r. 116. Bonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., n's Saus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertelfährlich Mr. 1.50. Battebetlagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Geifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Donnerstag, den 19. Mai 1904. Gießener 13. Jahrgang. Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz Oberheffen, die Kreise Mezlar und Marburg 10 Pfa fonit 15 kg. Reklamen die Petitzeile 30 refp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. Rebattion und Expedition: Gießen, Seltersweg 88. Fernsprechanschluß Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Beifung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Der Dreibund und England. Zumi angekündigten Besuch König Eduards in Kiel. I Die deutsch- feindliche politische Presse des Auslandes machte 1. 3. aus leicht erkennbaren Gründen sehr viel Aufhebens von dem Besuche des Prinzen von Wales am Wiener Kaiserhofe und der geplanten Englandfahrt des Kaisers Franz Josef, die dann mit Rücksicht auf das hohe Alter des chrwürdigen Greises unterblieb und an deren Stelle jetzt eine Zusammenkunst zwischen dem Kaiser und König Eduard in Marienbad tritt. Es paßte so bequem in das Bild von Deutschlands Vereinsamung, daß der Berliner Hof allein keine Besuche zu erwarten habe. Dieses Gaudium ist nun den deutschfeindlichen Elementen arg gestört worden, denn König Eduard hat seinen Besuch zur Kieler Woche angekündigt und dieser Fürstenbegegnung ist, wie von einem herborragenden deutschen Staatsmann in einem unserem CB.Mitarbeiter gewährten Interview ausgeführt wurde, eine große politische Bedeutung beizumessen. Die verwandtschaftlichen Beziehungen, die zwischen dem deutschen Kaiserhause und dem englischen Königshause bestehen, so äußerte sich der Gewährsmann unseres Mitarbeiters, könnten es rechtfertigen, diese Fürstenbegegnung als ein unpolitisches, familiäres Ereignis zu bezeichnen. Allein angesichts der gegenwärtigen politischen Lage wäre eine solche Auffassung doch vollständig unrichtig, namentlich, da König Eduard in Betracht kommt, der seit Antritt der Regierung stets darauf bedacht war, seine persönlichen Interessen hinter seine Aufgaben zurücktreten zu lassen und dessen Besuche bei fremden Staaten immer einen politischen Hintergrund hatten selbst den Verkehr mit der russischen Kaiserfamilie nicht ausgeschlossen, obgleich hier die Erfolge weit. hinter den Wünschen des Königs zurückblieben. Der politische Charakter dieser Fürstenbegegnung tritt um so schärfer hervor, als seit der Erkaltung unserer Beziehungen zur Themseregierung tatsächlich auch der Verkehr zwischen den Höfen von Berlin und London ein geringerer geworden ist. So bedeutet dieser Besuch nichts anderes, als die Bestätigung für das Mißlingen der Isolierung Deutsch= lands. Diesem Ziele sollte, darüber ist man in eingeweihten Kreisen durchaus nicht mehr in Zweifel, das englisch- französische Abkommen dienen. Bei dem Besuche des Prinzen von Wales am Wiener Kaiserhofe bestand die offenfundige Absicht, Desterreich vom Dreibunde abzusplittern, während Italien gegenüber Frankreich die gleiche Aufgabe übernommen hatte. Wäre dieses Ziel gelungen, dann war allerdings Deutschland in eine ähnlichen Lage, wie Friedrich der Große im Siebenjährigen Kriege, so daß es allein stand in einer waffenstarrenden Welt von Nachbarn. Dieser Tage hat es indes der österreichische Minister des Aeußeren Graf Goluchowski den Gegnern des Dreibundes gegenüber ausgesprochen, wie es auch in der italienischen Kammer und vom deutschen Reichskanzler im Reichstag, betont wurde, daß der Dreibund unverändert als das feſteſte Bollwerk des Friedens in Europa weiterbestehe. Um die Isolierung Deutschlands durchzuführen, wäre außer der Zersplitterung des Dreibundes auch ein Interessenausgleich mit Rußland notwendig gewesen. Die verwandtschaftlichen und intimen freundschaftlichen Beziehungen, die den König Eduard mit dem russischen Zarenhause verbinden, sowie der mächtige Einfluß der verwitweten Kaiserin von Rußland, die eine Schwester der englischen Königin ist, hätte diesem Ziele ganz gewiß die wichtigsten Dienste geleistet, venn die Verhältnisse nicht oft mächtiger wären, als der Wille der Herrscher. Nirgends zeigt sich dies deutlicher, als bei dem ostasiatischen Krieg, mit dem das russische Volk belastet wurde, trotzdem der Zar den Frieden mit aller Kraft zu erhalten wünschte. Rußland und England sind Gegner und müssen es bleiben, so lange die russische Politik ihre Macht auszubreiten sucht und so lange sie sich nicht auf das eigentliche Rußland beschränkt. Die russischen Staatsmänner haben deshalb vor furzem die guten Dienste Englands als Vermittler zwischen Rußland und Japan entschieden abgelehnt in der richtigen Erkenntnis, daß England nichts anderes bezweckte, als die Zurückdrängung Rußlands aus Ostasien, um desto gesicherter in dem Besize Indiens zu sein und um desto leichter die Eroberung Tibets durchzusehen, wo ebenfalls mit der Zeit einmal die russisch- englischen Gegensäge aufeinander plazen müssen, zumal wenn das Zarenreich seine Position in der Mandschurei behaupten sollte. Weiterhin bleiben die Gegenfäße bestehen zwischen England und Rußland in Afghanistan und im Balkan, wo ohne die Mitwirkung Englands die orientalische Frage durch Rußland und Desterreich gemeinsam und unter freundlicher Förderung durch Deutschland im Sinne der Aufrechterhaltung des Gleichgewichts gelöst wird. Zu all diesen Mißerfolgen der englischen Diplomatie gesellt sich auch noch die Schwierigkeit, die Frankreich bei der Durchführung feines maroffanischen Abkommens findet. Befanntlich war zwischen England und Frankreich die Einflußsphäre so geteilt, daß England freie Hand in Egypten, Frankreich aber den Haupteinfluß auf Marokko haben sollte. Dieser sollte allmählich ganz nach egyptischem Muster mit Hilfe einer finanziellen Abhängigkeit des Sultans verstärkt werden und au diesem Zwecke stellte die Bank, von Frankreich und die Niederländische Bank dem Sultan eine Anleihe zur Verfügung. Dieser aber ist ein geriebenerer Diplomat, als die Drahtzieher des englisch- französischen Abkommens wohl geahnt haben mögen, denn er lehnt das Danaergeschenk ab und bereitet innere Reformen zum Zweck der Ersparnisse vor. Im wesentlichen bestehen sie in einer Vereinfachung der Hofhaltung und in einer Abschaffung der kostspieligen Reiterei bei dementsprechender Vermehrung des Fußvolkes. So hat das ganze Delcassésche Abkommen einen Rechenfehler, der es wertlos und Englands Position weniger glänzend macht, als es vor kurzem schien. Deutschland ist immer noch der mächtige Faftor, mit dem man an der Themse ernstlich rechnen muß und den man tatsächlich nicht unterschätzt. Der beste Beweis dafür ist der angekündigte und auch sicher zu erwartende Besuch des Königs Eduard von England. Von den Herero gehetzt. Die letzten Grüße eines Pior deutscher Kultur, der als eines der ersten Opfe des Hereroaufstandes sein junges Leben aushauchte, bringt uns ein Werk, das in den nächsten Tagen im Verlage von Friedrich Rothbarth( München) erscheint. Es enthält die interessanten Briefe des Ansiedlers Wesendong an seine Pflegeschwester und sein letztes Vermächtnis, sein Notizbuch, das er bis zum Augenblick fortführte, als er verwundet und hilflos, im Dickicht versteckt, jede Minute das Herannahen der blutdürstigen Feinde zum letzten verzweifelten Kampfe erwartete. Diese Aufzeichnungen, die in Anbetracht der Situation, in der der Schreiber sich befand, eins der erschütterndsten Dokumente menschlichen Leidens darstellen, lauten im Auszug: Farm Brun ist nicht mehr. Alle sind erschlagen: Mann, Frau und Kinder, und ich bin auf der Flucht vor den Mordgesellen. Ich schreibe dieses in mein Notizbuch, vielleicht findet es seinen Weg in deine Hände als letzten Gruß von mir. Am 10. Januar machten Brun und ich einen Ritt nach Waterberg zu. Trotzdem uns von Seiten der Behörden und der Missionäre völlig beruhigende Nachrichten zugegangen waren, begegneten uns auf dem Heimweg verschiedene Trupps bewaffneter Herero. „ Die Herero sind unruhig," sagte Brun, als er mit der grinsenden, unterwürfigen Bande einige Worte gewechselt hatte. Besser ist besser! Ich reite schon voraus, meine Frau könnte belästigt werden durch unverschämte Käufer. Der Schwarze kann bei Ihnen bleiben, obgleich Sie ja hier Bescheid wissen." Nachdem ich noch versprochen hatte, mich jedenfalls am Abend auf der Farm einzufinden, sprengte Brun davon. Es war ein herrlicher Abend, und ich beeilte mich auf meiner Rückkehr zur Farm durchaus nicht, sondern machte unterwegs noch Jagd auf Strauße. Schon war ich an den Kreideklippen angelangt, die etwa eine Viertelstunde Weges von meinem Ziel entfernt liegen, als Samuel, mein Hererojunge, neben mir aus dem Busch sprang. In seinem Kauderielsch berichtete er:„ Die Farm ist von Herero überfallen, Bruns sind erschlagen, die Diener geflohen, und man ist dabei, den Store zu plündern.." Der treue Kerl hatte es mir nicht vergessen, daß ich sein Leben rettete, und wollte mir nun auch beistehen. Trotz seines Flehens, mit ihm zu fliehen, näherte ich mich auf Schleichwegen der Farm, nachdem wir unsere Pferde in einem Versteck geborgen hatten. Ich mußte mich davon überzeugen, daß niemand mehr zu retten war. Nach Hereinbrechen der Dunkelheit schlich ich, immer gefolgt von meinem treuen Schwarzen, durch den Garten auf die Veranda. Dort lagen meine Freunde erschlagen, und ich überzeugte mich, daß kein Leben mehr in ihnen war. Auf der Schwelle der Haustür lag der treue Klaas, man hatte ihm den Kopf abgeschnitten. Vom Store her erklang wüstes Geſchrei. Auf dem Hofe brannte ein großes Feuer, und allerlei Fleischreste und geleerte Flaschen lagen umher, ein Zeichen, daß die Kerle ein Festmahl gehalten hatten. Nun warf man noch Feuerbrände auf das Rietdach des Stores, und ich wandte mic) endlich auf die erneute Bitte Samuels zur Flucht, denn diese Riesenfackel drohte unseren Rückzug zu verraten. Wir erreichten ungesehen die Stelle, wo die Pferde geborgen waren, und saßen auf. Es galt, eine freie Strecke zu passieren, dann konnten wir uns im Buschwald verbergen. Ein flüchtiger Blick rückwärts zeigte mir das hell auflodernde Dach der Farm, aber auch die dunkelen Gestalten, die uns zu folgen schienen. Die Jagd begann. Man schoß blindlings hinter uns her, und unsere Pferde brachen zusammen. Ein wildes Geheul belehrte mich, daß die Kerle uns dicht auf den Fersen saßen und den Erfolg ihres Feuers nur zu gut erkannt hatten. Jede Deckung benußend, gelang es uns, den Buschwald zu erreichen, wobei ich noch im letzten Augenblick ins Bein getroffen wurde. Zwei Tage irren wir jetzt schon in der Wildnis umher. Meine Wunde hat sich derart verschlimmert, daß ich nicht mehr weiter kann. Vielleicht geht es morgen besser. Mein treuer Schwarzer sorgt für mich, so gut er kann. Soeben kommt er zurück, er war auf Kundschaft aus, um zu erfahren, ob bei einem Händler, dessen Pontok ganz in der Nähe liegen soll, Schutz und Unterkunft zu finden sei. Alles verbrannt und verwüstet, der Mann erschlagen,“ lautete die Meldung. Ich hatte nichts anderes erwartet. Das Unglück ist über die Kolonie hereingebrochen, das so mancher vorausgesagt hat. Die Herero haben die günstige Lage benutzt und sind in vollem Aufruhr. Ich werde ihnen wohl kaum lebend entkommen. Die Wunde am Bein macht mich hilflos. Wie durch ein Wunder sind wir bis jetzt den Bestien entgangen. Jeder Augenblick kann ein Zusammentreffen bringen. Ich werde mein Leben teuer verkaufen, doch die letzte Kugel, die den Lauf verläßt, trifft mein Herz. Lebendig bekommen mich die schwarzen Teufel nicht. Samuel hat Befehl, dies Buch bei der ersten Behörde, die er erreicht, abzugeben. Als Lohn erhält er alle Barschaft, die ich bei mir führe. Ich glaube, der brave Kerl hat den festen Willen, meine Bitte 311 erfüllen... Samuel hat den letzten Willen seines unglücklichen Herrn getreulich erfüllt. Der Krieg in Oftafien. Die Japaner haben wiederum große Truppenmassen im nordöstlichen Winkel des Golfes von Liautung gelandet und rücken auf Taschitschau und Niutschwang vor. Ueber die neue Landung der Japaner liegt nachstehender telegraphischer Bericht aus Petersbu¨g bom 17. Mai vor: Wie Generaladjutant Kuropatkin dem Kaiser am 16. Mai meldet, näherten sich gegen 12 Uhr mittags 17 Dampfer Sseniutschen und eröffneten ein Feuer auf die Stadt, während 51 Dampfer am Ufer anzulegen beganne: 1, Um 1 Uhr 30 Min. nachmittags zeigten sich am Kap beint Dorfe Guantsiatun drei große Dampfer; um 3 Ur 20 Min. landete der Gegner beim Dorfe Guantsiatun und begann in der Richtung auf Kaitschou vorzurücken. Sseniutschen ist Station der Bahn Port Arthur- Kaitschou -Haitscheng- Liauschang- Mukden, außerdem liegt der Ort an der Heerstraße, die von Port Arthur über Kaitschou nach Inkau und Niutschwang führt. Beides gilt auch von dem einige Kilometer weiter nördlich gelegenen Dorfe Gua:- tsiatun. Nach Londoner Meldungen haben die Japarer Taschitschau bereits besetzt. Niutschwang( auf deutsch Kuhmarft) mit seinem Hafen Inkau( zu deutsch Fliegenfack", da der Ort wegen der unglaublichen Mengen von Fliegen berüchtigt ist, die es dort im Sominer gibt), ist der eigentliche Schlüssel zur Mandschurei. Ein Angriff auf Port Arthur soll ebenfalls bereits im Gange sein. Dalny soll bombardiert und Truppen dort gelandet worden sein. Ob das Gerücht begründet ist, muß abgewartet werden. Jedenfalls müssen schon die nächsten Tage Klarheit darüber schaffent, welchen Entschluß die japanische Kriegsleitung bezüglich Port Arthurs gefaßt hat: ob sie sich damit begnügen will, die Festung hermetisch abzuschließen und ihre Besatzung in Schach zu halten, in welchem Falle sie das Gros der auf der Halbinsel Liaotung gelandeten Truppen für die Operationen gegen die rechte Flanke der Stellungen des Generals Kuropatkin verwenden könnte, oder aber ob sie plant, die Festung energisch anzugreifen und zu stürmen. Das erstere wäre zweifellos raisonmäßiger, aber für das letztere spricht ein wichtiges politisches Moment. Die Eroberung Port Arthurs war im Kriege gegen China bekanntlich die erste Heldentat des japanischen Heeres, und nichts hat in Japan so sehr geschmerzt, wie die Tatsache, daß es die mit so viel Blut erkämpfte Festung unter dem Drucke der Mächte ausliefern mußte, damit später Mußland den wichtigsten Stützpunkt seiner Herrschaft in der Handschurei daraus machte. Nun wäre die Gelegenheit da, die Festung wieder zu erlangen, und wenn die japanische Heeresleitung die Wälle Port Arthurs mit aller Wucht berennen ließe, würde sie damit unendliche Begeisterung im ganzen Volke entfesseln. Weiter wird vom Kriegsschauplatz mir noch über unbedeutende Scharmüßel nördlich vom Jalu berichtet, bei denen auf beiden Seiten kleine Verluste waren. Der Zar nahm auf seiner Rundreise bei den mobilisierten Truppen mehrere Paraden ab und flößte den Kriegern in längeren Ansprachen Mut und Hoffnung ein. Die Politik. Wie aus Deutsch- Südwestafrika verlautet, sollen die Herero noch für zwei Jahre mit Munition versehen sein. Da erhebt sich doch die Frage: Woher haben die Schwarzen diese Mienge Munition sich beschaffen können? Sollten unsere lieben englischen Vettern iynen dazu behilflich gewesen sein? Oder warens die Portugiesen? Institut In Wiesbaden tagt gegenwärtig das colonial international" unter dem Vorsitz des Herzogs Johann Albrecht von Wiecklenburg. Es wurde u. a. beschlossen, als neue Publikation eine Sammlung der Materialien über die Formen und Organisation der kolonialen Gesetzgebung in den verschiedenen Staaten zu veranstalten. ihre Hände darauf und sagte energija): wissen. auf die Erde, ftützte buen geltern und heute Schlimmes miderfahren iſt alles Das ist Ihrer nicht würdig. Ich weiß, was Sie haben schwarze Gedanken, Sie find in VerHerr Doftor, mit Ihnen geht etwas vor. Ich will es zweiflung. für Sie gutgefagt, empfinden müßten. Hand eines Mädchens, das Sie fchaft habe ich für Sie übernommen aus diesem Grunde Sehen Sie, lieber Freund, diese BürgHilfeleistung ohne fleinlichen Stola mit Sie eine solche aus der Freuden annehmen würden, währen, als eine Demütigung der Freundschaft eine Sie aus meiner Hand, aus der Hand Wohin man sich auch immer fehrt. Nie darf man frei sich wähnen: Der Mann gebietet mit dem Schwert, Das Weib befiehlt mit Tränen. Da zudt sie zusammen, der Bernhardiner Hund kommt feuchend heraufgesprungen. an sein Versprechen, freundlicher zu dem Befiber des Tieres Die Frau drückt leise ihres Mannes Arm, wie um ihn 311 rinnern Das preußische Staatsministerium hat eine neue Ausführungsanweisung zur Gewerbeordnung erlassen, die an die Stelle der zu den einzelnen Titeln oder Abänderungsgesetzen der Gewerbeordnung erlassenen Ausführungsanweisungen tritt und zugleich eine Zusammenfassung der wichtigeren zur Erläuterung der Bestimmungen der Gemerbe. ordnung ergangenen Einzelerlasse darstellt. Eine dankens- und nachahmenswerte Verfügung an die Landräte über die Errichtung von Schnlapotheken hat die Regierung zu Oppeln erlassen. Die Landräte werden veranlaßt, die Schulvorstände u. s. w. darauf aufmerksam zu machen, daß vom sanitären Standpunkte die Einrichtung von Schulapotheken, in denen Mittel für die erste Behand lung bei Unfällen und plötzlichen Erkrankungen von Schulfindern vorrätig sind, als sehr zweckmäßig anzusehen ist. Vor der Anlage einer Schulapotheke ist dem Landrat Anzeige zu machen unter Angabe der Arzneimittel und sonstiger Stoffe und Gegenstände, die vorrätig gehalten werden sollen. Die Verwaltung der Schulapotheken erfolgt durch die Lehrer + Der Verband reisender Kauflente Deutschlands" hält dieser Tage in Chemnitz seine 14. ordentliche Generalversammlung ab. Aus dem Jahresbericht ist mitzuteilen: Der Vermögensbestand des Verbandes ist bis Ende 1903 bon 2 236 384,83 Marf auf 2 478 934,31 Mark gestiegen. Das Vermögen des Wittwen- und Waisenfonds ist von 1 351 341,50 Marf auf 1 506 542,32 Marf gestiegen. Die Zahl der fortlaufende Unterstützung beziehenden Wittwen betrug 460, ferner erhielten 24 Waisen die gleichen Unterſtützungen. Ende 1903 betrug das Vermögen des Altersversorgungsfonds 488 572,88 Mark. Das Vermögen des allgemeinen Unterstützungsfonds wuchs von 354 859,35 Mart auf 369 674,58 Mart. Der Kriegsreservefonds wies 27 709,30 Mark, der Reservefonds 21 657,69 Mark Vermögen auf. Die Zahl der Mitglieder beträgt zur Zeit 9919. Ein Antrag Stettin, den Kriegsrefervefonds aufzulösen und sein Vermögen den anderen Unterstützungsfonds des Verbandes zu überweisen, wurde schließlich zurückgezogen. Ein weiterer Antrag der Sektion Stettin, daß die Krankenunterstützung auch dann gewährt werden soll, wenn die Krankheit auf einen Unfall zurückzuführen ist, fand Annahme. Dagegen wurde der dritte Antrag Stettin, den Waisen die fortlaufende Unterstützung statt wie seither, bis zum 15., bis zum vollendeten 18. Lebensjahre zu gewähren, nach längerer Aussprache für das nächste Jahr zurückgestellt. Die übrigen Anträge betrafen den internen Verwaltungsbetrieb. Oefterreich- Ungarn. Zu schweren Streif- Ausschreitungen ist es unter der Landbevölkerung der Umgegend von Triest gekommen. Die Landleute in Cerignolla bei Foggia verlangten Einführung des Achtstundentags und eine Lohnerhöhung. Als die Arbeitgeber nicht nachgaben, veranstalteten die Bandleute Demonstrationen. Hierbei wurde eine Militärabteilung mit Steinwürfen und Revolverschüssen angegriffen. Nachdem ein Polizeikommissar und mehrere Soldaten verwundet wurden, gab die Truppe Feuer, wobei zwei Demonstranten tot blieben und mehrere verwundet wurden. Dies steigerte die Wut der Streifenden, welche die Stadt durchzogen und mehrere Geschäfte plünderten. Die Stadt wurde durch Kavallerie besetzt. Während der Nacht wurden 17 Verhaftungen vorgenommen. Erst nach drei Tagen, am Mittwoch, war die Ruhe einigermaßen wiederhergestellt; die Streikenden nahmen die Arbeit wieder auf. England. Einer der Führer des britischen Liberalismus, der grcise Harcourt, hat in einer bemerkenswerten Unterhausrede Abschied vom politischen Leben genommen. In der Debatte über die Finanzbill beklagte Harcourt im Laufe einer längeren Rede, die er als die letzte bezeichnete, welche er an das Haus richte, das Anwachsen der Ausgaben, und beschwor das Land, Halt" zu rufen. Was zu diesem Anwachsen der Ausgaben führe, das er verdamme, sei der Geist der Inbasion, der Annerion und der Einfälle in jeden Weltteil und der Geist der Vergeltung und Großsprecherei somie die Appelle an die internationale Eifersucht. Das seien Künste, die Unwissende täuschen könnten, aber ein kostspieliger Lurus. Die Früchte dieser Politik seien ruinöse Ausgaben, vermehrte Schulden und eine unerträgliche Besteuerung. Selten ist den Briten von einem der ihren so gründlich die Wahrheit über ihre Ländergier und ihre Raubpolitik gesagt worden, wie hier von Harcourt. Aber zweifelsohne predigte der greise Parlamentarier tauben Ohren, und seine Stimme wird bleiben die eines Predigers in der Wüste... Frankreich. Berlin die ganze Angelegenheit bekannt gewesen. Uebrigens sollen an der Spionageangelegenheit außer Deutschland auch England und Italien beteiligt sein. Indessen schrumpft die Affäre immer mehr zu einem ganz gewöhnlichen Betrugsversuch zusammen. Herr Fragola hatte offenbar geglaubt, die französische Regierung werde ihm für seine„ Enthüllungen" ein reichliches Douceur geben. Daraus wird nun aber nichts werden. Alien. Die Londoner Regierung gibt jetzt zu, was sie bisher noch immer nicht wahr haben wollte: daß England im Krieg mit Tibet liegt. Der Parlamentsuntersekretär für Indien, Earl of Hardwicke, erklärte im Londoner Oberhause: Wir sind im Kriege mit Tibet; und bis wir uns mit den Waffen in der Hand unsere Stellung errungen haben, können wir uns hinsichtlich der Form der Lösung dieser Frage nicht binden." Die Form der Lösung der Tibetfrage", die England anstrebt, ist selbstverständlich ein britisches Protektorat über das Land des Dalai Lama. Darüber lassen auch die militärischen Vorbereitungen, die in Indien getroffen werden, keiner Zweifel. Das vierte Stadschputenregiment in Simla ist bereits nach Tibet abinarschiert, ebenso zive: Abteilungen der 40. Pathaus indischer Truppen. Weitere Streitkräfte stehen marschbereit an der Grenze. Mehrere Batterien und Bionierabteilungen mit PontonBooten sind ebenfalls in Tibet eingerückt. Sie marschieren zunächst auf Silliguri, von dort aus soll der Marsch etappenweise nach Gyangtse und Lhassa fortgesetzt werden. Ueber die Lage der Expedition Younghusband in Gyangtse wird neuerdings aus Simla berichtet, daß die Truppen des Dalai Lama der Expedition den Rückzug abschnitten, Tschangra, südlich von Gyangtse, besetzten und die Südpässe sperrten. Das von Simla abgegangene indische Entsazkorps muß sich erst nach Gyangtse durchschlagen. Die tägliche Beschießung des englischen Lagers in Gyangtse durch die Tibetaner dauert fort. A Noch mehr als die neue Spionageaffäre hält die päpst. liche Protestuote gegen Loubets Nomreise die Gemüter der Franzosen in Erregung. Die gesamte Pariser Presse mit alleiniger Ausnahme des Gaulois und des Echo de Paris ergeht sich in scharfen Angrissen auf den Parst, den die meisten Blätter furzweg niit seinen bürgerlichen Namen Sarto nennen. Die radikalen Sozialisten baben bereits eine Interpellation in der Kammer über die Note angekündigt, und die Regierung zeigt sich bereit, sie zu beantworten. Von den Regierungsparteien soll der Antrag gestellt werden, das Kabinett solle den französischen Gesandten beim Vatikan schnurstracks abberufen. Das wird denn wohl auch geschehen. Hof und Gefellschaft. Der Kaiser begab sich gestern vormittag vom Bahnhof Wildpark nach dem Artillerie- Schießplak Kummersdorf. Nach der Rückkehr von dort stattete der Kaiser in Begleitung seiner Gemahlin der Großen Berliner Kunstausstellung einen Besuch ab, der etwa eine Stunde währte. Der Kaiser und die Kaiserin werden mit den kaiserlichen Kindern am 11. Juli cr. auf Schloß Wilhelmshöhe bei Kassel eintreffen, um dort einen mehrwöchigen Sommeraufenthalt zu nehmen. Die neue deutsch- französische Spionageaffäre wird in den amtlichen französischen Streisen mit großer Kühle beurteilt. Man mißt ihr nicht die geringste Bedeutung bei und erklärt, die angeblich wichtigen Geheimnisse, die an Deutschland verraten sein sollten, kenne man seit Jahren nicht nur in Berlin, sondern in jeder europäischen und auch in vielen außereuropäischen Hauptstädten. Der vom„ Matin" als beteiligt an der Sache genannte Felix Friedrich Scholtz, der in Thüringen lebt, stellt dies jetzt selbst öffentlich ganz entschieden in Abrede. Er hat allerdings mehrfach, wie der Matin" behauptet, in Berlin im„ Thüringer Hof" gewohnt und dort durch Vermittelung des ihm bekannten Hotelwirts eine größere Anzahl auch ausländischer Herren kennen geTernt. Mit feinem von diesen steht. Scholtz indessen in irgend einer Berbindung. Er erklärt, daß sein Name nur durch Mißbrauch in diese Angelegenheit gemischt worden sein kann. Offenbar fällt dieser Mißbrauch einem der erwähnten ausländischen Gäste des Hotels zur Last. Scholtz ist übrigens fürzlich dadurch überrascht worden, daß in den letzten Wochen mehrfach Kriminalbeamte bei seiner früheren Adresse in Berlin nach ihm mit der Bemerkung recherchiert haben, daß es sich um eine sehr ernste Sache" handele. Offenbar ist also schon vor mehreren Wochen der politischen Polizei in ** Die Mutter des regierenden Großherzogs von Sachsen- Weimar, Grbgroßherzogin Witwe Pauline, ist auf der Reise von Rom nach Venedig in der Nähe der Station Ceta im Eisenbahnwagen infolge eines Schlaganfalles verschieden. Sie litt seit längerer Zeit an Herzschwäche. Deer und flotte. Eine neue Linienschiffsklasse wird im Herbst ihren ersten Vertreter finden, der auf der Kieler Germaniawerft vom Stapel laufen wird. Die neue Schiffsklasse zeigt große Uebereinstimmung mit dem Typ der„ Braunschweig"-Klasse. Deplazement, Maschinenleistung. Panzerung, schwere und mittlere Artillerie sind gleich. Es tritt aber eine sehr beachtenswerte Verbesserung der leichten Artillerie, der Antitorpedoarmierung ein. Die„ Braunschweig"-Klasse führt zwölf 8,8 Zentimeter- Geschütze und zwölf 3,7 ZentimeterMaschinenkononen. Die neuen Schiffe erhalten dagegen sechzehn 8,8 Zentimeter- Geschüße. Außerdem erscheint ein neues Geschütz, das unsere modernen Schlachtschiffe bisher nicht kannten. Das Reichsmarineamt hat die Einstellung von zehn 5 Zentimeter- Maschinenkanonen, die unsere Hochjcetorpedobooke führen, angeordnet. Dafür sinkt die Zahl der 3,7 Zentimeter- Kanonen von 12 auf 4. Die leichtere Artillerie wird ganz erheblich verstärkt. Sämtliche sechs Torpedolancierrohre liegen bei den neuen Schiffen unter Wasser. Der Neubau„ N" ist zum Flaggschiff bestimmt und erhält Wohnräume für einen Geschwaderstab. Die Besatzung wird 736 Köpfe zählen, 35 Offiziere und Beamte, 35 Deckoffiziere, 15 Fähnriche und 650 Mann. Nah und Fern. bekannt war. Man nimmt nun an, daß in dem Grund. stücke zu Acquasanta Opfer der Mafia, des berüchtigten fizilia. nischen Verbrechergeheimbundes, begraben wurden. An Kleiderresten, die man bei den Zeichen fand, will man eine ganze Familie wieder erkannt haben, die im Jahre 1885 Spurlos verschwand, und von der schon damals angenommen lourde, daß sie von der Mafia beseitigt worden sei. A Aufgehobene Schülerverbindungen. In Lübeck wurden die seit Jahren geduldeten farbentragenden Schülerverkindungen von der Oberschulbehörde aufgehoben. Während sonst überall in Deutschland derartige Nachäffungen studentischer Korporationen, die Trinksitten und Komment in die Schule verpflanzen wollen, verboten sind und, wo sie auftauchen, schonungslos unterdrückt werden, erfreuten sich verschiedene Verbindungen in Lübeck einer wahrhaft akademischen Freiheit. Bei der Bürgerschaft herrschte seit langem schon darüber großer Unwillen. Eine Windhose richtete in Lübeck während eines schweren Gewitters, das über Stadt und Umgegend niederging, großen Schaden an. Das Phänomen dauerte nur ganz kurze Zeit, ihm fielen aber viele große Bäume und mehrere Fabrikschornsteine zum Opfer. Der Raubmord am Spandauer Schiffahrtskanal stellt sich als eine vorher wohlüberlegte Tat der beiden Kumrane Piller und Jopp dar, von denen auch der letztere in Spandau ergriffen wurde. Die beiden sind Schulkameraden des er. mordeten Kutschers Schemel gewesen und wußten, daß er er. hebliche Geldbeträge einzufassieren hatte. Sie lauerten ihm daher auf und baten ihn, sie auf seinem Wagen mitzunehmen, was er zu seinem Verderben auch tat. Verhaftete Mädchenhändler. In Newyork wurde unter dem dringenden Verdacht, Mädchenhandel zu treiben, cine Frau Weinzierl aus Bayern verhaftet. Sie und ihr Mann, der Agent Josef Weinzierl, sollen seit langem unter dem Vorgeben, sie als Tiroler Sängerinnen und Münchener Kell. nerinnen unterzubringen, Mädchen zu unsittlichen Zwecken nach dem Ausland verschleppt haben. Bei der Weinzierl befanden sich sechs junge Mädchen. Leichenschändung. Auf dem Friedhofe des Dorfes Wesela bei Olmüz fand man das Grab des früheren Landtagsabgeordneten und Präsidenten der fallierten Vorschußfasse in Walachisch- Meseritsch, Dr. Aloys Mykisko, geöffnet und die Leiche daneben liegend vor. Mykisko hatte sich infolge des Bankerotts der Kasse erschossen. Nach dem Begräbnis hatte sich unter dem Landvolk, das durch den Bankerott der Vorschußkasse geschädigt war, das Gerücht verbreitet, Mykisko ei gar nicht tot, sondern mit dem veruntreuten Geld der Vorschußkasse nach Amerika geflüchtet, und statt seiner Leiche wäre eine Wachspuppe begraben. Um sich nun zu überzeugen, ob dieses Gerücht wahr sei, hat ein Maurer des Dorfes Wesela die Leiche ausgegraben und dann liegen lassen. Opfer der Mafia. Eine grausige Entdeckung machte man am Meeresufer bei dem Palermitaner Vororte Acquasanta. Man stieß bei Erdarbeiten zur Anlegung eines neuen Docks auf eine Art Friedhof. In Kalk eingebettet fand man 14 Leichen. Von dem grausigen Fund wurde natürlich sogleich die Polizei in Kenntnis gesetzt. Aerztliche Feststellungen ergaben, daß die Leichen vor etwa 10 bis 15 Jahren begraben wurden. An mehreren Sfeletten war zu erschen, daß der Tod durch Flintenschüsse herbeigeführt worden sei. Der Grund und Boden, auf dem die Leichen gefunden wurden, gehörte bis vor sechs Jahren dem inzwischen verstorbenen Zitronenhändler Gaudioso, der als ein Haupt der Mafia agen, daß ich und daß ich fagte: Ich far gefagt habe. Stafforst in dem Kopfe, greifen. [ Sein eigener Borgesetzter.] Ein Kuriosum wird aus Ostpreußen bekannt. Dort cristiert ein Kirchdorf, in dent der Ortsgeistliche erster Lehrer der dortigen Kirchschule und Ortsschulinspektor, mithin sein eigener Borgesetzter ist. Es ist das Dorf Nidden auf der Kurischen Nehrung. Sarrer Jopp ist Ortsschulinspektor und zugleich erster Lehrer, sür welches Amit er von der Kgl. Regierung 864 Mart jährlich bezieht. ** Der Klaffe Ronrad * Station& affifte Georg Schm Müller z Desgleichen Heinrich S Emil Rall zu Nidda, meifter Geor wärter Hein bom 1. Jun ** 9 Gießen. den 23. cr., ** Jn ftellung nim wegen: Wal Schulstraße, Molifeftraße Gartenstraß plag, May Beftanlage der Häuser an dieser Nummer d ** D [ Der 1000. Student in Jena] ist dort jetzt ein ebenso bekannter wie geehrter junger Mann. Die Jenenser Bürgerschaft gibt ihrer Freude darüber, daß die altehrwürdige alma mater in diesem Sommersemester ein rundes Tausend akademischer Bürger zählt, in allerlei für den Inhaber der Zahl 1000 in den Universitätsziffern sehr annehmbaren Ehrengaben Ausdruck. Der Universitätsbuchdrucker Dr. Neuenhahn stiftete eine goldene Uhr mit goldener Kette, die dem 1000. Studenten, stud. jur. Boesemann aus Hildburghausen, bei der Immatrikulation von dem Prorektor überreicht wurde. Kämmerer- Karl, der in ganz Deutschland bekannte Studentenwirt, der für seine Verdienste um die durstige Jugend vor längeren Jahren von den Musensöhnen cierlich zum Dr. med. ernannt wurde, stiftete dem ersten Pepräsentanten der vierstelligen Zahl für ein Semester freien Mittagstisch, der Sonntags gratis durch eine Flasche Wein erbessert wird. Endlich beabsichtigt die Stadt Jena zu bren des Ereignisses ein Marktfest zu veranstalten. Die Gesamtzahl der Immatrikulierten beträgt zur Zeit 1024, and. Der Hörer( darunter 26 Damen) 1092; es ist damit bode 3ahl seit 100 Jahren erreicht. fr Wilderers Ende. Die unerlaubte Sageleidenschaft bereitete dem Ackerbürger Schmidt aus Bobersberg bei Krossen a. D. ein trauriges Ende. Er wurde auf dem Gemeindepachtrevier Berloge von einem herrschaftlichen Förster, auf dessen Anruf er nicht stillstand, niedergeschossen und gab sofort seinen Geist auf. Bunte Chronik. In Eßlingen wurde das von dem Stuff. garter Bildhauer Kiemlen geschaffene Lenaudenkmal, das erste auf deutschem Boden, enthüllt. -In Zwickau wurde eine alleinstehende Grau namens Wußler in ihrer Wohnung ermordet aufgefunden. Hus dem Gerichtsfaal. § Wegen Soldatenmishandlung hatte sich der Leutnant Wilhelm v. Germer von der 3. Kompagnie des in Bromberg garnisonierenden 34. Füfilierregiments vor dem Oberkriegsgericht des 2. Armeekorps in der Berufungsinstanz zu verantworten. Der Angeklagte war, wie seinerzeit gemeldet, vom dortigen Kriegsgericht zu zwei Monaten Festungshaft verurteilt worden. Bei der Verhandlung vor dem Oberfriegsgericht wurde ebenso, wie seinerzeit vor dem Kriegsgericht, die Deffentlichkeit ausgeschlossen. Das Oberkriegsgericht verwarf die Berufung und bestätigte das auf zwei Monate Festungshaft lautende Urteil des Kriegsgerichts. Die Raubmörder vor dem Gericht. Frankfurt a. M., 19. Mai 1904. Das Interessanteste an der geftrigen Vormittagssigung war die Vernehmung des Untersuchungsrichters Dr. Cäsar. Er befundete, daß ihm das fließend vorgebrachte Geständnis des Stafforst von Anfang an als der Wahrheit entsprechend erschienen sei. Bei der ersten Konfrontation der beiden Mörder zuckte Groß, als Dr. Cäsar mit Stafforst plöglich eintrat, mit feiner Wimper. Alle gegenteiligen Behauptungen, die damals in der Bresse auftauchten, beruhten auf unwahrheit. Stafforst sagte: Bruno gestel,' s, wir sind's gewesen! Groß blieb falt und leugnete zunächst alles. Später änderte er seine Aussage siebenmal ab. Die Gutachten der Sachverständigen lauten sehr belastend für ihn. Stufforst wurde während der Verhandlung einen Augenblick von Nasenbluten befallen und mußte hinausgeschafft werden. Einmal gerieten die Verbrecher heftig aneinander.„ Guck mir ins Gesicht! Wer hat den Mann erschlagen? Jeßt rede die Wahrheit!" rtef Groß. Gehorsam drehte sich Stafforst um und antwortete: „ Ich habe die Wahrheit gesagt." Groß redete noch weiter heftig auf Stafforst ein, aber der Präsident machte dem Zwiegesprä ein Ende. Schon in der Voruntersuchung hatte Groß, sich seines Einflusses auf Stafforst bewußt, öfters gebeten, den Stafforst doch einmal sprechen zu dürfen. Nachmittags fanden die Pladoyers statt. Erster Staatsanwalt v. Reeden und Staatsanwalt Dr. Slume beantragten, die beiden des Raubmordes schuldig zu sprechen. Die Ver teidiger Dr. Stulz und Dr. Heß wußten angesichts der Beweisaufnahme nicht viel zu sagen. Die Gesworenen sprachen dem Antrage der Staatsanwaltschaft gemäß beide Ange klagten des Raubmordes schuldig, worauf das Gericht beide zum Tode verurteilte. Groß hatte auch in seinem„ leßten Wort", bevor sich die Geshworenen zurückzogen, geleugnet und gesagt: Ich kann nur ftreit zu Fefte durch boten werde nur selten gegeben wu wiffen will ( 50 Pfenn B. S welcher di entworfen derselben J., ab Die ganze Benden Einrichtun meinen V meine Kar feither du früher hier fation w weiter b fcheidung flimiten wird sie schlands Gegenftar Wo der gegeben w A 2 Unjer Dr berlebt Wirt des ein schon aus No cinem St ihm auße brachte. geridtet, Nat werden h gebeten. gäfte, fot Wi für 2 gute legentlichst Seltersweg Schön zu bermieten Näheres, K Dem Gru tigten fizi burden. ill man Sabre 18 angen Jmm ici. tstanal ent Sumb in Spand aden des n, daß er Lauerten t mitzunehm wurde un treiben, Dihr Ma n unter& indhener A dhen Be Weinzierl um wird c dori, in inchichule kler ift. Behrer, i Mart jäht cist ein ch enjer Bürg altehrwürdig ndes Laun Inhaber de annehmbare druder ner Kette, in aus Sil em Prorekto Deutschlan mite um di Mujenjöhne dem ersta nefter frein Flasche Wei St Jena talten. D Zeit 1024 es ist dami idenichait be g bei Proffen in Gemeinde Forster, auj fen und gab n dem Stuff entmal, da au nemen ett. er Leutnant n Bromberg Oberkriegs anz zu ber t gemeldet, eftungshaft Dem OberKriegs Oberkriegs auf zwei erichts. right. 1904. ittagsfibung Dr. Cafar Beständnis entsprechend der beiden forft ploglia ehauptung, auf Uamabr d's gewefen! päter änderte der Sad fforft wurde Nafenbluten nmal gerieten ins Wefit ahrheit!" rie antwortete e nod weiter machte be unterfuchung rft bewußt en zu dürfen er Staatsan beantragten Die B hts der B Antrage de Ange 1, worauf te. Groß fich die Ge fann nut sagen, daß ich nicht gewollt habe, daß der Mann umfommt,| ertränkte sich, entzog sich also auf diese Weise dem und daß ich auch die Tat nicht gewollt habe. Stafforst irdischen Richter. Er hinterläßt eine Witwe mit einem Kind sagte: Ich fann nur sagen, daß es die Wahrheit ist, was ich und ist erst seit zwei Jahren verheiratet. Wie uns nachgesagt habe. Bei Verkündung des Todesurteils brach räglich mitgeteilt wird, ist der tötlich getroffene Wirt Schmidt Stafforst in heftiges Weinen aus, Groß schüttelte nur mit dem Kopfe, als fönne er einen solchen Juſtizirrtum nicht be- bereits Mittwoch Nachmittag seinen Leiden erlegen, ohne vorher das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. greifen. Lokales. 19. Mai 1904. ** Der Großherzog hat dem Stationsvorsteher 2. Klasse Konrad Wilhelm Hammel zu Grünberg, den Stationsassistenten Heinrich Albach zu Büdingen und Georg Schmitter aus Alsfeld, dem Bahnmeister Adam Müller zu Alsfeld die unfündbare Anstellung verliehen. Desgleichen den Zugführern Christian Pfeiffer zu Nidda, Heinrich Scherz zu Gießen, Adolf Bruß zu Friedberg, Emil Kallenbach zu Gießen, Johann Georg Krämer zu Nidda, Ludwig Hölzel zu Friedberg und dem Pack meister Georg Schäfer zu Gießen. ** In den Ruhestand versetzt wurde der Bahnwärter Heinrich Schmidt zu Langsdorf, mit Wirkung vom 1. Juni 1904. ** Schotten. Am 24. d. Mts. findet unser weit und breit bekannter Prämiierungsmarkt statt. Derselbe erfreut sich großer Beliebtheit und wird infolgedessen auch sehr zahlreich von der umwohnenden Bevölkerung besucht. Mit dem Markt ist zugleich eine Prämiierung von Vieh der Vogelsberger und Simmentaler Rasse verbunden. ▲ Gedern. Hier ist eine Genossenschaftemolkerei gegründet worden. ▲ Klein- Linden. Der aus über 100 Mitgliedern bestehende Turnverein gedenkt sein Anturnfest an einem der nächsten auf Pfingsten folgenden Sonntage in den dazu eigens erbauten und eingerichteten Räumen der„ DeutsHen Eiche" abzuhalten. Klein- Linden.( Neubau einer Kleinkinder schule.) Der schon mehrere Jahre geplante Neubau für obige Schule muß Verhältnisse halber für dieses Jahr unterbleiben, obgleich der Bauplatz, den die Gemeinde in bereitwilligster Weise überlassen hatte und ebenso die erforderlichen Geldmittel in ziemlich hinreichender Höhe vorhanden waren. Der Grund dieser Zurückstellung liegt hauptsächlich darin, daß der bis jetzt bestehende Ortsbauplan von Großherzoglicher Baubehörde vorerst einer Aenderung bezw. einer Erweiterung unterzogen werden muß. Eine Anzahl Freunde der Anstalt haben sich in letzter Zeit zu einer geschlossenen Gesellschaft herangebildet, welche auch in Zukunft die notNationaler Gesangs- Wettstreit zu Gießen. Der große Feftzug, welcher am Montag, den 23. cr., mittags 1 Uhr, vor dem Walltor seine Aufstellung nimmt, wird sich durch die folgenden Straßen bewegen: Walltorstraße, Lindenplay, Kirchenplay, Marktplatz, Schulstraße, Neuenbäue, Ludwigsplay, Grünbergerstraße bis Moltkestraße; hier Gegenzug über Grünbergerstraße, Gartenstraße, Ludwigsplatz, Südanlage, Seltersweg, Kreuz- wendig werdenden Angelegenheiten unserer Anstalt regeln plag, Mäusburg, Marktplatz, Marktstraße, Bahnhofstraße, Weftanlage nach dem Festplate.-- Ein allgemeines Beflaggen der Häuser ist dringend erwünscht, und wir verweisen auch an dieser Stelle auf die diesbezügliche Annonce in heutiger Nummer d. Bl. *** Das Festbuch für den Gesangswett. streit zu Gießen ist fertig und wird noch vor dem Fefte durch Kolporteure zum Kauf den Einwohnern angeboten werden. Der Inhalt der Schrift ist so vielseitig, wie nur selten ein derartiges Buch für ein gleiches Fest herausgegeben wurde. Ueber alles, was der Besucher des Festes wissen will, gibt es Auskunft; so daß der Preis dafür ( 50 Pfennig) nicht zu hoch ist. B. Herr Oberbaurat Schmick aus Darmstadt, welcher die Pläne für die Kanalisation der Stadt Gießen entworfen hat und unter dessen Oberleitung die Ausführung derselben erfolgt, wird Mittwoch, den 8. Juni ds. Is., abends 8 Uhr in einem öffentlichen Vortrage die ganze Anlage und insbesondere die auf den anzuschlieBenden Grundstücken und in den Häusern zu treffenden Einrichtungen erläutern. Nach der Einführung der allgemeinen Versorgung mit einwandfreiem Wasser ist die allgemeine Kanalisation die wichtigste Anlage, die unsere Stadt seither durchgeführt hat. Lurch die Wasserleitung ist der früher hier so häufige Typhus fast ganz beseitigt und die Kanalisation wird den Gesundheitszustand unserer Bevölkerung noch weiter heben. Unsere Stadt hat schon jetzt nach Ausscheidung der Sterbefälle Auswärtiger in den Universitätsfliniten eine geringe Sterbezahl und in einigen Jahren wird sie voraussichtlich zu den gesundesten Städten Deutschlands zählen. Bei der außerordentlichen Wichtigkeit des Gegenstandes ist jedem der Besuch des Vortrages anzuraten. Wo der Vortrag gehalten wird, soll Anfang Juni bekannt gegeben werden. - ▲ Aus Oberbessingen wird uns Folgendes geschrieben: Unser Ort befindet sich in großer Aufregung. Tötlich verletzt wurde am Dienstag gegen 12 Uhr mittags der Wirt des Gasthofs„ zur Horstenburg", Herr Schmidt, ein schon bejahrter Mann, indem ihm der Arbeiter Brück aus Nonnenrod nach vorangegangenem Wortwechsel mit einem Steinklopfhammer die Schädeldecke zertrümmerte und ihm außerdem noch Schläge ins Gesicht und die Brust beibrachte. Als der Täter eingesehen, welches Unheil er angerichtet, ging er zu einem der Nonnenröder Teiche und und leiten werden. 7000 Mark zu dieser Ausstellung beisieuern; Rheinhessen selbst wird hierzu einen Beitrag von 11,000 Mark leisten. Darmstadt. Bei Reichenbach i. D. ist ein bedeutendes Kupfererzlager entdeckt worden. > Darmstadt, 17. Mai. In der heute vom Abg. Köhler- Langsdorff einberufenen Vorbesprechung der ober hessischen Abgeordneten über die Wahlkreis- Einteilung wu de eine Einigung nicht erzielt. = Aus Franken, 18. Mai. Dem Defonom Oberle von Schweinheim wurde von seinem Zuchtstier mit den Hörnern der Bauch auf eschlißt. Gießener landwirts@ aftlicher Wetterdienst. Boraussichtliche Witterung in Hessen für Freitag, den 20. Mai. Windig, zeitweise heiter, fühler, besonders nachts, Regen, besonders im Osten und Süden. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Marfiberiete. States. 19. Mai. dem beutiger Wochenmarkt fofteter Butter per Pfd. 100-1.15 r., nereler per Stüd 5-6 Pig, Cnteneier St. 7 fg., Käse per St. 6-8 Pfg, Käsematte 2 St. 5-6 Pfg., Erben ver Liter 21 Pig, Linien per Liter 32 Pfa, Lauben per Baar T. 0.80-1.00, hühner per Sid 1.30-1.40, Hohnen, per Stüd C.80-1.70, Enten per Stild 1.70-2.20. Gänst r Pfd. 65-70 fg., chienfleisch te ib. 70-80 St., Rindfleisch per fd. 62-68 Pfg. 1ci Pfb Ed we neflch 60--72 11. Sa weine fletsch gesalzen per Pfund 0.76 Big., stalbfleisch per Pfd. 62-74 Pfg., Hammelfleisch per Pfd. 50-74 Pfg. Kartoffeln pro 100 kilo 6.00 Mt.. Zwiebeln per 3t. Mt. 7.00-1000, Wepfel per Gentner 20-25 Mr. Milch per Liter 18 Pfa. Dauer der Marktjeit von 7 Uhr morgens bis 1 Uhr Nachmittags. Gegenstände des Wochenmarktverkehrs dürfen vor Beginn der Marktzeit überhantt nicht, und während der ersten drei Stunden der Markizeit im Umherziehen feilgeboten werden. Groß- Felda. Das fünfzigjährige Dienst jubiläum des Herrn Lehrer Schmirmund wird am 1. Juni offiziell gefeiert. Vormittags 11 Uhr ist Festgottesdienst.( Festpredigt: Pfarrverwalter Staubach- rischer Mr. 13.25-14 25, Mais, Mixed Mt. 11.50-12.00. Alles Groß- Felda.) Hierauf: Beglückwünschung des Jubilars durch die Bertreter der Behörden und Vereine. Nachmittags 1 Uhr ist Festessen im Saale des Gastwirts Heinrich Völzing. A Niederofleiden, 17. Mai. Der noch in jugendlichem Alter stehende Konrad Dörr aus Oberofleiden, der als Knecht bei dem Landwirte Johannes Böckner hier in Diensten stand und seit voriger Woche spurios verschwunden war, nachdem schon längere Zeit Anzeichen von Trübsinn bei ihm wahrzunehmen waren, hat durch Ertränken in der Dhm seinem Leben ein Ende gemacht. Heute wurde der Lebensmüde der Erde zur leßten Ruhe übergeben. – In dem in der Nähe belegenen Basaltsteinbruch von Canizer u. Pistor waren vorige Woche etwa 25 Arbeiter in den Ausstand getreten mit der Forderung um Erhöhung des Stundenlohnes. Ihren Zweck erreichten sie aber nicht; eine Anzahl der Streifenden hat die Arbeit sehr bald wieder aufgenommen. Die übrigen sollen, wie verlautet, nicht wieder eingestellt Die übrigen sollen, wie verlautet, nicht wieder eingestellt werden. -r. Marburg, 17. Mai. Am Sonnabend trafen 50 Rinder aus Mecklenburg- Schwerin und Mecklenburg- Strelitz hier ein, die vom Behring'schen Institut aus dort schon gegen die Tuberkulose immunisiert worden waren. Sie sollten hier in erhöhtem Grade immunisiert werden, damit die von ihnen erzeugte Milch zu Heilzwecken gegen die Tuberkulose Verwendung finden kann. A Helpershain. Unsere im Jahre 1656 erbaute Kapelle ist dem Einsturze nahe und nur mit Gefahr fann darin noch Gottesdienst abgehalten werden. Es ist daher ein Neubau dringend notwendig geworden. Da unsere Kirche nur über ca. 4000 Mt. Barvermögen verfügt, so hat sich ein Kirchenbauverein gebildet, welcher schon 5000 Mark durch Sammlungen aufgebracht hat. Der Plan wird die Bausumme beträgt im Voranschlage 23 600 Mart. Im von Herrn Architekt Freundlieb in Friedberg entworfen, und nächsten Jahre sollen die Arbeiten beginnen.( Lauterbacher Anz.) Mainz. Der Ausschuß des landwirtschaftlichen Provinzialvereins der Provinz Rheinhessen hat beschlossen, im Jahr 1905 in Mainz eine landwirtschaftliche Landesausstellung zu veranstalten unter der Bedingung, daß die landwirt schaftlichen Vereine der beiden übrigen Provinzen dem Antrag des hessischen Landwirtschaftsrat entsprechen und je Nationaler Gesangs- Wettstreit zu Gießen Pfingsten 1904. Die Herren Mitglieder des Zug, Empfangs- und Ordnungs- Ausschusses werden hierdurch nochmals höfl. um pünktliches Erscheinen am gebeten. Pfingstmontag, vormittags 18 Uhr am Bahnhof Nach Eintreffen der Ertra- Züge erfolgt daselbst der Empfang der Festgäfte, sowie Einzug derselben mit Musif in die Stadt. Der Empfangs, Zug- und Ordnungs- Ausschuß. Wilhelm Homberger. 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Gartenstraße Nr 2( Bürgermeistereigebäude) Zimmer Nr. 14. && tönnen eingestellt werden: 1 landwirtsch. Knecht, 1 Spengler, 1 Wagner, 4Schreiner, 1 Schneider, 5 Dienstmädchen, 2 Laufmädchen, 1 Köchin, mehrere Arbeiter. Lehrlinge: 1 Installateur, 2 Schreiner, 1. Lackierer, 1 Bäcker, 2 Friseure, 2 Kaufleute, 2 Kellner. Es suchen Arbeit: 1 Steinhauer, 1 Installateur, 1 Wasch- und Putzfrau, 1 Bureaudiener, 1 Lagerarbeiter, 3 Bureaugehilfen. Lehrlinge: 1 Schreiner. Verantwortlich: für den politischen, vermischten und unter: haltenden Teil Albin Klein; für den lokalen Teil Karl Klose. Am letzten Samstag haben wir in unserer Unterhaltungsbeilage wieder einen neuen Original- Roman begonnen, der wirklich fesselnd geschrieben ist. Die Rache ist mein, nannte ihn sein Verfasser Ottomar Beta und man möge die litterarische Arbeit nur aufmerksam verfolgen, der Leser wird bald finden, welch tiefer Sinn derselben zu Grunde liegt. Schuhfabrik JAKOB ROMPF& SOHN Telefon: 23 Butzbach Preiswerth! Möbl. 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Montag, den 25. Mai. Vormittag 6 Uhr: Weckruf. " 8-9 Uhr: Empfang der Sänger an der Bahn. Vormittags 10 Uhr: Beginn des Klassensingens in verschiedenen Sälen der Stadt. Mittags 1 Uhr: Aufstellung des Festzuges am Walltor. Nach Ankunft des Festzuges auf dem Festplate: Verkündigung der Ergebnisse des Klassen- Singens. Nachmittags 4 Uhr: I Ehrenpreis- Singen in verschiedenen Sälen der Stadt. Konzert auf dem Festplate und in der Festhalle, Volksbelustigungen, Tanz. Abends 8 Uhr: Großes Konzert, Gesangsvorträge und Preisverteilung in der Festhalle. Dienstag, den 24. Mai. Vormittags 10 Uhr: Frühkonzert auf dem Festplatz. Nachmittags 4 Uhr: Großes Konzert, Tanz und Volksbelustigungen auf dem Festplaße und in der Festhalle. Abends 8 Uhr. Turnerische Aufführungen in der Festhalle. Grosses Brillant- Feuerwerk auf dem Festplatz. Die Musik wird ausgeführt von der ganzen Kapelle des 2. Großh. Heff. Inf.- Regts. Kaiser Wilhelm Nr. 116 unter persönlicher Leitung des Großh. Musikdirektors Herrn Kraußze. Eintrittspreise. Familienkarte: nebst einer Beikarte( zwei Personen) Mt. 3.-, im Vorb clauf Mt. 2.70. Weitere Beifarten 50 Pfg. Giltig zu allen Veranstaltungen. haben unter Begleitung Erwachsener freien Eintritt, Söhne über 17 Jahre haben besondere Karte zu lösen. Einzel- Dauerkarte für alle Veranstaltungen Mt. 2.-, im Vorverkauf Mk. 1.80. Tageskarte: Mt. 1.-. Einmaliger Eintritt am 21. Mai 20 Pfg., am 22., 23. und 24. Mai 50 Pfg. Saalkarte: zum Klassen- und zum Ehrenpreis- Singen je Mt 1.-. Hierzu haben Kinder keinen Zutritt. - Kinder Seltersweg in den Cigarrenhandlungen Vorverkauf: Frankfurterstraße: Adolf Lenhard, Kolonialwarenhandlung; H. Hettler, Konditorei. H. Aubel. W. Semmler.- Mäusburg: Ernst Balser, Buchhandlung. Marktplatz: Chr. Wallenfells, Kolonialwacenhandlung. indenvlatz: Daniel Heil Nachf.- Walltor: L. Althoff. Neustadt: Ph. Moog, Cigarrenhandlung, Chr. Kirchenplatz: Ph. Weiler, Cigarrenhandlung. Nenenweg: Ernst Challier, Biefer, Kolonialwarenhandlung.- Banahofstraße: C. G. Kleinh nn, Delikatessenhandlung, Gebr. Berdur, Kolonialwacenhandlung. Ludwigsplatz: J. Seibel, Kolonialwarenhandlung. Musikalienhandlung. Soulstraße: G. Sonntag, Cigarrenbandlung. Ludwigstr.: Fr. Kühnhold, Wirt u. Kolonialwarenhandlung.- Kirchenplatz: Louis Lind, Cigarrengeschäft. Afterweg: Friseur Insel. Regelmässige Omnibusverbindung zwischen Bahnhof und Festplatz. Nationaler Gesangs- Wettstreit zu Gießen, Pfingsten 1904. Aus einem besonderen Anlasse geben wir hiermit öffentlich bekannt, das allen Festzug- Teilnehmern Eintrittskarten zum Festplage mit sehr bedeutender Preisermässigung zur Verfügung stehen. Die Ausgabe dieser Karten erfolgt bei der Aufstellung des Fest- Zuges. Der Beschluß, diese Vergünstigung zu gewähren, wurde vom geschäftsführenden Ausschuß an 2. Mai d. Is. gefaßt. Der Empfangs-, Bug- und Ordnungs- Ausschuß. Wilhelm Homberger. Nationaler Gesangs- Wettstreit zu Giessen, Särge Pfingsten 1904. An die verehrliche Einwohnerschaft hiesiger Stadt richten wir hierdurch die ergebene Bitte, die Häuser an den Festtagen mit Flaggen- und Fahnenschmuck freundlichst versehen zu wollen. Der geschäftsführende Ausschuß. Wilhelm Homberger. August Kilbinger, Giessen, Seltersweg 19. Telefon 276. Größtes Kinderwagen- Geschäft am Plak. Enorme Auswahl in allen Preislagen. Erstklassige Fabrikate von Kinderwagen, Sport. wagen, Leiterwegen, und Krankenfahrstühlen. Ständiges Lager von 200 Stück Kinderwagen. Auf Wunsch Katalog. in Metall und Holz in feder Preislage. Die Ueberführung von Leichen nach auswärts erledige prompt Carl Zimmermann, Schreinermeister und Bestattungskommiffär des Mainzer Crematoriums, Neuen Bäue 15. Beneidet find Alle, die eine zarte, weiße Haut, rosiges, jugendfrisches Aussehen u. ein Gesicht ohne Sommersprossen u. 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Mai von nachmittags 21 Uhr an wird zu Nieder- Gemünden bei Wirth Södler ein Zahltag der Kreiskasse abgehalten. Die Großh. Bürgermeistereien und die Straßenwarte wollen die Interessenten hierauf aufmerksam machen. Alsfeld, den 17. Mai 1904. Großherzogliches Kreisamt Alsfeld. Dr. Melior. Freibant. Ochsenfleisch, gesalzen 40 Pfg. Tüchtiges mit Motorbetrieb finden mehrere Dienstmädchen Schreiner oder Glasergesellen dauernde Arbeit. gesucht. Fr. Hennings, Gießen, Seltersweg 14. * g.Blutstock. Timermann H. Keßler, Lollar. Hilfe* ambur Fichteftr. 33. Maass'sche antisept. imprägn. Phoenix- Sohlen zum täglichen Auswechseln. Prämiirt Rothe Kreuz- Ausstellung. Bester Schutz Schweiss. Jeder üble Geruch beseitigt. Fusskälte und verhütend. works. Dreifache Haltbarkeit des SchuhRheumatische Affection und Erkältung Preis 55 Pf. per 10 Paar Orig.- Pack. Niederlagen. 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Er stand auf, verbeugte sich, wie nur ein Afrobat, der keinen undressierten Musfel am Körper hat, sich verbeugen kann und bot dem Herrn den einzigen wackeligen Stuhl an, den das Mobiliar des kleinen Raumes aufwies. Dann stellte er sich mit weit auseinander gespreizten Beinen, die Hände noch in den sackartigen Taschen, hin und wartete auf die Mitteilung der Dinge, denen er die ungewöhnliche Unterbrechung seiner Meditationen verdankte. Sie haben sich, wenn ich recht unterrichtet bin," begann genießen bedeutenden Ruf als Clown?" der Fremde, immer unter dem Namen Picotin bewegt und Picotin nickte mürrisch. Er dachte an seine mißlungenen Späße, die einzigen, deren er sich je schuldig gemacht und die das Publikum mit so guter Laune aufgenommen hatte. ,, Nun, mein Herr, wenn sie feine Lust mehr zu Ihrem Berufe haben, so gibt es eine gute Gelegenheit für Sie, ihn aufzugeben. Sie sind der Erbe eines jährlichen Einkommens von fünfzigtausend Francs." Der Herr mit dem roten Gesicht schien sich seiner eigenen Wichtigkeit sehr bewußt zu sein, als er diese staunenswerte Nachricht mitteilte, und der morsche Stuhl krachte unter seinem Gewicht, doch weder die Haltung noch der Gesichtsaus. druck des Clowns änderten sich im geringsten. Wenn Monsieur gütigst diese Papiere überblicken wollen, werden sie sich von der Richtigkeigt meiner Behauptung überzeugen." Picotin streckte die Hand aus und ergriff die Papiere, gültig. halb mechaniſch, als wären ſie ihm im Grunde höchst gleichWunderbar! Welch ein Talent!" dachte der Anwalt, fest überzeugt, daß der Clown Komödie spielte, und sehr geneigt, in ein herzliches Lachen auszubrechen. Picotins Gestalt warf einen langen phantastischen Schatten auf die Wand, während er vor der flackernden Gasflamme stand und die Papiere überblickte. Der Anwalt dachte, er wäre vielleicht nicht imstande, ihren Inhalt zu lesen, schämte sich aber, es einzugestehen. Doch das war ein Irrtum. Der Clown war in seiner Art nicht ungebildet und verstand genug von dem Formelkram, den er überflog, um hatte. zu wissen, daß ein unerwarteter Glücksfall ihn betroffen " Ich bin ein reicher Mann," murmelte er schließlich, indem er die Hände sinken ließ, wobei die Papiere raschelnd zu Boden fielen. Das sind Sie allerdings," rief der Anwalt, und lachte laut auf über den wehleidigen Ausdruck mit dem diese Worte gesprochen waren. Es ist zu spät, zu spät!" sagte Picotin, indem er fummervoll das Haupt schüttelte. Tränen standen in seinen Augen, aber seine Stimme hatte einen Tonfall, der unwiderstehlich komisch war, und der Anwalt schüttelte sich vor Lachen auf seinem Stuhle, bis schließlich ein Bein nachgab, und er aufsprang, um sich vor dem Fallen zu bewahren. In Monsieur Arnaud Bertin, dem Rentier, wird die Welt einen unvergleichlichen Künstler verlieren," rief er emphatisch aus und machte sich dann daran, die Dokumente, die seiner Obhut anvertraut waren, wieder zusammen zu juchen. Picotin saß auf seiner Holzkiste und rieb sich mit mür rischer, nachdenklicher Miene ein Bein. Warum war das nicht früher gekommen nur einen Moment früher? Dann hätte er zu Babinette gehen und ihr erzählen können, daß es in seiner Macht stand, sie zu einer wirklichen Dame zu machen, die eine Equipage und so viele Kleider besitzen fonnte, wie sie wollte, denn er war dann nicht mehr länger Clown, sondern ein reicher Mann. Und sie wäre dann entzückt gewesen, hätte um ihn herum getanzt und hätte in ihrer reizenden lebhaften Weise, die er so sehr liebte, in die Hände geflascht. Jetzt war ihm alles gleichgültig. Er konnte ihre Liebe nicht kaufen, seit sie diese dem blonden jungen Mann geschenkt hatte, den er im innersten Herzen haßte. ( Fortsetzung folgt.)] DER VOLKS ANWALT Umzugsgut. Umzugsgut unterliegt einem weit geringern Frachtsate als gewöhnliches Frachtgut. In der Praxis streitet man nun häufig darüber, ob ein Umzugsgut im Sinne des Eisenbahngütertarifs auch dann vorliegt, wenn die alte oder neue Ausstattung bei der Verheiratung nach dem ersten Wohnsitz der Ehegatten befördert wird. Das Oberlandesgericht Naumburg hat diese Frage fürzlich verneint. In dem zur Entscheidung gekommenen Falle hatte der Versender die Fracht mit nur 119 Mark bezahlt, währent sie nach dem allgemeinen Gütertarif 677 Mark betragen sollte. Das Gericht gab der Klage des Fiskus auf Nachzahlung von 558 Mart statt, indem es ausführte, daß unter Umzugsgut die Gesamtheit der Möbel und der Haushaltungsgegenstände zu verstehen sei, die bei Veränderung des Wohnsizes zur Bewirkung des Umzuges aufgegeben würden und zum Haushalt des Umziehenden gehörten. Es komme also nicht nur auf die Verlegung des Wohnsizes, sondern auch darauf an, daß die verfrachteten Möbel aus dem Haushalte des Umziehenden stammten. Die junge Ches frau habe unstreitig bis zu ihrer Verheiratung als Haustochter in der Wohnung und dem Haushalt ihrer Eltern gelebt. Der Begriff des eigenen Haushalts ſeze wirtſchaftliche Selbſtändigkeit voraus, welche die junge Frau bis zu ihrer Verheiratung nicht be= sessen habe. Das Entscheidende sei nach der Erklärung der stän= digen Tarifkommission, daß die versandten Gegenstände zur Zeit der Auslieferung bereits in den Haushalt des Verfrachters übergegangen seien. Hier handle es sich aber um die Begründung eines neuen Haushalts, nicht aber um die Verlegung des frühern Haushalts. In der 58. Sitzung der ständigen Tarifkommission habe man es abgelehnt, den billigen Frachtsaz des Spezialtarifs für Umzugsgut auf altes und gebrauchtes Ausstattungsgut, das aus dem Haushalt der ausstattenden Eltern komme, anzuwenden, weil das Gut nicht zum Haushalt des Umziehenden gehöre. Hätten diese Aeußerungen der Tarifkommiſſion auch nicht die Bedeutung von Gesezen, so gäben sie doch einen Wegweiser dafür ab, was der Gesetzgeber beabsichtigt und was in der Begriffsbestimmung des Umzugsgutz im Tarif seinen Niederschlag gefunden habe. Es komme daher nicht darauf an, ob die versandten Gegenstände zum größten Teile neu oder alt seien, ob sie im Eigentum des Umziehenden gestanden hätten oder ständen, sondern ob sie schon eine selbständige wirtschaftliche Einheit vor dem Umzug bildeten. Das treffe im vorliegenden Falle um so weniger zu, als die neuen Möbel erst etwa 14 Tage vor dem Umzuge in die Wohnung der Eltern der jungen Frau geschafft worden seien. Ob lettere sie noch kurze Zeit benutzt und dann mit schon früher besessenen Möbeln habe verfrachten laſſen, ſei unerheblich. Zur Versicherungspflicht der Handlungsgehilfen. Frage: Ist es zulässig, daß ein mit einem Gehalt von weniger als 2000 Mark in einer Fabrik angestellter Handlungsgehilfe der Fabrikkrankenkasse nicht beitritt, wenn er einer kaufmännischen Vereinstasse angehört? Antwort: Ja, unter der Voraussetzung, daß die Vereinskrankenkasse eine den Anforderungen des§ 75 des K.-V.-G. entsprechende eingeschriebene Hilfskasse ist, mithin allen ihren versicherungspflichtigen Mitgliedern oder derjenigen Mitgliederklasse, zu welcher der Gehilfe gehört, im Krankheitsfalle mindestens diejenigen Leistungen gewährt, welche nach Maßgabe der§§ 6 und 7 von der Gemeinde zu gewähren sind. Frage: Ist die Firma verpflichtet, ein Drittel der Beiträge für den Gehilfen zu zahlen? Antwort: Nein! In den§§ 51, 52 und 65 des K.-V.-G. ist nur von den„ nach dem Geſeße errichteten Kranken( Orts, Betriebs-, Gemeinde-) kassen" die Rede. Mitgliedern der Hilfskassen gegenüber besteht die Verpflichtung der Arbeitgeber, ein Drittel der Beiträge zu zahlen, nicht.- Frage: Ist die Firma berechtigt, im Falle der Erkrankung des Gehilfen das Krankengeld für ihn einzufassieren, weil sie ihm noch 6 Wochen lang das Gehalt fortzahlen muß? Antwort: Nein! Das Krankengeld gebührt dem Erkrankten bezw. dessen gesetzlichen Vertreter und nicht dem Arbeitgeber. Frage: Ist die Firma be= rechtigt, den erkrankten Gehilfen in Höhe des Krankengeldes Gehalt abzuzichen? Antwort: Nein! Das ist im§ 63 Abs. 2 des Handelsgesetzbuches ausdrücklich verboten. Wenn der Arbeitgeber nicht will, daß der Gehilfe neben dem Gehalte Krankengeld be= ziehe, so muß er ihm den bestehenden Engagementsvertrag fündigen und in einem neuen Vertrag die Fortzahlung des Gehalts während einer Krankheit ausschließen oder beschränken. Das iſt gesetzlich zulässig. Nr. 111 Donnerstag, den 19. Mat. 1904. Oberbessische Familienzeitung. Tägliche Unterhaltungs- Beilage der Gießener Neueste Nachrichten. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein. Die Rache ist mein. Erstes Kapitel. Originalroman von Ottomar Beta. Die Chronisten der alten Herzogs- und Hafenstadt an der Ostsee, an deren hölzernen Bollwerken die City of Washington", ein Newyorker Dampfer, in den fünfziger Jahren zum erstenmale vor Anker ging, hatten Jahrhunderte hindurch nichts zu berichten als von Krieg und Belagerung. Vor den Mauern dieser Stadt haben die Heere der Dänen, der Rügenser, der Sachsen und Franken, der Schweden, der Kaiserlichen, endlich die Reisigen des großen Kurfürsten, und zulezt, im Anfange unseres Jahrhunderts, die Franzosen und, um dann diese wieder zu vertreiben, die Preußen ihre Belte aufgeschlagen und ihre Batterien errichtet. Die wackeren Bewohner sahen wieder und wieder die Früchte ihres Schweißes und ihres Unternehmungsgeistes versiegen, und wieder und wieder mußten sie aus Schutt und Trümmern sich empor ringen. Sie waren kaum der schwedischen Fremdherrschaft entronnen, als die napoleonischen Regimenter in unablässigen Bügen ihre Feldmark_durchwanderten und sieben Jahre lang in diesen Gegenden brandschatten und plünderten. Die Gouverneure wechselten in rascher Reihenfolge, und jeder von ihnen wollte als reicher Mann heimfehren. Als es nach der Vernichtung der großen Armee ersichtlich wurde, daß die forsische Herrlichkeit sich ihrem Ende näherte, da warfen die Befehlshaber der hier garnisonierenden französischen Truppen jede Rücksicht beiseite und preßten den Bürgern die letzte Habe ab: fein Geldstück, kein Schmuck und Geschmeide, kein Gegenstand der Kunst war vor ihnen sicher, und nach einer abermaligen Belagerung seitens der Preußen, um sie von ihren Peinigern zu befreien, begannen, mit dem nackten Leben in den nackten Mauern, die Vielgeprüften aufs neue die Frrfahrt nach dem Glück. Damals wurden die kaum wieder befestigten Fäden, welche die Generationen der Menschen mit einander verbinden, aufs neue zerrissen. Die Söhne und Töchter gingen hinaus in die Welt und wußten nichts mehr von ihren Eltern und oon einander. Kein alter Wohlstand, keine häuslichen Ueberlieferungen ragten aus jener Zeit herüber in die unsere; und hätten in diesen von Mauern eingeschnürten Städten nicht die Hausstätten seit Jahrhunderten dieselben bleiben müssen, so würde die Erinnerung auch an den einst teuren Fleck Erde, der ihre Wiege trug, der Mehrzahl der Menschen verloren gegangen sein. Erst langsam begannen Handel und Wohlstand sich wieder zu entwickeln. Es war ein frischer Herbsttag, als die City of Washington hier einlief. Nebel, Sprühregen, Sonnenschein wechselten mit einander. Vergilbtes Laub flog von den Anlagen bis in den Hafen hinein. Melancholie und Mariengarn schwebten in der Luft. Der Dampfer war faum festgelegt, die blauröckige, rotfragige und noch rotnasigere, etwas verschlissen aussehende Polizei war kaum an Bord, als ein etwa vierzigjähriger Mann, seinen Paß abgebend, unter Garantie des Kapitäns für seine Vertrauenswürdigkeit, vom Bord auf das Bollwerk sprang und in die Stadt hinaufging. Er wanderte Stundenlang umher, stand hie und da still, sich besinnend und umsehend; endlich schritt er die Domstraße hinauf. ( Nachdruck verboten.)) Er hatte den wankenden Schritt der Seefahrer, deren Fuß der Bewegung der Planken zu folgen gewöhnt ist. Die Engländer würden sich drastisch ausdrücken: Er hatte die See. beine noch nicht abgeschnallt. Aber noch etwas anderes er. höhte die Unsicherheit seines Ganges. Sein scharfes, fast stechendes graues Auge maß jeden Stein, jedes Gemäuer seiner Umgebung. An mancher Straßenecke blieb er unschlüssig stehen, wohin er sich wenden sollte. Seine sonst zuſammengepreßten und Festigkeit andeutenden Lippen verzogen sich bald schmerzlich, bald zu einem Lächeln. Es war ihm als sähe er sich selbst als Kind mit kurzem Röckchen und Aermelchen über eben diese Steine hüpfen, welche stellenweise wie seit vor Ewigkeiten hierher verstreute erratische Blöcke erscheinen. Die Stadt war nicht schön. Es gibt seltsame Leute, welche erklären, sie sei eine der abscheulichsten auf dem Erdenrund und die gesamte Kaufmannschaft triebe ihr Geschäft wie ein Rudel Schakale. Unsern Reisenden aber wandelten solche Skrupel nicht an. Er schritt geradeswegs in das Paradies seiner Kindheit hinein. Das waren die Stätten, wo einst der Großvater um die Großmutter geseufzt, hier hatte sein Vater all sein Hab und Gut in den Freiheitskriegen dem Schillschen Unternehmen geopfert, hier war seine Mutter gebettet worden in ein frühes Grab, hier hatte er in einem alten, von Kastanien und Nußbäumen überschatteten Stift, einem ehemaligen Kloster mit Kreuzgängen und tausend Winkeln, unter großmütterlicher Fürsorge seine erste Kindheit verlebt. In der Domstraße mußte das Haus stehen, das damals fast fürstlich erschien, welches der Urgroßvater erbaut, als er von Schlesien nach der Befreiung dieser Stadt von schwedischer Herrschaft hierher einwanderte. Der französische Gouverneur hatte es sofort dem düsteren Schlosse vorgezogen und in demselben Quartier genommen. Dort draußen jenseits der Mauern war der jetzt mit Gras- und Butterblumen bestandere Platz, wo angeblich die preußischen Kanonen für hunderttausend Taler Nutzholz in Brand geschossen hatten, welches seinem Vater gehörte. Diesen Schaden hatte der glühende Patriot nie ersetzt bekommen und nie verwunden. Es hieß, seine Feinde hätten das Holz angesteckt, und er hatte bittere Feinde. Auch er war früh gestorben. Und weiter hinaus flußabwärts lag das „ Gut", welches dem Vater gehört hatte und ihm in den Krisen jener Zeit verloren gegangen war. Die ganze Stadt und ihre Umgegend erschien unserem Reisenden wie ein vergilbtes Buch voll von tausend schmerzlichen Erinnerungen. Als er an jenem Morgen den Fluß heraufgefahren war, fehlte wenig, daß er nicht über Bord sprang, um ans Ufer zu schwimmen und den alten gigantischen Weidenbaum zu umarmen, der ein Schiffszeichen mit seinen Aesten fast verhüllt und seit Odins Zeiten den Schiffern statt seiner die Einfahrt vom Haff in den vielverzweigten Strom angibt. Und weiter oben, noch meilenweit von der Stadt! Da stand am Ufer hinter Schilf und Rohr, zwischen Wiesen und Gärten, Bäumen und Blumen am Abhang der sanft geschwungenen Berge das weiß getünchte, rohrgedeckte Fachwerk mit dem hölzernen Balkon, wo er mehrere Sommer hindurch mit dem sang. rwerfe Barbeiten GrabenUhr an Benwarte in Zahlchen. imprägn. len seln. stellung. Fusskalte und beseitigt. it des Schuh 17 Orig.- Pack ünberg Franks 巷 Die K ( Vo Der preußi im Bankgewerb tung und dem wetriebe" Maß Gemeinwohls fchen Bantiertag aedent Gi зи blei Theraufbescho Er hat dar Den Umständer แอ ง auch Nachteile sight t fich una eine geradezu i iſt, ſo iſt dieft rung mit von In Uniwandlung rem Kapita wurden sein hauseniche B Gerade die feither ge oberschlesische Hand berein PEG 1 Banker der beiden Mark gebr namentlich macht hat, ſchen 80 Millioner Leiſtungsfähig Nilienfapitals meift, als die Bankverein jähige Bank genötigt, die liner Bank z Bantinstitut erfüllen foll zubringen, gehend zins leihen Gleichzei erhöhung ni halb von 34, kapitalfonze Merkmal un mafidh et banten reichen Großmütterchen die langen Ferien verlebte. Es gehörte damals einem entfernten Verwandten des dahingeschiedenen Vaters. Unser Reisender wäre dort am liebsten ausgebootet, nur um jenes Haus wieder zu betreten und in jenem Garten zwischen Mohn und bunten Bohnen einmal wieder das Wonnegefühl zu empfinden, welches unter Erinnerungstränen uns umfängt. ,, Und unter tausend heißen Tränen Fühlt' ich mir eine Welt entstehn," murmelte der bärtige Mann vor sich hin, der hier ein Fremdling war, wo seine Vorfahren durch Generationen in Besig und Bürgerehren gewaltet hatten. Er hatte„ unsichtbare Tränen" geweint an verfallenen Gräbern verschollener Toten, begraben auch im Gedächtnis der Menschen. Kaum gab wohl noch ein Kirchenbuch Kunde, daß sie je gewesen. Kein Kreuz, fein Stein, fein Merkmal ihres Wirkens! Hinweg gelöscht war ihr Leben, Staub, wirres Herbstlaub, Nebel, Sprühregen jetzt glänzend in der Sonne dann träge dahin rinnend in der Gosse das ist das Dasein!" so mochte er denken, der Fremdling in der Heimat. Seine Phantasie ward durch das Wiedersehen all der Orte seiner Kindheit mächtig erregt. Jetzt stand er fast erschüttert vor einem alten Hause der Domstraße still. Es war noch immer ein vornehmes Haus und sah wohlerhalten aus. Es war mit jener behäbigen Unbefümmertheit um Raumund Materialersparnis gebaut, die so anheimelnd ist. Die weite Haustüre, zu welcher zwei breite ausgetretene Stufen von Sandstein emporführten, stand offen. Man blickte in einen geräumigen hohen Flur mit Fliesen belegt, worin die tausendfachen Schritte der Menschen schon förmliche Gänge ausgetreten hatten. Eine mächtige Eichentreppe führte in das obere Stockwerk hinauf. Die Balustrade war breit und mit merkwürdigem Schnitzwerk verziert und ruhte nimmer wankend auf einem Geländer von Schmiedeeisen, welches in sinnverwirrender Weise verschnörkelt erschien. In der Mitte des Flurs hing eine gigantische Laterne, ebenfalls von Schmiedeeisen und rechts und links neben der Haustür ragten zwei eiserne Fackelträger empor wie Leuchttürme. Die Fenster dieses Hauses waren hoch und mit glitzernden Spiegelfcheiben ausgefüllt; im Erdgeschoß zeigten sie Leben und Komfort; seidene Vorhänge und farbige Gardinen prangten dahinter, grüne Jalousien verhüllten dieselben halb, und Krokus, Hyazinthen, Tulpen versperrten dem Draußenstehenden den Einblick. Die Fenster im oberen Stockwerk waren verhängt wie geschlossene Augen. Ueber dem Portal zwischen zweien der verhängten Fenster war eine Sonnenuhr angebracht, mit strahlenförmig sich ausdehnender Vergoldung, und an Stelle der Ziffern zeigte sie eine Inschrift, nun bereits halb verblichen; aber ihr Wortlaut und ihre Bedeutung waren stadtkundig. Die Lehrer an der Lateinschule gaben sie den Sertanern zur Uebersetzung und Beherzigung anheim; und der Fremdling erinnerte sich ihrer jehr wohl. Sie lautete:„ Sine sole sileo". Und ein unternehmender Pädagoge hatte den Sinn dieser Alliteration in sinnige Verse gebracht: ,, Angeseh'n nur werd' ich sein In des Glückes Sonnenschein." Aber eine solche Deutung wohnte der Inschrift ursprünglich nicht inne. Unser Fremdling wußte es, daß man in dieser Uebertragung einen Hinweis auf das Geschick der Familie erblickte, der dieses Haus einst gehörte. Und es lag darin eine Verleumdung, zugleich aber auch eine bittere Wahrheit. Wer bekümmert sich um das Verdienst eines Mannes? Erst das Glück setzt ihm die Krone auf das Haupt. Wer unglücklich ist und auf Verdienst pocht, den erklärt die Welt für einen eingebildeten Narren, so mochte der Fremdling jich sagen, während er im eifrigen Anschauen dastand. An jenem Ecfenster pflegte seine Mutter zu ſizen und Jeinen Spielen auf dem nahen Marienplage zuzuschauen. Der Fremde fuhr sich mit der Hand nach der Stirne, dieser Stirne voll Runzeln, welche der trogige und erbarmungslose Kampf um die guten Dinge der Welt dort gegraben, umcahmt von Krausem Haar, das schon hier und da einen grauen Schimmer verriet- Zeugen weniger des Alters, als schlafloser Nächte. ,, Bist du derselbe Mensch?" fragte er sich. Ueber eben diese Schwelle hatte man ihre Leiche getragen in dem kostbaren Sarg mit Silberbeschlag. ,, Damals wußtest du nicht, was du an ihr verlorst eine Mutter." - Jezt würde der gereifte Mann winselnd und weinend an ihrem Sarge kauern! Aber sie starb jung und schön. Selbst der Tod hatte es nicht vermocht, das Rot dieser süß geschwungenen Lippen, den Glanz dieser seidigen Locken zu beeinträchtigen. Wildfremde Menschen hatten gestaunt über die Schönheit dieser Frau noch in ihrem Sarge.„ Gesteh's - ein bißchen warst du stolz auf sie, eitel auf das Gepränge dieses Begräbnisses!" Der Kurzsinn seiner Kinderjahre trat dem bärtigen Manne jetzt so peinlich und beschämend vor die Augen, die ganze Schwere des unerseßlichen Verlustes, den er damals er litten, legte sich plöglich mit so entsetzlicher Last auf sein Herz, daß er fast in demselben Moment tieferrötend und leichenblaß, seiner Sinne faum noch mächtig, die Stufen zur Haustür emporschwankte und sich auf den eingelassenen Steinsitz niederließ, der dort, an die gastliche Sitte der Vorzeit gemahnend, in einer Nische angebracht war. Er saß hier minutenlang, den Kopf in die Hand gestützt, den Sandstein zu seinen Füßen anstarrend, verwirrt, krampfhaft atmend. Diese Stufen hatte ihr leiser Tritt, diese selbe Schwelle der Saum ihres Kleides berührt, wie oft wie oft! Er selbst an ihrer Hand war hier emporgehüpft. Noch fühlte er den stolzen, gütigen Blick aus dem Mutterauge, den sanften Druck ihrer zärtlichen Finger. Nun hielt er seine Hand vor sich hin und betrachtete dieselbe mit neuem Interesse. Es war eine gebräunte, nervige Hand, welche Art und Spaten geführt zu haben schien und vielleicht zu gutem Zweck. Seine Kleidung verriet freilich nicht den Besitzer großer Reichtümer und auch sein Wesen nicht, zumal in diesem Moment, wo er dasaß, ein Bild der Zerknirschung. Jetzt hätte er wohl alle Schätze der Welt hingegeben, um noch einen Blick aus Mutteraugen zu erkaufen, um sich noch einmal an dem geliebten Busen ausweinen zu können, in dem das Leben damals vor nun fast vierzig Jahren- erlosch. Der Wind erhob sich, ein Wirbel fegte die Straße entlang, einige welke Blätter flogen neckisch an ihm vorüber, gleichsam einen Totenreigen tanzend, Staub flog ihnen hinterdrein und lagerte sich zu seinen Füßen. 3weites Kapitel. Plötzlich erschien es vor ihm wie eine Vision. Ein niedlich und doch der Jahreszeit entsprechend beschuhtes Füßchen schob sich zwischen ihn und seine fummervollen Gedanken. Er fuhr empor und sah eine schlanke Gestalt in modischer, aber gewählt einfacher Kleidung, und ein reizendes charaktervolles Köpfchen, aus welchem ein paar Augen auf ihn herabblickten, genau jenen entsprechend, welche ihm seine Erinnerungsphantasie soeben vorgespiegelt. Es war ein Blick, in dem sich leichter Schreck, offenbares Mitleid und ein wenig Neugierde vermischten, ein forschender Blick, aus einem stolzen, hellen Auge kommend, in welchem dennoch die Milde der Charitin wie ein einladendes Herdfeuer leuchtete. Die junge Dame trat mit einem leichten Aufschrei zurück, griff unwillkürlich nach der Türkante, als müßte sie sich vorm Umsinken bewahren, stützte sich auf den Elfenbeingriff ihres Entoutcas und lächelte. ,, Verzeihen Sie... ich war so erschrocken..." Der Fremde war aufgesprungen und hatte den Hut gezogen. Aber er fand weder Zeit noch Besinnung genug, um irgend etwas zu erwidern. Er sah der Charitin nach, die ihm nun, in Uebereinstimmung mit der Mythologie, zugleich wie eine Grazie erschien und wie ein Traumbild entschwand. Es war freilich ungewöhnlich, jemand in den altmodischen Steinnischen sitzend zu finden. Auch einige vis- à- vis mochten so denken. Die Bäckermeisterin Riesopp in dem hohen Giebelhaus dort drüben äugte wiederholentlich zur Ladentür hinaus. Sie unterhielt sich mit einigen Mägden, welche noch alte Semmeln zum Reiben und Einmachen von Kalbskoteletts holten, unter bemerkbaren Hinweisen auf den seltsamen Fremdling. Den letzten Menschen," sagte sie, den meine Augen da haben sitzen sehen, den haben sie dieses Frühjahr begraben. Das war der alte Ladenthin, der noch den siebenjährigen Krieg mitgemacht hatte und im Hof eine Stube bewohnte, wofür er manchmal ein bißchen mit dem Besen gegen die Spinnewebe vorging. Viel war's nicht, aber wissen Sie, solche alten Leute... man mag doch auch nicht aggravierend gegen sie sein, am wenigsten der Justizrat." D ( Fortsetzung folgt.), Bald tu, was du kannst, heute noch, was du sollst. Was du Gutes getan hast, vergik, und tu etwas Bess'res. Der König der Clowns. Novellette von Th., Eicke. (( Nachdruck verboten.))' Man nannte ihn Picotin. Es war das nicht sein wirklicher Name. Niemand wußte, ob er überhaupt einen wirklichen Namen hatte oder nicht; es war auch ganz gleichgültig, denn er war ja nur ein Clown. Armer Picotin! So lange er denken konnte, war die Manege des Cirkus sein Tummelplatz gewesen. Wie er zuerst dorthin gekommen war, das wußte außer ihm selbst nur noch ein halbtauber alter Stallknecht, der erzählte, ein Bereiter habe ihn als ein zartes Kind, daß auf der Zehenspite eines Akrobaten balanziert oder in einen Reisesad eingepackt werden konnte, mitgebracht. Aus diesen artistischen Anfängen hinaus hatte sich der Knabe allmählich zu einem Clown erster Klasse entwickelt, aber gleich so vielen anderen, deren Aufgabe es ist, Frohsinn und Heiterkeit zu erregen, ging Picotin traurig und einsam seinen Weg. Mit einem Herzen, das sich sehnte nach Teilnahme und Liebe, sah er sich dazu verurteilt, lächerlich zu erscheinen, selbst dann, wenn er gerade am meisten ernst zu sein wünschte. Sein grämliches Gesicht rief auch ohne bemalt zu sein das Lachen hervor, und jede kleinste Aeußerung von ihm wurde als ein Wiz begrüßt; ein Clown muß ja nach der Ansicht der meisten Menschen immer lustig sein und für jeden unter der Sonne Scherze und Späße bereit halten. Picotin, der König der Clowns, hatte eine Geschichte. Natürlich kam ein Weib darin vor. Sie war noch sehr jung, mit einem richtigen Engelsgesicht und einer zarten und doch vollen Gestalt, die, wenn sie sich einen Abend wie den anderen vor einer jauchzenden Menge, auf dem Drahtseil produzierte, einer Glockenblume glich, die vom Winde hin- und hergeschwungen wird. Ein Lächeln war immer auf ihren Lippen, als freute sie sich selber über die geschmeidige Grazie ihres zarten Körpers, und aus ihren großen Augen leuchtete die Unschuld des Kindes. Picotin betete sie an. Eines Abends während der Vorstellung brannte ein Sinnloser, der entweder betrunken, oder sehr zu schlechten Späßen aufgelegt war, plötzlich einige Schwärmer an und warf eine Rakete in die Manege hinein, gerade nach Babinette. Erschreckt schrie sie auf und fiel von dem Seil herab. Picotin stürzte herbei und fing fie in seinen Armen auf. Das reizende Gesicht war bleich unter der Schminke, und sie war ohnmächtig geworden. Nachdem er sie hinausgetragen und in der Obhut einiger Frauen gelassen hatte, drängte er sich zwischen das Publikum und faßte den Täter beim Kragen. Alles machte ihm Platz, als er den Leichtfertigen in die Manege hineinzog, um ihn dort in seiner Wut vor den Augen des Publikums gründlich durchzuprügeln. Die Direktion, die wohl einsah, daß die Züchtigung sehr verdient war und außerdem mit Beifall begrüßt wurde, ließ ihn ruhig gewähren. Picotin war seitdem noch populärer als vorher. Auch glücklicher war er; denn Babinette, die ohne erheb liche Verlegungen davon gekommen war, hatte ihm mit ihrem reizendsten Lächeln gedankt, und er hatte es gewagt bei ihren Eltern um sie zu werben, die ihre Einwilligung nicht versagt hatten. Die reizende Babinette hatte inzwischen als die Heldin dieser aufregenden Feuerwerksepisode, großen Enthusiasmus bei einer Schar von jungen Müßiggängern erregt, die ihrer Bewunderung freien Lauf ließen. Wenn Picotin Babinette gegenüber einmal drohte, sie alle durchzuprügeln, lachte sie ihm ins Gesicht und knusperte mit ihren weißen Perlenzähnen die Bonbons, die sie ihr geschickt hatten. War es denn möglich, dachte der Clown, daß dieses Kind mit den großen Augen auch solch ein rohes, verlogenes Geschöpf werden sollte, wie alle die andern um sie her? Er schauderte, als er es dachte und warf es weit von sich. Er wollte geduldig warten, bis es ihm gelang, den Widerwillen, den auf einmal der Gedanke an eine Heirat in ihr erregte, zu besiegen. " Sich doch nur, Babinette, wie viel Geld ich verdiene! Meine Frau fann ganz als feine Dame leben, wenn sie es will," sagte er eines Tages zu ihr mit seltsamer Stimme, die immer knarrłe und nie dazu gebracht werden konnte, ] sanfte Worte zu flüstern, mit denen er so gern wie ein Verliebter ihre Ohren umschmeichelt hätte. Babinette schaute aufmerksam die Goldstücke an, nahm sie in ihre zarten Finger und ließ sie wieder in die andere Hand hineinfallen. „ Das schon," antwortete sie dann, indem sie schmollend die Lippen zusammenzog, aber du du wirst immer nur ein Clown sein." Zum ersten Male in seinem Leben fühlte sich der arme Bursche erniedrigt durch seinen Stand. Er dachte nicht daran, daß ihr eigener Lebenslauf dem ſeinigen sehr ähnlich war, und daß ihr durch ihn die Möglichkeit geboten wurde, sich davon abzuwenden, was sie als sein Weib jedenfalls hätte tun müssen. Er war zu sehr verliebt, um überhaupt an so etwas zu denken; unbestimmte Gefühl einer großen Ungerechtigkeit erfüllte ihn ganz. Wenige Tage später ging er in einem der öffentlichen Gärten spazieren, als das Murmeln von Stimmen an sein Ohr schlug. In einem schattigen Seitenwege sah er ein Liebespaar Hand in Hand auf einer Bank ſizen, einer versunken in den Anblick des anderen. Er würde, ohne sie überhaupt zu beachten, weitergegangen sein, wenn nicht auf einmal das Mädchen ihr Gesicht gewandt und ihm halb zugekehrt hätte. Wie festgebannt stand er da; da war ja gar keine Täuschung möglich; dieses süße Antlitz mit den unschuldsvoll großen Kinderaugen konnte es doch nicht zum zweiten Male geben. Verstört ſtarrte Picotin ſie an, zweifelnd, ob er ſeinen eigenen Augen glauben sollte oder nicht. Was hatte sie hier zu sitzen, Hand in Hand mit einem Manne, sie, die doch sein Weib werden sollte? Er brauchte nicht lange auf eine Erklärung zu warten. Heiße Schwüre und Gelübde erreichten sein Ohr, vermischt mit verächtlichen Bemerkungen über ihn selbst; und das Mädchen hörte ſchweigend zu, während die Tränen unaufhaltsam unter ihren langen Wimpern hervorstürzten und in ihren Schoß fielen. Armer Picotin! Er ist so gut!" murmelte sie;„ und er liebt mich. Es wird ihm das Herz brechen." ,, Wann hätte ein Clown jemals ein Herz gehabt!" rief der junge Mann mit Ueberzeugung aus.„ Glaubst du, er könnte sein Leben mit Clownspäßen verbringen, wenn er litte wie ich leide? Jedesmal, wenn ich dich auf dem schrecklichen Seile sehe, mein Herzlieb, überfällt mich ein Zittern und ich werde fast frank. Es ist abscheulich und unerträglich, immer alle die Augen auf dich gerichtet zu sehen. Was hat dein Versprechen dem Narren Picotin gegenüber, verglichen mit meiner Liebe, zu bedeuten?" So umwarb sie der junge Mann mit sanfter Stimme und glühenden Worten, und das Mädchen lauschte mit gesenktem Haupte, einer Rose gleich, die erzittert unter dem warmen Hauche des Sommerwindes. Immer mehr verschwand vor ihrem Geiste das spukhafte Gesicht des Clowns, je mehr sie sich an den Geliebten anschmiegte. Sie war glücklich oh, so glücklich, wenn er sie heiß mit seinen Armen umschlang. Derweil aber stand der Mann, der alles geopfert haben würde, wenn er ihr damit hätte Leid ersparen können, hinter den beiden und starrte mit schmerzzerissenem Antlitz und stumpfen Augen in eine trostlose Zukunft. An jenem Abend mißlangen Picotin mehrere von seinen Späßen, und die Leute brüllten vor Lachen. Ihnen war sein Mißerfolg scherzhafter als sein Erfolg, denn er schaute sie so kümmerlich an und schüttelte das Haupt so betrübt, als wäre es ganz mit ihm vorbei, daß sie fest glaubten, es sei alles so beabsichtigt. „ Was ist nur mit Picotin los?" fragte einer, der ihn gut fannte, Babinette hinter der Szene; doch sie zuckte nur gleichgültig die Schultern, während sie versuchte, einen Blick von einem blondhaarigen jungen Mann aufzufangen, der in einer Loge saß. Am Schluß der Vorstellung kam ein stattlicher Herr mit gerötetem Antlig, der wie ein erfolgreicher Anwalt aussah, und der Picotin mit unverkennbarem Interesse während des ganzen Abends beobachtet hatte, hinter die Szene und fragte, ob er Picotin in einer wichtigen Angelegenheit sprechen könnte. Der Direktor lächelte verächtlich, gab aber Befehl, den Fremden in die Garderobe des berühmten Clowns zu führen, wo dieser gerade sein buntes Narrenkleid mit einem alltäglichen Gewande vertauschte. Picotin saß niedergeschlagen auf einer großen Holzkiste, die seine Theatergarderobe barg. Er hatte sein Clownkostüm noch nicht ausgezogen und seine Hände waren vergelf allmählich den und m Irdischen, den. So das geh mußte mi und Mitte banten be Schritt zu vermochten Durch minderwer die Indus wurden, w gen der B Aurie aller bis zu den bon meniger lich von ein Darin ganz gering heregt berkennbare ennbare gewürdigt insbesonder handle fasseng, allmo gezwungen papiere den Prozentjat anzulegen. 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