Rr. 143. onnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Bfg., Saus gebracht 60 Pfg., burch die Beft bezogen stertel fährt. 1.50. St@ bellagen: Oberheffthe Samiliengettung( thglich) wad die Steßener Settenblafon( wbchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Dienstag, den 21. Juni 1904. Gießener 13. Jahrgang. Insertionspreis: Die einspaltige Betitzeile für ganz Obe heffen, die Kretse Wetzlar und Marburg 10 Bfg. ionit 15. Reklamen bie Petitzeile 30 refp. 40 Vfg.. Boftzettungslifte No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 88. Fernsprechanschluß Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Rekalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großb. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Der Herero- Aufftand. Noch ernster, als man bisher schon annahm, scheinen die Dinge in Deutsch- Südwestafrika zu stehen. Das erste, was General von Trotha tat, als er sich auf dem Kriegsschauplat einigermaßen orientiert hatte, war, daß er nach Berlin wegen Entsendung neuer Truppenverstärkungen telegraphierte. Zugleich gab der General eine Kritik des bisherigen Vorgehens Leutweins, die die militärischen Maßnahmen des Gouverneurs in keineswegs günstigem Lichte erscheinen läßt. General v. Trotha macht Leutwein den Vorwurf, daß er fich am Waterberg zu weit vorgewagt habe. Die Folge davon fei, daß die rückwärtigen Verbindungen der Expeditions. truppen, deren Etappen fast ohne Schuß seien, von den Herero leicht abgeschnitten werden konnten. Dann hätte sich die deutsche Streitmacht in ernster Gefahr gesehen. Mit Rückficht auf diese Sachlage hat General v. Trotha zunächst sein Augenmerk auf die Sicherung der rückwärtigen Verbindungen gerichtet. Er scheint seinerseits nicht eher etwas unternehmen zu wollen, ehe er nicht größere Truppenmassen in seiner Hand vereinigt. So unerfreulich diese Nachrichten sind, immerhin darf nicht vergessen werden, daß sie zunächst nur auf einer nach Lage der Sache notwendig oberflächlichen Orientierung des Generals beruhen, und daß er selbst bei näherem Einblic in die tatsächliche Lage sich überzeugen dürfte, daß die Dinge nicht so schlimm stehen, wie er sie jetzt noch ansieht. Daß Herr v. Trotha eine solche Revision seines ersten Urteils wahrscheinlich vornehmen wird, darauf scheint eine spätere Nachricht hinzudeuten, die die amtlichen Stellen von ihm erhalten haben. In ihr sie ist vom 18. Juni aus Ofahandja sagt General v. Troha: Die Herero sind, wie ich die Lage auf Grund vieler sich teilweise widersprechender Angaben auffasse, noch am Omuram boflusse im Süden des Waterberges in großen Massen vereinigt. Als das zur Durchführung des Krieges treibende Element gilt der überwiegende Einfluß Assa Riaruas. Dagegen soll Samuel, der in Okahitua sitt, nicht mehr kriegslustig sein, und Michael und Tetjo sollen sich von Samuel getrennt haben. Tatsache ist, daß Banden Michaels nach ihrer Heimatabgezogen sind, während die Nachrichten über Tetjos Verbleiben widersprechend lauten. Banden sitzen im Paresisberge, und vermutet wird, daß sich auch in dem Komasbergen Räuber aufhalten. Die Onjatiberge habe ich aufklären lassen, ohne daß vom Feinde seither etwas entdeckt worden wäre. Ich habe Oberst Leutwein gebeten, nach Okahandja zu kommen, und mit der Führung der Hauptabteilung Major bon Glasenapp beauftragt. Danach scheint ein Teil der Herero, und zwar die Leute Ses Oberkapitans Samuel Maharero, kampfunluſtig gemorden zu sein. Jedenfalls herrscht Uneinigkeit über die Fortfegung des bewaffneten Widerstandes unter den Herero. Und das allein muß die von Trotha in seiner Kritik der Maßnahmen Leutweins befürchtete Gefahr, die Herero könnten den deutschen Truppen die Verbindung mit den Proviantetappen abschneiden, außerordentlich verringern. Bugleich mit der Kritik des militärischen Vorgehens Leutmeins werden neue Anklagen gegen ihn wegen seiner Vertrauensselig feit gegenüber den Herero vor Aus bruch des Aufstandes laut. Der Gouverneur hatte bekannt. lich, als der Aufstand ausbrach, versichert, niemand habe die Erhebung der Kaffern ahnen können. Demgegenüber wird, wie schon früher, so auch jekt nachdrücklich darauf hingewiesen, daß dem Gouverneur bereits im vorigen Spätherbst durch einen Händler Mitteilungen über die Aufstandsabsichten der Schwarzen gemacht worden sind, sogar mit dem durch die Tatsache später bestätigten Hinzufügen, der Plan sei so gefaßt, daß die Bondelzwarts anfangen und die Herero dann, wenn die Schußtruppe nach Süden abgerückt sei, ganze Arbeit" machen sollten. Es erscheint in der Tat nahezu unbegreiflich, wie das Goubernement diese ihm von vielen Seiten und gerade von Bersonen, die die Eingeborenen genau fannten, zu teil gewor denen Warnungen einfach in den Wind schlagen konnte. Indessen, Geschehenes ist nicht mehr zu ändern, und wenn auf diese Fehler des Gouverneurs öffentlich hingewiesen wird, so geschieht das nicht, um unfruchtbare Anklagen zu erheben, sondern, um durch die Feststellung einmal begangener Fehler die Wiederholung ähnlicher Mißgriffe für die Zukunft zu berhindern. Leutwein hat jedenfalls nach bestem Wissen und Bewissen gehandelt, und wenn er Fehler begangen hat, sa wiegen seine unbestreitbaren Verdienste um die Rolonie diese Behler durchaus wieder auf. Der Krieg in Oftafien. Bwei Fragen sind es, die noch immer die Berichterstat hung vom Kriegsschauplab in erster Reihe beherrschen: Das Schicksal des Wladiwostofgeschwaders und das der Kolonne Stackelberg. Das Wladiwostokgeschwader st entgegen den anfänglichen Nachrichten, nach denen Admi ral Kamimura bei der Tschuschimainsel zwei russische Kreuzer genommen haben sollte, den japanischen Nachstellungen bisher entschlüpft. Aus Tokio wird dazu vom 20. d. Mits. gemeldet: Admiral Kamimura ist gestern nach seinem Operationsstützpunkt zurückgekehrt, ohne die russischen Schiffe gesehen zu haben. Bisher hatte man in Tokio immer noch gehofft, daß Samimura die Russen schließlich doch noch stellen würde. Wenigstens berichtet ein Telegramm, das ebenfalls vom 20. d. Mts. batiert ist: Das Wladiwostok- Geschwader verschwand gestern in der Höhe von Henashisaki und fuhr nordwärts. Niemand weiß, ob ein Teil der Flotte des Admirals Kamimura auf der Höhe von Wladivostok auf der Lauer liegt, Kamimura hatte hinlänglich Zeit, nach Wladiwostok zu gelangen, ehe es zu einem Gefecht mit den Russen kam, obwohl der Nebel das Vorrücken der Japaner verzögerte. An dem Tage, an welchem die Transportschiffe„ Sado Maru" und ,, Hitachi Maru" angegriffen wurden, befanden sich 13 japanische Truppen- Transportschiffe in der Straße von Korea. Die Tatsache, daß es dem russischen Geschwader gelang, zu entkommen, hat zu heftigen Preßangriffen auf den Admiral Kamimura Beranlassung gegeben. Man meint sogar, daß der Admiral, menn es den Nussen gelingen sollte, wieder nach Wladiwostok zu gelangen, zurücktreten oder Selbstmord begehen müsse. In der Bevölkerung macht sich eine immer lebhaftere Bewegung für die Ersetzung des Admirals durch eine andere Per fönlichkeit geltend. Die Lage der Kolonne Stackelberg wird in Petersburg jest weniger pessimistisch aufgefaßt. Stackelberg, der mit seinen 35 000 Mann sich 60 000 a panern entgegenstellte, hätte nur den Auftrag gehabt, den Japanern so lange als möglich unter Beibringung möglichst großer Verluste Widerstand zu leisten, was ihm vollkommen gelungen sei. Er hätte 1200, die Japner dagegen über 3000 Mann verloren. Sein Armeekorps nehme eine feste Stellung bei Kaiping ein, woselbst er weiteren Widerstand zu leisten gedenke. Diesen Angaben über die japanischen Verluste stehen solche des Generals Dfu in einem Spezialbericht über die Schlacht bei Wafangou gegenüber: General Oku begann seinen Vormarsch am 13. Juni in 3 Rolonnen mit Kavallerie. Der Kampf begann am 14. Juni 3 Uhr nachmittags mit einem Artilleriegefecht. Die Russen hatten 98 Geschütze und erwiderten bis zum Abend das japanische Feuer in lebhafter Weise. Während der Nacht bemächtigten sich die Japaner eines Hügels zwischen Tschongtschiatun und Wengschiatun und eines Hügels westlich von Tayungkau. Ein Teil der mittleren Kolonne der Japaner rückte längs des Futschauflusses vor und litt start unter dem russischen Feuer. Eine Abteilung Infanterie und Artillerie wurde schleunigst zu Hilfe gesandt, worauf die vereinigte Streitmacht die Russen aus Tafanschen vertrieb und trotz des anhaltenden Geschügfeuers der Russen sich auch der dortigen Höhen bemächtigte und dadurch den Sieg entschied. Inzwischen war der rechte japanische Flügel stark bedrängt. General Ofu mußte zweimal die Infanterie- Reserven ein greifen lassen. Die Russen machten wiederholt verzweifelte Gegenangriffe, aber in einem sehr kritischen Moment umging die japanische Kavallerie die russische Stellung und griff diefelbe in der linken Flanke an. Die Russen zogen Verstärkun gen heran und leisteten hartnädigen Widerstand, bis sie von beiden Seiten eingeschlossen waren. Als sie den Rückzug an traten, versuchte die japanische Kavallerie sie zu verfolgen, mußte aber der Schwierigkeit des Terrains wegen davon abStehen. Dem linken Flügel der Japaner gelang es, 900 Wann russischer Infanterie, welche nach Wutschhiatu zurückgingen, abzufangen. Die Verluste der paner betragen 300 Mann, darunter S Offiziere tot, 14 verwundet. Die Politik. Mit der so dringend wichtigen Reform des Strafprozesses hat es noch heute gute Weile. Die Justizkommission zur Vorprüfung dieser Reform wird Anfang Juli von neuem im Reichsjustizamt zusammentreten, um die erste Lesung des ihr gegebenen Pensums zit erledigen. Auf den Abschluß der zweiten Lesung darf erst etwa im März nächsten Jahres gerechnet werden. Die Kommission hat sich übrigens, was die Schwurgerichte angeht, zugunsten einer Kombinierung des schwur. und schöffengerichtlichen Verfahrens ausgesprochen. R Der Reichskanzler Graf Bü lo to hat sich dieser Tage einer Abordnung der Posener Akademie gegenüber, die ihm das Diplom der Ehrenmitgliedschaft der Akademie überreichte. von neuem über die Ostmarkenpolitik der Regierung 132 musgesprochen. It. a. sagte der Kanzler: Er sei ,. denn je der Meinung, daß die Ostmarkenfrage die wichtigste Frage unserer inneren Politit sei. Er lege bei seinen Maßnahmen für die Hebung des Deutschtums im Osten auf die geistige Seite ein großes Gewicht. Wo der Deutsche prosperieren solle, müsse ihm ein geistiges Leben blühen. Wo ihm Kunst und Wissenschaft fehlten, verfümmere der Deutsche, wie einer unserer großen Philosophen gesagt hat. Das Heil komme den Deutschen von den Ideen und durch die Ideen. Die Freiheit der Wissenschaft sei für den Deutschen die Luft, deren er für sein geistiges Leben bedürfe. Im weiteren Verlauf seiner Rede erklärte Graf Bülow:„ Wir würden mit unserer Ostmarkenpolitik schon weiter sein, wenn die Deutschen im Osten gegenüber dem Begner kleine Parteiunterschiede und kleinliche Standes- und Klassenvorurteile in den Hintergrund treten ließen." Nach einer neueren Entscheidung des Kammergerichts darf der für die schulpflichtigen Kinder preußischer Staatsangehörigen obligatorische Schulunterricht diesen nur an einer inländischen, preußischen Schule zu teil werden und der Unterricht an einer ausländischen Schule darf nur dann diesen Unterricht ersehen, wenn die Schulaufsichtsbehörde zu dem Besuch der ausländischen Schule ihre Genehmigung erteilt hat. Nach dieser Entscheidung dürfte also ein Preuße seine Kinder nicht in eine bayerische oder sächsische oder sonst in eine von einem anderen Bundesstaate unterhaltene Schule schicken, wenn die Schulaufsichtsbehörde dagegen Einwände erhebt! Italien. Der famose Erunterichtsminister Nast hat wieder ein Lebenszeichen gegeben. Der„ Popolo Romano" vcröffentlicht ein Schreiben Nasis, das von grimmigen Ausfällen gegen seine Feinde nur so wimmelt. Nasi erklärt sich für das Opfer der Bosheit und falscher Zeugnisse und versichert, daß er seine Ehre bis zum äußersten verteidigen und seine Feinde vernichten werde. Gut gebrüllt, Löwe! Daß solche Schurken sich doch immer für ein gehetztes Edelwild" ausgeben!. Balkan- Staaten. A Geradezu grotesk wirkt der Eifer, mit dem die serbische Presse die Begegnung König Peters mit dem Bulgarenfürsten zu einer Haupt- und Staatsaktion aufzubauschen sich müht. Die Belgrader Blätter fabeln davon, daß es zu einem Einverständnis zwischen den beiden Herrschern, wenn nicht schon zu einer Allianz gekommen sei. Selbstverständlich heißt das weit vorbeigeschossen. Zwischen Serbien und Bulgarien steht seit jeher die mazedonische Frage, und in dieser ist es ganz gewiß zu einer Verständigung noch nicht gekommen. So lange das aber nicht geschieht, ist eine Allianz unmöglich. Uebrigens hat der Umstand, daß Fürst Ferdinand auch diesmal seinen Zug nicht in den Belgrader Bahnhof einfahren, sondern einige hundert Meter vor der Bahnhofseinfahrt halten ließ, was er bisher stets bei der Durchreise durch Belgrad tat, in Belgrad sehr unangenehm berührt. Man erwartete, daß er diesmal mit Rücksicht auf die Zusammenkunft mit König Peter eine Ausnahme machen werde. Fürst Ferdinand selbst erklärte, daß dieses Verfahren auf einem ihm selbst unerklärlichen Vorurteil berube, Hof und Gefellschaft. Das Kaiser paar begab sich von Homburg aus nach Hamburg, wo es am Sonntag eintraf. 3um Empfange waren erschienen die von Ploen eingetroffenen Prinzen Au Just Wilhelm, Oskar und Joachim, ferner die Bürgermeister Dr. Mönckeberg und Dr. Hachmann sowie der Gesandte von Tschirschky und Bögendorff. Bom Bahnhof begaben sich die Majestäten zur Jacht„ Hohenzollern", vom Publikum stürmisch begrüßt. Der Kronprinz fam gegen Mittag auf dem Dammtorbahnhof an und begab sich ebenfalls nach der „ Hohenzollern". Nach einem Gottesdienst an Bord und einem Diner im Hause des preußischen Gesandten fuhren Kaiser und Kaiserin zu den Rennen am Horner Moor, wo die Prinzen und das Gefolge sie erwarteten. Von Hamburg aus begab sich der Kaiser an Bord der Hohenzollern" nach Kurhaben bezw. Helgoland, während die Kaiserin mit den jün geren Prinzen nach Ploen reiste. Der Kronprinz ging wieder nach Kiel, wo er sich an den Segelwettfahrten beteiligt. Preussischer Landtag. Haus der Abgeordneten. ( 86. Sigung.) RK Berlin, 20. Juni. In zweiter Lesung räumte das Haus heute munter mit den märkischen und sächsischen Meliorationsvorlagen auf, um dann bei der dritten Beratung des Lotteriegesebes sich in eine ziemlich lange Debatte zu stürzen. Einige Redner äußerten nochmals schwere Bedenken gegen das Gesetz. Aber das Haus war in seiner Mehrheit anderer Meinung und verabschiedete die Vorlage. Längere und stellenweise erregte Erörterungen brachte auch die dann folgende zweite Lesung des Gesezes über die Erböbuna des Grundkavitals der Da ich mich nicht im mindeſten zu beflagen habe? gleichen, guter Freund. ruten Tue desan dein Ziel zu gelangen Präfte untermeas gone aus du den Adjari hinauf, so toftet es viel Zeit und Mühe, um Täſſeſt du dich aber von den fchen geht; es ist in der Natur nicht anders eingerichtet: fährst bielleicht gehen dir sogar die und du wirst bald sehen, wie alles genau nach deinen Wünzugänglich fein wie hier der ehrliche und ehrenwerte Osman Ali- Beg dürfte ohne Zweifel ebenso специ Lassen will aber das hängt eben von ihm mir feine Einflußnahme zu. darüber steht selbst a im selben Distrikt miteinander lebt, hältnissen zu bleiben; das hat nur allerlei Chikanen zur freundlicheren Fuß zu stellen; es ist doch mißlich, wenn man Ueberhaupt rate ich dir nochmals, dich mit ihm auf einen gute Worte zu geben, er hätte Gnade für Recht walten lassen. zeugt, wärest du zu Ali- Beg gegangen, um ihm ein paar in so gespannten VerUnd nun heist's, er Aber nur fagt niemand: Und vor der Tür will er nicht sein, Da klinkt er auf, tvitt ein so schnell, Einmal übers and're flopft er an, Das Alter ist ein höflicher Mann, " Herein!" sei ein grober Gesell. denn sehr nahe gegangen," nachgedacht. Was dir fehlt, ist Ruhe. trat jetzt Jedediah selbst auf die Schwelle. stück und ziehe zu irgend jemand im Dorfe in Pension. will dir's abfaufen, biel it's ja nicht wert, aber mas minit diah Townblens Wagen vernehmen, und statt feines Knechtes Was du mir da genn er, und ich habe viel darüber gesagt haft, Samanthy, ist mir Verkaufe GrundIch im nächsten Augenblic ließ sich das Rasseln von Jede Seehandlung. Aber auch hier hatte die Debatte, die namentlich gegen den Schluß, bei einem Rededuell des Konservativen Abg. v. Erffa mit Eugen Richter recht lebhaft wurde, lediglich das Ergebnis, daß das Gesetz nach den Kommissionsbeschlüssen angenommen wurde. Nah und Fern. Typhusepidemie. In dem Ansiedlungsdorf Liebau bet Gresen sind zahlreiche Typhusfälle vorgekommen, die auf den Genuz typhös infizierter Milch zurückzuführen sind. Im Krankenhaus zu Gnesen befinden sich 47 Typhustranke, meist Ansiedler aus Liebau. Die Stadt Gnesen selbst ist von der Frankheit nicht berührt. Der Verkauf von Milch aus Liebau ist verboien. Zum Charlottenburger Leichen fund liegt jetzt das ausführliche Geständnis des Masseurs Köhler vor. Nach seiner Darstellung fam Frau Radatus zu ihm, weil sie sich mit ihren Mann wieder verständigt hatte und deshalb die Folgen des Verkehrs mit dem inzwischen verstorbenen Musiker beseitigen wollte. Er hatte kein rechtes Zutrauen zu ihr und Tehnte die erbetene Hilfe ab. Frau Radatus hatte aber durch ein Dienstmädchen Kenntnis von seinem Treiben und drohte ihm mit einer Anzeige, wenn er ihr nicht auch helfe. Daraufhin ließ er sich zu der verbrecherischen Operation bereit finden. Die Radatus starb ihm unter den Händen. Er zerstückelte die Leiche mit einem Küchenmesser, den Rumpf packte er in einen Sack und legte diesen mit den Gliedmaßen und den Kleidungsstücken in einen Reisekorb. Den Kopf verbrannte er im Ofen. Den schweren Korb schleppte er zur nächsten Stadtbahnstation, von wo er bis zur Station Beußelstraße an der Jungfernhaide fuhr. Dort setzte er den Korb in einer Gastwirtschaft ab und kehrte, um Verdacht zu vermeiden, nach Hause zurück. Abends holte er den Korb wieder ab und schleppte ihn nach einer Müllabladestelle, wo er ihn, nachdem er den Sack mit dem Rumpf herausgenommen hatte, verbrannte. Dann warf er den Sack in den Kanal, wo er am nächsten Morgen gefunden wurde. Nach einigen Tagen wurde ihm der Boden in Berlin unter den Füßen zu heiß und er floh nach Basel unter dem Vorgeben an seine Frau, daß er eine Geschäftsreise machen müsse. Da es ihm nicht gelang, in Basel Stellung zu finden, kehrte er, als sein Geld zu Ende war, wieder nach Berlin zurück, wo er von Kriminalbeamten verhaftet wurde. Der Schlächter seiner Frau. In Italien beschäftigt man sich noch immer mit dem Buchhalter Domenico Oliva, der vergangenes Jahr seine Frau totschlug und in 114 Stücke zerschnitt, aber neulich, wie erinnerlich, von den Mailänder Geschworenen freigesprochen wurde. Die Angelegenheit ist nunmehr auch in der Kammer zur Sprache gebracht worden. Oliva hat in Mailand sofort wieder Stellung gefunden. Höchst erbittert zeigt sich Oliva gegen den Kriminalanthro pologen Lombroso, der ihn als Epileptiker und anormalen Menschen hingestellt und dadurch viel zu seiner Freisprechung beigetragen hatte. Oliva behauptet in einem offenen Briefe an die Zeitungen, daß er durchaus nicht an Epilepsie leide und ein völlig normaler Mensch sei. Er bereut seine Tat aufs tiefste und hat sogar eine lange Ode„ Auf den Tod meiner Frau" gedichtet. Auch die Mordtat selber hat er in Verse gebracht. Das Gedicht trägt den Titel Jener Tag". Der Verfasser schildert seine Tat, als ob sie von einem andern ausgeführt worden sei, der in ihn eingedrungen sei und sich seines Willens bemächtigt habe. Der [ Gegen die Schleppkleider der Lehrerinnen.] Brünner Bezirksschulrat ließ dieser Tage den Schulleitungen ber ihm unterstehenden Mädchenschulen einen Erlaß zukommen, der im Interesse der Gesundheit der Schuljugend auch anderswo Nachahmung verdient. In dem betreffenden Schulerlasse heißt es, daß der Behörde sonst wohl das Recht, in Modesachen den Lehrpersonen Vorschriften zu machen, eigentlich nicht zustehe, aber im Interesse der Schulhygiene Lönne es der Bezirksschadrat nicht statthaft finden, daß die Lehrerinnen in den Schulen Kleider mit Schleppen tragen, da pierdurch die Staubentwickelung, über die in den Schulen obneies so viel Wagen laut werden, nur gefördert wird. O Ueber eine eigenartige Belästigung des Kaiserpaares auf der Rennbahn Hoppegarten wird nachträglich folgendes bekannt. Schon seit mehreren Jahren wurde an dem Tage des sogenannten Kaiserrennens seitens der Gendarmerie ein Fremder beobachtet, der bei der Einfahrt des Kaiserpaares ein Rennprogramm nebst Bleistift in den kaiserlichen Wagen warf. Man legte dem allerdings seltsamen Vorgange seiner Harmlosigkeit wegen wenig Bedeutung bei und ließ es stets bei der Feststellung der Persönlichkeit und einer Verwarnung des Mannes bewenden. Für den jüngsten Kaiserbesuch in Hoppegarten wurden jedoch besondere Maßnahmen gegen eine etwaige Wiederholung dieser Aufdringlichkeit getroffen. Der , Attentäter" wurde nämlich kurz vor der Ankunft des Kaifers und der Kaiserin in sicheren Gewahrsam gebracht und so lange festgehalten, bis die hohen Herrschaften ihre Pläge in der Loge eingenommen hatten. Er fügte sich auch willig in sein Schicksal. Ein schwerer Eisenbahnunfall ereignete sich auf der Strecke Schlottau- Halle. Infolge falscher Weichenstellung entgleiste ein Personenwagen vierter Klasse und fiel um. In dieser umgestürzten Lage wurde der Wagen noch etwa sechzig Meter fortgeschleift, bis der Zug zum Stehen fam. Von den in diesem Wagen befindlichen Personen wurden 15 Personen jedoch anscheinend nur leicht verlegt. Sie wurden nach Halle weiterbefördert, wo zwei in das Elisabethkrankenhaus sich begaben, während die anderen nach Hause gingen. * Leopold Wölfling als Preisschüße. Am Jubiläumsschießen der Schüßengesellschaft der Stadt Zürich nahm der frühere Erzherzog Leopold von Desterreich teil, der sich als Leopold Wölfling in der nahen Stadt Bug eine Villa ge. fauft hat. Man begegnet seinem Namen in der Liste der besten Resultate, indem er beim Mörserschießen einen Preis babongetragen hat. Hus dem Gerichtsfaal. § Ein Opfer desSpiritismus. Vor dem Versailler Gericht Steht ein sonderbarer Fall zur Verhandlung. Frau Chappuis, eine Dame bon 71 Jahren, 30g nach dem Tode ihres Gatten, eines Brüsseler Musikers, Ende 1901 nach Marin bei Paris. Sie war eine fanatische Spiritistin und geriet bald in Verbindung mit einer Frau Martin, die dicht bei der prächtigen Villa ihrer Freundin ein kleines Häuschen gemietet hatte. Seitdem sie auf dem Schauplatz erschienen war, hatte fie einen rätselhaften Einfluß auf die alte Dame. So wollte on Frau Chappuis einmal das Tabier ihres verstorbenen einer ihrer Nichten schenken, doch Frau Martin, die als Medium bei einer deswegen veranstalteten Seance den Geist des verstorbenen Herrn Chappuis verkörperte, erklärte, daß der Musiker auch noch in der anderen Welt seine himmlische Kunst ausübe, und daß des Nachts seine Spektralfinger dem geliebten Instrument noch Harmonien entlockten. Die Witwe horchte des Nachts vergeblich auf die Geistermusik, doch von nun an begehrte der Geist des Herrn Chappuis von seiner Frau Geschenke für das Medium, die auch stets gegeben wurden. Dann erfolgte schließlich so lautet die Daritellung in der gerichtlichen Anklage ein legter Streich von höchster Frechheit: Du mußt dein Haus an Frau Martin al3 Geschenk geben," erklärte Herr Chappuis durch den Mund des Mediums. Dieser Befehl wurde pflichtgemäß sogleich im Beisein eines Notars vollzogen und folgerichtig war das Medium auch zur Universalerbin eingesetzt. Seitdem rief der „ Geist des Herrn Chappuis" bei jeder Sigung lauter seine Frau an, ihm bald nachzufolgen, und das Medium gesteht selbst zu, sie mit den Worten: Komm, komm!" am Arm gezogen zu haben. Die arme alte Dame, die tiefen Herzensfummer empfand, wurde immer kränker und schwächer von den Folgen solch aufregender Szenen und starb schließlich plötzlich eines Morgens im vergangenen Dezember. Das Geheimnisvollste an der Geschichte ist, daß nicht nur Frau Chappuis an einer plöglichen inneren Blutung starb, wie das Medium vorausgesagt, sondern, daß sie augenscheinlich den Tag ihres Todes gewußt haben muß, denn alles war bis auf das Kleinste geordnet. Die Anklage, die gegen das Medium erhoben worden ist, lautet auf Erpressung von Geld durch Vorspiegelung falscher Tatsachen. Lokales. 21. Juni 1904. *** Prinz Heinrich von Preußen fuhr gestern Abend um 8 Uhr 43 Min. nach Kiel, um die Vorbereitungen zur Kieler Woche zu treffen. Die Prinzessin Heinrich bleibt mit ihrem Sohn in Wolfsgarten zur Erholung. + An die Kammer gelangte eine sehr zeitgemäße Anfrage des Abg. Wolf, betreff. die Zigeuner plage. Abg. Wolf verlangt darin: 1. Bessere Absperrung der bayerisch- böhmischen Grenze gegen den Einzug von Zigeunern ins Reichsgebiet, weil die Zigeuner diese Grenze einzeln überschreiten, um sich im Reichsgebiet wieder zusammenzufinden. 2. Verbot des Gewerbebetriebs im Umberziehen für Zigeuner, weil der Gewerbebetrieb dem Gesindel nur die Gelegenheit zum Stehlen und Leutedrangsalieren gibt. 3. Berbot des Waffen- und Munitionsbefizes für Zigeuner. Ebenso Verbot des Waffen- und Munitionsverkaufs oder -Tausches an Zigeuner. 4. Berbringung der schulpflichtigen Kinder von Zigeunern in Reichszwangserziehungsanstalten. 5. Berbot des längeren Haltens auf öffentlichen Straßen und des Kampierens zur Nachtzeit. ** Ertrunken ist gestern Nachmittag in der Lahn das 8jährige Töchterchen eines Landwirts von Gießen. Der Mann war auf seinem Acker in der Nähe der Militärschwimmanstalt beschäftigt und hatte das Kind bei sich; nach einiger Zeit entfernte es sich von seinem Vater, um nach Hause zu gehen. Als der Vater nach Hause fam, war das Kind nicht da, die sofort von dem Vater angestellte Recherchen waren ohne Erfolg bis es heute Morgen als Leiche in der Lahn gefunden wurde. X Bei der gestern Abend auf dem Trieb in Gießen abgehaltenen Kirschenversteigerung wurden sämtliche Loose zusammen an Dachdeckermeister Lapp zum Preise von 557 Mt. verkauft. Ein Loos, welches im vorigen Jahre 22 Mt. tostete, tam auf ca. 170 Mt. * Der Männerturnberein zu Rodheim a. B. wird seine Fahnenweihe, so schreibt die neueste Nummer der„ Turnzeitung für den Gau Hessen", am 26. und 27. Juni feiern und wie man entnehmen fann mit einem recht umfangreichen Programm, wobei der turnerische Teil nicht zu kurz kommt. Als offizieller Vertreter des Gauausschusses wird der 1. Gauturnwart WillWeglar der Feier beiwohnen und soweit wir unterrichtet wurden, steht die Ortsobrigkeit von Rodheim, wie auch die Bürgerschaft dem Feste sympatisch gegenüber, sodaß bei einigermaßen gutem Wetter ein recht befriedigender Verlauf desselben sicher ist. Und warum das alles auch nicht, Turner; der Männer- Turnverein zu Rodhetm besteht nun schon über vier Jahre und hat in dieser Zeit gezeigt, daß er lebensfähig ist. Gegenwärtig zählt der Verein 104 Mitglieder, bei größeren Wetturnen innerhalb des Gaues haben Mitglieder des Vereins immer Preise errungen und was die Hauptsache ist, zu Hause auf dem Turnplage ist ein verhältnismäßig guter Turnbetrieb anzutreffen( es wird durchschnittlich mit 25% geturnt). Die Vereinsleitung hat seit Bestehen wenig Aenderung erfahren( Turngenosse Deufer steht seit Bestehen des Vereins als Vorsitzender an der Spize), also auch nach dieser Richtung hin ist Erfreuliches zu berichten. Darum Turner des zweiten Bezirks, laßt uns am 26. Juni, sofern Euch im Heimatsort feine wichtigeren Begebenheiten zurückhalten, einen Spaziergang, einen Turngang nach unserem im Biebertal so schön gelegenen Rodheim unternehmen, unterstüt den Verein durch recht zahlreiches Erscheinen in seinem Bemühen: ein Fahnenweihfest, ein Turnfest zu feiern wie es einem Turnverein des Gaues Hessen geziemt. + Die Stadt Wormsrüstet sich zur Abhaltung des Deutschen Kongresses für erziehliche Knaben handarbeit, der in den Tagen vom 1.- 3. Juli stattfinden wird. Das Interesse für diese Veranstaltung geht über die pädagogischen Kreise hinaus, wiewohl sie natürlich in allererster Binie berührt werden. Worms als Drt des Kongresses wird vor allem auch die praktischen unterrichtlichen Vorführungen des in der Volksschule eingerichteten Wertunterrichts" das Interesse der Schulmänner in hohem Maße in Anspruch nehmen. Dieser Unterricht soll darlegen, wie der Handfertigteits- Unterricht, wenn er worwiegend unterrichtliche Zwecke verfolgt, mit der Volksschule verbunden " werden fann. Auch weitere Kreise werden zu der Uebe zeugung kommen, daß damit nach vieljähriger Vorarbeit Worms unter Scherer Leitung ein durchaus gangban Weg gefunden ist. Der jetzt abzuhaltende XVI. Kongr Frankfurt a Doll aus Darm Bereinshause bes No bigte, wurde während dürfte nach allen Anzeichen sehr zahlreich besucht werden; ttroffen. Er verlor d wird, wie die vorliegenden Anmeldungen befunden, feie pital gebracht werben Beschickung aus allen Teilen Deutschlands finden. Die dri letzten Kongresse, über welche umfangreiche Berichte vorliege wurden 1896 in Kiel, 1898 in Dresden und 1899 Karlsruhe abgehalten. So liegt zwischen dem legten Ro greß und ist also eine fünfjährige Arbeit des Deutsch Vereins, die nun zum Gesamtausdruck kommen soll. Baldie Anmeldung aller Gäste, die auf ein mehrtägiges Unterkommen rechnen, wird vom dem Kongreß- Ortsausschuß erbeten. Diese, wie Herr Seminardirektor Dr. Pabst in Leipzig, fin bereit, auch jede weitere gewünschte Auskunft zu erteilen. [ Prinz Heinrich, dessen Ankunft zum Gordon. Benett Rennen vollkommen geheim gehalten wurde, hatte in Begleitung des Generalsekretärs des Deut. Weglar. Di fftattgefundene Mitglie felligaft We Rind war fehr gut b eröffnete als Vorfigent Binterfchuldirektor Co Bereinsjahr erflattete. die Einnahmen für B fahre 1899,59 Mr. fobaß ein Bestand vo perwähnen, daß der B wirtschaftlichen Ausf perrungen hat, von 48 schen Automobilklubs, v. Brandenstein, in einem Opel im Gesamtbetrage von Darracq Wagen die Strecke vorher abgefahren. Von Herrn Staatsmebaille, währ Adolf Daimler empfangen, stellte derselbe dem Prinzen die seiner Stimme- Mehrhe Fahrer vor und während der Unterhaltung meinte der gut schnitt die Gemei Prinz: So interessant der Motor auch ist, so fann ich wurden in das Herbb doch nicht einsehen, wohin uns der Bau dieser Rennungeheuer 1121 Rühe, 108 Rin führen soll. Wenn auch der Sieg der Menschheit über Raum der Mitglieder beträg und Zeit etwas Faszinierendes hat, so ist die Ausgestaltung daß die Hoffnung au dente, daß die internationale Rommission der Automobilklubs damit die Vorzüge di sich darüber einigen wird, um neue Bestimmungen zu schaffen. nerfannt würden, allfe Man muß die Kraft des Motors begrenzen und den Ramen sowie den übrigen Teilen ein bestimmtes Gewicht vorschreiben. borgenommene Borfta Bürgermeisterei Bürgermeisterei Bürgermeisterei einem Frankfurter Gasthof hielt am Tage vor dem Rennen ein Automobil Prinz Heinrich und der Schuhmann. Bor Azbach und Vorstehe Die Insassen waren ausge Hochelheim und Vor " stiegen und ins Hotel gegangen. Der Chauffeur stand bei der Maschine und sah dem hübschen Springbrunnen zu. Ein Schutzmann naht. Bem gehört der Raften?" fragt er, aus irgendwelchem pflichteifrigen Motiv. Lautes Schweigen. Die Polizei tränkt sich, wird wild und schreit den Chauffeur an:" Sie! Wem gehört denn der Kasten?" Das Schweigen wird noch verschwiegener, und der Schutzgeist ist im Begriff, andere Maßregeln" zu ergreifen, da erscheint auf der Bildfläche Prinz Heinrich von Breußen mit seiner Gemahlin, und sie besteigen den besagten Rasten. Der Chauffeur grinst, der Schuhmann etbleicht und entfleucht. ====Klein- Linden. Der neue Radfahrerverein, welcher den Namen„ Potentia" führt, zählt bereits 30 Mitglieder. Vor 8 Tagen unternahm er eine Tour nach Bad Nauheim, wovon die Teilnehmer noch recht frisch zurückkehrten. A Lang- Göns, 20. Juni. Von dem gestrigen Gesangs" wettstreit zu Ober- Mörlen tehrten die beiden hiesigen Gefangvereine preisgekrönt zurück." Frohsinn" errang mit 197 Punkten den 2. Preis in der II. Klasse,„ Germania" den 5. Preis in der III. Klasse. Am Gesangswettstreit bea teiligten sich 13 Vereine, den 1. Preis der I. Klasse erhielt Frohsinn"-Assenheim, der auch in Gießen einen Preis erungen hatte. Homberg a. d. Ohm. Unter zahlreichen Glückund Segenswünschen, Beweisen der Dankbarkeit schieden am rerflossenen Sonntage Herr Pfarrer Port und Familie nach einer zwölfjährigen Wirksamkeit hierselbst Homberg, um in den neuen Wirkungsfreis Dieburg in Startenburg überzusiedeln. bon × Strebendorf. Konrad Schmitt III. ist zum Bürgermeister unserer Gemeinde wieder bestätigt worden. *** Ans Oberhessen, 19. Juni. Ein auf dem Hofe des Oberamtmanns Flemming in Büdingen bediensteter Knecht geriet unter die Mähmaschine und wurde fürchterlich zugerichtet. Er liegt hoffnungslos im Mathildenhosspital in Büdingen darnieder. Bad Nauheim, 21. Juni. Bis zum 16. Juni d. J. find 9417 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 5933 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 16. Juni 99 269 abgegeben. × Aus dem östlichen Odenwald, 21. Juni. Aus Anlaß der Zigeunerschlacht" bei Köngernheim in Rheinhessen wurde in verschiedenen Blättern das Bedauern ausgesprochen, daß man de gefährlichen Treiben der Zigeuner machtlos gegenüberstehe. Das dürfte nicht zutreffen. Im östlichen Odenwald ist die Bigeunerplage seit etwa drei Jahren vollständig von der Bildfläche verschwunden. Das energische Einschreiten der Gendarmerie und der Gemeindebehörden verleidet den diebischen Nomaden den Aufenthalt in unserem Gebirge. Auf freisamtliche Anordnung dürfen nämlich Zigeunerbanden, wenn sie sich in die Kreise Dieburg und Erbach wagen, feinen Augenblid ohne Gendarmeriebewachung sein. Ist zur Uebernachtung ein Aufenthalt in ciner Gemarkung nicht zu umgehen, dann wird die Bande unter Zuziehung von Mannschaften aus der nächsten Gemeinde fort während bewacht. Forst, Feld- und Jagdfrevel werden dadurch unmöglich gemacht. Müssen die Zigeuner, besonders die zu Diebereien vorzüglich abgerichteten Damen" die Ortschaften zu angeblichen Einkäufen betreten, so geschieht dies nur in Begleitung von Polizeibeamten. Nach Besorgung der Geschäfte haben sie die Ortschaften sofort zu verlassen. Die Bevölkerung ist dadurch vor Belästigungen durch Bettelei u. dgl. m. geschüßt. In mehreren Fällen erfolgten Ver urteilungen von Bigeunern wegen Obdachlosigkeit und Landstreicherei u. s. w. M + Aus dem Rodgau, 21. Juni. Die ersten Heidelbeeren werden bereits gepflückt und auf den Markt nach Offenbach und Frankfurt verbracht. Die Ernte ift heuer ungemein reich. Dasselbe wird aus dem Odenwald gemeldet, wo die Ernte in diesem Jahre eine recht gute Einnahme verspricht. Die Beeren werden zur Zeit mit 10 bis 15 Bfg. für den Schoppen bezahlt. Oberlemp. Bürgermeisterei Ağlar. Weglar: Spart Bürgermeisterei Herr Fourtin noch mit, daß die A prüfungen mit Bogel um zu sehen, welche v > Darmstadt. unferer Umgebung, Trautheim, ist dem lag zum Opfer gefal *** Wehrheim am Freitag in gro Bahn zu zerschellen den turz vorher ein erften am Start ab Burufe hin stieß di von Bad wie zur R bis zum Abschlag grenze; sowie des Arbeiten, beranfo follen in einer Ausgebot an Ort Zusammenku vormittags 7 Gießen, de Großherzogl Boonekamn Underberg Unentbehrlich für jede Familie! Sto Dir. F. Kursus in im 6 Für Schwerhö Die beften werden zu der ähriger Vorarb durchaus ga tende XVI. R ich besucht werden ngen befunden, nds finden. Di iche Berichte bori Frankfurt a. M., 20. Juni. Pfarer Wilhelm| Augenblick fegte Jenazy wie ein Sturmwind über das GeDoll aus Darmstadt, der gestern im evangelischen leis Bereinshause des Nordostvereins in der Wingertstraße prebigte, wurde während des Gottesdienstes vom Schlage getoffen. Er verlor die Sprache und mußte in's Heiliggeistpital gebracht werden. esden und 189 attgefundene Mitgliederversammlung der Herdbuchgeen dem legten Arbeit des Deu tommen foll. Weylar. Die kürzlich hier im Hotel Kaltwasser fellschaft eglar für das Vogelsberger Bind war sehr gut besucht. Herr Landrat Dr. Sartorius offinete als Vorsitzender die Verhandlungen, worauf Herr rtägiges Unterfon Binterschuldirektor Courtin Bericht über das abgelaufene Bichuß erbeten. Bereinsjahr erstattete. Aus diesem Bericht geht hervor, daß Stunft zu erteilen jahre 1899,59 Mf. die Ausgaben 1251,61 Mt. betragen; in Leipzig, unft zum Gord eim gehalten Die Einnahmen für Prämien usw. intl. Bestand aus dem Vordaß ein Bestand von 647,98 Mt. verbleibt. Weiter ist zu wähnen, daß der Verein im vorigen Jahre bei der Landefretärs des wirtschaftlichen Ausstellung in Gießen große Erfolge ein, in einem mungen hat, von 48 ausgestellten Tieren erhielten 27 Preise, gefahren. Bon be dem Prinzen rhaltung meinte uch ift, fo fann diefer Rennunge Menschheit über ift die Ausgefta unsinnig n der Automobil immungen zu f nzen und den R Gewicht vorfahre Suzmann. t am Tage bor affen waren a Chauffeur ftand i Springbrunnen gehört der Safe igen Motiv. La rd wild und t benn der Kafta wiegener, und Bregeln zu ergre nz Heinri , und sie be rinft, der Schu fahrerverein, m reits 30 Mile nach Bad Nauheim zurücklehrten. em geftrigen Gefang beiden hiefiges Ge obfinn" errang mit Plaffe, Germania fangswettfrit Der I. Alaffe erbi eßen einen Bra zahlreichen Glid fbarkeit schieden a rt und Familie hierselbst bo freis Dieburg i itt III. ist zu eftätigt worden. Ein auf dem bebienfteter An rchterlich zugerigt pital in Büdingen zum 16. Juni b. J. an genanntem Lage en bis zum 16. Juni 21. Juni. Au Heim in Rheinheffe tern ausgesprochen geuner madtlo fen. Im öftliche drei Jahren boll Das energiffe Gemeindebefider enthalt in unferen ürfen nämlich 8 reife Dieburg und darmeriebewachung alt in ciner Ge Bande unter Zu im Gesamtbetrage von über 1200 Mt., darunter die silberne Staatsmedaille, während der Sieger- Ehrenpreis mit nur einer Stimme- Mehrheit Gießen zuerkannt wurde. Besonders gut schnitt die Gemeinde Azbach ab. Im Berichtsjahre wurden in das Herdbuch neu eingetragen 300 Tiere, wovon 121 Rühe, 108 Rinder und 71 Stiere waren. Die Zahl der Mitglieder beträgt 383. Der Bericht schließt damit, daß die Hoffnung ausgesprochen wird, die Zucht des Vogelsberger Viehes möge immer mehr ihrem Ziele entgegenstreben, damit die Vorzüge dieser Rasse, die von vielen Seiten an= erfannt würden, allseitig zu Tage treten. Die hierauf borgenommene Vorstandswahl hatte folgendes Ergebnis: Bürgermeisterei Azbach Launsbach: Schultheiß Tasch Azbach und Vorsteher Pfeiffer- Krofdorf. Bürgermeisterei Rechtenbach: Landwirt Joh. Weber II.Hochelheim und Vorsteher Bort- Hörnsheim. Bürgermeisterei Oberlemp. - Hohensolms: Vorsteher SchaubBürgermeisterei Ehringshausen: Vertrauensmann HauptAğlar. Wezlar: Sparkassendirektor Schlabach- Wezlar. Bürgermeisterei Braunfels: Vorsteher Boch Steindorf. Herr Eourtin teilt am Schluß der Versammlung noch mit, daß die Absicht bestehe, in nächster Zeit Leistungsprüfungen mit Vogelsberger und Fleckvieh zu veranstalten, um zu sehen, welche von beiden Rassen die leistungsfähigste sei. > Darmstadt. Einer der mächtigsten Waldbäume unserer Umgebung, die Wotansbuche beim Kurhaus Trautheim, ist dem Gewittersturm in der Nacht zum Samstag zum Opfer gefallen. * ** Wehrheim i. T., 19. Juni. Jenazy schwebte am Freitag in großer Gefahr, an der Homburg- Ufinger Bahn zu zerschellen. Die hiesigen Stationsbeamten ließen den kurz vorher eingelaufenen Zug abfahren, ohne an den erften am Start abgelassenen Rennfahrer zu denken. Auf Burufe hin stieß die Lokomotive zurück, und im nächsten von Bachräumungsarbeiten. * Aus dem Ingelheimer Grunde, 19. Juni. Das Gewitter in der Samstagnacht hat großen Schaden angerichtet. Es fielen Kiesel so dick wie Taubeneier, die alles zerschlugen. Am meisten litten die Weinberge; aber auch die Obst- und besonders die Aprikosenbäume wurden hart mitgenommen. Man schäßt, daß 50 Prozent der Hoffnungen für Winzer Man schäßt, daß 50 Prozent der Hoffnungen für Winzer und Landwirt vernichtet sind. vie zur Räumung der Horloff von Hof- Graß An Carl Reinece. Zum 80. Geburtstage, 23. Juni 1904. Freund und Förd'rer olles Schönen, Der die Welt verklärt mit Tönen, Mozart's größter Jünger Du, Glück und Heil! ruf ich Dir zu. Und wenn minderwert'ge Geister Dich verkennen möchten, Meister, Jede echte Kunst ermißt, Was Du schaffst, und wer Du bist. Manches Herz, das nicht mehr hier, Ward beseligt einst von Dir. Frohe Gegenwart gedenkt, Was Du, Guter ihr geschenkt. Keine Nachwelt wird vergessen, Daß wir, Edler, Dich besessen. Edwin Bormann. Litterarisches. Gesezeskunde für den hessischen Wirt, umfassend die Reichs- und hess. Landesgeseßgebung nebst den nötigen Erläuterungen und Sachregister, von Großh. Gerichtsaffeffor Hans Becker in Darmstadt. Verlag J. Diemer in Mainz. Preis Mt. 0.75. Die Deutsche Weinzeitung" Nr. 44 vom 11. Juni schreibt darüber: Der Verfasser, der sich bereits durch mehrfache Abhandlungen einen guten Namen erworben hat, stellt in seiner neuen Broschüre der Literatur eine Abhandlung zur Verfügung, die einem tatsächlichen Bedürfnis entspricht. Wie in so vielen Branchen, muß heute auch das Wirtsgewerbe eine Reihe von Gesetzen und Verfügungen lennen, will man sich nicht Unannehmlichkeiten aller Art aussehen. Letzteres zu vermeiden, ist der Zweck der vorliegenden Broschüre, und ein Blick in das reichhaltige Sachregister genügt, um sagen zu fönnen, daß der Verfasser dieser Aufgabe in glücklicher Weise gerecht geworden ist. Das Büchlein ist als ein unentbehrlicher Ratgeber für alle Birte und die mit dem Wirtsgewerbe in Verbindung stehenden Berufe zu betrachten und dürfte in diesen Kreisen viele Liebhaber finden. Marktberichte. teken, 19. Juni. Auf dem heutigen Wochenmarkt lofteten Butter per Pfd. 1.00-1.10 Mt., Hühnereter per Stüd 5-6 Pfg., Enteneter St. 7 Bfg., Käse per St. 6-8 Pfg., Käsematte 2 St. 5-6 fg., Erbsen per Liter 21 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg., Tauben per Paar T. 0.80-1.00, Hühner per Stüd Mt. 1.30-1.40, Hahnen, per 5 bis 6 tüchtige bis zum Abschlag an der Utphe- Berstädter Gemarkungs- Arbeiterinnen grenze; sowie des Bahn- und Niedgrabens erforderlichen Arbeiten, veranschlagt im ganzen zu rund 6800 Mt. sollen in einer größeren Anzahl Lose durch öffentliches Ausgebot an Ort und Stelle vergeben werden. Zusammenkunft am Montag, den 27. Juni, vormittags 7 Uhr bei Hof- Graß. Gießen, den 20. Juni 1904. Großherzogliche Kulturinspektion Gießen. Unentbehrlich für jede familie! Gemeinde fort und Jagdfre en die Bigeune ichteten Damen reten, fo gefie Nach Beforguny fort zu verlaffen gen durch Bettel erfolgten Be figkeit und Land Die erster t und auf den acht. Die Ernte bem Dbenwald recht gute Ein Beit mit 10 bis Wißmann. Inderberg, Maag- Bitten D Boongkamp Gracer Boonekamp emper idem, Fabrikation alleiniges Geheimniss der Firma: H.UNDERBERG- ALBRECHT Underberg Hoflieferant Selner Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm D. am Rathhause in RHEINBERG am Niederrhein. Gegr. 1846. Anerkannt bester Bitterlikör! 24 Preis- Medaillen! Man verlange ausdrücklich: Underberg- Boonekamp. für dauernde Beschäftigung auf sofort gesucht. Auch werden jederzeit Lehrmädchen angenommen. Anna Kramer Robes und Konfektion. Gießen, Loeberstraße 11, pt. Sichere Existenz Eine gutgehende Sattlerei in Gießen mit prima Rundschaft zu verkaufen. Zur Uebernahme desselben sind 3 bis 4000 Mt. erforderlich. Off. u. Nr. 4631 a. d. Er. erb. 6000 Mark auf ein neues Geschäftshaus per sofort oder 1. Juli mit 4 Proz. Zinsen gesucht. Gefl. Angebote unter 4634 an die Erp. d. Bl. erbeten. Maurer Viel Geld Stüd 0.80-1.70, Enten per Stüd 1.70 1.20, Gänse ver Pfd 65-70 fg., Ochsenfleisch per Pf. 70-80 fg., Rindfleisch per Pfb. 62-68 Pfg. per Bfb. Schweinefleisch 60-72 Big. Schweine fleisch gesalzen per Bfund 0.76 Bfg., stalbfleisch per Pfd. 68-76 Pfg., Hammelfleisch per Pfd. 50-74 Bfg., Kartoffeln pro 100 kilo 6.00 W., Zwiebeln per 3t. Mt. 7.00-10.00, Kirschen 15-20 Pf. per Pfd. Aepfel per Centner 20-25 Mr. Milch per Liter 18 Bfa. Dauer der Marktzett von 7 Uhr morgens bis 1 Uhr Nachmittags. Gegen flände des Wochenmarktverkehrs dürfen vor Beginn der Marktzeit überhanpt nicht, und während der ersten drei Stunden der Marktzeit im Umherziehen feilgeboten werden. Frankfurt a. M., 6. Juni. Fruchtmarkt, E8 notierten nach Qualität: An Weizen, hiesiaer und Wetterauer Mt. 17.25-17.35, furhessischer Mr. 17.25-17.35 Roggen, hiesiger Mt. 13.00-13 15, russischer Mr. 13.65-14.50. Gerste, hiesige Mr. 15.05 bis 15 50, Pfälzer Mt. 15.75 bis 16.00, fränkische Mr. 15.70-15.90, Riedgerste Mt. 15.50 bis 15.75, Hafer, hiesiger und Wetterauer Mt. 12.90-14.00, furhessischer Mt. 12.75-13,90, bayrischer Mt. 12.90-14.00, Mais, Mixed Mt. 11.75-12.00. Alles pro 100 Kilo ab hier. Mehr unverändert. E8 otterten nach Qualität: Weizenmehl hief. O, Mt. 26.00-26.50, feinere Marken, Art. 28.50-29.00, hiesiges Nr. 1, Mr. 24.00 bis 24.50, feinere Marken Mt 25.25-25.75, hiesiges Nr. 2, Mt. 23.00-23.50, feinere Marken Mt. 24.00-24.50, hiesiges Nr. 4, Mr. 19.00-19.50, feiner Marken 20.00-20 50, Roggenmehl, hiesiges, 0, f. 22.0022.50, do. 1, Mt. 19.50-20.00, do. 2, Mt. 15.00-16.00, Ales per 100 Kilo inkl. Sad. Futterartikel gefragt. Weizenschalen Mr. 4.50-4.60, Weizenkleie Mt. 4.50-4.60, Roggentleie Mt. 4.80-5.00 Wei zenfuttermehl Mt. 6.75-7.25, Biertreber, getrocknet M. 5.40 b. 5.50, Malzkeime 5,30-5.40, Rapsfuchen 5.50-5,75, Palmkuchen 5.60-5.80 mt. 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Zum Beispiel ein großer Poſten Stadt Gießen wird, beginnend Mittwoch, den 1. Juni, - für im Impflokale Schulgebäude. Neustadt 61 die nächsten 5-6 Wochen jeden Mittwoch, nachmittags 5-6 Uhr, abgehalten werden. Impfpflichtig im laufenden Kalenderjahr sind die im vorigen Jahre geborenen Kinder, sowie die Rückständigen aus früheren Jahren. Wir laden die hiesigen Einwohner, welche impfpflichtige Kinder haben, zur Benutzung dieser öffentlichen Termine mit dem Bemerken ein, daß alle in denselben borgenommenen Impfungen unentgeltlich sind. Wer die Termine nicht benußen will, muß die Impfung seines pflichtigen Kindes bis zum Jahresschlusse auf seine Kosten bewerkstelligen lassen, widrigenfalls ihm im Januar nächsten Jahres eine vierwöchentliche Frist zur Nachholung der Impfung unter Strafandrohung gesetzt wird. Außer den Pflichtigen werden auch Kinder, welche im laufenden Jahre geboren sind, auf Wunsch ihrer Vertreter geimpft. Alle in einem Termine geimpften Kinder müssen in dem 8 Tage später abgehaltenen Termine zur Nachschau nochmals erscheinen. Kinder, deren Zurückstellung von der Impfung wegen Kränklichkeit beansprucht wird, können gleichfalls dem Impfarzte in den öffentlichen Terminen vorgestellt werden. Die Jmpflinge müssen mit reiner Wäsche und reingewaschenem Körper zur Impfung gebracht werden. Es wird nur an einem Arme mit Lymphe aus dem Landesimpfinstitut geimpft. Kinder aus Familien, in denen ansteckende Krantheiten herrschen, dürfen nicht in die Termine gebracht werden. Gießen, den 28. Mai 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. J. V. Curschmann. Bekanntmachung. Bekanntmachung. Die Lieferung von 3700 3entner Nuklohe zweiter Größe für die städtischen Anstalten für das Net nungsjahr 1904 iſt zu vergeben. Die Bedingungen lieger auf dem Sekretariat der Bürgermeisterei, Zimmer Nr. 15 Angebote sind bis zum 10. Juli zur Einsicht offen. vormittags 11 Uhr, mit der Aufschrift„ Angebot auf Kohlenlieferung" bei uns einzureichen. Gießen, den 18. Juni 1904. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Mache die geehrten Einwohner von Gießen und Umgegend aufmerksam, daß ich von Mittwoch, den 22. Juni bis Dienstag, den 28. Juni im Hofe des Gasthauses zur alten Vest zwei Waggonladungen Emaillewaren, bestehend aus sämtlichen Haus- und KüchenSpülmannen 70 cm 4 Mt., 65 cm 3.50 Mt., 60 cm 3 Mt., 55 cm 2.50 Mt. 50 cm 2 Mt., 45 cm 1.50 mt. pro Stück. ferner Teigschüsseln mit Griffen, das Stück von 1 Mt. an und höher. Kaffeekannen, Teeannen von 20 Pfg. an und höher. Wasserkannen von 20 Pfg. an und höher. Eğteller 3 Stüd 20 Bfg. Schwere Wassereimer 90 Pfg. 28 cm. Toilett- Eimer mit Holzgriff 2 Mr. Nachtgeschirre von 30 Bfg. an bis 50 Pig. Schaum- und Schöpflöffel von 10 bis 20 Pfg. in Kerzenleuchter 20 Pra.. 3 Stück 50 Pfg., ferner einen großen Bosten Wasserkessel, Stielkasserollen, Bratpfannen, Suppen- und GemüseSchüsseln, Kaffeetassen, Kumpen, Salz- und Mehlfässer, Rodonformen, Reibeifen, Trichter, runde und ovale Waschbecken, Fischkocher, Spargelfocher, Kochtöpfe. Sämtliche Artikel sind von jeder Größe und Farbe vorhanden. Deshalb versäume niemand, seinen Bedarf gut und billig zu decken. Ich sehe einem geneigten Zuspruch entgegen Hochachtungsvoll Frau Karl Dorp aus Elberfeld. Stottern. Einmaliger Kursus für Giessen und Umgegend. Jeder, der stotterfrei singt, kann geläufig sprechen lernen. Erfolg garantiert. Viele Dankschreiben im Original liegen zur Einsicht offen. Honorar nur bei Erfolg. Anmeldungen möglichst bis Sonntag, den 19. Juni. Sprachheilanstalt von Direktor Emil Schmelling Giessen, Nord- Anlage 9, part. Wir machen die hiesigen Gewerbetreibenden noch Ankauf und Verkauf Letzte Wohltätigkeits mals darauf aufmerksam, daß die Tage der Revision der und Silbersachen. Fr. J. Ott Maße und Gewichte bei dem Eichamt in Gin für von getragenen Herren- Kleidern, Schuhen, Möbeln, Betten, WeißGrünberg auf den 21. bis 25. und 28. bis 30. Juni, zeug, Gold sowie 1. und 2. Jult d. I. festgesezt sind. Im Intresse des schnelleren Fortgangs der Revision und um Kostenersparnis, ist es erforderlich, daß sämtliche zu prüfende Gegenstände in gehörig gereinigtem Zustande und reparatur- b bedürftige Maße und Wagen erst nach vollzogener Reparatur) in das Eichlokal verbracht werden. Grünberg, am 20. Juni 1904. Großh. Bürgermeisterei Grünberg. 3immer. Bekanntmachung. Zahltage der Kreiskasse betreffend. Montag, den 27. Juni von nachm. 24 Uhr an wird Gießen, - Neuenweg 58. UNUBERTROFFEN zum Waschen und Putzen WASCHET GESETZLICY NUR MIT GO NAUMANNIA SEIFE SCHU CNAUMANN OFFENBACH zu Nieder- Ohmen bei Wirt Bangohr ein Zahltag der Magenleidenden Kreiskasse abgehalten. Die Großh. Bürgermeistereien und die Straßenwarte wollen die Interessenten hierauf aufmerksam machen. Alsfeld, den 16. Juni 1904. Großh. Kreisamt Alsfeld. J. V.: Dr. Retz. teile aus Dankbarkeit gern und unentgeltlich mit, was mir von jahrelangen, qualvollen Magenund Verdauungsbeschwerden geholfen hat. H. Hansen, Fabrikant. In Giessen: Ph. Weiler. Gg. Carl Volk. Geld- Lotterie desStrassb.- Neud Arbeiterheims Ziehung sicher am 23. Juli Nur Baar Geld! 2490 Gew. ohneAbzug Mk. 41000 1 à M. 15 000 1 à M. 3 à 1000 425 zus.= 2060 zus.= = 6000 3000 = 9500 7500 Los 1 M. Portu.List. 25Pf. 11 Lose 10 Mk. versendet das Gen.- Debit J. Stürmer, Strassburg i. E. Langstrasse 107. In Giessen: Richard Buchacker. W. Semmler. Bekanntmachung. In der Zeit vom 11. bis 18. Juni 1904 wurden hiesiger Stadt gefunden: 1 Damenschirm, 1 schwarzer Damen gürtel, 1 Woll- Boa und 1 Kinderschuh; berloren: 1 goldne Damenuhr, 1 goldner Ring mit braunen Steinchen, 1 goldnes Hals kettchen mit Anhängsel( Herzchen), 1 Porte monnaie mit 1 Fünfmarkstück, 1 Zehnmart stück und 1 Reisepaß( auf den Namen ,, Hanne Wissocker" lautend). Zugelaufen ist: 1 fleiner Hund von grauer Farbe und 1 Huhn. 3ugeflogen ist: 1 Kanarienbogel. Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegen: stände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Gteßen, den 18. Juni 1904. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Herberg. Sielbau Gießen. Die Arbeiten für die Herstellung der Kläranlage der Provinzialhauptstadt Gießen sollen öffentlich vergeben werden. Auszuführen sind: " etwa 18800 cbm Erdbewegung, 4000 Zementtraßbeton, 3500 qm Wandverkleidung mit glasierten Plättchen, 3000, Spundwände und sonstige verschiedene Arbeiten. Die Matertalten, wie Zement, Traß, Klinker, Plättchen, Eisenteile u. s. w. werden von der Bauverwaltung beschafft, alle übrigen Materialien, wie Sand, Kies, Holz und dergleichen sind vom Unternehmer zu liefern. Bedingungen und Angebotsformulare ausschließlich der Zeichnungen fönnen gegen porto- und bestellgeldfreie Einsendung von Mt. 3 durch das Städtische Tiefbauamt, Bürgermeistereigebäude, Zimmer Nr. 6 bezogen werden. Auch liegen daselbst die Zeichnungen und sonstige Ver dingungsunterlagen während der Dienststunden zur Einsicht auf. Auskunft erteilt außerdem Herr Oberbaurat Schmid, Darmstadt, Mühlstraße 60. Die Angebote sind bersiegelt und mit der Aufschrift ,, Angebot auf Herstellung der Kläranlage" bis spätestens Samstag, den 9. Juli d. Js., nachm. 3 Uhr, bet borgenanntem Amt einzureichen, woselbst die Eröff nung der eingelaufenen Angebote im Beisein etwa ec schienener Bewerber am genannten Termine erfolgt. Zuschlagefrist 4 Wochen. Gießen, den 15. Juni 1904. Städtisches Tiefbauamt. Braubach. Flinker Hausbursche Nübelfeld bei Steinbergliche Hilfe* g. Blutſtod. Timerman fann sofort eintreten in der Buchdruckerei dieser Hamburg Fichteftr. 33. Zeitung. Geschäfts- Eröffnung. Wir geben hierdurch ergebenst bekannt, dass wir mit dem heutigen Tage Herrn C. Herber, Seltersweg 58 ( am Volksbad- Eingang) den Verkauf unserer Cigarren- und Tabakfabrikate übertragen haben. Wie in den übrigen ca. 60 Filialen Deutschlands, unterhalten wir auch hier neben unseren eigenen Fabrikaten reiche Auswahl in ausländischen Cigarren, Cigarretten und Tabaken. Um geneigten Zuspruch bitten Hochachtungsvoll Lindau& Winterfeld. Fabriken in Magdeburg, Halberstadt, St. Andreasberg etc. Der etwas gedunkelte fegte er die Füße, und die breite Brust atmete so froh und Grethchen fah es fast mit Staunen und Verwunweit, als müßte ihr gleich ein helles Lied entſtrömen. hübscher war er geworden! gunt Teint fleidete ihn so gut, die hellen Augen famen mehr zur und der blonde Schmurrbart berung Geltung, wachsen war!! mich so gegrämt, als du fortmußtest, und du Wild schluchte fie auf.. πα Und da als hätte Pfingsten auch hier wieder seiner da faßte plötzlich der jung ich hab's jo Aber als ich damals gehen mußte holl und schwer du liebes, füßes Kind empfunden. Soldat das bebende Mädchen um: bezaubernden Einfluß geübt, " nein, wie der gefo märe fie in ihrer Nerblüfft. felber da war mir da hätte ich dir Nr. 73. Dienstag, ben 22. Junt Oberbeffische 1904. Familienzeitung. ungs- Beilage ausländischen 3. Juni 1904 bogel. and bon grauer Sald bei uns gefundenen G f den Namen cfitüd, 1 Be ( Herzchen), 19 1,1 goldnes uhr, 1 goldner 1 Kinderschuh 1 schwarzer D 4. amt Gießen. Ben. en öffentlich bergebe ang der Kläranlage egung, afbeton, kleidung mit en Plättchen, De enftstunden zur en und sonstige 6 bezogen werd Städtische Tiefbauan ter zu liefern. - und bestellgeldf mulare ausschließli Die Sand, Stes, ho der Bauverwaltun Traß, Klinker, Plät Oberbaurat Schmid Termine erfolgt. im Beisein etwa a 1, woselbst die Grö ., nahm. 3 Uhr, anlage" bis spätesten ind mit der Aufschri uamt. fette er die Füße, und die breite Brust atmete so froh und weit, als müßte ihr gleich ein helles Lied entströmen. Und Grethchen sah es fast mit Staunen und Verwunderung hübscher war er geworden! Der etwas gedunkelte Teint fleidete ihn so gut, die hellen Augen kamen mehr zur Geltung, und der blonde Schmurrbart nein, wie der ge= wachsen war!! Es hätte nicht viel gefehlt, so wäre sie in ihrer Verblüfftheit stehen geblieben, und hätte ihn erwartet. Im letzten Moment erst gelang es ihr, sich loszureißen und unbemerkt zu entfliehen. Aber freilich nur die Knöpfe hatten sie gebannt sie sagte es sich so lange, daß sie's fast selber glaubte. Die hatten so geblist in der Sonne, daß daß Besonders die beiden am Kragen, die Zeichen seiner neuen Würde! Sie mußte lächeln. Sie hatte nie geglaubt, daß er es so weit bringen würde. Jedoch das Lächeln verschwand bald wieder. Du mußt das gute Kleid anziehen, Grethchen, hatte die Mutter gleich nach dem Essen gesagt, wir gehen zu Kerns herüber Da schon stockte ihr der Atem, und ihre Finger zitterten, daß sie die kleinen Haken und Desen, die das Kleid schließen sollten, kaum halten konnten. So gegen vier Uhr gingen sie dann. Um Grethchen drehte sich alles Er aber stand aufrecht an der Gartentür, um die Gäste zu empfangen. Straff hatte er die Finger an der Müße:„ Gefreiter Frig Kern auf Pfingsturlaub in der Heimat!" Lustig und übermütig flang seine Stimme, daß alle lachten. Nur Grethchen nicht. Die wurde über und über rot und reichte ihm schüchtern die kleine Hand. ,, Guten Tag, Frizz," sagte sie leise, wie geht es dir?" Einen kurzen Moment hielt er die Hand, und sah ihr forschend in die Augen. Dann kam es, fast bittend, aus seinem Munde:„ Grethchen- was ist denn?" Sie antwortete nicht. Sie lief den alten Kerns entgegen. Frizz nagte an der Lippe und all die frohe Lust, die selige Erwartung, die er mit auf seinen Urlaub genommen, jie waren wie Blüten im Nachtfrost verwelkt und verdorben. Wie ein Mißton war es über den kleinen Kreis gekommen, der keine echte Fröhlichkeit aufkommen ließ. Was man auch sprach, es flang gemessen und kalt, denn die Jugend die die Pfingstlust hätte bringen können, sie saß, mit eigenem Empfinden allzusehr beschäftigt, still und teilnahmslos. Der alte Müllensiefen schlug schon auf den Tisch.„ Nun sag' mal, Kern was ist denn? Was ist denn los?" tuschelten, aber in ihren Gesichtern wurde es bald wieder hell Und die beiden Frauen standen auch zusammen und und klar. Sie lachten sich an, und drückten sich die Hände. Laß nur, laß nur ich frage ihn!" Ganz erregt rief es Frau Kern, dann nahm sie sich ihren Jungen beiseite. Frizel," fragte sie leis,„ was hast du nur? Du siehst.." Er ließ sie nicht zu Ende reden. Ganz hastig unterbrach er:„ Eines, Mutter, sollst du mir sagen, aber ehrlich und offen: Was ist mit Grethe?" " Ich weiß es nicht!" " st sie versprochen!" " I wo.. ,, Aber was hat sie gegen mich?" Da lächelte die Mutter fein, du mußt sie fragen!" Frizz stuzte erst, dann aber, als er der Mutter ſtrahlendes Antlitz sah, fiel er ihr um den Hals:„ Ja, darf ich? Es iſt Und nun hielt ihn nichts mehr auf der Welt. Zu Greththen ging er hinüber und sah sie bittend an. euch recht?!!!" Willst du mit mir gehen in den... Garten." Sie nichte nur stumm. Und wo die Fliedersträucher leuchtend blühten und sie jeide verdeckten, blieb er endlich stehen. Seine Stimme zitterte. „ Grethchen was hast du nur gegen mich?" Ihre Augen füllten sich mit Tränen. - mich so gegrämt, als du fortmußtest, und du - би Wild schluchte sie auf.. Und da als hätte Pfingsten auch hier wieder seiner bezaubernden Einfluß geübt, da faßte plötzlich der jung Soldat das bebende Mädchen um: „ Grethchendu liebes, füßes Kind... ich hab's jo selber schwer empfunden. Aber als ich damals gehen mußte da war mir mein Herz so voll und schwer da hätte ich dir am liebsten etwas gesagt, etwas Ganz scheu blickte sie zu ihm auf. „ Aber ich durfte es nicht! Ich hatte mit meinem Vater Er meinte, ich dürfte dich noch nicht binden. gesprochen.. Du hättest im Leben noch nichts gesehen, und ich auch noch nicht. Wir hätten noch niemals Zeit gehabt, ums zu prüfen, denn ich ginge doch zum erstenmal in die Welt hinaus!" ,, und deshalb- " Ja, deshalb! Siehst du beim Abschied hätte ich dir doch gesagt, wie lieb ich dich habe! Und weil ich's nicht sollte ging ich so! Leicht ist mir's nicht geworden. Das kannst du mir glauben!" Sie hörte nicht mehr. Friz, ist es wahr?" rief sie bloß. Er nickte, und legte die Hand aufs Herz. Ach- Friz," jubelte sie da auf, und ehe sich's der Flieder versah, hielten sie unter seinen Blüten zwei junge Menschen und füßten sich füßten sich. st„ Gefreiter werden" wirklich so viel?" fragte später Grethchens Vater. ,, Schrecklich viel," antwortete seine Tochter, aber richtig wird er's ja leider erst nach einem Jahr! Dann aber auch zu Pfingsten! Da ist das Leben doch zu schön!" Na ja wenn man liebt WILD. WALD Parforcejagd. UND WAIDWERK Der Tag, an welchem eine Parforce- Jagd stattfindet, ist ein Glanzpunkt im Leben des passionierten Jägers. Wie ein erfah rener Jagdkenner treffend bemerkt, verhält sich die Parforcejagd zu den anderen Jagdarten, wie der rauschende Ball zum bescheidenen Haustanz nach dem Klavier. Zu einer richtigen Parforcejagd ge= Erstens tüchtige erfahrene Jäger, zweitens hören sechs Dinge. schnelle, ausdauernde Jagdpferde, drittens ein großer Edelwildstand, viertens ein ausgedehntes, ebenes Terrain, fünftens ein gut geschultes Jagdpersonal und sechstens eine wohl abgerichtete Meute. Was ist Parforcejagd? so fragt der wißbegierige Laie. Die Antwort darauf ist sehr einfach. Wenn ein Stück Wild gleichdas viel ob Hirsch, Fuchs, Wildschwein mit Jagdhunden so lange verfolgt wird, bis das Tier ermüdet still steht und sich so lange gegen die Hunde verteidigt, bis es von diesen niedergerissen wird ist die Parforcejagd, auf welcher übrigens auch Damen mitzureiten pflegen. Die Parforcejagd, welche zu den beliebtesten Sports der Vornehmen gehört, bürgerte sich zu Anfang des 18. Jahrhunderts nach französischem Vorbilde in Deutschland ein. Die meisten deutschen Fürsten hielten großartige Parforce- Jagd- Equipagen. Ein be sonderer Liebhaber der Parforce jagd war der alte Dessauer, welcher mit einer Meute von 150 Hunden in einer Tour bis zum Halali ritt und in ostpreußischen Besitzungen Elche und einmal sogar einen Bären auf der Parforcejagd erlegte. Nicht nur Fürsten, auch der hohe Adel schwärmte für die Parforcejagd, und es wird von einem Holsteinischen Baron erzählt, wie er in seiner letzten Stunde seine sämtlichen Jagdhunde in sein Zimmer zusammenblies und weinend ausrief:„ du lieber Gott, was lasse ich da für eine Menge elender armer Hündchen zurück!" Von großer Wichtigkeit ist für eine Parforcejagd das Personal und die Meute, welche der Oberpikeur mit zwei bis drei Pikeuren unter sich hat. Ein notwendiges Erfordernis ist, daß Jäger und Pikeure fährtenkundig, mit ihrem Jagdterrain vertraut und sicher, furchtlose Reiter sind, welche ihre Pferde stets in der Hand und zwischen den Schenkeln haben. Was die Meute betrifft, so jagt man am besten mit französischen oder englischen Hunden oder mit Tieren, welche aus deren Kreuzung hervorgegangen sind. Erfahrene Par forcejäger wollen dem französischen Blut eine bessere Rasse, dem - Adieu gesagt.. ..Du hast mir ja... nicht einmal englischen mehr Feuer und Ausdauer zuschreiben. Bevor die ParGanz schnell sprudelte es heraus. forcejagden im Herbst beginnen, muß die Meute durch möglichst viel Damals " Das, Grethchen, das- " Ja, Friß, das allein! Ich war so gut zu dir, ich hab' Trainjagden jagdgerecht gemacht werden. Ich hab' mich so auf ein Wiedersehen gefreut, und du- Brethchen du... du sagst mir kaum ,, guten Tag." Da aber war's, als lösten seine lieben Worte auch das Sis in ihrem Herzen. Nr. 73. Dienstag, den 22. Junt 1904 Oberbeffifche Familienzeitung. Telephon Nr. 362. $ 533 aast 1333333 Unterhaltungs- Beilage für die Grünberger Zeitung. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); Die Adjaren. Originalroman von Arthur Gundaccarv. Suttner. Erstes Kapitel. Die von vielfachen Schluchten und Engpässen durch furchte Kette des kleinen Kaukasus bildet ein natürliches Bollwerk, welches das Gebiet von Batum gegen die kleinasiatische Türkei, sowie gegen Armenien und Georgien abgrenzt. Die ursprüngliche Bevölkerung dieser jenseits des Gebirges bis ans Meer grenzenden Länderstrecke war, soweit die historischen Aufzeichnungen zurückreichen, echt georgischen oder kartalinischen Stammes, und wenn auch der Islam durch fünf Jahrhunderte ununterbrochen alle Anstrengungen machte, mit Gewalt diese alten Nationalitätserinnerungen zu zerstören, so legt doch heute noch jeder Fleck, jedes Stückchen Erde Zeugnis für die alte Seßhaftigkeit der Georgier ab. Lange vor der christlichen Aera erhielten die Pässe des Hauptflusses Tschoroch, dessen Nebenflüsse und sogar ganze Ländergebiete die Namen, welche sie heute noch mit wenigen Abänderungen führen und die fast insgesamt georgischen Ursprungs sind. In dem Becken des Tschoroch begegnet man auf Schritt und Tritt Ueberresten von Kirchen und Burgen aus der Blütezeit des Landes, deren leider nur zum geringen Teil mehr entzifferbare Inschriften in der alten fartalinischen Sprache verfaßt sind, und der Name der glorreichen Königin Thamar ist in diesen Gegenden ebenso in aller Mund, wie jenseits der Gebirgskette in Tiflis, wo diese Semiramis des Kaukasus ihre Residenz aufgeschlagen hatte. Endlich, zu Beginn des siebenzehnten Jahrhunderts, blieb der Islam Sieger, nachdem man gegen alles, was Christ hieß, eine grausame Verfolgung veranstaltet und alle Dentmäler aus der einstigen Blütezeit des Landes bis auf die Grundmauern zerstört hatte. Allmählich fügte sich die Bevölkerung in ihr Schicksal. Mit ungewöhnlicher Energie hatten die mohamedanischen Machthaber eine Verwaltung organisiert, die sich wie mit eisernen Klammern über ganz Klardjetien und Adjarien bis an die Landesgrenze erstreckte. Batum wurde zur Residenz des Paschas, dem elf Distrikte oder Kazas unterstanden und welche von Kaimakams und den ihnen beigegebenen Mudirs beaufsichtigt wurden. In Batum hatten noch der Medjlis( Staatsrat), das Tribunal und die Zollbehörde ihren Sit, und dort befand sich auch das Hauptquartier des in der Nähe der Stadt stationierten Bataillons. Nachdem sich die am Meeresufer gelegenen Ortschaften zuerst in die neue Lage bequemt und zum großen Teil sogar den Islam angenommen hatten, folgten ihrem Beispiel auch die Klardjeten, die Anwohner des Tschorochflusses, und schließlich gelang es ebenso, die Adjaren zu Paaren zu treiben, das heißt insofern, als sie sich herbeiließen, die türkische Oberhoheit anzuerkennen; in ihrem Innern blieben die meisten noch dem alten Glauben und dem Stamme treu, zu dem sich einst ihre Urahnen mit Stolz gezählt hatten. Und doch hatte es wieder zu jener Zeit in einigen Provinzen zu gären begonnen, denn viele von den Personen, welche zur Verwaltung des Landes berufen waren, hatten Telephon Nr. 362. verantwortlich: Albin Rhin. ( Nachdruck verboten.) es einträglicher gefunden, die Interessen des Staates außer Augen zu lassen und mehr auf den eigenen Vorteil bedacht zu sein. Jeder Kaimakam fühlte sich ja in seinem Distrikt als kleiner König, der nur seinem unmittelbaren Chef gegen über, dem Pascha von Batum, verantwortlich war; und in der letzten Zeit waren diese Chefs teils Leute, die es bequemer fanden, die Dinge gehen zu lassen wie sie eben gingen, teils solche, welche sich nach kurzer Uererlegung dazu entschieden, mit ihren Untergebenen auf Kosten der Bevölke rung gemeinsame Sache zu machen und einen guten Teil des Klagen? Wo unrechtmäßigen Gewinnes einzustreichen. wollten die guten Leute Klage führen? Der Pascha war unumschränkter Herr, denn Stambul lag in genügender Entfernung, um die Sicherheit zu geben, daß jeder Klageruf verhallte, ehe er dahin gelangte. Von Adjarien war gegen Ende der sechziger Jahre infolge der immer unerträglicher werdenden Verhältnisse eine Bewegung ausgegangen, die man jedoch noch rechtzeitig unterdrückt hatte. Bald darauf war der Gebieter in Batum eines plötzlichen Todes gestorben, und man gab sich nun der frohen Hoffnung hin, daß sein Nachfolger jenen Uebelständen abhelfen würde. An Versprechungen ließ es auch Cherif- Pascha keineswegs fehlen, obzwar es im vornhinein bei ihm feststand, diesen Versprechungen nur insoweit nachzukommen, als er dadurch nicht in seinen persönlichen Bequemlichkeit gestört wurde. Bei Allah! Ein Mann, der seit vierzig Jahren nur wenige ruhige Stunden gehabt, der ohne Unterlaß auf Reisen gewesen, um heute in Rumelien, aufs Jahr in Egypten, dann wieder in Kleinasien und in vielen anderen Orten noch die Geschäfte der Regierung zu besorgen, ein solcher Mann hatte doch das Recht erworben, sich endlich auszuruhen, und aus diesem Grund allein war er mit Vergnügen bereit gewesen, den Posten in Batum zu übernehmen. Die Begleitung des alten Herrn war keine zahlreiche, denn je weniger Leute man mit sich schleppte, desto weniger war zu befürchten, daß der Hausfriede gestört wurde. Thamar, seine Großnichte, die anfänglich in Stambul und später in Trapezunt in einer französischen Anstalt erzogen worden war, Daria, deren Freundin und Gesellschafterin, und endlich Russudan, eine ältliche, entfernte Verwandte, bildeten den weiblichen Hausstand, während das männliche Gefolge aus Osman, dem alten Diener, und dessen Gehilfen Theodor, einem Griechen, bestand. Die verschiedenen Faulenzer, die noch in Dienst genommen werden mußten, um das Gesinde eines orientalischen Großen zu vervollständigen, konnten später in Batum selbst angeworben werden. Cherif- Pascha war ein Mann von etlichen sechzig Jahren, mittelgroß, von ansehnlicher Körperfülle und einiger Unbehilflichkeit in der Bewegung; ein furzgeschorener grauer Vollbart umwucherte das Gesicht, dem die müde und schläfrig herabfallenden Augenlider den Ausdruck großer Apathie verliehen. Aber eben diese ruhige, gesezte Art imponierte den Leuten, und die wohlwollende Miene, mit der er ihre Beschwerden anhörte, um hier und da teilnehmend mit dem bursche Buchdrudere dieser IG M Enth Bef Betr.: Den Ausbru Mit Rücksicht Orten des Kreises Fri pest) herrscht, bringe Interessenten, daß d freife Friedberg au boten ist. verließen und sich in Gießen, den Großherzo Bet Betr.: Milzbcand Nachdem bei teich vorschriftsmä folgt ist, wird die dem eine an Mil hiermit aufgehoben. Gießen, den 14 Großherzo Der H Das Das Hauptintere Gebirgsdreied Waf gehenden Divisionen gefommenen Truppe fin zu Hilfe gesandte Ausgang des russisch Arthurs entscheiden t wohin Stadelberg zu Berichten bereits n Lofio wird gemeldet: Eine von der am 18. d. Mts. a patrouille meldet, d Chipanking, 36 Me Orten zusammenge ten stattgefunden, E fangen genommen fei erbeutet worden. auf 6 Mann. Der bewegt sich, wie aus aus auf drei Wegen schitschao und nach K Wege ist eine kleine borgerückt. Auf dem den Baß zwiſchen dem dritten südlichen hut Dörfern but bot Chiuniaf un un but hat ferner den die Hauptstreitkräfte, Kavallerie und Gebi aß und Chansa staff In den letzten Tage auf diesen Wegen de wobei gegen 10 Mar wundeter Offizier m genommen wurden. bei Seludschan nur nach einem Sugelive zurüdzogen. Auf ru wundet. Saimadfi banern geräumt; ein wanahticheng. Weiter wird über die strategifd noch aus London geme Kuroti marf die Siujan gegen Kaip Die fünfte, adite un Wajangou herauf, nach Mulden. Ku berlegt und leitet fin fonzentriert je Ohne Zweifel einem entscheidenden Der Schaupl wird, wie oben bere Kaiping- Siujan fein diene das nachstehend arbeiter übermittelt: Ropf zu niden, gab ihnen die Beruhigung, daß der neue Gouverneur ein Mann sei, mit dem sich reden lasse und unter dessen Verwaltung die Dinge besser werden würden. Sobald sich Cherif- Pascha in seiner neuen Residenz niedergelassen hatte, war seine erste Sorge die, sein Haus so behaglich einzurichten als möglich. Zu seiner angenehmen Ueberraschung hatte er gefunden, daß die schlimmste Arbeit schon ohne sein weiteres Butun besorgt worden war, und zwar in so trefflicher Weise, daß der Künstler, der das zustande gebracht, allsogleich der ganz besonderen Gunst des Chefs teilhaftig wurde. Totia Nitscheladze, so hieß der fürsorgliche Mann, der diese inneren Angelegenheiten ganz unberufener weise in Ordnung gebracht, war ein Mingrelier, der im Hause des früheren Höchstgebietenden eine ganz unbedeutende Rolle gespielt hatte, nach dem Tod des Paschas aber im Hause zurückgeblieben war, angeblich um die Aufsicht über das Gebäude zu führen, in Wahrheit jedoch, weil er nicht die Mittel besaß, ein anderes Quartier gegen Barzahlung zu beziehen. Als findiger Kopf hatte er, sobald die Ernennung CherifPaschas auf den hiesigen Posten bekannt geworden, einen Rundgang bei den verschiedenen Kaufleuten der Stadt gemacht, um, wie er frech behauptete, im Namen und Auftrag des Chefs die notwendigen Vorbereitungen für dessen Anfunft zu treffen. Er wählte Tapeten, Einrichtungsstücke, Teppiche, kurz alles, was zur Neueinrichtung der Residenz notwendig war, und wußte mit solcher Sicherheit aufzutreten, daß niemand es wagte, ihm die Lieferung der verlangten Gegenstände zu verweigern. Auch Arbeiter fanden sich, die bereit waren, alles unter seiner Angabe auszuführen, und so bezog denn Cherif- Pascha ein Haus, das zu seinem Empfang vollkommen vorbereitet war. Ein befriedigtes Kopfnicken und ein wiederholtes:„ Gut!" bewiesen Totia, daß seine Spekulation eine prächtige gewesen, und zu seiner angenehmen Ueberraschung forderte der Chef schon am nächsten Tag die Liste der Auslagen, um nach oberflächlicher Durchsicht einen Bon an die Staatskasse auszustellen. Die Lieferungen wurden den Kaufleuten_anstandslos, ohne den geringsten Abzug, ausgezahlt, ebenso erhielten die Arbeiter ihren Lohn, und Totia Nitscheladze war über Nacht ein angesehener Mann geworden. Mit diesem glücklichen Griff hatte er alle üblen Nachreden mit einem Schlage verstummen gemacht, die über ihn im Umlauf_gewesen. Es hatte nämlich geheißen, daß er sich in russischen Diensten Unterschleife hätte zu schulden kommen lassen, infolge deren ihm nur die Wahl geblieben, seiner Heimat den Rücken zu kehren oder auf längere Zeit ins Gefängnis zu wandern. Jezt aber schenkte man eher der Lesart Glauben, die er selbst zu verbreiten gesucht, nämlich daß er als russischer Offizier gegen einen Vorgesezten, der ihn grob behandelt hatte, handgreiflich geworden und, um der ſtandrechtlichen Verurteilung zu entgehen, geflohen sei. Dem Pascha gegenüber zeigte sich Totia als unermüdlicher Mann, dessen Augenmerk nur darauf gerichtet war, dem Chef das Leben so angenehm und sorgenlos als möglich zu machen, und das gefiel dem müden Mann so ausnehmend gut, daß der andere in kürzester Zeit der Unentbehrliche, das Faktotum des Hauses wurde. Während sich so der Gouverneur auf seinen Teppichen ausruhte, das Bernsteinende des Nargileh ununterbrochen zwischen den Lippen hielt und ein Schälchen Kaffee nach dem anderen schlürfte, ließen es sich die weiblichen Hausgenossen angelegen sein, das neue Heim, das sie voraussichtlich viele Jahre bewohnen würden, schmuck einzurichten. Thamar, ein schwarzäugiges, hochgewachsenes, schlankes Mädchen von zwanzig Jahren, hatte europäisches Blut in den Adern; ihre Mutter war Französin gewesen. Von ihr besaß sie das lebensfrohe Temperament, den weißen, zarten Teint, die winzigen Füße und Hände und das Talent, sich mit einfachen Mitteln geschmackvoll zu fleiden, sowie den Räumen, die sie inne hatte, einen zugleich wohnlichen und vornehmen Anstrich zu geben. Das Verhältnis zwischen ihr und Daria war das zweier Schwestern, während der Verkehr mit Russudan mehr auf dem Fuß steifer Etikette blieb. Die ältliche Dame gehörte nämlich der fanatischen Partei an, welche alles Neue und Außertürkische mit Verabscheuung und Haß betrachtete, welche es als eine Gottlosigkeit bezeichnete, wenn sich die Frau anders als mit vollständig verhülltem Gesicht zeigte, und die daher die beiden jungen Mädchen mit einer endlosen Strafpredigt empfing, als diese die Erziehungsanstalt europäischer Kleidung vorstellten. Wäre das in Stambul geschehen, so hätte ihr Cherif- Pascha wohl oder übel recht geben müssen; aber hier an diesem außer der Welt gelegenen Ort wehrte er ihre Vorstellungen beschwichtigend mit der Hand ab und meinte, man müsse ein Auge zudrücken. Als Russudan ihm den Zorn des Propheten in Aussicht stellte, hob er lächelnd den müden Blick zu ihr empor und wies mit dem Finger nach der Richtung, in der das ferne Konstantinopel lag: ,, Gute Russudan, der Prophet hat drüben so viel nachzusehen, daß ihm wohl kaum Zeit bleiben dürfte, uns armen Würmern hierselbst seine Aufmerksamkeit zu schenken. Lassen wir lieber die Sache ruhen und stören wir nicht den föſtlichen Frieden des Hauses." Die Cidadelle, welche der Gouverneur bewohnte, war ein ziemlich primitiver Steinbau, der auf halber Höhe des Kachaberi lag, des Gebirgsausläufers, welcher sich hinter Batum in einer das Meer begrenzenden Ebene verliert, einer Ebene, die größtenteils aus sumpfigen Reispflanzungen bestand. Hier auf der Anhöhe war die Luft indes eine gute und reine, und man genoß eine köstliche Aussicht auf die Stadt und über diese hinaus auf die dunkle Wasserfläche. Es gab da herrliche, lauschige Plätzchen in Hülle und Fülle, Wälder von allerlei Gewächsen, die man drüben in Europa mit Mühe und Sorgfalt in glasbedeckten Häusern züchtete, während sie hier in der freien Natur wie das Unkraut wucherten. Aus dem dunklen Glanzgrün der Lorbeerbäume stachen die helleren Blätterbüschel mit den rotblauen Blütentrauben der Rhododendren hervor; hin und wieder schimmerten auf dem saftigen Grün der Hügel und Rasengelände, Feuerflammen gleich, die glühendroten Blumen der Granatstauden; hohe, vielhundertjährige Buchen und Platanen strebten zum Himmel empor, während Del- und Feigenbaumgruppen die lachenden Farben mit matteren und ernsteren Tinten unterbrachen. Höher hinauf zog sich ein Dickicht von majestätischen Tarusbäumen landeinwärts, an deren Stämmen sich die armdicken Weinreben bis zum Gipfel emporwanden, um sich dann mit den Nachbarausläufern zu verschlingen und ein förmliches Netzwerk von Ranken zu bilden, an dem stellenweise Schlingrosen entlang frochen, die zur Frühjahrzeit ihre zarten weißen Blüten zu tausenden darüber streuten. Hier weilten die Freundinnen stundenlang im Freien und genossen mit Wonne diese paradiesische Schönheit der Landschaft. Beide brachten in der Regel ihre Bücher mit, jene von Russudan als schlecht und gefährlich bezeichneten Erzeugnisse des Abendlandes; allein die Lektüre dauerte gewöhnlich nicht lange, da die Herrlichkeit der Umgebung ihre Aufmerksamkeit von den Büchern abzog. Mit der sinkenden Sonne stiegen aus den Reisfeldern Bereich der letzten Strahlen gelangten, sich rötlich färbten weiße Dünste empor, die, gegen das Ufer hinströmend, in den und einen undurchsichtigen Schleier bildeten, so daß nur noch die trübe, gestockte Wasserfläche zu sehen war, welche bis an die gelblich weißen Blütenähren der Reispflanzen reichte. Dann machten sich die beiden Freundinnen auf, um den Heimweg einzuschlagen, denn jetzt entstiegen dem sumpfigen Grunde jene gefährlichen Miasmen, die oft bösartige und langwierige Fieberanfälle im Gefolge haben. Wenn Cherif- Pascha sich's so einzurichten wußte, daß er mit Geschäften nur wenig geplagt wurde, so war er deshalb durchaus kein Mann, der die Einsamkeit und die Zurück. gezogenheit liebte; im Gegenteil, er sah gerne Menschen um sich und nahm mit Vergnügen an solchen Gesprächen tell, welche nicht eine außergewöhnliche Anstrengung der Gehirntätigkeit erforderten. Sein Haus stand mithin allen Leuten gastlich offen, die Lust verspürten, eine Tasse Kaffee zu trinfen, eine Zigarette oder einen Tschibuk zu rauchen und die letzten Stadtneuigkeiten auszutauschen. An bestimmten Abenden versammelte man sich sogar regelmäßig in größerer Anzahl bei ihm, um nach europäischer Art ein paar gesellige Stunden mit einander zu verbringen; machen wollten, und den Beschluß bildete dann immer ein sogar Spieltische standen für solche bereit, die eine Partie Abendessen, bei dem es bezüglich der Speisen und Getränke so manchen Verstoß gegen die Gebote des Propheten gab. ( Fortsetzung folgt.) Du fagft, du habest keine Zeit; Nimmst du sie nicht, du hast sie nie, Die Zeit ist allezeit bereit, Nimmst du sie nur, so hast du sie. 3 Auf Urlaub. Novellette von Paul A. Kirstein. ( Nachdruck verboten.) Was ist mit dem Mädchen? Sage mir, Frau, um alles in der Welt- was ist mit unserer Tochter los?" Der frühere Milchhändler, jezige Rentier Müllensiefen schlug die Hände zusammen, und sah seinem Weibe in die vergnüglich lachenden Augen. " Nun sieh mal an, wie langsam sie durch den Garten schleicht und auf die Erde blickt, als suche sie die verlorene Seligkeit." Frau Müllensiefen tat, als müßte sie sich davon überzeugen und guckte aus dem Fenster. Wahrhaftig," sagte sie dann, sie geht ganz krumm und langsam." Nicht wahr? Aber weshalb? Weshalb?!" Die Frau zuckte die Achseln." Ja... ich weiß es nicht. Vielleicht weil Pfingsten wird.. „ Ach, Unsinn! Das ist doch kein Grund, um betrübt zu fein. Schon ein paar Tage geht es so!" " 1 Du hast recht, Hermann. Je mehr ich darüber nach denke, desto klarer wird es mir. Sie hat sogar geweint..." ,, Wann?" ,, Gestern abend. Ich kam in ihre Stube, wollte sie etwas fragenda sah ich ganz deutlich Tränenspuren auf ihrem Gesicht!" " Und warum?" " Ich hab' sie nicht gefragt." „ Na aber... nun nimm es mir nicht übel! Wenn ich so etwas sehe, dann ruhe ich doch nicht eher, als bis ich es ' raus habe!" Natürlich. Das sagen die Männer alle. Aber, daß ein erwachsenes Mädchen mitunter ein Geheimnis hat daran denkt Ihr nicht!" „ Grethe ist siebzehn Jahr--" „ Na und?" Frau Müllensiefen faßte zärtlich ihren Gatten um die Schulter. Wie alt war ich denn, Hermann, als wir uns versprachen, als du mir in unserm kleinen Wäld. chen- weißt du, wo die Birken stehen und die Weiden sich so herunterneigen den ersten Kuß gegeben? Na..." Ihr Gatte lächelte. Es war leichtsinnig genug. Du warst' n Kind und ich... na, ich war eigentlich gar nichts." ,, Und wir haben doch so treu zusammengehalten, bis ich erwachsen, und du ein ordentlicher Mann geworden warst? Hat's uns geschadet? Wir haben zusammen gestrebt und überlegt, bis es uns glückte. Hast du's jemals schon zu bereuen gehabt?" „ Nein, das nicht. Das wirklich nicht!" Der große, starte Mann zog seine treue Lebensgefährtin zu sich heran, und hielt sie fest. Aber sieh mal, Frau wir haben nur diese eine Tochter. Und sie steht besser im Leben, als wir beide da ' mals zusammen. Wir können sie ausstatten, daß sie vor Sorgen im Leben geschützt ist. Sie möchte ich nicht so schnell aus Sem Hause geben. Es ist doch das einzige, was wie die Sonne hier lacht und leuchtet. Und die ist nun betrübt jetzt... wo Pfingsten kommt, wo die ganze Welt lieb und freundlich ist, wo es einem wird... man weiß nicht wie! Sieh, sie soll noch kein Geheimnis haben wie damals du und ich. Sie soll lachen und sich ihres Lebens freuen!" Liebevoll schüttelte er ihre derbe Gestalt. Du mußt es ihr ausreden!" fagte er bittend. Das könnt ihr Frauen doch sonst so gut Ein halbes Stündchen später saß Frau Müllensiefen einsam im Erfer ihres kleinen Gartenhäuschens und blickte etwas verträumt über die junge Pracht, die der Frühling [ o zu vollem Glanz entfaltet. Vom Hofe hinter dem Haus lang das Gackern der Hühner und Enten, das Surren der Tauben hinüber, und selbst die beiden Kühe, die sie sich noch aus alter Gewohnheit hielten, blöekten in die ländliche Stille, ohne daß die Frau am Fenster es bemerkte. Ausreden, der Tochter die Neigung ausreden, hatte ihr Mann gesagt, sie wieder lustig und fröhlich machen... ja, wenn das nur so leicht ginge! O, sie wußte recht gut, seit wann die stille Bangigkeit über ihre Tochter gekommen war. Seit jenem Abend, wo der Vater bei Tisch erzählte daß der Sohn des reichen Müllers Kern zu Pfingsten auf Urlaub fäme, zum erstenmal. „ Und denkt euch bloß: Gefreiter ist er geworden, nach faum einem Jahr!" Sie beide hatten sich recht darüber gefreut, denn der Müller Kern war ihr Nachbar, und ihr Freund seit vielen Jahren. Nur Grete war stumm geblieben. Ueber ihr liebes Antlitz war ein leichtes Rot gehuscht, und seltsam hatten ihre blauen Augen geflimmert. „ Wann kommt er?" hatte sie leis gefragt. " Na zu Pfingsten natürlich! Wann denn sonst?" Der Vater hatte so gelacht, daß er nichts bemerkte. Denn ohne dieſes Lachen hätte es ihm nicht entgehen können, daß Grethchen nur: Da werden sich seine Eltern aber freuen!" antwortete, und dann leise aus dem Zimmer huschte. Seit jenem Tage war sie so verwandelt, daß es selbst dem Vater auffiel. Die Mutter hatte es ja längst gesehen, aber was sollte sie sagen, was sollte sie ihr ausreden? Grethchen hatte auch nicht mit einer Silbe bisher sich verraten. Und das wußte sie längst, wenn das achtzehnte Jahr sich nahte, so wie bei ihrer Tochter... dann konnte der liebe Herrgott herniedersteigen aus einem Mädchenherzen würde auch er nichts erfahren. Das kannte sie aus eigenen Erlebniſſen. Grethchen ging indes noch immer in dem Garten hin und her. Mit jeder Stunde, ja fast mit jeder Minute umdrängte es ihr Herz immer mehr und mehr. Sie wußte ja, sie mußte mit ihm freundlich sein, wenn er auf Urlaub zu seinen Eltern kam, und davor bangte ihr, daß ihr die Pulse wie kleine Hämmer schlugen, daß ihr die Angst den Atem benahm. Ein Jahr lang hatte sie sich zur Ruhe gezwungen, ein Jahr lang allen Schmerz und Gram siegreich niedergekämpft, und nun... die ganze, liebe Mühe wie Spreu davongeflogen, ſchon bei der ersten Nachricht. Warum er nur damals so davongegangen war, ohne Abschied, ohne das kleinste Wort?! Sie hatte ihm mit Absicht nichts zu Leide getan- das konnte sie vor dem Altar beschwören. Sie hatte ihm die Treue, die nicht erbetene, nicht verlangte, immer bewahrt, schon von jenen Tagen, wo sie die Kinderschuhe ausgetreten hatten, wo sie seine Augen schimmern, seine Hände zittern sah, und wo in ihrem Herzen sich die Sehnsucht regte. Und trotzdem, trotzdem!! Sie schüttelte den Kopf. Wie man so schlecht, so treuloš, so unehrlich sein konnte! Und der Frühlingswind umfächelte ihr blondes Haar, als wollte er ihr die schlimmen Gedanken wegfangen. Und der Flieder grüßte sie mit süßem Duft, als wollte er ihr Herz wieder mit Freude füllen umsonst, umsonst! Die schwarzen Schatten wichen nicht! Und doch klang es wie ein Hurrageschrei durch die sonnige Welt, daß es nun endlich Pfingsten war! Ach Pfingsten... Pfingsten Die Fenster mußte man weit aufreißen, daß in die dum pfen Stuben die klare, stärkende Luft sich ergoz, das Herz mußte man halten, daß es nicht töricht sprang und klang. War's doch, als verjüngte man sich selber, wenn die Sonnenfunken in das Blut einzogen, und das Sprießen und Wachsen in Wald und Feld die Brust aufs neue fräftig hob und senkte. Ja, Pfingsten... du bist ein Fest der Freude, du bringst die Tage der Lust.. Alles dachte so in dem kleinen Städtchen, nur Grethchen nicht. Schon als sie in ihrem kleinen Elternhaus die vielen Birkenzweige sah, die es ausschmückten, krampfte sich ihr Herz zusammen. Was war Pfingsten für sie?! Das Aufleben einer Erinnerung, die schmerzlicher war als die herbste Enttäuschung. Sie konnte sich des Pfingstkuchens nicht freuen, der so schön aufgegangen war, dessen süßer Duft alle Zimmer erfüllte, und der locker und ladend in der Eẞstube stand. Selbst des neuen, hellen Pfingstkleides achtete sie nicht. War's ihr doch, als paßte es nicht für ihren stillen Gram, der so seltsam mit der Frühlingsschönheit kontraſtierte. Und nun sollte sie es anziehen ihm zu Ehren, der sie so gekränkt, der all ihren Schmerz leichtfertig hercufbeschworen hatte. Osie hatte ihn wohl gesehen, als er am Morgen anmarschiert kam. Kräftig ausschreitend war er über die Necker hinweg, quer über die Felder, auf denen die Saat schon träftig emporschoß, seinem Vaterhause zugegangen. Die lange, unbequeme Bahnfahrt hatte ihm ebensowenig wie der anstren gende Dienst etwas anhaben können. Elastisch und frisch