Nr. 16. Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., In's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertelfährlich Mr. 1.50. Gratisbetlagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasfen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Mittwoch, den 20. Januar 1904. Gießener 13. Jayrgang. Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz Ober heffen, die Kreise Wetlar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 Pfg. Reklamen die Betitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Erpedition: Gießen, Seltersweg 83 Fernsprechanschluß Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wezlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Was die Reichsboten von fich erzählen. ,, Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über", dürfte man wohl mit Recht als Devise über die furzen Lebensabrisse sezen, die das amtliche Reichstagshandbuch in seinem biographischen Teil über unsere Reichsboten bringt. Sind doch die Notizen alle auf Grund eigener Angaben der Betreffenden gemacht, und gerade ihre knappe Form bürgt dafür, daß das in ihnen enthalten ist, worin der Geschilderte jeinen größten Stolz zu sehen sich berechtigt glaubt. Denn ver wird wohl Unangenehmes über sich selbst aus der Schule plaudern?! Eine eigenartige Erscheinung ist es da, daß bei mehreren der Herren das, was sie im Reichstag von Partei wegen mit Geringschätzung behandeln, von ihnen persönlich als ein großes Verdienst angesehen wird. So rühmt der in LennepMettman gewählte Sozialdemokrat Meist von sich:„ Diente 1878/81 im 6. rheinischen Infanterie- Regiment Nr. 68, nach zwei Jahren Abgang wegen guter Führung, drittes Jahr Abgang mit Qualifikation zum Unteroffizier". Kurz und bündig nennt sich der in Pforzheim- Durlach gewählte sozialdemokratische Redakteur Eichhorn: Landwehrmann". Daß der Abg. v. Vollmar als früherer Offizier sich auf seine im 70er Kriege erworbenen ehrenvollen Wunden etwas zu gute tut, nimmt weniger Wunder als diese beiden obigen Notizen. Vollmar schreibt:„ Nahm am Feldzug 1870/71 gegen Frankreich als oberer Militärbeamter des Reichsheeres ( Feldeisenbahn) teil, wurde bei Blois schwer verwundet und Ganzinvalide". Die kriegerischen Leistungen bilden überhaupt den Gegenstand, bei dem die meisten Abgeordneten, soweit es der Raum gestattet, am redseligsten werden. So berichtet der Zentrumsabgeordnete Aigner, gewählt für Kelheim, über den Feldzug gegen Frankreich:„ Erhielt Belobigung von S. M. dem König Ludwig II." Der freisinnige Abg. Barbed, gewählt für Erlangen- Fürth, teilt mit:„ Bei Sedan schwer verwundet." Der Zentrumsabgeordnete Baumann zählt auf: Machte mit Erstürmung Weißenburgs, Schlachten von Wörth und Sedan, Belagerung von Paris", ebenso erzählt der Zentrumsabgeordnete Klose, Vertreter für Leobschütz: Machte zehn Schlachten und Gefechte( Belagerung von Metz) mit". Der Präsident des Abgeordnetenhauses, Jordan v. Kröcher, schreibt: Machte beim 1. GardeDragoner- Regiment den Krieg von 1870/71 mit( Attacke bei Mars la Tour, hier und bei Sedan verwundet)." Der fonservative Abgeordnete v. Riepenhausen, Vertreter für Rügen- Franzburg, erzählt:„ Trat zum deutsch- französischen Feldzuge aus der Selekta( des Kadettenkorps) in die Armee, wurde bei der Einnahme von Orleans( 11. Oktober 1870) berwundet( Schuß durch den linken Fuß)." Der in Gebweiler gewählte Elsässer Stadtpfarrer Röllinger hat 1870 im französischen Heere gefämpft, wie aus seiner Angabe ersichtlich:„ Diente als Freiwilliger zur Zeit des deutsch- französischen Krieges; zum Sous- Leutnant ernannt am 21. Januar 1871." Der frühere französische Offizier Baron de Schmid, Vertreter für Forbach, erzählt mit Stolz von sich: ,, Am 21. Mai 1902 wurde mir der Charakter als Königlicher Rittmeister verliehen." Der Rittmeister a. D. v. Böhlendorff- Kölpin, konservativer Vertreter für Usedom- Wollin, hebt hervor seine„ Teilnahme an der französischen Expedition in Tunesien im 13. französischen Marsch- Regiment" im Jahre 1881. Die sozialdemokratischen Abgeordneten weisen mit besonderm Nachdruck auf ihre Strafen hin. So wurde Bebel ,, infolge seiner politischen Tätigkeit vielfach in politische Prozesse verwickelt und verurteilt wegen Vorbereitung zum Hochberrat, Majestätsbeleidigung, Bismarckbeleidigung, ungesezlicher Verbindung u. s. w., im ganzen verbüßte er 57 Monate Festungs- und Gefängnishaft". In Bausch und Bogen registriert der sozialdemokratische Vertreter für Braunschweig, Blos: Defters Preßprozesse". Der gothaische Abgeordnete Bock nennt sich„ bestraft viermal". Der Sozialdemokrat Frohme, Vertreter für Altona, hatte etwa 15 politische Prc. zesse zu bestehen und zog sich in denselben Verurteilungen zu, die zusammen etwa vier Jahre Gefängnis betragen". Der sozialdemokratische Vertreter für Frankfurt a. M., Lithograph Schmidt, wurde wegen Preßvergehen mit vielen Geldstrafen, sowie mit einer Woche und drei Monaten Gefängnis bestraft". Der sozialdemokrotische Vertreter für NaumburgWeißenfels, Thiele, hat wegen zahlreicher Preßprozesse 26 Monate Gefängnis verbüßt". Zum Schluß seien noch einige charakteristische Bemerfungen ,, bermischten" Inhalts angeführt. Ein tüchtiger Geschäftsmann muß keine Gelegenheit vorübergehen lassen, um seine Ware zu loben nach diesem beherzigenswerten GrundJaz verfährt der Zentrumsabgeordnete Baumann, wenn er hervorhebt: Betreibt seit 1884 einen über ganz Deutschland berbreiteten Weinhandel mit reinen Naturweinen". Eine geschickte Verbeugung gegen etwaige antisemitische Angriffe bedeutet die kurze Bemerkung hinter dem Namen des Sozialdemokraten Hermann Goldstein: Dissident, bis 1876 ebangelisch". Damit wird allen etwaigen spizen Bemerkungen, die sich über die Abstammung Goldsteins den Gegnern aufdrängen sollten, in praktischer Fürsorge von vornherein die Spiße abgebrochen. Daß ein preußischer Oberst als Grund feines Ausscheidens aus dem Heere seine Aufstellung als Reichstaaskandidat angiht ist ein Auriofum. das der Vertreter von Labiau- Wehlau, Oberst v. Massow, von sich erzählt. Die Wähler des Polen v. Polczynski werden hoffentlich noch andere Qualifikationen an ihm zu rühmen wissen, die ihn bei ihnen populär gemacht haben, als die, denen er selbst diese Wirkung zuschreibt mit der stolzen Bemerkung: ,, Klavier- und Liederkompositionen mit polnischem Tert, die sich einer Popularität erfreuen". Die Herren Dauerredner, die das Entsezen des Hauses und der Tribünen bilden, aber sollten sich ein Beispiel an der lafonischen Kürze nehmen, mit der ein zweiter Pole, der in Kröben gewählte Abg. v. Mycielski, seinen ganzen Lebenslauf abtut:„ In Berlin geboren; fatholisch". Das Wahlrecht der Geistlichkeit. München, 19. Januar. Der neuliche Antrag des Reichsrats Grafen Moy auf fünftige Behinderung oder doch Beschränkung der Wählbarfeit in die Münchener Abgeordnetenkammer für die Geistlichfeit sämtlicher Konfessionen hat in ganz Bayern die lebhafteste Erregung entfesselt. In einem Teil der Zentrumspresse kennt die Erbitterung gegen Moy keine Grenzen. Das Regensburger Morgenblatt" richtete an den Grafen Moy die Frage, was er fagen würde, wenn das Zentrum zur Verhütung vollständiger politischer Versimpelung" die Aufhebung der hochgeborenen Reichsratskammer einbrächte. Wie vorauszusehen war, hatte diese Anfrage die prompte Konfisfation des Blattes zur Folge. Ein zweites Regensburger Blatt, das den Artikel übernommen hatte, teilte das Schicksal seiner Kollegin. Die gemäßigte klerikale Presse gesteht allerdings unumwunden zu, daß die große Zahl von Geistlichen in der bayerischen Sammer kein dealzustand ist. Aber sie seien für viele ländliche Wahlkreise die volkstümlichen Vertreter der Intelligenz. In Zentrumskreisen werde schon lange das Bedürfnis erörtert, in Zukunft mehr gebildete Laien in die Kammer zu entsenden. Leider werde dieses Ziel durch die einmännigen Wahlkreise sehr erschwert. Die liberale Presse begrüßt dagegen, wie zu erwarten war, im großen und ganzen den Antrag des Grafen mit Genugtuung. Sie hat sich bereits auf die ganz katholischen Länder Spanien, Belgien und Luxemburg berufen, in denen der Wählbarkeit der Geistlichen in die parlamentarischen Körperschaften gewisse Schranken gezogen sind. Heute bringen denn auch die Morgenblätter ausführlich die Begründung des Antrags. Diese betont, daß von vielen Laien wie von Geistlichen die Ansicht geteilt werde, daß die Beteiligung des geistlichen Standes am öffentlichen Leben unvereinbar sei mit den hoben, idealen Aufgaben dieses Berufes. Die Aufgaben der Seelsorge würden schwer geschädigt, wenn die Geistlichen statt aufzugehen in der Seelsorge und in charitativen Bestrebungen, sich auf ein Gebiet begeben, wo die Leidenschaften der Parteien sie häufig in Widerspruch sehen müssen zu den Lehren des Friedens und der Nächstenliebe. Die Sache der Religion würde auch aus dem Antrage nur Nußen ziehen, und deshalb sollten alle Mitglieder des hohen Geistlichenstandes sich dem Antrage anschließen. Die Geistlichen nähmen bezüglich der Ableistung ihrer Militärpflicht und in vielen anderen Dingen des öffentlichen und privaten Lebens schon jetzt eine Ausnahmeftellung ein. Ihre politische Tätigkeit sei in vielen anderen Staaten teils ausgeschlossen, teils beschränkt. Wie der Offizier, der Streiter des Königs, sollte auch der Geistliche, der Streiter Gottes und der Kirche, dem politischen Kampfplatz fernbleiben. Wenn auch die Volksvertretung manche tüchtige Arbeitskraft verlieren würde, so brächte doch das Ausscheiden der Geistlichen aus dem politischen Leben große Vorteile für die Wiederkehr des religiösen Friedens, der durch die Verquickung von Religion und Politik immer häufiger gestört wird. Die Begründung schließt: Möge das Schicksal des Antrages sein, welches es wolle, es mußte ausgesprochen werden, was viele tiefreligiöse Männer und viele geistliche Herren längst empfunden und gewünscht haben. Daß der Antrag, so wie er vorliegt, irgendwie praktische Folgen haben könnte, verspricht sich natürlich die einsichtige liberale Presse nicht. Es gibt sogar unter ihr einige Organe, die in der Ausschließung der Geistlichen eine nicht zu rechtfertigende Beschränkung des Rechtes jeden Staatsbürgers erblicken. Aber auch sie sehen in dem Antrag ein Symptom, das die beteiligten Kreise zum Nachdenken veranlassen sollte. Deutfcher Reichstag. ( 14. Sigung.) CB. Berlin, 19. Januar. Auf der Tagesordnung der heutigen Sizung standen zunächst die gestern vom Reichskanzler eingereichten Vorlagen, welche die durch den Herero- Aufstand im südwestafrikanischen Schutzgebiet notwendig gewordenen Forderungen enthält. Die Tribünen waren stark besetzt. Offenbar erwartete man im Publikum neue Mitteilungen über den Gang der Ereignisse, vielleicht auch scharfe Reden seitens der Gegner der Kolonialpolitik. Diese Erwartungen wurden nicht erfüllt. Der Direktor der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amts, Dr. Stübel, welcher die Vorlagen begründete, konstatierte von vornherein, daß ausführliche Nachrichten infolge der gestörten Verbindungen nicht eingetroffen ſeien; doch sei nicht anzunehmen, daß der Aufstand schon niedergeworfen sei. Telegraphisch sei um sofortige Hilfe gebeten und mitgeteilt worden, daß Windhuf schwer bedroht sei. Die Hereros fühlten sich durch die zunehmende Besiedelung in ihrer Bewegungsfreiheit und durch das Verbot des Schuldenmachens in ihrer wirtschaftlichen Selbständigkeit beschränkt. Dies sowie vielleicht noch falsche Nachrichten über deutsche Niederlagen im Süden mögen wohl zusammengewirkt haben, um den Aufstand so allgemein werden zu lassen. Die Kolonial- Verwaltung treffe feine Schuld. Aehnliche Aufstände seien ja auch in den Kolonien anderer Staaten schon oft genug vorgekommen. Die jetzt notwendige Verstärkung der Schußtruppe sei nur als eine vorübergehende gedacht. Abg. Spahn( 3entrum) wies darauf hin, daß Anzeichen dieser Aufruhrbewegung schon im November wahrzunehmen gewesen seien und daß mehrere Blätter schon im April und Mai von auffallenden Bewegungen berichteten. Doch sei dem, wie ihm wolle, jeẞt müsse geholfen werden. Die Politik. Es steht außer Zweifel, daß der Hereroaufstand zusammen mit dem der Hottentotten unsere südwestafrikanische Kolonie vor eine Krisis stellt, wie sie sie noch nicht durchgemacht hat. Indessen ist zu hoffen, daß dank des prompten Eingreifens des Reichs der Aufstand bald niedergeworfen sein wird. Ueber die Maßnahmen der Reichsregierung ist noch zu berichten: Außer dem Lloyddampfer Darmstadt", der leider erst am Freitag in See gehen kann, hat das Aus= wärtige Amt noch von der Woermann- Linie den Dampfer ,, Adolph Woermann" zum Transport von Entsatztruppen noch Swakopmund gechartert. Der Dampfer wird Ende dieses Monats seine Reise antreten. Ueber die Charterung zweier weiterer Dampfer der gleichen Linie schweben noch Unterhandlungen. Die beiden Kreuzer, die nach Südafrifa in See gehen, sind der Prinz Heinrich" und die „ Medusa". Kaiser Wilhelm hat den Prinzen Heinrich beauftragt, in seinem Namen den nach Südwestafrika abgehenden Mannschaften Lebewohl zu sagen und sie des faiserlichen Gedenkens zu versichern. So schmerzlich die Vorgänge in Südafrika auch sind, so fehlt es doch auch bei dieser Gelegenheit an Lichtblicken nicht. So meldete sich beim Appell zur Mobilmachung der II. Matrosen- Division auf das Kommando: Di= „ Freiwillige vor!" die ganze vision, 1000 Mann! Nicht einer blieb zurück! Freilich, angesichts solcher Bravheit unserer blauen Jungen ist es doppelt schmerzlich, wenn es wahr sein soll, daß die Waffen ihrer Feinde von der deutschen Regierung in Windhuf selbst geliefert sein sollen. Ein Kenner südafrikanischer Verhältnisse schreibt:„ Leider sind die Eingeborenen mit Waffen und Munition gut versorgt, und zwar durch das Gouvernement selbst, deren Haupteinnahme in dem Verkauf von Gewehren, Pulver und Blei bestand, ein Verfahren, welches sich jetzt bitter rächen wird!" A Die Reichsregierung hält unverändert an der Absicht fest, den gesetzgebenden Körperschaften des Reiches einen Gefeßentwurf zum Schutz der Bauforderungen vorzulegen. Indes ist es nicht wahrscheinlich, daß eine Einbringung der Vorlage noch in der laufenden Session des Reichstages möglich wird. Von der neuerdings empfohlenen Verweisung der Materie an die Landesgesetzgebung will die Regierung nichts wissen. Der Hauptvorstand des Kaufmännischen Verbandes für weibliche Angestellte in Berlin hat an den Reichstag das Ersuchen gerichtet, den Gesetzentwurf, betr. die Kaufmannsgerichte, nach folgenden Richtungen abzuändern: das Wahlrecht für die Beisiger auch den Frauen zuzugestehen, die Errichtung von Kaufmannsgerichten von der Größe der Stadt unabhängig zu machen, auch die Streitigkeiten aus der Konkurrenzklausel den Kaufmannsgerichten zu überweisen und vertragliche Vereinbarungen, wonach Streitigkeiten aus dem kaufmännischen Anstellungsverhältnis einem privaten Schiedsgericht unterbreitet werden sollen, für nichtig zu erklären. Von diesen Forderungen hat die erste nicht die geringste Aussicht auf Annahme, und die anderen dürften auch wenig Gegenliebe finden. Der preußische Etat für 1904 beziffert die Gesamteinnahmen des Staates auf 2 800 805 050 Mart, die ordentlichen Ausgaben auf 2 626 260 668 Mark, die außerordentlichen Ausgaben auf 174 544 382 Mark; die Summe der Ausgaben entspricht also der der Einnahmen. Die dem Landtage zugegangene Novelle, betreffend Erhöhung der Richtergehälter, hängt mit dem zweiten Gesetzentwurf zusammen, wonach die aufsichtführenden Richter an einer Reihe größerer Amtsgerichte den Titel„ Amtsgerichtsdirektoren" führen und den ersten Beamten einiger besonders bedeutender landgerichtlicher Staatsanwaltschaften eine pensionsfähige Gehaltszulage von je 900 Mark gewährt werden soll. Diese Stellen sollen, was das Dienſteinkommen angeht, denen der Oberregierungsräte bei den Regierungen gleichgestellt werden. Wie aus Essen gemeldet wird, beabsichtigt die preußische Unterrichtsverwaltung, in dem dortigen Industriebezirk, in welchem die Polen sehr stark vertreten sind, die polnischen Kinder auf der Unterstufe in eigenen polnischen Klassen zuDer Sonnenglût entfernen. ,, Nun, Vater? hat mir nichts getan du brauchst mich nicht so besorgt anbringen, talt ging es hin über Fritz Nordens Herz. Da wäre ich heil und gesund, die Sonne tauchen, eine fremde Hand die eingelaufenen Briefe überdann würde ein gleichgiltiges, fremdes Gesicht dort aufUebers Jahr, nein, früher schon, Der junge in feiner fest überacuat da und die beiden Norden taten das auch nicht. Ermshagen und ihn auch nach London und San Franzisko begleitet habe. Es ließ sich gegen diesen Brief nicht das mindeste sagen, Schwester fommen, die seit Jahren seinem Haushalt vorstehe was sein hochgeschätzter, würde Begleitung Hellmuth war erfahrener aber je langer, fe fibr; er fühlte sonst hielt ihn hier nichts! schwer machte hund ihnen dennoch huldigt und schmeichelt, weil es sie braucht, Tichem Unmut, mit verzehrender, heimlicher Eifersucht duldet Er hatte es satt, dies Wolf, das die Fremden mit innerdas ganz deutlich, und wenn ihm nicht der Vater den Abschied er strebte fort von Japan, nig henüẞt lich, obgleich nur Heizer, in Jum- el- Bagger eine ganz be deutende Rolle spielte. Brückenbau leitenden Ingenieure Die waren Engländer, dent daEntfernu sich von Griechen, Italienern und Arabern in unnahbarer runter nur ein Deutscher; diese wohnten in Schubra, zum Teil sogar in eigenen, schnell erbauten Villen, und hielten Riele hatten auch ihre Familien bei sich. Ich war eine Autorität. Die sammenzufassen, um einerseits die sehr starken Klassen zu entlasten und andererseits einen umfassenderen Unterricht in der deutschen Sprache für die polnischen Kinder einzurichten. Die Lehrer dieser polnischen Klassen sollen der pol nischen Sprache mächtig sein. Hoffentlich wird dafür gesorgt werden, daß diese polnischen Unterklassen wirklich dahin arbeiten, die polnischen Schüler im Deutschen so weit vorwärts zu bringen, daß sie an dem deutschen Unterricht der Oberklassen teilnehmen können. Sonst kann sich die Einrich, tung zu einer Gefahr für die deutsche Schule im Ruhrrevier auswachsen. Afien. Seit Beginn der ostasiatischen Krise waren die Nachrichten noch niemals so friedenberheißend wie heute. Selbst die englischen Blätter und Agenturen, die bisher in die Kriegsdrommete stießen, bringen jetzt beruhigende Nachrichten. So läßt sich die„ Daily Mail" von ihrem Petersburger Korrespondenten berichten, er habe aus amtlicher russischer Quelle erfahren, der Zar habe beim Empfange der Gesandten am 17. Januar geradezu geäußert, die Gefahr eines russisch- japanischen Konfliktes sei vorüber. Der„ Daily Erpreß" erklärt, aus bester Quelle mitteilen zu können, Rußland habe die Kohlenverschiffungen von Cardiff nach Ostasien eingestellt. Und gar das bisher immer den Krieg weissagende Reuterbureau meldet aus Petersburg, der dortige japanische Gesandte habe erklärt, es sei nicht der Mühe wert, wegen der noch in der Schwebe befindlichen Fragen einen Krieg anzufangen. Ferner meldet dasselbe Bureau aus Port Arthur: Die Haltung der hiesigen russischen Behörden läßt erkennen, daß sie den Gedanken an den Ausbruch von Feindseligkeiten bei dem gegenwärtigen Stand der Dinge zurückweisen. Im täglichen Leben der Bevölkerung ist keine Veränderung bemerkbar. Auch der Pariser„ Matin", der mit dem französischen Ministerium des Auswärtigen Beziehungen unterhält, erklärt auf Grund einer Mitteilung des Ministers Delcassé, die russisch- japanischen Beziehungen hätten sich nicht geändert, sie seien auch niemals so gespannt gewesen, wie gewisse Depeschen glauben machen wollten. Fast will es uns bedünken, als sei diese plötzliche Ueberfülle von Friedensversicherungen etwas verdächtig. Preussischer Landtag. ( 2. Sigung.) Haus der Abgeordneten. RK, Berlin, 19. Januar. Die Tagesordnung beginnt mit der Wahl des Präsidiums, die die Wiederwahl der bisherigen Präsidenten b. Kröcher( fons.), Porsch( Zentr.) und Krauss ( nl.) ergibt. Der Präsident erbittet und erhält dre Ermächtigning, dem König die Glückwünsche des Hauses zum Ge burtstage zu überbringen. Es folgt die Einbringung des Etats, der durch eine umfangreiche Rede des Finanzministers Frhrn. b. Rheinbaben begründet wird. Nach einem Rückblick auf die Etatjahre 1902 und 1903 geht der Minister auf den Etat 1904 über. Er sagt u. a.:„ Wir haben die Ausgaben sehr vorsichtig bemessen. Trotzdem sind auf allen Gebieten des fulturellen und wirtschaftlichen Lebens mehr Ausgaben eingesetzt. Diese konnten gedeckt und damit der Etat balanziert werden. Er erreicht in Einnahme und Ausaabe nahezu 3 Milliarden Mark. Aus dem Gerichtssaal. § Ein ungetreuer Gefängnisinspektor hatte sich in der Person des früheren Oberleutnants Viktor v. Puttkamer vor der Beuthener Straffammer zu verantworten. Wegen Betruges an den Gefangenenaufsehern und Lieferanten des Beuthener Gefängnisses wurde er zu 9 Monaten Gefängnis berurteilt. § Die Revision des Bankiers Wolff- Dortmund verworfen. Wie aus Leipzig gemeldet wird, verwarf das Reichsgericht die Revision des Bankiers Hermann Wolff- Dortmund, der vom Schwurgericht am 14. Oktober v. J. wegen Meineids und Vergehens gegen den Paragraphen 313 des Handelsgesetzbuches( Strafbestimmungen wegen missentlich falscher Angaben von Mitgliedern des Vorstandes eder Aufsichtsrates einer Gesellschaft) zu 2½ Jahren Zuchthaus, 3000 Mark Geldstrafe und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt worden war. § Die Schwiegermutter vergiftet. Wegen vorsäßlichen Giftmordes, begangen an ihrer Schwiegermutter, wurde die 35jährige Fischersfrau Anna Köhler, geb. Lentz aus Stepeniz, Mutter von drei kleinen Kindern, vom Schwurgericht in Stettin unter Ausschluß mildernde. Umstände zu fünfzehn Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt. Die Angeklagte, welche mit ihrer 63jährigen Schwiegermutter fast beständig im Streit lag, hatte dem Mittagessen der alten Frau einen Löffel voll Arsenik beigemischt, so daß am anderen Tage der Tod eintrat. § Wegen eines folgenschweren Eisenbahnzusammenstoßes im Nürnberger Zentralbahnhof wurde von der Strafkammer der Lokomotivführer Schießl zu vier Monaten, der Heizer Eskofier zu einem Monat, der Wagenwärter Kreussel zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Der Zusammenstof war durch Nichtkuppelung der Luftdruckbremse entstanden; es wurden seinerzeit 10 Personen verlegt und ein Eisenbahnbeamter getötet. § Ein abgefeimter Schurke. Von dem Münchener Schwurgericht wurde der dortige Kaufmann Julius Klippstein, Inhaber eines Abzahlungsgeschäftes, wegen Meineids und Verleitung hierzu zu anderthalb Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. Klippstein, der Familienvater ist, hat in vielen Fällen, in denen Kundinnen mit den Zahlungen im Rückstande blieben, diese durch Drohung mit Pfändung veranlaßt, sich ihm hinzugeben. In einem Falle beschwvor er nun wahrheitswidrig, daß er mit der betreffenden Frau nichts zu tun gehabt habe und suchte diese durch Versprechungen zu veranlassen, ebenfalls einen Meineid zu schwören. § Totschlag. Gewissermaßen ein Nachspiel zu dem befannten Winterschen Mordprozeß bildete eine Totschlags= affaire, die vor dem Koniker Schwurgericht zur Aburteilung gelangte. Wegen Totschlags an dem jüdischen Schriftsetzer Lewy wurde der Schlossermeister Hahn aus Stepars bei Konitz zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Der Mitangeklagte, Nachtwächter Vargin, wurde freigesprochen. Hahn wurde schuldig befunden, am Abend des 28. Sep tember 1903 den zugereisten Schriftseter Levy in einer Schanfwirtschaft dermaßen durch Stockprügel mißhandeli zu haben, daß jener an den Folgen während der Nacht verstarb. Dem Angeklagten wurden mildernde Umstände zugebilligt, da die Beweisaufnahme eraab, daß Levn ae Tegentlich einer Diskussion über den Winterschen Mord die anwesenden Gäste schwer gereizt hatte. Nab und Fern. Eine großherzige Stiftung hat der Rentier Wilhelm Nauen, wohnhaft in Düren, seiner Geburtsstadt Vierser bermacht. Er bestimmte den größten Teil seines auf mehrer hunderttausend Mark geschäßten Vermögens zum Zweck der Erbauung eines Nauenstiftes, in welchem alte Leute ohn Unterschied der Religion Aufnahme finden sollen. Von den Rest des Vermögens in Höhe von 100 000 Mark sollen di Zinsen für arme, sowie junge, sich selbständig machende Hand werker verwendet werden. Folgenschwere Explosion. Ein beklagenswertes Un glück ereignete sich auf dem österreichischen Artillerieſchieß plaz Felixdorf bei der Wiener Neustadt. Beim Füllen vor Efrasitbomben erfolgte eine Explosion, wodurch ein Ober leutnant und zwei Maschinisten getötet und drei Artillerister schwer verwundet wurden. Zugentgleisung. Schneeverwehungen haben in de Nähe von Spalato( Dalmatien) ein schweres Eisenbahn unglück herbeigeführt. Wie gemeldet wird, entgleiste be Mroviace infolge eines orfanartigen Schneesturmes di Rokomotive und vier Wagen eines Zuges und stürzten vor dem 20 Meter hohen Bahndamm hinab. Ein Reisender wurde getötet, zwölf verletzt. Hier sei ein Eisenbahnunfall angeschlossen, der sich au der Pariser Stadtbahn zwischen den Stationen Combat uni Belleville ereignete. Ein Zug, welcher Beschädigungen er litten hatte, war geräumt worden, ebenso der folgende. Eir dritter Zug, dessen Führer die Strecke frei glaubte, fuhr au den vorhergehenden auf. Dabei wurden sechs Reisende verlegt. † zu der furchtbaren Wasserkatastrophe in Bloemfontein wird weiter gemeldet, daß das Unglück durch eine Wasserhose enistanden ist, die über Stadt und Umgegend niederging. Durch die kolossalen Wassermengen, die in die Reservoir der städtischen Leitung in einem kurzen Augenblick eindrangen, wurden allerdings auch mehrere Wasserrohre zer sbrengt. Zwanzig bis dreißig Personen sind ertrunken. 176 Häuser wurden zerstört, und 197 Personen sind obdach los. Diese erhalten von den Kommunalbehörden und der gesetzgebenden Versammlung Unterſtüßungen. Die Szenen in den überschwemmten Häusern spotten aller Beschreibung. Das Rettungstorps verrichtete Heldentaten bei Bergung der hon den Fluten Ueberraschten. Der Crimmitschauer Streik geht allem Anschein nach seinem Ende entgegen. Die Streifleitung selbst hat den Ar beitern empfohlen, bedingungslos die Arbeit wieder aufzu nehmen. Schon seit einigen Tagen machte sich eine bemerkliche Erhöhung der Arbeitswilligenziffer bemerkbar, da die Ansicht sich immer mehr Bahn brach, daß der endgültige Sieg der Arbeiter nicht zu erkämpfen sei. Es arbeiteten vorgestern 2624 Personen, das ist gegen die Vorwoche eine Zunahme von etwa 300. Eine morganatische Ehe soll der österreichische Erzherzog Ferdinand Karl, der jüngste Neffe des Kaisers, 3. Zt. Brigadetommandeur in Prag, einzugehen beabsichtigen. Seine Erwählte soll die Tochter des on anderer von der Wiener technischen Hochschule sein. Seite wird dies Gerücht als eine bloße Kombination bezeichnet, die sich einzig und allein darauf gründet, daß der Erzherzog bei Czuber, der früher sein Lehrer war, manchmal verkehrt. Die Hinrichtung einer dreifachen Gattenmörderin wurde in Allenstein vollzogen. Im Hofe des dortigen Gefängnisses wurde durch den Breslauer Scharfrichter Schmiez Karoline Prczygodda enth ptet, die hintereinander ihre drei Chemänner mit Arsenik vergiftete. Die Prczygodda betonte bis zum letzten Atemzuge ihre Unschuld. A Anarchistisches Attentat. Der Kavallerieleutnant Cesare Silvelli wurde an der Ecke des Mailänder Scalatheaters von einem Unbekannten unter den Rufen:„ Hoch die Anarchie! Hoch die soziale Revolution! Tod den Schmarozzern!" durch sechs Dolchstiche tödlich verwundet. Die Menge wollte den Attentäter lynchen. Auf der Polizeiwache verweigerte der 20jährige Mensch jede Auskunft. Der Dolch weist Gravierungen revolutionären Inhalts auf. Vermilchtes. A[ Prinzensizung in der Kölner Karnevalgesellschaft.] Prinz Eitel Friedrich von Preußen besuchte mit dem gleich falls in Bonn studierenden Herzog Karl Eduard von Sachsen- Koburg- Gotha, Erbprinz Adolf und Prinz Morit zu Schaumburg- Lippe, Prinz Chlodwig von Hessen- Philippsthal- Barchfeld mit Gefolge und den übrigen Mitgliedern des Korps Borussia eine Sitzung der Kölner Broßen Karnevalgesellschaft. Der junge Kaisersohn bewegte sich mit seinen Kommilitonen ungezwungen unter der närrischen Festgemeinde. Mit berechtigtem Stolz sang die Narrenschar Altmeisters Gerh. Schnorrenbergs prächtiges Lied: Dat mäht uns keiner noh; und die Verse: Su zeig uns Kölle ganz apaat, dat Freud un Löstigkeit met Raisertreu noh ahler Aat sich got verdragen deit! gaben Anlaß zu stürmischen Hochrufen auf das Kaiserhaus. In dieser Stimmung hatte einer der lustigen Redner gewonnenes Spiel, als er als alter Student des Korps Theobromina" in zwerchfellerschütternder Weise seine Erlebnisse schilderte. Ihm rieben seine Bonner Kommilitonen einen Salamander. Den Ehrengästen schilderte Altmeister Karl Wirts Kölner Lieb und Treu in einem gemütvollen Gesang, der, nach der bekannten Schusterjungen- Melodie gesungen, mächtig durchschlug. Die Worte der Schlußstrophe: Und wenn dereinst der Kaisersohn zu seinem Vater reist, sag er ihm, daß im Kölner wohn noch stets der alte Geiſt.- Und ob manch Haar gebleicht auch sei, das Herz schlägt jung und königstreu. Und immer stehn sie allzugleich zu Kaiser und zu Reich! gaben Anlaß zu einer patriotischen Kundgebung, welche schließlich in einem Hoch auf den Kaiser und dem Gesang der Nationalhymne ausflang. [ Das Hochzeitsmenu eines Naturmenschen.] In dem märkischen Städtchen Arendsee fand unter zahlreichem Zulauf von Neugierigen die standesamtliche Trauung des befannten Naturapostels Gustav Nagel mit seiner Geliebten Lätitia Konhäuser statt. In Nagels„ Sommerbad" fand zur Feier des Tages ein großes Festmahl statt mit folgendem lockenden Menu: 1. Wasser mit Aepfeln, 2. Apfelinen- Marmelade, 3. warmes, 4. faltes Wasser. Nagel wird sich demnächst mit seiner Frau wieder auf Reisen begeben und Vorträge halten. [ Der verborgene Schatz.] Eine überraschende Entdeckung machte ein Danziger Antiquitätenhändler. Er fand in dem Geheimfach eines altertümlichen reich geschnitten Schrankes, den er aus den Nachlaß eines Gerichtsrates erworben hatte, nicht weniger als 30 600 Mark preußischer Konsols. [ Der Heizer der ersten Lokomotive] ist in London aus dem Leben geschieden: T. Marshall, der Heizer der ersten Lokomotive, die George Stephenson dem öffentlichen Betriebe übergeben hat. Er erreichte ein hohes Alter und überlebte seinen Meister länger als 55 Jahre, denn Stephenson starb am 12. August 1848. Die denkwürdige Fahrt, bei welcher, wie es heißt, Marshall als Heizer diente, fand am 27. September 1825, zur Eröffnung der Eisenbahnlinie der Stockton and Darlington Railway", statt, der ersten in der Welt, welche Passagiere beförderte. + Im Fin geffern die Art u Sprache, bie in Blättern( national Finanz- Ausfuh, f Landtags gebracht gebrudt wird. Wen Momente berechtigt Berichte allgeme das Ansehen des Ausschuffes im La Kritik zu üben, wo an Renntnis der unangebracht fei; Frage eine Refolu wiefen, da man allzuviel Ehre ant beauftragt werden Gaft sich einer ent möge. Erwähnt Seffe fein foll werden fiberlich Beitung gemeint if eine vor ungefähr lichte ausführliche Der Find hat gestern mit den des Etats begonnen Rapiteln ohne wefen Geftrichen wurden tehr des Kataftergewerbevereins, di höhere Gehaltslla über die Mehrford da der Ausschuß f des Babes an Ort Ausschuß der erf wird und auch d werden, fann ma Landtags Mit rechnen. O[ Einer buchstäblichen Feuerprobe] wird das ausgebrannte Froquois- Theater in Chicago unterworfen werden. Nach dem vom Bürgermeister Harrison dafür entworfenen Plan werden diesmal geschulte Feuerwehrleute zur Stelle sein, um zu verhüten, daß das zu Versuchszwecken vorsätzlich angelegte Feuer aus dem zerstörten Theatergebäude nach außen übergreift und Schaden anrichtet. Der Versuch wird in der Weise vor sich gehen, daß die Bühne des Iroquois Theaters mit leicht entzündlichen Stoffen angefüllt, und diese in Brand gesetzt werden, nachdem für das Feuer dieselben Bedingungen geschaffen worden sind, die am Tage des furchtbaren Unglücks, dem 30. Dezember, bestanden. In Feuerwehrfachkreisen erwartet man, durch dieses Experiment bedeutungsvolle Aufschlüsse über den Verlauf des Feuers zu erhalten, das so viele Leben hinwegraffte. Die Leitung der Feuerprobe soll Mr. J. R. Freeman, ein bekannter Sachverständiger für Feuerbekämpfung, übernehmen. ** Der Spieleraberglaube macht sich auch bei der preuBischen lassenlotterie, deren Ziehung gegenwärtig wieder stattfindet, vielfach bemerkbar. So halten viele Loskäufer es für glückbringend, wenn sie beim Kollekteur das Los nicht selbst auswählen, sondern dasselbe von unschuldiger Kindeshand, am besten von der Hand eines Waisenkindes, ziehen lassen. Andere halten es für günstig, das Los mit einem Bekannten zu teilen, der Glück im Spiele hat. Viele Spieler legen Wert darauf, immer dieselbe Nummer zu spielen, und sie behaupten, daß eine durch viele Jahre hindurch von einem Spieler erfolglos gespielte Losnummer sicher bald gezogen wird, wenn der Spieler die Nummer abgibt. Die Ansicht, daß die Nummern 1-100 nie gewinnen, daß hingegen die meisten großer Gewinne auf die sechsstelligen Zahlen entfallen, hat natürlich eine rechnerische Grundlage. Die Preußische Klassenlotterie hat 225 000 Lose, darunter neun mit einstelligen Zahlen( 1-9), 89 mit zweistelligen( 10 bis 99), 899 mit dreistelligen( 100-999), 8999 mit vierstelligen, 89 999 mit fünfstelligen, und endlich 125 001 mit sechsstelligen. Selbstverständlich werden auf die fünf- und sechsstelligen Zahlen, zusammen 215 000, mehr Gewinne entfallen, als auf die 10 000 ein, zwei-, drei- und vierstelligen Zahlen. Im Verhältnis aber entfallen, wie die Gewinnliſten beweisen, die großen Gewinne ebenso oft auf ein- bis vierstellige Zahlen, sogar das große Los ist schon unter den Einern herausgekommen. [ Unvergorener Traubensaft als Abendmahlswein] wurde zum ersten Male in der St. Johanniskirche zu Flensburg bei der Abendmahlsfeier gereicht. In Flensburg besteht eine fräftig sich ausbreitende Guttemplerbewegung. [ Die Feuersäule auf der Londoner Straße.] In einer der belebtesten Straßen des Londoner Westens wurde fast einen ganzen Tag hindurch der Verkehr durch eine hohe Feuersäule unterbrochen, die aus dem Boden aufstieg. Das Feuer war ursprünglich durch Kurzschluß in der elektrischen Leitung entstanden und wurde nicht als gefährlich betrachtet, bis plöblich eine der Hauptröhren in der Gasleitung platzte und eine ungeheuere, stellenweise 90 Fuß hohe Flamme emporschlug. Eine zeitlang fürchtete man ernstlich eine größere Baserplosion, wie sie im Jahre 1881 in demselben Stadtteil sich ereignete, aber den vereinten Anstrengungen der Feuerwehr und der Gasarbeiter gelang es schließlich, die Gefahr zu beseitigen. Das Neuefte aus den Witzblättern. Enfant terrible. Onkel:„ Das Schön- Machen und Bitten hast du gewiß dem Flock beigebracht, Friz?" Frit: „ Nein, das hat er vom Vater gelernt, wenn der von der Mutter den Hausschlüssel haben will." Schlußfolgerung. Im Gegensatz zu diesen Erfahrungen kann ich konstatieren, daß mir noch nie ein Bursche an die Zigarrenfiste gegangen ist."" Poz Bombenelement mußt du ein Kraut rauchen, Vetter!" Jedenfalls.„ Du, Vata, z'was brauchet ma denn an Eisbeutel?" Dorfwirt:„ Der wird wahrscheinli auf'n Magen g'legt, bal ma zu warmes Bier' trunken hat." Weiß Ausgenüßt. Wohin denn so eilig, Herr Schmidt?" Ich will mit der Trambahn nach Hause fahren." Aber Ihre Wohnung liegt doch entgegengesetzt?" schon, aber von hier aus rentiert es sich nicht zu fahren, und so lauf' ich der Trambahn ein paar Stationen entgegen!" Unter Autlern.„ Nun, was sagen Sie zu den neuesten Erfolgen der Versuchs- Eisenbahn? Zweihundert Kilometer pro Stunde respektable Leistung, was!"- ,, Aeh, unangenehm! Auto übertrumpft. Muß anständiger Mensch wieder Eisenbahn fahren." 3arte Redeweise. Herr( zur Köchin):„ Ach, gehen Sie doch gleich in die Küche, der Eierkuchen, mit dem sich meine Frau beschäftigt, scheint die Oberhand gewinnen zu wollen!" ( Megg. Bl.) Der Landwirt. md Wann soll man Ziegen tränken? Viele Ziegenbesizer ala: ben zu sparen, wenn sie die Tiere erst an der Tränke sich satt saufen lassen, damit sie nicht soviel Heu verbrauchen. Bersuche haben aber das Gegenteil bewiesen. Erhalten die Tiere erst dünne Tränke und dann das Heu, so werden sie jehr empfänglich für Krankheiten und erhalten ein struppiges . Sättigen sich dagegen die Ziegen zuerst am Heu und erhalten dann die Tränke, so geben sie im Milchertrag zurüd, werden fett und kommen schwer zum Tragen. Am besten verfährt man, wenn die Tiere das Hen zur Hälfte vor und zur Hälfte nach der Tränke erhalten. Dadurch erhält man gesunde, kräftige und milchreiche Tiere, die wenig von stranfbeiten au leiden haben. Ernannt Gerichtsvollzieher Regiment Nr. 118 mit dem Amtsfize Stadtth Internationalen geschrieben Theo Bojer, des neu er nächst durch die Gustav Lindeman intereffantesten We find. Georg Bran biftoriter, schreibt Frauengeftalten" f ficherer Hand gebo eminenter Wirkung er anders leben der wird sein Haus -Im übrigen intellektuell- genialen Gesellschaft gedacht frei empfindenden F dem die geiftig hod für die Misere d Philiftertums zu fei ** Die Eis heute wieder geöffne ** Die Kr feiert Raisers Gebu damit zugleich auch * Die Berha bem Disziplin Oberbergrat Brofe März und die folg ** Viehm Borrat des Rindvi Stüd Milch und Milchfühe war un und Sieg nicht fo und diejenigen Kä Kaufluft. Trogde nicht schlecht war ftets fehr gesuchte des legten Mar feitens der Verfä durchschnittlich un war der Handel Handels in Milch MAGGI'S Metallsägre und Särge jeder Artstets am Lager. Bau- un Lebigstr. 65. Reifen begeben craschende Ent dler. Er fand eich geschnitten Gerichtsrates Tart preußischer in London aus eizer der ersten ffentlichen Be Mter und über nn Stephenson ige Fahrt, bei ente, fand am nbahnlinie der r ersten in der rd das ausge worfen werden. ür entworfenen eute zur Stelle zwecken vorfäb atergebäude nad er Versuch wird e des Iroquois angefüllt, und das Feuer die die am Lage ber, bestanden. dieses Experi Verlauf de oegraffte. Die Zeman, ein be pfung, über bei der preu twärtig wieder viele Lostäufer r das Los nich uldiger Kindes enfindes, ziehen Los mit einem Viele Spieler zu spielen, und durch von einem er bald gezogen t. Die Ansicht, aß hingegen die en Zahlen ent Brundlage. Die darunter neun stelligen( 10 bi 99 mit vierstel ch 125 001 mit f die fünf- und mehr Gewinne rei- und vierstel en, wie die Ge ebenso oft auf ze Los ist schon endmahlswein] hannistirche zu In Flensburg mplerbewegung. caße.] In einer stens wurde fast durch eine hohe en aufstieg. 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Wenn auch die Kritik der neuen oder anderen Momente berechtigt erscheint, so wurde doch der Ton dieser Berichte allgemein verurteilt, da derselbe geeignet sei, das Ansehen des Landtags und insbesondere des FinanzAusschusses im Lande herabzuseßen und sich anmaße, da Kritik zu üben, wo eine solche aus totalem Mangel an Kenntnis der Verhältnisse und Sachlage ganz unangebracht sei; der Vorschlag eines Mitgliedes in der Frage eine Resolution zu fassen, wurde mit Recht zurückgewiesen, da man dadurch der Person des Berichterstatters allzuviel Ehre antue, dagegen soll der Vorstand der Kammer beauftragt werden, denselben darauf hinzuweisen, daß er als Gast sich einer entsprechenden sachgemäßen Haltung befleißigen möge. Erwähnt wurde auch, daß fragl. Herr nicht einmal Hesse sein soll. Anm. d. Red. Unsere verehrl. Abonnenten werden sicherlich herausfinden, welcher Herr und welche Beitung gemeint ist, wenn man sich noch erinnern fann an eine vor ungefähr Jahresfrist in unserer Zeitung veröffentlichte ausführliche Brieffastennotiz. - ** Der Finanzausschuß der zweiten Kammer hat gestern mit den Abstimmungen über die anderen Kapitel des Etats begonnen und auch bereits eine ganze Reihe von Kapiteln ohne wesentliche Diskussion unverändert angenommen. Geftrichen wurden nur die Mehrforderungen für den Vertehr des Kataster- Amtes und den Vorsißenden des Landesgewerbevereins, die nach der Regierungsvorlage in eine höhere Gehaltsklasse einrücken sollten. Die Abstimmung über die Mehrforderung für Bad- Nauheim wurde ausgefeßt, da der Ausschuß sich am nächsten Sonntag zur Besichtigung des Bades an Ort und Stelle begeben wird. Da auch der Ausschuß der ersten Rammer demnächst zusammentreten wird und auch dessen Beratung sehr rasch erledigt sein werden, fann man auf den Zusammentritt des Landtags Mitte Februar mit ziemlicher Sicherheit rechnen. * Ernannt wurde am 16. Januar d. I. der Gerichtsvollzieher- Aspirant und Feldwebel im InfanterieRegiment Nr. 118 Emil Hohmann zum Gerichtsvollzieher mit dem Amtssiße in Grünberg. * * Stadttheater Gießen. Zum Gastspiel der Internationalen Tournée Gustav Lindemann wird uns geschrieben„ Theodora", das neueste Drama von Johan Bojer, des neu entdeckten nordischen Dichters, das uns demnächst durch die auserwählte Künstlerschar des Direktors Gustav Lindemann vermittelt werden sol, ist eines der interessantesten Werte, die je aus Norwegen zu uns gefommen find. Georg Brandes, der berühmte nordische Litteraturhiftoriter, schreibt in einem Artikel, betitelt„ Nordische Frauengestalten" folgendes: Das Stück ist mit erstaunlich ficherer Hand gebaut, es hat viele Situationen, die von eminenter Wirkung sind." Das Grundmotiv des Stückes ist, Wer anders leben will als es Brauch und Sitte fordern, der wird sein Haus beständig von Wölfen umschlichen sehen." " Im übrigen ist das Droma als die Tragödie der intellektuell- genialen Frau in der modernen bürgerlichen Gesellschaft gedacht; der Kampf einer frei denkenden und frei empfindenden Frau gegen ihre Umgebung; ein Kampf in dem die geistig hochbegabte Frau unterliegen muß, weil sie für die Misere des Alltags, für die harten Hände des Philiftertums zu fein organisiert ist. * * Die Eisbahn an der Molftestraße in Gießen ist heute wieder geöffnet. Die Eisfläche ist in bestem Zustande. Die Kriegertameradschaft zu Gießen feiert Kaisers Geburtstag am 30. Januar im Café Leib, damit zugleich auch ihr Winterfest. * ** * Die Verhandlung des Verwaltungsgerichtshofs in dem Disziplinarverfahren gegen den Geheimen Oberbergrat Professor Dr. Lepsius ist auf Donnerstag, 10. März und die folgende Tage anberaumt worden. *** Viehmarktbericht Gießen. Der gestrige Vorrat des Rindviehmarktes belief sich auf nicht ganz 1000 Stück Milch- und Fettvieh und etwa 280 Kälber. Für Milchfühe war unsere alte Marktfundschaft vom Main, Rhein und Sieg nicht so stark an den Markt gekommen wie sonst und diejenigen Käufer, welche zur Stelle waren, zeigten wenig Kaufluft. Troßdem der Vormarkt in ostfriesischen Milchtieren nicht schlecht war und auch hohe Preise für diese allerdings stets sehr gesuchte Ware bezahlt wurde, konnten die Preise des leßten Warftes für frischmelkende und tragende Rühe seitens der Verkäufer nicht erzielt werden. Milchfühe gingen durchschnittlich um 20 Mt. das Stück herunter und trotzdem war der Handel flau. Unter der Tendenz des nicht guten Handels in Milchbieh, litt auch der Fettviehmarkt, denn auch MAGGI'S BOUILLON- KAPSELN Metallsägre und Särge jeder Artstets am Lager. jeder Art stets am Lager. Metallsärge und Särge Biele Ziegenbefiz erit an der Tran el Heu berbraude ejen. Erhalten d Heu, so werden f alten ein struppige zuerst am Seu ur Milchertrag zurü Cragen. Am bejte en zur Hälfte be 11. Dadurch erhä Tere, die wenig vo Schön'sche Bau- und Möbelschreinerei Liebigstr. 65. GIESSEN. Telefon 410. hier mußte der Preis, um einen Handel zu wege bringen zu fönnen, weichen. Nur der Kälbermarkt, auf dem das Angebot der Nachfrage gegenüber für Frankfurt a. M., Mainz und Wiesbaden zu gering war, fonnte seine hohen Preise des letzten Marktes nicht nur festhalten, sondern in besserer Ware sogar noch war eine kleine Steigerung zu verzeichnen. Milchvteh blieb erheblich, Fettvieh in einigen Stücken überständig, nur Kälber waren sehr schnell geräumt. Einige Paare Fahrvieh die am Markte sich befanden, wurden für heute zurückgestellt. Es wurden verkauft, per Stüd Kühe frischmelten und tragend I. Qual. 400-450 Mr., einzelne Tiere bis 480 Mt. II. Qual. 325-375 Mt. III. Qual. 260-300 Mt. Gehandelt wurde: Fettvteh, Rinder I. Qual. 65-67 Mt. 11. Dual. 62-63 Mt. Fette Rühe 48-53 Mt.( je nach Güte) der Ctr. Schlachtgewicht. Kälber gingen fort: I. Sorte( Tiere über 50 Pfd. wiegend) 72-76 mt. II. Sorte( zwischen 40-50 Pfd. schwer) 65-70 Mt. III. Sorte( leichtere Tiere) 60-63 Mt. pro Ctr. Schlachtgewicht. ** Gleiches Recht im Speisewagen. Gine bollständige Gleichberechtigung der Fahrgäste der drei Eisenbahnklassen in der Benutzung der Speisewagen spricht ein Aushang aus, den der Eisenbahnminister für sämtliche Speisewagen jezt angeordnet hat. Der Zutritt zum Speisewagen, heißt es darin, steht jedem Reisenden frei, der sich im Besize eines für den Zug gültigen Fahrtausweises befindet. Der Aufenthalt darin ist nur zur Einnahme von Speisen und Ges tränken gestattet. Für die Teilnehmer an den gemeinsamen Mahlzeiten müſſen die Plätze rechtzeitig freigehalten werden. Es dürfen nur kleine Stücke Handgepäck mitgenommen werden, die in den Gepäcknegen Raum finden. Das Rauchen ist nur in dem für Raucher bestimmten Raum gestattet, bei gemeinsamen Mahlzeiten aber auch in diesem untersagt. Während der gemeinsamen Mahlzeiten werden Speisen nach der Karte nicht verabreicht. * Im Staatsverlage ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zum Preis von 20 Bfg. zu beziehen: Verordnung und Anweisung, betreffend den Vollzug und Ausführung des Gesetzes, betr. die Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben vom 30 März Wetzlar, 19. Jan. Die hierselbst neu begründeten vereinigten hrerbildungsanstalten werden mit Beginn des neuen Schuljahrs sich zu vollen Anstalten gestalten. Das Seminar nimmt nunmehr eine dritte Klasse auf und können derselben zum erstenmal Zöglinge aus dem hierselbst bestehenden ersten Präparandentursus überwiesen werden. Nur die bisherige dritte Präparandentlasse ist mit dem hiesigen Lehrerseminar organisch verbunden, während die beiden oberen Präparandentlassen als gesonderte Präparanden. furſe beſtehen. Die Aufnahmeprüfung für das hiesige Lehrer- Seminar ist vom 21.- 23. März und diejenige für die Präparandenschule vom 20. April d. Js. vorgesehen. Die Meldungen für beide Anstalten sind an den Leiter des Königlichen Lehrerseminars, Herrn Seminar- Oberlehrer Vorbrodt zu richten. g ======= Lauterbach, 18. Jan. Heute verstarb hier Ernst Friedrich Riedesel Freiherr zu Eisenbach. Friedberg, 19. Jan. Die mündliche Entlassungsprüfung am hiesigen Schullehrer- Seminar findet vom 22. bis 26. Februar statt; die schriftliche Prüfung beginnt am 28. Januar, die Aufnahmeprüfung am 24. März. × Gemünden, a. d. W. Am Sonntag fiel ein Kind von 2 Jahren in ein Messer; die spiße Klinge drang dem Kinde ins Auge und verlegte das Auge derart, daß das Sehvermögen zerstört ist. = Darmstadt, 17. Jan. Die Regierung hat nunmehr ein größeres an das Ständehaus anstoßendes Terrain, des früheren Darmstädter Hofes, welches zur eventuellen Vergrößerung der Ständehausräume dienen soll, zum Preis von 110 000 Mt. angekauft. Aus dem Gerichtssaal. - Strafkammer. Gießen, 19. Januar 1904. Der Faselwärter Johs. Ewald 3. von Ddstadt und dessen Tochter Anna Marie haben sich wegen Vergehens gegen den§ 173 St.-G.-B. zu verantworten. Das Urteil lautet gegen Johs. Ewald auf 2 Jahre und 6 Monate Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre. Gegen Anna Marie Ewald auf 1 Jahr Gefängnis. Die Landwirte und Jagdpächter Heinrich Megger 1 und Georg Megger von Röthges, sowie Hch. Reiß von Flensungen sind wegen Widerstand und Beleidigung angeflagt. Gelegentlich der Jagdausübung stießen die Angeflagten auf den mit ihnen verfeindeten Forstwart Emrich, den sie angriffen und beleidigten. Heinrich Metzger wird zu drei Monaten, Georg Megger zu 2 Monaten und Eduard Reiß zu 4 Monaten und einer Woche Gefängnis verurteilt. Da die Angeklagten anfänglich in Untersuchungshaft waren, kommt dieselbe auf die Strafe in Anrechnung. Marktberichte. Frankfurt a. M., 18. Januar. Fruchtmarkt. Es notierten nach Qualität: An Weizen, hiesiger und Wetterauer Mt. 16.60-16.75, kurhessischer Mt. 16.60-16.75, norddeutsch. Mr. Kansas Mt. 17.70-17.90, Roggen, hiesiger Mir. 13.45 bis 13.65, russischer Mr. 14.45-14.75. Amerifaner Mt. 14.75 bis 14.00, Gerste, hiesige Mr. 15.50 bis 15.80, Pfälzer, Mr. 15.75 bis 16.10, fränkische Mt. 15.80, Riedgerste Mt. 15.75 bis 16 10, ungarische Mt. 17.50-18.50. Hafer, hiesiger Mt. 12.75-13.75, furhessischer Mt. 12.75-13 75, Württemberger Mt. bayerischer Mr. 12.50-13.90, russischer Mf. 13.25-14.75, Mais Mixed Mt. 12.10-12.30, La Plata Mt. 11.25-11.75, meiner Mais Mr. 12 50-12.75, russischer Mr. 13.25-13.50. Alles pro 100 Kilo ab hier. bis Frankfurter Viehmarkt. Zum Verkauf standen 476 Ochsen, 47 Bullen, 872 Kühe und Färsen( Stiere und Rinder), 314 Kälber, 338 Schafe und Hämmel, 1614 Schweine. Aus Desterreich 000 Ochsen. Bezahlt wurde für 50 Kilo Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes bis zu 6 Jahren Mr. 70-72, b) funge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete Mr. 64 bis 66, c) mäßig genährte junge, gut genährte ältere Mf. 59-61, Bullen: a) vollfleischige d) gering genährte jeden Altecs Mr. höchsten Schlachtwertes Mr. 64-66, b) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere Mr. 61-63, c) gering genährte Mr. und Färsen,( Stiere und Rinder): a) volfleischige, ausgemästete Färsen ( Stiere und Rinder) höchsten Schlachtwertes Mt 60–62, b) vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes( bis zu 7 Jahren) Mr. 56-58, c) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte füngere Kühe und Färsen( Stiere und Rinder) Mr. 44-46, d. mäßig genährte Kühe und Färsen( Stiere und Rinder) Mr. 41-43, Kühe - e) gering genährte Kühe und Färsen( Stiere und Rinder) Mt. Bezahlt wurde für 1 Pfund a) feinste Mast-( Vollm.- Mast) und beste Saugfälber( Schlachtgewicht) 84-86 Pfg.( Lebendgewicht) 50 52 fa, b) mittlere Wait- und gute Saugfälher( Schlachtge wicht) 75-80 Bfg.,( Lebendgewicht) 44-47 Bfg., c) geringe Saugfälber 60-65 Bfg., d) ältere gering genährte Kälber( Fresser) Bfg., Schafe: a) Mastlämmer und füngere Masthämmel 66-68 fg., b) ältere Masthämmel 52–56 Pfa., c) mäßig genährte Hämmel und Schafe( Märzfchafe) 48-50 Pfa. Schweine: a) vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuzungen im Alter bis zu 1 Jahren ( Schlachtgewicht) 54-55 Pfg.,( Lebendgewicht) 43 Pfg., b) fleischige ( Schlachtgewicht) 53 Pfg.,( Lebendgewicht) 42 Pfg. c) gering entwickelte, sowie Sauen und Eber( Schlachtgewicht) 45-47 Bfg. Lebendgewicht-, d) ausländ. Schweine unter Angabe der Herfunft Pfg. Das Geschäft in Hornvieh war gut und ist der Markt geräumt. * ** Frankfurter Hen- und Strohmarkt vom 19. Januar.( Amtliche Notierungen.) Heu per 8tr. 3.20-3.60 Mt., Stroh per 8tr. 200-2 20 Mt. Wetterbericht. ( Wetterdienst zu Gießen: Peppler.) Verlauf der Witterung vom Montag und Dienstag. Das nordwestliche Tief hat sich unerwartet nordnordoftwärts verlagert, ohne unser Gebiet zu beeinflussen. Dagegen ist ein gestern über Italien lagerndes Tief nordostwärts vorgedrungen, sodaß der Wind über Nacht von Süden nach Often und heute vormittag nach Norden drehte. Flache Teiltiefs an der Nordwestseite des Haupttiefs brachten gegen Morgen etwas Schnee. Hoher Druck erstreckt sich von Jrland oftwärts bis Westrußland. Es würden also die nördlichen Winde anhalten. Daher roraussichtliche Witterung für Mittwoch und Donnerstag meist heiter, tälteres Frostwetter. Arbeitsnachweis der Stadt Gießen. Es können eingestellt werden: 1 landwirtschaftliche Magd, 1 Bauschreiner, 1 Küfer, 1 Metzger, 1 Fahrbursche von 16 bis 17 Jahren, i Friseur, 1 jüngerer Hausbursche( answ.), 1 Köchin ( dauernde Stellung), 1 Buffetfräulein, 11 Dienstmädchen gegen hohen Lohn für hier und auswärts, 1 Küchenmädchen. Lehrlinge: 1 Spengler, 1 Buchbinder, 2 Schreiner, 1 Metzger, 1 Bäcker. Es suchen Arbeit: 1 Schlosser, 1 Schmied, 2 Bnchbinder, 1 Küfer, 1 Schreiner. 1 Bäcker, 1 Schneider, 2 Lackierer, 1 Schriftseger, 5 Fahrburschen, 8 Hausburschen, 1 Köchin, 2 Lauffrauen, 2 Bureaugehilfen, 1 Kassierer. Verantwortlich: für den politischen und Inseratenteil: Albin Klein für das Lokale, den Gerichts-" und" Deffentlichen Sprechsaal": Fr. Oppermann Leneeet W realemegila Kathreiners Matzkaffee ist das Ideal eines Morgentrunkes. Er ist delikat, anregend und wohlbekömmlich. Stimmt an das Lied der Lieder, Eurekas" - Stimmt an mit hellem, hohen Klang, Lob und Hochgesangerschaut tausendfältig wieder. - - Der alten Sorgen sind wir ja- Für immer nun enthoben, Wer einmal äscht mit Eurefa",- Der wird es ewig loben. ( ,, Eureka" ist und bleibt die Krone aller Waschmittel, überall erhältlich, pro Packet 15 Pfa. á 10 und 15 Pfg. für 2 getrennte Portionen, übertreffen alle ähnlichen Präparate an Wohlgeschmack und praktischer appetitlicher Aufmachung. Stets vorrätig bei Christian Wallenfels, Giessen, Marktstrasse 17. Warum ist es wohl notwendig gewesen, dass zu all den vielen Sorten in der NaumanniaSeife noch eine neue KernSeife in den Handel gegebracht wurde. Weil eben darunter keine in so hohem Grade, die für eine wirklich gute Haushaltungsund Küchenseife erforderlichen Eigenschaften besitzt als gerade Naumannia- Seife Sparsam, rein, mild, neutral, billig, Wäsche und Hände nicht angreifend, für alle Waschzwecke gleich gut geeignet, sind die Eigenschaften, welche bei nur 12 Pfg. die Naumannia- Seife per Stück bei jeder einsichtigen Hausfrau beliebt machen. Kalk- und Marmorwerke, Dampfziegelei, August Gabriel jr.. Giessen Massenfabrikation. Bahnanschliisse. Werke Abendstern. Telephon Nr. 84. Für Bäcker! Brotpreis- Formulare hält stets am Lage die Expedition Theater- Verein Gießen. Stat- Theater 6. Vorstellung: Freitag, den 22. Jannar Novität! Novität! Der Sturmgeselle Sokrates. Komödie in 4 Aften von Hermann Sudermann. Ende gegen 11 Uhr. Anfang 8 Uhr pünktlich. Billets 3 f. 3,50, 3,00, 2,00( für Mitglieder bei weiterem Bedarf Mt. 3, 2,50, 1,50) und Mt. 1,50 für Studierende bei Herrn Challier und Abends an der Kasse. Jean Dern& Co. Giessen. 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Etwaige Einsprüche gegen den Inhalt dieses Katasters, gegen die Aufnahme oder Nichtaufnahme der Nebenbetriebe in das Kataster, gegen deren Veranlagung und gegen die Einschätzung der Betriebsbeamten und Facharbeiter sind innerhalb einer Frist von 4 Wochen nach Offenlegung bei den Vorstande dec land und forstwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft in Darmstadt bei Meidung späterer Nichtberücksichtigung vorzubringen. Gießen, den 15. Januar 1904. Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen. J. V.: Curschmann. Gesellenprüfung. Die diesjährigen Gesellenprüfungen finden in den Monaten Morz und April statt. An derselben können alle jungen Handwerker aus Gießen, Heuchelheim, Wieseck, Alten- und Groß- Buseck. Beuern, Hausen, Burkhardtsfelden, Wagenborn- Steinberg, Lethgestern, Langgöns, Großen- und Kleinlinden, Rödgen, Garbenteich, Trohe teilnehmen, deren Lehrzeit spätestens am Schluß der Prüfungen beendet ist. Anmeldungen zur Prüfung sind unter Benutzung des vorgeschriebenen Formulars( bei dem Unterzeichneten erhältlich) bis zum 13. Februar an den unterzeichneten Ausschuß zu richten. Die Prüfungsgebühr beträgt 3 Mt. und ist mit der Anmeldung an den Unterzeichneten einzusenden. Wir machen insbesondere darauf aufmerksam, daß die Ablegung der Gesellenprüfung u. 2. als Borbedingung für die Anleitung von Lehrlingen und die Führung des Meistertitels erforderlich ist, ihre Versäumnis daher später empfindliche Nachteile im Gefo ge hat. Gießen, den 18. Januar 1904. Der Prüfungsausschuß des Ortsgewerbevereins zu Gieken. Traber. Vorsigender. Derdingung von Drainagearbeiten. Die in der Feldbereinigungsgemarkung Langs= dorf weiter auszuführenden Drainagearbeiten, ca. 11 500 m sollen Freitag, den 22. Januar d. Js.. nahm. 3 Uhr auf dem Rathause zu Langsdorf durch öffentliches Ausgebot in mehreren Losen vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen liegen auf Groß. Bürgermeisterei Langsdorf zur Einsicht offen. Gießen, den 11. Januar 1904. Großherzogl. Kulturinspektion Gießen. Wißmann. Holzversteigerung in der fürstlichen Oberförsterei Lich. Es sollen versteigert werden: Montag, den 25. Januar im Distrikt Riedwald: Buchen: 212 Rm. Scheiter( dabei 4 Rm. HainFlüssices Obit: Burg- Nieder- Gemünden buchen rund, 197 Rm. Anüppel, 91 Rm. Stöde 5200 Alkoholfreie Normalgetränke, an= vergorene Fruchtsäfte a. frischem Obite: Aevfel, Beeren, Trauben zc in mehr a. 20 versch. Sort. Aerztl. empf. Vers a. i. fl. Quant. z. Orig. Keltereipreisen. Man verl. Preisl. S. Vtr ges. W. Schütz Weilburg. 2 sehr verm. chriftliche una b= hängige Damen su ben die B fannt haft fol. tücht. Herrn zwecks Heirat. Aufricht. n. anonyme Off. erbeter Hera Berlin S.w. 12 poitl. Wer Stelle ucht, verl. Die Deutsche Vakanzenp ost' Eklingen AAAAA Karneval 1904 empfiehlt sich die Buchdruckerei Albin Klein im Anfertigen aller Drucksachen. Geschmackvolle Ausführung. 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Scheiter, 82 Rm. Knüppel, 115 Rm. Stöcke, 6600 Wellen; Nadelholz: 12 Rm. Scheiter( Kiefern, rund), 36 Rm. Knüppel, 1 Rm. Stöcke, 2970 Wellen; 9 Rm. sonstiges Knüppelholz, 170 Weichholz Wellen. Fichten Derbstangen: 288 Std. 21,90 m., teilweise schönste Bau- und Gerüststangen; Fichtenreisstangen: 32 Stück 0,21 Fstm. Die Zusammenkunft ist Vorm. 92 Uhr auf der sog. alten Laubacherstraße dort, wo dieselbe von Fußweg Lidh- Harbach gefreuzt wird. 110 Dienstag, den 26. Januar, im Distrikt Hard: Buchen: 299 Rm. Scheiter, 100 Rm. Knüppel, Rm. Stöcke, 2950 Wellen; Eichen: 4 Nm. Scheiter( 3 Werk= 1 rund), 34 Rm. Knüppel, 52 Nm. Stöcke, 350 Wellen; 1 Rm. Linden, 2 Nm. Aspen-, 6 Rm. Kiefern- Knüppel. 6 Eichen Abschnitte= 6,05 Fstm. = Durchmesser Länge = 62 67 60 49 43 46 2 2 7,6 8 1,8 5 1 Elsbeer Abschnitt 0,25 stm. 350 Fichten Derbstangen zu Baumpfählen zum Zumachen 2c., 4000 Fichtenreisstangen. Die Zusammenkunft ist Vormittags 92 Uhr auf der Chaussee von Kolnhausen in die Hard beim Eingang in den Wald. Man verlange: 1 GRELOGNAC Aerztlich empfohlen. Am meisten freuten fich Signor und Signora Triumphzug, die guten Leute hatten mich lange Zei für tot Philippi, als sie mich wiedersahen. Taffen worden. gehalten. Mein Ritt durch das Coil 6.1 cinem guft AUS FERNEN ZONEN Nr. 16. Mittwoch, den 20. Januar sche Fami 1904. 69 5 en. g. den in den spätestens n, Rödgen, Steinberg, Broß- Bused, werfer aus hneten einträgt 3 Mt. erzeichneten rzeichneten Benutzung iche Nachderlich ist, Lehrlingen u. 2. als fmerksam, evercins beiten, g Langs= eiten. auf Groß. liches Ausn. 3 Uhr Tassen worden. Mein Ritt durch das Coil gold emem Triumphzug, die guten Leute hatten mich lange Bei für tot gehalten. Am meisten freuten sich Signor und Signora Philippi, als sie mich wiedersahen. Und dann erfuhr ich etwas, was mir noch jetzt das Herz erzittern macht, denke ich daran. Als der heimkehrende Philippi die Nachricht von meiner Erkrankung brachte, heulte Topsy laut auf, rannte planlos hin und her und fragte jeden, wohin ich geschafft worden sei. Als sie das erfahren hatte, lief sie in derselben Nacht noch, so wie sie ging und stand, nach Kairo und erreichte die Pforten des Hospitals bei Sonnenaufgang. Heftig riß sie an der Klingel. In der Meinung, ein Kranker müsse untergebracht werden, öffnete man ihr. Sie bat, den„ Anglesi" sehen zu dürfen, der gestern aufgenommen worden sei. Er heiße ,, Chobecht" und käme aus Fum- el- Bagger. Mit einem Fluche und einem Fußtritt wurde die schmuzige staubbedeckte Negerin von dem Pförtner auf die Straße geschleudert. Nach Deffnen der Tore hörte man endlich ihre Bitte an, und Topsy erhielt den Bescheid, daß Krankenbesuche nur Mittwochs und Sonnabends am Nachmittag stattfinden dürften. Topsy flehte vergebens um eine Ausnahme, für die verwahrloste Schwarze existierte eine solche natürlich nicht. Da fauerte sich Topsy an dem Tore nieder und wartete von Montag früh bis Mittwoch nachmittag. Wovon sie unterdes gelebt hatte, konnte ich auch nicht erfahren. Vielleicht hat sie gebettelt, vielleicht gestohlen, ich vermute aber, daß sie gehungert hat. Als nach zwei Tagen die Besuchsstunde fam, fand sie auch keinen Einlaß, denn der Pförtner hielt ihr die allzeit offene Hand hin und verlangte erst seinen Backschisch, das heißt sein Trinkgeld, und als ihm Topsy nicht die kleinste Münze geben konnte, wurde sie abermals davongejagt. Mit blutrünstigen Füßen kam sie in Fum- el- Bagger wieder an. Stillschweigend nahm sie eine Tracht Prügel wegen ihres langen Ausbleibens hin und verrichtete ihre Arbeit, ohne einen Bissen über die Lippen zu bringen. Am Sonnabendmorgen erspähte sie einen unbewachten Moment, wußte Philippis Notpfennig zu finden, erbrach die Kasse, entnahm ihr die größte Silbermünze, drei Schilling, und eilte spornstreichs abermals nach Kairo zum Hospital. Sie wollte den Anglesi aus Fum- el- Bagger sehen und sprechen. Der Araber nahm die Silbermünze, ging davon, aber nur, um das Geld in Sicherheit zu bringen. Zurückkehrend sagte er, um die Negerin los zu werden, ich sei schon Jestorben. Ein Sturm der Entrüstung empfing die Heimgekommene, die Diebin. Aber die erhobenen Fäuste sanken herab, als man Topsy genauer ansah. Sie war zu einem Gerippe zujammengeschrumpft, ihre Füße wiesen klaffende Wunden auf, und sich aufrecht zu erhalten, vermochte sie nicht mehr. Sie jank zusammen mit den ächzenden Worten:„ Chobecht ma fiesch!"( Robert ist tot); dann schleppte sie sich auf Händen und Knieen nach meinem Bett und legte sich darauf. Der Schrecken über die Mitteilung stimmte meine Wirtsleute milder, man bot ihr Essen und Trinken an, aber sie verschmähte alles. Da geschah etwas, was man nicht für möglich gehalten: Topsy weinte. Und Topsy stand nicht wieder auf. Am anderen Tage fühlte sich Philippi doch bewogen, den Arzt rufen zu lassen. Als dieser fam, war Topsy schon tot. Der Arzt sagte, er könne nicht begreifen, woran sie gestorben sei. Die Wunden am Fuß könnten nicht daran schuld sein, da hätte ihr Rücken manchmal ganz anders ausgesehen. Ich aber begriff es.Es ist etwas eigentümliches mit den Negern. So lange sie frohen Mutes sind, ertragen sie mit Leichtigkeit Wunden und Anstrengungen, denen der Europäer unfehlbar unterliegt. Sind sie aber seelisch niedergedrückt, nagt in ihrem Innern ein heimlicher Schmerz, so gehen sie schon an den Wunden zu grunde. Hätte Topsy gehört, daß ich auf dem Wege der Besserung sei, sie wäre tanzend und lachend und völlig gesund heimgekommen. Weit entfernt von dem arabischen Friedhof wurde Topsy begraben oder vielmehr eingescharrt. Nicht ein paar Bretter batte man für einen Sarg übrig, nicht einmal in eine Decke brauchte die häßliche Negerin gehüllt zu werden. Ein arabischer Junge führte mich nach der wüsten Begräbnisstelle, die kaum ein kleiner, nackter Erdhügel verriet. Arme Topsy! AUS FERNEN ZONEN Ein heiliger Dogel. Der Adjutant oder Riesenkranich ist bei den Hindu ein„ ge= heiligter", d. h. durch Gesetz und Herkommen geschützter Vogel, weil er ein eifriger Vertilger von Ungeziefer ist. Besonders säubert er das Land von Ratten und Mäusen. Er kommt ohne Scheu in die Straßen und Höfe, um seine Vertilgungsarbeit zu verrichten, und es giebt in Indien keine Ortsbehörde, welche die Tödtung eines Adjutanten nicht bestrafen würde. In Kalkutta steht auf die Tödtung eine Strafe von 1 Goldmohur(= 32 Mack). Der englische Naturforscher Mr. C. T. Buckland, schreibt: Mir wurde erzählt, Mr. R. habe einen Adjutanten über eine Mauer nach einer auf derselben schlafenden Kaze springen sehen, der Vogel habe die Kaze plötzlich gepackt und verschlungen. Ich traf Mr. R. und befragte ihn über diese mir unglaublich scheinende Heldentat; er sagte mir, daß er davon nichts gesehen habe, wohl aber habe sein Freund S. gesehen, wie ein Adjutant ein ganz junges Kätzchen verschlang. Das ist allerdings eher glaubwürdig, denn eine junge Katze braucht nicht größer zu sein als eine Ratte, und ich habe selbst oft gesehen, wie Adjutanten lebende Ratten verschlangen. In den Ställen des Hauses eines meiner Freunde pflegten die indischen Dienstleute jede Nacht Ratten in Fallen zu fangen. Morgens trugen sie die Fallen auf einen freien Plaz wo schon drei oder vier der Riesenkraniche bereit standen, welche schon wußten, was sie zu erwarten hatten. Die Ratten wurden herausgelassen und suchten zu flüchten, aber die Vögel mit ihren langen Beinen waren schneller als sie, packten die Tiere, schleuderten sie in die Höhe und verschlangen sie sofort. Manchmal entkam eine Ratte einem der grimmigen Verfolger, aber nur, um einem andern in den Schnabel zu laufen. Die in den Chinsura Baracken einquartierten Soldaten vom 29. Regiment machten sich eines Tages nach der Mahlzeit den Spaß, zwei Markknochen mit einer etwa 20 Yards(= 18,2 Meter) langen starken Schnur zu verbinden und zwei wartenden Adjutanten hinzuwerfen; jeder Vogel verschlang einen Knochen und beide erhoben sich in die Luft, um ihren gewohnten Sitz auf dem Barackendache einzunehmen; dabei gerieten sie, an der Schnur zerrend, an einander und kamen wieder heruntergeflattert. Nun entstand zwischen beiden ein harter Kampf, bis endlich die Schnur riß, worauf beide wieder in die Luft flogen und ihre Schnurenden ebenfalls den verschluckten Knochen nachfolgen ließen. * Bunte Blätter. Merkwürdige Eheschließung. Unter den Deloes, einem Volksstamme Sumatras, wird die Eheschließung in folgender merkwürdiger Weise sefeiert: Vor der Wohnung der Braut errichtet man eine ungeheure Wage mit hölzernen Schalen, die über und über mit Laub bekränzt wird. Auf die eine Schale legen die Eltern der Braut Früchte, Reis, Brennmaterial für den Küchenherd, einige Kokosnüsse und eine junge Ziege. Auf die andere Schale hat der Bräutigam noch vor Sonnenuntergang die Geschenke niederzulegen, die er für die Auserwählte bestimmte, und fährt damit so lange fort, bis seine Schale niedersinkt. Im gleichen Augenblick tritt die Braut aus dem Hause, nähert sich dem Bräutigam unter den Glückwünschen der Anwesenden, und die Ceremonie ist damit beendet bis auf ein gemeinsames Mahl nebst einem Tanze von sehr eintönigem Rhythmus, der mit noch langweiligeren Körperbewegungen ausgeführt wird. Blindenbeschäftigung in Japan. Das sogenannte Massieren ( Kneten, Recken 2c.) an Kranken und Gesunden wird in Japan von Blinden ausgeübt. Wenn ein Japaner sich erfältet hat, so läßt er nach dem täglichen warmen Bade, in dem er sich nackend oder halbnackend ausstreckt, einen Blinden kommen und sich mit den Händen bearbeiten, was so systematisch und geschickt über alle Teile des Körpers ausgedehnt wird, wie es in einem türkischen Bade kaum geschieht. Diese Arbeiten sind das Mittel, durch welche sich japanische Blinde ernähren. Sobald die Dämmerung herankommt und oft nach 10 Uhr abends noch hört man das Aufstoßen ihrer langen Bambusstöcke, das Pfeifen ihrer Flöten und den Ruf Ama- san in den Straßen. Ama- san nämlich heißt: ,, der Knetende, Herr", ein Name, der ihnen allgemein zuteil wird. Die Blinden haben geschorene Köpfe und sehen aus wie buddhis stische Mönche, werden auch wohl als halbe Mönche und Heilige angesehen. Nr. 16. Mittwoch, den 20. Januar 1904. Oberhessische Familienzeitung. Cägliche Unterhaltungs- Beilage Der Gießener Neueste Nachrichten. Bad und Berlag der Wiesener Berlagsbenderet, verm. Bus. taller's Budbrudsrei( gegr. 1788); sezentrend:[ bin Rielx ( 13. Fortsetzung.) Der Beuge. Roman von Marie Bernhard. Aber auch ihm war das Unmögliche nicht geglückt! Er war bei den Europäern vielleicht die einzige Persönlich feit in ganz Yokohama, der jeder Wohlwollen, die meisten Liebe und Freundschaft entgegenbrachten,- seinem sonnigen, frohen Wesen war nun einmal schwer zu widerstehen! Auf eine gewisse Art war auch Hellmuth Norden bei den Japanern, mit denen er vielfach in Berührung kam, beliebt: er hatte verhältnismäßig weniger von ihrem Eigennutz und ihrem Fremdenhaß zu leiden, als irgend ein anderer, aber zu fühlen bekam er ihn dennoch, wohin er sich auch wandte! Ueberall prallten seine Ueberzeugungen, seine Auffassungen mit denen des fremden Volkes an einander. Was ihm eine Ehrensache erschien, war dem Japaner durchaus keine; was er als feig und verächtlich verurteilte, erschien dem Japaner als erlaubt und geboten. Der Mut des Europäers gilt in einem Lande, wo Hinterlist und Tücke an der Tagesordnung sind und man den Feind zumeist aus dem sichern Hinterhalt überfällt, für offenbare Tollkühn heit, der Maßstab ist eben ein himmelweit verschiedener, wie aus den Heldenerzählungen und Volkssagen der Japaner leicht zu ersehen ist. Diese verherrlichen die wildeſten Gewalt- und Bluttaten, Liebesabenteuer bedenklichster Sorte und den legalen Selbstmord, der als ein Akt großer Entschlossenheit und Geisteskühnheit gepriesen wird, ein deutsches Volksepos mit den darin geschilderten Heldentaten würde einem Japaner ein Buch mit sieben Siegeln sein! Hellmuth Norden brütete wieder einmal, wie so oft schon, an diesem lauen Märztage über diesen unversöhnlichen Gegensägen, als sein japanischer Diener Hot- sumi derselbe, der ich im September in seines Herrn Kleider gesteckt hatte sich ihm näherte und in unterwürfigem Ton meldete: ,, Allergütigster Herr, es ist jetzt an der Zeit!" Hellmuth fuhr empor. Ich komme! Sind die beiden englischen Diener mit den Karren für das Gepäck bereit?" " Ja wohl, mein gnädigster Herr!" ,, Schön! Du kommst gleichfalls mit zum Hafen!" Hot- sumi neigte sich sehr tief und brachte seinem Gebieter einen breitrandigen Hut und einen großen Schirm. Dann gingen sie mit einander dem Hafen zu. Heute sollte das Schiff„ Cormoran", von Shanghai herkommend, in den Hafen von Yokohama einlaufen, und an Bord den von Hamburg abgesandten Walter Ermshagen, sowie dessen Schwester, haben. Um sie abzuholen, begab sich jetzt Hellmuth Norden samt seiner Dienerschaft und den Gepäckkarren an den Hafenplatz. Er hatte einen Teil der japanischen Stadt dabei zu durchkreuzen, aber das bunte, fremartige Getreibe, das dort herrschte, nötigte ihn kaum mehr einen flüchtigen Blick ab, er war zu sehr daran gewöhnt. Je näher man dem Hafen kam, desto mehr nahm das Menschengedränge zu, Hellmuth mit seiner Dienerschaft kam nur langsam weiter inmitten dieses lebendigen Knäuels, welcher unaufhaltsam dem Ufer zustrebte. ( Nachdruck verboten.) Da war das Meer in Sicht, und dort, rechtsab, von einem Gewimmel kleiner. flacher Kähne und stärker gebauter Boote umgeben, lag auch der„ Cormoran" vor Anker und spiegelte seine zahlreichen Masten und Segel in der ruhigen Flut. ,, D, Mr. Norden, Sie hier! Wollen wohl in eigener Person den zukünftigen Thronfolger empfangen, wie?" Es war der junge Fersius, welcher in seinem gönnerhaft wohlwollenden Ton die Frage an Hellmuth richtete und ihm dazu nachlässig zwei Finger seiner Rechten entgegenreichte. Der gewiegte Berliner hatte sich in der letzten Zeit ein noch selbstbewußteres Wesen angewöhnt; er fand es nämlich ..horrend, ganz unerhört von diesen Nordenschen Geldsäcken", daß sie sich den eigenen Vorteil derartig entgehen ließen, und statt seiner, des Herrn Arthur Fersius, hochbegabten Persönlichkeit einen mühsam verschriebenen, unbekannten Herrn Walter Ermshagen, von dem niemand etwas wußte, von Europa herüberkommen ließen, um einen guien Teil der Oberherrschaft denn Norden junior war sehr ſelbſtändig und bezog einen bedeutenden Gehalt in seine Hände zu legen. Herr Fersius wußte nicht recht, sollte er sich mehr über die kolossale Dummheit dieser Leute" ärgern oder den Beleidigten spielen, daß man ihn und seine hervorragenden Fähigkeiten so ohne weiteres übersehen hatte; allerdings waren seine kaufmännischen Leistungen bis jetzt schwach gewesen, er hatte sich nachlässig, unaufmerksam gezeigt, und der alte Koßmann, unter dessen spezieller Obhut er stand, hatte es nicht leicht mit ihm gehabt. Aber er hatte eben nur nicht recht gewollt, diese Krämer" hatten es ſich nur ſelbſt zuzuschreiben, daß er nichts Außerordentliches zuwege gebracht, warum stellten sie ihn auf einen so untergeordneten Poſten? Sie hätten ihm nur die richtige Stellung anweiſen ſollen, und staunend wären sie gewahr geworden, welch ein Talent sich neben ihnen da in der Stille gebildet habe. Aber, nun, ja! Nun lohnte sich's erst recht nicht der Mühe, da man noch einen fremden Menschen über sich dulden sollte,„ man" würde sich eine solche willfürliche Behandlung ohnhin nicht mehr lange bieten lassen, " man" würde fortgehen aus dieser„ Strafanſtalt", nach Shanghai womöglich, wo die jungen Kaufleute ein reizendes Leben führten sollten, ungebunden, voller Amusements und Abenteuer. Was sollte man länger in diesem Vokohama, wo einem die Prinzipale bei jedem harmlosen kleinen Vergnügen auf die Finger sahen? So kam es, daß Herr Arthur Fersius seine Pflichten im Kontor schlechter denn je erfüllte, sich immer häufiger Urlaub nahm und einen Ton anschlug, der den alten Koßmann mit Aerger, die übrigen Kontoristen mit unwilligem Erstaunen und den Prinzipal mit immer gesteigerter Geringschätzung erfüllte. Der aufstrebende junge Mann ahnte es nicht, daß seine definitive Entlassung bei Friz Norden eine abgemachte Sache war und daß die Ausfertigung seiner Kündigung fir und fertig im Pult des Prinzipals lag und nur ihrer Auferstehung am Quartalstage, nämlich am nahen erſten April, harrte. Am. Anüppel, len; 1 Rm. == 1 rund), üppel. m. Fichten Derb 4000 Fichten beim Eingang 9% Uhr auf mpfohlen AC Nr. 17 Ent Zur A nimmt der Dampfer nod) an Bord: Mater tiven und vier Wagen dem werden Wassersd Die Hilfsexped Sente lichtet die Anker, um unseren bed die erste Hilfe vom He 1. Tirpitz ist in Begle ringen, des Kapitäns des Kapitänleutnants zur feierlichen Verabi helmshaven eingetroff und Marinefreise red Wilhelm dem agen. Zweifelsohne m die Expeditionstei Zwanzig Tage wi m Bord das Weltme Das Kommando„ Fall it folgender: Das S in Bremerhaven in Se helmshaven Anfer wo dort ab. Unterwegs geburtstage- angel nach Swakopmund w bruar einlaufen soll. Brandung in Swafo der Expedition mitge schlagen, weil sonst d rem Seegang mit de Märsche in dem regen Ferner ist das Gener sucht worden, das Dr fort 300 Bidettpfähle Die Darmitadt" Raumgehalt von 5500 postdampfer nach Ditc hat sich sowohl 1897 wie 1900 während transportschiff bewähr das erste Seebataillor asiatische Infanteriere gesamt 1300 Mann, 800 Mann betragen Unterkunft. Prinz Heinri Dem Abschied der Seinrich bei; zugleich Heinrich hielt nach der Ersazkommando für Hofe vor der Kaserne Mannschaften folgend m Verlauf vo daß das Seebataill Schäden zu decken ſtanden sind. Ich fagen, ich beneide und deutsche Ehre ihr freiwillig hinar das ist alte Trad dürfen. Wenig m und schwerste Ent an euren Eid, de feid. Seid gehor Kameradschaft. bei euch liegt. G erfülle ihre Pflicht fei mit euch!" Darauf formierte marsch, den Prinz H ar Außer den Manni Garnison nehmen auch noch Mannschaf regimenter teil 50 Mann, die aus d und fast alle außer truppen, Generalleutn betrieb ausgebildet hofe an fie eine fur in dreimaliges Hur Die Gijenbahnpionier haben fich batten ur ein drit fich viermal m Bum Befehlshaber Oberit Dürr, der Inf millig gemeldet. Worden. Hellmuth beachtete die dargereichten zwei Finger nicht, sah dem ziemlich kleinen und schmächtigen Herrn über den Kopf weg und antwortete kurz:„ Natürlich empfange ich Herrn Ermshagen persönlich! Hot- sumi, ist unser Boot da?" ,, Dort kommt es schon, allergnädigster Herr!" Ich sehe! James und Charley können mit mir kommen, du bleibst indes bei den Karren zurück und gibst keine Dummheiten an!" ,, Wie sollte sich dein allerdemütigster Knecht einer solchen schweren Sünde unterfangen?" fragte Hot- sumi in gekränktem Ton zurück und blickte, während er seines Gebieters Rockzipfel an die Lippen führte, aus den schmalen, gekniffenen Augen, vorwurfsvoll zu ihm empor. Hellmuth ließ sein jugendfrisches Lachen hören, und Arthur Fersius murmelte:„ Cs juckt mich ordentlich, dem verLogenen Schlingel meine Peitsche um die Ohren sausen zu Iassen." Das lassen sie nur gefälligst bleiben, denn es ist mein Schlingel, und ich werde ihn behandeln, wie es mir beliebt. vor allen Dingen immer wie einen Menschen, nicht aber wie ein bösartiges Stück Vieh! Wollen Sie denn mit in mein Boot?" ,, Wenn Sie gestatten, ja! Ich habe einen Bekannten an Bord des Cormoran, er kommt von Liverpool herüber, gleichfalls Berliner, soll hier im Deutschen Konsulat arbeiten." Hellmuth schien nicht erbaut von der Begleitung des jungen Spree- Atheners zu sein, er sagte nur kurz:„ Also kommen Sie!" und bestieg mit Fersius die geräumige Barke, während Hot- sumi hinter legterem eine charakteristische Geberde machte, die bei den Japanern das Gegenteil eines Segenswunsches bedeutet. Die beiden englischen Leute ruderten die gut gebaute Barke in raschem, taftmäßiger Ruderschlag über das Wasser, - Hellmuth handhabte das Steuer so geschickt, daß sie durch das Gewirr der Kähne und Segelboote verhältnismäßig schnell zu dem Schiff gelangten, das wie ein gefesselter Koloß auf dem Wasser lag. Als die beiden jungen Leute die Schiffstreppe emporflommen, famen sie mitten in das rege Leben eines soeben gelandeten Schiffes. Mit frohen Gesichtern standen viele der Passagiere umher, glücklich, der langen und gefahrvollen Seereise enthoben zu sein, während andere mit bangen, fragenden Blicken nach dem unbekannten Lande hinüberstarrten, das bestimmt war, ihre neue Heimat zu werden, wieder andere in der Sorge um ihr Gepäck und ihr weiteres Fortkommen alles übrige vergessend. Ein buntes, ein wechselreiches Bild! Ein Durcheinander verschiedener Nationen und Gesellschaftsklassen, jetzt, da die Stunde der Ausschiffung die strengste Ordnung der verschiedenen Schiffsplätze gelöst hat! Hier kauert ein träger Holländer, phleg= matisch fortrauchend, auf einer starken, eisenbeschlagenen Riste, seinem Besigtum, seelenruhig abwartend, bis das Schiff sich leeren und die Reihe an ihn kommen wird, einen der kleinen Kähne, die sich beutegierig um den riesigen Rumpf des Cormoran drängen, zum Landen zu benüßen, neben ihm taucht der feine blonde Aristokratenkopf eines vornehmen Engländers auf, dessen Kammerdiener und Lakai drei Schritte hinter ihm stehen. Mylord kennt schon die halbe Welt und will nun auch Japan sehen, für ihn war die ganze Reise weiter nichts als eine„ gewöhnliche Tour", und das Treiben um ihn herum läßt ihn ganz falt. Zur Seite einer blassen, eleganten Dame präsentiert sich eine dicke Negerin von tiefschwarzem Kolorit, in ihren Armen ein etwa zweijähriges Bébé, das nach zwei großen Käfigen die Händchen ausstreckt: ein kleiner, seidenhaariger Affe, ein frei schender, weißer Kakadu mit hellgelber Federkrone und ein Baar bunter Papageien sind darin das Ergözzen vieler Passagiere während der langen Fahrt! Eine niedliche, tiefbrünette Kreolin unterhält sich in einem sehr mühsamen Französisch mit einem jungen Kaufmann aus der Normandie, hinter ihnen schleicht ein langer Chinese mit einem dünnen schwarzen Zopf und einem öligen, glatten Gesicht vorbei und schmunzelt über die kleine Spanierin, die, unbekümmert um ihre Umgebung, vor einem aufgestellten Spiegelchen Toilette macht. Am Boden kriechen ein paar ungarische Kinder und fauen vergnüglich an einer Zuckerstange, über sie weg steigt mit langen Schritt ein londer Herr mit kurzsichtigen Augen,... ein schwedischer Landwirt ist's, der im Gedränge seine Lebensgefährtin verloren hat. Eine verblühte Italienerin müht sich umsonst, die Achtsamkeit ihrer vierzehnjährigen Schülerin, die aus sehr muntern Augen unternehmungslustig in die Welt sieht, auf ihre Erklärungen des japanischen Volkslebens zu lenken, dazwischen treibt ein schwarzer Pudel sein Wesen, der winselnd seinen Herrn sucht und mit der Schnauze gegen einen mit Matten umwickelten Geflügelforb stößt, der umstürzt und aus dem ein ohrzerreißendes Gackern ertönt. Behend schlüpfen die Schiffsjungen an den Strickleitern hinauf, verschwinden in offenen Luken, rufen einander englische Neckworte zu, während die Matrosen den Zeitpunkt herbeisehnen, da das Verdeck endlich „ klar" wird. Hellmuth Norden denkt, daß es kein leichtes Stück Arbeit sein wird, aus diesem internationalen Ameisenhaufen den ihm unbekannten Herrn Walter Ermshagen hervorzusuchen, und hört, während er auf gehobenen Fußspizzen scharf nach allen Seiten umherspäht, wider Willen die Begrüßung des jungen Fersius mit seinem Berliner Freunde dicht neben sich an. Da sind Sie ja, Fersius! Erfreut, Sie zu sehen! Das also ist Ihr Land da drüben?" " Ja, das ist's- Yokohama!" Hm, scheint nicht übel! Aber Sie sehen elend aus, Fersius! Bekommt Ihnen das Klima nicht?" ,, Den Teufel auch, Klima! Mir bekommt hier so manches nicht, davon später! Was ich Sie fragen wollte, Wimberg: wie war die Reise?" ,, Wie sollte sie sein? Einfach scheußlich!" Reine angenehme Bekanntschaft unterwegs gemacht, - wie?" ,, O! Was das angeht, ― allerlei hübsche kleine Mädchen, ganz plaisierliche darunter, auch sogar eine veritable Schönheit mit dabei, war aber nichts mit ihr anzufangen stolz und wortkarg und so kalt, wie ein Gletscher! Aber immerhin ein Anblick! Geben Sie einmal acht, dort steht sie, schade, sie wendet uns jetzt gerade den Rücken zu, aber schon ihre Gestalt, gestehen Sie, ungewöhnlich gewachsen!" Unwillkürlich wandte auch Hellmuth den Kopf. Da stand eine hoch- und schlankgewachsene Dame in einem straff anliegenden englischen grauen Reisekostüm, das mit äußerster Einfachheit gearbeitet war, nichts Ueberflüssiges aufwies, dafür aber um so mehr die herrlichen Linien der Gestalt hervorhob. Sie war von vier oder fünf Kindern umringt, die Abschied von ihr zu nehmen schienen, denn ein etwa elfjähriges Mädchen hatte Tränen in den Augen, und eine bleiche, schüchtern aussehende Frau, wahrscheinlich die Mutter dieser Kinder, verbarg gerade ihr Gesicht hinter dem Taschentuch. Ein kleiner Junge streckte mit bittender Miene die Arme zu der jungen Dame empor, sie neigte sich zu ihm nieder, er faßte sie mit seinen beiden kräftigen Händchen ungestüm um den Hals und riß ihr dabei den kleinen runden Hut mit dem grauen Reiseschleier vom Kopf. Die Dame lachte und bückte sich, um ihr Eigentum aufzuheben,-dabei sah Hellmuth Norden ihr dickes, glanzloses, schwarzbraunes Haar, das in einen funstlosen Knoten geschlungen war, ihre niedrige, schmale Stirn, ihr feines und zartes Profil, es war ein Köpfchen, das an die Antike gemahnt haben würde, wären nicht die auffallend schönen Farben gewesen, die dieses Gesicht wie eine junge, blühende Rose erscheinen ließen. Arthur Fersius drehte herausfordernd seinen Schnurrbart. In der Tat! Sie beweisen einen guten Geschmack, Willberg, und es wird mir erfreulich sein, dem Gesicht recht oft hier in Yokohama zu begegnen, das läßt sich alles machen, wenn man etwas findig ist! Und was die Gletscherhaftigkeit betrifft, so weiß ich nicht... sehen Sie doch nur zu, wie sich Ihre Schönheit von diesem kleinen Volk der Reihe nach abfüssen läßt!" Ja, mit Kindern ist sie außerordentlich freundlich, das hab' ich unterwegs hundertmal mit angesehen. Andere Leute aber haben es nicht so gut!" murrte Willberg und warf einen unzufriedenen Blick auf die Gruppe.„ Aber,- pardon, Fersius, wenn ich Sie für eine Minute verlasse, dort steht jemand, dem ich einstweilen Lebewohl sagen möchte!- Herr Ermshagen, gestatten Sie mir, Ihnen die Hand zu drücken und alles Gute zu wünschen; wir werden einander da drüben in Yokohama, das sich von hier aus so hübsch bunt und malerisch ausnimmt, hoffentlich bald wiedersehen!" Ein großer, breitschulteriger Herr mit einem tiefbrünetten, energischen Gesicht wandte sich Willberg zu und schüttelte fräftig dessen Rechte, während er ihm ein paar freundliche Worte sagte. Hellmuth stand und wartete; das also war Walter Ermshagen, sein Nachfolger, der ihn bei seinem Vater erfeyen sollte. Eine gute Erscheinung! Welch merkwürdige, große, tiefblaue Augen der Mann hatte! Sie strahlten förmfich in der Unirahmung ihrer dunklen Brauen und Wimpern, im Gegensatz zu dem tiefschwarzen Haar und Backenbart und Sem bronzefarbenen Kolorit! Herr Willberg fügte noch ein paar Worte hinzu, die Hellmuth nicht verstehen konnte, und verabschiedete sich darauf mit nochmaligem Händedruck. Jetzt trat der junge Norden an den hochgewachsenen brünetten Herrn heran. „ Um Verzeihung! Ich hörte Sie soeben als Herr Ermshagen anreden=" Der andere warf einen raschen Blick auf den Sprecher. ., Mr. Hellmuth Norden?" „ Derselbe!" in " Die beiden Männer maßen einander prüfend, Walter Ermshagen blauen Augen wachte ein bewundernder Glanz auf, als sie in Hellmuths schönes, sonniges Gesicht sahen, und er nickte leicht mit dem Kopf, als wollte er sagen: „ Ja, so mußtest du aussehen, so bist du mir geschildert worden!" Nun lächelten sie beide und reichten einander gleichzeitig die Hände entgegen. Willkommen in Yokohama! Willkommen bei der Firma Norden& Sohn!“ ſagte Hellmuth herzlich. „ Vielen Dank! Hoffen wir, daß über unserem Zusammenwirken ein Glücksstern steht! Aber Sie gestatten mir wohl, Hilda! Wo steckt sie denn? Richtig, wieder mitten unter den Kindern! Girl! Laß endlich einmal deine jungen Anbeter und komm' hierher! Mr. Norden junior- meine Schwester Hilda!" Er machte ein sehr verblüfftes Gesicht- Mr. Norden junior! Weshalb in aller Welt hatte er sich denn eigentlich eingebildet, die bewußte Schwester müsse durchaus eine ältere Dame sein? Es lag doch absolut kein vernünftiger Grund zu dieser Annahme vor! Hatte denn William Hendrichs ein einziges Wort über die Dame in seinen Briefen verloren? Nein! Nun also, warum sollte sie denn alt sein? Hilda Ermshagen sah zu Hellmuth Norden empor, der mit abgezogenem Hut vor ihr stand und nichts zu ihr sagte, was eigentlich ungezogen war, denn sie war doch berechtigt, von ihm begrüßt und willkommen geheißen zu werden. Dennoch war sie nicht böse; sie war sehr daran gewöhnt, durch ihren Anblick Erstaunen und Bewunderung zu erregen, es hatte the manchmal geschmeichelt, zuweilen war es ihr auch fäftig, meistens gleichgiltig gewesen. Aber dieser schöne blonde Mensch sah nicht eigentlich bewundernd aus, so eigen tümlich verduẞt vielmehr, als habe er sich ganz, ganz etwas anderes vorgestellt, das wirkte komisch auf das junge Mädchen, und jetzt begannen Hellmuths Augen und Lippen zu lächeln, was ihn immer unendlich anziehend machte, und er fand nun auch Worte. ,, Verzeihen Sie mein Erstaunen, gnädiges Fräulein! Aber der Mangel jeder kleinsten biographischen Notiz von seiten meines Freundes Hendrichs hatte mich über Ihre Persönlichkeit gänzlich im Unklaren gelassen! Gestatten Sie mir jetzt einen wenngleich etwas verspäteten, so doch unbedingt wohlgemeinten Bewillkommnungsgruß auf Japan!" Er führte ihre Hand leicht an seine Lippen und sagte dann, wieder zu ihrem Bruder gewendet: ,, Können wir an Land gehen? Wie steht es mit Ihrem Gepäck? Ich habe zwei Diener mit an Bord"- Sehr gütig! Vorerst aber einmal unser Bekenntnis, unsere große Generalbeichte, die wir sofort abzulegen entschlossen waren, wem von der Firma Norden, Vater oder Sohn, wir auch zuerst begegnen sollten: wir führen also einen etwas unbequemen und gewagten Artikel für Yokohama mit uns an Bord ein Klavier“— „ Das heißt, ein Pianino, Walter, ein Pianino, das Klingt doch weniger bedenklich!" fiel Hilda rasch ein.„ Ich will niemand mit meinem Spiel und Gesang lästig fallen, gewiß nicht, Mr. Norden, ich versprechen es Ihnen. Da Sie so gütig waren, meinem Bruder eine übersichtliche Zeich nung Ihres Wohnhauses, in welchem auch wir einlogiert werden sollen, zu übersenden, so weiß ich, daß der Seitenflügel, welcher unsere Zimmer enthält, in derartiger Entfernung oon den Rumer Jbres derrn Baters und den Ihrigen liegt, daß tein Ton bis zu Ihnen herüberdringen fann. Ich trug mich dennoch mit großen Bedenken, mein Pianino mit herüberzubringen, denn immerhin ist es cine Zumutung für andere, und ich kenne gebildete Leute, die Musif für ein unangenehmes Geräusch, für eine wirkliche Heimsuchung halten, aber- aber meine Liebe für die Tonkunst war stärker als alle Einwendungen, die mein Verstand machte. Ich kann nicht leben, glaube ich, ohne Musik!" ( Fortsetzung folgt.) Nur eine Negerin. Egyptisches Erlebnis von Robert Kraft. ( Nachdruck verboter) ( Schluß.) Stand ich am Morgen auf, so war schon mein cfice fertig, und frisch gewaschene Sachen lagen für mich bereit. Mit einem Handfuß wurde ich entlassen. Drehte ich mich weitab vom Dorse noch einmal um, so wußte ich, daß ich Topsy am letzten Hofe stehen und mir nachblicken sah. Die Zeit während meiner Abwesenheit benutzte Topsy dazu, die Decken meines Bettes auszuklopfen und meine Kleider zu waschen, denn in jenen Gegenden zieht man sich jeden Tag von Kopf bis zu Füßen frisch an. Sie machte dies mit einer Sorgfalt, daß sie zu etwas anderem überhaupt feine Zeit mehr hatte. Die Decken konnte sie hundertmal hintereinander ausklopfen, und nicht eher ruhte sie, als bis sie faltenlos und wie gebügelt auf meinem Bett lagen. Mich bestahl sie schließlich nicht mehr, andere aber nach wie vor. Oft bot sie mir Zucker und Zigaretten an, und sie sagte ganz offen, daß sie das gestohlen habe. Nahm ich es nicht an, so steckte sie es unter meine Bettdecke oder schmuggelte es mir heimlich in die Taschen. Einmal waren diefelben bis zum Plazen mit Kandiszucker angefüllt. Zurechtweisen oder ermahnen konnte ich sie nicht, denn sie fing sofort zu lachen an. Topsy begann sich auch zu schmücken. Sie pute sich mit gestohlenen bunten Bändern und öfter denn je tauchte sie die schmutzigen Hände in meinen Buttertopf, um sich Hände und Haare zu salben. Ob sich in das Herz der Negerin ein anderes Gefühl als Ehrfurcht, das der Liebe zu mir geschlichen hatte ich weiß es nicht. Aber es ist höchstwahrscheinlich. Ich hatte nicht Zeit, es zu ergründen. Eines Morgens öffnete mir Topsy wie gewöhnlich die Hoftür und führte meine Hand an Mund und Stirn. Es war das letzte Mal. Die Hize war an jenem Tage unerträglich, und mich erfaßte infolge davon ab und zu ein Schwindel. Gegen Mittag blickte ich in das Kesselfeuer, die Hize schlug mir entgegen, ich fühlte, wie sich das Blut nach dem Kopf drängte und ohnmächtig brach ich zusammen. Als ich erwachte, war ich im arabischen Hospital in Kairo und in der Behandlung eines englischen Arztes. Zwei Tage lang hatte ich, von einem Hißschlag getroffen, schon besinnungslos dagelegen. Ehe ich das Hospital verlassen durfte, vergingen vier Wochen. Während dieser stillen Zeit schmie dete ich neue Pläne für die Zukunft. Kam ich nach Hum- elBagger zurück, so war die Arbeit wohl so zientlich beendet, erspart hatte ich mir gegen zwanzig Pfund Sterling, und mit diesen wollte ich mir erst Kairo ansehen und mich dann nach dem wildreichen Oberegypten begeben, um dort den Freuden der Jagd zu huldigen, was ich später auch ausführte. Besuch empfing ich im Hospital nicht, an Topsy, die armselige Negerin, dachte ich mit keinem Gedanken. Endlich wurde ich als geheilt entlassen. Mich des Vollbeſizes meiner Kräfte erfreuend, vermied ich die Eisenbahnfahrt und ritt nach Fum- el- Bagger auf einem gemieteten Esel, wozu ich, immer Trab reitend, über vier Stunden gebrauchte. Der Weg war abscheulich, steinig und durchlöchert, und an einigen Stellen hatten arabische Töpfer ihre zerbrochenen Scherben abgeladen. Zuerst begab ich mich nach dem Werkplatz, wo ich von den Ingenieuren mit Herzlichkeit empfangen wurde. Das Gerücht wäre zuerst umgegangen, sagte man mir, ich sei im Hospital gestorben, was sich bei genauer Nachfrage glücklicherweise nicht bestätigt habe. Ich nahm Abschied, ließ mir meinen rückständigen Lohn auszahlen und ritt nach Fum- elBagger hinein. Signor Philippi war inzwischen schon ent