Nr. 118. Erstes Blatt. bonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertelfährlich Mr. 1.50. attsbetlagen: Oberheffifche Familienzeitung( täglich) und die Gießener Geifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Samstag, den 21. Mai 1904. Gießener g 13. Jahrgang. Jnsertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz Ober hefsen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg. Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 88. Fernsprechanschluß Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Unabhängige Tageszeitung ( Gießener Beifung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberheffen. Pfingsten.< llgewaltig flammt dein Werde, Geist der Pfingsten, ew'ges Licht! Wieder wandelst du die Erde Sonnig uns zum Lenzgedicht, Spendest brausend aus der Wolke Segen hoffnungsvoller flur, Sprichst verständlich allem Volke Heute noch durch die Natur. Sanken Götter auch zum Staube, Immer neue Wunder schafft Toch der alte, fromme Glaube Un des heil'gen Geistes Kraft. Licht im Tagesstreit verklungen Jst das Wort voll Poesie, Das einst der Apostel Zungen flammende Begeist'rung lieh. Schmerzlich wie ein Ruf der Klage fordert es von unsrer Zeit, Daß sie die Beschwörung wage, Die vom Bösen uns befreit, Daß sie nur das Licht erküre Zu der Völker Schirm und Schild, Und in ihrem Banner führe Einer Taube friedlich Bild. Geist, der du zu froher feier Gabst der Erde Lenz und Licht, Komm, o fomm auch als Befreier, Der zu Herzen wieder spricht, Zu den kummervollen, armen: ,, Klagt nicht mehr, ich bin der Geist Jenes Gottes voll Erbarmen, Welchen ihr die Liebe heißt!" Der Krieg in Oftalien. Die japanische Flotte ist bei Port Arthur von einer schweren Doppelfatastrophe betroffen worden. Nicht, wie es anfangs hieß, Asama“ und„ Schitischima", sondern der Kreuzer, Joschino" und das Panzerschiff„ Hatsusa" haben ihr Grab in den Wellen gefunden und mit ihnen sind rund 720 wadere Seeleute ertrunken. Das ist ein herber Schlag für die Japaner, der auf die Siegestrunkenheit in Tokio wie Meltau gefallen ist. Das Unglück wirft um so deprimierender, als nach einer Meldung des Admirals Logo das bereits verzeichnete Gerücht, daß eine russische Torpedoboots flottille in den Kampf eingegriffen hat, auf Wahrheit beruht. Die russische Flotte in Port Arthur hat also einen Teil ihrer Bewegungsfreiheit wieder erlangt und kann bei dem bewiesenen Schneid dem blockierenden japanischen Geschwader viel zu schaffen machen. Die Torpedoboote mußten vor der japanischen Uebermacht natürlich zurückweichen. Die Katastrophe der beiden japanischen Kriegsschiffe ist nur bei einem, dem Panzer„ Hatsusa", auf die Wirkung unterseeischer Minen zurückzuführen. Der Kreuzer, Joschino" dagegen wurde von dem Kreuzer ,, Kasuga" im dichten Nebel mit dem Sporn gerammt. Der Joschino" sank infolge des ungeheuren Leckes, das der mächtige Stoß verursachte, in wenigen Augenblicken, und von seiner 370 Mann betragenden Besatzung konnten nur 90 gerettet werden. Beim„ Hatsusa" lagen die Verhältnisse günstiger. Er stieß, wie Admiral Togo berichtet, zehn Knoten südöstlich vom Eingang des Hafens Port Arthur, wo er kreuzte, um die Landung der Japaner zu decken, auf eine russische Mine. Er signalisierte um Hilfe, die ihm auch sofort wurde. Doch stieß er, während er von den herbeigeeilten Schiffen bugsiert wurde, nochmals auf eine Mine, so daß keine Rettung mehr möglich war. Er sank in einer halben Stunde weg. Von seiner 740 Mann betragenden Besayung sind trotzdem 440 untergegangen. Eine anfängliche Meldung, daß Konteradmiral Naschiwa mit dem Schiffe seinen Tod in den Wellen gefunden babe. wird von Admiral Toao dementiert. Nasbiwa befindet sich ebenso wie der Kapitän des Schiffes, Nakao, unter den Geretteten. Soschino" hatte 4225 Tonnen, zwölf Schnellfeuerfanonen, 16 000 Pferdekräfte und 22 Seemeilen Geschwindigkeit. Das Linienschiff Hatsusa" mißt 15 200 Zonnen, 14 Schnellfeuerkanonen und hatte eine Geschwindigfeit von 19 Seemeilen. Der Verlust der Schiffe ist also eine große Schwächung der japanischen Gefechtsstärke. Nach russischen Berichten sollen bei Dalny noch zwei weitere japanische Schiffe beschädigt und bei Port Arthur ebenfalls außer den beiden untergegangenen noch ein drittes kampfunfähig gemacht sein. Russischer Kreuzer untergegangen. Aber auch die russische Flotte ist von einem neuen Unglück getroffen worden. Nach einer Meldung aus Petersburg ist der russische große Kreuzer Bogatyr" in einer felsigen Bucht in der Nähe von Wladiwostok gescheitert. Die Mannschaft wurde gerettet. Die Politik. Seitens der Kolonialverwaltung wird die Entsendung bon etwa 300 Mann der südwestafrikanischen Schuhtruppe nach dem Süden der Kolonie, nach Groß- Namaland, geplant. Unter den dortigen Eingeborenen machen sich, offenbar unter dem Einfluß der keineswegs gebändigten Bondelzwarts, deutschfeindliche Strömungen geltend, man fürchtet, daß es neuerdings zu großen Unruhen kommen fönnte, wenn nicht bald eine stärkere Truppenmacht in jenem Gebiet erscheint. Zur Zeit stehen dort etwa 350 Mann. † Wie Kaiser Wilhelm I. über die an anderen Höfen so beliebte ,, Nebenregierung" dachte, lehrt eine Anekdote, die sich in den eben erschienenen Erinnerungen des früheren preußischen Kultusministers Bosse findet. Bosse erzählt: Ein belaunter Generaladjutant hatte sich einmal verleiten lassen, in einer außerordentlich wichtigen Angelegenheit, die nicht zu seinem Ressort gehörte, den Kaiser zu sondieren. Er erspähte, wie er selbst erzählte, eine Stunde, wo der Kaiser auffallend gut gelaunt und gnädig gegen ihn war. Da faßte er sich denn ein Herz und fragte, ob er wohl einmal eine besondere Angelegenheit mitteilen dürfte. Der Kaiser erlaubte das sehr gnädig und ließ ihn ausreden. Dann aber sagte er zu ihm:„ Licber N. N., ich will Ihnen etwas sagen. Was Sie mir da crzählen, ist ja ganz gut und schön. Sie müssen sich aber doch selbst sagen, daß ich in solchen Sachen nichts ohne den Minister tun kann, den die Sachen angehen. Wenn ich in dieser Angelegenheit eines Rates bedarf, so wende ich mich an den Fürsten Bismarck. Merken Sie sich das für die Zukunft!" Der Generaladjutant fügte hinzu, er sei sich wie ein zurechtgewiesener Schulknabe vorgekommen. Seitdem sei er aber gründlich kuriert und gegen ähnliche Zumutungen, den Kaiser in„ besonderen" Sachen zu beraten, ein für allemal gefeit gewese... Der erste allgemeine Tag für„ Deutsche Erziehung" wird vom 23. bis 25. Mai in Weimar stattfinden. Dort sollen die Grundzüge einer wahrhaft deutschen Bildung aufgestellt werden, mit Entschiedenheit will man auf eine gründliche Befreiung unseres Schulwesens von allem Unnatürlichen und Undeutschen dringen und als Hauptbildungsmittel für unsere Jugend das deutsche Volkstum, die deutsche Kultur, Geschichte, Sprache, Literatur, Kunst u. s. w. empfehlen. Die Dresdner Stadtverordneten haben die Umsatzsteuer für Großbetriebe, Warenhäuser und 3weiggeschäfte im Kleinhandel angenommen. Der Entwurf wurde nur dahin abgeändert, daß die Umsatzsteuer bei dreihunderttausend Mark und die Zweiggeschäftssteuer bei zwei Filialen und hunderttausend Mark Umsaß beginnt. * In Nom ist jetzt in einer Versammlung der Mitglieder der reichsdeutschen Kolonie ein deutscher Schulverein auf paritätischer Basis endgültig begründet worden. Der Verein hat die bisher in Rom bestehende deutsche Privatschule bereits in seine eigene Verwaltung übernommen. Oesterreich- Ungarn. Alle miteinander, die interessanten Völkerschaften der Donaumonarchie, sie können nicht auskommen ohne die ihnen so verhaßte deutsche Sprache. Das Neueste ist, daß auf einem demnächst stattfindenden slawischen Deutschenfresserkongres das Deutsche Verhandlungssprache sein wird. Die österreichischen slawischen Brüder, Tschechen und Südslawen, müssen deutsch sprechen, wenn sie einander überhaupt verstehen wollen! Was sie den Deutschen so gern verbieten möchten und so sehr verargen, deutsch zu sprechen, das müssen sie selber tun!! Es ist das eine der feinsten Fronien der Geschichte des österreichischen Nationalitätenstreites, des allgemeinen Ansturmes auf das Deutschtum. Für Ende Mai iſt nach Prag ein panslawistischer Studentenkongreß einberufen, für den eifrig agitiert wird. Aber es ist auch hier wieder, da die„ panslawistische Sprache" noch nicht gefunden ist, die alte Frage aufgetaucht, welcher Sprache die slawischen Brüder sich eigentlich bei der Fällung ihres Todesurteils über das Deutsche bedienen sollen. Und da kam man denn wieder, wie in früheren Fällen zu dem Schluß, den die Einladuna zu dem Kongreß etwas verschämt also fundgibt:„ An deni offiziellen Festabend sind alle slawischen Idiome zugelassen; bei den übrigen Veranstaltungen sollen als Verständigungssprache lediglich die französische und die deutsche Sprache gelten, da es leider Tatsache ist, daß man zum Teil auch zur deutschen Sprache, zum Zwecke der gegenseitigen Verständigung, wird Zuflucht nehmen müssen." Ja, daitsches Sprak is sich schweres Spraf, aber Bruder Böhm und Bruder Kroat können ohne sie nicht auskommen! Heilige Slawa! Italien. In Italien wie in Frankreich wirbelt die Note Papst Pius X. an das Pariser Kabinett nach wie vor viel Staub auf. Der Vatikan läßt jetzt erklären, die von der Pariser ,, Humanité" veröffentlichte Note sei nicht diejenige, die dem Pariser Kabinett überreicht worden ist, sondern die vom Kardinalſtaatssekretär Merry del Val den katholischen Mächten zugestellte Mitteilung, durch welche man diesen inhaltlich die an Frankreich gesandte Depesche zur Kenntnis brachte. An Preußen, Rußland und England sei diese vatifanische Mitteilung nicht ergangen; sie wurde ausschließlich an katholische Mächte gerichtet, um festzustellen, daß die Oberhäupter ihrer Staaten vom Papst nicht empfangen werden könnten, wenn sie gleichzeitig mit dem Papst und dem König von Italien in Rom Höflichkeiten austauschen wollten. Der Vatikan begreife die Erregung nicht, welche durch sie hervorgerufen worden sei. Sehr interessant ist eine Verteidigung des vatikanischen Protestes gegen Loubets Romreise in dem päpstlichen Blatt Osservatore Romano". Darin heißt es: Der Papst habe nicht gegen die franzö sisch- italienische Annäherung protestiert, und wenn nach dieser Annäherung Präsident Loubet den König Viktor Emanuel in irgend einer anderen Stadt Italiens besucht hätte, würde der Heilige Stuhl sicher nichts gesagt haben. Dagegen habe er nicht stillschweigend dulden dürfen, daß das Oberhaupt eines katholischen Volkes und besonders Frankreichs durch einen amtlichen feierlichen Besuch im Quirinal die Vorgänge von 1870 billige und auch das Recht des Papstes verletze. In Frankreich wird diese Argumentation kaum Eindruck machen. Indessen scheint das Kabinett Combes, das eben noch so auf der Höhe der Situation schien, neuerdings nicht mehr so fest zu stehen: Die Wahl für die Budgetkommission der Kammer hat mit einer Schlappe des Kabinetts geendet. Amerika. A Große Arbeiterentlassungen sind im Staate Pennsylvania vorgekommen. Infolge Rückgangs des Geschäfts hat die Pennsylvania- Eisenbahngesellschaft beschlossen, 11 000 Mann der Sektion östlich von Pittsburg zu entlassen und eine entsprechende Verminderung auch bei der westlichen Seftion vorzunehmen. Da wird es natürlich zu schweren Kalamitäten kommen. Lokales. ** Pfingsten. Der Glocken Jubelflang fündet der Christenheit, daß die letzte Stufe des großen Erlösungswerkes, durch das der barmherzige Gott die sündige Menschheit aus Nachi und Banden befreit, erreicht ist. An das Wunder der Geburt des Messias zu Weihnachten, der Auferstehung von qualvollem Opfertode zu Ostern schließt sich nun zu Pfingsten als Krone die geheimnisvolle Ausgießung des heiligen Geistes an. Damit ist das Werk vollendet, der Sieg des Lichtes über die Finsternis endgültig vollbracht. Und während die Lobpsalmen zum Preise des siegreichen Heilands in den Kirchen erklingen, feiert auch draußen Feld und Au das Siegesfest des Lichts. Am Osterfeste war der lichte Gott des Sommers wieder in sein Reich und Erbe eingezogen und brachte der vom grimmen Winter in Fesseln geschlagenen Erde die ersehnte Befreiung. Aber der Feind wich nicht auf den ersten Streich. Immer wieder schickte er seine Eisund Sturmriesen zu neuem verzweifelten Kampfe vor, aber alle Stärke und aller Berserkerzorn halfen ihnen nichts, sie mußten beschämt vor der Sonnenlanze des jungen Lenzes die Waffen strecken. Der aber feiert nun, da keine Gefahr mehr von dem heimtückischen Gegner zu befürchten ist, in Friede und Freuden sein Hochzeitsfest mit der bräutlich errötenden Erde, die sich mit allen Reizen jungfrischer Schönheit geschmückt hat: Rosen im Haar, sonnigen Glanz in den strahlenden Augen und die Hände voller Blumen und grünender Zweige. Und die tausend Vöglein in Wald, Feld und Garten bringen dem holden Paar ein jubelndes Ständchen. Wie sollte da nicht auch ein Strahl aller der Herrlichkeit ringsum ins ärmste Menschenherz fallen und die jubelnden Stimmen nicht auch in ihm ein helles Echo erwecken! Jeder gibt sich mit allen Sinnen dem Zauber des Frühlingsfestes gefangen. Hinaus in Gottes schöne Welt heißt die Losung für alle, die gesund und frisch sind, sich zu erquicken an den berschwenderischen Gaben des blühenden Lenzes. Aber auch für die, die krank und bekümmert zu Hause bleiben müssen, bringt das Fest in den frischen Maien, die es ihnen sendet, einen Frühlingsgruß und eine Verheißung baldiger Genesung und freudiger Hoffnung. Allen ein fröhliches Pfingstfest! Selingelfchnur. mit einer in Perlen gestickten Epheuguirlande berzierten weiteres fort; unfere ehrliche, simple, deutsche Art taugt nichts In der Heimat ist es am besten, und Bleiben Sie bei uns, Herr Staudius," fuhr er ohne für das Dollarland. are ornfänger auf artem Iäftig fallen weroe. entfinne ich mich noch. Der ist natürlich noch und Spatzen drin, soviela," lachte der Justizrat, ja wohl, wünschen." aber der alte Nußbaum im Hof, dessen Und richtiges Empfinden. Gesundnatürlichen Verstand. Als Höchstes wirst du finden Was der Mensch ersann, erfand, Und doch haben Sie die Kühnheit gehabt, ihr seitdem bon Born und Haß, die ihn gegen den Mann beseelte, zum den" Hof zu machen!" schrie Picotin, bei dem die ganze Fülle Leutenug davon! Ich pflege mich nicht zu streiten mit bin ich hnen Durchbruch fam. noch viel weniger * Z Willkommen zum Gesangswettstreit! um ersten Mal beherbergt unsere Provinzialhauptstadt Gießen in ihren Mauern einen derartig größeren Wettstreit. Aus naher und weiter Ferne kommt Ihr herbei, Ihr deutschen Brüder; bringt Grüße mit vom Main und Rheines Strand, aus dem Westerwald, von der Weser wildem Lauf, und unserem gern gelobten Vogelsberg. An Pfingsten, dem schönsten Fest der Sommerszeit vereinigt Ihr Euch und gebt dem deutschen Liede, dem deutschen Männergesange seinen Tribut, pfleget damit deutsches Nationalbewußtsein und deutsche Einigkeit. Die Stadt Gießen weiß dies zu würdigen und hat darum mit großer Umsicht zu Euerem Empfange vorbereitet. Zieht mit froher Zuversicht bei uns ein, sehr viele frohe Sängerherzen schlagen Euch entgegen, die mit der Bürgerschaft wünschen, daß freudige Stunden und beste Harmonie dem ganzen Feste steter Begleiter sein mögen. Möge aber auch nach dem Wettstreit Euch beim Abschied der gern erhoffte Preis mit auf den Weg gegeben werden mit dem Bewußtsein: Es war ein scharfer aber friedlicher Kampf. Dem Nationalen Gesangswettstreit darum ein Glück auf" und den Sängern von auswärts ein herzliches Willkommen! Na Eröffn Feſt Vormittag Beginn 20 § Der Wahlrechtsausschuß der zweiten Kammer war vorgestern Nachmittag zu einer kurzen Sigung beisammen und regelte die neue Einteilung der Wahlkreise für Oberhessen. Die Stadt Gießen erhält einen zweiten Abgeordneten, nachdem der Ausschußantrag dafür eingetreten ist, dem sich nur der Abg. Köhler nicht anschloß. Außerdem wird ein neuer ländlicher Wahlkreis dadurch geschaffen, daß außer den vier südlichen oberhessischen Wahlkreisen eine Reihe von Ortschaften ausgesondert und zu einem vereinigt werden. Es steht nunmehr zu erwarten, daß das Plenum der zweiten Kammer zur Beratung der in den letzten Wochen vom Ausschuß beschlossenen Fassung der Wahlrechtsvorlage spätestens Mitte Juni zusammentritt. * ** Gendarm Haas, bisher in Gießen stationiert, ist unterm 16. Mai nach Sprendlingen( Rheinhessen) versezt worden. *** Bei der gestern Abend vorgenommenen Abgeordnetenwahl wurde Rechtsanwalt Windecker( natlib.) mit 19 Stimmen gewählt. Dekonomierat Schlent in Friedberg( Bund der Landwirte) erhielt 12 Stimmen. Den hessischen Gensdarmen wurde durch ministerielle Verfügung gestattet, bei den Wahlen zum Reichstag und zur zweiten hessischen Kammer das Wahlrecht aus zuüben. Die hessische Genossenschaft von Johanniter- Rittern wird unter dem Vorsiz ihres Kommendators Sr. Erlaucht des Grafen von Schliz genannt von Gör ihren diesjährigen Rittertag am Mittwoch den 1. Juni d. Is., nachm. halb 2 Uhr, in der Komtarkirche zu Nieder- Weisel abhalten. *** Nationaler Gesangs- Wettstreit zu Gießen. Der große Festzug am Pfingstmontag hat in letter Stunde eine fleine Aenderung erfahren. Die Kriegervereine werden, nicht wie in der Zugordnung ſteht getrennt, sondern hintereinander, also gemeinsam mit ihren Fahnen im Zuge marschieren.- Ferner wird der Festzug, wenn er von der Marktstraße aus durch die Bahnstraße marschiert, an der Westanlage sich wenden und im Gegenzug zurück durch die Neustadt nach dem Festplatz marschieren. Es ergeht darum auch besonders an die Bewohner der Neustadt die Bitte, recht aufmerksam zu flaggen, damit die fremden Sänger am Schluß des Umzuges den besten Eindruck erhalten. A Nationaler Gesangs- Wettstreit zu Gießen. Zu der gestern Abend von dem MaschinenbauerGesangverein sowie von den vereinigten Gießener GesangBekanntmachung. Geborene. vereinen in der Festhalle veranstalteten Generalprobe hatte| Georg Joseph Ez, Feldwebel dahier mit Margarethe Bayer sich eine große Anzahl Zuhörer eingefunden. Die vom Mahierselbst. schinenbauer- Gesangverein unter Leitung des Dirigenten Herrn W. Gernhardt vorgetragenen Lieder gaben davon Zeugnis, daß der Verein z Zt. in der schönsten Blüte steht. Auch die von den vereinigten Gießener Gesangvereinen unter Leitung des Herrn Franz Bauer zu Gehör gebrachten Festgefänge zeugten von großem Fleiß und Ausdauer der einzelnen Vereine. Der heute Abend stattfindende EröffnungsKommers wird also Außergewöhnliches bieten. A Grünberg, 21. Mai. Der hiesige Musikverein hält am 2. Pfingstfeiertage auf der Neumühle ein Konzert ab, zu welchem ein gewähltes Programm aufgestellt worden ist. ( Näheres siehe Inserat in heutiger Nummer.) ** * Windhausen. Am 5. Juni hält der hiesige Kriegerverein sein Fahnenweihfest ab. Standesamt- Nachrichten der Stadt Gießen. Aufgebote. Am 13. Mai. Heinrich Emil Hermann Mahler, Megger dahier mit Louise Katharine Dickhardt in Grünberg. Ernst Jung, Schreibmaterialienhändler dahier mit Elisabethe Katharine Bob hierselbst. 14. Wilhelm Frißius, Bahnarbeiter dahier mit Christine Herrmann hierselbst. 17. Johann Wilhelm Albert Meyer, Kaufmann in Frankfurt a. M. mit Mathilde Elvire Julie Auguste Erna Brußatis dahier. 18. Rudolf Rohrbach, Taglöhner in Großen- Linden mit Christine Schön dahier. 19 Ludwig Wagner IX., ZimmerChristine Schön dahier. 19 Ludwig Wagner IX., Zimmermann in Großen- Busck mit Elisabethe Stühler daselbst. Christian Peter, Schmied in Königsberg mit Auguste Johannette Ringsdorf dahier. Eheschließungen. Am 14. Mai. Georg August Heinrich Todt, Kaufmann dahier mit Minna Vogt hierselbst. Heinrich Friedrich Neu, Buchdruckerei- Faftor in Offenbach a. M. mit Anna Sophie Kreie dahier. Heinrich Herrmann, Kreisstraßenmeister dahier mit Anna Katharine Elisabethe Minna Anauß hierselbst. Karl Keil, Weißbinder dahier mit Elisabethe Menz geb. Kühn hierselbst. Karl Ludwig Käppele, Hilfsheizer dahier mit Caroline Therese Schnabel hierselbst. Adolf Winkler, Mechaniker dahier mit Wilhelmine Zoll hierselbst. August Wilhelm Roth, Schreiner dahier mit Katharine Hartm: hierselbst. 16. Friedrich Albert Schmidt, Fuhrknecht dahier mit Anna Marie Berger hier selbst. 19. Dr. phil. Otto Adolf Eduard August Karl Reinhard Koch, Chemiker in Offenbach a. M. mit Alma Marie Charlotte Melzer dahier. Die Crednerstraße zwischen Hofmann- und Klinikstraße wird wegen Vornahme von Walzarbeiten von bei heute ab bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrradverkehr gesperrt. Gießen, den 21. Mai 1904. Großh. Polizeiamt Gießen. J. V.: Noth. Bekanntmachung. Die am 1. März 1. Js. angeordnete Sperre der Westanlage zwischen Seltersweg und Bahnhofstraße wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 21. Mat 1904. Großh. Polizeiamt Gießen. I V.: Noth. Bekanntmachung. Die Bahnhofstraße zwischen Westanlage und Liebigstraße wird wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten von Mittwoch, den 25. Mai 1. Js. an bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrradverkehr gespert. Gießen, den 21. Mai 1904. Großh. Polizeiamt Gießen. J. V. Roth. Weißbinderarbeit. Die zur äußeren Herstellung der Direktorwohnung dem Gymnasium zu Gießen erforderliche Weißbinderarbeit soll unter Hinweis auf den Ministerialerlaß vom 16. Juni 1893 auf dem Submissionsweg vergeben werden Die nötigen Unterlagen liegen auf unserem Büreau zur Einsicht offen und können daselbst auch Angebotsformulare gegen Entrichtung der Selbstkosten in Empfang genommen werden. Angeboten sind bis zum 4. Juni d. Js., vormita tags 10 Uhr, mit entsprechender Aufschrift versehen, portofrei an uns abzugeben. Zuschlagsfrist 2 Wochen. Gießen, den 20. Mai 1904. Großh Hochbauamt. Reuling. Freibant. Ochsenfleisch, 52 Pfe. Rindfleisch, 50 fa. Ochsenfleisch gesal. 40 B. Schweinefleis 35 Pfg. Die Freibank bleibt bis Abend 9 Uhr geöffnet. Am 11. Mai. Dem Gerichtsschreibergehilfen Wilhelm Sartorius ein Sohn. 13. Dem Meßgermeister und Wirt Hammel eine Tochter. 14. Dem Erdarbeiter Heinrich Sehrt eine Tochter. Dem Eisendreher Ludwig Gleißner eine Tochter, Johanna Elisabeth Käthchen. Dem Spenglermeister Georg Appel eine Tochter. Dem Schreiner Heinrich Horn ein Sohn, Otto Heinrich. Dem Wirt Karl List eine Tochter, Anna Emilie. 15. Dem Eisendreher Josephat Staubach eine Tochter, Anna Luise. Dem Kaufmann Wilhelm Jullmann ein Sohn, Ernst Wilhelm. 16. Dem Dienstmann Kaspar Eisenbach ein Sohn. Dem Kaiserl. Bankaorstand Emil Laufter eine Tochter, Ferna Charlotte Elisabeth Luise Utta. 18. Dem Steinbrecher August Ernst Valentin ein Sohn, Bernhard Louis. Dem Universitäteprofessor Dr. Wilhelm Sievers ein Sohn. Deueste Nachrichten. Frankfurt a. D., 21. Mai.( Telegramm.) Bei der gestern hier stattgefundenen Stichwahl zwischen nationalliberalen Kandidaten Bassermann und dem Sozialdemofraten Dr. Braun wurde ersterer gewählt. Nur durch gemeinsames Zusammengehen aller bürgerlichen Parteien war es möglich, Bassermann, der bekanntlich ein ruhiger und sachlicher Politiker ist und fern von einer extremen Parteipolitik steht, zum Siege zu verhelfen! Marktberichte. Gießen, 21. Mai. Auf dem heutigen Wochenmartt lofteten Butter per Pfd. 1.00-1.15 Mt., Hühnereler per Stück 5-6 Pfg., Enteneier St. 7 Pfg., Käse per St. 6-8 Pfg., Käsematte 2 St. 5-6 Pfg., Erbsen per Liter 21 Pfg., Linsen per Liter 32 Bfg.. Tauben per Paar Mr. 0.80-1.00, Hühner per Stüd Mt. 1.30-1.40, Hahnen, per Stüd 0.80-1.70, Enten per Stüd 1.70-2.20, Gänse per Pfd. 65-70 Pfg., Ochsenfleisch per fb. 70-80 Bfg., Rindfleisch per Pfd. 62-68 Pfg. per Pfd Schweinefleisch 60-72 Pia. Sa teine fletsch gesalzen per Pfund 0.76 fg., albfleisch per Pfd. 68-76 Pfg., Hammelfleisch per Pfd. 50-74 Pfa.. Kartoffeln pro 100 Kilo 6.00 M., 3wiebeln per 3t. Mr. 7.00-10.00, Aepfel per Centner 20-25 Mr. Milch per Liter 18 Vfa. Dauer der Marktzeit Wochenmarktverkehrs dürfen vor Beginn der Marktzeit überhantt bon 7 Uhr morgens bis 1 Uhr Nachmittags. Gegenstände des nicht, und während der ersten dret Stunden der Marktzeit im Umherziehen feilgeboten werden. Verantwortlich: für den politischen, vermischten und unterholtenden Teil Albin Klein; für den lokalen Tell Karl Klose Ia. KernlederTreibriemen beste Eichenlohgruben= Gerbung nach alt bewährt. Methode. Holzriemscheiben in allen gangbaren Größen fowie alle techn. 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Nachmittags 4 Uhr: Ehrenpreis- Singen in verschiedenen Sälen der Stadt. Konzert auf dem Festplate und in der Festhalle, Volksbelustigungen, Tanz. Abends 8 Uhr: Großes Konzert, Gesangsvorträge und Preisverteilung in der Festhalle. Dienstag, den 24. Mai. Vormittags 10 Uhr: Frühkonzert auf dem Festplatz. Nachmittags 4 Uhr: Großes Konzert, Tanz und Volksbeluftigungen auf dem Festplate und in der Festhalle. Abends 8 Uhr. Turnerische Aufführungen in der Festhalle. Grosses Brillant- Feuerwerk auf dem Festplatz. Die Musik wird ausgeführt von der ganzen Kapelle des 2. Großh. Heff. Inf.- Regts. Raiser Wilhelm Nr. 116 unter persönlicher Leitung des Großzh. Musikdirektors Herrn Krauße. Eintrittspreise. Familienkarte: nebst einer Beikarte( zwei Personen) Mt. 3.-, im Vorverkauf Mt. 2.70. Weitere Beifarten 50 Pfg. Giltig zu allen Veranstaltungen. Kinder haben unter Begleitung Erwachsener freien Eintritt, Söhne über 17 Jahre haben besondere Karte zu lösen. Einzel- Dauerkarte für alle Veranstaltungen Mf. 2., im Vorverkauf Mt. 1.80. Tageskarte: Mt. 1.-. Einmaliger Eintritt am 21. Mat 20 Pfg., am 22., 23. und 24. Mai 50 Pfg. Saalkarte: zum Klassen- und zum Ehrenpreis- Singen je Mk. 1. Hierzu haben Kinder keinen Zutritt. Vorverkauf: Frankfurterstraße: Adolf Lenhard, Kolonialwarenhandlung; H. Hettler, Konditorei. Seltersweg in den Cigarrenhandlungen H. Aubel, W. Semmler. nes Kirchenplatz: Ph. Weiler, Cigarrenhandlung. - - - Mäusburg: Ernst Balser, Buchhandlung. Marktplatz: Chr. Wallenfells, Kolonialwarenhandlung. Lindenplatz: Daniel Heil Nachf. Walltor: L. Althoff. Neustadt: Ph. Moog, Cigarrenhandlung, Chr. Biefer, Kolonialwaren handlung. Babuhofstraße: C. G. Kleinhenn, Delikatessenhandlung, Gebr. Berdur, Kolonialwarenhandlung.-Neuenweg: Ernst Challier, Musikalienhandlung. Schulstraße: G. Sonntag, Cigarrenhandlung. Ludwigsplatz: J. Seibel, Kolonialwarenhandlung. Ludwigstr.: Fr. Kühnhold, Wirt u. Kolonialwarenhandlung. 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Hiermit ersuchen wir die aktiven Mitglieder unserer Wehr sich an dem am 2. Pfingstfeiertag stattfindenden Festzuge, gelegentlich des Nationalen Gesangswettstreites recht zahlreich beteiligen zu wollen. Zusammenkunft um 122 Uhr nachmittags bei Kamerad Meyer, Brandplag. Anzug: Tuchrock und Helm. Der Vorstand. -Gießener Bitherklub. Die Mitglieder werden gebeten, sich an dem Festzuge u beteiligen. Zusammenkunft am Wallthor. Bevor Sie ein Geschäft anfangen verlangen Sie von uns Offerte. Schuhfabrik Der Vorstand. Neu! Letzte Neuheit in diesem Genre, hochelegante fünstlerische Ausstattung in Jugendstil. Die Musik wird ausgeführt durch ein wohltönendes Orchestrion, welches abwechselnd die neuesten Opern und Konzertstücke spielt. Dasselbe ersetzt eine Kapelle von 30 Mann. Abends feenhafte elektrische Beleuchtung durch zirka 1000 Glüh- u. Flammbogenlampen. Dieses Unternehmen wurde in Mailand zum Carneval wegen seiner Eleganz mit einem Diplon prämirt. 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