115. mnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 fg., Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen vtertelfährlich Mr. 1.50. tisbeilagen: Oberhefftfche Familienzeitung( täglich) und die Gießener Geifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Mittwoch, den 18. Mai 1904. Gießener 13. Jahrgang. Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz Oberheffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg sonit 15 Big. Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungslifte No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 88. Fernsprechanschluß Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und ind wir unkriegerisch geworden? er um die Entwickelung unserer Kolonien hochverdiente ralleutnant von Liebert hat dieser Tage in einer BerVersammlung eine Rede gehalten, in der er sich gegen Sentimentalität unserer Zeit aussprach, die darüber wenn in einem Treffen mit den Herero etwa 10 Offiund wenige Mannschaften fallen, da es doch das Los Soldaten sei, im Felde der Ehre sein Leben in die nze zu schlagen und zu sterben. Durch die lange Frieepoche, so meinte er, sei das deutsche Volk unkriegerisch rden. Bohl ist es richtig, daß für die Gefallenen der südwestanischen Expedition eine rege Teilnahme herrscht und die Erschütterung in der deutschen Bevölkerung wegen Menschenopfer groß ist, aber dieses herzliche Mitgefühl och wohl nicht der Ausfluß einer weibischen Sentimenät und eines unkriegerischen Geistes, sondern es ist beit durch die Eigenart dieses Kriegszuges. Es ist ein Feldgegen ein tiefer stehendes Kulturvolk und kein ruhmer Krieg, von dem die Geschichte spricht und den der el besingen wird. Es ist zudem ein Krieg gegen einen ntückischen Feind, der das Soldatenlos, auf dem Felde Ehre für des Vaterlandes Wohlfahrt das Leben zu lassen, ch seine Hinterlist und Grausamkeit nur noch schwerer cht. Gerade der fulturelle Tiefstand des Gegners läßt die fer an edlem deutschem Blut um so schwerer erscheinen. Wirklichkeit wird nicht das harte Soldatenlos an sich lagt; man bedauert nur von ganzem Herzen, daß einem hen Feinde gegenüber brave deutsche Soldaten ihr Leben jen müssen. Daß aber der kriegerische Geist in unserem Volte nicht sgestorben ist, zeigt sich gerade jetzt enläßlich des südweſtrikanischen Aufstandes, wie es sich seinerzeit bei den Borerruhen aller Welt offenbart hat. Wie damals, war auch eute, als von dem obersten Kriegsherrn der Ruf nach Freiilligenmeldungen erging, der Andrang weit größer als der Bedarf und noch in den letzten Tagen fonnte man die krieerische Stimmung des deutschen Volkes beobachten bei den freiwilligenmeldungen in der Trierer Garnison. Die Zahl ieser Kriegsfreiwilligen war so groß, daß nur eine ganz geinge und auserlesene Schar angenommen wurde. Diese Ercheinung ist um so höher anzuschlagen, da mittlerweile durch ie Kriegsschilderungen und die Briefe von Kriegsteilnehmern Die Strapazen und Tücken des Herero- Feldzuges zur allgemeinen Kenntnis gekommen sind. Der friegerische Geiſt iſt im deutschen Volke nicht ausgestorben, weil er nicht aussterben kann, denn das Germanentum ist seit Tacitus' Zeiten ein Volk von Speerträgern und Kriegern. Selbst in den Tagen der tiefsten Depression hat dieser friegerische Geist sich immer bewährt und ihm vorzugsweise ist es zu verdanken, daß Deutschland zwei kulturelle Blüteeopchen in einem Zwischenraum von Jahrzehnten durchlebt hat. Als 1813 der Ruf zu den Fahnen erging, griffen selbst Knaben zur Muskete, und als 1870 durch die welschen Angriffe das Volk zur Wacht am Rhein aufgerufen wurde, da erstanden die Dichter der Kriegslieder, welche die flammende Begeisterung durch das ganze deutsche Volk trugen und selbst die unmündige Jugend, die den Flügelschlag der Zeit noch nicht begreifen konnte, in patriotische Stimmung bersetzten. In ähnlicher Weise wird ja jezt aus Japan gemeldet, daß dort die Kinder mit Kriegsliedern zur Ruhe gesungen werden, mit Liedern, in denen der alte lateinische Spruch wiederkehrt:„ Es ist süß und ehrenvoll, für das Vaterland zu sterben." Wenn jetzt auch die lange Friedensepoche den friegerischen Geist unserer Bevölkerung weniger hervortreten läßt, so zeigt doch die Freudigkeit, mit der die heranwachsende Jugend zum Waffendienſte eilt und die Anhänglichkeit, die der gediente Mann seiner Militärzeit bewahrt, daß wir in Wahrheit ein Volk in Waffen sind. Auch heute darf der Kaiser, wie er es in Karlsruhe und in Saarbrücken jür.gst ausgesprochen hat, zu dem Heer das volle Vertrauen haben, es werde, wenn der Ruf zum Streit ergeht, der Väter und auch der Helden würdig sein, die jetzt unter den sengenden Strahlen tropischer Sonne in einem Krieg gegen einen ebenso gefährlichen wie schwer zu fassenden Gegner für die Ehre des Vaterlandes ihr Leben zum Opfer bringen. Der Krieg in Oftafien. Was während der letzten Tage von den Russen hartnäckig geleugnet wurde, hat sich nun doch vollzogen: Nintschwang ist von der russischen Besatzung verlassen worden. Daß es dahin kommen mußte, war ja vorauszusehen. Es bestand die höchste Gefahr, daß die russische Garnison in dem infolge der japanischen Landungen äußerst erponierten Niutschwang abgeschnitten werden würde und keinen Ausweg mehr hätte, sich auf die russische Hauptstellung an der Linie Haitscheng- Lioutschang zurückzuziehen. Die Räumung Niutschwangs erfolgte nach einem von dort eingegangenen Telegramm in bollster Ruhe und Ordnung. Folgende Einzelheiten werden darüber vom 16. Mai berichtet: Die Stadt ist seit heute morgen 10 Uhr von den Russen verlassen, die in voller Ordnung und Ruhe abzogen. Entgegen der bisherigen Annahme ist die Räumung vollkommen gewesen und nicht, wie es hieß, ein Regiment zum Schutz gegen räuberische Chunchusenbanden zurück gelassen worden. Mit dem letzten ausmarschierenden Regiment verließ General Kondratowitsch die Stadt. Morgen ſoll das hier ankernde Kanonenboot„ Siwutsch" zerstört werden. Die russische Garnison von Niutschwang wird wahrscheinlich in Eilmärschen den Anschluß an das Gros suchen, das an der Linie Haitscheng- Lioutschang den Angriff der Japaner erwartet. Ueber die voraussichtlichen Operationen wird uns von unserem Mitarbeiter folgendes geschrieben: Wenn auch die Nachrichten englischer Blätter von einer Schlacht bei Lioutschang sich bisher nicht bewahrheitet haben, so ist doch mit Sicherheit anzunehmen, daß es an der Linie Haitscheng- Lioutschang über kurz oder lang zu einem entscheidenden Treffen kommen muß. Wann der Aufmarsch der japanischen Armee allerdings so weit gediehen sein wird, um den Truppen Kuropatkins die Stirn bieten zu können, fann unmöglich auch nur annähernd vorausgesagt werden, da der japanische Generalstab es meisterhaft versteht, die Heeresbewegungen in einen geheimnisvollen Schleier zu hüllen. Mit vorwißigen Berichterstattern wird kurzer Prozeß gemacht. Aus den Meldungen russischer Generale geht aber so viel hervor, daß die Japaner in breiter Front aus der Linie Fönghwanghtscheng- Takuschan nach Westen vorrücken. Thi rechter Flügel geht gegen den Motienpaß vor, über welchen die Straße von Korea nach Mukden führt. Wo die Vortruppen beider Heere aufeinander stoßen werden, ist unmöglich genau zu bestimmen, da die Karten viele kleine Ortschaften nicht verzeichnen. Im allgemeinen kann man betonen, daß die Japaner augenscheinlich die Landung der zweiten Armee mit dem größeren Teil nördlich von Pitsewo bei Takuschan aus geführt haben und dort den Aufmarsch bewerkstelligen, um dann mit der ersten Armee gemeinsam nach Westen gegen die Bahnlinie bei Haitscheng- Lioutschang vorzugehen. Zugleich sind sie beschäftigt, den nördlich der Landenge von Kintschou gelegenen Teil der Halbinsel von Lioutschang vom Gegner zu säubern. Ihre Kriegsschiffe sind auch schon in der Bucht von Port Adams erschienen, wo die Bahn von Port Arthur dicht am Ufer entlang läuft. Die Russen haben die Eisenbahnstationen aufgegeben und erhalten die Fühlung mit dem Feind durch Kosaken und Abteilungen der Grenzwache aufrecht, die langsam nach Norden ausweichen. Eine Kosafenabteilung in Nordkorea umzingelt. Das Neuersche Bureau" meldet aus Soul: Wie berichtet werde, halte eine japanische Abteilung 200 Russen nördlich von Andschu eingeschlossen und suche sie auszuhungern. Die Kosafen hätten keine Vorräte mit Ausnahme dessen, was sie durch Fouragieren erhalten haben, und man erwarte, daß dies bald aufgezehrt sein werde. Die russische Kosakendiversion nach Nordkorea, mit dem Angriff auf Andschu und andere Plätze, ist ein schneidiges Reiterstück, aber ohne strategische Bedeutung, da die Verpflegungsbasis der japanischen Armee nicht mehr auf koreanischem Boden, sondern an den Küstenpunkten von Liautung liegt. Darüber, daß die ganze Bewegung verfehlt ist, können auch kleine Erfolge, wie ein Streifzug nach den englischen Minen in Usan, wo 300 Kosaken die japanischen und chinesischen Angestellten brandschatzten und mehrere gefangen nahmen, nicht hinwegtäuschen. In Kronstadt geht noch immer das Gerücht um, daß japanische Agenten einen verbrecherischen Anschlag gegen die Festung geplant hätten, und infolgedessen ist man eifrig dabei, auf Verdächtige zu fahnden. Verhaftung japanischer Spione in Kronstadt. An Bord des englischen Dampfers„ Camroß", von Cardiff kommend, wurden zwei Diener und ein Maschinist festgenommen, ebenso an Bord eines deutschen Dampfers eine verdächtige Person. Die Verhafteten, welche aus Indochina zu ſtammen behaupten, seien augenscheinlich Japaner. Sie legen nach russischen Blättern ein ungebührliches Betragen an den Tag. Höchstwahrscheinlich ist darunter nur zu verstehen, daß sie gegen ihre Verhaftung energisch protestierten. Es ist ja auch leicht möglich, daß man in der Erregung an die unrechten geraten ist. Die Politik. In diesen Tagen werden in Berlin zwischen den Vertretern Desterreich- Ungarns und der deutschen Regierung die Vorbesprechungen über den Abschluß eines neuen Handelsvertrages beginnen, denen sich dann die eigentlichen Verhandlungen über den Handelsvertrag anschließen werden. Zu diesem Zwecke ist ein Teil der zu den Handelsvertragsberhandlungen mit Belgien nach Brüssel entsandten deutschen Unterhändler nach Berlin zurückgekehrt. Wo die Verhandlungen mit Desterreich- Ungarn stattfinden werden, ob in Berlin oder in Wien oder in Best oder auch in Dresden, steht noch nicht fest % A Generalleutnant v. Trotha, der neue Oberbefehlshaber für Deutsch- Südwestafrika, erhielt bei seiner Verabschiedung von der Kaiserin deren Bild mit dem eigenhändig geschriebenen Psalmspruch:„ Gott rüste dich mit Kraft und Stärke, dein anderer Behörden von Oberheffen Weg wird der rechte sein." Das Trierer Offizierkorps überreichte ihm zum Abschied eine Selbstlade- Pistole. Neben anderen Offizieren ist auch der aus dem Bilseprozeß bekannte Rittmeister Hägele vom Forbacher Trainbataillon Nr. 16 zur Schußtruppe nach Südwestafrika einberufen worden. Rittmeister Hägele wurde bei Ausbruch der Chinawirren mit der Führung einer Kolonne in China betraut. Dem Stabe Trothas wird auch eine größere tavalleristische Signaltruppe beigegeben. Bei den günstigen atmosphärischen Verhältnissen unserer afrikanischen Kolonien hat schon der Heliograph, wie allseitig befannt, Vorzügliches geleistet. Leider hört dessen Benuzbarfeit bei Nacht auf. Daher tritt hier eine neue Blitzlampe in Tätigkeit, deren Leuchtweite sich bis auf etwa hundert Kilometer erstreckt. Der demnächst nach der Kolonie abgehende Verstärkungs- Transport wird aus 2 Bataillonen zu je 3 Kompagnien bestehen. Jedes der beiden Bataillone erhält eine Feldbatterie. Die Mannschaften werden zum größten Teile aus Kavalleristen und Artilleristen bestehen. Vom Westfälischen Jägerbataillon Nr. 7 wird ein Oberjäger mit dem ausgezeichneten Kriegshunde„ Blitz" an der Expedition teilnehmen. Die Truppen werden vor der Ausreise auf dem Truppenübungsplatz Münster Ucbungen im Scharfschießen und in der der Hererotaktik entsprechenden Gefechtsweise abhalten. Den Croßnegern in Kamerun hat es nicht viel genützt, daß sie vor der deutschen Straferpedition über die Koloniegrenze in englisches Gebiet geflüchtet sind. Aus Kamerun sind Privatnachrichten nach Berlin gelangt, wonach die Aufständischen von Ossidinge im Gebiet des Croßflusses auf englischem Gebiete( Südnigerien) nach einem schwierigen Gefechte vollständig aufgerieben worden sind. Der Verlust der britischen Truppen ist groß, es sind allein 13 Offiziere und Unteroffiziere gefallen. In Kamerun ist alles ruhig. Hoffentlich bleibt es auch fo. * Om Reichsschazzamt wird zur Zeit der Entwurf einer Aenderung der Braumalzsteuer im Gebiete der norddeutschen Brausteuergemeinschaft ausgearbeitet. Man will nach süddeutschem Beispiel eine Staffelung der Steuer einführen, um die kleinen und mittleren Brauereien zu entlasten. Natürlich soll auch für die Reichskasse dabei eine nicht zu niedrige Kommission abfallen. A Fast scheint es, als sollte sich der Leipziger Krankenkassenkampf in Dresden wiederholen. Die Dresdener Aerzte sind von der Vereinigung für freie Arztwahl durch ein Rundschreiben aufgefordert worden, von der Dresdener Ortsfrankenkasse die Bewilligung sämtlicher Leipziger Forderungen zu verlangen. Ob sich die Dresdener Kasse gleich darauf einlassen wird, scheint noch zweifelhaft. Soviel darf aber schon jetzt gesagt werden, daß, wenn es zum Kampf kommt, am Ende auch in Dresden die Kasse den fürzeren ziehen muß. Gegen den Unfug der Automobilraserei hat nun endlich einmal ein Bundesstaat energisch Front gemacht. Die badischen Staatsanwaltschaften haben gleichlautende Bestimmungen getroffen, welche ein Zusammenwirfen der staatlichen und der Gemeinde- Polizeiorgane zur Bekämpfung des Automobilunfugs gewährleisten sollen. Die badischen und reichsländischen Zentralstrombaubehörden haben ferner das Personal sämtlicher Schiffbrücken längs der badisch- elsässischen Grenze angewiesen, dem behördlichen Ersuchen um Anhaltung von Automobilen Folge zu geben. Ebenso werden die 3oIlwachen diese Bemühungen unterstützen. Diese Maßregeln stellen sonach fast das ganze Großherzogtum unter berſtärkten Schuß. Gerade im Interesse des Automobils, des Gefährts der Zukunft, muß man diese Bekämpfung der Ausschreitungen und Nücksichtslosigkeiten filometerfressender Automobilnarren willkommen heißen. Der Automobilist, der mit lebensgefährlicher Geschwindigkeit die Straßen durchsaust, gehört allenfalls auf die Rennbahn, aber nicht auf die offene Landstraße. Italien. A Die Pariser„ Humanité", das Blatt des Sozialistenführers Jaurès, veröffentlicht den Wortlaut der päpstlichen Protestnote gegen die Romreise Loubets. Es heißt in der Note u. a.:,,Die Oberhäupter der katholischen Staaten haben die Pflicht, dem obersten Hirten der Kirche gegenüber größere Rücksicht obwalten zu lassen, als die Souveräne nichtkatholischer Staaten. Diese Pflicht lag um so mehr dem ersten Beamten der französischen Republik ob, weil diese durch traditionelle Beziehungen mit dem römischen Pontifikat verbunden ist und kraft des Konkordats besondere Vorrechte besigt. Wenn demnach das Oberhaupt einer katholischen Nation dem Papste eine schwere Beleidigung zufügt, indem es nach Rom, dem Papstsize, kommt, um demjenigen seine Huldigung darzubringen, der gegen alles Recht die Freiheit und Unabhängigkeit des Papstes verhindert, so war diese Beleidigung um so größer von seiten des Präsidenten Loubet." Jaurès erklärt, diese Protestnote sei eine Herausforderung Frankreichs und Italiens. Seit der Versendung dieser Note sei der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen dem Papsttum und Frankreich in Wirklichkeit vollzoaen. Die ständig aus. Und sie läßt nicht locker. Mensch, Sie verstehen einen neugierig zu machen! Sie berzeihen, Herr Leutnant, diese steht furchtbar anNun, in Gottes Namen herein, wenn feine Rettung möglich ist!" in vornehmer Saltung den Gast Zu Befehl, Herr Leutnant!" Bodungen sprang auf, fnöpfte den Rock zu und erwartete ,, Nun, das verstehe ein anderer! allgemein zu glauben? Ich versichere feiner Vergangenheit geredet wird, sind nichtige, völlig grundjenes Herrn oder sonst von abenteuerlichen Geschichten aus bollkommenen Glauben: alles, e und ich verlange von Ihnen Salten Sie fich wirklich für verpflichtet, jeden Unsinn was in der Stadt von Duellen Man behauptet doch Bei Häuser Erst wohnt es im Auge, bis dieses überschwillt hat die Liebe für des Geliebten Bild: Dann steigt ins Herz er nieder und findet sichre Rast. Von Tränenstrom der Schmerzen und zwingt zur Flucht den Gast: fie die Schönste der vornehmen Welt. Sie liebten sich. Sie wußten es bebe. er der tabling Renner, denen feines Herrn. waren, den stolzen Reiter auf dem famosen, feingliederiges Wie stolz sie sich fühlte, als aller Augen auf ihn gerichtet dessen schöne Augen um die Wette leuchteten m Au Regierung solle schleunigst die Konsequenzen dieser Herausforderung ziehen. Nun, das wird sie wohl bleiben lassen.- Uebrigens wirkt der französisch- vatikanische Konflikt auch auf Spanien zurück. Die katholische Presse Spaniens erklärt, daß König Alfons von einem Besuch Loubets Abstand nehmen müsse, weil Loubet den Papst beleidigt habe. Frankreicn. O Der Pariser„ Matin" setzt seinen romanhaften Bericht über die neue Spionage- Angelegenheit fort. Er veröffent. licht einen sehr eingehenden, angeblich vom deutschen Generalstab herrührenden Fragebogen, betreffend die Befestigung und die Armierung von Cherbourg und Brest, sowie das Verzeichnis von 42 Plänen von Cherbourg, Brest und Toulon, welche an eine ausländische Macht verkauft worden seien. Der Leiter der Sicherheitsbehörde, Caverd, habe erklärt, die Echtheit der Dokumente über die Forts und Batterien von Toulon sei leider unzweifelhaft. Sie stammten offenbar aus dem Bureau der Genieverwaltung. Das Beunruhigendste bei der Angelegenheit sei, daß ein so umfangreiches Bündel von Schriftstücken gestohlen werden konnte. Man müsse feststellen, ob es sich um einen gewöhnlichen Einbruch handle, oder ob die Dokumente auf andere Weise entwendet worden seien. Der Kriegsminister hat den Generalstabschef Pendezec beauftragt, eine Untersuchung über die Angelegenheit einzuleiten. Einen Tag vor dieser„ Enthüllung" des„ Matin" wurde übrigens vor einem französischen Gericht eine andere Spionageangelegenheit verhandelt. Wie erinnerlich, war vor einiger Zeit der Futterhändler Diné von Malzéville als der Spionage verdächtig verhaftet worden. Vorgestern stand er vor dem Zuchtpolizeigericht in Nancy. Die Verhandlungen fanden unter Ausschluß der Deffentlichkeit statt. Es waren nur fünf Belastungszeugen vorgeladen, Entlastungszeugen gab es nicht. Das Tribunal verurteilte Diné trop hartnäckigen Leugnens zu drei Jahren Gefängnis, 3000 Fr. Geldbuße, 10jähriger Ausweisung und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf zehn Jahre. Der Angeklagte hörte das Urteil an, ohne ein Wort dazu zu sagen und ohne eine Miene zu verziehen. Ob er wirklich schuldig ist? Türkei. Der Großherr der Moslim läßt sich neuerdings angelegen sein, die frische Freundschaft mit Bulgarien zu hegen und zu pflegen. Jetzt hat er den türkischen Botschafter in Paris, Munir Pascha, zum Fürsten Ferdinand gesandt und den Bulgarenbeherrscher zu einer freundschaftlichen Visite in Konstantinopel einladen lassen. Ob der Koburger kommen wird, ist freilich noch ungewiß; in seinem Lande, wo man die Türken bitter haßt, würde man ihm das zweifelsohne sehr verübeln. Die Stimmung der Bulgaren ist ohnehin nicht die beste, und die bulgarisch- mazedonischen Flüchtlinge, die jetzt aus Bulgarien wieder nach Mazedonien abgeschoben werden sollen, lassen sich angelegen sein, die türkenfeindliche Stimmung im Lande noch zu schüren. Viele nach Bulgarien übergetretene Flüchtlinge weigern sich, auf türkisches Gebiet zurückzukehren; sie trauen den türkischen Behörden nicht. Bisher hat nur eine verschwindend kleine Anzahl von Flüchtlingen die Grenze überschritten. Täglich erscheinen zahlreiche Flüchtlinge sowie Abordnungen beim österreichisch- ungarischen und russischen diplomatischen Vertreter, um für sich den Schuß der in der Türkei befindlichen Konsulate dieser Staaten zu erbitten. Auch an öffentlichen Protestversammlungen der Flüchtlinge gegen die bulgarische Regierung fehlt es nicht, sie machen ihr zum Vorwurf, daß sie sie aus dem Lande in die türkische Knechtschaft jagen wolle. Aften. Immer kritischer gestaltet sich die Lage der englischen Tibetexpedition. Die Tibetaner haben neuerdings schwerere Geschütze aus Lhasa erhalten, und bedeutende Verstärkungen treffen aus Ost und Nord ein. Auch sollen sie weiße Hilfe erhalten haben; man glaubt in London, es handele sich um Burjäten, eine fosakische, unter russischer Oberhoheit stehende Völkerschaft am Baikalsee. Dieser Verdacht ist sicherlich nicht unbegründet. Unter diesen Umständen wird den Briten in der Tat nichts übrig bleiben, als schleunigst für eine Entsetung der Kolonnen Younghusband und Macdonald zu sorgen. Preufsifcher Landtag. Haus der Abgeordneten. ( 76. Sigung.) RK Berlin, 17. Mai. Nun ist auch das Abgeordnetenhaus dem ihm gestern vom Herrenhause gegetenen Beispiel gefolgt und in die Herion gegangen: Bis zum 7. Juni hat die zweite preiche Rammer sich vertagt. Der letzte Sigungstag galt noch der Sefundärbahnvorlage. Wieder standen einige Dutzend Redner auf, um lokale Bahnbauwünsche ieils furz und bündig, teils in epischer Breite vorzubringen. Dabei traten natürlich höchst verschiedene Ansichten über den Wert der Vollbahnen, Nebenbahnen und Kleinbahnen zu tage. Das Ende war schließlich, daß die Vorlage der Budgetkommission überwiesen wurde. In der Debatte erklärte Minister Budde u. a., nach überschläglicher Berechnung hätten die Herren, die an diesen beiden Tagen lokale Bahnprojekte von der Regierung for= derten, dem Lande eine Ausgabe von nicht weniger als rund drei Milliarden Mark zugemutet. Das ist freilich eine etwas reichliche Forderung! Dann sagte man einander frohgemut Relewohl, bis zum Juni. Die Baubmörder vor dem Gericht. Frankfurt a. M., 18. Mai 1904. In der gestrigen Vormittagssigung wurden zunächst eine Anzahl Beugen über das Vorleben der Angeklagten bernommen, u. A. ein Onkel und ein Bruder Stafforsts. Man erfuhr, daß Stafforst mit 12 Jahren Waise geworden ift. Später lief er als Maurerlehrling davon und führte ein unstetes Wanderleben. Viel Gutes hat er im Leben nicht gehabt. Kurz, ehe die Verhandlung begann, ereignete sich etwas Auffallendes: Groß weinte. Aber es waren anscheinend feine Tränen der Reue. Denn als sein Verteidiger ihm zusprach: Wollen Sie nicht gestehen, Groß?" erwiderte er rauh:„ Ich hab nichts zu gestehen! Der da( Stafforst) soll die Wahrheit sagen!" Damit hatte er die Bewegung, die über ihn gekommen war, weggewischt. Ehern und undurchdringlich erschienen wieder die Züge des Verbrechens. Energisch bestritt er, den Gewichtstein gekauft zu haben. Stefforst habe es getan. Dieser bestreitet s ebenfalls. Die Verläufer können es nicht mit Bestimmtheit sagen, ob es Groß war. Daß Staff rst die Schnur gekauft hat, wird von ihm zugegeben und von der Verkäuferin eidlich erhärtet. Heute behauptete übrigens Stafforst, er sei mitgegangen, um das Verbrechen zu vereiteln. Groß behauptet bekanntlich von sich dasselbe. In der Nachmittagssißung wurde zunächst die Frau Mertin, bei der er zuletzt in der Hansteinstraße mit seiner Braut zusammen gewohnt hat, vernommen. Nach ihrer Aussage ist Groß am Mordtage gegen 9 Uhr vormittags fortgegangen und zwischen 1½ und 2 Uhr zurückgekommen Von Aufregung hat sie nichts an ihm bemerkt. Groß aß vielmehr, nachdem er seinen Ueberzieher in seinem eigenen Zimmer abgelegt hatte, im Zimmer seiner Braut in aller Seelenruhe zu Mittag. Vorher hatte er sich gewaschen. Später wichste er sich die Stiefel und ging dann in Pantoffeln aus. Als abends die Rede auf den Mord tam und Frau Mertin die Aeußerung tat, ob sie den Mörder wohl bald triegen werden," antwortete Groß:„ Das wird wohl nicht so rasch gehen!" Auch an den folgenden Tagen bemerkte sie nichts Auffälliges an Groß. Am Montag entfernte er sich dann aus der Wohnung und fehrte nicht mehr wieder. Die Graut des Groß, die Näherin Elise Koobs, bestätigte im Allgemeinen die Angaben der Frau Mertin über das Verhalten des Groß am Wordtage. Auch sie bemerkte feine Spur von Aufregung an ihm. Wie kann man nur so einem Menschen etwas tun?" sagte er, als die Schwester seiner Braut nach Hause kam und von dem Borde erzählte, Andere Zeugen haben befundet, auf einen Mord fäme es ihm nicht an, wenn's um Geld ginge. Als er am Montag auf die Polizei ging, um sich zu stellen, gab Groß seiner Braut 300 Mt. mit den Worten: Falls ich in Untersuchung bleibe." Seiner Braut grg nüber hatte sich Groß als Klavierhändler ausgegeben. Ueber die Kraßwunde im Gesicht sagte er seiner Braut, er habe da eine Pocke gehabt und aufgefragt. Die 26 jährige Marie Koobs, Schwester der Elise, bestätigt deren Aussagen. Der nächste Zeuge, Kriminalfommissar Brummond befundet über die Selbstgestellung des Groß, die am 29. Februar erfolgte. Hierauf wendet sich die Verhandlung von Groß ab und Srafforsts Flucht wird erörtert. Von hier ging er nach Griesheim, Höchst und Mainz nach Köln. An lezteren Ort ließ er seinen Schließtorb aus Offenbach kommen. Er wohnte bei einer Frau Eicke, die ihm das beste Zeugnis gibt. Während des Kölner Aufenthaltes knüpfte St. ein Verhältnis mit der Christine Rutermeyer an, mit der er, wie sie aussagt, 164 Mart verjubelte. Von Köln fuhr St. nach Hamburg, nannte sich Bereiter Lühr, trug Lichtensteins Uhr und Kette. Aus Hamburg sind zwei Zeugen geladen, Frau Eisermann und ein Kriminalkommissar. Bei Frau E. ließ er das blutige Hemd und Taschentuch waschen. Der Kommissar sagt eingehend über die Verhaftung St.'s aus. Um 64 Uhr wird die Verhandlung abgebrochen. 5. Sigung der Großh. Handelskammer Gießen für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach. Protokoll- Auszug. 7. Eingänge: Gießen, den 13. Mai 1904. ( Schluß.) a) In neuerer Zeit haben die Fälle sich gemehrt, in denen deutsche Waren bei der Einfuhr nach Großbritannien wegen Nichtbeachtung des Merchandise Marks Aft von 1887 und der dazu ergangenen Ausführungsvorschriften beschlagnahmt worden sind. Wiederholt ist namentlich gegen die Vorschrist verstoßen, daß auf Waren ausländischen Ursprungs, die mit dem Namen eines britischen Fabrikanten oder Händlers bezeichnet worden, zusäßlich und unzweideutig das Ursprungsland angegeben werden muß, und zwar auch dann, wenn die fremde Bezeichnung seitens des zu ihrer Führung berechtigten Bestellers der Ware ausdrücklich vorgeschrieben ist oder soust mit Zustimmung des Berechtigten erfolgt. Unbeachtet ist ferner geblieben, daß Waren, die Großbritannien nur auf dem Transit nach ihrem Bestimmungslande berühren, den nach Großbritannien eingeführten Waren hinsichtlich der Behandlung nach den Vorschriften des Warenbezeichnungsgeseßes im allgemeinen gleichstehen. Es empfiehlt sich, in allen irgendwie zweifelhaften Fällen auf deutschen zur Einfuhr oder Durchfuhr nach Großbritannien bestimmten Waren die Bezeichnung„ Made in Germany" anzubringen. b) Eingabe der Handelskammer zu Hannover an den Reichstag, betr. Regelung des Ausverkaufs- und Versteigerungswesens. c) Denkschrift des Kaufmännischen Verbandes für weibliche Angestellte, betr. Wahlrecht der Frauen zu den Kaufmannsgerichten. d) Mitgliederliste des Verbandes Deutscher Patentanwälte. e) Von zuverlässiger Seite find der Handelskammer Mitteilungen zugegangen über den Einfluß des Krieges in Ostafien auf die Kreditverhältnisse in Rußland, die Bemühungen der russischen Textilindustrie, um neue Absaßmärkte, die vom 15. April bis 30. September d. Js. in St. Etienne ( Frankreich) zu veranstaltende sogen. Internationale Ausstellung, die Einfuhr von Strick- und Wirfwaren nach den Vereinigten Staaten, den amerikanischen Tabaktrust, die Pacific Fishing u. Packing Co., den Ausbau der Nordbahn in Huntemala, die amerikanische Konkurrenz in Hankau, den Absatz von Eisenwaren nach Australien, sowie über eine zweifelhafte Firma in London. Die Eingänge fönnen wöhrend der üblichen Geschäftszeit im Bureau der Hanedlstammer eingesehen werden. Lokales. 18. Mai 1904. Man glaubt in Parlamentstreisen nicht, daß die erforderliche Zweidrittelmehrheit für den hessischen Wahlgesetzentwurf zustande fommt. * Der Landes ausschuß der hessischen Zentrumspartei hielt am vergangenen Dienstag eine Beratung über verschiedene Parteiangelegenheiten des Landes ab. Bei der Erörterung ergab sich, daß in Bezug auf die Wahlrechtsvorlage alle Mitglieder des Landesausschusses mit der Fraktion darin einig sind, daß die Fraktion für das Zustandekommen der Reform mit Einschluß der Neueinteilung der Wahlkreise entschieden eintreten möge. ** Ein Maurerstreif scheint in Gießen bevorzustehen. Die Maurer, so lesen wir in der„ Darmst. Ztg.", beabsichtigen demnächst die Arbeit niederzulegen, falls ihnen der Stundenlohn nicht erhöht wird. Gegenwärtig beträgt er 34 Pfg., die Maurer fordern 40 Pfg. * Die Gieß Bender und Jo exfteren wurden durch Urteile& bon Feuerwerte Strafen belegt. Berläuferinnen Raufleute foflenp tretung der Poliz bor dem Auftr Hermann Kaz Edoffengericht i heidung über d Berufung foll fündet werden. ftadt M.-W. * Die Schulbuchhandlung Emil Roth zu Gießen hat am 1. Mai eine Lehrmittelanstalt mit permanenter Ausstellung ins Leben gerufen unter der Firma„ Hessische Lehrm ttelanstalt"( Tmil Roth). Es ist mit dieser Einrichtung einem längst gefühlten Bedürfnis Rechnung getragen und den Interessenten( Lehrer und Schulvorstände) bei Neuanschaffungen unter dem Guten das Beste für Kinder und Schule auszuwählen. Wir wünschen der rührigen Firma zu dem neuen Unternehmen den besten Erfolg. Bu ausgerüftet ange zu fein. Das G *** Pfingstfahrt deutscher Lehrer. Pfingsten dieses Jahres beabsichtigen deutsche Lehrer unter Führung des Herrn Schwaner, Herausgeber des „ Volkserziehers", einen mehrtägigen Ausflug, zu dem nachnehender Reiseplan festgesezt worden ist. Der Sammelort ist Sonnabend, 21. Mat, nachmittags 4 Uhr, am Bahnhof Blankenburg. Von da Abmarsch nach Schwarzburg( 2 Stunden), von da über Königsee nach Aut Gehren( 3 Stunden), wo übernachtet wird. Sonntag 703 Abfahrt nach Ilmenau. Von da Fußwanderung über den Kickelhan nach der Schmücke bis Oberhof( 5 Stunden), wo Nachtquartier genommen wird. Am Montag von Oberhof über Tambach nach Friedrichsroda( 6 Stunden). Am Dienstag von Friedrichsroda über den Inselberg( 4 Stunden) nach Ruhla( 2 Stunden), von da mit der Bahn über Wutha nach Eisenach. Nachtquartier in Eichrodt oder Fischbach. Am Mittwoch früh Wartburg und Drachenschlucht. Nachmittags Verabschiedung und Heimfahrt. *** Billigeres Brod. In Marburger Zeitungen veröffentlichte die dortige Bäckerinnung folgendes Inserat: Vielfachen Wünschen des Publikums entsprechend, haben die Mitglieder der hiesigen Bäckerinnung beschlossen, eine weitere Sorte Brod( Schwarzbrod) einzuführen und gleichzeitig den Brodpreis herabzuseßen. Von heute ab tosten: 4 Pfd. Weißbrod 40 fg, 4 Bfd. Schwarzbrod( Landbrod) 36 Pfg. Bolts- und Jugendspiele. Unter Leitung des Turninspektors Weidenbusch werden auch in diesem Sommer in Frankfurt a. M. Spielkurse abgehalten und zwar: a) Elfter Kursus für Lehrer vom 26. Mai bis 4. Juni. b) Zehnter Kursus für Lehrerinnen vom 26. Septbr. bis 1. Oktober. In den Kursen wird das Hauptgewicht auf die Einübung von Bewegungsübungen( Ball- und Laufspielen) gelegt, die nicht nur Schüler und Schülerinnen begeistern, sondern auch das Interesse der aus der Schule entlassenen Jugend lebhaft anregen. Anmeldungen unter dem unter a angegebenen Kursas sind baidigst zu richten an den städt. Turninspektor Weidenbusch, Frankfurt a. M.,( E ferne Hand 7). *** Statistik der Neichstagswahlen 1903 in Hessen. Das Kaiserliche Statistische Amt in Berlin hat eine augemeine Statistik der Reichstagswahlen von 1903 veröffentlicht, der wir folgende Angaben über die Wahlen im Großherzogtum Hessen entnehmen. Die Gesamtzahl der Wahlberechtigten betrug 259 512. Hiervon haben 194297 oder 74,9 Proz. von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht. Es erhielten Stimmen: Die Nationaellberalen 68865 oder 35,5 Proz., Die Sozialdemokraten 68 834 oder 35,5 Proz., Das Zentrum 33 163 oder 17,1 Proz., Die Antisemiten( deutsche Reformpartei) 10595 oder 5,5 Proz; Die Freisinniga Volkspartei 9748 oder 5 Proz., Der Bund der Landwirte 2529 oder 1,3 Proz., Zersplittert wurden 91 oder 0,1 Proz. Nicht ohne Interesse ist die Tatsache, daß die Wahlbeteiligung in den Städten mit über 10000 Einwohnern ( 79,9 roz.) erheblich lebhafter war als auf dem flachen Land( 71,5 Proz.). Die Sozialdemokratie hat ihre Haupternte in den größeren Städten gehalten( 47,6 Proz.), während sie in den Orten unter 2000 Einwohnern nur auf 24 Proz. fam. Die Nationalliberalen dagegen erhielten auf dem Lande 41,6 Proz; in den Orten mit einer Einwohnerzahl von 2000 bis 10 000 25,5 Proz. und in den großen Städten 36,3 Proz. Großen- Linden. Die Aussichten auf eine gute Obsternte mehren sich von Tag zu Tag. So namentlich versprechen die Birnen einen reichen Ertrag; epfel haben jetzt meift abgeblüht und sind diesmal weniger als die Birnen in Gefahr gewesen, durch Regen und Nachtfrost zu leiden. Es ist darum schon jetzt anzunehmen, daß auch die Aepfel eine ansehnliche Ernte liefern. Die Zwetschen haben durch Regen am meisten gelitten und zeigen auch barum einen geringeren Fruchtansaß. Grüningen. Lehrer Jung hat vor wenigen Tagen unseren Dit verlassen, nach mehrjähriger hiesiger Wirksamkeit, um die 1. Stelle ar der Gemeindeschule zu Erzhausen anzutreten. † Ruppertsburg, 11. Mai. Gestern machte der 75jährige hiesige Landwirt Pott seinem Leben durch Erhängen ein Ende. Der Lebensmüde wurde wahrscheinlich durch die Furcht vor einer längeren Gefängnisstrafe, die er demnächst verbüßen sollte, dazu getrieben. *** Bad Nauheim, 17. Mai. Die Landtagswahl findet am 20. Mai statt. halb zu einer fitens des Mag Bestätigung. Geiß- Nidda wegen eines For einem Gutachten getlagte für feir fann, erfolgte F Bauunternehmer Uebertretung de 2 Mt. belegt. Der For ein Urteil des wegen Bettelne and Ueberweisu ingelegt. Die größte Beit fein jugebracht hat. verschonen, Der Schüle binderlehrling R bortigen Enwo wendet. Währ geftandig warer aber schuldig e weises, sowie Der Dienstin wurde durch Pfandveräußer er zum heutig eingelegte Ber Schluffe hatte West G Georg empfehlen Scherer Scherer id be Scherers er ent Ad Gebe in Sandgr Wei zu jeder 3 Ludwigh hen Ben ag eine Des Landes Bezug auf di Landesaus Frattion für t Einschl treten möge Siepen bebor armit. 8tg fade ihne artig beträg u Gieße Aus dem Gerichtsfaal. Straffammer. Gießen, den 14. Mai 1904. Die Gießener Kaufleute Jakob Friesleben, Konrad Bender und Josef Seeler, sowie die Verkäuferinnen der zwei ersteren wurden durch Strasbefehle des Amtsgerichts bezw. durch Urteile des Schöffengerichts Gießen wegen Berkaufs von Feuerwerkskörpern an Personen unter 16 Jahren mit Strafen belegt. Auf erfolgte Berufung wurden heute die Berkäuferinnen freigesprochen, dagegen die Berufung der Kaufleute fostenpflichtig zurückgewiesen.- Wegen Uebertretung der Polizeiverordnung betr. das Ausmelten der Kühe vor dem Auftrieb zum Markt wurde der Handelsmann Hermann Kaz von Steinbach durch das Gießener Schöffengericht in 10 Mt. Geldstrafe genommen. Die Entscheidung über die von ihm gegen dieses Erkenntnis eingelegte Berufung sell in der Sißung vom nächsten Samstag verfündet werden. Der Landwirt Wilhelm Cloes von Neustadt M.-W.-G. wurde auf hessischem Gebiet mit Jogdgerät ausgerüstet angetroffen, ohne im Befig eines Jagdwaffenpasses zu sein. Das Schöffengericht Alsfeld verurteilte ihn dieferhalb zu einer Geldstrafe von 50 Mt. Das durch Berufung seitens des Aageklagten angefochtene Erkenntnis fand seine Bestätigung. Der Schießbudenbefizer Karl Kühn von Geiß- Nidda wurde durch das Schöffengericht Nidda wegen eines Forstfrevels in Strafe genommen. Da nach einem Gutachten des Kreisgesundheitsamts Büdingen der Angeklagte für seine Tat nicht verantwortlich gemacht werden fann, erfolgte Freisprechung.- Zum Schlusse wurde der Bauunternehmer Philipp Hottes von Friedberg wegen Uebertretung der Bauordnung mit einer Geldstrafe von 2 Mt. belegt. permanente ma ei efer Einrich ung getragen orstände) be für Kinder brigen Firma rer. Bu idge Lehrer usgeber des ut dem na Sammelort am Bahnhof urg( 2 Stun ( 3 Stundin, ach Jimenau Der Schmid ommen w Friedri ichsroda über Stunden), von Nachtquar früh Wark Schiedung und r Beitungen De Inserat: , haben die eine weitere eichzeitig der e ab tofter: od( Landbro) Inter Leitung uch in diesem bgehalten und bis 4. Juni 26. Septor. uf die Ein fipielen) ge begeistern, entlassenen Dem unter a an den städt. 2.,( ferme 3 in Hessen. t eine allge veröffentlicht, Großherzog 1g 259512. rem WahlBroz., Groz 10595 oder Broz, Proz die Wahlbe Einwohnern dem flachen ihre HauptProz.), wäh nur auf 24 erhielten auf Einwohnerden großen gute Obft entlich ver epfel haben er als die 5 Nachtfroft n, daß aug e Zwetschen zeigen auch enigen Tagen Wirksamkeit, shausen an dite der 75durch Erwabrigeinlich ftrafe, die er tagswahl Gießen, den 17. Mai 1904. Der Former Christian Vieren aus Fischenich hat gegen ein Urteil des Schöffengerichts Lauterbach, das ihn wegen Bettelns und Landstreicherei zu zwei Wochen Haft und Ueberweisung an das Arbeitshaus verurteilte, Berufung eingelegt. Die Verhandlung ergab, daß der Angeklagte die größte Zeit seines Lebens in Gefängnissen und Arbeitshäusern zugebracht hat. Troß aller Bitten, ihn mit dem Arbeitshaus zu verschonen, bestätigte das Gericht das frühere Erkenntnis. Der Schüler August Junker und dessen Bruder, Weißbinderlehrling Karl Junker von Queck born haben mehreren dortigen Enwohnern fortgesezt Eier, Fleisch und Wurst entwendet. Während die Angeklagten in der Voruntersuchung geständig waren, verlegten sie sich heute aufs Leugnen, wurden aber schuldig erkannt und zur Strafe des gerichtlichen Verweises, sowie 5 bezw. 3 Tagen Gefängnis verurteilt. Der Dienstknecht Konrad Merz IV. von Altenhain wurde durch das Schöffengericht Ulrichstein wegen Pfandveräußerung zu 5 Tagen Gefängnis verurteilt. Da er zum heutigen Termine nicht erschien, wurde die von ihm eingelegte Berufung fostenpflichtig zurückgewiesen. Zum Schlusse hatte sich der früher in Gießen als Postbote tätige, zu Lüzellinden geborene Wilhelm S. wegen Diebstahls zu verantworten. Auf Grund der heutigen Beweisaufnahme wurde der Angeklagte schuldig befunden, eine Anzahl ihm dienstlich anvertrauter Postpakete beraubt zu haben. Das Urteil lautete auf 3 Jahre Gefängnis und berkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jabre. Ratschleg fir'n Sengerkrieg. Voh Darmstadt, voh Frankford, voh Linnes, voh Lich, boh Loller, Gelnhause ean Hunge, boh Ulrichst daah, Bierekopp Marburg ean Diez, femmt alles zaum Wettstraat geschbrunge. Aach Glarebach, Krofdorf, ean Fulda ean Sinn, met Londorf, Wiesbade ean Caffel- forzum, wo äwwer ean Singklub floriert, der kemmt mit Aplomb ean Geraffel. Drim saahn aich:" Ihr Keann, emfangd mersche gaut, däi Senger voh all dene Schdädte, Subst saahn se ihs noach- das wer doch e Schann daß mir kaa Benummes net hädde! Fir allem do schmickt mer die Schdoadt wirrer schteh met Grenz ean Girlande ean Blome; Bringd Jemed die Sach net so richdig in Schwung, der laß' sich en Gärdnerschborsch komme. Dem gebd die Girlande, das Zeug ean die Grenz, der zisfeld goar bahld ean de Neih ſe. | Doas werſch so woas aich für des Sengerkriegfejd, Euch uff die Seel noch wold binne- Ezd seid mer net goarschdig can daut woas a ch will, Des annere werd sich schuhd finne. Martiberichte. W. ** Viehmarkt zu Gießen. Bei dem am 10. und 11. Mai 1904 ftattgefundenen Markte maren aufgetrieben 1499 Stück Rindvich, 1308 Schweine. Der nächste Markt findet am 26. und 27. Mai 1904 statt; am leßten Tage auch Krämermarkt. Frankfurter Viehmarkt. Zum Verkauf standen 691 Ochsen, 59 Bullen, 765 Kühe und Färsen( Stiere und Rinder), 284 Kälber, 199 Schafe und Hämmel, 1555 Schweine, 1 Ziegen, 2 Ziegenlämmer. Bezahlt wurde für 50 Kilo Ochsen: a) vollfleischige ausgemästete höchsten Schlachtwertes bis zu 6 Jahren Mt. 70-72, b) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete Mr. 62 bis 65, c) mäßig genährte junge, gut genährte ältere Mt. 58-60, d) gering genährte jeden Altecs Mt.. Bullen: a) vollfleischige höchsten Schlachtwertes Mr. 64-66, b) mähig genährte jüngere und gut genährte ältere Mr. 61-63, c) gering genährte Mt.-, ühe und Färsen,( Stiere und Rinder): a) vollfleischige. ausgemästete Färsen ( Stiere und Rinder) höchsten Schlachtwertes Mt 68-70, b) vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes( bis zu 7 Jahren) Mr. 63-65, c) ältere ausgemästete Kühe und wenig aut entwickelte jüngere Kühe und Färsen( Stiere und Rinder) Mt. 59-61, d. mäßig genährte Kühe und Färsen( Stiere und Rinder) Mr. 46-48, e) gering genährte Kühe und Färsen( Stiere und Kinder) Mt.-. Bezahlt wurde für 1 Pfund a) feinste Mast-'( Vollm.- Mast) und beste Saugfälber( Schlachtgewicht) 85-88 Bfg.( Lebendgewicht) 51-53 fg., b) mittlere Maft- und gute Saugfälher( Schlachtge= ( Dem kennter joa dann gleich die Schdräuscher bestenn, wicht) 80-84 Pfg.,( Lebendgewicht) 48-50 Pfg., c) geringe Savgdie ihr in de Festzaug wolld schmeiße.) Nadierlich die Haubtsach zaum Schmuck fir die Frond, sein ganz uhstreirig die Fahne, drim hengt, woas em Haus is dem Fenster enaus, die gruße so gaut, waie die flahne. Gan habd er vielleicht uffem Burrem noch e dat alt ean schuhd lengsd panksionierd ist; e raus med de Modder an die Frihlingsloft, wann se aach so er bische verschmierd is! Dann nemmter e Schdickche Babaier aach noch ean machds runderim schih med Blome ean langd euch e Ferrer ean schreibd midde druff med Schnerkel:„ Seisd hertslich willkomme!" Doch habter en Senger als Gast goar im Haus, der moß wai e Slaanes geflegt wern; des Moiets im Zehe do musse eraus, doch Owets im Elf schuhd gelegt wern. Ean habd am End so en Braurer erwischt, der naut in seim Kopp hot. wat Bosse dann lacht mit dem Kerle, machd Schbäß met dem Dos ean zaigt atch faa bische verdrosse: Noch ahns- doas hädd aich joa beinah verbaẞd: Daut mer nur die Madcher hebsch boge! 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Schweine: a) vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuzungen im Alter bis zu 1½ Jahren ( Schlachtgewicht) 53 Pfg.,( Lebendgewicht) 42 Pfg., b) fleischige ( Schlachtgewicht) 51 Pfg.,( Lebendgewicht) 41 Pfg. c) gering entwickelte, sowie Sauen und Eber( Schlachtgewicht) 44-46 Pfg., Lebendgewicht, d) ausländ. Schweine unter Angabe der Herfunft Pfg. Das Geschäft in Hornvieh war gut. Ueberstand unbedeutend, Kleinvieh gut, Markt geräumt. Gießener landwirtschaftlicher Wetterbienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Donnerstag, den 19. Mai. Windig, zeitweise woifig, zunächst wärmer, dann wieder Abkühlung, Gewitterregen, besonders im Norden. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Verantwortlich: für den politischen, vermischten und unter: haltenden Teil Albin Klein; für den lokalen Teil Karl Klose. In meiner mech. Schreinerei Kindermädchen mit Motorbetrieb finden mehrere Schreiner oder für einige Stunden pro Tag gesucht. Meldungen nimmt Glasergesellen die Exp. d. 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Wir verfehlen nicht, darauf hinzuweisen, daß, falls Hierdurch eine Belästiguung des Publikums verursacht wird, Bestrafung nach Maßgabe des§ 370 pos. 11 des R. St. G. B. einzutreten hat. Die Schußmannschaft ist angewiesen worden, nötigenfalls Anzeige zu erheben. Gießen, den 14. Mai 1904. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. Lieferung von Fußbodenöl. Die Lieferung von ca. 1350 kg Fußbodenöl für die städtischen Gebäude soll Samstag, den 28. Mai d. Js. vorm. 11 1hr öffentlich vergeben werden. - Bedingungen liegen während der Amtsstunden bei uns Zimmer Nr. 3 zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind bis zum obengenannten Zeitpunkt bei uns einzureichen. Zuschlags= frist 3 Wochen. Gießen, den 17. Mai 1904. - Städtisches Hochbauamt. Gerbel. Submission. Die in der Gemeinde Großen Buseck vorkommenden Arbeiten und Lieferungen sollen in öffentlicher Submission vergeben werden und sind Angebote bis zum 21. Mai mittage 1 Uhr Großh. 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" Ja, einen Arzt," fiel sie fast freudig ein, eine Erkläzu haben. rung für das plötzliche Verschwinden ihres Gatten gefunden " In zehn Minuten wird er zurück sein," murmelte der Kranke, und ich werde den Arzt vielleicht nicht mehr nötig haben. " Ich danke Ihnen, daß Sie mich jetzt wieder freundlicher anblicken," fuhr der Leidende fort. Sie errötete beschämt. ,, Verzeihen Sie, daß ich Ihnen solche Mühe mache, aber wenn Ihnen das etwas gilt, so kann ich Ihnen sagen, daß Sie durch Ihre Güte einem Menschen, der sein ganzes Leben nur Enttäuschungen erfahren, die letzten Minuten leicht gemacht haben. Wenn Ihr Mann mit dem Arzte kommt, werde ich nicht mehr sein, ich fühle es. Verzeihen Sie mir meine Belästigungen, aber glauben Sie mir, es zog mich wie ein Magnet immer wieder zu der Stelle, wo ich Sie zuerst gesehen." In kurzen Absätzen hatte er bis hierher gesprochen, jetzt schlossen sich seine Augen, er flüsterte kaum hörbar weiter: ,, Und so will ich sterben, in dem Gedanken, an Sie: Margarethe! Gönnen Sie mir diesen friedlichen Gedanken?" Aus den Augen der jungen Frau fiel eine Träne als Antwort. Er lächelte glücklich. So drücken Sie mir die Augen zu" ein flehender Blick traf sie: sie nickte gewährend. Leise rauschten die Bäume, der Hund richtete sich auf, undruhig drängte er sich näher an seinen Herrn- Mühsam legte derselbe seine abgezehrte Rechte auf den Kopf des Tieres. ,, Darf er als mein Vermächtnis-?" Sie verstand. ,, Sie sollen ihn in feinen sorgsameren Händen zurücklassen," sagte Gertrud feierlich. Ich danke Ihnen. Brunno; hier- ist- Deine Herrin. " Das Tier sah verständnisvoll zu ihm auf, es leckte die streichelnde Hand der jungen Frau. In diesem Augenblick huschte der letzte Schein der Abendröte über des Leidenden Antlig, seine Augen wurden größer, freudiger: ,, Sonnenuntergang!" Als in eiligem Schritt der Arzt und Gertruds Gatte näher famen, wies der erstere stumm auf die Gruppe, wo eben die junge Frau mit linder Hand ein paar gebrochene Augen zudrückte. „ Es ist der junge Fürst Urbino, er war in meiner Behandlung, schwer brustleidend. Ich habe schon lange ein schnelles Ende befürchtet, ich freue mich, daß eine milde Hand ihm die Augen zugedrückt hat, denn er war ein edler Mensch und hatte im Leben wenig Frohes erfahren. Ich werde den Transport selbst begleiten und für das nötige forgen." Als die Träger sich mit dem stillen Manne entfernt, und auch der Doktor sich verabschiedet hatte, fiel die junge Frau ihrem Mann weinend um den Hals. Man vernahm nichts, als das heimliche Gurgeln der Quelle, die verhallenden Schritte der Männer, und das wimmernde Geheul des Hundes, der nicht von der Leiche seines Herrn zu entfernen gewesen und jetzt neben der Bahre herlief. Dann sagte sie ernst: Sind wir nicht ein kleinliches Geschlecht mit unseren Bedenken und Erwägungen, und wie schnell erlischt alles in dem großen Gedanken des Todes!" 3 Der Hausdoctor Aberglauben in der Apotheke. Man gibt überall in den Apotheken, wenn Hirschtalg verlangt foird, Rindertalg oder Hammeltalg, der nach der Meinung der Apotheker( auch nach Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis) dieselben Dienste tut und leichter zu beschaffen ist. Damit der Käufer aber keinen Zweifel in die Echtheit des Erhaltenen setzt, gibt man ihm für zehn Pfennig nur ein kleines Täfelchen! Wir wollen die Sache aber einmal von einer ernsteren Seite betrachten. Denn der Hirschtalg ist nicht der einzige Stoff, für den in den Apotheken dem Käufer etwas anderes gegeben, substituiert" wird. Das„ Substituieren" ist eben eine schwache Seite der Apotheker, wie jüngst ein Apothekenbefizer in der„ Apothekerzeitung" bekannte. Als rote Krebsbutter" erhält man da allgemein mit Alfanna rotgefärbtes Schweineschmalz. Dieses wird überhaupt statt der verschiedensten Fettarten gegeben, die von ununterrichteten Leuten noch vielfach in den Apotheken gegen alle möglichen Leiden zum äußerlichen oder innerlichen Gebrauch verlangt werden, als da sind: Menschenfett, Bärenfett, Löwenfett, Wolfsbett, Dachsfett, Fuchsfett, Murmeltierfett, Biberfett, Storchfett, Reiherfett, Schlangenfett, Aeschenfett, Schneckenfett u. s. w., aber für 10 Pfennig gibt's immer nur 10 bis 20 Gramm. Auch wenn jemand am 1. April nach der Apotheke geschickt wird, um für zehn Pfennig ,, Mückenfett" zu holen, erhält er dort meist ebenfalls ein paar Gramm Schweinefett dafür, und wenn er es, nachdem er für seine Leichtgläubigkeit zu Hause ausgelacht worden ist, zurückbringt, verweigert man meist die Rücknahme. Jeder Apotheker hat wohl schon als Apothekerlehrling täglich vielemal Schweinefett oder Rindertalg für alles Mögliche gegeben und dabei ein recht ernsthaftes Gesicht machen müssen, damit das Publikum keinen Zweifel in die Echtheit des Erhaltenen setze, denn es kommen viele Landleute in die Apotheke, und bei denen stehen die verschiedensten Fette und ähnliches Zeug noch in hohem Ansehen. Dabei sagte man ihm:„ Das ist ja alles gleich, aber die Leute sind einmal so dumm, darum brauchen wir jedoch nicht auch so dumm zu sein." Und nicht nur bei den Fetten machen die Apotheker ihre Substitionen. Da wird statt Fuchslungensaft Süßholzsyrup gegeben ( nach Hager), statt Rettigsaft Zuckersyrup, dem eine Spur Senfspiritus zugesetzt ist, statt Veilchensaft mit Altanna rotgefärbter Buckersaft, statt Altheesalbe ein mit Kurkuma gefärbtes Fettgemisch( alles nach Hager), statt grüner Kräutersalbe ein mit Kurkuma und Indigo grüngefärbtes Fettgemisch, das keine grünen Kräuter gesehen hat. Professor Dr. Bock in Leipzig hat in den siebziger Jahren in der„ Gartenlaube" viele dieser Substitionen in seinen„ Blaudereien aus der Apotheke" mitgeteilt; auch Rosegger schildert in seinem Buch„ Als ich jung war" sehr drastisch, wie er um Hasenöl in die Apotheke geschickt wurde. All der Unfug geht immer noch in gleicher Weise fort. Jeder Apotheker sagt sich, weise ich die Leute ab, so gehen sie zu meinem Konkurrenten, und der gibt ihnen alles, und der Konkurrent denkt ebenso. Daher geben beide immer etwas, wenn auch das unsinnigste Zeug verlangt wird. Selten findet sich ein weißer Rabe, der keinen Konkurrenten hat und den Leuten sagt:„ das ist ja Unsinn, was Sie da wollen." Es ist deshalb die Pflicht der Presse, immer wieder auf diesen alten Unfug, der infolge des unausrottbaren Aberglaubens im Volke sich auch in unserer aufgeklärten Zeit immer noch breit macht, aufmerksam zu machen und mit Nachdruck vor ihm zu warnen. * Gegen das Jucken bei Nesselsucht wird jetzt vielfach ein einfaches Verfahren angewandt. Man befeuchtet die erkrankten Stellen mit kaltem Wasser und frottiert sie hierauf 10 bis 15 Minuten lang mit einigen Körnchen Kochsalz, die man mit der vorher befeuchteten. Fingerfuppe aufgenommen hat. Der Kranke spürt sehr bald ein leichtes Brennen, was aber kurz darnach durch das Gefühl einer angenehmen Kälte und die be= trächtliche Verminderung oder das gänzliche Aufhören des Juckens ersetzt wird. Gleichzeitig pflegen dann die Quaddeln zu ver= schwinden. Man bestreicht die so behandelten Stellen dann mit Zinksalbe oder bestreut sie mit Reismehl. Nr. 110 Mittwoch, d. 18 Mai 1904. Oberhessische Familienzeitung. Tägliche Unterhaltungs- Beilage det Gießener Neueste Nachrichten. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein. ( Schluß.) Iwan der der Schreckliche. Original- Roman von Hans Hoffmann. Aber," fuhr Bodungen fort, wäre die Möglichkeit ausgeschlossen, daß Sie sich in einem Irrtum befänden? Oder wie wollen Sie es erklären, daß man in oder hinter dem Hause, in welchem nur Frau Rechnungsrätin Gehrke und Herr Doktor Belling wohnen, häufige Detonationen vernominen haben will von sehr erheblicher Schallſtärke? Hat der Herr etwa statt auf Pistolen sich lieber auf Kanonen eingeschossen?" Helene errötete ſtark und suchte verlegen nach Worten. ,, Und wenn jener nun seinerseits mich auf Kanonen fordert," fuhr Herr von Bodungen übermütig fort,„ dann bin ich der Geflatschte oder werden Sie dann auch zu meinen Gunsten die Vermittlerin spielen und seine Ritterlichkeit anrufen? Sie dürfen ihm in der Tat mit gutem Gewissen sagen, ich habe noch nie eine Kanone in der Hand gehabt!" ..Ach Gott," stotterte Helene, wissen Sie, das Knallen, das war eine Kinderei von mir, ich wollte die Leute in ihrem dummen Glauben an Herrn Bellings fürchterliche Schießwut beſtärken aus reinem Uebermut, müssen Sie wissen und da machte ich immer den Lärm mit dem Ausgußdeckel- Bodungen lachte laut auf. Helene aber ließ hastig ihren Schleier fallen, grüßte mit einer flüchtigen Verbeugung und schlüpfte hinaus. Einige Stunden später schritt über den dunklen Hofraum der Frau Rechnungsrätin Gehrke eine schwarze Geſtalt, eine brennende Laterne und mehrere Gegenstände tragend. Herr des Himmels," rief erschrocken die Rätin, welche zufällig aus dem Küchenfenster sah, Helene, wer schleicht da bei Nacht und Nebel über unsern Hof? Das ist mir doch sehr ängstlich. Ueberhaupt ist heute ein so unheimlicher Tag, ich weiß gar nicht, wie mir ist, und du bist auch so sonderbar, Lenchen, und machst ein Gesicht, als wenn die Kaze donnern hört, und bei Herrn Belling ist auch etwas nicht in Ordnung; er framt und wirtschaftet so wunderlich herum, und dann hat er einen Besuch, der wie ein Leutnant schnarrte, und dann ist's ganz still bei ihm und auch kein Licht, und zu Hause ist er doch, denn ich hab' ihn mehrmals laut stöhnen oder seufzen hören, wenn ich das Ohr an die Zwischentür legte, und es soll ihm in der Schule etwas passiert sein, und so unheimlich! Und nun dieser Mensch mit der Blendlaterne sehen lassen tut er sich gar nicht. Das ist alles so unheimlich, liches, wahrhaftig, o mein Gott, Helene, es sah aus wie er trug etwas auf dem Arm, weißt du, etwas Unheimeine Kinderleiche! Wenn er die in unserem Garten verscharren will und nachher- die Polizei o Kind, Kind, fühle nur, wie ich zittere! Aber Herr Doktor Belling muß uns zu Hilfe kommen, er muß, er ist ein Mann, wenn auch nur ein Mathematiker, und wir zwei wehrlose Weiber!" " Ja, ja, Mutter," rief Helene kurz, ich rufe ihn schon!" Und sie warf ein Tuch um und eilte hinaus über den Hof dem nächtlichen Wanderer nach. Im Garten erreichte sie ihn. Er hatte die Laterne an ( Nachdruck verboten.)] einen Baum gehängt und hielt einen Spaten in der Hand. Das grelle Licht fiel mit seltsamem Schein in sein finsteres Gesicht. Was treiben Sie hier, Herr Doktor," fragte sie schüchtern, in dunkler Nacht? Mutter hat sich so erschreckt! Kann ich Ihnen nicht helfen? Und warum sind Sie heute noch nicht bei uns gewesen, gerade heute nicht?" " Sch will meinen Hund begraben!" erwiderte Gotthold kurz. Also ist er wirklich tot?" sagte sie. Ich hörte schon, daß Herr von Bodungen ihn erschossen hat. Es tut mir aufrichtig leid; man gewöhnt sich an so ein Tier, und ich hatte es wirklich gern, es war treu und anhänglich trotz all seiner Ungeberdigkeit; ein guter Kerl war's! Und Ihnen muß es noch schmerzlicher sein. Es war eine Roheit von dem Offizier!" „ Er war durchaus in seinem Recht," versezte Gotthold düster,„ nur hätte er ihn gleich zu Tode schießen müssen. Es war gräßlich, wie das Tier mich noch ansah. Herr von Bodungen konnte nicht wissen, daß er meinen letzten Freund erschoß. hren letten?" fragte Helene leise.„ Wirklich Ihren letzten?" Er warf einen hastigen Blick auf ihr hell beschienenes Gesicht; sie war ihm noch nie so hübsch vorgekommen, rosig und reizend blickte es aus dem dunklen Tuch hervor, das sie über den Kopf geschlagen hatte. Von einem Heiligenschein war nichts zu bemerken wenn der nicht unter dem Tuch verborgen war er sah nur freundliche Teilnahme und einen flüchtig aufblizenden Funken kluger Schalkheit. Er seufzte leise und fing dann kräftig an zu graben. Die hartgefrorene Erde machte ihm die Arbeit schwer genug. Ich wollte Ihnen helfen," sagte sie, nachdem sie eine kurze Weile zugesehen hatte, wir haben noch einen Spaten dort in dem Verschlag, ich hole ihn." Bitte, nein," sagte er, es ist zu anstrengend für Sie; ich bin auch bald fertig." " Oho," rief sie, zu anstrengend? Da sollen Sie mich kennen lernen!" Und sie lief und kam mit einem tüchtigen Spaten zurück. " Ich habe auch ein Recht darauf, an dem kleinen Grabe mitzuarbeiten," sagte sie, der Hund betrachtete mich als seine zweite Herrin, er war mir fast gehorsamer als Ihnen selbst. Gestern freilich war er ganz außer Stand und Band und gar nicht zu halten. Es war ordentlich, als wenn er ein Unglück für Sie fürchtete, so unruhig war er; ich begreife nur nicht, wie er Sie auf dem Eise hat finden können." Vielleicht," sagte Gotthold trübe, vielleicht hat er auch ein Unglück von mir abgewandt, es ist möglich; doch ich verſtehe mich selbst noch nicht. Jedenfalls hat er mir zunächſt ein anderes Unglück dafür gebracht." Er schwang und schaufelte gewaltig weiter. Auch Helene machte sich ans Werk, und so gruben sie tapfer miteinander. Zuweilen blickte Gotthold schüchtern auf, und dann sah er mit frohem Erstaunen die Anmut ihrer gelenfigen Kraft und die Schlankheit ihrer Glieder. lgerechten ng. is 1900. tr. 16 elfabrik ortemonnaies Art billigst. / v. 20 Pf. Musterb.gr.u.fr. ne 103.116. unb bie Gle Wonnementspre a's Saus gebracht Bratiebellagen: Das Blatt aid G Ent Der Dr Die deutsch- fei madite j. 3. aus I febens von dem B Raiserhofe und -Bum angefind Franz Josef, die chrwürdigen Grei Bu fammenkunft a Marienbad tritt. Deutschlands Ver feine Besuche zu den deutschfeindli Konig Eduard ha Die verwandt digt und dieser borragenden deu eine große p CB- Mitarbeiter deutschen Kaiserho ftehen, so äußerte ters, fönnten es de Auffassung eir unpolitisches, angesichts der ge fol che inter jein rung ftets dara Pesuche bei frem König Eduard ef en hinter inmilie nicht aus gund hattenhinter den Müni fi dhe Charatter krbor, for, als Sofen jeit bon Berl Lemferegierung bedeutet die fine das Mig rinzen von W weihten Kreisen lands. Die liffch- franzöſiſche Landige Absicht bährend Stalien Go beder übernommen ha lerdings De Deut mit chaftlichen un Den König Ed hand in einer m tich der Große Graf Goluchom Lage hat es in ausgesprochen, hom deutschen daß der Dre usglei Beri Bollwerf dee Um die owie der mä Mußland, die iefem Biele rußer der Denn die Verh stützte Plötzlich stieß sie den Spaten kräftig auf die Erde, ihre Hände darauf und sagte energisch: Herr Doktor, mit Ihnen geht etwas vor. Ich will es wissen. Sie haben schwarze Gedanken, Sie sind in Verzweiflung. Das ist Ihrer nicht würdig. Ich weiß, was Ihnen gestern und heute Schlimmes widerfahren ist, alles weiß ich und kenne auch die Folgen für Sie. Und ich bin entschlossen, Ihnen zu helfen nicht bloß beim Begraben des Hundes. Sagen Sie mir nur eins: was haben Sie vor einer Stunde mit Herrn von Bodungen ausgemacht? Ich weiß es, daß er bei Ihnen war." Er sah ihr überrascht ins Gesicht. Wie wunderbar diese grauen Augen glänzen konnten! Herr von Bodungen," sagte er dann, hat sich als cin vornehm denkender Ehrenmann und ein liebenswürdiger Mensch erwiesen. Ich bin völlig mit ihm ausgesöhnt und gönne ihm sein nahes Glück von ganzem Herzen und mit Freuden und nicht aus christlicher Entsagungslust, denn ich verliere nicht, wo er gewinnt. Das ist alles, was ich hierüber zu sagen habe. Der Rest ist freilich, daß ich diese Stadt so bald als möglich verlassen werde. Meine Rolle als Lehrer ist ein für allemal ausgespielt." " Ihre Rolle als Schullehrer-- ja; Sie werden dafür die Lehrtätigkeit an einer Universität eintauschen." Fräulein Helene, ich kann nicht glauben, daß Sie mich verhöhnen wollen, aber ich selbst habe Ihnen meine Aussichten auf diesem Wege klargelegt„ Und ich habe es gut verstanden und behalten. Sie brauchen ein wenig Geld und weiter nichts. Mit tausend Talern etwa würden Sie bei Ihrer Bescheidenheit schon zwei Jahre auskommen fönen, mit zweitausend Talern vier Jahre, und das ist die längste Zeit, die Sie brauchen, um eine Professur zu erlangen. Und dann können Sie mit Bequemlichkeit in wenigen Jahren ein Darlehen von ein- bis zweitausend Talern samt allen Zinsen zurückzahlen. Sie wünschen also ein unkündbares Darlehen in der bezeichneten Höhe." Der Mathematiker hatte ebenfalls seine Arbeit eingestellt und starrte sie an, ganz außer Fassung gebracht durch den gleichmütigen Geschäftston ihrer Rede. „ Ein solches kann ich Ihnen," fuhr sie fort, gegen mäßige Zinsen verschaffen. Ich besize eine Tante, eine sogenannte Erbtante, welche aber so jung ist, daß sie sich selbst deswegen vor ihren Nichten schämt und ihnen als Abschlagszahlung für die weit aussehende Erbschaft gar zu gern von Zeit zu Zeit ein Sümmchen im voraus zufließen läßt. Sie hat sich jedoch mit meinem Vater Zeit seines Lebens nicht gut gestanden, meil er meine Mutter, ohne ihren Nat vorher einzuholen, geheiratet hatte; und deshalb haben wir bisher ihre hochmütigen Wohltaten beharrlich verschmäht. Das ist aber doch für Sie kein Grund, das Anerbieten auszuschlagen, das sie Ihnen auf meinen Antrag voraussichtlich in den nächsten Tagen machen wird." ,, Fräulein Helene," rief Gotthold mit tief erregter Stimme, die fast einen zornigen Klang hatte,„ hören Sie auf! Ich kann und will und darf von Ihnen keine Wohltat annehmen!" ,, Geehrter Herr Doktor," sagte sie ruhig ,,, wer spricht von einer Wohltat? Meine Tante wünscht zweitausend Taler sicher zu plazieren gegen leidliche Zinsen; das Liebste wäre ihr eine Hypothek auf ein sicheres Gebäude oder Grundstück. Gut, ich bezeichne Ihre Kenntnisse, Ihren Fleiß, Ihre Begabung ihr als sicheres Grundstück, das sich in wenigen Jahren nach aller menschlichen Voraussicht brillant rentieren wird nun also, warum wollen Sie der armen Frau die solide Kapitalanlage mißgönnen? Wollen Sie die Unglückliche gewaltsam zwingen, ihr bischen Vermögen in wackeligen Industriepapieren zu verspekulieren? Ich sehe wahrhaftig nicht ein, warum man einen reellen deutschen Gelehrten nicht mit einer Hypothek belasten soll! Aber zur ersten Stelle, das versteht sich, anders tut es meine Tante nicht. Sicherheit ist ihr die Hauptsache; sonst würde sie lieber auf Husarenleutnants spekulieren." Er sah das schalkhafte Bligen ihrer großen Augen, legte die Hand über die Augen und rief noch einmal wie verzweifelnd: " Ich kann es nicht, Helene, von Ihnen kann ich es nicht annehmen, von Ihnen nicht! Nur von Ihnen nicht!" ,, Lieber Freund," sagte sie mit ganz verändertem, sehr weichem Ton ,,, und doch müssen Sie es, wenn Sie mein feierliches Wort, meine gegebene Bürgschaft nicht bloßstellen wollen. Ich habe vor einer Stunde bei Fräulein Alma Gruber für Sie gutgesagt, daß Sie aus meiner Hand, aus der Hand der Freundschaft eine Hilfeleistung ohne fleinlichen Stolz mit Freuden annehmen würden, während Sie eine solche aus der Hand eines Mädchens, das Sie lieben, als eine Demütigung empfinden müßten. Sehen Sie, lieber Freund, diese Bürgschaft habe ich für Sie übernommen, und aus diesem Grunde das gut gemeinte Ansinnen jener jungen Dame in Ihrem Namen zurückweisen zu dürfen geglaubt." " Ich danke Ihnen, Helene," sagte er tief erschüttert ,,, daß Sie mich richtig verstanden haben. Ihre Bürgschaft war zuverlässig und wohl erwogen, und eben darum kann ich aus Ihrer, gerade aus Ihrer Hand keine Wohltat annehmen, auch nicht die kleinste, auch nicht den Schein einer Wohltat." ,, Hierin verstehe ich Sie denn nun freilich nicht," sagte sie leise, und ihr heißes Erröten strafte sie Lügen. ,, Weil ich Sie liebe, Helene," stieß er leidenschaftlich heraus,„ Sie allein wahrhaft, von ganzem Herzen liebe!" ,, Mich," fragte sie zitternd ,,, mich?" " Ja, Sie," sagte er zaghaft, und das ist nun mein traurigstes Schicksal, daß ich mich dieser Liebe vor Ihnen schämen muß, niemals auf Erhörung hoffen darf, daß Sie mich mit Recht für einen Unwürdigen halten werden. Habe ich nicht selbst vor wenigen Stunden noch einem armen jungen Mädchen den gleichen Wankelmut zum bittersten Vorwurf geCharakterschwäche verzeihen? Ja, es ist so; gestern noch liebte macht? Und mir, einem gereiften Mann, sollte ich die gleiche ich in fieberhaftem Seelentaumel eine andere, oder wäre es nicht ein dürftiger Sophismus, zu sagen: Das war keine echte Liebe, das war nur ein Rausch der Eitelkeit, der geblendeten Sinne? Es ist wahr, diese Leidenschaft wurde allmählich, künstlich, durch feces Entgegenkommen, durch äußeren Glanz in mir entfacht, es war eine selbstbetrügende, gemachte Liebe, während vor Ihnen ich gleich beim ersten Sehen beinahe dasselbe empfand wie heute, eine volle, freie Sympathie, ein ganzes Vertrauen, eine rückhaltlose Hingebung, ein Gefühl, das nur zu tief und zu rein war, um es sogleich als die feste Wurzel einer innerlich treibenden Leidenschaft zu erkennen. Und ein Gefühl, das über dies in seinem natürlichen Wachs. tum gehemmt und gewaltsam zurückgepreßt wurde durch Ihr freimütiges Bekenntnis, Helene, daß Sie einen anderen geliebt hätten und daß Sie es einer edlen Seele für unwürdig hielten, sich jemals einer zweiten Liebe zu öffnen. Und nun, Helene, nun sehen Sie in mir, der ich Ihnen beistimmte, einen solchen Unwürdigen!" Helene stand mit überströmenden Augen da und schwieg. Sie ſtarrte grübelnd hinab in die dunkle Grube, die sie zwischen sich geöffnet hatten. Wissen Sie, was wir tun wollen, Herr Doktor?" rief sie plötzlich mit frischer Stimme. Legen wir jetzt den guten Hund hier hinein, das Grab ist tief genug, und dann legen Sie Ihre lustige Cotillonliebe, die der wütende Leutenant mit ihm zugleich totgeschossen hat, dazu und weinen ihr eine letzte Träne nach. Und damit sie sich nicht einsam fühlt, gebe ich ihr eine Gesellschafterin, die auch irgendwo zu Schaden gekommen ist, mit auf den Weg in die Ewigkeit, nämlich meine törichte Backfischliebe zu einem königlich preußischen Husarenoffizier, und dann tun wir noch ein paar jugendlich närrische Ueberschwenglichkeiten und Gefühlstänzeleien als Totenopfer dazu, und dann Und dann strauchelte sie plötzlich und fiel vornüber in die Grube, die sie sich selbst hatte graben helfen, und Gotthold Belling konnte nicht umhin, sie mit seinen Armen aufzufangen. Und dann machte er es ihr mehrere Minuten lang auf irgend eine Weise unmöglich, weiter zu Wort zu kommen, obgleich sie noch etwas Notwendiges zu sagen hatte. Und sobald sie nur irgend Luft schöpfen konnte, rief sie fröhlich: ,, Und die Tante nimmt eine absolut unfündbare Hypothek auf unser gemeinsames Glück!" Und die Zinsen," fügte er hinzu ,,, werden mittelst einer geheimnisvollen Integralrechnung meiner lieben Frau in Coupons von Treue und Dankbarkeit ausbezahlt." Solcher Art lautete der Segen, der über dem Grab des Hundes Iwans des Schrecklichen gesprochen wurde. Noch am selben Abend schickte Alma Gruber ihren Bruder, den Tertianer, an Helene mit der Nachricht, daß sie sich soeben noch schnell verlobt habe, gegen den Premierleutnant von Bodungen," sagte der Schlingel. Wohin man sich auch immer kehrt. Nie darf man frei sich wähnen: Der Mann gebietet mit dem Schwert, Das Weib befiehlt mit Tränen. Sonnenuntergang. Skizze von E. Kißling Valentin. ( Nachdruck verboten.)) Sie schreiten langsam den Waldweg entlang und erklimmen dann gemächlich die kleine Anhöhe zur Ruhebank. Der Sonnenball taucht glutrot fast unmerklich tiefer in die Abendnebel, welche bereits um die Gipfel der Berge zu weben beginnen. Die feurigen Farben des Herbstes leuchten stärker auf, sanft hebt sich das Siebengebirge vom lohenden Horizont ab. Der liebliche Schein übergießt auch das sanfte Gesicht der Frau und das gebränte kräftige des Mannes, die an ihrem gewohnten Ruhesitz angelangt, schweigend das herrliche Schauspiel betrachten. ,,, dieser herrliche Sonnenuntergang!" Es klingt wie ein Echo in die klare Stimme des jungen Weibes. Betroffen wendet sie sich; hinter ihr steht ein junger Mann er mußte unbemerkt herangekommen seineleJant gekleidet, doch mit dem Aeußern jener Kranken, denen der Herbst mit seinen Nebeln verderblich wird. Eine leichte Röte überfliegt das Antliß der Frau, als der Fremde höflich den Hut lüftet, während das Gesicht ihres Begleiters einen unfreundlichen Ausdruck annimmt, er dankt gemessen und wendet sich der Bank zu, um sich dort niederzulassen, mit einem Wink seiner Augen die junge Frau an jeine Seite rufend. Während sie neben ihm Plaz nimmt, wendet sich der Fremde, und seinem Hunde, einem schönen Bernhardiner, pfeifend, stieg er langsam die Anhöhe wieder hinab. Schweigend schauen sie ihm nach, wie er dahinschreitet, müde, etwas gebeugt, die rechte Hand wie zur Stüße auf den Hals des treuen Begleiters gelegt. Es liegt etwas Gramoolles, Hoffnungsloses in seinem Gang, seiner Haltung. Leicht fröstelnd lehnt die junge Frau sich zurück, als der Fremde ihren Blicken entschwunden, während ihr Gatte finſter vor sich hinstarrt. " Herbert," sagt sie leise, es ist mir unbegreiflich, wie du dich über diesen Fremden so erregen kannst." ,, Das soll einen nicht ärgern, wenn man seit mehreren Tagen auf demselben Platz und zu derselben Stunde immer diesen Menschen trifft, als hätten wir eine Verabredung mit ihm! Er könnte es doch endlich merken, daß es mir unangenehm ist " Allerdings," entgegnete sie, dein Benehmen läßt nichts in Deutlichkeit zu wünschen übrig." " Nun also, warum kehrt er sich nicht daran? Heute morgen hat er sogar unser Haus umstrichen, ich glaube gar, er untersteht sich, dir Fensterpromenaden zu „ Ach, laß das doch," sagt sie ärgerlich.„ Auf was für Ideen kommst du. Sein Benehmen, seine Blicke waren stets ehrerbietig. Auch hat er heute nicht einmal, wie sonst, bei uns Platz genommen. Und kann dies nicht außerdem sein Rieblingsplatz sein, so gut wie der unsrige? Und wenn er unsere Gesellschaft sucht, ist das so schlimm? War das ein Grund, daß du alle seine Versuche, ein Gespräch anzuknüpfen, ablehntest? Es ist ein kranker Mensch, und er tut mir leid," setzte sie mit dem ganzen Mitleid einer edlen Frauenseele hinzu. Er streichelt mit verändertem Gesichtsausdruck das zarte, blasse Gesicht. Dieser arme Mensch leidet auch; ich kann ihm nicht sürnen, er jammert mich!" Nach zweitägiger Pause wenden sie ihre Schritte wieder jenem herrlichen Punkte zu. Wieder rasten sie auf der Bank und schauen stumm in die wunderbare Natur. Er hat ihren Arm durch den seinen gezogen und hält ihre Hand. Da zudt sie zusammen, der Bernhardiner Hund kommt feuchend heraufgesprungen. Die Frau drückt leise ihres Mannes Arm, wie um ihn an sein Versprechen, freundlicher zu dem Besizer des Tieres zu sein, zu erinnern. Der Hund ist bei ihnen angelangt, er legt sich vor ihr nieder, um mit einem dumpfen Geheul wieder hochzuspringen und davonzueilen. Es vergehen einige Sekunden; er kehrt wieder, kurz bellend. Vor ihr angelangt. heult er aufs neue laut auf, legt die breiten Pfoten auf ihre Kniee und wimmert. " Herbert," sagt sie leise ,,, es sieht fast aus, als wollte der Hund mich holen." Sie war aufgestanden und schaute die ,, Es könnte seinem Herrn etwas zugestoßen sein." Straße hinunter. Spiel noch ausgeprägter. Jetzt winselt der Hund noch stärker, er wiederholt sein ,, Komm, Herbert, laß uns ihm nachgehen." Er folgt ihr langsam, während ihre Schritte sich beschleunigen, als der Hund ein lautes Freudengeheul anstimmt und voraneilend und zu ihr zurückkehrend- den Weg weist. An der nächsten Wegbiegung bricht der Hund in den Buchenwald ein, sie folgt ihm. Laut raschelt das welke Laub zu ihren Füßen. Die goldig- rötlichen Reflere der Sonne tanzen über das Herbstlaub. Der Hund springt jetzt mit einem wilden Saße voran und fauert sich mit leisem Wehlaut nieder. Sie tritt näher da liegt der Fremde totenblaß mit geschlossenen Augen, ein Blutstrom beneßt seine Lippen, der Hund leckt die starre Hand ſeines Herrn. Angstvoll verharrt Gertrud einen Augenblick, dann reißt sie den Umhang von ihren Schultern und schiebt ihn dem Manne unters Haupt. Sie nezt ihr Taschentuch an einer kleinen Quelle in nächster Nähe, wäscht das Blut von seinem Gesicht und noch einmal das Tuch tränkend, legt sie es dem Bewußtlosen auf die Stirn. Sie kniet neben ihm nieder, angstboll in ſein Gesicht ſpähend, während der Hund mit verständnisvollen Augen ihr Tun beobachtet. Er rührt sich auch nicht von der Stelle, als Gertruds Gatte leise herantritt. Mit einem Blick überschaut dieser die Szene. Rasch nähertretend, öffnet er des Fremden Rock und Kragen; er weist seine Frau an, den Kopf des Kranken auf ihren Schoß zu betten, während er den starren Körper mit seinem Mantel bedeckt. Gertrud wirft ihm einen dankbaren Blick zu, sie weiß, jekt, wo er helfen kann, verschwindet jedes kleinliche Gefühl in ihm. Der Fremde regt sich, er schlägt die Augen auf, ein Leuchten tritt in dieselben, als er das über ihn geneigte Frauenantlik gewahrt. Margarethe," flüstert er. Ein leises Lächeln gleitet über die bleichen Züge, denen der Abendschein ein trügerisches Rot verleiht, als er das Leise Erstaunen in Gertruds Gesicht wahrnimmt, dann schließt er die Augen wieder. „ Er lebt," flüstert sie ihrem Mann zu, welcher sich lautlos genähert hat. Der Kranke schlägt die Augen aufs neue auf und schaut in die tränenfeuchten der jungen Frau. " Ich danke Ihnen," sagt er leise und versucht ihre Hand an seine Lippen zu ziehen. Sie wehrt ihm sanft. „ Fühlen Sie sich besser? Sie müssen sich ruhig halten, ganz ruhig." Ich werde sterben," sagt er ruhig,„ ein schöner Sonnenuntergang, kann man einen schöneren erleben?" Seine Hand fraut das Fell des Hundes. " Hast du ſie geholt?" fragt er noch leiser.„ Erschrecken Sie nicht," fährt er fort, als ein lichtes Rot ihr Angesicht überflutet, gönnen Sie einem armen Sterbenden, daß er in einer Illusion seinen letzten Atemzug aushaucht." Sie versucht ihn vom Reden abzubringen. Lassen Sie, mir schadet und nützt es nichts mehr, ich weiß es." Er schöpfte schwach Atem. " Sie gleichen dem Mädchen, das ich mehr liebte, als mein Leben, und das mich wiederliebte. Margarethe! Wir waren verlobt, ein Himmel auf Erden! Da entdeckte ein Arzt mein Leiden; die Mutter meiner Braut beredete das arme, schwache Vögelchen von mir zu lassen. Ich aina er Herrscher. dem oftasiatisc agana wurde, froßdem wünschte. Rußl die gute eschränkt. Die bleiben, fo lang juht und fo la Erkenntnis, day Fußland und Kurzem die Burddrängung oberung Tibets mal die ruif in dem Befibe Mandschurei be men, zumal müffen und im Balkan fage bestehen falijde Baltan | abbag a Zu all gefellt sich aud Durchführung der Aufrechte unter freund fphäre fo getei fanntlich war reich aber den follte allmählia finanziellen A Bu diefem Sm