nen 5000000 B. nahe dem pie herzliche Ausfluges an unferer huß. ge der Schauanz. iden. tung. Uhr: Konzert. nach dem 0000000 lub. efestes f Textore Terraff gung der Mitgliedsfarte entstapelle ausgeführt nefeld). Der Vorstand. ten"). Gießen tage 4 Uhr ab: zert hen. Grünbergerftrage 7 tens gesorgt. gr bes ng biefigen ins abends 8% Uhr, en. Tahn, Borfigenber Nr. 141. Zweites Blatt. Wonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., Seus gebracht 60 Bfg., durch die Beft bezogen viertelfährt. 1.50. Seatt@ bellagen: Oberhoffifche Familienzeitung( täglich) und die Sickener Getfenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Samstag, den 18. Juni 1904. Gießener 13. Jahrgang. Insertionspreis: Die einfpaltige Petitzeile für ganz Ober beffen, die Kretse Wezlar und Marburg 10 Pfg. fenft 15 fg. Reklamen die Petitzeile 30 refp. 40 Pfg. Boftzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gteßen, Seltersweg 88, Fernsprechanschluß Kr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Beifung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Vertagung. Politische Wochenschar Der Reichstag hat sich am Donnerstag in später Stunde bertagt. Die Vertagung vollzog sich, trotzdem man schon seil einigen Tagen wußte, daß die Beratungen nicht über den Donnerstag hinausgeführt werden sollten, doch in der Form eines wohlgelungenen Coups. Denn bis zum entscheidenden Moment war es unbekannt, ob Vertagung oder Schluß ein. treten werde. Im letteren Falle wären die unerledigt ge. bliebenen Vorlagen, nämlich das Börsengesez, das Reichs. Stempelgesetz, die Vorlage über die Entlastung des Reichs. gerichts und die Totalisatorsteuer unter den Tisch gefallen. Als die überaus heftige Debatte sich ihrem Ende zuneigte, erschien der Reichskanzler geräuschlos mit einer zierlichen roten Mappe im Saal, und wie hypnotisiert starrten die ein zelnen Parteiführer auf diese Ledertasche, die das Schicksal der genannten Vorlagen enthielt. Es ist ein offenes Ge heimnis, daß die Mehrheitsparteien den Schluß nicht ungern gesehen hätten, weil hierdurch die unbeliebte Börsengesetvor. lage einstweilen ihr Ende gefunden hätte. Aber es kam anders. Etam um 29 verlas der Kanzler die kaiserliche Order, die den Reichstag bis auf den 29. November vertagt. Man kann in den Verhandlungen drei Abschnitte unter. scheiden. Der erste dauerte vom 3. Dezember bis 19. März, der zweite vom 12. April bis zu den Pfingstferien und der dritte vom 12. Mai bis zum letzten Donnerstag. In der ersten Periode wurden endlose Reden zur General debatte des Reichshaushaltsetats gehalten, bei der sich auch die Zusammen. flöße zwischen dem Reichskanzler und der Sozialdemokratie ereigneten. Die zweite Lesung des Etats wurde nur bis zu dem Reichsschaß- und dem Auswärtigen Amt durchgeführt. Außerdein stand eine endlose Reihe von Interpellationen auf der Tagesordnung. In der zweiten Periode wurde der Gefamtetat in dritter Lesung beendigt, die Reichsfinanzreform angenommen, außerdem das Abkommen über das internationale Privatrecht, der Gesezentwurf über die Kranfenfürsorge fir Seelen'e und über die Entschädigung für unschuldig er. littene Untersuchungshaft und schließlich noch die Interpellationen über das Militärpensionsgesetz und die Stilllegung der Muhrzechen. Nach den Pfingstferien wurden noch das Münzgesek, das Reblausgesez und das Gesetz über die Kolonialbahren angenommen. Für die Herbsttagung bleibt noch ein so reicher Stoff vorhanden, daß voraussichtlich die nächste Etatsberatung sich auch lange hinziehen wird. Unter diesen Umständen ist nicht daran zu denken, daß vor Schluß dieses Jahres noch Handelsvertragsberatungen in Angriff genommen werden können. Im übrigen sind auch die Berbandlungen mit Desterreich einstweilen zum Stillstand gef rimen, weil die Regierung des benachbarten KaiserStaates d'e Angaben der deutschen Bevollmächtigten über die fanitären Zustände in Desterreich und das hierüber vor gregte Material noch näher prüfen will. So lange diese Prüfung noch nicht beendigt ist, bleiben also die Weiterve bandlungen vertagt. Bertagt bleibt einstweilen auch in Frankreich der Konflift, der zwischen den radikalen Parteien und dem Minist rium Combes anläßlich der Karthäuserfrage ausgebrochen i Aber die Verhandlungen sind auch für die Außenwelt bes.- bers interessant, weil sie immer wieder zeigen, welche Schmußfluten sich durch das ganze öffentliche Leben Frankreichs hindurchwälzen. Erst der Panamaskandal, dann der Dreyfusbandel und schließlich die Millionen der Karthäuser. Diese inneren Zustände in Frankreich schwächen ganz erheblich auch seine Position im internationalen politischen Leben. Wenn ein Staat dies deutlich merken läßt, so ist es Amerifa, das mehr und mehr seine eigentlichen politischen Ziele en.hüllt. Durch die Eroberung der Philippinen hat es auf dem Wege nach Ostasien eine Etappe in den Stillen Ozean hineingeschoben, die Feststellung der Alaskagrenze bietet ihm die Gelegenheit, Australien langsam aber sicher aus dem englischen Kolonialreich herauszusplittern, und nunmehr möchte es sich auch noch in Marokko festsezen, um auf der Ostseite des Atlantischen Ozeans ebenfalls ein Wort mitsprechen zu können und Europa in Schach zu halten. Niemand wittert diese fernen Biele deutlicher als England, das deshalb eine Friedenspolitik betreibt, wie sie bis jetzt an der Themse unbekannt war. Es wir keine inneren Krisen in Europa mehr, weil der Konflikt zwischen zwei Großstaaten, wie man jezi wieder in dem ostaſiatiſchen Kriege ſehen kann, sich nicht mehr abspielen kann, ohne daß internationale Probleme ausgelöst und die Gefahren eines allgemeinen Weltbrandes heraufbeschworen werden. Demgemäß hat die jeßige europäische Politik im allgemeinen die Tendenz, die Interessengegensäte einstweilen zu überbrücken, durch Vertagung. Japanische Kulturbilder. In der englischen Lesewelt wird zurzeit ein Werk von einem bis dahin kaum beachteten Autor förmlich verschlungen. Seinen Inhalt bilden japanische Kulturbilder und es hat einen geborenen Engländer Lafcadio Hearn zum Verfasser, der vor vielen Jahren nach Japan kam und sich dort vollständig afklimatisiert hat. Ja, er hat sich dem japanischen Volfe soweit assimiliert, daß ihn die Japaner, trotzdem er in englischer Sprache schreibt, zu den Ihrigen zählen und als einen ihrer größten Heimatsdichter verehren. Lafcadio Hearn nennt sich als naturalisierter Japaner Koizumi Yakumo, ist mit einer Japanerin verheiratet und wirkt als Professor der englischen Sprache an der Universität zu Tokio. Die von ihm veröffentlichten japanischen Kulturbilder in novellistischer Form offenbaren nicht allein das äußere, pittoreske und oft wundersame Leben und Weben des japanischen Volkes mit einer erstaunlichen suggestiven Kraft, man gewinnt aus ihnen gleichzeitig einen intimen Einblick in die Psyche der Japaner, in der Sanftmut, Träumerei, tiefe Naturempfindung, angeborenes fünstlerisches Gefühl, wurzelhafter Familiensinn, Lebensfreude und Lebensverachtung, Patriotismus und Heroismus zu einer wundersamen Harmonie berwoben sind. Als Probe dafür, wie Koizumi Yakumo in einem kleinen Rahmen mit genialer Intuition den Kern der japanischen Eigenart erfaßt, sei hier kurz der Inhalt eines jener Lebensbilder resumiert, die der Dichter der Wirklichkeit abgelauscht. Nach Kumamato wurde eines Tages ein Verbrecher gebracht, der einen Bürger dieser Stadt ermordet und nach dem die Polizei einige Jahre vergebens gefahndet hatte. Eine dichte Menge erwartete im Bahnhofe den Verbrecher, gegen den übrigens nur schwere Verdachtsmomente vorlagen. Als er gefesselt und von einigen Polizisten eskortiert vom Wagen stieg, wollte sich die empörte Volksmenge auf ihn stürzen. Aber der Polizeioffizier beruhigte sie mit einer einzigen Geste und rief einen Namen. Da trat ein armes Weib vor, das auf dem Rücken einen sechsjährigen Anaben trug.„ Kleiner," sagte der Polizeioffizier mit weithin tönender Stimme ,,, dieser Mann hat vor vier Jahren deinen Vater ermordet. Er ist schuld daran, daß du keinen Vater hast. Hab' keine Angst, schau' dir ihn gut an." Dabei ergriff er das Kinn des Mör ders und zwang ihn, den Kopf zu heben. Der Knabe starrte über die Schulter seiner Mutter mit entsegten Augen den Mörder eine Weile an und begann dann zu schluchzen. Toten stille herrschte. Auf den Gesichtern der Menge atemlose Spannung. Auf einmal stürzte der Verbrecher, der bis da hin alles abgeleugnet hatte, vor dem Weibe nieder und, die Blicke zum Kinde emporgerichtet, schrie er mit stammelnder Stimme: Verzeih' mir, Kleiner, verzeih'." Und dann fing er zu beichten an. In fliegenden Worten schilderte er die Mordtat, schlug sich berzweifelt an die Brust, erklärte, daß er seine Tat büßen wolle und dabei brach immer wieder und wieder der Ruf:" Verzeih', Kleiner," aus ihm hervor. Der sinabe weinte noch immer. Und plöglich begann auch die Menge aus tiefster Seele zu schluchzen.. Hier ist an einem einleuchtenden und herzergreifenden Beispiele die zauberhafte Gewalt enthüllt, die die Liebe zu den Kindern auf die Japaner ausübt. In einem anderen Lebensbilde schildert Koizumi Yakume die Heimkehr der Truppen nach dem chinesisch- japanischen Kriege. Der Dichter sagt zu einem alten Japaner: ,, Heute abends beim Apell werden die Soldaten an ihre armen Ka meraden denken, die niemals die Heimat wiedersehen werden." Der Greis schüttelte wehmütig lächelnd den Kopf.„ Die Leute im Occident," sagte er mit ruhigem Ernst,„ glauben bielleicht, daß die Toten niemals wiederkommen. Wir denken darüber anders. Die japanischen Toten kehren alle zurück, sie kennen den Weg. Auch jene, die tief im Meeresgrunde ruhen, kommen wieder. Sie sind beim Apell da, sie hören die Signale. Und sie werden die Signale auch an jenem Tage hören, da unsere Truppen gegen die Russen marschieren werden." Vermischtes. +[ Gemeinden ohne Einwohner.] Daß es Zwergstädt und Riesendörfer gibt, ist eine bekannte Tatsache. Von Ge meinden ohne Einwohner haben aber wohl die meisten Leser noch nichts gehört. Und doch gibt es deren nach der letzter Aufnahme im preußischen Staate 682, und zwar 14 Land gemeinden und 668 Gutsbezirke. Von letteren wurden 9 als Seebezirke bezeichnet. deren Kommunalverhältnisse no richt geregelt sind; wo die Bevölkerung der übrigen 57 Gutsbezirke und 14 Dorfgemeinden geblieben ist, darübe verrät das amtliche Quellenwert nichts. Man geht aber wor nicht fehl, wenn man annimmt, daß in diesen Fällen da verschwundene Dorf von den benachbarten Gutsbezirken un Landgemeinden angekauft und so parzellenweise bereits b stehenden ländlichen Wirtschaften einverleibt worden ist, we durch die bisherigen Wohn- und Wirtschaftsgebäude über flüssig wurden. Mit ihrer Niederlegung siedelten dann selbs verständlich die bisherigen Bewohner in andere Gemeinder über. Der weit häufigere Fall des Verschwindens von Guts hevölkerungen dürfte ebenfalls durch Parzellierung des Grur des und Bodens unter den Nachbargütern oder den benach barten Dorfgemeinden zu erklären sein. *[ Ein technisches Wunder.] In wenigen Tagen wir die Bohrung des Eigertunnels der Jungfraubahn auf de Höhe von 3000 Meter über dem Meere angelangt sein. Wi man bernimmt, haben sich die Befürchtungen, die man zuer für die Gesundheit der Arbeiter in solchen Höhen hatte, al grundlos erwiesen. Die Bergkrankheit wird ja, wie ma längst weiß, durch die Anpassung an die höheren Luftschichten Iald überwunden. Nach Verlauf von sechs Monaten alaubi " man, werde der Ausgang des Eigertunnels auf der Südsek'e oberhalb der Berglihütte erreicht sein. Diese Station wir 3300 Meter über dem Meere liegen. Die Arbeiten an der Jungfraubahn werden auch während des Winters fortgesetzt Damit erbringen die Unternehmer neuerdings den Beweis daß sie Ernst machen und das Unternehmen zu Ende führen Man hat zuerst über den Plan der Jungfraubahn vielfad gelacht und der Tod seines Urhebers, Guyer- Bellers, hat cinmal die Weiterführung sehr gefährdet erscheinen lassen. Die Anziehungskraft der im Vorjahre eröffneten Station Gigerwand hat indes das Unternehmen wieder bedeutend gehoben, so daß die Weiterführung dieses technischen Wunder kaum mehr in Frage gestellt sein dürfte. [ Japanische Liebesgaben.] Sehr reichlich fließen in: Japan die Liebesgaben sowohl für die Streiter im Felde als auch für ihre bedürftigen Angehörigen zu Hause. Die Frauen: stricken Strümpfe und machen Strohschuhe für die Soldaten Patriotische Frauenvereine wurden besonders von Frau Oku mura ins Leben gerufen. Diese patriotische Dame hat in chinesisch- japanischen Kriege ihren Mann verloren und so die Not am eigenen Leibe kennen gelernt. Schon seit Ende 1902 reist sie im ganzen Lande herum( auch Korea hat sie zu diesem Riecke besucht), hält große Versammlungen ab und legt der Frauen warm ans Herz, sich selbst zu frisieren, ferner alte Beitungen, Bierflaschen, Strohsäcke und andere gebrauchte Dinge zu sammeln zum Wohle der Sinterbliebenen der auf dem Schlachtfelde Gefallenen. Zahlreich sind die Wohltigkeitskonzerte, Theateraufführungen, Bazare und ähn fiche Veranstaltungen, deren Einnahmen teils dem Rote Sreuz, teils denen zugute kommen, deren Ernährer im Felde sind. Für die beiden lettgenannten Zwede geben auch die in Japan ansässigen Fremden oft sehr hohe Beiträge. Viel Kuli boten sich gleich zu Beginn des Krieges an, unentgelt lich als Träger mit in den Krieg zu gehen. [ Die Belohnung des Polizeihandes.] Welche Genug iing in weiten Kreisen über die Klugheit des Polizeihundes Harras" herrscht, der den Lustmörder Duwe entdeckte und überführte, beweist folgende Meldung aus Königslutter: ,, Dem hiesigen Polizeiamt ging von einem Herrn aus Hannover dieser Tage 1 Mt. zu, mit der Bitte, dem Polizeihunde Harras" dafür ein Beefsteak zu verabreichen. Der Herr schreibt, daß er sich sehr darüber gefreut habe, daß durch das kluge Tier die Auffindung des Mörders der Helene Bebenroth ermöglicht sei; deshalb wolle er dem Hunde, wenn dieser auch nichts davon verstehe, seine Erkenntlichkeit aus. drücken. Das Geld ist dem Polizeiinspektor Bussenius in Braunschweig zugestellt worden." [ Eine reizende Kindergeschichte] erzählt eine englische Wochenschrift ihren Lesern: 3Zwei kleine Jungen, Tommy und Harry, besaßen jeder ein Kaninchen, das sie sehr liebten. Eines Tages kniff Harrys Kaninchen aus, und kehrte am Abend von seinem Streifzuge in sehr reduzierter Verfassung unter anderem ohne Schwanz- zurück, um bald darauf in den Armen seines jugendlichen Besizers zu sterben. Am anderen Tage saß Harry neben dem Leichnam seines Lieblings, bitterlich weinend, als Tommy kam, um ihn zu trösten. ..Weine nur nicht, Harry," sagte er.„ Das ist ja nur der Leib, der hier liegt. Der Schwanz ist im Himmel." +[ Ein wunderlicher Geishals] ist im altertümlichen Mecheln verstorben. Van Vichelen, so heißt er, war urSpringlich Schneider, vertauschte aber diesen Beruf mit einem meit einträglicheren Geschäft. Er faufte nämlich auf Subhastationen alle Arbeiterhäuser, deren er habhaft werden fonnte. Wenn er konnte, versteigerte er sie wieder mit gutem Nugen, sonst behielt er sie für sich selbst. In letterem Falle mußten seine Mieter für alle kleineren Reparaturen sorgen, die großen aber führte er selbst aus. So sah man ihn den ganzen Tag mit Riegelsteinen, Fensterkreuzen oder Brettern herumlaufen. Sein eigenes Haus hatte er vollgestopft mit diesen Artikeln. Seine Frau hatte sich seines Geizes toegen bon ihm scheiden lassen. Er zwang sie z. B., vormittags im Bett zu bleiben, um eine Mahlzeit zu sparen. Er hinterläßt etwa hundert Arbeiterhäuschen und außerdem 300 000 Frcs., die er, unter Enterbung seiner Familie, einem Freund vermachte. Das Heiratsgesuch des kleinsten Mannes der Welt] ist in verschiedenen amerikanischen und englischen Zeitungen zu lesen. Er bietet der Dame, die er mit seiner Hand beglücken will,„ ein schönes, glückliches Heim, einen musterhaften Gatten, viel Geld und im übrigen jegliche Freiheit". Der kleinste Mann der Welt ist ein Amerikaner. Er ist b rühmt unter dem Namen„ Major Charles Gang" und wohnt in Fairfield( Iowa). Er wiegt 30 Pfund und ist 18 Zoll hoch. Er ist 39 Jahre alt und dürfte daher schwerlich noch weiter wachsen. Sein Vater ist ein wohlhabender Grundbesitzer, und der Sohn hatte den Ehrgeiz, sich ausstellen zu lassen, aber die Eltern widersetzten sich mit Entschiedenheit diesem Wunsche ihres Sprößlings. Der Vater ist ein stattlicher Mann von 6 Fuß Höhe, und auch die Mutter wiegt über 150 Pfund. Der Herr Major hat Geld genug, um Weib und Kind unterhalten zu können, und er ersucht alle Damen, die auf ihn reflektieren, ihm ihre Photographieen mit Namensunterschrift und Adresse einzusenden. Der Herr Major teilt ferner mit, daß er ein Damenfreund ist gleich jedem großgewachsenen Manne, daß er das Herz eines Riesen besizt, und daß er bereits zweimal in Riebe entbrannt war. Bekanntmachung. Die diesjährige öffentliche Impfung in der Stadt Gießen wird, beginnend Ziehung 6., 7., 8., 9. Juli Freiburg Münster - Lase 3.30 Mittwoch, den 1. Juni, im Jmpflokale- Schulgebäude. Neustadt 61- für die nächsten 5-6 Wochen jeden Mittwoch, nachmittags 5-6 Uhr, abgehalten werden. Impfpflichtig im laufenden Kalenderjahr sind die im vorigen Jahre geborenen Kinder, sowie die Mückständigen aus früheren Jahren. Wir laden die hiesigen Einwohner, welche impfà Ab Porto u.Liste 30 Pfg. extra. ohno 12184 Geldgewinne Abzug 322500 Hauptgewinne: Mark pflichtige Kinder haben, zur Benutzung dieſer öffentlichen 0,000 Termine mit dem Bemerken ein, daß alle in denselben borgenommenen Impfungen unentgeltlich sind. die Termine nicht benußen will, muß die. Impfung seines pflichtigen Kindes bis zum Jahresschlusse auf seine Kosten bewerkstelligen lassen, widrigenfalls ihm im Januar nächsten Jahres eine vierwöchentliche Frist zur Nachholung der Impfung unter Strafandrohung gesetzt wird. Außer den Pflichtigen werden auch Kinder, welche im laufenden Jahre geboren sind, auf Wunsch ihrer Vertreter geimpft. Alle in einem Termine geimpften Kinder müssen in dem 8 Tage später abgehaltenen Termine zur Nachschau nochmals erscheinen. Kinder, deren Zurückstellung von der Impfung wegen Kränflichkeit beansprucht wird, fönnen gleichfalls dem Impfarzte in den öffentlichen Terminen borgestellt werden. Die Jmpflinge müssen mit reiner Wäsche und reingewaschenem Körper zur Impfung gebracht werden. Es wird nur an einem Arme mit Lymphe aus dem Landesimpfinstitut geimpft. Kinder aus Familien, in denen ansteckende Krant40,000 20,000 10,000 5000 1 à 50001 à 5000- 2 à 3000= 2 à 2000= 5 à 1000= 20 à 500- 10000 6 6000 4000 5000 200 100- 20000 100-20 200 à 50- 10000 1000 20-20000 2000a10-20000 8750 à 6-52 500 Freiburg. Lose versendet: Haupt- Debit heiten herrschen, dürfen nicht in die Termine gebracht Ad. Müller& Co. werden. Gießen, den 28. Mai 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. J. V. Turschmann. 600000000000 Emil Schön, Giessen Tel. 410. Schreinerei mit Motorbetrieb. Liebigstrasse 65 Tel. 410. empfiehlt sich im Anfertigen sämtlicher Schreinerarbeiten an Neubauten Besonders preiswert werden geliefert Thüren, Treppen u. 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Man bemerkte den Verlust noch während des Festes; doch Chigi befahl seinen Dienern, den Vorfall vor den Gästen zu verheimlichen, damit sich niemand unnötig ärgere. Und um zu beweisen, daß er genug silberne Schüsseln habe, ließ er bei dem nächsten großen Bankett, das er veranstaltete, nach jedem Gange die Silberteller, auf denen man ſpeiſte, in die nahe Tiber werfen. ihre verschwenderische and wußte. Diese grenzenlose E: 136 Samstag den 18 Junt erbessische Familienzeituna Tägliche Unterhaltungs- Beilage d Ilig. 00 80 GGGOO Baffia- Baft etc. esetzten fabrik 9. nlagen crei. EL. ephon 243 Bahnanschl and Lager: et 1883, sen. EINST UND JETZT Bufall oder Bestimmung? Die Prinzessin Charlotte von Preußen hatte eine Schweizerin, Madame Wildermuth, zur Erzieherin. Um eine ihr zugefallene Erbschaft zu erheben, reist diese in die Schweiz, und nach ihrer Rückkunft zeigt sie ihrer jungen Gebieterin einige Schmucksachen, die ihr bei der Teilung zugefallen waren.„ Das ist ein recht alter Ring," meint die Prinzessin, auf einen kleinen gotisch geformten Ring deutend und ihn an den Finger steckend, er hat etwas Be= sonderes, sieht wie ein alter Talisman aus." Sie will den Ring zurückgeben, er geht aber nicht vom Finger. ,, Da hätte ich fast Lust, ihn zu behalten!" und sie behielt ihn denn auch. Später gelang es der Prinzessin, den Ring vom Finger zu nehmen. Sie betrachtete ihn nun genauer. Halbverwischte Buchstaben waren in der inneren Rundung eingeschrieben, mit vieler Mühe entzifferte sie die Worte:„ Kaiserin von Rußland". Man lachte darüber und meinte scherzend, das sei ein Fingerzeig für ihr späteres Schicksal. Jahre vergehen. Eine Verbindung zwischen der Prinzessin Charlotte und dem Großfürsten Nikolaus von Rußland wird geplant. Dieser Bruder des Kaisers Alexander I., der aber damals noch nicht Thronerbe war, macht eine Reise nach Berlin, um die Prinzessin kennen zu lernen, und was bisher nur Absicht war, wird bei ihrem Anblick zum feſten Entschluß.— Bei Tafel neben ihr ſizend, erklärt er ihre Zuneigung. Er bittet, ihm ein Zeichen, ein Pfand zu geben, daß sie seine Liebe erwidere. Geben Sie mir den kleinen Ring dort an ihrem Finger; wollen Sie?"" Wie, hier vor aller Welt?"„ Niemand wird es bemerken. Drücken Sie den Ring in ein Stückchen Brot, und lassen Sie dies dann auf dem Tische. Ich werde dann den Talisman unbemerkt nehmen." Der Großfürst erhielt den Ring; es war derselbe, den Madame Wildermuth aus der Schweiz mitgebracht hatte. Die Ehe ward eine sehr glückliche. Acht Jahre darauf bestieg Nikolaus den russischen Kaiserthron, und so ging die Prophezeiung des Ringes vollständig in Erfüllung. Kaiser Nikolaus hat den geheimnisvollen Ring nie mehr abgelegt, nur, da er zu klein war, um ihn am Finger zu tragen, trug er ihn an einer Kette auf der Brust. Bunte Blätter. Die Vielweiberei im christlichen Deutschland war einmal nicht nur gesetzlich erlaubt, sondern wurde sogar von der Obrigkeit ge= wünscht. Es geschah dies kurz nach dem westfälischen Frieden, nachdem der entsetzliche dreißigjährige Krieg Deutschland verarmt und entvölkert hatte. Gewerbe und Handwerk lagen danieder aus Mangel an Menschen. Man konnte meilenweit reisen, ohne auf den niedergebrannten Ortschaften eine menschliche Seele anzutreffen, und so war der Beschluß, welchen der fränkische Kreistag zu Nürnberg am 14. Februar 1650 faßte und veröffentlichte, zwar seltsam, aber begreiflich. Dieser merkwürdige Beschluß, der die Bigamie sanktio= nierte, lautet nach den Akten wörtlich:„ Es soll hinfüro jedem Mannßpersonen 2 Wehber zu hehrathen erlaubt sein: dabei doch alle und Jede Mannßperson ernstlich erinnert, auch auf den Kanzeln öffters ermanth werden sollen, Sich dergestalten hierinnen zu ver halten und vorzusehen, daß er sich völlig und gebürender Discretion und versorg befleißige, damit Er als ein ehrlicher Mann, der ihm 2 Weiber zu nemmen getraut, beede Ehefrauen nicht allein notwendig versorge, sondern auch under Ihnen allen Unwillen ver= hüette." Wie lange dieser kuriose Beschluß gesetzliche Kraft hatte, ist leider nicht mehr zu ermitteln. * Eine Spielhölle auf Rädern gab es vor etwa 20 Jahren in Kalifornien. Sie war wie ein Zirkuswagen bemalt, wurde von stattlichen Pferden gezogen und enthielt Pharotische, Roulette und andere Spielapparate. Der Besizer hatte mehrere bis an die Zähne bewaffnete Gehilfen, lauter starke" Männer, und fehlte mit seinem Spielfahrzeug bei keinem Fest. Kluge Verschwendung. Der Bankier Fabius Chigi, der im Anfang des sechzehnten Jahrhunderts lebte, gab Feste, die sich durch ihre verschwenderische Pracht auszeichneten. Einmal wurden bei einer solchen Gelegenheit elf Schüsseln massiven Silbers gestohlen. Man bemerkte den Verlust noch während des Festes; doch Chigi befahl seinen Dienern, den Vorfall vor den Gästen zu verheimlichen, damit sich niemand unnötig ärgere. Und um zu beweisen, daß er genug silberne Schüsseln habe, ließ er bei dem nächsten großen Bankett, das er veranstaltete, nach jedem Gange die Silberteller, auf denen man speiste, in die nahe Tiber werfen. Diese grenzenlose Verschwendung erregte allgemeinstes Staunen; doch niemand wußte, daß der kluge Bankier seine Nee am Boden des Flusses ausgespannt hatte, und darum nichts von dem weggeworfenen Silberzeug verloren gehen konnte. Erst nach seinem Tode wurde dieser Streich berraten. Sehr einfach. Als der tapfere Bulgarenfürst Alexander von Battenberg noch als schneidiger Leutnant beim Regiment Garde du Korps die sorglosesten Tage berlebte, galt er bei seinen Kameraden als das Musterbild wißigen Humors und sarkastischer Laune. Einst flagte ihm ein Offizier, der junge Graf P., seine Verlegenheit und Sorge, da er durchaus nicht wüßte, wie er es anstellen sollte, um dem Herrn Papa die neusten, namhaften Schulden zu beichten. " Mein bester P.," antwortete der Leutnant von Battenberg, die Sache ist höchst einfach. Wenn Sie nächste Woche Urlaub nehmen und nach Haus kommen, so gehen Sie mit Ihrem Erzeuger auf die Jagd. Steht dann ein Wild zum Schuß, so schütten Sie gerade in dem Moment Ihr Herz aus, wo der Graf die Flinte anlegt, um zu zielen!" ,, Aber ich bitte Sie," rief der andere,„ weshalb gerade dann?"„ Das will ich Ihnen sagen," erwiderte der Battenberger mit unverwüstlichem Ernst, weil dann der Herr Papa unzweifelhaft ein Auge zudrückt." Sonderbares Zusammentreffen. Es ist eigentümlich, daß die Schlacht am weißen Berge bei Prag, welche bekanntlich der Winterkönig Friedrich V. von der Pfalz an die ligistischen und kaiserlichen Truppen verlor, gerade an dem Tage stattfand, an welchem, wie einer seiner frühsten Biographen Köler schreibt, das Evangelium lehrt, dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist. Ganz nach Befehl. Die Kontinentalsperre, durch welche Napoleon I. den Handel der Engländer zu vernichten gedachte, lastete mit schwerem Drucke auf ganz Europa und machte sich nicht zum mindesten in Frankreich selbst fühlbar. Im großartigsten Maßstabe wurde die Schmuggelei betrieben, und der Kaiser, der sich für allmächtig hielt, mußte erfahren, daß er trotz der harten und mit unnachsichtlicher Strenge gehandhabten Zollgesetze die heimliche Einführung der verbotenen Ware nicht zu hindern vermöge. Kurze Zeit nach dem Erlaß des Dekretes, laut dessen alle engliche Ware, deren man habhaft würde, ohne weiteres zu verbrennen sei, ging der Kaiser eines Tages in der Umgegend von Fontainebleau spazieren. In der Nähe der Pfarrwohnung eines kleinen Dorfes blieb er plößlich stehen und hob die Nase in die Luft. Verräterisch drang der Geruch frisch gebrannten Kaffees zu ihm, und bald vernahm sein Ohr auch das Geräusch einer in Bewegung befindlichen Kaffeetrommel. " O," sagte der Kaiser lachend,„ da kann ich ja einen Gesetzes= übertreter auf frischer Tat ertappen; ich wollte, es ist niemand anders, als der Pfarrer selbst." Von Neugier getrieben, trat er in den Hof des Pfarrhauses und erblickte daselbst wirklich den mit dem Brennen des Kaffees beschäftigten Geistlichen, der, sobald er den ihm wohlbekannten Kaiser erblickte, eilig sein Geschäft im Stiche ließ und den Monarchen mit tiefer Verbeugung, aber ohne jeden Anschein von Verlegenheit oder Furcht entgegentrat. ,, Was in aller Welt machen Sie denn da, Herr Pfarrer?" rief Napoleon halb belustigt, halb zornig. Ei, Sire, ich gehorche dem Befehl Euer Majestät, ich brenne Kolonialwaren, wie Euer Majestät sehen," antwortete der Kluge Pfarrer ohne Besinnen. Der Kaiser nickte und entfernte sich lachend. Es war ihm wohl nicht im Ernste darum zu tun gewesen, den höchst eigenhändig abs gefaßten Pfarrer der Strafe zu überliefern, dessen gute Antwort entwaffnete ihn aber vollends, er ließ, wo ihm eine solche erteilt ward, selbst in schwereren Fällen Gnade vor Recht ergehen. हे Nr. 136 Gamstag, den 18 Sunt. 1904. Oberhessische Familienzeitung. Tägliche Unterhaltungs- Beilage der Gießener Neueste Nachrichten. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1788); verantwortlich: Albin Klein. (( 3. Fortsetzung.) Die Adjaren. Originalroman von Arthur Gundaccard. Suttner. Endlich näherte man sich dem Ziele, und von der Ferne schon konnte man eine stattliche Menschenmenge erkennen, die bor dem Dorfe Sfalta Aufstellung genommen, um beim Herannahen der Flotte Jubelrufe ertönen zu lassen und eine Salve abzugeben, welche gleich Donnerschlägen von Berg zu Berg hallte. Nun gab es ein Gewirre von Booten, ein Aneinanderrennen, Ringen und Drängen, als alle Fahrzeuge gleichzeitig dem Ufer zustrebten, um nicht zu weit hinter dem Schiffe des Gouverneurs zurückzubleiben, das bereits am teppichbelegten Gestade angelegt hatte. Cherif- Pascha und seine Gesellschaft begaben sich zu den Pferden, die bereit standen, und nachdem Djambek Thamar in den Sattel geholfen, wobei er übrigens ihr Füßchen etwas länger als nötig in der als Stützpunkt dargebotenen Hand gehalten, ging es in feierlichem Zuge den Abhang hinauf dem Herrenhause zu. Die ferneren Dörfer, welche auf dieser Fahrt nicht mehr berührt wurden, selbst das adjarische Hochland, hatten die meisten ihrer männlichen Bewohner entsandt, um die Anwesenheit des Höchstgebietenden zu ehren, und so war denn auf diesem Fleckchen eine Menschenmenge zusammengekommen, wie man sie hier noch nie gesehen hatte. Cherif- Pascha bemerkte das mit sichtlich erfreuter Miene, als er vom reichgeschnitzten Balkon auf das Gewoge zu seinen Füßen herabblickte. Ich danke dir, mein lieber junger Freund," sagte er, Djambek die Hand drückend, du erweisest mir und durch mich unserem hohen Herrn, dem Padischah, eine Huldigung, die von der trefflichen Gesinnung des Landes Zeugnis ablegt!" Dann wandte er sich gegen den Kaimakam:„ Ali- Beg, lasse die guten Leute benachrichtigen, daß der Rest des heutigen Tages dem Vergnügen geweiht bleiben soll; morgen werde ich aber gerne bereit sein, ihre Anliegen zu hören, und zu diesem Zwecke mögen sie Abgeordnete wählen, die in ihrem Namen sprechen werden." Unter der riesigen Linde, die unweit vom Hause ihre Aeste wie ein grünes Zeltdach über den Wiesenplan breitete, war die Festtafel mit fünfzig Gedecken vorbereitet worden, an der außer der Reisegesellschaft auch noch die Vornehmsten aus der Umgebung Platz finden sollten. Parallel mit dieser Tafel stand eine zweite, für die sämtlichen Dorfältesten nebst den kleineren Regierungsbeamten bestimmt. Was die übrigen Anwesenden betraf, so lagerten sie sich im Kreise auf dem Grasplate um diese beiden erhöhten Punkte, um an flammen den Feuern das Mahl zu bereiten, zu dem teils Djambek beigesteuert, teils von ihnen selbst das nötige in Gestalt von Lämmern, Zicklein und Geflügel mitgebracht worden war. Während die Ehrengäste noch um die Tafel sitzen blieben und Kaffee sowie Zigaretten herumgereicht wurden, nahmen im Lager der Eingeborenne Gesang und Tanz ihren Anfang. Alles hatte sich heute in seine Festgewänder gehüllt, und jeder der Anwesenden war bedacht gewesen, seine Person so vorteilhaft als möglich herauszupuzen. Die Tracht der Adjaren nebst jener der Gurier ist die kleidsamste des Kaukasus: eine kurze, nur bis an die Taille rei chende Jacke, die auf der Brust offen bleibt, um den hellfarbi(( Nachdruck verboten.)) gen Kaftan- ein Mittelding zwischen Weste und Oberhemd --sehen zu lassen, umschließt den Oberleib. Die Beinkleider sind an den Hüften weit, legen sich aber enger um Schenkel und Waden und werden von einer breiten Schärpe aus ge= streifter Seide festgehalten; die Füße umhüllen dünne Schnabelschuhe, die oft durch weiche Ledergamaschen in Form von Stiefelröhren verlängert werden. Wie alle Kaukasier ſetzt auch der Adjare seinen Stolz in die Waffen; der Dolch und eine, oft auch zwei Pistolen, schwer mit Silber beschlagen, stecken im Gürtel, letztere gemeiniglich nach hinten in die Gegend der Wirbelsäule geschoben, und zwei Reihen metallglänzender Patronen, durch Filigrankettchen miteinander verbunden, prangen zu beiden Seiten der Brust. In der Regel wird noch an Lederriemen ein Täschchen geführt, das Stahl, Feuerstein und eine Büchsen mit Fett enthält, welches zum Einfetten der Kugeln dient, während der Gürtel ein flaches Trinkgefäß aus Metall oder Leder birgt. Das Alltagsgewand ist von grauer oder brauner Farbe; bei dem heutigen Feste waren jedoch lebhafte Nuancen in der Mehrzahl vertreten, besonders konnte man blau in allen erdenklichen Abstufungen bemerken. Die Baschliks, die zumeist turbanartig um die Köpfe gewunden werden, machten in dieser wogenden, drängenden Menge den Eindruck von riesigen weißen, blauen, grellroten und dunklen Blumen, die, wie von einem Luftzuge in Bewegung gesetzt, hin und her nickten. Die Frauen und Mädchen trugen auf den Köpfen Schleier, deren Enden über das Gesicht gezogen waren; hie und da aber im Eifer des Tanzes verschob sich die neidische Hülle und gab so manche glühende Wange, so manches dunkle, glänzende Auge und firschrote Lippen den Blicken der Zuschauer preis. Auch mit dieser Verschleierung nahm man es nicht so genau, insbesondere da durch Cherif- Paschas weibliche Gäste das Beispiel zur vollsten Freiheit gegeben war. Die Paare drehten sich einzeln in graziösen Windungen zu den eher melancholisch als lustig klingenden Weisen, welche den Saiteninstrumenten entlockt wurden. Auch Kriegs- und Waffentänze kamen an die Reihe, bei denen viel Geschicklichkeit und Besonnenheit erforderlich war, da die Tänzer die haarscharf geschliffenen, spizen Dolche bald an die Brust, bald an die Schläfen hielten und ein Fehltritt leicht eine Verwundung zur Folge haben können. Nachdem das Tanzprogramm erledigt war, kamen Ringkämpfe, Wettlaufen, Steinschleudern an die Reihe, und so verging die Zeit, bis endlich die Dämmerung hereinbrach. Nun eilten die Bediensteten des Hauses emsig durcheinander, um die Lampen aus farbigem Papier längs der Veranden und in den verschiedenen Gebüschen anzubringen, während ein Teil der Dorfbewohner sich nach dem Flusse aufmachte, wo Holzplättchen mit Bechlichtern bereit lagen, die auf ein gegebenes Zeichen angezündet werden sollten, um den Fluß hinabzuschwimmen. Djambek fand während dieser Vorbereitungen Muße, mit Thamar ein paar Worte zu wechseln. Nachdem sie ihm ihre Freude und ihren Dank über das wohlgelungene Fest ausge sprochen, erwiderte er in der bescheidenen Art des Orientalen, D), und Küche er Wirte! Dugend billiger, Telerei, Ar. 25. podt gut konserb Erklärt. Der Schwi Sie: W in unferem n Er:„ O wadnahan 110 daß die Huldigung, die man ihr darbrachte, leider nicht ihrem Range und ihrer Schönheit entsprechend sei, daß sie aber aus ergebenem Herzen käme und daß dieser Tag, der die Königin der Feen in seine Heimat gebracht, ein für ganz Adjarien unvergeßlicher bleiben würde. Thamar lächelte zu diesen überschwenglichen Worten:„ Vergessen Sie, daß wir beide nicht in diesem Lande erzogen worden sind?" sagte sie mit leisem Vorwurfe in der Stimme. Ich vergesse es nicht; die Sitte will es aber so und eigentlich bleiben meine Gedanken doch immer dieselben, selbst wenn ich sie in Worte kleiden wollte, wie sie im Abendlande gebräuchlich sind. Ich fühle mich Ihnen aufrichtig zu Dank berpflichtet, daß Sie gekommen sind, und da finde ich, daß die alltägliche Phrase: Es hat mich sehr gefreut diesen Ge. fühlen doch allzu wenig Ausdruck verleiht." Insbesondere da diese Freudenversicherung in so häufigen Fällen das Gegenteil bedeutet." - Sehr wahr; bleiben wir also bei unserer morgenländischen Art, die" Die auch nicht immer aus aufrichtigem Herzen kommt," sagte sie neckend, aber jedenfalls besser zur Umgebung paßt." „ Soll ich Ihnen einen heiligen Schwur leisten, daß sie heute der Ausdruck vollster Wahrheit ist?" Nein, ich glaube es Ihnen," wehrte sie lachend ab, was mich betrifft, so komme ich ja mit freundschaftlichen Gefühlen, es ist also kein Grund vorhanden, daß Sie meinen Besuch weit weg wünschen. Aber auch von meinem Oheim kann ich Sie versichern, daß er Ihnen zugetan ist und mit den besten Absichten diese Fahrt unternommen hat." Möge sie die Früchte tragen, die wir uns von seinem Besuche erhoffen; niemand wäre froher darüber als ich." Die übrigen jungen Leute schlossen sich nun den beiden an, und da Hassan- Beg, der Besatzungskommandant, Thamar etwas besonders Wichtiges mitzuteilen zu haben schien, so überließ ihm Djambek seinen Platz, um mit Daria und deren europäischen Freundinnen ein Gespräch anzuknüpfen. Alle waren darüber einig, daß ihnen diese ganze Fahrt den Eindruck einer Reise ins Märchenland machte, und wenn Djambek den Gefühlen der Eitelkeit zugänglich gewesen wäre, so hätte er heute Grund gehabt, aus den bewundernden Worten und einzelnen feurigen Blicken Schlüsse zu seinen Gunsten zu ziehen. Des Paschas Faktotum, Totia, der mit bei der Gruppe stand, suchte in einer Anwandlung von Eifersucht den Effekt des heutigen Festes abzuschwächen, indem er erzählte, wie besonders prachtvoll einst der Empfang des russischen Kaisers im Raukasus gewesen, aber seine Beschreibung vermochte nicht die Zuhörer zu begeistern, und man erklärte einstimmig, daß es recht schön, aber nicht so gelungen wie heute gewesen sein mochte. Sezt knallte ein Schuß durch die Luft, und wenige Sekunden später blitten allenthalben längs des Ufers Funken auf, um alsbald in feurigem Regen auf die Wasserfläche zu fallen und dortselbst, in tausenden von leuchtenden Punkten auf und nieder tanzend, weiterzuschwimmen. Dieser ersten glitzernden Abteilung folgten bald ein zweiter Nachschub und ein dritter und so fort, bis der ganze Fluß, so weit das Auge reichte, von tanzenden und hüpfenden Lichtpunkten bedeckt war. Die vereinigte Leuchtkraft dieser schwimmenden Plättchen warf einen roten Schein über die beiden Ufer, so daß die Baumriesen, die dort ihre Zweige ins Wasser tauchten, in eigentümlicher Färbung hervortraten und plößlich allenthalben bis an die Gipfel zu glühen schienen. Dann glitt der dunkle Körper eines Bootes durch die brennende Wasserfläche, um unversehens in feurigen Garben aufzusprühen und schließlich mit lautem Knall in die Luft zu fliegen. Das war von neuem das Zeichen zu Gesang und Tanz. Beim milden Schein der farbigen Lampen glitten die Paare über den Wiesenteppich, anfangs in ruhigen Drehungen, dann aber immer mehr und mehr in Hize geratend, bis endlich die Menge in wildem Gejohle durcheinander wirbelte. Plötzlich sprang eine im Halbdunkel riesig scheinende Gestalt über die Köpfe der übrigen mitten in das Gewühl, packle eines der tanzenden Mädchen um den Leib und bahnte sich mit gewaltiger Kraft einen Weg durch die Menge, um wie ein Blizz in der Dunkelheit zu verschwinden. Zornesrufe und Gelächter tönten durcheinander, und ein eigentümlicher, langgezogener Schrei fam aus mehreren Kehlen. Die geheimnisvolle Gestalt war knapp an der Gruppe vorbeigehuscht, in welcher sich Thamar und deren Freundinnen befanden, und als jetzt ein Haufen Männer mit gezüdten Dolchen und wilden Rufen an ihr vorbeistürmte, griff sie erschrocken nach Djambeks Arm. „ Eine Entführung," sagte er leise, diesmal ist es ernst!" fügte er hinzu. Das gehört nicht zum Festprogramm." ,, Eine Entführung?" " Ja, der Bursche hat sich sein Liebchen aus der Schar geholt, um gegen den Willen ihrer Angehörigen Hochzeit zu halten. Jezt heißt es flink und behend sein, wenn er nicht für die kühne Tat sein Leben lassen will." ,, Sie glauben, daß..." Zorniges Geschrei und Verwünschungen tönten von der Flußseite herauf, und Thamar Sollte man nicht den flüsterte ängstlich:„ Hören Sie? Bedrängten zu Hilfe kommen?" Er padte heftig ihre Hand, damit sie nicht von den Vorbeistürmenden ins Gewühl mitgerissen werde.„ D, ich kenne den Entführer; er ist einer der gewandtesten und stärksten Bursche aus dem Hochlande. Uebrigens ist er sicherlich nicht allein, seine Freunde werden die Verfolger schon abzulenken wissen, das ist ganz und gar ihre Sache, und wehe dem dritten, der sich unberufen in eine solche Angelegenheit mengen wollte, er würde dadurch die Nache der ganzen Sippe über sich beschwören. Wüßte ich indes, daß er wirklich in Bedrängnis wäre, ich käme ihm doch zu Hilfe, schon un der Liebe zum Siege zu verhelfen, denn ich finde, daß niemand das Recht hat, der Herzenswahl anderer Menschen Zwang aufzuerlegen. Es ist alles still ein Zeichen, daß man von den Entschwundenen noch keine Spur aufgefunden hat." Alles hatte sich zum Flusse hinabgedrängt, da man vermutete, daß die Flüchtlinge in einem Kahn zu entkommen gesucht, und man vernahm nun deutlich das Plätschern der Ruder, welche die Verfolger eifrig handhabten, um das Pärchen zu erreichen. Auch Cherif- Pascha und seine Gesellschaft hatten sich von der Neugierde hinreißen lassen und waren den anderen gefolgt. Djambek und Thamar standen allein unter der großen Linde. Das verworrene Gemurmel vieler Stimmen drang zu ihnen herauf, hier und da von einem lauteren Zuruf eines der Verfolger unterbrochen, der den Insassen der Nachbarorte einzelne Anweisungen gab; der rote Qualm ihrer Jackeln kräuselte sich langsam empor und ballte sich hoch oben zu einer leuchtenden Wolke. Plötzlich knallte drüben von einem der Verge ein Schuß durch die Luft, und ein jauchzender Ruf hallte herüber. Thamar drückte besorgt Djambeks Hand, und ihre Stimme bebte, als sie flüsterte: ,, Man hat ihn getötet!" ,, Nein, im Gegenteil," rief Djambek, freudig den Druck ihrer Hand erwidernd, er ist außer Gefahr und in Sicherheit! Er war schlau genug, den beschwerlichen und gefährlicheren Weg über die Berge zu wählen, statt sich einer Hezjagd auf dem Flusse auszusetzen. Jezt hat er einen großen Vorsprung, und ihn, der jeden Pfad genau kennt, wird niemand mehr einholen." Und wie zum Trop gegen die anderen zog Djambek seine Pistole, feuerte einen Schuß in die Luft und ließ einen Freudenruf aus voller Kehle erschallen. Jetzt erst bemerkte Thamar, daß er noch immer ihre Hand feſt umschlossen hielt. Sie machte sich errötend frei und lenkte ihre Schritte dem Abhang hinab, um sich den anderen anzuschließen. „ Das sind mir saubere Geschichten!" sagte Cherif- Pascha, den Hügel herauffeuchend und gegen Djambek den Finger erhebend, Raub, Entführung." Er brach plötzlich in ein behäbiges Lachen aus.„ Na, ich muß wohl ein Auge zudrücken und glauben, das Ganze sei von unserem Gastgeber uns z18 Ehren veranstaltet worden, um uns auch einmal ein solches Schauspiel vor Augen zu führen. Aber, bei Gott, wäre der freche Bursche erwischt worden, ich hätte ihm doch tüchtig den Tert gelesen und einen Monat Arrest diftiert!" „ Das wohl kaum," versezte Djambek lächelnd. ,, Das wohl kaum," versetzte Djambek lächelnd. „ Kaum? Ich sage dir, ich hätte mit Bestimmtheit ein Erempel statuiert." Wenn man ihn lebend zurückgebracht hätte." „ Das wäre nicht übel, wenn man jemand um so einer Dummheit willen töten wollte!" " - Also, wenn es jemand wagte beispielsweise deine Nichte ( Fortsetzung folgt.) Gut ist's, daß der Himmel immex Dir verschiebt die Wunschgewähr, Denn beglückt, du wärst es nimmer Und du hofftest es nicht mehr. ㄓ Kriminaljuftig gegen Tiere. J Historische Plauderei von Dr. Ben no Mylius. ( Schluß.). ( Nachdruck verboten.)) Außer mit Zivilprozessen wurde gegen Tiere, namentlich gegen schädliche, auch mit kirchlichen Strafmitteln eingeschritten. Die Heuschreckenschwärme, welche Italien heim. suchten, sahen sich mit dem großen Kirchenbann belegt. Als im Jahre 1479 die Diözese des Bischofs von Lausanne, von welcher der Kanton Bern einen Teil ausmachte, von Würmern und Engerlingen heimgesucht wurde und an Garten- und Feldfrüchten empfindlichen Schaden erlitt, wurden die Uebel. täter auf Befehl des Bischofs von Lausanne dreimal von der Kanzel herab zitiert: bei Kraft und Gehorsamlichkeit der heiligen Kirche, den sechsten Tag darauf, nachmittags, so es zur Glocke eins schlägt, gen Wiflisburg zu erscheinen, selbst oder durch Fürsprache". Hierauf kniete die Gemeinde nieder und betete drei Paternoster und ebensoviele Ave Maria zu Ehren der heiligen Dreifaltigkeit, welche Hilfe gegen die abscheulichen Engerlinge gewähren sollte. Da die Würmer den Termin versäumten, so wurde ihnen ein Verteidiger bewilligt, und zwar in der Person eines furz vorher verstorbenen Advokaten namens Perrodet, welcher den Ruf eines Rabulisten hinterlassen hatte. Die Engerlinge verloren den Prozeß und wurden feierlich im Namen Gottes des Vaters, Gottes des Sohnes und Gottes des heiligen Geistes erkommuniziert und verurteilt, aus der Diözese Lausanne zu weichen. Das Urteil war, nach damaligem Brauch, lateinisch abgefaßt, und so ist auch erklärlich, warum die Engerlinge der Ausweisung keine Folge leisteten; denn man kann doch unmöglich von ihnen verlangen, daß ihnen die Sprache Ciceros geläufig sein sollte. Uebrigens hat Frankreich zu Troyes ein ähnliches Beispiel gehabt. Dort wurden im Jahre 1516 die Raupen vermahnt, sich binnen sechs Tagen wegzubegeben, widrigenfalls sie erkommuniziert werden sollten." Der Leser lächelt gewiß über ein solches Vorgehen gegen Tiere; indes finden die geistlichen Strafmittel gegen Ungeziefer ihre Erklärung, wenn man sich vergegenwärtigt, wem das schädliche Getier nach der Annahme jenes Zeitalters sein Entstehen verdankt, nämlich dem Satan selbst. Diesem stand nicht nur die Macht zu Gebote, Menschen in Tiere, zu verwandeln, sondern es war auch herrschender Glaube, daß mit seiner Hilfe allerlei Ungeziefer hervorgebracht werden könne. Und wenn den angeklagten teufelsbündlerischen Tieren ein Verteidiger beigegeben ward, so wiederholte sich darin nur, was dem Schöpfer derselben, Satan, selbst schon zu gestanden war, der in dem sogenannten Teufels- Prozeß", der beliebtesten Form prozessualischer Lehrbücher jener Zeit, durch einen eigenen Rechtsanwalt( advocatus diaboli) als Partei auftritt. Beispiele von Tierverurteilungen finden sich in Deutschland wohl in allen Ortschroniken; man muß dabei nicht immer an einen förmlichen Prozeß denken. Das Verfahren des Einzelrichters war früher häufig ein summarisches. Auch die Sage kennt Tierverurteilungen. In Westerstede( Oldenburg) erzählt man von dem alten hartherzigen Rat Witken us der dänischen Zeit, daß er einen stößigen Stier, der ein Kind getötet hatte, zum Hungertode verurteilt habe. Das Tier wurde in Ketten gelegt und erhielt keine Nahrung mehr. Selbst sein Brüllen rührte den Richter nicht, und der Stier mußte Hungers sterben. Und wie die Bestimmungen des deutschen Rechts bezüglich der Tiere nach und nach, wie wir oben sahen, humo ristische Färbung annahmen, so bemächtigte sich, zugleich unter dem Einflusse der Tierfabel, der deutsche Volksscherz des dankbaren Stoffes. Die Tierverurteilung durch weise und erleuchtete Richter spielt in den Schildbürgerstreichen und Ortsneckereien eine große Rolle. Als die Maulwürfe einst großen Schaden anrichteten, ließen die Conzer einige der Uebeltäter einfangen, welche, auf Beschluß des hochwohlweisen Rats, zum abschreckenden Beispiel lebendig begraben wurden. Ein andermal war eine Ziege in einen Weinberg eingebrochen und hatte eine ziemliche Portion Trauben verzehrt. Die Richter sannen hin und her, wie sie das naschhafte Tier exemplarisch strafen und dem Eigentümer gleichzeitig zu seinem verlorenen Traubensafte helfen könnten. Endlich fand ein geistreicher Kopf das Richtige, und auf seinen Antrag hin wurde die Ziege gefeltert. Wunderbar dabei war nur, daß der gekelterte Most Rotwein wurde, obschon die Ziege weiße Trauben gefressen hatte. Doch die Conzer sind nicht die einzigen, die unparteiisch das Recht wiesen und des Richteramtes mit Weisheit warteten. Die ehrsamen Schildbürger selbst waren ihnen darin mit bestem Beispiel vorangegangen. Bekanntlich hielten sie einmal einen Krebs, der sich in ihr Dorf verirrt hatte, für einen Schneider, weil er zwei Scheren bei sich hatte. Sie legten ihn deshalb auf ein Stück Tuch und schnitten mit der Schere immer hinter ihm her, als er über das Tuch hinkroch, weil ste meinten, er wolle ihnen das Muster vorzeichnen. Sie schnitten aber so lange, daß zuletzt von dem Tuche nur noch Feßen übrig blieben. Als einer nun im Zorn den Krebs angreifen wollte, packte ihn dieser mit der Schere so fest, daß er vor Schmerz anfing, um Hilfe zu rufen und zu schreien: „ Er ist ein Mörder!" Da wurde sogleich hochnotpeinliches Halsgericht über den Uebeltäter gehalten, und das Urteil erging dahin, daß der mutmaßliche Schneider als ein leutebetrügendes und schädliches Tier mit dem Wasser gerichtet werden solle. Sofort schritt man zur Ausführung des Urteils, und als der arme Sünder ins Wasser fam, zappelte und hinter sich kroch, da fingen etliche unter den Bauern an u weinen, und einer sprach: Nun sollt einer wohl fromni sein; schaut doch, wie tut der Tod so weh." Die Weisheit der Schildbürger wurde jedoch von der der Fockbecker womöglich noch überboten. Ein Fockbecker hatte in Rendsburg gesalzene Heringe gekauft. Nach Hause gekommen, lud er seine Nachbarn zu Gast, und alle fanden das Gericht sehr schmackhaft. Allgemein wurde der Wunsch laut, selbst solche Fische zu besitzen. Der Weiseste unter ihnen rückte endlich mit dem Vorschlag heraus, einen ganzen Korb voll Heringe aus der Stadt zu holen und den Dorfteich damit zu besezen, wo sie sich dann vermehren würden. Das war den Fockbeckern einleuchtend, und sie gingen nach Rendsburg, kauften einen Korb voll Heringe und verfuhren mit denselben nach dem Nate ihres Weisen. Im nächsten Herbst wurde ein großes Netz angeschafft, um den Teich zu fischen; aber einer, der auch nicht auf den Kopf gefallen war, meinte, das einfachste sei doch, das Wasser abzulassen. und alle nickten ihm Beifall zu, und die Schüßen wurden gezogen und das Wasser lief ab. Allein wie sehr wunderten sich die Fockbecker, als kein Hering zu sehen war; nur ein dicker Aal wälzte sich im Schlamme. Alle waren darüber einig, daß nur der Aal die Heringe gefressen haben könne, und so wurde er in Haft genommen und über ihn Gericht gehalten. Des schmerzhaftesten Todes sollte er sterben. Einer, der sich einmal verbrannt hatte, schlug vor, ihn dem Scheiterhaufen zu übergeben. Ein anderer jedoch, der eines Tages ins Wasser gefallen war und beinahe ertrunken wäre, sprach seine Meinung dahin aus, daß der Aal im Dorfbache ertränkt werden sollte. Dieser Meinung stimmte denn auch die Mehrzahl bei. Der Bauervogt trug den Delinquenten in einem Korbe an den Bach und die Exekution wurde vollstreckt. Als nun der dem Wasser übergebene Aal sich lustig in demselben nach rechts und links wand, sagte der Weise, der den Wassertod in Vorschlag gebracht hatte:„ Seht, wie er sich quält!" Da gingen die Fockbecker, ganz glücklich über die ausgeführte Rache, nach Hause. Diese Tierverurteilungen sind eben nichts anderes als Schildbürgerstreiche. Unwillkürlich aber wird man an sie erinnert, wenn man erfährt, was sich im September 1871 in einem ungarischen Dorfe ereignete. Dort hatte eine Frau eine brennende Talgferze in der Stube stehen lassen, eine Kaze benutzte die Gelegenheit und stahl die Kerze, mit der sie auf den Boden flüchtete, um sie dort zu verzehren. Das auf dem Boden aufgehäufte Stroh wurde durch das Licht in Brand gesteckt, doch das Feuer noch rechtzeitig bemerkt und erstickt. Aber nicht ungestraft sollte Sinz seinem Diebsgelüfte gefolgt sein: der ergriffene vierfüßige Brandstifter wurde sofort vor ein Lynchgericht gestellt und zur Strafe für seine Bosheit- ertränkt. Gewiß ein merkwürdiges Beispiel einer Tierverurteilung aus neuester Zeit und zugleich ein Seitenstück zu dem Eingangs mitgeteilten Halle, in welchem englische Geschworene das Schuldig über einen Kampfhahn sprachen. Ein weiterer Beleg noch füngeren Datums ist mir nicht bekannt. beiter, der sich heute megs eine soziale bauert viel zu lang gefinnt ist, bis er hat, und fich der Zn verfallenden Auch er bedarf, w Pflege förperlich überhaupt, des schn der Eisenbahn. Hi Dem arbeitswill neuen Arbeitsgeleg vollständiger Fahrp preisſtundungen, hierdurch nicht ein Welt entwidelt, min Urbeitsnachweiſe ſto hierfür die Eisen Legitimationsprüfu übertragen sind, die Staatlicher Arbeitsn tung würde nicht nu ein Minimum zuri fchen vor dem Hind des verbrecherischen Monopolherrschaft i mittel besigt, so wi fein und auf alle folchen Wirksamkeit Derden. 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