tr. 72. bonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., Saus gebracht 60 fg., durch die Poft bezogen viertelfährlich Mr. 1.50. Bottobetlagen: Oberbeffifche Familienzeitung( täglich) und die Gießener Geifenblasen( wöchentlich). Bus Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Freitag, den 24. März 1904. Gießener 13. Jahrgang. Jnsertionspreis: Die einspaltige Betttzelle für ganz Obay heffen, die Kreise Wehlar und Marburg 10 Pfg. sonft 15 Reklamen die Petitzeile 30 refp. 40 Bfg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 8 Fernsprechanschluß Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Sichener Tageblatt). Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Der Krieg in Oftalien. Zuverlässige Nachrichten über neue kriegerische Ereigniffe liegen nicht vor. Eine Londoner Meldung von einem blutigen Zusammenstoß zwischen russischen und koreanischen Truppen ist mit großer Vorsicht aufzunehmen. Das aus Söul datierte Telegramm schildert dieses erste Treffen zwischen Russen und Koreanern im folgender Weise: Kosaken sind in Kang- Kije, 60 Kilometer nördlich von Genian, eingetroffen. Dort befinden sich zwei Bataillone Toreanischer Truppen in Garnison. Die Russen verlangten bom Kommandanten, die Kaserne den Russen einzuräumen, was der Kommandant ablehnte. Hierauf griffen die Kofafen die Koreaner an; es entstand ein blutiger Kampf, wobei die Russen 35 Tote hatten. Die Koreaner hatten 17 Tote und 20 Verwundete. Schon das Zahlenverhältnis der Toten und Verwundeten is geeignet, recht starke Zweifel an der Richtigkeit dieser Senfotionsnachricht zu erwecken. Bei der bekannten schlechten Ausbildung des koreanischen Militärs ist es nicht gut anzunehmen, daß die Verluste auf Seiten der Russen empfindTier gewesen seien, als auf Seiten der Koreaner. Ueber die allgemeine Kriegslage bringt die russische Telegraphenagentur folgende angeblich auf zuverlässigen Quellen beruhenden Mitteilungen aus Lautschang vom 24. d. Mts., die sich vor allem auch mit den Bewegungen der chinesischen Truppen an der Grenze der Wandschurei befassen: General Ma hat sein Quartier nach Juntschau verlegt; Seine Truppen sind nach Westen von der Hsinmintun- Bahn zurückgegangen. Generalgouverneur Juanschikai weilt in Tientsin, seine Truppen sind nach Paotingfu zurückgekehrt, co fie früher gestanden haben. Einem hartnäckig sich behauptenden Gerüchte zufolge beabsichtigen die Japaner, in Gatsia(?) nördlich von Schanhaikwan Truppen auszuSchiffen. Zahlreiche japanische Spione befinden sich in Schanhaikwan und längs der Bahn von Niutschwang. Eine Abteilung des Generals Mischtschenko befindet sich vie bisher in Nordkorea, seine Rekognoszierungsabteilung or Andschu. In den letzten Tagen fanden keine Zuammenstöße mit Japanern statt. Aus derselben Quelle verlautet weiter: General Linewotsch bewillkommnete General Kuropatkin, nachdem er dessen Alfunft im Transbaikalgebiet erfahren, telegraphisch und fiigte hinzu: Die Truppen dürsten danach, sich an dem Feind 31 rächen und erwarten mit Ungeduld Ihre Ankunft. Wie ans der Südmandschurei und Korea gemeldet wird, ist dort alles still. Die Koreaner beklagen sich über barbarisches Ver= Holten der Japaner, welche plündern, die Bevölkerung bedängen, selten bezahlen und alles fortnehmen. Gegen die von sensationslüsternen Korrespondenten verbreiteten Lügenberichte wendet sich der russische Generalmajor Pflug in einem_energifchen Telegramm aus Mukden. Die englische Meldung über den Uebergang der Japaner über den Tatungpaß sowie üller Gefechte mit Russen und daß den Japanern der Weg zum Vormarsch zum Motienpaß, wo angeblich eine starke Abtelung Russen sei, offenstehe, erklärt er für die reinste_Erfindung. Zu derselben Kategorie von Nachrichten gehören au die aus japanischen Quellen geschöpften Meldungen des Daily Telegraph" über ein am 19. März angeblich bei Port Arthur stattgehabtes Gefecht und einen Zusammenstoß bei Song- tsch- hön. Erfunden ist auch die Meldung des„ Daily Chronicle", daß die Japaner Tatungkou überschritten haben. Wahrscheinlich gehört zu diesen von Generalmajor Pflug gegespelten Lügenberichten auch die Meldung, daß ein russisches Bonzerschiff am letzten Freitag bei Port Arthur nach einem mehrstündigen Kampfe gesunken sei. Die Politik. Die Operationen gegen die Herero werden in der Hauptsache er st Mitte April beginnen können. Erst dann wird der Haupttrupp des deutschen Expeditionskorps, der etwa 600 Mann zählt und bei Okahandja steht, beritten gemacht sein und gegen die Onjatiberge vorgehen. Die dort stehenden Kolonnen v. Glasenapp und v. Estorff werden bis zum Eingreifen des Haupttrupps sich darauf beschränken missen, dem Feinde den Weg über die Grenze zu verlegen. Guverneur Leutwein hat beim Kolonialamt die schleunige Emtsendung von 10 Lokomotiven und etwa 20 Waggons gebesen, um die Leistungsfähigkeit der Bahn nach Möglichkeit zu erhöhen. Da die Verbindung der verschiedenen Kolonnen umtereinander durch Patrouillen kaum herzustellen sein wird, so hat der Gouverneur auch Funken- Telegraphenwagen besteelt, die mit den nächsten Transvorten abaeben werden. Der Gouverneur hat übrigens an das Zentral- Hilfskomitee für die deutschen Ansiedler in Südwestafrika folgendes Telegramm gerichtet: 80 000 Mark auf Bezirksämter verteilt, weiterer Bedarf liegt vor." Das Komitee war in der Lage, weitere 20 000 Mark für die Ansiedler und deren Hinterbliebene telegraphisch zu überweisen. Auf den vom Präsidium und Ausschuß der Deutschen Kolonialgesellschaft erlassenen Aufruf zur Hilfeleistung für die notleidenden deutschen Ansiedler in Südwestafrika sind aus Mitgliederkreisen bisher 123 245 Mark in bar eingegangen. Der Einlauf weiterer Beträge ist bereits angekündigt; die Sammlungen werden fortgesetzt. Der Staatssekretär des Reichsamts des Innern hat die Bundesregierungen ersucht, durch die Gewerbeaufsichtsbeamten eingehende Erhebungen über die Gesundheitsgefahren, insbesondere über die Bleivergiftungs- und die Staubgefahr anstellen zu lassen, denen die Arbeiter der keramischen Industrie und der Emaillierwerke ausgesetzt sind. Diese Erhebungen sollen zur Grundlage neuer Verordnungen über den Schutz der in solchen Betrieben beschäftigten Ärbeiter gegen Berufskrankheiten dienen. In der Reichshauptstadt ist gestern der bayerische Justizminister v. Miltuer eingetroffen. Zweck seiner Reise ist die Teilnahme an Besprechungen über die gegenwärtig schwebenden Fragen auf dem Gebiet der Reichsjustizgesetzgebung. In erster Linie soll er die bayerischen Wünsche für die Entlastung des Reichsgerichts geltend machen. Der Deutsche Handelstag hat gestern in Berlin seine 30. Vollversammlung begonnen. Es wurde gestern zunächst das Thema Börsengesez und Reichsstempel- gesetz behandelt. Einstimmig nahm der Handelstag eine vom Ausschuß beantragte Resolution an, in der zunächst das Verlangen nach Beseitigung des Börsenregisters und des Terminhandelsverbots wiederholt, dann aber anerkannt wird, daß die Novelle gegenüber den schweren Mißständen, die durch das Börsengesetz und dessen Auslegung entstanden sind, einen Fortschritt zum Besseren bedeutet. Im einzelnen werden dann noch weitere Verbesserungen vorgeschlagen. * Der Leipziger Krankenkassen- und Aerztestreit hat mit dem Siege der Krankenkassen geendet. Die Kreishauptmannschaft hat in einer Verordnung erklärt, die von den Krankenkassen vorgenommene Einführung des Distriktsarztsystems sei endgültig, da die Verträge nicht rückgängig gemacht werden könnten. Damit ist der Kampf zu Ungunsten der Aerzte entschieden. Die Erregung unter ihnen ist groß. Für die Rickert- Stiftung zur Begründung von Volksbibliotheken in wenig bemittelten Landgemeinden sind im Jahre 1903, dem ersten Jahre ihres Bestehens, 16 025,20 Mark eingegangen. Die Tätigkeit der Stiftung begann im Juni v. J. Bis Ende 1903 wurden an 96 Bibliotheken 1036 Bände abgegeben. Die Einnahmen aus Zuschüssen und Zinsen betragen 721,65 Mark, die Ausgaben 1375,59 Mark. Der Fehlbetrag wurde auf das Konto der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung übernommen. Dieser Gesellschaft gehört nämlich die Rickert- Stiftung als besonderer Fonds. Oefterreich- Ungarn. Dem ungarischen Abgeordnetenhause ist eine Eisenbahnvorlage zugegangen, die für den Bau von Eisenbahnen nnd andere öffentliche Arbeiten die Bewilligung von 320900 000 kronen fordert. Die Bauten sollen binnen 6 Jahren beendet werden. Frankreich. Das vielerörterte französisch- englische Kolonialabkommen soll jetzt im Entwurf fertig sein und demnächa den Parlamenten beider Länder vorgelegt werden. Ueber den Inhalt des Abkommens verlautet folgendes: In Neufundland gibt Frankreich alle territorialen Rechte und auch die ,, French shores" an England ab und erhält dafür eine Geldentschädigung für die daselbst befindlichen Hummerfischereiniederlassungen. Als Entgeld gesteht England Frankreich eine Grenzregulierung im Sofoto- Gebiet zu, durch welche Frankreich eine leichtere Verbindung zwischen zweien seiner Besizungen in Westafrika erhält. Was A egypten und Marokko anlangt, so wird die Fassung der hieraufbezüglichen Abmachungen noch einger Verhandlungen bedürfen, um etwaige spätere Schwierigkeiten hintanzuhalten. Frankreich verlangt als Ersak auf die Verzichtleistung auf gewisse Rechte in Aegypten, daß England verschiedene Ansprüche fallen läßt, die es in Marokko zu besitzen vorgibt. Betreffs Si a ms wird mitgeteilt, daß nur zwei Punkte des englisch- französischen Vertrages von 1896 eine genauere Fassung erhalten sollen. Inbetreff der Neuen Hebriden wird im Abkommen nichts enthalten sein. Wer bei diesem Abkommen der Dumme ist, läßt sich noch nicht übersehen. Aber man kann wohl tausend gegen eins wetten, baß England es nicht sein wird. Der Verzicht Frankreichs auf Aegypten ist allein schon für England wertvoller als alle von ihm gemachten Zugeständnisse für die Franzosen. Hof und Gefellschaft. Der Kaiser ist gestern abend an Bord des„ König Albert", begleitet vom Panzerfreuzer Friedrich Karl", vor Neapel eingetroffen und von den Behörden und der Bevölkerung herzlich bewillkommt worden. Zur Begrüßung der beiden Schiffe hatten sämtliche im Hafen liegenden Fahrzeuge ihre Flaggen gehißt. Das italienische Geschwader unter dem Befehl des Admirals Morin gab den donnernden Salut ab. Eine überaus große Volksmenge belebt den Hafen und die angrenzenden Straßen. Die deutsche Kolonie war dem Kaiser auf dem Dampfer Principessa Mafalda" entgegengefahren und als der Kaiser auf der Kommandobrücke erschien, grüßte ihn das„ Heil dir im Siegerfranz". Der Kaiser dankte und grüßte wiederholt. Auch„ Die Wacht am Rhein" wurde angestimmt. Der König von Italien richtete folgendes Telegramm an den Kaiser: Im Augenblick, wo du als hochwilltommener Gast italienischen Boden berührst, wünsche ich, indem ich mich freue, dich bald wiederzusehen, daß einstweilen der erste Gruß dir von mir, deinem ergebenen Freunde und treuen Bundesgenossen zugehe. Victor Emanuel. Beer und flotte. Ueber wichtige Versuche mit Torpedobooten wurden in der lezten Sigung des schleswig- Holsteinischen Bezirksvereins Deutscher Ingenieure interessante Einzelheiten mitgeteilt. Die Versuche sind in der Danziger Bucht veranstaltet worden. Es handelte sich um die Ermittelung des Einflusses der Wassertiefe auf die Geschwindigkeit der Torpedoboote. Hierbei ergab sich, daß bei 12 Seemeilen Fahrgeschwindigkeit und darunter ein Einfluß der verschiedenen Wassertiefen nicht zu bemerken war, daß dagegen bei Geschwindigkeiten von 15 bis 21 Seemeilen der Einfluß umso ungünstiger wurde, je geringer die Wassertiefe wurde. Auf dem flachen Wasser von 7 Meter Tiefe war etwa die doppelte Leistung der Maschinen notwendig, um die gleiche Geschwindigkeit wie auf dem tiefen Wasser zu erhalten. Wurde die Geschwindigkeit des Bootes noch weiter gesteigert, so ergab sich die auffallende Erscheinung, daß dann der ungünstigste Fall für die Geschwindigkeit des Bootes nicht mehr bei der Wassertiefe von 7 Meter, sondern vielmehr bei 15 bis 25 Meter Wassertiefe eintrat und daß dann das ganz flache Wasser viel günstigere Resultate lieferte, als das Wasser von 60 Meter Tiefe. An diese Ergebnisse knüpfte der Referent den Wunsch, daß auch mit großen Schiffen, deren Formen erheblich von denen der Torpedoboote abweichen, ähnliche Versuche vorgenommen werden möchten, um eine vollständige Klärung des Einflusses der Wassertiefe herbeizuführen. Das Urteil im Oldenburger Ministerbeleidigungs- Prozefs wurde gestern nachmittag gesprochen. Der Angeklagte Redakteur Kruse wurde wegen Beleidigung des Ministers Ruhstrat zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Ueber die Verhandlung wird uns von unserem Hg.- Berichterstatter aus Oldenburg noch folgendes mitgeteilt: Der Wahrheitsbeweis" des Angeklagten beruhte in der Hauptsache auf der bereits bekannten Tatsache, daß der Minister früher als Staatsanwalt ein leidenschaftlicher Spieler gewesen sei. Der Staatsanwalt Riesebieter wandte dagegen ein, daß diese Beweisanträge zu der Behauptung, der Minister habe die Ehre des Landes geschändet, doch in keiner Beziehung stehen könnten. Der Gerichtshof lehnt sie denn auch ab, doch bringt der Verteidiger vorher eine ganze Menge pifantes Material gegen Ruhstrat zu Tage. Nach Aussage eines Kellners sei im Eilersschen Restaurant der tollste Spieler der damalige Oberstaatsanwalt Ruhstrat gewesen, dem er und der Wirt mehrmals Geld geliehen habe. Der Minister schulde ihm sogar noch einen kleinen Betrag. Als Herr Eilers einmal sagte, er könne ihm kein Geld geben, langte Herr Ruhstrat in dessen Tasche, zog den Schlüssel heraus, ging mit Herrn Eilers in dessen Kontor und schloß selbst den Sekretär auf, worin die Geldkasse stand. Es wurde nicht nur sehr hoch, sondern auch sehr lange gespielt, oft bis zum anderen Mittag, wenn schon die anderen Gäste zum Frühschoppen kamen. Ich verdiente oft in einer Nacht weit über 100 Mart, obwohl ich damals noch Lehrling war und erst 15 Jahre alt. Eilers war hierüber ungehalten. Er hatte mir verboten, den Herren Geld zu leihen. Einmal kam er hinzu, als Leutnant Kögel mir Geld zurückgab. Er schlug mich deswegen nachher heftig und sagte: Du 2.... junge verdienst ja biel mehr Geld als ich!" Er spuckte mir dabei wiederholt ins Gesicht." Das Gericht fam zu seinem obigen Spruche, weil der Ausdruck: er habe die Ehre des Landes geschändet, eine schwere Beleidigung des Ministers enthalte. Es könne hier nur darauf Bezug genommen werden, was früher festgestellt worden ist. Weitere Momente noch heranzuziehen, erschien nicht nötig und zweckentsprechend. innern müſſen! Hatte Joachim Spangenberg auch dieses VerEr war an jenem Morgen längere Zeit Nun hatte die Frau ihn auch noch an das Armband erwollte allein fein mit den Gedanken, die seine Seele marterten. Er schloß die Tür feines Arbeitszimmers hinter sich zu, er im Baden alles brechen begangen? den Verdacht, der durch Worte der lich des Armbandes in seiner Seele geweckt worden war. Adolph hatte schweigend zugehört, sein Geficht war toten,, und was nun?" fragte es, als der Freund Frau Schönbach bezügfchmiea. bleich geworden. Was aedenfit du mo werfe geliefert haben. feinen Jerusalem Jemen Hamlet, kein Verlorenes Paradies, fe ist allerdings wahr, daß die Frauen keine MeisterSie haben keine Iliade, kein Befallen; mit brennenden Wangen faß sie der Mutter zu fin Längst war den Händen des Mädchens die Arbeit entdenn zu herrlich m Nab und Fern. Stürme in Norwegen. Die furchtbaren Stürme an der norwegischen Küste dauern weiter an. Bei Dernaes ist ein Boot untergegangen. Die aus fünf Mann bestehende Bejagung ertrank. Ein Haus, worin sich drei Personen befanden, wurde ins Meer geschleudert, die Insassen ertranken. Durch Schneesturm wurde ein Haus, in welchem sich mehrere Kinder befanden, zertrümmert. Ein Kind wurde getötet, die anderen kamen mit dem Leben davon. □ Schreckenstat eines Wahnsinnigen. Eine furchtbare Szene spielte sich im Pariser Kolonialministerium ab. Dort erschien plötzlich auf der Rechnungskanzlei der Sanitätsbeamte der Kolonialtruppe Pellerin und begann auf die anwesenden Beamten zu schießen. Nachdem er einen von ihnen lebensgefährlich verletzt hatte, tötete er sich selbst durch einen Schuß in den Kopf. Wie sich kurz nachher herausstellte, hatte der Mörder vorher im Vorort Argenteuil seine eigene Schwester erschossen. Wian nimmt an, daß Pellerin die Tat im Verfolgungswahnsinn beging. Ein seltsamer Diebstahl ist auf der Havel bei Pichelsdorf ausgeführt worden. Als ein Schleppdampfer, der dort im Winterquartier gelegen, dieser Tage seine erste Fahrt antreten sollte, bewegte er sich, obwohl die Maschine in Ordnung war, nicht von der Stelle. Eine nähere Untersuchung ergab dann, daß die Schiffsschraube fehlte. Sie war durch Spitzbuben kunstgerecht von der eisernen Kolbenstange entfernt worden. Die Schraube, aus Messing hergestellt, hatte ein Gewicht von mehr als zwei Zentnern gehabt. Der Unfall des Herzogs von Aosta, der sich in Turin bei einem Sturz vom Pferde das Bein brach, wird wahrscheinlich böse Folgen für ihn haben. Die Aerzte befürchten, daß der Herzog für immer hinten wird. * Schwerer Bauunfall. Bei dem Abbruche des Floragebäudes in Charlottenburg wurden durch Deckeneinsturz zehn Mann verschütet und zum Teil schwer verletzt. A Dreißig Menschen durch einen Erdrutsch verschüttet. In Cuevas bei Malaga( Spanien) entstand infolge anhaltenden Regens ein Erdrutsch. Dreißig Menschen wurden dabei verschüttet. Man glaubt, daß alle tot sind. Es wur den bereits mehrere Leichen geborgen. Hessischer Landtag. Erfte Kammer der Stände. Darmstadt, 24. März 1903. Die Regierungsvorlagen, den Gesetzentwurf, die Bildung eines Ausgleichungsfonds betr., sowie Staatsvertrag zwischen Baden und Hessen über die Auflösung des bezüglich der Gemeinde Kürnbach bestehenden Kondominatsverhältnisses betreffend, wurde angenommen. Zu verschiedenen Vorstellungen trat die Erste Kammer den Beschlüssen der Zweiten Kammer bei. Bei der Regierungsvorlage, Umbau des Großh. Hoftheaters Darmstadt betreffend, trat das Haus den Beschlüssen der Zweiten Kammer bei. Die Rekommunikationen wurden erledigt und vertagte sich hierauf das Haus auf unbestimmte Zeit. Zweite Kammer der Stände. Erster Präsident Haas eröffnet die Sißung. Die Regierungsvorlage, betreffend Aufhebung des Art. 9 des Gesetzes über das Volksschulwesen wird gemäß dem Ausschußantrag, den Abg. Dr. Heidenreich begründet, angenommen. Die Wahl von zwei weiteren Mitgliedern zum vierten Ausschuß zur Berichterstattung über den Antrag der Abgg. Ulrich u. Gen., Veröffentlichung amtlicher Bekanntmachungen betreffend, fällt auf die Abgg. Pennrich und Damm. Es folgen Rücäußerungen der Ersten Kammer. Bezüglich des Ersuchens an die Großh. Regierung, im Bundesrat für die Gewährung von Diäten an Reichstagsabgeordnete einzutreten, wird Beharrung auf dem früheren Beschluß beschlossen. Bei der Position Gensdarmerie wird dem Beschluß der Ersten Kammer beigetreten, daß die Stellen der Kommandanten vorbehaltlos und nicht, wie ursprünglich von der Zweiten Kammer geschehen ist, nur auf den Inhaber bewilligt werden. Bezüglich des Baues der 3 Gensdarmeriewohnungen in Ktailbach, Apt enheim und Wenings wird Beharrung auf dem früheren ablehnenden Beschluß gemäß dem Ausschußantrag beschlossen. Bezüglich der Herabsetzung einer Grundbuchgebühr von 2 Mif. auf 20 Pf. wird Beharrung auf dem früheren Ersuchen an die Regierung beschlossen. Die Forderung für das Steuerkommissariatsgebäude zu Wörrstadt wird nunmehr genehmigt, bezüglich des Gebäudes für den Steueraufseher in Langen und die Dammwärterwohnungen zu Wimpfen und Ginsheim wird auf dem früheren ablehnenden Beschluß beharrt. Die Vorstellung der Kreisstraßenwärter des Kreises Alsfeld, ihre Dienstverhältnisse betreffend, wird für er ledigt erklärt, dem Antrag des Abg. Haas, betreffend Errichtung einer Haltestelle für Hähnlein und Langwaden in Form eines bezügl. Ersuchens an die Großh. Regierung stattgegeben. Eine Anzahl zur vorläufigen Beratung stehender Gegenstände wird an die zuständigen Ausschüsse verwiesen. Hierauf tritt Vertagung auf unbestimmte Zeit ein. Sihung der Stadtverordneten. n Gießen, 24. März 1904. Die Sigung wurde kurz nach 4 Uhr vom Oberbürgermeister Mecum eröffnet. Es fehlten entschuldigt die Stadtv. Dr. Gutfleisch, Hanau, Haubach, Keller, Krumm, Pirc, Schiele und Schmall. Das Baugesuch des Karl Hahn für die Goethestraße wird genehmigt. – Dem Verkauf von städt. Gelände an der Licherstraße an den Handschuhfabrikanten Hengst ( derselbe will eine Werkstatt bauen und dafür braucht er, weil sein Grundstück zu flein ist, das dahinterliegende städt. Gelände) und solchem an der Grünbergerstraße wird eben falls ohne Debatte zugestimmt. In letzterem Falle handelt ist damit aber auch den Dienstmännern eine gewisse Arbeitszeit vorgeschrieben, was bis ißt nicht der Fall war. Etuirs Barten erftattete Derfelbe zeigt in intere es sich um die Baustellen 6 und 7, die zusammen 540 qm Das Gesuch des Lesehalle- Vereins, ihm statt dem fern auf den verschie groß sind. Käufer ist für Baustelle 6 Maurermeister Keßler bisherigen jährlichen Zuschuß von 400 Mt. dieses Mal fonders auch für Re 800 Mt. zu gewähren, wurde nach eingehender Debatte, de diejenigen, die Gie wurde hier wie auch in der Licherstraße mit 8 t. bezahlt. trotzdem die Stadtv. Jann, Schaffstaedt und Gaffky miterlebt, in hohem und für Baustelle 7 Dachdeckermeister Ruckstuhl; der qm An der Wetzsteingasse hat sich der Verkauf von städt. Gelände resp. Austausch mit dem Architekt Huhn nötig gemacht, die Versammlung hat auch hiergegen nichts einzuwenden; der Käufer zahlte pro qm 50 Mt. Auch der Verkauf von Gelände an der Schottstraße an den Zimmermeister Helfenbein zum Preise von 8 Mt. pro qm wird genehmigt. Hiernach wurde ein Streifen aus dem Stadtwald an die Eisenbahnverwaltung abgetreten. An der betr. Stelle hat der Bahndamm( Strecke nach Fulda) nicht den vorgeschriebenen Schußstreifen und sind zur vorschriftsmäßigen Ergänzung desselben 1962 qm erforderlich. Die Abschäßung der Fläche ergab einen Wert von 261,40 Mt. Die Ausbauung des Mittelweges zwischen Crednerstraße u. Weßlarerweg erfordert 2400 Mt. Dieselben wurden bewilligt, der Betrag ist in das nächstjährige Budget mit einzustellen. Der Neubau der Universitätsbibliothek ist soweit fertig, daß dieselbe am 1. Auguft bezogen werden soll und hat die Universitätsbaubehörde die Stadt ersucht, die anliegende Reppler- und die Bismarckstraße auszubauen. Die Baudeputation schlägt vor, vorerst nur die Bismarckstraße herzustellen, jezt aber schon in beide Straßen die Kanäle mit einzulegen und die Arbeiten der Firma Jäger & Rumpf zu übertragen. Die Stadtverordneten sind mit dem Vorschlag einverstanden. Der Klingelbach soll als Kanal durch die Kepplerstraße gelegt werden, an statt wie früher projektiert durch die Goethestraße. Die hierzu schon im Jahre 1899 bewilligte Summe reicht und auf Vorschlag der Baudeputation werden die Arbeiten mit 3 Mt. pro kbm der Firma Dickerhof& Wildmann in Biebrich übertragen. Das neue Projekt hat den Vorteil, daß auf dem großen Kanal gleich der Schmutzwasserkanal zu liegen kommt - - - - sehr dafür eintraten, abgelehnt. Das Gesuch war damit be. gründet, daß die Spar- und Leihtasse ihren Zuschuß in diesem Jahre um die Hälfte reduziert hätte und der im Drud neu herausgegebene Katalog eine größere Summe er. fordere. Hierzu bemerkte der Oberbürgermeister, daß die Spar- und Leihkasse demnächst die einzelnen Zuschüsse an die verschiedenen Anstalten 2c. auf die frühere Höhe wiede stellen und sogar die jetzt gestrichenen Summen noch nach bewilligen wird.( Sehr erfreulich zu hören. D. R.)- Die vorläufige Bewilligung eines Kredits für das Rechnungsjahr wurde gut geheißen. Unsere Realschule, welche bald zu Oberrealschule erhoben wird. hat in ihrem Gebäud nicht genügend Platz mehr; eine Klasse wird darum in dem jüdischen Religionsgemeindehause untergebracht. Der Vorstand ist hierfür in recht dankenswerter Weise entgegengekommen. In gleicher Kalamität befand sich auch die Höhere Töchter: schule, dort muß die 7. Klasse, welche 56 Schülerinnen zählt, geteilt werden; verfügbare Räume sind aber im Schulhaus nicht mehr vorhanden. Es ist in der Aliceschule ein Raum gefunden worden, wo eine Klasse untergebracht werden kann. Der Anschaffung der erforderlichen Schulbänke wird zuge stimmt, ebenso wurde die Anstellung eines seminaristisch ge bildeten Schulverwalters beschlossen. Diese beiden letzten Punkte, welche nicht auf der Tagesordnung standen, bildeten den Schluß der öffentlichen Sizung. Lokales. piß, daß recht viele mi blag ber Rider hen leſen werden. Die Oberam Dilide geflern Abend im Na einer nicht ganz fo be perten follen. Spielleiters Leopold Biter fa einen etwas Bildern aus der burde dabei nicht zelnen Gruppen für den erhabenen prochene Wort ftört, fällt den Eindruc Dorftellung zurüd i Bollendetes bot. L len Zügen: Entfag itterlicher Glaube feinen Jüngern, die Die mit einem Glorien and jebe Bewegung ge fi fagt: Mein Rei origen Darfteller tra Seilandes zurüd, fügte Bis Sams e Aufführung ftat Ban nicht etwas ande Aussicht, die mim Blendung zu sehen, ** Fine ehrwü han hatte gefſtern it rifchen in einem mb haufelte quietj 25. März 1904. ** Privattelegramm. Bei der heutigen Bolggude Gewinne gezogen: 50 000 Wt. auf Fer. 48 291, 30 000 Wtf. auf Fr. 6826, 20 000 wit. auf Nr. 4842 3000 Mt. auf Jr. 5608, 6878, 8772, 19226, 70 670 55 834, 58 364, 71397, 56 357, 81 698, 92 406, 94 929. ** Der Direktor der Gießener Frauenklinik, Prof. Dr. Pfannenstiel hat einen Ruf nach Erlangen erhalten. ** Die Interpellation über die Haltung der Regierung in der Frage des Jesuitengesetes ist vom Abg. No af zurückgezogen worden. ** Eine Verbesserung in der Zugverbindung weist auch der Sommerfahrplan der Nebenbahn Londorf Lollar auf. Der im Herbst neu eingelegte Zug, welcher 6.50 Uhr vorm. in Londorf abgeht, soll auch im Sommer bestehen bleiben. Der erste Frühzug fährt vom 1. Mai an 15 Minuten später in Londorf ab und kommt 5,43 Uhr vorm. in Gießen an. Der j ßt Abends nur Werktags verkehrende Zug soll dann auch Sonntags gehen. ** Die Freiw. Gailsche Feuerwehr hält am Samstag im Restaurant ihrers Kameraden Häuser, Schiffenberger Thal, eine Hauptversammlung ab, in der unter anderem die Verleihung von Dienstabzeichen vorgenommen wird.( Siehe Inserat). tung zugunsten hilfsbedürftiger Familien unserer in der deut schen Kriegsflotte dienenden hessischen Landsleute und der Besagung des Linienschiffes„ Hessen" verwendet werden soll. Der Landesherr nahm mit großer Befriedigung Kenntnis von der sympathischen Aufnahme, die der Aufruf in den weitesten Kreisen gefunden hat, und gab seiner besonderen Freude darüber Ausdruck, daß, wie aus den bis jetzt schon zurückgesandten Listen zu entnehmen ist, in zahlreichen Ge meinden, wie in Undenheim, Langgöns, Bleichenbach und Wald- Uelversheim, die außerordentlich starke Beteiligung der Bewohner befundet, daß der patriotische und humanitäre Zweck der Sammlung überall richtig erfannt wird. und dabei mit ausgeführt wird. Der offene Stadtringgraben in der Ostanlage vom Walltor bis zur Landgrafenstraße ist für die dort ohnehin schon sehr schmalen Anlagen immer recht störend gewesen. Auf Beschluß der Stadtverordneten wird dieser Teil nun in die Mitte der Straße verlegt und überwölbt. Dadurch kommt der offene Wasserlauf weg und der berechtigte Wunsch auf Verbreiterung der Anlage auf Die jener Strecke kann nun auch endlich erfüllt werden. veranschlagten Kosten hierfür betragen 4000 Mt.; die Arbeiten wurden der Firma Jäger& Rumpf übertragen. Bei Punkt 12 betr. Uebertragung von weiteren Sielbauarbeiten an die Firma Jäger& Rumpf wird vom Stadtv. Kirch das sehr schlechte Pflasterverhältnis in denjenigen Straßen, in welchen Kanalarbeiten vorgenommen worden sind, einer scharfen citik unterzogen. Das ganze Ansehen der Stadt leidet darunter( Stimmt!) und es tönnen die Zustände nicht so bleiben. Oberbürgermeister Mecum erklärte, daß an einzelnen Stellen bereits 4 Mal Pflasterreparaturen vorgenommen worden sind, darunter auch schon oft auf Anweisung der Bürgermeisterei von anderen Pflasterern. Auf seinen Vorschlag hin wurde die Debatte hierüber abgebrochen, unn sie in der nichtöffentlichen Sigung fortzusehen. Die Feuervisitation, welche bisher von dem MaurerD.FI- V. Der Großherzog empfing am Samstag die meister Keßler in Annerod vorgenommen wurde, wird nun Vorstandsmitglieder des hessischen Landesverbandes des dentmehr vom städt. Hochbauamt mitverwaltet. Das neue schen Flottenvereins, Herr Dr. W. Merck und Herrn MarineMietwohnungsgesetzt, deſſen aufsichtsführende Lokal- Behörde stabszahlmeister a. D. Schad, behufs Entgegennahme eines das Polizeiamt und die Bürgermeisterei sind, schreibt die Berichtes über den Fortgang der Sammlung für die„ HesBesetzung der Stelle eines Bohnungsinspektors vor. Gießen hatte bisher noch keinen solchen Beamten. Der vor- len- Glock e“, deren Ueberschuß bekanntlich zu einer Stif geschlagene Bautechniker Grode vom Hochbauamt wird darauf zum Wohnungsinspektor bestimmt. Der Neubau der höheren und erweiterten Mädchenschule wurde an Hand zweier aufliegenden Pläne, der eine vom Architekten Meyer der andere vom Oberbürgermeister Mecum ausgearbeitet, beraten. Beide Pläne unterscheiten sich in der Hauptsache dadurch, daß Architekt Meyer einen Gesangssaal, Turnhalle und Festsaal vorgesehen hat, während Oberbürgermeister Mecum den Gesangssaal und die Turnhalle technisch so aneinander gebaut sehen will( Gesangssaal etwas erhöht), daß bei Festlichkeiten beide Räume zusammen als Festsaal verwandt werden können. Der ganze Bau würde dadurch 40,000 Mark weniger fosten als das Meyer'sche Projekt, letzteres ist veranschlagt mit 466 000 Mt. Der Plan des Oberbürgermeisters hat aber noch einen weiteren Vorzug; es wird der Spielhof durch den vom Meyerschen Projekt abweichenden Grundriß ſtatt 1800 Quadrat: meter dann 2300 Quadratmtr. Flächeninhalt haben. Die Versammlung genehmigte, auf Vorschlag der Baudeputation und des Schulkuratoriums die Pläne des Oberbürgermeisters. Mit dem Bau soll nun möglichst bald begonnen werden. Ueber die Kosten entspann sich noch eine kleine Debatte, im Verlauf dessen Beigeordn. Georgi die größte Sparsamkeit empfiehlt, ohne daß dabei aber der Solidität des Baues Abtrag geschieht. Zur besseren Befolgung des neuen Fleisch beschaugesetzes hat die Schlachthofkommiſſion die Anſchaff: ung eines Kochapparates und Schmalzapparates mit den nötigen Hilfsgeräten beantragt, damit z. B. die Vernichtung beanstatteten Fleisches vorschriftsmäßig ge= schieht. Es sind für diese einmaligen Anschaffungen 4000 Mark erforderlich; dieselben werden bewilligt. Der Dienstmännertarif ist so wie er bis jetzt bestand nicht mehr zeitgemäß. Die Finanz- Kommission hat einen neuen ausgearbeitet, der zur Genehmigung borlag. Es erfolgte Annahme mit einer vom Beigeder neue Tarif nur für die Arbeitszeit der Dienstordneten Heyligenstädt beantragten Ergänzung, wonach männer im Sommer von morgens 6 bis abends 8 Uhr und im Winter von morgens 7 bis abends für ausgeführte Arbeiten ein Zuschlag von 20 Prozent, 7 Uhr in Anwendung komme, für die übrige Zeit soll mindestens aber 10 Pfennig mehr gezahlt werden. Es sei dies ein Aft der Gerechtigkeit; auf der anderen Seite gegeben. ** Stadttheater Gießen. Sonntag, den 27. dieses Monats finden die beiden letzten Vorstellungen dieser Spielzeit statt. Da laut gesetzlicher Verordnung an diesem Tage nur ernste Stücke gegeben werden dürfen, findet Nach mittags zu den Preisen der Voltsvorstellung( 40 und 20 f eine Aufführung von Anzengrubers„ Pfarrer von Kirchfeld" statt. Den Abend wird Ladermanns„ Glück im Winkel" Verschönerungs- Verein Gießen. Die Generalversammlung, welche am Mittwoch Abend im Café Ebel stattfand, war trotz der 421 Mitglieder die der Verein zählt, nur vom Vorstand und drei Mitgliedern besucht. Dem von Herrn Direktor Spamer gegebenen Jahresbericht ist zu entnehmen, daß die Tätigkeit des Vereins lediglich in der Erhaltung und Verbesserung der bestehenden Anlagen und Wege bestand. 5 Ruhebänke wurden aufgestellt. Die Wege auf dem Hangelstein sind gründlich ausgebeffert und wird an deren weiteren Ausbesserung noch gearbeitet. An der Gabelung des Schiffenbergerweges und der alten Steinbacherstraße wird ein Promenadenweg nach der Licher straße angelegt. Die Restschuld von 300 Mt. für den Hohewartturm ist an die Stadt abgetragen und 100 Mt. wurden dem Dünsbergverein überwiesen. Der Verein ver fügte im letzten Jahre über 1860,65 Mt. von dem noch ein Restbetrag von 997,70 Mt. für das laufende Jahr ver wie die Aufstellung einer Ruhebant auf der Höhe des Trieb, blieb. Einigen in der Versammlung gegebenen Anregungen, an der Waldecke und Gabelung der Straße nach Ködgen und Annerod, soll entsprochen werden. Mission feierte bekanntlich am 10. und 11. November ** Der Oberhessische Verein für innere v. J. sein 25 jähriges Jubiläum. Nun ist der Festbericht, den Pfarrer Dr. Schlosser bei der Abendversammlung in. ein. Rafe dabei aber öfter bot ühr am Lindenpla and brachte die Frü Vor dem Ar om Mittwoch der Gef 3. Mompagnie des Betrugs, Ucfundenfä worten. Das Geric nuc unerlaubte Entfe Betrug und Urfund Bel Die Maigaff jationsarbeiten vo bis auf weiteres fü CN perrt. Gießen, den Großherzo Bef Die Holzver if genehmigt. Di Bichneten Stelle al Die leberweisu Grünberg, Großherzogli Gelän Mittwoch, 30. follen nachberzeichne 6 Jahren auf dem -Bimmer Nr. 15 werden: 1. Das bisherig meisters auf in 4 Viertel. 6931 qm. 2. Das Grundfti 3. Das Grundsti 183 je 600 q Gießen, de Großherzo Vente geräucherte Frifde Fran à Paar Friedrich C Gold und Si reinigt man s Gamm per Dose 25 P überall fäuffid Fahrräder- un Rähmaschinen Bersandt, Ersatzt Reparaturen Carl Gra Bießen. Kirchenpl an der Stadtt rd Größte Spec. Reparaturmerita Oberheffens. ine gewiffe Arbeite Der Fall mat.3, ihm flatt Dr. Siefes ingehender Deb aedt und Ga efuch war damit thren Buschu hätte und der des Soldatenstandes. Getins Garten erstattete, im Druck erschienen.( Preis 50 Bfg.)| 5 Monate Gefängnis und Versehung in die zweite Klasse 20aselbe zeigt in interessanter und fesselnder Weise, was der 20erein auf den verschiedensten Gebieten geleistet hat und ist Ebesonders auch für Renner der Gießener Verhältnisse, für all diejenigen, die Gießens Entwickelung in diesen Jahren uniterlebt, in hohem Maße interessant. Wir sind dessen getwit, daß recht viele mit Befriedigung die im CommissionsToerlag der Ricker'schen Buchhandlung erschienene Schrift größere Summen werden. germeister, day elnen Buschiffe rühere Höhe mi leider nicht ganz so besucht, wie man eigentlich hätte erSummen noch en. D. R.) ** Noch einmal ist Wald und Flur mit Schnee bedeckt; aus dem Tanus wird vier Fuß hoher Schnee gemeldet, ebenso aus dem Odenwald und Vogelsbjerg. Der Frühling fämpft mit dem Winter um die Herrschaft; hoffentlich wird er bald die Oberhand gewinnen, damit wir keine weiße Ostern befommen. Das Gordon Bennett- Rennen hat das erste Opfer gefordert. In Weilburg wurde von einem Automobil ein Hund totgefahren. ** Die Oberammergauer Passionsspiele, melche gestern Abend im Neuen Saalbau stattfanden, waren Ruppertenrod, 23. März. Ein Veteran aus dem marten sollen. Nach einigen einleitenden Worten des Kriegsjahren 1866 und 1870/71 wurde gestern zu Grabe Spielleiters Leopold Perterta sprach Frl. Maria getragen, der Kgl. Amtswegaufseher i. P. K. Meyerer von ule, welche baldon Bildern aus der Leidensgeschichte folgte. Gesprochen preußischen Diensten zu Barop. Dort ist er auch nach länBet er fa einen etwas naiv gehaltenen Brolog, dem eine Reihe hier. Der Verstorbene stand in seinen späteren Jahren in gerem Krantenlager gestorben. Meyerer hat den hiesigen neugegründeten Vereins. das Rechnungs Vorm. 11 Uhr: Militärgottesdienst, Pfarrer Euler Beichte und heil. Abendmahl für die Militärgemeinde. Nachm. 22 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer D. Schlosser. Abends 6 Uhr: Pfarrer Schwabe. Abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Mathäusgemeinde. In der Johannes firche. Vormittags 9.30 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Johannesgemeinde. Pfarrer Dr. Naumann. Abends 6 Uhr: Pfarrer Euler. Beichte und heiliges Abendmahl für die Lukas- und Johannesgemeinde im Abendgottesdienst. Anmeldnungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Nach allen Gottesdiensten Kollefte zur Unterstützung von Hilfsbedürftigen evangelischen Gemeinden unseres Landes, in ihrem Geh wurde dabei nicht die gedruckten Texte erläuterten die wird darum in einzelnen Gruppen- aber das ist vielleicht nur ein Vorteil Kriegerverein gegründet und war der erste Präsident des die an Orten mit überwiegend katholischer Bevölkerung beDas ge+ Erbach i. O., 24. März. Seit einigen Tagen ebracht. Der er den erhabenen Charakter der Aufführung. fe entgegengetom prochene Wort stört, wenn es nicht in seltener Schönheit die Höhere Töfält, den Eindruck und drängt auch die mimische erstrahlt unser Städtchen bis in die entlegensten Gäßchen Schülerinnen aber im Schul Darstellung zurück in der Herr Peterka gestern Abend Bollendetes bot. Was spricht nicht alles aus diesen iceschule ein Rlen Zügen: Entsagender, gewaltiger Schmerz, unerebracht werden ütterlicher Glaube und vor allem die große, tiefe Liebe ulbänke wird es feminaristis Diese beiden le ng ftanden, bill 25. März 14. u seinen Jüngern, die das leidensvolle Antlig des Dulders wie mit einem Glorienscheine verklärt; dazu ist jeder Blick and jede Bewegung geadelt von jener Majestät, welche von ich sagt:„ Mein Reich ist nicht von dieser Welt!" Die tbrigen Darsteller traten natürlich vor der Gestalt des Heilandes zurück, fügten sich aber dem Ganzen recht geschickt ein. Bis Samstag findet die unwiederruflich leste Aufführung statt, die wir Allen empfehlen möchten. en nicht etwas anderes zum Besuche treibt, den sollte die Aussicht, die mimische Darstellungskunst in höchster Bei der heutig Vollendung zu sehen, schon dazu veranlassen. ndeslotterie wurd f. auf Mr. 48 29 ** Eine ehrwürdige Matrone mit schneeweißem Saar hatte gestern ihren Kummer der Vergänglichkeit alles Mt. auf Nr. 484 19 226, 70 67 Frbischen in einem kleinen" Rausche zu vergessen gesucht 8, 92 406, 94 92 und schaufelte quietschfidel durch die Straßen. Da ihre ouentlinit, Bro bot ihr am Lindenplatz ein Schußmann seine Begleitung an Rase dabei aber öfter mit dem Pflaster in Berührung fam, Erlangen erhalte und brachte die Frühlingsschwärmerin galant nach Hause. Haltung der gefeges ift bo * Vor dem Kriegsgericht zu Mainz hatte sich am Mittwoch der Gefreite H. Sch. aus Gießen von der 3. Kompagnie des Fußartillerie- Regiments Nr. 3 wegen bindung weit au Betrugs, Uckundenfälschung und Fahnenflucht zu verant: morten. Das Gericht nahm keine Fahnenflucht, sondern nur unerlaubte Entfernung vom Truppenteil an, außerdem Betrug und Urkundenfälschung. Das Urteil lautet auf ondorf Lolla 3, welcher 6.50 U Sommer beftehen om 1. Mai an 15 mt 5,43 Uhr vorm. Berktags vertebrend uerwehr hält Häufer, Schif in der unter Chen vorgenom am Samstag di verbandes des dent und Herrn Marine Bekanntmachung. Die Maigasse wird wegen Vornahme von Kanaltsationsarbeiten von Donnerstag, den 24. 1. Mts. an Si auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrradverkehr geperrt. Gießen, den 23. März 1904. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. Betanntmachung. Die Holzversteigerung vom 14. März I. Js. hinein im hellen elektrischen Lichtscheine. Die neu errichtete elektrische Licht- und Kraft- Zentrale wurde Mitte der letzten Woche nach voraufgegangener Prüfung offiziell von dem Erbauer, der Allgemeinen Elektrizitäts- Gesellschaft, Zweigbureau Frankfurt a. M., abgenommen und dem Betriebe übergeben. Die ganze Anlage kommt auf etwas über 200 000 Mark zu stehen. Da bereits 9000 Lampen angeschlossen sind, so erscheint die Rentabilität gesichert. H Darmstadt, 23. März. Heute abend war beim Staatsminister Rothe palamentarischer Abend, an dem Regierungsvertreter und die Abgeordneten der ersten und zeiten Kammer teilnahmen. Auch der Großherzog war erschienen, unterhielt sich zwanglos mit Mitgliedern aller Parteien und zog den Sozialdemokraten Ulrich in ein längeres Gespräch. Von der Gesellschaft begab sich der Großherzog kurz vor 12 Uhr zum Bahnhof und reiste nach Florenz ab. × Frankfurt a. M., 24. März. Der mutmaßliche Raubmörder Brunc Groß leugnet noch immer hartnäckig. Im weiteren Verlauf der Untersuchung hat sich herausgestellt, daß Stafforst, der sich als den Verführten hinzustellen versuchte, mindestens ebenso viel Schuld an der Untat trägt, wie Groß. Kirchliche Nachrichten für Gießen. Evangelische Gemeinde. Palmarum, Landes Buß- und Bettag, den 27. März. Gottesdienst In der Stadtkirche. Vormittags 9,30 Uhr: Pfarrer D. Schlosser. Vorteilhaftes Angebot! Direkter Bezug von der Fabrik für Private unter Ausfall d. Händleraufschlags! Die Entgegennahme eines Eft genehmigt. Die Abfuhrscheine können auf der unter- Fahrradfabrik ,, Schwalbe" lung für die erich meten Stelle abgeholt werden. ntlich zu einer Stif unferer in der de andsleute und wendet werden s Die Ueberweisung des Holzes erfolgt am 28. d. Mts. Grünberg, am 24. März 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Grünberg. Zimmer. Gelände- Verpachtung. Mittwoch, 30. März 1904, vormittags 11 Uhr ollen nachverzeichnete Grundstücke auf die Dauer von Jahren auf dem Bureau der unterzeichneten Behörde Zimmer Nr. 15- öffentlich meistbietend verpachtet Derden: iedigung Kennt er Aufruf in feiner besonde den bis jetzt st in zahlreichen öns, Bleichend starke Beteiligu che und humanitä annt wird. Sonntag, den 27, Borstellungen d rordnung an di dürfen, findet ing( 40 und 20 arrer von Aird „ Glück im Win n Gießen. och Abend im 1. Das bisherige Besoldungsgrundstück des Wasenmeisters auf dem Trieb in Gewann 14, eingeteilt in 4 Viertel. 2. Das Grundstück Flur 34 Nr. 324a am Fichtenkopf 6931 qm. 3. Das Grundstück Flur 35 Gewann 43 Nr. 182 und 183 je 600 qm auf der Hardt über der Kropbach. Gießen, den 25. März 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Gteßen. Mecum. leber bie der De fiche Frankfurter Bratwürstchen in bekannter Mitgliedern bef benen Jahresber Vereins ledig bestehenden Anlo en aufgeftellt. ausgebeffert och gearbeitet. 3 und der al eg nach der Lich 00 Mt. für gen und 100 Der Verein v Mt. von dem n laufende Jahr v ebenen Anregung Der Höhe des Tr traße nach Roby ein für inne und 11. Novem ift der Festben endverfammlung geräucherte à Paar 25, 30 und 35 Pis. empfiehlt Güte Friedrich Schreiner, Mekgermeister, Gieken. Gold und Silber reinigt man mit Gamma. per Dose 25 Pfg. überall fäuflich. Fahrräder- und Rähmaschinen= Versandt, Ersatzteile, Reparaturen Carl Graf Gießen. Kirschenplatz 15. an der Stadtkirche. Größte Spec.> Reparaturwerkstatt Oberhessens. Selter weg. Empfehle mich im Bügeln u. Glanzbügeln. Frau Otto, a * Liebigstraße 63, Hinterhaus. das q uv G B HCS do дnjluvuшv Act.- Ges., gegründet 1896, Duisburg- Wanheimerort versendet zu Händler- Preisen ihre Fahrräder und Zubehörteile. Preisliste umsonst und portofrei. 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Flößer. - Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschaft. In der Synagoge, Südanlage. Sabathfeier am 26. März 1904. Vorabend 6.15 Uhr. Samstag vorm. 8.30 Uhr. Nachmittags 4.00 Uhr. Sabathausgang 7.35 Uhr. Wochengottesdienst: Morg. 7.00 Uhr, Ab. 6.00 Uhr. Drud und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei( borm. Wilh. Keller), Gießen Verantwortlich: für den politischen und Inseratenteil: Albin Klein für das Lokale, der Gerichte-" und„ Deffentlichen Sprechfaal": Fr. Oppermann NAUMANNIA- SEIFE mit dem Beste Seifenah undfern! Achtung! Freiw. Gail'sche Feuerwehr Grosse Geld- Lotterie der Krankenpflege- Anstalten v. Roten Kreuz, Strassburg i.E. Ziehung garantiert 11. u. 12. April 6052 Baargewinne ohne Abzug 70000 M. 1 Hauptg. M. 20 000 1 Hauptg. M. 10000 1 Hauptgew- M. 5000 3 à 1000= 6 à 500 E30 à 100= M. 3000 M. 3000 M. 3000 60 à 50= M. 3000 350 Gew. zus. M. 5000 5600 Gew.zus. M 18000 Los 1 M.11 Lose 10 Mk. Port.u.List. 25Pf. versendet das Gen.- Debit J. Stürmer, Strassburg i. E. Ein W. Semmler. Ph. Weiler. Küchenmädchen sofort gesucht Alte Klinik, Gießen. Ein braver Junge als Bäckerlehrling gesucht. Gießen. Samstag, den 26. März, abds 8½ Uhr bei Kamerad Häuser, Schiffenbergerthal Hauptversammlung. Tagesordnung. 1. Jahresbericht, 2. Kassenbericht, 3. Verleihung der 5. 10, 15, 20 und 25 Dienstabzeichen, 4. Etwaige Anträge, 5. Verschiedenes. Servelatwurst Schinkenwurst Der Vorstand. Schinken, roh u. gekocht Mettwurst. Täglich: frischer Aufschnitt in falt und warm empfiehlt Carl Buss, Mezger. Gießen. Marktplan 5. Wilh. Löber, Bädermſtr. Cabnkalk- Industrie GrossenGießen, Wauthorstraße. Schöne Wohaung, Linden- Giessen. ( 4 3immer), mitten der Stadt ge= legen, billig zu verm. Näh. in der Erp. d. Bl. Grünberg. Schöne Wohnung, bestehend a. 3 Zimmern und Kuche nebst zubehör, inmitten der Stadt gelegen, zum 1. April zu vermieten. Bei wem sagt die Exp. d. Bl. Eine Wohnung, 1-2 Zimmer nebst Küche und Zubehör per sogleich zu vermieten. Rodheimerstraße 29. Brandplat 14 ist der 4. 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Arbeit nach Anweisung der Dienstherrschaft zu leisten. anu Dies trifft für das jedoch bei dem städtischen Gesinde ganz aenstbote ausschließlich " Mädchen für alles" zu. Denn wenn ein + iſt. ſo tönnen Nr. 68. Freitag, den 25. März. sche Familienze 1904 n 11 em De D DER VOLKS 2525 ANWALT Die rechtliche Stellung der Dienstboten. III. Ist nun also der Mietsvertrag gültig geschlossen worden, so sind beide Teile an ihn gebunden. Daraus ergibt sich für die Dienstherrschaft die Pflicht, das Gesinde zu der bestimmten( verraglichen oder gefeßmäßigen) Zeit anzunehmen, und für das Gesinde die Pflicht, zu dieser Zeit zuzuziehen. Weigert sich einer der beiden Teile, seiner Pflicht nachzukommen, so muß der andere Teil die Polizei anrufen, darf also nicht gleich sich an das Gericht wenden. Die Polizei prüft dann zuerst den Fall. Findet sie, daß das Gesinde mit Unrecht sich weigert, zuzuziehen, so wendet sie auf Antrag der Dienstherrschaft Zwangsmittel an, um das Gesinde zum Antritt des Dienstes zu bewegen. Solche Zwangsmittel sind Geldstrafen, an deren Stelle im Falle der Nicht- Einziehbarkeit Haftstrafe tritt, und ferner auch zwangsweise Zuführung in den Dienst. Vor der Ausführung der Zwangsmaßregeln droht die Polizei diese dem Dienstboten zunächst an, da vielfach schon die bloße Androhung Jenügen wird, um den Dienstboten von seiner pflichtwidrigen Abjicht abzubringen. Findet die Polizei, daß das Gesinde mit Recht sich weigert, den Dienst anzutreten( z. B. weil ein gültiger Vertrag nicht vorliegt), so versagt sie der Dienstherrschaft ihre Mithilfe, daß heißt also, sie erläßt die Zwangsdrohung nicht und wendet die Zwangsmittel nicht an. In solchen Fällen verweist sie die Dienstherrschaft auf den Weg der Klage vor dem Amtsgericht. Findet die Polizei, daß die Dienstherrschaft mit Unrecht sich weigert, das Gesinde anzunehmen, so darf sie gegen die Dienstherr= schaft Zwangsmittel nicht anwenden. Sie darf also nicht durch Geldstrafen oder durch Androhung von Geldstrafen die Dienstherrschaft zwingen, das Gesinde anzunehmen. Versteht sich vielmehr die Dienstherrschaft in solchen Fällen nicht dazu, das Gesinde auf Grund der polizeilichen Vermittelung freiwillig anzunehmen, so muß die Polizei dem Gesinde die weitere Geltendmachung seiner Ansprüche auf dem Wege des Prozesses vor dem Amtsgericht überlassen. Hat sich die Herrschaft, wie das Gericht findet, wirklich grundlos der Annahme des Gesindes geweigert, so treten zwei Rechtsfolgen ein. Zunächst verfällt der von der Dienstherrschaft dem Gesinde gegebene Mietstaler dem Gesinde, gewissermaßen als eine Art Privatstrafe. Herner aber muß die Herrschaft das Gesinde schadlos halten. Sie muß also dem Gesinde den Lohn für die vertragsmäßige Zeit, und wenn keine solche vereinbart war, auf ein Vierteljahr zahlen. Auch muß sie dem Gesinde den Geldbetrag zahlen, der auf die Mietszeit( oder auf das Vierteljahr) für Wohnung und Kost zu berechnen wäre. Ist es dem Dienstboten gelungen, für die fragliche Zeit einen anderweiten Erwerb zu finden, so muß der auf andere Art verdiente Betrag von der Schadensersatzforderung des Dienstboten in Abzug gebracht werden. Wird das Gesinde der Dienstherrschaft zwangsweise zugeführt, läuft aber wieder weg, so kann die Dienstherrschaft den Dienstboten auf Ersatz des Schadens in Anspruch nehmen, der z. B. durch Annahme eines andern Dienstboten für höheren Lohn entsteht. Dieser Anspruch ist von der Dienstherrschaft dann im Wege des ge= wöhnlichen Zivilprozesses durchzuführen. Dabei muß dann aber die Dienstherrschaft nachweisen, daß sie die Vermittelung der Polizei zunächst in Anspruch genommen hat. Troß gültig abgeschlossenem Vertrage ist die Dienstherrschaft dann berechtigt, den Zuzug des gemieteten Gesindes zu verwehren, wenn ihm Gründe bekannt werden, die das Recht geben würden, nach Antritt des Dienstes das Gesinde vorzeitig zu entlassen.( Diese Gründe werden weiterhin näher angegeben werden.) Andererseits ist das Gesinde berechtigt, trotz gültig abgeschlos= senem Vertrage den Antritt des Dienstes dann zu verweigern, wenn es erfährt, daß die Dienstherrschaft im letzten Dienstjahre gegen andere Dienstboten sich Handlungen hat zuschulden kommen lassen, die das Gesinde zum vorzeitigen Austritt berechtigen. Weigert sich die Dienstherrschaft mit Recht, das Gesinde anzunehmen, so kann sie das Mietsgeld zurückfordern. Weigert sich der Dienstbote mit Recht, zuzuziehen, so muß er das Mietsgeld zurückgeben. Eine eigenartige, sehr galante Bestimmung enthält das Gesetz für weibliche Dienstboten: Erhält weibliches Gesinde vor dem Antritt der Dienstzeit Gelegenheit, sich zu verheiraten, so steht ihm frei, eine andere taugliche Person an seiner Stelle zur Ausübung des Dienstes zu stellen. Gelingt dies nicht, so muß auch das weibliche Gesinde den Dienst antreten, braucht ihn aber, ohne Rücksicht auf die vertragliche Dauer, in Städten nur auf ein Viertel jahr, auf dem Lande auf ein halbes Jahr zu versehen. Im Dienst ist das Gesinde schuldig, alle im Haushalt notwendige Arbeit nach Anweisung der Dienstherrschaft zu leisten. Dies trifft jedoch bei dem städtischen Gesinde ganz allgemein nur für das „ Mädchen für alles" zu. Denn wenn ein Dienstbote ausschließlich zu bestimmten Arbeiten gemietet ist, so können andere Arbeiten als die in ihr Gebiet schlagenden von ihr nicht verlangt werden. Wird z. B. in einem größeren Haushalt, in dem mindestens zwei Dienstboten sind, ein Dienstmädchen ausdrücklich als„ Köchin" gemietet, so braucht diese Köchin nicht mit der Wartung der Kindar sich zu beschäftigen. Wird jedoch das außer der Köchin vorhandene Kindermädchen fre so ist die Köchin verpflichtet, auf eine kurze Beit so lange nach dem ganzen Sachverhalt für die Herr schaft nötig ist, um Ersatz zu bekommen- auch bei der Kinderwartung behilflich zu sein. - Gegenüber der Herrschaft muß das Gesinde sich bescheiden und ehrerbietig betragen. Dies ist gewiß ein billiges und gerechtes Verlangen. Weiter aber enthält die alte preußische Gesindeordnung, die aus dem Jahre 1810 stammt und das ganze Gesindeverhältnis von einem patriarchalischen Gesichtspunkte aus betrachtet, folgende, heutzutage eigenartig anmutende Bestimmung:„ Reizt das Gesinde die Herrschaft durch ungebührliches Betragen zum Zorn und wird in selbigem von ihr mit Scheltworten oder geringen Tätlichkeiten behandelt, so kann es dafür keine gerichtliche Genugtuung fordern. Diese Bestimmung ist insofern eigenartig, als im allgemeinen niemand, der nicht Erzieherrechte hat, einen andern Menschen schelten oder schlagen darf, ohne sich der strafbaren Beleidigung oder der strafbaren Körperverletzung auszusetzen. Als nun am 1. Januar 1872 für ganz Deutschland das Reichsstrafgesetzbuch in Kraft trat, das die Beleidigung und die Körperverletzung ganz allgemein unter Strafe stellt, da wurde von namhaften Schriftstellern behauptet, daß damit jene Bestimmung der preußischen Gefindeordnung aufgehoben sei und sonach die Dienstherrschaft gegenüber den Dienstboten nicht mehr die durch die Gesindeordnung ge= gebene Ausnahmestellung einnehme. Die höchsten Gerichtshöfe aber, nämlich das preußische Obertribunal, das Kammergericht und auch das Reichsgericht, haben übereinstimmend erklärt, daß diese Ansicht rechtsirrtümlich sei und daß jene Bestimmung der Gesindeordnung nach wie vor gelte. Nun ist am 1. Januar 1900 das Bürgerliche Gesetzbuch für Deutschland in Kraft getreten. In dem Einführungsgesetze zum Bürgerlichen Gesetzbuche ist bestimmt, daß im allgemeinen, abgesehen von einigen besonderen Bestimmungen, die bisher in den einzelnen deutschen Staaten geltenden Gesindeordnungen, also auch die preußische Gesindeordnung, in Kraft bleiben sollten. Dann sagt das Einführungsgesez aber noch ausdrücklich:„ Ein Züchtigungsrecht steht dem Dienstberechtigten dem Gesinde gegenüber nicht zu." Diese Vorschrift, sollte man denken, habe jene alte Bestimmung der Gesindeordnung aufgehoben. Das Kammergericht aber, das als höchstes preußisches Gericht über diese Frage zu entscheiden hatte, hat folgendes erklärt: Ein Züchtigungsrecht stehe allerdings der Dienstherrschaft gegenüber dem Gesinde nicht zu, habe auch schon nach der preußischen Gesindeordnung der Dienstherrschaft gegenüber dem Gesinde nicht zugestanden. Verschieden davon aber sei die Frage, ob eine trotzdem erfolgte Züch= tigung sofern sie noch als geringe Tätlichkeit" anzusehen sei, strafbar sei. Diese Frage der Strafbarkeit sei in dem Reichseinführungsgesetz weder direkt noch indirekt entschieden. So bleibe also jene Bestimmung der Gesindeordnung, weil nicht aufgehoben, in Kraft. So hat das Kammergericht einen Dienstherrn, der seinem Dienstmädchen, durch eine ungezogene Antwort gereizt, eine Ohrfeige gegeben hatte, von der Anklage der Körperverletzung freigesprochen. Man wird zugeben müssen, daß dies ein höchst unbefriedigendes Resultat ist. Wenn durch Gesetz und Rechtsprechung anerkannt ist, daß dem Dienstherrn gegenüber dem Gesinde ein Züchtigungsrecht nicht zusteht, so soll daraus auch die Folge gezogen werden, daß eine trotzdem erfolgte Züchtigung des Dienstboten den allgemeinen Regeln des Rechts, auch des Strafrechts, über Mißhandlungen( Körperverletzungen) untersteht. Die Dienstherrschaft hat bei ungebührlichem Betragen des Dienstboten in hohem Maße durch die Gesindeordnung Schutz gefunden. Liegt die Ungebühr des Dienstboten in hartnäckigem Ungehorsam oder Widerspenstigkeit, so kann außerdem das Gesinde auf Antrag der Dienstherrschaft mit Geldstrafe von 15 Mark oder Haft bis zu drei Tagen bestraft werden wozu soll also bei Tätlichkeiten der Dienstherrs schaft eine Straftat dienen, die dem modernen Bewußtsein widerstrebt, dem Sinne der reichsgesetzlichen Bestimmung zuwiderläuft und nur durch eine künstliche Gesetzes- Auslegung gehalten werden fann? - Nr. 68. S Freitag, den 25. März.** 1904 Oberbessische Familienzeitung. Tägliche Unterhaltungs- Beilage der Gießener Neueste Nachrichten. Band and Berlag ber Gießener Berlag@ braderet, vorm. Wilh. Keller'sche Buchbruckerei( gegz. 1788); sesenter:[ bin loie ( 81. Fortsetzung) Der Goldmarder. Original Roman von M. Begold. Ich will mit Alfred darüber reden," sagte Martin nach furzem Nachdenken, vielleicht kann er auf seinen Gütern trgend einen annehmbaren Posten finden. Er will ohnedies unter dem alten Personal aufräumen, von dem Viele penfioniert werden sollen." „ Gut," sagte Adolph, Pläne wollen wir noch nicht machen, so lange der schuldlose Mann nicht befreit ist. Wie gedenkst du nun die Sache zu ordnen? Willst du selbst meinen Onkel besuchen?" Ich muß wohl," seufzte Martin, in meinen Händen sind die Beweise, ich darf sie keinem anvertrauen." „ Es wird ein schwerer Gang für dich sein." ,, Willst du mich beginiten?" ,, Nicht gerne!" ..Das glaube ich dir, indessen im Interesse der Sache wäre es wünschenswert. Er wird nicht wagen, mich leichthin abzufertigen, oder mir Trotz zu bieten, wenn du neben mir stehst, unsere gemeinsamen Warnungen werden den Druck auf ihn üben, mit dem wir ihn zwingen müssen." Adolph hatte die unterbrochene Wanderung wieder aufgenommen, die Falten auf seiner Stirn ließen erkennen, daß dieser Vorschlag ihm nicht angenehm war. Sei es denn!" sagte er nach einer langen Pause,„ ich mill dich begleiten. Es handelt sich ja um die Ehre unserer Familie. Wann sollen wir den schweren Gang machen?" „ Natürlich heute noch. Wann ist es dir genehm?" Ich kann augenblicklich nicht, einige Patienten warten noch auf mich, gleich nach Tisch werde ich dir aber zur Verfügung stehen. Wenn jeder von uns Punkt zwei Uhr das Haus verläßt, so begegnen wir einander auf halbem Wege, die Patienten, die zur Sprechstunde kommen, werden heute einmal warten müssen." Ich werde pünktlich sein," sagte Martin, den Handdruck erwidernd, mit dem der Freund Abschied nahm.„ Berrate deinem Vater nichts, wir müssen schweigen, die Möglichkeit ist ja noch nicht ausgeschlossen, daß wir unser Geheimnis bewahren können." Können wir es, ohne dadurch den schuldlos Angeklagten zu schaden, so soll es geschehen," antwortete Adolph,„ vor allen Dingen verlange ich, daß diesem Manne nicht nur die Freiheit, sondern auch die Ehre zurügegeben wird." „ Ich glaube den Grund zu erraten, der dich zu dieser Forderung bestimmt-" Kennst du ihn, so wirst du mir beipflichten. Und nun lebe wohl. Punkt zwei Uhr komme ich dir entgegen." Martin schloß die Türe wieder zu und wanderte noch lange auf und nieder, aber als er zum Mittagessen in's Wohnzimmer trat, hatte er seine Ruhe, wenn auch nur äußerlich, wiedergefunden, er konnte sogar scherzen über die besorgten Fragen, die Ida an ihn richtete. ( Nachdruck verboten.), Sechzehntes Kapitel. In den elegeanten Räumen des Spangenberg'schen Hauses herrschte jene Unordnung, die in der Regel jedem großen Gest vorherzugehen pflegt. Dekorateure und Gärtner waren mit der Ausschmückung des Flurs und der Treppe emsig beschäftigt, überall, wohin man sah, regten sich fleißige Hände, und Joachim Spangenberg durchwanderte unablässig die Räume, um die Ausführung seiner Anordnungen zu überwachen. Es sollte ein glänzendes, großartiges Fest werden, Spangenberg wollte damit den Neid herausfordern und zugleich der Residenz beweisen, wie hoch er wieder in der Gunst des Fürsten stand. Es war noch zweifelhaft, ob der Fürst in eigener Person das Fest mit seinem Besuch beehren würde, Spangenberg hoffte es zuversichtlich, denn der Hofmarschall hatte schon eine halbe Zusage gegeben. Auch von dem Adelsdiplom war dabei die Rede gewesen, es sollte dem Glücklichen vor Beginn des Festes überreicht werden. Aber so hoch auch Joachim Spangenberg jetzt wieder den Kopf tragen mochte, bei seiner Tochter fand er kein Verständnis für seine stolzen Zukunftsträume, das sollte er auch heute beim Mittagstisch wieder erfahren. Gustav berichtete dem Vater, im Polizeibureau sei ein alter Sekretär entlassen worden, sein Schwager habe ihm diese Stelle angeboten. Er finde das lächerlich, denn er strebe nach höherem, Schreiber könne er immer noch werden, wenn er im Tagelohn um sein tägliches Brod arbeiten müsse. Und das wird dir blühen, wenn du nicht bald in streng geregelte Tätigkeit kommst," sagte Irma, die ihrer Entrüstung über den hochmütigen Sohn des Bruders nicht gebieten konnte. Ich rate dir, nimm das Anerbieten an, mit Kleinem muß man anfangen, wenn man Großes erreichen will. Du hast kein Vermögen, und auf Fürstengunst_darfst du auch nicht pochen, wer darauf baut, der baut auf Sand." Irma hat Recht, sie malt nur etwas zu schwarz," wandte Spangenberg sich zu seinem Sohne." Nimm einstweilen die Stelle an und gedulde dich, bis etwas Besseres sich findet. Dein Müßiggehen gefällt auch mir nicht, arbeiten muß Jeder, wer's in der Jugend nicht lernt, kann's im Alter nimmermehr. Wenn Fräulein v. Derendorf meine Gattin geworden wäre, so hätte ich besser für dich sorgen fönnen, ich würde dich in die Welt hinausgeschickt haben, davon kann nun leider keine Rede mehr sein." Ein tropiger Ausdruck lag in dem Gesicht Gustav's, doch erwiderte er nichts, während sein Vater sich erhob, um in sein Kabinet zu gehen. Dort machte Spangenberg es sich in einem Sessel bequem, um das gewohnte Mittagsschläfchen zu halten. Kaum war er etwas eingenickt, als jedoch der Dtener erschien und ihm den Doktor Spangenberg und den Hofjuwelier Kassel anmeldete, die in dringender Angelegenheit sofort eine Unterredung wünschten. ,, Hat man denn keine Minute Ruhe?" brummte er.„ Die Herren wissen doch, wie sehr ich beschäftigt bin-" 1: 73 Saus gebracht 60 Monnement@ prete: und die Birkewer Das Blatt eribelut an Benttobellagen: Oberb „ Du wirst entschuldigen, Onkel," unterbrach Adolph ihn, der mit seinem Freunde eintrat, was uns hierher führt, gestattet keinen Aufschub." Nun, was ist es?" fragte Spangenberg unwillig, als der Diener sich wieder entfernt hatte. Ich habe nur wenig Zeit, fasse dich kurz, so kurz wie möglich." " Sind wir hier vor unberufenen Horchern sicher?" nahm Martin mit gedämpfter Stimme das Wort. ,, Das klingt ja sehr geheimnisvoll," spottete der Direktor. „ Ich habe keine Horcher und Spione in meinem Hause, nur immer heraus mit dem Geheimnis!" „ Kennen Sie einen gewissen Joseph Bernauer?" fragte Martin, den Blick fest auf ihn heftend. Joachim Spangenberg sprang von seinem Sessel auf, ein Bornesblitz traf aus seinen Augen den Fragenden. „ Was soll das?" rief er.„ Wer hat Sie zu dieser Frage ermächtigt." „ Diese Bricje," antwortete Martin, indem er die Papiere aus der Tasche holte, sie tragen Ihre Handschrift. Ihren Inhalt werden Sie kennen, Herr Direktor, einer langen Auseinandersetzung zwischen uns wird es hoffentlich nicht bedürfen, sie kann für beide Teile nur peinlich sein. Der Brüsseler Juwelier, mit dem Sie in Verbindung standen, hat mich heute Morgen besucht, von ihm erhielt ich mehrere Münzen aus der verschwundenen Sammlung, von ihm er juhr ich auch, wozu Sie den Schmelztiegel benutten, den Sie leihweise von mir erhielten." Lüge! Alles Lüge!" brauste Spangenberg auf.„ Und Sie, der Verlobte meiner Tochter, geben sich dazu her, diese Anklage gegen mich zu erheben? Sie werden niemals mein Schwiegersohn werden, Sie-" Mäßige dich, Onkel," fiel Adolph ihm ernſt in die Rede. „ Nur dem Umstande, daß Martin der Verlobte Irma's iſt, verdankst du es, daß du noch nicht verhaftet bist. Es ist uns jeiden schwer geworden, an deine Schuld zu glauben, aber die Beweise sind überzeugend, wir können nicht zweifeln." Der Sohn Schönbach's" ,, Nein, Herr Direktor," schnitt Martin dem vor Erregung zitternden Manne das Wort ab, suchen Sie keine Ausflüchte, Sie werden sich dadurch von der Schuld nicht reinigen. Sie haben die ersten Münzen persönlich in Brüssel verkauft, es waren sechs Stück, die sich in meinem Besize befinden. So dann schickten Sie von Berlin aus Münzen und geschmolzenes Gold an jenen Juwelier, das Geld dafür wurde Ihnen nach Berlin in's Hotel de Rome gesandt, Sie führten dort den Namen Joseph Bernauer. Wenn Sie dies leugnen wollen, jo zwingen Sie uns, den Juwelier Ihnen gegenüber zu stellen, seine Beschreibung Ihrer Person beweist uns, daß er Sie mit überzeugender Sicherheit rekognoszieren wird. Noch ist die Sache unser Geheimnis, der Brüsseler Juwelier kennt Ihren wahren Namen nicht, er hat mir Verschwiegenheit versprochen. Verlangen Sie sein Zeugnis, so ist das Geheimnis der Beffentlichkeit preisgegeben, und wir können Sie nicht mehr schüßen. Sie verdienen diesen Schutz nicht, denn mit faltem Blute lassen Sie den Schuldlosen im Gefängnis ſizen, es wäre Ihnen sogar gleichgiltig, wenn er verurteilt und seine Familie in's tiefste Elend gestürzt würde. Aber Irma's wegen wollen wir, so weit es in unseren Kräften liegt, die Schande von Ihnen fern halten, wenn Sie Ihre Schuld offen bekennen und uns dadurch in den Stand setzen, einem Schuld losen Ehre und Freiheit zurückzugeben." Joachim Spangenberg hatte den Beiden den Rücken gevandt; mit verschränkten Armen stand er in der Fensternische, nur das Beben seines Körpers verriet ihnen den Sturm, der in seinem Innern tobte. „ Lüge!" knirschte er.„ Die Handschrift ist gefälscht, ich fenne feinen Juwelier in Brüssel! Sie werden bereuen, diesem Dummkopf, oder Verleumder Glauben geschenkt zu haben! Suchen Sie den Sohn Schönbach's und stellen Sie ihn den Juwelier gegenüber! Wie kannst du nur an dieser Infamie dich beteiligen, Adolph? Bedenkst du nicht, daß wir denselben Namen tragen? Gilt deine eigene Ehre dir gar nichts?" Gälte sie mir nichts, so würde ich Martin geraten haben, seine furchtbare Entdeckung dem Gericht anzuzeigen," antwortete Adolph in seiner ernsten, ruhigen Weise, nur die Rücksichten auf unsere Familie konnten mich bestimmen, diese Anzeige einstweilen zu unterlassen." Ich sprach vorhin von einem Schuldlosen," nahm Martin wieder das Wort, der jede Bewegung des erregten Mannes scharf beobachtete, ich vermute, ihrer sind zwei! Die SchönArmbandgeschichte ist auch noch nicht aufgeklärt, Peter bach behauptet, er habe diesen Diebstahl nicht begangen, und das Armband selbst ist unter sehr eigentümlichen Umständen im Museum gefunden worden." ,, Was unterstehen Sie sich?" brauste Spangenberg auf, aus der Fensternische heraustretend und die geballte Faust gegen Martin erhebend.„ Wie dürfen Sie wagen, auch diese Anklage gegen mich-" Ich fühle mich verpflichtet, für den schuldlos Angeklagten einzutreten!" unterbrach Martin ihn, und sein Blick ruhte furchtlos auf dem dunkelroten Antlitz des Direktors. Ich darf nicht schweigen, wenn ich die Verurteilung eines unschuldigen verhindern kann, vor meinem Gewissen könnte ich das niemals verantworten." ,, Aber den Vater Ihrer Braut zu verleumden und unglücklich zu machen, das können Sie vor Ihrem Gewissen verantworten?" höhnte Spangenberg, auf dessen Stirne die Adern anschwollen. Fürchten Sie nicht, daß Irma dafür Rechenschaft von Ihnen fordern wird?" ,, Nein," antwortete Martin, es ist mein höchster Wunsch, daß Irma Ihre Schuld nicht erfahren möge, nur von Ihnen hängt es ab, ob der Wunsch, der doch auch in Ihrem Interesse liegt, Erfüllung finden soll. Käme es aber anders, würde Ihr Name öffentlich an den Pranger genagelt, Irma könnte mir keinen Vorwurf machen." „ Höre den Vorschlag, den wir dir machen wollen, Onkel," sagte Adolph,„ wir müssen ja alle wünschen, daß deine Schuld geheim bleibt." „ Dein Wunsch geht einzig und allein dahin, den Vater der Dirne zu befreien, die dich in ihren Netzen gefangen hat," erwiderte Spangenberg mit schneidendem Hohn,„ ihre Dankbarkeit gilt dir mehr, als die Ehre deiner Familie!" ,, Auf diesen ungerechten Vorwurf antworte ich dir nicht," entgegnete Adolph, in dessen Augen nun auch Zornesglut aufloderte, aber ich warne dich ernstlich vor einer weiteren beleidigenden Aeußerung über das unglückliche Mädchen, auf dessen Ehre nicht der leiſeſte Flecken ruht. Reize uns nicht, Onkel, wir könnten die Geduld verlieren und jede Rücksicht vergessen, dann aber führt der nächste Weg uns zum Unterſuchungsrichter!" „ Und zwingen Sie uns, diesen Weg zu gehen, dann werden Sie dem gerechten Lohne für Ihre Taten nicht entrinnen," fügte Martin mit scharfer Betonung hinzu.„ Ich brauche Ihnen wohl nicht zu sagen, welche Strafe das Gesetz über Sie verhängen wird. Sie mußten das schon wissen, ehe Sie die unselige Tat begingen. Hoffen Sie nicht, daß sie Ihnen nicht bewiesen werden könne! Diese Briefe und das Zeugnis des Brüsseler Juweliers genügen, Sie zu überführen, außerdem wird es wohl auch gelingen, den Schlosser aufzufinden, der Ihnen die falschen Schlüssel angefertigt hat." Joachim Spangenberg zuckte zusammen, er stand vor seinem Schreibtisch und blickte starr vor sich hin. ,, Weiter!" kreischte er. Was haben Sie mir noch zu sagen?" Zuvörderst will ich Sie über das Schicksal Irma's beruhigen," fuhr Martin fort. Wie auch die Dinge sich geſtalten mögen, ich lasse nicht von meiner Braut, das Wort, das ich ihr verpfändet habe, löse ich ein. Die Schande des Vaters würde allerdings einen Schatten auf das Glück Irma's werfen, und deshalb wünsche ich, daß sie nicht ruchbar werde. Wir verlangen von Ihnen ein ausführliches, schriftliches Schuldbekenntnis, welches hinreicht, den Untersuchungsrichter von der völligen Schuldlosigkeit Heinrich Schönbach's zu überzeugen. Ob Sie dabei auch die Armbandgeschichte wir üben in dieser Angelegenheit keinen Druck auf Sie, weil aufklären wollen, überlassen wir Ihrem eigenen Gewissen, wir nicht mit Sicherheit wissen, ob unsere Vermutungen richtig sind. Geben Sie uns dieses Bekenntnis, so lassen wir Ihnen Zeit, über die Grenze zu flüchten und Ihre Person in Sicherheit zu bringen, dann überreiche ich ſelbſt dem Fürſten Ihr Schreiben, und ich hoffe, er wird meine Bitte erfüllen und auf Ihre Verfolgung verzichten. Dann wäre wenigstens die Ehre Ihres Namens gerettet, die Opfer, die dafür gebracht werden müssen, will ich nicht verweigern." ( Fortsetzung folgt.) Was prangt ihr so stolz, ihr Rosen, Als wärt ihr der Schönheit Bild? Weil schmeichelnde Lüfte euch kosen? Weil Schmetterlings Sehnsucht ihr stillt? Nicht immer umflattern euch Falter; Nicht immer umkoſt euch der Süd. Der Nordwind verjagt eure Freier, Und ihr seid verwelkt und verblüht. Seemoos. Ein Märchen von Elisabeth Platen. ( Schluß.) ( Nachdruck verboten.)) Beraubt war die Holde ihres köstlichen Schmuckes, des goldenen Mantels. Kurz und kraus nur umrahmte das Haar ihr herrliches Haupt. Jezt packte das Meervolk Entsetzen. Aegir aber erhob nach drückendem Schweigen seine vor Erregung wie Donner Hallende Stimme, um seinen Fluch zu schleudern über die, so ihm dieses getan. Die Jungfrau erwachte. Im jähen Schrecken wollte sie vor dem Greis mit dem langwallenden Haupt- und Barthaar entfliehen. Darum wandelte der Greis sich zu dem blühenden Jüngling, zu dem Heinke in Liebe entbrannt. Diesem fiel sie jubelnd in die Arme. Ihr Hoffen, ihr Sehnen war erfüllt, sie war die Seine. Als Aegir sie die letzten Stufen zum Palast hinaufführte, hemmte Heinke zögernd ihren Schritt. ,, Lasse, Geliebter, nicht Kummer und Trauer sich an meinem Einzug heften. Erlasse den Frevlern die Strafe!" bat sie beweglich. Als der Gott sah, wie ihr blaues Auge sich vor Erregung zum dunklen Seegrün färbte, sprach er:„ Nicht ohne Sünde darf bleiben so schwerer Frevel; doch will ich die Strafe mildern. Auf daß ihr erfahret, wie leichter Zerstören als Schaffen, so nehmt was Ihr raubtet. Spinnt oder webt, färbt oder glättet, fügt fest zusammen oder löset! Doch müßt ihr gewinnen Gespinnst fein wie Seide, glänzend wie Gold. Ist vollendet dieses Werk, so legt es der Herrin zu Füßen." Dem Meervolk erschien diese Strafe nicht hart. Sie eilten von dannen, froh ihes Raubes. Sie trugen ihn hinab zu des Meeres Grund und ergößten sich an seinem Anblick, bis die salzige Flut ihn seines Goldglanzes beraubt hatte. Dann ließen sie ihn achtlos liegen und vergaßen des Befehls ihres königlichen Herrn. Aber Aegir kam mit Sturm und Brausen, die Säumigen zu mahnen. Jetzt fuhren sie eilend hinab zu Tiefe des Meeres und hielten dort ihren Nat. Was nun beginnen? Ein listiger Seeteufel, ein alter, der schon viel böses verübt hatte, wußte Rat. Glaubt mir", sprach er, längst bleichte das Haar unserer Königin. Hier seht diese Algen, den glänzenden Tang, lang ist er und fein, ganz ähnlich dem Haar; ihn tragt als Frucht eurer Arbeit zum Königstron!“ Bagend und mit bösem Gewissen machten sich die Abgesandten auf die Reise zum Königspalast. Ach, wie verschieden war doch ihre Gabe von dem Haar der Königin, das diese umfloß viel schöner als je. „ Damit Aegir euch geneigt werde, sammelt so viel der Meeralge, als Ihr vermöget!" hatte der Seeteufel, der Arge, geraten. Nun lagerte es berghoch vor dem Glaspalast bis zur Oberfläche des Wassers, dort gleichend den Wiesen des Marschlandes. 18 die Königin die Bedrängnis der Abgesandten sah, tauchte ihr Blick liebevoll in den ihres Gatten. Doch Aegir gebot zornig hebt Euch hinweg. Im Tod möget Ihr dahinfinlen, denen eine willkommene Beute, die nach Euch trachten! aber gewahrte, wie das blaue Auge der Königin Hich vor Mitleid und Grauer zum tiefdunklen Seegrün ver. onbalte, ward er milder und gebot seinen Untertanen Wind nelle, die zur Piste) au tragen, mo sie, des Mors verachtetes straut, den Menschen zum Segen werden Jula ,, Was zum Gestade trägt die Flut, Soll durch lodernden Feuers Glut Zerstört zu neuem Leben dringen!" Und edles Silber als Lohn erringen. Der Königin aber nahm er vom goldenen Haar und reichte es den zitternden Sendboten: Auf daß meiner Königin Augen Bläue Erstrahle im Glück, in Liebe aufs neue: Nehmt dies hinab zur Tiefe der See, Lindern wird es dann Euer Weh, So ihr es pflanzt auf des Meeres Grunde Um Holsteins Küste, weit in der Runde. Dort soll es gedeihen, Wie Blumen im Maien! Gleicht es dem Teppich auf Marschlands Auen: Dann harret des Königs und seiner Frauen: Wir feiern beim Vollmond den Elfen gleich, Auf Goldmoos ein Fest dann, an Freuden reich!" Jetzt verließen die Abgesandten eilend den Hof, huschten hinab zur Tiefe des Meeres, wie Aegir geboten und pflanzten dort das goldene Haar sorgfältig. Das Haar wuchs und gedieh. Ranken bildete es. Mit Entzücken schauten die Fische traubengleich üppige Gebilde, besetzt mit seinem Gefieder, seidenweichen Härlein gleichend. Aber ach, des Haares goldblonde Farbe ging mit dem Wachstum verloren. Einem wunderbaren Moosteppich gleich, wie der König gewünscht, bedeckte es den Boden des Meeres, aber fahl; dem von Wind und Wasser verblichenen Haar glich es, und nicht dem der holden Herrscherin. Wie wird Aegir murren und zürnen!“ ſeufzte_ſie_angſtvoll. Als der Gewaltige kam im königlichen Glanz, das Fest zu feiern, wie er verheißen und statt des goldenen das fahle Moos erblickte, sprach er gesenkten Hauptes:„ Auch Königen ist nicht alles gegeben!" Und zur Gemahlin, indem er ihr liebevoll in die Augen schaute: Liebe aber kann alles ge= währen. Zum Heil der Erde, die dich trug, als Gruß für die deinen, nach denen Du wohl manchmal noch heimlich in Sehnsucht bebſt, werde, was mich gemahnt, daß Macht nicht alles vermag." Und er sandte Wind und Welle mit dem Seemoos an die Ufer als Spende für die Armen, die es alsbald zu einem Schmuck für die Gemächer der Reichen einholten und manch funkelndes Goldstück, rot wie das Haar der holden Meerkönigin, in ihre Truhen brachte. Die Königin aber sorgte dafür, daß die Gabe ihnen nicht unter Gefahren zu teil wurde. Gehorsam dem Befehl der Herrscherin trägt die Flut das fahlgelbe Seemoos dorthin, von wo sie sich bald zurückzieht, in den Priel, an die von dem Seewasser befreiten Watten. Alte und Schwache, der schaffenskräftige Mann, Witwen und Kinder, sie ziehen hinaus mit Neßen und Stangen, während der Ebbe das Seemoos zu sammeln. Vor der wiederkehrenden Flut eilen sie mit reichem Ertrag in den Körben zum Lande zurück, nicht ohne die Neße von neuem gestellt zu haben zum neuen Gewinn; denn unerschöpflich scheint die Gabe des Meeres. Poesie- Album. Was mich mit siegender Gewalt In deine Nähe zwingt, Warum dein Wort so hold vertraut, So heimatlich mir klingt? Kennst du die wunderbare Macht, Die uns're Seelen cint?: Eh' sie die Erdenhüll' umschloß Einst, waren sie vereint. Nun lauscht das Herz dem Klang, der wach Ihm die Grinn'rung ruft; Und voneinander wissen wir „ Verhüllt, in Gederduft". Zum Anfauf if es Gurit Bismard". Dies lond wat tatsächlich bei d Staufs von Schnelda Arei erschien jedoch der fie bron dem Ankauf Abi lig och etwas aus den abzuijehen. Die G Kurop ift, wie man uns juriei- Urmee vertretun end gültig zum Kriegsmi für Kyrill Wladimiro eingetroffen ist, wurde des tommandierenden rals! Matarom. late e, Mach japanischen M ruffischer Truppen, Koj Anting überschritten. if ither Nichtung, die bei Undschu vorbeiström ujer stehen die Japane bi den Parteien werden Nuf russischer Seite erionalberanderungen genommen. Der bisheri Ernennung Ein neues Ge Gine gestern in der lide Meldung des Goub ein Gefecht der Ko am Dinatatoberg. Die Am 16. März find itigem Verlust von det en zurückgeworfe 10 Tote. Am 19. ta fcht, 355 Kinder un Gegend nördlich Ofa bo mn Feind, große Mo heug, am unteren Die in dem hier er cinern weiteren Telegra பே Verstä Fern ein Teil von S Hauptmann Sa ferre und Mannschaft fichtstarten. Nad hamburg ein und Pampers Feldmarschall Meren des Senats und Kaiser und it der Reiter Johann Creebataillons, aus methten Arm). Bei Dort ist nach einer& Stormte Gftorff am 24. Som dem neuen leitt verwundet der U und die Truppen Li Bolach eine Beg Euer Kaiser aus und ben!" agn zu. Die Uhr fetzte sich Wehrt die demnächst Heber . bormittags tre Bulitommandos am Torte erfährt unse on Bord Markgraf" hamburge und b 17 auium Markgraf" Enervios" Hauptma