Nr. 98. moreto: in Gießen, abgeholt monatlich 50 fg., Sans gebracht 60 Bfg., durch die Poft bezogen viertelfähr mr. 1.50. Hagen: Oberhoffifthe Familienzeitung( täglich) unb bie Gießener Cotfenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint am alten Werktagen nachmittags. Mittwoch, den 27. April 1904. Gießener 13. Jahrgang. Insertionspreis: Die einfpaltige Betitzelle für gan heffen, die Kretse Wehlar und Marburg 10 fg. font 16 Reklamen die Betttzelle 30 refp. 40- Pfg. Boftzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Setteroweg Fernsprechanschluß- Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Sichener Tageblaff) Unabhängige Tageszeitung ( Gießener Beifung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Beglar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Bekanntmachung. Betr.: Den Umbau der Brücke über die Lumda im Straßenzuge, Straße Grünberg- Londorf- Atzenhain. Die Brücke über die Lumda am Ortsausgange Don Lumda wird umgebaut und demgemäß vom 2. Mai d. J. ab bis auf weiteres für den Fuhrwerksverkehr gesperrt. Leichtere Fuhrwerke fönnen bei trockener Witterung den etwa 100 Meter oberhalb der Brückenbaustelle verlegten provisorischen Uebergang über die Lumda benutzen. Gießen, den 22. April 1904. Großherzogliches Kreisamt Gießen. J. B.: Kranz bühler. Bekanntmachung. Betr.: Milzbrand in Stangenrod. In dem Gehöfte des Peter Schäfer zu Stangenrod ist ein Fall von Milzbrand festgestellt worden. Gießen, den 23. April 1904. Großherzogliches Kreisamt Gießen. J. V.: Hechler. Deutschlands ,, Isolierung". Angesichts der jungen italienisch- französischen Freundschaft werden in der deutschen Presse Kassandraſtimmen laut. Mit pessimistischem Pinsel malt man das düstere Bild von einer kommenden gänzlichen Isolierung unseres Vaterlandes an die Wand und zieht daraus die traurigsten Konsequenzen für unsere Zukunft. In leitenden Kreisen der deutschen Diplomatie aber wird die Stellung, die Deutschland auf dem politischen Schachbrett zur Zeit einnimmt, für eine so gefestigte angesehen, daß wir, ohne jede rosige Selbsttäuschung, zuversichtlich den kommenden Ereignissen entgegengen können. n einem Interview, das unser Berliner CB- Mitarbeiter mit einem bekannten deutschen Staatsmann hatte, entwarf dieser folgendes Bild der herrschenden politischen Konstellation: Es ist unbestreitbar, daß die Annäherung zwischen den Regierungen von Italien und Frankreich von den ungeteilten Sympathien der beiden Völker getragen wird. Sie sind, wie auch in den offiziellen Toasten hervorgehoben wurde, stammverwandt; sie haben die Empfindung ihrer Rassezusammengehörigkeit durch die Jahrhunderte hindurch bewahrt und teilmeise auch bestätigt. Allerdings ist die hohe Politik nicht immer den Spuren der Volksseele gefolgt. Wo immer auch große Ereignisse sich entwickelten, haben die beiden Nationen einander feindlich gegenübergestanden, weil das nordlateinische Volkstum, die Franzosen, fortgeschritten als Kulturnation und mit größeren politischen Machtmitteln versehen, stets die Tendenz hatte, die italienische Bevölkerung zu be= herrschen und seinen eigenen Interessen dienstbar zu machen. Die Zeit ist ja auch noch nicht allzu fern, da der französische Marineminister Belletan den vielerörterten Ausspruch tot: Korsika ziele Italien mitten ins Herz! Das alles ist in der jegigen Augenblick, in welchem die Gefühle heiß aufwallen, bollständig vergessen: die italienische Bevölkerung sieht in dem Besuch des französischen Staatsoberhauptes den Anfang zu einer neuen Machtgruppierung. Für die italienische Diplomatie ist die augenblickliche Stellung Italiens als Mitglied des Dreibundes und als anerkannter Freund Frankreichs außerordentlich bequem. Es fann bei der etwaigen Entwickelung gegensäßlicher Intereffen zwischen Deutschland und Frankreich aus dieser Pendelstellung erhebliche Vorteile ziehen. Und eines schmeichelt vor allen Dingen auch dem stolzen Römertum, daß nach einer Periode jahrelanger Depression die Staatsoberhäupter Europas der Reihe nach dem jungen Königspaare ihre Aufwartung machen und so die italienische Großmachtsstellung tatsächlich anerkennen. Es ist nun die Frage, ob die neue Entwickelung der Dinge tatsächlich der Beginn einer neuen europäischen Konstellation ist, bei der Deutschland die Rolle des Mauerblümchens spielen solle. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die englische und die französische Diplomatie auf ein solches Ziel losarbeiten. Der französisch- englische Schiedsgerichtsvertrag hat feinen anderen Zweck, als die Möglichkeit, internationale Konflikte aus der Welt zu schaffen, ehe noch Deutschland feine Flottenrüstungen beendigt hat und somit entscheidend an den Welthändeln teilnehmen kann. Zweifellos wird man an der Themse auch bemüht sein, die Interessengegensätze gegen Rußland auf dem Wege einer friedlich- schiedlichen Auseinandersetzung zu beseitigen und der erste Schritt auf diesem Wege ist das tatsächliche Angebot, in dem ostasiatischen Kriege als ehrlicher Makler für den Frieden zu arbeiten. Es ist sogar nicht unmöglich, daß bei dem friedlichen Sinn des Zaren Nikolaus und den guten persönlichen Beziehungen zwischen dem englischen und dem russischen Herrscherhause diese Bemühungen von Erfolg gekrönt werden. Ist in einem solchen Falle Deutschland nun isoliert? Um diese Frage zu beantworten, wird man sich erst klar darüber werden müssen, ob Deutschland eine aktive Politik überhaupt erstrebt. Wir sind, wie Fürst Bismarck seiner Zeit erklärte, ein gesättigter Staat. Auf dem Kontinent gehen wir auf Landerwerb nicht mehr aus. Ein anderes aber ist es, wenn draußen in der Welt, in den Kolonien, cine neue Güterberteilung vorgenommen werden sollte. Dann wird Deutschland selbstverständlich als Großmacht ein Wort mitsprechen wollen und diesem Zwecke dienen auch die großen Flottenrüstungen, die uns zu einer Weltpolitik größeren Stiles befähigen. Aber gerade jene Fragen der Weltverteilung sind auch die eigentlichen Konfliktsfeime der Gegenwart. Sind sie durch einen Ausgleich der Interessengegner beseitigt oder vermindert, dann schwindet auch die Gefahr friegerischer Verwickelungen und eine solche rung bei der Her eiführung einer rein passiven Politik kann Deutschland ohne Schaden seiner Großmachtsstellung eriragen. Daß die.nnäherung der verschiedenen Staaten eine aggressive Spike gegen Deutschland hat und die Gefahr triegerischer Auseinandersehungen s.. uns heraufbeschwört, is: durchaus unwahrscheinlic). Lafür ist Deutschland als Tästigsier Militärstaat der Welt und mit seiner aufblühendere Seewer ein zu ernste Faftor. Ein Staat mit solchen Machtmitteln kann nicht isoliert werden, wenn er sich dagegen sträuben will. Darum ist es auch nicht notwendig, Sen pessimistischen Stimmen der Gegenwart Gehör zu schenken und uns selber zu entmannen, indem wir das Veritaten uf unfere Macht und Größe verlieren. olieDer Eisenbahnerftreik beendet. Was für jeden nüchternen Beurteiler des ungarischen Eisenbahnstreiks gleich nach Tiszas erster Willensiußerung zu der Frage klar war, ist eher eingetreten, als man dachte: Der Streit ist beendet. Die Verhaftungen der Streifführer, die Tisza in seiner rücksichtslosen Energie vornehmen ließ, und die Drohung der Regierung, sie werde einen der Streifenden wieder anstellen, wenn sie nicht sofort pater peccavi sagten, haben gewirkt: Nachdem das bisherige Streiffomitee verhaftet war, erklärte die neu gewählte Streifleitung in der Nacht zum Montag den Streif- als öllig aussichtslos-- für beendet und erließ ein Manifest, das alle Streifenden zu sofortiger Wiederaufnahme des Dienstes auffordert! Dieser Aufforderung kamen die Eisenbahner denn auch in Budapest wie in der Provinz ungesäumt nach. Infolge= dessen ist der fahrplanmäßige Verkehr bereits auf allen Strecken der ungarischen Staatsbahn wieder im Gange, nur mit den Schnellzügen Hapert es noch. Doch dürften auch diese vom Dienstag ab vieder verkehren. Auch mit dem von den Sozialdemokraten angedrohten Generalstreit aller Arbeiterkategorien ist es nichts geworden. Die sozialdemokratische Parteileitung hat neuerdings erklärt, sie halte im gegenwärtigen Moment die Veranstaltung eines Generalstreifs für völlig unmöglich. Unter diesen Umständen dürfte ein in Großwardein von 15 000 Arbeitern etwas voreilig, in Ervartung des angekündigten Generalstreifs, in Szene gesetzter Ausstand binnen furzem resultatlos im Sande verlaufen. Graf Tisza will sich den Sieg über die Streifenden auch urch eine parlamentarische Debatte nicht verkümmern lassen. Angesichts der unnachgiebigen Haltung der Regierung erwartete man, daß in der Montagssigung des ungarischen Abgeordnetenhauses gegen die Regierung von der Opposition ein stürmischer Redefeldzug unternommen werden würde. Dem hat Tisza die Spize abgebrochen. Ehe noch ein Redner in der Sißung das Wort nehmen konnte, verlas der Ministerpräsident das königliche Defret, das die Ver= tagung des Abgeordnetenhauses auf unbestimmte Zeit ausspricht. Die Regierung hat also gesiegt. Graf Tisza ist ein rücksichtsloser Gegner, aber ein kluger Sieger. Und die Erwartung ist wohl nicht unberechtigt, daß die schwere wirtschaftliche Kalamität, die dieser Streit für Ungarn bedeutet hat, dem Grafen Tisza nahelegen wird, als Sieger großmütig und Klug den Eisenbahnern zu bewilligen, was sie ihm im Kampfe nicht abtrogen konnten. Der Herero- Hufftand. In der Kolonne Glasenapp herrscht der Typhus. Das ist die neueste, höchst unerfreuliche Nachricht aus Südwestafrika. Amtlich wird bekannt gegeben: Nach einem Telegramm des Gauverneurs Leutwein vom heutigen Tage steht die Kolonne des Majors v. Glasenapp seit dem 22. d. Mts. in Otjihaenena, wohin sie wegen Ausbruchs von Typhus marschiert ist. Bis jetzt sind 7 Todesfälle, Namen noch nicht gemeldet. Die Missionsstation Otjihaenena ist als Lazaret eingerichtet. Ueberraschend kommt die Nachricht nicht. Schon neulich wurde von einer Typhuserkrankung in der Kolonne Glasenapp berichtet, und angesichts der klimatischen Verhältnisse und der Größe der Anstrengungen der Truppen war eine Weiterverbreitung der Krankheit mit Sicherheit zit erivarien. Hoffentlich gelingt es, der Seuche Herr zu werden. Otjihaenena, wo die Kolonne jetzt biwatiert, liegt an der Südostspitze der Onjatiberge. Nach den letzten Nachrichten stand Glasenapp bei Onjatu, erheblich weiter nordwärts. Er scheint demnach die Onjatiberge auf der Ostseite umgangen zu haben. Unweit Otjihaenena liegt See is, wohin Oberst Leutwein jetzt unterwegs ist. Gegen die Schilderung, die jüngst in der Presse von dem Verhalten des Missionars Ha m mann und seiner Gattin gegenüber der Frau v. Falkenhausen gegeben wurde, mendet sich eine Zuschrift, um deren Aufnahme wir gebeten werden. Die Zuschrift enthält einen Auszug aus einem Briefe der Frau Missionar Hammann. In diesem Briefe schildert Frau Hammann, wie sie selber nebst einer anderen Missionarsfamilie in tiefster Not und Bedrängnis gewesen sei. Auf der Flucht sei der Starren, in dem sie mit Frau von Falkenhausen fuhr, stecken geblieben. Dann heißt es weiter: Bei den verzweifelten Bemühungen, die Karre ans Land zu bringen, zerbrach die Deichsel, und nun war alle Hoffnung, die Karre herauszubringen, dahin. Frau v. Falken. hausen mit ihren beiden Kindern und ich mit Karlchen saßen darin und mußten bis zum Morgen sitzen bleiben, denn in der Nacht konnte absolut nichts gemacht werden. Ich hatte die ganze Nacht genug zu tun, die Kinder festzuhalten, die immer herunterrutschten und ins Wasser zu fallen droh ten. Es war eine entsegliche Nacht. Endlich gelang es Langs Wagen aus dem Fluß zu bringen. Wir Durden aus der Karre in den Wagen gebracht, mußten aber alle Sachen im Stiche lassen.". Danach erscheint die Angelegenheit in einem anderen Lichte. Weiter wird in dem Brief erwähnt, daß die Misfionare Lang und Hammann, in Hohewarte angelangt, sich an der Verteidigung der dortigen Feste beteilig haben. Der Krieg in Oftalien. Wie es den Anschein hat, wird jetzt in die japanischen Operationen am Jalu ein frischerer Zug kommen. Die fremden Militairattachees bei der ersten japanischen Armee haben die Anweisung erhalten, sich für den 30. d. Mts. zum Aufbruch bereit zu halten. Zugleich mit den Militärattachees, die von den Japanern äußerst zuvorkommend behandelt und mit Pferden und Sattelzeug ausgestattet worden, rücken auch die Berichterstatter vor, so daß man nun, nachdem der japanische Aufmarsch gesichert ist, wohl endlich zuverlässige und schnelle Nachrichten bekommen wird. Die japanischen Operationen haben vorläufig Widschu als Stützpunkt, und eine ihrer vorgeschobenen Abteilungen hat nach einer Meldung des russischen Generals Kuropatkin bom 26. d. Mts. bereits den Fluß überschritten. Kuropatkin berichtet nämlich: Wie General Sassulitsch unterm 24. April meldet, wurde in den letzten Tagen bemerkt, daß die Japaner in der nächsten Umgebung von Widschu und beim Dorfe Sigu 15 Werst weiter stromaufwärts Pontons ausladen, Boote sammeln und das Material zum Bau einer Brücke beschaffen. Am 23. April setzte eine japanische Truppenabteilung, die aus etwa zwei Kompagnieen sowie einer kleinen Abteilung Kavallerie bestand, 15 Werst unterhalb Siaopusiches über den Fluß. General Sassulitsch hat Maßnahmen getroffen zur Unterstügung der russischen Feldwachen. Der Feind ist in geringer Stärke auch gegenüber Siaopusiche und bei Tenton gesehen worden. 20 Werst oberhalb von Siaopusiche haben die Japaner Vorbereitungen für das Ueberschreiten des Flusses getroffen. Im Gebiet südlich vom Jalu war am 24. April alles ruhig. Es ist sehr leicht möglich, daß die Ruffen auch größeren Uebergangsversuchen der Japaner feinen ernstlichen Widerstand entgegenseßen, sondern aus strategischen Gründen das rechte Flußufer räumen und sich in der Richtung gegen Mukden zurückziehen. In diesem Falle wird aber wahr. scheinlich um den Besitz der Gebirgspässe hart gestritten werden. Zu einer entscheidenden Schlacht dürfte es dann in der Gegend von Mukden kommen. Das Wladiwostok- Geschwader ist nach langer Pause wieder in Tätigkeit getreten. Es erschien plötzlich vor Gensan und bohrte dort den 1600 Tonnen großen japanischen Handelsdampfer Gocho Maru" in Grund, nachdem die Mannschaft an Land geschickt worden war. Nach kurzem Aufenthalt dampfte das Geschwader weiter. Daß es, wie Pariser Blätter wissen wollen, cinem japanischen Schlachtschiffgeschwader begegnet sei und sich ein Kampf entsponnen habe, ist wohl nur leere Kombination. Ebenso bedarf die Nachricht von einer angeblichen Beschießung von Niutschwang durch die Japaner erst der Bestätigung. beruhigte fie einigermaßen. ftrahlende Gefid tröstete diese noch selbst: Under airlich, Mutterchen, ten. fie immer für mich noch haft ift es ein für allemal verüber: dazu gefällt es mir auch viel zu gut in der Welt. Die Aber freilich, mit solchem Gedanken, wie du fechzig Jahre hindurch denke ich es auf Erden noch Gingeid tue ich mir nicht an, dazu habe ich dich viel zu lieb, so schlimm wird's nicht! ftrecte ich der Lä auf das wie alle Mietsofas anscheinend für geschlecht hergestellt war, ſo reichten Sofa. boriver jedoc icles Beine über die Pygmäenrischen Marsch finnig im Zimmer umher und hatte binnen wenigen Minuten mochte, denn er fuhr alsbald wie wahnleises Trommelten hrten, welches Molly für einen friegeSeitenlehne hinaus bis auf den Fuß, woselbst sie ein die letten Shuren hon Trau Die foll ein Leben auf Gefühle ban'n, Das Herz ist wandelbar, die Dinge bleiben. se etne mehr Gold fand als der andere. Der wollte mehr, der Gold zu suchen, so viel oder so wenig er Lust hatte. sollte der verheißene Schat, wenn er von einem gefunden Claim sugeteilt und es ihm überlassen wurde, barin nach ewigen, oft bis zum offenen Stampfe fich steigernden Streitig. follte weniger gearbeitet haben. Und zur Schlichtung der blieb nichts anderes übrig, als daß einem jeden sein Nur Die maritimen Operationen bei Port Arthur dürften für die nächste Zeit eine Einschränkung erfahren müssen, wenn es sich bewahrheitet, daß Das freischwimmende Minen im Gelben Meer umbertreiben. Aus Tokio wird hierzu berichtet: Die große Anzahl von zwischen Port Arthur und Dalny gelegten Minen, die bei einer Berührung zur Explosion gelangen, zwingt die japanischen Schiffsgesellschaften, welche den Dienst im Gelben Meer und an den Küsten von Petschili versehen, von jeder Fahrt über Tschemulpo hinaus abzusehen. Der japanische Kreuzer Asama" brachte eine Mine, die er 40 Seemeilen vom Vorgebirge Schantung entdeckte, zur Explosion. Herrschende Unwetter und reißende Strömungen haben eine große Anzahl der Minen von ihrem Plate fortgetrieben, mehrere sind bereits aufgefunden und unschädlich gemacht worden, aber man fürchtet, daß noch viele andere, die frei umherschwimmen, durch die Strömung nach Süden getrieben sein könnten. Die Schiffahrt ist daher selbst am Tage gefährlich und man hat bisher noch kein praktisches Mittel gefunden, um sich von dieser Gefahr zu befreien. Die Politik. Nachdem der Plan eines a Ile industriellen Verbände Deutschlands umfassenden neutralen Arbeitgeberverbandes gescheitert und statt dessen unter dem Namen„ Hauptstelle des Arbeitgeberverbandes" von dem Zentralverbande deutscher Industrieller eine Teilorganisation begründet worden ist, wollen nunmehr die dieser Teilorganisation nicht angehörigen Verbände unter sich einen Zusammenschluß herbeiführen. Sie wollen selbst einen Arbeitgeberverband bilden und dann mit der Hauptstelle eine Art Kartellverhältnis eingehen, um in Fragen, die ein geschlossenes Zusammengehen aller deutschen Arbeitgeber erheischen, die gesamte Macht der deutschen Arbeiterschaft zusammenfassen zu können. Innerhalb acht Wochen soll eine Versammlung einberufen werden, die hierüber weitere Beschlüsse fassen wird. Italien. Decr und flotte. Ein neuer englischer Schiffstyp. Eine vollständig neut Kriegsschiffklasse wird in England gebaut. Es handelt sich um eine Klasse, die den Namen„ Scoutklasse" erhalten soll. Diese Schiffe sollen die Funktionen der Torpedobootszerstörer und der geschützten Kreuzer soweit als möglich miteinander vereinigen. Die Schiffe erhalten eine Fahrgeschwindigkeit von 25 Seemeilen, und werden in der Lage sein, 4000 Seemeilen zu fahren, ohne neue Sohlen einnehmen zu müssen. Das Deplacement beträgt ungefähr 3000 Tonnen. Der Schutz wird in dreizölligen Panzerplatten bestehen und die Armierung in 10 3wölfpfündern, 8 Dreipfündern und zwei achtzehnzölligen Decktorpedorohren. A In Rom eingelaufene Depeschen wissen von einem neuen Sieg über den Mullah zu berichten. Auf seinem schleunigen Rückzug von den Engländern wurde der Mullah, als er auf italienisches Gebiet übertreten wollte, von den Migurtinern, einer unter italienischem Protektorat stehenden Völkerschaft, angegriffen und in einer, blutigen Schlacht zurückgeschlagen. Wohin re sich jetzt gewendet hat, weiß man noch nicht. Frankreich. Chinesische Offiziere in der preußischen Armee. In den nächsten Tagen werden acht chinesische Offiziere ins preußische Heer eingereiht werden und zwar sämtlich in Kasseler Regimenter. Sie haben auf einem dortigen Pädagogium bereits einen Kursus speziell in der deutschen Sprache absolviert. Sie müssen nach Vorschrift des Kriegsministers eine besondere von der preußischen abweichende Uniform tragen. Deutfcher Reichstag. bare Explosion. Die Mischhütte wurde turmhoch in die Luft geschleudert. Ein Verlust an Menschenleben ist aber nicht zu beklagen, nur ein Wertmeister erlitt unbedeutende Verlegungen. Durch eine Explosion schlagen der Wetter wurden auf der der Vereingungsgesellschaft gehörigen Grube„ Maria" in Kohlscheid drei Personen schwer verletzt. Sie erlitten schreckliche Brandwunden. Einer der Verletzten, ein Vater von zwölf Kindern, starb alsbald. Die beiden anderen sind in das Hospital eingeliefert worden. Gine gewaltige Feuersbrunst hat in der Londoner Geschäftsgegend, der City, gewütet. Dem verheerenden Element fielen nicht weniger als vier riesige Warenhäuser zum Opfer. Der Schaden wird auf viele Millionen geschätzt. Von einem Irrsinnigen überfallen. Welchen Gefahren die Irrenärzte in ihrem schweren Beruf ausgesezt sind, geht aus folgendem Bericht aus der Frrenanstalt Stephansfeld hervor. Dort wurde der Direktor Sanitätsrat Dr. Torster von einem seiner Patienten überfallen und durch einen Stich in den Unterleib lebensgefährlich verlegt. Bunte Chronik. In Breslau fielen gestern beim Referendariatsexamen sämtliche vier Kandidaten glatt durch. In Nauen bei Spandau erschlug die Ehefrau des Dachdeckers Albert Beeskow ihren Mann mit einem Beil und erhängte sich dann. Lokales. 27. April 1904. X außerordent tag wurde berigen Gö trägt wie geftellte Bo A Ge diefen Tage Robheimerf * D P.-A. Nachdem seitens des Ministeriums dem„ Natio= nalen Gesangswettstreit zu Gießen", gestattet worden ist, bereits am ersten Feiertage Gesamtchöre unit Orchesterbegleitung aufzuführen, ist ein volles Einsehen des Festes schon für diesen Tag gewährleistet. Unsere Stadt wird sich infolgedessen zur Aufnahme noch zahlreicherer Gäste zu rüsten haben, als man früher annehmen konnte. So ist z. B. von Kassel statt 100 Sänger die doppelte Bahl angemeldet. Der Wohnungsausschuß, dem die Pflicht obliegt, diesen Menschenzufluß in unserer Stadt unterzubringen, ist damit vor eine schwere Aufgabe gestellt. Er hat seine Tätigkeit bereits aufgenommen, wird jedoch mehr wie je mit der Gastfreundschaft der einzelnen Einwohner Gießens zu rechnen haben. Wir machen auf den diesbezüglichen Aufruf in dieser Nummer aufmerksam. Unsere Stadt genießt den Ruf großer Gastlichkeit und wird ihr hoffentlich auch für diese städtischen Festtage zu wahren wissen. ( 76. Sizung.) CB Berlin, 26. April. Heute wurden zunächst die drei mit verschiedenen Staaten geschlossenen Abkommen über das internationale Privatrecht Eheschließung, Trennung, Vormundschaft ohne wesentliche Diskussion endgültig angenommen. Dann folgte die zweite Beratung des Gesezentwurfs betreffend die Krankenfürsorge für Seeleute, die etwas mehr Zeit in Anspruch nahm, weil die Sozialdemokraten den Versuch machten, weiter gehende Bestimmungen in die Vorlage aufzunehmen. Vergeblich war der Hinweis, daß hier ein Versprechen von der Regierung eingeführt werde, dessen Erfüllung die äußerste Linke selbst so schnell gar nicht erwartet hätte, da das Gesetz den Seeleuten im wesentlichen die gleiche Krankenfürsorge bringe, die die Arbeiter bereits haben. Die Sozialdemokratie beobachtete auch hier den Grundsatz alles oder nichts und stimmte, da ihre Anträge abgelehnt wurden, gegen die einzelnen Artikel. Aber sie blieb in der Negation allein, die bürgerlichen Parteien nahmen die Vorlage mit einer für die Geschäftslage bezeichnenden und durch diese bedingten Aenderung an. Als Tag des Inkrafttretens war der 1. April vorgesehen, heute haben mir bereits den 26.; der Meichstag setzte daher den 15. Mai ein. Nachdem dieser Punkt der Tagesordnung erledigt war, kam endlich die No- velle zum Börsengesetz an die Reihe, die vom preußischen Handelsminister Möller begründet wurde. Er schilderte die wirtschaftlichen Nachteile, die die Bestimmungen des Börsengesetzes über das Termingeschäft gehabt hätten, nannte aber die moralischen Folgen für den kaufmännischen Verkehr, die Verlegung von Treu und Glauben noch schlimmer. Diesem Bruch von Treu und Glauben für die Zukunft vorzubeugen sei der erste Zweck der Novelle. Für den Konservativen Grafen Kanib ist das Verbot des Getreideterminhandels der Kern des Börsengesetzes. Wird das Verbot so modifiziert, wie die Novelle vorschlägt, so bleibt nach seiner Meinung von dem ganzen Börsengeset eigentlich nichts übrig. Graf Kanit nahm also einen in der HauptSache entschieden ablehnenden Standpunkt ein und er begründete seine Opposition so temperamentvoll und polemisch, daß ihm nicht nur seine speziellen Freunde auf der Rechten, sondern alle mehr oder weniger agrarisch gesinnten Parteien lebhaften Beifall zollten. Nach einer Erwiderung des Regierungsvertreters vertagte sich das Haus auf morgen. Ein eigenartiger Streit ist in Marseille ausgebrochen: Die Offiziere der Handelsmarine streifen! Der Grund für diesen Streik ist das Verhalten der Matrosensyndikate gegenüber den Offizieren. Diese Matrosenbereinigungen treten ebenso wie die ihnen angehörigen einzelnen Matrosen- den Offizieren störrisch und grob gegenüber, fordern immer neue Rechte für die Mannschaft und gefährden die Disziplin auf den Schiffen. Diesen Terrorismus wollen sich die Offiziere nicht länger gefallen lassen. Die unmittelbare Veranlassung zu dem seltsamen Streik gab die Forderung der Matrosen eines Handelsschiffes, daß zwei Offiziere, die sie der allzu großen Strenge beschuldigten, entlassen würden. Sie drohten den Reedern mit der Niederlegung der Arbeit, wenn ihre Wünsche nicht erfüllt würden. Auch die Strafbehörden sehen die Verfehlungen der Matrosen nach Ansicht der Offiziere mit allzu nachsichtigen Augen an und untergraben dadurch die Disziplin. Die Streifenden haben aus Havre und Bordeaux schon die Zusicherung erhalten, daß die dortigen Offiziere der Handelsschiffe unter Umständen ihrem Beispiel folgen würden. Spanien. Schon wieder wird aus Madrid ein Attentat auf den spanischen Ministerpräsidenten Maura gemeldet. Danach soll zwischen Alicante und La Encina gegen den Eisenbahnwaggon, in dem Maura saß, ein Schuf abgefeuert worden sein. Die Kugel, die in die Decke des Waggons eindrang, habe aber keinen Schaden angerichtet. Wenn's wahr ist! Türkei. Zwischen der Türkei und Griechenland ist ein diplomatischer Konflikt ausgebrochen. Ein Beamter des griechischen Konsulats in Smyrna geriet bei einer Ueberschreitung seiner Befugnisse in Streit mit einigen türkischen Soldaten und schoß auf sie. Natürlich schossen sie wieder und dertoundeten ihn und zwei seiner Kawassen( Polizisten). Daraus wollen die Griechen eine große Haupt- und Staatsaftion machen und gleich ihre Flotte nach Smyrna schicken, um sich ,, Genugtuung" für die Uebergriffe ihres Konsularbeamten zu holen. Größenwahn! Hof und Gesellschaft. Preussifcher Landtag. Haus der Abgeordneten. ▷ Gießen Eine Gesellschaft für experimen= telle Psychologie hat sich bei dem in Gießen vom 18.- 21. d. M. stattgehabten Kongreß für experimentelle Psychologie gebildet. Der Vorstand besteht aus den Herren Prof. Dr. E. Müller- Göttingen als Vorsigenden, Ebbinghaus Breslau, S. Eyner- Wien, Külpe- Würzburg, SommerGießen, ferner Schumann- Berlin als Schriftführer. Die Gesellschaft bezweckt die Förderung der experimentellen Psychologie und aller verwandten methodisch- psychologischen Bestrebungen. hat der Bef rateur Ja Anfang зи Δ( mann& A wir gefterr fondern 14 +$ bom 1. bon Buz nachmittag und bis von Lich * Be Bufammen es fich nu über die G Städtevert punft, den Beschliffen ***( Hauptversammlung.) Unter dem Vorsiß des Herrn Provinz aldirektors Dr. Breidert fand gestern nachmittag im Neuen Saalbau hierselbst eine Hauptversammlung des Die Vera landwirtschaftlichen Bezirksvereins Gießen statt handlungen hatten folgendes Ergebnis: Als Stellvertreter des nach Friedberg verzogenen Dekonomierats Schlenke wurde Herr Dekonomierat Hoffmann- Hof- Gill und an Stelle des nach Mainz verseßten Herrn Regierungsrats Dr. Heinrichs, Herr Rechtsanwalt Sandmann in Hungen als Abgeordneter zum Ausschusse des landwirtschaftlichen Provinzialvereins gewählt. Die Wahl eines Sefretärs des Bezirksvereins fiel auf Herrn Kreisamtmann Hechler. In den Ausschuß des landwirtschaftlichen Bezirksvereins wurden folgende Herren gewählt: Stadtverordneter Helfrich- Gießen, Pächter SchuchardNeuhof, Rentner E. Zimmer- Bingmühle bei Lauter, Rechner Lang- Wieseck, Landwirt W. Weil- Lang- Göns, Oberbürger meister Mecum- Gießen, Kreisamtmann Dr. KranzbühlerGießen, Kreisveterinärarzt Schmidt- Gießen, Bürgermeister Krämer- Steinbach, Bürgermeister Leun- Großen- Linden, Bürgermeister Zimmer- Grünberg, Bürgermeister Lang- Odenhausen, Bürgermeister Köhler Langsdorf, Bürgermeister Schneider Utphe, Bürgermeister Heller- Lich, Bürgermeister Buttron- Hungen, Pächter Klein- Hof- Albach und Heinrich Feldmann- Lauter. ( 61. Sizung.) RK. Berlin, 26. April. Der Etat des Ministeriums des Innern, der in der gestrigen Abendsitung schon zur Debatte stand, wurde heute nach kurzem Wortgeplänkel genehmigt. Zum Kultusetat, der dann unter die Lupe der dritten Resung genommen wurde, lag ein Antrag der Budgetkommission vor, die Staatsregierung zu ersuchen, Erwägungen anzustellen, ob der Betrag von 200 000 Mark an Ostmarkenzulage für Lehrer und Lehrerinnen dem Bedarf genügt, und nötigenfalls in den nächsten Etat einen höheren Betrag einzusteйen. Ein weiterer Antrag Kreth( frk.) fordert die Regierung auf, außer in Posen und Westpreußen auch in den Provinzen Ostpreußen und Schlesien Zulagen zu gewähren. Schließlich verlangte ein Antrag Frhr. v. Zedlitz( frk.), daß die Summe auf 250 000 Mark erhöht und diese Erhöhung durch Nachtragsetat oder spätestens im nächsten Staatshaushaltsetat vorgenommen werde. Die Debatte war ziemlich lebhaft. Kultusminister Dr. Studt erklärte schließlich: Eine so beträchtliche Ausdehnung der Zulage, wie sie der Antrag Kreth wünscht, würde die Gewährung von Zulagen überhaupt illusorisch machen und die Regierung außer Stand setzen, den Lehrern in Posen und Westpreußen angemessene Zulagen zu gewähren. Finanzminister v. Rheinbaben sprach die Zustimmung der Staatsregierung zum ersten Teil des Antrags Zedlitz aus. Falls die angestellten Ermittelungen ein Bedürfnis nach Erhöhung des Fonds ergeben, sei er bcreit, im nächsten Jahr eine weitere Erhöhung eintreten zu lassen. Die Abstimmung ergab die Ablehnung des Antrags Kreth und die Annahme des Antrags Zedliz. Dem Kaiser ist in Venedig ein enthusiastischer Empfang bereitet worden. Die„ Hohenzollern" ging gestern früh von Malamocco, wo sie während der Nacht geankeri hatte, nach Venedig hinein. Ein reich geschmückter Dampfer mit Musik und mit den Mitgliedern der Deutschen Kolonie war herausgefommen und begleitete die Hohenzollern" ebenso italienische Torpedoboote. Ihnen schlossen sich auf dem Wege zahlreiche Dampfer, Boote, Ruderklubs in altvenezianischen Bruntbooten und hunderte von Gondeln mit feftümierten Gondolieren an. Die Brücken, die Fenster der Paläste und die Ufer waren dicht von jubelnden Menschenmengen besetzt. Als die„ Hohenzollern" um 10 Uhr 30 Minuten an der Boje gegenüber dem Dogenpalaste unter dem Salut der Geschise festmachte, wollten die Hurras, Evvivas und das Händeklatschen kein Ende nehmen. Der Kaiser stand auf dem Oberdeck und dankte fortgesetzt. Kostbare Blumenarrangements wurden an Bord abgegeben. Nachdem der Kaiser einen Vortrag des Grafen v. Hülsen- Häfeler gehört hatte, begab er sich in der Nudergig zu einem Besuch bei der Gräfin Morosini. Die Stadt ist reich beflaggt; von den drei Masten vor dem Dom wehen italienische Fahnen. *** Der Besuch des französischen Präsidenten Loubet in Rom fand seinen Glanzpunkt vor der Deffentlichkeit in einer großen Parade, bei der Loubet und die Königin zu Wagen die Front der Truppen abfuhren, während der König zu Pferde folgte. Die Trinksprüche bei dem Galadiner im Quirinal gingen über höfliche Freundschaftsversicherungen nicht hinaus. An die Tafel schloß fich eine Vorstellung im Theater Argentina. In Neapel traf gestern das französische Geschwader zur großen Flottenrevue ein. Nah und ferm. Der Streif der Rechtsanwälte in Lörrach, die seit einigen Wochen wegen Differenzen mit einem Richter vor dem dortigen Amtsgerichte nicht mehr plädierten, ist als beendet zu betrachten, nachdem die beim Ministerium eingereichte Beschwerde eine entgegenkommende Erledigung gefunden hat. Der Beamte, gegen den sich die Beschwerde richtete, ist unter Beförderung zum Landrichter an das Landgericht Waldshut bersetzt worden. Blutiger Kampf zwischen Ansständigen und einem Arbeitswilligen. In Köln kam es zu einem folgenschweren Renkontre zwischen ausständigen Erdarbeitern und einem Arbeitswilligen: Die Ausständigen überfielen den letzteren in der Nacht, nachdem sie ihn schon tags vorher mißhandelt hatten. Diesmal aber war er gerüstet. Er trug einen Revolver bei sich und verwandte diesen so nachdrücklich gegen die Angreifer, daß er einen von ihnen tötete und zwei andere sehr schwer verwundcle. Er selbst wurde allerdings auch schwer verletzt und mußte ein Krankenhaus aufsuchen. A Explosion in einer Pulverfabrik. In der Mischhütte des Rudersdorfer Bulverwerfe? bei Graz erfolgte eine furcht* Schlüffe w Kommunal Mitglieder ** und Instal ab. Bert Gießen Beerfelden wobei erm Süddeutscher Verband f einigt habe und Install Faber a Kollegen in bei gehegte übertroffen Worms a ** Eine durchgreifende polizeiliche Re vision wurde gestern in Gießen bezüglich der Anmeldung in Stadt und Gemarfung beschäftigten ausländischen Arbeiter vorgenommen, wobei festgestellt ist, daß eine große Anzahl dieser Leute nicht gemeldet, ja überhaupt ein ordent liches Unterkommen nicht hatten, indem solche teilweise in sogenannten Feldscheuern ohne vorschriftsmäßiges Lagermaterial fampieren. Es werden diejenigen Gewerbetreibenden ( Arbeitgeber), welche Gewerbsgehilfen, Gesellen, Lehrlinge pp. in ihre Dienste aufnehmen, darauf aufmerksam gemacht, daß sie nach§ 8 der Melde- Ordnung für die Stadt Gießen zur Anmeldung verpflichtet sind. Evenso sind diejenigen, welche andere bei sich in Schlafstelle aufnehmen, von jeder Aufnahme binnen 24 Stunden zur Anmeldung verpflichtet. ***( Verhaftung.) Wegen mit einem 8 Jahre alten Mädchen begangenen unzüchtigen Handlungen wurde gestern ein 66jähriger Mann von Gießen verhaftet. *** Die Steuerzettel sind ausgetragen und mancher steht vor der Frage wie soll ich meine Reklamation einreichen, ohne mich in meiner Arbeit aufzuhalten und ohne viel Geld auszugeben." Für die Abonnenten unsrer Zeitung werden Steuer- Reklamationen gratis angefertigt, sowie Rat in Steuersachen erteilt( siehe heutiges Inserat). * findet in ** lige Gesell wird vom Odenwalde ** Lo 40 Jahren beschäftigt. Arbeiter *** Das Gewerkschaftsfartell Gießen veran staltet am nächsten Sonntag im Licher Walde I. Schneise rechts eine Maifeier, verbunden mit Tanzbelustigung und Konzert. Ein Festzug bewegt sich von Oswaldsgarten durch die Stadt nach dem Wald. Jo ift am Sch noch nicht tranft. A G R. Ritte zucht befd während das Es ist dies flügelzucht in A Gri 6. 78. ift d von hier. Gu Ge Vorteilhaft Direkter von der Fabrik fü Ausfall d. Händl Di Fahrradfabrik Act- Ges., geg Duisburg- Wa versendet zu Händ Fahrräder u Zub Preisliste umsons Mantel schon zu Schläuche " 1 la. Fahrräder 11 ١١ och in die Luft t aber nicht zu deutende Berurden auf der Maria" in erlitten schred ein Vater von nderen find in Londoner Geeerenden Ele renhäuser zum geschätzt. Ichen Gefahren ejest find, geht Stephansfeld at Dr. Loriter rch einen Stidh ern beim Refelatt durch. e Ehefrau des nit einem Beil April 1904. dem„ Natio= Ben", gestattet Besamtdhöre mit Eins gen des Unsere Stadt ch zahlreicherer nehmen konnte. er die doppelte dem die Pfligt unterzubringen, Er hat seine mehr wie je ohner Gießens diesbezügliche Stadt geni offentlich n. experimen n Gießen bom r experimentelle aus den Herren Benden, Ebbing burg, Sommeriftführer. Die experimentellen piychologischer dem Vorsiz des tern nachmittag ersammlung dis tatt Die Ver 18 Stellvertreter Schlenke wurde Dan Stelle de & Dr. Heinri le Abgeord inzialverein zirksvereins fil Ausschuß des Folgende Herren hter Schuchard Cauter, Rechner , Oberbürger KranzbühlerBürgermeister en- Linden, Bür ter Lang Oden Bürgermeister Bürgermeister nd Heinrich Feld zeilige R der Anmeldu sländische , daß eine groß haupt ein ordent × Männerturnverein Gießen. In der außerordentlichen Mitgliederversammlung am legten Samstag wurde der Antrag, den Mitgliederbeitrag auf der seitherigen Höhe zu belassen, angenommen, und der Beitrag beträgt wie seither 1.50 Mt. für das Vierteljahr. Der aufgestellte Voranschlag für 1904/05 wurde gutgeheißen. A Seinen 100jährigen Geburtstag feiert in diesen Tagen der Geometer 1. Klasse, Gg. Eu ler, in Gießen, Rodheimerstraße 50. * ** Das Gasthaus„ Zum Löwen" zu Gießen hat der Besizer, Dachdeckermeister Carlé, an den Restaurateur Jastowsky verpachtet. Letterer wird die Pacht zu Anfang Mai antreten. A( Berichtigung.) Das von der Firma Abermann& Kling in Gießen erworbene Gelände hat nicht, wie wir gestern falsch berichteten, einen Flächeninhalt von 48000, sondern 14800 Quadratmetern. + Auf der Eisenbahnstrecke Buzbach- Lich wird vom 1. Mai ab an den Sonntagen ein Zug eingeschaltet, von Bußbach um 3 Uhr nachmittags abgehend. Der Zug nachmittags um 7.30 Uhr ab Butzbach wird früher gelegt und bis Lich durchgeführt, sodaß man gegen 2 8 Uhr noch von Lich nach Bußbach gelangen kann. * Bei der vorige Woche in Darin st adt stattgehabten Zusammenkunft der Vertreter der hessischen Städte, bei der es sich nur um die Beratung des neuen Gesezentwurfes über die Gemeindeumlagen handelte, stellten sich die hessischen Städtevertreter im großen und ganzen auf denselben Standpunkt, den auch der hessische Handelskammertag in seinen Beschlüssen zum Gesezentwurf eingenommen hat. Die Beschlüsse werden demnächst im Druck erscheinen und den Kommunalverwaltungen der beteiligten Städte und den Mitgliedern der Stadtverordneten- Versammlungen zugestellt. *** Der Ausschuß des Verbands hessischer Spengler und Installateure hielt am Sonntag zu Worms eine Sigung ab. Vertreten waren die Bezirke Darmstadt, Mainz, Bingen, Gießen, Alsfeld, Büdingen, Offenbach, Groß- Biberau, Beerfelden. Die Beratung der Statuten wurde vorgenommen, wobei erwähnt wurde, daß der hessische Verband sich an den süddeutschen Verband anschließen werde. Da der süddeutsche Verband sich bereits mit dem norddeutschen Verband vereinigt habe, so sei über ganz Deutschland das Spengler und Installationsgewerbe in einem Verband vereint. Herr Faber aus Gießen machte Mitteilungen, wie sich die Kollegen in ganz Oberhessen zusammen vereinigen. Die dabei gehegten Erwartungen seien in höchst erfreulicher Weise übertroffen worden. Der nächste Verbandstag soll in Worms abgehalten werden. Die nächste Ausschußsißung findet in Bingen statt - ***„ Der Birkhahn hält nun seine Balz, der drollige Gesell', er tanzt und fämpft jest jeden Morgen" so wird vom Orber Reissig und aus verschiedenen Bezirken des Odenwaldes gemeldet. *** Lollar, 25. April. Eine Anzahl Arbeiter sind seit 40 Jahren und länger auf der hiesigen Main- Weser- Hütte beschäftigt. Aus diesem Anlaß soll am 7. Mai ein großes Arbeiterfest, von dem Werke veranlaßt, gefeiert werden. Holzheim, 26. April. Ein Teil unserer Schulkinder ift am Scharlachfieber erkrankt. Trotzdem bis jezt Sterbefälle noch nicht vorgekommen, sind doch einige ernstlich erfrantt. A Grünberg, 27. April. Wie wir hören, ist Herr R. Ritter von hier mit der Anlage einer Geflügelzucht beschäftigt. Das Vogelhaus ist bereits bevölkert, während das Geflügelhaus seiner Vollendung entgegengeht. Es ist dies wieder ein erfreulicher Beweis, daß die Geflügelzucht in unserer Gegend immer mehr Eingang findet. A Grünberg, 27. April. Beurlaubt bis zum 18. Mai d. Is. ist der Großh. Kreisveterinärarzt Ne unhöffer von hier. Während dieser Zeit hat der Großh. Kreisveterinärarzt Schmidt zu Gießen die Vertretung für die Ge-| meinden des Kreises Gießen übernommen. ▲ Ehringshausen. Tot aufgefunden mit zubursche der zwischen Ehringshausen und Schellnhausen gelesammengedrückter Brust wurde am letzten Freitag der Mühlgenen Mühle. = Hersfeld, 26. April. Hier hat sich unter dem Namen„ Hersfelder Brunnengesellschaft" eine Aktiengesellschaft mit 48000 Mt. Rapital gebildet, welche die vor dem Johanwill. nistore in früherer Zeit vorhanden gewesene, aber verloren gegangene Mineralquelle durch Bohrungen wieder aufsuchen Frankfurt a. M., 26. April. In einem Hotel in der Großen Friedberger Gasse wurde in vergangener Nacht allen Reisenden das Schuhwerk gestohlen. ** * gemorderen Kinder Sophie und Elisabeth Bender wurden am Frankfurt a. M., 25. April. Die von ihrem Vater seligen Karren lagen zwei schmucklose kleine Särge. Das Samstag ohne Sang und Klang beerdigt. Auf einem arm Trauergefolge bildeten der Friedhofskommissar, zwei Totengräber und zwei zufällig hinzugekommene fleine Mädchen. Kein Geistlicher war erschienen. Sprechen wir ein stilles Gebet! sagte der Friedhofskommissar. Damit war die Trauerfeier beendigt. Auf eine Anfrage erklärte später die Friedhofsverwaltung, die Familie Bender hätte keine Anordnungen für die Beerdigung getroffen. Gut gesagt: Der Vater ſigt im Loch und die Mutter liegt im Krankenhause! *** Darmstadt, 26. April.( Militärdienstnachricht.) Generalmajor von Zastrow, Kommandant von Mainz, in Genehmigung seines Abschiedsgesuchs mit der gefeßlichen Pension zur Disposition gesteЛt. der Großh. außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte + Darmstadt, 26. April. Am gestrigen Tage beging Minister am Königlich Preußischen Hofe, Bevollmächtigter zum Bundesrat, Wirklicher Geheimerat Dr. Karl v. Neid hardt in voller geistiger und körperlicher Frische und Rüftigkeit sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum. Herr v. Neidhardt gehört nunmehr 32 Jahre als Bevollmächtigter dem Bundesrate an und fungiert seit nahezu 28 Jahren zugleich als Großh. Gesandter am Königlich Preußischen Hof. Er hat in dieser Zeit und in diesen Stellungen sowie vorher durch seine langjährige Tätigkeit im Staatsministerium zu Darmstadt Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog und Allerhöchstdessen Vorfahren, unserem Lande und dem Reiche in treuester und hingebendster Pflichterfüllung ausgezeichnete, hervorragende Dienste geleistet. Dankbar gedenkt man dessen und hegt den herzlichen Wunsch, daß es dem Jubilar vergönnt sein möge, noch lange Jahre in ungeschwächter Schaffenstraft zu wirken. Der Großherzog hat dem Jubilar das Großkreuz des Ludewigs Ordens der= liehen. Pfungstadt erhält nun Kanalisation. Die Anlage foftet 110 000 Mart. XBischofsheim, 25. April. Dem Kaiser wird bei Landwirt Becht aus Delfenbein, der älteste Soldat und seiner Durchfahrt durch unsern Ort der 101 Jahre alte Unteroffizier der preußischen Armee, vorgestellt. Aus Franken, 25. April. Durch anonyme Briefe in den Tod getrieben wurde die 23 jährige Defonomentochter Dorbath in Heidingsfeld. In den Briefen, die sie seit einiger Zeit von einem Unbekannten erhielt, wurde ihr mitgeteilt, sie werde von ihrem Bräutigam hintergangen. Das hatte sich das Mädchen allmählich in den Kopf gesezt und war zulegt völlig frübsinnig geworden. Jetzt machte es feinem Leben im Main ein Ende. Vieh- und Krämermärkte in Oberhessen. Gießen: 10. und 26. Mai, 7. und 28. Juni, 19. Juli, ( Zeichenerklärung: K.: Krämermarkt, V.: Viehmarkt.) 2. und 16. August, 6. und 27. September, 11. und 25. Oftober, 22. November und 13. Dezember( je 2 Tage), K. V. Gute Feldbrandsteine AAA in kleineren und größeren Posten hat vom 20. Mai ab dauernd abzugeben Gewerkschaft Elisenburg, Grünberg Grube Stangenrod bei Lumda. Vorteilhaftes Angebot! olche teilweise in mäßiges Lagermo Gewerbetreibendes ellen, Lehrlinge fam gemacht, da Stadt Gießen zut diejenigen, weld von jeder Auf verpflichtet. einem 8 Jahr andlungen wurd berhaftet. aufgetragen und meine Reflamation fzuhalten und ohn Direkter Bezug von der Fabrik für Private unter Ausfall d. Händleraufschlags! Die ten unfrer Beit Fahrradfabrik ,, Schwalbe"| erat). Act.- Ges., gegründet 1896, Duisburg- Wanheimerort ver sendet zu Händler- Preisen ihre Fahrräder und efertigt, fowie R [ Gießen bera Walde I. Schne Cangbeluftigung swaldsgarten burd Zubehörteile. Preisliste umsonst und portofrei. Mäntel schon zu ca. 4,20 Mk. Schläuche " la. Fahrräder " دو 2,80" 69." Pinsel Särge Lacke Larben Carl Zimmermann, in Metall und Holz in jeder Preislage. für alle Zwecke gut u.billig bei: Emil Fischbach Giessen. Prima Apfelwein empfiehlt stets frisch Deutsches Haus, Gießen.[ Die Ueberführung von Leichen nach auswärts erledige prompt Ordentliche, zuverlässige Zeitungsträger für sofort gesucht. Zu melden in der Expedition d. Bl. Seltersweg 83. Oftanlage 18 4 Zimmerwohnung( Mansarde) an rubige Familie per sofort oder später zu vermieten. H. W. Rins, Gießen Landgrafenstraße 3. egzugsbalber ist eine ange= nehme komfortable Wohnnug mit 3, respektive 4 Zimmern, Carl Zimmermann, mit Bleichplay u. etwas Grabland von einer Lehrersfamilie beinahe 9 Jahre bewohnt, bis zum 1. Gießen, Dammirake 43. und Bestattungskommiffär des Juni d. J. zu vermieten. Mainzer Crematoriums, Neuen Bäue 15. Friseurlehrling fofort gesucht. Schöne Wohnung, ( 4 Zimmer), mitten der Stadt ge= Ferd. Rff, Gießen, Neuenbäue21. legen, billig zu verm. Brandplay 14 ist der 4. Stock: 4 Zimmer, Küche, Badezimmer, Mansarde und allem Zubehör vom 1. Juni ab zu ver: mieten. Birkenstock& Schneider Nah. in der Erv. d. Bl. preiswert zu vermieten. Schön möbl. Zimmer Gießen, Sonnenstraße 29. Kleine Wohnung zu vermieten Gießen, Gr. Mühlgasse 4. Grünberg: 5. Mai, 23. Juni, 27. Juli, 25. August, 19. Oktober( 2 Tage), 17. November( 2 Tage), K. V.; 24. Mai und 31. Dezember, K. Hungen: 14. März, 9. Mai, 27. Juni, 15. August, 26. September, 1. November, 12. Dezember, K. V. Alsfeld: 24. Mai, K.; 9. März, 13. Juli, 28. SepButzbach: 19. Mai, 6. Oftober, 22. November( tags tember, 9. November, K. V.; 9. Mai, 29. Aug., B. zuvor K.) und 22. Dezember, K. V. K. V. Büdingen: 18. Oktober V.( tags hern. K.); 26. April Darmstadt: 26. April, 27. Sept.( je 5 Tage) Messen; 16. Mai, 10. Oftober( je 3 Tage) Pferde und Fohlen. Alle 14 Tage Dienstags V. Frankfurt: 31. August 3 Wechen Messe; 11. April, 10. Oftober( je 3 Tage), Pferde; 10. August, 7. und 28. September. Friedberg: 25. Oktober, Pferde; 13. Mai, 15. Juni, Nidda: 11. Mai, 15. Juli, 5. Sept., 9. November, 13. Juli, 26. Oftober, 23 November, 21. Dez., K. V. 7. Dez., K. V. Aus dem Gerichtssaal. Straffammer. Gießen, den 26. April 1904. Der noch jugendliche, aber bereits vielfach vorbestrafte Taglöhner Emil Weber von Bornheim hat dem Kaufmann Wörner von Bad Nauheim ein Fahrrad gestohlen. Urteil: 10 Monate Gefängnis. Der zu Franffurt a. M. wohnhafte Reisende Wilhelm Hansult von Wieseck prellte drei Gießener Wirte um erhebliche Zechen. Ein Monat Untersuchungshaft wird mit Rücksicht auf das Urteil: 10 Monate Gefängnis und 5 Jahre Ehrverlust. Geständnis auf die erkannte Strafe angerechnet.- Unter der Anklage, den Knecht Karl Schreiner zu Wohnfeld körperlich verlegt zu haben, hatten sich die Landwirte Heinrich Schneidmüller und Heinrich Scharmann dortselbst vor dem Schöffengericht Ulrichstein zu verantworten. Während Schneidmüller freigesprochen wurde, erhielt Scharmann eine Geldstrafe von 75 Mt Die Staatsanwaltschaft verfolgte gegen diese Erkenntnis Berufung, welche zu dem Ergebnis führte, daß Schneidmüller mit 14 Tagen Gefängnis belegt und Scharmann freigesprochen wurde. Der Taglöhner Ernst Ranft von Grünberg wurde durch das dortige Schöffengericht wegen einer an den Eheleuten Heinrich Stod begangenen Körperverlegung zu 5 Monaten Gefängnis verurteilt. Auf seine Berufung wurde heute die Strafe auf 6 Wochen herbges Bt. Wegen Ueberschreitung des Züchtigungsrechts wurde der Lehrer Richard Fleischhauer von Hainchen zu einer Geldstrafe von 15 Mt. verurteilt. Der Schreinergeselle Bruno Herrmann von Görlitz stahl zu Bußbach seinem Mitgesellen den Betrag von 8,50 Mt. Mit Rücksicht auf die Vorstrafen wurde auf 1 Jahr Buchthaus, 5 Jahr Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht rechnung. erkannt. Vier Wochen Untersuchungshaft tommen in Un- Der Landwirt Heinrich Triesch von Selnhaar wurde durch das Ortenberger Schöffengericht wegen Vornahme unzüchtiger Handlungen mit einer Gefängnisstrafe von einem Monat belegt, wogegen er Berufung einlegte. Mit Rücksicht auf die Unbestraftheit und das hohe Alter des Angeklagten ließ das Gericht Milde walten und erkannte auf 60 Mt. Geldstrafe. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Oberhessen für Donnerstag, den 28. April 1904. Meist ruhig und heiter, wärmer, Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein. trocken. „ AUTOL™ unübertroffenes Del mobilus Sohn O H.Möbius Motorwagen& Hannover. Motorzweiräder. * Basel Dampfdreschmaschine Mähmaschinen für Gras und Frucht, Heurechen, Futterschneidmaschinen werden wegen Aufgabe des Geschäftes unter dem Einkaufspreis abgegeben. Louis Moll, Grünberg. Emil Schön, Giessen Tel. 410. Schreinerei mit Motorbetrieb. Liebigstrasse 65 Tel. 410. empfiehlt sich im Anfertigen sämtlicher Schreinerarbeiten an Neubauten Besonders preiswert werden geliefert Thüren, Treppen u. Fenster jeder Art. Mit Kostenanschlägen stehe gern zu Diensten. Schön möbliertes Wohn- und Schlafzimmer preiswert zu vermieten. Gießen, Walthorstraße 15. Wöbl. Zimmer per 1. März zu vermieten. Gießen, Marktstraße 11. Nationaler Gesangswettstreit Gießen. An dem zu Pfingsten stattfindenden Gesangs= wettstreit werden etwa 2000 auswärtige Sänger teilnehmen, für die in der Stadt Unterkunft beschafft werden muß. Wir sind darauf angewiesen, an das Steuer- Reklamationen werden billigst angefertigt. Rat in Steuersachen gewissenhaft erteilt. Für die Abonnenten der ,, Gießener Neuesten Näheres zu erfahren in der Expedition. schon oft betätigte Entgegenkommen der Einwohner Nachrichten unentgeltlich. nnserer Stadt zu appellieren und richten die freund. liche Bitte an dieselben, uns durch gütige zahlreiche Ueberlassung von Quartieren in Brivathäusern zu unterstüßen. In den nächsten Tagen werden Mitglieder des für das Fest errichteten Wohnungsausschusses in den Häusern vorsprechen, um freundliche zustimmende Erklärungen entgegenzunehmen. Sollten geeignete Wohnräume nicht zur Verfügung stehen, dürfen wir wohl die weitere Bitte aussprechen, das Komitee durch Zuwendung von Geldbeträgen in den Stand zu seßen, anderweitig geeignete UnterEine kunft für die Festgäste beschaffen zu können. Liste ist in den Händen der Ausschußmitglieder; wir bitten, die Herren wohlwollend aufnehmen zu wollen. Der geschäftsführende Ausschuß. Bekanntma@ ung. Das Abladen von Bauschutt, Steine ze. auf dem Platz am Trockenhain ist bei Strafe verboten. Der selbe ist hinfort in die Lehmkaute zu verbringen. Grünberg, am 23. April 1904. Großh. Bürgermeisterei Grünbarg. 3immer. Bekanntmachung. Betr. Die Vertilgung der Raupennester. Die Garten- und Feldbesitzer der Gemarfung Grünberg werden hiermit aufgefordet, bis zum 20. Mai d Is. ihre Bäume, Streucher und Hecken von den Raubennestern zu reinigen. Diejenigen, welche dieser Aufforderung nicht Folge leisten, verfallen in die in§ 368 des Reichsstrafgesetzbuches bestimmte Geld- oder Haftstrafe. Außerdem wird die Vertilgung der vorhandenen Raupennester auf Kosten des Säumigen angeordnet werden. Grünberg, den 23. April 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Grünberg. Zimmer. Zuchtverein Grünberg. Freitag, den 29. April, vorm. 8 Uhr findet auf dem Großen Graben die Körung der Tiere Vogelsberger Rasse statt. Die interessierten Viehbesitzer Ohne Fleiss keinen Preis AURORA Patentkummet der der Neuzeit. Dreifacher Schutz. Kummete aus einem Stück Leder ohne jegliche Naht, schöne unveränderliche Form und tadelloser Siz. Hölzer find abnehmbar, was bei Zusammenhängen oder Umallen der Pferde sehr zweckmäßig ist, da durch eine einfache Hebellösung sofort die Hölzer abfallen. Ausgestattet mit formenschönen und stilgerechten Beschlägen. Groß- Felda. Louis Völzing. Juhaber der goldn. Medaille Paris 1900. Erstklassige Fahrräder Mk. 80 Spezialität: Wartburg- Fahrrad anerkannt beste deutsche Marke. Ersatz und Zubehörteile sehr billig. Eigene Reparatur- Werkstätte. Hugo Strohbach Giessen, Bleichstrasse 15. werden ersucht, ihre körfähigen Tiere der Kommission ir suchen für einen Jungen zeitig borführen zu wollen. Grünberg, den 25. April 1904, Großherzogliche Bürgermeisterei Grünberg. Zimmer. eine Schreinerlehr. stelle gegen freie Kost und Wohnung. Gießen, den 21. April 1904. Armenamt teßen. Jean Dern& Co. Giessen. Gegründet 1883. Bureau und Lager: Inhaber: Oskar Gutmann. Westanlage 31 Telephon 21. Gegründet 1883. Cementwaren- Fabrik und Lager: Frankfurterstr. 114, eign. Bahnanschl. Bau- und Kanalbau- Artikel. Trottoir-, Fussboden- und Wandplatten. Grösstes Lager am Platze in sämtlichen Bauartikel. CigarrenKleelamen, garantiert seidefrei, und Reijender an der Rohe, Saver, Mosel, Enxemburg. Grassamen Elsaß- Lothringen. Baden und Pfalz, seit 15 Jahren empfiehlt zu billigsten Breisen eingeführt, sucht per 1. Mai event. später anderweitig Engagement! Gefl. Offerten unt. 4321 an die Erp. d. Bl. erb. Robert Stuhl, Gießen, Neustadt 23. Pelzwaren und Winterstoffe werden unter Garantie zur Aufbewahrung gegen Motten und Feuerschaden angenommen. Georg Schultheis Kürschner, Gießen, Marktstr. 3. Zahnklinit Gießen, Bahnhofstraße 63. Wochentags 1-3 Uhr Vergebung von Bauarbeiten. Die für den Rohbau eines neuen Schulhauses nebst Abortgebäude, Herstellung von Einfriedigungen und Entwässerungsanlagen in Birklar erforderlichen Arbeiten und Lieferungen sollen im Wege schriftlichen Angebots vergeben werden und sind Angebote bis Samstag, den 7. Mai 1. J., nachm. 3 Uhr auf Großh. Bürgermeisterei Birklar, woselbst Pläne, Voranschläge und Bedingungen zur Einsicht offen liegen, portofrei einzureichen. Die Arbeiten und Lieferungen sind wie folgt veranschlagt: Erd- und Maurerarbeiten Steinmezarbeiten Zimmerarbeiten Dachdeckerarbeiten Spenglerarbeiten Schlosserarbeiten Schreinerarbeiten Weißbinderarbeiten Chaussierarbeiten Eisen- und Röhrenlieferung Basaltsteinlieferung Gießen, den 23. April 1904. 10723,05 Mt. 417,20" 2524,65 " 947,79" 389,10" 201,50 282,80 " 19,20 " 32,30 " 1161,03 " 97,20 " f Der Großh. Kreisbauinspektor des Kreises Gießen. Diehm, Baurat. Verdingung. Nachverzeichnete Arbeiten und Lieferungen für die Feldbereinigung rechts der Lahu, sollen im Wege schriftlichen Angebots vergeben werden. 1. Grdarbeiten 2. Chaussierungsunterlagen ,, 3. Materiallieferung a) Brechen von Steinen b) Anfahren von Steinen Lieferung von Bord- oder Wandsteinen d) Lieferung von Kleinschlag e) Lieferung von Uebergründungsmaterial veranschl. zu 522 Mt. 3250 " 11 1900 " " " 2850 " " " " " 1520 4550 If " 10 1225 Die Verdingungsunterlagen liegen bei der unterzeichneten Behörde zur Einsicht auf. Angebote haben in Prozenten des Voranschlags zu erfolgen und sind verschlossen, postfrei und mit entsprechender Aufschrift versehen bis Mittwoch, den 11. Mai, vorm. 11/2 Uhr bei der unterzeichneten Behörde einzureichen, woselbst deren Eröffnung um die genannte Zeit in Gegenwart der erschienenen Bieter stattfindet. Gießen, den 23. April 1904. Großh. Kultuɛinspektion Gießen. J. V.: Wallet. Verdingung Die Herstellung einer Drainage- Anlage soll öffentlich vergeben werden und ist Termin hierfür auf Samstag, den 30. d. Mts., vorm. 11 Uhr anberaumt. Die Verdingungsunterlagen liegen während der Dienststunden bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind spätestens bis zum obengenannten Zeitpunkt an uns einzureichen. Zuschlagsfrist 2 Wochen. Gießen, den 25. April 1904. Städtisches Tiefbauamt. Braubach. Verdingung v. Chauſſierarbeit. Die Chaussierung der Fahrbahn auf dem Schweinemarktplatz soll öffentlich vergeben werden und ist Termin hierfür auf Dienstag, den 3. Mai d. J., vorm. 11 Uhr anberaumt. Die Verdingungsunterlagen liegen während Unbemittelte unentgeltlich. der Dienststunden bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind spätestens bis zum obengenannten Zeitpunkt an uns einzureichen. Zuschlagsfrist 2 Wochen. UnionWichse ( vormals Krauss- Clinz) ist und bleibt die beste! In Schachteln u.Dosen überall vorrätig! Fabrik: Union Augsburg. Städtisches Tiefbauamt. Braubach. Submission. Für die psychiatrische Klinik soll die Lieferung von 150 Ctr. guter Speisekartoffeln ( Magnumbonum) auf dem Wege öffentlicher Submission bergeben werden. Die für diese Lieferung gültigen Bedingungen liegen an den Wochentagen nachmittags von 3-5 Uhr auf dem Verwaltungsbureau offen. Offerten sind versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen, unter Beifügung von Probefartoffeln, Hilfe& Bluttod. Timermann bis zum Eröffnungstermin, Sonnerstag, den 5. Mai 1904, vormittags 11 Uhr, auf dem oben erwähnten Bureau abzugeben. Gurmania- fahrräine Reparaturwerkstätte Hamburg, Fichtestr. 33. sind unstreitig die besten! Seidel Naumann Dresden NAUMA CERMANIA für Räder u. Motorräder August Schwab, Giessen. Grosses Lager sämtlicher Plocktrasse 4, Zubehörteile billigst. Der Zuschlag erfolgt bis zum 7. Mai 1904. Gießen, den 22. April 1904. Großh. Direktion der psychiatrischen Klinik. Prima Kartoffel Giessener Fischbaus Afterweg 1. Täglich leb. frische Schellfische, Speise- u. Salatkartoffel Cabliau, sowie sämtliche Seefische zu den billigsten Tages- in allen Preislagen. preisen empfiehlt Sämtliche Lahnfische, wie Hechte, Karpfen, Weißfische 2c. stets leb. zu haben bei M. Simon. Schloßgaffe Gießen. Prompter Versandt nach Auswärts. J. Hankel Genrebildchen aus dem australischen Buschleben ruhten die aufgehenden Sonne! Wie es da über die ersten Strahlen der nee bärtigen Gesichter hinhline schritten, daß ste schon verfertigen fönnt fich in anderer Meise Früher behalfenen nach europäischer Art Nr. 93. Mittwoch, Den 27 April. 1904. ========= Genrebildchen aus dem australischen Buschleben ruhten die ersten Strahlen der neu aufgehenden Sonne! Wie es da über die bärtigen Gesichter hinblitzte von Freude und aufrichtiger Beschämung! " Hurra, Miß Mary!“ und„ Hurra für Fielding!" klang es wie aus einer Kehle. Im nu wurde der lange Verkannte, viel Geschmähte und hart Verfolgte umdrängt. Aber die Messer steckten jetzt tief in ihren ledernen Scheiden, und die sich vorstreckenden, sehnigen Arme und nervigen Hände wollten nur einen freundschaftlichen Druck von Fieldings Hand und eine einzige zarte Berührung von den Grübchenpatſchen, die ſich furchtlos und liebevoll ihnen entgegenstreckten. Ich sah alte, bärtige Kerle, welche einen Menschen mit dem gleichen Vergnügen aufhingen, wie sie ein Huhn abschlachteten, sich abwenden und eine heimliche Träne unter Verwünschungen zerdrücken. Es war ja ihre eigene unschuldige Jugend, die ihnen da entgegen kam an diesem sonnigen Morgen als ein goldlockiges, freudig lachendes Kind! Auch sie gedachten ihrer Mutter, die einst von ihnen_gegangen, mit einem Segens- und Glückwunsch auf den ster= benden Lippen. Nun, was soll ich noch sagen? Die ganze Geschichte endete mit einem großen Teekochen, wobei die nun vergnügt grin sende Lubra ihre erlernte Geschicklichkeit bewies. Einige hatten den Mut, zu bekennen, daß Tee doch besser munde als Kognak. Von diesem Tage an war Fielding wieder die Seele der alten Kameradschaft. Ich blieb nicht lange in Billybong; aber man darf wohl annehmen, daß sein Einfluß allerwegen ein guter gewesen ist. AUS FERNEN ZONEN Der Schnupftabak in Dafrika. Interessante Beobachtungen hat ein Missionar über den Verbrauch von Schnupftabak bei den Mantengo in Ostafrika gemacht. Er erzählt, wenn zwei Mantengo sich begegnen, so lautet meistens das zweite Wort:„ Nikutuli lihona"( ,, Gib mir Tabak!"). Ohne Schnupftabat kann der Matengo nun einmal nicht leben. Ist er als Träger auf dem Wege, so stellt er hier und da seine Last ab mit dem Bemerken:„ Nun muß ich eins schnupfen, damit ich neue Kräfte schöpfe." Ist er auf dem Felde, so legt er seine Hacke weg, um mit Schnupftabak neue Lebensgeister zu wecken. Den Tabak nennt er seine Nahrung. Darum schnupft denn auch alles, Männer und Weiber, klein und groß; selbst Kinder, die noch von der Mutter auf dem Rücken getragen wurden, sah ich mit der Schnupftabaksdose" um den Hals. An Schnupftabak ist nun allerdings kein Mangel, denn der Tabak wächst hier leicht auf den Feldern, und wohl jeder Matengo hat auch eine Parzelle mit Tabak bepflanzt. Allerdings muß der Europäer, der ihn rauchen will, ziemlich starke Nerven haben. Die Schnupftabatbereitung ist sehr einfach: Ist der Tabak reif geworden, so werden die Blätter abgeschnitten, kommen dann in einen hölzernen Mörser und werden mit einer hölzernen Mörserkeule von etwa zwei Meter Länge gestoßen. Die gestoßenen Tabaksblätter werden dann in einem Topf aus Ton etwa fünf Tage lang liegen gelassen, damit sich der Saft absetzen kann. Dann werden die Blätter auf einer Matte zum Trocknen ausgebreitet. Ist das geschehen, so werden zwei Bastseile kreuzweise auf den Boden des Mörsers gelegt, und die getrockneten Blätter werden nun mit der Keule hineingestampft und hineingepreßt. Dadurch entsteht nun ein harter Klumpen in Kegelform von etwa 12 Zentimeter Höhe und 10 Zentimeter Durchmesser. Da auf den Boden zwei Bastseile gelegt wurden, so läßt sich der Klumpen nun leicht herausziehen und gelangt in dieser Form, nachdem er an der Luft noch weiter getrocknet ist, zum Verkauf oder eigenen Verbrauch. Zu diesem Zwecke wird ein Stückchen davon abgeschnitten, auf einem Stein zerrieben, und der Schnupftabak ist fertig. Um ihm aber ein besseres Aroma zu geben, mischen die Matengo oft noch Ingredienzien dazu: Kräuter aus dem Walde, besonders aber das abgefallene Ende der Bananenblüten. Letzteres nehmen sie, verbrennen es auf einer Scherbe eines zerbrochenen Topfes zu Asche and mischen dieselbe dann mit dem Schnupftabat. Nun sind aber unsere Schwarzen in der Kultur noch nicht so weit vorgeschritten, daß sie schon Schnupftabakdosen nach europäischer Art verfertigen könnten. Früher behalfen sie sich in anderer Weise. Sie rissen Käfern von der Größe eines Fingerhutes einfach den Kopf ab, weideten sie aus, trockneten sie an der Sonne und die Tabaksdose war fertig. Wegen ihrer Kleinheit mußten natürlich gleich mehrere genommen werden, alle zusammen wurden an einer Schnur um den Hals gebunden und das diente zugleich zur Zierde". Daß sie aber mit dieser Art Tabaksdosen nicht rech zufrieden waren, zeigte sich, als die Europäer" kamen. B diesen sahen sie manches, was ihnen zur besseren Lösung der Tabakdosenfrage dienen konnte. Da waren es besonders die Patronenhülsen, die von den Europäern weggeworfen, von den Matengo aber mit Gier aufgegriffen wurden. Eine solche weggeworfene Patronenhülse kann unter den Matengo Ursache zum Streit werden. Jetzt tragen die glücklicheren" Matengo statt der Käferleichen vier bis fünf Patronenhülsen um den Hals, in denen ihre Vorräte von Schnupftabak aufgespeichert sind. L Bunte Blätter. Die Anfänge der japanischen Flotte. Vor 38 Jahren bestand die ganze japanische Flotte, die heute so mächtig geworden iſt, aus einem Kanonenboot, das mit einem alten ZweiunddreißigPfänder mit glattem Lauf bewaffnet war, und aus drei eisernen Dampfern mit Masten und Spieren. Auf Bitten der japanischen Regierung gingen im Jahre 1866 aus England sechs Instrukteure und sechs Offiziere, unter Führung von Kommandeur( später Admiral) Richard Tracey nach Japan, um die Japaner im Schiffswesen zu unterrichten. Von diesen Instrukteuren lebt nur noch einer, der dem Vertreter eines Londoner Blattes über seine Erfahrungen folgendes erzählte:„ Ich wartete immer, die Japaner würden Wunder im Seewesen leisten; ich unterrichtete lieber 15 Japaner als 3 Engländer. Sie waren stets sehr eifrig, und sie haben außerdem eine wunderbare Gabe, Wissen zu erwerben. Die englischen Instrukteure in Japan waren erstaunt, bei ihren Schülern gar keine Kenntnisse des Seewesens vorzufinden. Ihr Ehrgeiz zeigte sich aber deutlich darin, daß mehrere sogenannte japanische Autoritäten sich den Titel„ Admiral" zugelegt hatten, obgleich sie nie zur See gewesen waren. In Jeddo wurde die Marineschule für Offiziere und Kadetten begründet, und 30 bis 40 Kadetten sowie 30 ältere Offiziere im Alter von 25 bis 45 Jahren besuchten fie. Zuerst hatte man große Schwierigkeiten, da die Japaner keine Kommandoworte hatten, und man entschied sich grundsätzlich, die Kommandoworte der britischen Marine zu be nutzen. Ueberdies lernten die Offiziere und Kadetten englisch unt arbeiteten täglich fünf bis sechs Stunden. Einige Offiziere baten darum, auch noch außerhalb der Stunden Anleitungen über andere Dinge zu bekommen." Eine gelungene Kriegslist schützte die Stangen und Drähte der ersten in Chile, zur Verbindung der einzelnen Grenzforts eingeführten Telegraphenanlagen vor Beschädigungen seitens der Indianer. In dem Chilenischen Lager befanden sich zu jener Zeit etwa ein halbes hundert gefangener Eingeborener. Diese ließ General Pinto eines Tages antreten; er zeigte ihnen die Telegraphenleitungen und warnte sie, die Drähte zu berühren, da sie nicht wieder davon los könnten. Die Indianer lächelten dazu ungläubig. Das hatte aber der General nur erhofft, denn jetzt versprach er ihnen, sie von der Wahrheit seiner Worte zu überzeugen. Giner nach dem andern mußte zwei an die beiden Pole einer starken Batterie gelegte Drähte in die Hände nehmen, und jedesmal, wenn der General befahl, die Drähte wieder loszulassen, lautete die traurige Antwort:„ Ich kann nicht, meine Hände sind erstarrt." Nachdem alle die Kraft der Elektrizität an sich erpropt hatten, wurde ihnen mit dem strengen Befehl, das ihnen anvertraute Geheimnis niemand zu verraten, die Freiheit wieder gegeben. Der strenge Befehl hatte den erwünschten Erfolg: alle Stammesgenossen wurden unter dem Siegel tiefster Verschwiegenheit vor den verzauberten Drähten gewarnt Telegraphenanlagen erfreuen sich der größten Sicherheit. - die Ehret die Frauen! Der Eingeborene von Neu- Holland glaubt, daß das Weib eine von der seinigen wesentlich verschiedene, gemeinere Natur besitze, und daß er der geborene Herr desselben sei. Er bezeichnet daher die Frau schon in der Stunde ihrer Geburt als seine Sklavin, indem er ihr die Gelenke der vorderen Fingerhälfte bricht. Diese Bezeichnung seiner Oberhoheit erneuert er bei der Jungfrau, der er die Vorderzähne einschlägt. Und wenn er sich endlich herabläßt, die Leibeigene zum Gegenstand seiner zärtlichen Neigung zu machen, gibt er ihr seine Liebe dadurch zu erkennen, daß er ihr einigemale ins Gesicht spuckt und sie dann mit Gewalt in seine Höhle entführt. Nr. 93. Mittwoch, den 27 April. 1904. Oberbessische Familienzeitung Tägliche Unterhaltungs- Beilage ber Gießener Neueste Nachrichten. zu Berlag bars Cebam Berlagsbenderet, vorm. Duh. Reller's he Babradorat( gegr. 1789); vezess: Ibix lets (( 2. Fortsetzung.) Iwan der Schreckliche. Original- Roman von Hans Hoffmann. ,, Nun ja, nun ja, da hat sie eben andere Anfechtungen gehabt doch lassen wir das; kurzum, von Wohlerzogenheit hat man nie viel spüren können. Ich meinte vielmehr- und so ist's ja nun auch gewesen vor Ihnen, Herr Doktor, mußten sie doch Respekt haben." Doktor Belling lächelte düster. ,, Ste meinen, wegen meines Gesichts?" fragte er. Die Frau Rechnungsrätin räusperte sich verlegen. ,, Hm, hm- nun ja, nun ja, das heißt, ich meinte, ich glaube, Sie können ein sehr strenges Gesicht machen, wenn Sie wollen. " Sie warf einen halb scheuen Seitenblick auf den Gast und bemerkte mit Erstaunen, daß in dessen Zügen eine bedeutfame Wandlung vor sich gegangen war; dieselben zeigten einen gelösten, gutmütigen, fast weichen Ausdruck, besonders hatten die Augen völlig das Starre und Stechende verloren und blickten eher wehmütig träumerisch; nur die sträubenden Haare und der Despotenbart hielten ihren Charakter fest. ,, Sie drücken sich sehr schonend aus, Frau Rechnungsrätin," sagte er ,,, ich verstehe ungefähr, was Sie sagen wollen und was die Meinung aller ist und mit Recht— das heißt Er wollte noch mehr sagen, biß sich aber plötzlich auf die Lippen und schwieg. Die gute Frau war ganz rot ge worden, als sie ihre Gedanken durchschaut sah, und ward durch sein Schweigen sehr beängstigt, so daß sie ihre ganze Tasse Kaffee, heiß, wie sie war, in unzähligen kleinen Schlücken hinuntergoß und dabei sogar vergaß, den kleinen Finger edler Sitte gemäß zierlich von dem Henkel abzuspreizen. Dagegen fah der Doktor, daß Helenens Augen jetzt hell und heiter auf ihm ruhten mit einem Ausdruck frohen Verständnisses, der deutlich genug sagte:„ Ich weiß schon, Sie ſind nicht so schlimm, wie Sie aussehen!" Das schien ihn überaus wohltätig zu berühren, seine Mienen flärten sich noch ein wenig mehr auf, und er vermochte sein Schweigen nicht zu bewahren. Das heißt," sagte er, nun ganz zu Helenen gewendet, „ gewiſſermaßen doch mit Recht— Sie müssen nämlich wissen ― es ist mir bewußt, daß ich ein sehr böses Gesicht habe-" ,, bitte, bitte!" stotterte die Frau Rechnungsrätin. Helene aber nickte unbefangen beſtätigend. „ Es ist aber nicht so arg_gemeint,“ fuhr er fort. Das wissen wir, lieber Herr Doktor, o, das wissen wir!" rief die alte Dame gerührt. ,, Vielmehr, wenn die Leute immer geneigt sind, aus meiner Physiognomie auf einen sehr starken Charakter zu schließen und mir ohne Schwanken eine trotzige Willenskraft eine furchtlose Energie oder gar eine ungezähmte Leidenschaft zuschreiben, so irren sie leider ganz und gar. Es ist alles nur ein zufälliges Spiel der Muskeln, ohne innere Bedeutung. Was haben auch dicke Haare und ein starker Bart mit dem Charakter und der unsterblichen Seele zu tun? Und das andere ich habe einen Mann gekannt, der sich viel Haß und Feindschaft zuzog, dadurch, daß sein Gesicht immer fort einen lachenden Ausdruck zeiate. mochte es ihm noch so ( Nachdruck verboten.)) bitter ernst zu Mute sein; es war nichts als eine abnorme Stellung der Wangenmuskeln, und doch meinte jeder, er werde von ihm verspottet, und der arme Mensch hatte viel darunter zu leiden. Sehen Sie, und so ähnlich ergeht es mir auch. Ich hatte schon als Kind die Eigentümlichkeit, daß ich immer böser und schrecklicher aussah, je mehr ich mich innerlich änstigte; man sah natürlich Troß und Tücke darin, und es ist leicht zu denken, wie viel Schläge mir das eintrug. Bei meinen Mitschülern und Spielkameraden freilich setzte es mich auch wieder in Respekt; gerade wenn ich selbst mich recht kläglich vor einem Angriff derselben fürchtete, wichen sie unvermutet erschrocken zurück und machten sich sachte aus dem Staub, so greulich sah ich dann aus. Das merkte ich denn mit der Zeit und lernte meine eigene Furchtsamkeit als Verteidigungswaffe gebrauchen. Ich machte es wie der Igel, der in jeder Angst sich alsbald mit grimmigen Stacheln umgibt und seine Feinde schreckt. Und so mache ich es im Grunde noch heute, wenn auch unwillkürlich, so doch mit Bewußtsein: meine finstere Maske schreckt die Leute am meisten, vor denen ich mich selbst am meisten fürchte." Ei, da müssen Sie sich aber vorhin vor uns ganz entſeßlich gefürchtet haben," sagte Helene lächelnd. Er errötete und sah plößlich wieder ganz böse aus. Verzeihen Sie," stotterte er, gewissermaßen tat ich das auch das heißt ich bin schüchtern und ungelenk- und vor Damen besonders- „ Fürchten Sie sich? O, das ist aber prächtig! Da brauchen wir uns ja gar nicht mehr vor Ihnen zu fürchten!" Nein, liebes Fräulein, das sollen Sie nicht," rief er mit weicher Stimme, nein, nein, Sie nicht, Sie am wenigsten!" Helene schlug ein wenig die Augen nieder. ,, Wie merkwürdig!" sagte die Mutter. " Ja, merkwürdig ist es," entgegnete er, daß ich sogar die besten Phsiognomiker der Welt damit täuschen konnte ich meine die Kinder, die Schüler, die sonst die Eigenart ihrer Lehrer mit erstaunlich sicherem Instinkt herauszuwittern vermögen. Allein auch sie habe ich heute überlistet. Wenn sie geahnt hätten, wie ich mich vor ihnen fürchtete!" ,, Sie vor den dummmen Jungen?" fragte die Rechnungsrätin verwundert. " In der Tat. Leider! Ich habe schon schlimme Erfahrungen gemacht." Sie haben schon früher unterrichtet?" fragte Helene. Ja, vor Jahren schon, als ganz junger Mensch, ehe ich noch meinen großen Bart hatte. Aber es war kein erfolgreicher Anfang. Ein tüchtiger Pädagoge muß etwas vom Despoten in sich tragen, er muß vor allem ein überzeugtes Selbstbewußtsein besißen, ja, er muß ein Stück Zelot ſein, den es gewaltsam drängt, sein eigenes Wollen und Wissen auf die Welt um ihn her überzupflanzen, es ihr auch wider ihren Willen aufzuzwingen. Eroberer, Befehrer und Erzieher werden im Grunde aus demselben Holz geschnitzt: in ihnen allen herrscht der treibende Wille, die Außenwelt nach sich selbst zu gestalten und damit sich unterzuordnen.„ Seid wie ich!" rufen sie den Menschen zu, denn ich bin stärker und flüger als ihr!" Und wenn die Menschen und Schüler sich Mr. 99 Abonneme In's Saus Gratisbel unb Das Bl C Komma Allerhand Parlamentstre Berliner Rol Leutwein Operation geschäfte führ afrikanischen Trotha je Die amtl trächtliche T bungen Refer CB- Mitarbeit werden, daß Enthebung vo gründet ist di nach dem Gef bemerklich gen fannt, ob der wird. $ 3 Tut e Afrika als fi leutnant b. dung von Transporte und die ihm Buges nur ag. Was jonit borliegt, ist depesche hat Glajenap 476 Mann no lich gehaltene halbwegs dien hoffen, den klimatisch darf einen Verluit Fran Der Mannscha 2 Offiziere u die Verwund fonnten: 4 S Truppen am luft die chritten hat. jaenena Veri bewilligt werd In Erw ( 93 Vierzehn Weltausstell die staunend sträuben, so beweisen sie es ihnen mit dem Schwert, dem Scheiterhaufen und dem Rohrstock. Solche Naturen stehen aber im geradeſten Gegensatz zum Gelehrten und auch, wenn Sie wollen, zum Künstler. Diese sagen zu den Erscheinungen der Welt:„ Ich will mich euch hingeben, ihr sollt auf mich wirken und mich leise umgestalten, ich will mich in euch verwandeln und mein bescheidenes Selbst zu eurem Selbst erweitern; ich bin nichts durch mich, sondern alles durch euch, durch die Bereicherung, die ihr mit gebt, indem ich euch mit großen Augen ansehe, euch verstehe, mich an euch entzücke, eins werde mit euch, und zu allerletzt das unendliche Empfangene in stillem Bilden zu einem geringen Teil ruhig wieder von mir ausstrahle. Ich liebe euch, wie ihr seid und meil ihr seid, nicht weil ihr so und so seid und ich euch viel Teicht noch besser machen kann; ich kenne nichts Gutes und nichts Böses, sondern ich sehe die fertige Welt mit Freuden und sage in meinem Herzen:„ Siehe, es ist alles sehr gut." ,, So stellt sich der Gelehrte und der Künstler vor die Dinge. Beide mögen gute Lehrer sein, aber nicht gute Erzicher. So war meine Natur, und so war ich ein schlechter Pädagoge. Es lag nicht in mir, auf Welt und Menschen eingreifend, umgestaltend, beherrschend zu wirken, auch nicht auf die kleine Welt der Schüler. Als ich das erstemal vor meiner Klasse stand, hatte ich meine Herzensfreude an den prächtigen Kerlchen. Nichts Holderes, Frischeres, Vollkommeneres als so ein wilder Junge mit seiner täppischen Kraft, trobigen Eigenart, sprudelnden Unart. Und so ein Gebilde soll man ändern, in seinem Wachstum verbiegen und beſchneiden wollen, ſtatt die freudig wuchernde Natur in ihm staunend zu verehren? Ich ließ die schöne Natur freudig wuchern, bis sie mir gründlich über den Kopf gewachsen war. Ich verlor den Zügel aus den Händen, da ich ihn von vornherein nicht fest ergriffen hatte. Es war unmöglich, die verlorene Herrschaft wiederzugewinnen. Eine entfesselte Schülerschar ist wie ein durchgehendes Pferd, wenn es das Gebiß einmal zwischen die Zähne bekommen hat- an ein Halten iſt nicht mehr zu denken. Ich merkte, daß dieses Roß für mich ein für allemal verdorben war; ich mußte mir ein anderes zuzureiten ſuchen. „ Ich verließ mein erſtes unglückliches Versuchsfeld und ging in eine andere Stadt, an ein anderes Gymnasium. Meinen Fehler hatte ich klar erkannt, ich hoffte, ihn künftig vermeiden zu können. Allein es ist nicht wahr, daß die Erkenntnis eines Fehlers der erste Schritt zur Besserung ist, oder der erste mag es sein, aber es bleibt gewöhnlich auch der letzte. Denn unsere wahren Fehler, die nicht bloß äußere Angewohnheiten sind, wurzeln in uns unausrottbar, und wenn wir sie ablegen wollten, müßten wir uns selbst vernichten und mit dem Unkraut zugleich unsere besten Frucht ähren ausreißen. Nehmt einem Menschen seine Fehler, und ihr nehmt ihm seine Tugenden, deren andere nur beschattete Seite sie sind, und es bleibt nichts übrig als ein stygiſcher Schatten ohne Mark, ohne Blut, ohne Farbe. " Ich verlor zum zweitenmal die Herrschaft über meine Klasse, weil sie mich nicht fürchtete, weil die klugen Schlingel meine Gleichgültigkeit gegen ihre Sünden fühlten. Ueber meine Strafen lachten sie, denn sie witterten es, daß sie eine Heuchelei waren, daß ich im Herzen mit ihnen fühlte und heimlich mit ihnen lachte. Ich gewann nicht den Gehorsam, aber auch nicht einmal die rechte Liebe meiner Schüler. Denn Kinder sind wie Hunde und Menschen: sie müssen geprügelt werden, um recht mit Begeisterung zu lieben. Kein Sterblicher hat je so glühend hingegebene Anhänger gefunden als der große Massenmörder Napoleon. Von den Hundert tausenden, die sich für ihn schlachten ließen, starben viele Tausende freiwillig und freudig. Jesus von Nazareth fand statt der Tausende zwölf Jünger, und von den zwölfen verriet ihn der eine und der beste verleugnete ihn; von der Masse aber ward er gefreuzigt. Hätte sie Furcht vor ihm gehabt, sie würde begeistert für ihn in den Tod gegangen sein. Die Menschen können nicht lieben, ohne zu fürchten. „ Diese Erkenntnis war die Frucht meines zweimaligen Mißlingens leider eine unfruchtbare Frucht. Ich verzichtete auf die Lehrtätigkeit, denn ein Veharren in derselben glich einer Verurteilung zu lebenslänglichem Martyrium; es gibt in der Welt für einen Mann keine so entblätternde, so entsittlichende Not als das Bewußtsein, seinem Berufe nicht 311 genügen. Ich wandte mich ganz der Gelehrtenlaufbahn zu. Ein paar tausend Mark, die meine Eltern mir hinter lassen, ermöglichten es mir, meine Studien zu vertiefen und zu vollenden. Doch als ich mich allenfalls reif fühlte, eine Dozentenstelle an einer Hochschule zu befleiden, war ich mit der Hauptsache zu Ende mit dem Gelde. Es ist ja in Deutschland nicht möglich, diese edelste Laufbahn zu beginnen, ohne daß man sich einige Jahre lang selbst zu ernähren vermag. Auch zum Tempel der Wissenschaft ist der unentbehrlichste Schlüssel das Geld. Ich aber stand dem Nichts gegenüber. „ So blieb mir nichts übrig, als mich nach Jahren zum drittenmal in das verhaßte und gefürchtete Lehramt zu retten. So bin ich hierher gekommen und stand heute vor einer Entscheidung über Sein und Nichtsein. Aber zum Glück, ich hatte sie fürchten gelernt, die zarten Knaben; ich sah in ihnen die überlegenen Feinde, denen es bestimmt sein sollte, nach grausamem Kampf mein Leben völlig zu vernichten. Darum zitterte und bebte ich, als ich vor sie trat und diese meine Angst war es, die mich heute zum Sieger gemacht hat. Sie hat meine Züge schrecklich gemacht, ich sah es in allen Mienen, wie sie erschrafen über mein grimmiges Gesicht und wie sie sich beugten und duckten in zitternder Demut. Ich konnte unangefochten über sie herrschen in gelassener Milde; ich bedurfte keiner Strafe, um mir Gehorsam zu erzwingen. Mit meinem Igelpanzer gerüstet, hoffe ich, mich nun so lange gegen ihre Pfeile halten zu können, bis die Gewohnheit mir ein feſterer Schild geworden ist. Es ist also möglich, daß ich doch noch einmal Wurzel schlage im Leben. Das ist die Geschichte meines bösen Gesichts, meine Damen, urteilen Sie selbst, welch hohen Wert dasselbe für mich haben muß." ,,, wie merkwürdig!" sagte die Frau Rechnungsrätin. Helene sah ein Weilchen nachdenklich vor sich nieder. Dann sagte sie, mit verdeckter Schalkheit aufblickend: " Ist es aber nicht ein bischen unvorsichtig, Herr Doktor, daß Sie uns ein so gefährliches Geheimnis in die Hände legen? Denken Sie doch, wenn Ihre Schüler auch nur eine Ahnung befämen von der inneren Ursache Ihrer Furchtbarkeit! Da würde es mit Ihrer Herrschaft ein schnelles Ende haben! Sie müssen nämlich wissen, wir haben morgen einen Damenkaffee." Doktor Belling erschrak wirklich, vielleicht nicht minder über das Wort Damenkaffee überhaupt als über seine Unvorſichtigkeit. Gleich darauf aber hafteten seine Blicke mit einem innigen Ausdruck an Helenens lachenden Augen, und er sagte, ihrer Mutter die Hand reichend: „ Ich muß es wohl getan haben, weil ich Vertrauen zu Ihnen hatte." Die Frau Rechnungsrätin zerdrückte eine Träne in ihrem Auge und machte ein Gesicht, als ob sie in ihrem Herzen ein ungeheueres Gelübde täte. Ihre Tochter aber war merklich rot geworden und goß dem Gast eilig neuen Kaffee ein, obgleich seine Tasse noch halb voll war. Auch sie mußte einen Schreck bekommen haben, denn ihre Augen suchten ängstlich auffordernd den Blick ihrer Mutter; doch die winkte ärgerlich den Kopf ſchüttelnd und blinzelnd ab. Plößlich richtete Helene ſich trotzig empor und sagte mit bewundernswerter Feierlichkeit: ,, Herr Doktor, wir werden Ihr Vertrauen nicht mißbrauchen. Zum Zeichen deſſen will ich es sogleich mit einem Vertrauen erwidern. Sie sind ein erfahrener Mann; bitte, sagen Sie mir, was würden Sie von einem Mädchen halten, das in ihrer Jugend eine hohe, ideale Liebe gehabt hat und später in vorgerückten Jahren einen anderen Mann heiratete?" Die Frau Rechnungsrätin machte verzweifelte Anſtrengungen, dem Doktor einen abratenden Wink zu geben; er sah nichts, sondern hielt den Blick verlegen in die Kaffeetasse gesenkt. „ Würden Sie ein solches Mädchen nicht für wankelmütig, oberflächlich, niedrig erklären müssen?" drängte Helene. ja," brachte er endlich hervor, rot und ängstlich, gewissermaßen das heißt— vorausgesetzt, daß der erste Geliebte jenes Mädchens würdig war, und- Zweifeln Sie daran?" fuhr sie heftig auf. Er sah sie erschrocken und fast traurig an und fuhr unsicher fort: Gewiß, wenigstens ist es erhaben und edel, einer einzigen Liebe sein Leben lang treu zu bleiben-—,, Nicht war, auch wenn sie unglücklich war?" rief Helene begeistert. ,, Dann ist es sicher am erhabensten." Sie machte ein ganz entzücktes und triumphierendes Gesicht. Die Mutter rang still die Hände. ( Fortsetzung folgt.) Wie der Wald so deutlich spricht: Zähigkeit ist stets das Beste." Was der erste Windstoß bricht Sind gewiß nur dürre Aeste. * Der Schat des Goldgräbers. Erzählung von Gustav Lössel. ( Schluß.) ( Nachdruck verboten.) " Ja, wir!" schrie es im Chor.„ Und nun ein offenes Geständnis, wenn dir dein Leben lieb ist. Was ist es mit dem Schatz von Billybong? Wo hast du ihn?" Den Schatz von Billybong?" wiederholte er, und ein verächtliches Lächeln zuckte um ſeine blutlosen Lippen.„ Gut. Ich will euch mein Geheimnis preisgeben." Er wa rein stolzer, schöner Mann, ganz anders geartet und gekleidet wie die andern. Ich ahnte seine Ueberlegenheit und erwartete voll Spannung, was er nun sagen werde. Er verschränkte die Arme über seiner breiten Brust, wie, um das stürmische Wogen derselben gewaltsam niederzuhalten. Dann begann er:„ Drei Jahre sind es her. Da unternahm ich meinen ersten Ausflug nach Geelong. Aber nicht wie ihr, um das sauer Erworbene in wenigen Tagen zu verjubeln, sondern um mich wieder einmal als Mensch unter Menschen zu fühlen. Ich wollte mich neu einkleiden und mit dem verſehen, was ich brauchte, Licht und Luft für mich und meinen Geist, das war es, was ich suchte. Ich fand weit mehr als das, das Herz und die Liebe eines armen jungen Mädchens, welches soeben zur Waiſe geworden war. Sie hatte niemand, an den sie sich um Beiſtand wenden, auf den ſie ſich ſtüßen konnte, und obwohl von besserem Herkommen, wäre sie jetzt genötigt gewesen, zu dienen, um ihren Unterhalt zu gewinnen; denn Kennt nisse sind bei uns ja leider weniger begehrt, als ein Paar starke Arme zur Arbeit. Aus ihren klugen Augen sprach so viel Güte, Sittsamkeit und Treue, und sie war so engelsschön, daß ich mich glücklich schäßen durfte, mein Schicksal mit dem ihrigen verbinden zu können. Sie wurde meine FrauAber was nun? In Geelong konnte ich nicht bleiben, denn ich war und bin ja nur ein Goldgräber. Und Mary nach Billybong zu führen, das ging noch weniger an. Sie hätte dort nur mit den Verlorenen ihres Geschlechts verkehren können, und schließlich hätte man sie wohl auch für nichts beſſeres gehalten. Jede Beleidigung aber hätte ich in dem Blute des Beleidigers ausgelöscht, und ich wollte selbst um ihretwillen nicht zum Mörder werden. Ich weiß es, viele von euch nehmen das leicht, eure Haltung beweist es. Nun, ich bin ein Mann des Friedens immer gewesen und hoffe es auch zu bleiben bis an das Ende meiner Tage. Mary wußte mir guten Rat. In einem versteckten Bergwinkel, mehrere Stunden Weges von Billybong, wollten wir uns ansiedeln und unser junges Glück vor aller Welt verborgen halten. Ich stimmte freudig zu. So kam ich hierher. Eine Hütte war leicht errichtet und so gut ausgestattet, als es eben jemand kann, der sein eigener Bauherr ist und über feine zu großen Mitel verfügt. Unter dem wohltuenden, bildenden Einfluß meiner guten Mary begann damals die Wandlung in mir und um mich, die ihr so auffällig bemerktet. Ihr tadelt, daß ich mich von euch zurückzog. Wie konnte es anders sein? Der innige Verkehr mit diesem reinen Wesen bewahrte meine Seele vor Versumpfung. Ich wurde sparsam und arbeitssam. Jeden edlern Trieb wußte sie in mir zu wecken und zu stärken. Was böses an mir war, sie hat es ertötet. Ich wollte euch nicht auf meine Fährte locken, das Heiligtum der Familie vor Entweihung bewahren. Daher die Heimlichkeit meiner Bewegungen. Und gerade diese Heimlichkeit erhöhte den Zauber, den meine liebe Frau mit ihren Rosenfingern um unsere stille Bergheimat wob. Sie umzog die Hütte mit Wein, legte ein Gärtchen an und tat alles, um mir das Kommen leicht und den Abschied schwer zu machen.... den Abschied!" Er hielt inne und schöpfte tief Atem. Ich sah seine Lippen frampfhaft zittern. „ Ein Jahr ging so dahin," fuhr er dann fort.„ Ich war ein seliger Mann. Das höchste Glück der Ehe, die Elternfreude schien mir erblühen zu sollen, und sie erblühte mir auch, aber ach! um welchen Preis!... Ich hatte Mary bewegen wollen, für kurze Zeit nach Geelong zu übersiedeln. Sie weigerte sich hartnäckig. Es hatte sich eine alte Lubra ( schwarze Frau) bei uns eingefunden. Was soll ich euch weiter sagen, Kameraden? Ich holte noch eine Frau von Geelong herüber und glaubte damit alles getan zu haben, was die Umstände erheischten. Unseliger Irrtum! Wir brauchten im entscheidenden Augenblick ärztliche Hilfe. Die kam zu spät. Mary starb... Wir stehen hier an ihrem Grabe." Unwillkürlich richteten sich aller Blicke auf den Erdhügel. Wir erkannten ihn nun auch als ein Grab. Die Waffen sanken herab, die Männer traten einen, zwei Schritte zurück. In den Mienen einzelner spiegelten sich allerdings Spott und Zweifel. ,, Hier kniete ich eben nieder, um zu beten," sprach Fielding, während ein leichtes Rot sich über seine bleichen Wangen breitete.„ Ja, warum soll ich es nicht eingeſtehen! In der Stunde, in welcher meine arme Mary bei vollem Bewußtsein für immer von mir schied, lernte ich beten, lernte ich meine Knie und meinen ſtarren Nacken beugen vor dem, den ich so leugnete, wir ihr ihn heute noch leugnet. Sie selbst legte sterbend meine Hände ineinander.„ Blick auf zu Gott!" sagte sie.„ Du mußt es, wenn dein Auge mir noch weiter folgen will durch Nacht und Raum. Tue es, wenn auch nicht um meinetwillen, doch für dein Kind, das dich einſt fragen wird, wo seine Mutter ist." Da sank ich hin, da begrub ich mein Gesicht in den gefalteten Händen und weinte, wie ich nur als Kind geweint. Das war mein erstes Gebet. Ich hatte die alte Lubra nach dem Arzt geschickt. Er kam zu spät. Hier betteten wir mein Vöglein, wo ich ihm sein Neſt gebaut. Es dauerte nicht lange, bis ich mich von diesem schwersten Schlage, der mich je betroffen erholte. Ich suchte meinen Trost in harter Arbeit. Das tut wohl, das beruhigt, und ich hatte das Bewußtsein treuer Pflichterfüllung. So mehrte sich mein Wohlstand, den ihr mir neidet, und wenn ich auch nicht so viel verdiente wie mancher andere von euch, so hatte ich doch mehr, denn ich hatte gelernt, das Meine zuſammenzuhalten. Was sollte ich euch das alles sagen, warum euch zu dem Grabe meiner Mary führen? Ihr hättet mich doch nur verlacht. Das war für mich jetzt geweihte Erde, ein Tal des Friedens, in das ich hoffte, daß der Streit von Billybong nie dringen würde. Gott hat es anders beſchloſſen, vielleicht um durch mein Beispiel bessernd auf euch einzuwirken, vielleicht um mich noch weiter zu prüfen. Ich beuge mich vor ihm... Doch nicht vor euch!" fuhr er, sich aufrichtend, mit blizenden Augen fort.„ Geht hin, woher ihr gekommen seid und laßt mir meine schwer erkämpfte Ruhe!" Ein Murren entſtand. Die scharfen Worte trafen und reizten zum Widerspruch. Es war Tag geworden und die dumpfe Zwielicht- Stimmung von uns gewichen. Stimmen wurden laut, welche den Schatz forderten. „ Lüge! Vorwand! Komödie!" hieß es. Fieldings Stimme übertönte alle. Meinen Schatz wollt ihr ſehen?" rief er.„ Hier schaut her!" Er schritt ſeitwärts und lenkte ſo unsere Blicke auf eine hinter Buschwerk versteckte Hütte. Weinlaub umrankte sie, ein Gärtchen blühte um sie her, ganz wie er es beschrieben hatte. Er ging hinein und erschien wenige Sekunden später wieder auf der Schwelle. Er trug ein Kind auf dem Arm, ein hübsches, zweijähriges Mädchen, welches liebend die Aermchen um seinen Nacken schlang. „ Das ist mein Schatz!" sagte er frohgemut mit dem ganzen Stolze des Vaters.„ Einen andern habe ich nicht. Wenn ihr den auch für den eurigen erklärt, dann habe ich nichts dawider. Denn so elend ist von den Männern von Billybong doch keiner, daß er einem Kinde etwas böſes tun möchte." " Nun, Mary," fuhr er zu der Kleinen gewendet fort, „ wünsche dieſen Gentlemen einen guten Morgen; denn sie haben einen weiten, mühseligen Weg zurückgelegt, um zu dir zu kommen." Das in seinem weißen Hemdchen überaus reizend aussehende Kind lachte unbefangen; unter dem blonden Lockengewirre blickten ein paar blaue Schelmenaugen uns an. Es legte dann die Patsche an das Rosenmündchen und warf uns Kußhände zu. Hinter Fieldings Rücken tauchte das ängstlich besorgte Gesicht der alten Lubra auf. Und auf diesem reizenden neuem b beginnt, mäßigen Ein bon n изец ſpäter? Dod agrenzten m hoffen, alles bis zum day m gearbeite nungsreif" Mit Gen kinen alten end bewährt ichen Erzeug en Segen der t schon eine ellung aller tellung er legten sch md Belgien n ellung טן an der M einen, behend recht bescheider Die Ausit Bandes und mm 1. Mai d. werden. Als hundertfeier vereinigten FOST be higten Stad toohnerzahl Stadt der Ver ouis mehr Für die G Enth Städte? D