Nr. 96. bonnementsprete: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., Sans gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertelfährlich Mr. 1.50. Huntsbetingen: Oberheffifche Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Montag, den 25. April 1904. Gießener 13. Jahrgang. Insertionspreis: Die einfpaltige Betitzette für gang hefsen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. fonft 16 Reklamen die Petitzeile 30 refp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg Fernsprechanschluk Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Sichener Tageblatt) Unabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Betreff: Maßregeln zur Abwehr und Unterdrückung der Schweinepest( Schweinefeuche). Bekanntmachung. Nachdem die Schweinepest( Schweineseuche) in den Kreisen unsrer Provinz zwar erloschen, dagegen befannt geworden ist, daß sie in benachbarten preußischen Bezirken noch fortbesteht, treffen wir, unter Aufhebung der Vorschriften in unserer Befanntmachung vom 8. Juni v. Js.( Kreisblatt Nr. 67) und bom 19. August v. Is.( Kreisblatt Nr. 96), auf Grund des § 9 des Ausschreibens Großh. Ministeriums des Innern vom 27. Juli 1895 zu Nr. M. J. 20929 folgende Anordnungen, die wir mit dem Anfügen öffentlich bekannt geben, daß Zuwiderhandlungen nach§ 65 Biff. 2 und§ 66 des Reichsbiehseuchengesetes mit Geldstrafe oder Haft, wissentliche Verletzungen der Vorschriften dagegen gemäß§ 328 R.-Str.-G. mit Gefängnis bestraft werden. 1. Händler, welche Schweine feilbieten oder solche von Ort zu Ort transportieren oder transportieren lassen, müssen mit Gesundheitsscheinen versehen sein, worin von dem beamteten Tierarzte bescheinigt ist, daß die Schweine aus hessischen unberseuchten Zuchten stammen, oder seit ihrer Einführung in Hessische Gebietsteile mindestens 5 Tage in seuchefreiem Zustande zugebracht haben und gegenwärtig frei von einer Seuche sind. Diese Gesundheitsscheine haben eine Gültigkeit von 3 Tagen, nach deren Ablauf auf ihnen durch den beamteten Tierarzt 3 bescheinigen ist, daß eine abermalige Untersuchung der Schweine stattgefunden und die Seuchenfreiheit derselben ergeben hat. 2. Auf den Gesundheitsscheinen müssen die Schweine, fobiel als angänglich bezeichnet und ihre Zahl genau angegeben sein. Ueber etwaige Abgänge aus den Transporten durch Verkauf oder Krepieren hat sich der betr. Händler durch Bescheinigungen der betreffenden Ortsbehörden oder des beamteten Tierarztes auszuweisen. 3. Sowohl die Gesundheitsscheine wie die Bescheinigungen über die Abgänge aus den Transporten hat der Begleiter derselben stets mit sich zu führen. 4. Krepiert ein Schwein aus einem solchen Transport, so ist unverzüglich der Kreisveterinärarzt zur Feststellung der Todesursache zuzuziehen. Bevor diese Feststellung stattgefunden hat, darf ein Verkauf aus dem betr. Transport oder ein Fortbringen desselben oder einzelner Tiere daraus nicht stattfinden. Dieser Maßnahme, sowie der nach Feststellung einer Seuche angeordneten Gehöftssperre bleiben die sämtlichen Schweine des fraglichen Transports so lange unterworfen, bis die Seuche erloschen und alle Gefahr einer Weiterverbreitung derselben beseitigt ist. 5. Auf Mastschweine, welche zum Zweck der Schlachtung transportiert werden, finden die im Vorhergehenden enthaltenen Bestimmungen feine Anwendung. 6. Die Kosten für die vorgeschriebenen Gesundheitsscheine und sonstigen Bescheinigungen hat der betr. Händler zu tragen. Die Feststellung der Todesursache eingegangener Schweine gemäß Biffer 4 gegenwärtigen Ausschreibens erfolgt auf Kosten der Großherzoglichen Polizeikasse. 7. Das Verbot des Verkaufs von Läufer= schweinen im Umherziehen wird aufgehoben. Wegen der Abhaltung der Schweinemärkte bestimmen wir ferner das folgende: I. Die betreffenden Marktplätze sind derart zu teilen, daß die Schweine der Händler von denjenigen der Züchter vollständig getrennt sind. II. 1. Die Schweinezüchter haben ein von der Drtspolizeibehörde ausgestelltes Ursprungszeugnis aufzuweisen, in welchem ausdrücklich bescheinigt wird, daß der Besizer die von ihm zum Markte gebrachten Schweine selbst gezüchtet hat. Außerdem ist bei Schweinen, die außerhalb des Großherzogtums Hessen gezüchtet werden sind, in dem Zeugnis, unter Angabe der Stückzahl und des Alters der betreffenden Schweine, zu bescheinigen, daß der Herkunftsort seuchenfrei ist. 2. Wegen der von Schweinehändlern auf die Märkte aufgetriebenen Schweine wird auf die Bestimmungen oben sub 1, 2, 3 und 6 verwiesen. 3. Sämtliche Ausweise werden von den Polizeibeamten nachgeprüft und sind dem Großh. Kreisveterinärarzte auf Verlangen vorzuzeigen. Alsfeld, den 18. April 1904. Großherzogliches Kreisamt Alsfeld. Dr. Melior. Der Krieg in Ostasien. Daß mehrere Vorpostengefechte am Jalu stattgefunden haben, beſtätigt sich. Dagegen fehlt für die Meldung von einem größeren Gefecht noch immer jede amtliche Unterlage. Ueber die Feindseligkeiten am Jalu berichtet ein Telegramm des Statthalters Alexejew an den Zaren die folgenden Einzelheiten: Eine Reihe von Rekognoszierungen am Jalu haben ergeben, daß die Japaner nördlich von Widschu bedeutende Streitkräfte bei Diwissi zusammenzogen, sowie begonnen haben, Truppen in Widschu zu vereinigen. Die dortige koreanische Bevölkerung wurde gezwungen, die Stadt zu räumen. Es ist eine Meldung eingegangen, wonach die Japaner Frachten, die Pontons ähnlich waren, befördert haben. Gegenüber Mabihe wurden auf einer Insel von unseren Freiwilligen zwei japanische Kundschafter getötet, von denen einer anscheinend Offizier war. Auf der rechten Flanke führten unsere Freiwilligen mehrere Tage lang fühne Rekognoszierungen des linken Jaluufers aus. Dadurch wurde festgestellt, daß südlich vom Pomahuafluß wenig Truppen stehen, daß die Japaner dort aber mit Herstellung von Booten beschäftigt sind. Ein aus zwei Offizieren und 32 Mann bestehendes russisches Kommando begab sich in drei Booten dorthin, wurde aber bemerkt und verlor im Gefecht drei Schüßen. Schwer verwundet wurden im Gefecht Stabskapitän Smeißzin und 11 Schüßen. Leutnant Puschkin und vier Schüßen sind leicht verwundet. Unter Deckung des Feuers von zweien unserer Geschütze fehrte das Kommando auf unser Ufer zurück. Eine weitere ruffische Schiffsexplosion. Die russische Flotte in Port Arthur ist wirklich vom Unglück verfolgt oder leidet unter einer wahrhaft ſträflichen Nachlässigkeit ihrer Besatzungen. Schon wieder hat sie einen schweren Unfall zu verzeichnen. Bei der Anlage einer Minensperre durch Dampfschaluppen kamen durch eine vorzeitige Explosion unter dem Hinterteil einer Schaluppe der Leutnant Peter Pell und 20 Mann um. Ein Kolonialgedenktag. Auf den Tag genau sind es jetzt zwanzig Jahre, daß Deutschland Kolonialmacht ist. Am 24. April 1884 wurde die erste deutsche Kolonie begründet, und das heutige DeutschSüdwestafrifa war es, über dem vor zwanzig Jahren die Reichsflagge am Mast emporstieg. Das zwanzigjährige Jubiläum der Zugehörigkeit dieser ersten deutschen Kolonie zum Reiche sieht feine erfreulichen Zustände in der Kolonie: Fast alles, was deutsche Arbeit und deutscher Fleiß in der Kolonie geschaffen, liegt in Schutt und Asche, frische Gräber deutscher Männer und Frauen erheben sich in den Siedelungen, und jeder Tag fordert neue Opfer an kostbarem Blut. Indessen diese gegenwärtige Not der Kolonie soll uns die Hoffnung nicht rauben. Man darf wohl sicher sein, daß mit dem gegenvärtigen Aufstand die Wirren im Lande beendet sein werden. Und die weiteren Sugrzehnte werden Deutsch- Südwestafrika sicherlich in aufsteigender Entwickelung zeigen. Aus der Kolonie liegen heute besondere Nachrichten nicht vor. Wie verlautet, ist der langjährige Mitarbeiter Wißmanns in Ostafrika, Legationsrat Dr. Bumiller, als Oberleutnant in die südwestafrikanische Schußtruppe eingetreten und reist dieser Tage nach Südwestafrika ab. Bumiller war 1900 dem Stabe Waldersees in China beigegeben und wurde 1902 als Kolonialattachee nach Paris geschickt. Von dort wurde er vor wenigen Wochen abgerufen. Bumiller gehört dem Heere als Oberleutnant der Reserve des GardeKürassier- Regiments an und hat sich in den Kämpfen in Ostafrika mehrere preußische Kriegsauszeichnungen erworben. Der weitere Verstärkungs- Truppentransport, der am 30. d. M. von Hamburg aus in See geht, wird an Bord des von der Reichsregierung gecharterten Reichspoſtdampfers Herzog"( Kapitän Weiskamm) nach Swakopmund befördert werden. Wie verlautet, sollen die Truppen hauptsächlich dazu bestimmt sein, die englische Grenze zu überwachen, da es sich gezeigt hat, daß die Herero von dieser Seite aus unseren Schußtruppen am gefährlichsten geworden find resp. in Zukunft noch gefährlich werden können. Wie aus Hamburg weiter berichtet wird, kommen in den nächsten Tagen 500 000 Gewehrpatronen von dort aus zur Verschiffung. Die Funkentelegraphie im Schutzgebiet. Die jetzt in Südwestafrika zur Verwendung gelangenden Funkenstationen find, weil Funkenwagen nicht anwendbar, die sogenannten arrenstationen. Zu ciner Karrenitation gebören fünf zweirädrige Karren mit cinem Maximalgewicht von je 600 Kilo. Auf Karren I sind die Apparate für Geber und Empfänger untergebracht, der Karren II trägt die zur Erzeugung der elektrischen Energie erforderliche Dynamo mit zugehörigem Benzinmotor, Karren III dient als Vorratswagen für die Ballons mit Drachen, Handwerkszeug 2c.; auf Karren IV ist ein Gaserzeuger vorgesehen, der bei eintretender Windstille die Station- beonders für koloniale Unternehmungen von dem Nachschub des Wasserstoffgases unabhängig machen soll; Karre V ist Bagagewagen. Die Karren sind zweiräderig mit starken Federn; sie werden vom Bock gefahren, der außerdem noch einem Mann der Bedienung Plaz gewährt. Als Bespannung dient unter normalen Verhältnissen ein Pferd in der Schere. Zum Betrieb einer Funkentelegraphenstation auf Karren sind zwei Offiziere, zwei Unteroffiziere und acht Mann vorgesehen. Die Politik. Die Verstaatlichung der Pfalzbahnen soll zum 1. Januar 1905 Tatsache werden. Die bayerische Staatsregierung hat ihre Geneigtheit ausgesprochen, die gesamten Pfalzbahnen vom 1. Januar 1905 zu einem Preise zu übernehmen, welcher dem nach dem Stande von Mitte März 1904 zu berechnenden Kurswerte des gesamten Aktienkapitals entspricht. Es bleibt nun noch abzuwarten, was die Verwaltung der Pfalzbahnen zu diesem Vorschlage sagt. Mit dem vorläufigen Siege der Krankenkassen hat der Aerztestreik in Mülheim a./Rh. geendet. Am 23. d. Mts. haben die dem Deutschen Aerzteverein angehörigen Aerzte ihre Tätigkeit für die Krankenkassen eingestellt. Den Kassenborständen gelang es, von auswärts eine genügende Anzahl Ersagärzte heranzuziehen. Die Aufsichtsbehörde erklärte die Zahl der zur Verfügung stehenden Aerzte für genügend. * * Die Auswanderung ans Deutschland ist seit Errichtung des Reiches nie so gering gewesen als seit dem Infrafttreten der gegenwärtigen Handelsverträge. Seit 1871 wanderten aus dem Deutschen Reich nach Uebersee 2 590 000 Personen aus. Davon kommen auf die neun Jahre 1871/79, also auf die vor der 1879er 3olltarifreform liegende Zeit 509 000 Auswanderer, auf die zwölf Jahre 1880/91 1 580 000 Auswanderer, auf die zwölf Jahre 1892/1903 nur 500 000 Auswanderer. In dem Abschnitt 1871/79 kamen auf je 100 000 Einwohner im Durchschnitt jährlich 133 Auswan derer, 1880/91 stieg diese Ziffer auf 281, 1892/1903 ging sie auf 77 herab. A Gine zeitgemäße Warnung an die Aerzteschaft enthält ein Erlaß des preußischen Kultusministers, der sich gegen den bielfach von Aerzten geübten Brauch richtet, sich in ihrer Praris durch Kandidaten der Medizin vertreten zu lassen. Dieser Brauch ist nach Ansicht des Kultusministers ein bedenklicher Mißbrauch, der dem Publikum, den Aerzten und vor allem auch den jungen Vertretern den größten Schaden bringt. Die leßteren würden nämlich jetzt verpflichtet sein, sich gleich den Kurpfuschern bei dem zuständigen Kreisarzt zu melden. Dem ,, auftraggebenden" Arzte könnte sogar ein ehrengerichtliches Verfahren drohen. Jetzt vor Beginn der Reisezeit kommt diese Mahnung gerade recht. Soll doch schon der Fall vorgekommen sein, daß der junge„ Herr Doktor", der als Vertreter eines Arztes während dessen Sommererholung auftauchte, in Wirklichkeit knapp das Physikum bestanden und von praktischer Medizin noch keine blasse Ahnung hatte. Eine nachahmenswerte Maßregel auf landwirtschaftlichem Gebiet, die eine Besserung bäuerlicher Grundverhältnisse anstrebt, ist in Schleswig- Holstein getroffen worden. Die Bewohner des Dorfes Schuby, Kreis Schleswig, besitzen Ländereien, die sich wegen ihrer Lage, ihrer schlechten Zugänge und Bewässerung sehr unvorteilhaft bewirtschaften lassen. Die Besitzer haben jetzt beschlossen, die zerstreut liegenden Felder zusammenzulegen, zeitweilig in einer Hand zu vereinigen und durch einen tüchtigen Landwirt bewirtschaften zu lassen. Dieser Verwalter wird das Dorfland zweckmäßig mit Wegen und Gräben versehen und zunächst auf gemeinsame Rechnung bewirtschaften. Sobald die großen Verbesserungen des Gebietes es handelt sich um eine Fläche von 1500 Morgen beendet sind, erhält jeder Bauer für das eingeworfene Land eine geschlossene, leicht erreichbare, gut bewässerte Fläche, die ihm künftig mit geringeren Kosten größere Erträge bringen wird. Oefterreich- Ungarn. Die Aussichten für die streikenden Eisenbahnbeamten in Ungarn verschlechtern sich von Tag zu Tage. Bereits jetzt haben sich mehrere tausend Bewerber für den Eisenbahndienst bei der Direktion gemeldet. 500 neue Beamte wurden angenommen. Die Zahl der Züge, die verkehren, ist dementsprechend größer geworden. Es ist dringend zu wünschen, daß der Verkehr so oder so bald wieder in vollem Umfang aufgenommen sein werde. Denn eine Fortdauer der Verkehrsstockung droht schwere Folgen für die Bevölkerung der Städte zu haben. Wenn die Unterbindung des Verkehrs nur einige Zeit anhalten sollte, so sieht z. B. Budapest einer noch yinaus. bewahrt mar aing ich hinübe 3weimal in den drei Tagen, während deren die Leiche aufhaus seine Schatten geworfen. barmen, und ein furchtbares Verbrechen hatte in das Trauerhäufig draußen in der Küche faßen zwei bewaffnete Gensund Aufbahrungen unter den irländischen Bauern findet schlich sich noch jener laute Lärm, den man sonst so Da war weder jenes Wehrlagen und jedesmal traf ich Bathroon thn fümmere. Mein armer wollte doa sehen zu lassen. Sie hielt inne und wandte sich ab, daß ich Michael Heirate... nicht haber um ihre Tränen nicht gedacht haben, und Ihr eigenes ,, Liebes Fräulein Craig," sagte ich Ihr Herr Vater noch lebte, würde er jegt darauf zu ihr, wenn Glüahrscheinlich anders michaels Dieser Tabak ist im Zimmer, Jener in der Luft zu rauchen. In der Heimat nicht zu brauchen- Reisefreunde find fast immer lichsten Weise nährte. häufigen Einladungen ihres Bruders schaffenen Menschen war, und deshalb machte sie von den echt, sondern nur das natürliche Pflichtgefühl eines recht. und unmodern waren und sie sich in der simpelsten, ron zu gewinnen, doch Diga merkte, daß ihre Freundlichkeit nicht Signe machte mehrere Versuche, die Schwägerin für sich nur selten Gebrauch. nie dagewesenen Lebensmittelteuerung entgegen. Schon jetzt find viele Lebensmittel bedeutend im Preise gestiegen. Was an Zufuhren unterwegs war, liegt auf den verschiedenen Stationen und ist dort dem Verderben preisgegeben. Für den Fleischbedarf ist einstweilen gesorgt. Sämtliche Lebensmittel sind jedoch seit den Mittagsstunden um 25 Prozent in die Höhe gegangen, und die Lebensmittelhändler haben beschlossen, im Falle des Andauerns des Streiks eine weitere Erhöhung der Preise vorzunehmen. Dänemark. Mit der Wiedereinführung der Prügelstrafe ist es nichts geworden: Der dänische Reichstag, der über das Gesetz verhandelte, ist von der Regierung geschlossen worden. Damit ist der Gesetzentwurf, dessen Genehmigung angesichts des starken Widerspruchs gegen ihn höchst unwahrscheinlich war, fürs erste abgetan, und es ist nicht anzunehmen, daß die Regierung ihn später nochmals wieder einbringen wird. Der Justizminster, der Vater des Entwurfs, wird vielmehr wahrscheinlich binnen kurzem seinen Abschied nehmen. frankreich. essante parlamentariche Vorgeschichte. Die Regierung hatte ursprünglich an Baukosten 3 650 000 Mart, für innere Einrichtung 850 000 Mart, Marstallgebäude 400 000 Mart, Gartenanlage 250 000 Mart, insgesamt 5 150 000 Mark, davon 100 000 Mark als erste Rate, gefordert. Die Budgetkommission hatte für den gesamten Bau einen festen, nicht überschreitbaren Betrag von 3 000 000 Mart bewilligt. Da die Regierung diese Summe für unzureichend erklärte, wurde der Titel an die Budgetkommission zurückgewiesen, die nach den Aufklärungen von seiten der Regierung jetzt vorschlug, als festen, nicht überschreitbaren Betrag 5 350 000 Mark an die Krone, also mehr als die Regierung ursprünglich gefordert hatte, zu bewilligen, davon 1 Million Mt. ais 1.Rate für 1904. Gegen die Bewilligung stimmten nur die Polen und ein Teil der freisinnigen Volksparteiler. Die dritte Lesung des Etats brachte einige ziemlich allgemein gehaltene Reden der Vertreter verschiedener Parteien und der Minister v. Hammerstein und v. Rheinbaben. Der Etat des Finanzministeriums wurde schließlich in dritter Lesung genehmigt. Die Gerüchte von einer Begegnung zwischen Kaiser Wilhelm und dem jetzt in Begleitung Delcassés nach Rom abgefahrenen Präsidenten Loubet erhalten sich hartnäckig. Jetzt heißt es gar, daß ein Zusammentreffen eider Staatsoberhäupter zwischen Neapel und Genua auf hoher See vorbereitet werde. Allerdings solle der Anschein erweckt werden, daß die Begegnung durch Zufall herbeigeführt sei. Der Verlauf würde folgender sein: Die Hohenzollern" werde die ,, Marseillaise" der Schiffe Loubets sichten, und nach ausgetauschtem Flaggengruß werde sich die Gelegenheit zu Besuch und Gegenbesuch zwischen den beiden Staatsoberhäuptern, die zur Zeit gleicherweise Gäste des Königs von Italien sind, bon selbst ergeben. Das schmeckt stark nach Phantasie. Während der Anwesenheit Loubets in Rom wird der französische Gesandte beim Vatikan, Nisard, Rom verlassen, weil sein Verbleiben in der ewigen Stadt ihn in eine für ihn wie für den Vatikan peinliche Lage bringen müßte. Uebrigens haben alle von der französischen Regierung abhängigen Religionsinstitute in Rom Anweisung erhalten, während des Besuches Loubets die französische Trikolore zu hissen. Deutfcher Reichstag. ( 74. Sigung.) CB. Berlin, 23. April. Nab und Fern. § Wegen einer gestohlenen Hose ins Zuchthaus. Wegen Diebstahls einer Ertrahose wurde der Musketier Rechenberg bom 128. Infanterie- Regiment vom Kriegsgericht in Danzig unter Ausstoßung aus dem Heere zu einem Jahre Zuchthaus, 2 Jahren Ehrverlust und Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes verurteilt. Der Angeklagte, welcher die Tat hartnäckig leugnete, ist wegen Diebstahls bereits vorbestraft. In derselben Tagung des Kriegsgerichts wurde gegen den Grenadier Huißmann vom 5. Grenadier- Regiment wegen Sittlichkeitsvergebens auf sechs Monate Gefängnis erkannt. Er hatte ein Mädchen unter 14 Jahren in die Raserne verschleppt und sich dort an ihm vergangen. A Das deutsche Selbstfahrer- Kommando auf der Wiener Spiritusausstellung wurde vom Erzherzog Franz Ferdinand eingehend besichtigt. Das Kommando steht unter Befehl des Hauptmanns Meyer und des Leutnants Wegner. Der Abteilung sind ein Vizeseldwebel, ein Unteroffizier und fünf Mann zugeteilt. Der Erzherzog ging von Wagen zu Wagen und sprach die einzelnen Soldaten der, Selbstfahrer- Truppe an. Sehr aufmerksam betrachtete er die elektrische Station, welche auf einem Anhängewagen untergebracht ist und dazu dient, einem elektrischen Scheinwerfer Strom zu liefern. Er ließ sich die Details erklären, auf welche Weise die mechanische Kraft des Vierzylinder- Benzinmotors in elektrische umgewandelt und dann vermittels eines Kabels zu den Schein. werfern geleitet wird.„ Sann man die Maschine nicht in Gang sehen?"„ Gewiß, faiserliche Hoheit. Ankurbeln!" lautete das Kommando. Sofort sprangen zwei der Soldaten zur Kurbel, und eine Sekunde später ertönte der rhythmische Taftschlag zweier Vierzylinder. Im Handumdrehen hatten die Soldaten auf dem Wagen Platz genommen, und kaum eine Minute nach der Frage des Erzherzogs rollten ein sechsfiziger Personen- Militärwagen und ein Lastwagen auf die Fahrbahn hinaus. § Das Martyrium eines Kindes bildete den Hintergrund einer Anklage wegen Mißhandlung, die der verehelichten Bertha Schmidt in Berlin 6 Monate Gefängnis eintrug. Sie hatte ihren vierjährigen Stiefsohn Willy Hasse in der un menschlichsten Weise gemartert. Man hat das völlig verschüchterte Kind, das eine unbezähmbare Furcht vor der Angeklagten hatte, oftmals zerkragt, zerbeult und mit un zähligen Wunden und mit Schorf bedeckt vorgefunden. Sein Friedhofschändung. Eine furchtbare Entdeckung setzte die Einwohner des Dorfes Himmelfron bei Bayreuth in Aufregung. Auf dem dortigen Friedhof fand man zwei Kindergräber geöffnet. Die eine Leiche war aus dem Sarg herausgerissen and fortgeworfen, von dem anderen Sarg war nur der Deckel abgerissen, die Leiche selbst unversehrt. Man glaubt es mit der Tat eines Irrsinnigen zu tun zu haben. Vom Täter hat man keine Spur. Die lebende Fackel. zu Müllheim in Baden beging das Dienstmädchen eines Restaurateurs, Helene Schwab, auf gräßliche Art Selbstmord. Sie begoß sich über und über mit Spiritus und Petroleum und zündete dann die dermaßen durchtränkten Kleider auf ihrem Leibe an. Am nächsten Morgen fand man von der Unglücklichen nur noch eine form. lose Masse vor. nur 2000 ein Bewe Mart m fehr freu noch ber Lenz, d und die Kapital thetenban für ihn der Berid ben Land Abg. Sir 4207509 mer follte Finanzgewußt, II. Ramm habe ih wäre au fchon b wurde Anschl zeichnet Grünberg Oberbeffi Heller- L Wagner fofort na Reisamtm so unang Geldfrag richtete Pläne 3 räte fid läuft. Dr. Ara fich inner bofsfrage fönne. 2 ver so schilderten einige Zeuginnen sei so schwarz gewesen, als wenn er von einem Wagen überfahren worden wäre, seine Ohrläppchen seien eingerissen und blutig gewesen, die Finger blutunterlaufen, der Junge habe gefiebert usw. § Ein zum Tode Verurteilter, der sich der Begnadigung widersetzt. Der von dem Kölner Schwurgericht im Jahre 1895 wegen Ermordung des Bürstenbinders Peter Gieselbrecht zum Tode verurteilte Wilhelm Müller aus Eil, der durch den Landesherrn zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt ist, verbüßt diese Strafe in der Strafanstalt zu Kassel. Seit seiner Verurteilung richtet er beständig Wiederaufnahmegesuche an die Gerichte, die er mit angeblich falschen Aussagen von Zeugen in der Hauptverhandlung begründet, die aber regelmäßig abgelehnt werden. In seinen Wiederaufnahmegesuchen bringt der Verurteilte stets zum Ausdruck, daß er, sofern seinem Gesuche nicht stattgegeben wird, die Vollstreckung des Todesurteils beantrage, denn er habe seine Begnadigung bei dem Landesherrn nicht beantragt. Wenn diese trotzdem von der Staatsanwaltschaft in Anregung gebracht wurde, so sei dies gegen seinen Willen geschehen. Auf diesen Antrag läßt sich jedoch das Gericht niemals ein, sondern entscheidet lediglich über die Wiederaufnahmegesuche. Familientragödien. Blutige Familiendramen scheinen zu einer täglichen ständigen Rubrik zu werden. In Berlin verletzte der Lederarbeiter Arnold Heise seine Ehefrau Marta lebensgefährlich durch Revolverschüsse und entleibte sich dann selbst. Heise war arbeitsscheu und hatte wegen Diebstahls eine Gefängnisstrafe zu verbüßen gehabt, weshalb sich seine Frau von ihm lossagte. Eine zweite Familientragödie spielte sich in M.- Gladbach ab. Dort verletzte der Tagelöhner Kersten seine Tochter schwer mit einem Brotmesser und durchschnitt sich dann selbst die Kehle. Jugendlicher Mörder. Ein furchtbares Verbrechen berübte ein dreizehnjähriger Knabe zu Palazzetto bei Venedig. Als ihn seine Mutter ausschickte, um seine sechsjährige Stiefchwester zu suchen, die seit mehreren Stunden vermißt wurde, gehorchte er widerwillig unter der Drohung:„ Ich gehe, aber öte sie." Und zum Entseßen der Mutter kehrte er nach einiger Zeit mit dem Zeichnam der Kleinen zurück und warf ihn der Mutter vor die Füße mit dem Ausruf:„ Da hast du deine Tochter." Er hatte das Kind mit einer Hacke erschlagen. Heute ergriff vor Eintritt in die Tagesordnung der preuBische Kriegsminister v. Einem das Wort, um gewisse Vorwürfe abzuwehren, die von konservativer Seite gegen die Heeresverwaltung gerichtet worden sind, weil diese die Pferde für Südwestafrika in Ostpreußen zum großen Teil durch Händler habe ankaufen lassen, nicht direkt von den Züchtern. Herr v. Einem mußte die Tatsache zugeben, konnte aber nachweisen, daß die Verwaltung der Armee deshalb durchaus keinen Tadel verdiene. Den Händlern ist nach seiner Darlegung keinerlei Mitteilung über bevorstehende Ankäufe gemacht worden, sie haben einfach in diesem Falle in Pferden spefuliert, wie sie es sonst in Getreide oder anderen Waren tun. Die Remonte- Ankaufskommissionen haben sie nicht übergehen können, weil sie keine Sicherheit hatten, daß es ihnen gelingen werde, den Bedarf anderweit rechtzeitig zu decken. In Zukunft würden jedenfalls die Händler nach Möglichkeit ausgeschlossen werden. Zum Schluß nannte es der Kriegsminister eine Fronie des Schicksals, daß die Heeresverwaltung auf die Anklagebank gezogen worden sei, da gerade sie oft die Anregung zum Pferdeankauf in Ostpreußen gegeben habe. Nach dieser Ministerrede trat das Haus in die Tagesordnung ein und arbeitete dann in demselben schnellen Tempo wie gestern, indem es zunächst die Etats für Neuguinea und die Verwaltung der Karolinen, Palau und Mariannen debattelos annahm und später den für Kiautschau in gleicher Art erledigte. Etwas mehr Zeit nahm der Etat für Samoa in Anspruch, nachdem der Abg. Eickhoff Beschwerden vorgebracht hatte, die die Ansiedler gegen den Gouverneur Solf führen. Kolonialdirektor Stübel antwortete, die genaue Prüfung habe ergeben, daß an dem bestehenden Zerwürfnis der Gouverneur nicht schuld sei, der übrigens auch die große Mehrzahl der Pflanzer auf seiner Seite habe. Gegen ihn sei nur eine Minderheit, die sich nicht darin finden könne, daß er ihnen gegenüber dieselbe Festigkeit zeige, die er mit bestem Erfolge den Eingeborenen gegenüber bewiesen habe. Daß Herr Solf kein Bureaukrat sei, davon habe sich wohl der Reichstag vor zwei Jahren selbst überzeugt, als der Gouver-, neur hier persönlich seinen Etat vertrat. Der sozialdemokratische Abg. Stadthagen wollte den damaligen Eindruck nicht gelten lassen, nach ihm herrschen in Samoa Kapitalismus und Bureaukratismus, sogar eine farbige Bureaukratie sei herangezogen worden. Die Polizei sei aus Farbigen zusammengesetzt und walte mit einer Willfür ihres Amtes, wie- die Polizei in Berlin. Der freifonservative Abg. Dr. Arendt machte sich die Klagen über die farbige Polizei wenigstens teilweise zu eigen und meinte, daß das Ansehen der Deutschen überhaupt nicht genügend gestützt werde. Es sei doch geradezu unglaublich, daß dem Pflanzerverein verboten worden sei, das Deutsche ausschließlich zu seiner Geschäftssprache zu machen. Kolonialdirektor Dr. Stübel erwiderte, daß man ohne farbige Polizei nicht auskomme, und suchte das Verhalten des Gouverneurs gegenüber dem Pflanzerverein damit zu rechtfertigen, daß durch die beanstandete Bestimmung alle Pflanzer, die des Deutschen nicht mächtig seien, von dem Verein ausgeschlossen würden. Abg. Dr. Arendt vermochte hierin einen plausiblen Grund nicht zu erblicken, sondern blieb bei seiner vorher geäußerten Meinung: Es sei unerhört, daß ein deutscher Gouverneur einem deutschen Verein der Gebrauch der deutschen Sprache untersage, und es sei eber unerhört, daß diese Maßregel im deutschen Reichstage bon der Regierung noch verteidigt werde. Im weiteren Verlaufe der Sitzung wandte sich das Haus kleineren Vorlagen zu, überwies das Gesez zur Bekämpfung der Reblaus einer Kommission von 21 Mitgliedern und nahm die drei internationalen Abkommen über das Privatrecht gleich im Plenum in zweiter Lesung an. Nachdem dann noch die erste Beratung des Gesetzes, betreffend die Krankenfürsorge für Seeleute, stattgefunden hatte, vertagte sich das Haus auf Montag. Preussischer Landtag. Haus der Abgeordneten. Kunft und Wissenschaft. BL Kantstiftung. Zu einer Ehrung des großen Königs. berger Philosophen vereinten sich an seinem Geburtstage, dem 22. d. Mts., zu Halle die Mitglieder der neubegrümdeten deutschen Kantgesellschaft. Dem Kurator der Universität Halle wurden bei dieser Gelegenheit 15 000 Mark als Grundstock einer Kantstiftung überwiesen. Diese dient in erster Linie zur Unterhaltung der Kantstudien, in zweiter allgemeinen philosophischen Zwecken. Die Sammlung wird zur Erhöhung des Stiftungskapitals fortgesetzt. Grünberg- Licher Bahn. er fich da werden fo auf 4 Bro fein wi jede Gem Seitdem die Butzbach- Licher Bahn gebaut und in Betrieb genommen ist, hat sich das Bestreben: die beiden Provinzstädtchen Lich und Grünberg ebenfalls mit einer Bahn zu verbinden und damit eigentlich der Lum dabahn an ihrem anderen Ende( in Grünberg) einen weiteren Anschluß zu geben, noch weit mehr als früher in den Vordergrund gestellt. Unsere Leser wissen bereits, daß in dieser Sache Schritte getan worden sind und die Vorarbeiten für das Projekt resp. die Unterhandlungen mit dem Großh. Ministerium und der Erbauerin der Linie Butzbach Lich, der Firma Lenz& Co. in Berlin vom Gemeinderatsmitglied Louis Moll von Grünberg unter anerkennenswerter Mithilfe des Herrn Defan Wagner in Grünberg in recht be= friedigender Weise geführt worden sind. Es sei nebenbei bemerkt, daß sich anfangs um das Zustandekommen der neu projektierten Bahn der Landtagsabgeordnete Jo u t- Butzbach bemüht hatte, aber die aufgedeckten Mikstände bei der Finanzierung der Bußbach- Licher Bahn, welche in den letzten Landtagsverhandlungen zur Sprache kamen, hat die Vertreter der betreffenden zwischen Lich und Grünberg gelegenen Gemeinden veranlaßt, sich von Jou z zurückzuziehen und die Leitung des engeren Eisenbahn- Komités dem obengenannten Moll zu übertragen. Wie schon gesagt, es sind die Vorarbeiten, soweit wie es möglich war, erledigt und zwecks Kenntnisnahme über den Verlauf derselben war für gestern nachmittag 4 Uhr nach dem Gasthaus Zum Löwen" in Lich eine Versammlung des Gesamt Eisenbahnfomites einberufen. Es waren von allen beteiligten Gemeinden die bestimmten Bevollmächtigten, Bürgermeister und Gemeinderäte mit wenig Ausnahmen alle vertreten( von Grünberg neben den Herren Moli und Dekan Wagner die Herren Bürgermeister Zimmer, Beigeordneter Keil, die Gemeinderäte Frank, Möller und Ranft). Als Vertreter des Großh. Kreisamts war Herr Kreisamtmann Dr. Kranzbühler erschienen, gewiß ein Beweis, daß man sich auch bei unseren höheren Provinzialbehörden für das Projekt sehr interessiert und wie der Verlauf der Versammlung zeigte, auch ihm sehr sympathisch gegenübersteht. Ein Hundertjähriger bei der Mainzer Kaiserfeier. Der Kriegerverein in Biebrich beabsichtigt, den 100jährigen früheren Unteroffizier und jezigen Landwirt Becht in Delkenheim zu der Kaiserfeier gelegentlich der Einweihung der neuen Eisenbahn- Rheinbrücke bei Mainz am 1. Mai einzuladen und von seiner Wohnung abzuholen. Der alte Veteran hat nämlich wiederholt den Wunsch geäußert, dem Kaiser persönlich seinen Dant abzustatten für die reichen Geschenke, welche ihm seitens des Monarchen zu seinem hundertsten Geburtstage zu teil geworden sind. Man will daher den alten Freiheitskrieger dem Kaiser beim Verlassen des Festschiffes in Biebrich vorstellen. ( 59. Sitzung.) RK Berlin, 23. April. Die zweite Etatslesung wurde heute beendet und die dritte begonnen. Die zweite Etatslefung schloß mit der Bewilligung bon 5 350 000 art an die Krone zum Bau des Posener Residenzschlosses. Dieser Beschluß hat eine interVerhaftung einer Fälscherbande. In Paris wurde eine Fälscherbande verhaftet, die falsche französische Rententitel in den Verkehr brachte. An der Spitze der Bande steht der Baron Chabrefy und fast alle Mitglieder gehören den besseren Ständen an, darunter auch ein Bankier aus Havre. Die Fälscher setzten ihre Rententitel in Paris, London und Brüssel im Werte von mehreren Millionen ab. Hus dem Gerichtsfaal. § Gin ärztlicher Sensationsprozeß gelangte gestern in Wiesbaden zur Verhandlung. Es handelt sich dabei um nicht weniger als 98 Privatflagen, welche von dortigen Aerzten, bezw. dem Wiesbadener ärztlichen Verein, gegen den Dezernenten der Medizinal- Abteilung bei der kgl. Regierung, den Geheimen Regierungs- und Medizinalrat Dr. August PfeifferWiesbaden, angestrengt worden sind. Regierungsrat Pfeiffer hatte in einem Bericht an seine vorgesetzte Behörde ausgeführt, daß der Verein schon längst in den Augen aller anständig denkenden Aerzte Wiesbadens jedes Ansehen verloren habe und daß er aus dem Verein notgedrungen ausgeschieden sei, weil diesem Mitglieder angehörten, mit denen er als Regierungsbeamter unmöglich verkehren könne. Mit Rücksicht ferner darauf, daß bei einer Abstimmung über die Einladungen zum Stiftungsfest des ärztlichen Vereins die Einladung des Geh. Regierungsrats Pfeiffer mit 44 gegen 2 Stimmen abgelehnt worden war, beschuldigte Herr Geh. Rat Pfeiffer in dem Bericht den Vereinsvorstand der„ Taktlosigkeit" und bemerkte im Anschluß daran:„ Die 44 Herren, die für seine Nichteinladung gestimmt hätten, seien wohl die jedermann bekannten Zubälter" eines bestimmten Wiesbadener Arztes( Dr. Fischenich) gewesen, mit dem er( Pfeiffer) zur Zeit in Klage liege." Ueber den Verlauf und das Ergebnis der gestrigen Versammlung ist folgendes erwähnenswert: fei unser er ferner zuhalten Firma L die Bah jezt scho bach ja an die der einzel ftellung ge Bläne noc Herr Louis Moll, als Vorsitzender des Eisenbahntomité, berichtete über die zwischen der Firma Lenz& Co. und ihm geführten Verhandlungen, die sich in der Hauptsache um die Finanzierung des Unternehmens, um die Geländestellung und Uebernahme von Obligationen seitens der interessierten Gemeinden drehten. Eine weitere Frage der Firma Lenz& Co.: ob das Großh. Staatsministerium die Bahn genehmige und ob der übliche Staatszuschuß zu erwarten sei, konnte Herr Moll in sicherster Form bejahen, da der Finanzminister Exz. Gnauth den Bau dieser Linie für berechtigt hält und später eine Verschmelzung der ganzen Strecke von Buzzbach bis Grünberg empfiehlt. Die gesamten Baukosten nach den vorliegenden Plänen betragen 1402000 Mark, davon hat der Finanzminister 30 Prozent, d. i. 420 750 Mart oder pro Kilometer 22500 Wart in Aussicht gestellt.( Die Butzbach- Licher Bahn hat vom Staat ebenfalls Lieblingsn Bahnb fam bo Roften g Bahnbau welche ja fönne vie stellt die wird dann Betrag ni der Butzba vorgesehen mehr wie hierbei in ficht, die feinem bor Sämtlic reinigung Dr. Strang meinde to Jahre ein auch mild fann, die nicht dazu es über fu daß bei gl umfonft zu Gemeindeve fich darübe men soll, da chaftliche Si in Heuche der einzelnen die Gemeinder aud Außer Wat beliebt wegen dasselbe die es außerorden Wieder td, um Lau daß nur n Attien- Bro worden ist. Marbur Zuchthaus, Wegen ustetier Sehenberg gsgericht in Danzig 1 Jahre Zuhaus ie zweite Ste de lagte, weld Sie bitahls bereits riegsgerichts fo Brenadier- Regin Monate Gefäng 14 Jahren in bergangen. e den Hintergrun eder berehelichte ngnis eintrug. Si Saise in der un at das völlig ver re Furcht vor de beult und mit un vorgefunden. Sen - jei so schwar überfahren worde en und blutig ge Junge habe ge der Begnadigung rgericht im Jahre ers Peter Giefel iller aus Gil, der em Zuchthaus be Strafanstalt zu er beständig Wie er mit angeblid Hauptverhandlung verden. In seinen irteilte stets zum nicht stattgegeben eantrage, denn er herrn nicht bear atsanwaltschaft seinen Willenge das Gericht nie er die Wiederaufaft. großen König em Geburtst der neubegr urator der Un Seit 15 000 Mart esen. Diese dient studien, in zweiter Sammlung wird elegt. n. aut und in BeDie beiden Pro falls mit einer Lumdabahn en weiteren An in den Vorder 3, daß in dieser e Vorarbeiten für mit dem Großh. Butzbach Lich, der meinderatsmitglied inenswerter Mi berg in recht set nebenbei by Fommen der neu Fous- Bußbach bei der Fmanin den letzten at die Vertreter gelegenen Geuziehen und die nobengenannten $ sind die Vordigt und zwecks war für gestern Zum Löwen" in hntomites einbe meinden die be nd Gemeinderäte Grünberg neben die Herren Bür, die GemeindeIs Vertreter des n Dr. Aranzß man sich auch Das Projekt sehr mmlung zeigte, r gestrigen Ver des Eisenbahnma Lenz& Co. in der Haupt18, um die Ge onen feitens der eitere Frage der tsministerium die atszuschuß zu er Form bejahen, da diefer Linie für zung der ganzen t. Die gesamten tragen 1402000 Prozent, b. i. Mart in Aus hat bom Staat P | Vorschlag des Herrn Bürgermeister 3 immer- Grünberg| wurden dann im Verlauf der Diskussion neben dem Herrn Moll noch die Herren Defan Wagner- Grünberg und von Lich die Herren Beigeordneten Dör mer und Dr. Löhlein beauftragt, mit der Firma Lenz& Co. weiter zu verhandeln, von denen versucht werden soll, für die Gemeinden günstigere Bedingungen für die von denselben gestellten Aktien zu bekommen. Und das mit Recht, wie auch Herr Lehrer Römer von Münster bemerkte: bei einer späteren Verschmelzung fomme dann ja dasselbe Personal und dasselbe Material zur besseren Verwendung. * * Das in furzen Umrissen der Verlauf der Versammlung, von welcher alle Anwesenden die Ueberzeugung mit nach Hause nahmen, daß mit dem Bau in nicht allzuferner Zeit begonnen werden wird. Iwan der Schreckliche schaurige Bilder von finsterem Tyrannenmut und blutigen Opfern entmenschter Schergen löst dieser russische Zarenname in unserer Seele aus. Doch unsere Leserinen brauchen nicht zu erschrecken, wenn sie ihn als Titel unseres neuen Romans erblicken. Nicht an den Hof des russischen Nero, nicht Untertanen führt uns in die Kerker und an das Blutgerüst seiner geknechteten Hans Hoffmann in diesen Meisterwerk die Erzählungskunst, sondern in die idyllische Ruhe einer deutschen Kleinstadt, die zu stören dem Helden mit dem furchtbaren Namen vorbehalten ist. Ob er ihn verdient? Wir glauben, daß das Urteil unserer Leserinnen über diesen Punkt recht günstig für ihn ausfallen wird. Mehr wollen wir aber nicht verraten, nur noch hinzusehen, daß um diese Schulleben und der bürgerlichen Gesellschaft gruppieren, Hauptfigur sich im bunten Wechsel Scenen aus dem scharf skizziert, so daß man glaubt, die Personen greifen zu können, und voll köstlichen Humors. Daß diesem wie ſtets, wenn er echt ist, auch die Träne im Auge blinkt und sich die Handlung an einigen Punkten tragisch zuspißt, verleiht dem Ganzen einen eigenartigen Reiz. nur 20000 Mart pro Kilometer bekommen, also ebenfalls ein Beweis, daß wenn der Staat pro Kilometer 2500 Mark mehr Zuschuß gibt in Darmstadt die Bahn eine sehr freundliche Befürwortung gefunden hat.) Von den dann noch verbleibenden 981250 Mark soll, so schreibt die Firma Lenz, die Hälfte durch Obligationen seitens der Gemeinden und die andere Hälfte durch Aktien aufgebracht werden. Das Kapital für die Gemeinden will die Hessische Landeshypothekenbank beschaffen, der Zinsfuß beträgt 334 Proz. Ein für ihn persönlich unangenehmer Zwischenfall, so bemerkte der Berichterstatter dazwischen, set am letzten Freitag durch den Landtagsabgeordneten Hirschel eingetreten." Der vom Abg. Hirschel eingebrachte Antrag um Bewilligung des 420 750 Mart betragenden Staatszuschusses an die II. Rammer sollte nach seiner Informierung am leßten Freitag im Finanz- Ausschuß beraten werden, leider habe er aber nicht gewußt, daß der Antrag vom Komité nochmals an die II. Rammer eingereicht hätte werden müssen( Abg. Hirschel habe ihm, Moll, mitgeteilt, daß es nicht nötig sei), dann wäre auch dieses geschehen und die Versammlung hätte jezt schon die Beschlüsse des Finanzausschusses in Händen. Es wurde darum am Schlusse ein entsprechender Antrag im Anschluß an den des Abg. Hirschel formuliert und, unterzeichnet von den Bürgermeistern der 7 Gemeinden: ZimmerGrünberg, Schmidt Queckborn, Keil- Ettingshausen, KühnOberbessingen, Horst- Niederbessingen, Gundrum- Münster und Heller Lich, sowie von Moll als Vorsitzender und Dekan Wagner als stellv. Vorsitzender des Komites. Der Antrag ist sofort nach Darmstadt abgeschickt worden. Hierzu bemerkte Keisamtmann Dr. Kranzbühler, daß diese Verzögerung nicht so unangenehm sei, da bis zum Beginn des Baues die Geldfrage von der II. Rammer erledigt sei. Herr Moll berichtete weiter, daß den einzelnen Gemeinden demnächst die Pläne zugehen werden, damit dieselben resp. die Gemeinderäte sich dann genau informieren könnten, wie die Trace läuft. Auch hierzu äußerte sich Herr Kreisamtmann Dr. Kranzbühler, daß dies sehr notwendig sei, damit man sich innerhalb der Gemeinden über Straßenführung, Bahnhofsfrage, Taxierung des Geländes jezt schon klar werden fönne. Was die Geldbeschaffung anbetreffe, so verwundere er sich darüber, daß die Attien nur mit 334 Proz. verzinst werden sollen, während dieselben der Strecke Butzbach- Lich auf 4 Proz. stehen. Wir wollen genau so behandelt sein wie Buzbach- Lich; sagte er wörtlich, und eine jede Gemeinde solle das voll und ganz unterschreiben, das sei unser Wunsch hierbei. Den einzelnen Gemeinden empfahl er ferner mit der Zeichnung der Obligationen etwas zurückzuhalten, da ja auch die andere Aktiengesellschaft und die Firma Lenz& Co. hierbei mit in Frage komme, denn, wird die Bahn von Lich nach Grünberg gebaut, dann wird die jetzt schon im Betrieb befindliche andere Strecke nach Buzzbach ja weit rentabler. Auf die vorher von Herrn Moll an die Versammlung gerichtete Frage: ob die Gemeinderäte der einzelnen Gemeinden schon Beschlüsse betreffs Geländestellung gefaßt hätten, was bis jetzt in Ermangelung der Pläne noch nirgends geschehen ist, tam der Kreisamtmann ebenfalls zu sprechen und äußerte hierbei seinen. wie er sagte, Lieblingswuns, daß man in den interessierten Gemeinden Bahnbau und Feldbereinigung gleich gemeinsam vornehmen solle, erstens werden die doppelten Kosten gespart, die Zerstückelung der Parzellen, wie es bei Bahnbauten vorkomme, werde vermieden und die Gemeinde, welche ja gesetzlich verpflichtet ist, das Gelände freizustellen, Lönne viel Geld sparen. Das ganze notwendige Gelände stellt die Feldbereinigung der Eisenbahn zur Verfügung; es wird dann ausbleiben, daß der für Geländeerwerb angesetzte Betrag nicht überschritten wird, wie dies z. B. beim Bau Der älteste Student von Gießen, der Butzbacher Strecke der Fall ist; dort sind 100 000 Mart stud. chem. Christian Busch, wurde am Samstag vorgesehen gewesen und jetzt stellt sich heraus, daß noch gegen Mittag von seinem Hauswirt, Herrn Restaurateur mehr wie 200000 Mark zu verausgaben sind. Man muß Koch( Kaisergarten, Seltersweg) tot im Bette auf hierbei in Erwägung ziehen, daß, ist ein Bahnbau in Aus- gefunden. Der Verstorbene, der ein Alter von 50 sicht, die Geländebesitzer gleich höhere Preise fordern. In Jahren erreichte, führte das Dasein eines Sonderlings. seinem vorgeschlagenen Falle ist das aber nicht der Fall, da Er wurde im Sommersemester 1871 an der hiesigen sämtliche Gemeindemitglieder ja die Kosten der Feldbe- Universität immatrikuliert und ist bis zu seinem Lebensreinigung tragen. Nebenbei bemerkte Herr Kreisamtmann ende Student geblieben; nebenbei war er allerdings Dr. Kranzbühler, daß die Feldbereinigung für jede Ge- am Universitätslaboratorium tätig. Trotzdem er Besizer meinde kommen wird und er glaube, daß schon in diesem des auf über 100000 Mt. bewerteten Anwesens war, Jahre eine Gesegesvorlage zustande tommt, wonach ein, wenn auf dem der„ Kaisergarten" steht, lebte er in den ärmauch milder Zwang auf solche Gemeinden ausgeübt werden lichsten Verhältnissen, und ließ höchst selten Freunde in tann, die sich ihr verschließen wollen. Und selbst wenn es sein Zimmer, das der ordnenden Hand völlig entbehrte. nicht dazu kommt, so wird die wirtschaftliche Entwickelung von allgemeinem Interesse ist die Tatsache, daß Busch es über kurz oder lang benötigen. Er sei der Ueberzeugung, die Absicht hatte, der Stadt Gießen seinen ganzen Nachdaß bei gleichzeitiger Feldbereinigung die Gemeinden nahezu laß unter der Bedingung zu vermachen, daß auf seinem umsonst zu dem nötigen Bahngelände kommen werden. Den Besitztum ein Theater- und Saalbau errichtet werde. Gemeindevertretern legte er im weiteren ans Herz, jezt schon Das Teftament sollte am Tage des Todes vollzogen sich darüber schlüssig zu werden, wo der Bahnhof hintom- werden. Nunmehr fällt der Nachlaß entfernten Vermen soll, damit nicht für die Feldbereinigung ähnliche wirt- wandten in Frankfurt bezw. Hainburg zu, die mit dem schaftliche Hindernisse entstehen wie durch den Bieberthalbahnhof Verlebten nie Beziehungen unterhielten. Die Beerdiin Heuchelheim. Wohin geht die bauliche Entwickelung gung fand heute Nachmittag 4 Uhr statt. der einzelnen Orte? ist hierbei ein Hauptgesichtspunkt, das sollen die Cemeinderäte dabei weitblickend in Erwägung ziehen. Auf auch Außer den von mir seither geführten Bieren bring Mainzer Aktienbier beliebt wegen seines reinen, milden Geschmades und weil es außerordentlich gut bekommt, zum Verkauf und empfehle dasselbe die 1/1 Flasche zu 18 Pfennig 1/2 9 " Lokales. 25. April 1904. *** Von der Großh. Geologischen Landesanstalt wurde ein Exemplar von Lepidodendron erworben, das Professor Dr. Schopp von Tarmstadt kürzlich in den Sandsteinen des Rothliegenden im Kreis Alzey in den sogenannten Lebacher Schichten gefunden hat. Der Stamm hat eine Länge von 3.20 Meter und einen Durchmesser von 24 Zentimeter. ** * Der Gastwirtheverband Nassau und am Rhein ragt hier am 3. und 4. Mai. Unter anderen steht ein Antrag auf die Tagesordnung, der auf Bekämpfung des Flaschenbierhandels, der Hecken und Strauß wirthschaften, Winzerhallen u. s. w. gerichtet ist. * Das Schöffengericht zu Bingen sprach einen Wirth, der einem Studierenden keine Getränke verabfolgt hatte, weil er sich unhöflich benahm, von der erhobenen Beleidigungsflage frei. ** Nationaler Gesangswett streit zu Gießen. An den Gesamtchören nehmen teil: 1. Bauerscher GesangWärter zum 30. ds. Mts. gesucht. Augentlinit Gießen. Grabenstr. 12. Barterre, 3 Zimmer mit allem Zubehör sofort zu vermieten. Brandplat 14 ist der 4. 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Sämtliche Proben finden im Café Ebel statt. Die erste Gesamtprobe wird am 2. Mai stattfinden. " # *** Am Samstag Abend veranstaltete der Staatseisenbahn- Beamtenverein zu Gießen in Steins Garten eine gutbesuchte Abend- Unterhaltung zum Besten des Eisenbahn Töchterhorts". Eingeleitet wurde dieselbe durch einige wohlgelungene Konzertstücke, worauf der Vorsitzende des Vereins, Herr Eisenbahn- Bauinspektor Schmidt, eine Begrüßungsansprache hielt. Recht beifällig aufgenommen wurde die alsdann folgende Deklamation zweier Gedichte des Herrn Wertmeisters Schufft. Auch der zur Aufführung gekommene Schwant in 2 Aften Lismanns Erben" ließ nichts zu wünschen übrig. Sämtliche Spiele ernteten dann am Schlusse des Stückes reichen Beifall. Der Abend wurde noch verschönt durch einige wohlgelungene Lieder, vorgetragen von Mitgliedern des Bauer'schen Gesangvereins. Ein gemütliches Tänzchen bildete den Schluß des in allen seinen Teilen schön verlaufenen Festes. ▲ Grünberg, 25. April. Gestern Nachmittag hielt der hiesige Radfahrerverein Wa nderlust" eine außerordent liche Hauptversammlung im Vereinslokal" Zum wilden Wahl eines ersten Vorsitzenden, da der bisherige seinen Mann ab. Der Hauptpunkt der Tagesordnung betraf die Wohnsitz gewechselt hat. Gewählt wurde einstimmig der Profurist der Gewerkschaft Elisenburg", Herr Hermann eise von hier. Beschossen wurde nach Erledigung einiger interner Angelegenheiten, am Sonntag, den 8. Mai, eine Sportskollegen einen Besuch abzustatten. Ferner ist eine Ausfahrt nach Gießen zu unternehmen, um den dortigen Abendunterhaltung mit reichhaltigem Programm im Vereinslofal geplant. Erfreulicherweise beteiligen sich auch die Herren Radfahrer aus der Umgegend in großer Anzahl, und zählt der Verein gegenwärtig 43 Mitglieder." All Heil!" der Dreschgenossenschaft wurde seinerzeit von den beiden A Grünberg, 25. April. Die Maschine nebst Halle Zimmermeistern G. Haas und G. D. Haas zwecks Etrichtung einer Holzschneidemühle angekauft. Die Vollendung der neuen Anlage schreitet rüstig vorwärts. Maschine, Teilwalzen und Batterwerk stehen bereits. Der Betrieb kann also bald eröffnet werden. Dem Unternehmen ist bester Erfolg zu wünschen. noch immer der Strohwisch, ebenso fließt seit einiger Zeit A Grünberg, 26. April. In der Höfentränke steht Jauche aus den in der Nähe befindlichen Miststätten in die Wasser der Höfentränke. Hier Abhilfe zn schaffen wird wohl von der Stadt gelegten Rohre und vereinigt sich mit dem Sache der Fischpächter sein. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Oberhessen für Dienstag, den 26. April 1904. Windig, zeitweise starkwindig, zeitweise heiter, fühler, stellenweise Regenschauer. Für die nächste Zeit Nachtfrostgefahr. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Marktberichte. martt, vom 23. April. Weizen 17,50-00,00, Rorn 15,00 *** Fruchtpreise am Grünberger Fruchtbis-, Gerste 15,52, Hafer 14,00-00,00, Erbsen 20,00, Samen 00,00, Kartoffeln 5,50-6,50, Linsen 00,00 Mark. Alles per Doppelzentner. Arbeitsnachweis der Stadt Gießen. Gartenstraße Nr 2( Bürgermeistereigebäude) Zimmer Nr. 14. 2 1 Schlosser, 1 Spengler, 1 Schmied, 1 jüngerer Wagner, Es können eingestellt werden: Holzbildhauer, 2 Möbelschreiner, 3 Bauschreiner, 2 Hausburschen, 10 Dienstmädchen gegen hohen Lohn hier und auswärts, mehrere Arbeiter, 2 Lauffrauen. Elektrotechniker, 1 Buchbinder, 1 Tapezierer, 2 Schreiner, Lehrlinge: 2 Installateure, 2 Schlosser, 1 1 Drechsler, 1 Lackierer, 3 Bäcker, 1 Metzger, 1 Schuhmacher, 1 Schneider, 2 Friseure, 1 Kaufmann, 2 Kellner, 1 Weißbinder und Lackierer, 1 Glaser. Es suchen Arbett: 1 Steinhauer, 1 Spengler, 1 Installateur, 1 Schlosser, 1 Packer oder Lagerarbeiter, 1 Buchhalter, 1 Fahrbursche, 4 Bureaugehilfen, 1 Wochenpflegerin. Lehrlinge: 2 Kaufleute, 1 Schloffer. Für die Redaktion verantwortlich: Albin kletn. Ernst Challier( Rudolphs nacbf.) Giessen. Special- Geschäft für Musikwa'en aller Art. Grosse Auswahl, solide Preise. Illustrierte Preisverzeichnisse gratis und franko. Musikalien- Ilandlung und-Leihanstalt Spezialität: Billige Ausgaben. Schön möbliertes Wohn- und Schlafzimmer preiswert zu vermieten. Gießen, Wallthorstraße 15. Gin Arbeiter fann Kost und Logis erhalten. Gießen, Krofdorferstr. 10. Kleine Wohnung zu vermieten Gießen, Gr. Mühlgasse 4. Möbl. Zimmer per 1. März zu vermieten. Gießen, Marktstraße 11. Schöne Wohnung, ( 4 Zimmer), mitten der Stadt ge= legen, billig zu verm. Näh. in der Erp. d. Bl. Eine Bitte! unserer Im Monat Mai, namentlich vor dem Pfingstfeste, häuft sich die Arbeit in Branche meist derartig, dass es oft nicht möglich ist, allen Wünschen der Kundschaft bezüglich schneller und präciser Rücklieferung der zur Herstellung übergebenen Gegenstände zu entsprechen. Wir richten daher die freundliche Bitte an unsere geehrte Kundschaft, Aufträge für Pfingsten wenn möglich schon jetzt aufzugeben. Färberei Gebr. Röver chem. Wasch- Anstalt Bedeutendstes Etablissement dieser Branche in Mitteldeutschland. Giessen, Marktplatz 18. Bekanntmachung. Die am 7. d. Mts. angeordnete Sperre der Walltorstraße zwischen Brau- und Brandgasse wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 23. April 1904. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Herberg. Bekanntmachung. In der Zeit vom 16. bis 23. April 1904 wurden in hiesiger Stadt gefunden: 1 goldn. Ring mit rotem Stein, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Ledertäschchen mit Inhalt, 1 goldenes Kinderhalskettchen und 1 Arbeitsrock; verloren: 1 silbernes Armband und 1 Zweimarkstück. Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Gießen, den 23. April 1904. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. Bekanntmachung. Alle noch rückständigen Rechnungen über die zur Unterhaltung der städtischen Gebäude im Rechnungsjahr 1903/04 ausgeführten Arbe: ten und Lieferungen sind bei Meidung der Nichtberücksichtigung bis längstens den 1. Mat d. Js. in doppelter Ausfertigung an uns einzureichen. Gießen, den 2. April 1904. Städtisches Hochbauamt. Gerbel. Gelände- Verpachtung. Donnerstag, den 28. April 1904, nachmittags werden die der Stadt und der Plockischen Stiftung bet der Feldbereinigung rechts der Lahn zugefallenen Grundstücke: Flur 38 Nr. 173 984 qm " " " 38, 102 388 " 176 " 5875 " " 1 38" 38" 1 3288 38 107 6864, auf die Dauer von 6 Jahren an Ort und Stelle meiſtbietend verpachtet. Die Zusammenfunft ist nachmittags 2 Uhr an der Pulvermühle. An demselben Tage nachmittags 5 Uhr werden am unteren Riegelpfad in der Nähe der Ebelstraße drei kleine Grundstüde auf unbestimmte Zeit verpachtet. Gießen, 25. April 1904. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Versteigerung. Dienstag, den 26. d. Mts. nachmittags 2 Uhr, versteigere ich Neustadt 53 dahier gegen Barzahlung: 965 Flaschen Wein und Spirituosen( Burgunder, französisch. Koknak, Rum, div. Liföre und Südweine), 20 Mille Zigarren, 2 Jagdgewehre, 25 buchene Bohlen, 4 eichene Stämme, 1 Nähmaschine, 4 Pferde, sechs Wagen, 11 Kippwagen, 250 Mtr. Schienengeleise, 1 Rassa= schrank, Cement, Asphalt, Goudron, Epuré, Cementplatten, Gold- und Silbersachen, sowie Möbel aller Art. Born, Gerichtsvollzieher, Gießen. Pinsel Tacke Karben für alle Zwecke gut v.billig bei: Emil Fischbach Giessen. Vorteilhaftes Angebot! Direkter Bezug von der Fabrik für Private unter Ausfall d. Händleraufschlags! Die Neu Neu Müller's Deutsche Palent- Handhobelbank No115739 Neu! Neu! - Neu! Müllers Deutsche Patent- Handhobelbank Nr. 115139. Unentbehrlich für Jedermann! Praktisch und von großer Geldersparnis! Für Schreiner, Dilletanten, Kinder n. Haushalt unentbehrlich. Zu beziehen durch: Georg Hüttenberger, Gießen, Seltersweg 22. 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Die bei Herstellung der Wasserversorgungsanlage für die Gemeinde Eichelhain, Kreis Lauterbach, Oberhessen, vorkommenden Arbeiten nnd Lieferungen und zwar: Titel I Quellfassungsarbeiten Los 1 { 208 2 " II Hochbehälter( 60 cbm), Titel III Röhrengräben, VI Rohrlieferung und arbeiten, Verlegungssollen durch schriftliches Angebot vergeben werden. Pläne und Bedingungen sind bei der unterzeichneten Behörde, letztere auch bei der Großh. Bürgermeisterei Eichelhain einzusehen; Bedingungen Angebotsvordrucke gegen ganz freie Einsendung von 1 Mt. in bar für jedes Los nur von uns beziehbar. und Angebote sind unter Benutzung der Vordrucke verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen bis Samstag, den 7. Mai 1904, vormittags 12 Uhr, auf unserm Bureau: Frankfurterstraße 29 einzureichen. Eröffnung in Gegenwart der Anbieter. Freie Auswahl bleibt vorbehalten. Zuschlagsfrist 2 Wochen.- Gießen, den 18. April 1904. - Großh. Kulturinspektion Gießen. Wißmann. 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Kleine Blumen, fleine Blätter Streuen mit leichter Hand Gute, junge Frühlingsgötter Tändelnd auf ein luftig Band. Der zarteste Schmuck für Mädchen und junge Frauen sind Blumen. Eine einzelne Blüte, ein paar Knospen, Apfelblüten, Margueriten, Kornblumen oder die immer passende Rose bleiben stets das Kleidsamste. Was künstliche Blumen anbetrifft, so müssen sie selbstverständlich bezüglich ihrer Farben biel sorgfältiger ausgewählt werden als natürliche, weil bei diesen Farbennuancen zarter und feiner abgetönt sind und sie sich deshalb leicht jeder Toilette anpassen, was bei künstlichen Blumen nicht immer der Fall ist. Sparsamkeit beim Einkauf von künstlichen Blumen ist daher nicht am Play. Nicht unwichtig ist die Wahl der Blumen in bezug auf das Alter. Für eine junge Frau sind Blumen von leuchtenden Farben und vollen Formen, sowie alle Arten Rosen am geeignetsten, während der Flieder, die Malwen und Astern für reifere Jahre passen. Für junge Mädchen bieten Vergißmeinnicht, Feldwinden, Rosenknospen, Maiglöckchen und alle Arten von Ranken und Frühlingsblumen den paſſendſten und schönsten Schmuck. Von den Blumen zu den Wohlgerüchen ist der Uebergang nicht schwer. Hängen sie doch beide eng zusammen und wie fast jede Dame ihre Lieblingsblume hat, so pflegt sie auch ihr Lieblingsparfüm zu besitzen. Es ist unnötig, die Namen der Parfüms aufzuzählen, welche salonfähig sind, diese erfährt man in jedem Geschäft, das dieselben führt. Nur darauf soll aufmerksam gemacht werden, daß es eine schlechte Wirtung hervorbringt, wenn jemand sein Taschentuch mit einem Wohlgeruch gleichsam begossen hat, während die übrigen Kleidungsstücke davon keine Spur haben. Um daher einen gleichmäßigen zarten Duft hervorzubringen, ist es am besten, wenn man verschiedene Riechkissen( sachets) sowohl in den Wäscheschrank, wie auch in den Kleiderschrank legt und zwar von ein und demselben Parfum; auch Taschentücher und Handschuhe lege man auf ein solches Kissen. Daß alle strengen Gerüche, wie Moschus, Patschouli u. s. w. zu vermeiden sind, braucht wohl kaum erwähnt zu werden. Eau de Cologne ist kein eigentliches Parfüm für Kleidung, da es nicht haftet, es bleibt aber der angenehmste und kräftigste Wohlgeruch. Küche und Keller. Saurer Schweinebraten. Man schneidet von der Keule, welche sich hierzu am besten eignet, die Schwarte ab und ebenfalls einen Teil des Fettes, legt sie mit Zwiebelscheiben, Gewürz, Lorbeerblättern und Wachholderbeeren, sowie etwas Salbei, Thymian und Basilicum in einen großen Napf, bestreut sie mit Salz, gießt abgekochten und ausgekühlten nicht zu scharfen Essig darüber und läßt sie mehrere Tage in dieser Marinade liegen, wobei man sie täglich zweimal umwendet. Bei der Zubereitung legt man das Fleisch in die Pfanne, gießt einen Teil der Marinade nebst etwas Wasser darunter und brät sie einige Stunden unter Begießen im heißen Ofen. Wenn sie weich ist, bestreut man sie mit seingestoßener Semmel oder Zwieback, der mit ganz wenig Zucker und einer Prise gestoßenen Nelken vermischt ist, bräunt sie im Ofen, rührt den Bratensaft mit etwas siedendem Wasser von der Pfanne los, gießt die Sauce durch, entfettet sie und verdickt sie nach Belieben mit etwas Meyl. Man reicht Sauerkraut und Kartoffeln dazu, oder Salat. Schüssel- Eier.( Eine füße Spetje welche sich rasa beretten läßt.) Man verrührt Liter Milch mit fünf ganzen Eiern, etwas Vanille, Zucker und etwas Arat recht gut, läßt es dann furze Zeit stehen, damit sich die Blasen sezen. Dann streicht man eine Porzellanschüssel mit Butter aus, gießt das Abgerührte hinein, taucht sechs Stück Zwieback in Milch, läßt sie aber nicht weich werden, legt sie darauf herum, bäckt es eine Viertelstunde im heißen Ofen und gibt die Speise mit Zucker und Zimmt bestreut zu Tisch. Praktische Winke. Moos zu färben. Will man sich für den Winter Moos färben, um es für Fenster, Blumenkörbe u. s. w. verwenden zu können, so tut man 30 Gramm Alaun, 15 Gramm aufgelöstes Indigokarmin in 1/4 Liter kochendes Wasser. Man taucht das Moos hinein, gießt die Flüssigkeit ab und trocknet das Moos an einem luftigen schattigen Play. Will man das Grün recht hell haben, so muß man der Flüssigkeit mehr oder weniger Pikrinsäure zusetzen. Am Toilettentisch. Selbstfrisieren. Im Geheimen wird wohl in manchem Frauenköpfchen schon der Wunsch gehegt worden sein, sich so oder so frisieren zu können, wie sie dies bei dieser oder jener Dame zu bewundern Gelegenheit hatte. Und gar nicht schwer ist das, wenn man die nötigen Wege weiß und die notwendigen Behelfe dazu hat. Man braucht eine, allerdings von fachkundiger Hand ondulierte und geformte Einlage aus Haaren, die nicht sehr kostspielig ist und mit deren Hilfe man seinem Haar die gewünschte Form im Nu geben kann. Man kämmt das abgeteilte Vorderhaar herunter, befestigt die Einlage leicht und legt das Haar leicht darüber. Die Einlage wird sich nicht nur gar nicht merklich machen, weil sie aus ganz gleichfarbigen Haaren gemacht ist, sondern sie wird dem Haar Gestalt und Façon geben, ohne ſpürbar zu ſein, denn sie ist federleicht. Das Haar hält auf diese Art sehr lange und wenn es noch so empfindsam iſt. Die Speisekammer. Beim Mieten einer neuen Wohnung sollte man stets darauf achten, daß die Speisekammer und Küche nach Norden oder Osten liegen. Besonders wichtig ist diese Lage für die Speisekammer, denn ist sie nach Süden gelegen, so ist es in den Sommermonaten unmöglich, Vorräte von Lebensmitteln anzukaufen, indem Fleischwaren, Butter, Fett, Eier u. s. w. in kürzester Zeit verderben und der wesentliche Vorteil, welcher beim Ankauf größerer Vorräte dem Haushalt zufließt, geht verloren. Wer eine Speisekammer hat, welche den halben Tag der heißen Sonne ausgesezt ist, braucht unbedingt einen Eisschrank und die Ausgaben für das Eis sind für eine Hausfrau, welche genau zu wirtſchaften hat, keine geringen. Liegt der Raum hingegen nach Norden und hat man einen trocknen tiefliegenden Keller, so können diese Ausgaben gespart werden. Zum Aufbewahren zubereiteter Speisen und solcher Vorräte an die sich gern Ungeziefer segt, welche aber doch Luftzutritt erfordern, sind Schränke oder Behälter, deren Türen nur aus Rahmen bestehen, welche mit Fliegengitter versehen sind, sehr zu empfehlen und da man sie in verschiedenen Größen und Formen faufen kann, lassen sie sich leicht in jeder, auch der fleinsten Speisekammer anbringen. Solche Schränkchen lassen sich überdies mit einiger Geschicklichkeit leicht herstellen. Man nimmt ein leichtes, nicht zu fleines längliches Kiſtchen, ſtellt es der Länge nach auf, fertigt aus dem Deckel desselben eine Abteilung hinein, sodaß man zwei Fächer hat und bringt eine Türe an, welche aus einem Holzrahmen besteht, welchen man mit Fliegengitter versieht. Der Holzrahmen, welcher genau vor das Kistchen passen muß, kann bei jedem Tischler bestellt werden. Die Türe verbindet man an einer Seite mit zwei Scharnieren, welche mit sechs Schräubchen an Kiste und Türe befestigt werden, während sich die andere Seite leicht mit einem Ring schließen läßt, welchen man in einem fleinen Hafen einhängt, der an der Teiste angebracht ist. In den Seitenwänden des Kitchens macht man zwei Lufilöcher, welche innen mit Fliegengitter versehen werden. Nr. 91. Montag, den 25. April. 1904. Oberbessische Familienzeitung. Tägliche Unterhaltungs- Beilage der Gießener Neueste Nachrichten. Band nu Berlag ber Gießener Berlagsbenderet, vorm. With. Rellerfde Budbruderet( gegs. 1789); vecento: In leis Iwan der Schreckliche. Original- Ronan von Hans Hoffmann. Erstes Kapitel. Das neue Schuljahr nahm acht Tage nach Oſtern ſeinen Anfang. Wie die Kraniche, ihr Klaglied singend, ziehn" so wälzien sich die Gymnasiasten von Stolpenburg in endlasen Reihen heran, alle in jener trostlosen Stimmung_unbestimmter Gewissensangst, wie sie nach den Ferien auch des redlichsten Schälers Brust beklemmt, nachdem die von hundert jungen Herzen liebevoll gepflegte Hoffnung wieder einmal zu schanden gevorden geworden ist, die Hoffnung, es möchte noch in der lezten Nacht dus Gymnasialgebäude ein Raub der sein, oder mindestens werde durch den Ausbruch der Cholera, Flammen oder ber Direktor eine Beute jähen Todes geworden der Pest oder des schwarzen Todes, durch einen tropischen Cylon, ein ungeheueres Erdbeben, die plögliche Erhebung einee feuerſpeienden Verges mitten auf dem Marktplatz oder ein ähnliches Ereignis von öffentlichem Interesse der Beginn des Unterrichts noch um einige Tage verzögert werden. Auch diesmal war nichts dergleichen geschehen; die breite Tür des Gynasiums war höhnisch aufgesperrt, und nicht das räume entgegen. fleinste Hindernis stand dem freien Eintritt in die KlaſſenDa waren sie wieder, die kahlen, graugetünchten Wände, die großen Fenster mit den kleinen Scheiben, die schwarze Tafel, das dräuende Katheder, die nüchtern hingereckten Tische; selbst der einzige Schmuck der letzteren, die kunstvoll eingeschnittenen Buchstaben, flammende oder durchbohrte Herzen und andere Sinnbilder früher Seelenzartheit waren durch brutales Ueberstreichen mit dicker brauner Farbe wieder zerstört worden, und es bedurfte zu ihrer WiederHerstellung voraussichtlich der mühevollen Arbeit mancher Religions- und Mathematikstunde. Wie alle Untertertien stand auch die von Stolpenburg in dem Ruf namenloser Verworfenheit, und wie alle Untertertien auch diese mit gutem Grunde. Heute war freilich noch nichts von ihrer sonstigen Furchtbarkeit zu spüren; stumm und verdrossen saßen die wilden Scharen schon lange vor dem verhaßten Glockenton jeglicher auf seinem Plaze, nur ein schauerliches Gähnen unterbrach häufig die schwüle Stille, manchmal auch wohl ein eigentümlicher, ſcharf klatschender Doppelschlag, der für kundige Ohren das Austeilen und Wiederempfangen einer nachbarlichen Ohrfeige bezeichnete. Doch die Grundstimmung der Klasse war trübe und friedlich, überaus friedlich. Die meisten hatten die Köpfe tief in ihre Lehrbücher versenft; einige ganz verzweifelte Charaktere aber hatten jede Hoffnung draußen gelassen, ihre Bücher entschlossen zugeklappt und ſtarrten blödsinnig in den regengrauen Morgenhimmel. Da kam noch ein Halbverspäteter hereingeschossen, und ſeine Stimme klang hell und derb in die allgemeine Dumpfheit: „ Au, Jungens, der Neue iſt draußen! Ich hab' ihn ge sehen! Und wir kriegen jetzt gleich die erste Stunde bei ihm! Ich weiß es von dem Primaner Buzke, der mein Freund ist!" ( Nachdruck verboten.) Das wirfte wie ein Trompetenstoß quf alte Strettroffe. ,, Wer? Wie heißt ar?-- Mie fteht er aus?- Wat friegen wir bei ihm?" schrte es durcheinander. Wie er heißt, weiß ich nicht, aber Mathematif gibt er natürlich," antwortete der junge Wissende mit ganzer Ueber legenheit. ,, Donnerwetter, wie steht er aus?" „ Eflig," sagte jener kleinlaut, sehr eflig!" Auf diese knappe Personalbeschreibung hin schien die Stimmung wieder eine äußerst flaue werden zu wollen, als plößlich aus dem Hintergrunde, wo die gefürchtetsten und bestraftesten Individuen hausten, eine entschlossene Stimme sich vernehmen ließ: Na, Kinder, dem wollen wir's zeigen!" Dieser bescheidene Schlachtruf hob die Stimmung wieder mit überraschender Schnelligkeit. Von allen Seiten klangen fröhliche Zurufe: „ Na, natürlich!— Das wollen wir auch!— Ei weih!-- Mit dem wollen wir schon fertig werden! Was will der? Bloß so'n Mathematiker!- Der soll nicht mucken!" Wißt ihr was, Kinder?" gellte eine herrschende Stimme durch das allgemeine Brausen.„ Die letzte Bank fängt an zu trommeln, sowie er frech wird, und wenn er dahin läuft, legt die erste los, und dann Ach was, alle Bänke zugleich," schrie ein anderer, das fluscht besser. Daß ihm gleich Hören und Sehen vergeht!" „ Ach, die da vorn sind ja doch gemein und drücken sich!" scholl es hinten aus der Verbrechergegend. " Wer gemein ist, wird verhauen!" war die prompte Antwort. „ Und wer petzt" „ Na, so gemein ist doch keiner! Und wir würden ihn auch zu Mus feilen!" " Famos, Jungens! Also paßt auf: wenn ich meinen Federkasten vom Tisch fallen lasse, geht's los!" Das war der Ruf des ersten Aufwieglers. „ Aber nicht gleich von Anfang an," rief ein Besonnener, ,, vielleicht ist er überhaupt anständig ,, Na nu! Ganz egal, getrommelt wird doch!" „ Natürlich! Eh' er übermütig wird! Erst müssen wir ihn klein kriegen; nachher können wir ihn ja besser behandeln, wenn er anständig ist." „ Uebrigens ist er doch immer bloß ein Mathematiker." „ Na, denn also drauf!" So hatten Kampfluſt und Siegesgefühl die Wolken des Trübsinns schnell verscheucht; diese jungen Germanen gingen so freudig in die Mathematikstunde wie ihre Ahnen in die Schlacht. Jetzt ging die Tür auf, herein trat mit großen, ruhigen Schritten der neue Lehrer und stand vor der scharf beobachtenden und schweigsam lauernden Klasse. Allein keine Hand regte sich, fein Fuß ward gerückt, keine Lippe murrte, kaum daß eine Wimper zu zucken wagte; still, wie in Erz gegossen, ferzengerade, in musterhafter Haltung, saß die gefährliche Untertertia vom ersten bis zum letzten Glied ohne Ausnahme und ohne Unterbrechung. Wie ein Betr.: Schm In dem Sinden ist S Behöftiper Gießen, Gro Betreffend Das Gr an die Groß Musnahme Homber Die Able unhörbarer Seufzer ging es durch ihre Reihen, ein Seufzer Ader der Entsagung und hoffnungslosen Unterwerfung. Mugen hingen wie gebannt, voll heimlichen Schreckens an den Sügen des Lehrers, die eben noch hell entbrannten Wangen Es war, wie wenn in ein waren bleich, fchlaff, entnervt. junges Bataillon die erste Granate einschlägt und eine fürchterliche Lücke reißt. So schreckhaft niederschmetternd wirkte die bloße Erscheinung dieses Mannes. Er hatte einen vollständigen Sieg errungen, ehe die Feindseligkeiten noch eröffnet waren, ja, ehe er die ihm drohende Gefahr vielleicht auch nur ahnte. Und in der Tat, der Sieger sah unbeschreiblich furchterweckend aus. Schwarze, borstige Haare und ein kurzer, aber bedrohlich gesträister Bart umrahmte das finstere Gesicht, die starken Lippen waren fest zusammengefniffen, die Nase gleich dem Schnabel eines Raubvogels, die Stirn immer gerunzelt, die buschigen Brauen unheimlich in der Mitte zusammengewachsen, und vor allem die Augen die dunklen, tiefliegenden Augen waren unwiderstehlich furcht bar, hir Blick durchbohrend, vernichtend. Diesem Menschen stand es mit entsetzlicher Deutlichkeit im Gesicht geschrieben, er war ein Wüterich, ein Tyrann, ein Schreckensmann von eherner Unnahbarkeit. Und nun begann er den Unterricht. Seine Stimme war herb und heiser; jedes Wort, schroff herausgestoßen, flang wie ein Befehl zur Hinrichtung. Alles zitterte und schwieg, bis ins Mark vor Ehrfurcht durchschauert; nie hat ein Sterblicher eine so lammfromme Tertia gesehen. So begann die Stunde, und so schloß sie. Am selben Tag noch erhielt der Neue" von der ganzen Schule den Beinamen, welchen ein historisch gelehrter Knabe mit glücklichem Griff gefunden hatte: Iwan der Schreckliche". Der Mathematiker, mit seinem bürgerlichen Namen Gotthold Belling geheißen, hielt an diesem Tag noch einen ähnlichen Triumphzug durch die Ober- und Unterquarta und verließ dann ziemlich erschöpft, wie es ſchien, das Gymnasium. Der Direktor Wenzlaff, ein kleiner, rundlicher Herr, mit leidlich humanem Gesicht, stand neben dem alten Professor Heding am Flurfenster und blickte ihm nach. Ein vortrefflicher Pädagoge allem Anschein nach," sagte er,„ dieſer junge Kollege; er hält muſterhafte Disziplin, musterhaft, sage ich Woher wissen Sie das denn schon so sicher, Herr Direktor?" fragte der Professor etwas scharf. Der Direktor, welcher nicht gern sagen mochte, daß er wieder einmal nach seiner löblichen Gewohnheit an der Tür gelauscht und nachher einige Schüler über die Art des Lehrers ausgehorcht hatte, erwiderte: Dem Anschein nach, lieber Kollege. Aber Sie wissen, ich täusche mich nicht leicht in meinem physiognomischen Urteil. Und ich behaupte, seinem ganzen Auftreten nach hält dieser Mann ein eiserne Disziplin; und man mag sagen, was man will, Disziplin ist und bleibt das Alpha und Omega aller Pädagogik." Disziplino ja!" sagte etwas gedehnt der alte Heding, von welchem allgemein bekannt war, daß er seine Schüler nur sehr mangelhaft im Zügel hielt.„ Es ist freilich ein großer Unterschied, durch welche Mittel die Zucht gehandhabt wird. Ein Regiment durch eitel Furcht und Schrecken ist am Ende keine Kunst. Und ich gestehe, der junge Herr sieht ein wenig darnach aus, als ob er dem Grundsatz huldigte:„ Oderint, dum metuant." ,, Lut nichts! Die Furcht Gottes ist der Weisheit Anfang. Wir bedürfen einer Stärkung der Zucht an unserer Anstalt," sagte der Direktor mit Bedeutung. Und die Furcht vor dem Schulrat ist für manchen der Weisheit Vollendung," sagte der geärgerte Professor mit einer sehr durchsichtigen Anspielung auf eine wohlbekannte Eigentümlichkeit seines Vorgesezten. „ Zügellosigkeit nach oben,“ verſetzte dieser,„ verbindet sich sehr leicht mit schwächlicher Larheit nach unten." ,, Vielleicht noch öfter Despotismus nach unten mit Unterwürfigkeit nach oben." „ Ich habe nichts von der letzteren Eigenschaft bei dem neuen Kollegen bemerkt," sage der Direktor mit erzwungener Unbefangenheit. „ Von dem sprach ich auch eigentlich nicht gerade," versette der alte Heding, indessen glaube ich allerdings ein gewisses scheues Wesen an ihm bemerkt zu haben, eine aufallende Schüchternheit uns Aelteren gegenüber " „ Die mir uns Welteren gegenüber durchaus nur air rechten Platz zu sein scheint." Ganz schön. Aber doch ist mir der Mann nicht sym pathisch. Er hat ein Tierbändigergesicht. Ein unheimlicher Mensch! Ein Mensch, dem ich weder Herz noch Phan. tasie zutrauen könnte, sondern nur Rechnen und herrisches Wollen." „ Ein Mann, der sich in Respekt zu sehen weiß, ein Pädagoge, dem ich eine Zukunft prophezeie." „ Er wird Sie doch nicht noch einmal vom Thron stoßen, Herr Direktor?" fragte der Professor höhnisch. Jener seufzte: " Jedenfalls würde er es besser verstehen als ich, die unruhigen Elemente und bösen Zungen im Zaum zu halten. Ich wollte, mir wäre etwas mehr von der Natur eines Tierbändigers gegeben." Während diese Wechselrede der beiden erfahrenen Pädagogen stattfand, legte der besprochene Doktor Gotthold Belling seinen Weg nach Hause zurück. Da er sich bereits seit vierzehn Tagen im Städtchen aufhielt, so war er selbstverständlich jedermann der Persönlichkeit nach vollkommen bekannt, jedoch immer noch neu genug, um das öffentliche Interesse in starker Spannung zu erhalten. So ward er denn auf seinem Gang von allen Seiten und aus allen Fenstern von neugierigen Blicken wie von einem Fliegenschwarm verfolgt; allein auch die zudringlichste Neugier verwandelte sich bei seinem Näherkommen sogleich in augenniederschlagende Bescheidenheit; hochmütige Vollbürger wichen dem Einwanderer mit unwillkürlicher Höflichkeit aus, und nicht nur der vielgefürchtete Polizeiwachtmeister Biestemann griff mit fast unterwürfiger Miene an seine Müße, sondern selbst der Bürgermeister Bumde, der erste und gröbste Mann seiner Stadt, zog den Hut so tief wie vor den reichsten Leuten und zeigte ein wahrhaft verbindliches Lächeln. Vielleicht noch merkwürdiger aber war, daß der Bankier Karfunkelstein, der an die Huldigungen der adeligsten Gutsbesitzer der Umgegend gewöhnt war, ihm mit einer geradezu gemäßigten Dreiſtigkeit ins Gesicht ſtarrte. Zwei junge Backfischchen endlich, welche ihn erst aus unmittelbarer Nähe bemerkten, fielen vor Schreck beinahe in eine offenſtehende Haustür und blickten dem finster Weiterschreitenden bebend nach. eine. „ Herrgott, sieht der aber böse aus!" flüsterte die „ Das ist der neue Lehrer vom Gymnasium,“ hauchte die andere. ,, Ach, mein armer Bruder!" seufzte die erste. So hielt Iwan der Schreckliche seinen Triumphzug durch die Stadt. Zur nämlichen Stunde waren vier eifrige Frauenhände noch beschäftigt, das Wohnzimmer des Triumphators zu seinem Einzug vorzubereiten. Es war die verwitwete Frau Rechnungsrat Gehrke, welche ihm die zwei möblierten Zimmer vermietet hatte, und ihre zwanzigjährige Tochter Helene. ,, Mutter," sagte diese, den schon für abgestaubt geltenden alten Schreibsekretär noch einmal musternd,„ hier in den Fugen sigt noch eine Menge Staub; ich bitte dich, tue uns nicht die Schande an! Wenn er das gemerkt hätte!" ,, Aber, Lenchen, das merkt doch solch Herr nicht! Und dann- das nennst du noch Staub? Das sind ja doch höchstens drei Fuſſelchen noch—“ ,, Daumendick, Mutter!" „ Lächerlich! Wenn wir bei uns so abstauben wollten, kämen wir den ganzen Tag zu keiner anderen Arbeit und du zum Lesen erst gar nicht." Ja, bei uns, das ist auch etwas anderes. Bei sich selbst fann es jeder halten, wie er will, bei anderen aber, wie es sich schickt. Und denke nur, wenn er den Staub doch einmal merkte und dich dafür anſähe, so... so... na, du weißt schon!" „ Barmherziger Himmel, ja, Lenchen, das ist wahr, der Schreck wäre grausam! Erbarme dich, was kann der Mensch für entsetzliche Augen machen!" „ Aber so sage doch bloß nicht immer der Mensch", Mutter! Ich kann das nicht hören." Und du sagst immer bloß Er", liebes Lenchen, das finde ich erst recht unschicklich; ich sage doch meist der Herr Doktor", außer wenn ich gerade so einen Schauder vor ihm ausdrücken will." ( Fortsetzung folgt.) Die Natur ist Gottes Buch, Doch ohne Gottes Offenbarung Mißlingt der Leseversuch, Den anstellt menschliche Erfahrung. Der Schatz des Goldgräbers. Erzählung von Gustav Lössel. ( Nachdruck verboten.) Unter den um ihre Lagerfeuer versammelten Goldgräbern bon Billyblong lief ein dumpfes Gemurmel um. Aus ihren Mienen sprachen Haß und Groll. Die Unzufriedenheit war hier zu Hause, denn seit Jahr und Tag hatte man von feinem größeren Funde mehr gehört. Viele arbeiteten nur noch für Brot", worunter sie die Mittel zu ihrem wüsten Leben verstanden. Dann gab es eine große Schar jener, welche in allen Schankbuden schon zu hoch angefreidet waren, um überhaupt noch etwas geborgt zu bekommen. Ja, es gab hier in der Goldstadt- wenn man den Haufen geflickter Zelte und Holzbaracken so nennen konnte- schon ein starkes Proletariat, und man hätte sich bei einem ersten flüchtigen Umblicke her nach der armen Schwanenfluß Kolonie versetzt denken können, als nach einem der reizvollſten Punkte von Gipsland, einer Grafschaft in dem wegen seines Goldreichtums berühmten Australia felix. Es war offenbar etwas im Winde". Aber was? Gegen wen? Galt diese heimliche Verschwörung uns, den Fremden? Wir waren nämlich, unser fünf, erst vor zwei Tagen zugereiſt, um hier nun auch unser Glück zu versuchen. Allerdings befanden wir uns in einem bedauernswerten Zustande nach der fast einmonatlichen Frrwanderung durch die unwirtliche Wildnis. Es war ja nur natürlich, daß die Männer von Billybong jedem neuen Zuzug von Unbemittelten feindlich gegenüberstanden. Was gibt's Neues?" fragte ich mit der Miene der Harmlosigkeit meinem_Claim- Nachbar*) Dickson, in dem ich zwar einen verlotterten, aber gutmütigen Menschen kennen gelernt hatte. Dickson nahm eine möglichst grimmige Miene an, als er antwortete: Was soll's Neues geben? Der Fielding ist wieder weg!" „ So?" sagte ich verſtändnislos.„ Und warum?" „ Warum?" fuhr wütend ein anderer dazwischen.„ So kann doch nur ein Grüner fragen! Um seinen uns gestohlenen Schaz zu vermehren, während wir hier samt und sonders am Hungertuche nagen und unsere ganze Kraft im Sandbuddeln erschöpfen. Aber...!" Mit einer drohenden Geberde verließ er den Lagerplay. „ Entschuldigt meine Unbekanntschaft mit den Verhältnissen," wandte ich mich wieder an den milder gesinnten Dickson, aber was ist das mit dem Fielding?" ,,, das ist ein Geheimer und an Schlauheit ist er hier allen über! Er verschwindet ab und zu spurlos und kommt, wie er gegangen ist. Jedenfalls hat er eine glückliche Hand. Er kleidet sich immer gut, trägt eine goldene Uhr und Kette, bezahlt alles, was er kauft, sofort bar und hilft auch einmal einem armen Teufel." ,, Lauter gute Eigenschaften," warf ich vorsichtig ein. " Ja, aber er hat den Schatz!" fuhr Dickson wild heraus. „ Und er verheimlicht es. Das iſt's was sie ihm hier nicht verzeihen. Denn die Weissagung ist ihm nicht allein geworden, sondern uns allen, die wir mit ihm hierher gekommen. Unſeren Anteil wollen wir haben! Das iſt's! Wir können ihm nur nicht beikommen, und es wagt sich auch so recht keiner an ihn heran. Sicher ist er mit dem Teufel im Bunde, denn sonst konnte er das Geheimnis nicht entdeckt haben." Ich stand vor einem Rätsel. Meine Neugierde war mächtig angeregt, dennoch hielt ich jetzt mit weiteren Fragen zurück. " Gehen wir zur Schänke," sagte ich.„ Ich habe heute einen kleinen Fund gemacht und will etwas daraufgehen lassen." 11 Gut gesprochen!" rief Dickson.„ Gehen wir! Ich *) Claim ist das von dem Goldgräber selbst ausgesuchte und von dem Regierungs- Kommissar abgesteckte Stück Land, das an erstern zum Goldgraben verpachtet wird. sehe, Ihr seid kein Methodist, wie Fielding einer ist. Der hat noch keinen freigehalten, und wenn es nach ihm ginge, dann würde in den Schänken Tee statt Cognat geschänkt." Jedenfalls gesünder als dieser Fusel, dachte ich bei mir. Aber ich sagte es nicht. Die Nacht hatte sich auf Billybong herabgesenkt. Die Erregung unter den Goldgräbern war noch gewachsen. In den Schänken wurde es laut. Schwer fausten die Fäuste auf die ungehobelten Tischplatten hernieder, über welche hinweg die Sprecher einander anschrieen. Hier tönte eine Dudelsackpfeife, da eine Ziehharmonika. Ab und zu vernahm man eine kreiſchende Frauenstimme. Der Name Fieldings war in aller Munde. Eben so häufig hörte man die Worte:„ Der Schat",„ Das Geheimnis“,„ Die Weissagung“, welche immer lauer hervorgestoßen wurden als die übrigen. Ich war nur froh, daß diese feindseligen Aeußerungen nicht den„ Fremden" galten; denn in damaliger Zeit herrschten auf den australischen Goldfeldern nicht Gesetz und Recht, sondern Willkür und die Macht des Stärkeren. Wenn die Ortsangesessenen uns den Plaß nicht gönnten, hätten sie uns einfach abgeschoben oder bei Gegenwehr an dem nächsten Gummibaum aufgeknüpft. Dieser Fielding mußte doch eine gewaltige Persönlichkeit ſein, daß er den Hoß so vieler gewalttätiger Menschen auf sich laden konnte, ohne sein Leben oder seinen Besiz zu gefährden. Dickson schlug vor, wir sollten nach der Konzerthalle gehen. Ich ſtimmte bereitwilligſt zu. Die Konzerthalle" war ein elende Baracke, nur länger und geräumiger als die übrigen Schänken. Auch hier war das Trinken die Hauptsache. Als wir eintraten, konzertierten gerade ein Paar Neger- Minstrels, deren rohe Späße die nur aus Goldgräbern bestehende Zuhörerschaft weidlich zu unterhalten ſchienen. Ich zog Dickson in einen verhältnismäßig stillen Winkel. Ein paar Flaschen Wein waren schnell zur Stelle, und so lernte ich das Geheimnis von Billybong" kennen, in dessen Mittelpunkt der vielberufene Fiedling stand. Ich will die Geschichte hier im Zusammenhange erzählen, nicht in der abgerissenen, zögernden Sprechweise meines neuen Freundes. ,, Einige Jahre sind es her, da stießen wir, eine Schar von etwa dreißig Goldsuchern, auf diesen wasserlosen Creek( Flüßchen). Wir waren halb verschmachtet und fanden auch hier kein Wasser; den Plaz nannten wir deshalb Billybong. Wir waren in Verzweiflung und betrachteten einander mit blutdürftigen Blicken. Noch eine letzte Kraftanstrengung sollte gemacht werden, um uns vor dem Verſchmachten oder Schlimmerem zu bewahren. Wir gruben nach Wasser und fanden Gold! Damit war die Beutegier aufs neue mächtig angeregt. Aber alles Gold Australiens konnte jetzt unsere Lage nicht bessern, uns nicht ein Pennican voll Wasser ersetzen. Hunger tut weh- aber verschmachten, das ist der qualvollſte Tod! Wir traten zu einer Beratung zusammen, welche ohne Ergebnis blieb. Die einen, welche noch Kraft genug in ſich fühlten, waren fürs Weitergehen, unbekümmert um diejenigen, welche zu schwach waren, um sich noch weiter fortzuschleppen. Die besser Gesinnten, zu deren Sprecher Fielding sich aufwarf, wollten diese nicht im Stiche lassen. Leider entsprang dieſe bessere Gesinnung nur ihrer Schwäche, und wäre Fielding nicht noch der Rüstigſte unter allen gewesen, so hätte man ihren Widerspruch wohl gar nicht beachtet. In diesem Augenblick kam ein Wilder, ein ganz alter Mann, durch den Wald daher. Bei unserm Anblick wollte er die Flucht ergreifen. Aber wie die Wölfe fielen wir ihn an, und„ Wasser! Wasser!" schrie es aus dreißig heiſeren Kehlen. Drohend erhobene Spaten und Messer umblißten ihn auf allen Seiten. Verstand er uns nicht, oder hatte ihm der Schreck die Gedanken verwirrt? Genug, in seiner Todesangst begann er in dem landesüblichen Kauderwelsch aus Papuanisch und Englisch, dem Verständigungsmittel zwischen Schwarzen und Weißen, eine Prophezeiung, welche also lautete:„ Hier liegt ein Schatz, den aber nur der zu heben vermag, der. Wütend über diese Abschweifung, bedrohten wir ihn noch schwerer, und Wasser; Wasser!" schrieen wir ihn an. Ein Spatenhieb traf ihn. Er brach bewußtlos zusammen. Er war ein ganz alter gebrechlicher Mann. Als wir ihn aushoben, war er tot. ( Fortſekung folgt. Der Unterga dem ganzen St bersicht, daß P baldige Niederlag neuen Bombarder und bleiben aut welchen sie sich n Beim Bombardem Shiffe, Nischin ode Banten. Die Ja lzite. Nach den Testen Sträfte zur gehen zu Ende, Offensive ergriffen Am 21. April ufifche Boote am talen waren. Gi es Transportid Srichüße zuſamme arderen um Gi Singampho er bis haben ihre startite er Schlüffel der