fr. 144. bunementopzets: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., aus gebracht 60 Bfg., durch die Bost bezogen viertelfähr Heh. 1.50. Betc. dtobettagen: Oberheffthe Familienzeitung( täglich) und die Gießener Getfenblasen( wöchentlich). Was Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittage. Mittwoch, den 22. Juni 1904. Gießener 13. Jahrgang. Insertionspreis: Die einfpaltige Betitzeile für aany C heffen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 fa init 15. Reklamen die Betutzeile 30 refp. 40 Big. Boftzeitungsliste No. 3269. Nebattion und Expedition: Gießen, Seltersweg 8. Fernsprechanschluß Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblaff) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Bekanntmachung. Den Ausbruch der Schweinefeuche( Schweinepeft). Mit Rücksicht darauf, daß zur Zeit in einzelnen Drtem des Kreises Friedberg die Schweineseuche( SchweineDeft) herrscht, bringen wir wiederholt zur Kenntnis der Interessenten, daß der Auftrieb von Schweinen aus dem reise Friedberg auf die Märkte im Kreise Gießen berBoten ist. Gießen, den 20. Juni 1904. Großherzogliches Kreisamt Gießen. J. V: Hechler. Bekanntmachung. Betr.: Milzbrand zu Garbenteich. Nachdem bei Johannes Jung 2 zu Garbenteich vorschriftsmäßige Desinfektion der Stallung, in dem eine an Milzbrand gefallene Kuh gestanden hat, erfolgt ist, wird die über sein Gehöft verhängte Sperre hiermit aufgehoben. Gießen, den 14. Juni 1904. Großherzogliches Kreisamt Gießen. J. V. Hechler. Der Krieg in Oftalien. Das Hauptinteresse fonzentriert sich zur Zeit auf das Gebirgsdreieck Wafangou- Kaiping- Siujan, wo die zurückgehenden Divisionen Stackelbergs mit den von Siujan heraufgekommenen Truppen Nodzus und den ersten von Kuropatfin zu Hilfe gesandten Korps in blutigem Kampfe über den Ausgang des russischen Gegenvorstoßes zum Entsatz Port Arthurs entscheiden werden. Das Ringen um Kaiping, wohin Stackelberg zurückgehen mußte, hat nach japanischen Berichten bereits mit Vorpostenkämpfen eingesetzt. Aus Lofio wird gemeldet: Eine von der japanischen Hauptmacht bei Takuschan am 18. d. Mts. abgesandte Infanterie- und Kavalleriepatrouille meldet, daß sie mit Streitkräften der Russen bei Chipanking, 36 Meilen westlich von Siujan und an andern Orten zusammengestoßen sei. Mehrere Scharmüẞel hätten stattgefunden, bei denen 50 Russen getötet und 3 gefangen genommen wurden. Eine große Menge von Waffen sei erbeutet worden. Die japanischen Verluste beliefen sich auf 6 Mann. Der Vormarsch der Japaner bewegt sich, wie aus russischer Quelle verlautet, von Siujan aus auf drei Wegen, die nach Haitscheng, der Station Taschitschao und nach Saiping führen. Auf dem erstgenannten Bege ist eine kleine Abteilung der Vorhut nach Wansiapudsa borgerückt. Auf dem zweiten Wege halten Truppen der Vorhut den Baß zwischen Nandsiabei und Pantschialju besetzt, auf dem dritten südlichen Wege sind andere Truppen bis zu den Dörfern Chiuniat und Tamiarlogou vorgegangen. Die Vorhut hat ferner den Tschapailinpaß eingenommen, während die Hauptstreitkräfte, gegen fünf Regimenter Infanterie mit Kavallerie und Gebirgsartillerie, zwischen dem Kianzgourbaß und Chansa staffelförmige Aufstellung genommen haben. In den letzten Tagen haben russische Vorpostenabteilungen auf diesen Wegen den Vormarsch des Gegners aufgehalten, bobei gegen 10 Mann getötet und verwundet und ein vermundeter Offizier mit drei verwundeten Kosaken gefangen genommen wurden. Am 17. Juni wurde festgestellt, daß sich lei Seludschan nur japanische Streifwachen befanden, die nach einem Kugelwechsel sich rasch nach Fönghwanghtscheng urückzogen. Auf russischer Seite wurden zwei Mann verbundet. Saimadsi ist seit dem 10. d. Mis. von den Jaanern geräumt; ein Teil der Besatzung ging nach Fönghbanghtscheng. Weiter wird über die strategischen Maßnahmen der Gegner noch aus London gemeldet: Kuroki warf die zweite Division und die Garden über Siujan gegen Kaiping Nodzu, rückt auf Tatschfitsao vor. Die fünfte, achte und elfte Division rücken unter Oku von afangou herauf, die zwölfte Division stößt in Eilmärschen mach Mukden. Kuroki hat sein Hauptquartier nach Siujan berlegt und Icitet persönlich die Operationen. KuropatEin fonzentriert seine Hauptmacht auf Saiping. Ohne Zweifel drängt die strategische Situation zu einem entscheidenden Schlag. Der Schauplatz des bevorstehenden Kampfes bird, wie oben bereits angedeutet, das Dreieck Wafangoufanping- Siujan sein. Zum Verständnis der Operationen dieme das nachstehende Situationsbild, das uns unser Mitarbeiter übermittelt: Das in Betracht kommende Gelände wird aus einer Reihe parallel nach Süden laufenden, von acht größeren, sich in die Koreabucht ergießenden Flüssen durchschnittenen Bergketten gebildet, über die sich von Siujan bis zur Westküste unterhalb Kaipings hinüber quer die Siung- yo- Kette legt, erhebt sich bis zu 4000 bis 4500 Fuß und läßt nur wenige Straßen durch seine Kluften und Schluchten hindurch. Sie alle münden bei Siujan, ebenso wie die nach Tatschitschao und Haitscheng führenden Straßen. Auf ihnen rückten von dem Tage, wo General Stackelberg seine Ankunft in Wafangou meldete, die Kolonnen der zehnten Division vor, hesezten das wichtige Paijangkau und die Straße nach Siunoetschoen( 25 Klm. südlich von Kaiping an der Eisenbahn). Daß General Kuropatkin und seine Kosaken von diesen Bewegungen nichts mußten, erklärt sich zur Genüge aus den zwischen beiden Heeren liegenden Bergfetten, deren Zugänge bereits eine Woche früher in den Händen der japanischen Avantgarde sich befanden. Siujan selbst wurde gleichzeitig von Kurokis äußerstem linken Flügel besetzt, so daß der bei Takuschan gelandete Teil der Truppen Nodzus für den Vorstoß gegen die Eisenbahnstrecke Siunoetschoen- Kaiping- Tatschitschao völlig frei wurde. Hier, menige Kilometer südöstlich von Kaiping, erlitten Stackelbergs Reserven am 11. Juni jene Niederlage, die Niutschwang in Aufregung versekte, und nach kaum erfolgter Räumung zur schleunigen Wiederbesetzung Tatschitschaos führte. Während sich so im Norden der Liautunghalbinsel eine Entscheidungsschlacht vorbereitet, ist es im Süden zu mehrfachen kleineren Affären gekommen. Scharmützel bei Port Arthur. Ein Telegramm des Generals Shilinski an den Kriegsminister vom 19. d. Mts. meldet darüber: Nachrichten aus Port Arthur zufolge begannen am 14. d. Mts, drei japanische Bataillone von Sfiandbindao über die Berge nach Quinatan vorzurücken. Zwei russische Freiwilligen- Abteilungen und eine Kompagnie der Grenzwache hielten den Vormarsch des Gegners auf. Feindliche Torpedoboote beschossen die Semaphorstation. Als der „ Novik" und russische Torpedoboote herankamen und das Feuer eröffneten, zogen sich die feindlichen Schiffe eilig zurück. Nach der Kanonade begannen die Kolonnen des Gegners sich zu entfernen und es lieben nur schwache Vorpoſtenketten zurück. Am 13. Juni vertrieben die russischen Freiwilligen die Japaner aus ihren Stellungen östlich von den erwähnten Bergen. Auf russischer Seite wurden ein Oberleutnant und ein Schüße getötet sowie ein Oberleutnant verwundet, der später starb; außerdem wurSen 4 Schüßen verwundet Aenderungen im japanischen Oberkommando. Die Marschälle Yamagata, Oyama und General Kodama wurden vom Mikado in Audienz empfangen. Marschall Oyama wurde zum Vizekönig und Höchstkommandierenden in der Mandschurei ernannt und General Kodama zum Ches feines Stabes. Marschall Yamagata bleibt als Chef des Stabes in Tokio und Generalmajor Nagadza wird an Kodamas Stelle zweiter Chef des Stabes. Ein amerikanischer Kriegskorrespondent als Spion erschossen. Die Newyork World" hat ein Telegramm ohne Unterschrift mit der Mitteilung erhalten, daß Oberst Emerson, einer ihrer Kriegskorrespondenten in Ostasien, von sich zurückziehenden Russen erschossen worden sei, weil sie ihn fälschlich für einen Spion hielten. Das russische Wladiwostokgeschwade. ist den Verfolgungen der japanischen Flotte unter Kamimura tatsächlich glücklich entgangen. Wie Admiral Skrydlow dem Kaiser unter dem Datum des 20. Juni meldet, ist die Kreuzer abteilung, ohne Verlust an Mannschaften und ohne Beschädigungen erlitten zu haben, nach Wladiwostok zurückgekehrt. Englischer Vormarsch auf Lhaffa. Am 25. Juni wird, wie der Staatssekretär für Indien Brodrick auf eine Anfrage im britischen Unterhause erklärte, die englische Tibeterpedition nach Lhassa borrücken, wenn die Tibetaner nicht innerhalb dieser Frist einen bevollmächtigten Unterhändler mit dem chinesischen Amban nach Gyangtse senden. Das heißt mit anderen Worten: Der Vormarsch auf Lhassa ist fest beschlossene Sache. Wenn der Dalai Lama auch einen Unterhändler noch rechtzeitig nach Gyantse schickt, die Engländer werden erklären, ,, er sei der Rechte nicht", und vorrücken. Alle Vorbereitungen für den Vormarsch sind bereits getroffen. General Macdonald, der den Oberbefehl über die ganze Expedition führt, wird am 24. Juni in Gyangtse eintreffen. Die Truppen, die er zur Verstärkung der dort schon stehenden 700 bis 800 Römpfer herangeführt hat, sammeln sich bei der Veste Phari. Phari liegt 120 Kilometer südlich von Gnanatie. Weitere ilometer füdlich von Phart, in Gangtok, ist das stehende Hauptlazarett eingeret, und in Lebong ist man mit dem Bau eines neuen Lazaretts für 750 Betten beschäftigt. Der Verwundetentransport ist eine der Hauptschwierigkeiten des kleinen Feldzuges. Bei Gangtok hört aller Wagen- und Karrentransport auf, und von dort aus ist man für den Nachschub von Lebensmitteln und Material für die Expedition und die Rückbeför derung von Verwundeten lediglich auf Maultiere und Träger angewiesen. Die Führer der Expedition, General Macdonald, der Kommandierende, und Oberst Younghusband, der diplomatische Vertreter der Regierung in Kalkutta, sind übrigens nicht nur mit kriegerischen Dingen beschäftigt, sondern nützen ihre Zeit auch aus, gute Beziehungen mit den NachbarhäuptI ingen anzufnüpfen. In Phari weilt in diesen Tagen wieder der Häuptling von Bhutan zum Besuche, und während der General zu dessen Erbauung allerlei artilleristische Vorstellungen veranstaltete und ihm u. a. die Leistungsfähigkeit der Marimgeschütze anschaulich machte, hatte Oberst Younghusband vertrauliche politische Unterhaltungen mit ihm. Uebrigens wird den Engländern die Niederwerfung der Tibetaner keineswegs leicht gemacht werden. Offenbar gibt es neuerdings Leute in Tibet, die mehr von europäischer Kriegführung wissen, als die Tibeter im Anfangsstadium der Kämpfe mit den Engländern bewiesen hatten. Anfänglich bemerkte die britische Expedition mit Erstaunen, daß die Tibetaner, die ihr den Weg verlegten, mit Ausdauer Tierschreie nachahmten. Das war ein Beschwörungszauber der aber= gläubischen Tibetaner, die durch die Mittel die feindlichen Truppen zerstreuen und vernichten zu können glaubten. Sie haben indeß die Wirkungslosigkeit dieses Mittels bald eingesehen, und russische Sendlinge dürften ihnen gezeigt haben, mie man einem europäischen Feinde begegnet. Während sie anfangs namentlich in Befestigungssachen eine fast findliche Einfalt an den Tag legten, entsprachen manche ihrer neueren Leistungen allen Regeln der Neuzeit. Die Laufgräben oder gedeckten Wege, die neuerdings in einigen Fällen eingerichtet wurden, werden von den Briten selbst als ganz achtbare Leistungen mit Schießscharten, Traversen und sonstigen ganz modernen Schußvorrichtungen bezeichnet, so daß man auf harte Kämpfe gefaßt ist, sobald es gilt, mit verstärkten Kräften Tibets Krieger aus ihren Stellungen hinauszuwerfen. Die Politik. A zu einer Krise im bayerischen Ministerium hat die von der Reichsratskammer beschlossene Ablehnung des Grundmertabgaben geseges geführt. Der Finanzminister v. Riedel hat sein Abschiedsgesuch eingereicht. Daß es vom Prinzregenten im gegenwärtigen Moment genehmigt werden sollte, ist nicht anzunehmen. Der Finanzminister sah in der Ablehnung des Gesezes ein Mißtrauensvotum gegen seine gefamte Steuerpolitik, und in der Tat hatte der Beschluß der Reichsratskammer diese Tendenz. Uebrigens hat der vereinigte erste und dritte Ausschuß der bayerischen Kammer der Reichsräte einstimmig auch das Wahlgesez und den Antrag des Grafen Moy betreffend das Mahlrecht der Geistlichen abgelehnt. * Nach der bereits im April im preußischen Eisenbahnministerium mit süddeutschen Vertretern beratenen Aenderung der Betriebsordnung soll vom 1. Januar nächsten Jahres die höchste Schnelligkeitsgrenze für Schnellzüge, die jezt 100 Kilometer pro Stunde beträgt, in Fortfall kommen. Auf den Nebenbahnen soll sie statt 40 50 Kilometer betragen. Die Zustimmung des Bundesrats zu dieser Aenderung ist gesichert. Gegen das Eingreifen der Aufsichtsbehörden in den Leipziger Aerzteftreik hat sich eine in Dresden abgehaltene Versammlung der Vertreter von 143 sächsischen Ortskrankenfassen ausgesprochen. Man beschloß, geeignete Schußmaßnahmen zur vollen Aufrechterhaltung der Selbstverwaltung der Kassen anzustreben. Der Beschluß ist unverständlich. Die Selbstverwaltung der Kassen ist durch Gesetz gesichert, und die Fälle, wo die Aufsichtsbehörde sich einzumischen hat, sind genau umschrieben. Die Einmischung der Behörde erfolgt auch nur, wenn die Selbstverwaltung der Kasse sich nachweislich ihrer Aufgabe nicht gewachsen zeigt. Gegen das Gesetz wird die Dresdener Versammlung trotz aller Beschlüsse nichts ausrichten. frankreich. A Wenn man den Gegnern des Herrn Combes glauben will, ist der Sturz des Kabinetts unmittelbar bevorstehend. Ob sie Recht behalten, ob nicht, niemand kann es wissen. In Frankreich ist auf politischem Gebiet noch viel mehr der Zufall maßgebend als anderswo. Die Ursache des Sturzes Combes' sehen seine Widersacher in dem Ergebnis der Untersuchungen der Kommission zur Prüfung der KarthäuserMillionen Affäre. Zwar hat die Kommission nicht das Mindeste ermittelt, was auf Combes ein schlechtes Licht wirft. Wohl aber hat der Mann, der den Bestechungsversuch bei Edgar Combes, dem Sohn des Premiers, gemacht hat, lich einzurichten als möglich. fo trefflicher Weise, dak der Künſtler, der das zustande geohne sein weiteres Butun besorgt worden war, und zwar in raschung hatte er gefunden, daß die schlimmste Arbeit schon gelaffen hatte, war feine erste Sorge die, sein Haus so behagSobald fich Cherif- Pascha in seiner neuen Residenz niederBu feiner angenehmen Ueberdeffen Berwaltung die Dinge besser werden würden. Oberneur en hann fei, mit den fich reden lasse und unter Russudan geben müssen; aber hier an diesem außer der Welt dem Finger nach der Richtung, in der das ferne KonſtanHand ab und meinte, man müsse ein Auge zudrücken. hob er lächelnd den müden Blick zu ihr empor und wies_mit Ort wehrte er ihre Vorstellungen beschwichtigend mit der ihm den 3orn des Propheten in Aussicht stellte, Wäre blend fin geschehen, fo hätte ihr Cherif- Pascha wohl oder i legeht europäischer stelbung vorstellen. Als Die Zeit ist allezeit bereit, Nimmst du sie nur, so hast du sie. Mimmst du sie nicht, du hast sie nie, Dit fagft, bu abest Teine Beit; Huf Urlaub. war. Jahren. einem Jahr!" beide hatten sich recht darüber gefreut, Müller Stern war ihr Nachbar, und ihr Freund seit vielen faum Und denkt euch bloß: Gefreiter ist er geworden, nach Urlaub fame, zum erstenmal. daß der Sohn des reichen Müllers Kern zu Pfingsten aut Seit jenem Abend, wo der Vater bei Tisch erzählte denn der Lagrave, diesen der Fälschung der öffentlichen Meinung bezichtigt. Lagrave bekundete, er habe Edgar Combes gesagt, die Karthäuser wollten die 2 Millionen an die öffentlichen Rassen zahlen. Edgar Combes habe ihn veranlaßt, später vor dem Untersuchungsrichter die Sache so darzustellen, als hätten die Karthäuser die 2 Millionen der Regierung zur Verfügung stellen, also sie bestechen wollen. Edgar Tombes bestreitet das, und es kam zwischen ihm und Lagrave bor der Kommission zu erregten Auftritten, beide bezichtigten sich der Lüge. Rufeland. O Die Ermordung des„ Tyrannen Finlands", Bobrilows, hat das Signal zu einem Aufruhr in Helsingfors gegeben, der von ziemlich bedeutendem Umfang gewesen zu jein scheint. Eine Anzahl Mitglieder der schwedischen Partei plünderte in der Nacht zum 18. d. M. die Bureaus des Generalgouverneurs und tötete 18 Beamte, darunter den Sohn des Admirals Pinken. Auch einige Polizeiämter wurden zerstört. Von russischer Seite wird die Meldung dementiert das sicherste Zeichen, daß sie wahr ist. Natürlich werden die Kosaken die Ruhe bald wieder hergestellt haben. Afrika. Die von den Burengeneralen versprochene Abrechnung über die in Europa gesammelten Buren- Hilfsgelder ist jetzt beröffentlicht worden. Der Nettoertrag der in Europa ge= sammelten Gelder beläuft sich auf rund 2 245 000 Mark. Dieses Geld ist größtenteils an Witwen mit Kindern, Vollwaisen und verstümmelte Familienväter verteilt worden. Außerdem wurden zur Einrichtung von Waisenhäusern etwa 200 000 Mark ausgegeben. Dem Erziehungsfonds, der die Errichtung und Erhaltung christlich- nationaler Schulen bezweckt, wurden über 800 000 Mark überwiesen. In Reserve stehen noch über 200 000 Mark, die vornehmlich zur weiteren Erhaltung der Waisenhäuser bestimmt sind. Hof und Gesellschaft. ** Der Kaiser beteiligte sich gestern an der Regatta auf der Unterelbe bei Cuxhaven. Von 10 Uhr 45 Min. ab starteten die zahlreichen zur Regatta gemeldeten Jachten bei borzüglichem Seeglwind. Auf dem„ Meteor" nahmen der Kaiser, der Reichskanzler und die Herren des Gefolges, auf der Iduna" der Kronprinz und auf dem„ Orion" Prinz Heinrich an der Regatta teil. Der Meteor" ging als erster durch die Startlinie, dichtauf folgte der Ingomar" des Herrn Plant- Newyork. Beer und flotte. Ein großes Flottenmanöver soll am 27. S. Mis. in der Kieler Bucht stattfinden. Es wird von der aus 8 Linienschiffen, 4 Küstenpanzern, 10 Kreuzern und den Torpedoboots divisionen bestehenden aktiven Schlachtflotte unter dem Oberbefehl des Admirals von Köster in Gegenwart des Kaisers, des à la suite unserer Marine stehenden Königs Eduard und des ihn begleitenden ersten Lords der Admiralität, Earl of Selborne, ausgeführt werden. Wie man hört, sollen verschiedene Gefechtsbilder gestellt und bei dieser Gelegenheit auch die Leistungen der Torpedoboote im Kampfe mit SchlachtSchiffen gezeigt werden, soweit letzteres im Scheinkrieg überhaupt möglich ist. Den Höhepunkt des Manövers wird wohl ein Durchbruchsversuch der Torpedoboots flottille darstellen, eine der schwierigsten Flottenübungen. Als im Frühjahr der Kaiser in Malta weilte, ließ er von der englischen Flotte Ererzitien ausführen. Daß nun auch der König von England die Ausführung kleinerer Uebungen befehlen wird, kann als sicher gelten. Die deutsche Marine kann bei dem hohen Stande ihres Könnens dieser Probe ruhig entgegensehen. Preussischer Landtag. Haus der Abgeordneten. ( 87. Sigung.) RK Berlin, 21. Juni. Das Haus arbeitete heute im Sturmmarschtempo. Eine Anzahl Kleinerer Vorlagen wurde ohne Debatte in dritter Resung, eine Anzahl anderer in zwiter Lesung angenommen. Eine Besprechung gab es nur bei der dann eingebrachten Interpellation Arendt, welche Auslegung die Staatsregierung dem§ 5 des Ausfuhrgesetzes zum Sch I a chtvieh= und Fleisch beschaugesetz gegenüber der Tatsache gebe, daß Vertreter größerer Städte im Herrenhause für die Schlachthausgemeinden das Recht in Anspruch genommen haben, das auswärts bereits tierärztlich untersuchte Fleisch einer abermaligen Untersuchung in den städischen Untersuchungsämtern zu unterwerfen. Die vom Minister von Podbielski erteilte Antwort besagte:„ Die Staatsregierung ist der Ansicht, daß bei den§§ 5 und 14 des Ausführungsgesetzes die Absicht dahin ging, daß hinsichtlich des be= reits tierärztlich untersuchten Fleisches auch in den Schlachthäusern den Gemeinden nur die nahrungsmittel- polizeiliche Kontrolle zusteht. Sie verkennt aber nicht, daß die Frage in der im Herrenhause angedeuteten Weise zur gerichtlichen Entscheidung gebracht werden, und daß die Gerichte anders entscheiden könnten." Nach kurzer Besprechung der Interpellation vertagte sich das Haus. Nab und Fern. A Ein eigenartiger deutsch- französischer Grenzzwischenfall wird aus Straßburg gemeldet. Zwei Pioniere der 3. Kompagnie des dortigen Pionier- Bataillons Nr. 15, die nach dem Dörfchen Grandfontaine beurlaubt waren, verirrten sich über den Donon nach dem französischen Grenzorte Raon- surPlaine. Von einem deutschredenden Waldarbeiter dort darauf aufmerksam gemacht, sie seien in einer französischen Ortschaft, machten sie, wie die Straßburger Post berichtet, sofort höchst bestürzt Kehrt und gingen eiligst nach der von ihnen überschrittenen Grenze zurück, in der Abficht, möglichst schnell wieder auf deutschem Gebiet zu sein. Ihr Vorheen wurde jedoch bereitelt. Der Zolleinnehmer, der sie bereits bemerkt hatte, fandte ihnen einen Grenzaufseher nach, der sie zurückbrachte. Beim Bürgermeister erklärte der eine Pionier, daß ihm und seinem Kameraden jeglicher Gedanke einer Fahnenflucht von ihrem Truppenteile fernläge; er und sein Kamerad hätten sich nur verirrt. Sie glaubten, in Raon- sur- Plaine noch auf deutschem Boden zu sein, da sie nirgends unterwegs angehalten worden seien. Falls ihrem Ersuchen, sie freizugeben, nicht stattgegeben würde, müßten sie sofort ihrem Truppenteil von dem Vorfall telegraphisch in Kenntnis setzen. Vom Bürgermeister wurde der Tatbestand sofort an die Präfektur von Ranch telegraphiert, worauf von dort die Anordnung zurückkam. die beiden deutschen Soldaten feien unverzüglich an die deutsche Grenze zu bringen, vorher sei der ihr Nationale festzustellen. Der Feldhüter des Ortes gab ihnen darauf das Geleite bis zur Grenze. [ Eine recht langlebige Familie] sind die Geschwister Dolle im elsässischen Dorse Breitenbach im Weilertal, fünf Brüder und eine Schwester, die alle über 70 Jahre alt sind. Die Schwester ist die älteste, sie zählt sogar 83 Jahre und ist schon zweimal Urgroßmutter. Der älteste Bruder, 78 Jahre alt, ist während 45 Jahren Straßenwärter gewesen und trägt jetzt stolz das Allgemeine Ehrenzeichen; er bezieht seit seinem 70. Jahre eine Altersrente. Der zweite Bruder, 76 Jahre alt, ist ein Krimveteran und hat sich vor Sebastopol die Medaille erworben. Der dritte Bruder ist 74 Jahre alt, hat in Italien gefochten und ist ebenfalls dekoriert; die zwei andern waren nicht Soldat, erfreuen sich aber wie die andern einer vollen Gesundheit, mähen und verrichten alle sonstigen Feldarbeiten. Die fünf Brüder haben sich kürzlich photographieren lassen und sind zu diesem Zwecke alle nach Schlettstadt gereist; denn sie sind stolz auf ihre Jahre, die sich auf insgesamt 453 belaufen. Auch die Eltern der sechs Geschwister haben es miteinander auf 153 Jahre gebracht. 6. Sitzung der Großh. Handelskammer Gießen für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach. Prototoll Auszug. = Gießen, 18. Juni 1904. Anwesend die Herren: Kommerzienrat Koch, Vorsißender, Kommerzienrat Heichelheim, stellvertr. Vorsißender, Balser, Grünewald, Katz, Moll, Nowack, Rinn, Röhr, Wallach, sowie der Syndifus Dr. Knippec. 1. Aus dem Geschäftsbericht ist folgendes mitzuteilen: a) Die Handelsfaminer hat Erhebungen über die wirtschaftliche Bedeutung der Kanalisation der Lahn bts Gießen veranstaltet, deren Ergebnisse in einer Dentschrift an die Großh. Regierung niedergelegt werden sollen. b) Zur Deckung der Kosten der kaufm. Fortbildungsschulen ihres Bezirkes hat die Kammer für die Schulen zu Gießen und Lauterbach die Bewilligung des seitherigen Staatszuschusses, für die Schule in Alefeld mit Rücksicht auf deren besondere Verhältnisse die Gewährung eines höheren Zuschusses als bisher beantragt. c) In mehreren Streitfällen wurden den Gerichten Sachverständige in Vorschlag gebracht. 2. Finanzielle Unterstüßung einer Fernsprech verbindung durch die Handelskammer. Zur Herstellung der geplanten Fernsprechverbindung von Gießen mit den Orten Bieber, Fellingshausen, Crumbach und Frankenbach wird von der Postberwaltung eine Beitragsleistung der Interessenten von 1500 Mt. verlangt. Die Kammer war daraufhin von den Interessenten gebeten worden, auch ihrerseits einen Zuschuß zu den Baukosten zu leisten. Sie bekannte zwar die Zweckmäßigkeit der geplanten Fernsprechverbindung an und wird auch das Projekt durch eine eigene Eingabe an die Kais rl. Ober- Postdirektion in Darmstadt unterstützen. Sie muß jedoch von der Bewilligung eines Zuschusses aus ihren eigenen Mitteln absehen, da, abgesehen von sonst gen Bedenken die geplante Fernsprechverbindung vorwiegend nur einem Teile ihres Bezirkes zugute kommen würde. 3. Tarifierung von Eisenerz. Bon einer Esenerzgrube ihres Bezirkes war die Kammer gebeten worden, dafür einzutreten, daß die Station Frankfurt a. M. als Hafen in den Ausnahmetarif vom 10. Aug. 1902 für die Beförderung von Eisenerz aus dem Lahn-, DUund Sieggebiet usw. nach den Hochofenstationen dieser Gebiete und des Ruhrgebietes usw. einbezogen würde, um den Absatz von Erzen aus hiesiger Gegend nach RheinlandWestfalen zu erleichtern. Die Kammer wird diesem Antrage entsprechen. 4. Erstattung eines Gutachtens an ein Gericht. In der Streitsache einer Ringofen- und Dach- Pfalzziegelfabrit gegen eine Baumaterialienhandlung hatte die Handelsfammer einem Gerichte ein Gutachten darüber zu erstatten, ob es handelsüblich sei, daß bestellte Mustersendungen, einerlei ob eine Bestellung daraufhin erfolgt oder nicht, portofrei vom Offerenten zu liefern seien. Die Kammer beschloß nach Anhörung einer Anzahl Sachverständiger dem Gericht mitzuteilen, daß in der fraglichen Branche en derartiger Handelsgebrauch besteht. 5. Aenderung der Donauumschlagstarife über Regensburg usw. Mit einer neueren Bestimmung sollen vom 15. Juni 1904 ab die bisherigen Donau- Umschlagstarife über Regensburg, Passau und Deppendorf für die Ausfuhr nach Desterreich- Ungarn und nach den Balfanländenn ausschließlich der Süddeutschen Dampfschiffahrts- Gesellschaft zur Verfügung gestellt werden, während alle anderen Schiffahrtsgesellschaften, auch die f. f. priv. Donau- Dampfschiffahrts- Gesellschaft, mit den normalen Lotal- Tagen rechnen sollen. Die Kammer ist ersucht worden, gegen diese Berorzugung einer Gesellschaft einzutreten, zumal deren Schiffsbestand den Verkehr feineswegs bewältigen fönnte und zu befürworten, daß der seitherige Zustand wieder hergestellt würde. Dem Gesuche wurde von der Kammer jedoch nicht entsprochen, da der hiesige Bezirk von jenen Tarifverhältnissen faum berührt wird und da nach einer Erklärung der Eisenbahnverwaltung die f. f. priv. Donau- DampfschiffahrtsGesellschaft angeblich in Desterreich besonders emäßigte Umschlagstarife genießt, die der Süddeutschen Donau- Dampfschiffahrts- Gesellschaft nicht zur Verfügung stehen. 6. Gelegentlich der Berichterstattung zum Jahresbericht und einer Umfrage sind der Handelskammer eine Anzahl Wünsche zu den Eisenbahnfahrplänen und den Fernsprechverhältnissen zugegangen. Die Kammer beschloß, diese Anregungen der Eisenbahn- und Postverwaltung zur Ausführung zu empfehlen. 7. Eingänge. a) Handelskammer Stuttgart zur Talerfrage. b) Bund deutscher Nahrungsmittel Fabrikanten un -Händler, Zusammenstellung von Grundsäßen für die B urteilung von Nahrungsmitteln. c) Geschäfts-, bezw Jahresberichte der Ortsfrankentafe Gießen, der Tabaf- Berufsgenossenschaft, des Vereins Merf zu Nürnberg, des Vereins für Handlungs- Kommis von 1858, des Verbandes der Vereine Kreditreform zu Leipzig. d) Führer durch die Maschinen, Eisen- und Metal industrie in Deutschland. für Deuts& lanb Ausführungen legte welche Folgen wird affatifchen Marktes ha nach dem Falle des japanischer Sieg, der fiber China geben w Bestrebungen der E bielleicht fogar möglic europäischen Weften e und Anschauungsweife der Aftaten und fomm gelben Gefahr für G Rebe fein tönne, b Sieg Japans auch wesentlich verändern führungen, in denen Berfpeftiven aufgeta bas Mißverhältnis, in Oftafien sich zu dem Markte verhält Arieges und feiner& land legt die Rot deutschen Seewehr Beifall der Verfamm beantragte im Anschl lution: e) Von zuverlässiger Seite sind der Handelskamma Mitteilungen zugegangen über ein neues rumänisches Regl ment für den Polizeidienst an den Grenzübergangspunkter, in den Häfen und auf den Bahnhöfen, Exportbestrebunga deutscher Fabrikanten nach dem russ Weichselgebiet, bie Wirtschaftsverhältnisse in Südengland, de amerikanische Kon furrenz in Südamerika und China, Winke für die deutsche Ausfuhr nach Südafrika, Absatz von Geräten und Maschinen nach Natal, eine empfehlenswerte Agentur in Saloniki, ferner über zweifelhafte Firmen in St. Petersburg, NewCastle de Teyne uno Cairo. Die Eingänge fönnen während der üblichen Geschäfts zeit im Bureau der Handelskammer eingesehen werden. Lokales. 21. Junt 1904. A Hochbau aufseher Grünig von Gießen erhielt in der am Montag stattgefundenen engeren Wahl eines Revisionsbeamten für die Sektion Gießen der Bauge werksgenossenschaft die meisten Stimmen. ▲ Gestern Abend gegen 8 Uhr stürzte ein Motorradfahrer in der Moltkestraße zu Gießen vom Rade und zog sich dabei mehrere fleine Verlegungen zu. Außerdem wurde die Maschine total defekt. + Das Projett eines Generalfulturplans für den obern Vogelsberg ist jetzt durch die dafür im Jahre 1898 eingesezte Kommission unter dem Vorsitz des Ministerialrats Braun fertiggestellt werden. Es handelt sich um die Gemarkungen von 45 hessischen Gemeinden, in denen Aufforstungen, Verbesserung der Weideländereien, Feldbereinigung, Be- und Entwässerung und die Anlage von Sammelweihern zur Hebung der Ertragfähigkeit durchgeführt werden sollen. Was die Zeitdauer für die Durchführung des Generalkulturplanes betrifft, so sind für die Aufforstungen und Flu bereinigungen 20 Jahre, für die Weidemeliorationen 44 Jahre vorgesehen. e. Die Landesversammlung des Hessischen Landesverbandes des Deutschen Flotten. Vereins fand am vergangenen Sonntag in Friedberg im Hotel Tapp statt. Vertreten waren alle Ortsgruppen, darunter Asfeld, Allendorf a. d. Lda., Gießen, KleinLinden, Lang- Göns, Lauterbach, Nidda, Schotten und Ulrich, sten. Der erste Vorsitzende des Landesverbandes, Herr Dr. Willy Merck- Darmstadt leitete die Versammlung. Der zweite Vorsitzende, Herr Oberst a. D. Becker- Darmstadt erstattete den Jahresbericht für die Zeit vom 1. Mai 1903 bis 30 April 1904. Der Verein hat in unserem Lande große Fortschritte gemacht. Die Mitgliederzahl ist von 6267 auf 7916 gestiegen; er zählt jest 79 Gruppen gegen 57 vor Jahres frist, 60 fö perschaftliche Mitglieder in der Stärke - Der Zu von 9799 gegen 42 in der Stärke von 6332. sammenschluß sämtlicher in einem Kreise wohnenden Mitglieder zu Kreisgruppen, innerhalb welcher den Orts gruppen die volle Selbständigkeit gewahrt bleiben soll, hat im letzten Jahre wenere Fortschritte gemacht Die wurden von 44 000 finematographischen Vorrührungen Rheinhessen Personen besucht. Die Mitglieder- Statistik weist in den Kreisen folgende Zahlen auf: Alsfeld 420 Einzelmitglieder, 2 förperschaftliche Mitglieder in einer Stärfe von 90 Personen. Büdingen 391, 1, 125. Gießen 1068, 5, 323. Lauterbac 382, 5, 536. Schotten 2-5. Auf die einzelnen Provinzen verteilen sich die Mitglieder, wie folgt: Startenburg 3264, 17, 3567. Oberhessen 3071, 13, 1244. 1521, 30, 5085. Das gesamte Großherzogtum Hessen jählt demnach jeßt 7856 Einzelmitglieder und 60 förper schaftliche Mitglieder( Bere in einer Stärke von 9896 Pr sonen). Aus der Rechnungsablage ist folgendes zu entnehmen: Die Einnahmen 8785,73 Mt., die Ausgaben 8525,73 M., es verblieb somit ein Kassenbestand von 233,75 Mt. Eine Reihe von Sagungsänderungen, die Herr Oberkonsistorial sekretär Sonne Darmstadt begründete, wurden nach längerer Debatte einstimmig angenommen. Die auf Grund der selben sogleich vorgenommene Ergänzungswahl zum Landesausschuß fiel auf folgende Herren: Kommerzienrat Alvenarius Gau- Algesheim, Gewerberat Baentsch- Mainz, Kreisrat von Hahn- Heppenheim, Rechtsanwalt Dr. Jöckel Il- Friedberg, Vrwaltungs- Direttor Menges- Worms, Oberamtsrichter Römheld- Nidda, Geh. Regierungsrat Schönfeld Schotten, Winisterialsekretär Dr. Valckenberg- Darmstadt und Fabrikant Wenzel- Lauterbach. Zur Eröffnung der Nachmittagsver sammlung verlas der Vorsitzende folgende, von S. Königl Hoheit dem Großherzog eingelaufene telegraphis Antwort: - " Dem Hessischen Landesverband des Deutsch en Flotten Vereins dante Ich bestens für den telegraphischen Huldigungs gruß. Ich freue mich über das in Hessen herrschende lebendige Interesse für unsere Flotte und betrachte die Er weckung dieses Verständnisses wesentlich als ein Verdienst des Flotten- Vereins. Ernst Ludwig." Zu dem nächsten Punkte der Tagesordnung: Die nächsten Biele und Aufgaben des Vereins" sprachen in zündenden Worten Herr Oberst a. D. Becker- Darmstadt und Herr Landtagsabgeordneter Rechtsanwalt Windecker- Friedberg, w rauf Herr Dr. Vosberg- Refow aus Potsdam seinen ange fündigten Vortrag über das Thema:„ Der russisch japanische Krieg mit seiner Nuganwendung E „ Die am 1 Heffischen Land eins pflichtet de Gesamtvorftande Ausbau und e bringend gebot Erhaltung fein durch eine fto Flotte bermöge zu fchirmen, u den Erzeugniff gebiete erho Die Resolution fand mit herzlichen Dan würdigfte verlaufend () 10,000 Reffelstadt hatte am eines Grundstücks 1 dem Heimwege blie Marktplatz stehen, und vergaß, als fi Bafet mit den 10 fie athemlos und die Beit über un Turner f. d. Gau Heffen" das ruhige Städt wird uns beim Der ftrebfame ga Bei der a mäßigen Verlosu de Schuldverschr zahlung bestimm 8. Lit A. 121, 1 295, 38 " B. 11, 26 C. 38, 80 D. 41, 64 И E. 79, 11 " b. Lit. F. 32, 74 G. 2, 34 " H. 5, 13, J. 24 " 1 K. 39 " Es wird Kenntnis gebra schreibungen un bei der Stadtfa Frankfurt a. M bei der Stadt A. Heichelheim nober, Meyer Frankfurt a. D mit Ende Sept Aus der Midzahlung bo Gießen Groß B Wegen Vo die Marktlaub für den Fuhrm Gießen, 6 Wegen bo auf der Städ auf weiteres Gießer Gr Zalerfrage tel Fabridanim ndfäßert für die der Drtsfrant des Vereins -Kommis bon 18 m zu Leipzig. Eisen- und ber Handelt rumänisches renzübergangspu 1, Exportbeitre Werchfelgebiet De ameritanijde eräten und Maj ir Deutschland" begann. Das Schwergewicht seiner Ausführungen legte Redner auf die Besprechung der Frage: belche Folgen wird der Krieg auf die Gestaltung des ostfi atischen Marktes haben? Was wird China, was Japan je rach dem Falle des Sieges für Einfluß üben? Kann ein japanischer Sieg, der Japan vor allem das Uebergewicht iber China geben würde, verderbliche Wirkungen für die Bestrebungen der Europäer in Ostasien zeitigen? Wäre es bielleicht sogar möglich, daß solche Wirkungen sich bis in den europäischen Westen erstrecken? Er schildert die Lebensart und Anschauungsweise, die Fähigkeiten und die Leistungen der Asiaten und kommt zu dem Ergebnisse, daß von einer gelben Gefahr für Europa seiner Ansicht nach gar keine Rebe sein tönne, daß aber darüber hinaus ein etwaiger Sieg Japans auch die Marktlage in Ostasien selbst nicht wesentlich verändern dürfte. Gegen den Schluß seiner Ausführungen, in denen gewaltige wirtschaftliche und weltpolitische | Frankfurt a. M, 21. Juni. Das Befinden des am Sonntag während der Predigt vom Schlag gerührten Pfarrers Wilhelm Doll aus Darmstadt gibt zu den ernstesten Besorgnissen Anlaß. dafür, daß dem Turner die Aufnahme, die er gern hat: offener, ehrlicher und ungezwungener Willkomm, im vollen Maße auch wird. Die Turngemeinde Usingen, hat die Vorarbeiten in recht verständiger und praktischer Weise geführt und will, was den Verlauf des Festes in turnerischer Hinsicht anbetrifft, anderen Vereinen, die Gaufeste schon gehabt haben, nicht zurück stehen. Das erste Mal ist es Usingen vergönnt, das Fest in seinen Mauern feiern zu können, schon darum gilt es um falsche Beurteilungen über den Gau Hessen in der preußischen Feststadt nicht aufkommen zu lassen daß alle Vereine möglichst der mit einer recht großen Zahl Mitglieder aufmarschieren. + Wettertalbahn. In Steinfurth in der Wetterau fand am letzten Sonntag eine von 260 bis 280 Personen besuchte öffentliche Versammlung statt, in welcher die Frage: Soll die Wettertalbahn über Bad Nauheim geführt werden? besprochen wurde und welche von zahlreichen Orten der teiligung aller An esenden und schloß mit einer einstimmig ( mit drei Stimmenenthaltungen) gefaßten Resolution, in welcher der Wunsch ausgesprochen wurde, daß die Wettertalbahn über Bad Nauheim geführt wird. Sinte für die de Berspektiven aufgetan werden, beleuchtet Redner schlagend Umgegend besucht war. Dieselbe verlief unter lebhafter BeAgentur in Ca St. Petersburg, er üblichen Gri ngefehen werden. 21. Juni 19 inig von Gi ndenen engeren e Seftion Gie Stimmen. türzte ein Mo bom Rade u. Außerden eraltulturpin jgt durch die unter dem Bor werden. Es h fischen Gemeinden, Weideländerein, und die Anlage vo gfähigkeit duti für die Durchführu für die Aufforfang Die Weidemelioratione ng des effisher tigen Flotten ntag in Friedberg ren alle Ortsgruppen Lda., Gießen, Klei Schotten und Urd sverbandes, Herr Dr. Berfammlung. Der Becker- Dara bom 1. Mai 19 in unserem Lan iederzahl ist von 6267 Bruppen gegen 57 to Lieder in der Städ 6332. Der - eife wohnenden 16 welcher den O hrt bleiben soll, itte gemacht D urden von 4400 tiftit weift in 20 Einzelmitgl fe von 90 Berjon 5,323. Lauterb einzelnen Provinze Startenburg 3264 1244. Rheinhe roßherzogtum Heff der und 60 torp ärte von 9896 gendes zu entnehme gaben 8525,73 233,75 M. G err Oberfonfiftori wurden nach läng ie auf Grund Lande swahl zum rzienrat Alvenari ainz, Kreisrat bo Jodel I- Friedbag Oberamtsrichte Schönfeld Schotta ftadt und Fabrifor er Nachmittagio , bon S. König fene telegraphi Deutsch en Flotter ifchen Huldigung Heffen herrighent betrachte die als ein Verdien ft Ludwig." ung: Die nä H chen in zündend rmstadt und 5 der- Friedberg, 30am feinen ang Der ruffif Ruganwenbu bas Mißverhältnis, in welchem unsere maritime Vertretung in Ostasien sich zu derjenigen unserer Hauptkonkurrenten auf dem Markte verhält. Auch die Betrachtung des ostasiatischen Krieges und seiner Rückwirkungen auf Europa und Deutschlamb legt die Notwendigkeit der Schaffung einer starken deutschen Seewehr nahe. Vortrag erntete den stürmischen Beifall der Versammlung. Herr Rechtsanwalt Dr. Jöckel II. beantragte im Anschluß daran die Annahme folgender Resolution: ,, Die am 19. Juni tagende Hauptversammlung des Hessischen Landesverbandes des Deutschen Flotten- Vereins pflichtet dem in Dresden gefaßten Beschluß des Gesamtvorstands einstimmig und freudig bei. Schnellerer Ausbau und erhebliche Mehrung unserer Flotte sind dringend geboten zum Schuße unseres Vaterlandes, zur Erhaltung seiner Macht und seines Wohlstandes. Nur durch eine starke, allen Mächten Achtung gebietende Flotte vermögen wir unsere Landsleute im Auslande zu schirmen, unseren überseeischen Handel zu schüßen und ben Erzeugnissen deutscher Arbeit die fremden Absaggebiete zu erhalten und zu mehren." Die Resolution fand einstimmige Annahme und schloß hierauf mit herzlichen Dankesworten der Vorsitzende die auf das würdigste verlaufene Landesversammlung. (:) 10,000 Mt. ohne Aufsicht. Eine Frau aus Resselstadt hatte am Montag in Hanau aus dem Verkauf eines Grundstücks 10000 Mt. in Banknoten erhoben. Auf dem Heimwege blieb sie bei einem Kirschenhändler auf dem Markiplaz stehen, ratschte" dort eine beträchliche Weile und vergaß, als sie sich schließlich auf die Socken machte, ihr Batet mit den 10 000 Mt. Nach einigen Stunden tam ste athemlos und holte es ab. Die 10 000 Emmchen hatten die Zeit über unbeachtet dagelegen. - Turnerisches. In Nr. 6 der Turnzeitung f. d. Gau Hessen" ist folgender Artikel zu lesen: Usingen, das ruhige Städtchen am Fuße des herrlichen Taunus, wird uns beim diesjährigen Gauturnfest beherbergen. Der strebsame gaftfreundliche Sinn seiner Bewohner bürgt Bekanntmachung. Bei der am 16. Junt 1904 vorgenommenen planmäßigen Verlosung wurden auf 1. Oktober 1904 folgende Schuldverschreibungen der Stadt Gießen zur Rückzahlung bestimmt: a. vom 1890er Anlehen: Lit A. 121, 148, 172, 188 == zu 2000 Mr. 1000 " 1 B. 11, 26, 98, 134, 158, 289 " C. 38, 80, 88, 131, 181, 267, 281, 295, 387 500 " If D. 41, 64, 97 300 " " E. 79, 112, 115 200 " " f b. vom 1892er Anlehen. Lit. F. 32, 74, 101 2000 Mt. 11 G. 2, 34 1000 " " " H. 5, 13, 49 500 " " J. 24 300 " 1 " " K. 39 200 " " Es wird dies mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die Einlösung dieser Schuldverschreibungen und zwar bom 1890er Anlehen: bei der Stadtkasse Gießen und bet der Dresdener BankFrankfurt a. M. vom 1892er Anlehen: bei der Stadtkasse Gießen und bei den Bankhäusern A. Heichelheim- Gießen, Ephraim Meyer& Sohn- Hannover, Meyer& Plaut- Stassel und Gebrüder NeustadtFrankfurt a. M. erfolgen kann und daß die Verzinsung mit Ende September 1904 aufhört. Aus der vorjährigen Verlosung ist noch nicht zur Rückzahlung vorgelegt worden Lit. C. 222. Gießen, den 20. Juni 1904. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird die Marttlaubenstraße von heute an bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrradverkehr gesperrt. Gießen, den 22. Juni 1904. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. Bekanntmachung. Wegen vorzunehmender Kanalisationsarbeiten können auf der städtischen Lastwage am Neustädtertor bis auf weiteres Verwiegungen nicht vorgenommen werden. Gießen, den 21. Juni 1904. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Aus Oberhessen, 21. Juni. Nach den Herbstmanövern wird in der Umgegend von Schliß ein ArtillerieScharfschießen stattfinden. Auf den Höhenzügen von Rimbach wurden dieser Tage von Artillerieoffizieren Vermessungen vorgenommen. + Runkel a. d. 2., 21 Juni. In Arfurt wurden am Samstag einem Landwirt 8 Stück Rindvieh im Werte von 3000 Mt. vom Blize erschlagen. ========Grebenhain. Während des schweren Gewitters am Samstag sette in Freiensteinau der Strahl ein Anwesen in Brand, das letzterem ganz zum Opfer fiel. Der Geschädigte ist versichert. † Nidda. In Worms starb vor einigen Tagen der in ganz Hessen bekannte Defan i. P. Briegleb, genannt der Sänger vom Vogelsberg". Der Verlebte war in Büdingen geboren und von 1854 bis Frühjahr 1855 als Vikar und weilte so oft hier, als sein Weg ihn nach seinem„ lieben in Nidda tätig. Er hatte Nidda stets in gutem Andenken Bogelsberg" führte, den er so schön besungen. Bei den Versammlungen der hiesigen Seftion des Vogelsberger Höhenklubs" wurden seine Lieder mit Vorliebe gesungen. Als er das letzte Mal hier weilte und gefragt wurde, wie es ihm gehe, antwortete er:„ Der Kopf und das Herz wollen noch aber die Beine!" Nun hat er ausgefämpft, und der Oberwald rauscht ihm von fern seine Grüße über das Grab. + Von der oberen Nidda. Eine solche Fülle von Heu hat es seit Jahren nicht gegeben, und rechnen die Leute eben schon bei nur einigermaßen guter Grummet ernte, für die alle Vorbedingungen vorhanden sind, mit Raummangel. Die Erdbeerenernte, welche jetzt begonnen hat, fällt durch die günstige Witterung beeinflußt, sehr gut aus. Die Zwetschenbäume sind so mit Früchten beladen, daß sie jetzt schon gestützt werden müssen. - sowie alle Stottern, Sprachfehler heilt Dir. F. Baum, Hauptanstalt Darmstadt. Kursus in Gießen Ludwigstraße 52, 3. St. im Hause von Frau Rittmeister Douglas. Für Schwerhörige Hörübungen zur Stärkung des Gehörs. Die besten Zeugnisse. Neuer MassenVerbrauchsartikel zum Wiederverkauf oder Selbstfabrikation, als Existenz oder Nebenerwerb für Jedermann geeignet. Rohmaterial überall billig zu haben. Diese Fabrikation erfordert weder Fachkenntnisse noch besondere Räume und ist schon mit ganz geringen Mitteln, also in jedem beLiebigen Massstabe sofort durchführbar. Riesenerfolge nachweisbar. In kurzer Zeit sechs Millionen Pakete umgesetzt, bei Behörden schon eingeführt. Wegen Aileinvertrieb oder Fabrikationsrechtverlangen Sie sofortige Gratiszusendung unseres Hauptkataloges. Fallnight's Laboratorium, G. m. b. H., Eldelstedtb. Hamburg. 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Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Verantwortlich: für den politischen, vermischten und unterhaltenden Teil Albin Klein Gießen; fur den lokalen Teil Karl Klose, Grünberg. Bekanntmachung. Samstag, den 25. Juni, vorm. 11 Uhr, findet in dem Sizungssaal im Bürgermeistereigebäude nochmals die öffentliche Verpachtung der städuschen Sandgrube an der Rödger Straße auf die Dauer von drei Jahren statt. Gießen, den 20. Juni 1904. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum Bekanntmachung. Die unterm 13. April I. J. angeordnete Sperre des Tiefenwegs wird hierinit aufgehoben. Gießen, den 21. Juni 1904. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. Bekanntmachung. Die unterm 21. Mai 1. Js. angeordnete Sperre der Crednerstraße, zwischen Hofmann- und Klinikstraße wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 21. Juni 1904. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. Lieferungs- Verdingung. Die Lieferung von ca. 1865 3entnern Anthrazitfohlen II, 1950 3entnern I und II gew. 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" So sagst du immer, Richard; Pflicht und Arbeit; aber daß du ein junges Weib zu Hause hast, vergißt du ganz." ,, Du wirst dir und mir an diesem schönen Morgen noch die" Stimmung verderben. Der Ehestand ist doch nicht zum mir einen Kuß und sei vernünftig." Tändeln und Kosen da. Uebrigens muß ich fort; komm, gib Damit verließ Assessor Wolfram, ein stattlicher Mann von ungefähr 36 Jahren, das Zimmer. ,, Nun geht er wieder; so ist's immer!" seufzte Frau Johanna ,,, und ich hätte ihn doch so gern zu Hause! Wenn ich wenigstens ein Kind hätte." „ Ein Kind," darüber versank die junge, schlanke Frau in Nachdenken. Wie hatte sie sich als Mädchen den Ehestand ausgemalt! Wie poetisch und romantisch erschien ihr alles in dem Paradiese der Liebe, in dem zwei Menschen für das ganze Leben wandelten. Vor ein paar Jahren hatte der Assessor sie heimgeführt; sie hatte den Kopf voll Ideale und Phantasiegebilde mit in die Ehe gebracht und fand nun doch manches anders, prosaischer. Zwar war das Liebeswerben ihres Mannes gar ders, war er öfter in das Haus ihrer Eltern gekommen. nicht besonders poetisch gewesen. Als Freund ihres BruVom ersten Augenblick an konnte sie den ernſten, klugen Mann gern leiden. Und als er sie dann eines Tages fragte, ob sie sein liebes Weib werden und ihm in sein Heim folgen wolle, da hatte sie laut aufgejubelt vor Glück und Seligkeit. Zuerst fühlte sie sich sehr glücklich in ihrem Chestand. Ihr Mann nahm ein paar Wochen Urlaub, und so hatten sie denn vollkommen Muße in ihrem jungen Liebesglück. Aber dann kam die Zeit der Arbeit. Das traf sie hart; so mußte so viel allein sein! " Denkst du denn manchmal an mich, bei deiner Arbeit?" fragte sie ihren Gatten. Kind, dazu läßt mich die Arbeit nicht kommen." Da nun das ausblieb, was ihr Befriedigung gewährt hätte, und das Kind, auf welches sie all' ihre Hoffnung ge= setzt, sich nicht einstellte, so fühlte sie eine Leere in ihrem Chestand. Sie war zu viel allein und geistig zu unbeschäftigt. Ihre kleine Wirtschaft füllte ihre Zeit nicht aus. Verkehr hatten sic, da ihr Mann noch nicht lange in Berlin weilte, auch nicht genügend und die üblichen Frauenhandarbeiten ließen ihr noch Zeit zu Reflexionen. Fräulein Baumann läßt fragen, ob die gnädige Frau schon zu sprechen sei?", unterbrach das eintretende Mädchen ihren Gedankengang. ,, Gewiß, gewiß, führ' sie nur herein." „ Das ist ja herrlich, daß du schon so früh kommst, Else!" begrüßte Frau Assessor Wolfram das eintretende junge Mädchen. herführt." " Ja, es ist aber auch ganz etwas Besonderes, was mich Das seh' ich dir schon an, deine braunen Augen blizen förmlich vor Lust, und dein Kraushaar ist ganz vom raschen Gehen zerzaust, du siehst wirklich charmant aus, noch dazu in dem schneidigen Matrosen- Kostüm." ,, Na, na, mach' mich nur nicht eitel!" neckte die Freundin, ,, ich; revanchier' mich doch nicht, aber hör' die Ueberraschung! Heut' abend ist Frerichskommers in der Philharmonie, mein natürlich mit?" Bruder hat zwei Billets für dich und mich besorgt. Du kommst ,, Da muß ich aber doch erst Richard um Erlaubnis fragen, und der kommt heut' nicht zu Tisch." Desto besser, dann holen wir uns telephonisch seine Erlaubnis. " Gesagt, getan! Die beiden Freundinnen begaben sich in die nächste Konditorei an das Telephon und erhielten bald die Familie der Freundin gut aufgehoben wußte. gewünschte Antwort, da Assessor Wolfram sein Weib bei der ( Schluß folgt.) FELD UND FLUR Wie man Machtigallen timmt. Das Stimmen der Nachtigallen ist eine höchst ergötzliche musikalische Unterhaltung, die man in der schönen Jahreszeit draußen im Freien genießen kann. Schlägt eine Nachtigall, so sucht sie sich gewöhnlich ein Plätzchen im dichteſten Gebüsch aus. Unbemerkt kann man ganz nahe an den Busch herantreten. Am besten tut man, sich während des„ Schlagens" zu nähern, in den Pausen aber, die die Nachtigall während ihres Konzerts macht, still zu stehen, um so die Sängerin nicht zu stören. Man lauscht nun dem Gesang eine Weile, bis die Nachtigall jene schwermütigen langgezogenen Töne tü- tütü- tü anstimmt. Noch während sie dieses tü- tü flötet, fängt man an, diesen Ton nachzuahmen, pfeift jedoch einen Ton höher. Die Nachtigall verstummt und lauscht andächtig, bis sie in den von dem Stimmer angeschlagenen Ton einfällt. Man läßt sie wieder einige Male ihr tü- tü flöten und pfeift dann nochmals einen höheren Ton. So läßt sich das ergötzliche Spiel forttreiben, bis die Töne so hoch liegen, daß sie die Nachtigall nicht mehr erreichen kann. In diesem Augenblick bricht die Sängerin jäh ab. Man braucht es aber nicht bis zu dieser Höhe zu treiben, sondern kann, wenn anzunehmen ist, daß die Nachtigall nicht mehr viel höher pfeifen wird, das Stimmen in umgekehrter Weise vornehmen, indem man jedesmal einen Ton tiefer pfeift, auf den die Nachtigall ebenfalls bereitwilligst eingehen wird, bis auch hier ihre herrliche Stimme nicht mehr ausreicht und sie durch ein lustiges Gezwitscher dem Spiele ein Ende macht. Eine Hauptsache ist, daß man sich ganz ruhig verhält und ein wenig Ausdauer hat, da die Nachtigall nicht immer sofort auf das Stimmen eingeht. In buschbewachsenen Gegenden, die reich an Nachtigallen sind, kann man übrigens auch mehrere dieser kleinen Sangesfünstler zu gleicher Zeit herauf und herunterstim men, wie in solchen Gegenden auch leicht zu beobachten ist, daß sich eine Nachtigall von der anderen in der Tonart gern beeinflussen läßt. * Das Chamäleon der gemäßigten Zone ist unser einheimischer Laubfrosch, da er seine Farbe vom hellen Grün bis zum dunklen Braun berändern kann. Er paßt sich nicht nur dem wechselnden Grün der verschiedenen Pflanzenarten an, auf deren Blätter er sich niederläßt, sondern ist auch schon vorübergehend gefleckt gefunden worden. Auch Gemütserregungen tragen biel zur Farbenänderung bei und deshalb ist die alte volkstümliche Behauptung richtig, daß der Laubfrosch sein schönes grünes Kleid verliere, wenn man ihn in die Hand nimmt. Auch die Molche( Tritonen) wechseln die Farbe je nach ihrem körperlichen und geistigen Wohlbefinden. Eine Wunderpflanze ist die in Kalifornien wachsende Selaginella rediviva. Sie gehört zu der Familie der Bärlappe und kommt auf schattigen Plätzen im Gebirge vor. Fast das ganze Jahr über bleibt die Pflanze braun und trocken, öffnet sich und grünt aber nach heftigem Platzregen, um sich drei, vier Stunden nach eingetretener Sonnenhise wieder zu schließen. So kann man die Pflanze, weil sie lange ohne Wasser zu bleiben vermag, leicht nach Europa versenden, wo wir das seltsame Wunder nachzuahmen imstande sind, indem wir die ausgetrocknete Selaginelle in ein Aquarium oder eine Schüssel Wasser setzen. Man soll sie aber nicht länger als etwa 36 Stunden auf einmal im Wasser lassen, da längeres Darinliegen das Grünen derselben verhindert. Wenn Trockenheit und ins Wasser legen so viel als möglich der Natur nachgeahmt wird, kann diese Bilanze lange Jahre bei uns gehalten werden, ohne ihre Lebenskraft zu verlieren. Wie man ein zuverlässiger Wetterprophet werden kann. Ist der Himmel schleierig bedeckt und zeigen sich auf diesem Hintergrunde fleine, spindelförmige, dunkle Strichwolken wie kleine Rauchpartien, so neigt das Wetter zu Regen. Intensives dunkelrotes Abendrot deutet auf unruhiges Wetter mit Regen, ebenso eine fahlgelse Farba des Himmels bei Untergang der Sonne auf Niederschläge. Starkes, dunkelrotes Morgenrot, besonders wenn dasselbe nicht tief am Huri, zont, sondern höher hinauf am Himmel zuerst sichtbar wird, läßt Regen erwarten. Morgengrau deutet auf einen heiteren Tag, ebenso fallende Morgennebel. Steigt dagegen der Nebel in die Höhe, so daß er die Spitzen der Türme oder der Berge bedeckt, so bleibt das Wetter trüb. Heiterer Himmel mit graubläulichen Dunst am Horizont läßt Fortdauer des schönen Wetters erwarten. Erscheinen dagegen bei heiterem Himmel entfernte Berge sehr nahe und klar, so kann man sich auf einen baldigen Umschlag des Wetters gefaßt machen. Nr. 139 Mittwoch, den 22. Juni. 1904. Oberhessische Familienzeitung. Tägliche Unterhaltungs- Beilage der Gießener Neueste Nachrichten. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein. ( 6. Fortseßung.) Die Ndjaren. Originalroman von Arthur Gundaccarv. Suttner. Dieser Ausruf versezte Djambek in eine ganz eigentüm liche Gemütsverfassung. Was hatte sie damit sagen wollen? Als vertraute Freundin Thamars mußte sie ihre Gründe gehabt und gewußt haben, warum sie ihn des Undanks beschulbigte... Undank! Er konnte nur eine Deutung finden, und diese machte ihm das Herz mit fieberhafter Heftigkeit pochen. Er hielt es hier in diesem Gewühl nicht aus, er brauchte die frische, kühle Luft, die vom Meere heraufströmte. Zuerst warf er noch einen raschen Blick nach der Stelle, wo Thamar gestanden; er konnte sie nicht mehr entdecken, vermutlich hatte sie sich zu den Gästen gesellt, die im Nebenzimmer Erfrischungen einnahmen. Ein fahles Mondlicht lagerte über der Gegend; Grasplätze und Buſchwerk schimmerten in hellem Graugrün, während die ferner liegenden, bewaldeten Hügelfetten teils in den trüben Dämpfen aufgingen, die von der sumpfigen Ebene emporschwebten, teils gegen den dunklen Horizont zurückzuzu zerfließen. Die dem Lande eigentümlichen milden Wohlweichen schienen, um allmählich in der schwarzen Unendlichkeit gerüche erfüllten die Luft und wurden mit jedem Atemzuge erneuert, der über das blühende Strauchwerk strich. Kein anderes Geräusch in dieser feierlichen Nachtſtille als der Ufer. Die intensive Helle, mit welcher der volle Mond die gleichmäßige Anschlag der Meereswellen an das sandige Gegend überschwemmte, ließ die Lichter im Hafen nur trübe und matt flackern gleich Kohlenstückchen, die im Verglimmen find. Djambek schritt einen schmalen Pfad entlang, der zwischen Buchsstauden zu einer Aussichtsstelle führte, deren Mittelpunkt mit einer Magnoliengruppe bepflanzt war. Als er aus dem Dickicht heraus auf den Grasplatz trat, blieb er überrascht stehen: eine weiße Gestalt saß dort auf der Bank unter den duftenden Bäumen. Seine erste Bewegung war die gemesen, sachte zurückzutreten, um die Ruhende nicht zu stören, aber es zog ihn so heftig nach der Stelle, daß er diesem Drange nicht zu widerstehen vermochte. Darias Ausruf war ihm in Erinnerung gekommen jeßt bot ihm vielleicht der Zufall die Gelegenheit, darüber Aufklärung zu erhalten. Schlief sie? Ihr Kopf ruhte in der Hand, und die Lider waren geschlossen. Ein Ast krachte unter seinen Füßen, und das brachte sie zum Erwachen; sie fuhr betroffen empor, ließ sich aber wieder auf die Bank sinken, als sie Djambek erfannte. Verzeihen Sie mir die Störung!" sagte er leise." Sie waren vorhin von Gästen so sehr umdrängt, daß ich verIhnen wechseln fonnte." gebens auf einen Moment lauerte, wo ich ein paar Worte mit Ja, das war ein recht ermüdender Abend," versetzte sie, besonders ermüdend, da ich mich nicht in der Stimmung fühlte, heitere Gespräche zu führen." ... So habe ich richtig erkannt, daß Sie irgend ein Kummer drückt.'" ,, Sie haben es bemerkt? Und ich glaubte, mich doch gut zu ( Nachdrud verboten.); verſtellen! Ohne Zweifel wissen Sie auch den Grund, denn ich sah, wie Sie mein Oheim beiseite zog, um Ihnen eine Mitteilung zu machen." ,, Er sprach mit keinem Worte darüber das heißt, jetzt erinnere ich mich, daß er versicherte, in freudiger Stimmung zu sein, aber" ,, Nun so will ich selbst Ihnen die Freudenbotschaft verkünden: Ich bin Braut." „ Sie sind Braut?" Sie nichte, und ihre Stimme zitterte vor Erregung: Ja, mein Dheim hat die Sache abgemacht gerade so, als hätte es sich darum gehandelt, ein Reitpferd zu gutem Preise loszuschlagen." Und wer ist die Person, an die man Sie delt hat?" ,, Hassan- Beg." - berhan" Dacht' ich's doch!" rief Djambek bitter. Nicht umsonst sagte mir eine innere Stimme: in diesem Mann wirst du eines Tags deinen schlimmsten Feind erkennen!" Ein freudiger Zug, den sie nicht zu verbergen suchte, glitt bei diesen Worten über ihr Gesicht, und der leuchtende Blick, den sie Djambek zuwarf, gab ihm nun die deutliche Erklärung des vorwurfsvollen Ausrufes, den er aus Darias Mund vernommen hatte. Thamar!" kam es bebend zwischen seinen Lippen hervor, und weiter versagte ihm die Stimme aber er sank ihr zu Füßen und ergriff ihre Hände, deren frampfhafter Druck ihm mehr erwiderte, als viele gesprochene Worte- und dann fühlte er, wie ihre Lippen leise seine Schläfe berührten. Beide blieben so eine Zeit lang, ohne eine Silbe zu sprechen, während eine dunkle Gestalt, die drüben aus dem Gebüsch getreten war, neugierig herüberlugte, um dann wieder geräuschlos im Dickicht zu verschwinden. " Ich muß nun gehen," sagte sie, plötzlich zum Bewußtsein kommend. Wenn man uns so hier sähe, das wäre von schweren Folgen für uns beide begleitet. Laß mich, Geliebter- und höre mein Gelöbnis: Dir, nur dir allein soll mein Herz gehören!" Sie sprang hastig auf und drängte ihn sanft zurück. Lebe wohl!" Wie traumverloren starrte Djambek der hellen Gestalt nach, die im nebelhaften Licht des Mondes gleich einem Wesen aus der Feenwelt über die kleine Wiesenfläche entschwebte, um plöglich in nichts aufzugehen. Er wollte ihr flehend zurufen, ihn noch nicht zu verlassen, er wollte ihr sagen, wie selig, wie beglückend dieser Augenblick gewesen, er wollte mit ihr besprechen, was nun zu tun sei, wie man sich verhalten müsse, um das drohende Ereignis abzuwenden, um dem Entschlusse des Oheims entgegenzuarbeiten und noch vielerlei Dinge durchkreuzten sein Gehirn, aber die Zunge klebte ihm am Gaumen, und jetzt, als er endlich ihren Namen zu rufen vermochte, war sie seinen Blicken entschwunden. ท ว inen eßen Stempelfabrik -Kaiser) ben und Portemonnaies empel jed. Art billigst arlottenstr. 16 on 2,25 an, Plan, Master Stampel v. 20 P A Neuzeit. tz. fallen. und ftilgerechten ölzing. ille Paris 1900. ingen oder Um da durch eine hne jegliche Naht, fer Siz. Hölzer Nr. 145.. onnement pre ig8 BBg 製麵 unb bie te Bab Blatt rid Swattebellagen: 30 fir D 1. flüsterte sie hinter den reichEritür Bisher liegen übe noch folgende ausfüh nur auf Privatnachric Der F Wenn auch noch Nachricht vorliegt, Kampfe Liantfchang Situation dafür, daß lommen ist. Tschifu, 22. J Liautfchang angegr einer nach Süden wonach General gonnen haben. D edform bis zur Ruffen hätten dahe durch enorme Arti ans Niutschwang habe von Eingebor abend abend ange mittag fei Liantic Sonntag und Daß General K gung eingeleitet hatt Nur hieß es, sie sei sie in Birklichkeit richtet war. Die Hauptarmee durch Der Kolonne Stadel uns mehrfach beleuc der nehmen, daß di Dorzüglichen Kund Augenblids voll au Zwei rassisch Die Japaner hal Arthur berlassen ha Daß vor einigen To auf Minen gesto en jeien ums Leben gef die Bernichtur burch das russische Ueber und der Dampfer führlicher Bericht de Maru",„ Sado M frog aller Signale gleichzeitig in den entrinnen. Nach d schaft vollkommen Schiffe vernichtet Bejagungen davon Bord und ging mi lich Engländer), di „ Sado Maru" z. iere gerettet werde die Russen hätten baten nicht bekümm ihrer Rettung hatte ein japaniid achtet. Am folger Sangar- Meerenge Zweifel an der No er unter dem Ko beigegeben wurder bfer soll daselbst den. Außer diese übrigen Dauer ih dem Dampfer befo nicht zur Besatzun Fünftes Kapitel Die Sehnsucht trieb Djambek schon nach wenigen Tagen wieder nach Batum. Er war nach dem Feste heimgekehrt, um sich zu sammeln, um ruhig zu überlegen, wie er es erreichen konnte, Cherif- Pascha von seinem Geschäfte abzubringen aber diese ruhigen Gedanken wollten nicht kommen, immer wieder trat ihm ihr Bild vor Augen, immer hörte er die leisen Worte: Dir, nur dir soll mein Herz gehören," und so drängte die beglückende Gegenwart jede Kombination über die Zukunft zurück. Er hatte nur einen Wunsch, ein Verlangen: sie wieder zu sehen, den Klang ihrer Stimme wieder zu vernehmen, und da ihn die Ungeduld verzehrte, so machte er sich mit raschem Entschlusse auf den Weg. Zu seiner unangenehmen Ueberraschung wurde ihm bedeutet, daß der Pascha nicht anwesend sei; er ging daher nach der Stadt zurück und schlenderte am Hafen umher, da er wußte, daß um diese Stunde Artſchil noch im Amte war. Er begegnete mehreren Bekannten und verplauderte mit diesen einige Zeit, dann versuchte er nochmals sein Glück beim Gouberneur, aber vergeblich. Er beschloß nun, sich nach Artſchils Wohnung zu begeben und dortselbst dessen Heimkunft abzuwarten. Endlich kam dieser, und Djambek, der das Bedürfnis fühlte, von der Geliebten zu reden, suchte das Gespräch auf sie zu bringen, allein der andere hatte sie auch nicht seit dem letzten Abend gesehen und wußte ihm mithin nichts mitzuteilen. Er erwähnte hingegen, daß er gestern mit CherifBascha zusammengetroffen, der ganz ungewöhnlich übler Laune gewesen sei und ganz ohne ersichtlichen Grund über die Frauen losgezogen habe, die nach seiner Versicherung nur dazu geschaffen seien, immer und ewig den Frieden in den Häusern zu stören. Diese Mitteilung machte Djambeks Herz rascher klopfen. Er schloß daraus, daß Thamar eine Unterredung mit ihrem Oheim gehabt, worin sie ihren Entschluß fund gegeben, niemals Hassan- Begs Gattin zu werden, und damit war schon ein großer Schritt getan. Man konnte hoffen, daß der Pascha mit der Zeit seine Idee fallen lassen würde, und dann konnte vielleicht Djambek eines Tags sein Glück versuchen.- Was gäbe es eigentlich gegen ihn einzuwenden? Hassan- Beg nahm wohl eine wichtige Stelle ein, und voraussichtlich stand ihm noch eine glänzende Zukunft bevor, allein Djambek selbst war dem Nebenbuhler um nichts zurück. War nicht sein Geschlecht eines der vornehmsten im Lande? Besaß er nicht ausgedehnte Liegenschaften, die ihm die Möglichkeit boten, eine hervorragende Rolle zu spielen? Warum also hätte ihn Cherif- Pascha nicht willkommen heißen sollen? Die Antwort auf diese Frage mußte er sich freilich schuldig bleiben, auch hätte er sie wahrscheinlich weniger zuversichtlich gestellt, wenn er eine Ahnung von den Gründen gehabt hätte, die Cherif- Pascha bewogen, die Bewerbung des andern mit aller Macht zu unterstüben. Mit den Oberen war nicht zu spaßen, wenn ihnen in Stambul die böse Geschichte von den Unterschleifen zu Ohren kam das wußte der Statthalter; und da Hassan- Beg die einzige Person war, welche auf unerklärliche Weise davon Kenntnis erhalten hatte, so war der geeignetste Weg, das Geheimnis zu hüten, der, daß er in Cherif- Paschas Verwandtschaft trat und dann gemeinschaftliche Sache mit ihm machte. Djambek war zu ungeduldig auf Nachrichten, um sich mit dem zu begnügen, was ihm Artſchil erzählt hatte; da heute Empfangsabend im Hause des Gouverneurs war, beschloß er, hinzugehen; vielleicht fand sich wieder ein günstiger Augenblick zu einer Unterredung mit jener, von der er Lag und Nacht träumte. Seine Aufnahme von seiten des Gouverneurs war eine auffallend fühle ein kaum merkliches Kopfniden war diesmal alles, was der Pascha für ihn hatte; kein Wort der Begrüßung, fein Scherz, fein erfreutes Grinsen wie sonst- Djambek fühlte sogleich, daß die Dinge anders standen, als er sie sich vorgestellt hatte. Von Thamar war nichts zu sehen, und Daria schien ihm ängstlich auszuweichen, wenn er sich ihr zu nähern suchte. Schon wollte er unwillig das plötzlich so ungaftlich gewordene Haus verlassen, als er leise seinen Namen rufen hörte. Er blickte nach der Richtung, woher der Ruf gekommen, und näherte sich vorsichtig jenem Teile der Veranda, der dicht mit Orangen- und Zitronenbäumen verstellt war. Jetzt erkannte er die Stimme Darias: ,, Bleiben Sie, wo Sie sind man darf Sie unter keiner Bedingung mit mir sehen," belaubten Zweigen. st Thamar frank?" fragte er leise. ,, Nein, aber sie darf ihre Gemächer nicht verlassen. Man hat euch neulich belauscht, daher die eisige Kälte von heute. Cherif- Bascha ist außer sich nehmen Sie sich in acht. Wenn Sie wissen wollen, wer den Verräter gespielt, so können Sie ihn im Hause sehen: er sitzt mit Hassan- Beg beim Brettspiel... Genug für heute, man könnte uns auch belauschen." „ Eines noch," bat Djambek,„ wie kann ich in Zukunft Nachricht erhalten? Nach dem, was Sie mir gesagt, wird mir das Haus verschlossen bleiben." " Ich kenne niemand, den man ins Vertrauen ziehen tönnte; vorläufig heißt es, sich also in Geduld fassen." ,, Aber doch hie und da ein Wort- nur die einfache Nachricht: sie ist wohl." „ Das wird nicht angehen. Alles, was ich Ihnen versprechen kann, ist, Sie es wissen zu lassen, falls Gefahr im Verzug wäre. Aber wie und durch wen, das ist mir selbst noch Vielleicht durch meinen Verwandten?" unterbrach Djambek hastig.„ Nein, nicht durch ihn, er wagt es gewiß nicht, mit einzugreifen." Er stockte einen Augenblick, um in Gedanken seine Bekannten aufzuzählen; Murza- Chan etwa? Auch der nicht; nach seiner ablehnenden Haltung von unlängst war auch in dieser Angelegenheit keine Hilfe von ihm zu erwarten. Nun?" fragte Daria ungeduldig.„ Schnell, ich höre Stimmen." Da kam ihm in der Bedrängnis eine Idee: In der Moschee unten beim Hafen der Muezzin Achmed- er ist mir ergeben." " Gut, gehen Sie nun!" Er schlich von der Veranda ins Haus und suchte mit den Augen jenen, den ihm Daria als Verräter bezeichnet hatte; unweit von der Stelle, wo er stand, tönte das Geflapper der Würfel an seine Ohren, und mit einem raschen Blicke hatte er den erkannt, der dort mit Hassan- Beg spielte und dabei lachend eine Geschichte erzählte: Totia... Elender Wicht!" murmelte Djambek, die Faust ballend, dann verließ er das Haus, ohne sich von jemand zu verabschieden. Sein Weg ging gerade zu Achmed. Neben dem schlanken Minaret stand das bescheidene Häuschen, welches dem Gebetsänger zur Wohnung angewiesen war. Djambek drückte an die Klinke, die Tür wich in ihren Angeln zurück. Wie? Du?" rief Achmed überrascht. Bringst du mir vielleicht gute Nachrichten?" ,, Von deiner Schwester, glaubst du? Nein, weder von ihr noch von mir; auch ich habe die Gnade Cherif- Paschas eingebüßt. Wohl versprach er mir, wegen deiner Schwester Freilassung Befehl zu geben, aber bis heute hat er sein Versprechen nicht gehalten, und von jetzt an bin ich überzeugt, daß meine Fürsprache eher Schaden als Nugen bringen wird. In einer Woche ist sie ohnedies frei, und du weißt, daß ihr Gatte einstweilen gut aufgehoben und gepflegt ist. Ihr soll es dann auch an nichts fehlen." „ Ich danke dir! Du hast schon mehr getan, als ein barmherziger Mensch zu tun verpflichtet ist; wir stehen tief in deiner Schuld." „ Es ist nicht der Rede wert übrigens, wenn du dich verpflichtet fühlst, so bietet sich vielleicht demnächst eine Gelegenheit, mir einen Dienst zu erweisen; ich glaube, derlei Schulden lasten ehrlichen Leuten immer drückend auf dem Herzen, es ist dir also möglicherweise willkommen, dieselbe abzutragen." ,, Gewiß, man könnte mir keine größere Freude machen." „ So höre denn: man wird dir nächstens entweder schriftlich" oder mündlich von einer Person Nachricht geben, die mir mehr wert, als alles andere auf der Welt, ist. Diese Nachricht, bitte ich dich, mir mit einem Eilboten zukommen zu lassen." „ Das ist alles?" „ Alles! Glaube nicht, daß es ein kleines Stück Arbeit sei; die Sache mag mit Gefahr verbunden sein, es heißt daher, mit Vorsicht zu Werke gehen. Und vergiß nicht: von der augenblicklichen Beförderung hängt vielleicht mein Lebensglück ab. Nimm dich jedoch in acht: mächtige Personen stecken im Hinterhalt." ( Fortsetzung folgt.)] Gleich und gleich gefellt sich gern, Wer du bist, zeigt dein Begleiter, Aus dem Knecht kennt man den Herrn. Aus der Fahne ihre Streiter. Was du billigst, noch so fern, Ist nach Tagen oder Wochen Dein, als ob du's selbst gesprochen. Bwei Rendez- vous. Novelette von Hansi Imeran. ( Nachdruck verboken.)) Ihr erstes Rendez- vous! Sie war noch ganz jung, als sie dazu ging, so jung, daß sie zuerst den kleinen„ Plök" um Rat fragte, um zu erfahren, was eigentlich Rendezvous heißt. Aber sie fand nur das Wort rendre, und die Frageform rendez- vous", gebt ihr wieder? Das stimmte nicht; so war's sicher nicht gemeint, und hätte der Plötz damals die rechte Antwort gegeben, es wäre anders verlaufen, ihr erstes Rendez- vous. - Alle Nachmittage saß die blonde Hanna mit ihren Freundinnen auf dem Nikolaikirchplatz in Berlin und strickte. Es war noch um die Zeit, da die Kirche die beiden schönen Türme nicht besaß und der kleine Fleck um dieselbe ein Stück Poesie und Romantik im Herzen Berlins bildete. Die Häuser in der unmittelbaren Nähe waren schlicht und einfach; höchstens zweistöckig und die Bewohner derselben saßen an den lauen Frühlings- und Sommerabenden gern auf den Bänken vor ihren Türen und verzehrten, fröhlich plaudernd, ihr bescheidenes Abendbrot. Jetzt heißt das kleine Viertel mit seinen Nebengassen auch noch das„ Dörfchen", aber die Akazienbäume stehen nur noch vereinzelt; die dichten Fliederbüsche sind in die schönen Schmuckanlagen, die das Gotteshaus zu beiden Seiten um geben, eingefügt, und nur hier und dort mahnt ein oder das andere niedere Haus, wie das naturhistorische Museum des längst verstorbenen R..., neben dem Wohnhause Lessings, an das alte Berlin. Jeden Nachmittag bei schönem Wetter versammelte sich auf dem Platz die Kinderschar der Gegend, um zu spielen. Auch die kleine Hanna war dabei, oder vielmehr die große, denn sie war mit zwölf Jahren schon recht entwickelt, und wenn nicht die blonden Hängezöpfchen und das kurze Kleid ihr Alter verraten, man hätte das Persönchen mit den braunen, neugierig in die Welt blickenden Augen für sechzehn Jahre halten können. Und sie spielte noch so gern, die„ Hanna Fischer", über haupt, wenn„ Jungens" dabei waren. Aber es ging nicht so, wie Hanna gern wollte. Sie hatte Eltern, und zwar war der eine Teil die gestrenge, pantoffelführende„ Mama", vor der selbst der lange Papa Angst hatte. Besagte Mutter erlaubte das Herumtummeln erst dann, wenn die„ Dicke" ihr bestimmtes Stück gestrickt hatte; denn Mama war eine fromme Frau, und die Strümpfe waren für die Heidenkinder in Afrika bestimmt. Aso Hanna strickte für die Mission, obgleich sie oftmals dachte und auch ihren Freundinnen klar machte, daß, da es in Afrika doch so heiß sei, die schwarzen Buben und Mädchen doch ganz gut barfuß laufen könnten. Aber das half ihr alles nichts; Mama blieb unerbittlich, und fehlte auch nur eine Tour an der bestimmten Zahl, so mußte die Hanna ,, drin" bleiben. Sie war schlau und fand einen Ausweg, kannte sie doch so schöne Märchen, und die erzählte sie ihren Gespielinnen, wenn ihr jede zum Dank dafür- dann ein paarmal Hesunstrickte. Und das taten sie alle gern. ,, Sie weiß ja so fein zu erzählen, daß man ihr den genzen Tag zuhören möchte." Kam die Mutter wohl dann aus dem nahegelegenen Geschaft, um nach dem„ Wildfang" zu sehen, so nahm derselbe rasch das Strickzeug in die Hand, und die Gestrenge fand cle in bester Ordnung. Sdleg vier Uhr war an den meisten Nachmittagen im Genues Kloster" der Unterricht zu Ende. Der Trupp der Schindlerianer", Zöglinge des Schindlerschen Waisenhauses in der Friedrichsgracht, nahm seinen Weg regelmäßig über den Nikolaikirchhof. Hier sah sie ihn und er sie. Alle Mädchen fanden ihn einfach„ schneidig", den langaufgeschossenen, blonden, blauäugigen Jüngling mit der grünen Joppe und der Müße, die keck auf der linken Hauptseite faẞ. Der Tertianer hatte nur Augen für Hanna; schwenkte nur für sie die Müße zum Gruß und pfiff nur für sie: ,, Ach wie ist's möglich denn, Daß ich dich lassen kann," u. s. w. An einem schönen Maitage, als alle Anospen sprangen, da war auch in ihrem Herzen die Liebe aufgegangen, und übermütig warf ste dem Klosterschüler ihr Knäuel grauer Wolle vor die Füße. Er hob es regelmäßig auf, gab es ihr zurück und schob ihr einen Bettel in die Hand, grüßte und ging. Allgemeines Erstaunen der kleinen Schar; was mochte das wohl sein? Ein einfacher Zettel war's mit folgenden Worten: „ Mein liebes Fräulein! Könnte ich nicht einmal Gelegenheit haben, mit Ihnen zu plaudern? Gewähren Sie mir doch, bitte, ein Rendez- vous morgen nachmittag um 6 Uhr an der PetriKirche. Ihr ganz ergebener Lothar Schäffer.“ „ Nein, Kinder! Was sagt ihr nun dazu! Was mag „ Vothar"( übrigens ein famoser Name) denn von mir wollen? Was meint er denn mit dem„ Rendez- vous?" Du, darüber ist gar nichts zu lachen," meinte die eine, „ meine Schwester bekam einmal einen Brief von dem hübschen Proviſor der Simon- Apotheke, da stand auch etwas von Rendez- vous drinnen, und Mama fing den Brief ab; da gab's aber eine Ohrfeige. Also nimm dich in acht." Ja, was soll ich denn aber machen?" klagte Hanna, der bei der Aussicht auf Ohrfeigen( sie wußte, ihre Mama hatte eine große Fertigkeit darin, mehrere hintereinander zu geben) ganz weinerlich wurde, wer hilft mir denn? Emma, hol' doch einmal den" Plöß“ heraus, wir wollen ſehen, was Rendez- vous eigentlich auf Deutsch bedeutet." Doch das Buch gab die gewünschte Auskunft nicht. „ Hanna, Hanna, geh' nicht hin; wer weiß, was dir alles passieren kann," meinte die furchtsame Mieze. " Was soll er aber denn vor mir denken; er bittet mich doch darum!" Ich hab' einen Ausweg," rief Emma, die Aelteste von allen;„ du gehst hin, und damit dir nichts passiert, gehen wir alle mit." " Ja, ja, so wird's gemacht!" rief der Chor, und Hanna, der die Sache eigentlich noch gar nicht einzuleuchten schien, mußte sich fügen. Am andern Nachmittag, um dreiviertel sechs, zogen nun alle, neun an der Zahl, an den bestimmten Ort. Frau Fischer war nach dem Missionshause gegangen, und so konnte Hanna unauffällig verschwinden. Punkt sechs Uhr kam der blonde Jüngling quer über den Weg. Er sah die Kavalkade, machte komische Geberden, winkte der Hanna zu, und als diese auf alle diese Zeichen nicht reagierte, zog er die Brauen finſter zusammen, ſteckte die Hände in die Hosentaschen und machte Kehrt. Nun hielt es Hanna nicht länger. Emma kniff sie zwar in den Arm- aber sie riß sich los und lief ihm nach. In der mitte des Dammes stieß sie auf nicht auf ihn- sondern auf die Mama, die den davoneilenden Jüngling bemerkte, sofort auch einiges Verständnis für die Sache zu haben schien und ihrem geliebten Sprößling nicht eine, wohl aber einen ganzen Hagel schallender Ohrfeigen verabreichte. Der Jüngling ging von dem Tage an nicht mehr über den Nikolaikirchhof, sondern machte den Umweg über den Molkenmarkt; seine Liebe war solchen Knalleffekten nicht gewachsen. So endete ihr erstes Rendez- vous, und noch manchmal im späteren Leben denkt sie lächelnd daran zurück. ,, Hanna, du brauchst heut mit dem Essen nicht auf mich zu warten; ich habe wieder sehr viel zu tun und lasse mir mein Mittagbrot aus dem Ratskeller' rüberholen; ich arbeite durch," sagte der Magistratsassessor zu seiner ihm beim Die bon Berstärkungen fü und 3000 Mann August 1600 m und Die neuen Versta Artillerie und ei us: Leutne fiegt auch wieder Amtlich wird ge früher im bayeri Reiter Ernst Hei früher Infanteri mund, an Herzt bede aus Berz Sm Juli Setersburg reife