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Settebeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Samstag, den 27. Februar 1904. Gießener 13. Jahrgang. Insertionspreis: Die einspaltige Betitzeile für ganz O hessen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Reklamen die Betitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 88 Fernsprechanschluß Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Sichener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Nord und Süd im Eisenbahntarif. Unser parlamentarischer Mitarbeiter schreibt uns am 24. d. Mts. aus Berlin: Im Anschluß an die gestrige Eisenbahndebatte, in der die schroffe Stellung Süddeutschlands gegen eine Reichseisenbahn" wieder einmal klar zu Tage trat, hatte ich eine interessante Unterredung mit einem betannten Parlamentarier von jenseits der Mainlinie, die eine bisher noch nicht gewürdigte Seite der Frage beleuchtete. Die Abneigung der süddeutschen Politiker gegen einen Zusammenschluß ihrer Bahnen mit den preußisch- hessischen zu einer Reichseisenbahngemeinschaft, so äußerte sich mein Gewährsmann die Bähnchenpolitik", wie der sächsische Finanzminister sagte, gründet sich abgesehen von den befannten einzelstaatlichen Bestrebungen nicht nur auf den Wunsch, ihren Ländern die Einnahmen aus dem Frachtverkehr direkt zufließen zu lassen. Sie fühlen instinktiv, daß sie mit dem Anschluß an Preußen etwas verlieren würden, was ihnen bisher ihre Bähnchen" lieb und wert machte: den demokratischen Zug in der Verwaltung. Ich sehe, daß Sie etwas verblüfft sind. Allein, wenn man das Wort Demofratie nicht im politischen, sondern im wissenschaftlichen Sinne auffaßt, wird man es als das Prinzip der ausgleichenden Gerechtigkeit gegen die einzelnen sozialen Klassen ansehen, und in diesem Sinne gibt es tatsächlich in den Eisenbahnpreisen ein demokratisches Prinzip. Es gibt eine Tarifpolitik, die die oberen Klassen begünstigt, wie es eine solche gibt, die den breiteren Massen des Volkes zu gute kommt. In neuerer Zeit, das muß zugegeben werden, hat der demofratische Zug in der preußischen Eisenbahntarispolitik entschieden zugenommen. Man sieht das vor allen Dingen aus der Stellung, die die preußische Regierung sowohl unter dem früheren, wie unter dem heutigen Eisenbahnminister gegenüber allen Sonderbegünstigungen einnimmt. Schon bor vier Jahren wurde im preußischen Abgeordnetenhause die Aufhebung der Rundreisehefte, der Rückfahrkarten und äbnlicher Einrichtungen in Aussicht gestellt, um dadurch eine Mein SpezialVerbilligung des Kilometerpreises herbeizuführen. Die Wirkung davon wäre denjenigen Klassen zu gute gekommen, die nur selten, und dann wohl nur einer Notwendigkeit folgend, reisen, während das große Heer der Vergnügungsreisenden allerdings nicht mehr die auf Kosten der allgemeinen Fahrfartenpreise gehabten Annehmlichkeiten genießen könnte. Wenn wir diese beiden Kategorien von Reisenden volkswirtschaftlich definieren, so stehen sich hier die ärmeren und reicheren Kreise einander gegenüber. Wenn wir nun die norddeutschen und süddeutschen Tarife nach ihrer Tendenz vergleichen, so wird man zugeben müssen, daß in Süddeutschland der demokratische Zug maßgebendes Prinzip der Tarifpolitik ist. In Norddeutschland beträgt der Einheitssatz für die zweite Klasse 6 und für die dritte Klasse 4 Pfennig pro Kilometer, in Süddeutschland dagegen 5,3 bezw. 3,4 Pfennig. In der ersten Klasse sind in Norddeutschland und Süddeutschland sich die Preise gleich. Der süddeutsche Einheitspreis der beiden unteren Fahrklassen ist also eine Konzession an die breiten Volksschichten. Man sieht diese Tendenz auch wieder am folgenden Bild: In Süddeutschland erhöht sich der Preis der zweiten Klasse gegenüber demjenigen der dritten um 60 Proz., in Norddeutschland aber bloß um 50 Proz. Also auch hier gibt sich die Tendenz zu erkennen, die wohlhabenderen Klassen schärfer heranzuziehen. Weiterhin beträgt in Norddeutschland der Einheitspreis für den Schnellzug 9 Pfennig, in Süddeutschland 9,1 Pfennig, ebenfalls wieder das Merkmal einer schärferen Belastung der wohlhabenderen Kreise. In Süddeutschland beträgt der Einheitspreis für 10 Kilogramm Gepäck 35 Pf., in Norddeutschland 50 fg. In Süddeutschland gewährt man den Passagieren fein Freigepäck, in Norddeutschland darf aber ein Reisender 25 Kilogramm Gepäck gebührenfrei mit sich führen. Da nur die ärmeren Klassen mit leichtem Gepäck reisen, so bezweckt also auch jene Maßregel eine Belastung der oberen Zehntausend und verfolgt demnach ein demokratisches Prinzip in der Tarifpolitik. Wir möchten wünschen, daß man sich in Norddeutschland die süddeutsche Demokratie in der Tarifpolitik" zum Muster nähme. Möbelfabrik- Lager und Ausstattungs- Geschäft berbunden mit eigener Schreinerei, Polster- und Tapezierwerkstätte Verlobten die praktischste und übersichtlichste Auswahl beim Aussuchen des bietet Stetes Lager von ca. zukünftigen Heimes. 50 Salons, Speises, Herren, Schlaf und Wohnzimmer- Einrichtungen. Moderne Küchen- Einrichtungen in jeder Preislage. 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Vermischtes. [ Graf Ballestrem und die Kazbalgeret.] Craf Ballestrem rügte im Reichstag am 20. Februar den Ausdruck ,, Kazbalgerei" mit den Worten: Hier sind doch keine Kazen." Aber Kazbalgerei hat mit den Streitigkeiten von Kazen nichts zu tun. Kluge, bekanntlich eine der ersten Autoritäten in ethymologischen Dingen, sagt in seinem Wörterbuch über das Wort folgendes:„ Kazbalgen, schon im 16. Jahrhundert allgemein üblich, daneben im 16. Jahrhundert miteinander im Kazbalg liegen: wohl eigentlich Bild aus einer Tierfabel, worin Hunde sich um ein gefundenes Kazenfell zanken." Mithin hätte Graf Ballestrem allenfalls sagen können: wir haben hier keine Hunde! Eine zweite Erklärung des Wortes ist die folgende: Kazbalger waren zur Zeit der Lanzknechte Söldner, die, mit zweihändigen, langen Schwertern bewaffnet, vor der Lanzenlinie des hellen Haufens kämpften und die Aufgabe hatten, ihren nachfolgenden Leuten in der geschlossenen Lanzenwehr des Feindes Plaz zu machen. Ebenso verfuhr natürlich auch der Gegner. So kam es vor dem allgemeinen Kampfe zu Einzelkämpfen, die durch das Wort Kazbalgerei bezeichnet werden. Der Kazbalger ist ein Mensch, der seinen Balg, d. h. seine Haut billig wie ein Kazenfekauft hat. Da sein Geschäft der Zweikampf war, so ist sich herumhauen übertragenerweise Kazbalgen oder auch balgen genanni worden. [ Eine eigenartige Neutralitätserklärung,] die nichts an Kürze und Bündigkeit, aber manches an Höflichkeit zu wün. schen übrig ließ, gab einst ein türkischer Großherr ab, als ihm zur Zeit des siebenjährigen Krieges der Ausbruch der Feindseligkeiten zwischen Frankreich und Preußen angezeigt wurde. Der französische Gesandte hatte ihm mündlich die Nachricht mitgeteilt. Mit echt orientalischer Gelassenheit entgegnete der Sultan:„ Mir ist es vollkommen gleich, ob das Schwein den Hund frißt oder der Hund das Schwein!"-- Mittlermeile sind die ,, Beherrscher der Gläubigen" doch etwas liebenswürdiger geworden. Frühjahrs- Pferdemarkt zu Gießen. Am Mittwoch, den 16. März 1904, vormittags, findet auf den städtischen Markianlagen nächst der Rodheimerstraße Pferde= markt statt. Für Stallungen in der Nähe des Marktes ist ausreichend Sorge getragen; wegen derselben wolle man sich an Herrn Hoflohnkutscher Huhu dahier wenden. Auskunft über sonstige Marktangelegenheiten erteilt Herr Weinhändler Auguft Schwan dahier. Mit dem Pferdemarkt ist eine Brämiierung Der verbunden, für welche 1585 Mr. zur Verfügung stehen. Prämiierungsplan ist von Herrn Defonomierat Schlenke Hard hof bei Gießen oder von Herrn Weinhändler Schwan- Gießen zu beziehen. Die Breisverteilung erfolgt im Anschluß an die Prämiierung um 122 Uhr. Von 11 Uhr ab Konzert auf dem Marktplay. Omnibusverbindung von dem Bahnhof nach dem Marktplatz und zurück. Am 17. März, nachmittags 2 Uhr, findet in der TurnHalle der Stadtknabenschule eine Verlosung statt von Pferden, Wagen, landwirtschaftlichen Maschinen und Gerätschaften, Haushaltungs- und Gebrauchsgegenständen. Der Generalvertrieb der Lose á 1 Mark ist dem Herrn Richard Buchacker dahier übertragen. Gießen, 15. Januar 1904. Die Städtische Pferdemarktkommission. Jean Kirch, Stadtverordneter. Brennholz Aleine freundliche Wohnung ( Tannen Abfallholz) liefert für in der Nähe des Seltersthores 1.15 Mk. pro 3tr. fret ans Haus. sofort zu mieten gesucht. Off. = B. Nuhn, Lollar. mit Breis u. 3280 an b. Grp. d. Bl. erbeten. Jean Dern& Co. Giessen. Gegründet 1883. Inhaber: Oskar Gutmann. Bureau und Lager: Westanlage 31 Telephon 21. Gegründet 1883. Cementwaren- Fabrik und Lager: Frankfurterstr. 114, eign. Bahnanschl. Bau- und Kanalbau- Artikel. Trottoir-, Fussboden- und Wandplatten. Grösstes Lager am Platze in sämtlichen Bauartikel. [ Konfuls Tod.] Der Vertreter der Affenwelt, dessen hohe Intelligenz seit Wochen im Zirkus Schumann zu Berlin allgemeine Bewunderung erregte, ist seinen Leiden erlegen. Der arme Affe, der tuberkulös war, konnte das rauhe Winterwetter nicht vertragen und hüstelte wie ein wirklicher Mensch" schon seit Monaten. Dazu kam noch, daß er leidenschaftlich Zigaretten rauchte, und von dieser Unart um so weniger Tassen konnte, als das Rauchen zu jenen Tricks gehörte, die einen Teil der allabendlichen Vorstellung des Chimpansen bildeten. Selbstverständlich bedeutet der Tod Konsuls für seinen Impresario einen großen Verlust, der übrigens nicht der Besizer des Affen war. Der eigentliche Eigentümer Konsuls war die Tänzerin Loie Fuller, die den Affen für 400 Mark per Vorstellung weiter vermietet hatte. [ Gine wunderliche Erfindung] hat ein Londoner dem dortigen japanischen Gesandten angeboten. Es ist ein untersceisches Magnetboot", das mit seiner magnetischen Kraft imstande ist, die russischen Kriegsschiffe an sich zu ziehen und dieselben ohne Widerrede ganz einfach in den nächsten japanischen Kriegshafen zu lotsen. Es ist nur schade, daß der edle Freiherr von Münchhausen schon tot ist; der hätte damit die Kanonenkugel, auf der er spazieren ritt, noch übertrumpfen können. ** Die erste Frühlingsbotin, die Blüte des Haselstrauches, hat in diesem Jahr recht lange auf sich warten lassen. Ihre mittlere Zeit ist der 2. Februar, aber sehr oft ist sie schon im Januar, sogar in der ersten Januarwoche angemeldet. Zurzeit stäubt die Hasel zwar noch nicht in geschützten Standorten des Waldes, aber die Samenkapseln der Kätzchen sind eben zum Aufplaten entwickelt, sie lockern die Blüte zur Entfaltung. Ist die Sonne günstig, so sind sie in ein paar Tagen stäubend". Aber die Sonne ist freilich nicht günstig in diesem tristen Winter, der im Januar nur fünf Sonnentage brachte der letzte Dezember hatte sechs—, im Februar seither zwei. Sie hat das Blühen der Hasel berzögert. Trotz alledem webt ein Frühlingshauch im Walde für das Kennerauge schon seine zarten Geheimnisse: die Moose sind längst frisch belaubt, auf den Waldwiesen regt sich der Keim vorsichtig unter der grauen erstorbenen Winterdecke; die Drossel schlägt zwar noch nicht, aber sie lockt sehr laut und dringlich. In Mitte Februar kommt auch der Winterling, der feine Eranthis hiemalis, zum Vorschein. Vor allem aber sind die Wolkenbildungen am Abend ganz andere als im Winter, die Februar- Stürme beginnen und die Natur versucht das Wohngebiet der Vegetation auszufegen, dürres Holz zu machen und Platz zu bereiten für die kommenden Keime in Wald und Flur. [ Die Ausstellung eines Kohlenbergwerts in vollem triebe] dürfte in St. Louis große Anziehungskraft ausüben. Das Publikum wird sich mittels einer elektrischen Grubenbahn in das Erdinnere begeben und dort die Arbeit der Kohlengräber verfolgen können. In Verbindung mit dem Kohlenbergwerk sollen die modernsten Maschinen, die in dieser Industrie Verwendung finden, ausgestellt werden. Die Wände des Bergwerks sind mit Kohlen ausgemauert. Direkt neben dem Eingang in den unterirdischen Anlagen befindet sich eine Restauration, in welcher Kohlengräber mit Laternen über ihren Kappen als Aufwärter fungieren werden. Das Neuefte aus den Witzblättern. Von der Sekundärbahn. Reisender( zum Lokomotivführer): Sagen Sie, mein Bester, wie kommen denn Sie zu dieser Rettungsmedaille; kann denn auf einer solchen Schneckenbahn auch ein Unglück passieren?" Führer: Dös wollt i moan'n! Bal i halt an Zug bei der Ueberfahrt net grad no zum stehn bring, nacha fahrt uns halt der Herr Baron mit'm Autl über'n Hauf'n!" Boshaft. Dichterling( von seinem Onkel erzählend, den er mit Erfolg angepumpt):„ Er ist doch eine zu liebe Seeie, ich werde ihm ein Bändchen Gedichte widmen!" Freund: Ja! Ja! Undank ist der Welt Lohn!" Trinkerstandpunkt. Seppel:„ Vata! Was is dös: a Wasserheilanstalt?"- Vater: Frag net so dumm! Dös is a Anstalt, wo oaner vom Wassertrinken g'heilt wird!" Stoßseufzer. Sie:„ Ach, Eduard, warum mußteſt du unter die Autler gehen; sogar deine Küsse schmecken nach Benzin!" Kasernenhofblüte. Unteroffizier: Einjähriger Müller, ſizen Sie doch nicht so stolz auf dem Pferde; meinen Sie, Sie könnten besser reiten, weil Sie wohl früher auf' ner Roßhaarmatraße geschlafen haben?" Bestätigung. Ist es wahr, daß du schon einmal beinahe ertrunken wärsi?" Swusterzunge:" Jawohl, det is historisch!" Unter Studenten.„ Der Herr suggerierte dir also, daß du ein Millionär seiest. Spund? Ist ihm das Erperiment gelungen?"„ Im allgemeinen ja- angepumpt hab' ich ihn aber doch!" ( Megg. Bl.) Bekanntmachung. Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß wieder eine Prämiierung von Dienstboten des Spartassenbezirks Der Landwirt. pd. Die Entwickelung der deutschen Schweinezucht bildete den Hauptverhandlungsgegenstand der Versammlung der Vereinigung deutscher Schweinezüchter, die in Berlin stattfand. Prof. Dr. v. Nathusius- sena wies an der Hand der Ergebnisse der letzten Viehzählung nach, daß die Schweinezucht sich be= trächtlich gehoben hat. Redner wies hin auf die absolute Steigerung der Schweinebestände, die von 1873 bis 1900 von 7 Millionen auf 17 Millionen Stück gestiegen sind. Noch auffallender sei aber die Steigerung im Verhältnis zur Grundfläche. 1873 kamen auf den Quadratkilometer 13,2 Schweine, 1900 aber 31,1 Schweine. Je 100 Einwohner hätten 1873 17,4 und 1900 29,8 Schweine zu verzehren gebabt. pa. Eine neue Zuckerpflanze, die 20ma! mehr Zuder t- hält, als das gleiche Gewicht an Zuderruben oder 3aderrohr, ist im landwirtschaftlichen Institut von Paraguas chemisch untersucht worden. Der Zucker kann für alle Zwede der Küche gebraucht werden. Die Pflanze ist ein strauchartiges Gewächs, das kaum einen Fuß Höhe erreicht und den Botanikern unter dem Namen Eupatorium rebandium befannt ist. Sie gehört zu derselben Gruppe wie unser dentscher Wasserdosten oder Wasserhanf. Kunft und Wiffenfchaft. erhalten BL. Die große Kunstausstellung in Dresden kündigt fich jetzt schon durch die Vorarbeiten im städtischen Ausstellung:- palast und Park an. Im Palast wird Wallot, der Erbauer des Ganzen, die lange Wandelhalle des westlichen Seitenflügels, die er schon zur zweiten Internationalen, Dresden 1901, mit skulptierten Vierfantsäulen geschmückt hatte, durch einen monumental gegliederten Raum abschließen. Im Ausstellungspark sollen ein Biedermeiergarten nach dem Entwurf des Direktors des königlichen Kunstgewerbemuseums Professors Graff und ein moderner Garten nach dem Entwurf von Wilhelm Kreis das Kunstausstellungswesen erweitern und bereichern. Beide Gartenanlagen Wasserfünste, beide sind auch bestimmt zur Ausstellung von Plastik. Die große Ausstellung soll in erster Linie neuzeitliche deutsche Bilder, Graphik und Skulpturen enthalten, dann aber auch noch eine geschichtliche sächsische Abteilung und eine internationale, in der sich die ganze europäische Malkunst des vergangenen Jahrhunderts spiegelt. Einen hervorragenden Platz findet in diesem Rahmen eine große Sonderausstellung von Delbildern von Adolf Menzel. Das Sunstgewerbe wird diesmal in Dresden wesentlich schwächer als die letzten Male vertreten sein, dagegen dürfte die große graphische Abteilung so bedeutsam werden wie vor drei Jahren. Der„ göttliche" Mikado. Die friegerische Stimmung in Tokio, die sich in patriotischen Ausfällen gegen die Russen Luft macht, hat die Hauptädtische Polizei zu der Maßregel gezwungen, den dortigen russischen St. Nikoladom durch ein großes Aufgebot von Schußleuten überwachen zu lassen, damit der Pöbel ihn nicht demoliere. Gewissen Kreisen ist der Dom überhaupt ein Aergernis. Als s. 3. die Bauerlaubnis erteilt wurde, gah es große Stürme. Unter anderem wurde geltend gemacht, daß man von: dr Kuppel der Kirche aus in den Garten des Mikado sehen löne. Das sei eine fortwährende Majestätsbeleidigung! Tatsache ist, daß auch heute noch in den Straßen, durch welche der japanische Kaiser fährt, kein Mensch sich in einer Etage oder an einem Orte aufhalten darf, der höher gelegen ist, als der Stg des Kaisers im Wagen. In allen öffentlichen Gebäuden müssen die Beamten ins Parterre hinunterkommen. Es soll auch äußerlich der Anschein erweckt werden, daß niemand„ über" dem Sohn der Sonne steht. Behauptet doch die japanische Mythologie, daß die regierende Mikado familie göttlichen Ursprungs sei und daß das ganze Volk von der Mikadofamilie abſtamme. Das ist ein Märchen aus grauer Vorzeit. Aber dieses Märchen wird in Japan feineswegs so angesehen wie etwa die Grimmschen Hausmärchen in Deutschland; vielmehr ist es recht eigentlich die Religion der Japaner und die Quelle ihrer Ethik, zugleich ihre Stärke und ihre Schwäche; etwas spezifisch Japanisches und doch zugleich echt Menschliches. Die Bibel führt den Stammbaum der gesamten Menschheit auf ein einziges Elternpaar zurück. Wenn also auch die Japaner von einer einzigen Familie entsprossen zu sein glauben, und wenn sie dieser, der Mikadofamilie, göttliche Herkunft zuschreiben, so dürfen wir uns über die Tatsachen selbst ebensowenig wundern, wie über ihre Einwirkung auf das nationale Empfinden und politische Denken. Hat das Volk eine einheitliche AbZahnklinik Villa, gross. Steinweg 9! 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Es werden hiernach alle diejenigen Dienstboten, welche nach diesen Bedingungen auf eine Prämie glauben Anspruch erheben zu können, H. Tichy, Gießen seltersweg 43, Ecke Göthestrasse. Zimmer Nr. 15 An- und Verkauf Mittlerer Stod, von gebrauchten Möbeln. Betten, aufgefordert, sich unter Vorlage der Dienstbücher, eines leidern, und Herden, Bleichstraße 11, 5 Zimmer mit GoldZeugnisses der Herrschaft über gute Führung, sowie eines Metallen, Eisen, Lumpen und Bnochen, wie Trockenboden, zu vermieten. etwaigen Sparkassenbuchs bei unserer Kasse oder der sowie Uebernahme ganzer Ein- Näh Gießen, Neuenweg 28. Bürgermeisterei des Wohnorts bis zum 5. März 1. J. tungen. Louis RothenbergerWtw. zu melden. Cijernes Gießen, 20. Februar 1904. Der Direktor der Spar- u. Leihlasse Gießen. Wiener. Wir suchen für einen Jungen von auswärts zu sofortigem Eintritt eine Schreibgehilfenstelle bei einem Rechtsanwalte oder auf einem sonstigen Bureau. Gießen, den 20. Februar 1904. Städtisches Armenamt. L stammung, steht diese wenigstens in seinem Bewußtsein ganz und gar im Vordergrunde, dann ist es fast selbstverständlich, daß der Patriotismus eine hervorstechende Eigenschaft seines Charakters bildet, die durch die insulare Abgeschlossenheit nur noch verstärkt wurde. Herrschte ferner der Glaube, die gesamte Bevölkerung stamme von der Mikadofamilie ab und dieser be wird bis heute sogar amtlich festgehalten, so ist das Verhältnis zwischen Untertanen und Herrscher nicht nur fest begründet, sondern auch ur- und naturwüchsig. Der Mikado steht als der Patriarch der großen Volksfamilie da. Wie im einzelnen Hause der Familienvater und Hausherr die Macht hat, so im Staate der Landesvater und Landesherr, der denn auch bis zum Beginn der Meiji- Periode als der einzige Grundherr des Landes galt. Da nun aber dem Herrscherhause außerdem die göttliche Abstammung zugesprochen wird, so ist es für die Masse des Volkes mit einem Glanz umgeben, vor dem die regierenden Häuser aller anderen Völker erbleichen. Das japanische Herrscherhaus ist tatsächlich, wenn auch nur infolge sehr häufiger Adoption, das älteste der Welt. Die Japaner leiten daraus einen Vorrang ihrer Monarchie unter den Staaten gleichen Charakters ab. In dem Glanz, der davon auf das ganze Volk ausstrahlt, liegt eine starke Gewähr dafür, daß die seit Jahrtausenden bestehende Herrscherfamilie auch in Zukunft den Thron behaupten wird. Medaillen und ihre Kehrfeite. Wir erhalten folgende Zuschrift: Ein Schuinvarenhändler im Norden Berlins, der durch seine fühne Reffame einen starten Zulauf namentlich der unteren Volksschichten Larte, wußte auf das Publikum durch die dekorative Verwending einer Medaille mit der Inschrift Allgemeine Ausstellung für Patente und industrielle Neuheiten" und der Verleihungs. widmung für hervorragende Leistungen" zu wirken. Der Verein Berliner Schuhwarenhändler brachte nun in Cr fahrung, daß diese sogenannte Ausstellung eine wilde war. die von einem Privatunternehmer, der zugleich auch als Schiedsrichter fungierte, ins Leben gerufen und durchgeführt worden war. Wahrscheinlich werden alle sogenannten Aussteller ähnliche Medaillen erhalten haben. Wenn diese auch nicht wohlfeil als Kaufobjekte zu haben sind, so sind sie doch hinsichtlich der Leistungsansprüche außerordentlich wohljeil. Die juristische Qualifikation des unlauteren Wettbewerbs muß als unbedingt vorliegend erachtet werden, aus dem einfachen Grunde schon, weil keine Jury aus Sachverständigen vorhanden war. Der genannte Verein der Schuhwarenhändler erhob daher auf Grund des Paragraphen über den unlauteren Wettbewerb Klage, erzielte aber in erster Instanz kein obsiegende Urteil, weil hier die Frage, ob die Ausstellung eine wilde war, oder nicht, überhaupt nicht untersucht wurde. Eine andere Stellung aber nahm das Landgericht I in Berlin als Berufungsinstanz ein. Es entschied, daß der Beklagte die Abbildungen der Medaillen aus den Schaufenstern und von den Briefköpfen zu entfernen habe, und bedrohte ihn für jeden Fall der Zuwiderhandlung mit einer fiskalischen Strafe von 30 Mark. Mit dieser Entscheidung ist meines Erachtens der Geschäftswelt eine große Wohltat erwiesen worden, denn derartige wilde Ausstellungen und derartige wilde Medaillen gedeihen namentlich in Großstädten in besonders üppiger Weise. Man wäre aber jedenfalls doch nicht gegen diesen unlauteren Wettbewerb vorgegangen, wenn nicht die Korporation des Verbandes der Schuhwarenhändler durch ihren rechtskundigen Eynditus die Sache aufgegriffen hätte. Die Kehrseite der Medaille ist also besonders lehrreis, indem sie den Berufsständen, welcher Art sie auch sein mögen, aufs neue die Notwendigkeit eines korporativen Zusamn.en= schlusses ans Herz legt. Die Eristenz eines solchen Verbandes übt eine luftreinigende Wirkung nach zwei Seiten aus, indem er die geschäftlichen Manipulationen der Außenstehenden überwacht, sodann indem der Verband aber auch die moralische Handhabung der Geschäftsprinzipien innerhalb seines Bereiches herbeiführt. Leider wird in Geschäftskreisen nod immer zu sehr der Wert eines berufsgenossenschaftlichen Zisammenschlusses unterschätzt. Die reelle Geschäftswelt ist infolgedessen den unlauteren Manipulationen skrupelloser Sonkurrenten preisgegeben, wie sich dies in dem vorerwähn ten Berliner Fall mit Deutlichkeit zeigt. Möchten sie sich Ein Handwerker. ihn zur Lehre dienen lassen! Verantwortlich: für den politischen und Inseratenteil: Albin Klein für das Lokale, den„ Gerichts-" und" Deffentlichen Sprechsaal": Fr. Oppermann 1 „ AUTOL™ unübertroffenes Del motius« Sohn 00 Motorzweiräder. Hannover. & Basel Zur Saison bringe mein großes Lager von Irischen-, Dauerbrand-, Amerikaner-, Regulierheiz, Koch Hopew- und Darmstädter- Defen in diversen Fabrikaten. Ferner: Ofenschirme, Ofenvorsetzer, Verdampfschalen, Feuergeräteſtänder, Kohlenfüller n. Kasten, Kohlenlöffel, Stocheisen, Asch- und Mülleimer etc. in empfehlende Erinnerung. Auch habe 1 Volldampf- Waschmaschine, sowie Dr. Klein's FleischSaftpressen zu verleihen. 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" Es ist alles gut," antwortete ich und ahmte die Stimme Run?" flüsterte mein Begleiter. des Hausirers nach. Messer wurden auf mich gezückt. Da ergriff ich die Lampe Dunkelheit füllte sofort das Gemach. und warf sie auf meine Feinde. Ich hatte mir genau die Tür gemerkt, zu welcher der Präsident hereingeto Nr. 46. Samstag, den 27. Februar 1904. efchloffenheit schaft feine verständli ptjein ganz upten wird. bestehende dem Glanz, eine starte te der Welt. Monarchie chlich, wenn ren Völker Glanz umochen wird, der einzige Herrscher rr, der denn Die im ein die Macht do steht als t begründet Verhältnis Bebe wir Bevölferun ite. auch als wilde war un in Cr Dirfen. De Verleihung Ausstellung Verwend in diten Larte, fame unen renhändler ich find fie Sach n diese aud mnten Au durchgeführt ch doc bedrohte ihn fistalij hen fenstern und Der Bellagte I in Berlin urde. Eine obsiegendes eine wilde er erhob da uteren Bett verständigen us dem ein Bettbewerbs mohtjeit. Medaillen denn der= ns der Gegegen nicht indler dura nn nicht die bejenders aus, indem n Verbandes Zuſammen lehrrei, in griffen hätte. sein nügen, merker. hten sie fid borerwän skrupelloser ftlichen Zi Swelt ist in. rhalb ſeines Benstehenden freiſen noth die mora tierten Gestalt dicht an mich heran. und warf sie auf meine Feinde. auf die Straße. Da drängte sich in der Dunkelheit eine Messer wurden auf mich gezückt. Da ergriff ich die Lampe „ Nun?" flüsterte mein Begleiter. Dunkelheit füllte sofort das Gemach. Ich hatte mir genau " Es ist alles gut," antwortete ich und ahmte die Stimme die Tür gemerkt, zu welcher der Präsident hereingekommen war. Dahin tastete ich mich und rief: des Hausirers nach. ,, Schläft er?" „ Fest." Gut. Romme mit uns. Du hast deine Probe bestanden. So sterben alle Feinde der guten Sache." Wir gelangten in eine Straße, die den Namen der„ Lohn der Guten" trug. Vor einer Türe blieben wir stehen. Mein Begleiter kragte an die Türe, eine Spalte öffnete sich, und eine Stimme fragte nach unserem Begehr. " Des Drachens Blut," sagte mein Führer.„ Einlaß zu den zehntausend Hoffnungen." Nach vielen Umständlichkeiten kamen wir in ein langes, niedriges Gemach. Vierundzwanzig flüsternde Männer saßen an den Wänden entlang. In der Mitte des Zimmers stand ein Tisch. Darauf brannte eine Lampe mit einem grünen Schirm. Meine Augen gingen rastlos hin und her. Plötzlich kam Bewegung in die Gesellschaft. Ein Mann mit einer weißen Maske trat ein. Stumm verbeugten sich alle. Der weiße Mann erwiderte ernst den Gruß. Dann nahm er seinen Präsidenten- Platz ein. ,, Sind wir alle hier?" " Ja, Bruder Präsident." ,, Sonst noch wer?" ,, Noch einer?" ,, Was will er?" ,, Er hat etwas zu erzählen. st er ein Fremder?" " Ja, ein Fremder, Bruder Präsident." Der Präsident sah mich scharf an." So wollen wir seine Geschichte hören, bevor wir zu wichtigen Geschäften übergehen." Ich trat einige Schritte vor, sah der weißen Maske ins Gesicht. Lange lebe der Bund der zehntausend Hoffnungen,“ sagte ich. " Ein frommer Wunsch, mein Sohn. Die Götter fördern unser Unternehmen. Die Tage der Usurpatoren sind gezählt. Starb diese Kreatur, die weder Engländer noch Chinese war? Wie starb er?" ,, Wie alle, verzweifelnd kämpfend, Exzellenz." Exzellenz!" wiederholte er. Du brauchst ein seltsames Wort. Du gehörst nicht zu uns!“ Guere würdige Haltung, Bruder Präsident, gab mir dieses Wort ein." Schweigen trat ein. Das war wohl die verhängnisvollste Situation, in der ich mich je im Leben befunden hatte. ,, Wer brachte diesen Mann hierher?" ch," sagte mein Führer. ,, Was weißt du von ihm?" Er hat uns oft und treu gedient. Ihm ward die Ehre zu teil, den„ Bund der zehntausend Hoffnungen" von dem gefährlichsten Feind zu befreien." ,, Kannst du für ihn bürgen?" " Ja, Bruder Präsident. Als Hausierer verkleidet, ging er in das Wirtshaus, wo der Engländer in chinesischer Tracht wohnte." Wie heißt du?" wandte sich die weiße Maske an mich. " Ist es nicht gegen die Regel des Bundes, die Privatnamen zu besprechen?" Wenn die Notwendigkeit es erfordert, so sind die Regeln ungültig." Ich war starr vor Schrecken. Da fiel mir ein, daß der Hausirer mir seinen Namen genannt hatte. Ich bin Kong- li, der Sohn von Hi, des ehrenwertesten Sargtischlers von China." Der Präsident sah meinen Führer an. Dieser nickte. ,, Wo wohnst du?" Wiederum erschrak ich. Aber schnell antwortete ich:„ In der Straße des Zweiflauigen Drachens"." ,, Nein, Bruder Präsident," rief mein Führer. Er wohnt mit Weib und Kind in der Straße zum„ Großen Tempel". Diese Perücke und dieser Bart ist nur ein Teil der Verkleidung, die er annahm." Der Spion ist in unserer Mitte," schrie es um mich her. Alle sprangen von ihren Sißen auf, und ein Dutzend blanker Feuer, Feuer!" Nun ward das Gedränge und die Aufregung groß. Von einem Menchenknäuel getragen, gelangte ich auf einen Hof. Da hörte ich die Stimme des Präsidenten: ,, Zaßt niemand hinaus!" Ich sah den Mann mit der weißen Maze neben dem Pförtner an einem Tore stehen. Schnell versetzte ich diesem einen Schlag unter das Kinn. Er taumelte, stürzte zu Boden, und ich brach durch die Tür und gewann das Freie. Man verfolgte mich. Ich lief in das Telegraphen- Bureau und setzte nachstehende Depesche nach Pefing auf: " Der Bund der zehntausend Hoffnungen" tagt in der Straße zu dem„ Lohn der Guten". Sein Präsident ist der Gouverneur Chung- Ki." AUS DEM REICHE DES WISSENS Bur Geschichte des Wohlgeruchs. Schon zu den ältesten Zeiten war der Gebrauch wohlriechender Dinge bereits beliebt und an der Tagesordnung. Salbten doch bereits die Hohenpriester des jüdischen Volks sich mit den duftenden Delen Indiens und aus Afrika, und Weihrauch- Düfte wallten hoch von den Altären diente doch in Hindostan seit grauen Jahren des Sandelbaums Holz zum Räuchern, wie auf den Sunda- Inseln der Gebrauch des Benzoe, eines weißen, wohl= riechenden Harzes, für denselben Zweck üblich war und ist. Besonders aber taten die alten Perser und Babylonier sich hervor in Verwendung und Verschwendung diverser wohlriechender Düfte, indem sie unter anderem besondere Hof- Beamte, die in gutem Geruch standen, das heißt für den Wohlgeruch zu sorgen hatten, einsetzten, und sogar die Blumen noch an Duft zu überbieten suchten durch parfümierte Kränze, die bei Festlichkeiten die edlen Häupter schmückten. Welche Ehre, welche Gnade, wenn ein königlicher Herr den mit köstlichen Essenzen übergossenen Blumenkranz, welcher beim Gelage seinen eigenen hohen Kopf gekrönt, an irgend einen Glücklichen verschenkte! In sinniger Form erhielt der gleiche Brauch sich bei den Griechen, die aus zarter Frauenhand, als ein Zeichen besonderer Huld, duftende Kränze von Blumen empfingen, welches zuvor das Haar der holden Huldin geziert. Und wie die alten Perser, liebten auch die Aegypter, namentlich jedoch die Römer, herrliches Riech- und Räucherwerk, kostbaren Balsam, Salben u. s. w., und zwar war der Aufwand im Altertum dabei so groß, daß er sogar bis auf die Toten sich erstreckte, bei deren Einbalsamierung und Leichenbegängnissen großer Lurus mit Wohlgeruch getrieben wurde. Speziell hervorragend aber war die schwelgerische Kaiserzeit Alt- Roms im Kultivieren der Kunst künstlichen Duftes! Mann und Weib wetteiferten in der Vorliebe dafür alles mußte duften: Menschen, Räume und Getränke. Bei der Tafel und bei Festen war guter Geruch" eine Hauptbedingung, für deren Erfüllung eine Fülle von Blumen, Rauchgefäßen, Brunnen, versehen mit parfümierten Gewässern, Weine, gewürzt mit kostbaren Essenzen, Sorge tragen mußten. Diese Uebertreibung zeitigte auch schroffe Gegner und scharfe Kritiker, welche die Sucht, zu duften, mit des Spottes beißender Lauge überschütteten, und Kaiser Vespasian, der im ersten Jahrhundert nach Christus regierte, soll einst einen seiner Offiziere entlassen haben, weil er ihm zu wohlriechend war. Desto eingenommener für den Duft des Parfüms zeigte sich das schönere Geschlecht! Der Leibarzt der römischen Kaiserin Plautina, Kriton, schrieb z. B. eine„ Abhandlung über die Toilette", in der er nicht weniger als fünfundsiebzig wohlriechende Essenzen beschrieb, und manches große Vermögen damaliger Zeit„ verduftete". * Warum sollte mans nicht wissen? Einer, der viel Zeit hatte, ein schweizerischer Gottesgelehrter hielt es für eine wichtige Sache zu erforschen, wieviel Worte und Buchstaben die heilige Schrift habe. Da hat er herausgezählt, daß die Bibel 773 662 Wörter und 3 566 480 Buchstaben enthalte. Das Wörtchen„ und" ist am häufigsten vertreten und findet sich 46 227 Mal vor, während das Wort„ flugs" nur einmal vorkommt. Um dies herauszubekommen, hat der Mann drei Jahre täglich fast neun Stunden gearbeitet. Wer tut's ihm nach? Nr. 46. Samstag, den 27. Februar 1904. Oberbessische Familienzeitung. Cägliche Unterhaltungs- Beilage beg Gießener Neueste Nachrichten. Bond und Verlag bes Steponer Derlag# braderet, vorm. Dih. Reller'sche Bucherudersi( gegr. 1788); sesenter: Ibin lela (( 9. Fortsetzung.) Der Goldmarder. Original Roman von M. Behold. Der Hofrat erhob sich, ein ungläubiger Zug lag noch immer um seine Lippen. Ich kann nur wiederholen, daß die baldige Verlobung unserer Kinder in Ihrem eigenen Interesse liegt," sagte er, indem er seinem Freunde die Hand zum Abschied bot, sie wird nach meiner innersten Ueberzeugung die Entscheidung des Fräuleins v. Derendorf beschleunigen und die Erfüllung Ihres Wunsches Ihnen sichern." " Ich werde das nicht vergessen," erwiderte Spangenberg, den Hofrat bis zur Treppe begleitend, aber auch abgesehen hiervon wird es mich aufrichtig freuen, wenn ich schon morgen unser Geheimnis veröffentlichen darf. Erlauben Sie mir übrigens noch die eine Frage: sind Sie Ihres Sohnes sicher?" Jawohl." ,, Nun, dann brauchen wir uns keine Sorgen weiter zu machen. Auf Wiedersehen heute abend!" Mit ernster, nachdenklicher Miene kehrte Joachim Spangenberg in sein Rabinet zurück; er schien seines Sieges doch nicht so ganz gewiß zu sein. Er blieb vor seinem Schreibtisch stehen und legte die Hand auf die Stirne, ein tiefer, schwerer Atemzug entrang sich seinen Lippen. Am Ziele bin ich noch nicht," murmelte er,„ aber erreichen muß ich es, gleichviel, was es auch kosten mag!" Er trat vor den Spiegel und drehte die Spigen seines Schnurrbartes empor wie ein junger Stußer, und ein selbstgefälliges Lächeln zuckte dabei um seine Lippen. Fünftes Kapitel. Irma und Gustav Spangenberg erwarteten den Vater schon; er begrüßte sie mit einem leichten Kopfnicken und ließ sich an der mit Silbergeschirr reich belandenen Tafel nieder. Gesprochen wurde bei Tisch nie, so lange der Diener servierte, erst dann, wenn das Dessert aufgetragen war und der Lakai sich entfernt hatte, durften die Kinder eine Frage an den Vater richten, oder der Direktor ergriff selbst das Wort, um in der Regel seinem Unmut über dies oder jenes Luft zu machen. Und heute hatte der Diener kaum die Tür geschlossen, als der Sturm losbrach. " Peter Schönbach ist also nicht ausgewiesen worden?" fragte er, seinem Sohne einen zornfunkelnden Blick zu werfend. „ Der Herr Schwager behauptete, er habe keine Be rechtigung dazu,“ erwiderte Gustav, mit dem silbernen Nußfnacker Haselnüsse öffnend, deren Kerne er auf den Teller seiner Schwester legte. Er fürchtet, man könne ihm den Vorwurf machen, er mißbrauche seine Amtsgewalt im Interesse seiner Familie " Eines solchen Vagabunden wegen?" brauste der Direktor auf.„ Wer wird sich um den Kerl weiter fümmern?" ( Nachdruck verboten.) ,, Schönbach drohte, er werde sich persönlich an den Fürsten wenden und außerdem allerlei veröffentlichen, was unsere Familie im höchsten Grade kompromittieren würde." Ich hätte meinem Schwiegersohne solche Schwäche nicht zugetraut, wäre ich Polizeirat, der Kerl würde sofort über die Grenze gebracht worden sein. Und damit er das Wiederkom men vergäße, hätte ich ihm fünfundzwanzig aufzählen lassen. Was will er hier? Seinem armen Bruder zur Last fallen? Der Kustos hat selbst nichts, er bettelte heute Morgen noch um eine bessere Wohnung für seine kranke Frau, die ich ihm jedoch nicht geben kann." ,, Peter Schönbach berief sich darauf, daß er ein berühmter Kupferstecher sei," sagte Gustav ironisch,„ er will einige Bilder in der hiesigen Gemäldegallerie kopieren. Ist er um die Erlaubnis noch nicht eingekommen?" In den zornfunkelnden Augen des Direktors blitzte es tückisch auf.„ Nein, er würde sie auch nicht erhalten," erwiderte er. Da könnte jeder Gauner unter solchem Vorwande kommen, um unser Museum zu bestehlen und mit dem Raube zu entwischen. Wenn der Kustos es wagt, hinter meinem Rücken ſeinen vagabundierenden Bruder einzulassen, dann setzt er seine ganze Existenz auf's Spiel, ich würde ihn für alles verantwortlich machen." " Der Kupferstecher wird von uns überwacht," suchte Gustav den erregten Vater zu beruhigen, sein Paß ist leider in bester Ordnung, aber sobald er gefaßt werden kann, soll er über die Grenze gebracht werden." Irma wollte sich erheben, die Härte ihres Vaters berührte sie unangenehm. ,, Bleib' ſizen," sagte er befehlend, ich habe mit euch noch zu reden. In Bezug auf den Vagabunden werde ich mit Hermann persönlich sprechen, er muß schärfer auftreten und solche Elemente unserer Residenz fernhalten, wenn er nicht die Gunst des Fürsten verscherzen will. Du wirst nicht lange mehr in seinem Kabinett arbeiten, Gustav, die Zeit ist da, dich für die diplomatische Laufbahn vorzubereiten, darüber werde ich mit dem Hofrat v. Weisweiler beraten. Du sollst Reisen machen, Welt und Menschen kennen lernen, ich hoffe in zwischen Durchlaucht bestimmen zu können, daß er dich zum. Sekretär bei einer unserer Gesandtschaften ernennt." ,, Sehr angenehm!" rief Gustav erfreut. ,, Und auch für deine Zukunft habe ich Sorge getragen, Irma," fuhr der alte Herr, einen väterlich wohlwollenden Ton anschlagend, fort. Der Maler v. Weisweiler hat durch seinen Vater um deine Hand geworben, es ist eine durchaus annehmbare Partie, ich habe deshalb auch ohne Bedenken meine Zusage gegeben. Ottokar v. Weisweiler wird höchst wahrscheinlich zum Hofmaler ernannt werden, dann ist seine Zukunft gesichert. Das Antlitz Irma's war todesbleich geworden, das krampfhafte Zucken ihrer sonst aufeinander gepreßten Lippen befundete den Sturm in ihrem Innern. Der Direktor schien das nicht zu sehen oder nicht beachter zu wollen. Ich habe euch noch eine weitere Eröffnung zu machen," nahm er nach einer kurzen Pause wieder das Wort Apparat m. Sichen. räte. gelai, hlüsse. ssen 84. lbin Klein Oppermann Basel anover. bius& Sohn Mr. 9 Du bist wi Sat Seine e Was Aehnli Hab ich mic Galant. Gie: gesehen, Her Er: Fräulein v. Derendorf, die ihr Beide kennen werdet, ist geneigt, mir ihre Hand zu reichen. Durchlaucht billigt und wünscht diese Verbindung, wir werden in den Adelsstand er hoben werden, sobald meine Verlobung veröffentlicht ist. Ich bedarf in meiner Stellung einer Gemahlin, die mein Haus zu repräsentieren versteht. Du kannst das nicht, Irma, und wirst es auch niemals lernen, es ist das eine Naturgabe, die nicht jeder Frau verliehen wird. Außerdem aber und in diesem Punkte verlange ich von euch beiden die ſtrengste Diskretionist mein Vermögen ziemlich zusammengeschrumpft. Ich konnte das nicht vermeiden, es lag in den Verhältnissen. Mein Gehalt ist nicht bedeutend, gleichwohl zwang meine Stellung mich, ein großes Haus zu machen. Wer gesehen werden will, darf sich nicht in den Schatten stellen, ich würde am Hofe bald vergessen gewesen sein, wenn ich nicht durch ein offenes Haus immer wieder mich in Erinnerung gebracht hätte. Ich tat das alles weniger meinetwegen, als um eurer Zukunft willen, und wie gesagt, ich habe mein Vermögen da bei zum größten Teile zugesetzt. Meine zukünftige Gattin nun bringt mir neuen Reichtum mit, der auch euch zugute kommen soll, das ist ebenfalls ein Grund, der für diese Heirat spricht. So, nun wißt ihr, was euch zu wiſſen nötig iſt; ich verlange und erwarte Verschwiegenheit, bis die Verlobung Tatsache geworden iſt.“ „ Nur in einem Punkte muß ich dir widersprechen," sagte Irma mit zitternder Stimme. Ich kann das Wort nicht einlösen, das du dem Hofrat gegeben hast, es iſt mir unmöglich, Vater, ich bitte dich dringend" „ Weshalb unmöglich?" fiel er ihr barsch in die Rede. ,, Weil ich den Maler nicht liebe." ,, Ah bah, hat deine Schwester Anna ihren Gatten vor der Verlobung geliebt?" ,, Nein," erwiderte Irma, und ihre Stimme klang jetzt ſcharf,„ sie liebt ihn auch heute noch nicht, und du weißt wohl ſelbſt nicht, wie unglücklich ihre Ehe ist." " Davon habe ich noch nichts bemerkt," wars Gustav ein, „ im Gegenteil, Hermann spricht stets mit großer Liebe von seiner Frau." „ Unglückliche Ehe?" erwiderte der Vater spöttisch.„ Unsinn! Anna hat sich bei mir noch nicht beklagt, sie muß ihren Mann nehmen, wie er ist, und in ihren Wünschen nicht unbescheiden sein. Es ist Pflicht des Vaters, über das Wohl seiner Kinder zu wachen, er hat das Recht, den Lebensgefährten für seine Tochter zu wählen und sorgsam zu prüfen, ob seine Wahl ihr zum Heile gereicht, und hat er diese Pflicht gewiſſenhaft erfüllt, dann darf er auch von seinem Kinde Gehorsam verlangen." " In allen anderen Dingen, nur in diesem Punkte nicht," antwortete Irma, um deren Lippen ein Zug lag, der auf unerschütterliche Entschlossenheit deutete. Ich könnte dir sagen, daß auch das Herz Rechte habe, die in erster Reihe berücksichtigt werden müßten, aber du wirst solche Antwort in dieser Stunde schwerlich gelten laſſen, ich kenne ja dein zähes Festhalten an dem einmal Beſchloſſenen.“ Ich werde diese Antwort niemals gelten lassen!" rief ihr Vater, auf deſſen Stirne die Adern anschwollen.„ Ich kenne meine Pflichten und auch meine Rechte, und so gewissenhaft ich erſtere ausübe, ſo ſtreng verlange ich auch die Anerkennung Der letzteren. Ich habe mein Wort verpfändet; du wirst es einlösen, alle Folgen kann ich mit ruhigem Gewissen verantworten." Du bestehst wohl nur deshalb so sehr darauf, weil du Unfrieden zwischen mir und meiner jungen Stiefmutter fürch test," sagte Irma, die sich erhoben hatte und furchtlos in das hochrote Antlitz ihres Vaters schaute. Du weißt, daß ich immer ein folgsames Kind gewesen bin, auf dessen Liebe du vertrauen durfteſt," fuhr Irma zu ihrem Vater fort, von mir hast du wahrlich keine Störung deines häuslichen Friedens zu fürchten. Und wenn du ehrlich sein willst, so wirst du zugeben müssen, daß hier von einer glänzenden Partie kein Rede sein kann, denn der Maler v. Weisweiler hat nichts und ist nichts, wird auch nie mehr werden als ein mittelmäßiger Maler, der mit seinent Einkommen kaum sein Taschengeld bestreiten kann. Wenn er zum Hofmaler ernannt wird, so erhöht ihn das in meinen Augen nicht, denn nicht seinem Talent und seinen Leistungen, sondern nur den Bitten seines Vaters würde er diese Stellung verdanken, die einem Besseren gebührt." Was soll das alles?" brauste der Direktor wieder auf. Ich will dir nur beweisen, wie wenig Ottokar v. Weis. weiler in meinen Augen gilt, ich kannte ihn schon in meiner Kindheit, als wir noch im Hause des Hofjuweliers wohnten. Ich mochte ihn derzeit schon nicht, und er ist derselbe geblieben, der er damals war. Du willst mich aus diesem Hause entfernen, Vater, ich zürne dir deshalb nicht; geſtatte, daß ich mir eine Stelle suche, dann ist uns allen geholfen." The der alte Herr eine Antwort geben konnte, hatte Irma das Speisezimmer schon verlassen. „ Verstehst du das?" wandte er sich zu seinem Sohne, der noch immer mit der größten Gemütsruhe Haselnüsse knackte. „ Nur dann, wenn ich annehme, daß sie einen anderen liebt," erwiderte Gustav achselzuckend. „ Und wer sollte dieser andere sein?" " Ja, das weiß ich nicht, Irma hat mich nie in ihre Ge. heimnisse eingeweiht. Es wäre ja möglich, daß er höher ſtände und uns bessere Garantien bieten könnte, als der Maler v. Weisweiler-" " Dann würde Irma schon jetzt seinen Namen genannt haben," warf Spangenberg ein. Ich habe mein Wort gegeben, ich muß es einlösen, wenn der Hofrat nicht aus eigenem Äntriebe darauf verzichtet. Ich verlange Gehorsam— und nun genug davon! Sprich mit Hermann nicht über meine Projekte, er erfährt sie früh genug, wenn sie zur Ausführung gelangen." Mit ironischem Lächeln blickte Guſtav auf die Tür, hinter der sein Vater verschwunden war. Hermann hat dein Projekt eher gekannt, wie du selbst," ſpottete er,„ aber von unserer Allwissenheit brauchst du nichts zu erfahren." Er füllte sein Weinglas noch einmal und trank es aus, dann verließ er das Haus, und eine Viertelstunde später trat er in das Café, in dem er täglich nach dem Mittagessen mit einigen Freunden zusammenzukommen pflegte. Sie saßen auch heute an dem gewohnten Tisch, der Maler mitten unter ihnen, der in gewohnter Weise durch seine Wize und mitunter boshafte Neckereien sich bemerkbar machte. Stadtneuigkeiten wurden besprochen, politische Ereigniſſe oberflächlich beurteilt, Personen und ganze Familien vor das richterliche Forum geladen und dabei Albernheiten und Bosheiten zu tage gefördert, die jeden ruhigen, verständig denkenden Menschen mit Widerwillen erfüllen mußten. Als der Maler nach einiger Zeit Abſchied nahm, erhob auch Gustav sich. „ Wir gehen wohl eine Strecke zusammen?" sagte er, während er den Freund hinausbegleitete. Ich habe nichts dagegen," antwortete Ottokar spöttisch. „ Es ist zwar kein angenehmes Gefühl, ein Mitglied der Polizei neben sich zu haben, aber du trägst ja keine Uniform." ,, Hast du kein reines Gewissen?" unterbrach ihn Gustav ironisch. „ Ein reines Gewissen kann man schon haben und dennoch die" Polizei fürchten; es geschehen ja hier mitunter unglaubliche Dinge." Dann verstehe ich nicht, daß du Bedenken trägst, mein und des Polizeirats Appel Schwager werden zu wollen." Oho!" rief der Maler mit einem befremdenden Seitenblid auf seinen Begleiter.„ Wer hat dir das verraten?" Mein Vater," antwortete Gustav ruhig.„ Ist es nicht deine Absicht?" ,, Ginstweilen ist es noch ein Projekt unserer Väter," wich Ottokar einer bestimmten Antwort aus. Mit dem du einverstanden bist." Weshalb sollte ich es nicht sein?" " Ich würde dir sicherlich keinen Vorwurf daraus machen, indessen meine ich, es wäre richtiger gewesen, wenn du dir zuvor das Jawort Irmas gesichert hättest." Wieder blickte der Maler auf, ein Anflug von Hohn lag jetzt in dem Ausdruck ſeines Gesichts. Sprich dich offen aus," sagte er, wenn ich voraus weiß, daß ich das Jawort nicht erhalte, so werde ich nicht der Narr sein, mir einen Korb zu holen." Ich bin nicht ermächtigt, dir diese Erklärung zu geben," erwiderte Gustav;„ aber willst du einen guten Rat annehmen?" „ Sehr gerne." ( Fortsetzung folgt.) Der Bund der 10000 Hoffnungen. großer Gile zu sein und etwas Wichtiges vorzuhaben. Als Aus den Erinnerungen eines anglo- chinesischen Geheimpoliz isten. ( Nachdruck verboten.) Schon mehrmals war ich von der Regierung in Peking mit geheimen politischen Missionen betraut worden. Ich bin von Geburt Engländer, war aber schon als Kind nach China gekommen und sprach das Chinesische wie ein Eingeborener. Eines Tages empfing ich eine wichtige Botschaft vom Ministerium. Man teilte mir mit, daß Seine kaiserliche Majestät, der Sohn des Himmels, meiner Dienste bedürfe. Demütig, wie es einem Sterblichen, den die Götter ehren, geziemt, lauschte ich in der Audienz den Worten des ersten Ministers. Wir haben erfahren," sagte er, daß in Nanking eine geheime Gesellschaft besteht, die sich der„ Bund der zehntausend Hoffnungen" nennt. Das wissen wir, aber weiter fonnten wir nichts herausbekommen. Der Gouverneur von Nanking meint zwar, daß seine Feinde die Angelegenheit stark übertrieben hätten. Aber wie ich aus anderer Quelle höre, ist die geheime Gesellschaft ziemlich gefährlich. Sind Sie nun bereit, die Zwecke und Ziele des Bundes zu erforschen?" ,, Gerne." " Sie begeben sich unverzüglich nach Nanking und sprechen bei dem Gouverneur Chung- Ki vor. Sie werden ihm diesen Brief überreichen und dann herauszufinden suchen, in welcher Weise Sie am wirkſamſten zusammen arbeiten." Ich war entlassen. Nun begann ich zu überlegen. Ich wußte, daß die Provinz mit geheimen Gesellschaften übersät war. Die Mehrzahl strebte danach, die Mandschu- Dynastie zu ſtürzen. Nach zwei Stunden hatte ich Pefing bereits verlassen, befand mich auf dem Wege nach Tientsin, wo ich einen Dampfer nach Schanghai bestieg. Als Chinese betrat ich das Schiff, als Engländer verließ ich es. Es war mir leicht, als ein Chinese zu gelten. Der Schnitt meines Gesichtes ist etwas orientalisch. Ich besitze nicht allein dunkle Augen, sondern sogar hervorspringende Backenknochen. Ohne diese Eigentümlichkeit wäre meine Nationalität schwerlich zu verbergen gewesen. Selbst das Haar ließ ich nach chinesischer Manier wachsen. Als Europäer trug ich eine Perücke. In Nanking besuchte ich sogleich den Gouverneur ChungKi. Er war ein Mann von mittlerer Größe, sehr mager und hatte ein Gesicht, von dem man die Verschmißtheit ablesen fonnte. Dem Manne entging sicherlich nichts, nicht das Geringste meiner Kleidung, noch meines Gesichts oder meines Auftretens. Ich habe es nicht erwartet, Sie wie einen Europäer gekleidet zu sehen," begann er, meine Person musternd. " Ich kleide mich gewöhnlich, wie man es am wenigsten erwartet," war meine Antwort. ,, Verzeihung, mein Herr," fuhr er fort,„ Sie sprechen zwar äußerst fließend chinesisch, haben aber dennoch einen fremden Accent." Diese Bemerkung wird mir heute zum erſten Male gemacht, Exzellenz." Seltsam," murmelte er. Ich hatte nämlich einen etwas fremden Accent beim Sprechen aus ganz bestimmten Gründen angenommen. " Wahrscheinlich ist Euerer Exzellenz Intelligenz größer als die anderer Leute," sagte ich höflich. Er lächelte kühl. In dem Brief hier," sagte er, werde ich ersucht, alles, was ich über den Bund der zehntausend Hoffnungen" in Erfahrung gebracht habe, Ihnen mitzuteilen." „ Nach den Meldungen, die Sie gemacht haben," bemerkte ich, wissen Sie wenig zu berichten. Erzellenz müssen jedoch nicht glauben, daß wir annehmen, Sie wüßten nicht genau, was um Sie her vorginge. Hat die Gesellschaft politische Zwecke?" ,, Unbedingt." " Halten Sie den Bund nicht für gefährlich?“ " Nein. Gar nicht. Es sind nur einige Kulis, die sich von Geistern inspiriert glauben." Ich konnte nichts Vernünftiges über den Bund aus dem Gouverneur herausbringen und ging. Nach meiner Gewohn. heit, auf der Straße alles, was um mich vorging, zu beobachten, bemerkte ich plötzlich, daß auch ich beobachtet wurde. Ich sah einen Kuli in einer grauen Bluse. Er schien in er ungefähr dreißig Meter von mir entfernt war, blieb er stehen, chte etwas unter seiner Bluse, und da er es nicht fand, ging er über den Damm und verschwand in einer Allee. Ich wandte mich um und erhaschte mit dem Blick einen anderen Kuli in einer grauen Bluse, der in das Haus schlüpfte. Jetzt wurde die Sache interessant, was sollte die Verfolgung bedeuten? Nachdem ich etwa zwei Stunden, immer gefolgt von einem Kuli, umhergelaufen war, suchte ich das Wirtshaus auf, wo ich ein Zimmer genommen hatte. Als ich eintreten wollte, sah ich den ersten Graublusigen am Eingang der Straße gehen. Ich hatte dem Gouverneur meine Adresse nicht angegeben, folglich war mir der Kuli nur auf seinen Befehl nachgegangen. Auf einem schmalen Gang, zu dem eine schmuzige Treppe führte, lag mein Zimmer. Ich zündete mir eine Pfeife an und begann, mir die Situation klar zu machen. Dabei blickte ich zum Fenster hinaus auf schmußige Hinterhöfe und schräge Dächer. An eine Flucht war nicht zu denken. Ich holte aus dem Koffer mein chinesisches Gewand, und dank dem orientalischen Schnitt meines Gesichtes hatte ich mich unerkennbar in einen Chinesen verwandelt. Um die Täuschung vollständig zu machen, setzte ich eine große Hornbrille auf und ging nun hinunter in das Gastzimmer. Drei oder vier Leute tranten Tee und plauderten. Ich ließ mir „ Sie haben einen Fremden hier?" fragte ich den Wirt. gleichfalls eine Taſſe Tee bringen und setzte mich nieder. " Ja, Exzellenz." Was wissen Sie von ihm?" „ Nichts, Exzellenz. Euere Exzellenz ist wohl auch hinter ihm her?" ,, Auch? Was soll das heißen?" Möchten Euere Erzellenz nicht lieber dadrüben Ihre Freunde befragen?" Fünf Minuten lang saß ich ganz still, schlürfte meinen Tee und wagte nicht aufzuschauen. Meine Gedanken_arbeiteten bligartig. Dann stand ich auf und ging langsam, verfolgt von sechs Augen, hinaus auf die Straße und schlug die Richtung ein, wo ich zuletzt den großen Kuli gesehen hatte. Wirklich stand er noch an derselben Ecke, vor demselben Hause. Ich ging an ihm vorbei, nahm den Ausdruck eines grübelnden Philosophen an und guckte verſtohlen dann und wann über die Schulter. Plötzlich sah ich ihn nicht mehr, er war fort. Noch wanderte ich eine Zeitlang, bis es dunkel ward, dann kehrte ich zu meinem Gasthaus zurück, um meinen Koffer zu holen und sogleich mein Quartier zu wechseln. In dem Gastzimmer saßen nur zwei Leute, als ich eintrat. Der eine Mann schlief friedlich in einer Ecke. Der andere, ein alter mit einem Back auf dem Rücken, schien ein Hauſirer zu sein. Auch er weilte scheinbar in dem Lande der Träume. Ich nahm Plaz und bestellte zunächst etwas zu essen. Kaum hatte ich den legten Bissen meines Mahles hinuntergewürgt, so begann sich der Hauſirer zu regen; dann fragte er mich, welche Zeit es wäre. Ich antwortete, und nun wurde der Alte redselig. Er sei Hausirer und handele mit allerlei Dingen. Da ich ihm nichts abkaufen wollte, sprach er von einem ganz geheimnisvollen Armband aus Jet mit Goldverzierung, das einzig in seiner Art wäre, das ich sehen müßte, aber welches er nicht wagte, öffentlich zu zeigen. Ich forderte ihn auf, mich in ein Nebenzimmer zu begleiten. Als wir beide allein in der Stube waren, packte er zitternd seine Waren aus. Plößlich griff er mit der Hand unter die Bluse, zog ein Messer heraus und, ohne ein Wort zu sprechen, ging er auf mich los. Ich aber packte ihn mit der größten Geschwindigkeit beim Handgelenk, und klirrend fiel das Messer zu Boden. Mit einem Satz sprang er zur Tür. Aber ich erfaßte ihn beim Zopf. Da hielt ich eine Perücke in den Händen, und nun sah ich, daß es ein junger Mann war, mit dem ich es zu tun hatte. Im nächsten Augenblick rangen wir miteinander. Mit einer schnellen Bewegung griff ich ihn von hinten an, und sausend flog er mit dem Kopf gegen die Tür mit solcher Gewalt, daß er sofort niederfiel und regungslos liegen blieb. Nun kam mir ein fühner Einfall. Ich entkleidete den Sterbenden und schleppte ihn unter das Bett. Dann schlüpfte ich in mein Zimmer, legte sein Gewand, seine Perücke an, ſtand bald ganz wie er als Hausirer gekleidet da und ging hinaus 88 I Mr. 9. Fräulein v. Derendorf, die ihr Beide kennen werdet, ist geneigt, mir ihre Sand zu reichen. Durchlaucht billigt und arderaitand 1904. 0 H.RUFFARTH Seifenblasen Wöchentliche Beilage für die Abonnenten der„ Gießener Neuesten Nachrichten". Galante Variation. ,, Du bist wie eine Blume," Hat Heine einst gesagt; Was Aehnliches zu singen Hab ich mich oft geplagt. Doch nun ist es gelungen, Jetzt hat die Seele Ruh: ,, Nicht Du bist wie die Blumen, Die Blumen sind wie Du!" Galant. Sie: Haben Sie schon einmal einen Sonnenaufgang gesehen, Herr Leutnant?" Gr: Ja, meine Gnädige, als ich Sie kennen lernte!" zu beseitigen sind. Die Aufforderung zur Beseitigung der vorgefundenen Mängel ist nach Beendigung des Wiesenganges ungesäumt durch den Bürgermeister ortsüblich bekannt zu machen. Das Protokoll über den Wiesengang ist von allen Beteiligten zu unterzeichnen. War ein Mitglied des Wiesenborstandes an der Teilnahme verhindert, so ist dies am Schlusse des Prokokolls zu bemerken. Sollte der Wiesenvorstand nicht mehr vollzählig sein, so wollen Sie uns nach Anhörung des Gemeinderats als bald besondere Vorlage machen. In den nachstehend verzeichneten Gemeinden wird ein Beamter der Großh. Kultur- Inspektion Gießen, gemäß Art. 4, Absatz 2 der Wiesenpolizeiordnung an dem Wiesengang teilnehmen. Der Tag und die Zeit des Beginnes des Wiesenganges sind bei jeder Gemeinde besonders bemerkt. Die Zusammenkunft findet jeweils auf dem Amtszimmer des Bürgermeisters statt. 1. Beltershain am 8. März 9 Uhr vormittags 2. Stangencod 3. Rödgen 4. Annerod 5. Garbenteich 6. Bersrod 7. Harbach 8. Hodheim 9. Steinheim ,, nachmittags vormittags ,, nachmittags vormittags " 8. 10. 1 " " " " 82 10. 1 " " 12. 8 " 16. 10 " " " 18. 10 " " " 29. " "" 29. 91/2 1 " " "/ " " nachmittags Sie wollen ferner veranlassen, daß gleichzeitig mit dem Wiesengang die durch Statut borgeschriebene Lokalschau des Vorstandes der in Ihrer Gemeinde bestehenden Wassergenossenschaften Die Genossenschaftsvorstände borgenommen wird. haben hierbei insbesondere ihr Augenmerk darauf zu richten, ob sich die genossenschaftlichen Anlagen in gutem Zustande befinden und ob etwa Unterhaltungsoder Verbesserungsvorschläge zu machen sind. In Ihrem Begleitbericht zum Wiesengangsprotokoll ist anzugeben, ob die Lokalschau der Wassergenossenschaften, wie angeordnet, stattgefunden hat. J. V.: Dr. Kranzbühler. ( Nachdrud verboten.) Itseing. Der Gate( Mac) vem Der Blick in die Zukunft. Begräbnis seiner Frau zu den kondolierenden Bekannten): Jawohl! Eine prächtige Frau war sie! Wer weiß, wann ich wieder so eine bekomme!" 11 frieden über die bisherige Wahrung der ceuranta. einzelnen Provinzen regt sich bereits die offene Rebellion, die mit Japan liebäugelt. Da ein großer Teil der chinesischen Machthaber und Generale sich auch für einen Anschluß an Japan aussprechen, so hat die chinesische Regierung einen schweren Stand und wird kaum auf die Dauer ihre Neutra. lität bewahren können. Aus Peking wird über diese Ange. legenheit berichtet: Die Generale Ma und Tschi wollen angeblich beim Kaiser Widerspruch gegen die Neutralität Chinas erheben. Der japanische Gesandte in Peking drängt China zu einem entscheidenden Schritte. Offenbar von ihm beeinflußt, haben Yuanschifai und andere Staatsmänner der Regierung eine Denkschrift überreicht, worin sie auf der Notwendigkeit eines Schuß- und Truzbündnisses Chinas mit Japan bestehen. Japan verspreche, wenn es Koarea er. halte, die Mandschurei nicht anzurühren und keine Schritte gegen das chinesische Kaiserhaus zu unternehmen. Sollte es dem großen Einfluß Yuanschikais und seiner Hintermänner gelingen, diesen Plan durchzusetzen, dann wäre der Weltkrieg unvermeidlich, denn in China laufen die europäischen Interessenfäden in dichtem Knäuel zusammen. Ueber neue Operationen liegt nichts Bemerkenswerted bor. Dagegen äußern sich jetzt auch amtliche japanische Dar. stellungen über die lekten Vorgänge vor Port Arthur. Danach waren es fünf japanische Kauffahrteischiffe, die dazu bestimmt waren, den Hafeneingang zu sperren. Sie hatten eine Größe von 1000 bis 2000 Tonnen und waren zur Täuschung des Feindes mit einem kriegsschiffähnlichen Anstrich versehen. Wie Admiral Kammimura berichtet, wur. den sie von ihren Besatzungen selbst versenkt. Doch mußten sich die japanischen Flottenführer später davon überzeugen, daß das Versenken der Brander von keinem namhaften Erfolg gewesen, mit anderen Worten die Hafeneinfahrt unversperrt sei. Sämtliche Besagungsmannschaften, ebenso wie die Torpedoboots flottille seien unversehrt geblieben. Zum Schluß macht Admiral Kammimura noch die Mitteilung, daß das japanische Kreuzergeschwader einen russischen Torpedobootsjäger vernichtet habe. Die Politik. Eine interessante Uebersicht bietet eine soeben erschienene Statistik aus der Reichspostverwaltung, der wir einzelne 13. Jahrgang. ionspreis: Die einfpaltige Petitzelle für ganz O > te Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. fonft 15% Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. on und Expedition: Gießen, Seltersweg 88 Fernsprechanschluk Nr. 362. ichten eßener Zeitung) Gießen und Umgebung. Behörden von Oberhessen. ehmen. Die Zahl der Beamten der Reichs- Postaphenverwaltung ist zu Anfang des Jahres 1904 eniger als 217 716 Personen angewachsen. Gegen r bedeutet dies eine Vermehrung um 7810 Köpfe. enstellen sind im letzten Jahre um etwa 2400, die beamten um 2700 vermehrt worden. Bei den ' n und nicht mit Postanstalten vereinigten Teletern und Stadtfernsprechämtern werden 20 397 eschäftigt, und zwar im Telegraphendienst 9987, rechdienst 10 410. Der Jernsprecher nimmt also mehr Kräfte für sich allein in Anspruch, als der ingst angekündigte Gründung des Reichsverbandes Sozialdemokratie ist jetzt erfolgt. Aus den StaVerbandes, der seinen Siz in Berlin hat und das jsgebiet umfaßt, heben wir folgendes hervor: Der ill die Sozialdemokratie als politische Macht bend hierzu alle Gegner der Umsturzpartei zu ver jen; er kennt feinen Unterschied der Parteistellung. verband verfolgt lediglich politische und nationale will der Vaterlandslosigkeit und republikanischen der Sozialdemokratie entgegentreten und wird en, auf die Wahlen im nationalen Sinne einzur will die arbeitende Bevölkerung durch Wort und rüber aufklären, daß die Sozialdemokratie nur je Zwecke verfolgt, um ihre politischen Führer zur zu bringen, und daß sie die angebliche Interessender Arbeiter in dem Streben nach politischer Macht e. Sobald als möglich sollen provinzielle Landeseschaffen werden. Der Jahresbeitrag ist auf minMark, für forporative Mitglieder auf mindestens emessen. Der Verband soll erst dann wirklich ins en, wenn sein Bestehen durch eine entsprechende zahl und ihre finanzielle Unterstützung auf Jahre ichert ist. er den Inhalt des deutsch- italienischen Handelswie er zwischen den Unterhändlern beider Staaten bereinbart ist, wissen italienische Blätter zu beB Deutschland Italien zwar einige Zugeständ f die Zollsäge bei Früchten und Gemüse machen jegen feine 3ollfreiheit für Getreide und ichterungen für Wein gewähren wolle. Die Melt feineswegs glaubwürdig. Uebrigens rechnet man ischen Regierungskreisen mit dem Abschluß der rtragsverhandlungen bis zum 15. März. Hannover kommt die Meldung, daß die ReBrezung beabsichtige, in der Residenz an der Leine eine Polizei- Akademie zu schaffen. In dieser Akademie sollen Be amte aus dem ganzen Reiche für den Dienst als Polizei. fommissare und Polizeioffiziere vorbereitet werden. England. Der neue Generalinspekteur der britischen Armee, Herzog von Connaught, hat jetzt seine Ansichten über die britische Heeresreform näher dargelegt. Er meint, für den Auslandsdienst genüge eine Freiwilligenarmee. Was die heimische Armee angehe, so schwebe ihm eine auf dem Prinzip der allgemeinen Wehrpflicht beruhende Defensivarmee ohne sehr lange Dienstzeit vor, die hinreichend und vollständig geschult sein müsse. Aus dieser fönnten dann Freiwillige für den auswärtigen Dienst aufgerufen werden, die am Ende ihrer Dienstzeit eine Bension zu erwarten hätten. Es wird wohl noch eine Zeitlang dauern, ehe sich die Engländer zu der ihnen ganz und gar nicht willtommenen allgemeinen Wehrpflicht bequemen. * Auch wenn die britische Regierung nicht am Tage des Kriegsbeginns in Ostasien einen groben Schriftwechsel mit Rußland wegen Tibets veröffentlicht hätte, war es doch für jeden Kenner britischer Politik klar, daß das Inselreich die russische Verwickelung mit Japan benußen würde, um in Tibet Rußland den Weg zu verlegen. Wie jetzt aus London berichtet wird, ist England entschlossen, falls Tibet nicht eine antirussische und zugleich englandfreundliche Haltung annehme, gegen Tibet militärisch vorzugehen. Den Russen wird das ja höchst ungelegen kommen. Ob aber nicht julegt England die Zeche zahlen muß, ist die Frage. Oesterreich- Ungarn. Trog aller Heimlichkeit ist es dochy ans Tageslicht ge tommen: Sesterreich- Ungarn macht mobil mit Rücksicht auf ein etwa nötiges bewaffnetes Eingreifen auf dem Balkan. Außer der Mobilisierung des gesamten stehenden Heeres wird sogar diejenige des Landsturms 1. Aufgebots vorbereitet. Zugleich steht eine Neubesetzung der Kommandostellen bevor: 20 bis 25 Generale sollen verabschiedet werden. Es erhielten bereits einige Generale, die die vierzigjährige Dienstzeit überschritten hatten, die Aufforderung, ihr Gesuch um Pensionierung einzubringen. Wie in diplomatischen Kreisen verlautet, hat Desterreich bei den Großmächten angefragt, wie sie sich zu einer etwaigen, durch den Berliner Vertrag der Wiener Regierung zugestandenen Befegung des Sandschaks Nomibasar verhalten würden. Hoffentlich gestalten sich die Verhältnisse so, daß ein Eingreifen Osterreichs auf dem Balfan überflüssig wird. weiler in meinen Augen gilt, ich fannte ihn schon in meiner als wir noch im Hause des Hofmetachrieben. Ich will dir nur beweisen, wie wenig Ottokar v. Weis. wohnten. eines anglo- chinesischen Geheim polizisten. Aus den Erinnerungen ( Nachdruckt verboten.) Der Bund der 10000 Hoffnungen. großer Gile 311 sein und etwas Wichtiges vorzuhaben. AIZ stehen, Ich wandte mich um und erhaschte mit dem Blick einen aner ungefähr dreißig Meter von mir entfernt war, blieb er fans, gite etwas unter seiner Bluse, und da er es nicht über den Damm und verschwand in einer Allee. Luse, der in das Haus schlüpfte. Rilley Artif einem beb den Tisch. -Der all das Golds „ Gel, Au ich Ihnen nach.- S als der Fenster h und las. Katasters da schreil bon Wer berlanat wohl jekt ich nur' daß mein das fleine Raum wa Birtes gel hörte. zum Stud messieur flüsterte gebenster näherte beugung in mein gibt's zu fannibal Und id Das ist aber start," ,, Gott, sei still, Mar, „ Und Mit dem ,, Wann kommt Der Hauptmann „ Schwan?" fragte " Ja, ja, mein Mann hat mir „ Na, lesen Sie doch! Heute Hätte ich Dich nicht so gut gepflegt, dann „ so sei gedankt, mein lieber ,, Hier, liebe Erna, hast Du es schon gedruckt: von Werner, - Du fannst ihn immerhin noch einige Jahre ,, Na, Gott ja, May, das ist doch nun mal nicht zu ändern, Humoreske von Alexander Wilke. position gestellt, und mit der Führung der Geschäfte als Hauptmann im Infanterie- Regiment von Barsdorf zur DisBezirksoffizier beim Landwehrbezirk Schluckwitz beauftragt." ,, May, Du bist schon zu bequem, ganze die ganze Schuld an diesem Ausgang Deiner Karriere trifft wärst Du nicht so dick geworden, daß Dich kein Percheron Der Hauptmann von Werner seufzte. mehr zu tragen vermag. Na, und sich mal, Du hattest doch auch in letzter Zeit den Frontdienst gründlich satt, und da Du den bunten Rock so liebst, den Du trägst, so ist ja auch Schluckwitz heißt das Nest, ausgerechnet nach Schluckwitz kommen wir, ganz in den Osten des großen Deutschen Reiches, wo man wahrscheinlich alle Abend an die Haustürschwelle Giftbrocken für die Wölfe auslegen und den ge= So schlimm wird es ja nicht sein, May, wir sind freilich ladenen Revolver auf'm Nachttisch liegen haben muß!"— „ Ja, ja, Herr Virke, es kommt' n Theater hier etwas verwöhnt, aber fahren wir einfach dieser Tage Jm Grünen Schwan", dem ersten Hotel des Städtmal hin nach Schluckwitz, sehen wir uns das Städtchen an, chens Schluckwitz, saß der Besizer, Herr Emil Matschke, mit seiner Gattin Auguste und dem Herrn Katastersupernumerar " Ja, mit dem fam er angefahren!" nisse und Neuigkeiten. Haben Sie schon den Brief gelesen, Birke vereint, im Gastzimmer, und besprach die TagesereigHerr Birke?" fragte Herr Matschke und reichfe diesen über „ Unsinn, Auguste, das war ja bloß im Was Sie sagen, gnädige Frau!" staunte der Herr Katastersupernumerar; er war sehr gebildet und sagte zu den verHeirateten Schluckwitzerinnen daher immer gnädige Frau", Cyklus, gnädige Frau, heißt es; also Schauspieler, sehen Säße zu sprechen!" lachte Frau Erna. vorhin die Geschichte erst vorgelesen,' n ganzen Ziehklos von Her nach Schluckwitz!" erzählte die behäbige Frau Auguste. Der wird doch zu uns heute nicht auch etwa mit da sind wir denn bald im Klaren. Sie mal an, wie ich voriges Jahr in Berlin war, sah ich Vorstellungen werden die Schauspieler hier geben!" ,,' n wirklicher? Mit dem kam der Theaterdirektor angefahTheaterstück! Sagen Sie, Herr Birke, das Stück könnte man wollte er noch kommen, scheint aber nicht angelangt zu sein. Es kommt zwar um zehn Uhr noch ein Zug, aber der um hier in Schluckwitz vielleicht auch aufführen? Schwan", sang Herr Birte entzückt. Direktor werde ich mal darüber reden!" wodurch er sehr beliebt war. er?" fragte Herr Birke. 8 1hr müßte bald da sein. Wagners Lohengrin" stöhnte: ,, M. W. 1" doch nur mich. Herr Matschke. dafür gesorgt, den Tisch. tragen. cinem ren? gnädige Frau, lese ich eben. fragte Frau Auguste. „ Wie hieß der Direktor?" „ Direktor Wilhelm Hauptmann, „ Du, Auguste, geh', schließ' ,, Mar, rufe Machen Sie doch ,, Richtig, ja, werde mal Der alte Matschte trat ans „ Gräßlich, Erna, gräßlich, und „ Du, Max, da drüben scheint das Gasthaus zu sein, da wo die Fenster erleuchtet sind," sagte Frau von Werner zu ihrem Gatten. Sie waren soeben mit dem Abendzuge in feine Droschte auf dem Bahnhofe, und ich habe doch ge= „ Pst, pst, Wirtschaft!" rief er und klopfte mit dem schrieben, daß ich ankomme. Ja, hier ist„ Grüner Schivan"; komm, Erna, den Koffer wird der alte Gepäckträger Hoffent ' rangehen," sagte der Hauptmann, der sich natürlich in Zivil bitte mal auf! Wir wollen hinein," rief Herr von Werner. lich bald nachbringen. Bum! Verschlossen!" Na, was ist denn los?" doch mal zu dem Fenster hinein. Stocke auf das Fenstersims. Schluckwitz angelangt. Fenster. befand. die Haustür ab, tommen tut ja doch niemand mehr! Der Herr Birke steigt ja zum Fenster raus, wenn er dann nach Hause geht! Herr Matschfe. „ Das Stück „ Ich kann Du, hör' mal, der Frau Matschke hatte Der Hauptmann sah ,, Sagen Sie, Herr Wirt, haben ,, Rotwein wollen Sie? Na, ich hätte ja welchen, ,, Gott, was wollen wir machen?" be= „ Das ist köstlich, Mar, hier gibt man sich Mühe, uns zur Sie wenigstens einen guten Rotwein, den Sie uns empfehlen fönnen?" fragte der Hauptmann. Herr Matschte trat wieder aber da müßte ich erst in den Keller runtergehen, trinken Sie nur unser Lagerbier, das ist frisch und ist auch billiger!" Mit diesen Worten nahm der Wirt zwei Gläser und schenkte ,, Sagen Sie mal, Herr Hauptmann," meinte Matschke, sie voll, ohne sich auf eine weitere Diskussion einzulassen. " Du, das wird mir aber bald zu arg, Erna!" rief Herr von ruhigte ihn seine Frau, der die Sache viel Spaß bereitete. indem er die Gläser hinstellte, wir sprachen vorhin eben Frau Matschke brachte nun das Pökelfleisch und „ So, Herrschaften, na, da werden Sie wohl drüber, was meinen Sie, könnte man hier in Schluckwitz um nicht laut zu lachen. Matschke merkte es und zog sich seine Frau verstört an. Frau Erna biß sich auf die Lippen, fennen Sie wohl gar nicht mal!" meinte er geringschäßend. -„ doch, Herr Wirt," lachte Frau von Werner, aber ich glaube nicht, daß man hier solch' große Opern aufführen davon satt werden!" ,, Donnerwetter," dachte der Hauptverletzt an den Tisch zum Herrn Birke zurück. nicht den„ Lohengrün" aufführen?" mann ,,, ich bin's schon vom Sehen." Sparsamkeit anzuhalten!" Werner erregt. die Rühreier. fann!" näher. Frau ' n bißchen .." Dies Na, Sie wollen wohl „ Ja, wenn es weiter „ Heda, Sie, Herr Schwanen,, Du, Erna; das scheint eine „ Erna, hast Du's gehört, zum Fenster „ Nun höre bloß, Ernal" Frau von Werner freute sich.„ Sage doch, daß „ Na, ich habe Ihnen doch geschrieben, daß ich ' ne Speisekarte gibt's bei uns nicht," sollen wir reinkriechen, das scheinen ja nette Zustände hier „ Na, da sein Sie ja!" öffnete Frau Matschke, „ Das ist zu drollig, May, hier wärst mal sah man drei Gestalten neugierig ans Fenster treten. ,, So," rief der alte Matschke, wer sind Sie denn überHeute komme, ich bin der neue Hauptmann!"„ Hast Du's gehört, Matschte, der Theaterdirektor ist es mit der Frau, der den Ziehklos hier aufführen wird!" rief Frau Auguste grobe Gesellschaft hier zu sein, die Alte sagte so was von Ziehklos, wie sie mich sah, wahrscheinlich, weil ich so korpuwirt, das geht nicht, ich habe meine Frau mit „ gehen Sie nur da rechts rein!" Guten Abend," grüßte Schön, jeh, Auguste," sagte der Wirt.„ Die Herr von Werner ,,, komm, Erna, sezen wir uns! Ich möchte sagte Herr Matschke nähertretend, ich kann Ihnen auswendig faltes Pöfelfleisch von Mittag wird noch da sein und Rührnichts gibt, dann bitten wir um zwei Portionen," meinte Portion kostet 75 Pfennige, daß Sie sich nachher nicht wunsagen, was Sie eventuell noch fricgen können. cier könnten Sie gerade noch dazu bekommen!" Du sicher nicht so dick geworden!' nicht?" mahnte Herr Matschke. Du eine Dame mit hast!" und lief, um aufzumachen. dern!" rief er dann hinüber. gern die Speisekarte!". von Werner lächelte. lent bin!" zu sein!" Frau Erna. Haupt?" ihn ja mal fragen!" sagte Matschke.„ Sagen Sie, Herr Hauptmann," rief er hinüber, was wollen Sie denn hier in Schluckwitz für' ne Rolle spielen?" dicke Direktor, ob der auch mitspielen mag?" sich wieder neben ihren Mann gesetzt. ,, So eine „ Aber bezahlen Der Hauptmann Die beiden erhoben sich... Bitte, uns " Ich meine," fuhr Herr Matschte fort,' ne große Rolle wir gehen dann bald hinauf!" besänfigte Frau Erna. Unverschämtheit," Inirschte Herr von Werner ,,, komm, Erna, ,, Wollen Sie denn schon gehen?" fragte Frau Auguste erunser Zimmer zu zeigen!" rief der Hauptmann barsch. " Danke, der Appetit ist uns vergangen!" brummte Herr von müssen Sie deswegen doch, das macht eine Mark fünfzig, und staunt und erhob sich ,,, Sie haben ja gar nischt gegessen?" Bier vierzig, zusammen eine Mark neunzig, Logis können Sie ja auch bald bezahlen, Sie werden sich ja doch in der Stadt morgen' ne Wohnung suchen. Logis macht zwei Mart, können Sie doch wohl nicht mehr spielen?" zog sein Portemonnaie und warf ein Zwanzigmarkstück auf Werner. Der alte Matschke trat näher. zusammen alles drei Mark neunzig!" wir gehen hinauf!" fuhr der Hauptmann entrüstet auf. mene piacen und auch meine rejic, an gewissengast ich erſtere ausübe, ſo ſtreng verlange ich auch die Anerkennung der letzteren. Ich habe mein Wort verpfändet; du wirst es einlösen, alle Folgen kann ich mit ruhigem Gewissen verantworten." Du bestehst wohl nur deshalb so sehr darauf, weil du Unfrieden zwischen mir und meiner jungen Stiefmutter fürch test," sagte Irma, die sich erhoben hatte und furchtlos in das hochrote Antlig ihres Vaters schaute. „ Du weißt, daß ich immer ein folgſames Kind gewesen bin, auf deſſen Liebe du vertrauen durfteſt," fuhr Irma zu ihrem Vater fort,„ von mir hast du wahrlich keine Störung deines häuslichen Friedens zu fürchten. Und wenn du ehrlich sein willst, so wirst du zugeben müssen, daß hier von einer glärzenden Partie kein Rede sein kann, denn der Maler v. Weisweiler hat nichts und ist nichts, wird auch nie mehr werden als ein mittelmäßiger Maler, der mit seinent Einkommen kaum sein Taschengeld bestreiten kann. Wenu er zum Hofmaler ernannt wird, so erhöht ihn das in meinen Augen nicht, denn nicht seinem Talent und seinen Leistungen, sondern nur den Bitten seines Vaters würde er diese Stellung verdanken, die einem Besseren gebührt." „ Was soll das alles?" brauste der Direktor wieder auf.. „ Oho!" rief ver water mit einem decemvenven Senti blid auf seinen Begleiter.„ Wer hat dir das verraten?" „ Mein Vater," antwortete Guſtav ruhig.„ Ist es nicht deine Absicht?” „ Einstweilen ist es noch ein Projekt unſerer Väter,“ wich Ottokar einer bestimmten Antwort aus. „ Mit dem du einverstanden bist." Weshalb sollte ich es nicht sein?" " Ich würde dir sicherlich keinen Vorwurf daraus machen, indessen meine ich, es wäre richtiger gewesen, wenn du dir zuvor das Jawort Irmas gesichert hättest." Wieder blickte der Maler auf, ein Anflug von Hohn lag jetzt in dem Ausdruck ſeines Geſichts. „ Sprich dich offen aus," sagte er, wenn ich voraus weiß, daß ich das Jawort nicht erhalte, so werde ich nicht der Narr sein, mir einen Korb zu holen." " Ich bin nicht ermächtigt, dir diese Erklärung zu geben," erwiderte Gustav;„ aber willst du einen guten Rat annehmen?" „ Sehr gerne." ( Fortsetzung folgt.))) „ Ach, kommen Sie doch ruhig zum Fenster rein!" brummte der 10000 Hoffnungen. großer Gile zu sein und etwas Wichtiges vorzuhaben. Als us den Erinnerungen - chinesischen Geheimpol iz isten. ( Nachdruck verboten.) als war ich von der Regierung in Peking mit jen Missionen betraut worden. Ich bin von er, war aber schon als Kind nach China prach das Chinesische wie ein Eingeborener. empfing ich eine wichtige Botschaft vom Nan teilte mir mit, daß Seine faiserliche ohn des Himmels, meiner Dienste bedürfe. 3 einem Sterblichen, den die Götter ehren, ich in der Audienz den Worten des ersten : haben erfahren," sagte er, daß in Nanking ellſchaft beſteht, die sich der„ Bund der zehn gen" nennt. Das wissen wir, aber weiter ts herausbekommen. Der Gouverneur von zwar, daß seine Feinde die Angelegenheit hätten. Aber wie ich aus anderer Quelle eime Geſellſchaft ziemlich gefährlich. Sind die Zwecke und Ziele des Bundes zu_ersich unverzüglich nach Nanking und sprechen neur Chung- Ki vor. Sie werden ihm diesen i und dann herauszufinden suchen, in welcher › irkſamſten zuſammen arbeiten.“ assen. ich zu überlegen. Ich wußte, daß die Proen Gesellschaften übersät war. Die Mehrzahl ie Mandschu- Dynastie zu stürzen. Stunden hatte ich Peking bereits verlassen, if dem Wege nach Tientsin, wo ich einen Schanghai beſtieg. Als Chinese betrat ich Engländer verließ ich es. Es war mir leicht, zu gelten. Der Schnitt meines Gesichtes iſt h. Ich besitze nicht allein dunkle Augen, sonvorspringende Backenknochen. Ohne diese wäre meine Nationalität schwerlich zu verSelbst das Haar ließ ich nach chinesischer Als Europäer trug ich eine Perücke. besuchte ich sogleich den Gouverneur Chung Mann von mittlerer Größe, sehr mager und t, von dem man die Verschmißtheit ableſen Nanne entging sicherlich nichts, nicht das GeAleidung, noch meines Gesichts oder meines s nicht erwartet, Sie wie einen Europäer n," begann er, meine Person musternd. mich gewöhnlich, wie man es am wenigsten meine Antwort. mein Herr," fuhr er fort,„ Sie sprechen ießend chinesisch, haben aber dennoch einen erkung wird mir heute zum ersten Male ge„ Saqum, murmelte er. Ich hatte nämlich einen etwas fremden Accent beim Sprechen aus ganz bestimmten Gründen angenommen. „ Wahrscheinlich ist Euerer Erzellenz Intelligenz größer als die anderer Leute," sagte ich höflich. Er lächelte kühl. In dem Brief hier," sagte er, werde ich ersucht, alles, was ich über den Bund der zehntausend Hoffnungen" in Erfahrung gebracht habe, Ihnen mitzuteilen." „ Nach den Meldungen, die Sie gemacht haben," bemerkte ich,„ wissen Sie wenig zu berichten. Erzellenz müssen jedoch nicht glauben, daß wir annehmen, Sie wüßten nicht genau, was um Sie her vorginge. Hat die Gesellschaft politische Zwecke?" „ Unbedingt.“ " Halten Sie den Bund nicht für gefährlich?" " Nein. Gar nicht. Es sind nur einige Kulis, die sich von Geistern inspiriert glauben." Ich konnte nichts Vernünftiges über den Bund aus dem Gouverneur herausbringen und ging. Nach meiner Gewohnheit, auf der Straße alles, was um mich vorging, zu beobachten, bemerkte ich plötzlich, daß auch ich beobachtet wurde. Ich sah einen Kuli in einer grauen Bluse. Er schien in er ungefähr dreißig Meter von mir entfernt war, blieb er stehen, jachte etwas unter seiner Bluse, und da er es nicht fand, ging er über den Damm und verschwand in einer Allee. Ich wandte mich um und erhaschte mit dem Blick einen_anderen Kuli in einer grauen Bluse, der in das Haus schlüpfte. Jetzt wurde die Sache interessant, was sollte die Verfolgung bedeuten? Nachdem ich etwa zwei Stunden, immer gefolgt von einem Kuli, umhergelaufen war, suchte ich das Wirtshaus auf, wo ich ein Zimmer genommen hatte. Als ich eintreten wollte, ſah ich den ersten Graublusigen am Eingang der Straße gehen. Ich hatte dem Gouverneur meine Adresse nicht angegeben, folglich war mir der Kuli nur auf seinen Befehl nachgegangen. Auf einem schmalen Gang, zu dem eine schmuzige Treppe führte, lag mein Zimmer. Ich zündete mir eine Pfeife an und begann, mir die Situation klar zu machen. Dabei blickte ich zum Fenſter hinaus auf schmußige Hinterhöfe und schräge Dächer. An eine Flucht war nicht zu denken. Ich holte aus dem Koffer mein chinesisches Gewand, und dank dem orientalischen Schnitt meines Gesichtes hatte ich mich unerkennbar in einen Chinesen verwandelt. Um die Täuschung vollſtändig zu machen, setzte ich eine große Horn. brille auf und ging nun hinunter in das Gastzimmer. Drei oder vier Leute tranken Tee und plauderten. Ich ließ mir gleichfalls eine Taſſe Tee bringen und ſezte mich nieder. „ Sie haben einen Fremden hier?" fragte ich den Wirt. " Ja, Erzellenz." Was wissen Sie von ihm?" Nichts, Exzellenz. Euere Exzellenz ist wohl auch hinter ihm her?" „ Auch? Was soll das heißen?" " Möchten Euere Exzellenz nicht lieber dadrüben Ihre Freunde befragen?" Fünf Minuten lang saß ich ganz still, schlürfte meinen Tee und wagte nicht aufzuschauen. Meine Gedanken_arbeiteten bligartig. Dann stand ich auf und ging langsam, die Richtung ein, wo ich zuletzt den großen Kuli geſehen verfolgt von sechs Augen, hinaus auf die Straße und schlug hatte. Wirklich ſtand er noch an derselben Ecke, vor demselben Hause. Ich ging an ihm vorbei, nahm den Ausdruck eines grübelnden Philosophen an und guckte verstohlen dann und wann über die Schulter. Plöglich sah ich ihn nicht mehr, er war fort. Noch wanderte ich eine Zeitlang, bis es dunkel ward, dann kehrte ich zu meinem Gaſthaus zurück, um meinen Koffer zu holen und sogleich mein Quartier zu wechseln. In dem Gastzimmer saßen nur zwei Leute, als ich eintrat. Der eine Mann schlief friedlich in einer Ecke. Der andere, ein alter mit einem Back auf dem Rücken, schien ein Hauſirer zu sein. Auch er weilte scheinbar in dem Lande der Träume. Ich nahm Plaz und beſtellte zunächst etwas zu eſſen. Kaum hatte ich den lezten Biſſen meines Mahles hinuntergewürgt, so begann sich der Hausirer zu regen; dann fragte er mich, welche Zeit es wäre. Ich antwortete, und nun wurde der Alte redselig. Er sei Hausirer und handele mit allerlei Dingen. Da ich ihm nichts abkaufen wollte, sprach er von einem ganz geheimnisvollen Armband aus Jet mit Goldverzierung, das einzig in seiner Art wäre, das ich sehen müßte, aber welches er nicht wagte, öffentlich zu zeigen. Ich forderte ihn auf, mich in ein Nebenzimmer zu begleiten. Als wir beide allein in der Stube waren, packte er zitternd seine Waren aus. Plötzlich griff er mit der Hand unter die Bluſe, zog ein Messer heraus und, ohne ein Wort zu sprechen, ging er auf mich los. Ich aber packte ihn mit der größten Geschwindigkeit beim Handgelenk, und klirrend fiel das Messer zu Boden. Mit einem Sah sprang er zur Tür. Aber ich erfaßte ihn beim Zopf. Da hielt ich eine Perücke in den Händen, und nun sah ich, daß es ein junger Mann war, mit dem ich es zu tun hatte. Im nächsten Augenblick rangen wir miteinander. Mit einer schnellen Bewegung griff ich ihn von hinten an, und sausend flog er mit dem Kopf gegen die Tür mit solcher Gewalt, daß er sofort niederfiel und regungslos liegen blieb. Nun kam mir ein fühner Einfall. Ich entkleidete den Sterbenden und schleppte ihn unter das Bett. Dann schlüpfte ich in mein Zimmer, legte sein Gewand, seine Perücke an, ſtand bald ganz wie er als Hausirer gekleidet da und ging hinaus zu beseitigen der vorgefund Wiesenganges üblich befannt Das Pro Beteiligten zu Wiesenborstan dies am Schli Sollte de sein, so woller rats als bald ein Beamter In den mäß Art. 4, dem Wieseng des Beginnes besonders be auf dem Am 1. Beltershai 2. Stangenco 3. Rödgen 4. Annerod 5. Garbenteich 6. Bersrod 7. Harbach 8. Nodheim 9. Steinheim Sie wol ſter hier day en ies ber: ich Ou's rau, uste eine bon rpu chfe, iẞte chre ht," ndig chen ühr Frau värst ivohl veiter einte „ Die Joun zur haben ehlen ieder chen, infen ger!" chenkte en.tr bon " be ceitete. ntschte, 1 eben udwig nn sah Rippen, og sich Stüd äßend. ber ich führen ich und ie wohl Hauptte hatte tal, der fann , Herr hier in start," 1, May, rna. e Holle So eine 1, Erna, tte, uns rsch. ufte er n?" err von bezahlen Tzig, und fönnen h in der Dei Mart, uptmann tſtüd auf der 10 000 Hoffnungen. us den Erinnerungen chinesischen Geheim polizisten. ( Nachdruck berboten.) großer Cile 311 sein und etwas Wichtiges vorzuhaben. A13 Ich wandte mich um und erhaschte mit dem Blick einen anfand, ging er über den Damm und verschwand in einer Allee. stehen, chte etwas unter seiner Bluse, und da er es nicht er ungefähr dreißig Meter von mir entfernt war, blieb er Quen Bluse, der in das Haus schlüpfte. Suli in sin Entsprechend. Standesbeamter ( zu einem Artisten, der sein Ehe- Aufgebot be= stellt und dabei im Trikotanzug unterm Ueberzieher erscheint):„ Es ist höchst unpassend, in Asolchem Aufzuge hier zu erscheinen." Artist:„ Dics Kostüm trage ich immer, wenn ich mich zu einem bevorstehenden Kampfe rüsten." P Ridon den Tisch. So, nun bitte, zeigen Sie uns das Zimmer!" Der alte Matschke betrachtete höchst erstaunt und prüfend das Goldstück, dann ließ er es einige Male aufklirren. Geh', Auguste, zeig' das Zimmer. Von dem Gelde gebe ich Ihnen morgen früh wieder!" rief er dem Hauptmann nach. Kaum war das Ehepaar mit Frau Matschke draußen, als der Briefträger einen Brief zum Fenster hereinreichte. Herr Matschke öffnete und las. Was ist denn?" forschte der Katastersupernumerar neugierig. Ach, da schreibt eben ein neuer Bezirksoffizier von Werner, er käme heute abend an, und verlangt ein Zimmer mit zwei Betten. Wird wohl jetzt mit dem Zuge kommen. Da will ich nur' s Haus aufschließen gehen. Gut, daß meine Frau den Schauspielern oben das kleine Zimmer zurecht gemacht hat." Kaum war der Wirt wieder an den Tisch Birkes gelangt, als man draußen Stimmen hörte. Eine Finsternis in der Bude hier, zum Kuckuck, komm hier, Elvira, bon soir, messieurs!"„ Ah, da sind Sie schon!" flüsterte Herr Matschke.-„ Ganz er gebenster Diener, meine Herrschaften," näherte er sich nun mit einer tiefen Verbeugung, ich freue mich, die Herrschaften „ Na, was in meinem Hause zu sehen!" gibt's zu trinken, Herr Gastwirt, habe einen fannibalischen Durst!" rief der Herr. ,, Und ich Hunger!" ergänzte Frau Elvira. -Stehe sofort mit allem zu Diensten, darf ich vielleicht einen guten Rotwein heraufbringen, Herr Baron, meine Frau crscheint auch gleich und wird alles hergeben, was die Speisekammer aufzuiveisen hat!" Gott, machen Sie feene Geschich ten," meinte etivas verwundert der Herr, ,, aber, ivenn Sie gerade wollen, können Sie ja Rotwein ranschleifen!"- ,, Wie be= scheiden," dachte Herr Matschke im Abgehen, anders, wie die Schauspieler, die gleich welchen verlangten."- Auf dem раме Zerstreut. Flur traf Matschke den alten Gepäckträger, der mit einem großen Stoffer hereinkam. Hier bring' ich für Herrn Hauptmann den Koffer ,,, v. W." steht darauf." -Aha; die Herrschaften sißen drinnen," sagte Matschke, ,, wir wollen mal fragen, ob sie den Koffer bald' rauf haben wollen." Darauf öffnete er die Tür wieder. " Hier bringt der Gepäckträger den Koffer, Herr Baron!" Der Herr drehte sich verwundert um.„ Wir haben ja gar keinen mit!"" Na, b. W." steht doch darauf, Herr Baron?"" Was geht das mich an, warum nennen Sie mich überhaupt Baron, ich heiße doch Wilhelm Hauptmann, ich schrieb Ihnen doch, ich bin der Theaterdirektor!" Nach einigen Minuten stand Herr Matschke tiefbetrübt vor dem Wernerschen Paare und bat um Entschuldigung über den Irrtum." Das ist ja köstlich," freuten sich der Hauptmann und seine Frau, wir waren schon halb verzweifelt, na, gut, nun führen Sie uns in das bessere Zimmer, und bringen Sie uns einen guten Rotwein herauf. Und dem anderen Hauptmann da unten setzen Sie auch eine Flasche hin, die Sie mir mit anrechnen können, und ein andermal behandeln Sie Hauptleute höflicher, auch wenn Sie feine große Rolle mehr spielen können!" Der gehorsame Jean. Baron v. N. hat zwei Herren zu Tisch geladen. Als der Diener mit einer Schüssel erscheint, fragt er:„ Was ist das?" ,, Das ist ein Huhn, Herr Baron!" ,, Du mußt noch viel lernen," belehrte der Baron seinen Diener nach dem Weggang der Gäste. Warum sagtest Du:, Das ist ein Huhn? Du hast mir damit wenig Ehre gemacht. Gewöhne Dich daran, in solchem Falle fünftig den Plural zu gebrauchen; es klingt doch viel wohlhabender, wenn Du sagst:, Das sind Hühner!"" Als der Baron wieder einige Freunde bewirtet, richtet er an den mit einer Schüssel hereintretenden Diener dieselbe Frage: Was ist das?"" Mit schlauem Augenzwinkern nach den Gästen hin erwidert der gewitzigte Jean: ,, Das sind Rinder, Herr Baron!" Hebamme( dem Professor seine Zwillinge präsentierend):„ Sehen Sie mal die prächtigen Jungen!" Professor:„ Ach wie reizend, darf ich mir einen aussuchen?" zu beseitigen sind. Die Aufforderung zur Beseitigung der vorgefundenen Mängel ist nach Beendigung des Wiesenganges ungesäumt durch den Bürgermeister ortsüblich bekannt zu machen. Das Protokoll über den Wiesengang ist von allen Beteiligten zu unterzeichnen. War ein Mitglied des Wiesenvorstandes an der Teilnahme verhindert, so ist dies am Schlusse des Prokofolls zu bemerken. Sollte der Wiesenvorstand nicht mehr vollzählig sein, so wollen Sie uns nach Anhörung des Gemeinderats als bald besondere Vorlage machen. In den nachstehend verzeichneten Gemeinden wird ein Beamter der Großh. Kultur- Inspektion Gießen, gemäß Art. 4, Absatz 2 der Wiesenpolizeiordnung an dem Wiesengang teilnehmen. Der Tag und die Zeit. des Beginnes des Wiesenganges sind bei jeder Gemeinde besonders bemerkt. Die Zusammenkunft findet jeweils auf dem Amtszimmer des Bürgermeisters statt. 1. Beltershain am 8. März 9 Uhr vormittags 2. Stangenrod ,, nachmittags bormittags ,, nachmittags bormittags 3. Rödgen 4. Annerod 5. Garbenteich 6. Bersrod 7. Harbach 8. Hodheim 9. Steinheim " 8. 10. 1 " 81/2 " " 10. " " 12. 1 81/2 " " " 16. 10 " " 18. 10 " " " " 29. " " 29. 91/2 1 " " " " nachmittags Sie wollen ferner veranlassen, daß gleichzeitig mit dem Wiesengang die durch Statut vorgeschriebene Lokalschau des Vorstandes der in Ihrer Gemeinde bestehenden Wassergenossenschaften Die Genossenschaftsvorstände borgenommen wird. haben hierbei insbesondere ihr Augenmerk darauf zu richten, ob sich die genossenschaftlichen Anlagen in gutem Zustande befinden und ob etwa Unterhaltungsoder Verbesserungsvorschläge zu machen sind. In Ihrem Begleitbericht zum Wiesengangsprotokoll ist anzugeben, ob die Lokalschau der Wassergenossenschaften, wie angeordnet, stattgefunden hat. J. V.: Dr. Kranzbühler. frieden über die bisherige Wahrung der Neutralität. In einzelnen Provinzen regt sich bereits die offene Rebellion, die mit Japan liebäugelt. Da ein großer Teil der chinesischen Machthaber und Generale sich auch für einen Anschluß an Japan aussprechen, so hat die chinesische Regierung einen schweren Stand und wird kaum auf die Dauer ihre Neutralität bewahren können. Aus Peking wird über diese Angelegenheit berichtet: Die Generale Ma und Tschi wollen angeblich beim Kaiser Widerspruch gegen die Neutralität Chinas erheben. Der japanische Gesandte in Peking drängt China zu einem entscheidenden Schritte. Offenbar von ihm beeinflußt, haben Quanschifai und andere Staatsmänner der Regierung eine Denkschrift überreicht, worin sie auf der Not. wendigkeit eines Schuk- und Trukbündnisses Chinas mit Japan bestehen. Japan verspreche, wenn es Koarea erhalte, die Mandschurei nicht anzurühren und keine Schritte gegen das chinesische Kaiserhaus zu unternehmen. Sollte es dem großen Einfluß Yuanschikais und seiner Hintermänner gelingen, diesen Plan durchzusetzen, dann wäre der Weltkrieg unvermeidlich, denn in China laufen die euro. päischen Interessenfäden in dichtem Knäuel zusammen. Ueber neue Operationen liegt nichts Bemerkenswertes bor. Dagegen äußern sich jetzt auch amtliche japanische Dar. stellungen über die letzten Vorgänge vor Port Arthur. Danach waren es fünf japanische Kauffahrteischiffe, die dazu bestimmt waren, den Hafeneingang zu sperren. Sie hatten eine Größe von 1000 bis 2000 Tonnen und waren zur Täuschung des Feindes mit einem kriegsschiffähnlichen Anstrich versehen. Wie Admiral Kammimura berichtet, wur. den sie von ihren Besagungen selbst versenkt. Doch mußten sich die japanischen Flottenführer später davon überzeugen, daß das Versenken der Brander von keinem namhaften Erfolg gewesen, mit anderen Worten die Hafeneinfahrt unversperrt sei. Sämtliche Besatzungsmannschaften, ebenso wie die Torpedoboots flottille seien unversehrt geblieben. Zum Schluß macht Admiral Kammimura noch die Mitteilung, daß das japanische Kreuzergeschwader einen russischen Tor. pedobootsjäger vernichtet habe. Die Politik. Gine interessante Uebersicht bietet eine soeben erschienene Statistik aus der Reichspostverwaltung, der wir einzelne 13. Jahrgang. ionspreis: Die einspaltige Betttzelle für ganz te Kreise Wetzlar und Marburg 10- Pfg. fonft 15 Reklamen die Petitzelle 30 resp. 40 Pfg. Boftgeltungsliste No. 3269. on und Expedition: Gießen, Seltersweg 88 Fernsprechanschluk Nr. 362. ichten eßener Zeitung) Gießen und Umgebung. Behörden von Oberhessen. ehmen. Die Zahl der Beamten der Reichs- Postaphenverwaltung ist zu Anfang des Jahres 1904 eniger als 217 716 Personen angewachsen. Gegen r bedeutet dies eine Vermehrung um 7810 Köpfe. enstellen sind im letzten Jahre um etwa 2400, die beamten um 2700 vermehrt worden. Bei den ' n und nicht mit Postanstalten vereinigten Teletern und Stadtfernsprechämtern werden 20 397 eschäftigt, und zwar im Telegraphendienst 9987, rechdienst 10 410. Der Fernsprecher nimmt also mehr Kräfte für sich allein in Anspruch, als der ingst angekündigte Gründung des Reichsverbandes Sozialdemokratie ist jetzt erfolgt. Aus den Sta Berbandes, der seinen Sitz in Berlin hat und das sgebiet umfaßt, heben wir folgendes hervor: Der ill die Sozialdemokratie als politische Macht bend hierzu alle Gegner der Umsturzpartei zu ver jen; er kennt feinen Unterschied der Parteistellung. verband verfolgt lediglich politische und nationale will der Vaterlandslosigkeit und republikanischen der Sozialdemokratie entgegentreten und wird en, auf die Wahlen im nationalen Sinne einzur will die arbeitende Bevölkerung durch Wort und rüber aufklären, daß die Sozialdemokratie nur je Zwecke verfolgt, um ihre politischen Führer zur zu bringen, und daß sie die angebliche Interessender Arbeiter in dem Streben nach politischer Macht e. Sobald als möglich sollen provinzielle Landeseschaffen werden. Der Jahresbeitrag ist auf minMark, für korporative Mitglieder auf mindestens emessen. Der Verband soll erst dann wirklich ins en, wenn sein Bestehen durch eine entsprechende zahl und ihre finanzielle Unterstützung auf Jahre ichert ist. er den Inhalt des deutsch- italienischen Handelswie er zwischen den Unterhändlern beider Staaten bereinbart ist, wissen italienische Blätter zu be Deutschland Italien zwar einige Zugeständ f die Zollsäge bei Früchten und Gemüse machen jegen feine 3ollfreiheit für Getreide und ichterungen für Wein gewähren wolle. Die Melt feineswegs glaubwürdig. Uebrigens rechnet man ischen Regierungskreisen mit dem Abschluß der rtragsverhandlungen bis zum 15. März. Hannover kommt die Meldung, daß die Re gierung beabsichtige, in der Residenz an der Leine eine Polizei- Akademie zu schaffen. In dieser Akademie sollen Be amte aus dem ganzen Reiche für den Dienst als Polizei. kommissare und Polizeioffiziere vorbereitet werden. England. Der neue Generalinspekteur der britischen Armee, Herzog von Connaught, hat jetzt seine Ansichten über die britische Heeresreform näher dargelegt. Er meint, für den Auslandsdienst genüge eine Freiwilligenarmee. Was die heimische Armee angehe, so schwebe ihm eine auf dem Prinzip der allgemeinen Wehrpflicht beruhende Defensivarmee ohne sehr lange Dienstzeit vor, die hinreichend und vollständig geschult sein müsse. Aus dieser tönnten dann Freiwillige für den auswärtigen Dienst aufgerufen werden, die am Ende ihrer Dienstzeit eine Bension zu erwarten hätten. Es wird wohl noch eine Zeitlang dauern, ehe sich die Engländer zu der ihnen ganz und gar nicht willtommenen allgemeinen Wehrpflicht bequemen. * Auch wenn die britische Regierung nicht am Tage des Kriegsbeginns in Ostasien einen groben Schriftwechsel mit Rußland wegen Tibets veröffentlicht hätte, war es doch für jeden Kenner britischer Politik klar, daß das Inselreich die russische Verwickelung mit Japan benußen würde, um in Tibet Rußland den Weg zu verlegen. Wie jetzt aus London berichtet wird, ist England entschlossen, falls Tibet nicht eine antirussische und zugleich englandfreundliche Haltung annehme, gegen Tibet militärisch vorzugehen. Den Russen wird das ja höchst ungelegen kommen. Ob aber nicht julegt England die Zeche zahlen muß, ist die Frage. Oesterreich- Ungarn. Trotz aller Heimlichkeit ist es doch ans Tageslicht ge tommen: Sesterreich- Ungarn macht mobil mit Rücksicht auf ein etwa nötiges bewaffnetes Eingreifen auf dem Balkan. Außer der Mobilisierung des gesamten stehenden Heeres wird sogar diejenige des Landsturms 1. Aufgebots vorbereitet. Zugleich steht eine Neubesetzung der Kommandostellen bevor: 20 bis 25 Generale sollen verabschiedet werden. Es erhielten bereits einige Generale, die die vierzigjährige Dienstzeit überschritten hatten, die Aufforderung, ihr Gesuch um Benjionierung einzubringen. Wie in diplomatischen Kreisen verlautet, hat Desterreich bei den Großmächten angefragt, wie sie sich zu einer etwaigen, durch den Berliner Vertrag der Wiener Regierung zugestandenen Befeßung des Sandschaks Nowibasar verhalten würden. Hoffentlich gestalten sich die Verhältnisse so, daß ein Eingreifen Osterreichs auf dem Balfan überflüssig wird. 335 my 呈 Enfant terrible. ,, Was," sagt ein Besuch, Ihr Klavier haben Sie verkauft? Mich wunderts, daß Sie für das alte Instrument doch noch einen Liebhaber fanden!" ,, O," ruft die kleine Else dazwischen, es waren sogar noch zwei andere Gerichtsvollzieher da, die es auch gewollt haben!" Kühne Ausflucht. ,, Angeklagter, es wird Ihnen also zur Last gelegt, daß Sie die Verwirrung während des Erdbebens benutzend in das Arbeitszimmer des Bankiers in diebischer Absicht eingedrungen sind was haben Sie dagegen vorzubringen?" ,, Herr Präsident, ich war so erschrocken; ich glaubte Aber was hatten Sie dann am Schreibtisch des fest, nun gehe die Welt unter!" Bankiers zu tun?" Ich wollte nur noch an meine Mutter einen- Abschiedsbrief schreiben!" Falsch verstanden. ,, Fräulein Jda, was schließen die Professor der Botanik( in einer höheren Blumenblätter alles ein?" Töchterschule): Professor: Nehmen Sie doch einmal eine der Fräulein Jda( zupft Blatt für Blatt bedächtig Blumen hier zur Hand, pflücken Sie die einzelnen Blätter ab und sehen Sie zu, was sich dann herausstellt!" ab und haucht errötend):„ Er liebt mich!" ( Fräulein Jda schweigt.) 33 ich erstere ausübe, so ** streng verlange ich auch die Anerkennung der letzteren. Ich habe mein Wort verpfändet; du wirst es einlösen, alle Folgen kann ich mit ruhigem Gewissen verantworten." „ Du bestehst wohl nur deshalb so sehr darauf, weil du Unfrieden zwischen mir und meiner jungen Stiefmutter fürch test," sagte Irma, die sich erhoben hatte und furchtlos in das hochrote Antlitz ihres Vaters schaute. „ Du weißt, daß ich immer ein folgsames Kind gewesen bin, auf dessen Liebe du vertrauen durfteſt," fuhr Irma zu ihrem Vater fort, von mir hast du wahrlich keine Störung deines häuslichen Friedens zu fürchten. Und wenn du ehrlich sein willst, so wirst du zugeben müssen, daß hier von einer glänzenden Partie kein Rede sein kann, denn der Maler v. Weisweiler hat nichts und ist nichts, wird auch nie mehr werden als ein mittelmäßiger Maler, der mit seinem Einkommen kaum sein Taschengeld bestreiten kann. Wenn er zum Hofmaler ernannt wird, so erhöht ihn das in meinen Augen nicht, denn nicht seinem Talent und seinen Leistungen, sondern nur den Bitten seines Vaters würde er diese Stellung verdanken, die einem Besseren gebührt." „ Was soll das alles?" brauste der Direktor wieder auf. Playn ,, Seitdem die Müller wegen ihrer Fettsucht nicht mehr beim Ballet ist, geht es ihr recht gut; sie fährt Reklame für eine Gummireifenfabrik!" Belastungsprobe.( Bild nebenstehend.) a) ob die frühere blick auf semen begieter." wer yur we worden b) welche 2 Beseitig borgefu oder w schlager fein A Wiesen Pflanzer Mein Vater," antwortete Gustav ruhig. Ist es nicht deine Absicht?" „ Einstweilen ist es noch ein Projekt unserer Väter," wich Ottokar einer bestimmten Antwort aus. Mit dem du einverstanden bist." Weshalb sollte ich es nicht sein?" " Ich würde dir sicherlich keinen Vorwurf daraus machen, indessen meine ich, es wäre richtiger gewesen, wenn du dir zuvor das Jawort Frmas gesichert hättest." Wieder blickte der Maler auf, ein Anflug von Hohn lag jetzt in dem Ausdruck seines Gesichts. Sprich dich offen aus," sagte er, wenn ich voraus weiß, daß ich das Jawort nicht erhalte, so werde ich nicht der Narr sein, mir einen Korb zu holen." " Ich bin nicht ermächtigt, dir diese Erklärung zu geben," erwiderte Gustav; aber willst du einen guten Rat annehmen?" „ Sehr gerne." ( Fortsetzung folgt.)}) Gast: müssen sich nicht „ Sie hügel, f Entwäffe c) weldje 2 größere fommen tracht, Wafferge des Bad Das entschuldigt. dem Wieseng des Beginnes besonders ben auf dem Am 1. Beltershai 2. Stangenco 3. Rödgen 4. Annerod عدن 5. Garbenteich 6. Bersrod 7. Harbach 8. Nodheim 9. Steinheim Ste woll mit dem M fchriebene Lote Gemeinde borgenommen haben hierbei richten, ob gutem Zustan oder Verbesser In Thre ift anzugeben fchaften, wie d der 10000 Hoffnungen. großer Gile zu sein und etwas Wichtiges vorzuhaben. Als us den Erinnerungen chinesischen Geheimpolizisten. ( Nachdruck verboten.) als war ich von der Regierung in Pefing mit hen Missionen betraut worden. Ich bin von er, war aber schon als Kind nach China prach das Chinesische wie ein Eingeborener. empfing ich eine wichtige Botschaft vom Nan teilte mir mit, daß Seine faiserliche ohn des Himmels, meiner Dienste bedürfe. einem Sterblichen, den die Götter ehren, ich in der Audienz den Worten des ersten r haben erfahren," sagte er,„ daß in Nanking jellschaft besteht, die sich der„ Bund der zehngen" nennt. Das wissen wir, aber weiter its herausbekommen. Der Gouverneur von zwar, daß seine Feinde die Angelegenheit hätten. Aber wie ich aus anderer Quelle eime Gesellschaft ziemlich gefährlich. Sind die Zwecke und Ziele des Bundes zu er wundern, daß ich so viel esse, gnädige Frau -- - ich habe nämlich Ihretwegen drei andere Mittagessen im Stich gelassen!" Brutt und Verlag: Neue Berliner Verlags- Anstalt, Aug. Krebs, Charlottenburg bei Berlin, Berlinerstr. 40. Berantwortlich für die Redaktion der Neuen Berliner Berlags- Anstalt, Aug. Krebs, Charlottenburg: C. Schulz, Charlottenburg, Guerideſtr. 37. u b) ful insofern fein borstand in Wochen nicht deren die bor Strafen und zu beseitigen f der borgefunde Wiesenganges üblich befannt Das Pro Beteiligten zu Wiesenborstan dies am Schlu Sollte de sein, so wolle rats als bald ein Beamter mäß Art. 4. In den ſich unverzüglich nach Nanking und sprechen neur Chung- Ki vor. Sie werden ihm diesen und dann herauszufinden suchen, in welcher pirkſamſten zuſammen arbeiten." assen. ich zu überlegen. Ich wußte, daß die Proen Gesellschaften übersät war. Die Mehrzahl ie Mandschu- Dynastie zu stürzen. Stunden hatte ich Peking bereits verlassen, if dem Wege nach Tientsin, wo ich einen Schanghai bestieg. Als Chinese betrat ich Engländer verließ ich es. Es war mir leicht, zu gelten. Der Schnitt meines Gesichtes ist h. Ich besitze nicht allein dunkle Augen, sonrvorspringende Backenknochen. Ohne diese wäre meine Nationalität schwerlich zu verSelbst das Haar ließ ich nach chinesischer Als Europäer trug ich eine Perücke. besuchte ich sogleich den Gouverneur ChungMann von mittlerer Größe, sehr mager und t, von dem man die Verschmißtheit ablesen hanne entging sicherlich nichts, nicht das GeKleidung, noch meines Gesichts oder meines s nicht erwartet, Sie wie einen Europäer n," begann er, meine Person musternd. mich gewöhnlich, wie man es am wenigsten meine Antwort. mein Herr," fuhr er fort,„ Sie sprechen ießend chinesisch, haben aber dennoch einen erkung wird mir heute zum ersten Male gemurmelte er. e nämlich einen etwas fremden Accent beim Sprechen aus ganz bestimmten Gründen angenommen. „ Wahrscheinlich ist Euerer Exzellenz Intelligenz größer als die anderer Leute," sagte ich höflich. Er lächelte kühl. In dem Brief hier," sagte er, werde ich ersucht, alles, was ich über den Bund der zehntausend Hoffnungen" in Erfahrung gebracht habe, Ihnen mitzuteilen." „ Nach den Meldungen, die Sie gemacht haben," bemerkte ich, wissen Sie wenig zu berichten. Erzellenz müssen jedoch nicht glauben, daß wir annehmen, Sie wüßten nicht genau, was um Sie her vorginge. Hat die Gesellschaft politische Zwecke?" Unbedingt." " Halten Sie den Bund nicht für gefährlich?" Nein. Gar nicht. Es sind nur einige Kulis, die sich von Geistern inspiriert glauben." Ich konnte nichts Vernünftiges über den Bund aus dem Gouverneur herausbringen und ging. Nach meiner Gewohnheit, auf der Straße alles, was um mich vorging, zu beobachten, bemerkte ich plötzlich, daß auch ich beobachtet wurde. Ich sah einen Kuli in einer grauen Bluse. Er schien in er ungefähr dreißig Meter von mir entfernt war, blieb er stehen, chte etwas unter seiner Bluse, und da er es nicht fand, ging er über den Damm und verschwand in einer Allee. Ich wandte mich um und erhaschte mit dem Blick einen anderen Kuli in einer grauen Bluse, der in das Haus schlüpfte. Jetzt wurde die Sache interessant, was sollte die Verfolgung bedeuten? Nachdem ich etwa zwei Stunden, immer gefolgt von einem Kuli, umbergelaufen war, suchte ich das Wirtshaus auf, wo ich ein Zimmer genommen hatte. Als ich eintreten wollte, sah ich den ersten Graublusigen am Eingang der Straße gehen. Ich hatte dem Gouverneur meine Adresse nicht angegeben, folglich war mir der Kuli nur auf seinen Befehl nachgegangen. Auf einem schmalen Gang, zu dem eine schmutzige Treppe führte, lag mein Zimmer. Ich zündete mir eine Pfeife an und begann, mir die Situation klar zu machen. Dabei blickte ich zum Fenster hinaus auf schmußige Hinterhöfe und schräge Dächer. An eine Flucht war nicht zu denken. Ich holte aus dem Koffer mein chinesisches Gewand, und dank dem orientalischen Schnitt meines Gesichtes hatte ich mich unerkennbar in einen Chinesen verwandelt. Um die Täuschung vollständig zu machen, setzte ich eine große Hornbrille auf und ging nun hinunter in das Gastzimmer. Drei oder vier Leute tranken Tee und plauderten. Ich ließ mir gleichfalls eine Tasse Tee bringen und setzte mich nieder. Sie haben einen Fremden hier?" fragte ich den Wirt. " Ja, Exzellenz." „ Was wissen Sie von ihm?" " Nichts, Exzellenz. Euere Exzellenz ist wohl auch hinter ihm her?" „ Auch? Was soll das heißen?" „ Möchten Euere Erzellenz nicht lieber dadrüben Ihre Freunde befragen?" Fünf Minuten lang saß ich ganz still, schlürfte meinen Lee und wagte nicht aufzuschauen. Meine Gedanken arbeiteten bligartig. Dann stand ich auf und ging langsam, verfolgt von sechs Augen, hinaus auf die Straße und schlug die Richtung ein, wo ich zuletzt den großen Kuli gesehen hatte. Wirklich stand er noch an derselben Ecke, vor demselben Hause. Ich ging an ihm vorbei, nahm den Ausdruck eines grübelnden Philosophen an und guckte verstohlen dann und wann über die Schulter. Plößlich sah ich ihn nicht mehr, er war fort. Noch wanderte ich eine Zeitlang, bis es dunkel ward, dann kehrte ich zu meinem Gasthaus zurück, um meinen Koffer zu holen und sogleich mein Quartier zu wechseln. In dem Gastzimmer saßen nur zwei Leute, als ich eintrat. Der eine Mann schlief friedlich in einer Ede. Der andere, ein alter mit einem Back auf dem Rücken, schien ein Hausirer zu sein. Auch er weilte scheinbar in dem Lande der Träume. Ich nahm Platz und bestellte zunächst etwas zu essen. Kaum hatte ich den lezten Bissen meines Mahles hinuntergewürgt, so begann sich der Hauſirer zu regen; dann fragte er mich, welche Zeit es wäre. Ich antwortete, und nun wurde der Alte redselig. Er sei Hausirer und handele mit allerlei Dingen. Da ich ihm nichts abkaufen wollte, sprach er von einem ganz geheimnisvollen Armband aus Jet mit Goldverzierung, das einzig in seiner Art wäre, das ich sehen müßte, aber welches er nicht wagte, öffentlich zu zeigen. Ich forderte ihn auf, mich in ein Nebenzimmer zu begleiten. Als wir beide allein in der Stube waren, packte er zitternd seine Waren aus. Plötzlich griff er mit der Hand unter die Bluse, zog ein Messer heraus und, ohne ein Wort zu sprechen, ging er auf mich los. Ich aber packte ihn mit der größten Geschwindigkeit beim Handgelenk, und klirrend fiel das Messer zu Boden. Mit einem Satz sprang er zur Tür. Aber ich erfaßte ihn beim Zopf. Da hielt ich eine Perücke in den Händen, und nun sah ich, daß es ein junger Mann war, mit dem ich es zu tun hatte. Im nächsten Augenblick rangen wir miteinander. Mit einer schnellen Bewegung griff ich ihn von hinten an, und sausend flog er mit dem Kopf gegen die Tür mit solcher Gewalt, daß er sofort niederfiel und regungslos liegen blieb. Nun kam mir ein kühner Einfall. Ich entkleidete den Sterbenden und schleppte ihn unter das Bett. Dann schlüpfte ich in mein Zimmer, legte sein Gewand, seine Perücke an, stand bald ganz wie er als Hausirer gekleidet da und ging hinaus