar,„ es geht Euch ja noch nicht um den Kragen, und außerdem will ich Euch einen Vorschlag machen. Seht! Ich bin noch unverheiratet; gebt mir also eine Eurer Töchter zur Frau, dann mögt Ihr Euer Vermögen behalten." Da ließ der Wirt seine Töchter rufen und fragte sie, ob eine von ihnen den alten Husaren zum Manne nehmen wolle. Die ältere weigerte sich entschieden, einem so wenig vornehm aussehenden Manne ihre Hand zu reichen, die jüngste aber gab errötend ihr Jawort. Da zog der Husar einen goldenen Reif vom Finger und zerbrach ihn in zwei Teile. Die eine Hälfte reichte er seiner Braut und sprach: Verwahre das, ich reise jetzt noch durch die Welt; und bin ich nach Jahr und Tag nicht wieder hier, so bist du frei und kannſt heiraten, wen du willst; komm ich aber zurück, und du hast die Hälfte des Ringleins noch aufbewahrt, dann soll sofort die Hochzeit sein." Am andern Morgen zog er fort. Im nächsten Walde machte er halt, holte das rote Buch hervor und fing an zu lesen. Sogleich erschien wieder der Diener, neigte sich vor ihm und sprach: Mein Herr, des Buches Geist, Hat mich gesandt hierher, Zu tun, wie du mich heißt. Sprich, was ist dein Begehr?" ,, Schaffe mir Jugend und Schönheit zurück, wie ich sie hatte vor fünfundzwanzig Jahren, denn ich will jetzt durch die Welt reisen und ein frohes Leben führen." Da reichte ihm der Mann ein Fläschchen, das solle er austrinken, und verschwand. Kaum hatte der Soldat den Inhalt bis auf den letzten Tropfen geleert, so befiel ihn eine große Müdigkeit, er legte sich nieder und war bald fest eingeschlafen. Als er erwachte, da fühlte er Jugendkraft in allen Gliedern; und doppelte Lust erfaßte ihn nun, fremde Länder und Menschen zu sehen. So wanderte er denn fort, und viel Gutes, doch auch manches Böse, begegnete ihm. Einmal hielt er sich in einem Lande auf, das war mit Krieg überzogen; und eben wurde eine Festung erstürmt, als er hinzukam. Da fühlte er das alte Soldatenblut wieder in seinen Adern erglühen. Er mengte sich beherzt unter die Schar der Kämpfenden und focht tapfer mit, rechts und links mit dem Säbel um sich hauend. Plötzlich aber packten ihn zwei derbe Fäuste, und mehrere Stimmen riefen: Ja, da haben wir den Spion!" Da half kein Sträuben, und all seine Beteuerungen, daß er ein ehrlicher alter Soldat set, der nur, als er des Weges gekommen, seine Kampfeslust nicht habe bezwingen können, halfen ihm nichts. Niemand kannte ihn; und so wurde er ins Gefängnis geschleppt und sollte am folgenden Morgen kriegsrechtlich erschossen werden. Raum war er allein, so wollte er sein Buch zur Hand nehmen, damit die unterirdischen Mächte ihn aus seiner bedrängten Lage befreiten. Aber er griff in eine Tasche nach der andern, das Buch fand sich in keiner, es war und blieb verschwunden. Da kam ihm der Leuchter in die Hand. Er zündete die kleine Kerze auf dem Leuchter an und hielt nun, wie er glaubte, seine lezte Mahlzeit. Dann legte er sich nieder, um zu versuchen, ob er nicht noch ein wenig schlafen könne. Eben tönte die zwölfte Stunde vom Turme. Im selben Augenblick aber erdröhnte die Luft wie von hundert Kanonenschüssen, die Erde bebte, und die Mauern des Gefängnisses stürzten zusammen. Dem alten Husaren verging Hören und Sehen. Als er wieder zu sich kam und umherblickte, da befand er sich in dem unterirdischen Schlofse, aus dem er einst Buch und Leuchter geholt hatte, und eine Stimme rief:„ Du hast mich erlöst! In der Kerze steckte die Seele meines Beinigers, der ist jetzt mit ihr verbrannt. Nimm zum Dank dafür das Schloß und alles, was darinnen ist!" Das gefiel dem alten Husaren sehr wohl, er dachte nun nicht mehr ans Wandern. Er besah sein schönes Schloß, die blühenden Gärten und die Ställe voll prächtiger Pferde. Dann zog er prinzliche Kleider an, befahl den Dienern, das Schloß festlich zu schmücken, und rollte endlich in dem schönsten Wagen, mit sechs Pferden bespannt, von dannen. Er fuhr aber schnurstracks nach dem Wirtshaus, wo seine Braut war. Der Wirt und dessen Töchter erkannten ihn nicht in seinem fürstlichen Aufzug. Als er sich mit Speis' und Trank gelabt hatte, sprach er:„ Herr Wirt, wollt Ihr mir wohl eine Eurer Töchter zur Frau geben?" Der sah ihn erstaunt an, ging aber sogleich, die zwei Mädchen zu rufen. Die ältere kam schön geputzt zuerst herbei, doch die gefiel dem vornehmen Herrn nicht, und er begehrte, ihre Schwester zu sehen. Da erschien mit gesenkten Blicken auch diese. Sie hatte ihr einfaches Alltagskleidchen anbehalten, und als der alte Husar sie fragte, ob sie sein liebes Weib werden wollte, da weigerte sie sich hartnäckig. Sie erklärte, sie sei schon verlobt. Alles Zureden ihres Vaters half nichts, und ste bestand einmal darauf, keinen andern zu mögen. Da freute sich der alte Husar, zog das halbe Ringlein hervor, reichte es ihr und fagte:„ Sieh zu, ob es nicht an deine Hälfte paßt, ich bin dein Verlobter." Das rechte Ringlein mag es wohl sein, aber Ihr seid doch nicht mein Bräutigam, denn der sah ganz anders aus." Da ließ er seine alten Husarenkleider aus dem Wagen holen und zog sie an. Als das Mädchen ihn so wiedersah, fiel sie ihm um den Hals und weinte Freudentränen. Die ältere Tochter aber verging schier vor Neid über das Glück der Schwester, daß sie verzweifelte und nicht mehr leben mochte. Noch am selbigen Abend stürzte sie sich in einen tiefen Brunnen und ertrank. Am andern Tage aber wurde die Hochzeit gefeiert, und der verjüngte alte Husar brachte seine glückliche junge Gemahlin auf sein Schloß. D Rätsel und Aufgaben. 1. Naturgeschichtl. Ausziehrätsel. Mohn, Dotterblume, Rose, Aster, Reseda, Osterblume, Hortensia, Aurikel. Ein Blumenfreund fand zu seiner Freude eines Morgens eine frischaufgeblühte Blume. Der Name dieser Blume wird dadurch gefunden, daß aus jedem der vorstehenden Blumennamen ein Buchstabe herausgenommen wird und die so entnommenen Lettern alsdann, der Reihe ihrer Entnahme nach, zu einem Worte vereinigt werden. alonso * 2. Zahlenrätsel. 1 2 3 4 5 1 6 7 8 9 ein Erdteil, 1 2 3 4 8 5 ein Schalentier, 1 4 6 1 3 ein Gebirge in Nordafrika, 2 5 16 ein Gebirge in Rußland, 116 ein Fisch, 4 2 5 7 9 eine Stadt in Italien, 4 29 7 3 eine Stadt in Nordafrika. ' gung' uang' v' van' sve n Nr. 143 Montag, den 27. Junt. 1904. Oberbessische Familienzeitung. Tägliche Unterhaltungs- Beilage der Gießener Neueste Nachrichten. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein. ( 10) Fortung)) Die Die Adjaren. Driginalroman von Arthur Gundaecarb. Suttner ,, Die Sonne war zu dreiviertel ins Meer getaucht, als er fich an der bezeichneten Stelle einfand. Er wartete noch ein paar Minuten und legte die Hand an die Tür sie mich in ihren Angeln zurück. Djambek trat in den dicht verwachsenen Baumgang, wo schon ein starkes Halbdunkel herrschte, und schritt langsam den Weg entlang. Als er um die Ecke bog, stieß er unwillkürlich einen Ruf der Ueberraschung aus, der eine fast gleichzeitige Erwiderung fand: er stand Thamar gegenüber. ,, Du!" kam es von beider Lippen. ,, Schnell dorthin!" Sie eilte gegen einen schmalen Seitenweg voran, von Djambek gefolgt, der seine Freude kaum zu bemeistern vermochte. Nach wenigen Schritten gelangten sie zu einer kleinen Grotte, die dicht mit Schlingpflanzen überwachsen war und jetzt sank ihm Thamar an die Brust. ,,, Geliebte, wie selig bin ich, dich wiederzusehen!" Er bedeckte ihren Kopf mit Küssen und schloß sie stürmisch in ſeine Arme. Wäre dieser Augenblick nur nicht so furz!" seufzte sie. Ich kann dir nur wenige Minuten schenken, Geliebter die Gefahr ist zu groß." „ Für dich?" " Für uns beide." Dann muß ich mich fügen; gälte es nur meine Sicherheit, ich wäre bereit, jede Sekunde mit meinem Herzblut zu bezahlen." Sprich nicht so; wir müssen hoffen, daß uns das Schicksal noch viele, viele Stunden, Tage, Jahre des Glücks vergönnen wird." Nun, sag' mir, wie behandelt man dich? Verhehle mir nichts, Thamar, und vergiß nicht, daß ich jederzeit bereit bin, dich aus den Händen deiner Gefangenwärter zu befreien. Wie prächtig wäre heute die Gelegenheit!" Nein, ich habe nur in einer Hinsicht zu klagen, nämlich, daß ich dich nicht mehr sehen kann wie früher. Ohne jenen elenden Verräter könnten wir beide ein paar glückliche Menschen sein so glücklich wenigstens, als es unter den herrschenden Verhältnissen möglich wäre. Wir müssen uns in Geduld fassen, Djambek, und auf die Zukunft unsere Hoffnung setzen. Und du, Geliebter, wie geht es dir? Mit Schrecken habe ich eine Nachricht vernommen, die einen deiner Freunde betrifft denselben, bei welchem wir Gastfreundschaft genossen, als er seine Hochzeit feierte. Die arme, unglückliche Frau! Wie schrecklich muß ihr zu Mute sein!" ,, Sie ist in Sicherheit bei ihrem Gatten." ,, Das ist wenigstens ein Trost." ,, Aber trotzdem sind sie zu bedauern, denn die Schergen suchen ihre Spur, und wehe ihnen, wenn man ihrer habhaft wird. Das stille, friedliche Heim steht heute einsam und ver= lassen, und sie werden wohl nie wieder in dasselbe zurückkehren dürfen. Das ist ein trauriges Schicksal für zwei Leute, die mit ganzem Herzen an ihrer heimatlichen Scholle hängen!" ,, Gewiß, dieses Bewußtsein muß ihnen jede Lebensfreude verbittern. D. könnte ich nur Hilfe schaffen!" ( Nachbrud verboten.) Ich will es versuchen, Thamar; ich muß deinen Oheim sprechen; wenn er die volle Wahrheit hört, wird er sich viel. leicht zur Nachsicht bewegen lassen." Sie schüttelte wehmütig den Kopf: Ich habe wenig Hoffnung. Nach seinen Reden zu schließen, ist er ihnen nichts weniger als freundlich gesinnt, und seine Umgebung trägt nach Möglichkeit dazu bei, seine zornige Erregung zu erhöhen." Und doch will ich trachten, ihn umzustimmen; ich bin es dem Freunde schuldig.- Treffe ich deinen Oheim um diese Stunde im Garten?" Ja, du findest ihn unter den Magnolien; du weißt doch, wo das ist?" fügte sie lächelnd hinzu. Ob ich es weiß!" erwiderte er, sie wieder an sich drückend. ,, Dieser Ort muß mir doch unvergeßlich sein." Auch mir, Djambek. Nun aber lebe wohl, ich muß dich verlassen!" Und sollte ich nicht hoffen dürfen, da mich das Glück heute so begünstigt hat, dich hier wieder zu sehen?" Sie schwankte. Nein," sagte sie endlich, es ist zu viel Gefahr dabei; bedenke nur, wie schlimm die Folgen sein könnten: für die kurzen Minuten dieses Glücks müßten wir vielleicht bis an unser Lebensende büßen. Wir sind hier von Spionen umgeben; Daria ist die einzige, der ich Vertrauen schenken kann alle anderen wären bereit, mich zu verraten, sobald sie darin ihren Vorteil fähen. Wer hat dich heute hereingelassen?" ,, Deines Dheims Diener." ,, Wie, er wußte, daß ,, Er wußte nichts," unterbrach Djambek. Ich bin ein Feind der Lüge, Thamar; ich finde, die erste Tugend, aus der alle anderen hervorgehen, ist die Wahrheit. Darum will ich dir auch ehrlich gestehen, daß mein Zweck der war, mit deinem Dheim zu sprechen; ich wagte nicht zu hoffen, daß ich dich hier finden würde.- Zürnst du mir, Geliebte, daß ich so aufrichtig spreche?" - Zürnen, Djambet? Da kennst du mich schlecht. Hältst du die Eitelkeit in mir für so groß, daß ich ihr zuliebe eine Lüge vorgezogen hätte? Im Gegenteil, ich danke dir! Das Bewußtsein, von einem Mann geliebt zu werden, der die Wahrheit über alles hält, macht mich nur noch glücklicher." Diambek drückte einen heißen Auß auf ihre Lippen, und nun riß sie sich hastig los, um nach einem innigen Abschiedsblicke davonzuhuschen. Eine Blume, die sie am Busen getragen, flatterte zu Boden; schnell haschte Djambek darnach und schob die Blüte in seinen Gürtel. Er wartet noch ein paar Minuten und schlug dann den Pfad ein, der zu den Magnolien führte. Cherif- Pascha saß allein unter den Bäumen. Er hatte das Kinn in die Hand gestützt und starrte gedankenvoll zu Boden. Erst als Djambek vor ihm stand, erwachte er aus seinen Grübeleien, um erschrocken emporzufahren; sein Blick irrte hilfesuchend zum Hause, während er mit unsicherer Stimme rief: ,, Was willst du hier?" en borgestellt en gleichfalls dem Landeswerden. Es sche und reinnine gebracht dende Krank Gießen. 1904 wurden alt, 1 Zehn1. Inhalt, 1 ndschuhe, 1 riger Jagd ins geltend nen Gegenken. rradverkehr ts. an bis beiten wird ntha für Obe Die Monar Berkel Den heutigen Morge um großen Teil jene G englischen Gafte die Sen Wellen der Föhr toria and Albert" ab, dem ad der Kruppichen Braunschweig" schloß. Sefichtigung fich iferlichen Werft, wo s Intereffe König Edu mit διατό eine in dene urbigen Säufte regen u Arbeit, mjer Deutschlands eife meden, führte der Ka Stolz auch an jene Ort wer geschaffen: in den im. Hier findet heut glifcher Decoffiziere, 750 Engländer und her Kapellen der de Buge zum Festlokal zi fid tigungen folgte ei he Admirals v. Köster Doch Frühstück beim Admira For der Ausfahrt m Mitglieder des Vorsta Bord der Victoria an fan für die gestern a Mitgliedschaft übermitt eft mahl, das er gefte dak er es fiú t dem er zwifchen dem er Leitung des vorneh iden zu tragen. Da den prächtigen Räu Lagen im ganzen die nit wohl in dieser fest friegsbootwettfahrt un Better fönnen auch d trüben. ffert, daß fourte bind aus Nordwest, we Tränen nicht trocknen h die ihr Rennen auf de Sajen begonnen haben Bendung ebenso wie d laboe, an der mit 11 9 prinzen Angela" teil find bisher noch nicht modernen Technik im u demonstrieren. D mittag endlich an den Morgen wird Kö eder nach Hamburg um Ri bom ruffischer Seite worden fei. rubid haben Sienjutsche Die Behauptung jan ist alles mittags im Hoffonder on Mitgliedern des angen und begrüßt m Empfange auf de ehmen. Bom Bahn Bagenfahrt nach den durch die schönsten S mittags ist eine Hafe andigung eine Wager Der tere besucht werden m einem ihm zu Ehr ische Monarch von der Die Rückfahrt nach Ki Während es nod meen unter Aurofi u Ueber die rüdmä die Russische Telegra Die zweite Arm die Absicht, sich m fam, ist auf der rofi zu vereinigen nicht ohne weiteres aufgehoben. Auro ngen abwarten wo bekannt und wird esenden russischen biafian her im Ann Engen gemein rührig. G Con der Eilenbabn In früheren Zeiten wurde ich von Cherif- Pascha anders empfangen," verseßte der Gefragte. Da hieß es nicht so barsch: Was willst du hier?", sondern freundlich:„ Willkommen, Freund!"" Die Zeiten ändern sich," erwiderte der Pascha in einem Ton, dem man immer noch die Unbehaglichkeit anmerkte. ,, Nicht meine Schuld ist es, wenn die Freundschaftsgefühle anderen Empfindungen gewichen sind." Ich wüßte nicht, dich gekränkt oder beleidigt zu haben. Doch eine andere Angelegenheit ist es heute, die mich zu dir führt: ich komme, dein Gerechtigkeitsgefühl anzurufen." Sprich, ich bin bereit, dich zu hören!" Der Pascha hatte während dieser Worte langsam den Weg gegen das Haus eingeschlagen, und Djambek schritt neben ihm einher. ein solches Ansinnen drohe ich, da du dich gegen verwahrſt, dich körperlich zu züchtigen. Was tätest du da?" Du vergissest, mein Bester, daß ich mit deinem Freunde nicht auf gleicher Stufe stehe. In gewisser Beziehung bin ich über das Gesetz erhaben, während ihr euch den MachtSprüchen desselben zu fügen habt. An Elisba war es, sein Recht vor der Behörde zu beweisen, nicht aber dasselbe durch einen Mordversuch noch zweifelhafter zu gestalten. Obendrein hat er sich der Verantwortung durch die Flucht entzogen, und dieser Fall ist im Gesez vorgesehen. Ihr möchtet immer nur eure Rechte beanspruchen, nie aber der Regierung solche zugestehen und ihr lebt etwas gar zu sehr der Meinung, in allem die Herren spielen zu dürfen. So, und nun muß ich abbrechen, die Geschäfte rufen mich." ,, Nichts vermag dich also zu bewegen, ein Unrecht zu verDer Pascha schüttelte den Kopf:„ Genug." Djambek erhob warnend den Finger: Es wäre zu zeitraubend, wollte ich dir erklären, wie es damals Ali- Beg gelungen ist, dich zu täuschen und aus deinerhüten?" Reise für sich Vorteil zu ziehen- dessen muß ich dich aber auf mein Wort versichern, daß er deine Gunst nicht verdient, daß er ein harter, ungerechter, geldgieriger Mann ist, der das Land drückt und die Leute zum äußersten treibt, so auch im letzten Falle, bei welchem mein Freund und Nachbar Elisba Alichwari leider eine Rolle gespielt hat, die dich bewog, gegen ihn gerichtlich einzuschreiten." Merke dir eines, Cherif- Pascha: Wenn eines Tags meine geknechteten, mißhandelten Landsleute sich gegen ihre Unterdrücker, gegen deinen Blutsaugertroß erheben, so wird die Verantwortung über dein Haupt kommen!" ,, Dagegen werden wir uns schon zu schüßen wissen," entCherif- Pascha schien die Worte seines Begleiters aufmerk- gegnete der andere in spöttischem Ton." Mein guter Djamfam anzuhören, dabei war er aber beflissen, seine Schritte zu beschleunigen; das Haus lag in Sicht, und das gab dem Mann, der im ersten Moment ein Attentat von ſeiten Djambeks befürchtet hatte, mehr Mut. „ Ich kann, selbst wenn ich wollte, in der Sache nichts machen," unterbrach er abwehrend.„ Es ist einzig und allein Sache des Tribunals, zu entscheiden, ob dein Freund strafbar ist oder nicht." Ich weiß aber, daß du die ausschlaggebende Stimme hast - gestatte mir also, dir den wahren Sachverhalt in aller Kürze darzustellen." ,, Da bist du falsch unterrichtet; die Geseze schreiben genau vor, was in den einzelnen Fällen zu geschehen hat, und da kann meine Person nicht zugunsten oder zu ungunsten eines Beschuldigten Einfluß nehmen." Du willst mich nicht verstehen; es ist allerdings richtig, daß die Gesetze die Strafe bestimmen, welche beispielsweise auf Mord zu sehen ist, es hängt aber von den Richtern ab, ob sie die Umstände in Erwägung ziehen wollen, unter welchen jemand einen anderen getötet hat. Sieh, gleich der Arieg: ist er nicht ein Morden im Großen, und wird er nicht von den Gesezen sogar gutgeheißen?" Wir wollen uns lieber nicht in derlei Fragen einlassen, deren Lösung uns nicht zusteht," entgegnete der Pascha ge= langweilt. Vor dem Hause war nun Totia in Begleitung Hassan- Begs sichtbar geworden, und des Gouverneurs Zubersicht nahm immer mehr zu. Du willst also nicht, daß ich dir die Möglichkeit gebe, Gerechtigkeit auszuüben?" Der andere zuckte die Achsel: sch sagte dir schon, daß dieser Fall mir fern liegt und daß ich nicht berechtigt bin, in das Amt der Richter einzugreifen." Nicht berechtigt," wiederholte Djambek in ärgerlichem Zon. Als ob man nicht wüßte, daß der Höchstgebietende in allem und jedem Einfluß nehmen kann, wenn er will. Ich verlange ja von dir nichts anderes als Gerechtigkeit; ich bitte dich ja nur um die einzige Begünstigung wenn es über haupt eine solche genannt werden kann eine strenge Untersuchung des Falles anzuordnen. Bis jetzt hast du nur eine Partei angehört, und in deren Interesse lag es, recht viel Üngünstiges über Elisba zu berichten. Der Sachverhalt wurde dir grundfalsch dargestellt; mein Freund, der einer der friedfertigsten Menschen ist, muß dir als ein roher Wüterich erscheinen, dem ein Menschenleben keinen Piaster wert ist; das ist aber nicht der Fall. Nicht gegen deinen Stellvertreter, den Kaimafam, hat er sich aufgelehnt, sondern er hat sein gutes Recht gegen den Privatmann Ali- Beg zu verteidigen gesucht, der an ihm einen Raub begehen wollte. Und du weißt, was es zu bedeuten hat, wenn man noch obendrein gegen einen freien Mann die Hand zum Schlage erhebt. Ist es da nicht rechtmäßige Notwehr, wenn ich diesen Angriff mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln zurückweise? Würdest du anders handeln, falls ich dir jetzt sagte: Die Hälfte deines Hauses gehört mir; du wirst es räumen- und bek, du warst von jeher ein Träumer. Diesem Umstand hast du es auch zu verdanken, daß ich deine knabenhafte Drohung trachte es als Pflicht der Gastfreundschaft, dich auf meinem nicht ernſt auffasse. Meine Langmut ist groß, und ich beGrund und Boden unbehelligt zu lassen, obwohl ich dich nicht hierher eingeladen habe und auch nicht für die Zukunft einladen werde.- Nun aber sag ich dir ernstlich und wohlmeinend: Geh! In wenigen Minuten könnte ich es bereuen, deine herausfordernden Worte ungestraft gelassen zu haben." wechselten spöttische Blicke, als Djambet an ihnen vorbeiTotia und Hassan Beg kamen herangeschritten und eilte, um Cherif- Paschas Gebiet als Feind zu verlassen. Siebentes Kapitel. „ Du hast die Sache falsch angepackt," sagte Artschil, nachdem ihm Djambek von seinem erfolglosen Besuche gesprochen hatte. Willst du wissen, wer gegenwärtig der eigentliche Pascha ist, wer alle Geschäfte in und außer dem Hause führt und um seine Protektion angegangen werden muß?" ,, Hassan- Beg?" ,, Bewahre! Der Betreffende nimmt eine viel bescheidenere Stellung ein, und doch geht alles durch seine Hände; es ist Totia Nitscheladze." „ Bist du dessen sicher? Ich kann mir nicht denken, daß dieser Mensch, der früher ein bescheidener kleiner Schreiber war, plöglich zu solchem Einfluß gelangt sein soll." „ Es ist dennoch so; ich weiß es ganz bestimmt. CherifPascha wird von Tag zu Tag träger sein Arzt versicherte mich unlängst, es sei frankhaft und so findet er es sehr bequem, daß ein anderer für ihn denkt und handelt. HassanBeg ist auch einer, der froh ist, wenn man ihn mit Arbeit verschont, also wurde es Totia leicht, sich hineinzuschieben, um mit Kleinem zu beginnen und zu Großem zu gelangen. Wer ein Anliegen an Cherif- Pascha hat, muß vorerst bei dessen Günſtling anklopfen; freilich kostet das Geld in dieser Beziehung hattest du neulich recht, über diese Mißstände in Wut zu geraten aber wenigstens kann man jetzt etwas erreichen, während es vorher einfach bei des Paschas Versprechungen blieb." Diambek schüttelte den Kopf. „ Ich werde mir die Dienste jenes Burschen nicht zu erkaufen suchen. Ich habe meine Gründe, ihn mir vom Leibe zu halten." „ Wenn du auch nicht persönlich gewillt bist, mit ihm zu verhandeln, so kann ja Elisbas Vertreter den Versuch machen." Das meinetwegen; nur will ich, wie gesagt, nicht in die Angelegenheit gemengt werden. Ich wäre dir daher auch sehr verbunden, wenn du darüber mit dem Anwalt Rücksprache nehmen wolltest." ( Fortsetzung folgt.) Für andre fürchten und für andre sorgen, Statt andrer leiden und unglücklich sein, Den bittren Kelch, den ihren Lippen strafend Das Schicksal vollgegossen, heimlich leeren Und schweigen ja statt andrer selber sterben. Das kann ein edles zartgesinntes Weib. 1 Ein frommer Betrug. Novelle von J. Cassirer. ( Nachdruck verboten.) ,, Gine Lüge ist nie zu rechtfertigen und meiner Ansicht nach verdient jemand, der kaltblütig eine Täuschung plant und sie ausführt, aus jeder anständigen Gesellschaft aus geschlossen zu werden. Ich wenigstens kann keine Entschuldigung für ihn finden. Die Wahrheit, die ganze Wahr heit und nichts als die Wahrheit," das ist mein Wahrspruch." Zur Bekräftigung seiner Worte schlug Herr Heinrich Troppau mit der Faust auf den Tisch. Er richtete dabei seine Blicke auf seinen einzigen Gast und alten Freund Paul Hübner, als ob er von diesem Zustimmung zu seiner Behauptung erwartete. Du stimmst mir doch bei, Paul?" fragte er ihn,„ du bist auch davon überzeugt, daß ein Mann unter allen Umständen, auch wenn er sich selbst dadurch schädigen sollte, bei der Wahr heit bleiben muß?" Paul Hübner war ein Mann in den besten Jahren, mit einem scharfgeschnittenen, geistreichen Gesicht, in das aber in diesem Augenblick ein tieftrauriger Zug trat, der von einer fummervollen Erinnerung Zeugnis ablegen mochte. Als Antwort will ich dir eine Geschichte erzählen, Die Geschichte zweier jungen Leute, die in ihrer jungen Ehe viel Armut, Kummer und Sorge kennen gelernt haben. Sie hatten sich sehr jung verheiratet. Als sie mit einander bekannt wurden, war er Angestellter eines Handlungshauses mit einem Jahresgehalt von 1500 Mark und sie eine arme Gouvernante, die weder Freunde noch Verwandte hatte. Als sein Gehalt auf 1600 Mark erhöht wurde, schlossen sie den Bund der Ehe. Der junge Gatte verfügte über eine reiche Phantasie und war schriftstellerisch veranlagt, in den Augen seiner ihm ergebenen Gattin galt er aber als ein verborgenes Genie, das die Zeit schon ans Licht bringen würde und das unsterblicher Ruhm erwartete. Gelegentlich wurden seine Skizzen und Erzählungen auch angenommen und honoriert. Nach Schluß des Bureaus schrieb er sie in dem einen ärmlichen Zimmer, das das junge Baar in einer billigen Vorstadt gemietet hatte. Und das Honorar dafür hielt die Hoffnung in ihrem Herzen warm und half ihnen den harten Kampf ums Dasein" zu bestehen. Wie allen Dichtern, schwebte auch dem jungen Gatten ein Meisterstück vor, das er schaffen wollte. Es sollte das ein dreiaktiges Lustspiel sein, das ganz Berlin im Sturme erobern und den glücklichen Dichter mit einemmal in die vorderste Reihe der dramatischen Schriftsteller stellen sollte. Allmählich nahm das Schauspiel in seinem Geiste festere Gestalt an. Ihm war seine Gattin nicht nur seine Gehilfin, sondern auch seine Gefährtin, und ihr vertraute er auch alle seine Hoffnungen und Wünsche an. Ihre blauen Augen leuchteten bei dem Gedanken an seinen Erfolg. Ihr war kein Opfer zu groß, das sie für ihren Mann zu bringen hatte, und ohne daß er es wußte, versagte sie sich die harmlosen, kleinen Eitelkeiten, die doch einmal zur weiblichen Toilette gehören, und trug lieber das Geld nach der Sparkasse, um für alle Fälle einen Notgroschen zu haben. Hoffenden Herzens hatte sie Pläne für die Zukunft geschmiedet, als das Lustspiel glücklich beendet war. Zu aller erst mußte ihr Mann einen neuen Anzug haben, damit er einen recht vorteilhaften Eindruck mache, wenn er die Theaterdirektoren besuchte. An alles hatte sie gedacht. Am Abend der Premiere wollten sie eine Loge im Theater nehmen, und um den Triumph ihres Gatten gebührend zu feiern, dann in einem Wein- Restaurant oupieren, wobei auf ferneren Erfolg des Stückes ein Glas geleert werden sollte. Nur wir zwei," meinte sie, als sie neben dem Schreib tisch, an dem ihr Mann eifrig arbeitete, niederkniete. Sie drückte ihr Gesicht gegen das ihres Mannes und lachte vor Entzücken. Das Lustspiel war fast vollendet und eigentümlich genug, der Verfasser hatte nicht das Gefühl der Befriedigung, das er eigentlich davon erwartet hatte. Er legte seine Feder nieder und sah seine junge Frau aufmerksam an. Heut war es ihm, als wenn er im Aussehen seiner Frau etwas neues, ungewohntes entdeckte. Wie blaß und abgezehrt du aussiehst, mein lieber Schab," sagte er zu ihr und dabei war es ihm, als ob ihm das Herz zerspringen müßte.„ Was hast du denn gemacht? Du siehst ja nur noch wie ein Schatten aus." Im Winter sehe ich immer blaß aus," erwiderte sie. Wenn es aber erst wieder Frühling sein wird, dann werde ich schon wieder zunehmen und rote Wangen bekommen. Und mit deinem Theaterstück wirst du dann so viel Geld verdienen, daß wir verreisen können und du auch deine Stellung im Bureau, die dir so verhaßt ist, aufgeben kannst." „ Wir müssen aber auch auf eine Ablehnung gefaßt sein," erwiderte er und zwang sich dabei gewaltsam zu einem Lä cheln.„ Du weißt doch wohl, daß alle berühmten Schriftsteller mit ihren Erstlingswerken feinen Erfolg zu erzielen vermochten." Es entging ihm nicht, welch' plötzliche Veränderung sich bei diesen Worten auf dem blassen Gesicht seiner Frau vollzog, und er beeilte sich, den Schatten wegzufüssen. Ich zweifle keineswegs, daß das Lustspiel angenommen werden wird," versicherte er ihr, indem er ihre Hand zärtlich streichelte.„ Du darfst dich aber nicht entmutigen lassen, Schatz, wenn der erste Direktor, dem ich es einreiche, es mir wieder zurückschickt." Dieser Abend bezeichnete den Anfang des schrecklichen Unglücks, das über den jungen Gatten jetzt hereinbrach. Das Stück war vollendet, seine Gattin pacte es ein- ,, es würde ihm das Glück bringen" meinte sie und er trug es zum Direktor eines sehr bedeutenden Theaters. Zunächst blieb nichts übrig, als auf eine Antwort zu warten. „ Bestelle dir nur den neuen Anzug, Schatz," drang die junge Frau mit einer bei ihr ungewohnten Beharrlichkeit in ihn.„ Herr Gruhl- Grundner wird dich rufen lassen und du mußt dich dann recht vorteilhaft präsentieren.“ Es war am Morgen eines trüben, neblichten Tages und der junge Mann war gerade im Begriff, in das Geschäft zu gehen. Als er sich zum Abschiede mit seiner Frau noch etwas unterhielt, taumelte sie und sie wäre hingestürzt, wenn er sie nicht noch rechtzeitig in seinen Armen aufgefangen hätte. Auf das Furchtbarste erschrocken, trug er sie auf ihr Bett und sah sie ängstlich an. Eine geisterhafte Blässe bedeckte ihr Gesicht und es war das erstemal in ihrem Leben, daß sie eine Ohnmacht befallen hatte. In Todesangst lief der unglückliche Gatte die Treppe hinunter zu einer älteren erfahrenen Frau, die eine Treppe unter ihnen wohnte und mit der die junge Frau Freundschaft geschlossen hatte, und mit Hilfe einiger Reizmittel gelang es den beiden, sie wieder ins Bewußtsein zurückzurufen. Trotz der Versicherung der jungen Frau, daß sie sich jetzt wieder vollkommen wohl und nur etwas abgespannt fühle, wurde doch der Arzt gerufen. Mit ernsthafter Miene betrachtete dieser die abgezehrte Gestalt, die vor ihm im Bette lag, und holte dann sein Stethoskop hervor. In stummer Angst beobachtete der junge Mann sein Gesicht, aber in den gütigen Augen, die sich jetzt noch tiefer über die Patientin gebeugt hatten, konnte er nichts erkennen. ,, Gute und sehr kräftige Nahrung, viel Bouillon und Portwein, und wenn's Wetter es erlaubt, eine Reise nach dem Süden Sie werden sehen, das wird Sie in ganz kurzer Zeit wieder herstellen," erklärte er.„ Und tun Sie mir den Gefallen, mein liebes Kind, machen Sie sich keine Sorge und feinen Kummer," schloß er in väterlichem Tone. Dann schickte sich der Arzt an, das Zimmer zu verlassen, und der junge Mann begleitete ihn. In teilnehmendem Tone, aber in Worten, die keinen Zweifel aufkommen ließen, sagte ihm der Doktor die ganze Wahrheit. „ Der Zustand Ihrer Frau ist sehr bedenklich. Infolge ungenügender Nahrung hat ihre Konstitution stark gelitten, und ich bedaure aufrichtig, Ihnen erklären zu müssen, daß sie nur noch wenige Monate zu leben hat. Soweit es Ihnen möglich ist, halten Sie jede Aufregung und jeden Kummer von ihr fern, denn bei ihrem schwachen Organismus könnte jede Erschütterung des Nervensystems einen verhängnisvollen Ausgang nehmen." ( Schluß folgt.)