Nr. 71. bonnement& prets: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., Saus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertelfährlich Mr. 1.50. tibetlagen: Oberbeffifthe Familienzeitung( täglich) und die Gießener Geifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Donnerstag, den 24. März 1904. Gießener 13. Jahrgang Insertionspreis: Die einspaltige Betitzeile für ganz heffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Bfg. sonft 16 Reklamen die Petitzeile 30 refp. 40 Pfg. Boftzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg Fernsprechanschluk Nr. 362. Neueste Nachrichten ( Sichener Tageblaff) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeifung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen Tuchen. Gießen, den 22. März 1904. Betr.: Neuauflage des Gesangbuches mit Noten. Die Gr. Kreisschulkommission Gießen an die Schulvorstände des Kreises. Mit Bezug auf das im Kreisblatt Nr. 2 von 1902 abgedruckte Ausschreiben der oberen Schulbehörde vom 13. Dezember 1901 teilen wir Ihnen nachstehend einen hneiteren Grlaß der genannten Behörde zur Kenntnis mahme und weiterer Veranlassung mit. Dr. Breidert. Darmstadt, am 12. März 1904. zu Nr. M. d. J. I. 7744. Betr.: Wie oben. Das Großh. Ministerium des Innern ( Abteilung für Schulangelegenheiten) an die Großh. Direktionen der Gymnaften, Realgymnasien, Overrealschulen, Realschulen und hullehrerseminarien, die Kuratorien der höheren Mädchen- und Bürgerschulen, sowie die Großh. Kreisschulkommissionen. Unter Bezugnahme auf unser lith. Ausschreiben vom 13. Dezember 1901( zu Nr. M. d. J. I. 35720) benachrichtigen wir Sie, daß nach Mitteilung Großherzogl. berfonsistoriums das Gesangbuch mit Noten vergriffen und eine Neuauflage in Vorbereitung ist. Das Gesangbanch wird in der neuen Auflage besseres Papier und überhaupt bessere Ausstattung aufweisen und in einfachen nband voraussichtlich 1 Mk.( Ladenpreis) kosten. Aus technischen Gründen wird sich sein Erscheinen bis etwa einen Monat nach Beginn des neuen Schuljahres verzügern. Da es nun aber nicht wünschenswert wäre, wenn ein ganzer Jahrgang von Schülern sich inzwischen mit an deren als Notengesangbüchern versehen würde, empfehlen wir Ihnen, die in Betracht kommenden Schüler durch Vermittelung betr. der Klassenlehrer zu veranlassen, sich ihr Gesang buch erst nach Erscheinen des neuen Notengesangbudes anzuschaffen. Großh. Oberkonsistorium wird dafür Sorge tragen, vom Erscheinen der neuen Auflage öffentlich Kenntnis gegeben wird. doc Eisenhuth. de Beauelair. Die Welf, bie Hohenzoller! Immer wieder gehen Nachrichten durch die Presse, die tton Annäherungsversuchen zwischen Kaiser Wilhelm und dem Herzog von Cumberland fabeln. Jetzt kommt nbieder ein braunschweigisches Blatt mit allerhand ErzähIngen, die den Eindruck machen, als gingen diese Annähermingsversuche von Berlin aus und würden vom Cum bierländer zurückgewiesen. Das Blatt erzählt u. a.: Der Herzog von Cumberland ei im vorigen Jahre, als Kaiser Wilhelm nach Kopenhagen reiste, diesem ausgewichen. Er reiste ab unter der Begründung, daß sein Sohn Prinz Ernst August in Gmunden von den Masern befallen sei. Daß diese sehr gutartige Krankheit nur ein Vorwand für die Abreise gewesen sei, gehe aus einer Mitteilung von Kopenhagen hervor, wonach der Herzog bei der Anmeldung des Maiers für den 2. April ausgerufen haben sollte:„ Dann rozise ich am 1. April." Den Vorstellungen seines Schwiegerbaters, des Königs von Dänemark, sei es gelungen, ihn von defer Demonstration abzubringen und ihn zu bestimmen, erheblich früher dem Kaiser aus dem Wege zu gehen. Weiter erzählt das Blatt: Es sei jezt ganz zuverlässig bekannt geworden, daß Kaiser Wilhelm, der mit seiner Reise nd Kopenhagen eine Annäherung an das Haus CumberTond angestrebt habe, sich über das geflissentliche Ausweichen des Herzogs so verletzt gefühlt habe, daß er es einem hochgestellten Militär gegenüber als einen Affront für sich bezeichnete. Zu einem hohen Regierungsbeamten habe er de leußerung getan, daß er dem Herzog nun nicht mehr nachlaufen könne". Das Blatt verbürgt sich dafür, daß diese ngabe unbedingt zuverlässig sei. Gleichzeitig versichert es, daß die Gerüchte über eine Verbindung der Familie Cumberlond mit dem kaiserlichen Hause keineswegs völlig aus der Luft gegriffen seien. Die Herzogin sei sogar bemüht geesen, dafür ihren Gemahl zu gewinnen; sie habe jedoch Einen Erfolg erzielt, weil eine von Hannover erschienene Abordnung den Herzog gegen den Plan einzunehmen wußte. Wir stellen demgemäß auf Grund von Erkundigungen ujeres Berliner CB.- Mitarbeiter an zuverlässiger Stelle fest, daß Kaiser Wilhelm niemals daran gedacht hat, seinerfieits eine Annäherung an das Haus Cumberland zu verDie Aeußerung vom„ Nachlaufen" hat der Kaiser nicht getan. Von einer Heirat zwischen den Häusern Hohenzollern und Cumberland ist nie in ernsthaften Hoffreisen die Rede gewesen; sie verbietet sich schon durch Gründe, die in der Entwickelung der allein in Frage kommenden Tochter des Herzogs liegen. Man sollte es kaum für möglich halten, daß ein deutsches Blatt im Ernst annehmen kann, der deutsche Kaiser könnte sich dazu hergeben, irgend jemand, geschweige denn einem gegen das Hohenzollernhaus so schroff aufgetretenen Fürsten nachzulaufen". Dazu weiß der deutsche Kaiser seine Stellung denn doch zu richtig einzuschäßen! Der Hufftand in Kamerun. In der englischen Presse taucht eine Meldung auf, die bon einer schweren deutschen Schlappe in Kamerun zu berichten weiß. Londoner Blätter berichten: ,, Nach den letzten aus Kamerun eingetroffenen Nachrichten soll eine deutsche Garnison von 40 Mann unter einem weißen Offizier vernichtet worden sein. Eine gegen Batschima entsandte Abteilung, wo ein Häuptling sich geweigert hatte, eine Geldstrafe zu zahlen und eine freche Botschaft geschickt hatte, wurde von den Rebellen umringt und niedergemacht. Bewaffnet mit den eroberten Gewehren marschierten tausend Eingeborene gegen die Stadt Nsanafang. Die weißen Händler steckten nach Abschießung ihrer letzten Patronen die Fabrik in Brand und gelangten auf Kanus nach Alt- Kalabar und damit auf englisches Gebiet." Die Meldung ist sicherlich eine Erfindung, denn seit Ende Februar sitzt der gegen die Croßneger ausgezogene Leutnant Nitschmann mit seiner Kolonne in Nsanakang, wobei er ohne jede Belästigung vordringen konnte. Inzwischen sind noch Verstärkungen abgegangen, und der Gouberneur v. Puttkamer kann jetzt melden, daß der Kommandeur der gesamten, zwei Kompanien starken deutschen Streitmacht am Croßfluß, Oberst Müller, die Lage beherrscht. Sichere Tatsache an der obenerwähnten englischen Meldung ist nur das eine, daß der Aufstand sich auf englisches Gebiet hinübergezogen hat. Das wird in dem oben erwähnten Telegramm des Gouverneurs von Puttkamer jetzt auch amtlich mitgeteilt. Der Gouverneur fügt hinzu, die Neger hätten die englische Zollstation Obo fum am 10. März angegriffen. Jezt hat sich also England der Großleute zu erwehren, das wird den Engländern um so schwerer werden, als überall im britischen Kolonialgebiet die Schwarzen Aufruhrneigu gn offenbaren. Es hat sich, wie aus Kapstadt berichtet wird, dr Eingeborenen in ganz Südafrika eine große Unruhe bemächtigt. Ja die Aufsässigkeit der scheinbar unterwor fenen Farbigen zeigt sich deutlich in Aufständen sowohl im portugiesischen Gebiete wie im Kongosta a te. Alle diese Aufstände sind keine bloß örtlichen Erscheinungen, sondern sie beruhen auf einer weitverbreiteten Strömung, die auch alle Nachbargebiete durchzittert. Im Basutolande, im ehemaligen Transvaal und durch ganz Rhodesia ist eine ausgesprochene Feindschaft der Kaffern gegen die Weißen bemerkbar. Nach alledem gewinnt es immer mehr den Anschein, als sei der Aufstand in Deutsch- Südwestafrifa nur ein Vorspiel zu einem allgemeinen Regeraufstand in ganz Südafrika gewesen. Um so notwendiger wird eine möglichst schleunige und möglichst nachdrückliche Niederwerfung der Aufstände in unseren Kolonien sein. Denn sobald wir den Aufstand noch nicht bewältigt haben, wenn es in den nichtdeutschen Kolonien losgeht, würde er uns noch erh blich schwerere Opfer an Menschenleben und Geld kosten Der Krieg in Oftalien. Die hartnäckig wiederholten Meldungen englischer Korrefpondenten von einem neuen Angriff der japanischen Flotte auf Port Arthur haben diesmal- ob durch Zufall, sei dahingestellt ins Schwarze getroffen. Port Arthur ist in der Nacht zum 22. März tatsächlich von japanischen Kriegsschiffen bombardiert worden. Das amtliche Telegramm des Statthalters Alexejew an den Zaren zeigt deutlich, daß es bei dem neuen Flottenangriff auf Port Arthur den Japanern durchaus nicht darum zu tun war, den Plaz niederzufämpfen. Dazu war das Bombardement lange nicht intensiv genug. Es scheint ihnen vielmehr, gerade wie bei der Icsten Beschießung durch Admiral Togo, wohl nur daran gelegen zu haben, die Besatzung zu beunruhigen. Nachstehend Alexejews Bericht: Der Kommandant der Flotte meldet vom 22. d. Mts. aus Port Arthur: Um Mitternacht näherten sich zwei feindliche Torpedoboote der äußeren Reede, wurden aber durch die Scheinwerfer der Batterien entdeckt und mit Feuer von den Batterien und drei Kanonenbooten empfangen. Die Savaner zogen sich infolgedessen wieder zurück. Um 4 Uhr früh wurde ein zweiter von oret seindlichen Torpedobooten unternommener Angriff ebenfalls zurückgewiesen. Bei Tagesanbruch näherten sich von allen Seiten konimend drei feindliche Detachements, nämlich sechs Panzer, sechs Panzerkreuzer, sechs Kreuzer zweiter und dritter Klasse und acht Torpedoboote. Um 7 Uhr früh egann unser Kreuzergeschwader die Innenreede zu verlassen, als erster der Kreuzer Askold" mit meiner Flagge. Die feindlichen Panzer näherten sich Liautischan und feuerten etwa hundert Schuß auf Port Arthur und etwa die gleiche Zahl auf die Umgegend ab. Unsere Schüsse fielen trop der Entfernung sehr gut ein. Gegen zehn Uhr früh traf eine Granate einen japanischen Kreuzer, der sich entfernte. Nachdem das Bombardement gegen 11 Uhr vormittags aufgehört hatte, entfernten sich die feindlichen Schiffe, ohne unser Geschwader anzugreifen. Nach einem weiteren Bericht des Generals Stössel bestand das feindliche Geschwader, das vor Port Arthur erschien, aus sechs Panzern und zwölf Kreuzern. Gegen 9 Uhr früh teilte sich das Geschwader. Die Panzer und Torpedoboote nahmen Stellung zwischen Liautischan und der Golobinabucht, während die Kreuzer in zwei Gruppen nach dent Süden und Südosten von Port Arthur gingen. Um 9 Uhr 20 Min. eröffnete der„ Retwisan" das Feuer über Liautischan hinweg gegen die feindlichen Kreuzer, welche antworteten und auf die Stadt zielten. Inzwischen ging das russische Geschwader auf die Außenreede und formierte sich in Zinie. Gegen 11 Uhr schwächte sich das Feuer ab. Das japanische Geschwader vereinigte sich und dampfte langsam nach Südosten ab. Um Mittag war es verschwunden. Fünf russische Soldaten wurden während der Beschießung getötet, neun verwundet, einer leicht verletzt. Man versteht nicht recht, was die Japaner von dieser nußlosen Munitionsverschwendung erhoffen. Es wäre doch eher in ihrem Interesse, die Wachsamkeit des Feindes einzuschläfern, statt sie immer aufs neue zu wecken. Eine Londoner Meldung, daß es ihnen bei diesem neuen Angriff gelungen sei, die Hafeneinfahrt von Port Arthur zu sperren, trägt den Stempel der Erfindung an der Stirn. Japans Schwierigkeiten in Korea. Die Japaner stoßen in Korea trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer großen Vorsicht auf nicht zu unterschäßende Schwierigkeiten. Sie haben mit scharfem Blick erkannt, daß das koreanische Militär für sie niemals eine rechte Hilfe, sondern unter Umständen bei den noch nicht gänzlich unterdrückten russophilen Strömungen unter den koreanischen Großen eine ernstliche Gefahr bedeuten könne. Sie wollen es daher bis auf 5000 Mann, die als Polizeitruppe dienen soll, entwaffnen. Wie nötig das ist, beweist folgender Vorfall: 300 aufständische Koreaner aus Hamheung wurden von Japanern, die von Gensan aus anrückten, angegriffen. Zwei Koreaner wurden getötet, 20 verwundet und 36 gefangen genommen. Die Gefangenen geben an, sie seien von den Russen aufgestachelt worden. Die Japaner lassen sich aber durch derartige unangenehme Zwischenfälle nicht darin stören, ihre strategische Position in Korea eifrig auszubauen. Vor allem betreiben sie in Eile den Bahnbau Söul- Widschn. 3000 militärische Bahnarbeiter sind bei den Erdbauten beschäftigt. Hundert Meilen Schienen mit allem nötigen liegen in Japan zur Verschiffung bereit. Das Material ist teilweise dem außer Gebrauch gekommenen Material der japanischen Eisenbahnen entnommen. Obwohl es alt ist, ist es doch brauchbar für eine provisorische leichte Bahn bis Pingyang. Auch die Nussen sind emsig tätig, ihre Bahnverbindungen zu verbessern. Wie der Zeitung Ruß aus Werchne- Udinsk telegraphiert wird, vollzieht sich der Uebergang der Truppen über den Baikal- See in bester Ordnung. Das für Ostasien nötige rollende material ist nun vollständig über den Baikal geschafft, die letzte Lokomotive ist auf das jenseitige Ufer befördert worden. Der Verkehrsminister Fürst Chilkow, der bisher alles persönlich geleitet hat, wird von dort in den nächsten Tagen abreisen. A Die Politik. Die neue Flottenvorlage, die eine Vermehrung der deutschen Kriegsmarine um ein Doppelgeschwader nebst den dazu gehörigen Kreuzern fordert, wird, wie unser Berliner CB.- Mitarbeiter uns schreibt, nach authentischen Informationen erst für das Etatsjahr 1906 dem Reichstage unterbreitet werden. Diese Verschiebung erfolgt aus drei Gründen: Erstens kommt in der Session 1904/05 das neue Milia tärquinquennat, das die gesegliche Festlegung der zweijährigen Dienstzeit und neue Organisationsforderungen bringen wird. Dann muß das neue Marinegesez auf eine sichere finanzielle Basis gestellt werden, diese aber wird sich erst nach der Erneuerung der Handelsverträge übersehen lassen, und die Handelsverträge werden erst 1904/05 kommen. Drittens aber besteht das Bedürfnis, erst die Erfahrungen des russisch- japanischen Seefrieges abzuwarten und ihre Ergebnisse für den Ausbau unserer Flotte zu verwerten. Auch das ift Shnen? Sie werden ja so blaß wie eine Leiche dringende Augen, stolzes, felbstbewußtes Auftreten was " Schwindelanfällen, Mir fcheint. Sie fennen dieſen Herrn?" es geht bald wieder vorüber." indem er die Hand auf die Stirne legte, ich leide oft an Nichts, nichts!" sagte Martin mit vibrierender Stimme, men or wahren, fit teuer bie Schmach von einem ramen fern halten, der mir teuer ist. bette pieses Geheimnis der wirkliche Dieb nun Sie haben ja keinen Vorteil nochmals, daß dem Schaaven, wenn Sie erzählen, daß fahren soll. bolle Gerechtigkeit wider, ich aber verspreche Ihnen merier ohne Ein verhängnisvoller sovellette Irrtum. ( Nachdruck berboten.) Mann. Er Benjamin Westlake war ein sehr erzentrischer nach dem Englischen von Wilhelm Thal. rehte aber einsam für sich. Er war Der alte Landstraße ansprach. der ungefähr in demselben Alter mit ihm stand, auf ber 2202 Sie haben ieben feine ich bin nämlich sein Sohn. den alten Benjamin zu besuchen. Das hat aber Ahnung davon, daß der alte Mann je verheiratet gewefen Fremde, und ich fann mir denken, daß Sie in Begriff sind, Ich habe gehört, Sie sind Allan Eastbrook," sagte der Muſtralien hat er fich ner 3wedt, wird eine langere Frist erfordern. es ist leicht moglia), daß diese Erfahrungen zu einer Aenderung der Forderungen der Vorlage führen. Nach der jetzt vorliegenden amtlichen Uebersicht hat die Hochwasserkatastrophe im Juli 1903 in Schlesien Schäden in Höhe von 21 454 320 mark verursacht, wovon 13 849 356 Mark leistungsunfähige Personen treffen. Von den drei liberalen Fraktionen des preußischen Abgeordnetenhauses ist jetzt ein Antrag auf Aenderung des preußischen Landtagswahlrechts vereinbart worden. der der Volksvertretung demnächst zugehen wird. Der Antrag verlangt eine anderweite Feststellung der Wahlbezirke für das Abgeordnetenhaus unter Berücksichtigung der inzwischen eingetretenen erheblichen Vermehrung der Bevölkerung. Dann soll die Gesamtzahl der Abgeordneten und Wahlorte neu bestimmt und die Abteilungen derart gebildet werden, daß von der Gesamtsumme der Steuerbeträge aller Urwähler fünf Zwölftel auf die erste, vier Zwölftel auf die zweite und drei Zwölftel auf die dritte Abteilung entfallen. Für die Wahlhandlung, sowohl bei der Wahlmänner- wie bei der Abgeordnetenwahl, sollen neue, dem Verfahren bei den Stadtverordnetenwahlen der östlichen Provinzen entsprechende Bestimmungen getroffen werden. Die einzelnen Wählerabteilungen sollen gemeindeweise gebildet werden. Der Antrag stellt einen Gegenantrag zu dem die gleiche Frage betreffenden Antrag der Freikonservativen dar. Große Aussichten auf Annahme hat er kaum. Italien. Kaum hat sich die Erregung über die Skandalgeschichte des italienischen Arenberg, des Generalkonsuls Badolo in Aden, einigermaßen gelegt, da taucht eine neue Skandalaffäre am politischen Himmel Italiens auf. Der Sünder ist diesmal der frühere Unterrichtsminister Nasi. Er hat, wie sich jetzt herausgestellt hat, eine unglaubliche Mißwirtschaft im Unterrichtsministerium getrieben. Der Kammer liegt jetzt ein umfangreicher Bericht des Kammerausschusses vor, der die Sache untersucht hat. Aus dem Bericht ergibt sich u. a.: Der gesamte Fonds für die Verbreitung der Elementarbildung, über 213 000 Lire, verschwand, nur 3 Lire 10 Centimes blieben in der Kasse! Das Geld ging an alle möglichen Schmaroßer, für die sich der Minister aus irgend welchen Gründen interessierte, namentlich an die Wählervereine in seinem Wahlkreise Trapani. Für die Reisen, die der Minister mit seinem Sekretär Lombardo machte, find 73 000 Lire angekreidet, und dabei fahren Minister und ihre Faktoten auf der Bahn gratis! Die„ Postspesen“ des Kabinetts betrugen 28 000 Lire. Gewaltige Summen gab der Minister als ,, Unterstützung von Lehrerwitwen und-Waisen" aus. Nämlich über 212 000 Lire. Nur schade, daß diese Hilfsgelder größtenteils in die Taschen unauffindbarer Personen wanderten oder solcher, die niemals etwas mit der Volksschule oder dem Unterrichtswesen zu tun gehabt haben. Papst Pius hat am Dienstag in Rom eine Anzahl Vertreter des Verbandes der katholischen deutschen Arbeitervereine, deren Sitz in Berlin ist, empfangen. Bei dieser Gelegenheit wurde ihm ein allegorisches Kolossalgemälde des Berliner Malers Beckerl übergeben. Aus Berlin waren anwefend Dr. Fleischer, Baron Savigny und Pfarrer Fournelle, der eine Ansprache hielt. Der Papst antwortete mit einem warmen ob auf die Katholiken Teutschlands. Frankreich. Das Kabinett Combes steht vor dem Zusammenbruch: In den Wandelgängen der Kammer hat Ministerpräsident Combes selbst seine Absicht, nach Annahme der Ordensgesetze zurückzutreten, angekündigt. Ob aber das Kabinett sich überhaupt noch bis zur Erledigung der Kongregationsgesetze halten kann, ist sehr fraglich. Seine Gegner gedenken ihm ein noch früheres Ende zu bereiten. Sie wollen den Marineminister, dessen Stellung ohnehin stark erschüttert ist, stürzen und hoffen, das ganze Kabinett in diesen Sturz mit hineinzuziehen. Pelletan erklärt freilich, wenn er auch den gegen ihn gerichteten Angriffen unterliegen sollte, so würde das teinesfalls den Sturz des Kabinetts zur Folge haben. Er würde einfach seine Entlassung geben und in den Reihen seiner Partei weiter fämpfen. Ob Herr Pelletan auch hier nicht allzu optimiſtiſch iſt? Spanien. Om Madrider Senat hat der Republikaner Labra eine Interpellation eingebracht, in der die Regierung um Auskunft über das Zusammentreffen zwischen dem König und Kaiser Wilhelm II. in Vigo ersucht wird. Sennor Rabra scheint sehr neugierig zu sein. Aber da sich über die Zusammenkunft des Kaisers mit dem König Alfons nicht viel Politisches sagen läßt, wird der neugierige Interpellant wohl nicht auf seine Kosten kommen. Alien. A Neulich berichteten wir über die Grausamkeiten, in denen sich der Emir von Afghanistan gegen seine Untertanen_erging. Diese scheinen die Sache satt bekommen zu haben. Aus Asch a bad wird gemeldet, der Emir sei vergiftet worden. Habib Ullah das ist der Name des Emirs-- folgte am 3. Oktober 1901 seinem Vater Abder Rahman in der Regierung. Der gewaltsame Tod des Emirs dürfte zu Berwickelungen zwischen England und Rußland, den beiden um den Einfluß in Afghanistan miteinander ringenden Mächte führen. * Hof und Gesellschaft. *** Vom Aufenthalt des Kaisers in Port Mahon werden folgende Einzelheiten von dort berichtet: Der deutsche Konsul brachte ein Arrangement frischer Blumen und eine fleine Kollefiion Landesprodukte an Bord des Lloyddampfers König Albert", besonders eine Art nur hier vorkommender schmackhafter Muscheln. Als der Dampfer durch die langgestreckte Einfahrt zwischen den alten spanischen Befestigungen hindurch den inneren Hafen verließ, feuerte ein kleiner spanischer Kreuzer Salut, den S. M. S. Friedrich Karl" erwiderte. Die Bevölkerung war in Scharen an den fern versammelt und umschwärmte die deutschen Schiffe in Booten. Aus einer kleinen Refidenz. Hg. Oldenburg, 23. März. Ein neuer Prozeß wegen Beleidigung des Ministers Ruhstrat, der wieder sehr viel Aufsehen erregen dürfte, nimmt heute vor der Straffammer des hiesigen großherzoglichen Landgerichts seinen Anfang. Die Anklage richtet sich wiederum gegen den Biermannschen Residenzboten", ein hier feit etwa zwei Jahren erscheinendes und sich als unabhängigBepolitisch, kritisch- satyrisch" bezeichnendes Wochenblatt. kanntlich wurde der Herausgeber des„ Residenzboten", Biermann, im Herbst v. J. wegen seiner Angriffe auf Minister Rubstrat zu einem Jahr Gefängnis verurteilt; mit ihm war damals der Oberlehrer Dr. Ries mitangeklagt und verurteilt worden. Auch nach der Verurteilung seines Herausgebers setzte der„ Residenzbote" seinen Kampf gegen Minister Ruhstrat fort. In Nr. 58 vom 31. Dezember 1903 erschien in dem Blatte als„ Neujahrsgruß eines oldenburger Jungen" ein Gedicht, das folgendermaßen begann: Oldenburg, o Oldenburg, Du wunderschöne Stadt, Die Infanterie, Artillerie Und auch Dragoner hat. Dazu Minister Ruhstrat, So ehr und tugendreich, D, Oldenburg, du feine, Kein' andre kommt dir gleich!" den Staatsanwalt", womit auf die Tatsache angespielt wurde, daß Ruhstrat im Kasino sich am Jeu beteiligte, und es geht dann in bezug darauf weiter: ,, Auf recke deine Faust! Der deine Ehre schändete, Muß aus dem Amt heraus!" Wegen dieses Gedichtes, insbesondere wegen des letzten Sazes, hat Minister Ruhstrat erneut Strafantrag gestellt und es ist infolgedessen Anklage gegen den Redakteur Kruse erhoben worden, der seit der Inhaftierung Biermanns den„ Residenzboten" verantwortlich zeichnet. Der Angeklagte Kruse wird vom Rechtsanwalt Dr. Sprenger ( Bremen), der s. 3t. auch die Verteidigung Biermanns geführt hat, verteidigt. Da seitens der Verteidigung sehr umfangreiche Beweisanträge gestellt worden sind, so ist eine neue und wahrscheinlich erweiterte Auflage der vorjährigen Verhandlung, die so viel Staub aufgewirbelt und bis in die neueste Zeit den Reichstag und den oldenburger Landt g sowie die Deffentlichkeit angelegentlich beschäftigt hat, zu erworten. Preussifcher Landtag. Haus der Abgeordneten. ( 49. Sizung.) RK. Berlin, 23. März. Die heutige Erörterung galt fast ganz dem Schulwesen in der Ostmart. Eine längere Besprechung knüpfte sich an die Forderung der Regierung, ihr zu widerruflichen persönlichen Zulagen an Volksschullehrer und-Lehrerinnen in Posen und in den gemischtsprachigen Kreisen Westpreußens 1 Million Mark zu bewilligen, ebensoviel wie im vorigen Etat. Außerdem forderte sie 200 000 Mark zu Remunerationen an Volksschullehrer und Lehrerinnen„ behufs besonderer Förderung des deutschen Volksschulwesens in den Landesteilen mit gemischt deutscher und polnischer Sprache". Abg. Kreth ( fons.) beantragte, die persönlichen Zulagen auch auf die gemischt- sprachigen Teile der Provinzen Ostpreußen und Schlesien auszudehnen. Abg. Frhr. v. 3edlitz( ft.) beantragt, die Remunerationen statt auf 200 000 Mart auf 700 000 Mark zu bemessen. Beide Anträge wurden der Budgetkommission überwiesen, im übrigen wurde die Regierungsvorlage genehmigt. Dann vertagte sich das Haus, ohne den Etat zu erledigen, auf den 12. April. Nah und Fern. * Sturm auf den Lofoten. Wie aus Christiania gemeldet wird, wütete auf den Lofoten fünf Tage lang ein überaus heftiger Sturm, der große Verkehrsstörungen verursachte. Zahl= reiche Boote sind verloren oder beschädigt. Mehrere Menschen haben das Leben eingebüßt. Die Lütticher Dynamitarden verhaftet. Die Urheber des Lütticher Bombenanschlages sind nunmehr festgenommen worden und haben bereits ein Geständnis abgelegt. Es sind zwei französische Anarchisten mit Namen Lambin, genannt Beaumanois, und P. R. Gudefin. In derselben Angelegen= heit hat die Verhaftung eines gewissen Modeste Boutet ſtattgefunden; bei ihm wurden auch die Bomben angefertigt. Verzweiflungsakt einer Mutter. In einem Seitenbach der Isar wurden die Leichen zweier Mädchen aufgefunden. Sie sind als die Töchter eines Maurers refognosziert worden und dürften unzweifelhaft von ihrer eigenen Mutter ins Wasser geworfen worden sein. Am 20. März nachts haben Leute gesehen, daß eine Frau ein Kind ins Wasser warf und dann selbst in den Bach sprang. Die Leiche der Mutter ist noch nicht gefunden. Man hatte ihr unlängst wegen des Verdachts der Entwendung verschiedener Wertlosigkeiten Vorhalte gemacht. Ein ganzer russischer Marktflecken abgebrannt. Eine furchtbare Feuersbrunst vernichtete den 1370 Einwohner zählenden russischen Marktflecken Klewanj in Wolhynken. 600 Gebäude, darunter die Kirchen, die Schulen, das Rathaus, die Post und das Gerichtsgebäude wurden ein Raub der Flammen. Tief gesunken. In der Nähe von München wurden zwei total verwahrloste Stromer aufgegriffen. Der ältere davon, der oft mit Haft und Gefängnisstrafen belegt wurde, gab bei seiner Verhaftung einen bürgerlichen Namen an, welcher dem einer hohen preußischen Adelsfamilie gleichlautete. Die näheren Recherchen nach dem Vorleben des alten Vaganten ergaben nun, daß man es tatsächlich mit einem altadeligen Reichsgrafen zu tun hat, der aber jedenfalls aus Rücksicht auf seine hohen Verwandten den Behörden gegenüber und auf der Walze seinen wahren Namen nicht geführt hat. Das Ende des Matadors. In der Arena der Stadt Juarez fand der berühmte merikanische Stierkämpfer Cuco ein tragisches Ende. Er hatte einem Stier mit sicherer Hand den Degen zwischen die Schultern gestoßen und verneigte sich lächelnd vor dem applaudierenden Publikum. Da richtete sich der Stier mit letter Lebenskraft jäh empor und bohrte dem Ueberraschten seine Hörner in die Brust. Madator und Stier wurden bak auf leblos aus der Arena gebracht. Hus dem Gerichtssaal. § Die„ blecherne Lerche". Vor der Straffammer am Landgericht II findet die Verhandlung in einem interessanten Beleidigungsprozesse statt, von dem man die Aufklärung über das nun schon über ein Jahrzehnt bestehende und von allen Leuten aller Stände immer wieder mit großen Geldmitteln unterstützte Projekt des Herrn Ganswindt, die„, lenkbare Luftschraube", wie sie der Erfinder, die„ blecherne Lerche", wie sie der Berliner Volksmund nennt. Die Luftschraube ist dem bekannten kleinen Kinderspielzeug aus Blech ma dem Statthalte Sem Gelbfitoftenpreis a Das Neueft Malice. Was nachgebildet, das, mit einem Bindfaden aufgezogen, sii drehend haushoch in die Lüfte erhebt, um dann wie ermatt plötzlich herabzufallen. Die Ganswvindtsche Luftschraube beruht im großen und ganzen auf demselben Prinzip, wi die erwähnte„ blecherne Lerche", nur daß ihre Größenve nen Riesenlerche" sowohl einen Triebmotor, wie auch Persone in die Lüfte heben, ersterer soll dann die Steuerung de merkwürdigen Luftschiffes übernehmen. Infolge von An zweiflungen, die dieses Projekt durch den früheren Schöne berger Polizeipräsidenten Hammacher und den Kriminal kommissar Ruck erfuhr, erhob Ganswindt in Rundschreiber schwere Vorwürfe gegen diese beiden, was zu der jetzigen Be leidigungsklage führte. Das Gericht beschloß, im Verein mit dem Staatsanwalt dem Angeklagten, den Sachverständiger und den Verteidigern einen Besichtigungstermin an Ort Stelle in Schöneberg abhalten und sich die Ganswindtsc Apparate vorführen zu lassen, um sich selbst ein Bild von ihnen machen zu können. Infolgedessen wurde die Verhandlung abgebrochen und auf Freitag vertagt. hältnisse gigantischer sind. Ganswindt will mit dieser bleche piler: Ich ruhe mi Vermischtes. Na, da müffen Sie Vom Kafernen Freelaher vom Pferde fa Fide wohl als Suftiomn Boshaft Ontel Treppen hoch gelegene für den Nachtwächter ni Hleppen?" Optimistische Die Redaktionen find Buff fie einem jedes Burdliefern." Gut heraus Maria Stuart"-Auf liefert, Herr Direttor auf ihrem legten Ga Cudierendirektor: deuten, wie der Mer [ König Ludwig II. und der Ziegenbod.] Eine et greifende Anekdote aus dem Leben des unglücklichen Königs hofer. Er verdankt sie einem Jäger Bachmeyer, der auf dem Schachen zu jener Zeit diente, in welcher König Ludwig seine einsamen Nächte in dem steinernen Schweigen dor oben verträumte. Der Jäger, so schreibt Ganghofer, war beim König wohlgelitten, sah ihn häufig und konnte mir viel von ihm erzählen, von seinen menschenfernen Spazier gängen, seinen nächtlichen Kahnfahrten auf dem Schachensee, bon des Königs merkwürdigem Zahnarzt, der nicht im Hause wohnen durfte und für den man eigens ein Hüttchen bauen mußte, von des Königs Leben, in dem sich Tag und Nacht ver tauschten, von seinem freundlichen Wohlwollen für die Sennleute, von seiner warmen Sympathie für alle Tiere- und besonders von einem Ziegenbock, der des Königs Liebling war und allzeit freien Eintritt zu allen Gemächern des Königshauses hatte. Eines Abends wurde Bachmeyer zum König gerufen, und als er den maurischen Saal betrat, saj der König in heiterer Laune auf dem Diwan und sah lachend dem Ziegenbocke zu, der mit Läufen und Hörnern die Seide des Diwans zerfetzte und auch sonst den Saal in recht üblen Zustand verwandelt hatte. Da hab i mi nimmer halten könna und hab zum Herrn Köni gsagt... Malesch dät, hab i gsagt, wia können S' denn da so a Mistviech so umanand hausen lassen! Und wiwissen S', was er gsagt hat, der Herr Köni? Dieses Tierl, hat' r gsagt, dieses Tier, das lügt nicht!" Wie viel unwahrheit muß König Ludwig in seinem Leben gehört haben, um heiter und geduldig alle Unart eines Tieres ertragen zu können, nur weil es nicht lügt! Ludwig veröffentlicht der bekannte Jadschriftsteller Gang weiß, was er tut." [ Was ein„ Ackerer" bedeutet.] Welcher Wohlhabenheit sich im Meter Lande manche Bauerngüter erfreuen, be weist recht augenfällig die an den Plakatsäulen in Metz an geschlagene Anzeige der Versteigerung des Ackerbau- Inventars des verstorbenen Landwirts H. Hurlin in Montigny- laGrange, unweit von Amanweiler. Der Kurzeler Notar Bettembourg bezeichnet den Verstorbenen im Terte der Anzeige als„ Ackerer", in anderen Landesteilen könnte sicher mancher ,, Gutsbesizer" fein so bedeutendes Inventar aufweisen, als dieser„ Ackerer" Hurlin. Nicht weniger als 25 selbstgezogene Pferde, 50 Stück Rindvieh, 10 Schweine und 80 Hühner, bil den den lebenden Bestand, 6 Leiterwagen, 1 Kutsche, 1 Break, zahlreiche landwirtschaftliche Geräte das tote Inventar. Außer der für ein solches Landgut entsprechenden großen Zimmer einrichtung komint auch der umfangreiche Keller des„ Ackerers" zur Versteigerung, als da sind 2- bis 3000 Flaschen aus den besten Weinlagen des Landes, wie Sch, Lessy und Thiaucourt, verschiedene Faßweine, Branntweine, noch aus dem 70er Jahrgange herrührend, u. s. w. [ Empfindungen im Unterseeboot.] Anläßlich des Unterganges des englischen Unterseebotes gibt ein englischer Seemann, der an einer Probefahrt im Unterseeboot Nr. 2 der englischen Flotte in der Stokes Bay teilnahm, eine interessante Schilderung seiner Erfahrungen dabei:„ Das Gefühl, das man beim Untertauchen des Bootes hat," erzählt er, ist sehr eigentümlich. Man fühlt deutlich den verstärkten Druck, der durch das Untertauchen verursacht wird. Licht gibt es dabei in Menge; durch die Glasluken im Kommandoturm stiehlt sich eine Art grünliches Dämmerlicht herein in einer Tiefe von zwei Faden. Man kann, wenn man durch eine dieser Pfortenöffnungen hinausblickt, sagen, ob der Himmel bewölkt ist, oder ob die Sonne auf die Meeresoberfläche scheint. Das erste Gefühl, das man unter Wasser hat, ist eine Art Betäubung; sie wird durch das Gefühl der völligen Hilflosigkeit hervorge bracht, das den befällt, der sich in diesem beengten Raume be findet. Die Bewegungen des Bootes sind nicht wahrnehmbar, selbst wenn es mit seiner vollen Unterseegeschwindigkeit von jieben Knoten fährt. Das Gefühl der Stille ist sehr stark. Ohrenklingen belästigte mich und ebenso ein schreckliches Gefühl von Seekrankheit. Alle, die in den Unterseebooten sind, werden bald sehr bleich. Das ist, wie ich meine, eine Folge der schlechten Gerüche, die sich dort erzeugen." [ Gin vergessener Gesandter.] Die Besetzung von Söul durch die Japaner hat für den koreanischen Gesandten in Petersburg recht unangenehme Folgen gehabt. Man hat ihm seit der Zeit kein Gehalt mehr geschickt. Was sollte nun der Aermiste anfangen, wovon essen, trinken und wohnen, da er vermutlich nichts anderes gelernt hat, als Korea zu vertreten? In seiner Not offenbarte er sich einem Kollegen. Die Diplo maten heißen nicht umsonst ein Korps; sie haben Korpsgeist. Man teilte daher dem Grafen Lamsdorff die prekäre Lage der vergessenen und dem Hunger entgegengehenden Exzellenz mit. Der Minister des Aeußeren tat, was ihm zukommt, nämlich das Aeußerste. Er öffnete dem Koreaner die russische Staatsfasse. Aus Dankbarkeit zeichnete darauf der Asiate fünfzig Rubel für den Erfolg der russischen Waffen. [ Russischer Tee und der Krieg.] Da sich in Moskau das Zentrum des russischen Teehandels befindet, so erregt der Umstand, daß die Teeeinfuhr nach Nußland nahezu unmöglich erscheint, weite Schichten der handeltreibenden Bevölkerung. Der Seeweg ist eben zu gefährlich, als daß ihn die Teefrachten nehmen könnten, und der Transport per Eisenbahn ist un möglich, weil die Eisenbahnen die Annahme von Privat frachten eingestellt haben. Um nun einer Teekrisis vorzubeugen, soll nach jachta eine Konferenz der hervorragendsten russischen und chinesischen Teehändler zur Beratung entsprechender Maßnahmen einberufen werden. Einer großen russischen Teefirma sind 70 Waggons mit Tee unterwegs ſtecken geblieben, während eine andere Moskauer Firma bis heute vergeblich auf das Eintreffen von 2000 Teefollis( 3ibiki) wartet. Wie verlautet. hat die in Betracht kommende Undant Sie Sie über die Gasbele elektrisches Licht Sie aus dem Wirtsh fren fich an einer Gaslate Renommage. Baldfpaziergang Shr fain?"- Parvenu: nügt, denn als er ins verrückt geworden." Ein Glücksbo uber?"- der Berde von zweihund 5 Erfte Die Hauptabte 2. Domänen des G Lotterie, 5. Direkte bos entsprechend de genommen. Bei Rapitel fuchen der Zweiten rat einen Antrag für die Reichstagsab nnicht bei. Auch dem Bef Offiziere des Groß maligen Inhaber zu Bei Kapitel 8dafür ein, daß di Befige von Private auch noch mehr wie anert richten sollte, m t. Biegeleben zugefa Frhr. v. Heyl Sachen der Rirdvie Bei den Abtei Finanzen, Ausleibu hältnis zum Reich, das Haus den B erfolgte Beratung i Die Abteilun Domänen des Groß Los erledigt. Die übrigen Ausschüsse entspreche Nächste Sitzung Zweit Erfter Präfide Es erfolgt bg. Weidner, die Biehmärkte betreff führungen dar, d befriedigt fei. Lorenz und Abg. Es folgt der fteuerung der a gebaggerten Bau bezw. deffen Rü Abgg. Breimer, David. An der w Freiherr v. Biege Meinhart, Brein Amridverweisung Der zur vor rich, betreffend ird nach Debat 2 Mitglieder ber Hierauf tritt ** Pribo iebung der Heff folgende Gewin 6394, 61 905, 7 40368, 50 989, * Der G Internationalen einen längeren hal der Großhe unächst nach F Fich Flügelabjuto en aufgezogen, m dann wie erm Stiche Luftichro jelben Brinzip Daß ihre Größe ill mit diefer ble or, wie auch Beri Die Steuerung Infolge von dt in Rundsch Firma dem Statthalter Alexejew den Tee zum Ankauf für Sen Selbstkostenpreis angeboten. Das Neueste aus den Witzblättern. Malice. Was machen Sie denn jetzt?" Schauspieler: Ich ruhe mich jetzt auf meinen Lorbeeren aus." Na, da müssen Sie doch aber sehr hart liegen!" Vom Kasernenhof. Unteroffizier( zum Soldaten, en früheren melcher vom Pferde fällt):„ Nanu, Männeken, Sie wollen und den Krim ih wohl als Luftjymnasiast ausbilden?" 15 zu der jetzigen Treppen hoch gelegene Wohnung führt): Sage' mal, ist das chloß, im Verein für den Nachtwächter nicht beschwerlich, dich so hoch heraufzuDen Sachverstän Stermin an Ort die Ganswind bit ein Bild von i Boshaft. Onkel( zum Neffen, der ihn in seine vier leppen?" Optimistische Betrachtung. Schriftsteller: Die Redaktionen sind doch kolossal anständig heutzutage, Saß sie einem jedes Manuskript immer wieder so prompt ( Dorfbarbier.) de die Verhand zurückliefern." egenbod.] Gin unglüdlichen A adschriftsteller G chmeyer, der auf cher König Lu men Schweigen eibt Ganghofer, fig und fonnte chenfernen Sp auf dem Schach , der nicht im ein Hüttchen Tag und Nad wollen für die& ir alle Tiere des Königs allen Gemäd urde Bachmerz hen Saal letrat, i wan und fah lat Hörnern die Saal in recht i mi nimmer be .. Maleschdät, tbiech fo uman gjagt hat, der i jes Tier, das ig Ludwig in fe geduldig alle weil es nicht Welcher Wohlb ngüter erfreuen atfäulen in We des Ackerbauclin in Monti er Kurzel Hot im Terte der Ange Fönnte sicher mand entar aufweisen, 1s 25 jelbstge und 80 Hühne 1 Kutsche, 1 te Inventar. en großen Zim Heller des Ades 00 Flaschen aus Cesin und Thiourou noch aus dem 70 Anläglich des Un gibt ein engli terjeeboot Nr.2 hm, eine intere „ Das Gefühl, erzählt er,„ ist stärkten Drud cht gibt es dab doturm stiehlt in einer Tiefe eine dieser Pfor nel bewölkt ist, scheint. Das ne Art Betäub ilflosigkeit herte beengten Raume nicht wahrnebr geschwindigkeit Stille ist sehr ein schrecklides Unterfeebooten eine, eine Folg ie Besetzung nischen Gejand habt. Man ha Was sollte m und wohnen, Korea zu vertr llegen. Die e haben Sorp Die prefäre Lag nden Erzellenz zukommt, no Die ruffifche St der Afiate fu en. Da fich in Mo indet, so erregt nahezu unmo den Bevölker hn die Teefrad Gifenbahn ift ahme von Pri Teekrifis vo hervorragend r Beratung Giner gr it Tee unter Stauer Firma 00 Teetollis tracht fomme Gut herausgeredet.„ Na, bei der gestrigen Maria Stuart"-Aufführung haben Sie' was nettes geliefert, Herr Direktor; Sie ließen ja die unglückliche Königin ouf ihrem letzten Gange ein grünkarriertes Kleid tragen!" Schmierendirektor:„ Das hab' ich absichtlich getan, um anzudeuten, wie der Mensch in seinem größten Schmerze nicht weiß, was er tut." Undank. Sie sind auch so einer! Am Tage schimpfen Sie über die Gasbeleuchtung unseres Städtchens und möchten elektrisches Licht eingeführt haben, aber nachts, wenn Sie aus dem Wirtshaus kommen, sind Sie froh, wenn Sie sich an einer Gaslaterne festhalten können." Renommage.„ Neulich soll Ihnen ja auf einem Baldspaziergang Ihr Banknotenportefeuille geraubt worden sein?" Parvenu: Ja, hat dem Räuber aber nichts genüßt, denn als er ins Portefeuille schaute, ist er vor Freude berrückt geworden." Ein Glücksbogel. Was macht denn Ihr Freund Suber?", dem geht's gut; der hat fürzlich in eine Herde von zweihundert Schweinen eingeheiratet!" Hessischer Landtag. Erfte Kammer der Stände. Darmstadt, 23. März 1903. Die Hauptabteilungen: 1. Reſte aus früheren Jahren, 2. Domänen des Großh. Hauses, 3. Staatsdomänen, 4. Lotterie, 5. Direkte Steuern, 6. Landstände werden debattelos entsprechend den Beschlüssen der Zweiten Kammer angenommen. Bei Kapitel„ Staatsministerium" tritt das Haus dem Ersuchen der Zweiten Kammer an die Regierung, im Bundesrat einen Antrag auf Gewährung von Anwesenheitsgeldern für die Reichstagsabgeordneten einzubringen, gegen 6 Stimmen nicht bei. Auch dem Beschluss:, die Beiträge für die Gehalte der Offiziere des Großh. Gendarmerieforps nur für die der= maligen Inhaber zu bewilligen, trat das Haus nicht bei. Bei Kapitel„ Denkmalpflege" tritt Geheimerat Schmidt dafür ein, daß die Regierung auf die Erhaltung der im Besitze von Private und Gemeinden befindlichen Urkunden auch noch mehr wie dies bis jetzt geschehen sei, ihr Augenmerk richten sollte, was von seiten des Herrn Ministerialrats b. Biegeleben zugesagt wird. Frhr. v. Heyl rechtfertigt sich gegen mehrere, ihm in Sachen der Rirdviehzucht gemachten Vorwürfe. Bei den Abteilungen: Ministerium der Justiz und der Finanzen, Ausleihungen und Staatsschuld, Pensionen, Verhältnis zum Reich, Indisponible und reservierte Fonds, tritt das Haus den Beschlüssen der Zweiten Kammer bei. Es erfolgte Beratung des Teiles Vermögen". Die Abteilungen: Reste aus früheren Jahren und Domänen des Großh. Hauses, Staatsdomänen werden debattelos erledigt. Die übrigen Abteilungen werden den Anträgen der Ausschüsse entsprechend erledigt. Nächste Sigung Donnerstag, 24. März. Zweite Kammer der Stände. Erster Präsident Haas eröffnet die Situng. Es erfolgt zunächst die Besprechung der Anfrage des Abg. Weidner, die Kosten für tierärztliche Ueberwachung der Viehmärkte betreffend. Abg. Weidner legt in längeren Ausführungen dar, daß er von der Antwort der Regierung nicht befriedigt sei. Weiter sprechen noch Obermedizinalrat Dr. Lorenz und Abg. Köhler. Es folgt der dringliche Antrag des Abg. Breimer, Besteuerung der auf hessischem Gebiet im Rhein und Main gebaggerten Baumaterialien betreffend. Für den Antrag, bezw. dessen Rückverweisung an den Ausschuß sprechen die Abgg. Breimer, Reinhart und Molthan, dagegen Abg. Dr. David. An der weiteren Debatte beteiligen sich Ministerialrat Freiherr v. Biegeleben, Geh. Oberbaurat Imroth, die Abgg. Reinhart, Breimer, Molthan, Ulrich und Adelung, worauf Burückverweisung an den Ausschuß beschlossen wird. Der zur vorläufigen Beratung stehende Antrag des Abg. Ulrich, betreffend Veröffentlichung amtlicher Bekanntmachungen, wird nach Debatte an den 4. Ausschuß verwiesen, der um 2 Mitglieder verstärkt werden wird. Hierauf tritt Vertagung auf Donnerstag ein. Lokales. 24. März 1904. ** Privattelegramm. Bei der heutigen Ziehung der Hessisch- Thüringischen Landeslotterie wurden folgende Gewinne gezogen: 5000 Mt. auf Nr. 5176, 6394, 61905, 71864, 3000 M. auf 3765, 4531, 28 384, 40 368, 50 989, 61 500, 87 710, 90 792, 97779. ** Der Großherzog stattete gestern Mittag der Internationalen Automobil- Ausstellung in Frankfurt a. M. einen längeren Besuch ab. Gestern Abend 11 Uhr 52 Min. hat der Großherzog die schon gemeldete Reise nach Italien, zunächst nach Florenz, angetreten; in Begleitung befindet fich Flügeladjutant Rittmeister Kraemer. * Zweite Kammer. Eine dringliche Anfrage des| Abg. Noack besagt:„ Nach den in der Presse veröffentlichten Mitteilungen soll bei der Abstimmung im Bundesrat über Aufhebung des§ 2 des Jesuitengeseßes sich die Großh. Regierung der Abstimmung enthalten haben. Ich beehre mich, an Großh. Regierung die Anfrage zu stellen, ob diese Mitteilung sich bewahrheitet, und welche Gründe für die Haltung der Regierung in dieser Frage maßgebend waren." || Die Eröffnung der Buzbach- Licher Bahn ist auf Montag den 28. d. Mts. verschoben. ** Die juristische Fakultät der Landesuniversität hat zum heutigen 50jährigen Doktorjubiläum des Großherzoglich Hessischen außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am Königlich Preußischen Hofe, Bevollmächtigter zum Bundesrat, wirklicher Geheimerat Dr. von Neidhardt in Berlin dessen DoktorDiplom erneuert und ein Glückwunschschreiben überreichen Lassen. ** Oberrealschule Gießen. Bei der am Dienstag unter dem Vorfiz des Herrn Direktors Geheimer Schulrat Dr. Rausch stattgefundenen Einjährigen- FreiwilligenBrüfung bestanden folgende Schüler: Berlin, Bernhardt, Dominick, Ecb, Feiling, Fiebig, Frank, Franz, Geißler, Grünstein, Hansult, Hofmann, Phil. Jung, Wilh. Jung, Kaz, Klinge, Neumann, Oppenheimer, Peppler, Pfaff, Schäfer, Schlandraff und Wallenfels. * * Bufolge Verfügung Gr. Ministeriums des Innern ist u. a. nachstehenden, dem Landesverband der Kriegerfameradschaft Hassia" angehörenden Kriegervereinen die Erlaubnis erteilt worden, das Großherzogliche Landeswappen in ihren Fahnen zu führen. Groß- Felda, kest rich, Windhausen, Rommelhausen, Büdingen, Rinderbügen, Stangenrod, Hungen, Almenrod, Bobenhausen, Amöneburg und Heßloch. Bei der Unfall- und Haftpflicht Versicherungs- Gesellschaft Zürich" beträgt der nunmehr gleichfalls festgelegte Anteil des Verbandes für das Jahr 1903 2693 Mt. 69 Pfg. ( etwa 700 Mt. mehr wie im Vorjahre), wovon die Hälfte an die Vereine im Verhältnis zu ihrer Beteiligung auf dem Delegiertentag zur Auszahlung gelangt. An Mitglieder Fällen in Beträgen von 5 Mt. bis 45 Mt. Unterſtüßungen von Verbandsvereinen wurden in leßter Zeit wieder in 50 im Gesamtbetrage von 1105 Mark bewilligt. " * * Besizwechsel. Weißbindermeister Konr. Dörr taufte vom Rentner Aug. Montanus dessen am Großen Steinweg in Gießen gelegenes 1000 Quadratmeter großes Baugelände für 20 Mt. pro Meter. ** Wiederholt ist es vorgekommen, daß im Frühjahre unsere Gastwirtschaften auf dem Lande von angeblichen Reisenden für den Deutschen Radfahrerbund besucht wurden. Sie spielten sich als Beauftragte dieses Bundes auf und boten Utensilienfästen zur Errichtung einer Radfahrer Hilfsstation im Preise von 16 Mt. gegen 3 Mt. Anzahlung an. Dabei wurde den Wirten versichert, daß sie vom Deutschen Radfahrerbunde viele Vergünstigungen erfahren würden. Viele Wirte ließen sich zur Annahme der Rästen bewegen, obgleich diese nur einen reellen Wert von 8 Mr. hatten. Der erhoffte Besuch der Radfahrer blieb natürlich aus. Wie die„ Deutsche Radfahrer- Zeitung" mitteilt, sind dieser Tage drei solcher Reisenden von der 3. Straffammer des Königl. Landgerichts zu Dresden zu empfindlichen Freiheitsstrafen verurteilt worden. Es sei hiermit vor derartigen Verkäufern gewarnt. + Wißmar. Der Maurer Heinrich Stroh, welcher am legten Sonntag abend auf eine 60 Jahre alte Frau einen unsittlichen Angriff gemacht haben soll, wurde verhaftet und ins Untersuchungsgefängnis nach Weßlar abgeführt. × Wezlar. Das Restaurant Bur alten Reichsstadt" ( Inhaber Wilh. Will) ging durch Kauf an Restaurateur Franz Kornder von hier über. Die Uebernahme erfolgt am 1. April. - () Marburg, 23. März. In öffentlichem Versteigerungstermine ging heute das kommunalständische Chausseehaus ( Straßenmeister- Dienstwohngebäude) an der Nähbrücke um den Preis von 9350 Mt. in den Besiz des Gastwirts und Bierverlegers Braun in Hestem über. Dieser Verkauf ist deshalb sehr bemerkenswert- jedenfalls auch für Gießen- weil es einer der reizendften Punkte der an Naturschönheiten so reichen Ungebung Marburgs und beispielsweise von der Station Niederweimar aus in einer guten Viertelstunde zu erreichen ist. Es liegt 11/2 Stunden südlich von Marburg und wurde s. 8t. von der kurhessischen Regierung als Wohnung eines Brückenzollmeisters erbaut. Bis vor etwa 30 Jahren wurde Wirtschaft darin betrieben und es bildete damals ein lebhaft frequentierter Ausflugsort für die Marburger. Man hofft, daß jezt wieder ein Wirtschaftsbetrieb darin eröffnet wird und das die früheren Glanzzeiten dieses herrlichen Punktes von Neuem erstehen. Theater- Verein Gießen. Die geftrige Vorstellung machte uns mit Frl. Talianski vom Hoftheater in Wiesbaden bekannt, die sich zuerst als Marianne in Goethe's, Geschwister" recht vorteilhaft präsentierte. Frl. Hellberg, die wir leider in dieser Saison wohl faum noch einmal sehen werden, gab diese Rolle mehr findlich- unschuldig, die Liebe zu ihrem Pseudo- Bruder hatte durchweg etwas Schwesterliches und sie blieb rührend- naiv bis zum Schlusse. Frl. Talianski schuf eine reifere Marianne; in ihrem Wesen glühte es schon wie verhaltene Leidenschaft und als sie sich in der Schlußszene Wilhelm in die Arme wirft, da ist sie kein Kind mehr, da ist sie Weib geworden. Unserem Empfinden will die erstere Auffassung besser zusagen. Sodann folgte:„ Die Schule der Frauen" von Molière, dem großen Meister der Komödie. Die Schule der Frauen ist die Liebe und ein Mädchen, welches von einem alten Sonderling, der sich in den Kopf gesezt hat, nur eine dumme Frau zu nehmen, extra zu diesem Zweck unwissend erzogen ist, wird durch die Liebe zu Horace, einem blondgelockten Jüngling, flug und schlau. Es gelingt ihr immer wieder den Alten hinters Licht zu führen und dem Geliebten Zeichen ihrer unveränderten - Zuneigung zu geben. Schließlich führt der Zufall die beiden liebeglühenden Leutchen endgültig zusammen, well Agnes gerade das Mädchen ist, welches für Horace beftimmt war, da sie sich plötzlich als die Verwandte eines Freundes erweist die von Arnolph, dem heiratslustigen Alten, ohne Kenntnis des richtigen Namens erzogen wurde. Natürlich muß der auf das Vergnügen, sein eigener Schwiegersohn zu werden, nunmehr verzichten.- Daß Molière zum Schluß auf das abgegriffene Mittel der rasch entdeckten Verwandtschaft kommt, ist ja kein Vorteil, aber das Ganze ist so geschickt aufgebaut, die Figuren sind so gelungen gezeichnet, daß man an den mitunter ja etwas gesuchten Verwickelungen seine Freude hat. Frl. Talianski als Agnes gab ein beredtes Zeugnis ihrer liebenswürdigen Kunst. So schalthaft und gemütvoll haben wir das" dumme" Mädchen noch nicht gesehen und besonders als sie die Eheparagraphen verlas, war sie hinreißend drollig und niedlich. Herr Teleky verstand aus dem bejahrten Ehestandskandidaten etwas zu machen, ohne ihn übertrieben fomisch zu geben, Herr Achterberg als Horace stellte einen temperamentvollen Liebhaber hin, den sein Feuer nur hin und wieder zu etwas allzu großem Schwung verleitete, der ihm aber nichtsdestoweniger gut stand. Hat man übrigens damals in Frankreich so sehr unmännliche Beinkleider getragen? Im ersten Moment hielten wir den ganzen Anzug des Herrn Achterberg überhaupt für ein energisch durchgeführtes weibliches Reformkostüm später bemerkten wir den Irrtum. Herr Gronert und Frau Jenny waren ein pußiges Ehepaar und Herr Linzen und Herr Hertwich genügten. Warum die Darsteller, wenn sie sich für den Beifall bedanken wollten, immer durch unsern sehnsuchte blauen Zwischenakts vorhang friechen mußten ist uns zwar nicht erklärlich, wird aber ganz gewiß seinen Grund haben. H. H. Marktberichte. Gießen, 24. März Auf dem heutigen Wochenmartt lofteten Butter per Pfd. 090-1.00 M., Hühnereier 2 Stüd 12-14 Pfg., Enteneter St. 8 Bfg., Käse per St. 6-8 Pfg.. Käsematte 2 St. 5-6 Pfg., Erbsen ver Liter 21 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg., Tauben per Paar . 0.80-1.00, Hühner per Stud Mr. 1.30-1.40, Hahnen, per Stüd 0.80-1.70, Enten per Stüd 1.70-2.20, Gänse per Pfd. 65-70 Pfg., Ochsenfleisch per Pfd. 68-78 Pig., Rindfleisch per Pfd. 62-68 Pfg. Schweinefleisch per Pfb. 60-72 Bfg. SchweinePfg., Hammelfleisch per Pfd. 50-74 Pfg.. Kartoffeln pro 100 Kilo 6.00 Mr., 3miebeln per 3t. Mr. 7.00-10.00, Aepfel per Centner 20-25 Mr. Milch per Liter 18 Pfa. Dauer der Marktzeit von 8 Uhr morgens bis 2 Uhr Nachmittags. Gegenstände des Wochenmarktverkehrs dürfen vor Beginn der Marktzeit übeerhanp nicht, und während der ersten dret Stunden der Marktzeit im Umherziehen feilgeboten werden. fleisch gefalzen per fund 0.76 Bfg., Kalbfleisch per Bfd. 62-74 Weylar, 23. März. Auf dem heutigen hiesigen Viehmarkte wurden aufgetrieben: 500 Schweine und 175 Stück Kindvieh. A Kirchhain, 23. März. Zum geftrigen Kindviehmarkte waren 434 Stück Großvieh und 77 Kälber aufgetrieben. Der Handel war sehr lebhaft und die Preise hoch. Zum Schweinemarkt waren zirka 500 Tiere aufgefahren, die Preise waren etwas höher als bei dem letzten Markt und der Handel deshalb flott. X Fulda, 22. März. Am heutigen Frühjahrs- Pferdemarkt betrug der Auftrieb 199 Stück aller Sorten. Der Handel war schleppend, die Preise gedrückt. Arbeitsnachweis der Stadt Gießen. Gartenstraße Nr 2( Bürgermeistereigebäude) Zimmer Nr. 14. Es können eingestellt werden: 2 landwirtsch. Knechte, 1 Taglöhner, 1 Viehschweizer, 2 Schmiede, 1 Spengler, 1 Tapezier, 2 Holzbildhauer, für eine Zigarrenfabrik, 2 jüng. Hausburschen, 14 Dienst2 Möbelschreiner, 1 Schneider, 1 Glaser, 1 Bereiferin mädchen, 1 Putzfrau, 1 Laufmädchen, 2 Lauffrauen. Buchbinder, 1 Tapezierer, 3 Schreiner, 2 Drechsler, Lehrlinge: 3 Schlosser, 2 Installateure 2 3 Bäcker, 1 Metzger, 1 Friseur, 1 Schneider, 1 Schuhmacher, 2 Glaser, 1 Weißbinder und Lackierer. Es suchen Arbeit: 1 Schlosser, 1 Installateur, 1 Küfer, 3 Schreiner, 1 Flickerin, 1 Packer, 1 Stassierer( fautionsfähig), 1 Buchhalter, 2 Laufburschen, 1 Putzfrau, 3 Bureaugehilfen, 1 Wochenpflegerin. Lehrlinge: 1 Elektrotechnifer, 3 Mechaniker, 1 Schreiner, 1 Friseur, 1 Kaufmann. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruderei( vorm. Wilh. Keller), Gießen Berantwortlich: für den politischen und Inseratenteil: Albin Alein für das Lokale, den„ Gerichts-" und" Deffentlichen Sprechsaal": Fr. Oppermann " " 1 - - Freiherr von Steinsch einen neuen Roman, der, hochdramaAusgestoßen" betitelt der bekannte Autor Jost tischen Inhaltes, von Anfang bis zu Ende spannend, selbst den verwöhntesten Leser überraschen wird. Die Neu- Einführung erstklassiger Romane in der Großen Modewelt, von denen der obengenannte in der in ca. 4 Million Auflage erscheinenden ersten Nummer des neuen Quartals beginnt, ist eine neue weitere Bereicherung dieses vorzüglichen Fournals. Große Modewelt" mit bunter Fächervignette,( man achte genau auf den Titel) Verlag von John Henry Schwerin, Berlin W. 35 16 Seiten Riesenformat bietet jede 14 täg. Nummer ist jetzt die verbreitetste Moden- Zeitung Deutschlands.( Vierteljahrspreis nur 1 Mt.) bietet sie die chikesten Moren in zahlreichen herrlichen Bildern, darunter farbenprächtige Rolorits, elegante Hüte. Damenkostüme und Kindergardrobe, Reform- und Sportkostüme etc. tann sich jetzt jebe Dame mit Hilfe des großen Riesen- Schnittbogens spielend leicht selbst anfertigen. Die Lieferung von Extraschnitten, genau passend nach Körpermaß, ist besonders nugbringend( nur Auslagefoften) Abonnements nehmen sämtliche Buchhandlungen und Postanstalten entgegen. GratisProbenummern bei allen Buchhandlungen und dem Verlag John Henry Schwerin, Berlin W. 35. Im übrigen machen wir unsere Leser aufmerksam ouf den der heutigen Nummer beiliegenden reich illustrierten, farbigen Prospekt. Bekanntmachung. Die Maigasse wird wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten von Donnerstag, den 24. 1. Mts. an bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrradverkehr gesperrt. Gießen, den 23. März 1904. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. Bekanntmachung. Das 6. Ziel Gemeindestener für 1903/04 ist innerhalb acht Tagen bei Meidung des Beitreibungsverfahrens zur hiesigen Stadtkasse zu zahlen. Zahlstunden: täglich 8-12 Uhr vormittags. Gießen, den 23. März 1904. Stadtkasse Gießen. Doepfer. Bürgergesellschaft. Dienstag, den 29. März, Abends 9 Uhr Generalversammlung im Vereinslokal Feidel. Tagesordnung; 1. Bericht, 2. Rechnungsablage, 3. Vorstands= wahl, 4. Verschiedenes. Der Vorstand. 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Seffisch- Thüringische Staatslotterie ( Mitteldeutsche Staatslotterie) Biehung VI. Klasse.( 13. Tag) 23. März 1904. Viktoria- Drogerie, Marktstraße 5.1 Ale Nummern, neben welchen nichts bemerkt ist, sind mit 200 Mark gezogen. 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März 1904. Neuen- Bäue 11. staatl. tonz. Haupt- Kollefteur der Hess. Thüring.( Mitteld.) Staats- Lotterie. Richard Buchacker, Giessen. azy ago Stadt- Theater Gießen. Direktion: Steingoetter. Freitag, 25. März 1904 Außer Abonnement! Benefiz Papageno für Jenny Lembach. Posse in 4 Akten von Rudolf Kneisel. Zu dieser Vorstellung werden Block- Abonnements Billets an der Abendkasse gegen Zuzahlung von 50 Pfg. für Loge und Sperrsiz und 30 Pfg. für die anderen Bläße nach Maßgabe des handenen Plages angenommen. Richard Buchacker. Gg. Carl Volk. ConfirmandenSchirme große Auswahl in allen Preislagen. Nur eigenes Fabrikat. Casseler Schirmtabrik, Gießen Seltersweg 9. Achtung! Grosse Geld- Lotterie Nächte der Krankenpflege- Anstalten v. Roten Kreuz, Strassburg i.E. Ziehung garantiert 11. u. 12. April 6052 Baargewinne ohne Abzug 70000 M. 1 Hauptg. M. 20 000 1 Hauptg. M. 10000 1 Hauptgew- M. 5000 3 à 1000 6 à 500 30 à 100= M. 3000 M. 3000 M. 3000 60 à 50= M. 3000 350 Gew. zus. M. 5000 5600 Gew.zus. 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Glücklich kann ich mich nennen, ja glücklich mich preisen, wenn ich ihm gehören dürfte, selbst im Tod." Die Mutter warnte angstvoll. Wäre so hohes Glück mir beschieden, dem Hohen, Herrlichen dienen zu dürfen in ehrfürchtiger Liebe, dann sollte euch Heil widerfahren. Glätten sollte er aus Liebe zu mir die unheilbringenden Wogen, gebieten der tobenden Brandung. Gefahrlos würde der Fang. Staunend und grauend hörte die Mutter des Mädchens begeisterte Rede. Schluchzend barg sie das Gesicht in den Händen; sie fühlte, der Same, den sie in die Seele des Mädchens gestreut, trug jetzt seine Früchte. An einem wunderbar schönen Sonntag im Spätherbst, als selbst die Natur im Feierkleide zu ruhen schien, entfaltete sie vor den staunenden Küstenbewohnern ihre entzückendſten Reize. Andachtsvoll standen die Alten in diesen seltenen Anblick versunken. Die muntere Jugend aber löste die Boote von Schoner und 3ijalk, um sich auf der See zu ergößen. An einem Tage wie heute sieht man den Glaspalast des Meergottes, so ging die Sage. Auch Heinke löste das Boot vom Schiffe des Vaters, legte, die Hände unter dem Kopf verschlungen, den trunkenen Blick auf zum Himmel, bald zur Tiefe des Meeres richtend, sich in das Fahrzeug. Sie achtete nicht der Scherze der sie umschwärmenden Jugend. Lodernde Flammen wühlten in dem Busen. Heute vielleicht war der Tag, wo sie den Palast des einzig Geliebten, die Meermädchen, ihn selbst wohl erblickte. Die Brise, die leichtbeschwingte, kam und umfächelte der Einsamen schmeichelnd die Schläfen, bis der Schlummer sie sanft umfing. Das Boot aber trug sie leise hinaus in die offene See. Am Horizont, dort, wo der Himmel sich mit dem Meer zu vereinen scheint, tauchten Wölkchen auf, weiß, leicht, gleichend der vom Windhauch getragenen Feder. Dichtere, dunklere Wolken jagten gar bald wie in neckischem Spiel über die ersten hinweg. Dunklere, bald tiefschwarze Wolkengebirge bildeten wunderbare, drohende Gestalten, diese streckten und dehnten sich, senften sich tiefer und tiefer, fast bis zu dem Spiegel des Wassers, es unheimlich färbend, ſo dunkel wie sie. Grelle Blize zerrissen die Wolken und schienen den Himmel zu teilen. Prasselnder Donner übertönte das Brüllen der See. Heinke fuhr erschrocken empor aus wonnigem Traum. Ach, schon tanzte das leichte Boot auf Wasserbergen. Pfeilschnell schoß es hinab in den gurgelnden Schlund. Jetzt war es bereits bis zur Hälfte mit Wasser gefüllt, das das geängstete Mädchen, eine Ruderstange umflammernd, hoch aufgerichtet im Boot stand. Da nahte ein Wasserberg, turmhoch, mit donnerähnlichem Tosen und bedeckte Mädchen und Boot. In Heinfes Ohren ertönte ein Brausen, Singen und Klingen. Milder, süßer werden die Töne, Harfensang ist es, der ihr Ohr berauscht, die Harfe des Aegir. Der fremde Jüngling, den einstmal die Wellen als Toten ans Land getragen- blühend, mit wundersam leuchtenden Augen, die in inniger Liebe erstrahlen, umfängt sie mit starken Armen, um sie in sein Reich hinabzuführen. Bezaubert von so viel Lieblichkeit und Schönheit drängten sich die Untertanen des Meergottes herzu, die holde Schläferin zu sehen und zu berühren. Kosend umspielten sie die schlaff herabhängende Hand. Tändelnd strichen die kleinen Vorwitzigen durch die nur loſe geschlossenen Finger. Andere lösten die Schuhe von den zierlichen Füßen, zu schwer dünfte sie deren Last. Das Wasser aber befreite spielend die goldenen Haare aus den sie fesselnden Flechten, daß sie gleich einem Mantel lang herabflossen. Die Farbe des Haares aber, die das Meervolk nie er blickt, versetzte sie in lichtes Entzücken. Es ließ sie das gestrenge Gebot ihres Königs vergessen, daß königlich Gut geheiligt sei. Sie wünschten ja nur ein Fädlein zu brechen von so reicher Fülle; sie brechen nur eins, und noch eins, und dieses ein wenig länger, von dem goldenen Gespinst. Als der Meergott an den Pforten seines Palastes die liebliche Braut betrachtete, erstarrte er vor Schmerz und Schrecken, so daß er sich zum gewaltigen, zürnenden Greise verwandelte. ( Schluß folgt.). AUS DEM REICHE DES WISSENS Die Verteilung der Sterne im Weltraum. Ueber die Verteilung der Sterne im Weltraum sind in den Annalen der Harvard- Sternwarte neue Untersuchungen veröffentlicht worden. Es handelte sich hauptsächlich darum, die Verhältniszahlen der Sterne in der Milchstraße und außerhalb ihrer Grenzen zu bestimmen. Für die Milchstraße wurden die Himmelskarten in dem Atlas von Heis und die Argentinische Uranometrie( für den südlichen Himmel) benutzt, für den übrigen Himmel die Durchmusterungen der Harvard- Sternwarte, die sich auf beide Halbs fugeln des Himmels erstrecken. Die Arbeiten sind sehr sorgfältig ausgeführt worden und werden durch 23 Tafeln in ihren wesentlichen Ergebnissen veranschaulicht. Danach ist die Zahl der Sterne innerhalb eines gegebenen Flächenraums der Milchstraße etwa doppelt so groß, wie auf einem gleichen Flächenraum eines anderen Himmelsgebiets, und dies Verhältnis wächst auch für die schwächeren Sterne bis zur 12. Größenklasse abwärts an. Der Anteil von Sternen der einzelnen Größenklassen an der Gesamtheit ist innerhalb der Milchstraße derselbe wie außerhalb. Jm ganzen kommt die Verteilung der Sterne darauf hinaus, daß sich in der Milchstraße, die etwa ein Drittel des Himmels bedeckt, etwa die Hälfte aller Sterne befindet. Es liegt kein augenscheinlicher Beweis für das Vorhandensein einer Grenze nach der Richtung des Schwächerwerdens der Sterne vor. Es gibt etwa 10 000 Sterne von der Größe 6,6 und darüber, 100 000 von der Größe 8,7, 1 000 000 von der Größe 11 und 2 000 000 von der Größe 11,9. Obgleich eine solche Angabe noch immer in hohem Maße willkürlich iſt, ſo schätzt man die Zahl der in einem Fernrohr von 15 Zoll Oeffnung sichtbaren Sterne auf 18 000 000, wobei sämtliche Gestirne bis etiva zur 15. Größenklasse eingeschlossen wären. * Was die Technik bringt. Ein Kabelpflug. Zum Legen eines unterirdischen transafrikanischen Kabels, das Frankreich in direkte Verbindung mit Madagas= far zu bringen bestimmt ist, hat man einen Pflug konstruiert, der die damit verbundenen Kosten im Vergleiche mit denen des bisher üblichen Verfahrens mindestens um die Hälfte ermäßigen soll. Der Balken des auf zwei Rädern laufenden Gerätes verschiebt sich in vertikalen Führungen und wird mittels Schneckenrades und Schraube betätigt, um die Schar auf die erforderliche Tiefe zu bringen. Diese Schar besteht aus zwei rautenförmigen Stahlplatten mit Schneidkante, vor der zwei Kolter angebracht sind, die den Boden auflockern. Hinter der Schar befindet sich eine Trommel, auf die das Kabel gewunden ist, das zwischen Leitrollen in die Schar hinein und am unteren Ende nahezu einen Meter unter der Oberfläche des Bodens herausgeführt wird. Der Pflug wird mit Hilfe einer Lokomotive nach Art eines Dampfpfluges betrieben. Er soll sich nicht nur für sandigen, sondern auch für harten Boden eignen. * Der elektrische Eisenbahnbetrieb. Die schwedische Regierung denkt allen Ernstes daran, mit ihrem gesamten Eisenbahnbetriebe zur Elektrizität überzugehen, und hat seit mehreren Jahren dieses großartige, der elektrischen Induſtrie gute Aussichten eröffnende Projekt bis in die Einzelheiten hinein erwogen. Mit der Entsendung eines Sachverständigen zum Studium der elektrischen Anlagen des Auslandes und der Abgabe des Gutachtens des genannten können die theoretischen Vorarbeiten als abgeschlossen gelten, und es sollen nun die praktischen Versuche beginnen. Zu diesem Zwecke hat die Staatsbahnverwaltung kürzlich die erforderlichen Mittel verlangt, um von Stockholm aus zwei kürzere Bahnstrecken für elektriſchen Betrieb einzurichten. Von besonderem Intereſſe iſt bei diesem Projekt der Umstand, daß man beabsichtigt, als Kraftquellen die zahlreichen, in Schweden befindlichen Wasserfälle, und wo solche, wie im südlichen Schweden, nicht vorhanden sind, die großen Torfmoore nußbar zu machen. Auf diese Weise will man sich von der Kohleneinfuhr, die bisher den weitaus größten Teil aller eingeführten Waren ausmachte, unabhängig machen, und gleichzeitig durch Verwendung der früher fast ganz ungenutzten beiden natürlichen Hilfsmittel zur Hebung des Nationalwohlstandes beitragen. Nr. 67. Donnerstag, den 24. März. Oberhessische Familien Tägliche Unterhaltungs- Beilage der Gießener Neueste Nachrichten. 1904. and nut Bring ber States: Rerlagsbruderet, norm. Muh. Mellerste Bugbrudersi( gags. 1788); said: This Isiz ( 30. Fortsetzung.) Der Goldmarder. Original Roman von M. Bezold. Im Anfang hatte er nur einige der wertvollsten Münzen genommen, dann war er fühner geworden, und erst als er sich ganz sicher glaubte, hatte er auch noch den Rest geholt. Um diesen mehrfachen Raub verüben zu können, mußten ihm die Schlüssel zur Verfügung gewesen sein, und es war nicht glaubhaft, daß Joachim Spangenberg sie unbemerkt aus dem Schrank des Kustos geholt haben konnte. Martin wollte sich nun auch darüber Gewißheit verschaffen, er eilte in's Hintergebäude, in heftiger Erregung trat er in das Wohnzimmer der Familie Schönbach. Freudige Erwartung spiegelte sich in dem Blick, mit dem Gabriele ihm entgegenkam. Sie bringen uns eine gute Nachricht?" fragte sie mit vibrierender Stimme.„ Der Vater ist frei?" " Nein," antwortete er so unfreundlich, daß sie bestürzt zurücktrat ,,, wie mögen Sie daran nur denken?" Sie wollen uns die Wohnung wieder nehmen?" sagte die franke Frau voll banger Besorgnis. ,, Wenn die Kinder umartig gewesen sind, dann sollen sie bestraft werden, ich verspreche es Ihnen, wir wissen ja, welch' großen Dank wir Ihnen schulden Reden Sie nicht davon," unterbrach er sie, ich habe feinen Grund, mich über Ihre Kinder zu beklagen und denke auch nicht daran, die Wohnung Ihnen zu kündigen. Haben Sie kürzlich Nachrichten von Ihrem Manne erhalten?" ,, Gestern," erwiderte Gabriele, während sie ihm einen Stuhl anbot, er schrieb uns, daß ihm Versprechungen für die Zukunft gemacht worden seien, wenn er die Schuld seines Sohnes eingestehen wolle." Das kann er nicht," sagte die alte Frau, mein Sohn ist schuldlos, es wäre abscheulich, ihn anzuklagen, da er sich nicht verteidigen kann." Ist Ihr Sohn, während er hier war, mehrmals verreiſt?" ,, Nein, wohin hätte er reisen sollen?" ,, Vielleicht nach Berlin?" Er war keinen Tag fort," erwiderte die Kranke mit einem mißtrauischen Blick. Wahrscheinlich behauptet man das, um bewisen zu können, daß er die Münzen in Berlin verfauft habe. Es kommt ja alles nur auf die Person an," fuhr ſie erbittert fort, ohne auf die warnenden Winke ihrer Tochter zu achten, ein mächtiger Mann kann einem Armen alles beweisen, sind's auch nur Scheinbeweise, dem Gericht genügen sie." Martin war in Brüten versunken, auf diesem Weg, das sah er ein, erreichte er sein Ziel nicht. „ Wenn Ihr Mann und auch Ihr Sohn schuldlos sind, wer soll dann den Raub begangen haben?" fragte er. ,, Das weiß Gott allein!" antwortete sie. " Ihr Mann müßte es auch wissen, die Schlüssel zum Münzenkabinett haben ja zwei Jahre lang in seinem Schrank gelegen." ,, So sagt man." ... st es nicht die Wahrheit?" ( Nachdruck verboten.)) " Ich will nicht daran rütteln, Herr Kassel, aber ich erinnere mich, daß der Herr Direktor Spangenberg einmal meinem Mann die Schüssel abgefordert hat." ,, Wann geschah das?" forschte Martin gespannt, dem das Blut wieder heiß in die Stirne stieg. Vor zwei Jahren vielleicht; ich weiß es nicht mehr so genau. Nach enigen Tagen brachte er sie wieder, er meinte, es sei doch zu umständlich, sie zuvor in seiner Wohnung holen zu müssen, wenn einmal die Sammlung plötzlich besichtigt werden solle." Martin blickte starr vor sich hin; nun war auch diese letzte Hoffnung verschwunden! Joachim Spangenberg hatte die Schüssel gefordert, um ein zweites Exemplar derselben anfertigen zu lassen, das er benutzen konnte, wann und wie er wollte. " Ich mache dem Herrn Direktor keinen Vorwurf," nahm die Kranke nach einer langen Bause wieder das Wort, aber ist es nicht möglich, daß ihm die Schlüssel für einige Stunden oder einen Tag gestohlen worden sind? Er sollte doch nicht alle Schuld auf uns werfen! Erst war es mein Mann, dann mein Sohn und zuletzt mein Schwager; an die Möglichkeit, daß ein Anderer der Dieb sein kann, wird gar nicht gedacht. Ich glaube auch noch nicht an die Armbandgeschichte, in der man so gerne meinen Mann zum Mitschuldigen machen möchte-" Martin war von seinem Sit aufgesprungen, wie Keulenschläge hatten ihn diese letzten Worte getroffen. Die Untersuchung ist ja noch nicht geschlossen," sagte er heiser, sie muß die Wahrheit an den Tag bringen." ,, Glauben Sie das?" fragte sie herb. Ich nicht! Ein armer Mann darf nicht auf Gerechtigkeit hoffen, was liegt daran, wenn wir alle ehrlos und unglücklich werden?" Martin stand bereits an der Türe; ohne eine Antwort zu geben, eilte er hinaus. Gabriele folgte ihm, die Worte der Mutter mußten ihn tief empört haben, sie glaubte den Zorn in seinen Zügen zu lesen. Vergessen Sie, was meine Mutter Ihnen gesagt hat, Herr Kassel," bat sie mit Tränen in den Augen, das Unglüc hat sie bitter gemacht. Glauben Sie auch nicht, daß sie den Herrn Direktor anklagen wolle ,, Nein, nein, liebes Fräulein," unterbrach er sie hastig, indem er ihre Hand erfaßte, fürchten Sie nichts, ich begreife die Erbitterung Ihrer Mutter." ,, Wir sind so tief unglücklich " Ich weiß es, haben Sie Geduld, jeder Nacht folgt ein Morgen, ich glaube, auch für Sie wird alles noch sich zum Besten wenden." Für mich?" seufzte Gabriele, der die Tränen über die bleichen Wangen rannen.„ Niemals! Ich denke auch nicht an mich, sondern an meine armen Eltern, würden Kummer und Sorgen von ihnen genommen, so wollte ich gerne zu. frieden sein." Martin nickte schweigend und ging mit schwankenden Schritten in feine Mohnung zurück Bohn- und Sale der ohne Penfior Entha für Obe Der Kri Ueber di bringt die russische T af zuverlässigen Que Startschang bom 24. d. Servegungen der chine Mandschurei befassen: Buberläffige Nachric niffe liegen nicht vor. blu tegen Zusammenstoß Das aus Soul datie Treffen zwisd Sruppen ist mit großer Rojaten find in F Cienian, eingetroffen in folgender Weise: Eareanischer Truppen bam Kommandanten, was der Kommandan falten die Koreaner d mobei die Russen 35 17 Lote und 20 Bert Schon das Zahlenve it geeignet, recht starke kationsnachricht zu erm Ausbildung des Korean nehmen, daß die Verl licher gewesen seien, al General Ma hat fe jenne Truppen sind na Bridgegangen. Gen Tientsin, seine Trupp tco sie früher gestan hauptenden Gerüchte 6Batsia(?) nördlich fchiffen. Zahlreiche chanhaitwan und Gine Abteilung des ie bisher in Nordk ar Andschu. In d annmenstöße mit Jap Nus derselben Que mits bewillkommnete tchen erwarte und funft im Transbait figte hinzu: Die Trupp Sider Südmandschur dle still. Die Korean lken der Japaner, ingen, selten bezahl Begen die von sen retreten erdoet sich der russische gchen Telegramm au er den Uebergang der über Gefechte mit Ruff Ruſſen ſei, offe zum Vormarsch zum M dung. Zu derselben auf die aus japanischer Daily Telegraph" über Ja Sithu stattgehabtes | ngtid- bon. Orfund Chronicle", daß die Shricheinlich gehört gfelten Lügenberichte Ranger ichiff am legter Trfindigen Kampf Er schloß die Tür seines Arbeitszimmers hinter sich zu, er wollte allein sein mit den Gedanken, die seine Seele marterten. Nun hatte die Frau ihn auch noch an das Armband erinnern müssen! Hatte Joachim Spangenberg auch dieses Verbrechen begangen? Er war an jenem Morgen längere Zeit im Laden allein gewesen, er hatte später im Museum das Armband entdeckt und zwar an einer Stelle, an der niemand es gesucht haben würde. Dies alles war wohl geeignet, den Verdacht zu bestätigen, und daß der Dieb der Münzensammlung auch diess Verbrechen begangen haben konnte, war sehr wohl denkbar. Rastlos wanderte Martin auf und nieder, er konnte das alles nicht fassen, immer wieder suchte er nach Gründen, die zu neuem Zweifel berechtigten, aber je länger er sich damit beschäftigte, desto klarer wurde ihm die Schuld Spangenberg's. Er hatte stets den Vater Irma's hochgeachtet, es gab wohl niemand in der ganzen Stadt, der an der Ehre dieses Mannes zweifelte, und nun entpuppte er sich plötzlich als ehrloser Verbrecher, den das Gesetz mit Zuchthaus bestrafen mußte! Wie war es nur möglich, daß dieser Mann so tief hatte sinken können? Hatte er denn niemals an die Folgen dieser berwegenen Tat gedacht? Oder war es von Anfang an seine Absicht gewesen, den Veracht auf einen Schuldlosen zu lenfen und diesen büßen zu lassen, was er selbst verbrochen hatte? Wie konnte er nur dazu schweigen, daß der schuldlose Mann im Gefängnis saß und dessen Familie darbte? Die Hände Martin's ballten sich bei dieser Frage, jäh loderte der Zorn aus seinen blißenden Augen. Wenn die Rücksicht auf Irma und auf das eigene Glück ihn nicht zurückgehalten hätte, so wäre er augenblicklich zum Untersuchungsrichter geeilt, um die Verhaftung des Schuldigen zu verlangen. Schweigen durfte er nicht, mochte auch sein eigenes Glück zu Grunde gehen, er mußte file den Schuldlosen eintreten. Aber wie konnte dies geſchehen, ohne auf Irma's Namen einen entehrenden Matel zu werfen? Wenn er nur mit einem Freunde, der die Verhältnisse zu würdigen verstand, darüber beraten könnte! Er war am Fenster stehen geblieben, grübelnd ruhte sein Blick auf dem Hintergebäude, in dem die unglückliche Familie wohnte, deren Kummer sich nun bald wieder in Freude verwandeln sollte. Was sollte er tun? Wie er auch sinnen mochte, er fand auf diese Frage keine Antwort, die ihn befriedigen fonnte. Da fiel sein Blick auf Adolph Spangenberg, der die franke Frau besucht hatte und auf den Hof hinaustrat. Nun war der Freund gefunden, dem er alles, was ihn bedrückte, anvertrauen konnte, von dem er den besten Rat erwarten durfte. Ohne sich lange zu besinnen, öffnete er das Fenſter, Adolph schaute empor, sein sorgenvoll umwölktes Antlik erinnerte Martin an die hoffnungslose Liebe, die der Freund im Herzen trug. Gleich darauf trat der Arzt ein, er sah Martin befremdet an, als dieser hinter ihm die Tür wieder verschloß. ,, Du bist ernstlich frank," sagte er besorgt. ,, Geistig, nicht körperlich," erwiderte Martin erregt,„ ich fühle mich dem Wahnsinn nahe. Dem Himmel sei Dank, daß er dich in dieser Stunde mir gesandt hat. Du bist der Einzige, dem ich mein entsetzliches Geheimnis anvertrauen fann." „ Ein entsetzliches Geheimnis?" fragte Adolph, während er sich auf einen Stuhl niederließ und den erwartungsvollen Blick mit wachsender Besorgnis auf das bleiche Antlitz des Freundes heftete. Ist abermals ein Diebstahl hier begangen worden?" ,, Nein, ich wollte ihn gerne verschmerzen, wenn es nur das wäre!" fuhr Martin kopfschüttelnd fort. Die Sache betrifft auch dich, wenigstens indirekt, und so darf ich wohl erwarten, daß du mir mit Rat und Tat als treuer Freund zur Seite stehen wirst. Ja, du mußt das sogar im Interesse deiner Familie, wir beide sind in dieser Angelegenheit auf ehrliche Bundesgenossenschaft angewiesen." „ Nur immer heraus damit," erwiderte Adolph ungeduldig; was es auch sein mag, daß du dich auf mich verlassen darfst, brauche ich dir wohl nicht zu sagen." Martin berichtete nun alles, was der Brüsseler Juwelier ihm mitgeteilt hatte, er zeigte die Briefe und erwähnte auch den Verdacht, der durch die Worte der Frau Schönbach bezüglich des Armbandes in seiner Seele geweckt worden war. Adolph hatte schweigend zugehört, sein Gesicht war totenbleich geworden. Und was nun?" fragte es, als der Freund schwieg. Was gedenkst du nun zu tun?" Was Pflicht und Gewissen mir gebieten," antwortete Martin.„ Würdest du es nicht auch tun?" " Ganz gewiß! Einem solchen abscheulichen Verbrechen gegenüber müssen alle Rücksichten schweigen!" ,, Nein, Adolph, nicht alle!" fuhr Martin fort. Joachim Spangenberg ist dein Onkel und der Vater meiner Braut; kann sein Name vor Entehrung bewahrt werden, so sind wir es uns selbst schuldig, dies zu tun." „ Und wie wolltest du dies ermöglichen? Schönbach muß sofort aus seiner Haft befreit werden, und das kann nur dann geschehen, wenn wir den wirklichen Täter nennen!" ,, Auch dann würde es nicht unverzüglich geschehen," sagte Martin, der nun ruhiger geworden war, während sein Freund mit großen Schritten das Zimmer durchmaß,„ unsere Anklage müßte zuvor untersucht werden—“ Und Onkel Joachim würde natürlich leugnen!" unterbrach Adolph ihn.„ Darauf müssen wir freilich uns gefaßt machen, indessen liefern diese Briefe und die Aussagen des Brüsseler Juweliers einen überzeugenden Beweis. weliers wird der Untersuchungsrichter die Entlassung SchönIch fürchte, selbst nach den Aussagen des Brüsseler Jufort.„ Er wird vielleicht behaupten, der Kustos müſſe ſich an bach's verweigern," fuhr Martin mit gedankenvoller Miene dem Verbrechen beteiligt haben, es sei nicht möglich, daß Joachim Spangenberg es ohne Vorwissen seines Untergebenen begangen haben könne. Nein, Adolph, nur dann, wenn Irma's Vater sich dazu versteht, seine Schuld frei und offen zu bekennen, kann diese Angelegenheit glatt geordnet werden. Und ich meine, wir wären berechtigt, ihn dazu zu zwingen. Es genügt, wenn er dieses Bekenntnis schriftlich macht. Mag er meinetwegen sich durch die Flucht der Strafe gewiß die Freilassung Schönbach's anordnen wird, wenn er entziehen, ich vertraue auf die Gerechtagkeit des Fürsten, der das Schuldbekenntnis deines Onkels empfangen hat." Adolph stand in Nachdenken versunken, er dachte an seinen alten Vater, den die Entehrung des Bruders unsagbar schmerzen mußte, und an Gabriele, die ein böses Geschick nun nicht mehr zwang, auf das Glück ihres Lebens zu verzichten. ,, Du forderst von mir einen Rat und weißt doch selbst den besten," sagte er nach einer Weile mit einem tiefen Atemzuge. ,, Aber ob die Schuld Onkel Joachims verschwiegen bleiben wird, das ist eine Frage, die ich eher verneinen als bejahen möchte!" „ Wir beide werden schweigen!" „ Wenn wir nicht reden müssen, Martin!" „ Wer will uns dazu zwingen?" ,, Kannst du glauben, daß der Fürst die Sache auf sich beruhen läßt?" ,, Was ändert er, wenn er den Flüchtling verfolgt? Die Sammlung erhält er nicht zurück, das Geld ist verausgabt, ich will ihn bitten, Irma's wegen zu schweigen. Ich selbst will ihm das Geständnis Spangenberg's bringen, ich glaube zuversichtlich, daß er meiner Bitte Gehör schenken wird." ,, Und wenn er dies nicht tut?" fragte Adolph.„ Wenn der Sturm, der dann in der Deffentlichkeit losbrechen wird, sich nicht gegen Onkel Joachim allein, sondern auch gegen dessen Kinder richtet? Sie sind alle nicht beliebt in unserer Stadt, du weißt ja, wie oberflächlich der große Haufen urteilt, die Sünden der Väter werden heimgesucht an den Kindern!" ,, Mögen die bösen Zungen reden, wie sie wollen, mögen sie auch mich verlästern, rma bleibt mein, ich stehe treu und fest zu ihr," erwiderte Martin, in dessen Augen es aufleuchtete.„ Das aber entbindet mich nicht von der Verpflichtung, alles zu versuchen, um die Unehre ihrem Namen fern zu halten, und kann ich die Schuld des Vaters ihr verheimlichen, so werde ich es sicherlich tun." „ Und was hat Heinrich Schönbach zu erwarten, wenn ev aus der Haft entlassen ist?" fragte Adolph. ,, Vielleicht wird er in seine Stelle wieder eingesetzt." Sicherlich nicht! Ich zweifle sogar, daß man an seine töllige Unschuld glauben wird; da wird es dann schwer halten, ein Unterkommen für ihn zu finden." ( Fortsetzung folgt.)) Es ist allerdings wahr, daß die Frauen keine Meisterwerke geliefert haben. Sie haben keine Iliade, kein Befreites Jerusalem, keinen Hamlet, kein Verlorenes Paradies, keinen Tartüffe geschrieben, keine Peterskirche gebaut, keinen Messias komponiert, keinen Apollo vom Belvedere gemeißelt, kein Jüngstes Gericht gemalt, weder die Algebra, noch das Fernrohr, noch die Dampfmaschinen erfunden, aber sie haben etwas Größeres und Besseres als dieses alles getan, denn auf ihren Knieen sind wahrhafte und tugendhafte Männer und Frauen, die herrlichsten Erzeugnisse der Welt, erzogen worden. Seemoos. Ein Märchen von Elisabeth Platen. ( Nachdruck verboten.)] Nordisches Meer, unendliches, ewiges! Unlösbare Bande schlingt dein Odem um das Herz des Menschen und stimmt es zur reinsten Harmonie. Wind und Welle, nimmer rastende, brausend bringt ihre Botschaft dem Zagenden, daß eine Almacht über den Welten thront, die da gebietet allem, was da lebt. Wind und Welle, ruhend in des Gewaltigen Fesseln, zaubert ihr Bilder voll Licht und Anmut vor dessen Seele, der nach der keuschen, lieblichen Poesie der Natur dürstet. In Hochstein in Dithmarschen liegt auf einer Landzunge, die in die Nordsee hineinragt, ein Fischerdorf. Dieses wird heute seiner weichen Seeluft wegen als Seebad viel besucht. Hier lebte einst der junge Fischer Claus mit seiner Frau namens Telsche. Frohgemut trotz schweren Kampfes mit Wind und Wogen rangen sie dem Meere ihr tägliches Brot ab. Frohgemut deshalb, weil Liebe sie zusammengeführt, innige Eintracht sie leitete. Doch nur zu bald sollten Leid und Kummer ihres Lebens den Horizont verdunkeln. Ihren frischen Knaben und sein rosiges Schwesterchen mußten sie an einem Frühjahrstage zugleich auf den spärlich von Pappeln und Linden beschatteten Friedhof betten. Telsche, die bis dahin allezeit geschäftige Mutter, überließ sich willenlos ihrem Gram und lebte nur noch in einer Traumwelt. Auch die Geburt eines kleinen Mädchens mit goldglänzenden Haaren und seegrünen Augen rüttelten sie aus diesem Schlafe nicht auf. Ohne jede mütterliche Pflege ließ sie das Kleine Wesen. „ Sie ist ja doch dem Neck geweiht, sie hat ja jetzt schon das rote Haar der Meerfräulein!" ſprach sie zu der Nachbarin, die sich mitleidig ihrer und des Kindes annahm. Treulich suchte auch Claus sein Weib zu stützen. Frohsinn und Zufriedenheit hoffte er ihr wiederzugeben, wenn er ihr zeigte, wie der Hinimel ihr in dem hilflosen Wesen eine neue Aufgabe gegeben, um sie das ausgestandene Leid vergessen zu machen. Klein Heinke wuchs fröhlich in das Leben hinein und entwickelte sich zu wunderbarer Schönheit: schwanenweiß die Haut, die zarten Glieder von sanfter Rundung. Koste und spielte der Wind mit dem wunderbaren Goldhaar, so lösten Locken und Löckchen sich aus den Flechten und umrahmten das Köpfchen gleich Heiligenschein. Dem Vater wurde das Kind sehr bald des Lebens Inhalt. Sie war seine Freude während des stillen Winters und im Sommer seine treue Gefährtin auf der See. Gar bald hielt das Mädchen mit sicherer Hand das Steuer und raffte behend die Segel. Bei ruhiger See bat sie wohl den Vater:„ Erzähle mir von den Niyen, von dem mächtigen Gott Aegir. Erzähle mir von seinem Palast und von seinen Festen, von der himmlischen Musik die dabei ertönt!" Der Vater willfahrte nie der Tochter Bitten; zu viel Leid hatte der Aberglaube schon über ihn gebracht. Die Mutter dagegen erzählte Heinke oft an Winterabenden, am lodernden Feuer beim Stricken der Neße vom Meergott. ,, Aegir," raunte sie traumverloren mit in des Feuers Glut gerichteten Augen, ist ein mächtiger Gott, der Beherrscher der salzigen Fluten. Unermeßliche Schäße nennt er sein eigen. Aus reinstem Kristall ist sein Palast. Die Meermädchen sind kostbar gekleidet. Lichtgrüne, duftige Stoffe umhüllen die zarten Gestalten. Weiße Schleier wallen ihnen vom Haupt herab, von silbernen Spangen gehalten. Rosen kränzen ihr Haar bei zauberhaft schönen Jesten." Längst war den Händen des Mädchens die Arbeit entfallen; mit brennenden Wangen saß sie der Mutter zu Füßen, denn zu herrlich war, was sie vernahm. Rätselhaft schien es ihr, daß es noch eine viel schönere Welt gäbe, als die, welche sie kannte. " Erzähle mir von den Meermädchen, von ihren Festen und Freuden! Erzähle mir auch von dem Meergott!" bat sie beweglich. Nur zu gern begann die Mutter von neuem:„ Gib acht auf der See, doch birg dich hinter dem Segel; leicht siehst du die Nixen sich in den Wellen wiegen, bei wundersam sanften Tönen, silbernen Saiten entlockt von Aegir. Sind sie ermüdet, so ruhen sie auf köstlich duftendem Lager. Silber ist jedes Gerät und leicht ihr Geschmeide. Zahlreiche Diener lauschen ihres leisesten Winkes. Oft auch geht Aegir in schöner Gestalt zur Oberfläche des Wassers, um ein reines goldblondes Erdenkind zu betören, damit sie, in heftiger Liebe entbrennt, ihm folge in seinen Palast." Darum hüte dich, Heinke: Rotblond ist dein Haar. Nicht Sturm und Wasser zerstört sein Geringel. Hüte dich, daß Gott Aegir dir nicht seine Diamanten hineinstreut!" Im tiefsten Blau strahlten Heinkes Augen bei dieser Erzählung. Doch sorglos lachte die Frohe, Tugendfrische der Warnung. Wie sollte ihr auf dem geliebten, ihr so vertrauten Meer je tebles geschehen. Der Vater sorgte, als er eine Erzählung der Mutter belauscht, fortan für reichliche Arbeit, damit der Tochter das Träumen verginge. Da geschah es, daß eines Tags nach einem Sturm, wie er selten an dieser Küste wütet, sich eine neue Insel aus den Fluten des Meeres erhob. Wunderbar war sie anzusehen; Sand, nur Sand war es, nicht fester Boden, wie die wasserdurchzogene fette Marsch. Fischer, die eilend_das Wunder aufgesucht, berichteten so den erstaunten Dorfbewohnern. Aber noch ein anderes Ereignis sollte die Küstenbevölkerung heut erregen. Die wiederkehrende Flut spülte die Leiche eines in fostbare Gewänder gehüllten Jünglings an das Ufer. Wunderbar war er anzusehen mit seinem fahlen Haupt- und Barthaar. Edel waren die Züge. Sonnige Heiterfeit lagerte auf dem erblaßten Antlig trotz der erloschenen Augen. gefahren hatten, kamen eben heran, als die Bewohner des Claus und Heinke, die das Meer nach Strandgut abDorfes den Fremden umſtanden. sie ihr Auge noch nie erblickte. Diese war ein ſeltſam geHeinke war hoch beglückt durch eine Gabe der See, wie streifter Stab, links schräg, rechts gerade aufstrebend, hier der zutraulichen Husch. An diesen Stäben waren Saiten bedurch einen dritten verbunden, der gebogen gleich dem Hals festigt, wie Silber glänzend. Leiſe, bald lauter erklangen die Saiten, so der West sanft oder stärker darüber hinſtrich. Kaum hatte Heinke vermocht, das Steuer zu halten; öfter bedurfte es des mahnenden Zurufes des Vaters. Die Frauen aber riefen beim Anblick der Harfe, die das Mädchen behutsam an das Land trug: Seht, seht! Das ist die Harfe des Aegir, von der uns die Alten erzählten! Dies hier aber ist der Gott ſelbſt, der als schöner Jüngling ausging, ein reines Mädchen zu betören, auf daß sie ihm hinabfolge in ſein kaltes Reich! Damit er nicht eine der unseren bezaubere, werft ihn wieder hinab in das Meer!" Ein alter, weißhaariger Schiffer entgegnete bedächtig: Dann wühlt er im Zorn in des Meeres Fluten, bis sie zu Bergen sich erheben, uns Tod und Verderben bringend. Darum gebt ihn seinem Elemente nicht zurück. Fahrt ihn hinüber zur neuen Insel. Grabt ihm ein so viele Klafter tiefes Grab, daß die Welle ihn nimmer befreien kann." Die Frauen entrissen dem Mädchen die Harfe und gaben sie dem Jüngling mit auf seine letzte Reise." Denn," sprachen sie, wer diese Harfe gehört, kann sie nie wieder vergeſſen. Unablässig verfolgt sie ihr klagender Gesang!" An Heintes Herzen aber nagte die Sehnsucht und bleichte die Rosen der Wangen. So oft es ihr gelang, unbemerkt zum Strande zu gehen, ließ sie sich im Boot hinübertragen zur neuen Insel. „ Einmal, einmal nur," so klagte sie, möchte ich die erloschenen Augen als strahlenden Stern sehen! Tausendfach gäbe ich mein Leben, wäre es tausendfach mein, könnte ich dedurch den herrlichen Jüngling zum Leben erwecken! Die Operation Saupt fache erst Mi Dann wird der Haupt der etwa 600 Mann 3 gemadt fein und gegen lebenden Kolonnen v. neur Leutwein bung von 10 Eingreifen des en, dem Feinde de ohen. Da die untereinander durch en um die Leistung foc der Gouverneu tellt, die mit den näd