eferung von etoffeln geben werden. gungen liegen Uhr auf dem rechender Aufrobefartoffeln, Den 5. Mai Sen erwähnten i 1904. en Blinik. Gießen 78 4 Uhr ab: ert no nbergerstraße 47. aesorgt. 3 Uhr vend ers us Der in Buda5 San Carlo osin: Hannover. annhäuser». e Walküre>. Nürnberg, Die Nebencht umher v. Bendel. SchmetterGrenadiere», osti. Ach v. Haydn. pinnrade> v. ohn. Feuern. Spinnerer- Liszt. num. Sitz dentenkarten andlung von Magazin von sind Sht. Nr. 95. Zweites Blatt. Bonnementsprets: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., Saus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertelfährlich Mr. 1.50. Bottobetingen: Oberhefftfche Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Bas Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Samstag, den 23. April 1904. Gießener 13. Jahrgang. Jnsertionspreis: Die einspaltige Betitzelle für ganz O hefsen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 Reklamen die Petitzeile 30 refp. 40 Pfg. Bostzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg Fernsprechanschlak Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Beifung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Opfer des Tropenkollers. Die fürchterlichen Schilderungen, die das Zeugenverhör im Prozeß gegen den Prinzen Arenberg über dessen unmenschliche Grausamkeiten gegen den Negerpolizisten Kain zu tage förderte, sind in Deutschland noch frisch in aller Gedächtnis. Die öffentliche Meinung der Apenninhalbinsel aber beschäftigt sich lebhaft mit dem Fall eines italienischen Generalkonsuls, der in der Kolonie Eritrea noch weit schlimmere Scheußlichkeiten sich hat zu Schulden kommen lassen. Während aber im Fall Arenberg der Täter von jeher als geistig minderwertig galt, wird de taliener als ein hochbegabter Mann geschildert, der in seinem Vaterlande auch als guter, menschenfreundlicher Charakter bekannt war. Wie kommt es nun, daß er jetzt Grausamkeiten begehen fonnte, die ihn jeden Funkens von Menschlichkeit bar erscheinen lassen? Eine Antwort auf diese Frage finden wir in dem soeben von dem französischen Oberstleutnant Péroz veröffentlichten Bericht über seinen Marsch vom Niger zum Tschadsee. Ende März lagerte Péroz bei Tessana unter dem Baume, wo sein Jugendfreund Oberst Klobb, das Opfer seiner aufrührerischen Untergebenen Voulet und Chanoine, begraben wurde, ehe man seine Ueberreste nach Timbuktu schaffte. Eine an den Stamm einer riesigen Coludra genagelte Zinkplatte erinnert an das entseßliche Wüstendrama. Péroz kommt darauf zurück, denn er hatte auch Voulet gefannt und unter seinem Befehl gehabt, als der junge Offizier gleich dem Leutnant Chanoine noch zu den schönsten Hoffnun gen berechtigte. Er frischt einige der schon halb vergeffenen Zwischenfälle der schon halb in Vergessenheit gerate nen Erpedition wieder auf: wie Voulet seine Leute zuerst nicht nur das unumgängliche Notwendige nehmen, sondern überall siehlen und rauben ließ, jeden Widerstand grausam ahndete, wie er in Sausanne- Haussa, einem großen Markt am östlichen Niger, befahl, alle Häuptlinge hinzurichten, die größer waren alls er, und erst innehalten ließ, als 100 ihn überragende Röpfe gefallen waren, wie er in Birni N'Konni, einem Markte des Adar- Gebietes, Gehorsam erzwingen wollte, indem er 80 Frauen und Mädchen der ersten Familien an den Stadtmauern aufhängen ließ. Was brachte ihn zu diesen Untaten? Die Sudansonne, erklärt Oberstleutnant Péroz, übt solche zerrüttende Wirkung auf europäische Gehirne. Und man glaube nur nicht, daß die angelsächsischen Schädel widerHandsfähiger seien als die unserigen. Ein englischer Kapitän, ein humaner Mann und Familienvater, verläßt um die Mittagsstunde seinen Posten zu Pferde. Im nächsten Dorfe streckt er zwei Eingeborene nieder, reitet dann mehrere Stunden lang im Busch herum und kehrt abends von Fieberschauern gerüttelt, erschöpft zurück... Einer meiner Offiziere, der gesetztesten einer, steigt zu Pferde und reitet nach dem Palaste eines schwarzen Sultans. Dieser begab sich gerade nach einem feiner Meierhöfe, begleitet von Reitern. Beim Anblicke des Sapitäns hält er an und will ihn grüßen. Dieser nimmt seinen Revolver, zielt auf den Sultan, der mit seiner Eskorte das Weite sucht. Der Kapitän hinter ihm drein, bis sein Pferd nach einer wilden Jagd stürzt. Er tötet es mit einer Kugel, legt sich neben den Kadaver und wird von den Leuten des Sultans nach der Residenz zurückgebracht. Man macht sich keine Vorstellung von den Leiden, der Spannung der Nerven und des Gehirns, welche die Europäer in jener fremdartigen Natur unter feindlich gesinnten Völkerschaften aus= zustehen haben. Nur besonders kräftig angelegte Seelen und Körper vermögen zu widerstehen. Fast alle verdammenswürdigen oder wahnwitzigen Handlungen, welche Weiße in jenen Regionen begehen, sind pathologische Fälle. Wenn Oberstleutnant 3, reue ut, so ist der Italiener, wie viele andere vor ihm, statt unseres Abscheus eher unseres Mitleids würdig als Opfer des Tropenkollers. Schutz dem Kinde! Von einem Familienvater wird uns geschrieben: Selbst Denn man jeder Prüderie abhold ist, so kann man doch nicht bestreiten, daß in Schaufenstern manchmal Gegenstände ausliegen, die entschieden nicht den Augen der Kinder dargeboten werden dürften. Es ist ja allerdings nicht zu verkennen, daß das moderne Kind nicht mehr die Naivetät hat, die in früheren Jahrhunderten die Eigenschaft der Kinder war. Das Leben der Erwachsenen flutet zu mächtig an ihnen vorüber. Das Kind unserer Tage ist in früher Jugend schon in den Strom des Verkehrs hineingezogen, mehr jedenfalls, als das zu jener Zeit der Fall war, als der Großvater die Großmutter nahm. In diesen Stätten öffentlichen Verkehrs, auf Bahnhöfen, in Eisenbahnfupees, auf Marktplätzen und sonstigen Orten treffen oft Worte an das Ohr des Kindes, die nicht dafür bestimmt sind. Gegen solche Verhältnisse gibt es keinen Schutz. Hier haben die Eltern darüber zu wachen, daß der rege gewordene Geist und die Phantasie nicht auf Abwege geraten. Ein anderes aber ist es mit den Schaufensterauslagen, bei denen das Kind unter Umständen mit Muße seiner Phantasie freien Spielraum lassen kann. Es muß unbedingt ein Mittel geben, um das naive Kindergemüt gegen solche unliebsamen Erscheinungen der modernen Reklame und der modernen Kunst zu sichern. Auf diesem Standpunkte steht auch ein Mitarbeiter der Bayerischen ärztlichen Korrespondenz". der sich zu diesem Thema äußert und sich im Eingang seiner Ausführungen als ein vollständig vorurteilsloser Kritiker kennzeichnet. Er verschweigt deshalb die Bedenken gegen gesetzgeberische Bestimmungen nicht und übersieht durchaus nicht die Gefahr, die durch allzu elastische Gesezesparagraphen der wirklichen Sunst entstehen kann. Nach seiner Ansicht müssen die bei der Beratung der lex Heinze geplanten Maßnahmen und die damals gewählte Fassung des Schußparagraphen entschieden als gefährlich erscheinen, in dem diejenigen Produkte, die, ohne unzüchtig zu sein, das Schamgefühl gröblich verletzen," mit Strafandrohung verboten werden. Damit war das Sittlichkeitsempfinden der Erwachsenen zum Maßstab_gemacht und bei der Spruchpraris dem subjektiven Empfinden des Richters ein zu weiter Spielraum gelassen worden. Mit der Verwerfung dieses Paragraphen ist allerdings bedauerlicherweise auch der notwendige Jugendschutz in Wegfall gekommen. Um diesen zu sichern, muß der sogenannte Sittlichkeitsparagraph so gewählt werden, daß Jugenderzieher und Aerzte bei etwaigen Gerichtsverhandlungen als Kritiker und Sachverständige zu funktionieren haben. Es muß verboten werden, daß der Unterschied der Geschlechter und die Hinweise auf deren Verkehr in einer Form dargestellt wird. welche die Naivität des Kindes gefährdet und seine Phantasie auf ein Gebiet lenkt, vor dem es im Interesse seiner Entwidelung bewahrt bleiben muß. Die jüngste Kunstdebatte im deutschen Reichstag hat vor allen Dingen das eine gezeigt, daß auch die entschiedensten Verfechter der lex Heinze feinerlei künstlerische Einseitigkeit vertreten und auch nicht unter der Maske eines Sittlichkeitsschutzes eine unbequeme Richtung verfolgen wollen. Dadurch ist in der Wählerschaft das Mißtrauen gegen eine Schutzbestimmung ganz erheblich abgeschwächt, und für eine tatsächliche Verbesserung und Erweiterung der Schutzvorschriften für die Jugend freie Bahn geschaffen worden. Wie ich, so wird jedenfalls noch mancher Familienvater wünschen, daß man in der Besprechung öffentlicher Angelegenheiten diese Frage nicht außer acht lasse und sich bemühe, eine Fassung zu finden, die auch das moderne Kind vor sittlichen Gefahren bewahrt, ohne der Kunstentwickelung gefährlich zu werden. Schutz dem Kinde Vermischtes. [ Ein Lob auf das deutsche Militär] enthält eine Schilderung, die der russische Schriftsteller Nemirowitsch Datschenko, der mit demselben Zuge, in welchem die fremden Militärattachees sich befanden, nach dem Kriegsschauplaze gereist ist, von diesen seinen Reisegefährten entwirft. Die interessantesten sind die Deutschen so schreibt er- Oberst Lauenstein und der bekannte militärische Schriftsteller Baron v. Tettau. Es war sehr komisch, zu sehen, wie die Schweden und Norweger mit ihren deutschen Kollegen russisch sprachen; sie hatten manchmal recht amüsante Redewendungen. Die Deutschen hingegen sprachen durchwegs perfekt das Russische. Hinter Moskau hatten wir schönes Wetter, worüber die Fremden sehr staunten. Und als wir bei der Ankunft in Tscheljabinsk 12 Grad über Null hatten, da fragten sie uns ganz verblüfft: Ja, wo ist denn euer rauhes, eisiges Sibirien?" Bei jeder Station stiegen sie ab und fragten nach verschiedenen Sachen. Nur die Deutschen fragten niemals; sie wußten alles und benahmen sich wie zu Hause. [ Verhängnisvoller Telegrammfehler.] Daß selbst bei unserer so sorgsamen Reichspost sehr unliebsame Telegrammfehler möglich sind, beweist folgendes Vorkommnis. Dem Ehemann einer in einer Karlsruher Krankenanstalt befindlichen Frau wurde vom Abgangsort richtig telegraphiert: Ihre Frau soeben gesundes Mädchen geboren". Der Mann erhielt das Telegramm aber in der unglücklichen Fassung: Ihre Frau soeben gestorben; Mädchen geboren". Er kam bon weither bestürzt hergereist, um die Leiche seiner Frau nach der Heimat, wo die Trauerbotschaft gleichfalls umging, abzuholen. Die Aufklärung war natürlich um so erfreulicher. Der ausgestandene Schreck wird den Leuten aber zeitlebens im Gedächtnis haften bleiben. [ Gine Hundertjährige.] In der Gemeinde Wanlo bei M.- Gladbach begeht die Witwe Schotten im nächsten Monat ihren 100. Geburtstag. Die Greisin erfreut sich voller geiſtiger und körperlicher Frische. [ Eine amerikanische Millionenerbschaft] fällt an Leute, die es gut gebrauchen können, zu Neuhaus am Rennweg. Der dortigen Oberförsterei wurde mitgeteilt, daß in Amerifa der einzige Sohn eines Wildmeisters Kämpfe unter Hinterlassung eines Vermögens von zirka 1½ Millionen Dollars ohne dortige Erben verstorben sei. Die in Neuhaus wohnenden Verwandten des vor langen Jahren ausgewanderten Wildmeisters sollen ihre Ansprüche bis zum 1. Juli behördlich anmelden. [ Parlamentarische Stilblüten.] In der letzten Mittelstandsdebatte der Zweiten sächsischen Kammer war der Eifer des Gefechts bei manchen Landboten so groß, daß ihnen lapsus linguae fomischer Art mit unterliefen. So meinte u. a. der nationalliberale Abgeordnete für Grimma, Gleisberg, mit überzeugungsvollem Pathos:„ Früher war die kleie das allgemeine Futter für den Bauer."" Ich meine natürlich das liebe Vieh des Bauern," korrigierte er sich unter schallender Seiterkeit des Hauses. Auch im weimarischen Landtage lief neulich eine nette Stilblüte unter. Dort führte der erste Vizepräsident Müller aus:„ Ich glaube, daß sich durch die geplanten Umbauten des bestehenden Hoftheaters die notwendigsten Uebelstände beseitigen lassen, wenn auch nicht alle aus der Welt geschafft werden," wobei es nur fraglich blieb, weshalb man Uebelſtände beseitigen will, die notwendig sind. [ Summarisch.]( Aus einer Zeitung.) Eine junge, fesche Radlerin, die das 20. Lebensjahr, 6000 Mark und ebenso viele Kilometer zurückgelegt hat, sucht einen Lebensgefährten. A[ Wie der japanisch- russische Krieg auslaufen wird,] erfährt man genau durch den Pariser„ Gil Blas", der darüber Mitteilungen derselben Hellseherin veröffentlichen kann, die s. 3t. die Operation des Königs Eduard von England und die Verschiebung der Krönung vorausgesagt hatte. Die Prophetin läßt Port Arthur am 29. März von den Japanern genommen werden. Im April folgt darauf ein gewaltiger Landkampf, in dem beide Seiten schwere Verluste haben werden, der aber mit einem Siege der Japaner endet. Im Monat Mai kommt es sodann zu einem fast allgemeinen Aufruhr im fernen Often, der Frankreich, England und Deutschland veranlaßt, Schiffe nach den östlichen Meeren zu senden. Im Juni sieht Rußland sich infolge eines großen nihilistischen Aufstandes genötigt, Frieden zu schließen, da es Truppen aus dem fernen Osten schleunigst in die Heimat schaffen muß. Im Herbst wird der Friedensvertrag unterzeichnet. Nun, wir werden ja am nächsten Dienstag, den 29. d. Mts. sehen, ob der Pariser Pythia zu trauen ist. +[ Eine Frau als Schiffskapitän.] Eine Leichenschau in Staten Island führte zu einer merkwürdigen Entdeckung. Ein Kapitän Tweed, der lange Jahre als Kapitän den Atlantischen Ozean durchkreuzt hatte, war in ein Seemannsheim aufgenommen worden. Kapitän Tweed schien schwermütig geworden zu sein, denn er verkehrte mit den anderen Insassen des Heims nicht und wurde schließlich ernstlich frank. Am Montag fand man seine Leiche mit durchschnittenem Halse. Es war nicht daran zu zweifeln, daß der Lebensmüde sich selbst entleibt hatte. Als der Arzt die für die Leichenschau vorgeschriebene Untersuchung vornahm, entdeckte er, daß Kapitän Tweed eine Frau war. Man hatte sich zwar häufig über die vollständige Bartlosigkeit des Kapitäns gewundert, aber niemals einen derartigen Verdacht geschöpft. A[ Unverwüstlich.] Ein Reisender kommt in das Bureau einer größeren Maschinenfabrik. Auf die Frage:„ Sie wünschen?" erwidert er:„ Mein Name ist Fir, Vertreter von nur ersten Häusern. Ich reise in Glühstrümpfen, Kabelschuhen, Dampfhemden, Bleimänteln, Dampfzylindern und Bummischuhen..."- Direktor:„ Sagen Sie' mal, ist Ihnen das Reisen nicht manchmal etwas beschwerlich?" Kunft und Wissenschaft. OB Nach 33 Jahren durch Operation entfernte Granatsplitter. Eine merkwürdige Operation wurde an dem Poſtschaffner Johann Schult in Schwerin vorgenommen. Dieser wurde in der Schlacht bei Gravelotte durch Sprengstücke einer französischen Granate am linken Unterarm verwundet. Seit einigen Monaten fonnte Schult seinen Dienst nicht mehr versehen, da sich heftige rheumatische Schmerzen einstellten, sich an dem verwundeten Körperteil Abszesse zeigten und mit Eiterungen fleine Anochensplitter zum Vorschein kamen. Schult ließ sich den Arm mit Röntgenstrahlen durchleuchten; es wur= den Fremdkörper im Arm festgestellt, die dann auf operativem Wege entfernt wurden. Es waren mehrere kleine kantige Granatsplitter, die der Postbeamte länger als 33 Jahre im Körper beherbergt hatte. Es steht jetzt zu hoffen, daß eine vollständige Heilung des Armes erfolgen wird. Für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein. Julius Fischer Giessen, Schulstrasse 6. Anfertigung eleganter Herrengarderobe unter Garantie für guten Sitz und. tadelloser Ausführung. Specialität in echt steyrischen Herren- und Damen- Schafwoll- Loden, das beste für Haus, Strasse und Reise. 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Olga hatte früher Immer verächtlich darüber gelächelt, daß ihre Schwägerin sich so leicht zu Tränen hinreißen ließ, doch in diesem Augenblic tat es ihr um Signe leid, sie war in den letzten Monaten so blaß und niedergeschlagen geworden. Sie ging zeitig heim, kam aber doch nicht zur Ruhe. Sie setzte sich in den alten Schaukelstuhl, und bei dem einförmigen Hin und Her sammelten sich nach und nach ihre Gedanken. Sie sah klar und deutlich ihre Pflicht vor sich, sie mußte das Kind des Bruders retten, ihr erspartes Geld zu Elsens Reise hergeben und ihre eigene Reise aufgeben. Die Sache war so einfach wie das Schlußexempel einer Additionsreihe, und sie grübelte auch nicht länger darüber nach; sie wußte, daß sie so um ihres Bruders willen handeln mußte. Nein, andere seltsame Gedanken erhoben sich in ihr. Warum mußten Menschen wie sie überhaupt leben? Warum war gerade sie auf einen Wunsch verfallen, der kurz vor der Erfüllung in Nichts zerfloß? Sie hatte nie zu denen gehört, die freiwillig geben und aus eigenen Stücken verzichten; warum wurde gerade thr ein Opfer auferlegt, an dem sie ihr ganzes Leben hindurch leiden mußte? Ein paar dicke, schwere Tränen flossen gleichsam eiskalt ihre Wangen herab. Sie wischte sie augenblicklich fort, als wenn sie sie überrumpelt hätten. Ihr Vater hatte oft zu ihr gesagt, wenn sie als Kind diese oder jene Sorge gehabt und erregt aufgefahren war: „ Mein Kind, ich fürchte, du wirst einmal viel durch zumachen haben, denn so ist es in der Welt, daß das Aufrechte gebeugt und das Harte weich gemacht wird." Doch sie hatte das Leben nicht weich gemacht, das wußte sie. Am nächsten Tage schrieb sie an Gustav, sie hätte die Mittel zu Elsens Reise, wünsche aber nicht, sich darüber auszusprechen und schicke ihm deshalb Vollmacht, das Geld zu erheben, damit Else und Signe sofort abreisen könnten. Sie fühlte selbst, wie herzlos diese wenigen Zeilen waren, doch sie konnte nicht anders schreiben. Am Abend kam Signe zu ihr. " Ich weiß nicht, wie wir dir je danken sollen, Olga. Worte vermögen es nicht." " Das ist auch nicht nötig," entgegnete Olga kurz, reist ihr?" " In drei Tagen, Olga. Dank, herzlichen Dank!" ,, Laß es nur gut sein!" wann " Olga," sagte Signe, erhob sich von ihrem Stuhl, ging zur Schwägerin hin und legte den Arm um ihren Hals. Ich bin nie so zu dir gewesen, wie ich eigentlich hätte sein sollen, willst du mir das vergeben und eine Bitte anhören, die ich an dich richten möchte?- Liebe Olga, willst du nicht zu Guſtav ziehen, während ich fort bin? Ich weiß ja, wie sehr ihr an einander gehangen habt, und du bist die einzige, die ihn ein wenig aufmuntern kann, damit ihm das Haus weniger leer erscheint, wenn ich mit der kleinen Elſe fort bin," " Ist das wirklich dein Wunsch?" " Ja, Olga!" Olga saß lange still und stumm, zuletzt beugte sie langsam das Haupt; ein leichter, milder Schimmer lag auf ihrem Gesicht, und mit zitternder Stimme antwortete sie: Ja, das will ich tun!" Doch als Signe gegangen war, saß sie lange in ihrem Lehnstuhl, sah vor sich hin und sagte zuletzt demütig: ,, So war es also gemeint; ich sollte verstehen lernen, wie sehr ich mich innerlich nach einem Menschen sehnte, den ich lieben konnte. Jetzt bekomme ich vielleicht drei 1. Reichtum nach den harten Jahren der Armut!" баз ELD UND FLUR Vogelwelt und Landwirtschaft. Es ist ein bemerkenswertes Zeichen der Zeit, daß Land- und Forstwirtschaft ihr Interesse nunmehr auch dem Studium der Lebensweise der Vögel, deren Wert für den Wirtschaftsbetrieb zuwende, daß man erkennen lernt, einen wie wichtigen Bundes: genossen im Kampfe gegen Schädlinge man in der gefiederten Welt habe und nach Möglichkeit schüßen müsse. Leider ist in den letzten Jahrzenten ein erheblicher Rückgang der Zahl, be= sonders der nützlichen Vögel wahrnehmbar. Ursachen für diese bedauerliche Erscheinung hat man zu suchen in der immer weiter fortschreitenden Ausgestaltung des Verkehrs und seiner Hilfsmittel, der Industrie und deren für die Vögel so verderblichen Anlagen, Feuerschein und giftige Gase ausströmenden riesigen Essen, sowie in den weitverbreiteten Telegraphendrähten, den zum Schutz der Schiffahrt errichteten Leuchttürmen. Unser einheimischer Krammetsvögelfang ist wohl dem in Italien verübten Massenmord nüßlicher Vögel gleichzustellen. In dem zum Trocknen im Ufergebüsch aufgehängten Fischreusen werden Tausende von Vögeln gefangen, welche ihre Nahrung suchten an den den Reusen anhaftenden Kerbtieren. Die Wissenschaft ist mit bestem Erfolg bestrebt gewesen und noch bei der Arbeit, zu ermitteln, welche Bedeutung die Vogelwelt für die Land- und Forstwirtschaft habe. Man Aus denselben hat sich ergeben, stellte Fütterungsversuche an. daß ein Meiſenpaar mit seiner Nachkommenschaft in einem Sommer nicht weniger als 75 Kilogramm Insekten vertilge. Ebenso hat sich ergeben, daß die Anzahl der vertilgten schädlichen Insekten die Zahl der aufgenommenen unschädlichen Insekten erheblich überwiegt. Die Vogelwelt wirkt großen Schäden gegenüber vorbeugend. Wo Vögel nisten, geschützt und gepflegt werden, können Kalamitäten, wie die Vernichtung von Waldbeständen durch die Nonnenraupe, den Kieferspanner, Mißernten an Obst infolge Frostes, schädlicher Raupen kaum jemals eintreten. Auch die großen Vögel, die Tag und Nacht- Raubvögel sind überwiegend als nützlich erkannt. Die vorgenommenen Magenuntersuchungen bei Raubvögeln, an verschiedenen Arten von Falken, Eulen usw. haben gezeigt, daß auch der Hauptbestandteil der Nahrung dieser Tiere in schädlichen kleineren Tieren, besonders Mäusen, besteht. Selbst der mit Vorliebe Flugwild schlagende Hühnerhabicht hat sich als wirksamer Schützer der Forsten erwiesen, in welchen Eichhörnchen und Häher ihr Wesen treiben. Man hat alle Veranlassung die großen Vögel zu schonen, für die kleineren Vögel Niststellen anzulegen und ihnen im Winter genügende Nahrung zu bieten. Man schone selbst die Krähen und sei mehr darauf bedacht, diese den Saaten unter Umständen schädlichen Vögel durch geeignete Mittel fernzuhalten, als sie, die auch immerhin durch Vertilgung von schädlichen Tieren großen Nuken gewähren, rücksichtslos zu töten. Der Landwirt wie der Forstwirt handele nicht nur im einseitigen Interesse, zu vernichten, was ihm zu schaden scheint, sondern bedenke, daß, was die gütige Natur auch nicht an allein nüßlichem biete, vielen anderen eine Freude be reite, daß es sich sehr wohl mit dem Zweckmäßigkeitsprinzig vertrage, die Geschöpfe zu schonen, die durch ihre Lebensweise, ihren Gesang, ihr schönes Gefieder erfreuen, und wenn auch nicht gerade Nutzen schaffen, so doch auch nur geringen Schaden anzurichten imstande sind. ." - Ratte und Sperlinge. In einem sächsischen Dorfe beob achtete kürzlich ein Naturfreund einen interessanten Kampf zwischen einer Ratte und Sperlingen. An einem nassen Tage es hatte bis dahin fortwährend geregnet erschien auf der Dorfstraße eine feiste Ratte, die einen Ausflug in eine benachbarte Kornscheune vorzuhaben schien. Plötzlich, wie auf ein gegebenes Signal, als ob sie schon auf die Ratte gelauert hätten, stürzten sich Sperlinge scharenweise auf das Tier und griffen es mutig an. Es entstand eine blutige Schlacht, bei welcher verschiedene Spatzen in den Staub beißen mußten; endlich aber wich der Vierfüßer, seine Verteidigung erlahmte und er hauchte unter den wütenden Schnabelhieben seiner erbitterten Gegner das Leben aus, worauf sich die heilgebliebenen Helden mit triumphierendem Gezwitscher in die Lüfte schwangen. Nr. 90. Samstag, den 23. April. 1904. Oberbessische Familienzeitung. Tägliche Unterhaltungs- Beilage der Gießener Neueste Nachrichten. Sand and Berlag bar biser Berlegebenderet, varm. File Reller'sche Buchbrucessi( gegs. 1783); stendo): Iba lela ( Schluß.)] Gewissensqualen. Kriminal Roman von Robert Buchanan. ,, Pater Antonius bat und drang in mich, mich selbst den Behörden zu stellen und meine Seele zu retten, aber, Gott steh' mir bei, ich fürchtete mich vor dem Galgen, und ich konnte es mir nicht denken, daß sie den Herrn Michael hängen würden." Im höchsten Grade erschöpft, fiel er in sein Bett zurück. Kathleen, die auch recht bleich aussah, aber keine Furcht mehr zeigte, beugte sich über ihn und ſtrich ihm zärtlich über das Gesicht. Während sie dies tat, wandte er sich zu Ellen und streckte ihr seine zitternden Hände entgegen. Es war ganz gewiß nicht meine Absicht", brachte er mühsam hervor.. ,, Und ich.... ich sterbe jetzt." Ich sah auf Ellen. Sie saß noch immer auf dem Stuhle, zu dem Pater Johannes sie geführt hatte, als wir in das Zimmer traten. Die Hände in ihrem Schoß gefaltet, ihr blasses Antlik dem Kranken zugekehrt, sah sie wohl, wie er ihr bittend die Hand entgegenhielt, aber sie ergriff sie nicht. Mein Vater! Mein armer Vater!" rief sie und bedeckte das Gesicht mit ihren Händen. Neben ihr stand Pater Johannes, in dessen ehrliche Augen ebenfalls die Thränen traten. Er beugte sich zu ihr hernieder, um ihr Worte des Trostes zu sagen. Meine Aufmerksamkeit wurde indeß durch Pater Antonius in Anspruch genommen. Er hatte bisher am Bette gestanden, auch sehr blaß, aber seine Haltung war während der ganzen Erzählung aufrecht geweſen, und jedes Wort des schrecklichen Bekenntnisses hatte er mit gespannteſter Aufmerksamkeit in sich aufgenommen. Jetzt streckte er plötzlich seine Arme aus, griff in die Luft, taumelte, und ehe ich ihm noch beiſpringen konnte, fiel er zu Boden, ohne einen Laut von sich zu geben. Das Geheimnis, das uns so viel und so langes Kopfzerbrechen gemacht hatte, war nun entdeckt. Ich zweifelte nicht im geringsten daran, daß der Sterbende die Wahrheit gesprochen hatte, und fand leider keine Veranlassung, mich selbst zu dem bewiesenen Scharfsinne zu beglückwünschen; jede Spur, die ich zu haben geglaubt, und jeder Verdacht, den ich geschöpft, war wie eitler Duft verflogen. Ich erkannte nun, was für ein schweres Unrecht ich dem jungen Geistlichen angetan hatte, und ich versuchte mir die furchtbaren Kämpfe vorzustellen, die er durchzumachen gehabt, um sein Gelübde halten und dabei doch seinem so sehr geliebten Bruder helfen zu können. Seine Furcht vor einem Gange zu seinem Bruder, seine geheimen Besuche bei Bournes, seine große Verzweiflung, als die schreckliche Zeit immer näher kam, sein Bestreben, Ellen aus dem Wege zu gehen, alles hatte jetzt seine natürliche Erklärung gefunden. Mitleid zog mein Herz zu ihm, und mein Geist empfand Achtung und Ehrfurcht vor seinem reinen Charakter, der sich in schwerer Zeit so stark erwiesen hatte, daß ich ihn bewundern müßte. Er war in Ohnmacht gefallen und zwar mit dem Gesicht zu Boden. Behutsam hob ich ihn auf und legte seinen Kopf auf meinen Schoß; von Kathleen ließ ich mir eine Schüssel Wasser bringen, womit ich sein Gesicht besprengte. Seine Lippen bewegten sich und seine Augen, die weit aufgerissen ( Nachdruck verboten.)) waren, starrten ins Leere. Mit Hilfe von Pater Johannes brachte ich ihn ins vordere Zimmer, dessen Türe ich öffnete, damit die kühle Luft von draußen über sein Gesicht streichen konnte. Fühlst Du Dich jetzt wohler, lieber Sohn?" fragte Pater Johannes besorgt. Inzwischen war auch Ellen herausgekommen. Jetzt schreckte der Kaplan nicht mehr vor ihr zurück, sondern mut emporgerichteten Haupte sah er ihr ins Gesicht. Und die ganze Zeit über," sprach sie zu ihm in ruhigem, aber doch fast bitter klingendem Tone, diese ganze lange Zeit über wußten Sie die Wahrheit? Sie wußten, daß Michael unschuldig war, und Sie wußten auch, daß dieser Mann der Mörder war, und dennoch haben Sie nicht gesprochen!" Von diesem Vorwurfe schmerzlich berührt, fuhr der junge Geistliche ein wenig zurück, erwiderte dann aber, sie immer noch feſt anſehend:" Ich konnte nicht sprechen, ich war durch meinen Eid gebunden." Außer meiner Mutter ist nur Michael die einzige lebende Seele, die mir nahesteht, und Sie wissen recht gut, was mir mein Bruder ist. Dennoch habe ich mit ansehen müssen, wie meinem Bruder von Tag zu Tag der Galgen immer näher kam. Was ich durchgemacht habe, überstieg fast menschliche Kräfte." Nach dem kurzen Aufenthalte kehrte Fräulein Craig mit der frohen Kunde von Rory Bournes Geständnis nach Caſtlerea zurück. Bournes lebte aber noch bis zum folgenden Tage und konnte noch ein zu Papier gebrachtes Bekenntnis seiner Schuld vor Zeugen, zu denen auch ich gehörte, unterzeichnen. Mr. O'Flannigan, der Verteidiger, verlor keinen Augenblick, um die nötigen Schritte zur Entlassung Michael Creenan's aus der Haft zu tun; immerhin waren einige Förmlichkeiten zu erledigen, bevor dem Schwergeprüften die Freiheit wieder. gegeben werden konnte. In seinem einsamen Hause lag nun der Mörder des Herrn Craig still in seinem Sarge. War er auch der irdischen Gerechtigkeit entgangen, und konnte ihn auch das Gesetz nicht mehr belangen, so wurde doch, um der Form zu genügen, seine Leiche unter ständiger Bewachung gehalten. Während meines Aufenthaltes in Irland habe ich so manche Aufbarung gesehen, aber keine, die so schrecklich und so seltsam war wie diese hier. Auf seinem Bett, in dem er so lange gekämpft hatte, war der Tote in seinen Sterbekleidern mit geschlossenen Augen und rein gewaschenem Gesicht gelegen, ehe er in den Sarg gelegt worden war. Sein Haar und Bart hatte ihm liebevoll der Schwester Hand gefämmt. Auf seiner Brust stand der Landessitte gemäß eine Untertasse mit Tabak und auf dem Tische nahe am Bett waren Pfeifen, Gläser und eine Flasche Schnaps aufgestellt. Der einzige Leidtragende war Kathleen Bournes. Ab und zu trat wohl ein Landbewohner ins Zimmer, nahm seine Kopfbedeckung ab, warf einen Blick auf die Leiche und betete kurz, nickte dann Kathleen zu und 巷 Betreff: Nachdem Diese Tagen, nac daß sie in f tanntmachur treffen wir, unfrer Provi 1. Sä 89 des A bie wir mi widerhandlu biehfeuchenge legungen be mit Gefängr 27. Juli 1 bom 19. mit Gesundh Tierarzte b heffische Ge berseuchten zugebracht Drt zu Drt zu beschein Schweine geben hat. 2. Auf fobiel als an fein. Ueber fcheinigung Bertauf od 3. G 4. Kr Tierarztes berfelben f über die schlich sich wieder hinaus. Da war weder jenes Wehklagen und Jammern, noch jener laute Lärm, den man sonst so häufig bei Aufbahrungen unter den irländischen Bauern findet denn draußen in der Küche saßen zwei bewaffnete Gensdarmen, und ein furchtbares Verbrechen hatte in das Trauerhaus seine Schatten geworfen. Zweimal in den drei Tagen, während deren die Leiche aufbewahrt war, ging ich hinüber, und jedesmal traf ich Kathleen ganz allein, zwar sehr angegriffen, aber doch vollkommen gefaßt. Sie hatte außergewöhnliche Sorgfalt auf ihre kleidung verwendet und ihren Sonntagsstaat angelegt, doch ihr schönes Haar war ganz von einer weißen Haube bedeckt. Bei meinem ersten Besuche drückte ich ihr nur mit ein paar alltäglichen Worten mein Beileid aus, das zweitemal sette ich mich zu ihr heran und redete offen mit ihr. Meine Anteilnahme schien ihr wohlzutun, sie zeigte es aber nicht. In diesem Augenblicke ging die Türe auf und ein alter Mann, derselbe, den ich hier einmal in heſtigem Wortwechſel mit Kathleen getroffen hatte, schlich in das Zimmer und trai ans Bett. Ohne einen Laut zu äußern, sah er auf den Toten, befreuzigte sich dann und stieß einen schweren Seufzer aus. Dann ging er, immer noch ohne zu sprechen, an den Tisch und schenkte sich ein Glas Schnaps ein. Kathleen sah ihm ruhig zu, wie er den Schnaps trank und sich mit dem Aermel seines zerrissenen Rockes den Mund wischte. ,, Er ist nun tot und für immer fort," sagte der alte Mann und richtete dabei seine glänzenden Augen auf Kathleen. ,, Leider ja," bestätigte sie. ,, Dann kann er mir auch nicht mehr die drei Pfund zurückzahlen, die er von meinem guten Gelde behalten hat, als er meinen Gaul in Kilsyth verkaufen sollte. Ein Jammer, ein Jammer!" Sprich leise!" raunte ihm Kathleen zu, auf deren Gesicht eine Wolfe aufstieg. Ich sage die Wahrheit," jammerte der Alte. „ Er hat die drei Pfund behalten und vertrunken, und auf dieser Welt werde ich sie nicht mehr wiedersehen." Mit zitternder Hand goß er sich noch ein Glas Schnaps ein und trank es aus. Kathleen sah ihm zu und ihr Gesicht verfinsterte sich. „ Hör” mal, Anton Linney," ſagte sie in ruhigem Tone zu ihm.„ Mein Bruder war ein ehrlicher Mann, und noch vor ſeinem Tode hat er mich beauftragt, seine Schulden zu bezahlen. Komm' nach der Beerdigung zu mir, und dann wirſt du dein Geld kriegen." Ist das dein Ernst?" rief der Alte, sie scharf ansehend. ,, Drei Pfund und keinen Shilling weniger?" Kathleen nickte zuſtimmend und freudig lächelnd entfernte sich der Alte. Ich stand auf und streckte ihr die Hand entgegen. Ich wünschte, ich könnte Ihnen irgendwie von Nußen sein," sagte ich zu ihr.„ Es ist mir garnicht recht, daß Sie hier bleiben und über die Vergangenheit grübeln. „ Euer Gnaden iſt ja ſehr gütig," erwiderte sie,„ aber mir kann niemand helfen, und ich beklage mich ja nicht." Ich entfernte mich und sie blieb allein im Zimmer in Gesellschaft des Toten, auf den sie unablässig ihre tränenlosen Augen gerichtet hatte. Als ich durch die Küche ging, grüßten mich die beiden Gensdarmen militärisch. Den Abend verbrachte ich auf dem Schloſſe, und auch dort herrschten düstere Schatten. Obwohl sie jetzt um ihren Geliebten keine Angst mehr zu haben brauchte, blieb Ellen doch niedergeschlagen und schweigsam. Ihre großen geistigen Qualen und alles, was sie in der letzten Zeit durchgemacht hatte, hatten ihre Kräfte überschritten und ich konnte mich ernsten Besorgnissen um ihre Gesundheit nicht verschließen. ,, Wenn Sie meinem Rate folgen wollen", sagte ich zu Ellen ,,, dann reisen Sie so bald wie möglich fort und bleiben eine Zeit lang weg. Erinnern Sie sich, daß ich Ihr Arzt bin und sehr böse werden kann, wenn man meine Vorschriften nicht befolgt." Ich gehorche Ihnen, Herr Doktor", antwortete sie, ohne ihren Ernst abzulegen. Ja will eine befreundete Familie in Dublin besuchen." Und zu mir aufsehend, fuhr sie fort: ,, Michael geht auch weg. Erst wenn der Winter vorbei ist, wollen wir uns wieder treffen." ,, Und dann?" ,, Und dann? Das weiß ich nicht. Bisweilen ist es mir so, als wäre es unrecht von mir, daß ich mich so sehr um thn kümmere. Mein armer water wollte doch nicht haber daß ich michael heirate... und... Sie hielt inne und wandte sich ab, um ihre Tränen nicht sehen zu lassen. ,, Liebes Fräulein Craig," sagte ich darauf zu ihr ,,, wenr Ihr Herr Vater noch lebte, würde er jetzt wahrscheinlich anders gedacht haben, und Ihr eigenes Glück und das Michaels kommen auch in Betracht, vernichten Sie es nicht; das ist mein Rat. Offen gestanden hätte ich gar nicht geglaubt, daß Sie den Rat brauchen würden." ,, Freilich habe ich ihm mein Wort gegeben und halte es auch. Aber jetzt noch nicht, jezt noch nicht!“ Ein Jahr war vergangen und ich saß eines Tages in meinem Studierzimmer in der Wigmorestraße, als der Diener mir eine Karte überbrachte. Achtlos warf ich einen Blid darauf, und zu meinem Erstaunen las ich: Pater Johannes Melvin. Noch ehe ich mich von meinem Erstaunen erholt hatte, hielt ich eine fette, kleine Hand in der meinen, und vor mir stand mit ſeinem wetterharten Gesicht der bekannte Pfarrer von Mylrea. " Ich habe einmal England besucht, Herr Doktor," begrüßte er mich, indem er den Kopf zur Seite neigte, das eine Auge schloß und mich mit dem anderen eifrig be trachtete ,,, und da ich nach London gekommen bin, glaubte ich auch bei Ihnen vorsprechen zu sollen. Ich bin noch nie hier gewesen. Es ist eine mächtig große Stadt, dieses Lon don, viel größer als Kilsyth, ja sogar noch größer als Dublin. Und nun, mein lieber Doktor, zu Ihnen! Wie geht es Ihnen? Noch immer Junggeselle? Ich möchte wetten, Sie sind jetzt verheiratet?" Ich versicherte ihm, daß er sich darin irre und ich noch nicht in der Liebe Fesseln geschlagen sei. Es bedurfte dann einiger Mühe, ihn zu veranlaſſen, bei mir zu ſpeiſen, denn er schien zu glauben, daß ich zu sehr beschäftigt und ein zu großer Mann ſei, als daß ich meine Zeit Besuchern widmen fönnte. Es gelang mir indessen, seine Einwürfe zu wider legen, und wir verbrachten einen recht vergnügten Abend zuſammen. Ich erkundigte mich nach allen meinen Freunden in Irland, und Pater Johannes kargte nicht mit den Auskünften, die er in ſeiner derben, ehrlichen Art erteilte. " Im Herbste wollen sie Hochzeit machen," bemerkte Pater Johannes, als er von Ellen und Michael sprach,„ und Sie können es mir glauben, Doktor: ein schönes Paar machen die Beiden. Ich ſoll unserem Fräulein von Ihnen, lieber Doktor, das Versprechen mitbringen, daß Sie aus ihrer Hochzeit tanzen werden." Lachend versprach ich ihm, zu kommen, wenn es mir irgend möglich sein sollte, obwohl nicht ausgeschlossen war, daß Berufspflichten mich noch im legten Augenblicke in London zurückhalten könnten. Bisher hatte der Pfarrer noch mit keiner Silbe seines Kaplans erwähnt. Neugierig und auch einigermaßen besorgt, ob meine schlimmen Befürchtungen eingetroffen wären, fragte ich Pater Johannes nach ihm. Sofort zog ein Schatten über sein Gesicht, und mit einem tiefen Seufzer antwortete er: ,, Die Qualen des armen Mannes sind nun vorüber. Vor vier Wochen haben wir ihn begraben." Dann mit der Hand sich die Tränen aus den Augen wischend, fuhr er fort: „ Den ganzen Winter hindurch hat er sich tapfer aufrecht gehalten und mit leuchtendem Gesicht wandelte er unter uns, so daß wohl niemand glauben nochte, daß schon der Tod Hand auf ihn gelegt hatte. Als der Sommer kam, wurde sein Gesicht noch röter, seine Wangen glühten und seine Augen strahlten von neuem Feuer. Und die ganze Zeit über welfte er dahin, und nur einer wußte es: sein treuer Freund und Bruder Johann! Ja, Herr Doktor, id) sah es kommen, und mein Herz blutete, und ich suchte ihn zu trösten, denn ich habe ihn geliebt wie sonst niemand auf der Welt." -* SE Reisefreunde sind fast immer In der Heimat nicht zu brauchen Dieser Tabak ist im Zimmer, Jener in der Luft zu rauchen. Die Schwägerin. Von Elisabeth Kyllenstjerna. ( Nachdruck verboten.) Wenn Olga Schmidt je ein starkes und echt weibliches Gefühl ihr eigen nannte, so war es die Liebe, die sie für ihren jüngeren Bruder hegte. Trotzdem hatte dieses Gefühl einen harten Stoß bekommen, als Gustav sich verheiratete, denn selbstverständlich stand er nun auf eigenen Füßen, während sie so viele Jahre behaglich und gemütlich zusammengelebt hatten. Nach dem Tode der Eltern hatten die beiden Geschwister sich nämlich eng aneinander geschlossen; Gustavs weiche, schmiegsame Natur ordnete sich dem harten, despotischen Charakter Olgas unter, und so hatte sie eigentlich von den beiden den größeren Geschäftssinn und verstand es, die Finanzen des kleinen Haushalts so zu leiten, daß Debet und Kredit gerade aufgingen. Als Signe Holters bei Doktor Schmidt Privatstunden zu nehmen begann, war es mit der Harmonie im Heim der Geschwister auf einmal vorbei. Das wäre aber gar nicht nötig gewesen, wenn Olga es nur verſtanden hätte, die erwachenden Gefühle ihres Bruders mit etwas anderen Augen zu betrachten. Doch sie ahnte ja kaum, was Liebe war, und betrachtete sie fast wie eine erotische Blume, deren Duft betäubend und giftig wirkte. Während Signes und Gustavs Verlobung hielt sie sich meist von ihnen fern und störte sie so wenig wie möglich; doch sie brauchte nur in die Stube zu kommen, und sofort durchschauerte es Signe wie ein eiskalter Hauch. Sie nannte Olga nie anders wie, die Schwägerin" und sehnte ängstlich die Zeit herbei, wo sie sich ihrem Bereich entziehen und die Füße unter den eigenen Tisch stecken konnte. Gustav hatte keine großen Einnahmen- er unterrichtete wohl an einigen Schulen, hatte aber noch keine feste Anstellung und besaß kein Kapital aber mit Klugheit und Verstand glaubten sie doch, ein kleines Heim gründen zu können. Aber besaß Signe auch diese Eigenschaften? Nun, diese Fragen beantworten sich ja alle Liebenden in derselben Weise: Für den, den ich lieb habe, kann ich alles tun!" Das klingt so schön in der Theorie; nur schade, daß man auf soviel Schwierigkeiten stößt, wenn man es in die Praxis übertragen will. Daran dachten aber weder Gustav noch Signe. Als zwei Jahre vergangen waren, glaubten sie, sie hätten schon eine ganze Ewigkeit gewartet, berheirateten sich und zogen in eine kleine elegante, ziemlich teure Wohnung. Olga kaufte sich Möbel und Hausgerät, mietete sich ein einzelnes Zimmer und ſpeiſte im Wirtshaus. Durch Bekannte bekam sie eine Stellung in einem Geschäft, und da sie zu jenen starken, tiefen Naturen gehörte, die ohne ein ernstes Lebensinteresse nicht leben können, so übertrug sie nachdem der Bruder sie betrogen hatte, wie sie es nannte all' ihre Gedanken auf das einzige Ziel, das ihr seit ihrer frühesten Kindheit vor Augen gestanden hatte: eine Reiſe nach Aegypten. Sie versagte sich gern das Aller. notwendigste und sparte wie ein Geizhals, um nur in Gedanken an diese Reise schwelgen zu können. Da wollte sie sich losreißen, da wollte sie leben und sich fortflüchten von dem Alltagsdasein und den nichtigen kleinen Sorgen. In Olgas dunklen Augen lag etwas von den kranken, unruhigen Blicken eines gefangenen Königsadlers, und dieser Ausdruck nahm mit den Jahren zu, anstatt sich wie bei den meiſten Frauen in stille Entsagung aufzulösen. Eine beständige Angst schien sie zu quälen; sie glaubte, das Land ihrer Träume nie zu erreichen, und diese Furcht spornte sie stets zu neuen Anstrengungen an. Was fragte sie danach, daß sie mager und häßlich wurde, daß dunkle Schatten sich unter die Augen legten und ein harter berechnender Zug sich fast immer um den geschlossenen Mund lagerte? Nur wenig bekümmerte sie sich darum, daß ihre Kleider komisch und unmodern waren und sie sich in der simpelsten, tro lichsten Weise nährte. Signe machte mehrere Versuche, die Schwägerin für sich zu gewinnen, doch Olga merkte, daß ihre Freundlichkeit nicht echt, sondern nur das natürliche Pflichtgefühl eines rechtschaffenen Menschen war, und deshalb machte sie von den häufigen Einladungen ihres Bruders nur selten Gebrauch. Indessen kam ihr kleines Mädchen häufig zur Tante, doch Olga verstand sich nicht auf Kinder, und die Kleine sagte immer, wenn sie nach Hause kam,„ es friere sie so bei der Tante". Zu ihren nächsten Verwandten sprach Olga nie ein Wort von ihrer Reise. Sie hatte wohl Lust gehabt, sich Gustav anzuvertrauen, doch ihre Interessen waren nicht mehr die ſeinigen, er ſtand ihr meilenweit fern, wie sie sich selbst sagte. Endlich endlich, nach achtjähriger harter Arbeit stand sie am Ziel, zum Frühjahr wollte sie reisen. Ihr ganze: Tisch in dem kleinen Dachstübchen, das sie bewohnte, war besäet mit Reisebeschreibungen, Berechnungen, Landkarten und Handbüchern, und jeden Abend reiste sie bereits it Gedanken Stück für Stück und schwelgte systematisch in Genüssen bei jeder neuen Strecke, die sie sich im Land ihrer Träume gleichsam eroberte. Das Nildelta wurde für sie die Stätte, wo sich alle ihre Luftschlösser erhoben, und sie konnte bis spät in die Nacht aussigen, um zu studieren, um sich in alle Eigentümlichkeiten dieses mächtigen Flusses zu vertiefen. Zu dieser Zeit kam sie noch weniger als sonst zum Bruder und wurde auch übrigens nicht mehr so oft eingeladen, denn die kleine Else hatte den ganzen Herbst und den ersten Teil des Winters an einem Lungenleiden krank gelegen. Jegt war sie wieder auf, doch es stand noch immer recht schlecht mit ihr. Die Eltern, die das Kind vergötterten, litten darunter, als sie sahen, wie gleichgiltig Olga das alles aufnahm, und Guſtav, der wohl wußte, wie gut und herzlich die Schwester sein konnte, empfand diesen Mangel an Teilnahme für ſeinen kleinen Schak ganz besonders schwer. Eines Tages trafen sich die beiden Geschwister auf der Straße. Gustav sah bleich und bekümmert aus, und sein Blick zeigte jenen hoffnungslosen Ausdruck, der uns bei denen, die wir lieb haben, so wehe tut. „ Guten Tag, Gustav, Du siehst so betrübt aus; ſteht es mit Else wieder schlimmer?" Olga reichte ihm die Hand und schritt mit ihm die Straße hinunter. " Ja", versette er und machte eine verzweifelte Bewegung mit dem Kopfe, um das in ihm aufsteigende Schluchzen zu unterdrücken.„ Der Doktor sagt, wir hätten keine Hoffnung, sie am Leben zu erhalten, wenn sie nicht möglichst schnell nach dem Süden kommt. Hier würde sie nicht das Frühjahr überleben." Olga hätte gern etwas Freundliches und Tröstendes gesagt, doch sie wußte nicht, was. Die egoistische Einsamkeit der letzten Jahre hatte sie hart gemacht. Besonders gegen den Bruder, der einstmals ihr alles gewesen war. Deshalb kam es jetzt auch ſo geſchäftsmäßig trocken und verlegend von ihren Lippen: Und du kannst das Geld nicht schaffen?" Er wandte ihr sein bleiches, übernächtiges Antlig zu. ,, Nein, es ist nicht möglich; ich habe es versucht, doch wer leiht einem armen Teufel etwas?" ,, Aber Signes Familie?" ,, Liebe Olga, du weißt nicht, was es heißt, ein Kind zu haben, ſonſt würdest du nicht solche Fragen stellen, sondern begreifen, daß wir nichts unversucht gelaſſen haben." ,, Nun, vielleicht findet sich doch noch Rat," sagte sie leise, und ihr Herz zog sich bei seinem Anblick schmerzlich zusammen. Sie kannte Gustav und fühlte, daß er darüber nie hinwegkommen konnte. Am Abend wollten ihre Reisepläne nicht recht in Zug konimen; nicht den breiten, fruchtbaren Nil suchte sie auf der Karte, sondern die leidenden vergrämten Züge des Bruders. Und als sie sich erhob und ruhelos im Zimmer auf- und abwandelte, de sie fortwährend von seinen Worten verfolgt:„ Es ist nicht möglich!" Wie kleine Armesünderglöckchen klangen ihr diese Worte in den Ohren. Am folgenden Tage hatte Olga um vier Monate Urlaub bitten wollen, sie wußte, sie würde ihn, Dank ihrer Veraunq der Todesu gefunden h oder ein nicht stattfi ftellung ein unterworfer Sämtlichen Weiterverb 5. A transporti Bestimmu 6. D mäß Biffe der Großt 7 fchweiner Weger flimmen wi I. Die daß die S II.1. bollständig polizeibehörd welchem au bon ihm zu Außerdem i herzogtun nis, unter fenden Sch frei ist.