Französisch, Herr äulein." Gefundheit. Gendarm verfolgt agabunden und holt eßlich feuchend ein. en Sie mir zum rſteher!" halb denn? Papiere sind doch Ordnung?" was, Sie haben feine Papiere!" B; hier sind sie!" weshalb laufen Sie Nr. 68. nemextopreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen bierteljährlich Mr. 1,50. eastebetlagen: Oberhefftsche Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Montag, den 21. März 1904. Gießener 13. Jahrgang. Jnsertionspreis: Die einspaltige Betitzelle für ganz O hefsen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 Reklamen die Petitzelle 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg Fernsprechanschluß Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Unabhängige Tageszeitung ( Gießener Beifung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weglar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Um eine fürftenkrone. CB. Vor einigen Tagen ging die Nachricht durch die Presse, daß der Zar für sich und sein Haus auf die Nachfolge im habe Karlsbader Großherzogtum Oldenburg Verzicht geleistet habe. Zur Begetrunken, und da urteilung der Rechtslage ist daran zu erinnern, daß das der Doktor Laufen 3arenhaus als Agnat der oldenburgischen Krone erst hinter et!" haben doch aber daß ich hinter herrenne!" m, Sie hätten auch ader Wasser ge茶 Maktab. en Sie noch etwas dem Hause Holstein- Gottorp rangiert. Der einzige Verreter dieser Linie ist der Herzog Peter von Oldenburg, der aber dem Wesen und Denken nach ein Stockrusse ist, sich zum habe gemeint, Herr griechisch- katholischen Glauben bekennt und nicht einmal deutsch spricht. Er ist ein 35jähriger Herr, der in Petersburg das Leben eines Bonvivant führt und sich wenig um die Fürstenkrone von Oldenburg befümmert. Erst wenn sein Man nesstamm erlöschen sollte, kommt das russische Zarenhaus Frage. Indem der Zar seinen Verzicht aussprach, hat er die Möglichkeit einer russischen Nachfolge, wie man sieht, mmer noch nicht ganz aus der Welt geschafft. Herzog Peter on Oldenburg zählt überhaupt nicht zum russischen Zarenjause, und für ihn ist demnach der Verzicht des Kaisers Nikoaus auch nicht rechtsgültig. Indes läßt sich annehmen, daß ine Verzichtleistung nicht schwer zu erlangen wäre. edoch der jezige Großherzog von Oldenburg sich eines jetzt echsjährigen Thronerben erfreut, so ist die Frage auch noch nicht akut. Verteidigung borDa n, Angeklagter?" freilich, Herr Präich bitt um eine Straf'! Die er nden Umständ', bon Der Herr Staats alleweil g'red't hat, ja für mich gar net Bie man weiß, hat der Zar seine Agnatenansprüche auf ber. Da hab' ich schon das Haus Schleswig- Holstein- Sonderburg- Glücksburg überandere Türen auftragen, und der oldenburgische Landtag hat in geheimer en wie so' n einfach's Sigung beschlossen, diese Linie als nächstberechtigten Agnaten rtürl ba!" mzuerkennen. Dagegen erhebt nun wieder im Namen der Sinie Sonderburg- Augustenburg der Herzog Ernst Günther oon Schleswig- Holstein, der Bruder unserer Kaiserin, als Oberhaupt des Hauses Einspruch. Er kann zwar nicht bereiten, daß das sogenannte Geblütsrecht dem Hauſe Glückshung die nächste Anwartschaft auf den eventuell erledigten Thron von Oldenburg verleiht. Seine Rechtsansprüche süßen sich aber nicht auf das Geblüts-, sondern auf das Bertragsrecht. Die Begründung dieses Einspruches hat die Form einer historischen Darlegung über die komplizierten Hausverträge, die zwischen den einzelnen Linien abgeschlossen ** ngenehme Treue. Sepp, warum haft enn Deinen Waldt t?" das Vieh war mir 1. Allemal wenn ich Birtshaus gegangen at er sich davor gesezt eheult. Da hätt bald Se Dorf g'wußt, wie oft Tag über drin war!" couttion oer Jeuer Berliner en auf dem In von 9-12 mittags eing mit der Auft Provinzial- Si gstermin Vorm. 10 Uhr enanstalt Oberhe order ind. In Kürze ergibt sich daraus folgendes Bild. m Jahre 1676 trat der Herzog von Holstein- Plön die Grafhaft en Oldenburg und Delmenhorst gegen eine Barentschädigung an den König von Dänemark ab, mit der Vertragsbestimmung, daß sie im Fall des Erlöschens dieser Linie an das Haus Holstein- Plön zurückfallen sollen. Das dänische önigshaus cedierte diese Grafschaften im Jahre 1767 an den aiser Paul von Rußland, der sie bereits nach sechs Jahren enerös an den Fürstbischof Friedrich August von Lübeck, den fifter des gegenwärtigen großherzoglichen Hauses, weitergab. Da bereits im Jahre 1863 das damalige dänische Haus in Mannesstamme ausgestorben ist, so hat rechtlich nach dem legitimitätsprinzip das Augustenburger Haus einen Anauch auf die Rückgabe der beiden Graſſchaften. In dem denburgischen Staatsgrundgesetz vom Jahre 1848 aber ist Lestimmt, daß das gesamte Staatsgebiet unteilbar sei. Der Rechtsbeistand des Hauses Augustenburg jedoch nimmt an, Dieſe Bestimmung nur für die jetzige regierende Familie glte, daß aber die Rechtswirkung des Cessionsvertrags vom Fahre 1676 im Falle ihres Erlöschens dadurch nicht aufgehoben werde. Wir würden also vor der Frage stehen, ob miht das Großherzogtum Oldenburg wieder in seine einzelnen File zerfallen solle. Indem der Herzog Ernst Günther Fließlich auf eine Entschädigung hinweist, bekundet er allerdings, daß es ihm nicht um dieses Ziel zu tun ist, aber immerDampfliegend, legitimitätsprinzip die ſonderbarſten Giessen wickelungen, deren Reihe in der vorangegangenen Aufblung noch nicht abgeschlossen ist. Denn wenn wirklich das Saus Glücksburg den oldenburgischen Thron besteigen sollte, Sun würde es als nächsten Agnaten wieder das dänische ahnanschlüsse önigshaus mitbringen. Die Sachlage ist also folgende: phon Nr. 84. nhofstrasse 50 Sadurch, daß die russischen Erben aus der Nachfolge ausjheiden, wird die Thronanwartschaft eines dänischen Prinzen mit Hilfe eines deutschen Fürstenhauses dem oldenburgischen Ehrone näher gebracht. Schon bei den sächsischen Fürstentümern und auch bei ba Erledigung des welfischen Herzogtums Braunschweig hat gezeigt, daß das Legitimitätsprinzip, d. h. die Vergebung der Fürstenkronen nach dem Prinzip eines unveräußerlichen emilieneigentums, die peinlichsten Widersprüche zu dem Beichseinheitsgedanken ergeben kann. Es wäre deshalb am inschenswertesten, wenn die deutschen Fürsten einer reichsgeblichen Regelung der Thronfolge in der Weise zustimmen ollten, daß nur reichsdeutsche Familien einen erledigten rochene Feinde Deutschlands nach deutschen Fürstenkroner greifen. tische Waren. Eron besteigen können, damit nicht Ausländer und ausge. 11.12,- e Mk. 18.Ein Unglückstag in Deutfch- Südwestafrika. Gine Trauerkunde kommt aus dem Aufstandsgebiet in Güid pestafrika: Ein allzu fühner Ritt des Majors v. Gla= jen app hat für uns den Verlust von sieben Offizieren und neumzcha Mann zur Folge gehabt. Außerdem sind drei Offiziere, darunter Major v. Glasenapp selber, und zwei Mann verwundet worden. Von amtlicher Seite wird mitgeteilt: Nach einem Telegramm des Gouverneurs Leutwein vom 19. d. Mts. stieß Major v. Glase napp, dem Tetjo- Stamm von Rehoro über Standjejn nach Nordwesten folgend und den Kompagnien vorauseilend, am 13. März bei wikokorero mit seinem Stabe, zahlreichen Offizieren, einer berittenen Abteilung von 36 Mann und einem Maschinengewehr auf die Nach hut des Feindes. Diese erhielt unerwartet Verstärkung, so daß Major v. Glasenapp gezwungen wurde, zurückzugehen. Das Gefecht spielte sich vor der eigentlichen Kolonne ab. Ge= fallen sind sieben Offiziere, 19 Mann, verwundet drei Offiziere, zwei Mann. Vom Feind wurden 20 Tote gesehen. Um den Gegner in seiner jetzigen Stellung nach Formierung der Hauptabteilung, wenn möglich, unter Heranziehung der Kolonne des Majors v. E storff, umfassend anzugreifen, sind Maßnahmen eingeleitet. Ein späteres Telegramm bringt die Namen der Gefallenen. Danach sind gefallen: Offiziere: Hauptmann v. François, Oberleutnant Eggers, Oberleutnant zur See Stempel( 2. Matrosendivision), Leutnant Dzio bef( 1. Seebataillon), Leutnant der Reserve Thiesmeyer, Leutnant der Reserve Ben= dir, Marine- Oberassistenzarzt Dr. Velten( S. M. S. „ Habicht"); Mannschaften: Von der Schußtruppe: Feldwebel Karl Ba ch, Feldwebel Hermann Nitschfe, Unteroffizier Baul Kiel, Gefreiter Michael Wolf, Gefreite: Friedrich Otten. Bom Jamareisag 1904: Reiter Wilhelm A I- brecht, Weiter Otto Forster, Neiter Hermann Gra sch opp, Hilfstrompeter Hermann oderich, Reiter Michael Schanz. Von der 2. Matrosendivision: Signalmaat Wrocklage, Bootsmannsmaat Hedtke, Obermatrose Ehlers sämtlich von S. M. S. Habicht"). Sergeant Bennewies aus Eilbeck, vom Seebataillon, früher in 15. Husarenregiment. Außerdem: Ersaßreservist Tierarzt Se p p. Landwehrmann August Ahlenberg aus Elbing, LandwehrRann Sebastian Stegmann aus Grummersbach( Unterfranken), valide Oskar Bachmann aus Berlin. Vizefeldwebel der Weserve Bernhard Wellstein aus Mühlheim 2. d. Ruhr. Verwundet sind, glücklicherweise nur leicht: Major v. Giasenapp, Streisschuß am Hinterkopf. Adjutant Leutnant Schäfer, Oberleutnant zur See Herrmann ( S. M. S.„ Habicht"), Gefreiter der Landwehr Wilhelm Schmidt, geb. 14. S. 1868 zu Gollendorf( Osterburg), Gefreiter der Landwehr Johann Senne, geb. 22. 1. 1870 zu Friedrichsfeld( Hofgeismar). Leider scheint Major v. Glasenapp an diesem schweren Schlage nicht ohne Schuld. Angesichts der Tatsache, daß das ganze Land von Hererotrupps durchzogen wird, daß sie jogar die größeren deutschen Militärabteilungen dauernd umschwärmen, scheint es allzu unvorsichtig, daß Major v. Glasenapp sich mit seinem Stabe unter so geringer Bedeckung vor dem Gros seiner Kolonne so weit vorauswagte. Indessen fann man selbstverständlich von hier aus ein sicheres Urteil hierüber sich nicht bilden. Vielleicht war das Vorausreiten Glajenapps aus taktischen Gründen geboten. Der Major selbst wird ja wohl bald nähere Aufschlüsse über den Hergang geben. Je größer die Opfer sind, die uns die Rebellion des schwarzen Gesindels fostet, um so energischer wird hoffentlich auch die Züchtigung sein, die unsere Regierung den Hercro 311 teil werden läßt. Für diese Völker ist nur eins am Plate. völlige Entrechtung. Auf Gnade und Ungnade müssen sie dem Willen des Gouverneurs unterworfen sein. Nur dann wird es gelingen, die Kolonie für Deutschland nugbar zu machen. * Wie verlautet, werden in der nächsten Zeit folgende Truppentransporte auf Dampfern der WoermannLinie von Hamburg nach Deutsch- Südwestafrika abgehen: Am 25. März 400 Mann auf dem„ Feldmarschall", am 30. März der ,, Markgraf" mit 500 Pferden und der„ Entrerios" mit 100 Mann und 400 Pferden; am 7. April endlich die Lucie Woermann" mit 400 Mann. Der Krieg in Oftafien. Das Schicksal des Wladiwostoker Geschwaders beschäfrigi die englischen Korrespondenten lebhaft weiter. Es soll sich auf hoher See befinden, mit der Absicht, nach Rußland zurückzukehren. Falls diese von mehreren Seiten zu gleicher Zeit auftauchende Meldung auf Wahrheit beruht, so ist es höchst wahrscheinlich, daß das Wladiwostok- Geschwader die nordöstliche Durchfahrt durch das nördliche Eismeer versuchen wird. Wenigstens deutet das folgende Petersburger Telegramm mit Sicherheit darauf hin: Das Wladivostok- Geschwader hat sich am Dienstag unter Anwendung von Dynamit eine Fahrrinne durch das Eis des Hafens geschaffen. Man nimmt an, daß das Geschwader nach der Insel Sachalin gegangen ist. Bei der Beschießung Wladiwostoks durch die Japaner befand sich das Geschwader im inneren Hafen. Diese Fahrt durch das Eismeer bedeutet nicht nur einen Rettungsversuch für das Wladiwostok- Geschwader, sondern ist zugleich als ein Erperiment aufzufassen, das größere Ziele im Auge hat. Der Geschwaderchef soll erfunden, ob die große russische Hilfsflotte auf dem Wege durch das Eismeer den Kriegsschauplatz erreichen kann. Darauf weist folgendes Telegramm aus Moskau hin: Hier behauptet sich das Gerücht, daß die Kreuzer des Wladiwostok- Geschwaders sich schon seit längerem auf der Heimfahrt nach Rußland befänden. Das Problem der Kohlenergänzung unterwegs soll gelöst worden sein. Das Kreuzergeschwader werde dann die große russische Flotte, welche im Sommer nach Ostasien abgehen soll, wieder begleiten. Heißt es doch schon seit langem, daß die große russische Flotte, die nach dem Kriegsschauplatz von der Heimat aus nachgesandt werden soll, auf dem Wege durch das nördliche Eismeer ihr Ziel erreichen will. Ob dies allerdings möglich sein wird, muß abgewartet werden. In amerikanischen Blättern wird das Projekt eifrig diskutiert. Der Polarreisende Peary bejaht, General Greely, auch ein bekannter Polarforscher, verneint die Durchführbarkeit. Ueber die Landoperationen liegen sehr widerspruchsvolle Meldungen vor: Während ein Londoner Privattelegramm aus Tschifu von einer Schlacht am Jaluflusse zu berichten weiß, in der die Russen 1800 Japaner zu Gefangenen gemacht haben, wollen andere Berichterstatter wissen, daß die gesamten russischen Streitkräfte, mit Ausnahme von 200 Kosaken, über den Jalu zurückgezogen worden sind. Die Rosaken patrouillieren zwischen dem Jalu und Phjongjang. 40 000 Russen sind bei Kiuliencheng zusammengezogen worden. Zwischen dem letzteren Orte und Antung befindet sich eine Linie von Posten von je fünf Kosaken in einer Entfernung von 500 Yards von einander. Der russische General Mischtschenko meldet, daß sich in Phjongjang japanische Infanterie mit einigen Geschützen befindet. Bei Andschu kam es zu einem unblutigen Vorpostengefecht. Die Politik. A Einige Blätter regen sich darüber auf, daß ,,, als Vettreter des Generalstabes der bayerischen Armee" der bayerische Major v. Stetten den Operationen des japanischen Heeres in dessen Hauptquartier beiwohnen wird. Man geht dabei von der Voraussetzung aus, daß Major v. Stetten nicht als Vertreter der deutschen, sondern der bayerischen Armee nach Ostasien gehe. Das sei bedauerlich, denn dem Auslande gegenüber sollte das deutsche Heer immer als ein einheitlicher Haufe erscheinen. Diese ganze Aufregung ist gegenstandslos. Die japanische Heeresverwaltung hatte s. 3t. der deutschen Heeresleitung die Teilnahme von vier Offizieren in ihrem Hauptquartier zugestanden. Zwei preußische Offiziere, Oberstleutnant Förster und Hauptmann Hoffmann, befinden sich bereits auf der Reise nach Japan. Als weiterer militärischer Beobachter wurde der Militärattachee bei der deutschen Gesandtschaft in Tokio, Major von Ezel, bestimmt, der sich bereits beim Hauptquartier der japanischen Operationsarmee befindet. Als vierter deutscher Offizier wurde Herr v. Stetten ausgewählt. Preußen hat selbst bei der bayerischen Heeresverwaltung die Entsendung eines bayerischen als des vierten deutschen Offiziers angeregt, um so dem zweitgrößten deutschen Heeresfontingent ebenfalls einen Einblick in die Operationen in Ostasien zu ermöglichen. Was also als partikularistische Maßregel ausgelegt wurde, ist im Gegenteil ein Beweis des ausgezeichneten Verhältnisses zwischen Bayern und dem Reiche. Auch die Reichstagsersazwahl in Zschopan- Marienberg, wo bei der Hauptwahl der Sozialdemokrat Rosenow gewählt wurde, hat kein endgültiges Ergebnis gehabt: Es kommt zur Stichwahl zwischen Pinkau( Sozd., 10 156 Stimmen) und Zimmermann( Reformpartei, 5986 Stimmen). Schanz( kons.) erhielt 4316 Stimmen. Der Wahlkreis ist bekanntlich derselbe, in dem ursprünglich Göhre als sozialdemofratischer Kandidat aufgestellt war. * Der bekannte Begründer und Leiter des Deutschen Vereins abstinenter Eisenbahner", Eisenbahndirektor de Terra, dessen Versetzung nach Stolp s. 3t. Aufsehen erregte, scheidet zum 1. April aus dem Dienst, um sich ganz seinen gemeinnützigen Bestrebungen zu widmen. * Auf dem Gebiete der inneren Kolonisation ist im westpreußischen Kreise Briesen ein bemerkenswerter Versuch mit der Begründung von ArbeiteransicdeInngen in Angriff genommen worden. Die preußische Regierung hat zu diesem Zweck die Beleihung der Landarbeiterstellen, die durchschnittlich mit je zwei Morgen Land ausgestattet werden sollen, mit Rentenbankrenten unter folgenden Bedingungen gestattet: Von der erforderlichen Gesamtbeleihung jeder Stelle ist mindestens ein Viertel aus Kreismitteln zu gewähren; das Kreisdarlehn steht der Rentenbanfrente im Range nach. Von Rückzahlungen, die außer der regelmäßigen Tilgung geleistet werden, soll mindestens die Hälfte zur Ablösung der Rentenbankrente verwendet werden. Der Kreis ist verpflichtet, die Kontrolle über die ordnungsmäßige Bewirtschaftung der Rentengüter und über die Instandhaltung der Gebäude durch seine Organe und auf seine Kosten vorzunehmen. Der Kreis hat die Aufteilung mit Hilfe der Generalfommission in Bromberg zu bewirken und darf nur solche Rentengutserwerber ansiedeln, deren Zulassung die Generalkommission genehmigt. Oefterreich- Ungarn. Fürst- Erzbischof Dr. Kohn scheint Schule zu machen: Außer ihm ist jetzt auch ein anderer österreichischer Kirchenfürst, Fürstbischof Aichner von Brixen( Tirol), zurückgetreten. Die Kurie hat bereits die Abdankung genehmigt und die österreichische Regierung verständigt. Fürstbischof Aichner gibt als Grund seines Rücktritts sein hohes Alter und Krankheit an; er ist seit 20 Jahren Bischof und zählt 88 Jahre. Indessen sollen nach anderer Lesart ähnliche Vorkommnisse wie in Almük ihm seinen Entschluß nahegelegt haben. Auch in der griechisch- katholischen Kirche Desterreichs ereignen sich ungewöhnliche Dinge. So droht in Lemberg ein noch nie dagewesener Domherrenstreik: alle Mitglieder des Stanislauer griechisch- katholischen Domkapitels erklärten dem Metropoliten, daß sie, falls die angekündigte Ernennung des wegen seiner Unverträglichkeit verhaßten Seminarreftorš Chonyssyn zum Bischof von Stanislau wirklich erfolge, alle ihre Würden niederlegen und aus dem Domkapitel austreten würden. Die Folge ist, daß Chonyssyn nicht ernannt wird. Frankreich. Belgien, Großbritannien und Spanien, die österreichischen Erzherzöge Karl Stephan und Franz Ferdinand, die russischen Großfürsten Aleris Alexandrowitsch und Kyrill Wladiminowitsch, die italienischen Prinzen Thomas und Ludwig, der englische Prinz Georg und der dänische Prinz Waldemar. Kaiser Wilhelm ist fünffacher Ehren- Admiral, nämlich in der schwedischen, der norwegischen, der russischen, der eng lischen und der dänischen Flotte. Immer schärfer spitzt sich das Verhältnis zwischen dem Vatikan und der französischen Regierung zu. Man hält sowohl in der Engelsburg wie in Paris einen Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und dem päpstlichen Stuhl für sehr wahrscheinlich. Die Veranlassung dazu wird in einer Ansprache des Papstes erblickt, die in scharfer Tonart die Kirchenpolitik des Kabinets Combes verurteilt. Nach einer Meldung aus Rom empfing der Papst am Freitag das Kardinalskollegium, in dessen Namen Oreglia eine Glückwunschadresse zum Namenstag des Papstes- am 19. ds. Mts. verlas. Pius X. antwortete; dabei protestierte er gegen die Verfolgung der Kongregationen in Frankreich. Der Wortlaut dieser Ansprache des Papstes war vorher in einer Versammlung der Kardinäle erörtert und von ihnen gebilligt worden. Der Papst will durch diese Ansprache den Widerstand der französischen Katholiken gegen das Kabinett stärken. Im Vatikan erwartet man, daß Combes mit der Abberufung des Botschafters oder mit der Kündigung des Konkordats antworten wird. Der Papst fürchtet aber einen solchen Bruch nicht. Er ist vielmehr überzeugt, daß er für die Kirche besser wäre, als der gegenwärtige Zustand. In französischen Regierungsfreisen versichert man, der Angriff des Papstes auf das Kabinett schreibe sich daher, daß die vatikanischen Kreise ärgerlich seien, weil Präsident Loubet keinen Besuch im Vatikan machen wolle. Diesem Aerger soll auch die bevorstehende Abberufung des päpstlichen Nuntius in Paris, Lorenzelli, entspringen. Französische Blätter melden:„ Lorenzellis Berichte nach Rom waren bis zum letzten Augenblicke ſehr optimistisch und ließen einen Besuch des Präsidenten im Vatikan erhoffen. Jebt, da jede Hoffnung darauf geschwunden ist, empfindet der Papst eine arge Enttäuschung, die Lorenzellis Abberufung beranlaßt. Lorenzelli wird auch nicht allzu bald den Kardinalshut erhalten." Was an dieser Darstellung Wahres iſt, läßt sich natürlich nicht feſtſtellen. Tatsache scheint jedenfalls, daß die nächste Folge des Konflikts eine scharfe Maßregelung der antirepublikanischen Bischöfe Frankreichs sein wird. In Paris erklärt man, jetzt beginne erst der eigentliche, Sulturkampf", und Frankreich werde ihn schärfer führen als seinerzeit Deutschland. Heer und flotte. Unsere Ehren- Admirale. Nachdem jetzt auch der König von Spanien à la suite der deutschen Marine gestellt worden iſt, gehören unserer Flotte jezt 13 Ehren- Admirale an, nämlich der Kaiser von Rußland, die Könige von Schweden, Der Wildhirt. Deutfcher Reichstag. ( 62. und 63. Sizung.) CB. Berlin, 19. März. Der Reichstag ist heute in die Osterferien gegangen, nachdem er in zwei mit furzer Unterbrechung aufeinander folgenden Sizungen noch die dringendsten Aufgaben erledigt hatte. Obwohl vom Präsidenten Grafen Ballestrem der Beginn der ersten vorsorglich schon auf 11 Uhr vormittags angesetzt worden war, hätte das Ziel doch nicht erreicht werden können, wenn sich nicht die meisten Parteien einer ungewöhnlichen Zurückhaltung im Reden befleißigt hätten. Das Etatnotgesetz wurde ohne jede Erörterung in dritter Lesung endgültig angenommen. Dann folgte die zweite Lesung des Nachtragskredits für Südwestafrika, den die Budgetkommission mit rühmenswerter Schnelligkeit vorberaten hatte und nun zur Annahme empfahl. Das Plenum setzte in die Gründlichkeit der Kommission nicht minderes Vertrauen, als es zu ihrer Schnelligkeit gehabt hatte, und sanktionierte ihren Beschluß, ohne sich mit den Einzelheiten der Vorlage zu befassen. Es gab nur ein glücklicherweise nicht übermäßig langes Wortgeplänkel zwischen den Abgg. Bebel und Dr. Arendt. Der sozialdemokratische Führer benützte die Gelegenheit, um sich gegen die aus Anlaß seiner Donnerstagsrede wider ihn erhobenen zahlreichen Vorwürfe zu verteidigen. Er hatte wieder mancherlei Tadel gegen unsere Landsleute vorzubringen und viel zum Lobe der Hereros zu sagen, wobei er sich auf Nachrichten und Briefe berief, die in der bürgerlichen Presse veröffentlicht worden sind; aber so weit wie neulich wagte er sich doch nicht wieder vor. Der Sprecher der Reichspartei, der in diesem Falle wohl als Vertreter aller bürgerlichen Parteien angesehen werden darf, gab seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß Bebel doch das Bedürfnis gefühlt habe, seine vorgestrigen Bemerkungen abzuschwächen, bedauerte aber, daß er im großen und ganzen doch wieder dieselbe Methode beobachtet habe. Herr Bebel, so meinte Dr. Arendt, glaube, was er glauben will, und deshalb benutze er Nachrichten und Briefe, wenn's ihm gerade paẞt, als Tatsachen. Nachdem dieser Punkt der Tagesordnung erledigt war, wurde die zweite Beratung des Marineetats fortgesetzt und zu Ende geführt. Eine längere Debatte entspann sich noch über die Lage der Arbeiter in den Marinewerkstätten und auf den Werften, dann folgte stundenlang Abstimmung auf Abstimmung; um 4½ Uhr war auch der Marineetat erledigt und der Präsident konnte mitteilen, daß die Tagesordnung erschöpft sei. Graf Ballestrem schlug zugleich vor, die nächste Sizung um 5 Uhr abzuhalten und noch die dritte Lesung des Nachtragsetats vorzunehmen. Dann wolle er, was ja öffentliches Geheimnis sei, dem Hause vorschlagen, sich bis nach Ostern zu vertagen. In einer längeren, überflüssigen Geschäftsordnungsdebatte bekundeten mehrere Redner, daß sie eventuell geneigt gewesen wären, auch noch ein paar Tage länger zu arbeiten, aber formeilen Widerspruch erhob niemand. Es wurde nach dem Willen des Präsidenten berfahren, und so konnten sich die Reichsboten von auswärts noch mit den Abendzügen zu den heimischen Penaten begeben. Gine oberhessische Dorfgeschichte von J. Becker. ( Fortsetzung.) ( Nachdruck verboten.) Die Kirmeßzeit war da und im verfe ging es deshalb hoch her In jedem Hause wurde gesotten und gebraten und aud fast jedes Haus beherbergte Kirmeßgäste, nämlich Verwandte oder Bekannte, die aus andern Orten, mitunter ,, weither," zur Kirmeß eingetroffen waren. In der Wirtsstube wurde bei einer ,, flanzenden" Fettfunzel getanzt, das heißt, wenn man es tanzen nennen konnte, denn es war eigenlich nur ein Durcheinanderschieben und Wühlen der„, tanzendeu" Paare, indem an den Wänden her so viel Tanzmäre"( Tanzmädchen) und Zuschauer standen, daß inmitten der Stube nur ein fleiner Raum zum Tanzen freiblieb, in dem sich zwei Paare vielleicht einigermaßen bequem hätten bewegen können allein es waren deren mindestens zwanzig, welche die ,, Lust" des Tanzens genießen wollten. Obwohl schon längst ein Besen unter die Decke der Stube gesteckt worden war, als Mahnung an die llebrrflüssigen, das Lokal zu verlassen, weil sie sonst als Uncat hinausgekehrt würden so übte jenes Instrument doch durchaus keine Wirkung aus, denn es mochte keines den Anfang mit dem Hinausgehen machen, und das fonnte man im Grunde genommen auch keinem verdenken, da allein schon die Musik mit den scharfen und schneidenden Tönen einer Klarinette sowie dem dazwischen pustenden Brummbaß ein Genuß war, den man nicht jeden Tag haben konnte. Und dann kamen auch noch die SoloLiedervorträge einzelner Burschen. Wenn zum Beispiel Preufsifcher Landtag. Haus der Abgeordneten. wahr! im Zentrum und rechts.) Doch verlangte er in Ueber einstimmung mit den oberschlesischen Polen eine Aenderung der Schulpolitik. Noch entschiedener als dem Frhrn. v. Zedi gegenüber betonte der Minister gegenüber Herrn Borsch an eine Aenderung der oberschlesischen Schulpolitik sei ni zu denken. Abg. v. Heydebrand( kons.) sprach sich in ähnlichem Sinne wie Frhr. v. Zedlitz aus. Dann sprach der unvermeidliche Abg. Korfanty. Er wurde mit großer Unruhe empfangen. Besonders als Korfanty ein polnisches Zitat anführt, übertönen die Rufe:„ Deutsch! Deutsch!" eire ganze Zeitlang seine Stimme. Als er den deutschen Patro tismus eine Schande nannte, traf ihn ein Ordnungsruf. Nch ihm sprach der Zentrumsabgeordnete Faltin, der mt Herrr Korfanty übel umsprang. Dann vertagte sich da Haus. Nab und fern. Prib Biehung der Heff folgende Gewin 23 264, 28 804, 7829, 1273, 22 40310, 44 267, 94 392, 89 307, 8 Der Gro bem Kreisamt Gief zum Rat bei der Beamten des A Regierungsrat", Bolizeiamtmann Areisamt Bie B Herberg in Gießen und Wirkung vom 1 * Die Eröffnung der internationalen Automobilaus stellung zu Frankfurt a. M. erfolgte in Anwesenheit de Spizen der Behörden. Oberpräsident v. Windheim betont in einer Ansprache das Interesse, das die Staatsregierung und besonders der Kaiser an der Entwickelung des Auto mobilismus nähmen, und schloß mit einem Hoch auf den Kaiser, das begeistert aufgenommen wurde; die Musik spielte die Nationalhymne. Sodann erklärte der Herzog von Rati bor im Auftrage des durch Trauer am Erscheinen verhinderten Protektors, des Prinzen Heinrich von Preußen, die Aus stellung für eröffnet. Zu gleicher Zeit wurde in Berlin eine automobiltechnische Gesellschaft gegründet. Diese wird an allen größeren Plätzen Deutschlands Bezirksvereine in Leben rufen und soll einen zentralen Wirkungskreis für auto mobiltechnisches Schaffen bilden. RK, Berlin, 19. März. ( 46. Sitzung.) Wieder eine Polendebatte in der preußischen Volksvertretung! Frhr. v. Zedliß führte den Reigen; er brachte die polnische Bewegung in Oberschlesien aufs Tapet. Aber nur als Jolie für seine Forderung, man solle auch den verdienten deutschen Lehrern in der oberschlesischen Wasserpolackei" die Ostmarken- Zulage gewähren, die die westpreußischen und die Posener Lehrer erhielten. Zugleich forderte Frhr. v. Zedlig die Zulassung des polnischen Konfirmandenunterrichts. Herr Studt, der Kultusminister, wollte von einer Förderung des polnischen Konfirmandenunterrichts nichts wissen, was die Gewährung der ſtmarkenzulage an die schlesischen Lehrer angehe, so müsse diese Frage zuvor noch eingehend erwogen werden. Herr Porsch vom Zentrum fritisierte namentlich die Verwerflichkeit der großpolnischen Propaganda in Oberschlesien, sie sei ein Verderb und ein Unglück für Land und Leute Oberschlesiens.( Sehr einer ein hübsches Liedchen wußte- es durfte auch etwas derb zotig sein, so trat er vor die Musik mit der Bemerkung, daß er ,, Eins aufgespielt" zu haben wünsche. Er legte dann eine Silbermünze in die Oeffnung einer hingehaltenen Geige und dann gings Ios. Der betreffende Sänger gab sein Liedchen zum Besten, wobei ihn die Musik begleitete, und nach dessen Schluß nahm das Tanzen wieder seinen Fortgang. Untergang eines englischen Unterseebootes. Die eng lische Marine hat einen schweren Schlag erlitten. Ihr größtes Unterseeboot ist bei einem Manöver vor Spithead gesunken. Zwei Offiziere und neun Mann der Besazung sind ertrunken. * Der Gr Herzogs von Ca fchließlich 24. M Perfona berg ist zum ernannt worden. Der Zw Antrag eingereid ftändigen We fchaftlichen in Gießen. Belegentlich für 1904 ma obachtungen) auf die Beftr feines 13 mo nommenen A cand. A. einen ständig Gießen einzu 3oglide Regi feit und gee wenden. Hi eand.. Be dienstes W anführte: T b. meteorolo batorium auf September 1 Dienstes zu dienftes befd in neun 8 Vom 1. Ap Unterſtügung Ueber den traurigen Vorfall werden folgende Einzel heiten aus London gemeldet: Das Unterseeboot, das eine Wasserverdrängung von 200 Tons hatte und nach der neuesten Konstruktion hergestellt war, hatte bei den letzten Manövern nicht gut gearbeitet und Schäden davon getragen. Nachdem es einigermaßen wieder hergestellt war, erhielt es den Befehl, an den Manövern wieder teilzunehmen, bei dem„ Nab"-Leuchtschiff 40 Fuß unter Wasser zu gehen und auf eines der Schlachtschiffe der heimischen Flotte zu warten, um es zu torpedieren. Es scheint, daß mit dem aus dem Wasser ragenden Umschaurohr etwas nicht in Ordnung war, denn das Unterseeboot bemerkte zunächst nicht das Heran nahen des Dampfers„ Berwick" der Castle- Linie, der plöt lich das Rohr mitnahin. Vermutlich suchte das Unterseeboot im Augenblick sich zu heben, als das Schiff schon auf ihm saß, und verursachte dadurch seine eigene Vernichtung. Auch die deutsche Marine hat einen Unfall zu beklagen. In Kiel wollte um Mitternacht der eben ange langte Küstenpanzer„ Odin" die Dampfpinasse zu Wasser laffen, als die Kette brach und das Boot sant. Der Maschinistenmaat Wagner fand dabei den Tod. So war es in der Tanzstube beschaffen In den andern Zimmern wurde gefneipt. So war eins für die jungen tanzenden- Leute bestimmt, während in einem andern die Alten, respective Verheirateten saßen. Diese vertrieben sich die Zeit damit, daß sie sangen, so laut sie konnten, und dazwischen Gläser entzweischlugen. Hatte zum Beispiel einer damit den Anfang gemacht, so wirkte dieses ansteckend, und schließlich schlug man nicht bloß leere Flaschen in Scherben, sondern man ,, bersah" sich auch absichtlich oder unabsichtlich und schlug gefüllte Flaschen entzwei. Auf diese Weise kam es, daß in der Stube der Alten der Fußboden nicht allein mit Scherben besät war, sondern auch einer Pfütze glich.I Furchtbare Bluttat eines Wahnsinnigen. Der vor kurzem aus der Irrenanstalt entlassene 24jährige Sohn des Schuh machers Scholle aus Lückstedt geriet aus einer geringfügigen Veranlassung mit seinem Vater in Streit. Als die Ehefrau des Scholle ihrem Mann zu Hilfe eilen wollte, ergriff der Wütende einen starken Besenstiel und schlug diesen auf dem Ropfe seiner Mutter kurz und flein, so daß sie zusammenbrach. Der Rasende wandte sich dann wieder gegen seinen Vater, hielt in jeder Hand einen schweren Stein und hieb nun so lange auf jenen ein, bis er besinnungslos und blutüberströmi zusammenbrach und für tot in die Wohnung getragen wurde. Nur mit Mühe gelang es, den Rasenden zu fesseln und in sicheres Gewahrsam zu bringen. Die beiden alten Leute dürften kaum mit dem Leben davonkommen. Das Eschen hatte, wie man sich leicht denken kann, alle Hände voll zu tun, so daß es kaum daran denken konnte, zu tanzen. Nur mit dem Hangcurt hatte es einmal getanzt. Die beiden waren auch jetzt wieder, wie vor Jahren unter dem Apfelbaum auf der Hute, das schönste Paar gewesen, ganz wie für einander geschaffen. Das nette hübsch gebaute Mädchen mit der anmutigen Gestalt sah recht zierlich aus, als es an dem Halse des hübschen Burschen hing, der, groß und start gewachsen, ein Bild kraftstrogender Jugendlichkeit bot. Eifersuchtsdrama auf einem Schiff. Bei dem ungarischen Dorfe Turia an der Theiß spielte sich auf dem vor Anker liegenden Schiffe ,, Nagy- Miklos" ein blutiges Drama ab. Der Steuermann Balint Revecz fand, als er gegen Mitternacht vom Dorf auf das Schiff gekommen war, seine Frau in der Kajü e des Jungmatrosen Kovacs. Revecz ergriff einen Hammer und streckte Kovacs durch einen Hieb zu Boden. Hierauf unterwarf er seine Frau wahren Folterqualen, indem er sie bei den Füßen aufhängte und ihr zahl lose Messerstiche versetzte, bis sie starb. Bald darauf kehrte der zweite Matrose Turoczy aufs Schiff zurück und ver ständigte sofort die Gendarmerie. Diese fand jedoch, als sie auf das Schif kam, den Täter in seiner Kajüte erhängt por. Der Pierer saß auch mit seinem derben und strengen Gesichte unter den Gästen der oberen Stube Sein Anlig glühte und es lag ihm heute nichts daran wenn es auch was kostete. Er hatte heute Morgen erst dem Hangcurt zwanzig Taler gegeben, wobei e ihm gesagt, wenn sie nicht reichten, dann möge er e ihm nur mitteilen, es käme ihm auf zehn Taler meh auch nicht an, denn es sei ja nur einmal Kirmeß im Jahre. Da war auch der Nau's Lange, der aber, wi es schien, nicht recht wußte, wo er sich am meisten auf halten sollte: unten in der Burschenstube oder oben be den Verheirateten, denn er war noch nicht lange in Stande der Ehe und darum fühlte er sich jetzt bei der Kirmeß noch halb als Bursche. Der„ Lange" verdient die ihm zu Teil gewordene Bezeichnung nicht mit Un recht, denn er war der am größten Gewachsene im ganzen Dorf. In seinem derbfnochigen Gesichte lag ein unverkennbarer Zug von Brutalität, denn früher in seiner Burschenzeit war er ein gefürchteter Raufboli gewesen, vor dem sich Jeder beugte, weil er mit seine Störpergröße auch entsprechend Kraft verband. Un dies nutzte er nun dahin aus, daß er Jedem heraus fordernde Blicke zuwarf, überhaupt ein ungeschlachtes breitinuriaes und eckiges Wesen zur Schau trug, darau berechnet, hie und da„ anzubinden," um den einen oder andern gründlich zu verhauen, denn ohne eine ausgiebig Prügelei mit Wagenrungen, Backscheiten und Zaunlatter konnte sich der Lange keine echte Kirmeßfeier denken Besonders dann war er leicht zur Rauflust geneigt wenn er schon einen„ Halben im Dach" hatte, und das war heute Abend bereits der Fall. ( Fortseßung folgt die Tätigkeit täglich nach Seewarte( ent Stationen) mit den Mit größten Teil an demselben eines Teleph feit zu gebe Erntezeit, b fagen fönner Dant der 3 fionen der Wetterbericht achtenden La reiches Beob wonnen, zur wird versuch Oftober) dur Entwidlung Unterfügun Wetterdienft Universität geboten. Eine Br weise für D nächsten Tag Treffer, hin Temperatur * Di ** feftes des nahm am ber fang. Bu d der Regierun Vertreter des mann Großm Lahntalfänger „ Seiterfeit", „ Liederkranz" waren vertrete die Feuerwehr weigen und auf den letzte Jubelverein a demfelben von bauer- Gefangb Gemütlichkeit Runstgegenstän Borfigende d Marburg bas über die En hloß mit e Förderer des Herzog von Aunt, in Seitens der agner eins. Die berlangte er in He Bolen eine Hender dem Frhrn. v. Ba enüber Herrn o Schulpolitit jei ( toni.) brach fi aus. Dann sprat Er wurde mit g orfanty ein polni Deutsch! Deutsch!" den deutschen Pa in Ordnungsruf. Faltin, der ann bertagte sich nalen Automobil e in Anwesenheit b. Windheim bet Die Staatsregie ntwidelung des einem Hoch auf urde; die Musik j der Herzog von Erscheinen verhinde Preußen, die Beit wurde in B gründet. Diese t 5 Bezirksvereine irfungsfreis für a erfeebootes. Die Schlag erlitten. tanöver bor St Mann der B den folgend Ge Unterfeeboot, das hatte und nach hatte bei den le häden davon getrap rgestellt war, er per teilzunehmen, Basser zu gehen en Flotte zu war 3 mit dem aus cht in Ordnung hit nicht das he Castle- Linie, der suchte das Unter das Schiff schon e eigene Bernidh at einen Unfall rnacht der eben ange mpfpinasie zu Bajer jant. Der Majdiniten igen. Der bor fur ige Sohn des S einer geringfüg it. Als die Che n wollte, ergriff chlug diesen auf aß sie zusammenbr gegen seinen B Stein und hieb ni Los und blutüber nung getragen den zu feffch und in e beiden alten Ste nmen. iff. Bei dem w lte sich auf dem ein blutiges Dr fand, als er ge efommen war, n Kovacs. cs durch einen Si Frau wahren foller hängte und ihr zahl Bald darauf kehr hiff zurüd und ve ieje fand jedod einer Kajüte erha einem derben der oberen G heute nichts da atte heute Mo gegeben, wob - dann möge a uf zehn Taler einmal Rirme ange, der aber, fich am meisten nftube oder ober och nicht lang er fich jetzt bei Lange" berdi ung nicht mit en Gewachsen higen Gefichte lität, denn fr weil er mit f aft verband. er Jedem her ürchteter Rau ein ungefchlad Schau trug, da hne eine ausgiel ten und Zaunla um den einen d irmegfeier dent Raufluft gend ch" hatte, und ( Fortfehung f Lokales. 21. März 1904. ** Privattelegramm. Bei der heutigen Biehung der Hessisch- Thüringischen Landeslotterie wurden folgende Gewinne gezogen: 5000 Mt. auf Nr. 9905, 23 264, 28 804, 66 697, 9983, 3000 Mt. auf Nr. 7531, 7829, 1273, 22 311, 32 007, 41 063, 44 002, 49 411, 40 310, 44 267, 63 756, 6431, 42330, 87 402, 87949, 94 392, 89 307, 89 403.( Ohne Gewähr.) " Der roßherzog hat den Kreisamtmann bei bem Kreisamt Gießen, Regierungsrat Dr. Otto Heinrichs zum Rat bei der Provinzialdirektion Rheinhessen und zweiten Beamten des Kreisamts Mainz mit dem Amtstitel Regierungsrat", den Vorstand des Polizeiamts Gießen Bolizeiamtmann Paul Hechter zum Kreisamtmann bei dem Kreisamt Bießen und den Regierungsassessor Heinrich Herberg in Offenbach zum Vorstand des Polizeiamts Gießen und den Amtstitel„ Polizeiamtmann", mit Wirkung vom 1. April ab, ernannt. ** Der Großherzog ordnete wegen Ablebens des Herzogs von Cambridge eine Hoftrauer vom 17. bis einschließlich 24. März an. * Personalien. Gerichts- Assessor Balser, Grünberg ist zum Ministerial- Sekretär beim Finanzministerium ernannt worden. * * Der Zweiten Kammer ist vom Abg. Köhler ein Antrag eingereicht worden betr. die Errichtung eines ständigen Wetterdienstes bei dem Landwirt schaftlichen Institut der Landes- Universität n Gießen. Köhler sagt in seinem Antrag: Die Festlichkeit verlief auf das Fröhlichste und hielt die Mitglieder sowie deren Gäste bis zum frühen Morgen in schönster Harmonie beisammen.- Ueber das gestern stattgefundene Theater mit anschließendem Balle des Bauerschen Gesangvereins werden wir in nächster Nummer unserer Beitung berichten. * * Stadttheater Gießen. Zu der heutigen legten Vorstellung von Zapfenstreich sowie zur morgigen Aufführung des Pfarrer von Kirchfeld haben Block abonnementsbillets ohne Zuschlag Giltigkeit. Das Klärchen in der heutigen Zapfenstreich Borstellung wird von Frl. Hohl gespielt und dürfte auch durch diese Neubesetzung das interessante Stück wieder besonderes Interesse gewinnen. P. Der Deutsche Evangelische Kirchenausschuß hielt am 18. und 19. Februar in Dresden seine zweite Tagung ab. Der Ausschuß war u. a. darin einstimmig, daß er in der Aufhebung des§ 2 des Jesuitengeseßes und in der Annahme des Toleranzantrages eine drohende Gefahr für die evangelische Kirche und ihre Interessen er blickte, und ermächtigte seinen Vorsitzenden, gegebenenfalls die geeigneten Schritte in dieser Richtung zu tun. ** Frühlings- Anfang Heute treten wir offiziell in den Frühling ein, Lenzesahnen durchzieht die Menschenbrust und„ unsre Wiesen grünen wieder...." Freundlich lacht die Sonne hernieder und— in des Menschen Herz nicht minder; Millionen Knospen und Keime werden vom ersten Kusse der alles belebende Frühlingssonne geweckt. Das große, allgewaltige Erwachen zum Werden und Schaffen hat begonnen und Selweiden und Schneeglöckchen stehen be= reits in Blüte und schüchtern strecken die Veilchen die Blütenfnospen; wie lange noch und alles grünt und blüht in der Natur. † Wächtersbach, 20. März. Prinz Maximilian zu Yenburg- Büdingen in Wächtersbach ist am Freitag früh um 6 Ühr nach 8 tägigem Leiden an Herzschwäche und Wassersucht auf Schloß Wächtersbach gestorben. Er war erst 37 Jahre alt. Marburg, 16. März. Gutem Vernehmen nach soll am 1. Oktober d. I bereits eine Teilstrecke der MarburgSüd- Dreihausen vorläufig bis Ebsdorf dem Betrieb übergeben werden. = Groß- Felda, 19. März. Gestern hat sich ein in den 40er Jahren stehender Mann durch Erhängen das Leben genommen. Da der Mann seit längerer Zeit frank ist und vergeblich Heilung suchte dürfte Schwermut ihn zu dem Schritt bewegt haben. Eine Frau und drei kleine Kinder beweinen den Todten. Gelegentlich der Beratung über den Hauptvoranschlag für 1904 machte ich bei Kapitel 105( meteorologische Beobachtungen) die Großherzogliche Regierung aufmerksam auf die Bestrebungen unseres Landsmannes, des infolge feines 13 monatigen, im Interesse der Wissenschaft unternommenen Aufenthalts auf der Zugspitze bekannt gewordenen cand. A. Peppler aus Grünberg, die dahin gehen, einen ständigen landwirtschaftlichen Wetterdienst zu Gießen einzurichten. Ich ersuchte damals die Großherzogliche Regierung, diesem Unternehmen ihre Aufmerksamfeit und geeignete Förderung diesen Bestrebungen zuzuwenden. Hierauf Bezug nehmend, machte mir Herr eand. A. Peppler, Letter des Gießener Wetterdienstes Mitteilungen, in denen er u. a. Folgendes anführte: Die Erfahrungen, die ich als Assistent der. b. meteorologischen Zentralstation, sowie an dem Observatorium auf der Zugspitze gemacht habe, versuche ich seit Frankfurt a. M., 18. März. Wegen betrügerischen September 1903 zur Organisation eines hessischen Wetter- Bankeroits hinter Schloß und Riegel gesetzt wurde der dienstes zu verwerten. Die seitherige Tätigkeit des Wetter- Kaufmann Hausmann aus Mannheim, dem am 11. Februar dienstes beschränkt sich auf furze Witterungsübersichten, die auf dem hiesigen Hauptbahnhof angeblich 51 000 Mt. abin neun Zeitungen der Provinz veröffentlicht wurden. handen gekommen waren. Er hat, so nimmt man an, das Vom 1. April d. J. wird nun mit in Aussicht gestellter Geld beiseite geschafft und dann„ ,, infolge des großen Verlustes" Unterstüßung des landwirtschaftlichen Provinzialvereins seinen Konkurs angemeldet. die Tätigkeit des Dienstes folgende sein: Es werden täglich nach den Abonnement- Depeschen der deutschen Seewarte( enthaltend die Beobachtungen ca. 50 europäischer Stationen) Wetterfarten entworfen und als Zeitung schon mit den Mittagszügen versandt, sodaß sie in dem weitaus größten Teile des Großherzogtums noch rechtzeitig, also an demselben Tage eintreffen. Ferner ist die Einrichtung eines Telephons geplant, um den Landwirten die Möglich feit zu geben, in wichtigen Fällen, besonders während der Erntezeit, bei dem Wetterdienst anzufragen. Die Voraussagen fönnen schon vormittags 11 Uhr ausgegeben werden. Dank der Zuvorkommenheit verschiedener Kreisschulkommissionen der Provinz sind weiterhin mehrere Lehrer mit der Wetterberichterstattung betraut, sowie die Zahl der beobachtenden Landwirte erhöht worden, sodaß nunmehr ein reiches Beobachtungsmaterial, direkt aus der Praxis gewonnen, zur Verfügung steht. Der Gießener Wetterdienst wird versuchsweise ein halbes Jahr lang( 1. April bis 1. Oktober) durchgeführt, seine dauernde Existenz und weitere Entwicklung ist nur dann möglich, wenn ihm staatliche Unterstügung zu teil wird. Gine Angliederung des Wetterdienstes an das landwirtschaftliche Institut der Universität Gießen erscheint aus praktischen Gründen geboten. Eine Prüfung der vom Gießener Wetterdienst versuchsweise für Oberhessen aufgestellten Voraussagen für den nächsten Tag ergab hinsichtlich des Gesamteindrucks 91 Prozent Treffer, hinsichtlich des Niederschlags 90 Prozent, der Temperatur 92 Prozent, der Bewölkung 91 Prozent Treffer. *** Die Feier des 40jährigen Stiftungsfestes des Bauerschen Gesangvereins in Gießen nahm am vergangenen Samstag im Neuen Saalbau seinen Anfang. Zu dieser Feier waren geladen und erschienen seitens der Regierung Herr Regierungsrat Dr. Wagner und als Vertreter des Herrn Regiments- Kommandeurs Herr Hauptmann Großmann. Außerdem erschienen waren die hiesigen Lahntalsängerbundesvereine„ Gemütlichkeit"," Harmonie" und " Heiterkeit", sowie die beiden Marburger Gesang- Vereine „ Liederkranz“ und„ Liedertafel". Durch ihre Vorstände waren vertreten sämtliche sonstigen Gesangvereine von Gießen, die Feuerwehren und der Schützenverein. Der mit Tannenzweigen und Guirlanden festlich geschmückte Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Mit Geschenken wurde der Jubelverein auf das reichlichste bedacht und zwar wurde demselben von der Gail'schen Feuerwehr und vom Maschinenbauer- Gesangverein je ein Fahnennagel, vom Gesangverein Gemütlichkeit" und Schützenverein Gießen einige wertvolle Kunstgegenstände und vom Gesangverein„ Liedertafel" in Marburg das Bild seiner Sängerschar, überreicht. Der Vorsitzende des Bauerschen Gesang Vereins sprach sodann über die Entstehung und Entwickelung des Vereins und schloß mit einem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser, den Förderer des Gesanges und Se. Königl. Hoheit den Groß Herzog von Hessen als den Förderer der Musik und Kunst, in das die Anwesenden begeistert einstimmten. Seitens der Regierung sprach Herr Regierungsrat Dr. Wagner und gedachte mit recht schönen Worten des Vereins. Die vorgetragnen Chöre waren exakt und rein. " Mainz. Am Samstag wurde die Konsekration und Inthronisation des neu gewählten Bischofs Dr. Gg. Hrch. Kirstein vollzogen. Die Weihe nahm der Erzbischof Nörbert von Freiburg unter Assistenz der Bischöfe Keppler von Rottenburg und Endert von Fulda vor. ▷ Darmstadt, 19. März. Zu dem Antrage Hirschel u. G. betr. eine Neuregelung der Hoffagdwesens wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Hofjagdverwaltung 180 000 Morgen Jagd, meist Wald, der dem Fiskus gehört, für 3000 Mt. gepacht. Für die gut bestandenen Jagdbezirke 3 und 4 Darmstadt bezahlt z. B. die Hofjagdverwaltung ganze 6 Mt. Bacht jährlich, während der angrenzende Jagd pächter für eine Fläche von gleicher Größe 4500 Mt. be= zahlt. Stadttheater Gießen. Heimat. Schauspiel in 4 Aften von Hermann Sudermann. Ein Haus in dem von altersschwarzen Wänden vergilbte Bilder auf verschossene Möbel schauen, bequem und geschmacklos eingerichtete Zimmer deren Parfüm, Kamillenteeduft und Tabakrauch, jede antibürgerlich empfindende Nase beleidigt, eine Familie, in welcher eine philiströse Moral die aber trop Sudermann doch immer Moral bleibt sich mit kleinstädtischem Ehrgeize selten harmonisch paart und als unbeschränkter Herrscher ein hißköpfiger Greis, ein Despot, der aufhört Mensch zu sein, wenn er glaubt, seine Ehre verletzt zu sehen. Das ist die Heimat der großen Sängerin Magda Schwarze, die, als sie um ihrer Kunst willen dem Elternhause entsagt nach ihren eignen Grundsägen, der Religion der freien Künstlerin lebt und deshalb nach ihrer Rückkehr, da die Fangarme der väterlichen Autorität erneut sie umschlingen wollen, gegen diesen Zwang kämpft, aber unterliegt, bis sie das kind, ihr Kind, der Rehabilitierung ihrer Ehre zum Opfer bringen soll. Dies bildet die Höhe des dramatischen Konfliktes, den Sudermann aber feineswegs auch gelöst hat, den dadurch, daß er den alten Schwarze einfach vom Schlage treffen läßt, führt er nur den formellen Abschluß des Dramas herbei, alles andere läßt er offen. Die äußerst dankbare Rolle der Magda hatte sich Frl. Hohl zu ihrem Benefize gewählt. Zuletzt fahen wir die Triesch hier als Magda und war ung die gestrige Vorstellung deshalb doppelt interessant. Die Triesch fommt, als sie nach so langer Abwesenheit zum erſten Male die Heimatliche Schwelle betritt, leise, unhörbar und zaghaft wie ein Kind, in dessen Stimme ein verhaltendes Weh wie überstandenes Leiden, zittert, wie Eine, die ein stilles Pläßchen sucht um einen langersehnten süßen Traum zu träumen. Frl. Hohl spielt die Auftrittsszene anders, mehr als Künstlerin. Siegreich und strahlend erscheint sie, mit einer großen hinreißenden Freude im Herzen überläßt sie sich dem Genusse des längst entwöhnten Heims, laut und geräuschvoll wie es fleine und große Künstler mitunter zu machen pflegen, hantiert sie, und erst später, als der Trok hinschwindet und die Angst, die Furcht des Kindes vor und um den Vater ihr Innerstes durchbeben, da wird sie wieder zu dem was sie war, ehe sie in die Welt ging, ein f schwaches, willenloses Kind, in dem nur der alte leidenschaftliche Trotz aufflackert, als man sie von ihrem fleinen Sohne trennen will. Für all dieſes fand Frl. Hohl treffenden Ausdruck, in Leidenschaft wie in entsagendem Schmerze gleich echt, war ihre Magda entschieden eine ihrer besten Leistungen der Saison, in der sie uns so manches Schöne geboten hat; Blumen und Applaus fehlten natürlich nicht. Von den übrigen Darstellern können wir noch Frl. Großmüller erwähnen, die in ihrem bedruckten Kleidchen und einfachen schüchternen Wesen ein echtes Kind ihrer kleinbürgerlichen Verhältnisse bildete. Herr Sandorff, als Heffterdings gab sich ruhig und gemessen und deshalb vollkommen richtig und den Regierungsrat von Keller mimte Herr Pichler, der ja für Stehkragenhelden ein ausgesprochenes Talent hat, wieder vorzüglich. Für die von kleinen Ehrgeizsorgen geplagte Hausmutter zeigte sich Frau Kellermann sehr geeignet und auch Frau Fischer erzielte mit ihrer bewegten" Tante Fränzi viel Wirkung, dagegen war Herr Knabe als Leutnant Max wohl etwas zu zahm und zu wenig offiziersmäßig. An Herrn Linzens Oberstleutnant Schwarze war manches auszuseßen, ebenso haben wir den spiellustigen Professor Beckmann( Herr ronert) und von Klebe( Herr Telefy) schon wirkungsvoller gesehen. Das Haus war sehr gut besucht. H. H. Aus dem Gerichtssaal. Straffammer. Gießen, 19. März 1904. Der Unternehmer des Bahnbaues zu Friedberg Emmerich Beckermann aus Coblenz wurde von der Hessischen Steuerbehörde aufgefordert ein Gewerbepatent zu lösen. Als er dieser Aufforderung nicht nachfam, ging ihm vom Steuerkommissariat Friedberg ein Strafbeſcheid zu, gegen welchen er richterliche Entscheidung beantragte. Er erzielte vor dem Schöffengericht Friedberg Freisprechung, wogegen die Staatsanwaltschaft Berufung einlegte. Die Entscheidung soll Freitag den 25. März verkündet werden. Der Landwirt Johann Hausmann von Fleschenbach wurde im vorigen Jahre vom hiesigen Schwurgericht wegen Brandstiftung in Strafe genommen. Er erstattete hierauf bei der Staatsanwalt gegen eine Anzahl Zeugen Anzeige wegen Meineid, was zur Folge hatte, daß der Spieß umgedreht und er sich heute wegen falscher Anschuldigung zu verantworten hatte. Die Kammer erkannte auf 5 Monate Gefängnis und sprach den falsch Angeschuldigten die Befugnis zu, das Urteil zu veröffentlichen. Zum Schlusse wurde ein Urteil des Schöffengerichts Gießen, wonach der Schuhmacher Michael Helfert daselbst wegen Unterschlagung bezw. Betrugs 3 Wochen Gefängnis erhielt, aufgehoben und der Angeklagte freigesprochen. Geschäftliches. Viele und bedeutende Gewinne, wie 100 000 Mark, 40 000 Mart, 20 000 Mark usw., weist wieder der Vera losungsplan 4. großer Freiburger Geld- Lotterie auf. Befanntlich dient diese zur Wiederherstellung des Münsters zu Freiburg im Breisgau, dem der zehrende Zahn der Zeit im Laufe der Jahrhunderte beträchtlichen Schaden zugefügt hat. Freudige Aufnahme beim deutschen Volfe hat das Unternehmen des Münsterbau- Vereins gefunden und bekundet das allgemeine Interesse an dem erhabenen Werke sich auch stets durch eine äußerst rege Losabnahme. Die Freiburger Lose, à Mt. 3.30, zur Ziehung am 23., 24. und 26. März sind bei den hiesigen Verkaufsstellen oder bei dem General- Debit Ad. Müller& Co., Lotterie- Hauptkollekte, in Darmstadt, Rheinstraße 14, zu haben. Litterarisches. ID Das Märzheft der„ Flotte", Monatsblatt des Deutschen Flotten Vereins( zu beziehen durch die Post und alle Buchhandlungen zum Jahrespreise von M. 2, Einzelheft M. 0,20), beschäftigt sich naturgemäß hauptsächlich mit dem russischjapanischen Krieg. Der Aufsatz Was lehrt uns heute schon der russisch- japanische Krieg?" hat bereits zu einer interessanten Diskussion in der Presse Veranlassung gegeben. Der mit den japanischen Verhältnissen aus eigener Anschauung vertraute Generalleutnant v. Janson bringt eine Abhandlung über„ Japans Wehrkraft". Ravenstein- Peip's neue Eisenbahnkarte von Deutschland mit Nachbargebieten ist soeben in Ludwig Ravenstein's Verlag, Franfurt a. M., erschienen und zeigt das, was jeden Reisenden besonders interessiert und das oft langwierige Studium des Kursbuches erleichtert, auf einen Blick: Die raschefte, bequemste und kürzeste Route selbst nach der kleinsten Bahnstation. Jede Station ist auf der Karte verzeichnet und durch ein beigegebenes Verzeichnis von ca. 15000 Namen ist jeder Ort mittelst einer Quadratneßeinteilung fast augenblicklich aufzufinden. Troß des reichen Inhaltes ist die Karte durch scharfen Druck und durch die leuchtenden Farben derart klar geblieben, daß ihr schon mit Rücksicht auf den billigen Preis für das hier Gebotene weiteste Verbreitung ist. Alle Buchhandlungen und Ludwig Ravenſtein's Verlag, Frankfurt a. M., führen Bestellungen aus. Marktberichte. *** Fruchtpreise am Grünberger Fruchtmarkt, vom 19. März. Weizen 18,20-00,00, Rorn 00,00 bis Gerste- Hafer 14,00-00,00, Erbsen 18,00, Samen 00,00, Kartoffeln 0,00-00,00, Linsen 00,00 Mart. Alles per Doppelzentner. Kirchliche Nachrichten für Gießen. In der Johanneskirche. Montag, den 21. März, abends 8 Uhr: Bibelstunde im Konfirmandensaal der Johanneskirche. Text: Jak. 5, 13. Pfarrer Euler. Drud und Verlag der Gießener Verlagsdruderei( vorm. Wilh. Keller), Gießen Berantwortlich: für den politischen und Inseratenteil: Albin Klein ür das Lokale, den Gerichts-" und" Deffentlichen Sprechioal": Fr. Oppermann Der heutigen Nummer unserer Zeitung liegt ein Prospekt betr. Serienlos- Gesellschaft der Firma Franz Kogge, Berlin S. 14, bei. Theater- Verein Gießen. 9. Vorstellung: Mittwoch, den 23. März Gastspiel von Frl. Leonie Taliansky 119 29 vom Kgl. Hoftheater in Wiesbaden. Die Geschwister. Schauspiel in einem Aft von Goethe. Die Schule der Frauen. Lustspiel in 5 Akten von Molière. Uebersetzt von 2. Fulda. Anfang 8 Uhr pünktlich. Ende gegen 10% Uhr. Billets zu Mr. 4.50, 350, 2.50( für Mitglieder bei weiterem Bedarf Versteigerung. Dienstag, den 22. März nachmittags 2 Uhr, versteigere ich in Gießen, Neustadt 55, gegen Barzahlung. 1. Eine vollständige Ladeneinrichtung, bestehend in großer und Bekanntmachung. Die Stadtverordneten- Versammlung hat durch Be schluß vom 10. d. Mts. die Fluchtlinie für das Teufelsluftgärtchen vom Seltersweg bis zu dem Punkte R. des alten Fluchtlinienplans neu festgestellt. Der Entwurf des neuen Fluchtlinienplans liegt bis fleiner befe und langem Regal, zum 10. April d. J. auf unserem Tiefbauamte offen. 1 großer Fisch- Eiskasten, 1 Hack- Einwendungen gegen denselben sind binnen der gleichen flop, 1 großer Behälter für lebende Fische, 1 Gasofen, 2 Wagen mit Frist bei Meidung des Ausschlusses bei uns vorzubringen. Gießen, den 19. März 1904. Gewichten, großer und 1 kleiner Tisch, 3 Stühle, 5 Ballen Ein wickelpapier, 1 Waschbütte u. a. S. 2. 3 Mille Zigarren, 2 Schweine, 1 Sofa, 1 Nachttisch, 1 Spiegel und andere Möbel. Die Versteigerung zu 1 findet bestimmt, zu 2 teilweise statt. Boru, Gerichtsvollzieher, Gießen. Mt. 4, 3, 2) und Mt. 2 für Studierende im Vorverkauf bei Herrn Gamma Challier und abends an der Kasse. 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Aber das Weiße Nok" war und blieb ausgesagt, daß ich nicht verheiratet bin.' das vielbesuchte Wirtshaus. ,, Doch, denn dies ist Ihre Frau." Als die zehnjährige Bacht ablief, ging Jim nicht auf Die Tür war aufgestoßen worden, in der Tür stand eine die neuen Bedingungen ein, denn jetzt wurde für das junge Dame. Charles nickte ihr freundlich zu und wandte kostbare Grundstück eine enorme Miete verlangt. Er stedelte sich wieder an den Richter, der ihn hatte vergeblich zu Boden als wohlhabender Mann, begleitet von Tochter, Schwiegerschmettern wollen. sohn und Enkeln, nach Newyork über, wo ihm ein Schwager ein Boardinghouse für Seeleute, auch eine Goldgrube, in der Marquartstreet, abtrat. Dieses Haus wird er noch jetzt bewirtschaften. Von dort aus schrieb er sofort an das Londoner Gericht einen Brief, in dem er stolz die Urheberschaft jener Idee für sich beanspruchte, daß nämlich nicht der findige Reporter, sondern er selbst, der dumme Jim Carpenter, den schlauen Gedanken mit dem vorgeblichen Morde ausgeheckt habe. Ich gestehe, daß ich mich mit dieser Dame verheiratet habe, aber unter dem falschen Namen Fred Jackson, also ist diese Ehe ungültig. Doch werde ich jetzt die gesetzliche Trauung nachholen. Ferner ist dies nicht Miß Marie Douglas, sondern Miß Nancy Carpenter, und da sie noch lebt, kann ich sie doch auch nicht gut ermordet haben." Englische Beamte verlieren selbst in den schwierigsten Fällen nicht ihre Würde. Der Richter verzog daher keine Miene, schüttelte nur den Kopf und ließ dann Zeugen holen. Die Zeugen famen, und da half kein Staunen, Entseßen und abergläubisches Kopfschütteln, da war eben die angeblich ermordete Nancy, und Vater im umarmte unter Freudentränen die wiedergefundene Tochter. Als auch der Richter davon überzeugt war, hatte er mit der Sache vorläufig weiter nichts zu schaffen; da die Anflage wegen Mordes hinfällig geworden war, mußten Charles und Nancy sofort auf freien Fuß gesetzt werden. Und am anderen Tage stand die als Tote beweinte Nancy wieder hinter dem Schenktisch im Weißen Roß", und wieder entstand eine wahre Völkerwanderung dorthin, Aber vergebens suchte man von denen etwas von dem Geheimnis zu erfahren, welche darum wissen müßten; deren Mund blieb stumm, am stummsten der von Nancy.„ Sie hat die Sprache verloren, sie mußte Schreckliches ausgestanden haben," hieß es. Nein, stumm war sie nicht, sie konnte zum Beispiel fragen, was der Gast beliebe, aber sonst war sie nicht zu sprechen. War es denn überhaupt die Nancy? Viele bestritten das, am meisten die Spiritisten, welche sich schon mit ihrem Geiste unterhalten hatten. Die erste Person, der ein klares Licht aufging, war die Wirtin vom Königskopf". Der ganze Mord war nur eine künstliche Mache gewesen, um das Geschäft in die Höhe zu bringen; Vater, Tochter und der saubere Reporter hatten unter einer Decke gespielt. Charles hatte sich in einem anderen Viertel des großen London ein Messer, vom Fleischer ein Gefäß mit Blut und von Nancy ein Umschlagtuch besorgt, das Blut vor der Türe ausgegossen, das Umschlagtuch hineingetaucht, es bis an den Teich geschleift, es hineingeworfen, das Messer zurückgelassen, und war dann mit Nancy entflohen. Mit dem nun schnell verdienten Gelde richtete Charles der Braut im Westend eine hübsche Wohnung ein, ließ sich einstweilen unter falschem Namen mit ihr trauen, und so ging es vier Jahre fort. Jetzt, da die Sache endlich herauskam, fand die gesetzliche Trauung nachträglich statt. Aber die Zuhörer, denen die Wirtin dies erzählte, waren gar nicht damit einverstanden; das war wohl schlau, ihnen aber viel zu prosaisch, sie wollten lieber etwas Sensationelles glauben. Und die, denen ihre eigene Vernunft die richtige Lösung gab, konnten nur den geschäftlichen Kniff bewundern. Jedenfalls tat das Wiederauftauchen Nancys dem Weißen Noß" keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. Die englischen Advokaten, welche bekanntlich aus schwarz weiß machen und das Linke nach rechts und das Oberste zu Dienste an; wenn er sich zu verantworten habe, etwa wegen unterst zu drehen wissen, boten dugendweise Charles ihre falscher Angaben, überhaupt wegen dieser Täuschung der Charles nahm aber gar keinen, denn er war sicher, daß ihm Behörden, wollten sie ihm als Verteidiger zur Seite stehen. fein so schlimmer Prozeß gemacht werden könne. Und wie ihm rechtskundige Freunde im Vertrauen sagten, so geschah es auch; vergebens wartete er auf eine Vorladung, es fam feine. Es war auch in der Tat gar nicht so leicht, ihm etwas falschem Namen konnte man ihn belangen. Aber man zog am Zeuge zu flicken, höchstens wegen der Trauung unter es überhaupt vor, um die Blamage des Gerichts und der Polizei nicht gar zu öffentlich zu machen, die Sache niederzuschlagen. Charles gab die Stelle bei der Zeitung auf und blieb beim Schwiegervater, der auch seine Kraft notwendig brauchte. Auch das neue Weiße Roß" wurde nach einigen Jahren abgebrochen, ein elegantes Haus entstand auf seinen Trümmern, und nach und nach begann auch die Erinnerung an die Geschichte zu verblassen, man konnte doch nicht Wieder ließ die Brauerei die Wirtschaft abbrechen und das jetzige, palaſtähnliche Gebäude errichten; in fünf Meter hohen Buchstaben sieht man White Horse" schon kilometerheit über die anderen Häuser wegragen, und nur einige Schritte davon entfernt ist zwischen zwei eleganten Geschäften ein kleines, armseliges Häuschen eingefeilt,„ Kings Head", so wie es schon damals gewesen ist. Es hat nicht an Nachahmungen dieses pfiffigen Tricks gefehlt. Einmal brach in London eine wahre Manie aus, durch solche Komödien Geschäfte in die Höhe zu bringen; man fand eingemauerte Gerippe, abgeschnittene Gliedmaßen, Personen verschwanden, noch jetzt kann man hin und wieder von solchen Reklamemitteln in den Zeitungen lesen- aber alles will nicht mehr recht ziehen. So sensationslüstern das englische Volk auch ist, zum zweitenmal durch dieselbe Sache nasführen läßt sich die Polizei und das Publikum nicht. WITZ UND HUMOR Hinein und hinaus. So mancher lebt in die Welt hinein, Leichtsinnig in Saus und Braus. Hinein? Das dürfte ein Irrtum sein, Er lebt aus der Welt sich hinaus! Der Dumme hat's Glück. Vater( zu seinem Sohne, der glänzend durchs Gyamen gefallen ist):„ Kauf dir jetzt wenigstens ein Lotterielos." Pech. Wie hat eigentlich die alte Jungfer ihren Bräutigam verloren?"" Beim Versteckenspiel- wie sie ihn suchen will, war und blieb er verschwunden!" Ausrede. För st er:„ Aber Sie haben den Hasen ja wieder gefehlt, Herr Assessor." Absichtlich; möchte die Viecher, damit's Fell nicht beschädigt wird, durch den Schreck töten." „ Nette Weit zurück. Emanzipierte Studentin: Kommilitone, die Wanda! Die will Studentin sein und hat noch nie einen Moralischen" gehabt." Rentabler. Moses:„ Tate, mich hat de Muse geküßt." Vater:„ Schau lieber, Moses, daß dich e reiche Bankierstochter füßt." Auch ein Standpunkt.„ Aber, Ella, wie kann man denn so stark kokettieren?"" Aber, Mama, man kann doch seine Augen nicht so nutzlos herumschleppen." Kasernenhofblüten. „ Na, Huber, Sie sind ooch so'n modernes Subjekt, denn Sie sind ja wahrhaftig überdämlich." " Folmer, Sie marschieren wie eine Gans, die den Größenwahn hat!" ( Zum Husaren, der beim Appell einige Pferdehaare am Säbel hängen hat):„ Nun ſagen Sie mir doch, wie Sie wieder zum ollen Damaskus sein Schwert kommen," " Ihr seid ja so dumm, daß euch schon das Herz im Leibe lacht, wenn ihr bei einem Fuder Heu vorbeigeht." ,, Müller, nich' so zaghaft, drücken Sie man det Jewehr fester an sich; wat Platonisches jibt's bei's Militär nich'!" Nr. 64. Montag, den 21. März. 1904. Oberbessische Familienzeitung. Tägliche Unterhaltungs- Beilage der Gießener Neueste Nachrichten. Band zub Berlag ber Glepowes Berlag@ bundeset, verm. Bus. Rellerie Budbruderet( gegs. 1788); uten ( 27. Fortsetzung) Der Goldmarder. Original Roman von M. Bezold. Die Baronin träufelte eine stark duftende Essenz auf ihr Taschentuch und beneyte damit ihre Stirne, ein harter böser Bug lag um ihre festgeschlossenen Lippen. „ Willst du mich nun anflagen?" fragte sie ironisch. Leider ist diese Klage begründet!" fuhr Sabine fort, den zürnenden Blick fest auf ihre Tante heftend.„ Mit deinem alten Freunde, dem Hofmarschall, hast du gegen mich intriguiert, du glaubſt mich zwingen zu können, meinen eigenen Hoffnungen und Wünschen zu entsagen und mich unter deinen Willen zu beugen. Das aber wird dir niemals gelingen, du erreichſt damit mir eine Entfremdung zwischen uns, für die du ſelbſt die Verantwortung übernehmen mußt." ihren Augen blitte der Zorn. Die Wangen der Baronin hatten sich gerötet, auch aus „ Das alles wird dir der Hofrat gesagt haben," erwiderte sie, es liegt ja in seinem eigenen Interesse, dich in deinem Entschluß zu bestärken. Was ich in dieser Angelegenheit getan habe, bezweckte nur dein Wohl; ich verdiene eher deinen Dank, als Vorwürfe. Wer ist dieser Mann, den du zu heiraten gedenkst? Ein mittelmäßiger, aufgeblasener Maler, wird dich an den Bettelstab bringen, dann erst wirst du er der mit deinem Vermögen seine Schulden tilgen will. Er kennen, wie berechtigt meine Warnung war." Das glaubst du selbst nicht," sagte Sabine achselzuckend. „ Mag Ottokar auch als Künstler nicht sehr hoch stehen, ein aufgeblasener Narr ist er darum doch nicht, und deine Achtung kanst du ihm nicht versagen. Daß er Schulden hat, ist in meinen Augen kein Fehler, ich teile meinen Reichtum freudig mit ihm, denn ich weiß, daß er mich ebenso innig lieben würde, wenn ich arm wäre." Ein hysterisches Lachen war die Antwort der Baronin, ein Lachen, das ihrer Nichte das Blut heiß in die Stirn trieb. „ Wenn du arm wärest?" wiederholte sie. So groß ist die Macht deiner Reize nichtLaß es genug sein, Tante," unterbrach Sabine sie mit scharfer Betonung ,,, meine Worte berechtigen dich nicht, mich zu beleidigen. Wenn du die Allgewalt der Liebe niemals fennen gelernt, so darfst du auch nicht über sie urteilen, alle deine Intriguen werden an ihr zerschellen. Fürstengunſt gilt mir nichts, ihr werde ich niemals ein Opfer bringen, ich meine, das hätte ich dir oft genug gesagt. Gefällt dir mein Entschluß nicht, so ist es besser, daß wir uns trennen, die Feindseligkeiten zwischen dir und meinem Verlobten würden auch mein Glück trüben, ich bin entschlossen, allen Bestrebungen, die meinen Frieden stören können, energisch entgegenzutreten." Frau v. Gagern hatte aus ihrem Sessel sich erhoben, ihre Migräne war plötzlich verschwunden, hoch aufgerichtet, mit blizenden Augen stand sie vor Sabine, die ihr furchtlos in die funkelnden Augen schaute. " Nicht ich, du willst dieſen Bruch!" ſagte sie mit schneidender Stimme.„ Du zeigst mir die Tür- ,, Nein, Tante Weshalb versuchst du noch, es zu leugnen? Ich verstehe deine Worte wohl, ich bin dir unbequem geworden, weil ich : I lef ( Nachdruck berboten.); die Torheit, die du begehen willst, nicht gutheiße. Sei es denn, ich werde gehen, Sabine; zaudere ich damit, so wirst du mir noch jede Unterstützung vorwerfen, die ich von dir empfangen habe-" " Tante!" rief Sabine empört. Im Geiste hast du es schon getan," fuhr die Baronin mit wachsender Erregung fort,„ Du forderst nun von mir, daß ich selbst gegen meine Ueberzeugung mich deinem Willen schweigend unterwerfe. Nimmermehr! Als die Schwester deiner Mutter fühle ich mich verpflichtet, dir zu raten und dich zu warnen, du willst nicht auf meine Worte hören, so muß ich dich denn deinen eigenen Weg gehen lassen, die Neue wird nicht ausbleiben. Das aber sage ich dir, in der Stunde, in der du mit jenem Maler dich verlobst, verlasse ich dein Haus, dessen Schwelle ich nie wieder betreten werde." Sie rauschte mit hocherhobenem Haupte hinaus, ohne eine Antwort abzuwarten. Mag sie gehen," sagte Sabine leise, ich halte sie nicht zurück, sie würde ja nur den Frieden und das Glück meiner Che stören. So, wie es war, konnte es nicht länger zwischen uns bleiben, ich habe lange genug Geduld gehabt, aber endkommen." lich mußten diese Meinungsverschiedenheiten zum Austrag Ihr Blick heftete sich auf die Tür, sie vernahm draußen eine Stimme, deren wohlbekannter Klang ihr das Blut rascher durch die Adern trieb. Im nächsten Moment wurde die Tür geöffnet, Ottokar stand auf der Schwelle, seine zitternde Stimme rief ihren Namen, er lag vor ihr auf den Knieen, und eine unsagbare Fülle heißer Liebe leuchtete aus seinen Augen, die zu ihr emporschauten. Wenn die Stimme meines Herzens mich täuscht, Geliebte, so verzeihe mein Ungestüm," sagte er leise, ,, heiße dann mich wieder gehen, und mit brechendem Herzen werde ich dich verlassen- nein, nein, es ist keine Täuschung, du liebst mich, ich lese es in deinen schönen Augen, die mir den Himmel auf Erden verheißen." " Ja, ich liebe dich," flüsterte sie, von seinen Armen um schlungen, sich ganz dem berauschenden Gefühle hingebend, das ihre Seele durchströmte, meine Angst um dein teures Leben mußte es dir ja beweisen. Du Böser, wie konntest du mir das antun!" ,, Kein Anderer sollte dich besitzen, so lange ich lebte!" er: widerte er jubelnd, und mit einem langen heißen Kuß schloß er ihr die Lippen. Der Eintritt der Baronin schreckte die Glücklichen plötz lich auf. Frau v. Gagern erkannte sofort, daß das, was sie ge fürchtet hatte, bereits eingetreten war, sie ließ ihrer Nichte keine Zeit zu einer Mitteilung, mit einem falten, fast verächt lichen Blick auf den Maler zog sie sogleich sich wieder zurück „ Herr Hofrat v. Weisweiler," meldete Rosa in diesem Augenblick. Sabine und Ottokar erhoben sich und gingen dem Ein tretenden entgegen, der erstaunt seinen lächelnden Sohn an blickte, dann aber mit herzlichen Glückwünschen dem Braut paare beide Hönde reichte. rn: ... 1,15 1,15 M. 6 um weitere 5 Pig. d mehr Doppel nnig für den Zentan iber 5 Centner Ra unden ist, geschieh Stall ic.) mit feinen - bis zu 6 Zentner en der Gasfits Marburgerstr. 22 51, straße 10, aße 13. Geiljus) fe unserer Gastols olgen dieselben aud hmer außerhalb de der Oftroirüdver Entho für Obe Die letzte Der Reichstag ist ( Ein Rüdblid von un höchste Zeit dazu, denn Haus zustande zu bri 1010.1.1 die trojtl berlangten, nod hätte malo mit ſeine ug: Gi ang triftigen Gründen inzelne vomanti triffigen Gründen auflösung, wozu Lauch die in ләв Höflich " Gründe" hat Gra Auliffendiplomat, wußte genau, daß v zurückkehren wirder geratensten, daß er Parlamentarier m nübertünchte ibr Reisegepäck Bentließ. Seimat im Wäre man ge Ware leiße Session ein maßen in Gewij Dußend In maren mit wenige mohl haben Kommi stunden abgearbeite fein Mehl. Ging halben Berufsvereine, die dehnung des Alte auf die ſelbſtändige verfahren gegen die trantheit und über übrige Verhandlung Aber auch hier wa haben sich in der let Resolutionen und hätten sie mehr a und zu wenig als Ideale über den Gefermacher in fam großen ungsgegenständen. die Kunitdebatte, die Wirklichkeit bon einem allgemei lich nicht viel dageg dieser Taktif ginge Die gehaltenen Red stoderd von ſtatten. machten den Eindru Ganges, wie er bei ift. 3war fehlte es Soldatenmißhandh punkten und ideale dem war die platte wurde und die de beranrüdte hat, wie logenannte зит Ta um so vorschriftsmä 3 fonnte. Diese Get eifer, so daß man Auch bei dem P Grade erloschen, meilten Zeitungs wird. find, von Herzen ferien gegangen is i fait noch die eing Das Ge Ueber das für Omifotorero find a richten noch nich Es war die Berichten im Kolon entgegen, als man gewehr des Tru follonen der G Da jeder M neunzehn Mann ge erbeutete Munitions Das hatte ich nicht erwartet," sagte er, während er Sabine zum Divan zurückführte und sich in einen Sessel nie derließ. Du durftest ja heute das Zimmer noch nicht verTassen, Ottokar!" „ Dieser Befehl des Arztes war keine Arznei für meine Ungeduld," rief der Maler, ich konnte meiner Sehnsucht nicht länger gebieten, und da ich mich wohl fühlte, hielt ich es für ungefährlich, dem Verbot zu frozen. Sei nur ganz unbesorgt, Geliebte," fuhr er fort, als er den angstvollen Blick Sabinens bemerkte, Adolph begegnete mir vorhin, er sagte selbst, mein Ungehorsam werde keine schlimmen Folgen haben. Uebrigens teilte er mir eine Neuigkeit mit, die Ihr noch nicht kennen werdet. Der Adjutant v. Bodenlauben hat sich heute morgen mit Fräulein Ida Kassel verlobt." " Das wird am Hofe dem Fasse den Boden ausstoßen!" rief der Hofrat überrascht. Diese Mesalliance verzeiht Durchlaucht seinem Adjutanten nicht." „ Dann wird Herr v. Bodenlauben seinen Abschied nehmen," sagte Sabine; er hat schon früher davon gesprochen, mit seinem Gutsverwalter ist er nicht mehr zufrieden." Der alte Herr holte seine goldene Dose aus der Tasche und schüttelte den Kopf. Mir scheint, daß der Fürst bereits davon unterrichtet ist," erwiderte er, er war heute in einer Laune, wie ich ihn selten gesehen habe. Mich hat er feines Wortes, kaum eines Blickes gewürdigt, dem Direktor Spangenberg hingegen gewährte er eine lange Audienz, und das Gesicht dieses Herrn strahlte, als er aus dem Kabinett zurückfam. Ich habe noch eine andere unangenehme Nachricht," fuhr er fort, im Vertrauen wurde mir mitgeteilt, daß der Fürst die beiden Duellanten bestraft wissen will. Im Anfang sollte die Geschichte totgeschwiegen werden, und es dachte auch schon niemand mehr daran, jetzt denkt der Fürst plötzlich anders darüber, die Ursache ist leicht zu erraten." Intriguen meiner Tante?" sagte Sabine entrüstet. " Jawohl, Intriguen der Frau v. Gagern," bestätigte der Hofrat, der Hofmarschall hat das alles besorgt. Zweck dieser Intriguen war, Ihre Verlobung mit meinem Sohne zu verhindern, gnädiges Fräulein, nun sie dennoch geschlossen ist, wird der Aerger darüber sich nur noch steigern." Bah, was liegt uns daran!" meinte Ottokar, während Sabine gedankenvoll vor sich hinblickte.„ Wenn ich wegen des Duells zur Rechenschaft gezogen werden soll, so wird das auch den Kopf nicht kosten, mit einigen Monaten Festungshaft ist die Geschichte abgemacht, inzwischen können die Vorbereitungen zur Hochzeit getroffen werden, und sofort nach unserer Trauung verlassen wir dieſe Stadt für lange Zeit, vielleicht für immer." Ja, für immer!" sagte Sabine aufatmend.„ Wir haben hier nur Feinde, die unser Glück uns nicht gönnen. Wir reisen nach Italien, und gefällt es uns dort nicht mehr, so ziehen wir uns auf unser Gut zurück." ,, Wo aber bleibe ich?" erwiderte der Hofrat, die Dose in den Händen drehend. Ich mache keinen Hehl daraus, daß diese Verlobung mir den letzten Rest der Gunſt meines Fürsten rauben wird, sie läuft seinen Wünschen zu ſehr entgegen, und in mir sieht er den Urheber und Vermittler." ,, Wollen Sie auf meinem Gute wohnen?" fragte Sabine. Mein Verwalter soll jeden Ihrer Wünsche erfüllen, und wenn Sie die Einsamkeit nicht fürchten ,, Durchaus nicht, gnädiges Fräulein," unterbrach er sie heiter,„ ich habe ein gutes Gewissen und fürchte mich nicht, mit meinen Gedanken allein zu sein. Im Gegenteil, ich würde diese Einsamkeit benutzen, um meine Memorien zu schreiben, ich habe sehr viel erlebt und kann Manches der Vergessenheit entreißen, was der Aufzeichnung wert ist. Ich bin Ihnen sehr dankbar, gnädiges Fräulein, Ihr freundliches Anerbieten werde ich mir jedenfalls überlegen, es seyt mich in den Stand, den kommenden Dingen nun faltblütig entgegen zu sehen. Ich möchte es nur noch erleben, daß Spangenberg wieder in Ungnade fällt, er trägt den Kopf jetzt so hoch, daß man ihm gerne so weit wie möglich aus dem Wege geht." Gönnen wir ihm die Freude!" sagte Ottokar geringschäßend, sie wird vielleicht nicht lange dauern." Rosa trat wieder ein und überreichte ihrer Herrin ein verficgeltes Billet. Frau v. Gagern ist soeben fortgefahren," sagte sie. „ Es ist gut," erwiderte Sabine, nachdem sie das Billet, das nur wenige Zeilen enthielt, gelesen hatte ,,, die Frau Baronin ist abgereist, sie will den Winter auf ihrem Witwenfive zubringen." Dem Himmel sei Dank!" 8ofe sagte Ottokar, als die das Boudoir wieder verlassen hatte. Der Feind hat seine Niederlage erkannt und die Flucht ergriffen." Der alte Herr verabschiedete sich jetzt von dem glücklichen Paare; auch er war glücklich über diese Verlobung, die ja auch ihm eine sorgenfreie und angenehme Zukunft sicherte, wenn er auch völlig in Ungnade fiel. Mit lächelnder Miene durchwanderte er die Straßen, jeden Bekannten, der ihm begegnete, freundlich grüßend; er hatte den Aerger überwunden, Reichtum gibt ja auch Macht, und auf die Dankbarkeit seine Sohnes durfte er vertrauen. Seine Gläubiger wurden in nächster Zeit befriedigt, diese Sorge drückte ihn nicht mehr, vielleicht wurde er durch seine Memoiren ein berühmter Mann, alles in allem genommen, durfte er mit heiterem Blick in die Zukunft schauen, die nun sonnenhell vor ihm lag. Wie er es jeden Mittag vor Tisch zu tun pflegte, ging er auch heute in die Weinstube, in der jetzt wieder Joachim Spangenberg das große Wort führte. Der schadenfrohe Blick, mit dem Spangenberg ihn begrüßte, entging ihm nicht, er setzte sich zu den Gästen und bestellte beim Kellner eine Flasche Champagner. Haben Sie das große Los gewonnen, Herr Hofrat?" fragte einer der Gäste. Nein, meine Herren, das nicht," entgegnete er heiter, „ aber mein Sohn hat soeben sich mit Fräulein v. Derendorf verlobt, und ich glaube, daß ich dieses Ereignis wohl als ein freudiges bezeichnen und feiern darf." Die Blicke aller richteten sich auf Joachim Spangenberg, dessen rotes Antlitz plößlich bleich wurde, und mit triumphierender Genugtuung empfing der Hofrat die Glückwünsche, die ihm dargebracht wurden. „ Das Brautpaar gedenkt wohl schon bald zu heiraten?" fragte Spangenberg nach einer Pause. ,, Wahrscheinlich!" entgegnete der Hofrat,„ die Intriguen, die bisher gegen dasselbe geschmiedet worden sind, machen dies wünschenswert." So, so!" fuhr Spangenberg fort, und seine Stimme flang jetzt boshaft,„ dieser Wunsch wird wohl so bald nicht in Erfüllung gehen." Und was, wenn ich fragen darf, steht ihm im Wege?" ,, Die Duellgeschichte! Durchlaucht will diese Uebertretung des Gesezes nicht ungestraft hingehen lassen, das Gericht hat Befehl erhalten, die Sache zu untersuchen ,, Bah, die Strafe wird sehr gering sein," spottete der Hofrat, indem er sein Glas wieder füllte, der Anlaß zum Duell war geringfügig, und das Resultat nur ein Streifschuß, eine leichte Verwundung." ,, Bauen Sie darauf Ihre Hoffnungen nicht," warnte Spangenberg, wenn Durchlaucht nicht noch in letzter Stunde Rücksicht auf seinen Adjutanten nimmt, wird er die ganze Strenge des Gesetzes walten lassen." Nun, diese Rücksicht ist freilich sehr unwahrscheinlich", spottete der Hofrat, die Verlobung des Adjutanten mit Fräulein Kassel wird schwerlich bei Hofe Billigung finden." Das war wiederum für die Gäste eine überraschende Nachricht; Joachim Spangenberg wollte anfangs an ihrer Wahrheit zweifeln, dann aber brüstete er sich damit, daß der vornehme und reiche Herr v. Bodenlauben der Schwager seiner Tochter wurde. Er mußte darüber Gewißheit haben, dem Hofrat glaubte er noch immer nicht, diese Gewißheit konnte jedenfalls Irma ihm geben. Seine Ungeduld bewog ihn, heute früher wie gewöhnlich aufzubrechen; der Hofrat blieb vor seiner Flasche ſizen, und die übrigen Gäste sandten dem Scheidenden keine schmeichelhaften Bemerkungen nach. hört hätte, er würde sich wenig daraus gemacht haben, er Wenn Joachim Spangenberg diese Bemerkungen auch getrug den Kopf jetzt wieder hoch und sonnte sich in der Gunſt des Fürsten, die ihm zu Teil geworden war. Er baute wieder Luftschlösser, stolzer und prächtiger, wie er sie je zuvor gebaut hatte! Wenn er mit dem Gelde seines Schwiegersohnes seine Schulden gedeckt hatte, dann drückte ihn nichts mehr, die Gnadenſonne vergoldete seinen Weg, auf dem er von Stufe zu Stufe höher stieg. Mit hoch erhobenem Haupte trat er in das Arbeitskabinett des Polizeirates, der sich eben zum Mittagessen begeben wollte. ( Fortsetzung folgt.) Im Weizen Rok. Kriminal- Novelle von Robert Kraft. ( Schluß.) ( Nachdruck verboten.) Wochen vergingen und es stellte sich heraus, daß die Leiche entschieden nicht im Teiche liegen könne. Der Grund war so sorgfältig mit Stangen, Haken und Schleppnetzen abgesucht worden, daß man keine Schuhsohle und keinen Blechlöffel mehr ans Tageslicht brachte. Wo war nun die Leiche? Es hatte doch ganz den Anschein, als ob der Mörder sein Opfer in dem Teiche versenkt hätte. Und wozu überhaupt der Mord? Das Geheimnisvolle und Rätselhafte eben war es, was die Tat so interessant und das„ Weiße Roß" zu einer Berühmtheit machte. Dazu kam noch etwas anderes. Zu jener Zeit trieb in England der Spiritismus die üppigsten Blüten. Er war falonfähig, die Lieblingskammerfrau der Königin war ein Medium, auch Gladstone zählte zu den eifrigsten Anhängern der Geisterlehre. Nach amtlichem Bericht wurden vom 20. bis 27. Dezember 1873 in London 6, in der Provinz 62 öffentliche ſpiritistische Sitzungen abgehalten; die in Privat zirkeln sind gar nicht zu zählen. Der geheimnisvolle Vorfall gab natürlich Stoff, die Geister zu befragen. Die Verstorbene sollte ſelbſt angeben, wo sich ihr Leichnam befinde, den Grund des Mordes aufklären und so weiter. Der Geist der abgeschiedenen Nancy erschien denn auch überall prompt oder gab durch Tischklopfen Auskunft, die Antworten waren aber wie immer, so weideutig und dunkel, daß niemand daraus klug wurde. Jedenfalls gab es neue Anregung zum Suchen, man grub hie und da, fischte noch immer auf eigene Faust, und das Weiße Roß" war stets voll von Gästen. Sogar Equipagen fuhren vor. Eine vornehme Dame sah Nancys Photographie an der Wand hängen und wünschte das Bild zu besitzen. Sie fragte, was es foſte. „ Das ist mir unverkäuflich", sagte der schlaue Jim, lief aber gleich darauf zum Photographen, ließ das Bild vervielfältigen und verkaufte fortan das Stück zu einem Schilling. Er machte ein ungeheures Geschäft damit. Die Zeitungen beschäftigen sich noch immer mit der Besprechung des Geheimnisses, besonders der„ Morning Star", für den Charles berichtete, machte die Sache zu seiner eigenen. Dem Vater und Bräutigam müsse Genugtuung geschehen, der Mord müsse gesühnt, zunächst aber der Leich nam gefunden werden; die Redaktion forderte, daß man den Teich auspumpe. Das ging von dem findigen Charles aus, und als es nicht geschah, veranstaltete die Redaktion eine öffentliche Sammlung zu diesem Zwecke. Gleichzeitig begab sich Vater Fim zum Brauereidirektor und forderte dasselbe. Die Brauerei sah schnell den Vorteil ein, der ihr daraus erwuchs, und bestellte ein Lokomobile und eine Pumpe auf ihre Kosten. Ebenso ließ sie noch rund um den Teich, der noch zu ihrem Grundstücke gehörte, Zelte und Buden errichten, und das Auspumpen wurde in allen Zeitungen reklamehaft angekündigt. Es war ein großartiges Volksfest, das gefeiert wurde, als das Auspumpen begann. Tausende waren herbeigeſtrömt, alle fanden Plaß, und für die Kinder waren Luftschaukeln, Karussels und Schießbuden da. Die Lokomobile pumpte entsetzlich langsam, es war gerade, als ob man den Teich mit Eimern ausschöpfe, und das hatte seinen guten Grund, denn der Brauerei lag natürlich nichts daran, daß die Sache gar zu schnell ging. Drei Tage dauerte es, das Publikum wechselte beständig, und als der Schlamm sichtbar wurde, war das Gedränge fürchter lich, geradezu lebensgefährlich, denn jedermann wollte Nancys Leiche sehen. Endlich war der Teich leer, viele Menschen_krebsten in den Schlamm herum, ohne etwas zu finden. So war das Publikum zwar enttäuscht, aber es hatte sich doch groß artig unterhalten, und Vater Jim einen ganzen Sack voll Geld eingenommen. Im Königskopf" dagegen sahen sich Wirt und Wirtin mit banger Sorge an. Jetzt versauerte ihnen das Bier im Keller, und drüben, auf dem Grundstücke des Konkurrenten, maßen schon Geometer. Die Brauerei wollte ein größeres Gebäude hinseßen. III. Vier Jahre waren vergangen, ohne die Lösung des Rätsels herbeigeführt zu haben, aber die Erinnerung war noch frisch daran. Immer noch beschäftigten sich die Zeitungen mit dem Geheimnis, jede verfocht ihre eigene Theorie. Das neue stattliche Weiße Roß" war eines der besuchtesten Wirtshäuser geworden. Das Mordhaus" stand zwar noch, aber danebn war das neue, langgestreckte Gebäude errichtet worden, und Sonntags konnte es doch nie alle Gäste fassen. Wo einst der frühere Wirt Kartoffeln gebaut hatte, befand sich ein Garten, und die fleißig benutzte Ausspannung, und so dumm Vater Jim auch aussah, er verſtand die große Wirtschaft mit Geschick zu leiten. Die im Königskopf" seufzten vergebens nach den alten Stammgästen, alle hatte das„ Weiße Roß" an sich gerissen, auch die neuen Zuzügler gingen natürlich dahin, wo die meisten Gäste waren. Denn die Gegend bekam plötzlich ein anderes Aussehen, die Häuser schossen wie Pilze aus dem Boden, Mietskasernen, Villen und elegante Geschäfte, und daran war nur die berühmte Cakesfabrik von Wright schuld, welche damals dorthin verlegt wurde. Nur um ein Bild von London zu geben, sei hier erwähnt, daß diese Bäckerei jetzt hundertundvierundfünfzig Paare gleichfarbiger Isabellenpferde im Stalle stehen hat, welche ebensoviele Wagen ziehen, um den täglichen Bedarf Londons an Bisquit zu decken. Wo solch eine Fabrik sich niederläßt, bringt sie gleich eine Stadt mit; so wuchs auch hier der Bodenpreis ums hundertfache, aber dem Vater mi konnte die Brauerei nichts anhaben, der hatte die Wirtschaft auf zehn Jahre für einen Spottpreis gepachtet, und die gebotene Abfindungssumme nahm er trotz ihrer Höhe nicht an. Da geschah etwas, das zum endlichen Schlusse der geldeinbringenden Tragikomödie führen sollte, aber auch noch einmal eine neue Völkerwanderung nach dem„ Weißen Roß" betoirfte. Charles war ein wohlbestallter Berichterſtakter und Journalist, weilte aber, so oft er konnte, bei Vater Jim, der ihn wie seinen wirklichen Schwiegersohn behandelte, half ihm in geschäftlichen Sachen und machte ſich ſonst nützlich. Als das Lokal einmal recht besucht war und Charles gerade die Kasse zählte, trat plötzlich ein Geheimpolizist auf ihn zu und verhaftete ihn. Daß der überraschte Charles furchtbar erschraf, die Farbe wechselte und das„ Warum?" nur hauchen konnte, war allen bemerklich. Er folgte in den Wagen. In der Tat hatte man den schwersten Verdacht jetzt gegen ihn gefaßt, er mußte unbedingt Nancys Mörder sein. Erstens hatte man ihm in Westend, auf der anderen Seite des riesengroßen London, eine junge Dame am Arme führen sehen, an der Hand einen Knaben. Also lag es sehr nahe, daß er schon seit Jahren verheiratet war, obgleich er sich vor Gericht als unverheiratet ausgegeben hatte. Eine Verwechselung war ausgeschlossen. Die Wohnung wurde ermittelt, er nannte sich hier Fred Jackson, seine Frau war eine geborene Marie Douglas, beide getraut in der Sanft Michaelfirche und zwar das war das unheimlichste dabei = kurz nach Nancys Ermordung. Die beiden hatten einen dreijährigen Knaben und ein wenige Monate altes Mädchen. Es muß hierbei erwähnt werden, daß man in England feine Legitimationspapiere braucht, man meldet sich nicht an und nicht ab, der engagierende Prinzipal fordert keine Zeugnisse, er erkundigt sich nur bei dem früheren Prinzipale; und so hat man auch bei der Trauung nur zwei Zeugen nötig, und um diese zu beschaffen, braucht man nicht einmal in die nächste Restauration zu gehen, es stehen schon solche vor dem Standesamt, die sich dazu anbieten. Nennt man falsche Namen, so ist die Ehe freilich gesetzlich ungültig, aber man besitzt doch einen Trauschein. Zweitens war der Geschäftsmann gefunden worden, bei dem das Messer gekauft worden war, und als dieser jüngst den Mr. Simpken geſehen, hatte er schnell die Polizei benachrichtigt, daß dieser es am Abend vor der Mordnacht bei ihm gekauft habe. Sicherlich war also Charles Simpken der Mörder, aufgestachelt durch seine Frau oder frühere Geliebte, die auf Nancy eifersüchtig gewesen war. Am anderen Tage wurde Charles dem Richter vorgeführt. „ Sie sind der Mörder von Nancy Carpenter!" herrschte ihn dieser an. Die Stimme war danach angetan, daß Charles leicht zuſammenzuckte. „ Das müssen Sie mir erst beweisen," sagte der junge Mann jedoch schnell gefaßt, eine Antwort, die man in jeder Gerichtsverhandlung in England zu hören bekommt. ..Allerdings werde ich das. Sind Sie verheiratet?" Verfahren Sehr ungehalter fedtstraft zu ungun bie unser Berliner deren Blaz as hatte, fo frag juchen? Wie fonnt des Führers der fognossierungsritt, weit bon feinem fonnte ein foldjes fibrer und fein S Stabe,