Nr. 47. bonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., ' s Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertelfährlich Mr. 1.50. Bastisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Donnerstag, den 25. Februar 1904. Gießener 13. Jahrgang. Jnsertionspreis: Die einspaltige Betttzelle für gang. O Hessen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. souft 15 Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Bostzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 88 Fernsprechanschluß Nr. 362. Neueste Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Beifung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Der Krieg in Oftafien. Im Vordergrund des Interesses steht heute weiter der Inhalt der russischen Note, in der Japan des Völkerrechtsbruches beschuldigt wird. Sie liegt jetzt im Wortlaut vor. Die russische Regierung legt darin das Schwergewicht auf die Besetzung des neutralen Korea durch Japan, die noch vor der Eröffnung der Feindseligkeiten erfolgt ſei. Dem Kaiser von Korea sei durch den japanischen Gesandten in Söul erklärt, Korea befände sich nunmehr unter japanischer Verwaltung, und ihm angefündigt, daß, wenn er fich nicht fügen sollte, japanische Truppen seinen Palast besehen würden. Weiter beklagen sich die Russen darüber, daß die Japaner den russischen Gesandten aus Söul vertrieben haben. Ein ameiter wichtiger Punkt ist die Ueberrumpelung der russischen Kreuzer vor Tschemulpo, die den Japanern nur durch ein völkerrechtswidriges häßliches Manöver geglückt sei. Mit einer Abteilung ihres Geschwaders- so lautet dieser Teil der russischen Anklagenote machten die Japaner am 8. Februar, d. h. drei Tage vor der Kriegserklärung, auf zwei russische Kriegsschiffe einen Angriff, die sich im neutralen Hafen Tschemulpo befanden und deren Kommandanten von dem Abbruch der Beziehungen mit Japan nicht unterrichtet waren, da die Japaner böswillig die Uebermittelung russischer Telegramme durch das dänische Kabel verhinderten und die Leitung des koreanischen Regierungstelegraphen unterbrachen. Wir haben bei Beginn des Krieges derauf hingewiesen, daß die Besetzung des neutralen Korea durch Japan allerdings völkerrechtswidrig war; doch werden die Japaner wahrscheinlich zu ihrer Entschuldigung die unbedingte Notwendigkeit dieses Schrittes anführen. Was den zweiten Punkt anbelangt, so wird man, um sich ein endgültiges Urteil zu bilden, erst eine japanische Gegenerklärung abwarten müssen. Es hat überhaupt für den Zuschauer sehr wenig Zweck, sich mit der recht knifflichen Frage des Völkerrechtsbruchs zu befassen. Viel wichtiger ist es, die praktischen Folgerungen aus dem gegenwärtigen Stand der Angelegenheit zu ziehen. Das Facit ist, daß der Weltkrieg vor der Tür steht, wenn die Russen ihre Anschauungen in die Tat umsezen. Sie stellen den Neutralitätsbruch der Japaner gegen Korea doch sicherlich aus keinem anderen Grunde den Mächten vor Augen, als dem, sich von vornherein für ein eventuelles Vorgehen in China die passende Entschuldigung zu schaffen. Was Japan in Korea recht ist, kann uns in China nur billig sein." England wird allerdings in dieser Frage, das kann nicht oft genug betont werden, anderer Ansicht sein und Rußland, sobald es Miene macht, in China einzurücken, ein energisches Hands off!" zurufen. Dafür bürgen seine fieberhaften Rüstungen. Spricht man doch in Londoner eingeweihten Kreisen davon, daß die Regierung in den nächsten Tagen dem Parlament einen gewaltigen Nachtragskredit vorlegen wird. Ebenso sollen in Frankreich 10 Millionen gefordert werden. Uebrigens ist der erste glimmende Funken, der in das russisch- chinesische Pulverfaß zu fallen drohte, noch zur rechten Zeit ausgelöscht worden. Aus Tientsin wird gemeldet: Der Protest Rußlands gegen ein Vorrücken der kaiserlich chinesischen Truppen in das Gebiet des Liao- Fluſſes hat anscheinend bereits seine Wirkung getan, da die chinesischen Truppen nur mit der Bahn bis Lantschau, halbwegs zwischen Tientsin und Schanhaifwan, fahren, statt bis in das Gebiet des Liao- Flusses. Damit wäre die erste Gefahr beseitigt, aber wie lange wird es dauern, und Rußland hat einen neuen Grund, seine bitalen Interessen in China kriegerisch wahrzunehmen. Dann aber wird, wie gesagt, England ins Spiel mit hineingezogen, und einer nach dem anderen der Neutralen müßte den Tanz mitmachen. Hoffentlich gelingt es der Diplomatie noch in legter Stunde. die Gefahr zu beseitigen. Fremde Prinzen im russischen Heere. Neben mehreren russischen Großfürsten, die in allernächster Zeit zum Hauptquartier nach Charbin abgehen sollen, werden auch fremde Fürstensöhne in den russischen Reihen kämpfen. Arsen Karageorgiewitsch, der Bruder des Serbenfönigs. ist zum Kommandeur des russischen ersten transbaikalischen Sosaken- Regiments ernannt worden. Don Jaime von Bourbon, der älteste Sohn des spanischen Thronprätendenten Don Carlos, wird ebenfalls dem Zaren seinen Degen zur Verfügung stellen. Er wurde in Rom vor seiner Abreise nach Petersburg vom Papste empfangen. Der Prinz wird eine Audienz beim Zaren haben und dann als Leutnant im Grodnoschen Leibhusaren- Regiment mit General Kuropatkin nach dem Kriegsschauplaz abreisen. In den höheren russischen Komandoſtellen ist eine wichtige Kenderung einaetreten: Der Kommandant und Gouverneur von Kronstadt. Vizeadmiral Makarow, ist zum Oberbefehlshaber der Flotte des Stillen Ozeans ernannt worden; an seine Stelle tritt der älteste Flaggmann Birilioff. Die Abreise Kuropatkins nach dem fernen Osten erfolgt erst am 9. oder 11. März. Schwere Niederlage der Japaner. Nachträglich kommt eine Meldung von russischer Seite, die über eine * * schwere Niederlage der Japaner vor Port Arthur berichtet. Das Telegramm lautet: Ein ernenter Angriff der japanischen Flotte ist abgeschlagen worden. Vier japanische Panzerschiffe und zwei japanische Transportschiffe sind zum Sinfen gebracht. Besonders das Panzerschlachtschiff„ Retwisan" hat sich mit Ruhm hedeckt. Neue Gefechte im Hererogebiet. Eine amtliche Mitteilung des Gouverneurs unserer südwestafrikanischen Kolonie weiß von zwei neuen erfolg reichen Gefechtenim Herero gebiet zu berichten. Die Meldung lautet: Eine Abteilung unter Oberleutnant Schulte er= beutete am 8. Februar in einem Gefecht südlich Tsumanas 300 Stück Großvieh und 400 Stück Kleinvich. Der Feind hatte 10 Tote, diesseits fein Verlust.— Am 2. Februar haben Ovambos des Kapitäns Nechale den Polizeiposten Amatoni angegriffen, wurden aber mit einem Verlust von sechzig Toten abgeschlagen. Der Posten wurde später eingezogen. Die Ovambos des Kapitäns Kambonds sind bis jetzt friedlich. Major v. E storff hat die Verbindung mit Outjo hergestellt. Von großer Tragweite für die Dauer des Aufstandes in der Kolonie und auch für die Schwierigkeiten, die zu überwinden fem werden, ist die in dieser Meldung des Gouverneurs enthaltene Mitteilung, daß nun auch ein Teil der Ovambo sich empört und Angriffe auf das Leben und Eigentum Deutscher unternommen haben. Die Teilnahme der kriegerischen und von der deutschen Regierung noch völlig unabhängigen Ovambo an dem Hereroaufstand war von Kennern des Landes immer als eine schwere Gefahr bezeichnet worden. Da wir jetzt eine verhältnismäßig starke Truppenmacht in der Kolonie haben, ist diese Gefahr nicht mehr so groß. Vielleicht ist eine Beteiligung der Ovambo am Aufstande sogar in gewisser Beziehung willkommen zu heißen. Insofern nämlich, als das den Anstoß zu der längst notwendigen Unterwerfung der Ovambo geben würde, um die wir doch nicht herum kommen, und die um so wirksamer sein wird, je eher sie erfolgt. Für Kenner der Kolonie steht es schon heute fest: Wollen wir aus DeutschSüdwestafrika wirklich etwas machen, so reicht die Entwaffnung der Herero nach ihrer Niederwerfung nicht aus, vielmehr ist es nötig, daß Deutschland ungesäumt auch mit den Ovambo sich auseinandersetze und sie entwaffne. Das muß geschehen, damit Deutschland sich nach Niederwerfung der Herero nicht noch weiteren unliebsamen Ueberraschungen für die Zukunft aussetzt, und auch deshalb, weil das Ovambogebiet wirtschaftlich nutzbar gemacht werden muß. So urteilen Kenner der Verhältnisse, und zwar solche, die mit den Regierungskreisen in Fühlung stehen. Unser Berliner CB.- Mitarbeiter glaubt uns denn auch mit gutem Grunde versichern zu können, daß beim Kolonialamt die Ausdehnung der kriegerischen Aktionen auf die Ovambo spätestens nach der Niederwerfung des Hereroaufstandes beschlossene Sache ist. In einer weiteren Depesche legt Gouverneur Leutwein die gegenwärtige Kriegslage und den Operationsplan der deutschen Truppen dar. Die Kriegslage ist demnach folgende: Die Ost abteilung unter Major v. Glasenapp marschiert über Gobabis gegen den Häuptling Tjetjo und sperrt die Grenze. Die Hauptabteilung sammelt sich bei Okahandja und beschränkt sich bis zum Eintreffen der Verstärkung auf kleine Vorstöße gegen den anscheinend bei Otjosongatt und Waterberg in abwartender Stellung befindlichen Feind. Die West abteilung unter Major v. E storff geht auf Outjo vor und entwaffnet den Omaruru- Stamm. Vom Süden des Schubgebietes her ist eine Kompagnie und eine Gebirgsbatterie in Anmarsch. Zum Schutz des Südens bleiben eine Kompagnie und zwei Geschüße dort zurück. Sehr erfreulich sind zwei Nachrichten, die von amtlicher Seite verbreitet werden. Sie betreffen staatliche und private Hilfsaktionen für die durch den Aufstand geschädigten Ansiedler. Was die Staatlichen Hilfsaktionen für diese Leute betrifft, so beabsich tigt die Regierung die Einbringung eines Ergänzungsetats für 1904, in dem zunächst zwei Millionen zur Entschädiverluste gefordert werden sollen. Der Gesamtschaden wird auf sechs Millionen geschätzt; sobald er festgestellt iſt, ſollen weitere Forderungen von der Regierung erhoben werden. -- Die private Hilfsaktion soll sich darin äußern, daß die Landesvereine vom Roten Kreuz und die mit ihnen verbündeten Vereine ihre Tätigkeit nicht nur auf die Truppen beschränken, sondern sie auch den Zivilbersonen im Schutzgebiete nach Möglichkeit zuwenden werden. Beides wird von den Ansiedlern wie in der Heimat dankbar empfunden werden. Auch der zweite Truppentransport, der am 30. Januar auf dem Dampfer Adolph Wörmann" von Hamburg abgegangen war, ist gestern in Swakopmund einge= troffen. Die Politik. Die dem Reichstage soeben zugegangene Börsengesetznovelle hält im großen und ganzen die Grundbestimmungen des Börsengesetzes vom 22. Juni 1896 aufrecht. Insbesondere bleiben das Börsenregister, für das jedoch die Eintragungskosten bedeutend herabgesetzt werden, und das Verbot des Terminhandels in Anteilen von Bergwerfs- und Fabrikunternehmungen, sowie in Getreide bestehen. Ja, das Terminhandelsverbot wird noch durch die ausdrückliche Feststellung verschärft, daß die Erfüllung der Verbindlichkeit aus einem unerlaubten Börsentermingeschäft berweigert werden kann. Andererseits schränkt die Novelle in einigen Burften das Gesetz von 1896 ein. So soll der Registereinwand fortan auch denjenigen versagt sein, welche zur Zeit des Geschaftsabschlusses als Kaufleute in das Handelsregister eingetragen waren oder damals oder früher berufsmäßig Börsen- oder Bankiergeschäfte betrieben oder eine Börse nicht bloß vorübergehend besucht haben. Ferner soll die Erfüllung von Verbindlichkeiten aus Börsentermingeschäften nicht mehr nach unbegrenzter Zeit, sondern nur dann verweigert werden dürfen, wenn der Schuldner binnen sechs Monaten dem Gläubiger gegenüber diese Weigerung erklärt hat. Die Bestimmungen, welche die Novelle hinsichtlich der Zahlungen, Anerkenntnisse, Weigerungsfrist, Sicherheitsleistungen u. s. w. bezüglich des Register einwandes enthält, sollen auch gegenüber dem Differenzeinwande gelten. Bemerkenswert ist auch, daß nach dem neuen§ 69 für solche Börsenterminspieler, welche zur Zeit der Eingehung des Geschäfts in ein Börsenregister für den betreffenden Geschäftszweig eingetragen waren, der Einwand aus§ 764 des Bürgerlichen Gesetzbuchs( Spiel und Wette) nicht mehr erhoben werden kann. Im Auftrage der deutschen Regierung hat das Londoner Kabinet jezt der kanadischen Regierung das Ersuchen Deutschlands unterbreitet, einen Vertreter zu ernennen, der mit einem deutschen und einem britischen Kommissar eine Revision des gegenwärtigen deutsch- kanadischen Kampftarifs erörtern soll. Kanadas Stellungnahme dazu ist noch nicht bekannt. Wahrscheinlich wird es die Angelegenheit dem Kolonialamt in London überweisen. Daß Deutschland, obwohl der ganze Zollfrieg von Kanada angezettelt war und obwohl Kanada von dem Zollkrieg mehr Nachteil hatte als wir, doch den ersten Schritt zur Anbahnung normaler Beziehungen getan hat, wird sich vielleicht einem Gegner wie den Kanadiern gegenüber, die Europens Höflichkeit nicht kennen, als ein Mißgriff herausstellen. * Selbst am Hochaltar schweigt der polnische Deutschenhaf nicht. Der katholische Geistliche in Kosten( Provinz Posen) persuchte in der dortigen katholischen Pfarrkirche eine Predigt in deutscher Sprache zu halten. Kaum hatte er zu sprechen begonnen, als die in großer Zahl erschienene Gemeinde geräuschvoll sich von ihren Pläzen erhob und lärmend die Kirche verließ. Infolgedessen erklärte der Geistliche, er habe einer„ andächtigen" Gemeinde mitzuteilen, daß er wegen des entstandenen Lärms seine Predigt abbrechen müsse. Und beseligt zogen die Helden von dannen. Der Strug geht so lange zu Wasser, bis er bricht. Vielleicht bewahrheitet sich die Wahrheit dieses Sprichworts an den polnischen Fanatikern, ehe sie sich's versehen. In der zweiten sächsischen Kammer lehnte der Minister v. Metsch die Antwort auf die Frage ab, wie es mit den Handelsverträgen stehe. Er lehnte es auch ab, auf eine Kündigung der Handelsverträge bei der Reichsregierung hinzuwirken. Der Minister versprach aber, ein Gesetz über den Kontraktbruch ländlicher Arbeiter in Erwägung zu ziehen. Dabei werde man auch suchen, Gesindevermittler, die kontraktbrüchig gewordenes Gesinde vermieten, und Arbeitgeber, die solches Gesinde beschäftigen, unter Strafe zu stellen. Afrika. Das englische Expeditionskorps im Somalilande leidet unter der Masse der Ueberläufer aus dem Heere des Mullah. Dieser scheint, um Lebensmittel zu sparen, alle Anhänger, die für den Gebrauch im Felde minderwertig sind, von sich abzustoßen; die Leute hängen sich dann wie Kletten an die englischen Truppen an. Sie leben von den Abfällen des Lagers, und man fürchtet mit Recht, daß sie alle möglichen Krankheiten auf die englischen Militärposten an der Marschstraße übertragen. Es scheint, daß man es aufgegeben hat, den Mullah in dem diesjährigen Feldzuge zu fangen. Dieser treibt sich mit seinen Leuten irgendwo in der Wüste umher, wo ihm weder Abessynier noch Engländer folgen können. Die abessynischen wie die britischen Truppen sind deshalb nach ihren Standquartieren zurückgezogen worden. fämpfte. eben dann und wann die poltermemme des Fürſten. Bimmer verlassen, aus dem Stabinet nebenan bernahm Der diensttuende Kammerberr hatte das Alfres gestern in diesen Toiletten dem gestrengen Papa zu begegnen; man von Stubenarrest." munfelt flagte der alte Herr, ſeine Doſe einſteckend. Das Glück der kleinen Annemarie. Ffeiner Gugel merden, all die Schönheit mit staunenden Augen febru Simmel 31 den anderen Engeln fling Spanien. Wenn nicht alle Zeichen trügen, wird es in Spanien, wo schon jetzt die Zustände unhaltbar erscheinen, bald völlig drunter und drüber zu gehen. Eine Revolution ist so gut wie sicher, wenn der junge König nicht bald mit dem gegenwärtigen Regierungssystem ein Ende macht. Und dazu ist keine Aussicht. Die Regierung macht sich beim König lieb Kind, indem sie die Republikaner mit allen Mitteln verfolgt, und bei den Cortes, indem sie mit den Karlisten liebäugelt. Eben erst ist es in der Hauptstadt wieder zu einem völlig überflüssigen Einschreiten der Polizei gegen harmlose Leute gekommen, die Kundgebungen für republikanische Abgeordnete veranstalteten. Die Republikaner mußten schließlich mit blutigen Köpfen abziehen. Die Karlisten dagegen, die für die Dynastie weitaus gefährlicher sind, als die mehr theoretisierenden Republikaner, dürfen treiben, was ihnen gefällt. Wie in Madrid so ergeht sich die karlistische Jugend auch in Barcelona in allerlei Kriegsspielereien. Während der Karnevalstage war das Karlisten- Bataillon unter Führung früherer Offiziere ausgezogen, um in der Nähe von Badalona den Angriff auf ein Dorf und dessen Verteidigung 3u simulieren. Auf beiden Seiten standen je 150 Kämpfer und das Manöver dauerte etwa sieben Stunden. Da die Bevölkerung des Dorfes Santa Coloma, wo das Manöver stattfand, vollständig unvorbereitet war, herrschte dort anfänglich große Bestürzung. Nach dem Manöver wurde Revue abgehalten, bei welcher Gelegenheit die Führer kriegstechnische Erörterungen machten. Die Regierung erklärt einfach, das seien groteske Pantomimen. Vielleicht ist das allzu opti mistisch. Aber wenn die Regierung mit ihrem Urteil auch recht hätte: Angesichts ihrer rücksichtslosen Verfolgung der Republikaner muß die unbegreifliche Nachsicht den Karlisten gegenüber aufreizend wirken, und bei der herrschenden Spannung kann das die bedenklichsten Folgen haben. Die Bevölkerung ist ohnehin durch die kriegerischen Vorbereitungen erregt, die die Regierung angeblich zur Wahrung der Neutralität Spaniens im russisch- japanischen Kriege trifft. Deutfcher Reichstag. ( 41. Sitzung.) CB. Berlin, 24. Februar. Bei spärlicher Besetzung des Hauses wird der Etat für die Verwaltung der elsaß lothringischen Reichs. eisenbahnen beraten. Die Abgg. Erzberger( Bentr.) und Riff( freis. Vg., Elsaß- Lothringer) lassen der Verwaltung eine wohlwollende Beurteilung zu teil werden, äußern aber verschiedene Wünsche hinsichtlich Besserstellung der Beamten. Dem Abg. Müller- Meiningen( freis. Vp.), welcher sich über das Koalitionsrecht verbreitet und vom Minister Budde, dem die Verwaltung der Reichsbahnen untersteht, Aufschluß über dessen bezügliche Grundsäße verlangt, erwidert Abg. Niff, es sei ihm nicht bekannt, daß der Herr Eisenbahnminister auch nur im geringsten den Angestellten in Elsaß- Lothringen das Koalitionsrecht genommen oder auch nur erschwert habe. Minister Bud de legt dar, was unter seiner Verwaltung zu gunsten der Beamten geschehen ist. Es hat seit 1897 eine wesentliche Verkürzung der Dienstzeit stattgefunden, und die Ruhetage haben sich um 54 Proz. erhöht, während die Zahl der Beamten nur um 37 Proz. zunahm. Die schlechtest besoldeten Beamten sind im neuen Etat um 100 Mark erhöht und die Pensionsberechtigung für das Zugpersonal- Lokomotivführer und Heizer verbessert worden durch erhöhte Anrechnung der Nebenbezüge bei der Pensionsbemessung. Seit 10 Jahren sind die etatsmäßigen Stellen um 69 Proz. vermehrt, hauptsächlich im äußeren Dienst. Mit den Arbeitsausschüssen in den Werkstätten steht der Minister dauernd in persönlichem Verkehr und hat wiederholt Wünsche derselben erfüllt, so in Bezug auf tägliche Dienstzeit u. s. w. Der Minister versichert, er werde in sozialer Hinsicht stets tun, was er tun könne. Der Einführung der vierten Wagenklasse in Elsaß- Lothringen ständen einstweilen noch Schwierigkeiten entgegen; doch lasse er schon jetzt die aus Preußen kommenden Wagen 4. Klasse bis Meg weiterfahren, während man sie früher von der Grenze ab leer laufen ließ und die Passagiere nötigte, in Wagen 3. Klaſſe umzuſteigen. Von verschiedenen reichsländischen Abgeordneten wurden borwiegend lokale Wünsche vorgetragen. Abg. Schlum berger( natl.), der die Verhältnisse der Beamten als befriedigende schildert, stößt damit auf Widerspruch bei den Sozialdemokraten. Abg. BI u menthal( Vp.) plädiert für Gewährung des Koalitionsrechts an die Unterbeamten und Eisenbahnarbeiter. Eisenbahnminister Bud de hält dem gegenüber seine früheren Aeußerungen über das Koalitions. recht aufrecht. Das Ordinarium wird bewilligt. Der Wildhirt. Eine oberhessische Dorfgeschichte von J. Becker. ( Fortsetzung.) ( Nachdruck verboten.) Allein, wenn es auch mit der Wildhütte für dieses Jahr vorbet war, sa schien der einsame Bewohner der Wildhütte in lichten Holz keineswegs geneigt, seinen ,, Standort" aufzugeben. Er saß vor der Hütte auf einem Holzklog und hatte neben sich einen Haufen Birkenreisig liegen, von dem er einzelne Zweige nahm und zurecht stuzte, um sie zum Binden von Besen verwendeu zu können. Der Tiophel war heute recht fleißig gewesen, denn er hatte Laune zum Arbeiten gehabt. Nun war er das Sitzen müde, darum stand er auf, reckte und streckte sich und dann schaute er sich um, wie um zu prüfen, ob er sich auch allein im lichten Holze befand. sierers) connen paar Stacto... entbehr n," sagte er dann in einem beginnenden Selbstgespräch. Er hatte überhaupt die Angewohnheit, allem, was ihm bei seinen Alleinsein so gerade einfiel, laut Ausdruck zu geben. ,, Dem Hangcurt täi gewiß nichts dran liegen, wenn ich' m bon seim Acker paar Kartoffeln stehle.' s mag einmal sein wie's will der Hangcurt is der Beste im ganzen Dorf! Nur weiß der Teufel, wo er bleibt, denn er is seit Wochen nit mehr bei mir g'west." So in diesem Selbstgespräch vertieft schritt der Tiophel drüben nach dem seitwärts von seiner Hütte liegenden Acker, in dem noch die Kartoffeln steckten und cupfte etliche Stöcke aus, worauf er die Kuoli mit den Händen aus der Erde grub und dann nach seiner Hütte trug Alsbald loderte auch ein luftiaes Feuer vor ibrc, in Preussischer Landtag. Haus der Abgeordneten. ( 26. Sitzung.) RK. Berlin, 24. Februar. Ziemlich schleppend war die Debatte, zu der die heutige Weiterberatung des Justiz etats Veranlassung gab. Erwähnt sei aus der Debatte zu den Etatseinnahmen, daß von der Regierung auch für Spar- und Baugenossenschaften beim Bau billiger Wohnungen Stempel- und Gebührenfreiheit in Aussicht gestellt wurde. Etwas lebhafter gings bei den Ausgaben zu. Das war vor allem einem Antrag Seydel( natl.) zuzuschreiben, der die Staatsregierung ersucht, möglichst bald gegen solche Ausschreitungen des Automobilsportes vorzugehen, durch welche eine Gemeingefahr gegen Leben, Gesundheit und Eigentum der Bevölkerung hervorgerufen wird. An der Debatte beteiligten sich Redner aller Parteien; sie alle waren darin einig, daß eine solche Maßnahme der Regierung erfreulich sei. Der Justizminister Schönstedt führte aus: Da die strafrechtlichen Bestimmungen über vorsätzliche und fahrlässige Körperverletzung in jeder Beziehung ausreichen, hat das Ministerium sich bisher nur mit einer Verschärfung der zivilrechtlichen Haftung beschäftigt. Um einen Gesetzentwurf herzustellen, brauchen wir die noch ausstehenden Berichte der oberen Verwaltungsbehörden. Auch haben wir die bisher erlassenen Polizeivorschriften eingefordert und werden vielleicht generelle Verordnungen erlassen. Eine technisch automatische Selbst kontrolle der Geschwindigkeit würde aber besser wirken als die gesetzlichen Maßregeln, die zu Vorsicht und Rücksicht mahnen. Das Staatsministerium hofft sehr bald Gesetzesvorschläge machen zu können.( Beifall.) Der Antrag Se y del wurde nach weiterer unerheblicher Debatte einstimmig angenommen. Ziemlich weitschichtig gestaltete sich die Erörterung eines weiteren Antrages Kernth, der eine höhere Besoldung der Richter und Staatsanwälte und eine Vermehrung der Richter- und Staatsanwaltsstellen fordert. Namentlich von konservativer Seite wurden gegen den vom Antragsteller begründeten Antrag Bedenken erhoben. Schließlich erfolgte Ueberweisung an eine Kommission. Nab und Fern. * Der Oheim des Sultans bei einer Automobilfahrt schwer verunglückt. Wie aus Kairo gemeldet wird, wurde Prinz Ibrahim, der Oheim des Sultans, durch einen Unfall bei einer Automobilfahrt auf dem Wege nach den Pyramiden schwer verletzt. Während die Gattin eines Konsuls, die mit einer anderen Dame sich in dem Automobil befand, einen Schädelbruch erlitt, trug ihre Begleiterin innere Verlegungen davon. Der Mechaniker des Automobils schwebt in Lebensgefahr. Ein Araber kam bei dem Unfall ums Leben. Ueberschwemmungskatastrophe in Tripolis. Ganz Tripolitanien ist von einer gewaltigen Ueberschwemmung heimgesucht. Die Umgebung der Stadt Tripolis ist völlig von den Fluten bedeckt, die bereits die Tore erreicht haben. Wieviel Menschen umgekommen sind, ist noch nicht feſtgeſtellt; der entstandene Sachschaden ist außerordentlich groß. Opfer des Nervenkikels. Fast jeden Tag laufen jetzt Nachrichten aus den verschiedensten Städten ein, daß sich beim Looping the Loop und ähnlichen Veranstaltungen im Zirkus schwere Unglücksfälle ereigneten. Die erste weibliche Ausführerin des Tricks hat sich kürzlich das Genick gebrochen, vor einigen Tagen wurde einem Fahrer das eine Ohr glatt abgerissen und jetzt wird aus Magdeburg schon wieder ein beklagenswerter Unfall gemeldet. Bei einer Vorstellung im Walhalla- Theater stürzte bei der Motorfahrt in der rotierenden Trommel der Führer Riscelli aus seinem Wagen und kam unter das Automobil zu liegen. Er zog sich eine Schädelund Rückgratsverlegung sowie einige Rippenbrüche zu. Diese „ Todesfahrten" sind ebenso auf den bloßen Nervenkitel berechnet, wie die Tier- und Menschenkämpfe im Altertum. Wann werden sie endlich von den Zirkusprogrammen verschwinden? Ein Muster von Jugenderzieher muß der Lehrer Josef Gryczka in Wiskitno gewesen sein, der unter dem dringenden Verdacht der versuchten und vollendeten Brandstiftung, sowie des Ladendiebstahls verhaftet und dem Gerichtsgefängnis in Crone a. d. Brahe zugeführt wurde. Er wird beschuldigt, in der Nacht zum 11. Dezember v. Js. die Schulscheune, sowie die Scheune des Besizers Pankanin, ferner in der Nacht zum 7. vor. Mts. eine Scheune des Besizers Gettka vorsätzlich in Brand gesetzt zu haben. Außerdem soll der Verhaftete in dessen heiße sche er nachher die Kartoffeln verscharrte. „ So, in der Zeit, bis sie gut wern, will ich meine Büchse holen", sprach er weiter, denn ich will heut Abend mal dort' nüber." Dabei machte er eine Be wegung mit Kopf und Hand nach Süden, also in entgegen gesetzter Richtung der Lehmkaute, in der er seine Flinte versteckt hielt. Ich sein die ganze Zeit ruhig g'west und so wird mir kein Hallunk von Förster heut Abend aufpassen." Aber Tiophel hatte sich hierin doch geirrt. Denn seit einer Stunde schon lag der alte Forstlaufer Dingler in einer gewissen Entfernung von der Wildhütte im dichten Unteryolz eines kleinen Tannengehölzes und hatte unausgesetzt die Wildhütte im Auge. Dingler war ein Mann in den Sechzigen, mit hagerem eingefallenen Gesichte, aus dem so etwas wie steter Hunger sprach. An dem wulstigen weißen Schnurrbarte hingen Legelmäßig etliche Tröpfchen, die zu der Ansicht verleiteten, als seien es Branntweintröpfchen, und diese Ansicht mochte auch selten täuschen, denn Dingler war ein überaus großer Freund des gebrannten Wassers. Seine Hungerphysiognomie fand eine sehr natürliche Erklärung, denn er hatte eine starke Familie und dann waren zu hessischen Zeiten die Forstlaufer", welche cine untergeordnetere Rolle spielten als unscre heutigen " Förster", gar armselig besoldet. Sie waren daher auch manchmal aufs Schmaroßen angewiesen und darin mochte bei dem einen oder dem anderen der entsprechende Gesichtsausdruck seine Ursache haben, weil niele eben stets danach auslugten, wo es einen Schnaps, Wurst, Spec oder überhaupt ein gutes Frühstück oder Vesper gelegentlich umsonst zu schnappen gab. Dingler also hatte nicht blos erst seit heute drüben im Gebüsch gelegen, sondern schon längere Zeit ieden der Nacht zum 21. Dezember v. Js. einen Brandstiftungsver such an einer Scheune des Gastwirts Kobs in Wiskitno unternommen haben. Schließlich hat G. im Dezember v. Js. dem Kaufmann Sergott zehn Mart aus der Ladenkasse entwendet, wobei er ertappt wurde. Auf die energische Aufforderung des Bestohlenen schickte G. das Geld am andern Morgen durch Schulkinder zurück. Der Verhaftete steht im 27. Lebensjahre und ist erst seit 14 Tagen verheiratet. Die Angelegenheit hat begreiflicherweise am Orte großes Aufsehen hervorgerufen. Der falsche Habsburger. Baron Ernst Wallburg, der 1. St. die Oeffentlichkeit als Prätendent auf den Titel eines österreichischen Erzherzogs beschäftigte, wird noch einmal, allerdings in sehr unliebsamer Weise Gelegenheit geboten, diese Ansprüche vor Gericht zu begründen. Die Anklagekammer des Budapester Gerichtshofes hat ihn wegen Verbrechens der Fälschung öffentlicher Urkunden unter Anklage gestellt, weil er aus der militärischen Matrikel in Laibach zwei Bläter herausgerissen und auf dieselben die angebliche Verehelichung seiner Mutter Baronin Wallburg geborene Laura Stublics mit dem verstorbenen Erzherzog Ernst eingeschrieben hat. Der illegitime Habsburger ernährt sich zur Zeit als Kellner in Budapest. Vermischtes. [ Gin Schleppenverbot] hat der Prager Stadtrat erLassen. Durch eine Polizeiverordnung soll dort fünftighin den Damen das Tragen von Schleppen in den Straßen und öffentlichen Anlagen aus Gesundheitsrücksichten verboten werden. [ Der Polizeihauptmann als Unterhosenhändler.] Gegen den Polizeihauptmann Dr. Rappold in Zürich iſt die Disziplinaruntersuchung eingeleitet worden, weil er, um sich Nebeneinfünfte 31 verschaffen, an die Polizisten der Stadt Unterhosen verkaufte. Die Unterhosen für die Polizisten lieferte früher eine befannte Firma in Zürich; Dr. Rappold entzog ihr jedoch die Lieferung und übertrug sie der Firma Müller u. Klarer. So stand es wenigstens im Polizeibuch, in Wirklichkeit aber eristierte die Firma Müller u. Klarer schon seit langer Zeit nicht mehr; Dr. Rappold hat aber die Tochter eines der früheren Inhaber dieser Firma, Frl. Klarer, geheiratet, und die Dame hat ihm mit ihrer Mitgift auch die Unterhosen der Polizisten in die Ehe gebracht. Außer Unterhosen verkaufte Dr. Rappold auch Spezereien, Gemüse u. s. w. Ein König bleibt bekanntlich auch in Unterhosen ein König; ob aber ein Polizeihauptmann, der„ in Unterhosen macht", noch Polizeihauptmann bleiben kann, das ist noch die Frage. [ Die weiße Farm.] Auf seinem Schlosse Circhel in Dorsetshire starb nach längerer Krankheit und in dem hohen Alter von 79 Jahren eine der bekanntesten englischen Persönlichkeiten, Lord Alington. Er ist der Schöpfer der Jagdgesetze, die heute in England gelten. Er war ebenso wie ſeine Gemahlin ein großer Tierfreund und trat deshalb mit Eifer dafür ein, daß den agdbaren Tieren wenigstens reichliche Schonzeit gegeben werden solle. In seinen eigenen Revieren, die eine ziemlich große Ausdehnung haben, litt er nicht, daß irgend ein Tier abgeschossen werde, und so wurden diese Reviere schließlich zu einer Art Zufluchtsstätte für die Verfolgten der benachbarten Reviere. Dann hatte er sich ein: seltsame Farm eingerichtet, die unter dem Namen„ Die weiße Farm" im ganzen Lande befannt ist und alljährlich von vielen Neugierigen besucht wird. Alle Tiere, die sich auf dieser Farm besinden, sind Albinos: weiße Kaben, weiße Hunde, weiße Papageien und sogar weiße Ratten und Mäuse. Lord Alington unterhielt auch einen Rennstall, mit dem er verschiedentlich Nennen gewann. Der Landwirt. Dritte 15 Minut Die gefegt bei In der auf rafhe und sprid aus für ih Berhafteter und äußert bildung ber Gutfleisch, Grundbuch Abg. Falle, wo gehandelt Abg. Wol wesen, R tommt au Juftizmin ungen be pd. Die Eröffnung der Berliner Ausstellung für MoorFultur und Torfindustrie wurde gestern feierlich eröffnet. Staatssekretär Graf v. Posadowsky hob in einer längeren Rede hervor, wie Landwirtschaft und Industrie, Praxis und Wissenschaft gleichmäßigen Anteil an der Nußbarmachung der Moore haben und einmütig zusammen arbeiten. Auf den früher so verrufenen und gefürchteten Mooren, wo Jahr aus Jahr ein kaum ein menschlicher Laut erscholl, sieht man heute schon zahlreiche Heimstätten und Siedelungen, bewohnt von einer strebsamen, sich heraufarbeitenden Bevölkerung, und glatte Rinder weiden auf Flächen, die einst kaum die Spur des flüchtigen Wildes zeigten. Die Ausstellung sei deshalb ein Ehrenzeugnis jener stillen aber zähen Tatkraft, die es verstanden hat, in rastloser harter Arbeit verborgene Schätze der spröden Erde abzubringen. Tag, denn es war ja nicht unbemerkt geblieben, dağ einzelne Stücke Wild fehlten, und da ihm der Förster deshalb auf den Hacken saß, so mußte er alles daran wenden, um des Wilddtebes habhaft zu werden. Da es ihm nun etwas gefährlich dünfte, des Nachts dem verdächtigen Wilddiebe, dem gefürchteten Tiophel, gegenüberzutreten, so legte er sich dessen Hütte gegenüber in den Hinterhalt, weil er dachte, ihn dann auf eine bequemere und ungefährlichere Art zu fangen. Dingler trug einen grünen Kittel und die Büchse an einen grünen breiten Bande über das Achsel gehängt. Eine flache, weitgebauchte Schnapsflasche hatte er in der ziemlich großen Tasche, die sich im Kittel an der rechten Seite befand Mit der Flasche vertrieb er sich die Zeit, wenn er dem Tun und Treiben des Wildhirten Versteck aus seinem Berfte zulah seinem Feuer entfernte, um nach der Lehmkaute zu gehen, folgte ihm der alte Dingler, und zwar seitwärts im Walde, so daß ihn Tiophel nicht bemerken konnte. Fast gleichzeitig trafen beide bei der Lehmkaute ein der Ttophel an der unteren, nach dem Felde zu offenen, der Forstlaufer an der oberen, dem Walde zu gelegenen Seite. Es befand sich also Dingler oberhalb der abgegrabenen Erdwände, von wo aus er ganz bequem hinter Gebüsch versteckt beobachten konnte, was der Wildhirt unten in der Kaute treiben würde. Die Sonne war bereits hinter die westlichen Berge gesunken und obwohl es noch Tag war, so lag doch schon ein leichter Schatten über der Landschaft und in Kurzem mußte die Nacht völlig hereinbrechen. ( Fortsetzung folgt.) zum juri Staatsmi der huma beamte au Abg. Notariatso Ausstattun usw. Geh. fation des fich haupt uno die y Sier Uhr ein. * 999 Heinen G Todestage niederschlo RB. der Reid nebenftel tehr eröf * geftern Kirchenp Räder d Bein. dem Fuhr menge hat * G legten ord * der Reing betragen 1. zur Unterstüt 200 M zahlten wurden allem di ftrichen Grund de wodurch von 1/4 12 500 wurden 9 anidblag mit 3360 waltungs Gießen, Pfarrer wurden Wegzug Herren Sabenid Steinba der hi des Vo Aktionä * * des Ver fchlecht t nicht gefa einer im von Herr nehmen, d Ober E 4 Ne Fra Oe D Ernst L Lud 된다. canditiftungsver Misfitno untermber v.. dem nfafie entwendet, lufforderung des Morgen durch 27. Lebensjahre ie Angelegenheit luffehen herbor t Wallburg, der den Titel eines d noch einmal, genheit geboten, Die Anklage hn wegen Ver unter Antlage ifel in Laibag n die angebliche burg geborene rzog Ernit einge ernährt sich zur ger Stadtrat erdort fünftighin Den Straßen und fichten berboten rhosenhändler.] n Zürich iſt die veil er, um sich isten der Stadt ir die Polizisten h; Dr. Happold ug fie der Firma im Bolizeibud, Müller u. Klarer pold hat aber die rma, Frl. Klarer, Mitgift auch die t. Außer Unter , Gemüse u. f. tv. hosen ein König; nterhofen macht", t noch die Frage. Schlosse Circhel in nd in dem hohen n englischen Ver chöpfer der Jagd. r ebenso wie seine deshalb mit Eifer nigstens reichliche eigenen Revieren, litt er nicht, daß wurden diese Re Fitte für die Ver hatte er sich eine Camen„ Die weiße ährlich von vielen e sich auf dieser , weiße Hunde, nd Mäuse. Lord mit dem er ver ellung für Moor feierlich eröffnet. iner längeren Rede raris und Wissenbarmachung der beiten. Auf den ren, wo Jahr aus scholl, sieht man elungen, bewohnt en Bevölkerung einst faum die sstellung sei des en Tatkraft, die beit verborgene geblieben, daß hm der Förster er alles daran zu werden. Da des Nachts dem n Tiophel, gegen tte gegenüber in dann auf eine fangen. und die Büchse s Achfel gehängt. he hatte er in Kittel an der bertrieb er sich des Wildhirten : entfernte, um ihm der alte De, so daß ihn der Lehmkaut Hessischer Landtag. Darmstadt, 24. Februar 1903. Dritter Präsident Reinhart eröffnet die Sigung 9 Uhr 15 Minuten. Die Spezialberatung des Staatsvoranschlags wird fortgesetzt bei der IX. Hauptabteilnng, Ministerium der Juſtiz. In der Generaldebatte äußert Abg. Dr. Gutfleisch Wünsche auf rasche Erledigung der Geschäfte des Oberlandesgerichts und spricht der Großh. Regierung Anerkennung und Dank aus für ihre Inittative wegen der Entschädigung unschuldig Berhisteter. Abg. Dr. Schmitt schließt sich diesem Dank an und äußert Wünsche wegen des Mainzer Justizpalastes, Vorbildung der juristischen Beamten und ebenso wie Abg. Dr. Gutfleisch, Herstellung des Friedens auf dem Gebiet des Grundbuchwesens usw. Abg. Cramer führt Beschwerde, daß man in einem Falle, wo es sich um Beitreibung preußischer Gerichtskosten gehandelt habe, seine Rechte als Abgeordneter verlebt hab. Abg. Wolf äußert Bünsche in Bezug auf das rundbuchwesen, Rechtsbelehrung der Schöffen u. s. w. Abg. Noack tommt auf die Berechtigungsfrage der höheren Schulen zurück. Justizminister Dr. Dittmar begründet in längeren Ausführungen den Standtpunkt der Regierung, daß an der Zulassung zum juristischen Studium nichts geändert werden solle. Staatsminister Rothe spricht sich ebenfalls für Beibehaltung der humanistischen Vorbildung für Juristen und Verwaltungsbeamte aus. Abg. Leun tritt für Verminderung der Grundbuchs undNotariatsgebühren ein. Abg. Reh will u. a. eine bessere Ausstattung der Amtsgerichtsbibliotheken, Rechtanwaltszimmer usw. Geh. Justizrat Lorbacher äußert sich über die Organisation des Gerichtstassenwesens, während Abg. v. Brentano sich hauptsächlich über Mißstände im Vorverfahren verbreitet uno die verschiedenartige Anwendurg des§ 416 bemängelt. Hierauf tritt Vertagung auf Donnerstag, vormittag 9 Uhr ein. Lokales. 25. Februar 1904. ** Wie verlautet, hat der Großherzog alle die sog. fleinen Geld- und Haftstrafen für Vergehen, die an dem Todestage der Prinsessin Elisabeth zur Anzeige famen niederschlagen lassen. RB. Am 9. März wird in Schöningen eine von der Reichsbankstelle in Braunschweig abhängige Reichsbanknebenstelle mit Kasseneinrichtung und beschränktem Biroverfehr eröffnet werden. ** Ueberfahren wurden von einem Omnibus gestern Nachmittag gegen 4 Uhr zwei Kinder auf dem Kirchenplatz in Gießen. Einem der Kinder gingen die Räder des Wagens über beide Beine, dem anderen über ein Bein. Die Verlegungen sollen nicht ernster Natur sein und dem Fuhrmann feine Schuld treffen. Eine große Menschenmenge hatte sich auf dem Unfallplaz eingefunden. * * bon im Vorjahr, ausgeliehen sind, die erzählende Literatur+ Ems, 24. Febr. Die Industriellen des unteren ( Romane, Novellen 2c.) hat sich auf der alten Höhe erhalten, Lahnbezirks genehmigten gestern das mit dem Lahnkanalwährend die Benutzung von Werken belehrenden Inhaltsverein abgeschlossene Kompromiß, wonach sie dem Verein zugenommen hat. Die Zahl der Leser ist so groß, daß der beitreten und für ihn wirken. Sie erklären sich einverstanden, Raum zeitweise nicht ausreicht um alle zu fassen; von daß die Lahn bis nach Gießen für Schiffe bis zu 300 morgens 10 Uhr bis abends 10 Uhr ist der Saal niemals Tonnen Tragkraft kanalisiert werde, vorausgesetzt, daß sich leer. Der Verein zählt 450 Mitglieder, welche ca. 1450 für das neue Projekt des Baurats Röder die Rentabilität Mark zahlen. An Zuschüssen erhält der Verein von der der Strecke Weilburg Gießen nachweisen läßt. Mitgeteilt Stadt Gießen jährlich 400 Mt. vom Kreis Gießen 150 Mt., wurde, daß Hessen bereit ist, außer seinem Kostenteil auch von der Spar- und Leihkasse 300 Mt. und für den Verkauf noch einen Beitrag für das preußische Gebiet zu leisten, von Lesekarten 300 Mt. Ausgaben stehen dem gegenüber: wenn bis nach Gießen fanalisiert wird. 1000 Mt. für Besoldungen, ca. 850 Mt. für Beitungsabonnements und Bücheranschaffungen und ca. 550 Mt. für Buchbinderarbeiten. Dr. Ebel legte einen Andruck des von der Bibliothekarin, Frl. Dingeldeyn, im Interesse der Sache aufgest Uten Katalog vor, der sämtliche 5550 ände der Lesehalle geordnet und übersichtlich aufnehmen soll. Die Versammlung beauftragte den Vorsitzenden Frl. Dingel deyn für das im Interesse der Sache gebrachte Opfer an Zeit und Mühe den Dank des Vereins auszusprechen. Die Borstandsmitgliedern wurde Dank für ihre bisherige aufBorstandswahl ergab die Wiederwahl des bisherigen. Den opfernde Tätigkeit ausgesprochen. Spar- und Leihkasse Gießen. Aus der letten ordentl. Haupt- Versammlung dürfte interessiren, daß der Reingewinn der Kasse im letzten Jahre 31 486,91 Mk. betragen hat, der wie folgt Verwendung gefunden: 24395,97 Mt. zur Erhöhung des Reservefonds, 6190,48 Mt. zu Unterstüßungen, 700 Mt. zur Prämiierung von Dienstboten, 200 Mt. zur Bräuniierung von Sparern. Die bisher gezahlten Unterstützungen für Anstalten 2c. im Sparkassenbezirk wurden zumeist auf die Hälfte ermäßigt, viele wurden, vor allem die auswärtigen Unterstüßungen wurden ganz gestrichen und neue Gesuche unberücksichtigt gelassen. Als Grund dafür wird die Ermäßigung des Zinsfußes bezeichnet, wodurch die Kasse ein halb Jahr nur mit einer Zinsspannung von 4 Prozent gearbeitet, was einen Ausfall 12 500 Mt. verursacht habe. Für die Pfennigsparkasse wurden 900 Mt.( früher 1100 mt.) bewilligt. Der Voranschlag für 1904 schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 3 360 695,21 Mt. ab. Die durch Los aus dem Verwaltungsrat ausscheidenden Herren Stadtv. Emil SchmallGießen, Bürgermeister Horn- Annerod, DefanStrack- Leihgestern, Pfarrer Scriba- Alten- Buseck und Prof. Dr. Buchhold- Gießen wurden wiedergewählt. An Stelle der durch Tod oder Wegzug ausgeschiedenen Sparkassenvertreter wurden die Herren Buchhändler E. Balser- Gießen, Kaufmann Fr. Habenicht- Gießen, Lehrer Wagner- Großen- Buseck, H. Haas 13, Steinbach und Johs. Weber V Lang- Göns gewählt. Bei der heff. Landeshypothekenbank beteiligt sich auf Vorschlag des Vorstands und Verwaltungsrats die Sparkasse als Aktionärin mit 45 000 mt. Lesehallen Verein. Die Generalversammlung des Vereins war leider am Dienstag Abend im Café Ebel schlecht besucht, während dies in Bezug auf die Lesehalle nicht gesagt werden kann, vielmehr erfreut sich die Lesehalle einer immer mehr zunehmenden Beliebtheit. Aus dem von Herrn Prof. Dr. Haupt erstatteten Bericht ist zu entnehmen, daß im Jahre 1903 23 264 Bände, 638 mehr als ch dem Felde zu dem Walde zu ngler oberhalb der er ganz bequem onnte, was der vürde. westlichen Berge par, so lag dod Landschaft und reinbrechen. Fortfegung folgt) (!) Wetterdienst. Wir werden gebeten, folgendes mitzuteilen: Es werden hiermit besonders die Landwirte auf die vom 1. April d. J. ab täglich auch Sonntags erscheinenden Wetterfarten des Gießener Wetterdienstes aufmerksam gemacht. Dieselben werden auf Grund der zwischen 10 und 11 Uhr vormittags einlaufenden Depeschen der deutschen Seewarte entworfen und gelangen schon mit den Mitt gszügen zur Versendung, sodaß sie allenthalben in Oberhessen noch recht zeitig, also an demselben Tage meist schon in der Zeit von 12-2 Uhr nachmittags eintreffen. Eine größere Anzahl Bürgermeistereien Oberhessens wird die Karten durch Aushang veröffentlichen. Die einzelnen Gemeinden werden gebeten, in wichtigen Fällen, besonders während der Erntezeit, die Karten von Postanstalten abzuholen um unnötige Verzögerung in der Zustellung zu vermeiden. ** 27. Mittelrheinisches Kreisturnfest 1904. In Turnerkreisen sowohl, wie auch außerhalb derselben am ganzen Mittelrhein und den Nachbarstädten wird es gewiß von Intereſſe ſein, zu erfahren, daß die Vorarbeiten für das Fest in Koblenz in vollem Gange sind. Die Festtage sind für den 6.- 10. August in Aussicht genommen. Wer sich des großartig verlaufenen, 1890 in Coblenz stattgefundenen Turn- und Volksfestes erinnert, wird sicherlich auch diesmal der rheinischen Residenzstadt, der Perle am Rhein, seinen Besuch in Aussicht stellen. Wir werden von Zeit zu Zeit nähere Mitteilungen über die geplanten Festlichkeiten unsern Lesern bringen. Aus dem Gerichtssaal. Straffammer. Gießen, 23. Februar 1904. überfiel eines Abends den mit ihm verfeindeten Valentin Der Steinbrecher Heinrich Kern von Wallenrod Geißler und brachte ihm verschiedene blutige Verlegungen bei. Vom Lauterbacher Schöffengericht dafür zu einer 2 Die heutige Verhandlung lieferte feinen andern Beweis als monatligen Gefängnisstrafe verurteilt verfolgte er Berufung. die frühere, weshalb Rückweisung der Berufung erfolgte. Vor Eintritt in die Hauptverhandlung nahm der Dachdecker Paul Müller von Göttingen sein gegen ein Urteil des Schöffengericht Gießen eingelegte Berufung zurück. Gegen den Barbier Mor Rüger zu Gießen wurde unter Ausschluß der Deffentlichkeit verhandelt. Aus der Urteilsbegrüdung ist zu entnehmen, daß der Angeklagte ein unbescholtenes Mädchen unter 16 Jahren zu folgenschweren Unsittlichkeiten verführt hat, weshalb auf 6 Monate Gefängnis erfannt wure. *** Viehmarkt Gießen. Der dieswöchentliche Markt hatte einen Vorrat von 1567 Stück Großvieh, 350 Kälber und 132 Schweine. Der Vorhandel in schweren Milchfühen war ausgezeichnet, auch herrschte am Markt selbst für gutes Milchvieh lebhafte Kauflust. Seit Jahren das erste Mal wieder waren Norddeutsche Stäufer an unsern Markt gekommen und tauften einen größeren Posten Ware zusammen, dafür hohe Preise anlegend. Der Auftrieb auf dem Markt war erst um 10 Uhr beendet. Die Preise für gutes Milchvieh waren hoch, mittlere und geringe Ware wurde weniger gut bezahlt, weil der vorhandene Vorrat in diesen Sorten, die Nachfrage bedeutend überſtieg. Beim Fettviehhandel fehlte der rechte Zug, doch fonnten sich bei langsamen Geschäft in Rindern und fetten Kühen, bei dem knappen Auftrieb die Preise des letzten Marktes halten. Für schwere und mittlere Ware Kälber war starter Begehr nach Frankfurt a. M. und Wiesbaden, wobei das Eingreifen der Gießener Megger in das Geschäft zu Wege brachte, daß die Preise bedeutend höher gingen als am letzten Markt. Der fleine Vorrat in Gangochsen bestand in der Hauptsache aus schweren Baren, welche bei langsamem Geschäft sehr teuer an den Mann gebracht wurden. Der nicht nennenswerte Auftrieb in Schweinen wurde, ohne daß sich darum ein eigentlicher Handel entwickelt hatte, geräumt. Gehandelt wurden per Stück: Kühe frischmelkend und tragend 1. Qual. 430-480 Mt., einzelne Tiere bis 500 M. 2. Qual. 325 big 380 Mt. 3. Qual. 260-300 Mt. Verkauft wurden der Ctr. Schlachtgewicht: Fette Rinder, 1. Sorte 63-65 Mt. 2. Sorte 59-61 Mt. Fette Kühe 48-52 Mt. Kälber 1. Qual. 74-78 Mt. 2. Qual. 68-72 Mt. 3. Qual. 60-64 Mt. Gangvieh wurde abgesetzt per Par schwere Ware 850-950 Mt., einzelne Pare etwas über 1000 Mt., mittlere Ware 720-800 Mt., leichtere Tiere fehlten am Markt. Ueberständig blieben erheblich Milchfühe in geringerer und leichter Mittelware. Nächste Markttage: 15. März Zuchtvieh- und Kälbermarkt, 16. März Gangviehund Schweine- sowie Krämermarkt. Aus dem südlichen Odenwalde, 23. Febr. Die seit einiger Zeit im diesseitigen Gebiete herrschende Wildschweinplage veranlaßte neuerdings die maßgebenden Behörden zu strengen Vertilgungsmaßregeln. Oberbessische Dampf- Färberei u. chemische Wäscherei Braubach& Fischer 4 Neuenweg 4. Frankfurt a. M. Oederweg 38. Darmstadt Ernst Ludwigstrasse 17. Mainz Ludwigstrasse 8. LUDWIG GROS Giessen. VON HESSEN & GEWERBE INDUSTRIE PREIS MEDAILLE 16481 BUTZBACH OBERHESSISCHE 1898 9 Höchste Auszeichnung AUSSTELLU zuerkannt für vorzügliche Arbeiten. 4 Neuenweg 4. Coblenz Firmungsstrasse 4-6. Offenbach a. M. Frankfurterstrasse 31. Butzbach O/ H. Fabrik gegründet 1848. Gestern Mittwoch u. heute Donnerstag eingetroffen in tadellos frischer Ware Schellfisch, groß, mit u. ohne Kopf Cablian, Portioussisch Bratschellfisch Schollen " Gebr. Berdux Don Zum Schlusse wurde die Berufung des Heinrich Dambman Ruding shain, welcher auf Privatklage des Johannes Greb III. von Hopfmannsfeld vom Lauterbacher Schöffengericht mit einer Geldstrafe von 10 Mr. belegt worden ist, fostenpflichtig abgewiesen. Gießen. Bahnhofstraße 27, Lindenplatz 12. Mittlerer Stod, Bleichstraße 11, 5 Zimmer mit allem Zubehör, Gartenanteil, so= wie Trockenboden, zu vermieten. Näh. Gießen, Neuenweg 28. Schöne Wohnung, ( 4 Zimmer), mitten der Stadt ge= legen, preiswert zu verm. Näh. in der Erp. d. Bl. Neueste Nachrichten. Ueber Berlin wird uns folgendes gemeldet: Petersburg, 25. Febr. Ein Telegramm des Statthalters Alexejew an den Baren über den abgeschlagenen Angriff der Janpaner aus Port Arthur lautet: Am 24. d. M. um 23/4 Uhr früh machte der Feind einen Versuch,„ Retvisan" mit mehreren Topedobooten anzugreifen und in der Hafeneinfahrt große mit Explosivstoffen gefüllte Dampfer zu versenken. Retvisan bemerkte die Torpedoboote alsbald und eröffnete ein heftiges Feuer auf sie, wobei er von der Hafenbatterie unterstützt wurde. Zwei der japanischen Dampfer, die direkt auf den„ Retvisan" losfuhren, wurden am Hafeneingang vernichtet. Der eine lief direkt auf den Leuchtturm auf, der andere sank an einem Berge. Das Feuer gegen die Torpedoboote wurde fortgesetzt. Bei Tagesanbruch sah man auf der Rheeke vier zerstörte Dampfer und acht Torpedoboote auf der Flucht zu den sie auf offener See erwartenden Schiffen. Die Mannschaften der Dampfer waren dabei, sich in Boote zu retten. Ein Teil der ertrunkenen Mannschaft ist vielleicht von den feindlichen Torpedobooten aufgesammelt worden. Ich lasse die Küste absuchen. Die Hafeneinfahrt ist frei. Ich schreibe die Vereitelung des feindlichen Planes dem brillanten Widerstande und dem vernichtenden Feuer des„ Retvisan" zu. Ein japanischer Dampfer brennt noch. Weiheiwei, 24. Febr. Vier japanische Schlachtschiffe und die neuen Kreuzer passierten heute ostwärts steuernd. ( Also von Port Arthur kommend. D. Red.) Tokio, 24. Febr. Berichte der lokalen Banten zeigen, daß die nationale Kriegsanleihe von 100 Millionen Yen fast viermal gezeichnet worden ist. Selbst Diener und Arbeiter haben sich an der Zeichnung beteiligt. Marktberichte. Girken, 25. Februar. Auf dem heutigen Wochenmarkt lofteten Butter per Pfd. 0.95-1.00 wt., Hühnereler 2 Stüd 12-14 Pfg., Enteneter St. 8 Bfg., Käse per St. 6-8 Pfg.. Käsematte 2 St. 5-6 fg., Erbsen ver Liter 21 Pfg., Linsen per Liter 32 Bfg., Tauben per Paar . 0.80-1.00, Hühner per Stüd Mt. 1.30-1.40, Hahnen, per Stüd 0.80-1.70, Enten per Stüd 1.70-2.20, Gänse per Pfd. 65-70 Pfg., Ochsenfleisch per fb. 68-78 fg., Rindfleisch per Pfd. 62-68 Pfg. Schweinefleisch per Bfb. 60-72 Pfg. Schweinefleisch gesalzen per Pfund 0.76 Bfa., Kalbfleisch per Pfd. 64-66 Pfg., Hammelfleisch per Pfd. 60-70 Bfg.. Kartoffeln pro 100 kilo 5.50 6.00 m., Zwiebeln ver 3t. Mr. 7.00-10.00, Alepfel per Centner 20-25 Mr. Milch ver Liter 18 Vfa. Dauer der Marktzeit vo n 8 Uhr morgens bis 2 Uhr Nachmittags. Gegenstände des Wochenmarktverkehrs dürfen vor Beginn der Marktzeit übeerhanp nicht, und während der ersten drei Stunden der Marktzeit im Umherziehen feilgeboten werden. Berantwortlich: für den politischen und Inseratenteil: Albin Klein für das Lokale, den„ Gerichts." und" Deffentlichen Sprechfaal": Fr. Oppermann llow ☛ Für Weinbezug! Unter aller Garantie naturreine, flaschenreife Weissweine, per Liter oder Flasche von 60 Pfg. an, Botwein( echter Ingelheimer) Lit. od. ,, 100" " versendet in Gebinden von 25 Liter und Kisten 18 Flaschen an دو VOR P.Chr. Saalwächter, Weingutsbesitzer, Nieder- Ingelheim a. Rh. Schlachthaus, 000 ute. Morgen gefalz. Etterfleisch 40% fg. Morgen: Fafelochs 40, Schweienefl.50ẞfg. Bekanntmachung. Die Rechnung der Armenkasse Gießen für 1902/03 liegt acht Tage lang zu Jedermanns Einsicht auf dem Armenamt, Neuen- Bäue 25, offen. Gießen, den 23. Februar 1904. Die Armen- Deputation der Stadt Gießen. Curschmann, Bekanntmachung. Stadt- Theater Gießen. Direktion: Steingoetter. Freitag, den 26. Februar 16. Freitag= Abonnements- Vorstellung. Die Brotlieferung für die Stadtarmen soll auf Ein Failissement. Beschluß der Armendeputation nicht für die Zeit vom 1. April 1904 bis 31. März 1907, sondern für das Rechnungsjahr 1904/05 bergeben werden. Gießen, den 24. Februar 1904. Armenamt Gießen. Curschmann. Bekanntmachung. Die am 11. I. Mts. angeordnete Sperre der Wolkengasse wird aufgehoben. Gießen, den 20. Februar 1904. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. Contentia ( Wohlthätigkeitsverein Gießen). Samstag, den 27. Febr., Abds. 8½ Uhr beginnend Herren( Schieß)-Abend auf der„ Schönen Aussicht". Sonntag, den 28. d. Mts. Ausflug nach Klein- Linden. Schauspiel in 4. Aufzügen von Björnstjerne Björnson. Aus dem Norwegischen von Wilhelm Lanae. la. Braunschweiger Gemüse- Konserven Ia. junge nittbohnen per 2- Pfd. D. 29 Pfg. 35 " Ia" junge Wachsbohnen 2- Pfd.- D 43 Bfg. Ia. junge Brechbohnen 2- Pfd.- D. 82 Pfg. Suppenerbfen Gemüseerbien 2 Big. 45 Pig. junge Gemüse- Erbsen 2 Pfd. 55 Pfg. junge Erbsen 2 Pfd. 65 Pfg. Ia. do. do. fein 2 Pfd. 95Pfg. la. do. extrafein 2 Pfd. 1,30 ME. Ia. Kaisererbsen, feinste Siebung 2 Pfd. 1,50 Mt. Stangensparnel, dünn ca. 40 Stangen, 2 Pfd. 1,10 Mt. Stangenspargel ca. 34 Stangen, 2 Pfd. 1,35 Mk. do. fein, ca. 28 Stangen, 2 Pfd. 1,70 Mk. Richard Buchacker. Gg. Carl Volk. Nächste Geld- Lotterie á 1 Mk. Ziehung schon 5. März 1904. d.Gross. Geld- Lotterie d. Bad. Landesv. v. Roten Kreuz Il Lose 10 M. Prt.u L.25Pfg. Los nur 1 Mk. Auszahlbar bar ohne Abzug 3388 Geldgew. bar zus. M. 44000 Hauptgew. 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Sochinteressant ist es nun, daß noch lange Jahrtausende später wieder ein Beweis für die unglaubliche Beharrlichkeit des menschlichen Geiſtes— die Menschheit auf ihren Kochgeschirren außen jene Oramente anbrachte. die ursprünglich nebensächlich durch das Flechtwerf erzeugt waren. Erst sehr viel später lernte man Tongeschirre freihändig oder mit Hilfe der Töpferscheibe formen, und auch bei diesen Longeschirren blieb bis fast in unsere Tage die Kürbisschale das Vorbild. Mit der Erfindung solcher brauchbaren Kochgeschirre aber wurde auch die Ernährung des Menschen eine wesentlich andere; die neue Erfindung kommt vorzugsweise der Pflanzennahrung zugute. Die Zeit des Breies bricht heran, und ,, das Ideal der Küche st hinfort", wie Lippert betont, der Mehl- oder Gemüsebret mit der Zutat von Fett und Fleisch und der Würze von frischen Vegetabilien, von Salz oder einer Süßigkeit. Alles das hatte der Mensch bis dahin vereinzelt und zeitweilig genossen, indem ihm das Uebermaß der einen Speise immer das Bedürfnis nach einer anderen weckte; jetzt sollte in einem ordentlichen Hause das alles wohl gewogen und geteilt auf einer Schüssel erscheinen, eines die Würze des anderen sein." WITZ UND HUMOR Passende Modelle. Herr( zum Panoptikumbesizer):„ Was sind denn das für Herren, die im Mißgeburtenkabinett herumzeichnen?" Besitzer:„ Das sind moderne Maler bie machen Studien!" - Seine Auffassung. Mutter:„ Herr Referendar, ich kann es aber absolut nicht mehr dulden, daß Sie jeden Morgen mit meiner Tochter allein spazieren gehen!"- Referendar:„ Gnädige Frau.. abends habe ich aber wirklich keine Zeit!" * Unter Juristen. Vater der Braut:„ Eine Mitgift kann ich meiner Tochter leider nicht geben!" Bewerber( erschreckt): „ Aber die Hochzeitsreise, die Trauung Vater der Braut: „ Das ist selbstverständlich, die Koſten des Verfahrens trage ich!" Die Xanthippe. Mein Mann hat nicht weniger wie zwölf Paar Stiefel!" Um Gottes willen, wo verstecken Sie die denn alle, wenn er abends ausgehen will?" Begriffsverwirrung. Lehrerin( in einer höheren Töchterschule): Fräulein Erna, können Sie mir sagen, welche Einrichtung in unserer Zeit wohl am meisten zur Aufklärung beiträgt?" Fräulein Erna( schmachtend):„ Die Kavalierie." Gemütlich. Raiser Joseph II. von Desterreich kam einmal nach Warasdin. Das Volk eilte herbei, um ihn zu begrüßen, in der Menge war auch ein Dorfschulze von riesenhafter Größe. Joseph hatte Wohlgefallen an ihm und hieß ihn näher kommen. Leutselig fragte er ihn im Hinblick auf seinen Wuchs, wieviel Schuh er habe. Der gute Schulze besann sich nicht lange und sagte mit freundlicher Offenheit:„ Zwei Paar, Herr Kaiser, ein Paar Stiefel und ein Paar Schuhe."" Schön," sagte der Kaiser, der über das Mißverständnis herzlich lachen mußte, da sind noch 3 Dukaten für ein Paar Pantoffel." Etwas gewagt. Hauptmann( der einen Knopf vor der Front findet): Zum Donnerwetter, wer hat sich denn hier- ausgezogen?" Auf Umwegen.„ Wie, Hans, Du hast eine Stunde Arrest bekommen? Warum?"„ Weil der Eduard Lang sich gebalgt hat!" -„ Deshalb hast Du doch nicht Arrest bekommen?" denn gebalgt?" „ Mit mir!" " Doch, Papa!"-" Ja, mit wem hat der Eduard Lang sich Rücksichtslos. Ein Universitäts- Professor, der sehr kurzsichtig ist, steigt auf das Katheder und beginnt seine Vorlesung. Erst nach Verlauf einer Viertelstunde bemerkt er, daß er sein Kolleg vor leeren Bänken hält. Da klappt er seine Manuskripte wütend zu indem er ausrust:" Das niemand in meinen Hörsaal kommt, ist schon ärgerlich, aber daß mich auch keiner darauf aufmerksam macht, das ist geradezu rücksichtslos!" * Teicht erklärlich. Leutnant Schneidig von der Artillerie ist mit Leib und Seele Soldat und ein großer Verehrer seiner Waffe; natürlich auch junger Damen. In einer Gesellschaft sucht er diese beide Neigungen zu vereinigen, indem er einem Kreise anmutiger Mädchen von den neuesten technischen Fortschritten erzählt. Seine holden Zuhörerinnen vermögen den gründlichen Auseinandersetzungen nur mäßig zu folgen. Endlich bemerkt ein Fräulein ein wenig spitz: " Sie haben uns schon viel erklärt; bitte, jetzt sagen Sie uns aber auch, warum die Artillerie gerade eine Heilige, die h. Barbara, als Schutzpatronin verehrt. Warum nicht einen Krieger, etwa den heiligen Martin?"" Gnädiges Fräulein," antwortet Schneidig, ,, das hat seine tiefe Begründung, Frauen und Kanonen haben stets das letzte Wort." Protest. Kranker Trinker:„ Was, an mir soll nichts mehr gesund sein hat der Arzt gesagt? Und dabei habe ich doch einen sehr gesunden Durst." Im Dusel. Student( früh um sechs Uhr beim Sonnenschein, als er das Schlüsselloch nicht findet, zu einem Passanten):„ Entschuldigen Sie, haben Sie vielleicht ein Zündhölzchen?" Die erste Soiree. Moritz, wirste de Gäste auch können genügend unterhalten?"" Wie haißt unterhalten.... steht doch so vieles und faines auf dem Tische, daß se werden gar nich kommen zum Reden." Heimgezahlt. Der berühmte Gast, Herr X., quält seine Provinzkollegen auf der Probe mit zahllosen Wünschen und Vorschriften.„ Bei dieser Stelle hier" sagte er z. B. zum Intriguanten-„ habe ich eine sehr wirkungsvolle Nüance. Ich versetze Ihnen einen energischen Fußtritt. Das wird Sie doch hoffentlich nicht genieren?"" I bewahre!" antwortete ihm der Intriguant,„ nicht im geringsten!" Gleich unmittelbar darauf habe ich eine ähnliche Nüance. Ich gebe Ihnen nämlich für den Fußtritt eine riesige Ohrfeige! Das wird Sie hoffentlich auch nicht genieren!“— Moderne Abmachung. Fräulein Doktor:„ Also abgemacht, lieber Bräutigam: das eine Jahr ernährst Du das andere ich unsere Familie." Leicht gesagt. Vater( aus dem Mittagsschlaf auffahrend): ,, Um Gottes willen, Kinder seid ruhig; es ist ja nicht zum Anhören mit Gurem Lärm!" Karl:„ Dann schlaf doch wieder ein, Papa!" Der Tierfreund. Junge Dame, einem Bruder Studio ihren Goldfisch Teich zeigend:" Sehen Sie' mal die niedlichen Tierchen! Sind Sie nicht auch ein Freund dieser hübchen Wasserbewohner?"- Student:" Oh sicher, gnädiges Fräulein. Ich halte mir stets einige saure Heringe zu Haus!" Wie unpraktisch! Ich begreife gar nicht, wozu der junge Doktor ein Wartezimmer braucht, er kann doch auf seine Patienten ebensogut in seinem Studierzimmer warten." Schlau.„ Aber, lieber Freund, wie bist Du nur im Stande gewesen, ein so großes Vermögen zu erwerben?" ,, D, auf sehr einfachem Wege."- ,, Kann man den nicht erfahren?".„ Gewiß; als ich noch arm war, stellte ich mich reich, und als ich etwas erworben hatte, stellte ich mich stets arm. So hatte ich zuerst Kredit und dann den Vorteil, nicht angeborgt zu werden." Höchst wunderbar. Schülerin( von ihrem Geschichtsbuch aufsehend): Was ich von der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus durchaus nicht begreifen kann, ist, woher er gewußt haben kann, daß es gerade Amerika ist, welches er doch nie zuvor gesehen hat. Nr. 44. Donnerstag den 25. Februar 1904. Oberbessische Familienzeitung. Tägliche Unterhaltungs- Beilage bet Gießener Neueste Nachrichten. Bud and Beslag ber tubemez Berlagsbandsret, serm. Bil. Reller'iche Barndesst( gegs. 1788); ventes ( 7. Fortsetzung.) Der Goldmarder. „ Die Gnade Eurer Durchlaucht Original Roman von M. Bezold. ,, Lassen wir das, mein Lieber, soll mich freuen, wenn Sie nur Freude an Ihrem Sohne erleben, weiß leider, wie viel Merger ein Sohn seinem Vater machen kann. Werde meinen nach Wien schicken in ein österreichisches Regiment, soll sich dort die Hörner ablaufen." „ Durchlaucht dürfen auch nicht jedes Wort glauben, das von allzu diensteifrigen Zungen hinterbracht wird Weiß, weiß!" fuhr der Fürst mit einer energisch ablehnenden Handbewegung fort, fann uneigennützige Diener von charakterlosen Strebern unterscheiden, brauchen mich nicht zu warnen, urteile nie nach Behauptungen, sondern nur nach Tatsachen.— Also Sie wissen, was ich wünsche, sorgen Sie für die Erfüllung meines Wunsches, und Sie dürfen auf meinen Dank rechnen." Ein gnädiger Handwink verabschiedete den Hofrat, der sich mit einer tiefen Verbeugung entfernte und erleichtert aufatmete, als er wieder im Vorzimmer stand. Der Minister des Hauses, einige Kammerherren, Hofbeamte und Offiziere standen hier leise flüsternd in Gruppen beisammen; die Blicke aller richteten sich fragend und erwartungsvoll auf den Hofrat, der mit lächelnder Miene und gedämpfter Stimme erklärte, Seine Durchlaucht seien heute sehr gnädig gelaunt. Alfred, der allein in einer Fensternische stand, lächelte ungläubig und gab dem Hofrat kaum merkbar ein Zeichen, das diesen bewog, näher zu treten. Sehr gnädig?" fragte er ironisch. " Ich gebe Ihnen die Versicherung-" ,, Na, dann bricht sogleich der Sturm um so gewaltiger aus. Wissen Sie schon, daß der Erbprinz vom Hofe verbannt ist?" „ Er geht nach Wien, um in ein öſterreichisches Regiment einzutreten." ,, Hat Durchlaucht Ihnen das gesagt?" " Jawohl." Aber er verschwieg Ihnen wohl, daß der Erbprinz von jeden ausgegebenen Groschen Rechnung ablegen muß?" einem sehr strengen Vormund begleitet werden soll, der über „ Und woher wiſſen Sie das schon?" fragte der Hofrat erstaunt. Nun, wir haben auch unsere Quellen!" lachte Alfred, dann eilte er in das Kabinet, in das die Glocke ihn wieder rief. Mit gedankenvoller Miene verließ der Hofrat das Schloß; von dem Sturme, der nun nach der Anschauung des Adjutanten im fürstlichen Kabinet ausbrechen sollte, mochte er nichts wiſſen, er selbst hatte oft genug ein solches Gewitter über sich ergehen lassen müssen, in solchen Fällen schonte der Fürst niemand. Der alte Herr schlug den Weg zur Villa Sabinens ein, es war nun Ehrensache für ihn, den Wunsch des Fürsten so rasch als möglich zu erfüllen. Wenn Sabine v. Derendorf bereit war, sich mit dem Direktor zu verloben, wenn ferner Irma Spangenberg sich mit seinem Sohne verlobte, dann brach für den Hofrat eine Ila iein (( Nachdruck verboten. neue Aera an, die ihm sorgenfreie und genußreiche Tage versprach. Der Fürst mußte sich dankbar bezeigen, der Titel eines Geheimen Hofrats nebst einem hohen Orden war das Geringste, was er fordern durfte, Joachim Spangenberg konnte sich nicht weigern, seiner Tochter eine namhafte Morgengabe auszusetzen, die es dem Hofrat möglich machte, seine Gläubiger zu befriedigen, Ottokar wurde Hofmaleres lohnte sich wahrlich der Mühe, der Lösung dieser Aufgabe seine ganze Kraft zu widmen. Leicht war sie nicht, darüber gab der alte Herr sich keiner Täuschung hin, er sah voraus, daß er bei Sabine auf Widerſtand stoßen würde, immerhin war für sie die Verbindung mit Joachim Spangenberg eher eine Erniedrigung als eine Erhöhung. Vielleicht urteilte der Fürst über Frau v. Gagern richtig, konnte sie als Verbündete gewonnen werden, so war damit ein weiter Schritt vorwärts getan. Die beiden Damen waren im Boudoir, als der Hofrat angemeldet wurde, der den freundlichsten Empfang fand. Sie bringen uns hoffentlich manche interessante Neuigkeit," sagte Sabine, nachdem er in einem Sessel Platz ge= nommen hatte, das Leben in dieser kleinen Residenz wird immer langweiliger, ich beabsichtige in allem Ernste, mich auf meine Güter zurückzuziehen." Doch wohl nicht vor dem nächsten Frühjahre?" fragte der Hofrat mit einem verstohlen forschenden Blick auf die Baronin, die mit ihrer gewohnten leidenden Miene auf dem Divan saß und mit dem Taschentuch über ihre Stirne fuhr. Ich wüßte nicht, was mich daran hindern könnte." „ Die Wintersaison hat hier ja noch nicht begonnen ,, Und wenn sie beginnt, was wird sie bringen? Oper, Schauspiel, Konzert, Schauspiel, Konzert, Oper, vielleicht einige Schlittenpartien, das ist alles. Das ewige Einerlei wirft ermüdend, ich hab's satt." Und was finden Sie auf dem Lande?" ,, Natur." ,, Die man im Winter nur aus dem Fenster betrachten kann," sagte der Hofrat achselzuckend.„ Sie haben vorhin unſere Hoffeſte vergessen, gelten sie Ihnen gar nichts?" Ich komme nicht mehr an den Hof," erwiderte Sabine gleichgültig ,,, man wird mich auch dort nicht vermissen." „ Das ist ein Irrtum, gnädiges Fräulein, Durchlaucht sprach noch vorhin davon, wie sehr es ihn freuen würde, Sie wieder bei allen Festlichkeiten zu sehen." Nun, diese Freude werde ich ihm schwerlich bereiten," lachte Sabine, ohne den ernsten, verweisenden Blick ihrer Tante zu beachten. Mauerblümchen spiele ich nicht gerne, ſo lange ich noch jung bin. Oder glauben Sie auch, ich habe das Alter schon erlangt, in dem man auf alle Freuden der Jugend verzichten muß?" Sie werden doch nicht glauben, gnädiges Fräulein, daß ich diese Frage bejahen werde?" scherzte der Hofrat. Würde es Ihnen gefallen, Hofmeisterin der fürstlichen Prinzessinnen zu werden? Der Titel verpflichtet zu nichts, aber Nr. 48 Saus gel Monnement Contibella und bl Das Blatt für Bein Weber' den haur borgeft Liebenswürdig tragenden Ra daß solch ein licheres Geb Schon mäßig die fleir Schoppen. gezwungenes Innenräume war und w wurde. Das n feiner Sonoratiore US ei bur Ein bur Beiten des e Profeffor D fich zwanglos mahlin des Bertretern Honneurs, garten, der fich do fanglerpala lichen Eder Beit nicht f die Beigten ma Parteifärb berloren, u löst sich in Wodurch könnte ich ihn erlangen?" unterbrach ihn Sabine, der aufhorchenden Tante einen bedeutungsvollen Blick zuwerfend. " Sie werden wissen, gnädiges Fräulein, daß dieser Titel nur verheirateten Damen verliehen wird." ,, Also durch eine Heirat?" lachte Sabine, mit dem goldenen Armband spielend, an dem Edelsteine funkelten. Haben Sie schon einen Kandidaten, der sich des alten Mädchens erbarmen will?" ,, Aber- Sabine!" sagte die Baronin unwillig. ,, Verzeihung, liebe Tante, mir kommt die Sache so drollig vor. Durchlaucht ließ gestern abend bei der Besichtigung meines Porträts auch einige Aeußerungen fallen, die auf meine baldige Vermählung hindeuteten, und ich weiß in der Tat niemand, der in den letzten Jahren sich geneigt gezeigt hätte, mich als seine Gemahlin heimzuführen. Früher- ja, da habe ich wohl manches Jünglings Herz gebrochen; nun, sie werden alle sich getröstet haben, nun aber muß ich bitter dafür büßen. Indessen macht mir das keinen Kummer," fuhr sie heiter fort,„ ein freies, fesselloses Leben hat ja auch seine Reize." Bis zu einer gewissen Grenze, gnädiges Fräulein," sagte der Hofrat in warnendem Tone. Ich gebe Ihnen ferner zu bedenken, welche bevorzugte Stellung Sie an der Seite eines Gemahls an unserem Hofe einnehmen würden." In den Augen Sabinens blizte der Schelm auf.„ Ihre Worte lassen mich vermuten, daß Sie mir dies alles im Auftrage eines anderen sagen," erwiderte sie.„ Reden Sie offen, wählen Sie den geradesten Weg, die diplomatischen Winkelzüge liebe ich nicht." Der alte Herr hatte seine Dose aus der Tasche geholt, er steckte sie ebenso rasch wieder ein, es schickte sich nicht, im Boudoir einer vornehmen Dame zu schnupfen. Nun wohl, Sie wünschen es, so werde ich denn offen reden, aber ich vertraue dabei auf die Diskretion der Damen. Sie fennen Herrn v. Spangenberg?" ,, Nein," antwortete Sabine, deren Lippen flüchtig ein ironischer Zug umzuckte. ,, Den Direktor unseres Museums?" ,, Er heißt Joachim Spangenberg." „ Sehr wohl, aber sein Adelsdiplom wird in den nächsten Tagen unterzeichnet werden." ,, So, so, nun ja, ich kenne diesen Herrn, ich bin am Hofe und auch bei anderen Gelegenheiten mit ihm zusammengetroffen." „ Darf ich fragen, ob er einen günſtigen Eindruck auf Sie gemacht hat?" Das leugne ich nicht, indessen berechtigt ihn das doch nicht zu Hoffnungen, die- Verzeihen Sie, gnädiges Fräulein, daß ich mir erlaube, Sie zu unterbrechen," fuhr der Hofrat fort, ich möchte einen übereilten Entschluß verhüten, der später Reue im Gefolge haben könnte. Herr v. Spangenberg, so darf ich ihn unter uns ja wohl schon nennen, ist mein guter Freund; er hat mir vertrauensvoll mitgeteilt, daß er Sie liebe, und ich gab ihm den Rat, in dieser delikaten Frage sich Seiner Durchlaucht anzuvertrauen. Wir alle wissen, wie hoch Herr v. Spangenberg in der Gunst des Fürsten steht, und diese Gunst leicht sinnig zu verscherzen, wäre unverzeihliche Torheit. Ich sah mich in meinen Erwartungen nicht getäuscht, Durchlaucht äußerten mir gegenüber den Wunsch, daß diese Verbindung zustande kommen möge. Und daß die Erfüllung dieses Wunsches zu Gnadenbezeugungen Anlaß geben wird, brauche ich wohl nicht zu erwähnen." ,, Nein," sagte die Baronin, deren Blick nun voll ungeduldiger Erwartung auf dem schönen Antlitz Sabinens ruhte, Durchlaucht haben sich nie undankbar bewiesen. Von einem Befehl kann natürlich keine Rede sein, es ist nur ein Wunsch, dessen Erfüllung in deinen Händen ruht. Herr v. Spangen berg steht im besten Mannesalter, vor ihm liegt vielleicht noch eine glänzende Karriere, nur eines wäre auszusetzen: sein allzu junger Adel." „ Das ist ein Fehler, der mit jedem Tage sich verbessert, gnädige Frau," scherzte der Hofrat,„ überdies würde auch Durchlaucht voraussichtlich nicht abgeneigt sein, einen hohen Titel seinem Günstling als Hochzeitsgabe zu verleihen." Sabine blickte schweigend vor sich hin, das ironische Lächeln umspielte noch immer ihre etwas trozig aufgeworfenen Lippen. " Sind Sie beauftragt, eine entscheidende Frage an mich zu richten?" fragte sie nach einer Bause, während der die Baronin sich mit dem Hofrat durch Blicke daß der Fürst auf sie zählen dürfe. verständigt hatte, " Durchaus nicht," er viderte der alte Herr mit einer leichten Verneigung. So sehr erwünscht mir auch schon jetzt eine Ani ort von hren schönen Lippen wäre, halte ich mich doch nicht bereutigt, sie zu fordern, ich will das Herrn von Spangenberg überlassen. Im übrigen bitte ich Sie, gnädigstes Fräulein, auf die Wahrheit und Aufrichtigkeit der Versprechungen, die ich gemacht habe, zu vertrauen; was ich sagte, waren die eigenen Worte Seiner Durchlaucht." " Nun denn, so will ich diese Versprechungen ernst und reiflich überlegen," sagte Sabine, nun wieder den heiteren Ton anschlagend, aus dem leise Fronie Klang, ich erwarte den Besuch Ihres Freundes erst dann, wenn ich ihm ein Zeichen schicke, daß er mir willkommen ist." Der Hofrat warf der Baronin einen fragenden Blick zu, der den Wunsch erkennen ließ, daß sie ihm beistehen möge; sie schüttelte leicht das Haupt, er mußte sich also mit der Antwort, die er erhalten hatte, begnügen. " Für Sie selbst knüpft sich an die Ausführung dieses Projekts wohl die Hoffnung auf einige Gnadenbezeugungen?" fragte Sabine, während er sich erhob, um Abschied zu nehmen. ,, Glauben Sie das nicht," erwiderte er rasch, ich schäße mich glücklich, wenn ich einen Wunsch Seiner Durchlaucht erfüllen kann. Was auch könnte ich noch hoffen und erwarten? Ich bin ein alter Mann und kenne nur noch den Ehrgeiz, anderen zu dienen." " So würden Sie mit derselben Bereitwilligkeit die Güte haben, auch mir einen Wunsch zu erfüllen?" ,, Stellen Sie mich auf die Probe, gnädiges Fräulein!" " Ich wollte zu meinem Juwelier fahren, um ihm diesen Brillantschmuck zu überbringen, der gereinigt werden soll," fuhr Sabine fort, indem sie ein Etui vom Tisch nahm,„ nun aber möchte ich zu Hause zu bleiben, um ungestört über Ihre Worte nachzudenken. Wollen Sie die Güte haben, dieſes Etui dem Juwelier zu übergeben?" „ Dem Hofjuwelier Kassel?" fragte der alte Herr. Jawohl." " Nun, das ist kein großer Dienst, gnädiges Fräulein, mein Weg führt mich an dem Hause vorbei. Habe ich dabei noch einen besonderen Auftrag von Ihnen auszurichten?" ,, Nein, ich danke Ihnen, Herr Kassel weiß es bereits, daß die Steine gereinigt werden sollen. Also Geduld, Herr Hofrat. Sie werden ja begreifen, daß ich einiger Zeit bedarf, um meine Entscheidung zu treffen.“ ,, Gewiß, gnädiges Fräulein," erwiderte er, indem er ihre Hand an seine Lippen zog,„ nur möchte ich mir erlauben. nochmals darauf aufmerksam zu machen, daß Durchlaucht" " Ich weiß, was Sie sagen wollen, indessen darf auch der Wunsch des Fürsten mich nicht zu einer übereilten Entschei dung verleiten, da von ihr mein eigenes Wohl und Wehe abhängt." Der alte Herr verneigte sich schweigend und nahm mu einem vielsagenden Blick von der Baronin Abschied; m:! einem triumphirenden Lächeln auf den Lippen verließ er das Boudoir. Er war seines Sieges bereits gewiß. Sabine hatte nicht abgelehnt, die Baronin sogar dem Projekt zugestimmt, seine Versprechungen waren nicht ohne Eindruck geblieben. Die Bedenken zu widerlegen, die jetzt noch auftauchen konnten, durfte er getrost der welterfahrenen Baronin überlassen, er war überzeugt, daß Joachim Spangenberg fidi schon jetzt als den Verlobten Sabinens betrachten durfte.In dem reich ausgestatteten Laden des Juweliers fand er zwei junge Damen, die mit Kassel plauderten: da, die Schwester Martin's, eine hübsche, lebhafte Brünette, und Irma Spangenberg, eine hohe, schlanke Blondine, deren äußere Erscheinung einen wahrhaft imponierenden Eindruck machte. Beim Eintritt des Hofrats wurde das Gespräch plötzlich abgebrochen, ein ernster, fast verächtlicher Zug glitt über das Antlitz Irma's, während Martin rasch dem alten Herrn entgegenging und ihn freundlich begrüßte. Ich komme im Auftrage des Fräuleins v. Derendorf," sagte der Hofrat, indem er dem Juwelier das Etui überreichte, dann begrüßte er die beiden Damen; die kühle Höflichkeit, mit der Irma seinen Gruß erwiderte, schien er nicht zu bemerken. ( Fortsetzung folgt. Bur Urgeschichte der Kochkunst. Kulturhistorische Plauderei von Dr. A. Heilborn. ( Nachdruck verboten.) Einstweilen, bis den Bau der Welt Philosophie zusammenhält, Erhält sie das Getriebe Durch Hunger und durch Liebe. Man kann die beiden Angelpunkte, um die sich unser ganzes Dasein dreht, gar nicht bündiger charakterisieren, als es unser großer Dichter in den Versen tut, die wir dieser Plauderei als Motto vorangestellt haben. Hunger und Liebe ſind die bedeutsamsten Kulturfaktoren in dem Kampfe aller gegen alle, den wir Leben nennen. Und mehr noch als die Liebe ist der Hunger der wahre Herrscher dieser Welt: er hat Reiche gegründet und Reiche zerstört, er schuf die erhabensten Triumphe menschlichen Geistes, er führte die blutigsten Kriege. Die Mutterpflicht, die Natur so übt, ist oft unsäglich grausam. Hunger ist der beste Koch, sagt ein altes Wort, und wir müssen wohl annehmen, daß der Mensch der Urzeit, von Hunger getrieben, alles gegessen haben wird, was ihm in die Hände fiel, in gleicher Weise Vegetabilien wie Fleischkost, die Rispen der Gräser und Wurzeln der Pflanzen, den Wurm wie die Schnecke, den Fisch wie den Vogel. Ja, die Geschichte einzelner Leckerbissen deutet darauf hin, daß auch viel später noch Hunger der einzige Koch gewesen ist. Was wohl, wenn nicht der grimmigſte Hunger, hätte den Menschen dazu bewegen können, die erste Auster, das erste Salanganennest, die erste Schildkröte zu verspeisen? Und wie das Tier wird der Mensch jegliche Nahrung zunächst roh verzehrt haben, bis er in den Besitz des Feuers kam. Der Mensch ist, wie der griechische Philosoph betont, ein feuerzündendes Wesen. Ja, der Besitz des Feuers ist vielleicht der markanteste Unterschied zwischen Tier und Mensch, und das Feuer ist in gewissem Sinne die Mutter jeglicher höheren Kultur, der mächtigste Motor der Zivilisation. Es soll hier nun nicht untersucht werden, auf welche Weise der Mensch in den Besitz des segenspenden Feuers gelangte: ob es ein Funke des Blizes ihm vom Himmel brachte, wie die Prometheussage und ähnliche zu lehren scheinen; ob er es an dem glimmenden Fuß der Lava zünden lernte, wofür gleich falls viele Mythen sprechen. Genug- schon sehr frühzeitig kennt der Mensch jene Himmelskraft, und sehr frühzeitig versteht er es auch schon, Feuer zu erzeugen, sei es durch Aneinanderschlagen von Steinen, sei es durch Reiben von Hölzern, und seiner Ernährung dienstbar zu machen. Die Küchengemäße Zubereitung der Speisen hat einen doppelten Zweck: sie will die Speisen einmal schmackhaft machen, sodann aber die Nahrungsmittel in einen Zustand überführen, der den Kauwerkzeugen die Arbeit erleichtert und den Verdauungssäften möglichst große Angriffsflächen bietet. Schwerlich haben solche wissenschaftlichen Erwägungen den Urmenschen dazu geführt, seine Speisen dem Feuer zu nähern. Die praktische Erfahrung, daß das Feuer das Fleisch trocken und so haltbar mache, daß Feuerhitze die harten Hülsen trockner Samen sprenge, führten ihn dazu, und das Feuer wurde ihm zunächst ein Aequivalent für die Sonne, ein Aequivalent, daß den großen Vorteil hat, daß man die Zubereitung der Speise zu jeder Zeit vornehmen und durch Steigerung der Glut auch beschleunigen kann. Das Trocknen des Fleisches ist der älteste Zweig der Kochkunst. Geschah es ursprünglich mit Hilfe der Sonnenstrahlen oder mittelst von der Sonne durchglühter Steine, so löste doch sehr bald das Feuer die Sonne ab. Zunächst legte man wohl das zu röstende Wildbret einfach ins Feuer- und so tun noch heute die Australier, machte dabei aber die unangenehme Erfahrung, daß größere Fleischpartien durch Verkohlen rerdorben werden. Dann erhitzte man im Heuer Steine und röstete auf diesen das Fleisch, und diese Röstmethode finden mir( in mancherlei zweckmäßiger Abänderung) bei den meisten Naturvölkern verbreitet. Die Hirten im Ostsudan ' egen Steine auf das zusammengetragene Brennmaterial, auf denen sie, wenn die Lohe erloschen, das in flache Stücke geschnittene Fleisch rösten. Genau so bereiten noch heute die Samaritaner ihre Passalämmer. Die Südseevölker erhitzen die Steine in einem Erdloch; ist das Feuer heruntergebrannt, so kommt das Fleisch, in Bananenblätter gehüllt, in die Vertiefung, die nun mit Laub, Erde und Steinen zu einem Backofen geschlossen wird. Auch in Afrika und Südamerika hat man diese Röstmethode mehrfach angetroffen, und auch unseren Vorfahren war sie nicht fremd. Einerseits behielten die Nordländer, wie Lippert hervorhebt, die Gewohnheit bei, vor dem offenen Herde eine Grube in der Erde mit Asche zu füllen und in dieser zu kochen. Grue" hieß die Vorrichtung bei den Dänen, und unser Grude- Kochen" ist unschwer in Brauch und Wort zu erkennen. Andererseits ist unser Backofen, in dem man in ländlichen Gegenden nicht nur bäckt, sondern auch brät, nichts anderes als eine verbesserte, dauerhaft gemachte Form des Erdloches der Südseevölker. Braten und Backen sind im wesentlichen dieselben Tätigkeiten, und nur dem Gegenstande nach verschieden. Wie das Nösten des Fleisches zum Braten führte, so mußte das Rösten von Körnerfrüchten zum Backen führen. Es brauchte ja nur das durch Zermalen der geröſtteten Körner erhaltene Mehl vielleicht unbeabsichtigter Weise etwa durch einen Regen in einen zähen Brei verwandelt zu werden, und der Mensch dann auf den Gedanken kommen, den Brei gleich dem Fleisch zu konservieren. Das so entstandene Brot der Urzeit ist nichts anderes als ein„ vegetabilisches Dörrfleisch". In glühender Aſche, auf erhitztem Steine oder im Erdloche wurde so das ungesäuerte Brot gebacken. Genau so buken auch die alten Egypter ihre Brode. Freilich kannten sie, die Vierliebenden, schon den Sauerteig, und von ihnen ist diese Kenntnis zu allen Kulturvölkern gelangt- der Uebergang vom Braten zum Kochen ist einer der bedeutsamsten Fortschritte der Menschheit auf dem Gebiete der Ernährungsfrage und wenn viele Völker der Kunst des Kochens auch sehr nahe gelangten, so haben doch nur wenige sie erfunden. Der Mangel geeigneter Kochgeschierre ist wohl der Hauptgrund für diese merkwürdige Tatsache. Auch bei der Kochkunst können wir noch heute deutlich die Entwickelung aus einer primitiven bis zu der von uns geübten Methode des Kochens wahrnehmen. Eine ganze Reihe von Naturvölkern wußten die Frage des Kochgeschirres geschickt zu umgehen, indem sie das Wasser durch Hineinwerfen glühend gemachter Steine zum Sieden brachten. Und diese einfachste Kochmethode bezeichnet der Kulturforscher als„ Steinkocherei". Hierbei diente beispielsweise den neuseeländischen Maoris ein einfaches Erdloch als Herd und Kessel zugleich, indem sie in demselben zunächst ein Feuer entfachen, es mit Steinen beschweren und, wenn diese glühend sind, Wasser darüber gießen und dann die zu kochende Speise hineintun. Hölzerne Kisten werden von den Kamtschadalen und in NordwestAmerika von den Küstenindianern als Kessel verwendet. Bet anderen Völkern dient bisweilen die rohe Haut des Wild. brets als primitives Kochgeschirr; auch die Skythen pflegten, wie Herodot uns erzählt, das Fleisch eines geopferten Tieres in dessen eigenem Fell zu kochen und auf den( gälischen) He briden kochte man noch im sechzehnten Jahrhundert auf diess Weise. Merikanische Indianer kochen in Kesseln, die aus den Wurzeln der Pechtanne geflochten sind, und auch viele afrt. kanische Völker kochen in ähnlichen geflochtenen Körben. Einen sehr unangenehmen Nachteil hat aber solche Steinkocherei: Durch das unvermeidliche Abspringen fleiner Splitter beim Begießen der glühenden Steine mit faltern Wasser, die dann in die Speise und somit in den Mund des Menschen gelangen, wird unter den Zähnen eine furditbor Verwüstung angerichtet, und Steinkocher pflegen mwiſt eine Abschletzung der Vorderzähne zu zeigen. Vom Steinkochen bis zum Kochen mit untergelegtem Feuer ist der Schritt, nicht weit. Man behielt zunächst dis einfachen Kessel aus Holz, Flechtwerk und Leder bei und fute ein Ver. brennen dadurch zu verhindern, daß man sie möglichst weit vom Feuer entfernte. Aber ein eigentliches Kochen in unserem Sinne war doch erst durch die Erfindung feuersicherer Roc geschirre möglich. Diese älteren Gefäße waren zunächst No turgegenstände und zwar vornehmlich die Schildkrötenschale und der menschliche Schädel. Aber das bleiben mur og einzelte Erfindungen; der Gang der Entwickelung wirklicher Tongeschirre und Kochgefäße ist ein ganz anderer und ba merkwürdiger. Man benutzte nämlich in Gegenden me fath Ton vorhanden war, diesen zum Dichten der geflechtemen Gefäße. Schon die Bibel erwähnt ja, daß das Binsenkorbchen des Moses mit Ton und Pech gedichtet" war. Indem sun der Mensch der Urzeit sein geflochtenes Kochgeschirr oder feme Kürbisschalen innen mit Ton ausschmierte, mußte er bald ste Entdeckung machen, daß die Tonauskleidung, wenn das Roch geschirr zufällig dem Feuer zu sehr genähert wurde, und die Flechtwerkhülle infolaedeſſen verkohlte. fest und widerstands Gaste. Na lung war Schatten de palais mie fentiert noch lange die Nacht Nacht noch gipfelte. folgendes: Am neuen V mit Erb Torpedo öffnete Hafenba auf den derfelber andere die Tor bemerkte ט p\{ 107 hohen dabei, fic Mannid booten EX