Mr. 117. bonnementsprets: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., ' s Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertelfährlich Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberhefftfche Familienzeitung( täglich) und die Gießener Geifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Freitag, den 20. Mai 1904. Gießener 13. Jahrgang. Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz Oberhefsen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. fonit 15 fg. Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. Rebattion und Expedition: Gießen, Seltersweg 88, Fernsprechanschluß Nr. 362. Neueste Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberhessen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Die Konzentration der Banken. ( Von unserem Handels- Mitarbeiter.) Der preußische Handelsminister hat jüngst auf dem Deutschen Bankiertage im Hinblick auf die gewaltige Konzentration im Bankgewerbe die Mahnung ausgesprochen, bei der Leitung und dem Geschäftsgebaren der„ fusionierten Riesenbetriebe" Maß zu halten und stets der Notwendigkeit eingedenk zu bleiben, sich im Einklange mit den Interessen des Gemeinwohls zu halten, wenn man nicht die Gefahr einer Einschränkung der Bewegungsfreiheit durch die Gesetzgebung heraufbeschwören wolle. Er hat damit auf eine Erscheinung hingewiesen, die je nach den Umständen für unsere soziale Entwickelung Vorteile oder aud Nachteile bringen kann. Die Kapitalfonzentration vollzieht sich unaufhörlich und gibt unserem neuen Bankwesen eine geradezu gigantische Form. Wenn sie eine Notwendigkeit ist, so ist diese entschieden entstanden durch die allmähliche Umwandlung der Banktätigkeit, die nicht allein die Finanzierung von Industrieunternehmungen betreibt, sondern mit rem Kapital industrielle Arbeiten überhaupt verrichtet. Gerade mit Rücksicht auf die Industrialisierung der Banken murden seinerzeit die Dresdener Bank und der Schaaffhausensche Bankverein miteinander verschmolzen, so daß also die seither getrennten Arbeitsgebiete der beiden Banken, das oberschlesische und das rheinische Industrierevier, in einer Hand vereinigt worden sind. Dadurch ist der Kapitalstock der beiden Banken auf die imposante Höhe von 240 Millionen Mark gebracht und die neue Bankengruppe marschiert, namentlich nachdem sie auch noch weitere Erwerbungen gemacht hat, mit ihrem Aktienkapital an der Spize aller deutschen Banken. Troßdem die Deutsche Bank mit etwa 80 Millionen hinter ihr zurücksteht, gilt sie doch als die leistungsfähigere, weil sie im Verhältnis des beiderseitigen Alienfapitals etwa die doppelte Höhe an Reservefond aufweist, als die Dresdener Bank und der Schaaffhausensche Bankverein zusammengenommen. Aber auch diese leistungsfähige Bank sieht sich zu einer Erhöhung ihres Aktienkapitals gemötigt, die gelegentlich der geplanten Erwerbung der Ber= liner Bank zur Ausführung kommen soll. Auch das preußische Bankinstitut, Seehandlung, die bekanntlich die Aufgabe erfüllen soll, die überflüssigen Bestände des Staates vorübergehend zinstragend anzulegen und Schabanweisungen unterzu bringen, fann ihre Aufgabe, die Kurse der staatlichen Anleihen gegen einen Preissturz zu sichern, ohne Kapitaler höhung nicht mehr erfüllen, und ihr Kapitalstock soll deshalb von 34,4 auf 99,4 Millionen Mark erhöht werden. Die Rapitalfonzentration ist also tatsächlich das hervorstechendſte Werkmal unseres Bankwesens. Gleichzeitig mit dieser Vermehrung des Aktienkapitals mac sich ein entschiedener Rückgang der Mittel- und Kleinbanken geltend. Die Institute in den Provinzstädten sind allmählich von größeren Unternehmungen aufgesogen worden und nun wandeln auch diese zum Teil den Weg alles Irdischen, indem sie von den Großbanken verschlungen werden. So wir die Berliner Bank von der Deutschen Bank aufgekauft, die ehedem so angesehene Genossenschaftsbank, sowie das Bankhaus Erlanger und Söhne in Frankfurt am Main gehen in der Dresdener Bank auf. Dieser Prozeß mußte mit Naturnotwendigkeit erfolgen, weil die Kleinund Mittelbanken nicht mehr imstande waren, mit den Großbanken bei der Finanzierung von Industrieanlagen gleichen Schritt zu halten. Für die aussichtsvollen Gründungen vermochten diese die besseren Bedingungen zu bieten, und die Industriegeschäfte, die den kleinen neidlos überlassen wurden, waren in der Regel, wie sich bei den Geschäftserfolgen der Berliner Bank und der Genossenschaftsbank zeigt, minderwertiger Natur. Durch diese Entwickelung werden vor allen Dingen die Kurse aller Werte, von den Staatspapieren angefangen, bis zu den kleinsten Industriepapieren vollständig abhängig von wenigen Großbanken, oder, da diese ja auch meist einheitlich von einem einzigen Manne dirigiert werden, von einer ganz geringen Zahl von Strategen des Effektenmarktes. Darin liegt selbst für unsere staatlichen Wertpapiere eine unverkennbare Gefahr, die von der preußischen Regierung voll gewürdigt und auch mit staatlichen Maßnahmen und zwar insbesondere mit der besseren Kapitalausstattung der Seehandlung, sowie auch mit neuen Vorschriften für die Sparfassen bekämpft werden soll. Danach sollen die Sparkassen gezwungen werden, um einen Teil der staatlichen Wertpapiere dem freien Verkehr zu entziehen, einen bestimmten Prozentsatz ihres Vermögens in staatlichen Wertpapieren anzulegen. Noch deutlicher aber wird sich die neuere Entwickelung bei dem mittleren Gewerbestand fühlbar machen, dem allmählich jeder finanzielle Rückhalt verloren geht. Durch nichts kann diese Tatsache besser illustriert werden, als durch das bevorstehende Erlöschen der Genossenschaftsbank und der Berliner Bank, die beide die bestimmte Aufgabe hatten, als Finanz- und Kreditinstitute für den mittleren Gewerbestand zu fungieren. Diese Kapitalfonzentration wird unbedingt unserer Exportindustrie wesentliche Dienste leisten, dagegen wird denjenigen Unternehmungen, die den inneren Markt versorgen, in der Uebergangsperiode die Rückendeckung fehlen. Dieser sozialen Gefahr kann nur dadurch vorgebeuat werden. daß in dem neuaevlanten Svar= kassenstatut die Aufgabe einer Pflege des lokalen Kredites noch schärfer betont wird, außerdem muß die Schaffung von Genossenschaftsbanken mehr als seither ins Auge gefaßt werden. Die Aussichten dafür sind nicht ungünstig, wenn diese Banken es verstehen, das mobile Kapital durch Erhöhung des täglichen Zinssatzes für Depots an sich heranzuziehen und wenn vor allen Dingen die Geschäftswelt mittleren und fleineren Stiles sich nach englischem und amerikanischem Muster mehr als seither zum Schecksystem entschließt. Der Herero- Hufftand. Aus dem Aufstandsgebiet liegt neuerdings nur eine wenig besagende amtliche Meldung vor: Die Kolonne Zülow hat am Mittwoch Okowoknatjiwan- südöstlich Waterberg -erreicht. Die zwölfte Kompagnie ist mit der Säulerung der Gegend um kombahenordwestlich von Karibib beschäftigt. Bedeutsamer wie diese Meldungen ist ein nachträglich eingegangener Bericht des Führers der 1. Kompagnie der Kolonne Glasenapp, des Hauptmanns Fischel, über das Gefecht bei Okaharui. Wir entnehmen der Schilderung des Hauptmanns, dessen Kompagnie in diesem schweren Gefecht die Hauptarbeit getan, folgende allgemeine Mitteilungen: Das Hauptgefecht war zu Ende. Nachdem die Artillerie auf Befehl des Detachementsführers eine zeitlang gewirkt, gingen beide Kompagnien mit aufgepflanztem Seitengewehr zum Sturm vor. Der Gegner nahm aber den Sturm nicht an und ging zurück. Die Verfolgung wurde etwa 7 Kilometer am Wege entlang fortgesetzt. Danach ging das Detachement mit den aufgefundenen Toten, die von den Herero alle vollständig nadt ausgezogen und der Kleider und Waffen beraubt waren, auf die Höhe zurück und bezog hier Biwak für die nächste Nacht. Leutnant der Reserve Nörr wurde mit durchschnittener Kehle aufgefun= den; einigen Leichen war der Schädel mit dem Kiri eingeschlagen. Die Herero machen nämlich keine Gefangenen, sondern sie lassen den Schützen einige Leute mit Kiris ( Keulen) folgen, um den Verwundeten und Gefangenen den Schädel einzuschlagen. Und diesem Gesindel soll, so verlangen Humanitätsdusler in Deutschland, von unseren Soldaten Pardon gegeben werden! Weiter urteilt Hauptmann Fischel über seine Leute: Die Mannschaften in der Kompagnie haben in der schwierigen Lage, in der sie sich befanden, vollauf ihre Schuldigkeit getan. Unteroffizier Fritsche war bei Leutnant Hildebrandt und verließ die Schüßenlinie nicht, obwohl er einen schweren Schuß im linken Arm hatte, er feuerte vielmehr mit dem rechten Arm weiter, indem er sein Gewehr auf einen Buschaft legte; erst auf ausdrücklichen Befehl von Leutnant Hildebrandt und mir ging er zurück. In ähnlicher Weise tat sich Unteroffizier Lungwit( Sachse) hervor; er erhielt einen Schuß in den linken Fuß, trotzdem hielt er als Führer des linken Seitenschutes tapfer bis ans Ende aus, ebenso wie Leutnant Hildebrandt und Unteroffizier Fritsche den Leuten ein vorzügliches Beispiel von Tapferkeit gebend. Leutnant Hildebrandt hat vier Schüsse erhalten, in den Hut, in die Feldflasche, in den rechten Aermel und in das linke Achselstück; er hat nur an der Achsel eine unbedeutende Kontusion. Erwähnt sei noch, daß die Kolonne Glasenapp in diesem Gefecht an Toten 1 Offizier, 3 Unteroffiziere und 28 Mann hatte, verwundet wurden 1 Offizier, 2 Unteroffiziere und 9 Mann. Vom Gegner wurden im ganzen 42 tote Herero gefunden, es war aber aus den zahlreichen Blutlachen zu schließen, daß die Verluste weit größer waren. Der Krieg in Oftalien. Wenn man soeben eingetroffenen Berichten aus russischer Quelle Glauben schenken darf, hat die japanische Flotte wieder einen schweren Schlag erlitten und zwei große Schiffe berloren. Bei der Beschießung Port Arthurs sollen zwei japanische Kriegsschiffe gesunken sein. Nach Aussagen von in Tschifu eingetroffenen Russen hätte sich der Vorgang folgendermaßen abgespielt: Die japanische Flotte beschoß am letzten Montag heftig Port Arthur und suchte augenscheinlich den Eingang zu forcieren. Dabei stießen der große Kreuzer Asama" und das Linienschiff„ Schifischima" auf unterseeische Minen. „ Schikischima" sank sofort nach der Detonation in kaum zwei Minuten weg, und von seiner Mannschaft soll fast niemand gerettet worden sein. Der Kreuzer„ Asama" dagegen hielt sich noch einige Zeit. Man versuchte ihn fortzubugsieren, aber die Beschädigungen erwiesen sich doch zu groß. Auch der„ Asama" sank, doch wurde seine Besatzung geborgen. Eine offizielle Bestätigung dieser Nachricht steht noch aus, und so lange diese nicht eingegangen ist, bleibt berechtigter Zweifel offen. Allerdings behaupten die in Tschifu eingetroffenen Russen, von denen die Nachricht stammt, daß sie sie vom Hafenkommandanten in Dalny erhalten hätten. Sollte sich die Meldung bewahrheiten, so würden die Japaner jetzt ebenso vom Mißgeschick verfolgt wie anfangs die Russen. An ihrer Ueberlegenheit zur See wird selbstverständlich durch diese neue Schlappe nicht das Geringste geändert. Die Hafeneinfahrt von Port Arthur frei. Aus derselben Quelle, wie die obige Nachricht, stammt auch die Behauptung, daß die Hafeneinfahrt von Port Arthur wieder frei ist. Sie wäre tatsächlich durch einen der von den Japanern versenkten Dampfer gesperrt gewesen, doch sei das Hindernis aus dem Wege geräumt. Allerdings sei es noch immer gefährlich, die Passage zu benutzen. Russische Torpedoboote seien aus dem Hafen gegangen, als am Montag die japanische Flotte ihr Feuer eröffnet habe. Als aber dann große japanische Verstärkungen eintrafen, mußten sie sich zurückziehen. In Petersburg hält man es für sehr wahrscheinlich, daß einige russische Torpedojäger aus Port Arthur entschlüpft wären. Japanische Kanonenboote und Torpedoboote hätten den ganzen lezten Sonntag zwischen den Inseln Suche gehalten. Wie aus dem amtlichen Bericht über die Landung der zweiten japanischen Armee bei Port Adams hervorgeht, fand zwischen Chichaton und Chulischan ein heftiges Gefecht mit den Russen statt. Diese hatten in Stärke von vier Bataillonen mit acht Kanonen eine Hügelreihe besetzt. Die Verluste der Japaner betrugen 146 Tote und Verwundete. Infolge Bodenaufweichung ist in der Nähe von Mukden ein Militärzug der mandschurischen Eisenbahn entgleist. 30 Soldaten tamen dabei ums Leben. Die allgemeine Kriegslage. Wie schon wiederholt betont, ist es sehr schwer, ja fast unmöglich, sich aus den vorliegenden Telegrammen ein flares Bild über den Vormarsch der Japaner und damit über die allgemeine Kriegslage zu machen. Die japanische Heeresleitung kargt naturgemäß mit ausführlichen Nachrichten, die dem Feinde irgend etwas ihm bisher Unbekanntes verraten könnten, und auch den spärlichen amtlichen Berichten ist, da sie in Tokio sorgfältig ad usum der Kriegsberichterstatter und der Russen durchredigiert werden, recht wenig zu trauen. Von diesen Erwägungen geleitet, gibt unser-Mitarbeiter nachstehend eine eingehende Beschreibung der japanischen Operationen im Kriege gegen China 1894, die sich in denselben Gegenden abspielten, wie der jezige Krieg, und deshalb ohne Zweifel wohl geeignet sind, einen Maßstab für die jetzigen Operationen abzugeben. Mutatis mutandis natürlich, wie das unser Mitarbeiter in seiner nachfolgenden Darstellung auch auseinanderſeßt. Nach der bekannten großen Seeschlacht am Jalu am 17. September 1904 so schreibt er machten sich die Japaner zu tatsächlichen Herren von ganz Korea und der foreanis en Bai. Die Konzentrierung ihrer Armee am Jalu dauerte aber noch bis zum 25. Oktober. Während dieser ganzen Zeit manövrierte die japanische Eskadre genau so wie zu Anfang des jezigen Krieges im Golfe von Petschili unter fortwährenden fingierten Landungsversuchen bei Port Arthur, Talienwan, Taku und Weihaiwei. Am 25. Oktober überschritt die Vorhut der Japaner auf Booten den Jalu und errichtete in der Nacht eine Pontonbrücke, über die die Hauptarmee zog. Nach dreistündigem Kampfe waren die Chinesen aufs Haupt geschlagen, und die Reste ihrer Armee zogen sich fluchtartig nach Mukden zurück. Am selben Tage war eine Armee unter Kommando des Marschalls Oyama, 18 000 Mann stark, gegenüber den Eliotinseln im Hinterlande von Port Arthur ohne allen Widerstand ausgeschifft worden, doch auch diese Armee konnte erst am 19. November nach einer Reihe kleiner Gefechte den Hauptangriff auf Port Arthur beginnen. Die Art der Eroberung dieser Festung war eine Episode, die sich einem europäischen Gegner gegenüber unmöglich wiederholen kann. Unter Berücksichtigung der moralischen Qualitäten der chinesischen Armee beschloß Oyama, die schon damals sehr starfe Festung mit Sturm zu nehmen. Nach zweistündiger Artilleriebeschießung warf der japanische General durch geschickte Manöver seine Infanterie zu einem Angriffe der nächsten Forts von rückwärts, und kaum daß sich die Japaner in einer einzigen Redoute befanden, brach unter den 15 000 Chinesen der Festung eine förmliche Panik aus. Sie verließen ein Fort nach dem anderen und flüchteten auf die im Hafen vorbereiteten Dschunken. Tags darauf war die Festung vollständig in der Hand der Japaner, die am 26. November von Port Arthur mit Zurücklassung einer schwachen Besatzung abrückten, um nach Norden zur Unterstützung der ersten Armee zu gehen. Das gebirgige Terrain und der schlechte Zustand der Straßen zwang sie, in zwei getrennten Kolonnen zu marschieren. Erst am 12. Dezember erreichte die erste japanische Armee Haitscheng, wo der chinesische General Sun mit 5000 Mann ſtand. Von der reichen Großmütterchen die Tangen Ferien verlebte. denen Vaters. Es gehörte damals einem entfernten Verwandten des dahingeschie Unser Reisender wäre dort am liebsten aus* 24 betreten und in ienem an ihrem Sarge fauern! Aber sie starb jung und Selbst der Tod hatte es nicht vermocht, das Rot dieſer füß den e sinter faidigen Locken zu Jetzt würde der gereifte Mann winselnd und hön aefchwungenen Lippen, Bald tu, was du kannst, heute noch, was du sollst. Was du Gutes getan hast, vergik, und tu etwas Bess'res. I liebter ihre Ohren umschmeichelt hätte. sanfte Worte zu flüstern, mit denen er so gern wie ein Verdie immer knarrte und nie dazu gebracht werden konnte, Ueberschreitung des Jalu bis zur Erreichung von Haitscheng bergingen anderthalb Monate. während welcher die Totalmarschleistung der Japaner kaum 190 Kilometer betrug. General Sun war der erste chinesische Befehlshaber, der dem Gegner energischen Widerstand bot und der sich nach verlorener Schlacht in voller Ordnung zurückziehen konnte, unverfolgt von den erschöpften Japanern. Die von Port Arthur marschierende zweite japanische Armee kam mit ihrem Vortrab erst am 10. Januar in Berührung mit der vom Jalu angerückten ersten Armee. Beide Armeen zusammen waren durch den aufreibenden Dienst und von Krankheiten auf einen Gesamtstand von kaum 32 000 Mann reduziert, während General Sun 60 000 Mann zur Verfügung hatte, um Inkau und Niutschwang zu verteidigen. Die Japaner hielten sich daher zunächst vollständig in der Defensive, und erst die Eroberung von Weihaiwei durch die Flotte erweckte eine solche Begeisterung in ihren Reihen, daß sie trotz des Mißverhältnisses der Kräfte eine ganze Reihe energischer Attacken auf Inkau und Niutschwang unternahmen. Nahezu die ganze chinesische Artillerie fiel troß ihres ausgezeichneten Materials infolge der ganz unglaublichen Inferiorität ihrer Be= dienungsmannschaften in die Hände der Javaner. Der erbitterte Widerstand der chinesischen Infanterie vermochte die Armee schließlich nicht davor zu schüßen, daß sie ganz aus ihrem Gefüge ging, und als eine Bande von Marodeurs vor dem japanischen Geschütz- und Gewehrfeuer die Flucht ergriff. Der ganze Verlauf des Feldzuges zeigte, daß trotz aller Erleichterung der Aufgaben der Japaner durch die schlechte Organisation der Chinesen und die strategische Unfähigkeit der gegnerischen Führer der Krieg auf dem koreanischen und mandschurischen Schauplatze zu den schwersten militärischen Unternehmungen gehört. Im Verlaufe eines halben Jahres hatte die japanische Armee 18 000 Marode und nur 900 Tote und 1500 Verwundete. Die Durchschnittsmarschleistung eines Tages überschritt nirgends zehn Kilometer. Im jebigen Kriege ist der Gegner ein anderer, und es haben sich auch die strategischen Ziele zum Teile verschoben. Eine wirklich erfolgreiche japanische Aktion in der Mandschurri müßte über Mukden bis Charbin hinausgreifen. Ueberdies muß stark ins Gewicht fallen, daß die klimatischen Verhältnisse des jeßigen Anfangsstadiums des Krieges für die Japaner noch ungünstiger sind, als vor zehn Jahren. Man wird sich deshalb nicht zu wundern brauchen, wenn die Operationen sich sehr in die Länge ziehen. Die Politik. Englische Blätter, die sich gern mit Beziehungen thres Korrespondenten zu den deutschen amtlichen Stellen brüsten, wissen jetzt zu berichten, der Rücktritt des Grafen Bülow sei endgültig entschieden, würde aber erst im Herbst nach der Beratung der Kanalvorlage erfolgen. Der Nachfolger des Kanzlers sei bereits erwählt. Wir stellen demgegenüber auf Grund einer besonderen Information unseres Berliner Berliner CB- Mitarbeiters fest, daß diese ganze Geschichte von Anfang bis zu Ende erfunden ist. Die nächste Berufs- und Gewerbezählung wird nicht, mie ursprünglich geplant war, im Jahre 1905, sondern erst im Jahre 1907 erfolgen. Die inzwischen eingeleiteten Vorarbeiten für die Zählung werden natürlich fortgesetzt. Der vielfach angestrebte Zusammenschluß der bürgerlichen Parteien wider die Sozialdemokratie scheint in Lübeck zur Tatsache zu werden. Dort haben die Nationalliberalen, die freisinnige Vereinigung und der Bund der Landwirte eine solche Vereinigung geschlossen, der Anschluß der freijinnigen Volkspartei wird erwartet. England. Das Kabinet Balfour hat im englischen Unterhause einen vorläufigen Sieg in der Zollfrage davongetragen: Nach langer und lebhafter Debatte wurde ein gegen die Schutzzollpolitik des Ministeriums gerichteter Antrag mit 55 Stimmen Mehrheit abgelehnt. Herrn Chamberlains Weizen blüht, wie man sieht. Und Herr Chamberlain wird seinen Weizen ohne alle Frage in die Scheuer bringen. ** Hof und Gefellschaft. Der Kaiser wird am Dienstag, 24. d. Mts., zum Jagdbesuch beim Fürsten zu Dohna- Schlobitten eintreffen. Von dort begibt er sich nach Danzig zum Stapellauf des neuen Linienschiffs„ M". Zu den diesjährigen Kaisermanövern ist vom Kaiser. König Alfons von Spanien eingeladen worden und hat die Einladung angenommen. * * Großfürst Kyrill von Rußland soll die Einwilligung des Baren zur Heirat mit der geschiedenen Großherzogin von Hessen nunmehr erhalten haben. Die Großherzogin verzichtet auf jede Apanage seitens des Großherzogs. Hus den Parlamenten. Meine Zirkel überzeugter Spiritisten, der sich am Barenhofe zusammengefunden hat, bealeitet den Zaren überall hin; auch auf der jüngsten Inspektionsreise, die den nach Ostasien abgehenden Truppen galt, fanden täglich spiritistische Situngen statt. Und was ihm in diesen Sizungen suggeriert wird, ist wohl geeignet, den von Natur scheuen und ängstlichen Monarchen noch schwermütiger zu machen. Vor einigen Wochen war's, da tauchte am Zarenhofe eine mysteriöse Persönlichkeit auf, eine Dame aus der Pariser Gesellschaft, die als Verwandte eines russischen Generals Zutritt bei Hofe fand. Sie war bald der Mittelpunkt der spiritistischen Kreise des Hofes und das gegebene Medium für die Séancen. Eines schönen Tages eröffnete sie im„ Trance", dem Reußenbeherrscher, ein Attentat auf ihn sei, so sagten ihr die Geister, im Werke. Aber sie konnte den erschrockenen Herrscher trösten: Das Attentat sollte, so versicherte sie, glücklich vereitelt werden. Der sächsische Landtag ist gestern mit einer feierlichen Thronrede geschlossen worden. In der Thronrede wird u. a. bemerkt, daß die Regierung sich vorbehielte, neue Vorschläge bez. der Aenderung des Wahlrechts zu machen. Dunkle Gewalten. Der Zufall wollte es, daß sich wenige Tage später ein Vorfall ereignete, in dem der Zar die Bestätigung der Prophezeiung erblicken mußte. Am 28. April alten Stils ( also am 11. Mai westlicher Zeitrechnung) fand vor den Toren der Hauptstadt, auf dem Marsfelde, die große Frühjahrsparade der Petersburger Garnison vor dem Zaren statt. Der Bar hält bei dieser Parade regelmäßig mit seiner Suite vor den auf dem Paradefeld errichteten Logen, die nur der Hofwelt und der haute volée der Residenz zugänglich sind: die Plätze werden vom Hausministerium nur an ihm genau bekannte Personen vergeben. Nun befand sich in einer dieser Logen in unmittelbarer Nähe des Zaren die Tochter des bedeutendsten Irrenarztes Rußlands, des Professors Mereschkowski, eine Studentin. Sie war, ohne daß irgendwer es wußte, Mitglied der Nihilistenpartei und ausersehen worden, ein Bombenattentat auf den 3aren zu verüben. Ihr aufgeregtes Wesen fiel auf, und kurz vor dem Eintreffen des Zaren entschloß sich die Geheimpolizei, sie vom Fleck weg zu verhaften. Man fand bei ihr eine sehr gut konstruierte, äußerst gefährliche Sprengbombe. Sie leugnete keinen Augenblick, den Mordanschlag auf den 3aren geplant zu haben. Nikolaus II., dem der Vorgang erst nach der Parade mitgeteilt wurde, erschrak heftig, und ein Nervenchoc war die Folge dieser Erregung. Petersburg, 18. Mai. Morgen, am 6. Mai alten Stils, tritt der Selbstherrscher aller Reußen in sein 37. Lebensjahr. Es ist ein trauriger Geburtstag, den Zar Nikolaus diesmal feiert: Die Hiobsposten aus dem fernen Osten haben die empfindliche Konstitution des kränklichen Monarchen hart mitgenommen, und dazu sind in den letzten Tagen noch andere niederdrückende Eindrücke auf das Gemüt des ohnehin zu Schwermut und Schwarzseherei neigenden Herrschers getreten, die seine Gesundheit ernstlich erschüttert haben. Deffentlich darf's ja niemand sagen, im geheimen aber raunt man sich nicht nur in den wissenden Hoffreisen, sondern auch in den breiten Schichten der Residenz die Kunde zu: Des 3aren Leben ist in Gefahr. Bar Nikolaus lebt seit einiger Zeit in beständiger Todesfurcht. Es ist ein öffentliches Geheimnis, daß Nikolaus II. überzeugter Spiritist ist. Nicht nur wenn er in Zarskoje Sselo oder hier im Winterpalast weilt, auch auf seinen Reisen nimmt er fast täglich an einer..Séance" teil. Der Von diesem Schrecken hat sich der Zar noch immer nicht erholt, und seine Aerzte verhehlen im vertrauten Kreise nicht, daß nicht nur die seelische Gesundheit, sondern auch das Leben des Zaren schwer gefährdet sei. Die Niedergeschlagenheit des Baren nimmt von Tag zu Tag eher zu als ab, und es gibt am Zarenhofe Leute, die der Ueberzeugung sind, den Krieg mit Japan, den Nikolaus II. begonnen, werde ein anderer Zar beenden. Ist dem wirklich so, dann dankt Nikolaus II. sein frühes Ende demselben Volke, dessen Krieger jetzt in der Mandschurei den Söhnen Rußlands Tod und Verderben zu bringen sich mühen: Der Schwertstreich des japanischen Fanatikers, den der Zar als Thronfolger Nikolai Alerandrowitsch vor Jahren in Yokohama erhielt, ist die letzte Ursache seiner Schwermut und auch seiner geringen förperlichen Widerstandsfähigkeit... Heer und flotte. Eine Verjüngung unserer Admiralität soll, wie in gut unterrichteten Kreisen verlautet, beabsichtigt sein. Für die nächste Zeit sind in den Flaggoffiziersstellen eine Reihe von Personalveränderungen und Verabschiedungen zu erwarten, welch letztere aus dem Grunde auch eintreten müssen, als sich sowohl in den Vize- als auch Konteradmiralstellen über den Etat hinausgehende Flaggoffiziere befinden. Die am 27. Januar d. J. beförderten Vizeadmirale Frize, Chef des 2. Geschwaders, und v. Prittwizz und Gaffron, Chef des Kreuzergeschwaders, sowie die am gleichen Tage beförderten Konteradmirale Zeye, Inspekteur des Torpedowesens, Wüllers, Vorstand der Nautischen Abteilung des Reichsmarineamts, v. Holzendorff, zweiter Admiral beim Kreuzergeschwader, und Scheder, Inspekteur der 2. Marineinspektion in Wilhelmshaven, sind heute noch sämtlich außeretatsmäßig. Zunächst wird gemeldet, daß aus dem aktiven Frontdienst unserer Flotte zu scheiden beabsichtigen: der langjährige Vorstand der Waffenabteilung des Reichsmarineamts Vizeadmiral Sack, der zur Verfügung des Kaisers stehende Vizeadmiral Geißler und die beiden charakterisierten Konteradmirale Hofmeier, Kommandant von Helgoland, und Siegel, Marineattachee in Paris. Bereits vier charakterisierte Konteradmirale( Westphal, Blachte, Meyer und Stein) haben im Laufe der ersten Monate d. Js. ihren Abschied erhalten. Vermischtes. A[ 0+ 0= 0.] Die gestrige Nummer des Altkircher Freisblattes" enthält nachstehende Anzeige:„ Hirsingen sucht tüchtigen Mann zum Aufziehen der Turmuhr. Lohn: junächst keiner, später bei guten Leistungen verdoppelt." Das erinnert an eine bekannte Anekdote vom alten Wrangel: Eine Militärkapelle brachte am Neujahrstage dem Feldmarschall ein Ständchen. Der alte Herr dankte dem Kapellmeister, lupfte seinen Geldbeutel und fragte:„ Was habe ich ben Leuten denn voriges Jahr gegeben?"" Exzellenz haben bisher nichts gegeben," meinte der Kapellmeister verlegen. ,, Nun, dann wollen wir diesen Satz auch ferner beibehalten!" sagte befriedigt der Feldmarschall. Nab und Fern. Die Kieler Woche wird diesmal durch die Zusammen. funft Kaiser Wilhelms mit König Eduard von England ein besonders festliches Gepräge erhalten. König Eduard wird an Bord seiner Jacht Viktoria und Albert", die von zwei englischen Kreuzern begleitet wird, eintreffen. Die ganze deutsche Flotte, soweit sie im Dienste ist, wird sich zur Kieler Woche im Kriegshafen vereinigen. Dazu kommen etwa 100 große und kleine Segeljachten, unter denen sich viele fremd. ländische befinden dürften. Zu den üblichen See- und Hafenregatten treten wieder die Wettfahrten der internationalen Sonderklasse und in diesem Jahre zum erstenmal die Motorboot- Regatten, die von jetzt ab wohl eine ständige Einrichtung werden. Zu den Wettfahrten gingen im vorigen Jahre über 500 Meldungen ein; diesmal wird die Zahl 600 sicher überschritten werden. Besonders interessant ist die Tatsache, daß die Hamburg- Amerika- Linie ihren großen Postdampfer „ Graf Waldersee" als Hotel- Schiff nach Kiel sendet, um den eintreffenden Fremden Wohnung und Verpflegung an Bord zu bieten. Das elegante schwimmende Hotel wird in der Nähe der Jacht„ Hohenzollern" einen Ankerplaz erhalten. [ Eine regelrechte Eierschlacht] entspann sich dieser Tage auf dem Heiligengeiſtwall in Oldenburg zwischen zwei Bauersfrauen aus Bürgerfelde, die ihren Eiervorrat zum Verkauf nach dem Markte bringen wollten. Um einer geringfügigen Sache willen gerieten sie in Wortwechsel, der schließlich derartig heftig wurde, daß beide zu den Eiern griffen und sich damit gegenseitig bombardierten. Zahlreiche Zuschauer verfolgten mit Interesse diesen ungewohnten Kampf. Erst als beide Körbe geleert waren, fand die Schlacht ein Ende; die Kämpferinnen boten einen recht erbaulichen Anblick. [ Das Mausoleum des Almosenempfängers.] In einem öffentlichen Krankenhause in Newyork starb kürzlich ein Almoſenempfänger namens Robert Johnston, der in einem Mausoleum beerdigt wurde, das 800 000 kronen kostete. Johnston war früher ein reicher Geschäftsmann, der an der Spitze eines der größten Warenhäuser in Newyork stand. Er besaß ein prächtiges Landhaus mit wertvollen Kunstschätzen. Seine Geschäfte gingen dann aber schlecht, und als eines Atends sein Haus mit allen Bildwerken und Bildern bis auf den Grund niederbrannte, verlor der unglückliche Besitzer den Verstand. Das Mausoleum war schon im Jahre 1873 aus massiven Granitblöcken erbaut worden und bildet meilenweit in der Runde einen Markstein. Das große Los der königlichen preußischen KlassenLotterie wurde in der gestrigen Vormittags- Ziehung gezogen. Dieser Hauptgewinn von 500 000 Mark fiel auf die Num. mer 6835. Wer die glücklichen Gewinner sind, ist z. Zt. noch nicht bekannt. Ein gefährlicher Bettler wurde in Elberfeld verhaftet. Als der Polizeibeamte wegen Vettelns Hand an ihn legen wollte, ergriff er die Flucht, und als sich ihm dann ein junger Mann in den Weg stellte, zog der Vagabund einen Revolver und schoß seinen Gegner ohne weiteres über den Haufen. Der Unglückliche war sofort tot. Ein Polizist, der den Verbrecher aufhalten wollte, wurde von ihm durch drei Revolverschüsse schwer verletzt. Dann gelang es aber, den Unhold zu ver aften. Ein Dorf durch Feuer vernichtet. Wie aus Lemberg berichtet wird, wurde fast das ganze galizische Dorf Delatyn durch einen großen Brand zerstört. Ueber 200 Häuser liegen in Schutt und Asche. Fünfhundert Personen sind obdachlos. Kindermoden. Die 90 Von eine Sm preußis der Schußbe anderem au faffen in ein durch das anzufaufen. inchr die Ba cinen jejten der neuen toerben muß haben. Cs taffädlich im Finansministe Maßregel all Bislang feier Gelder in H feien und di Arieges fehr Aus diejem als heute fi verkauft od ( Von unserer ständigen Korrespondentin.) Will man von der Kinder mode sprechen, sollte man eigentlich nur von dem Anzuge der Londoner Kinder erzählen, Wer diese blondgelockten Geschöpfchen einmal gesehen hat, bergißt ihren Anblick nicht mehr. Sie tragen meistens weiße Kleidchen aus dünnen, feinen Gespinnsten, mit Spigen und Säumen garniert, ausgeschnitten oder mit Schulterfragen. Die kleinen Prinzeßchen haben nichts Buntes an sich; zu weißen Kleidern werden ihnen weiße Schärpen umgelegt, weiße Schleifchen in die Haare gebunden, weiße Strümpfchen und Schühchen angezogen, weiße Unterkleider schimmern unter den durchbrochenen Oberkleidern hindurch, und ein champagnerfarbenes Tuchmäntelchen wird ihnen umgehängt. Ein großer Hut mit weißen Federn sitzt auf ihrem Köpfchen. Man sieht kleine Mädchen in Weiß, in Blau, in Rosa gekleidet, selten, ganz ausnahmsweise ein Kind in weißem Kleide mit blauer Schärpe. Das finden die Engländerinnen zu geputzt, wie sie den Kindern verhältnismäßig selten Schärpen umwinden. Und man sollte nun erst die ganz kleinen Kinder in ihren Wagen sehen! Das ist höchster Lurus! Die Kinderwagen haben weiße, mit Spigen umrandete Sonnendächer, sind meistens aus hellem Leder hergestellt, weiße Seidenfelle dienen als Decken, und ein Kindermädchen, das wahrlich zum Verlieben aussieht, schiebt das leichte Gestell. Die ,, nurse" trägt ein kurzes, weißes Pique. fleid und einen fleinen schwarzen Kapothut, welcher dem Gesichtchen mit dem blonden Haar sehr gut steht. Neben dem Kindermädchen schreitet ein Knabe einher mit einem Matrosenanzug und langen Beinkleidern angetan, der trotz leiner fünf Jahre die Haltung und Bewegung eines kleinen Herrn hat, erfreulicherweise aber doch nichts anderes, als ein glückliches, heiteres Kind ist. In England legen die Mütter sich Opfer auf, um ihre Kinder lururiös zu kleiden. Bei uns herrschen Gottseidant andere Prinzipien. Auch bei uns denkt jede Mutter darauf, ihr Kind niedlich, sauber und geschmackvoll auszustatten, aber der Anzug soll einfach und schlicht sein. Für Tragekinder find wieder die langen Kleider beliebt. Sie waren eine Zeit lang durch die kurzen verdrängt worden, aber nur für eine kurze Frist. Die Häubchen, welche größere und klen.ere Mädchen tragen, werden anstatt mit Bandschleifen mit kleinen Tuffs aus Vergißmeinnicht oder Rosenknöspchen an den Seiten geschmückt. Für Kinder nimmt man stets zum Auspuh der Hüte kleine Blüten. Große weiße Florentiner werden mit Schleifen aus weißem Seidenstoff und mit Büschel Gänseblümchen garniert. Ein ziemlich großer gelblicher Strohhut kann mit mattrosa und mattblau Seidenstoffschleifen verziert werden und mit kleinen Sträußen Vergißmeinnicht, die aus grünen Blättern herausschauen. Wie im Winter die Taffethüte bevorzugt wurden, liebt man im Sommer Battisthüte mit hohem breiten Kopf und Volants. Zehnjährige Mädchen tragen Capelinen aus Stroh mit Tausendschönchen geschmückt und mit breiten Bindebändern versehen. Die Kinder werden in diesem Jahre sehr kurz angezogen. Das Kleid besteht aus einer langen Taille und einem kurzen Volant. Das Volant ist mit einer weichen Schärpe abgebunden. Die Schultern deckt ein großer Kragen. Mit dem Hänger ist es leider ganz vorbei. Ein in Falten gelegtes Kachemirkleidchen wird mit einem Volant aus englischer Stickerei besetzt und mit einer Schärpe aus weißer Libertyseide umspannt. Die kleinen Aermel sind oben in Falten gelegt, bilden dann einen Buff und haben eine Manschette aus englischer Stickerei. Roter Voile, blaue Serge, pastellblaues Tuch wird viel für die Toiletten der kleinen Damen verarbeitet. Auch die Knaben tragen jetzt Anzüge aus roter Serge. Die Bluse wird von einem faltigen Gürtel gehalten. Der Kragen und die Aermelaufschläge bestehen aus weißem Nansock und sind mit Stickerei umrandet. Die Kleinen tragen noch immer Wadenstrümpfe, helle, gestreifte und karrierte. Der Halbschuh scheint sich jetzt vollständig für die Mädchen einbürgern zu wollen. Wenn man sich beim Ankleiden und Beschaffen der Kleiber auch gar nicht um die Mode kümmert, sollte man doch nie bergessen, daß mit Hilfe des Anzuges der Farbensinn und Geschmack der Kinder entwickelt wird. Es gibt so manches Mädthen, das eine zum Kleide in der Farbe nicht passende Schleife verstimmt. Man sollte das nicht für Unart halten, sondern das Farbengefühl einer fein empfindenden Kinderseele. Emma Reichen. Diefe B man fich di bald die daß die Sp und leicht baben fie a im Kurs, Bejtimmung fonders gli Sparinstitu Böfifchen S großen Ha folche Uebe janten un eintrat. berfchärft, Leil ihres mögens be fidh Engla Einlagen Rententite Höchstjum beschränkte art, daß mußte, un Sparfaijer Aus d dringende gefeggebu der Spa fellen au würden, gemeinfa Kapitalbi fich also i imd dem dendenübe Statuten I sich die S ficheren lot bersönliche legung ei allerdings oder, mit Voltsschi helfen, der erw Man wi können, herauszu Bfi zwei we Wettftre erwacher Bruft b zum Lief durch di nicht zu dantet d allerweg desselben Bürger wärtigen feiertagen Wettftreit herzlid heraus, da den Sang Gießen. Turnern 20 Hier findet. ** Bießen a. M. 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Neben mit einem , der trob es fleinen deres, als , um ihre Sottjeidant ter darau, tatten, aber Tragetinder en eine Zeit ur für eine and flen.ere mit kleinen an den Sei um Auspu iner werden mit Büfchel r gelblicher Seidenstoff Ben Vergiz n. Wie im ebt man im nd Bolants. Stroh mit ndebandern urz angeund einem Schärpe Jen. Mit Falten ge aus eng us weißer oben in eine Mon Tue Serge, Der fleinen pt Anzüge gen Gürtel ge bestehen andet. Die e, gestreifte bollständig In der Klei an doch nie in und Ge nches Mäd de Schleife n, sondern linderfeele. eichen, Die Hufgaben der Sparkaffen. Von einem Sparkassenfachmann wird uns geschrieben: Sm preußischen Abgeordnetenhause ist bei der Erörterung der Schußbestimmungen für die Staatsrentenpapiere unter anderem auch der Vorschlag gemacht worden, daß die Spartassen in einem höheren Maße, als es seither der Fall war, durch das Gesetz verpflichtet werden sollen, Staatspapiere anzukaufen. Dadurch würde allerdings der Staat, oder vielmchr die Vankengruppe, welche die neuen Anleihen ausgibt, cinen festen Stamm von Abnehmern haben und den Betrag der neuen Papiere, wie ihn die Sparkassen gesetzmäßig erirerben müßten, nicht bei dem Publikum unterzubringen haben. Es fragt sich indes, ob eine derartige Maßnahme tatsächlich im Interesse der Sparkassen liegt. Der preußische Finanzminister Freiherr v. Rheinbaben rechtfertigte diese Maßregel allerdings mit der Rücksicht auf etwaige Krisen. Bislang seien die Sparkassen lediglich darauf bedacht, ihre Gelder in Hypotheken anzulegen, die nicht leicht realisierbar seien und die im Falle von wirtschaftlichen Krisen oder eines Krieges sehr leicht Vermögensverluste herbeiführen könnten. Aus diesem Grunde sei es notwendig, daß ein höherer Betrag als heute für Inhaberpapiere angelegt werde, die dann leicht verkauft oder beliehen werden können. Diese Beweisführung ist scheinbar einleuchtend, aber wenn man sich die Sachlage etwas näher ansieht, wird man auch bald die Schattenseite dieses Vorschlags entdecken. Dafür, daß die Sparkassen ihre festgelegten Hypotheken einschränken, und leicht realisierbare und zinstragende Depots erwerben, haben sie alle Schicksale dieser Papiere, das Auf und Nieder im Kurs, mitzutragen. Frankreich hat jedenfalls mit dieser Bestimmung bei Ausbruch des großen Krieges feine be= sonders glücklichen Erfahrungen gemacht. Die Kassen der Sparinstitute waren damals mit Inhaberpapieren der französischen Staatsrente überfüllt, und als nun die Sparer in großen Haufen ihre Einlagen zurückforderten, entstand eine solche Ueberlastung des Marktes, daß die Kurse ganz enorm sanfen und ein ungeheurer, geradezu elementarer Kurssturz eintrat. Die Misere des Krieges wurde gerade dadurch noch verschärft, daß die kleinen Sparer in jener Zeit einen großen Teil ihres in einzelnen Sousstücken aufgesammelten Ver= mögens verloren haben. In einer ganz anderen Lage befand sich England, das die Bestimmung getroffen hatte, daß die Einlagen fast ausschließlich zur Erwerbung von staatlichen Rententiteln benutzt werden müssen. Trotzdem man die Höchstsumme der zulässigen Spareinlagen auf 3000 Mark beschränkte, wuchs die Nachfrage nach Staatspapieren derart, daß der Staat förmlich künstliche Anleihen ausgeben mußte, um die gesetzlichen Bestimmungen gegenüber den Sparkassen nur erfüllen zu können. Aus diesen Erfahrungen ergibt sich unseres Erachtens die dringende Notwendigkeit, bei der Reform der Sparkassengesetzgebung äußerst vorsichtig zu verfahren. Die Aufgaben der Sparkassen sind vorzugsweise erziehlicher Natur. Sie sollen auch die kleinsten Beträge, die an sich zinslos bleiben würden, dadurch mußbringend verwerten, daß diese in einem gemeinsamen Mittelpunkt aufgesammelt und zur produktiven Kapitalbildung verwendet werden. Sparkassen unterscheiden sich also dadurch von Banken, daß sie nicht auf Erwerbszwecke und demgemäß auch nicht auf die Erzielung großer Dividendenüberschüsse ausgehen. Da außerdem die Sparkassenstatuten längere Rückforderungsfristen vorsehen, so eignen sich die Sparsummen hauptsächlich zur Pflege eines mündelficheren lokalen Hypothekenkredits und zur Gewährung eines persönlichen und gewerblichen Kredits unter Zugrundelegung einer sicheren Realbürgschaft. In kritischen Zeiten allerdings wird es nicht angängig sein, daß die Sparkassen oder, mit anderen Worten, die kleinen Kapitalien der unteren Volksschichten dem Staate über seine Verlegenheiten hinweghelfen, sondern umgekehrt muß der Staat für den Schutz der erwerbstätigen und sparsamen Bevölkerung eintreten. Man wird sich daher nur schwer mit dem Plane befreunden können, die Sparkassenpolitik aus ihren seitherigen Bahnen herauszudrängen. Lokales. 20. Mai 1904. Nun schmücket mit Maien die Tür und das Haus, Damit uns're Gäste mit Freuden aufschau'n; Auch rflücket den Flieder zum duftenden Strauß Als Willkomm dem Sänger, gereicht von Jungfrau'n. Pfingsten Gesangswettstreit; im Grunde genommen awei weit voneinanderstehende Begriffe; hier Friede und dort Wettstreit. Und doch wieder ist beides eng verwandt. Die erwachende Natur, die schöne Sommerzeit läßt in des Menschen Brust vor allen Dingen mit viel größerer Lust das Verlangen zum Liede erwachen; hell und friedlich ertönen beim Marsch durch die Wälder und Fluren, in fröhlicher Gesellschaft und nicht zuletzt an heiliger Stätte die Lieder, man lobt und danket dem Schöpfer für die Herrlichkeit, die wiebererstanden allerwegen. Die Pflege des deutschen Liedes, den Wert desselben wie des Gesanges überhaupt mögen darum unsere Bürger nicht verkennen und den fremden Sängern, den auswärtigen Förderern des Gesanges, die während den Pfingstfeiertagen in unseren Mauern weilen, hier im friedlichen Wettstreit ihr Können untereinander messen, einen recht herzlichen Empfang zuteil werden lassen. Die Fahnen heraus, das Haus mit frischem Grün geschmückt, so zeiget den Sangesbrüdern, die im Liede mit uns vereint, unser Gießen. Beige die Bürgerschaft, daß neben den Schüßen, Turnern 2c. auch der Sänger eine gleiche offene Aufnahme hier findet. 1 *** Nationaler Gesangs- Wettstreit zu Gießen. Die Königliche Eisenbahn Direktion Frankfurt a. M. hat die ihr unterstellten Stationen heute telegraphisch angewiesen, den Besuchern unseres Festes 50% Fahrpreis Ermäßigung zu gewähren, wenn mindestens je 30 Fahrkarten gemeinschaftlich spätestens am Tage vorher- bestellt werden. Außerdem empfehlen wir den Vereinen, größeren Gesellschaften etc., aus der Frankfurter Gegend die Benugung des Extra- Zuges am Pfingstmontag früh: Frankfurt a. M. ab 720 Uhr- Bockenheim 729- Berkers. heim 748 Friedberg 812 Gießen an 850 Uhr vormittags. ( Nationaler Gesangswettstreit.) Die Raunverhältnisse auf dem eigentlichen Festplatz- Oswaldsgarten haben es erforderlich gezeigt, daß der Jux plaz etwas abseits, an der Lahn seinen Standort bekommen mußte. Die Festleitung hat aber Sorge getragen, daß derselbe recht vielseitig den Besuchern sich präsentiert. Ein Dampftaroussell, große Schaufeln, diverse Schaubuden und Theater, kurzum alles ist da, um den Kleinen wie auch Großen beste Gelegenheit zum ungezwungenen Amüsement zu geben. H. K. 8um Submissionswesen in Hessen. Als ein sehr erfreulicher Fortschritt in der Umgestaltung des Submissionswesens ist die in den letzten Tagen erfolgte Betanntmachung des Großherzogl. Ministeriums der Finanzen, Abteilung für Bauwesen, zu betrachten, in welcher die Handwerksmeister aufgefordert werden, sich zur Beteiligung bei Ausführung der Unterhaltungsarbeiten in staatlichen Gebäuden zu melden. Es handelt sich hierbei um solche Arbeiten und Lieferungen, für welche mit Rücksicht auf den Kostenbetrag die freihändige Vergebung zulässig ist. Die Vergebung erfolgt nach Einlauf der Meldungen unter Einhaltung des hierzu neu eingeführten Verfahrens zu festen Preisen nach Maßgabe der nach Benehmen mit Vertretern des Handwerks amtlich festgestellten Preisverzeichnisse, und zwar nach einzelnen Gebäudelosen. Die Bedingungen für die Bewerbung um diese Unterhaltungsarbeiten, ein Verzeichnis der Gebäude der laufenden Unterhaltung der betr. Amtsbezirke mit ihrer Einteilung in Gebäudelose, die Preisverzeichnisse nebst den diesen beigegebenen besonderen technischen Ausführungsbedingungen, sowie die allgemeinen Vertragsbedingungen für die Ausführung der Unterhaltungsarbeiten liegen von dem von den Großherzogl. Hochbauämtern bekannt zu gebenden Zeitpunkt an bei den genannten Behörden während der Dienststunden zur Einsicht offen. Nach Prüfung der Meldungen wird unter Mitwirkung einiger bei der Aufstellung der Preisverzeichnisse tätig gewesenen Vertrauensmänner( von der Handwertstammer vorgeschlagene Handwerksmeister) eine Auslosung vorgenommen, welche die Reihenfolge feststellt, wonach die Vergebung der betr. Gebäudelose an die Bewerber in den einzelnen Etatsjahren zu erfolgen hat. Diese Reihenfolge wird den Bewerbern bei der Zuschlagserteilung mitgeteilt werden. Es muß lobend anerkannt werden, daß die Hessische Regierung in dieser Sache einen großen Schritt vorwörts im Interesse des Handwerks tut, denn die Vergebung dieser Unterhaltungsarbeiten zu fe sten Preisen, welche Mitwirkung von Handwerksmeistern festgestellt wurden, wie auch die Vergebung der Reihenfolge nach an den sich dafür interessierenden Meister bedeutet ein großes Entgegenkommen an den Handwerkerstand. - th( Brieftaubensport.) Mit dem Monat Mai hat der Brieftauben Klub Gießen seine Tätigkeit wieder aufgenommen und wird sich um die von der Mitteldeutschen Reisevereinigung, der er mit angehört, ausgesetzten Staatspreise( 2 goldene Medaillen) bewerben. Die Gießener Tauben haben die Strecke Marburg- Gießen und TreysaGießen bereits zurückgelegt und werden morgen Sonntag die Reise Guntershausen- Gießen machen. Am folgenden Sonntag, den 29. Mai, werden die Gießener fliegenden Boten von Wabern aus das erste Mal gemeinsam mit den Tauben der gesamten der Reise- Vereinigung angehörenden BrieftaubenVereine aufgelassen werden, um in die heimischen Schläge zurückzukehren. Am 1. Juni wird das Training auf Nordheim ausgedehnt, um dann am 12. Juni von Hannover_aus den Preisflug anzutreten, welcher bis Gießen in der Luftlinie 220 km beträgt. Die Mitteldeutsche Reise- Vereinigung wird dann von Hannover weiter in vier Etappen die Reise mit ihren Tauben ausdehnen und zwar über Barby an der Elbe, Bossen, Sternburg( Neumark) bis Buk( Posen). Der Weg Gießen- But beträgt 560 km. daß F. C. Es fann jetzt als feststehend betrachtet werden, die geschiedene Großherzogin Viktoria Melitta mit ihrem Vetter, dem Großfürsten Kyrill von Rußland, die Ehe eingehen wird. Sie hat bereits auf die ihr vom Großherzog zustehende Apanage von 80000 Mark verzichtet. ** Dem„ Rhein. Kur." wird aus Gießen geschrieben: Die Agitation für die Lahnfanalisation greift jetzt auch auf Oberhessen über. Am 14. Mai hatte sich eine große Anzahl Interessenten des Bergbaues, des Holzhandels usw. hier versammelt, um zum Lahnfanalprojekt, wie es vom Lahnkanalverein in einer Eingabe an das preußische Staatsministerium zur Durchführung unterbreitet wurde, Stellung zu nehmen. Nachdem der Vorsitzende des Lahnkanalvereins, Herr Generaldirektor Kaiser- Weglar, einige erläuternde Bemerkungen zu dem Projekt gegeben hatte, betonten sämtliche oberhessischen Interessenten, die in die Distussion eingriffen, die Notwendigkeit der Lahntanalisation überhaupt und ihre Bedeutung für Oberheffen bei ihrer Durchführung bis Gießen. Der Antrag des Oberbürgermeister Mecum- Gießen, sich an das Großh. Ministerium zu wenden mit der Bitte, dieses möge bei der preußischen Regierung die Kanalisation der Lahn befürworten und bis zur preußisch hessischen Grenze fortführen, wurde einstimmig zum Beschluß erhoben. Die Unterlagen für die Rentabilität der hessischen Strecke soll die Großh. Handelstammer Gießen beschaffen. + Sommerfrischen. Der hessische gemeinnüßige Verein zur Vermittelung von Land- und Kuraufenthalten in Darmstadt hat im vorigen Monat ein Verzeichnis der Sommerwohnungen im Odenwald, Vogelsberg und benachbarten Gebieten herausgegeben, welches unentgeltlich durch den Geschäftsführer des Vereins, Herrn Rechnungs- und Rassenführer Sarth, Darmstadt Wilhelminenstraße Nr. 34 zu beziehen ist. Die lebhafte Nachfrage nach diesem umfangreichen Heftchen zeigt, daß die Ausgabe desselben ein dringendes Bedürfnis war. > Wetzlar. Herr Amtsrichter R. Bepler ist nach Elberfeld versezt. 4 A Friedberg. Die im Jahre 1879 aus dem Seminar zu Friedberg entlassenen Volksschullehrer feiern am Pfingstdienstag Pfingstdienstag an der Stätte ihrer Ausbildung ihr 25jähriges Dienstjubiläum. Frankfurt a. M., 19. Mai. Die Roubmörder Groß und Stafforst werden, wenn das Todesurteil bestätigt wird, zu ihrer Hinrichtung nach Wehlbeiden übergeführt. Litterarisches. Eine jede Hausfrau sollte die im Vrlage von John Henry Schwerin, Berlin W. 35, erscheinende Monatsschrift Illustrierte Wäsche Zeitung" halten. Der große praft sche Nußen dieses konkurrenz'osen Speziallagen für Damen-, Herren und Kinderwäsche, Babysachen, blattes besteht in seinen herrlichen, überaus zahlreichen Vorden zur Wäsche gehörigen Häfeleien etc, in dem jeder Nummer beigegeben großen Schnittmusterbogen, seinem orientierenden Wäschebericht, den Köppelbriefen, abwechselnd mit vielgestaltigen Monogramm- Verschlingungen etc., sodaß dagegen der Abonnemente preis von nur 60 Bfg. vierteljährlich gor nicht in Betracht kommt. Abonnements für nur 60 Pfg. vierteljährlich durch alle Buchhandlungen und Bostanstalten. Großh. Kurtheater Bad Nauheim. Spielplan. Samstag, 21. Mai: Geschwister. Der zerbrochene krug. Donnerstag, 26. Mai: Herr Senator. Dienstag, 24. Mat: Tilli. Samstag, 28 Mai: Zähmung der Widerspenstigen. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Samstag, den 21. Mai. Windig, zeitweise wolfig, tagsüber wärmer bei fühler Nacht, trocken. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Kirchliche Nachrichten für Gießen. Evangelische Gemeinde. 1. Pfingstfeiertag, den 22. Mai. Kollefte für die hessische Lutherstiftung. In der Stadtkirche. Bormittags 8 Uhr: Pfarrer Schwabe. Vormittags 9.30 Uhr: Pfarrer D. Schlosser. Beichte und heil. Abendmahl für Matttäus- und Marcusgemeinde. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Vormittags 114 Uhr: Kinderkirche für die Matthäus- und Marcusgemeinde. Pfarrer D. Schlosser. In der Johanneskirche. Vormittags 9.30 Uhr Pfarrer Dr. Naumann. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Euler. Beichte und heil. Abendmahl für die Lukas- und die Johannesgemeinde im Hauptgottesdienst. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. 2. Pfingstfeiertag, den 23. Mai. Kollette für die Armen. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr: Siehe Johanneskirche. Vormittags 9.30 Uhr: Pfarrer Schwabe. In der Johanneskirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrassistent Schulz. Vormittags 9.30 Uhr: Pfarrer Euler. Katholische Gemeinde. Samstag, den 21. Mai. Nachmittags um 5 Uhr und Abends 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht. Sonntag, den 22. Mai. Pfingstsonntag. Borm. von 6.30 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beicht. um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und in derselben Austeilung der Kommunion. " Die zweite heil. Messe. 8 " " " um 9.30 Uhr: Hochamt mit Predigt. heilig. 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur zur hl. Beicht. Nachm. um 2.30 Uhr: Fest- Andacht mit Segen, um Vorm. von 630 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beicht. Montag, den 23. Mai. Pfingstmontag. um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und in derselben Austeilung der heilig. Kommunion. " " " " 84" Die zweite hl. Messe. Nachmittags 2.30 Uhr: Andacht. um 9.30 Uhr: Hochamt mit Predigt Dienstag und Freitag Abend um 6.30 Uhr ist Mai- Andacht. Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschaft. Samstag, den 21. Mai 1904. Vorabend 7.45 Uhr. Vorm. 8.00 Uhr. Nachmittag 4 Uhr, Festesausgang 9.05 Uhr. Wochengottesdienst: morgens 6.30 Uhr, abends 8.55 Uhr. Israelitische Religionsgemeinde. In der Synagoge, Südanlage. Samstag, den 21. Mai 1904. Vorabend: 7.45 Uhr. Morgens: 8.30 Uhr. Nachmittags 4 00 Uhr. Festesausgang 9.05 Uhr. Methodistengemeinde, Asterweg 16. Am 1. Pfingstfeiertag, morgens 10 Uhr und nachmittags Uhr: Predigt. Nachm. 2 Uhr: Sonntagsschule. Am 2. Feiertag abends 84 Uhr: Predigt. Mittwoch, den 25. Mai, abends 812 Uhr: Bibelstunde. Verantwortlich: für den politischen, vermischten und unter< haltenden Teil Albin Klein; für den lokalen Teil Karl Klose Nationaler Gesangs- Wettstreit zu Gießen, Pfingsten 1904. Aus einem besonderen Anlasse geben wir hiermit öffentlich bekannt, daß allen Festzug- Teilnehmern Eintrittskarten zum Festplage mit sehr bedeutender Preisermäßigung zur Verfügung stehen. Die Ausgabe dieser Karten erfolgt bei der Aufstellung des Fest- Zuges. Der Beschluß, diese Vergünstigung zu gewähren, wurde vom geschäftsführenden Ausschuß am 2. Mai d. Is. gefaßt. Der Empfangs-, Zug- und Ordnungs- Ausschuß. Wilhelm Homberger. Nationaler Gesangs- Wettstreit zu Giessen, fingsten 1904. An die verehrliche Einwohnerschaft hiesiger Stadt richten wir hierdurch die ergebene Bitte, die Häuser an den Festtagen mit Fahrräder- und Nähmaschinen= Versandt, Ersatzteile, Reparaturen Carl Graf Gießen. Kirchenplatz 15. an der Stadtkirche. Gößte Spec.Reparaturwerkstatt Oberhessens. Ein Bekanntmachung. Der bisherige Beigeordnete Ortsgerichtsvorsteher Johann Georg Leib zu Krofdorf ist durch Erlaß des Herrn Oberpräsidenten der Rheinprovinz von 6. Mai 1904 auf eine weitere Amtsdauer von 6 Jahren zum Beigeordneten der Landbürgermeistereien Azbach und Launsbach ernannt worden. Wetzlar, den 14. Mat 1904. Der Königliche Landrat. J. A.: Magnino, Kreissekretär. Bekanntmachung. Die Gemeindesteuerzettel für das Steuerjahr 1904 werden den Pflichtigen nächster Tage zugestellt werden. Diejenigen Einwohner, welche bis 10. Juni einen Gemeindesteuerzettel nicht erhalten haben, obwohl sie sich nach ihren Verhältnissen als steuerpflichtig betrachten müssen, werden hiermit aufgefordert, alsbald auf Amtszimmer Nr. 14 bezügliche Anzeige zu machen. Gießen, den 17. Mat 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Die Bahnhofstraße, zwischen Liebig- und GrabenWaise bevorz. zum Anlernen in bon heute an bis auf weiteres für Lastfuhrwerke Flaggen- und Fahnenschmuck gesund. brav. Mädchen, ſtraße wird wegen Vornahme von Kanaliſationsarbeiten freundlichst versehen zu wollen. Der geschäftsführende Ausschuß. Wilhelm Homberger. Villingen. Sonntag den 29. Mai d. Js. Grosse Einweihung meines neuerbauten Saales verbunden mit Tanzmusik. Anfang nachmittags 4 Uhr. Für gute Speisen und Getränke ist bestens gesorgt. Es ladet freundlichst ein Karl Strack. NB. Die Tanzmusit wird von einem Teil der Regimentskapelle de s 116. Inf. Reg. Kaiser Wilhelm aus Gießen ausgeführt. Cabnkalk- Industrie GrossenLinden- Giessen. Inhaber: Carl Haas junior. Gießen. Ringofon Kalkwerke. Gießen, den 18. Mat 1904. Küche u. Haushalt, sofort gesucht. gesperrt. Fran W.Gutmacher, Boun. Reiche Heirat! Junge Waise, M. 400 000 Verm.( Mein Kind als eig. anzuerk.) Edelg. Herren- a. o. f. Vecm.wollen s. unter ,, Reform" Berlin S. 14 bewerben. Ohne Fleiss keinen Preis AURORA Patentkummet der neuzeit. Dreifacher Schutz. 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O, das füße Kindergelicht mit den großen Augen, daß er niemals wieder sehen sollte! Picotins Herz war verwundet zum Tode. Doch er dachte nicht an Sterben; nein, er war ein Mann, der sich durchkämpfen und es vor Menschenaugen verbergen konnte, daß er dahin leben mußte mit todeswundem Herzen. Wenn der Abend herankam, ging er nach wie vor in den Zirkus, seinen Beruf zu erfüllen. Er zog das alte Narrenkleid an, taumelte Hals über Kopf in die Manege, versenkte mit weitgespreizten Beinen die Hände in die weiten Taschen und dankte dem beifallspendenden Publikum mit komischen Verbeugungen. Er hat ein großes Vermögen geerbt, aber er behandelt auch das als einen Scherz, setzt seine Narrheiten fort und gibt alles Geld weg an die Armen," flüsterte der Anwalt mit dem roten Gesicht, den Picotin ganz bezaubert zu haben schien, denn er kam Abend für Abend in den Zirkus, um ihn zu sehen, und lachte mehr als irgend ein anderer. Für ihn war es der großartigste Wit, daß ein Mann vorzog, arm zu sein und Bocksprünge zu machen, als in Behaglichkeit auf festen Füßen, wie andere Leute zu leben. Drei Jahre vergingen und Picotin reiste durch viele große und kleinere Städte und immer wuchs sein Ruf als der unübertrefflichste Clown, der je gelebt hatte. Ueberall schüttelten sich die Leute vor Lachen, wenn sie sich an seine Späße und Witze erinnerten und überall, wo Picotins Name als Personifikation des Lachens genannt wurde, erfreute sich irgend eine große wohltätige Anstalt einer geheimnisvollen Stiftung und eine Anzahl von Armen segneten einen unbekannten Wohltäter. Endlich kam er nach Paris und das Publikum war wahr haft begeistert für ihn. Die Damen ließen sich sogar ihre Kleider etwas buntscheckiger machen als gewöhnlich, ganz à la Picotin. Sie zogen die Narrenkappe allen anderen Kopfbedeckungen vor, und mancher von ihnen stand es ohne Zweifel vortrefflich. Picotin sah sich von Schmeichlern umringt. Die Gerüchte über sein Vermögen und sein erzentrisches Wesen übertrieben natürlich stark. Er hätte wie ein türkischer Pascha das Taschentuch werfen können und auch die Stolzesten wären bereit gewesen, es aufzunehmen; doch er ging an ihnen vorüber, ohne sie überhaupt zu sehen, einsam und traurig, als hätte er noch in dem schweren Anfang seiner Laufbahn gestanden. ( Schluß folgt.) AUS DEM REICHE DES WISSENS Woher Hammen unsere Haustiere? Die Herkunft der Haustiere ist eine wissenschaftliche Frage, worüber die Forschungen noch keineswegs zu endgültiger Beantwortung geführt haben. Die neuesten Untersuchungen von Prof. C. Keller in Zürich über die Abstammung der ältesten Haustiere und die Verbreitungswege der einzelnen zahmen Rassen haben in dessen zu Ergebnissen geführt, die von allgemeinem Interesse sind. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die ersten Anfänge der Haustierzüchtung in die vorgeschichtliche Zeit hinaufreichen und daß dabei im einzelnen sehr verschiedenartige Ursachen mitgewirkt haben mögen. Daß der Hund das älteste Haustier ist, darüber sind die Forscher ziemlich einig und auch Professor Keller stimmt dieser Ansicht bei. In der jungen Steinzeit taucht bereits der zahme Hund auf, wahrscheinlich ein Spitz, und in der Bronzezeit werden neue Rassen angetroffen. In Aegypten reicht der Hund bis etwa 4000 Jahre v. Chr. hinauf und erscheint bereits in verschiedenen Rassen. Dort wurde auch die Katze zuerst domestiziert und zwar unter der anfänglichen Vorstellung eines guten Geistes, erst später hielt man sie lediglich als Mäusefänger. Das Pferd, dessen älteste Vorfahren sich in den tertiären Ablagerungen Nordamerikas finden, tritt in Europa erst ziemlich spät auf, denn in den ältesten schweizerischen Pfahlbauten finden sich keine Knochen desselben, sondern diese kommen erst in denjenigen der Bronzezeit vor. Auf ägyp= tischen Denkmälern trifft man erst seit 1500 v. Chr. Abbildungen des Pferdes; Mesopotamien war Mittelpunkt der Pferdezucht, und von allen Haustieren wird es in der altassyrischen Kunst am häufigsten dargestellt. Nach Professor Keller weisen alle geschichtlichen Tatsachen auf eine asiatische Stammquelle der ältesten Hauspferde hin und diese bildet höchst wahrscheinlich das noch heute in Innerasien lebende Wildpferd. In Europa kommen Wildpferde noch lange in der geschichtlichen Zeit vor, in Preußen angeblich noch im 16. Jahrhundert. Der Esel ist wahrscheinlich auf afrikanischem Boden gezähmt worden und war im Niltal schon vor dev ersten ägyptischen Dynastie Haustier. Die Vorfahren der Juden kannten ihn schon zu Abrahams Zeit. Die europäischen Hausrinder stammen nach Professor Keller vom Ur ab und die erste Zähmung reicht nach diesem Forscher bis über das Zeitalter Homer3 zurück. Die Zähmung des Schafes geht in die vorgeschichtliche Epoche zurück; nach Keller besaß Aegypten schon in vorpharaonischer Zeit eine eigenartige Schafrasse, die später von einer asiatischen zurückgedrängt wurde. Die Hausziege wird schon im Beginn der Pfahlbauperiode angetroffen; die heutigen Wildziegen stammen nach Professor Keller wahrscheinlich aus den Gebirgen Asiens. Die frühesten Knochenreste des Kamels finden sich in den tertiären Schichten Nordamerikas. Von dort verbreiteten sich in vorgeschichtlicher Zeit diese Tiere nach Südamerika und auf unbekanntem Wege nach Asien. Auf den hochasiatischen Wüstenflächen leben noch heute zahlreiche wilde Kamele. Die Stammform bildet das zweihöckerige oder baktrische Kamel, das einhöckerige ist nur eine jüngere Zuchtrasse. Dieses, das Dromedar, gelangte erst später nach Arabien und Afrika. In der Bibel wird das Kamel wiederholt erwähnt, so bei dem Besuche der Königin von Saba in Jerusalem. In Aegypten findet man Darstellungen des Kamels erst in neuerer Zeit, da schon das Eindringen griechischen Einflusses sich bemerkbar machte, etwa im vierten Jahrhundert v. Chr. Was die Zeit anbelangt, in welcher frühestens Haustiere gezähmt wurden, so reicht diese, nach Professor Keller, mindestens bis 6000 v. Chr. zurück, vielleicht auch bis zu 10 000 Jahren. Die hier in Betracht kommenden freilebenden Arten haben sich seit jener Zeit nicht erheblich geändert, die zahmen Abkömmlinge sind dagegen teilweise sehr erheblich umgestaltet wor den, zum großen Teil infolge der züchterischen Auslese. Die Entstehung der einzelnen Rassen erfolgte nur ausnahmsweise durch plötzliche, sprungweise Abänderung, dagegen bot die Kreuzung eine ergibige Quelle zur Entstehung neuer Formen. Große Veränderungen im psychischen Charakter der Tiere haben unter dem suggeſtiven Einflusse des Menschen stattgefunden, der dem geistigen Wesen seiner Haustiere eine neue Richtung gab, die sich im Laufe der Zeiten sehr streng vererbt hat. Dabei haben einige Tiere, wie Professor Keller hervorhebt, geistig sehr gewonnen, andere dagegen verloren. Am merkwürdigsten verhält sich nach ihm die Hauskatze. Von Haus aus intelligent, behielt sie ihre Selbständigkeit mehr als irgend ein anderes Tier." Suggestiv sehr empfänglich, verlangt sie gute Behandlung, ist dies nicht der Fall, so antwortet sie sofort durch eine Konträrsuggestive. Der Umstand, daß sie in ihrer ursprünglichen Heimat, in Aegypten, sehr lange als Kultgegenstand behandelt wurde, dürfte' dieses selbständige und aristokratische Wesen gesteigert haben. Durchaus entgegengesetzt verhielt sich der Hund, der übrigens im Verkehr mit dem Menschen außerordentlich an Intelligenz gewonnen hat. Der Büffel, im wilden Zu stande sehr aggressiv, hat sich im Hausstande zum gutmütigsten Wesen entwickelt, das sich von jedem Kinde lenken läßt. Weitaus die größten Veränderungen weist das Schaf auf. Seine Zucht ist sehr alt, aber psychisch hat es gewaltig eingebüßt. Die Wildschafe sind vorzugsweise Gebirgstiere. Es wird von allen Beobachtern hervorgehoben, daß sie sich durch Mut und Kampflust auszeichnen und Gefahren flug zu erkennen wissen. Im Hausstand ist an Stelle der Klugheit eine unglaubliche Willenlosigkeit und Dummheit getreten und der Mut grenzenloser Feigheit gewichen. Diese Eigenschaften sind jetzt durch Vererbung so streng befestigt, daß unsere Hausschafe wegen ihrer Unbeholfenheit gar nicht mehr verwildern können; der Freiheit überlassen, würden sie aus Mangel an Verteidigungsfähigkeit dem erſten besten Raubtier zum Opfer fallen." * Der Poren am menschlichen Körper zählt man ungefähr 3 381 248, und zwar entfallen in Quadratzollen ausgedrückt auf: Die Stirn 1258, die Wangen 548, den Hals 1 303, die Brust 1136, den Nacken 417, die Handfläche 2 736, den Handrücken 1740, die Fußsohle 2 685. An einem heißen Sommertage kann sich der Körper des Menschen vermittels der Poren um fünfzehn bis zwanzig Kilo Waſſer erleichtern. Ursprung des Titels Dauphin. Humbert II., Fürst der Dauphiné, schaukelte einst seinen einzigen noch kleinen Sohn auf den Armen und stellte sich, als ob er ihn zum Fenster hinauswerfen wollte. Ein unglücklicher Zufall wollte es, daß das Kind seinen Händen entglitt und hinab in die vorbeifließende Rhone stürzte, aus welcher es nie wieder zum Vorschein kam. Im furchtbaren Schmerz über den durch ihn verschuldeten Verlust, machte er im Jahre 1349 die Dauphiné dem Enkel Philipp VI., Karl von VaYois, zum Geschenk mit der Bestimmung, daß der jedesmalige fran= zösische Thronerbe stets den Titel Dauphin führen solle. Nr. 112 Freitag, den 20. Mat 1804. Oberhessische Familienzeitung. Tägliche Unterhaltungs- Beilage der Gießener Neueste Nachrichten. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein. ( 1. Fortsetzung.) Die Rache ist mein. Originalroman von Ottomar Beta. Nee, Frau Riesoppen, nee, da haben Sie recht! So viel Gemüt hat jeder," erwiderte das eine Dienstmädchen, zu dem Fremden hinüberschielend. Vielleicht hat er ein Geschäft mit Justizrats," meinte sie. „ Er sitzt da ja schon um' ne geschlagene Stunde' rum." Jh, is wohl nicht möglich!" Es wäre allerdings möglich gewesen; aber der Mankeegeist in dem Fremden stritt gegen seine Heimatsgefühle und trieb ihn nun empor. Vor ihm war ein großes, blankes Messing schild zu erschauen, worauf mit schwarzen Lettern stand: B. Fiebiger, Justizrat und Notar". Das konnte er selbst in der größten Vertiefung nicht gut übersehen. Er fuhr sich mit der Hand gegen die Stirn, als ob er sich besinnen müßte, nickte gleichsam dem Schilde zu und trat ins Haus. Durch eine Doppeltür mit grünem Glanzleder und Messingbeschlägen, welche in eine größere Tür eingefügt worden und, um allen Zug zu vermeiden, der etwaigen Aktenstaub hätte aufwirbeln können, mit schweren Stoffportieren versehen war, trat er nun ohne Zögern in ein großes, helles Vorzimmer, dessen Decken mit pastosem Stuck verziert waren, und in dem warme Perlton des Alters vorherrschte. Einige Schreiber, die hier Kopien anfertigten, drehten ihm den Rücken zu und blickten auch nicht nach ihm auf. Nur ein rostiger Herr mit riesigem kahlem Schädel und Wieselaugen, der über irgend einem Kontraktkonzepte brütete, hob das Auge und stieß nach einer Weile den einsilbigsten unartituliertesten Laut aus. Selbst der Yankee konnte diesem Lakonismus seine Anerkennung nicht versagen und gab derselben durch eine leichte Verbeugung Ausdruck. " Ich wünschte ich wünschte den Herrn Justizrat zu sprechen... persönlich Dann Der Mann mit den Wieselaugen blinzelte. Er überflog die Gestalt des Seefahrers mit einem Blick, der, dem Scheidewasser ähnlich, alle Beſtandteile desselben auflöſte. deutete er, ohne die Miene zu verziehen, mit dem Federhalter über die Schulter und vertiefte sich wieder in seinen Kontrakt. Unſer Fremdling hatte sich inzwischen besonnen, was er eigentlich zu tun beabsichtigte. Sein erster Impuls war gewesen, sich genau über die junge Dame zu unterrichten, welche ihm in der Tür seines Heimathauses wie eine Erscheinung aus Himmelshöhen entgegengetreten war. Bligartig fiel es ihm nun ein, daß im alten Land" diese Art unvermittelten Forschungseifers richt üblich sei. Auch fühlte er unwillkürlich, Er hatte daß sein Aeußeres einer Entschuldigung bedürfe. nach polizeilicher Ausforschung das Schiff verlassen, um die Stadt anzusehen, nicht um Besuche zu machen. In sich verfunken, von Heimatgefühlen überwältigt, hatte er nicht daran gedacht, sich städtisch zu kleiden. In Amerika, wo ein Rüster am Stiefel den Mann ehrt, verlernt man solche Rücksichten. Er trug sich wie ein Mittelding zwischen einem Digger oder Goldgräber, einem Rarger oder Präriejäger und einem Squatter oder Hinterwäldler jener Zeit. Und die Reise von Newyork nach dem baltischen Hafen als alleiniger Passagier auf einem Frachtdampfer, der Gerb-, Färbestoffe und Hölzer brachte und um eine Rückfracht nach Gelegenheit fich bemühen ( Nachdruck verboten.) sollte, war nicht darnach angetan, um ihn über das Seemannsniveau emporzunötigen. So fuhr es ihm denn durch den Sinn, wieder umzukehren; aber dem widersprach sein Yankeeſtolz und Selbstgefühl. Er entschloß sich also, seine Einführung bei dem Justizrate in anderer Weise zu bewerkstelligen. Er betrat ein Gemach, doppelt so groß wie das Vorderzimmer, und ließ seine Augen in diesem Raume neugierig und erinnerungsbedürftig umherirren, ehe er den in einem sogenannten Großvaterstuhl an einem riesigen, mit Papieren überdeckten Konferenztische sitzenden und die Berliner Spenersche" lesenden alten Herrn Justizrat eines Blickes würdigte. Hier mußte es gewesen sein, wo er als Kind sich mit dem Wiegenpferde getummelt ,, oder doch nicht... nein... hier hier..." er sah wie wirr umher. ,, Was wünschen Sie?" fragte der alte Herr ein wenig erstaunt über die scheinbare Geistesabwesenheit des Eintretenden. ,, I beg your pardon... ich bitte um Entschuldigung, Sir... ich.. mein Name ist.. o.. nein, eine Karte habe ich nicht, und meinen Paß hat die Polizei noch in Händen ich bin heute früh mit der City of Washington hier eingetroffen in meiner Heimatsstadt und und das Wiedersehen macht mich ein menig crazy... ich bin soft, Sir, berworren," so stammelte und stotterte der Fremde und stieß dann seinen Namen hervor:„ Staudius!" Der alte Justizrat sah ihn nun überrascht und zugleich mit einem Strahl der Genugtuung im Auge an. Dann fal tete er schnell die Spenersche zusammen und erhob sich. Wie!" rief er ,,, was der Erich Staudius! Erich... nicht wahr, Erich?" Erich... ja... Erich," bestätigte der Fremde ,,, und dies hier ist das Haus. ,, Das Staudiussche Haus ja wohl, so heißt's bei uns alten Leuten noch heute," rief der Justizrat und trat nun auf den Fremden zu, ihm wie einem längst erwarteten Gaste die Hand entgegenstreckend. ,, Willkommen, lieber Herr, willkommen in der Heimat!" Die beiden Männer schüttelten sich kräftig die Hände, dann trat der Justizrat zurück und betrachtete den Ankömmling von oben bis unten. ,, Als ob ich der verlorene Sohn wäre," so schoß es Erich durch das Gehirn und ein Lächeln eigener Art erhellte blitzartig seine straffen Züge. ,, Mein lieber Herr Staudius, nehmen Sie Platz," hob nun der Justizrat wieder an. Sie sind lange in der Fremde gewesen, unter den Yankees und da werden Sie uns wohl vieles erzählen können... aus eigener Anschauung. Sie wollen sich nun bei uns ansiedeln. Oder gehen Sie mit dem Schiff wieder zurück? Gehören wohl gar zur Mannschaft find Mate oder Bootsmann... wie?" Dabei faßte der alte Herr seinen Gast bei beiden Schultern und drückte ihn in einen Stuhl nieder. Dann eilte er in die Zimmerecke beim Lehnstuhl, welche gleichsam in dem großen Raume seine Ecke" zu sein schien und zog kräftig an einer XXXX en Gießen. Samstag itete -S Bun * n[ eжI} JV000'8& l xikon. 10 Mark. andlung. und Wien. Küche Bend billiger, kerei, i 进 54 Die japa chweren Do anfangs hie Kreuzer S Grab in d 720 wader mit einer in Perlen geftiäten Epheuguirlande verzierten Klingelschnur. ,, Bleiben Sie bei uns, Herr Staudius," fuhr er ohne weiteres fort;„ unsere ehrliche, simple, deutsche Art taugt nichts für das Dollarland. In der Heimat ist es am besten, und was ich für Sie tun kann, wenn Sie als Anfänger auf altem Boden irgend welcher Befürwortung bedürfen, das soll gewiß geschehen. Ich gehöre noch zu den Leuten, welche es nicht vergessen haben, was Ihr Herr Vater und Ihr Großvater in unserer Stadt zu bedeuten hatten und nicht bloß in unserer Stadt. Der Sohn eines Mannes, der ein Vermögen in den Freiheitskriegen geopfert hat, der soll hier nicht vergebens anklopfen." Ein nettes Dienstmädchen steckte nun den Kopf durch eine Tür, welche nach den Hinterzimmern führte und einer Attrape glich, da dieſelben zwischen zwei riesigen Aktenschränken eingelassen war, als ob sie mit dazu gehörte. " Bringen Sie uns einmal eine Flasche Medoc, Anna, von dem gelben, und drei Gläser... oder lieber gleich zwei Flaschen, Anna. Herr Stöberer wird wohl so gut sein, uns Bescheid zu tun." Die Schranktür schloß sich. ,, Herr Stöberer ist nämlich mein Malefiziarius," erklärte der Alte, indem er nach dem Vorderzimmer deutete, wo der Wieſeläugige waltete. Das ist ein Mann von Pergament und Eisendraht, wie unſer einer ihn braucht." Dann setzte er sich mit gemächlichem Schmunzeln seinem Gaſte gegenüber, indem er ermutigend fortführ: hr Vater war ein guter Freund von mir, lieber Herr Erich, und Ihre Mutter habe ich gekannt schon als Kind. Meine Tochter singt heute noch mit Vorliebe ein paar Lieder, welche ihr von Verdi gewidmet worden sind mit massenhaftem amore und clamore. Aber nun erzählen Sie' mal erst. Haben Sie inbezug auf Ihre Zukunft schon einen festen Plan gefaßt?" Erichs Gesicht hatte bei der Erwähnung der Tochter eine erhöhte Farbe angenommen. Mit schalkhaftem Lächeln sagte er nun: Ich dachte, ich würde bei meinem Schiffe bleiben müssen, aber das Wiedersehen der Heimat hat mir's angetan. Und wenn es sich macht, dann offen gestanden, bleibe ich lieber hier. Sehen Sie"- er hielt seine Hände vor sich hin—„ zufassen kann ich überall. In Amerika lernt sich das!" ,,, auch bei uns ehrt die Arbeit ihren Mann, und nährt ihn auch. ... zur Not," erwiderte der Justizrat, aber wenn man wie Sie die Welt kennt, englisch spricht... Sie gingen sehr jung fort?" Bald, nachdem meine Großmutter starb, im Jahre 1830." ,, Sie liefen damals sans adieu davon.“ " Ich ging auf eine dänische Brigg als Schiffsjunge, Sir," antwortete Erich,„ ich war alt genug und stark genug, und bildete mir auch ein, ich hätte gelernt genug." „ Ei, ei, wie schade! Wären Sie nur hier geblieben, junger Mann... oder, verzeihen Sie, ein junger Mann waren Sie damals... ein Bursch von vierzehn Jahren etwa. Nun, Sie müssen dieses Ihr elterliches Haus ja noch gut kennen?" " Nicht so genau mehr, Herr Justizrat, denn ich lebte später nach dem Tode meiner Eltern mit meinem Großmütterchen im Johannisstift. Im alten Kloster, da würde ich mich wohl noch zurechtfinden. Wir Jungen haben da tolle Streiche genug vollführt. Aber das haben sie ja nun abgerissen. Ich weiß gar nicht, wo der riesige Klosterhof mit der Unzahl von Bäumen und den unendlichen Kreuzgängen je Plaz gefunden hat. Alles kommt mir jetzt dort so eng vor. Früher trieben dort hunderttausend Spazen ihr Unwesen und erhoben oft ein betäubendes Gezeter. Heute habe ich kaum drei gesehen." Der Justizrat lachte laut auf. Der Spaßen wegen hätten wir das alte Gemäuer wohl konservieren sollen! Man höre die Jugend! Sie hätten uns im Stadtrat gerade noch gefehlt, Herr Staudius! Wir sollen wohl den Spaß als Emblem ins Stadtwappen aufnehmen? Sie sind selber wohl so ein bischen Spaß... unzähmbar... he? Na, schadet nicht! Sie mögen sein wie Sie wollen. Irgendwie wollen wir den Sohn des braven Staudius hier schon nußbringend beschäftigen, nutbringend für ihn und die Welt. Ich will Ihnen was sagen, Herr Erich. Ich habe hier ein Zimmer für Sie... im Hof licht, luftig, geräumig, das steht seit einem Vierteljahr leer... wozu soll es leer stehen?" Dante," sagte Erich, dem das Herz vor Freude fast hörbar ua.„ Herr Justizrat, von diesem Anerbieten mache ich gerne einen Gebrauch und verspreche, daß ich Ihnen nicht läftig fallen werde. Aber der alte Nußbaum im Hof, dessen entsinne ich mich noch." Der ist natürlich noch da," lachte der Justizrat ,,, ja wohl, und Spaßen drin, soviel Sie wünschen." Drittes Kapitel. Am selben Tage noch zog Erich Staudius in das leere Zimmer ein, welches ehemals der im Frühjahr verstorbene Veteran Ladenthin bewohnt hatte. Eine Last, deren er lange Jahre hindurch sich in quälender Weise bewußt gewesen, schier von ihm genommen. Das alte Land", welches er immer nur als eine graue Stätte des Kummers und der Sorgen und der Gräber im Gedächtnis gehabt, schien ihm nun trotz des herbstlichen Kleides, in welches gehüllt es sich ihm zeigte, wie der von Jugendfülle und Freude zu leuchten. Ein einziger guter Mensch wie der Justizrat kann uns die Welt so erhellen, daß wir der Bösen und Niederträchtigen kaum gedenken. Und Erich hatte in der weiteren Unterhaltung mit dem alten Herrn, zu welcher auch der Bureauvorsteher Stöberer hinzu. gezogen worden war, Gelegenheit gehabt, sich noch weiter von der Herzensgüte seines Gönners zu überzeugen. Der Wein war gebracht und das Andenken an Staudius, den Vater, und an seine in der Jugend Prangen heimgegangene Frai war gefeiert worden. Man gedachte auch einiger von ihr hinterlassenen Reliquien, ihrer Briefe. Diese hütet meine Tochter wie einen Himmelsschatz," sagte Fiebiger gelegentlich Erich bemerkte, daß Herr Stöberer ein wenig blasser, gelber oder grüner wurde, als er sonst schon war, indem er daraus äußerte: Auf diese Briefe hat Herr Staudius allerdings ein ausschließliches Recht." ,, Allerdings," fügte Fiebiger hinzu, denn sonst würden wir der Versuchung vielleicht erlegen sein, sie als Beitrag zur Geschichte jener großen Zeit zu publizieren." „ Das könnte wohl nun immer noch geschehen," meinte Stöberer mit einem etwas faunischen Lächeln. „ Herr Staudius wird entscheiden, sonst niemand," sagte Fiebiger kurz; bis jetzt sind sie nicht in unrechte Hände gekommen. Es sind Familienangelegenheiten darin, deren Veröffentlichung für manche meiner guten Freunde unangenehme Erinnerungen erwecken könnten. Darum war es besser so." Gewiß, gewiß," sagte Herr Stöberer, in einer Weise, als ob seine Billigung zugleich eine Konzession involvierte. Erich war ein scharfer Beobachter dieser feineren Nuancen des Gesprächs und hielt sich in Gegenwart des Bureauvor stehers so sehr zurüa, daß dieser es angemessen fand, sich bald zu empfehlen. Erich erfuhr nun folgendes: Der Justizrat Fiebiger hatte, damals noch ein Anfänger in seinem Fach, nach den Opfern und Katastrophen der Freiheitskriege, welche das Staudiussche Vermögen verschlangen, das Haus in der Domstraße übernommen und sein gesamtes Erbteil daran gewendet, um dem Bankerott zu wehren, welcher dem Freunde drohte. Vergebens! Mit Mühe hatte er sich das Haus und dem Freunde das Obdach darin erhalten. Der Kummer aber über die Unerkenntlichkeit der damals trotz der bösen Erfahrungen nach alter Schablone fortwirtschaftenden Bureaukratie und die Verweigerung jeder Hilfe gerade ihm, hatte dem feuergeistigen Staudius das Herz gebrochen. Seine Ungeduld, seine Heftigkeit hatte vieles verdorben, was die Freunde und die Befürwortung der Kaufmannschaft vielleicht zum Guten gewendet haben würden. Dazu kamen Beleidigungen und Erniedrigungen, welche ihm von den Verwandten seiner Frau zu teil wurden. Sie war einer altadeligen Familie von Felsäcker entsprossen, und die Ehe mit einem simplen Staudius, einem Kaufmanne, ward von Seiten deren von Felsäcker als Mesalliance angesehen. Die schöne, aus der Art geschlagene Frau starb an dem Kummer über die Härte ihrer Brüder dahin, und deren Tod konnte der Mann nicht lange überleben. Seiner Mutter, Erichs Großmutter, aber ward die Genugtuung, daß ihr von seiten der Stadt eine standesgemäße Versorgung im Stift angeboten wurde und ihrem Enkelfindchen die Freischule. Weitere gute Absichten wurden dann nach dem Tode der Großmutter durch Erichs Flucht aus dem engen Kreise solcher Versorgung vereitelt. ( Fortsetzung folgt.) Was der Mensch ersann, erfand, Als Höchstes wirst du finden Gesundnatürlichen Verstand Und richtiges Empfinden. Der König der Clowns. Novellette von Th. Eicke. ( Nachdruck verboten.) ( Fortsetzung.) Monsieur Emil Bertin war wütend. Er hatte an diesem Morgen von seinem Anwalt einen Brief erhalten mit der unerfreulichen Nachricht, daß er nicht der Erbe des Vermögens sei, das er als sein früheres Eigentum erwartet hatte. Sein reicher und exzentrischer alter Onkel, auf deſſen Tod er so lange gewartet hatte, hatte noch einen Sohn hinterlassen, den rechtmäßigen Erben seines ganzen Reichtums, und der Neffe sah sich mit Schulden belastet, die zu zahlen er feine Möglichkeit fannte. Außerdem war er ein Müßiggänger, der weder Fähigkeit noch Lust hatte, sich ehrlich sein Brot zu erwerben. Seine Wut und seine Enttäuschung waren daher grenzenlos und verzweifelt rannte er in seinem Zimmer auf und nieder. Nun gut, so muß Babinette mich erhalten," sagte er endlich mit zynischem Lachen.„ Wir werden fortgehen nach einer großen Stadt, wo ihre Schönheit und ihre Talente sicherlich zur Geltung kommen werden. Sie wird berühmt werden und man wird ihr so viel Geld geben, wie sie haben will, wenn sie nur erst einmal in Mode ist. Inzwischen finde ich Zeit mich umzusehen. Warum auch nicht? Sie liebt mich bis zur Raserei, das süße kleine Ding. Es würde grausam sein, sie der Gnade dieses widerlichen Clowns zu überlassen. Oh! wenn ich doch nur über den vermaledeiten Kerl kommen könnte, der sich an meine Stelle gesetzt hat, ich wollte schon Mittel und Wege finden, ihn zu beseitigen," rief Monsieur Emil laut und schüttelte die Faust gegen die leere Luft, während ein Ausdruck wilden Hasses sein hübsches Gesicht erfüllte, der erkennen ließ, wozu diese zügellose und ſelbſtsüchtige Natur fähig war. Er wurde unterbrochen durch den Eintritt eines Dieners, den er wütend anschaute. Ein ein Mann wünscht Sie zu sprechen, Monsieur. Ich glaube, es ist Picotin, der Clown," fügte er hinzu, indem ein breites, bedeutungsvolles Grinsen sein Gesicht überzog. Den Teufel auch" rief sein Herr in voller Wut, als Picotin selbst auf der Schwelle erschien. Zuerst war der junge Mann, der in aristokratischen Kreisen zu verkehren pflegte, höchst perplex; dann zog er eine arrogante, mißvergnügte Miene auf; indessen, in den fest auf ihn gerichteten Augen lag etwas, das ihm Unbehagen verursachte, und er stammelte einige Worte unbeabsichtigter Herablassung. „ Das ist in der Tat sehr erfreulich, Künstler sind ja immer höchst willkommen." „ Der Mann, der fomint, um einen anderen zuz Rechenschaft zu ziehen, ist nicht immer so willkommen," antwortete der Clown trocken. Ich verstehe Sie nicht," sagte Emil achselzuckend und zündete sich eine Cigarette an: Monsieur Picotin ist ja natürlich stets berechtigt, seinen Scherz zu machen." „ Der aber sehr verschieden ist von solchen, wie sie junge Herren auszuüben lieben, die fähig sind, Feuerwerkskörper nach Frauen zu werfen, so daß diese fast den Hals brechen. „ Verteufelt!" dachte Emil,„ er erkennt mich wieder." Laut sagte er dann in einigermaßen demütigem Tone:„ Oh! was das anbetrifft, das war ein Studentenstreich; ich war damals betrunken- und außerdem haben Sie ja Ihre Rache gehabt!" „ Nein!" antwortete Picotin, dem die Wut die Kehle hinaufstieg. Ich habe nur den Buben gezüchtigt auch jemandem sagen können, wer es war." ich hätte Mit einem Blick, der nichts Gutes verhieß, schaute der Clown den Gegner an, der bei den letzten Worten ganz blaẞ geworden war. Wie! Babinette vielleicht! Sie kann nichts wissen. Es war Karnevalszeit und wir waren verkleidet. Ich trug einen schwarzen Domino und mein Gesicht war dunkel gefärbt. Ich wollte ihr gewiß nichts zu Leide tun, aber ich war betrunken." ,, Und doch haben Sie die Kühnheit gehabt, ihr seitdem den Hof zu machen!" schrie Picotin, bei dem die ganze Fülle von Born und Haß, die ihn gegen den Mann beseelte, zum Durchbruch kam. Genug davon! Ich pflege mich nicht zu streiten mit Leuten ihres Schlages, noch viel weniger bin ich Ihnen Rechenschaft schuldig für meine Unterhaltungen," entgegnete Emil in übermütigem Tone, indem er die Cigarette aus dem Munde nahm und den Ringen nachschaute, die er zwischen den Lippen hervorfreiselte. Doch schnell wie der Blitz war der Clown an seiner Seite und riß die zierliche Tabaksrolle aus den zarten Fingern des jungen Mannes und warf sie ihm ins Gesicht, daß die Funken umhersprühten. Einen Augenblick standen beide unbeweglich, dann warf sich Emil wie ein Tiger auf seinen Gegner, doch er hatte nicht an die Kraft und Biegſamkeit der Muskeln gedacht, mit denen er es zu tun hatte. The er ſelbſt wußte, wie es zugegangen war, lag der Boulevardflaneur mit halb zusammengepreßter Bruſt am Boden unter dem Wutblick von Picotin. ,, Um Verzeihung gebeten!" Ein plötzliches Schweigen folgte auf diesen kurzen Befehl. Mit eisener Schwere ruhten die Kniee und Hände des Clowns auf dem in ohnmächtiger Wut daliegenden jungen Mann, der es dennoch nicht über sich gewinnen konnte, zu gehorchen. Doch immer schwerer wurde der Druck, immer enger schlossen sich die Finger des Clowns, bis endlich Emil Bertin aus der halberstickten Kehle hervorkeuchte:„ Verzeihung!" „ Das ist Ihr Glück," sagte Picotin ernſt, während er aufstand und dem andern Raum gab, wieder auf die Füße zu kommen. Mit der wiedererlangten Freiheit kehrte bei diesem auch sofort etwas von seinem Uebermut wieder ein. ,, Sie haben mich gezwungen, um Verzeihung zu bitten wofür, das weiß ich nicht— nur durch die Ueberlegenheit der rohen Kraft, die Sie sich in Ihrem Berufe erworben haben. Sie haben einen zufälligen Vorteil in wenig feiner Weise ausgenutzt. Ich aber, Monsieur Emil Bertin, will Ihnen, dem Clown Monsieur Picotin, die Ehre antun, Ihnen entgegenzutreten, wie ein Ehrenmann dem andern. Sie werden meinen Sekundanten zu erwarten haben. Jekt gehen Sie." Damit wies er gebieterisch auf die Tür. Picotin trat einen Schritt oder zwei näher; seine fräftige untersetzte Gestalt schien plötzlich zu wachsen, während alle die gewohnte Beweglichkeit seiner Büge verschwand und ein starrer, unversöhnlicher Ausdruck an die Stelle trat, als er mit heiserer Stimme antwortete: " Ich, der Clown Monsieur Arnaud Bertin, weigere mich, Ihnen entgegenzutreten, dem Schurken Monsieur Emil Bertin." Damit wandte er sich um, drückte den Hut ins Gesicht und verließ das Zimmer. „ Er er der Erbe! Er der Mann, der mich aus meinen Rechten verdrängt hat," schrie Emil wuterfüllt.„ Oh, mein Gott! hätte ich ihn doch getötet!" Babinette war fort. Das war alles, was Picotin aus den lauten Klagen und Vorwürfen ihrer verzweifelten Eltern entnehmen konnte. Er stand da und hörte mürrisch, mit gebeugtem Haupte zu, als sie ihn wieder und wieder fragten, warum er nicht seiner törichten Kourmacherei mit der Hochzeit ein Ende gemacht habe. Brauchte ein junges Ding wie Babinette überhaupt dabei gefragt zu werden? Er hatte es selbst betrieben, daß sie mit einem der armen Studenten davon gelaufen war, jetzt, wo er selbst reich und zu stolz war, ihr Kind zu heiraten. Doch sie war schön und gut genug, jedermanns Weib zu sein, geschweige denn eines Clowns Sie wußten es wohl, daß er Schuld daran war; ganz gewiß er allein war zu tadeln; was sollten sie nun beginnen, die armen alten Eltern ohne die Unterstützung, die des Kindes Talent ihnen gewährt hatte? Das letztere war, wie Picotin wohl wußte, der Inbegriff ihres ganzen Schmerzes; die Jahresrente, die er ihnen jetzt, wo er ein reicher Mann war, bewilligen konnte, würden ihre Tränen bald trocknen und vielleicht gar eine dankbare Erinnerung in ihnen erwecken an den Tag, an dem ihr Kind sie verlassen hatte. Es war so leicht, gewisse Leute zu trösten; nur mit ihm selbst war es ganz anders. Babinette war fort. Er bemühte sich, nicht an den Schuft zu denken, der sie entführt, denn wenn er es tat, packte ihn ein grimmiges BeDas ist Siegestrun Unglück mi des Admir ine russisch hot hat, auf Arthur hat erlangt und den japanija Lorbedoboot fich zurüdwe Die Kata ist nur bei unter feeifchen dagegen mu mit dem S ungeheuren wenigen A den Beig Bejaku miral EDI der fen fierte um Japan wahrend nochmals war. Gr Mann bet Naschim funden bo