tr. 93. Mennementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., Saus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertelfährlich Mr. 1.50. Battebetingen: Oberheffifche Familienzeitung( täglich) und die Gießener Gotfenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Donnerstag, den 21. April 1904. Gießener 13. Jahrgang. Insertionspreis: Die einfpaltige Betitzelle für ganz C heffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 Reklamen die Petitzelle 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg Fernsprechanschluß Nr. 362. Neuelle Nachrichten - ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Beitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wezlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Alle Räder stehen ftill..." Ein großer Eisenbahnerstreik in Ungarn. Eine schwere europäische Verkehrsstockung, die schlimme wirtschaftliche Folgen zu haben droht, hat ein Ausstand der ungarischen Eisenbahnangestellten herbeigeführt: Sämtliche ungarischen Eisenbahner feiern, der Zugverkehr in der transleithanischen Hälfte des Habsburgerreiches ist größtenteils ein geste II t, und noch ist keine Aussicht auf eine Beilegung des Streiks borhanden. Im Gegenteil, es scheint, als sollte er mit aller Schärfe und Erbitterung geführt werden. Die Maßnahmen der ungarischen Regierung zum Ersatz der Streikenden durch Mannschaften der Eisenbahnregimenter dürften sich als nur sehr wenig erfolgreich erweisen; jedenfalls können sie eine regelmäßige Abwickelung des Verkehrs nicht er= möglichen. Die über den Streif bisher eingelaufenen Nachrichten besagen im Wesentlichen folgendes: Der Beginn des Streiks. Um Mitternacht in der Nacht zum Mittwoch begann in ganz Ungarn ein allgemeiner Streik der Eisenbahnangestellten. Rein Zug der Staatsbahnen verkehrt seitdem. Von Budapest gingen am Mittwoch nur Züge der Südbahn ab, die in privatem Betrieb steht. In der Nacht zum Mittwoch sind 6 fällige Züge nicht in den Budapester Westbahnhof eingefahren und 8 fällige Züge nicht abgegangen. Der Streik begann damit, daß gestern abend auf dem Budapester Westbahnhof sämtliche Weichen lichter und Signallam pen ausgelöscht wurden; nur das Semaphorlicht wurde belaffen, der Semaphor aber auf Salt gestellt. Ein Güterzug wurde an der Einfahrt gehindert, indem inige Hundert Ausständige sich vor die Lokomotive drängten, worauf der Lokomotivführer, der Heizer und der Zugführer abstiegen. Der Wiener Schnellzug wurde auf der Station Rakos Palota angehalten; die Passagiere legten darauf den halbstündigen Weg nach Budapest mit der Stadtbahn zurück. Der abends 11 Uhr in Budapest fällige Orienterpreßzug Ostende Konstantinopel wurde in Parkanhnana aufgehalten. Infolge dieses Aufhaltens der Züge, die in Budapest vergeblich erwartet wurden, wurde denn auch seit 8 Uhr abends fein Rug von Budapest abgelassen, obgleich dort das Versonal dienstbereit stand. Man vermutete auch und mit Recht-, daß die Budapester Beamten die aus der Provinz in der Sauptstadt eintreffenden Ausständigen nur abwarten würden, um dann den Dienst auch ihrerseits einzustellen. Dieses plötzliche Anhalten von Zügen mitten auf der Strecke ist auf eine A Weifung des Streikkomitees zurückzuführen. Das Streifkomitee hatte den Beamten telegraphisch die Weisung erteilt, um Mitternacht alle Züge auf den Stationen, wo sie um diese Zeit eintrafen, anzuhalten und an der Weiterfahrt zu verhindern. Zugleich hat es die Streifenden angewiesen, sich zu sammeln und dann in den an. gehaltenen Zügen ohne Mitnahme von Vassagieren- in möglichst großer Zahl nach Budapest zu kommen. Offenbar plant das Streiffomitee große Demonstratio nen in der Hauptstadt. Zu solcher dürfte insbesondere auch die Tatsache Anlaß geben, daß Graf Tisza bereits die Verhaftung von 450 Streifenden in Budapest hat vornehmen lassen. Ueberhaupt will Tisza mit der ihm eigenen Energie gegen die Streifenden vorgehen. Vor dem Beginn der Mittwoch- Sitzung des ungarischen Ab= geordnetenhauses versammelten sich Abgeordnete sämtlicher Parteien im Bureau des Präsidenten, um die durch den Eisenbahnstreik geschaffene Lage zu besprechen. An der Verjammlung nahmen teil der Ministerpräsident Graf Tisza, der Finanz- und der Handelsminister. Der Ministerpräsident erklärte, die Regierung könne mit den streifenden Elementen nicht verhandeln; sie habe Maßregeln getroffen, um durch Heranziehung von Militär die Ordnung wiederherzustellen und durch Verroendung des Eisenbahn- und Telegraphen- Regiments die Wiederaufnahme Verkehrs zu ermöglichen. Es müsse ein Erempel statuiert des werden; gegenüber den verleiteten Elementen wolle die Regierung indes Nachsicht walten lassen und nur die Nädelsführer zur Verantwortung ziehen. Die Ursache des Streiks ift ein vor einigen Tagen dem ungarischen Abgeordnetenhause vorgelegter Gesetzentwurf über die Gehaltsregulierung der Eisenbahnbeamten. Die Ausständigen sind mit diesem Entwurf nicht zufrieden, sondern verlangten höhere Gehälter und stellten kurzerhand ihre Tätigkeit ein. Die Wirkung des Streiks auf die Nachbargebiete macht sich bereits erheblich fühlbar. In Wien hat der gesamte Verkehr nach und von Ungarn über Bruck und March= egg eingestellt werden müssen. Die Orient- Expreßzüge werden von Wien aus nicht mehr abgelassen. Damit greift der Streik in das Verkehrswesen ganz Mittel- und Westeuropas ein, und er wird es desto mehr tun, je länger er ondauert. Der Krieg in Oftalien. Von neuen Vorgängen auf dem Kriegsschauplatz verlautet nichts Sicheres. Dagegen ist eine bemerkenswerte Veränderung in den höchsten russischen Kommandostellen vor sich gegangen: Admiral Alexejew hat sein Demissionsgesuch eingereicht. Wie bestimmt versichert wird, ist dieser Entschluß darauf zurückzuführen, daß Admiral Skydlow in Petersburg dem Baren äußerst abfällig über die Tätigkeit Alexejews berichtet habe. Einem neuerlichen englischen Gerüchte, daß Port Ar- thur gefallen sei, ist wohl kein Glauben beizumessen. Die letzten Ereignisse dort stehen immer noch im Vordergrund des Interesses. Der Untergang der„ Petropawlowsk" wird jetzt in einem halbamtlichen russischen Bericht, der sich auf Beobachtungen von Augenzeugen stüßt, folgendermaßen geschildert: Als sich die Petropawlowsk" an die Spitze der in Schlachtkolonne aufgestellten Schiffe stellte, zeigte sich auf ihr ein Rauchwölfchen. Eine schwache Detonation erfolgte, worauf zwischen den Schornsteinen eine Rauchsäule und eine riesige Flamme aufstieg. Es erfolgte eine zweite stärkere Explosion. Das Hinterteil des Panzerschiffes hob sich über dem Wasserspiegel empor, die Schrauben arbeiteten, sodann versank das Hinterteil rasch im Wasser. Fast in demselben Augenblick sank das Schiff in die Tiefe. Nach einer Mitteilung des geretteten Midshipman Jaf vlew war die Nonmandobrücke, auf der er stand, unter Wasser, ehe man noch einen Gedanken an Rettung fassen konnte. Alle auf der anderen Seite der Brücke Stehenden, darunter auch Vize= admiral Makarow, famen, offenbar durch die Explosion ver= wundet, um. Die Katastrophe dauerte nicht länger als zwei Minuten, doch gelang einem Amateur eine photographische Aufnahme. Die in der Nähe befindlichen Torpedoboote und das Kanonenboot„ Gaidamak" eilten zur Rettung der Mannschaft herbei. Das Ereignis erschütterte alle furchtbar. Die Trauerkunde durchflog die Stadt, alle eilten an den Hafen, niemand wollte an den Untergang Makarows glauben, alle hofften, daß er gerettet wäre. Viele behaupten, daß am 15. April bei Port Arthur ein japanischer Kreuzer untergegangen sei und daß die„ Kasuga" und die „ Nisshin" durch das indirekte Feuer am 15. April über der Waſſerlinie beschädigt sei. Wie die Japaner die Minen legen konnten. Die Japaner sind über die Erfolge bei Port Arthur ganz begeistert und stolz auf die Leistungen des Admirals Togo, besonders darauf, daß es diesem gelang, den feindlichen Hafen durch Minen zu sperren, den Feind sodann über dieses Minengebiet zu locken und einen Flankenangriff auf ihn zu machen. Die Japaner kamen auf die Idee, diese Minen zu legen, nachdem sie genau beobachtet hatten, daß die russischen Schiffe, wahrscheinlich zur Vermeidung eigener Minen, immer dieselbe Fahrstraße bei der Aus- und Einfahrt benutten. Die Japaner merkten sich genau die von den Russen gewählte Straße und belegten sie mit Minen. Diese Arbeit des japanischen Minendepots war ein außerordentlich gewagtes unternehmen, denn jeder Treffer von Seiten der Batterien des Feindes würde das Schiff vernichtet haben. Das Wrak dor Petropawlowsk" liegt nach japanischen Meldungen südöstlich vom Goldenen Berg, eine Meile außerhalb vom Hafeneingang. Japanische Trauer um Makarow. Es dürfte wohl bisher unerhört sein, daß die Bevölkerung eines im Kriege stehenden Landes auch Trauergottesdienste wegen der Verluste des Feindes abhält. Dies ist aber, wie der„ Daily Mail" aus Kobe gemeldet wird, tatsächlich in Japan der Fall gewesen. In Nagoja fand am 15. April abends eine große Fackelprozession zu Ehren der gefallenen Russen statt. Die Volfsmenge trug tausend weiße Laternen mit sich für die Seelen der toten Russen und vor diesen Sühnelaternen wurden Banner getragen mit der Inschrift:„ Wir trauern um den tapferen russischen Admiral Makarow". Offiziere und Zivilbeamte hielten Trauerreden und Musikchöre spielten Trauermärsche. Wie aus Port Arthur gemeldet wird, ist die Lei e des Admirals unter einer ganzen Anzahl von toten..., ischen Offizieren dort ans Land gespült worden. Die Verzögerung im japanischen Aufmarsch in Korea, die alle Sachverständigen überrascht, da nur rasche Offensive den Japanern die Ueberlegenheit sichern kann, findet iegt eine eigenartige Erklärung. Der Hauptgrund ist die Entdeckung des Verkaufs der japanischen Pläne an Rußland durch Oberstleutnant Hanzofu. Der Verkauf der Pläne erfolate durch Vermittelung des russischen Militärattachees in Tokio, der mit Oberstleutnant Hanzoku von der gemeinsamen Studierzeit beider in Deutschland her befreundet ist. Oberstleutnant Hanzoku wurde, nachdem man ihn seiner Schuld überführt hatte, friegsgerichtlich abgeurteilt, cr= schossen und im Gelände des kaiserlichen Palastes in Tokio begraben. Sein Schicksal wurde der Oeffentlichkeit verheimlicht, und seiner Familie wurde mitgeteilt, er sei in lang= wieriger Mission nach Korea entsandt worden. Die javanischen Feldzugspläne waren nur den sogenannten„ Alten Staatsmännern" und dem Generalstab bekannt. Die systematische Durchkreuzung der Pläne durch die Russen ließ jedoch klar erkennen, daß sie diesen bekannt sein mußten. Das Kriegsministerium ließ darauf die Alten Staatsmänner" und die Offiziere des Generalstabs scharf überwachen und erfuhr dabei, daß Oberstleutnant Hanzoky jetzt ein luxuriöses Leben führte, während er früher ein bankerotter Spieler gewesen war. Der ganze Feldzugsplan mußte natürlich ge= ändert werden. Drahtlose Telegraphie und Spionage. Die amerikanische Regierung erwägt gegenwärtig sorgfältig die Frage der Regierungskontrolle über die drahtlose Telegraphie in Kriegszeiten infolge der am 15. April ergangenen Mitteilung der russischen Regierung, daß sie Berichterstatter, welche sich der drahtlosen Telegraphie bedienen, als Spione behandeln wolle. Man spricht die Meinung aus, daß eine Regierungskontrolle über die drahtlose Telegraphie mindestens im Sinne eine Oberaufsicht namentlich längs der Küsten wünschenswert, wenn nicht unumgänglich nötig sei, auch um sicherzustellen, daß die drahtlose Telegraphie nicht in Kriegszeiten zum Schaden der Regierung verwendet würde, um mit dem Feinde in Verbindung zu treten. Die Politik. Der Bundesrat wird demnächst eine neue, vielfac verschärfte Prüfungsordnung für Apotheker beschließen, die noch in diesem Jahre in Kraft treten dürfte. Allerhand Gerüchte über das Schicksal der Kolonne Glasenapp sind in der Presse verbreitet. Eine Meldung wußte sogar zu berichten, die zu der Kolonne gehörige Kompagnie Fischel habe 60 Mann verloren. Diese Meldung ist, wie unser Berliner CB- Mitarbeiter an amtlicher Stelle hört, völlig unzutreffend. Seit dem 2. April, dem Tage von Okabarni, liegt keine Nachricht, weder eine gute noch eine schlimme, über die Kolonne vor. Auch der Gouverneur hat bisher über das Schicksal der Kolonne nichts gehört. Nach neueren Meldungen hat zu Beginn des Aufstandes auch bei Waterberg ein Gefecht stattgefunden, bei dem die dort stationierte Schuttruppenabteilung, etwa 50 Reservisten, von den Herero niedergemacht worden sein soll. Was an der Meldung Wahres ist, läßt sich z. 3t. nicht ermitteln. Von einer bedeutsamen Vereinbarung in der preußischbayerischen Verkehrsvolitik wird neuerdings berichtet. Danach soll nach der bestimmt zu erwartenden Verstaatlichung der pfälzischen Bahnen deren Verpachtung an eine bayerischpreußische Betriebsgemeinschaft ins Auge gefaßt sein. Die jüngsten Besprechungen des Direktors Lavale mit Minister Budde ständen damit im Zusammenhang. Als Gegenleistung mürde eventuell Preuen den Main von Hanau bis Aschaffenburg tanalisieren. Die amtlichen Stellen, bei denen unser CB- Mitarbeiter megen dieser Meldung Nachfrage hielt, beſtätigen ſie ebensowenig, wie sie sie dementieren. Danach scheint etwas an der Sache zu sein. Afrika. Die jüngste Aeußerung des englischen Parlamentariers Bowles, es bestehe ein geheimer Vertrag, der die Aufteilung Marokkos zwischen Deutschland, Frankreich und Spanien nach dem Vorbilde Polens vorſehe, wird in den diplomatischen Kreisen Londons als übertrieben und als formell falsch bezeichnet. Richtig sei nur, daß die Interessen Deutschland und Spaniens gesichert und gemährleistet wurden. Diesmal dürften die Diplomaten auf der richtigen Fährte ſein. Amerika. A In Pennsylvanien, in der Kohlenstadt Gar. rett, ist es zu großen Ausschreitungen streikender bewaffneter Grubenarbeiter gekommen. Ein großes Polizeiaufgebot ist nach Garrett abgegangen, man befürchtet, daß es zu einem Kampfe zwischen den Ausständigen und den NichtGewerkschaftlern fommen werde. Bereits sind zahlreiche Schüsse gewechselt worden. Ein Arbeiterwohnhaus wurde niedergebrannt, dabei kam die Frau eines Grubenarbeiter mit ihren fünf Kindern ums Leben. Hof und Gefellschaft. Der Kaiser ist in Catania von der Bevölkerung enthusiastisch empfangen worden. Die„ Hohenzollern" ging im inneren Hafen vor Anfer; Friedrich Cart" blieb auf der Reede. Die Stadt ist reich geschmückt, überall wehen deutsche ind italienische Jahnen. Von der Landungsstelle aus zieht sich eine fortlaufende Dekoration durch die Hauptstraßen, Aehnelt ihm sein Bruder?" fragte ich. trengten Leben auch diese Erfrischung. ter überhaupt nicht, und so fehlt ihm bei seinem angeFlettern mußte, um Kranke zu besuchen. Geistige Getränke mächtig wurde, wenn er mit leerem Magen über die Berge abschiedete ich mich mit Mylrea zu. Hinter der letzten Pater Johannes, sprang in Wir erhoben uns und traten zur Tür hinaus. Dort ver Händedruck von einem fräfund fuhr auf meinen auf der Sanditraße die rantte des Dorfes gewahrte id) ihn stecken lassen, sind Dummköpfe. zen den Schlüssel ab und ſteckt ihn in die Tasche; die welche Sobald man in Gefenschaft ist, so nimmt man vom Her. öden Gegenden bekannt ist. Deren wir ein Trommeln, das geheimnisvolle Trommeln einem unerklärlichen Phänomen, das den Reisenden jener Bon irgend einer Seite, von unbestimmter Richtung her alb ichwächer, hielt es von welche der Kaiser passierte. Der Kaiser mit Gefolge begab sich gestern früh an Land und machte einen längeren Ausslug zu Wagen nach Nicolosi, auf den Vorbergen des Aetna. Der Anblick non oben über den Hafen und zum Aetna hinaus war großartig. Der Empfang des Kaisers durch die Bebölkerung war außerordentlich. Allenthalben spielten Musikfapellen, tausende evivarufender, händeklatschender Menschen waren am Wege, darunter in geschlossenen Reihen die gesamite Geistlichkeit und die Seminaristen der unterwegs berührten Kirchen und Anstalten. In den Dörfern läuteten die Glocken. Der Kaiser empfing die Spigen der Behörden. Die Hohenzollern" wird von vielen Booten umlagert, die Insassen bringen Ovationen dar. Das Wetter ist warm und klar. Wie verlautet, wird der Kaiser Ende des Monats drei Tage in Venedig verweilen. Deutscher Reichstag. ( 71. Sigung.) CB. Berlin, 20. April. Die heutige Sigung gehörte dem Militär. Zunächſt gab die Besprechung der gestern bereits begründeten und beantworteten nationalliberalen Interpellation nach dem Verbleib der Versorgungsgeseße für Heer, Marine und Schußtruppen allen Parteien Gelegenheit, ihre Sympathien ür eine gute Versorgung unserer Offiziere und Mannschaften muszusprechen. Nur fanden einzelne, daß man nicht nur aufs Herz, sondern auch auf den Verstand hören und überlegen solle, woher die finanziellen Mittel für die vermehrten Ausgaben zu nehmen seien. Die so sprachen, gehörten dem Zentrum und der freisinnigen Vereinigung an. Alle anderen boriierten mit mehr oder weniger Wit und mehr oder weniger Pathos die von dem ersten Redner, dem konservativen Abgeordneten Winckler, gebrauchten Worte„ Mehr Dampf, Herr Minister!" Auch die Sozialdemokratie trat in diesem Falle auf die Seite der militärfreundlichen Parteien, und aus dem Munde des Abgeordneten Singer konnte man die Worte hören, daß sie unbeschadet ihrer prinzipiellen Stellung zum Militarismus“ verlangen, daß endlich die Wünsche der Tausende erfüllt werden, die ihrem Vaterlande treu gedient haben". Ein ähnliches erfreuliches Bild zeigte sich, nachdem der Etat über den allgemeinen Pensionsfonds debattelos erledigt worden war, bei der zweiten Beratung des Etats über den Reichsinvalidenfonds. Hierzu hatten die Nationalliberalen eine Resolution eingebracht, in der erneut auf Erfüllung der in der vorigen Legislaturperiode ausgesprochenen Wünsche für die Invaliden und Veteranen gedrungen wird. Wieder trat volle Uebereinstimmung der Parteien zu Tage, und wieder crflangen auch aus dem Munde des sozialdemokratischen Vertreters diesmal war es der Abgeordnete Grünberg - patriotische Morte. Der Staatssekretär des Reichsschazamts fand für die Sache wohlwollendere Worte als sein Vorgänger, daß aber die verbündeten Regierungen dies Wohlwollen in die Tat umsetzen würden, konnte er nicht in Aussicht stellen. Eines jedoch ist wenigstens erreicht worden: wie Frhr. v. Stengel mitteilte, werden wenigstens die Veteranen, deren Ansprüche anerkannt sind, svätestens in acht Tagen im Besite der Beihilfe sein. Mit der einstimmigen Annahme der Resolution schloß die Beratung und das Haus ging noch an die zweite Lesung des Etats für die Expedition nach Ostasien. Preufsifcher Landtag. Haus der Abgeordneten. ( 57. Sizung.) RK. Berlin, 20. April. Der vielumstrittene Gesezentwurf betr. die Uebertragung der Dienst aufsicht an Amtsgerichten mit mehr als 15 Richtern an einen„ Amtsgerichtsdirektor" betitelten Amtsrichter stand heute zur zweiten Lesung. Nach dem Gesebentwurf werden die Amtsgerichtsdirektoren vom König ernannt, sie beziehen dasselbe Gehalt wie die Landgerichtsdirektoren. Alle Parteien hatten an dem Entwurf etwas auszusehen, die meisten Redner verneinten die Bedürfnisfrage. Mehr Meinung zeigte sich für einen Antrag Beltasohn, der unter Ablehnung der Vorlage für Amtsgerichte mit mehr als 30 Richtern einen aufsichtführenden Amtsrichter mit dem Titel„ Amtsgerichtspräsident" und dem Gehalt der Landgerichtspräsidenten fordert. Dieser Antrag fand denn auch Annahme, die Vorlage wurde abgelehnt. Dann wurden noch einige früher vertagte Titel des Justizetats erledigt, und das Haus vertagte sich. Der Wildhirt. Eine oberhessische Dorfgeschichte von J. Becker. ( Fortsetzung) ( Nachdruck verboten.) Die Gensdarmen zogen also unverrichteter Sache ab und der Bürgermeister sowohl als der Pierer merkten, daß sie es mit einem geriebenen Spizbuben zu tun hatten, der von vornherein gleich seine Sache so einzucichten wußte, daß man ihm nicht beikommen konnte. So verging wieder einige Zeit, und es kamen schon cauhe Wintertage: schneidend heulte der falte Sturmwind durch den entblätterten Forst, das Wetter wai trüb und die Nächte brachen immer früher herein. Da war es schön daheim hinter dem warmen Ofen zu sitzen und gemütlich mit den Setnen über dies und jenes zu schwatzen, einen Besuch in der Nachbarschaft oder im Wirtshaus zu machen. Kaftengeift und Kleinstadt flucht. Von geschäßter Seite wird uns geschrieben: Die jetzt von der preußischen Regierung in Aussicht genommene besondere Zulage für die Beamten und Angestellten der östlichen Provinzen beruht, wie in der Begründung selber angegeben wird, auf der Voraussetzung, daß der Aufenthalt in solcher Gegend ein Opfer darstellt. Diese Auffassung herrscht tatsächlich in weiten Kreisen der Beamtenschaft, mit dem Unterschiede nur, daß sie sich nicht nach Gegenden abgrenzt, sondern nach der Einwohnerzahl und dem gesellschaftlichen Leben der Städte. Es herrscht eine allgemeine Abneigung gegen das Leben„ in der Provinz", wie der Kunstausdruck lautet, weil dort angeblich jede geistige Anregung fehlt. Es kann ja allerdings nicht jede Provinzstadt Hoftheater und Bibliothek haben, aber die modernen Verkehrsmittel' tragen auch eine Flut geistigen Lebens selbst bis in die entlegensten Gegenden. Es sind auch in Wirklichkeit, wenn man genauer zusieht, nicht die gei= stigen Vorzüge der Großstädte, die das Publikum anlocken, sondern die Gelegenheit zu Vergnügungen und zur Pflege einer kastenmäßigen Geselligkeit. Da liegt der Hase im Pfeffer. Die Beamten würden das Leben in der Provinz lange nicht so geistig öde finden, wenn nicht die letzten Jahrzehnte uns eine unerfreuliche Erscheinung gebracht hätten, nämlich die kastenmäßige Abschließung der Berufskreise und der Standesschichten. Nur im Westen und im Süden von Deutschland hat sich noch ein Stück Mischung der Stände im öffentlichen Leben erhalten; aber es wird auch, wie ein Rest aus patriarchalischer Zeit von dem einen bestaunt, von dem andern bewundert, und von einem dritten mißachtet. Selbst am Rhein, wo der bevorzugte Aufenthalt in der Nähe des Ufers die Bevölker zwingt, enger aneinander zu rücken, macht sich in neuerer Zeit die Grenzlinie zwischen den einzelnen Ständen bemerkbar. Das ist bedauerlich, nicht bloß im gesellschaftlichen, sondern weit mehr noch im beruflichen Interesse. Daran dachte auch der Hangcurt, der mit seinem schlechten Gesellschafter, dem Tiophel, draußen in der Wildhütte kampirte. Aber ums Leben hätte er nicht gewagt, jcht, nach dem die Geschichte mit der gestohlenen Frucht vorgefallen, nach Hause zu gehen, seine Reue einzugestehen und um Wiederaufnahme in den Familienberband zu bitten im Gegenteil, es war ihm, als set der Riß zwischen ihm und seiner Familie größer als je und eine gewisse Erbitterung, die sich seiner bemächtigte, bawirfte, daß er sich in der Rolle des Ausgestoßenen und Verachteten fast gefiel, ja daß er eine Freude an dem Leide fand, das er seinen Angehörigen bereitete. Vor der Wildhütte loderte ein mächtiges Feuer, dessen Flamme vom Sturme lodernd hin und her getrieben wurde. Die beiden Bewohner der Hütte saßen Man verkenne nicht den Wert, der in der Berührung der einzelnen Stände für die Volfsentwickelung liegt. Es ist ein großer Irrtum, wenn man glaubt, daß die gebildeten Kreise allein die gebenden hierbei sind. Sie haben allerdings einen weiteren Gesichtskreis und mehr theoretisches Wissen und können deshalb, wenn sie ihren Beruf ideal auffassen, Führer und Förderer des Volkes sein, aber eines fehlt ihnen häufig, das ist die praktische Erfahrung, die genaue Kenntnis der Volksinteressen und daher auch die Fähigkeit, die Höhen und Tiefen im menschlichen Leben richtig beurteilen zu können. Das müssen sie sich durch einen Verkehr mit allen Schichten der Bevölkerung erst aneianen. Aber das geschieht vielfach leider nicht. Nur der geistliche Stand mag hierbei eine Ausnahme machen, weil er seiner ganzen Natur nach auf die Berührung und zwar auf eine dauernde Berührung mit dem Volke angewiesen ist. Die unliebsamen Folgen solcher Abschließung machen sich in steigendem Maße, besonders bei dem Richterstande bemerkbar, dessen Urteile oft in einem unüberbrückbaren Gegensatz zu der Volksmeinung stehen. Je tiefer die Entfremdung der einzelnen Volksklassen ist, um so nachhaltiger machen sich naturgemäß auch die Wirkungen des Rastengeistes geltend. Was man also die Kleinstadtflucht nennt, ist lediglich die Scheu, die gesellige Unterhaltung außerhalb der Grenzlinien eines nach Ständen geschichteten Organismus zu suchen. Sier muß die Aenderung einsetzen. Die jungen Beamten 1 sen von ihren älteren Kollegen systematisch dazu erzogen werden, daß sie in dem kleinstädtischen Leben auch die Freuden und Leiden anderer Berufsstände kennen lernen. Das wird ihnen später, wenn sie an höherer verantwortlicher Stelle stehen, oft sehr von Nuben sein. Der Kastengeist und der Kastenhochmut sind ein kulturfeindliches Moment schlimmster Sorte. Werden diese Eigenschaften überwunden, dann wird auch die Kleinstadtflucht aufhören. Was man in der Kleinstadt an der äußeren Geselligkeit vermißt, wird an innerlicher Vertiefung gewonnen werden. Aus dem Gerichtsfaal. § Zwei Monate Gefängnis für einen erhielt der Zimmermann Mathießen aus Arfrade von der Verdener Straffammer zudiktiert. Er hatte unter Anwendung von ( Semalt versucht, ein 16jähriges Mädchen, das ihm auf der Zandstraße begegnete, abzufüssen. § Das Urteil im Prozeß um die Erbschaft der belgischen Königin ist gestern mittag gefällt haben. Die Kläger, also die Gläubiger der Prinzessin Luise von Koburg und die Gräfin Lonvav, wurden mit ihren Ansprüchen gegen den auf Holzkößen daneben und wärmten sich. Die flackernde Flamme zeichnete gespenstige Bilder an die nahe finstere Wand des Waldes, in dessen Innerem fernhin die Eulen kreischten und dürre Aeste durch die Gewalt des Sturmes von den Bäumen brachen. Da trat eine weibliche Gestalt in den erhellten Kreis vor der Hütte, sodaß die beiden an dem Feuer sitzenden Burschen erschraken. Der Kopf des Weibes war mit Tüchern umwickelt, so daß sie zuerst gar nicht zu erkennen war. Sie trat mit drohend erhobener Hand vor den Tiophel hin und sagte, langsam jedes Wort betonend: König Leopold abgewiesen. Die Urteilsbegründung sagt der Brauch, nach dem die Rechtsfrage zu behandeln sei, se Biter als die Konstitution. Zwischen dem König und seine Gemahlin habe Gütertrennung geherrscht. § Ein Unhold hatte sich vor der Bayreuther Straffamme zu verantworten. Der Weber Georg Pittrof, der sich wieder. holt an Mädchen unter vierzehn Jahren, in einem Fall sogar an einem fünfjährigen Kinde, vergangen hatte, wurd wegen Vergehens wider die Sittlichkeit zu einem Jahr Ge fängnis verurteilt. „ Dich hat der Teufel geschaffen und in den Himmel fommst Du mal nit. Wennse Dich nur mal erst in den Eisen hättenwennse Dich nur längst drin gehabt hätten, eh' Du mir mein Kind unglücklich gemacht hast. Du hast' n verführt, d'n Hangcurt, Du allein, Du Verfluchter! Du hast'n d'czu g'bracht, daß er Dir die Frucht hat stehlen helfen, daß er mit Dir aufs Wildern gangen is, aber daß er noch mit Dir ins Zuchthaus kommt, da tret' ich ein, daß das nit geschieht." ,, Mutter," sagte Hangcurt, indem er den Kopf in beide Hände barg und zu weinen begann, Mutter, er is nit allein schuld, nit so, wie Du glaust; ich sein's mit." § Wegen eines vor elf Jahren begangenen Mordes wurde in Berlin der Barbiergehilfe Ernst Kappler zu 9 Jahren Zuchthaus verurteilt. Der Angeklagte hatte am 15. Mai 1893 zwischen Charlottenburg und Halensee den 6½ Jahre alten Knaben Ernst Klinger ermordet und verstümmelt. Trotzdem er sofort nach der Tat festgenommen und am 20. Of. tober 1893 bereits gegen ihn verhandelt wurde, konnte jett doch erst seine endgültige Aburteilung erfolgen, da er Geistes. schwäche vorschützte. Aus einer Frrenanstalt, in der er zu seiner Beobachtung interniert worden war, entsprarg er und fehrte erst nach längerem Aufenthalt im Auslande nac Deutschland zurück. „ Sollt' das wirklich war sein, Hangcurt? Sollt'st Du anders worden sein, wie Du von Natur aus warst und wie Du erzogen worden bist? Sollt'st denn grad so einer geworden sein, wie der da?" Hangcurt schwieg. „ Stehste", fuhr seine Mutter foct, ich sein' rauskommen und hab' Nacht, Wind und Wetter nit ge= scheut. Aber Du mußt fort, Hanacurt, Dein Bater § Gine eigenartige Beamtendeleidigung hat vor dem Schöffengericht in Dokheim bei Wiesbaden ihre Sühne gefunden. Um dem dortigen Ortsgendarm ihr Mißsallen zum Ausdruck zu bringen, ersuchte eine Anzahl Einwohner em Mitglied der Gemeindevertretung, in der nächsten Sihung das Geeignete zu veranlassen. Dieser tat dies auch, indem er den Antrag stellte: Dem Gendarmen 50 Mark zu be willigen, um ihm Gelegenheit zum Besuche einer Fortbil dungsschule zu bieten, in der er sich über Anstand und an ständige Behandlung der Ortseinwohner unterrichten lassen Fönne." Der ungewöhnliche Vorfall kam zur Anzeige, und das betreffende Mitglied der Gemeindevertretung wurde jezt wegen Beleidigung des Gendarmen zu einer Geldstrafe von fünfzig Mark verurteilt. Nab und Fern. * Der ginnt morgen fommen zur ber Staatsb geometern b Kreis ftrofen berhältniffe betr. Weberne Antrag Wirid trag der 26 einer Bab gebungsaus d un eine end Reform R. Seff. handen, da der Zweiter wenn auch Das Ple 14 Tagen F zu Herchent Pfarraffiften berwalter t Riffel in Die Ein Bermächtnis Baldersees. Der verstorbene Generalfeldmarschall Graf Waldersee hat dem Itzehoer Artillerie regiment, dessen Chef er war, seinen Schwarzen Adlerorden mit Brillanten testamentarisch mit der Bestimmung vermacht, daß der Erlös zu einer Stiftung für das Regiment verwendet werden soll. Das Regiment erhält ferner einen Säbel, einen Artillerie- Offiziersrock und ein Paar Epauletten des Feld. marschalls als Andenken. Von Lawinen verschüttet. Das Unglück in dem schweize rischen Dorfe Grengiols, in dem durch eine Lawine zahlreiche Menschenleben verloren gingen, hat, wie aus Turin gemeldet wird, in der italienischen Gemeinde Progelato ein furchtbares Gegenstück gefunden: Dort sind durch eine Lawine 75 Arbeiter begraben worden. Die Meldung aus Turin, datiert vom 20. April, lautet: Gestern zerstörte in der Gemeinde Progelato eine Lawine eine Anzahl Hütten, in denen Bergarbeiter Unterkunft gefunden hatten. Ungefähr 100 Arbeiter murden verschüttet, von denen sich nur 25 retten konnten. Heute morgen versuchten die Anwohner, unterstützt von Truppen, trotz des Herrschenden Unwetters zu der Ungliidsstätte zu gelangen, um den verschütteten Arbeitern zu Hülfe zu kominen. Das Unglück über Grengiols diese deutschsprechende Gemeinde zählt etwa 500 Einwohner brach gegen zwei Uhr nachts herein, während das Dorf in tiefem Schlafe lag. Außer den Häusern wurde auch die Mühle mit Bäckerei wcggefegt. Die Lawine war am sogen. Zoetigrat in der Höhe von 2200 Metern losgebrochen. Mannschaften der unliegenden Dörfer arbeiteten den ganzen Tag angestrengt am Aufsuchen der Verschütteten; bis abends 5 Uhr wurden neun Leichen und sieben mehr oder weniger verlegte Personen geborgen. Die vier noch Verschütteten sind zweifellos tot, jo daß die Zahl der Toten 13 beträgt, auch viel Vich ist umgekommen. Es herrscht die Befürchtung, daß wegen der ungeheuren Schneemassen und des ungewöhnlich warmen Wetters weitere Lawinenkatastrophen zu erwarten sind. * Ausschreitungen bei Rekrutenaushebungen in Frank reich. In dem französischen Orte Meslau kam es zu einer Schlägerei zwischen zum Militär ausgehobenen Burschen verschiedener Gemeinden. Die Gendarmerie wurde ange griffen und mußte Waffengewalt anwenden. Einer der jungen Leute wurde getötet, einige schwer, andere leicht ver letzt. für Handel fie bittet, b Borslag g sicht der Flaschenbie bierhandel dazu, die guten Hau an die Fa bei der be die Gefahr so groß fei Bezirken zu * Gefamt- Bur bundes St Berhältnisse örterungen, Stolze- Sch in Kasse Seffen stat Δ Ι 116ern ha der Komm tommandeu டூ herzogtum stort* Ergänzungs gemeinden aus. Eber ratsmitgli August vo Erledigun Bürgerme den 25. 2 findenden Romanze schichte: das Mot bor Jahr der bel Landsieut verliebte in seine deffen W möchte fte 肉 麵 einmal n geliebt! weihen un Seufzer c will Dich mit Gensdarmen holen und ich dann nag Amerika schaffen lassen, und darum sein ich' rauskommen. Denn ich fönnt' als Mutter nit sehn, daß mein Kind von den Gensdarmen noch ins Dorf gebracht wird." " Ja, was soll denn nun mit mir g'schehn, Mutter?" " Ich hab' mir's Geld geborgt, heimlicherweis Dein Vater weiß nichts d'rvon. In Merte's hab' ich Dir Dein Werk hing'legt, da kannste Dich anziehen und dann gehste in Gottes Namen fort- „ Nach Amerika?" ,, Nach Amerika!" Hangcurt stöhnte laut, denn er sah all' sein Glück, auf das er ja in der innersten Falte seines Herzens immer noch gehofft, zusammenbrechen. Er mußte sie alle verlassen: das Elschen, Geschwister und Bekannte, die Heimat mit ihren Gewohnheiten, ihren gesegneten Fluren und grüeun Auen- alles, an dem er von Jugend auf hing und das ihm lieb und teuer war, sah er in Nacht und Nebel zurückſinken und verschwinden. „ Und Ihr wollt's auch, Mutter fragte er.?" We nn der da nit wär", sagte Frau Glohr, auf den Tiophel deutend, dann tätt ich's machen, daß Du hier bliest. Aber's geht nit. Siehste, Du bist mein Kind und als solches bab' ich Dich viel zu lieb, alsdaß ich Dich dem da überlassen sollt; denn das tut doch fein gut lieber nach Amerika!- Wenu's auch wirklich wieder etliche Wochen gut tät, wennste hier bliebst, d'rnach hätt'r Dich doch wieder am Bändel." Tiophel machte zwar zu dem, was ihm Frau Glohr zu hören gab, ein finsteres Gesicht; allein er sagte nichts ondern hörte alles ruhig mit an. ( Forts. folgt.) des Dicht re Umb des verlie Tofti ver nicht mit hauchte, f als gefeier bater" leb * A * glaubwürdi Johannisfa und der e Au laufen u fetten find i die Fluren Die Getreid uns die beft erwartete S zu Schander Mainz ein in den Lab martftüd gemidfelt hi Der Mann Als die Kur auf und fta Im Pfennig um fdjaft in S fandte am Degründung jag behandeln fei, j Stonig und feine ther Straffamme of, der fig wieder einem Fall foga n hatte, wurd einem Ja Ge en Mordes w ler zu 9 atte am 15. ee den 6% und verstümm en und am 20. wurde, fonnte j gen, da er Gei talt, in Ser er entiprarg er u Auslande n Jung hat vor& en ihre Sühne ihr Mißjallen hl Einwohner r nächsten Sign t dies auch, ind n 50 Marf zu b uche einer Fort Anstand und unterrichten la zur Anzeige, tretung wurde ner Geldstrafe erstorbene Gen Ibehoer Artic warzen Adlorden timmung bermatt Regiment verwende einen Säbel, einen auletten des Feld fin dem schwei Lawine zahlrei us Turin gemeld gelato ein furd durch eine Lawine minen. Lokales. 21. April 1904. * Der Finanz ausschuß der Zweiten Rammer beginnt morgen Freitag den 22. April, mit seinen Beratungen. Es tommen zur Beratung: Antrag Häusel betr. Mietsentschädigung der Staatsbeamten, Vorstellung der bei den Feldbereinigungsgeometern beschäftigten Geometer 2. Klasse; Vorstellung der Kreisstraßenmeister und Hochbauaufseher betr. ihre Gehaltsverhältnisse, Antrag der Abgg. Schönberger und Genossen betr. Uebernehme sämtlicher Volkschullasten auf den Staat, Antrag Ulrich betr. Beseitigung der Stempelgebühren, Antrag der Abgg. Hirschel und Köhler betr. Erbauung einer Bahn Grünberg- Lich. Auch der Gesetzgebungsausschuß trit in den nächsten Tagen zusammen, um eine endgültige Stellungnahme und Beschlußfassung zur Reform des Wahlrechts zu veranlassen. Wie die „ N. Hess. Voltsbl." erfahren, ist begründete Aussicht vorhanden, daß eine verfassungsmäßige Zweidrittelmehrheit in der Zweiten Kammer auf dem Boden der Regierungsvorlage, wenn auch mit einigen Mod fitationen zustande kommen wird. Das Plenum der Zweiten Kammer dürfte in ungefähr 14 Tagen einberufen werden. Ernannt wurden: Pfarrverwalter Staubach zu Herchenhain zum Pfarrverwalter von Groß- Felda, Pfarrassistent Karl Vogt zu Nieder- Wöllstadt zum Pfarrverwalter von Wahlen. Versezt wurde Lehrer Kissel in Nieder- Wöllstadt an die Realschule zu Gießen. ** Die Handelskammer zu Frankfurt, hat an den Minister für Handel und Gewerbe eine Eingabe gerichtet, in welcher sie bittet, von den gegen den Flaschenbierhandel in Vorschlag gebrachten Maßnahmen abzusehen. Nach Ansicht der Kammer sind die sozialen Vorteile, welche der Flaschenbierhandel mit sich bringt, sehr groß. Der Flaschenbierhandel fördere keineswegs die Trunfsucht, sondern diene dazu, die Familienmitglieder durch Ermöglichung eines guten Haustruntes aus dem Wirtshause fernzuhalten und an die Familie zu bannen. Wenn auch in unserem Bezirke bei der besonders nüchternen Veranlagung der Bevölkerung die Gefahr, daß der Schnapsgenuß überhandnehme, nicht so groß sei, so diene das Bier jedenfalls in vielen anderen Bezirken zur Eindämmung des Schnapsgenusses. an Jussuff Effendi( Jussuff war absichtlich mit ff geschrieben worden) den derzeitigen Wirt im Schwarzen Walfisch" zu Astalon mit folgendem Inhalte ab: Während wir vom Bayrisch Biere Kriegen hier so manchen Klapps, Trintst Du dorten immer weiter Ewig Deinen Baktrer- Schnaps. Jussuff, Jussuff, sei verständig, Selam und Aleikum Dir! Trint doch ferner nur beständig Endlich einmal Barisch Bier: Am 31. Dezember erhielt die Gesellschaft eine türkische Weltpostkarte folgenden Wortlautes: Während Ihr vom Bayrisch Biere Krieget dort so manchen Daps Süfft ich weiter meinen süßen Altbewährten Baktrer- Schnaps. Wollt Ihr, daß zum Bier ich heute Wende mich vom Baktrer- Schnaps, Müßt Ihr lieben Hessenleute Senden erst ein großes Faß! Würde dann mit viel Vergnügen Proben Euer Bayrisch Naß, Sicher aber dazu fügen Meinen edlen Baktrer- Schnaps. | Ulrichstein unleugbare Vorteile biete, wurde wiederholt anerkannt, das Komitee indeß, in dem die Orte des Ohmtals vertreten sind, glaubte an dem Projekt MückeUlrichst ein festhalten zu sollen, was ja auch begreiflich ist, da man dafür erhebliche Opfer gebracht hat und im Stillen noch die Hoffnung hegt, der Staat werde diese Bahn bauen. Nach den Erklärungen des Herrn Finanzministers ist das ausgeschlossen, es fann für die projektierten Linien höchstens ein Staatszuschuß von 20000 mt. pro Kilometer in Betracht kommen, der ev. bis zu 30 Prozent der Bausumme erhöht werden dürfte. In Groß- Felda gibt man sich den Anschein, an dem Projekt Ehringshausen- Ulrichstein festzuhalten, obaleich man dort wissen fönnte, daß für diese Strecke gar keine Aussicht vorhanden ist und höchstens eine Stichbahn von der Wasserscheide nach Groß- Felda in Betracht tommt. Herr Landtagsabgeordneter Korell hat dem Vorfißenden gegenüber die Ansicht ausgesprochen, daß eine Bahn Alsfeld- Ulrichstein, welche Restrich berühre, auch für GroßFelda annehmbar sein dürfte. Der Herr Finanzminister habe eine Bereifung der Strecke in Aussicht gestellt, sobald ein ausgebildetes Projekt vorliege. Wenn erst ein solches vorliege, werde auch Groß Felda seinen Widerstand aufgeben und sich der rentabeleren Linie anschließen. Die Versammlung beschloß einstimmig, die Firma Lenz u. Co. in Berlin mit der sofortigen Ausarbeitung des Projeftes zu beauftragen. In der anschließenden öffentlichen Versammlung erstattete Herr Grünewald II. über den Stand der übrigen Eisenbahnprojekte. Gastwirt zum Schwarzen Walfisch in Asfalon. † Die israelitischen Gemeinden der Orte Großen- Linden, Wagenborn- Steinberg, Grüningen, Lang- Die Aussichten für die seit Jahrzehnten geplante Göns und Wieseck haben die Anstellung eines Wanderlehrers Strecke A 18 feld Hersfeld seien nach dem Eintreten des Reichstagabgeordneten Herrn Kreisrat Dr. Wallau anfür Erteilung des Religionsunterrichts beschlossen. A Grünberg, 21. April.( Kontrolbersamm- scheinend etwas günstiger geworden, es sei zu hoffen, daß der Widerstand Preußens doch noch überwunden werde. lung.) Wir machen nochmals aufmerksam, daß morgen früh 9½ Uhr alle Landwehrleute, Reſerviſten und Ersatz- Herr Kreisrat Dr. Wallau habe in kürze in der Angelegenheit eine Audienz bei Herrn Eisenbahnminister Budde reservisten von Grünberg und Umgegend pünktlich beim " Gartenhaus" zu erscheinen haben. Es dürfte vielleicht sehr und man dürfte sicher sein, daß er die Sache zu gutem wenig bekannt sein, daß die Kontrollversammlungen nicht wie Ende führe, wenn das überhaupt möglich sei. früher nach der Reihenfolge der Truppengattungen, sondern nach der Reihenfolge der einzelnen Ortschaften abgehalten werden. ** Eudorf, 17. April. Heute beging Herr Albert * Gießen. Am Sonntag tagte im„ Andres" der Gundrum sein 25jähr. Jubiläum als Lehrer an der hiesigen Gesamt- Bundesvorstand des Mittelwestdeutschen Stenographen- Schule. Die Bürgermeisterei, der Ortsvorstand, der Kirchenbundes Stolze- Schrey. Es wurden die stenographischen Verhältnisse im Bundesgebtet eingehend besprochen. Die Erörterungen, gaben ein Bild des steten Anwachsens der Schule Stolze- Schren. Der Verbandstag findet am 2. und 3 Juli in Kassel unter dem Protektorat dis Prinzen Alexis von Hessen statt. Die Kompagnie besichtigungen bei den 116ern haben heute begonnen. Denselben wohnen mit bei der Kommandierende General v. Lindequist, der Divisionstommandeur Freiherr v. Gall und der Brigadekommandeur. 120. April, lautet gelato eine Lawine iter Unterkunft g murden verschütte Heute morgen ber Truppen, trop de son start* stätte zu gelangen, je zu uthsbrechende Ge ach geact; zwei Uhr iefem Edilafe lag. e mit Bäderei toeg tigrat in der Söbe schaften der umaangestrengt ar Uhr wurden neu gte Personen g zweifellos tot, viel Vich ist u J, daß wegen d vöhnlich warme erwarten find. bungen in Frank u kam es zu eine Jehobenen Burichen merie wurde ange venden. Giner der er, andere leicht ver nd Dich dann no n idh' rausfomme , daß mein Kin gebracht wird" g'ichchn, Mutter? t, heimlicherweis Merte's hab' id fte Did anziehen fort- fay all' fein Glü te feines Herzen dhjen. Er mußte Sen, Geschwi en Gewohnheiten n Auen alle das ihm lieb und Mebel zurückfint fragte er.?" Frau Glohr, au & machen, daß te, Du bist meir biel zu lieb, alsdaf denn das tut dod - Wenu's aud tät, wennfte hie der am Bändel." was ihm Frau Globt allein er fagte nige Fort. folgt.) * Gemeinderatswahlen. Im ganzen Großherzogtum Hessen finden in diesem Jahre die regelmäßigen Ergänzungswahlen des Gemeinderats statt. In den Landgemeinden scheidet ein Drittel nach neunjähriger Amtszeit aus. Ebenso sind die seit 3 Jahren abgegangenen Gemeindes ratsmitglieder zu ersetzen. Die Wahlen müssen bis Ende August vollzogen sein, damit auch etwaige Neuwahlen der Bürgermeister oder Beigeordneten bis zum Jahresschlusse Erledigung finden können. Alfred Rittershaus wird seinen am Montag, den 25. April abends 814 Uhr, im Leib'schen Saale stattfindenden Opern- und Lieder- Abend mit einer Tosti'schen Romanze eröffnen. Dieses Lied hat eine interessante Geschichte: Es trägt die mysteriöse Widmung à...?" und das Motto: ,, Et mon secret m'est cher!" Tosti war vor Jahren Gesanglehrer der schönen Königin von Italien, der„ bella Margherita", wie ſie allgemein von ihren Landsieuten genannt wird. Der junge feurige Maestro verliebte sich, wie das ja auch anderweitig vorkommen soll, in seine liebreizende Schülerin und widmete ihr dieses Lied, desser Worte in der Uebersetzung lauten:" Edle Frau, ich möchte sterben, doch getröstet von Deiner reinen Liebe. Nur einmal noch möchte ich mich geliebt fühlen, wunschlos geliebt! Ich möchte Dir den letzten Rest metner Jugend weihen und, den Kopf an Dein Herz gelegt, den leßten Seufzer aushauchen!" Die Königin fand diesen Wunsch des Dichtter- Komponisten nun doch zu weitgehen und auch ,, re Umberto" hatte keinerlei Verständnis für die Schwärmerei des verliebten Musikers. Der Unterricht wurde abgebrochen. Tosti verließ Italien und ging nach London, wo er jedoch nicht mit gebrochenem Herzen" seinen legten Seufzer aus hauchte, sondern heute noch mit einem stattlichen Embenpoint als gefeierter Romanzen- Komponist und zahlreicher Familienvater" lebt. ** Aus dem Vogelsberg wird uns von sehr glaubwürdiger Seite berichtet, daß Maikäfer und auch schon Johannisfäfer mit Eintritt der Dunkelheit lustig herumfliegen und der kleinen Jugend Veranlassung geben, hinter ihnen her zu laufen und einzufangen. Aber nicht allein die Insekten sind in diesem Jahre sehr früh erwacht, sondern auch die Fluren und Wälder zeigen außergewöhnliches Wachstum. Die Getreidefelder, besonders Klee und die Obstbäume geben uns die besten Hoffnungen auf gute Ernten. Mögen unerwartete Nachtfröfte oder Unwetter dieselben nicht lassen zu Schanden werden. § Ein gutes Geschäft machte am Montag in Mainz eine Bäckersfrau. Gegen Abend kam ein Mann in den Laden und bat die Frau, sie möchte ihm ein Zehnmarkstück wechseln, wobei er das Geld in ein Papier eingewickelt hinlegte. Während des Wechselns fam Kundschaft; der Mann bedankte sich recht freundlich und verschwand. Als die Kundschaft bedient war, machte die Frau das Papier auf und statt des Zehnmarkstückes tam ein deutscher Reichspfennig zum Vorschein. * Im schwarzen Walfisch zu Askalon... Eine Gesellschaft in Fulda, der sich schwarzer Wallfisch" nennt, sandte am 18. Oktober vorigen Jahres eine Weltpostkarte und Schulvorstand, der Vorstand des Gesangvereins, sowie die Schulkinder überreichten Glückwünsche und einige Ge schenke als Ausdruck des Dankes der Gemeinde. Weglar, 20. April. Die Vorarbeiten zur Gründung eines Bauvereins für Arbeiterwohnungen sind soweit vorgeschritten, daß in den nächsten Tagen die Konstituierung des Vereins erfolgen kann. Frankfurt a. M., 20. April. Der 6jährige Gustav Bender ist nun auch an den schweren Verlegungen, die ihm sein Vater beigebracht hatte, gestorben. A Frankfurt a. M., 20. April. Vor der Station Maintur sprang gestern Abend ein Einwohner von Fechenheim während der Fahrt aus einem Eisenbahnzuge. Als man später in seine Wohnung fam, um von dem Unglück Mittheilung zu machen, lag der Mann im Bett und schlief den Schlaf des Gerechten. Er hatte sich bei dem Sprunge einige Male überschlagen und war dann gemach in einen Sandhaufen gefallen. × Darmstadt. Hier wurden bei Beginn des neuen Schuljahres 12 neue Volksschulklassen errichtet. Kassel, 20. April. Das 3jährige Söhnchen eines Trambahnschaffners ſah, als es auf der Straße spielte, seinen Vater auf einem Trambahnwagen herankommen, lief dem Wagen entgegen und wurde überfahren. Nach einer Stunde erlag der arme Junge seinen Verlegungen. × Kastel, 20. April. Die Kosten für die Planierung der gesamten Festungsumwallung sind auf 4 Million Mark veranschlagt. Die Vogelsberger Eisenbahnprojekte sind am letzten Sonntag zu Alsfeld in einer Versammlung, welche besonders dem Eisenbahnprojekt AlsfeldKestrich Ulrichstein galt, zur Sprache gekommen. Erschienen waren die Bürgermeister und Gemeinderäte der an der geplanten Eisenbahnlinie Alsfeld- Ulrichstein interessierten Orte, sowie die Herren Kreisrat Dr. Melior und Landtagsabgeordneten Reh und Korell. Der Vorsitzende des genannten Bahnprojekts- Komitees Herr Karl Grünewald II. begrüßte die Bersammlung und führte u. a. aus, daß im Frühjahr 1903 in Windhausen eine Versammlung stattgefunden habe, in welcher durch die Gemeinden am nördlichen Abhang des Vogelsbergs die Erbauung einer Bahn von Alsfeld über Ülrichstein nach Schotten angeregt wurde. Das Projekt fand allseitig freudige Zustimmung, auch in Wisfeld, wo man der Anregung vollständig fern gestanden hatte. Wiederholte Besuche im Ministerium in Darmstadt brachten die Gewißheit, daß die Verwirklichung des Projeftes in sicherer Aussicht stehe, wenn die Rentabilität der Bahn zu erwarten und eine Gesellschaft für die Ausführung und Finanzierung gewonnen werde. Die Bahn, deren Tracierung nach wiederholten Bereisungen über Liederbach, Strebendorf, OberBreidenbach, Storndorf, Windhausen, Restrich, Köodingen, Helpershain, Rebgeshain nach Ulrichstein in Aussicht_genommen ist, wird außer Alsfeld und Ulrichstein 10 Ortschaften mit insgesamt 5111 Einwohnern direkt berühren und dabei höchstens um die Hälfte länger sein als die Strecke Mücke- Ulrichstein, welche nur über 4 Orte mit 1980 Einwohnern führen würde und wesentlich größere Terrainschwierigkeiten zu überwinden hätte. Die Firma Lenz u. Co. in Berlin hat sich bereit erklärt, die Vorarbeiten für die durch Bewilligungen der Gemeinden zur Verfügung stehende Summe, sowie die Ausführung und Finanzierung unter günstigen Bedingungen zu übernehmen. Die Versuche, Ulrichstein für den Anschluß an das Projekt zu gewinnen, sind gescheitert; daß dasselbe für Für die Linie Alsfeld Loßhausen ist im Einverständnis mit der Firma Lenz und Co. die Freigabe für den Kleinbahnbau bei dem Herr Regierungspräsidenten in Kassel nachgesucht worden, und es muß zunächst die Anwort abgewartet werden. Im Interesse der Strecke Alsfeld Kirtorf Kirchhain wird an letzteren beiden Orten eine lebhafte Tätigkeit entfaltet; man glaubt dort aus privaten Mitteilungen schließen zu dürfen, daß die Bestrebungen in Verbindung mit denen für die Wohratalbahn und die Strecke Alsfeld Hersfeld nicht aussichtslos seien. Das Komitee hat bei Großh. Ministerium um Ueberlassung des für diese Strecke vorhandenen ausgearbeiteten Projektes nachgesucht. Marktberichte. Gießes. 16. April. Auf dem heutigen Wochenmartt lofteten Butter Der Pfd. 1.00-1.10 Mt., ühnereter 2 Stück 12-14 Pfg., Enteneter St. 7 Pfg., Käse per St. 6-8 Pfg.. Käsematte 2 St. 5-6 Pfg., Erbsen per Liter 21 Pfg., Linien per Viter 32 Brg., Lauben per Baar 1. 0.80-1.00, Hühner per Stüd Mt. 1.30-1.40, Hahnen, per Stüd 0.80-1.70, Enten per Stüd 1.70-2.20, Gänse per Bfd. 65-70 fg., Ochsenfleisch per Pfd. 68-78 Bfg., Rindfleisch per Pfd. 62-68 Big. Schweinefleisch) per Pfd 60-72 fg. Schweinefleisch gesalzen per Pfund 0.76 Big., Kalbfleisch per Pfd. 62-74 Pfg., Hammelfleisch per Pfd. 50-74 Pfg. Kartoffeln pro 100 Kilo 6.00 Mr., Zwiebeln ver 3t. Mt. 7.00-10.00, Alepfel per Centner 20-25 Mr. Milch per Liter 18 Vfa. Dauer der Marktzeit von 8 Uhr morgens bis 2 Uhr Nachmittags. Gegenstände des Wochenmarktverkehrs dürfen vor Beginn der Marktzeit überhanpt nicht, und während der ersten drei Stunden der Marktzeit im Umherziehen feilgeboten werden. Arbeitsnachweis der Stadt Gießen. Gartenstraße Nr 2( Bürgermeistereigebäude) Zimmer Nr. 14. können eingestellt werden: & 1 Spengler, 2 Holzbildhauer, 2 Schreiner, mehrere Arbeiter, 1 Fahrbursche, 8 Dienstmädchen, 2 Lauffrauen. Lehrlinge: 2 Installateure, 2 Schlosser, 1 Elektrotechniker, 1 Buchbinder, 1 Tapezterer, 2 Schreiner, 1 Drechsler, 1 Lackierer, 3 Bäcker, 1 Metzger, 1 Schuhmacher, 1 Schneider, 2 Friseure, 1 Kaufmann, 1 Kellner. Es suchen Arbeit: 1 Steinhauer, 1 Schlosser, 1 Installateur, 2 Schreiner, 1 Eisendreher, 1 Flickerin, 1 Packer, 1 Buchhalter, 1 Kassierer, Bureaudiener, 3 Bureaugehilfen, 1 Wochenpflegerin. Für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein. Julius Fischer Giessen, Schulstrasse 6. Anfertigung eleganter Herrengarderobe unter Garantie für guten Sitz und tadelloser Ausführung. Specialität in echt steyrischen Herren- und Damen- Schafwoll- Loden, das beste für Haus, Strasse und Reise. Aufträge werden behufs prompter Lieferung zeitig erbeten. Bekanntmachung. Särge Der Entwurf des Voranschlags der Stadt Gießen für das Rechnungjabr 1904( bom 1. April 1904 b. Ende März 1905), sowie die Boranssläge des in Metall und Holz in jeder Stadterweiterungsfonds, des Elektrizitätswerks und Die Neverführung von Leichen Preislage. des Gas- und Wasserwerks für dieselbe Zeit, liegen nach auswärts erledige prompt in Gemäßheit des Artikel 83 der Städteordnung vom 21. bis 29. April d. Js. auf dem Bürgermeisterei Bureau - - Zimmer Nr. 15- zur Einsicht der Beteiligten offen. Gießen, den 20. April 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Betr. Die Vertilgung der Raupennester. Die Garten- und Feldbesitzer der Gemarkung Gießen werden hiermit aufgefordet, bis zum 20. Mai d Is. ihre Bäume, Streucher und Hecken von den Raubennestern zu reinigen. Diejenigen, welche dieser Aufforderung nicht Folge leisten, verfallen in die in§ 368 des Reichsstrafgesetzbuches bestimmte Geld- oder Haftstrafe. Außerdem wird die Vertilgung der vorhandenen Raupennester auf Kosten des Säumigen angeordnet werden. Gießen, den 19. April 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Betr. Das Einhalten der Tauben während der Saatzeit. Die Bestzer von Tauben werden unter Hinweis auf Artikel 79 des Feldstrafgesetzes aufgefordet, ihre Tauben wegen der Saatzeit bis Ende dieses Monats einzuhalten. Carl Zimmermann, Schreinermeister und Bestattungskommiffär des Mainzer Crematoriums, Neuen Bäue 15. NAUTEDVERKAT ACCOUN Schirme merden schnell und fachgemäß repariert und neu überzogen. Caffeler Schirmfabrik Gießen. Seltersweg 9. Brand's beliebte, vielbewährte Brust-, Husten und Magen- Karamellen sind stets zu haben bei: G. Wallenfells, Giessen, Marktpl. Louis Belloff, Adolf Geisse, دو Neue- Bäue 10. Seltersweg 2. Dieſe Bekanntmachung findet auf die Militärbrief- Beneidet tauben keine Anwendung. Gießen, den 18. April 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Arbeitsvergebung. Die Chaussterungsarbeiten für die Einfahrt des städtischen Baswerks an der Ostanlage sollen auf dem Wege der öffentlichen Ausschreibung vergeben werden. Der diesem Ausschreiben zu Grunde gelegte Vertrags. entwurf liegt während der Dienſtſtunden auf unserm technischen Amtszimmer zur Einsichtnahme offen. find Alle, die eine zatte, weiße Haut, rosiges, jugendfrisches Aussehen u. ein Gesicht ohne Sommersprossen u. Hautunreinigkeiten haben, daher gebrauchen Sie Radebeuler SteckenpferdLilienmilch- Seife echt á Stück 50 Pfg. bei: Apolf Bieler, Giessen, Viktoria- Drog., Marktſtraße 5. Angebote find unter Benuzung der bei uns erhält 20 Drainierer lichen Vordrucke bis zum Donnerstag, den 28. d. Mts., vorm. 11 Uhr verschlossen und mit entsprechender Aufschrift verschen bei uns einzureichen. Gießen, den 21. April 1904. Städt. Gas- und Wasserwerk. Otto Bergen. werden für sofort gesucht bei hohem Affort Lohn, auch SommerBeschäftigung auf der Drainage in Reichenborn bei Weilburg. Unternehmer G. 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Er holte aus bem bekannten Lederkoffer den blutigen Kopf des Sanitätsrates heraus und stellte ihn neben dem anderen auf meinen Schreibtisch hin. Dann öffnete er feinen Mantel; Rod und Vorhemd waren mit Blut bespritzt. Darauf 3og er mit diabolischem Lächeln aus seiner Brutt faul Nr. 88. Donnerstag, den 21 April. 1904. quelle. wird, suchen nbäder. I. Klaffe. rke. Sießen. thaber: Haas junior. Sackkalk Tossen Diessen. 276. am plak gen. g. inderwagen, fahrstühlen. agen, Sport zert b'schen Saale 3. Rudolph. von E. Challier. 25( nicht numr.) Er holte aus dem bekannten Lederkoffer den blutigen Kopf des Sanitätsrates heraus und stellte ihn neben dem anderen auf meinen Schreibtisch hin. Dann öffnete er seinen Mantel; Rock und Vorhemd waren mit Blut bespritzt. Darauf geronnenem Blute bedeckt. zog er mit diabolischem Lächeln aus seiner Brusttasche ein Rasiermesser heraus und klappte es auf; es war ganz mit Dann aber blickte er mich drohend an und fragte: „ Das ist das corpus delicti," fügte er gemütlich hinzu. Rechtsanwalt?" Wollen Sie also meine Verteidigung übernehmen, Herr " Sehr gern!" beeilte ich mich zu versichern. brauchen mich nur als geistesfrank hinzustellen " Sie werden es sehr leicht haben," fuhr er fort, Sie Aber gewiß!" stimmte ich voller Ueberzeugung bei. Er erhob sich langsam, mit dem Rasiermesser spielend, und sah mich durchdringend an. " Sind Sie etwa der Meinung, daß ich tatsächlich.?" Ausdruck an. Seine Augen nahmen einen furchtbaren, mordgrinsenden Ich zitterte. In diesem Augenblicke wurde mehrere Male hintereinander an meiner Flurglocke geflingelt. Ich atmete auf und wollte öffnen gehen. Aber der Wahnsinnige vertrat mir den Weg Biene zu erhöhen. Allein nach den Erfahrungen des Bienen züchters Holz steht es unzweifelhaft fest, daß die in dem so genannten Giftbläschen sich absondernde Säure wegen seine fäulnis- und gährungswidrigen Eigenschaften von den Biener dem Honig hinzugefügt wird, damit derselbe sich nicht zersetz und die Waben nicht durch Gährung zersprenge. - Der Honig, welcher von sogenannten„ boshaften Bienenvöl: kern" herrührt, besitzt stets einen herben, traßenden Geschmack, sowie einen scharfen Geruch. So seltsam es auch erscheinen mag, daß der Charakter des Bienenvolkes Einfluß auf den Geschmad und Geruch des von ihm gesammelten Honigs ausüben könnte, so hat doch die Beobachtung dies merkwürdige Verhältnis aufge Waffe klärt. Sobald nämlich die Bienen gestört werden, strecken sie ihr den Stachel hervor, welchen sie wieder einziehen, wenr die Störung vorüber ist. Das Tröpfchen Ameisensäure, das ar dem Ende des Stachels hervordringt, geht aber nicht wieder zu: rück, sondern wird an den Waben abgestreift und teilt sich dem Honig mit. Da nun leicht erregbare, nervös veranlagte Biener das Säuretröpfchen viel öfter abstreifen werden, als friedfertig Bienen, welche nicht bei feder unbedeutenden Veranlassung mit dem Stachel drohen, so erklärt sich der scharfe Geschmack ihres ten Ameisensäure. Honigs durch den reichlicheren Zusatz der in Bosheit abgesonder: Die Bienen scheinen die konservierenden vor sich hin. Seine Stammtischgenossen waren mit_atemloser Spannung seiner Erzählung gefolgt; alle waren sichtRechtsanwalt Fliedner schwieg erschöpft und starrte düster Eigenschaften der Ameisensäure genau zu kennen; wie sorgfältig lich erregt. Als aber Fliedners Kunstpause gar zu lange dauerte, raffte sich der Bürgermeister auf und fragte: „ Und was wurde dann, Herr Rechtsanwalt?" „ Der Wahnsinnige schnitt auch mir den Kopf ab," erklärte Fliedner mit dumpfer Stimme. Alle blickten ihn schaudernd an; der Oberförster war der erste, der hinter die Ungeheuerlichkeit dieser Behauptung kam; er brach in ein schallendes Gelächter aus, in das auch die anderen bald mit einstimmten. der Kreisphysikus den Anwalt. Also haben Sie das alles nur erfunden?" fragte dann letzte Klingeln war Tatsache; alles andere hatte ich— geNein! So ganz doch nicht!" entgegnete dieser,„ das träumt. Ich war auf dem Kanapee eingeschlafen und wurde aus meinem gräßlichen Traum erst durch besagtes Klingeln aufgeschreckt. Ich ging öffnen, und vor mir stand der Schneidermeister Kühn, also richtig der andere, der mir als erster Klient prophezeit worden war." AUS DEM REICHE DES WISSENS Wie die Bienen Chemie treiben. Es ist eine bekannte Tatsache, daß der den Vienenstöcken entnommene Honig sich jahrelang unverändert hält, während der Apotheker für verschiedene Zwecke zubereiten, gar bald in burch Aufkochen und Abschäumen gereinigte Honig, wie ihn die Gährung übergeht. Man darf daher annehmen, daß sich in dem ungereinigten Naturhonig ein Stoff befindet, der denselben vor bem Verderben schützt und den Bienen den süßen Proviant für bie Dauer der blütenlosen Zeit unverändert erhält, während das Konservierungsmittel durch das Kochen verloren geht. Dieser letztgenannte Umstand deutet ferner darauf hin, daß die konservierende Substanz flüchtiger Natur sein muß und hat richtig Veranlassung zur Ermittelung derselben gegeben. Auch in unserem Haushalte bedienen wir uns häufig einer Flüssigkeit, welche in Essig gelangen? dies die Essigsäure. Wie aber sollten die Bienen wohl zum der Kochhike verfliegt, zum Einmachen von Früchten. Es ist Eine andere, der Essigsäure verwandte Säure steht ihnen jedoch zu Gebote. Dieselbe eignet sich in verdünntem Zustande benfalls vortrefflich zum Konservieren von Früchten und würde hres milden Geschmackes wegen gewiß häufiger angewendet verden, wenn ihr Preis ein niedrigerer wäre. Es findet sich Diese Säure sowohl in den Brennhaaren der Nessel, als bei den Ameisen und den Bienen und wird schlechtweg Ameisensäure genannt. Wir bemerken beim Stiche der Bienen und Wespen am Ende des Stachels ein kleines, wasserhelles Tröpfchen, welches n die Wunde dringt und eine vorübergehende Entzündung hervorringt. Dieses Tröpfchen besteht aus starker Ameisensäure. Man war früher der Meinung, daß dies mit dem Stachel ntleerte Gift nur den Zweck habe, die Verteidigungsfähigkeit der sie sonst auch den Stock rein halten, so tragen sie das Tröpfchen Ameisensäure dennoch niemals aus ihrer Wohnung. Die friedfertigen Bienen fügen dem Honi; auch dann Ameisensäure hinzu, wenn sie ohne Störung ihren Arbeiten obliegen; sie müssen daher würden. wissen, daß ohne den Säurezusatz die süßen Blumenduste verderben Ehe es dem Menschen mit Hilfe der Chemie gelang, die Ameisensäure zu gewinnen und ihre fäulniswidrigen Eigenschaften zu kennen, trieben die Bienen Chemie auf ihre Weise, und da man in Bernstein wespen- und bienenartige Insekten gefunden hat, so ist anzunehmen, daß, bevor der Mensch eine Ahnung von chemischen Dingen hatte, schon Bienen ihren Honig mit Ameisensäure zu konservieren verstanden, als noch die Bernſteinwälder vom Lichte der Sonne beschienen wurden. Kllerlei Wissenswertes. Die Arbeit des Herzens. Nach der Berechnung eines franzö sischen Physikers ist das Herz eine ungefähr 0,15 Meter hohe und 0,10 Meter breite Pumpe, die unter normalen Verhältnissen wenn man auf die Minute 70 Schläge rechnet in der Stunde 4200mal, im Tag 100 800mal, im Jahre 36 792 000mal und in 70 Jahren 2 575 440 000mal eine in dem Herzschlag sich manifestierende Arbeit leistet. Im Durchschnitt wirft die Herzpumpe bei je einer Kontraftion 100 Gramm Blut in die Zirkulation; das entspricht in einer Minute 7 Litern, in der Stunde 420 Litern und im Tag 10 Tonnen. Das gesamte Blut des Körpers passiert in je zwei bis drei Minuten das Herz. Mit der lebendigen Energie, die der Arbeit des Herzens entspricht, könnte man 46 Tonnen einen Meter hoch heben. Diese kleine Maschine, die rastlos Tag und Nacht arbeitet, befördert in 70 Jahren eine Blutmenge von mehr als 250 000 Rubikmeter. Wer hat die Postmarken erfunden? Die Engländer, so heißt es, denn in Wahrheit haben diese anno 1839 zuerst sie ,, eingeführt". Erfunden aber sollen die kleinen, jetzt so unentbehrlich gewordenen Abzeichen der Frankatur bereits früher sein, nämlich durch einen schwedischen Artillerie- Offizier, Namens Trekenber, welcher im Jahr 1833 der Adelskammer den schriftlichen Vorschlag machte: ,, gestempeltes Papier auszugeben zu Kouverts für frankierte Briefe!" Die Protokolle der Kammer melden, daß dieser Vorschlag, trog lebhafter Unterstützung des Grafen Schwerin, doch mit großer Majorität abgewiesen und verworfen wurde! Der tiefste artesische Brunnen, der vielleicht überhaupt je gebohrt worden ist, ist vor kurzem in Neu- Süd- Wales bei dem Orte Careunga niedergebracht worden. Er besitzt eine Tiefe von fast 1300 Metern und hat bisher 17 Millionen Gallonen oder rund 17 Millionen Liter Wasser täglich geliefert. Die Erfolge der ar= tesischen Brunnen im Gebiete von Neu- Südwales haben den unge= heuren Wert dieser Bewährungsmittel, der in letzter Zeit namentlich schon durch die Versuche in Algier, an der Grenze der Wüste Sahara, nachgewiesen worden war, wieder ins hellste Licht gerückt. Sieben solcher Brunnen liefern dort genug Wasser für Leitungen von über 150 Kilometer Länge, und fast 250 000 Hektar unfrucht. worden. baren Bodens sich dadurch in ergiebiges Ackerland verwandelt Nr. 88. Donnerstag, den 21. April. 1904. Oberbessische Familienzeitung. Tägliche Unterhaltungs- Beilage der Gießener Neueste Nachrichten. Band sub Berlag ber Stefierer Verlagsbruderet, verm. Bilh. Reller'ſche Buchbradarei( gegs. 1788); ser ( 17. Fortschung.) Gewillensqualen. Kriminal Roman von Robert Buchanan. Der Richtung seiner Augen folgend, gewahrte ich Kathleen, die jetzt neben dem Geistlichen stand und mit unheilGestalt im Bette betrachtete. vollem Blick und gerunzelten Brauen die heruntergekommene darf Ihnen etwas tun." Haben Sie feine Angst," beruhigte ich ihn.„ Niemand " Und wer will ihm denn etwas tun?" rief das Mädchen. Rory, hast du gebeichtet?" " Ich will ihn gewiß gern am Leben erhalten sehen. Sprich, Der Kranke gab hierauf keine Antwort, ließ aber erschöpft meinen Arm los und ficl in die Kissen zurück. „ Für dich und mich gibt es auf dieser Welt keine Ruhe „ Laß mich in Ruhe," stöhnte er.„ Laß mich in Ruhe." mehr," antwortete Kathleen, und der Fluch Gottes ruht auf dir und auf diesem Hause, und nur Seine Hochwürden kann ihn abwenden. Bruder, mein lieber Rory," fuhr sie mit Tone fort, sprich doch, so lange es noch Zeit ist. Seine Hochveränderter Stimme und in einem bittenden und liebfosenden würden wird dich dann lossprechen, und er und ich wollen schleppen hast, leichter werde.' dann für dich beten, auf daß dir die schwere Last, die du zu Der Kranke verfiel in ein dumpfes Schweigen und machte feinen Versuch mehr, auch nur noch ein Wort zu sprechen. seinem Bette stehen und gab dann seiner Schwester einen Wink Schließlich schlief er ein. Ich blieb noch eine kurze Zeit an mir aus dem Zimmer zu folgen. Sie tat dies sofort und gleich darauf trat auch Pater Antonius zu uns in die Küche. Denken Sie an das, was ich Ihnen sagte," redete ich Kathleen zu.„ Das Leben Ihres Bruders liegt in Ihrer zu unternehmen Hand, und wenn Sie es wagen sollten, irgend etwas dagegen sie. Fragen Sie nur Pater Antonius." ,, Euer Gnaden braucht keine Angst zu haben," antwortete „ Sie hat recht," bestätigte der Geistliche.„ Sie können sich Unglück für uns alle sein, wenn ihrem Bruder etwas ankäme." unbedingt auf sie verlassen, denn es würde sicherlich das größte " Sie hat mir aber doch selbst gesagt, daß sie seinen Tod herbeiwünſchte,“ erwiderte ich. Jetzt wünscht sie ihn nicht mehr," entgegnete Pater Antonius, das Mädchen scharf anſehend,„ jetzt betet sie um sein Leben. wie Gott lebt!" rte sie mit vor Schmerz erstickter Stimme. Kathleen neigte zur Bestätigung das Haupt.„ So wahr „ Ja, ich habe wohl gewünscht, daß er in seinem Bette ſterben möchte, das geschah aber aus Besorgnis um ihn, und an seine arme Seele habe ich dabei nicht gedacht." Es entstand eine peinliche Pause, die der junge Geistliche mit der Frage an mich beendete:„ Darf ich Sie vielleicht nach Mylrea begleiten, Herr Doktor?" wurde zwischen uns gesprochen, bis wir die Türe meiner WohZusammen verließen wir das Haus. Nur sehr wenig nung erreicht hatten. Meine Wirtin hatte sich zur Ruhe beauch tat. ich lud ihn ein, mir auf mein Zimmer zu folgen, was er geben, und alles war dunkel. Mein Gefährte war müde, und WIia& Isis ( Nachbruc verboten.) Der Kranke sank in einen Sessel und bedeckte den Kopi mit den Händen. Als er wieder aufjah, bemerkte ich, das seine Augen voller Tränen standen. „ Es ist sehr spät geworden, Herr Kaplan, und Sie habe einen sehr weiten Weg," begann ich die Unterhaltung „ Wollen Sie es noch) wagen?" " Ich gehe über die Verge nach Hause," antwortete er husten. Und dabei wurde ihm der Atem knapp, und er mußte heftig " Sie seven sich zu großer Gefahr für Ihr Gesundheit aus," meinte ich. Mit Ihrem Husten sollten Sie gar nicht mehr ausgehen, nachdem es dunkel geworden." Er lächelte traurig.„ An meinem Leben ist nichts gelegen, das ſteht in Gottes Hand. Aber ich möchte Sie gern wegen meines Bruders sprechen. Er bieli einen Augenblick inne und fuhr dann leise fort:„ Er wundert sich gemis sehr, daß ich ihn bis jetzt noch nicht dort unten besucht babe." Ich erzählte ihn, was ich von Ellen gehört hatte. Während ich sprach, sah ich, wie ihm die Tranen in die Augen traten, und als ich zu Ende war, versuchte er vergeblich zu reden, so groß war seine Erregung. Endlich fand er Worte:„ Herr Doftor, wenn ich Ihnen erkläre, daß ich mit Freuden an meines Bruders Stelle stehen und für ihn sterben möchte, witrden Sie es mir wohl glauben? Ich liebe meinen Bruder, und mein Herz bricht vor Kummer darüber, daß ich ihm in seiner größten Rot nicht zur Seite stehen kann. Gott aber weiß, daß ich mir selber nicht helfen kann. Ich fürchte mich, ihn zu sehen! Ich habe alle Kräfte nötig, und wenn ich ihm in die Augen jehen und dabei wissen müßte, daß ich doch das Wort nicht sagen könnte, welches ihm Rettung brächte, ich glaube, das würde mein Tod sein." „ Ich verstehe Sie nicht, Herr Kaplan!" rief ich, ärgerlich geworden." In Gottes Namen, wozu denn diese Geheimnistuerei? Wenn Sie Ihrem Bruder helfen können, warum tun Sie es denn nicht?" „ Ich kann ihm nicht helfen," gab er mir zur Antwort. Hierauf offenbarte ich ihm meinen Verdacht, und ich setzte ihm auseinander, zu welchem Schlusse ich gekommen wäre: daß nämlich Michael Creenan und Bournes am Morde beteiligt wären, und daß er, der Kaplan, mit seinen häufigen Besuchen bei Bournes nichts weiter beabsichtige, als letzteren zu beeinflussen, keine Aussagen zu machen, die Michael Creenan irgendwie belasten könnte. Er hörte mich geduldig an und schien auch weiter nicht überrascht zu sein. „ Können Sie das leugnen, was ich eben gesagt habe?" rief ich. Er sah mir ruhig ins Gesicht, stand dann auf, knöpfte sich seine Soutane zu und schickte sich zum Gehen an. Ich leugne gar nicht," erklärte er, ich fann aber auch nichts weiter sagen. Mir ist der Mund geschlossen! Sagen Sie jedoch, bitte, Fräulein Craig, daß ich die Hoffnung habe, meines Bruders Unschuld auch jetzt noch beweisen zu können. Sagen Sie ihr, bitte, sie solle auch ferner fest auf Gott vertrauen!" Эләләри [ ә!! ше әрөгил чәчедип Nr. 282, Mr. 94 盏 Eilenba CB Der& Ungarn stattfi gestern und den Verkehrs die Gdienen gel an Nahru blöblich aller Teuerung aus ruhigung der ichichten, spott in anderen ede geichlo chreibung. Belne und wir fein Sche Der jebige bie Bahnarbei Bedeutendite S talien stattfan eine Linien 1 fter, wie der ihren beider ver Streik der อ เด 10 denn malitionen übe und rößte Streit, brnkammer de ahre 1897 in Streifs waren beglei von ernite weijen nam einem Ariegslage Magyaren von htigkeiten Sefahr nom eten Wacht übern иш фіјфодор ләт mi a Bahangestellte dunkle Nacht hinein. schon kommen, wo ich mit ihnen Mit diesen Worten verließ er das Haus und schritt in die haben. Die Zeit wird abrechne!" „ Aber wie kam es denn?" forschte ich weiter. 11. Das kann ich Ihnen nicht sagen," lispelte er. Nun trat zu meiner Ueberraschung Kathleen einen Schritt vor, und indem sie mit zitternder Hand auf ihn deutete, rief sie:„ Beantworte doch die Frage von Seiner Gnaden. Sag ihm die Wahrheit, Rory! Oder soll ich sie ihm sagen?“ Es war am Vorabend des Beginnes der Schwurgerichtsperiode zu Castlerea. Die Stadt war mit Fremden überfüllt. Die Gasthöfe und Wirtshäuser waren bis auf den letzten Platz besetzt, und auf dem Marktplaze und seinen angrenzenden Straßen drängten sich die aus der ganzen Grafschaft herbeigeeilten Landleute. Der Richter und andere hohe Würdenträger wurden für diesen Abend erwartet, und die Behören schickten sich an, die Herren mit den ihnen gebührenden Ehren zu empfangen. Dem Vernehmen nach sollte der Mylreaer Mord, obwohl er zweifellos der interessanteste Fall war, doch erst am dritten oder vierten Tage zur Aburteilung kommen. Von dem Richter, Sir James Cleary, einem Engländer und einer im ganzen Lande sehr unbeliebten Persönlichkeit, der mit einer ausgeprägten antiirischen Gesinnung äußerste Strenge gegen jeden Verbrecher verband, wollte man wissen, daß er so leicht keinen Umstand übersah, der für die Schuld etnes Angeklagten sprach. Dies war aber immer noch von viel geringerer Bedeutung als die Tatsache, daß die Stimme des Volkes bereits allgemein Michael Creenan verurteilt hatte' so daß die Geschworenen, welche aus kleinen Bürgern der Stadt bestanden, bereits gegen ihn eingenommen sein mochten. Michael Creenans Sache stand in der Tat sehr schlecht und sah hoffnungslos aus, als Fräulein Craig in Castlerea eintraf, um dort noch im legten Augenblick mit seinem Anwalt die verzweifeltsten Schritte zur Rettung ihres Geliebten zu beraten. Ich hatte ihr das Versprechen gegeben, ihr am anderen Tage nachzukommen. Offen gestanden, fürchtete ich mich, mit ihr zuſammen zu reisen, denn ich wußte beim besten Willen nicht mehr, wie ich ihr helfen konnte oder sie trösten sollte. Auch gab mir meine eigene Unentschlossenheit bezüglich des weiteren Vorgehens Grund zum Aufschub. Folgte ich meiner ersten Absicht und setzte ich die Polizei in Kenntnis von meinem Verdachte, daß Bournes zu dem Morde in irgend einer Beziehung ſtände, ſo hatte ich dadurch den Strick nur noch feſter um Michael Creenans Hals gezogen, und das zu tun zauderte ich natürlich. Dieselbe Folge würde es auch gehabt haben, wenn ich das seltsame Benehmen des jungen Geistlichen der Behörde mitgeteilt hätte. Ich wollte daher die paar Tage noch abwarten und sehen, wie ſich die Sache weiter entwickelte. Gegen Michael Creenan wurde ja noch nicht verhandelt, und es war doch immerhin möglich, daß ich vielleicht noch im letzten Augenblick eine neue Entdeckung machte. Auffallenderweise kam mein Patient nach dem mitternächtlichen Besuche rasch wieder zu sich. Aber je mehr seine Kräfte zunahmen, desto niedergeschlagener und schweigsamer wurde er, so daß es faſt auf mich den Eindruck machte, als täte es ihm leid, daß ihn meine Bemühungen am Leben erhielten. Er verlangte nur noch Schnaps, den ihm jedoch ſeine Schweſter in getreuer Befolgung meiner Anordnungen berweigerte. Am Nachmittag des Tages, an dem das Schwurgericht zuſammentrat, ſprach ich wieder bei dem Geschwisterpaare bor. Mein Patient hatte das Bett verlassen und saß angekleidet auf einem Stuhle. In gewohnter Weise begrüßte er mich mit einem unverständlichen Gebrumme und fragte mich dann, indem er seine Schwester, die neben ihm stand, scharf ansah: " Ist es wahr, daß Euer Gnaden Kathleen verboten hat, mir ein paar Tropfen Schnaps zu reichen?" „ Gewiß habe ich das getan," antwortete ich. In Ihrem gegenwärtigen Zustande ist Schnaps Gift für Sie." ,, Das ist mir gleich," murmelte er, ich bin schwach und heruntergekommen, und ein Gläschen Schnaps würde mich wieder auffrischen." Wenn Sie klug wären, würden Sie überhaupt keinen Schnaps mehr trinken, denn nur der Schnaps ist an Ihrem Janzen Unglück schuld. Uebrigens," fuhr ich ablenkend fort, Sie haben mir noch gar nicht erzählt, wie Sie zu der häßlichen Wunde an Ihrem Arme kamen?" Ich beobachtete ihn sehr aufmerksam, während ich an ihn biese Frage stellte. Sein rohes, unrasiertes Gesicht, das wild und grimmig wie das eines wilden Tigers aussah, wurde feuerrot, und mit einem auffälligen Blick auf seine Schwester rief er aus:„ Hol die der Henker, die es getan Halt dein Maul!" schrie der Angeredete, ihr einen zornigen Blick zuwerfend. ,, Nein, ich will reden," entgegnete Kathleen, deren Aufregung zunahm, und indem sie sich rasch zu mir wandte, fuhr sie fort: Ich habe sie ihm beigebracht, und es tut mir nur leid, daß sie nicht noch besser gesessen hat." ,, Glauben Sie ihr nicht," rief der Kranke, sie lügt!" ,, Nein, ich lüge nicht," antwortete Kathleen, und rasch in eine Ecke des Zimmers eilend, nahm sie aus dem Schranke eine Sichel, wie sie in der Gegend bei der Ernte gebraucht wird. Der Kranke schrie vor Schreck laut auf und fiel in ſeinen Stuhl zurück. Ohne sich jedoch um ihn zu kümmern, reichte sie mir die Sichel.„ Sehen Euer Gnaden her!" rief sie. Sehen Sie noch das Blut an der Klinge? Das ist sein Blut! Nun, lüge ich?" Ich sah mir die Sichel an. Die Schneide war so scharf wie ein Rasiermesser und an beiden Seiten mit Blut befleckt. das daran festgetrocknet war, und auch der Griff wies solche rote Flecken auf. Ich faßte das entsetzliche Weib scharf ins Auge, während ihr Bruder, vor Schreck ganz blaß, mich dringend bat, ſie nicht an ihn herankommen zu laſſen. „ Sie brauchen keine Angst zu haben," sagte sie.„ Ich habe es dem Herrn Kaplan versprochen, und niemals werde ich meine Hand gegen ihn erheben. Aber gestochen habe ich ihn mit der Sichel, und wollte Gott, ich hätte ihn zu Tode getroffen." Sie nahm mir die Sichel aus der Hand und legte sie in den Schrank zurück, deſſen Schlüssel sie umdrehte und abzog. „ Euer Gnaden können den Schlüssel an sich nehmen," ſagte sie, indem sie ihn mir reichte.„ Mein Bruder Rory weiß ganz gut, daß er jetzt vor mir sicher ist." Ohne jedes weitere Wort verließ sie das Zimmer. Eine furze Zeit blieb ich noch bei dem Kranken sitzen, doch wollte es mir nicht gelingen, weitere Aufklärung von ihm zu erhalten. Nachdem er sich von seinem Schrecken erholt hatte, verfiel er wieder in sein früheres schwermütiges Wesen und gab mir nur kurze, einsilbige Antworten. Als ich ihn fragte, ob er sich noch vor seiner Schwester fürchte, meinte er:„ Nein, Euer Gnaden, was sie sagt, hält ſie, es tut ihr jetzt leid, was sie getan." Ich verabschiedete mich von ihm. In der Küche saß Kathleen am Fenster, den Kopf in den Händen vergraben. Als ich an ihr vorbeiging, sah sie auf, und ich konnte bemerken, wie ihr die Tränen das Gesicht hinunterliefen. „ Sie sind doch ein recht sonderbares Mädchen!" sagte ich zu ihr." Was hat Ihnen denn Ihr Bruder getan, daß Sie ihn so furchtbar zugerichtet haben?" „ Das wird Euer Gnaden wohl schon einmal erfahren," antwortete sie mit einem langen tiefen Seufzer.„ Sic können es mir glauben, daß ich meinem leiblichen Bruder nichts Uebles will; aber auf ihm und mir und uns allen ruht der Fluch Gottes, und mein Herz ist darüber schon gebrochen, und ich wünschte, ich wäre tot." Troz eingehendem Fragen konnte ich nicht mehr von ihr erfahren. Ich machte ihr schließlich kein Hehl daraus, daß meiner Ueberzeugung nach sie und ihr Bruder mehr von dem Morde wüßten, als sie zugeben wollte. Sie erstaunte aber nicht einmal über diese Aeußerung, noch erschrak sie, als ich bemerkte, es wäre wohl meine Pflicht, die Polizei von meinen Wahrnehmungen in Kenntnis zu setzen. Die Gendarmen fürchte ich nicht," sagte sie in ruhigem Tone, aber den Fluch Gottes. Es hat gar keinen Zweck, wenn Euer Gnaden noch weiter in mich dringen." Jetzt befand ich mich wiederum in einer Sackgasse. War es meine Pflicht, den Behörden von meiner Entdeckung Kenntnis zu geben? Ich hatte Bedenken, dies zu tun, weil ich wußte, daß ich damit Ellen den Todesstoß versezen würde; denn ich war überzeugt, daß die Ueberführung Michael Creenans als Mörder des Herrn Craig oder der Beweis, daß er wenigstens Mitwisser des Verbrechens sei, die Folge sein würde. ( Fortsetzung folgt.)} Jannst du nicht wie der Adler fliegen, Wer mit Mühe den Gipfel gewann, Hat auch die Welt zu Füßen liegen. Klett're nur Schritt für Schritt bergan; Sein erster Klient. Von C. Günther. ( Nachdruck verboten.) Wieder einmal hatte sich die illustre Tafelrunde des „ akademischen" Stammtisches im„ Roten Löwen" Schwindelshausen versammelt. Aber die rechte Fröhlichkeit, die sonst hier unentwegt zu Gaste saß, wollte sich heute nicht einstellen; denn der Lustigste der Gesellschaft, der als wißiger Kopf bekannte Rechtsanwalt Fliedner, machte ein gar trübseliges Gesicht und starrte finster in seinen Krug Münchener hinein. ,, Wissen Sie, lieber Fliedner!" sagte der Gymnasialoberlehrer Breitmüller,„ Sie gefallen mir heute gar nicht; Sie haben wohl einen wichtigen Prozeß verloren?" Oder tragen Sie Trauer um den Kerl, den Sie neulich so famos verteidigt haben?" meckerte der Oberförster von Kunowski, wie hieß er doch gleich? Ach ja, Knatschke! Gestern ist er ja geföpft worden." „ Er grämt sich um das flöten gegangene Honorar," ulfte der dicke Kreisphysikus Dr. Haberkorn weiter.„ Knatschke soll ihm nämlich für den Fall, daß er seine Freisprechung erzielte, zehn Prozent von dem Reingewinn aller seiner fünftigen Raubmorde notariell zugesichert haben... Die Anwesenden lachten. Nur Rechtsanwalt Fliedner verzog keine Miene; wie aus tiefem Sinnen fuhr er plötzlich empor: Entschuldigen Sie, meine Herren! Ich feiere heute einen Gedenktag.. Die anderen sahen ihn ein wenig verlegen an. Dann sagte der Bürgermeister, Herr Assessor a. D. Wolkenbruch: Darf man fragen, Herr Rechtsanwalt, was...?" " Ja, gewiß! Herr Bürgermeister!" fiel ihm Fliedner ins Wort, heute vor zehn Jahren ist mein erster Klient zu mir gekommen." " Und deshalb setzen Sie solche Armesündermiene auf?" rief der Oberlehrer, das war doch eher ein freudiges Ereignis..." Unter regulären Verhältnissen allerdings, lieber Breitmüller!" gab der Rechtsanwalt ungewöhnlich ernst zurück, „ aber in meinem Falle... Ich kann Ihnen sagen, meine Herren! Es war eine grausige Geschichte.. „ Na! Dann erleichtern Sie Ihr Gemüt!" riet ihm der Kreisphysikus, und der Oberförster kommandierte: „ Also los, Fliedner! Erzählen Sie!" " Sie werden wohl alle kaum wissen," begann der Rechtsanwalt seine Erzählung, daß ich, bevor ich hierher fam, bereits ein ganzes Jahr in der kleinen Kreisstadt K. praktiziert habe. Dort bekam ich also auch meinen ersten Klienten. Sie brauchen nicht zu grinsen, Haberkorn! Denn wenn ich in S. auch keine Seide gesponnen habe, auf einige Klienten habe ich es in dem Jahre denn doch gebracht. Also: seit mehr als vierzehn Tagen hatte ich bereits mein Bureau eröffnet, ohne daß bisher irgend jemand meine juristische Hilfe in Anspruch genommen hätte. Mein Bureauvorsteher hatte sich, nachdem er die Aktendeckel für die nächsten zwanzig Jahre präpariert hatte, ein Abonnement in der Leihbibliothek genommen, natürlich auf Geschäftsunkosten, und las Romane, um nicht vor Langeweile verrückt zu werden. Das kleine Städtchen zählte bereits zwei Anwälte, die seit Jahrzehnten in ihm ansässig waren und das Vertrauen der sehr konservativ veranlagten Bürgerschaft im vollsten Maße genossen. So mußte ich bald erkennen, daß meine Aussichten in K. nicht gerade glänzende waren. Man hing dort viel zu ſehr am Alten und Althergebrachten und liebte die Neuerungen und die Neuerer nicht. Das hatte zu seinem Schaden auch ein junger Arzt erfahren müssen, der sich kurz vor mir in K. niedergelassen hatte. Die drei in dem Orte praktizierenden Mediziner hatten sofort einen geschlossenen Ring gegen ihn gebildet und die gesamte Bewohnerschaft von K. gegen den neuen Konkurrenten aufgehetzt. Dr. Freimund hatte sich allerdings auch von Anfang an sehr unklug benommen; er hatte seinen Kollegen keinen Besuch gemacht und sich öffentlich über ihre Behandlungsmethoden in herabmeltkundiger Jurist selbstverständlich vermieden. Ich stand mit meinen Kollegen, dem Justizrat Dr. Blank und dem Rechtsanwalt Rehmann, auf dem besten Fuße und wurde daher der Ehre gewürdigt, vom Herrn Bürgermeister selber zum Besuch des Stammtisches der Honoratioren im„ König von Preußen" aufgefordert zu werden. Das war aber auch der einzige Erfolg, den ich bisher in R. erzielt hatte. setzender Weise ausgelassen. Alle diese Fehler hatte ich als Im übrigen ließ man es mich gerade am Stammtisch am deutlichsten fühlen, daß ich als dritter Anwalt in St. eigentlich ganz überflüssig war. Sobald ich mich dort ein wenig eingebürgert hatte, begann man mich wegen meiner imaginären„ Praris" anzuulfen; so redete mich einmal, als ,, mein" Thema auf der Tagesordnung stand, Herr Dr. Biermann, der Redakteur des Lokalblättchens, in feierlicher Weise folgendermaßen an: „ Soll ich Ihnen prophezeien, lieber Herr Rechtsanwalt, wer Ihre ersten Klienten hier in K. sein werden? Entweder ist es der Schneider Kühn oder Dr. Freimund!" Das gab natürlich ein brausendes Gelächter am Stammtisch; denn Schneidermeister Kühn war der allgemein verhaßte„ Demagoge" von K. und hatte des öfteren Beleidigungsprozesse, die gewöhnlich einen sehr lächerlichen Anstrich hatten. Auch Dr. Freimund stand ein solcher Prozeß bevor. Der junge Arzt, der ein heftiger und etwas erzentrischer Mensch war, hatte einige Tage vorher den ältesten seiner Kollegen, den Sanitätsrat Klapper, der sich abfällig über ihn geäußert haben sollte, auf offener Straße brüskiert und sollte nun von ihm verklagt werden. So standen die Sachen, als eines Abends, nachdem mein Bureauchef seinen Roman zugeklappt hatte und nach Hause gegangen war, heftig an der Flurglocke geklingelt wurde. Ich erhob mich haſtig von der Chaiſelongue, auf die ich mich grübelnd hingestreckt hatte, und ging öffnen. Vor mir stand eine hohe Gestalt in großem Radmantel, mit einem Lederkoffer in der Hand. Es war Dr. Freimund, den ich von Ansehen bereits kannte.... Er wurde also richtig mein erster Klient. " Störe ich Sie, Herr Rechtsanwalt?" fragte er höflich, ,, ich komme wohl schon nach Toresschluß..?" „ Aber nein! Es ist ja erst acht Uhr!“ gab ich zur Antwort,„ bitte, treten Sie doch ein..." uner auf Der junge Arzt ließ sich in meinem Spree den angebotenen Stuhl nieder; dann sagte er: " Ich möchte Sie fragen, Herr Rechtsanwalt, ob Sie meine Verteidigung übernehmen wollen." " Ah, in Ihrem Beleidigungsprozeß mit Sanitätsrat Klapper? Haben Sie denn die Zustellung schon erhalten?" „ Nein!" antwortete er ruhig,„ nicht in meinem Beleidigungsprozeß mit Sanitätsrat Klapper, sondern wegen Mordes..." Wegen Mordes?" stammelte ich entſeßt. " Ja! Ich habe Ihrem Kollegen, dem Juſtizrat Blank, die Kehle durchgeschnitten." " Aber, mein Gott! Das ist ja nicht möglich! Ich habe doch heute vormittag noch mit dem Juſtizrat beim Frühschoppen gesessen und nicht gehört, daß er mit Ihnen entzweit war Ich begreife wirklich nicht..." „ Ich sage stets die Wahrheit, Herr Rechtsanwalt! Vor etwa einer halben Stunde kam ich zu Juſtizrat Blank, gerade so, wie ich jetzt zu Ihnen gekommen bin, und fragte ihn, ob er meine Verteidigung übernehmen wolle. Er wies mich schroff zurück; ich würde wütend, und da... Wollen Sie selbst sehen.. Er öffnete den Lederkoffer, den er neben sich gestellt hatte, bebte vor Erregung am ganzen Leibe; denn ein Blick in die und zeigte mir das blutige Haupt des Justizrats. Ich dunklen, unruhig flackernden Augen des vor mir sibenden Mannes hatte mich gelehrt, daß ich es mit einem Wahnsinnigen zu tun hatte. Da hieß es vorsichtig sein... Wenn ich Sie recht verstanden habe," begann ich daher in geschäftsmäßigem Tone, so wollten Sie dem Justizrat Ihre Verteidigung in dem Beleidigungsprozeß mit Sanitätsrat Klapper.. „ Nein! Nicht in dem Beleidigungsprozeß mit Sanitätsrat Klapper!" fiel mir Dr. Freimund ins Wort,„ sondern wegen Mordes.. Wegen- Mordes?" stammelte ich verständnislos. " Ja, denn ich hatte, bevor ich zu Justizrat Blank ging, dem Sanitätsrat Dr. Klapper den Hals abgeschnitten. Wollen Sie sehen..." S allge des sitodung in jo n die Mik Peter Krisis ese lossen, daß dieſes Ber erfeben. Die V als ohne die Le fe faffen, weil gestellten sehr hen Gefahren fü I andererseits derungen einen ch, daß der unga einmelon bon die efer Riefengejaby inſchulung bon Man darf abu до ge nicht außer tmittel zwar e idarisch organ selbst gefährli kät das Lockengejan er belagerten in ihren wud it und auch die วาด e durch den all beschworen ha she, daß die Ve io tatsächlich hen Grieges n paige ertravag aaten. Spezie der Pflichttre bis zu befürchter Nach neueren N Gegenma fichten su haber beschränktem Me An famtliche Tr Freifenden den Be Die hl ergangen, fich Eitung zur Verfüg emnach Militar Find parat en auch Sun itandigen ingetroffen, die he Direttion, fcho Hehr aufnehmen Ing In Ermangelin ngenieurtorps de