Mr., 113. Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Saus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertelfährlich Mr. 1.50. Gratisbellagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Montag, den 16. Mai 1904. Gießener 13. Jahrgang. Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz Oberheffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. ſonſt 15 Bfg. Reklamen die Petitzeile 30 refp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 83. Fernsprechenschluß Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Der Krieg in Oftafien. Immer wieder tauchen Gerüchte auf, daß die Japaner bereits in der Nähe von Liantschang stehen. Ja, man will sogar aus Niutschwang erfahren haben, daß ein größeres Gefecht bei Liautschang stattgefunden habe. gung steht jedoch vorläufig aus. Der Vormarsch der Japancr Eine Bestätiwürde sich, wenn sich diese Gerüchte bewahrheiten sollten, schneller vollzogen haben, als es nach den letzten Londoner Berichten den Anschein hatte. Danach hätte General Kuroki feine Avantgarden vom Motienpaß( auf dem Wege von Fönghwanghtschöng nach Liautschang) zurückgezogen, weil er eine telegraphische Warnung des Admirals Togo des Inhalts erhalten hatte, daß ein dreitägiger Sturm die Landungen der Japaner bei Niutschwang und auf der Liautung- Halbinsel unterbrochen und den Vormarsch der zuerst gelandeten Truppen verzögert habe. Die Hauptanmarschronten. - Daß die Japaner auf allen Linien, die sie zum Vormarsch gegen die Position des russischen Generals Kuropatkin, respekfive die Eisenbahnstation Kaitschou- Mukden, benützen können, vorrücken, steht außer allem Zweifel. Solcher Linien, das heißt Hauptstraßen, auf denen der Marsch der Japaner fonzentrisch vor sich gehen kann, gibt es fünf, und zwar folgende: 1. Takuschan- Station Kaitschou( 130 Werst; 1 Kilometer gleich 0,94 Werst); 2. Tafuschan- Station Haitscheng ( 130 Werst); 3. Takuschan- Liautschang( 160 Werst); 4. AnTufantsü Sü tung( Schachedsü)-Fönghwanghtschöng Tsaoho litschuan Tsiatsiaho Finschuipaß Wendato Lantsuschang Matouling Schiminpaß Stafion Liautschang( 180 Werft); 5. Sjagusiche( Kulutsy)- von hier nach Saimatsu- Finschuipaß- Sanlikou und Liautschang( 200 Werft) oder nach Mukden( 22 Werft). Die Entfernung bis zu der Eisenbahnlinie zwischen den Stationen Kaitschou und Mukden beträgt also 130 bis 225 Werst. Ein starkes Detachement, das auf Kaitschou oder Haitscheng bordringt, kann diese Punkte in acht bis zehn Tagen er reichen, gute Kavallerie sogar in drei bis vier Tagen. Die einzelnen Routen sind höchstens je fünfzig Werst von einander entfernt. Der Vorteil eines solchen konzentrischen Marsches ist um so größer, als die Hauptroute Antung- Fönghwanghtschöng- Liautschang sehr beschwerlich ist, so daß verhältnismäßig geringe feindliche Kräfte eine vorrückende Kolonne zum Stocken bringen fönnen, wie sich das schon im Kriege gegen China gezeigt hat. Falls also die auf der obigen Straße marschierenden Japaner doch noch vor dem Motienpasse haltmachen müssen, so ist es sehr leicht möglich, daß eine andere japanische Kolonne auf einer der Nebenrouten unterdessen rasch vordringt und die Streitkräfte der Russen, welche den Motienpaß verteidigen, überflügelt. Die russischen Blätter behaupten, daß die Entwickelung der weiteren Aktionen bis zum Schlusse der ersten Campagne kaum einen Zeitraum von wenigen Wochen überschreiten wird. Ende Mai beginnt näm lich in der Mandschurei der Sommer mit starker Hitze und heftigen Regengüssen, die die Straßen vollständig unpassierbar machen. Bis gegen Ende August sind alle Operationen unmöglich, besonders da in dieser Zeit auch Typhus und Pest Nintschwang ist als Pestherd Gerüchtigt zu graſsieren pflegen. Panik in Nintschwang. In Niutschwang herrscht unter der Bevölkerung große Aufregung und Schrecken. Eine japanische Division soll nur zwanzig bis dreißig Werst südlich der Stadt stehen und zudem schwebt man in beständiger Furcht vor einer Plünderung durch hinesische Räuber. Ein Telegramm aus Niutschwang besagt: Räuberbanden plündern die Umgegend der Stadt. Mehrere reiche hiesige Eingeborene sind fortgeschleppt worden, um Lösegeld von ihnen zu erpressen. Man vermutet, daß Pawlow, der Vertreter Alexejews in Peking, bemüht ist, China zu überreden, die Verwaltung der hiesigen Gegend auf sich zu nehmen. Japanische Kundschafter sind gestern abend sieben Meilen südwestlich von Kaitschou gesehen worden. Ein Teil der japanischen Armee rückt in nordwestlicher Richtung auf Ssiuian vor. Ihre Anzahl ist noch unbekannt, sie muß aber bedeutend sein. Es sind nur zwei Regimenter in jener Gegend, da der Rest der Truppen, die sich früher dort befanden, auf Mukden zu vorrückt. Man vermutet, daß die Russen ihre Armee von Mukden nach Charbin marschieren lassen werden. Port Arthur ist vollständig abgeschlossen, sowohl vom Eisenbahnwie vom Telegraphenverfehr. Die Behörden erklären jedoch, daß sie tägliche Drahtverbindung und dreimal wöchentliche Verbindung durch Kuriere haben. Die Russen verbrennen auf ihrem Rückzuge die Bahnhöfe und alle Lebensmittel, welche sie nicht fortſchaffen können; sie haben zahlreiche Chinesenhäuser zerstört. Die Chinesen fürchten, wenn die Russen die Gegend gänzlich räumen, würden alle borhandenen Gebäulichkeiten zerstört werden. Die in Niutschwang in Chinesenhänden befindlichen Warenvorräte sind die bedeutendsten in der Mandschurei. Ihr Wert wird auf fünfzig Millionen Dollars Gold geschätzt. Die japanische Flotte ist inzwischen von einem schweren Unfall betroffen worden: Bei Zerstörung von Minen in der Kerrbucht ist ein japanisches Torpedoboot in die Luft geflogen. Nach einer Meldung aus Kobe berichtet Konteradmiral Kataoka, daß am 12. d. M. drei Kreuzer mit fünf Torpedobootsgeschwadern nach der Kerrbucht nördlich von Talienwan gingen, dort die russischen Stellungen bombardierten und burch einen Landungstrupp den Telegraphen zerstörten. Die Geschwader entfernten die Unterseeminen, von denen eine Anzahl am Eingange der Bucht entdeckt wurde. Nachdem die Arbeit fast beendet war und die Torpedoboote 46" und„, 48" Auftrag erhalten hatten, die noch übrigen Minen zu zerstören, explodierte eine von ihnen, als das Boot 48" sich ihr näherte. Das Torpedoboot wurde in zwei Stücke gesprengt und versank in sieben Minuten. Ein Offizier und sechs Mann wurden getötet und sieben verwundet. Das Geschwader schickte eiligst Boote ab, welche die Verwundeten aufnahmen. Es führte dann die Vermessungen und Zerstörungen von Minen zu Ende und kehrte um sechs Uhr abends zur Flottenbasis zurück. Die Politik. Der Wahlkampf bei der Reichstagsersakwahl in Frankfurt- Lebus hat den Ausgang genommen, der voraus= zusehen war: Infolge der Aufstellung eines besonderen Kandidaten, des Herrn v. Jagwik, durch den Bund der Landwirte ist Stichwahl zwischen den Kandidaten der bürgerlichen Parteien Bassermann und dem Sozialdemokraten Braun das Ergebnis. Es erhielten Bassermann( natlib.) 11 706, Braun( Soz.) 11 312 und v. Jagwik( wirtsch. Vgg.) 2837 Stimmen. Ohne die Sonderkandidatur v. Jagmik, die nicht die mindeste Aussicht auf Erfolg hatte, wäre der Wahlkreis den vereinigen bürgerlichen Parteien sicher gewesen. Die Stichwahl dürfte übrigens mit dem Siege Bassermanns enden. + Eine Organisation der technischen Angestellten ist das Neueste auf dem Gebiete der Standeskorporationen. Nicht weniger als 2000 Ingenieure, Techniker, Chemiker 2c. aller Berufsklassen und Bildungsstufen haben sich zusammengetan, um für sich als Arbeitnehmer in der Industrie eine große, umfassende Organisation zu schaffen. Die neue Berufsorganisation führt den Namen„ Bund der industriellen Beamten( Arbeiterbund)" und hat ihren Sit in Berlin. Der Bund soll eine Organisation ohne politischen Charakter, jedoch mit einer scharf ausgeprägten wirtschaftlichen Tendenz sein. Neben regster öffentlicher Tätigkeit will er seinen Angehörigen jene Fürsorge schaffen, die den Arbeitern von den Arbeitgebern und dem Staate zugestanden wurde. U. a. soll ein Zentral- Arbeitsnachweis und ein Unterstützungsfonds für notleidende, unverschuldet erwerbslos gewordene Mitglieder geschaffen werden. Die Geschäftsstelle des Bundes befindet sich in Berlin W., Potsdamerstr. 70. * A Der Uebermut des Slaventums, auch des ausländischen, zeitigt immer schönere Blüten. Wie vor einigen Monaten in Halle, so haben jetzt auch in Leipzig eine Anzahl an der Universität studierender Ausländer( Slaven) versucht, eine farbentragende Korporation zu gründen. Die Statuten der neuen Korporation waren bereits beim Universitätsgericht eingereicht. Auf einen aus der Mitte der Studentenschaft erhobenen Protest gegen das Farbentragen ausländischer Studentenvereine erklärte indessen der Rektor der Universität, es nie gestatten zu wollen, daß an der deutschen Universität fremdländische Korporationen öffentlich Farben anlegen. Die sächsische Regierung hat übrigens mit Rücksicht auf die sich in Leipzig breit machenden slavischen Studenten Schritte bei den einzelnen Bundesstaaten getan, um wegen einer stärkeren finanziellen Heranziehung in Deutschland studierender Ausländer ein gleichmäßiges und gleichzeitiges Vorgehen zu erzielen. Der akademische Senat der Universität Leipzig hat sich befremdlicherweise gegen jede Sonderbesteuerung der Reichsausländer erklärt, und zwar mit der Begründung, daß die Wissenschaft ein Gemeingut aller Kulturvölker sei, und deshalb überall volle Freizügigkeit genießen müsse." Auch eine Logik der gelahrten Herren! Was hat die Freizügigkeit der Wissenschaft damit zu tun, daß Ausländer unter denselben Bedingungen wie Inländer deutsche Universitätseinrichtungen benußen, deren Kosten der deutsche Steuerzahler tragen muß? Der Dank der Ausländer rechtfertigt das doch gewiß nicht: Worin anders spricht er sich aus, als darin, daß die Ausländer nachher die auf unseren Schulen auf unsere Kosten erworbenen Kenntnisse gegen uns auf aller Gebieten des Lebens verwerten? Oefterreich- Ungarn. O Mit lobenswertem Eifer arbeitet die Donaumonarchie an der Instandhaltung ihrer militärischen Rüstung. Namentlich die ungarische Regierung ist in dieser Hinsicht auf dem Posten. Die ungarische riegsverwaltung fordert von den soeben zusammen.getretenen Delegationen einen Kredit zwischen 85 und 90 Millionen Kronen für neue Geschütze und verschiedene Ausrüstungsgegenstände. Gleichzeitig stellt die Marineverwaltung einen Kreditanspruch von über 75 Millionen Kronen. Beide Forderungen sollen Teilansprüche eines großen kredits sein, dessen weitere Beträge in den nächsten Jahren zur Bewilligung gelangen sollen. Nötig waren die Neuausgaben gewiß. Die letzten österreichisch- ungarischen Manöver zeigten schwere Mängel vor allem bei der Artillerie. Gewissermaßen als Dank an die ungarische Nation für die Wiederherstellung geordneter parlamentarischer Zustände hat Kaiser Franz Josef bekanntlich die Heimschaffung der seit 200 Jahren in fremder Erde ruhenden Asche Franz Rafoczys II. angeordnet, des erbittertsten Feindes der habsburgischen Dynastie. Nach ungarischem Gesetz war dazu die Genehmigung der Volksvertretung nötig. Diese ist jetzt erteilt worden, und in der betreffenden Sizung kam es zu großen Huldigungen für Kaiser Franz Josef, dem auch eine Deputation des Abgeordnetenhauses in der Hofburg den Dank des Volkes aussprach. Italien. Das päpstliche Protestschreiben an die französische Regierung wird noch immer lebhaft erörtert. Es ist kein Geheimnis, daß die Mehrzahl der Kardinäle die Absendung der Protestnote lebhaft beflagt. Sie ist bekanntlich auf den Rat des neuen Kardinalstaatssekretärs Merry del Val und gegen den Willen fast aller übrigen Kardinäle abge= gangen. Neuerdings heißt es, der Papst wolle auf dringendes Anraten Rampollas, um weiteren Schaden abzuwenden, die Note selbst widerrufen. Die Angelegenheit beschäftigt die vatikanischen Kreise aufs Lebhafteste, und die Kardinäle halten fortwährende Zusammenkünfte. Mehrere fatholische Monarchen sollen die Note für einen großen Fehler erklärt haben. Rußland und England gaben sie dem Vatikan zurück mit dem Bemerken, daß sie nichts damit anzufangen wissen. Frankreich. Unerwarteten Sukkurs haben die streikenden Schiffsoffiziere erhalten: In Marseille haben die eingeschriebenen Matrosen sich den Forderungen der ausständigen Offiziere der Handelsmarine in allen Punkten angeschlossen. Man nimmt an, daß der Ausstand in wenigen Tagen beendet sein wird, da die Reeder es kaum auf einen allgemeinen Streif, wie er im Falle weiterer Verweigerung der Forderungen der Streifenden in Aussicht steht, ankommen lassen werden. Aus den Parlamenten. Die Wahlprüfungskommission des Abge ordnetenhauses erklärte die Wahl des Abgeordneten Bart. ling( Mat.) im Wahlkreis Wiesbaden für ungültig. D. Pfingstferien des preußischen Abgeordneter bauses sollen spätestens am 18. Mai, vielleicht schon a 17. Mai beginnen und bis zum 13. Juni sich erstrecken. Hof und Gefellschaft. Das Kaiserpa ar hat seinen Aufenthalt in den Reichslanden beendet und ist nach Potsdam zurückgekehrt. Am 14. d. M., dem legten Tag ihrer Rundfahrt, traten die hohen Herrschaften um 8 Uhr morgens unter dem Geläut der Glocken die Reise von Straßburg nach Mez an, wo sie um 11 Uhr eintrafen. Nach Empfang durch die Behörden am Bahnhof begab sich das Kaiserpaar mit der Prinzessin Viktoria Luise direkt nach dem Theaterplay, wo die neue evan gelische Kirche errichtet ist. Auf der Fahrt durch die festlich geschmückten Straßen, in denen die Truppen der Garnison Spalier bildeten, ritt der Kaiser hinter der Hofequipage, in der die Kaiserin mit der Prinzessin Viktoria Luise Platz ge nommen hatte. Eskortiert wurde der Zug von einer Schwa dron des 14. Ulanen- Regiments aus St. Avold. Auf dem Theaterplatz hatte das Königs- Infanterie- Regiment Nr. 145 Aufstellung genommen. Nach Beendigung des Festgottesdienstes um 12% Uhr fand der Vorbeimarsch der Meßer und Diedenhofener Garnison vor dem Kaiser Wilhelm- Denkmal auf der Esplanaden- Terrasse statt. Um 2½ Uhr wurde die Weiterreise nach St. Johann- Saarbrücken angetreten. Die Nachbarstädte St. Johann- Saarbrücken prangten in einer Fülle von Fahnen, Bannern, Guirlanden und Ehrenpforten. Die Häuser waren bis in die entferntesten Stadtteile überreich geschmückt. Auf dem langen Wege, den das Kaiserpaar nahm, vom Bahnhofe bis zum Rathause von St. Johann, und von da zum Denkmale Kaiser Wilhelms auf der alten Saarbrücke, einem Werke von Donndorf, sodann zum Rathause von Saarbrücken und zum Bahnhofe bildeten Truppen der Garnison, Bergleute, Schulen, Krieger- und andere Vereine Spalier, dahinter viele tausende von nah und fern, alle in festlichster Stimmung. Deutfcher Reichstag. ( 91. Sigung.) CB Berlin, 14. Mai. Nachdem gestern bereits der Etat selbst und das EtatsSeit einer Woche habe ich endlich ein hübsches gemütVon Paul Hermann Hartwig. Frau Räsebier und die Elster. einen ordentlichen grünen Schimmer, auf Her alles nicht wahr. vor, und die Amseln jagten sich im Rafen den schüßenden Tannenzweigen lachten gelbe den Beeten unter Strophe, wenn die Sonne gar so lustig und rierotuse, eine Von Nordosten her schob sich eine graue chien. Und nun ist stattliches schlecht entzückt sein. als Gefchent erhielt, würde über dies aparte Bild nicht Als nächtlichen wählt sich Karoline stets ein Blüten= dessen rosa leuchtende afebrer pracht ich gerade hervorgeloat habe. ina Rimmer tritt, flüchtet der huge gel unter den Divan, Sobald gejez enogultig zur Annahme gekommen waren, wurden heute noch nachträglich zwei dazu von der Budgetfommission gestellte Resolutionen beraten. Die eine ersucht um Erwägungen, ob nicht auch der aus anderen Stoffen als aus Rüben hergestalte Zucker die Diskussion zeigte, daß es sich in der Hauptsache um Rübenzucker handelt zu konstruieren jei; die andere wünscht Ermittelungen, ob durch das Süßstoffgesetz einzelne Fabrikanten unschuldig besonders hart be troffen worden sind und ob diesen gegebenenfalls Erleichterung gewährt werden kann. Hatte die Debatte hierüber, die mit der Annahme beider Anträge endete, Interesse eigentlich nur für die Zuckerindustriellen, so interessierte die folgende erste Lesung des Gesetzes betreffend Aenderung der Zivilprozeßordnung zumeist die Juristen, obwohl der Gegenstand für das große Publikum von sehr erheblicher Bedeutung ist. Es handelt sich dabei um die Entlastung des Reichsgerichts durch Heraussetzung der Revisionssumme von 1500 Mark auf 3000 Mark. Der Staatssekretär des Reichsjustizamts Dr. Nieberding begründete die Vorlage mit dem Hinweis auf die lange Dauer der Prozesse vor dem Reichsgericht, die im Interesse der Rechtssuchenden verkürzt werden müssen. Zu diesem Behufe habe sich aber die Erhöhung der Revisionssumme als der einzig gangbare Weg erwiesen. Der nationalliberale Abg. Dr. Hagemann stimmte zu, trat aber zugleich für einen von ihm in Verbindung mit Mitgliedern der verschiedenen Parteien gestellten Antrag betreffend Aenderung des Gerichtsverfassungsgesetzes ein, der die Entlastung des Reichsgerichts auch auf. strafrechtlichem Gebiet bezweckt. Mit großer Entschiedenheit hingegen bekämpfte der alte Zentrumsabgeordnete Dr. Rintelen die Regierungsvorlage, die nur ein Palliativmittel enthalte und zwar kein gutes; es würde dadurch den ärmeren Leuten eine Rechtswohltat genommen, die den Reichen weitergewährt werde. Bedenken ähnlicher Art wurden auch von den übrigen Rednern zum Ausdruck gebracht, doch meinten einige, man müsse sich trotzdem für die Erhöhung der Revisionssumme entscheiden, da es ein anderes Mittel zur EntTastung nicht gebe. Ein Teil allerdings zog die Konsequenz, daß die Vorlage abzulehnen sei. In der ausführlichsten Weise vertrat den oppositionellen Standpunkt der freisinnige Abgeordnete Pohl. Er hielt eine lange, lange Rede und entwickelte ein so tönendes Pathos, daß am Schlusse ein Tribünenbesucher begeistert„ Bravo" rief, eine Begeisterung, die er mit der unfreiwilligen Entfernung aus dem Saale bezahlen mußte. Kurz nach 27 Uhr schloß die ermüdende Disfussion mit der lieberweisung der Vorlage und des Antrages Hagemann an eine Kommission von 21 Mitgliedern. Darauf entließ Präsident Graf Ballestrem die wenigen anwesenden Abgeordneten mit ein paar frem Morten in die Pfingstferien, die bis zum 7. Juni dauern. Preufsifcher Landtag. ( 15. Sigung.) Herrenhaus. RK Berlin, 14. Mai. Die Etatsberatung ging weiter, und zwar beim Etat des Ministeriums des Innern. Der Minister selbst war nicht zugegen, an seiner Statt erklärte im Laufe der Debatte der Unterstaatssekretär Bischofs has en, die Regierung wolle versuchen, den Gemeinden eine weitere Ausdehnung der Getränkesteuer zu gestatten. Die übrige Debatte erstreckte sich auf Sparkassenfragen, die mehr interner und fachtechnischer Natur waren und allgemeines Interesse nicht boten. Beim Etat des Kriegsministeriums Sprachen sich eine Anzahl Redner für eine bessere Entschädigung der Quartiergeber aus; andere forderten eine bessere Fürforge für die Kriegsveteranen. Dann wurde noch der Etat des Finanzministeriums erledigt, bei dem es noch eine kurze Debatte über die Leutenot im Osten und eine lange über die preußische Anleitepolitik gab. ?( 74. Sibung.) Haus der Abgeordneten. RK Berlin, 14. Mai. Eine Reihe kleinerer Vorlagen und die erste Lesung des Lotteriegesetzes, das am 1. Juli in Kraft treten soll, stand auf der Tagesordnung der heutigen Sizung. Die fleineren Vorlagen wurden größtenteils im Automobiltempo erledigt, beim Lotteriegesetz gab es eine längere Debatte. Von freisinniger Seite wurde der Entwurf als den Reichsgesetzen widersprechend und partikularistisch bekämpft. Die Minister v. Rheinbaben und Schönste d t verteidigten das Ge setz, das schließlich an die Justizkommission verwiesen wurde. Weiter beriet das Haus einen Antrag Trimborn, in dem die Regierung aufgefordert wird, im nächstjährigen Etat das Gehalt der Eisenbahnbetriebssekretäre in ciner ihrer Stellung und ihren Leistungen entsprechenden Weise zu erhöhen. Der Antrag wurde nach kurzer durchweg zustimmender Debatte der Budgetkommission überwiesen. An die Budgetkommission ging auch ein Antrag Ernst, die Re gierung möge die persönliche Zulage der Volksschullehrer und Volksschullehrerinnen in der Provinz Posen und den ge mischtsprachigen Kreisen der Provinz Westpreußen nach fün Dienstjahren auf 300 Mark erhöhen und den Lehrern und Lehrerinnen an Mittelschulen und höheren Mädchenschulen in den genannten Provinzen dieselbe Zulage gewähren. Zum Schluß wurden Petitionen debattelos erledigt. Groß Heiterfeit erregte die Petition eines Herrn Kaepler aus Osna brück um Einführung einer Landeszwangslotterie an Stell der direkten Besteuerung. Nab und Fern. Unfall auf einem Schießplate. Ein schwere Unfall ereignete sich während einer Üebung auf dem Schießplate des Fußartillerieregiments Nr. 11 in Marienburg, Weſtpr. Der Gefreite Czischmowski und der Kanonier Stiemert von der 9. Kompagnie, die den Auftrag erhalten hatten, durch sog. Kanonenschläge den Feind zu markieren, famen einer Patrone in dem Augenblick zu nahe, als sie explodierte, nachdem sie vorher versagt hatte. Infolgedessen explodierten auch die übrigen Kanonenschläge, die sich in den Tornistern der Kanoniere befanden und die ganze Pulverladung drang ihnen in das Gesicht. Hierbei erlitten sie am Halse und den Augen erhebliche Brandwunden. Die Schwerverletzten, denen auch ein Teil der Uniformen verbrannte, wurden sofort dem Diakonissenhause zugeführt. Wie verlautet, ist der bedauerliche Unfall durch Fahrlässigkeit der betreffenden Mannschaften herbeigeführt worden. Die gestörte Trauung. Einen tragischen Ausgang nahm eine standesamtliche Trauung, die der Bürgermeister in Vaals bei Aachen, Apotheker van Rey, im dortigen Gemeindehause zu vollziehen hatte. Während des Trauaktes wurde der Bürgermeister blößlich von einem Schlaganfalle be= troffen, der ihn der Sprache beraubte. Trotz des Unfalles konnte sich der Bedauernswerte zu Zuß nach seiner Wohnung begeben, wo er jedoch am anderen Morgen verstarb. Ein riesige Juwelendiebsteht wurde im Zuge zwischen Cherbourg und Parts begangen. Einer reichen Amerikanerin, Mrs. Grey, wurde ihr Juwelenkoffer, dessen Inhalt einen Wert von 2 Millionen Mark haben soll, gestohlen. Man mutmaßt, daß der Diebstahl in einem der versiegelten Zollwaggons vor sich gegangen ist. Tollwut. In Kirchbauma bei Hannover wurde das Kind des Maurers Lattemann von einem von der Tollwut befallenen Hund gebissen und starb an den Folgen des Bisses nach kaum 48 Stunden. Der Besitzer des Hundes nebst Sohn sind ebenfalls gebissen und haben sich auf Anordnung des Arztes nach dem Institut für Wutkrankheiten in Berlin begeben. Der Bruder des Königsmörders. In Coino bei Florenz machte der Schuster Lorenzo Bresci, ein Bruder jenes Gaetano Bresci, der den König Humbert von Italien ermordete, einen Selbstmordversuch, indem er ein mit Kohlen gefülltes Kohlenbecken entzündete und, auf dem Bette liegend, den Tod erwartete. Seine Kinder riefen ihn jedoch noch rechtzeitig ins Leben zurück und sorgten dafür, daß er ins Hospital ge= bracht wurde; dort hate er sich vollständig wieder erholt. Aus einem Briefe, den Lorenzo Bresci vor dem Selbstmordversuch geschrieben, ergibt sich, daß er sich verfolgt wähnte; die Staatsanwaltschaft, glaubte er, habe Beweise dafür, daß er von dem Attentat von Monza gewußt habe. Es ist eine Untersuchung eingeleitet worden. Lorenzo Bresci wohnt in dem Häuschen, in dem sein Bruder vor dem traurigen Attentat, Schießübungen machte. Das Schulschiff„ Herzogin Sophie Charlotte" des Norddeutschen Lloyd, das von seiner dritten Weltreise nach Bremer haven zurückgekehrt ist, wurde dort vom Großherzog von Oldenburg, dem Protektor der Schulschiffe, besichtigt. Außer dem Großherzog war seine Tochter, Herzogin Sophie Charlotte, die Patin des Schiffes, sowie Vertreter der Schulschiffkommission und des Norddeutschen Lloyd erschienen. Die vorgeführten Manöver zeigten die vorzügliche Ausbildung der Zöglinge. Der Großherzog und der Vizepräsident des Lloyd Konsul Achelis hielten Ansprachen. Das Schulschiff geht zu einer neuen Weltreise Anfang Juni in See. Folgenschwerer Uebermut. Ein schwerer Unfall ereignete sich auf der von Vierruthen nach dem Bahnhofe in Fürstenfelde( Mark) führenden Feldbahn, die dazu bestimmt ist, das im Walde geschlagene Holz regelmäßig zur Bahn zu befördern. Dort standen zwei leere Lowries, welche durch ein Bauholz von 20 Fuß Länge gesperrt waren. Etwa fünfzehn Schulfnaben entfernten nun mit vieler Mühe und unter großer Anstrengung das vorgelegte Bauholz und schoben die beiden Wagen auf eine nahegelegene Anhöhe. Oben angelangt, wurden die Wagen in Bewegung gesetzt und die Knaben: fletterten hinein, um mit der so hergestellten„ Eisenbahn" zu Tal zu fahren. Der improvisierte Zug erlangte aber eine solche Schnelligkeit, daß die Wagen unterwegs entgleisten und umschlugen, wobei dem zehnjährigen einzigen Sohne des Arbeiters Grunske das Rückgrat gebrochen wurde, so daß der nabe nach kurzer Zeit verstarb. Fünf andere Knaben erlitten mehr oder minder schwere Verlegungen, zwei von ihnen mußten sofort in ärztliche Behandlung gegeben werden. A Das Bedürfnis, zu töten". In Paris hat der 52jährige Buchhalter eines deutschen Kommissionshauses, der sehr angesehen war, ein musterhaftes Leben führte und seine einzige Tochter abgöttisch liebte, diese in dem Bedürfnis, zu töten", wie er selbst sagt, erschlagen. Das 20jährige Mädchen war auf der Stelle tot, worüber der zum Mörder gewordene Vater noch befriedigt schien. Er selbst hat die Polizei geholt, erzählte ihr lang und breit seine Tat und bat um Himmelswillen, ihn festzunehmen, sonst werde er fortfahren, wider seinen Willen zu morden. Explosion eines Luftballons. Eine furchtbare Katastrophe ereignete sich in Paris. Als der Luftballon„ Touriste", dessen Insasse der Leutnant der Reserve der französischen Luftschifferabteilung Bacon war, in der Nähe der Place de la Bastille in Paris niederfiel, durchstießen Vorübergehende den Ballon, um den gefährdeten Luftschiffer zu befreien. Infolge des unvorsichtigen Vorgehens explodierte der Ballon und das Feuer ergriff ein benachbartes Haus. Bei der Explosion wurden 20 Personen verlegt und ein Mann getötet. Bergwerkskatastrophe in Amerika. In einer Grube zu Lerrin( Illinois) explodierten, als 325 Mann eingefahren waren, 50 Faß Pulver. 6 Tote wurden heraufbefördert, und 80 Mann sind mehr oder minder schwer verletzt. Man befürchtet, daß die übrigen unter den Trümmern begraben sind. Eine Millionenschwindlerin. Die Oldenburger„ Millionenerbschaft" der Frau Prüfer scheint eigenartig zu enden. Die Frau, der ein Junggeselle in Koblenz Millionen vermacht haben sollte, schien nach den bisherigen Meldungen einem Schindler zum Opfer gefallen zu sein, der das Ehepaar Prüser um 500 M. betrogen haben sollte. Die ganze Erbschaftsgeschichte erhält jedoch jetzt eine ganz neue Beleuchtung. Danach soll Frau Priser ihre Erlebnisse mit dem Freinden erdichtet haben; sie habe schon zwei Tage früher, als sie der angebliche Schwindler ansprach, einen Malermeister, der sie um eine rückständige Zahlung mahnte, gesagt, er möge sich noch gedulden; sie bekäme in den nächsten Lagen aus einer größeren Erbschaft 25 000 M. ausbezahlt. Die Reise nach Koblenz soll die einbildungsreiche Frau überhaupt nicht gemacht haben. Während der sieben Tage, die sie dann von der Spinnerei beurlaubt worden war, hat sie sich im Hause verborgen gehalten. Frau Prüser hatte schließlich noch die Kühnheit, gegen den angeblichen Schwindler Strafanzeige 311 erstatten! Ein schwerer Sturm warf in der Hammer Bucht an der jütischen Westküste den Segler Garibaldi" auf das äußerste Riff. Die nächste Rettungsstation sandte sofort ein Boot aus, allein die Schiffbrüchigen, Führer, Steuermann und Schiffsjunge, hatten bereits im eigenen Boote ihre Rettung versucht. Das kleine Fahrzeug fenterte in der Brandung und ging mit den drei Insassen unter. Der„ Garibaldi" trieb ans Land. Die ganze Besatzung ist ertrunken. Auf offener Straße erstochen. Am hellen Nachmittag spielte sich in Charlottenburg auf offener Straße ein blutiges Drama ab. Der Arbeiter Korlep wurde im Verlaufe eines Streites mit dem früheren Liebhaber seiner jetzigen Frau von diesem tötlich verletzt. Sein Rivale, ein Arbeiter Wondrak stieß ihm sein Messer tief in die Brust hinein. Korlep wurde sterbend in das Charlottenburger Krankenhaus geschafft. A Straßenbahnerstreik im Rheinland. Unter den Angestellten der Straßenbahner im Rheinland gärt es bedenklich. In Krefeld ist bereits ein Ausstand ausgebrochen und der Betrieb zum großen Teil lahmgelegt. Nur auf einzelnen Strecken versahen Kontrolleure Maschinistendienst. In Duisburg steht gleichfalls der Ausbruch des Ausstandes unmittelbar bevor. Zum Berliner Bäckerftreik. Man schreibt uns aus Berlin: Der große Ausstand, der augenblicklich in der Reichshauptstadt in den Bäckereibetrieben ausgebrochen ist, hat wegen seiner grundsätzlichen Bedeutung auch außerhalb Berlins ein gewisses Interesse, denn zweifellos werden dieselben Forderungen, um die hier gekämpft wird, mit der Zeit auch anderwärts geltend gemacht werden. Die Höhe der Lohnsäße ist nicht der eigentliche Gegenstand des Streites. Hierüber hätte sich nach der Ansicht des Meisterverbandes sehr leicht eine Einigung erzielen lassen. Dagegen wäre eine Vereinbarung über die Aufhebung des Wohnungsund Beköstigungssystems, sowie über die Gewährung eines Mindestlohns durchaus ausgeschlossen. Die kleinen Bäckereien könnten nur auf der Grundlage einer solchen Organisation bestehen und seien lebensunfähig, sobald an die Stelle dieser Naturalleistungen der Geldlohn trete. Es zeigt sich also in diesem Berliner Bäckerausstand auch die Tendenz einer Zurückdrängung der kleinen Betriebe, die sich fast in der Form eines volkswirtschaftlichen Naturgefeßes äußert. Wir haben dasselbe bei den großen Brauereiausständen der letzten Jahre gesehen, die ja deshalb schon eine gewisse Aehnlichkeit mit dem Bäckerausstand haben, weil das Streitobjekt dort wie hier ein Gegenstand des täglichen Bedarfs ist und weil das Publikum hierbei entscheidend in den Kampf eingreifen kann. Auch bei den kleineren und mittleren Brauereien bestand das System von Naturalleistungen, das die großen rein kapitalistisch betriebenen Brauereien nicht durchführten, weil die Zahlung eines reinen Geldlohnes kalkulatorisch bequemer ist und weil die Gewährung von Naturalleistungen einen förmlichen Verwaltungsapparat erfordert. Die Aufhebung des Lohn- und Beköstigungssystems gewährte selbstverständlich größere Freiheiten und war darum den Gehilfen weit angenehmer als das patriarchalische Verhältnis. Die Lohnbewegungen, die auf die Erzielung des reinen Geldlohnes gerichtet waren, haben teilweise den Rückgang der kleineren und mittleren Brauereien, der sich in den letzten 10 Jahren auf über 12 Prozent beziffert, hauptsächlich mit verschuldet. Es wäre eine Täuschung, wenn man glauben würde, daß diese Bewegung aufzuhalten wäre. Die Wucht des gewerkschaftlichen Kampfes wird natürlich um so größer, je besser die Gehilfenschaft organisiert ist und ein unentschiedener Kampf wird genau, wie es bei dem Brauereistreik war, nur die Wirkung haben, daß die Gehilfenschaft besser rüstet und zu gegebener Zeit von neuem losschlägt. Das ist entschieden die Prognose, die man dem gegenwärtigen Bäckerstreif stellen kann. In dem Kampf aber zeigt sich zugleich auch das Moment der Versöhnung, nämlich in der Forderung eines Tarifvertrags. Nach den glaubwürdigen Angaben der Meistervertreter sind die Sätze des Mindestlohnes allerdings vielleicht etwas zu hoch gegriffen und daher sind Groß- und Kleinmeister in der Ablehnung dieser Forderung einig. Das ändert aber nichts an der prinzipiellen Seite dieser Forderung. In dem Interessengegensatz zwischen Unternehmer und" Gehilfen ist der sogenannte Kollektivvertrag, d. h. ein Uebereinkommen über einen Mindestlohn, die beste Garantie für den sozialen Frieden auf die Dauer des Vertrages. Es wäre deshalb dringend zu wünschen, wenn in dem gegenwärtigen Bäckerstreik von beiden Seiten an einer Ausmerzung der unannehmbaren Forderungen gearbeitet, aber das Ziel eines Tarifvertrags und der Errichtung eines paritätischen, d. h. eines aus Vertretern von beiden Interessenparteien zusammengesezten Arbeitsamtes im Auge behalten würde. Bei einer solchen Erledigung des Kampfes würde es weder Besiegte noch Sieger geben und der soziale Friede wäre auf längere e hinaus gesichert. Von einem Bäckermeister wird uns hierzu noch mitgeteilt: Die Gewährung von Naturalleistungen in Kost und Logis ist auf jedem Gebiei der Lebensmittelbranche die natürliche Ergänzung des Lohnverhältnisses. Denn dem Gehilfen stehen ja, ohne daß immer eine genaue Kontrolle geübt werden kann, die Genußmittel zur Verfügung und werden auch verwendet, selbst wenn die reine Geldentlohnung eingeführt wird. Es ist deshalb nicht mehr als billig, wenn dem Meister auch diese Leistungen angerechnet werden. Ueber die Höhe der Berechnung ließe sich reden. Was nun die Gewährung von Freilogis anlangt, so ist die stete Anwesenheit eines bestimmten Personals eine Notwendigkeit zur Sicherheit der Arbeitsleistung und zur Verhütung von Betriebsstörungen. In kleineren Bäckereien werden schlechtweg alle Gehilfen in Logis genommen. Darüber sollte sich jeder Gehilfe klar werden, daß die Eigenart des Betriebes die patriarchalische Einrichtung des Wohnsystems nötig machen kann. Nicht zu leugnen ist, daß in Berlin und wohl auch in anderen Großstädten bei einzelnen Meistern die Gesellenlogis mit den Forderungen der Hygiene in Widerspruch standen. Hier mag auch der Truck der schweren Mieten ein Wörtchen mitgesprochen haben. Wo solche Uebelstände sich breitmachen, müssen sie natürlich beseitigt werden. Das ganze System deshalb zu berwerfen, hieße das Kind mit dem Bade ausschütten. Die Raubmörder vor dem Gericht. Frankfurt a. M., 16. Mai 1904. Vor dem Schwurgericht begann heute Vormittag 9 Uhr die Verhandlung gegen die Mörder des Klavierhändlers Lichtenstein. Der Anklagebeschluß lautete: Auf Antrag der tgl. Staatsanwaltschaft wird: 1. Gegen den Oskar Bruno Groß, geb. am 9. November 1876 zu Werdau, Kreis Zwickau in Sachsen, evangelisch, geschiedener Ehemann, zum Landsturm gehörig, vorbestraft, insbesondere wegen Diebstahls zu 8 Monaten Gefängnis, früher Fleischer, jezt Möbelträger, zuletzt wohnhaft in Frankfurt a. M., zur Zeit in Untersuchungshaft daselbst; 2. gegen den August Friedrich Stafforst, geb. am 14. Juli 1879 zu Goslar, evangelisch, ledig, Ersaßr servist, vorbestraft, insbesondere wegen Ünterschlagung mit 4 Monaten, wegen Diebstahls mit 1 Monat und wegen Münzvergehens mit 1 Monat Gefängnis, Kutscher, Sausbiener u haft, 3. 8. in Das Hauptberfa weil fie hinreich mm 26. Mai 1 fchaftlich: 1. De fäßlich getöte zu haben; 2. mit lers German Höhe von ca. Rette, 2 Med bewegliche Sad genommen zu und zwar, ind walt der Tob gegen die$ 8 buches. Zu der V Ber Bruder ( Bräfident be beiden Brüder Hannover und Goslar, ferner und deren Sd mit der Stoffo Affervate befin beftens 10 Gd merte Schädeld broffelt wurde trümmerung d Die Berb die Staatkan Reeden und teidiger find Groß) und ** Der * Auguft Bra der ihm über fanat Alefeld * Der Maschinenfüh Heinrich Fr Chriftian S wärter Joho Blazarbeiter Nachtportier auffeber Ge Schermul in Lollar lar das Für treue 2 Biebung der folgende G Mart auf der Gewin 1000 Mt. D des Deu woch Aber Dr. W. jammlung bericht. D Mt., wob Darmstadt Hinematog Winters warjehrg fonen befu an die 3 Borjichlag und Kreis Borstand erftattete Hauptber Dresden Ne Müller Tra Welche vor gleid mir Stell, 40 tabell Gr Bitte u. no igiten a.d. Exp Disfr. a Tüch und für dauer Georg es bedentlig chen und der auf einzelnen ndienst. usitandes un eik. Musstand, der dereibetrieben en Bedeutung Denn zweifel ier gefämpft macht werden. Sausdiener und Pferdefnecht, zuleßt in Frankfurt wohnhaft, 3. 3. in Untersuchungshaft daselbst, das Hauptverfahren vor dem fgl. Schwurgericht eröffnet, weil sie hinreichend verdächtig erscheinen, zu Frankfurt a. M. am 26. Mai 1904 durch ein und dieselbe Handlung gemeinschaftlich: 1. Den Klavierhändler Hermann Lichtenstein vorfäßlich getötet und die Tötung mit Ueberlegung ausgeführt zu haben; 2. mit Gewalt gegen die Person des Klavierhändlers Hermann Lichtenstein demselben gehöriges Geld in Höhe von ca. 800 Mt., sowie eine goldene Uhr nebst Kette, 2 Medaillons und einen goldenen Bleistift, fremde bewegliche Sachen, dem Eigentümer in der Absicht weggenommen zu haben, dieselben sich rechtswidrig zuzueignen und zwar, indem durch die gegen Lichtenstein verübte Gewalt der Tod desselben verursacht worden ist. Verbrechen gegen die§§ 211, 249, 251, 47, 73 des Strafgesetzbuches. e Gegenstand des Meister jen. Dagegen Wohnungs ährung eines leinen Bäde Ichen Organi Zu der Verhandlung sind 71 Zeugen geladen, darunter † Am Samstag Vormittag ver starb in Gießen ein Student in der Aula plöglich infolge eines Blutsturzes. A Diejenigen Einbrecher, vier Mann, welche in der Nacht vom 29. auf 30. März 1. Is. an 5 verschiedenen Stellen in Gießen darunter in das Stationsgebäude der Biebertalbahn, eingebrochen waren, sind ermittelt und zur Haft gebracht worden. Aller Wahrscheinlichkeit nach sind es dieselben Leute, die im November v. Is. nächtlich an verschiedenen Stellen in hiesiger Stadt, darunter im Tichischen Geschäft, einbrachen. A Der evangelische Kirchengesangverein für Hessen beging gestern und heute in Gießen sein 25jähriges Jubiläum. Der Verein, welcher 109 Chöre und 9 Chorschulen umfaßt, ist nach der Zeit seiner Entstehung der zweite unter den deutschen Landesvereinen. A Die zweite Hälfte des Eisenbahnvereius von Limburg hielt gestern auf Textors Terrasse ein Familienfeft ab, das ebenso wie das am Sonntag vorher veranstaltete, gut verlief. Für die tanzlustige Jugend war bestens gesorgt. Außer dem Garten der Terrasse war auch der Saal völlig an die Stelle der Bruder des Ermordeten, Dekonomierat Lichtenstein| besetzt. Es zeigt sich( Bräsident des rheinhess. Landw. Provinzialvereins), die Tendenz einer in der Form reiausständen eine gewiffe l das Streit beiden Brüder Stafforst's, der Glaser Max Stafforst aus Hannover und der Nachtwächter Wilhelm Stafforst aus Goslar, ferner die Braut des Groß, die Näherin Elise Koob und deren Schwester, sowie ein Frauenzimmer aus Köln, mit der Stafforst das geraubte Geld. durchgebracht hat. Als chen Bedarfs Affervate befinden sich auf dem Gerichtstische die durch minn den Kampf nd mittleren istungen, das uereien nich eldlohnes fal ung von Na Sapparat er gungssystems n und war atriarchalische Erzielung des ije den Rückr sich in den hauptsächlich man glau päre. irlich um so ist und ein em Brauerei Behilfenschaft m losschlägt. egenwärtigen Die das Moment nes Tarifber Meistervertre ngs bielleicht und Kleing. Das än Forderung er und Ge h lebebeintie für den s wäre des. genwärtigen ung der unZiel eines ischen, d. h. 1 zusammenBei einer Besiegte noch ingere t noch mit Kost und die natür m Gehilfen geübt wer verden auc eingeführt dem Meister er die Höhe Gewährung eit eines be cherheit der bsstörungen Gehilfen Behilfe flar triarchalifche 1. Nicht zu Deren Groß it den For er mag aud itgesprochen müffen fie deshalb zu itten. richt. destens 10 Schläge mit einem stumpfen Instrument zertrümmerte Schädeldecke des Ermordeten, die Schnur, mit der erdrosselt wurde u. a. Als Todesursache ist festgestellt: Bertrümmerung des Schädels und Quetschung des Gehirns. Die Verhandlung leitet Landgerichtsdirektor Fleischmann, die Staatsanwaltschaft vertreten der 1. Staatsanwalt von Reeden und Staatsanwalt Dr. Bluhme. Als Offizialverteidiger sind aufgestellt die Rechtsanwälte Dr. Stulz( für Groß) und Dr. Heß( für Stafforst). 904. ag 9 Uhr lavierBlautete: : geb. am Sachfen, ngehörig, Monaten r, zulet fuchungs affor , lebig, hlagung nat und Rutscher, Lokales. 16. Mai 1904. *** Der Großherzog hat den evangelischen Pfarrer August Prätorius zu Blofeld auf sein Nachsuchen von der ihm übertragenen Pfarrstelle zu Groß- Felda, Defanat Alsfeld, wieder enthoben. ** Der Großherzog hat am 19. März d. J. den Maschinenführern Heinrich Kaiser, Christian Ullmann, Heinrich Frank, sämtlich in Lollar, dem Obermeister Christian Schmidt in Ruttershausen, dem Kesselwärter Johannes Schwalb in Daubringen, dem Blazarbeiter Christian Vogel in Ruttershausen, dem Ruchtportier Christian Rain in Lollar, dem Magezinaufseher Georg Knörr daselbst, den Formern Friedrich Schermuly in Niedershausen und Christian Erbe in Lollar, sömtlich in Diensten der Eisenwerke Lol lar das Algemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift Für treue Arbeit" verliehen. * *** Privattelegramm. Bei der heutigen Ziehung der Hessisch- Thüringischen Landeslotterie wurden folgende Gewinne gezogen: die Prämie von 75,000 Mart auf Nr. 86 404, welche zulegt 400 Mt. gewann, der Gewinn fiel nach Jena; 10 000 Mt. auf Nr. 96 370, 1000 Mt. auf die Nrn. 23 506, 30805.( Ohne Gewähr.) Der Kreisausschuß für Oberhessen des Deutschen Flottenvereins hielt am Mitwoch Abend unter dem Vorsitze des Geheimrats Prof. Dr. W. Oncken in der Universität seine Hauptversammlung ab. Herr Sch ad erstattete den Rechenschaftsbericht. Danach betragen die Gesamteinnahmen 893,20 Mt., wovon 630 Mt. an den Landesausschuß zu Darmstadt abgesandt wurden. Das Ergebnis der Hinematographischen Vorführungen, die im Laufe des Winters in der großen Aula der Universität stattfanden, war sehr günstig. Die Vorführungen wurden von 2490 Personen besucht. Nach Abzug aller Unkosten konnten 398,39 M. an die Zentralstelle zu Berlin abgeliefert werden. Auf Vorschlag des Vorsitzenden wurden die Herren Helm und Kreisamtmann Dr. Kranzbühler in den engeren Vorstand gewählt. Kreisamtmann Dr. Kranzbühler erstattete zum Schluß noch Bericht über die diesmalige Hauptversammlung des Deutschen Flottenvereins zu Dresden. Neu Neu Müller's Deutsche Palent- Handhobelbank No115739 D Die vom Verein Contentia" am geftrigen Sonntag auf der„ Schönen Aussicht" veranstaltete Nach feier des 1. Sommerfestes zeigte schon am frühen Nachmittag ein reges Treiben. Die Waffelbäckerei und die vom legten Sonntag noch aufgestellten Jurbuden sorgten für die nötige Unterhaltung. Für die Jugend waren schöne Spiele arrangiert. Gegen 7 Uhr stieg Herr Lattemann mit seinem Ballon in die Lüfte, um sich in der Nähe der Aktienbrauerei mittelst Fallschirm herunterzulassen. Der Ballon selbst ging hinter dem Schiffenberg nieder. Bei eintretender Dunkelheit wurde dann noch ein Feuerwerk abgebrannt. ADie Hirsch Dunckerschen Gewertvereine halten Pfingsten ihren 15. ordentlichen Verbandstag in Hannover ab. = " * Im Verlag der G. Jonghausschen Hofbuchhandlung in Darmstadt, ist jetzt das neue Gesangbuch für die evangelische Kirche im Großherzogtum Hessen" ( Noten Gesangbuch) erschienen, das durch die Beigabe der Noten ein wesentlich sichereres Singen und regeren, vertieften Anteil am Gemeindegesang ermöglicht. Das neue Gesangbuch foftet im Rohdruck 0,85 Mt., als Schulband 1 Mt., in Calico( Rot- oder Gelbschnitt) ansprechend und dauerhaft gebunden 1,20 Mt. Dasselbe ist auch in jeder Buchhandlung zu erhalten( der jeweilige Preis findet sich in jedem Exemplar vornen eingedruckt. A Grünberg, 15. Mai. Seit acht Tagen sind in Grünberg drei Männer beerdigt worden, welche zwar nicht mehr in der Vollkraft ihrer Jahre standen, aber dem Alter nach doch noch lange hätten leben können. Es sind dieses der vor acht Tagen beerdigte Zimmermeister Kurt Haas und der heute beerdigte Vetter von ihm, Gerbermeister Jakob Haas. Ihr Vater war als Zimmergeselle aus Bürttemberg zugewandert und in Grünberg Meister geworden. Der zwischen diesen beiden Beerdigte war noch jünger an Jahren als die Ebengenannten. Es war der Seilermeister Georg Seif art. Dess n Vater, ein Sachse, war ebenfalls erst hier Meister geworden. Welches Ansehen die drei Entschlafenen genossen haben, bezeugten die großartigen Trauerzüge. Ihr Andenken wird sobald nicht verlöschen. A Ettingshausen, 16 Mai. Unser Beigeordneter ist nun bestätigt. Die Gemeinderatswahlen werden im August erfolgen und zwar sind diesmal 5 Gemeinderatsmitglieder zu wählen. m Kinzenbach, 15. Mai. In der Straffa e gegen etwa 40 junge Leute von hier, die sämtlich wegen Uebertretung der Polizeistunde bei Besuch der Spinnstuben in der Fastnacht am 24. Februar 1903 von Seiten des Bürgermeisteramtes zu Krofdorf alle in eine Strafe von 5 Mark genommen wurden, ist endlich der gewünschte Erfolg erzielt worden. Gegen das Urteil der Straffammer bei dem Kgl. Amtsgericht in Weglar vom 9. Dezember 1903 hatten die Beteiligten Revision eingelegt und daraufhin hat der Strafsenat des Königlichen Kammergerichts in Berlin in der Sizung vom 14. April 1904 für sämtliche Angeklagten auf Freisprechung erkannt. Daneben fallen auch die Kosten des Verfahrens, einschließlich der den Angeklagten erwachsenen notwendigen Auslagen der Staatskasse zur Last. Krofdorf, 14. Mai. Hier fand am gestrigen Freitag eine Gesamtfißung des Schulvorstandes für Krofdorf, Gleiberg- Rinzenbach statt; um über die Lage resp. Festseßung der Ernteferien zu beraten. Für die Folge werden nur noch 14 Tage Heuferien und 4 Wochen Herbstferien gegeben. Daneben tann aber während der Fruchternte im Monat August Halbtagsunterricht am Bormittag eingerichtet werden und sämtlicher Nachmittagsunterricht ausfallen. Außerdem erhalten die Kinder nunmehr auf Weihnachten, Ostern und Pfingsten auch Festferien und wird gerade diese Einrichtung bei Lehrern und Schülern am meisten Anklang finden. *** Großen- Buseck. Ein wahres Meisterstück der Schreinerfunst hat der hiesige Schreinermeister Brück heute an die Bestellerin, Freifrau von Friedelhausen, abgeliefert. Es ist dies ein Schrank, welcher in Frührenaissance gehalten, in der Tür vier Bilder, die vier Jahreszeiten, zeigt. Diese letteren sind fournierartig eingelegt und hierbei die einzelnen Farben durch verschiedenartiges Holz ersetzt worden. Lollar. Bet dem schon erwähnten großen Arbetterfeste vom 7. d. M. erhielten die 10 Arbeiter, die auf eine 40 jährige Dienstzeit zurückblicken, seitens der Firma ein Festgeschenk von zusammen 1000 Mt. und zugleich 10 Sparkassenbücher. Neu!- Neu!- Neu! Städt. WohnungsnachMüllers Deutsche 1 weis Gießen. *** Staufenburg. Am Himmelfahrtstage war der Besuch auf unserer altberühmten Ritterburg ein außerordentlich großer, besonders aus Gießen und Marburg. A Dutenhofen. Vom 1. August ab ist dem Lehrer Herrn Hugo Wiegandt aus Frankenmoor, Krets Stade, die hier neu errichtete 3. Schulstelle endgültig übertragen. Lich. In der Frühe des herrlichen Himmelfahrtsmorgens ist zu Hohensolms die Fürstin Agnes zu Solms- Hohensolms- Lich geb. Gräfin StolbergWernigerode, im Alter von 61 Jahren verstorben. Ihr Ableben erfolgte nach etwa 8 tägigem Leiden infolge einer Lungenentzündung. Die entschlafene Fürstin war eine Edeldame in des Wortes schönster Bedeutung: von großer Herzensgüte und edler Wohltätigkeit. Die Beerdigung fand heute Montag, nachmittags 3 Uhr, hier statt. Ihrer 34jährigen Ehe mit dem am 16. September 1899 verstorbenen Fürsten Hermann zu Solms- Hohensolins- Lich sind 2 Göhne und 5 Töchter entsprossen. 3 Töchter sind noch unvermählt. Briefkasten. A. Z., Gießen. Nach unserer Meinung sind die uns von Ihnen angegebenen Reisespesen nicht steuerpflichtig. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Dienstag, den 17. Mai. Zunächst ruhig und heiter, später windig und zunehmende Bewölkung, zunächst wä mer( schwül), später Gewitterregen und fühler. * Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Marktberichte. *** Fruchtpreise am Grünberger Fruchtmarkt, vom 14. Mai. Weizen 17,00-00,00, torn 14,00 bis Gerste 12,50, Hafer 13,90-00,00, Erbsen 20,00, Samen 00,00, Kartoffeln 5,00-5,06, Linsen 00,00 Mark. Alles per Doppelzentner. Arbeitsnachweis der Stadt Gießen. Gartenstraße Nr 2( Bürgermeistereigebäude) Zimmer Nr. 14. Es können eingestellt werden: 1 landwirtsch. Knecht, 1 jüngerer Wagner, 2 Bauschreiner, 1 Köchin 10 Dienstmädchen gegen hohen Lohn hier und auswärts, 3 Lauffrauen, 1 Laufmädchen, mehrere Arbeiter gegen guten Lohn nach auswärts. Lehrlinge: 1 Installateur, 2 Schreiner, 1 Lackierer, 1 Bäcker, 2 Friseure, 1 Schneider, 2 Kaufleute, 2 Kellner. Es suchen Arbeit: 1 Steinhauer, 1 Installateur, 1 Bauschlosser, 1 Bureaudiener, 3 Bureaugehilfen. Verantwortlich: für den politischen, vermischten und unter: haltenden Teil Albin Klein; für den lokalen Teil Karl Klose. Bekanntmachung. In der Zeit vom 7. bis 14. Mai 1904 wurden Patent- Handhobelbank Gartenstraße 2, Zimmer Nr. 14. in hiesiger Stadt Nr. 115139. Unentbehrlich für Jedermann! Praktisch und von großer Geldersparnis! Für Schreiner, Dilletanten, Kinder u. Haushalt unentbehrlich. Zu beziehen durch: Georg Hüttenberger, Gießen, Seltersweg 22. Alleinvertreter für Giessen und Umgegend. Trautes Heim. 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Tagfahrt zur Entgegennahme von Einwendung en hiergegen findet statt: Samstag, den 28. Mai 1. Js., vorm. von 9-10 Uhr im Gemeindehaus zu Heuchelheim, wozu ich die Beteiligten unter dem Anfügen einlade, daß die Nichterscheinenden mit Einwendungen ausgeschloffen sind. Die Einwendungen sind schriftlich abzufassen, zu begründen und auf Papier in Aftengröße mindestens 1/2 Bogen) einzureichen. Friedberg den 6. Mai 1904. Der Großh. Feldbereinigungskommissär: gez. Spamer, Kreisamtmann. Bekanntmachung. Betr. Feldbereinigung in der Gemarfung Gießen rechts der Lahn; hier: die Arbeiten des II. Abschnittes von dem zugezogenen Teile der Gemarkung Heuchelheim. In der Zeit vom 14. I. Mts. bis einschließlich 27. I. Mts. liegen auf dem Gemeindehaus zu Heuchelheim die Arbeiten des II. Abschnittes von dem zum Feldbereinigungsverfahren Gießen rechts der Lahn zugezogenen Teile der Gemarkung Heuchelheim, nämlich: 1. 4 Bonitierungskarten, 2. 1 Band Gütergeschosse, 3. 1 Band Zusammenstellung der Gütergeschosse, 4. 1 Band Besitzstandsverzeichnis zur Einsicht der Beteiligten offen. Tagfahrt zur Entgegennahme von Einwendungen htergegen findet statt: Samstag, den 28. Mai 1. Js., vormittags von 9-10 Uhr, im Gemeindehaus zu Heuchelheim, wozu ich die Beteiligten unter dem Anfügen einlade, daß die Nichterscheinenden mit Einwendungen ausgeschlossen sind. Die Einwendungen sind schriftlich abzufassen, zu begründen, und auf Papier in Aftengröße ( mindestens 1/2 Bogen) einzureichen. Friedberg, den 10. Mai 1904. Der Großherzogliche Feldbereinigungskommissär: gez. Spamer, Kreisamtmann. IV. Hessisch- Thüringische Staatslotterie ( Mitteldeutsche Staatslotterie) Biehung I. Klaffe.( 1. Tag) 14. Mai 1904. Ohne Fleiss keinen Preis AURORA Patentkummet der Deuzeit. Dreifacher Schutz. Rummete aus einem Stück Leder ohne jegliche Naht, schöne unveränderliche Form und tadelloser Siz. Hölzer find abnehmbar, was bet Zusammenhängen oder Umallen der Pferde sehr zweckmäßig ist, da durch eine einfache Hebellösung sofort die Hölzer abfallen. Ausgestattet mit formenschönen und stilgerechten Beschlägen. Groß- Felda. Louis Völzing. Inhaber der goldn. Medaille Paris 1900. Alle Nummern, neben welchen nichts bemerkt ist, sind mit 67 Mark gezogen. ( Ohne Gewähr.) 38 46 127 66 200 315 63 70 537 700 99 860 80 82 907 61 63 75 99 1001 14 42 45 55 60[ 100] 158 98 257 87 334 54 56 71 99 573 719 86 838 98 962 67 2003 65 159 64 97 210 12 46 51 309 43 51 59 528 619 743 75 85 93 860 72 907 28 38 3019 26 97 115 83 266 326 49 402 18 505 59 647 88 89 721 23 82 94 856 81 911 36 49 4045 65 250 99 340 49 78 88 150 535 36 91 95 604 6 656 85 719 59 65[ 100] 808 53 54 82 937 50 90 5081 124 91 264 328 75 90 401 6 91 577 663 735 42 82 805 907 90 6031 44 71 93[ 200] 130 47 258 63 345 61 618 85 792 836 42 98 7038 161 218 23 46 87 307 604 33 723 34 857 62 87 923 71 87 8025 69 134 88 216 20 60 89 346 98 450 81 95 523 626 717 49 51 73 94 859 931 58 9055 B7 146 51 60 490 567 82 89 619 78 97 744 803 43 965 10030 99 108 27 34[ 100] 97[ 200] 235 307 75 439 527 737 831 11005 9 41 50 85 126 96 202 359 452 517 68 670 72 746 60 840 940 51 71 12000 27 137 44 98 258 75 95 335 48 69 481 82 522 80 95 603 37 39 711 35 41[ 100] 800 26 35 78 938 13012 48 54 111 29 67 80 91 215 27 94 315 41 93 434 70 757 68 83 840 56 73 917 37 53 88 14001 113 234 98 303 65 423 71 562 71 651 917 89 15003 15 37 38 41 117[ 100] 45 221 65 96 346 57 405 9 32 38 72 504 8 59 65 89 620 53 724 45 852 16026 43 186 220 42 52 367 457 97 520 88 600 16 90 709 37 50 88 97 807 38 46 67 911 88 17074[ 100] 178 208 57 306 53 70 403 61 65 66 526 603 31 35 72 716 32 65 70 73 81 827 37 50 54 924 80 18090 95 174 229 78 79 321 57 514 17 78 632 721 66 814 35 37 66 99 917[ 200] 72 19009 252 306 413 76 564 68 675 87 99 709 39 63 864 99 20023 95 100 69 82 84 207 568 74[ 400] 802 26 66 956 81 21089 113 26 30 37 83 245 99 331 33 85[ 100] 402 588 616 719 62 808 30 62 22056 64 66 170 92 227[ 100] 53[ 100] 441 65 71 554 676 711 38 62 75 803 906 15 37 47 74 23049 184 226 53 55 63 374 445 56 65 71 84 623 33 719 47 816 74 913 24022 71 82 167 93 256 91 316[ 100] 50 423 86 810 43 914 29 43 63 25027 69 256 580 613[ 100] 20 36 52 72 756 836 52 61 81 932 60 26058 107 54 343 416 20 609 80 83 93 768 828 46 61 77 86 88 917 27017 37 51 58 97 102 43 66 73 92 258 309 36 453 95 513 17 40 64 88 655 59 95 861 68 932 28002 35 52 126 64 97 209 19 306 31 54 59 70 421 25 519 651[ 1000] 58 701 82 862 76 94 927 48 29051 52 254 301 35 498 509 31 75 691 734 94 826 43 84 92 923[ 100] 40 58 61 80060 102 82 92[ 100] 275 81 385 424 511 635 58 79 86 819 24 49 913 62 66 78 93 31007 50 95 229 87 303 50 86 436[ 100] 68 546 605 8 [ 100] 15 26 65 79 768 87 825 34 903 32034 113[ 100] 29 304 58 88 574 640 97 720 864 71 97 946 49 93 96 33002 127 45[ 200] 59 79 283 338 85 481 88 546 715 83 97 908 91[ 100] 34043 47 127 47 51 238 52 73 323 43 551 694 726 97 98 810 24 59 89 90 958 85 89 92. Plakate zur Dekoration von Strassen und Sälen, Festpostkarten, Diplome für alle Vereine, Ausstellungen und Jubilare in Mehrfarbendruck liefert 35009 14 37 61 62 83 108 9 25 54 90 256 87 90 96 362 449 559 669 779 808 34 35 72 77 98 965 82| 5000] 36153 235 58 302 39 56 405 603 17 722 829 76 99 957 59 37008 103 20 63 201 19 31 42 312 36 492 519 609 94 727 42 48 873 931 45 38139 46 68 77 213 20 96 99 410 40 580 747 67 73 802 30 948 39057 68 137 208 11 41 96 97 360 70 76 85 411 15 22 51 71 519 40 627 43 719 45 885 902 87 40133 55 64 215 48 62 329 76 547 97 605 22[ 400] 719 920 34 97 41083 96 157 212 337 438 51 64 65 523 64 96 637 45 57 720 72 84 905 13 28 30 31 48 42015 23 66 82 94 104 37 56 207 24 52 62 301 482 513 26 40 56 69 603 93 971 43039 47 94 157 243 310 69 85 93 526 40 99 622 704 30 842 70 909 44142 64 67 96 211 42 320 26 57 88 498 509 86 617 768 81 85 876 921[ 200] 73 45079 159 242 301 6 31 34 425 81 539 69 620 29 718 836 929 48 46003 5 47 67 137 57 306 59 72 401 10 25 519 607 23 48 125 0001 99 703 Albin Klein, Buchdruckerei, Giessen, Seltersweg 83. 79 84 920 41 Bekanntmachung. Die Heberelle über die Beiträge zur landund forstwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft für das Jahr 1903 liegt von heute an während vierzehn Tagen auf der unterzeichneten Bürgermeisterei zur Einsicht offen. Innerhalb einer weiteren Frist von zwei Wochen, nach Ablauf der Offenlegungsfrist, kann der in der Heberolle als beitragspflichtig in Anspruch Genommene gegen die Beitragsberechnung bet dem Vorstande der land- und Forstwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft Einspruch erheben( s.§ 15 der Verordnung vom 31. Mai 1902. Gießen, den 10. Mat 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Oeffentliche Aufforderung betr.: das Verdingungswesen, hier die Vergebung der Unterhaltungsarbeiten in staatlichen Gebänden. In Gemäßheit der Ziffer 2 des Amtsblattes Nr. 32 Großherzoglichen Ministeriums der Finanzen, Abteilung für Bauwesen, vom 10. September 1902, in obigem Betreff werden hiermit die Handwerker der verschiedenen Handwerkszweige eingeladen, sich zur Beteiligung bei Ausführung der Unterhaltungsarbeiten in staatlichen Gebäuden zu melden. Es handelt sich hierbei um solche Arbeiten und Lieferungen, für welche mit Rücksicht auf den Kostenbetrag die freihändige Vergebung zulässig ist. Die Vergebung erfolgt nach Eins lauf der Meldungen unter Einhaltung des hierzu neu eingeführten Verfahrens zu fekten Preisen nach Maßgabe der nach Benehmen mit Vertretern des Handwerks amtlich festgestellten Preisverzeichnisse, und zwar nach einzelnen Gebäudelosen. Formulare für die Meldung werden von uns kostenlos auf Ersuchen der Bewerber abgegeben. Die Bedingungen für die Bewerbung um die Unterhaltungsarbeiten in staatlichen Gebäuden und für die Uebernahme dieser Arbeiten, ein Verzeichnis der Gebäude der laufenden Unterhaltung unseres Amtsbezirks mit ihrer Einteilung in Gebäudelose, die Preisverzeichnisse nebst den diesen beigegebenen besonderen technischen Ausführungsbedingungen, sowie die allgemeinen Vertragsbedingungen für die Ausführung der Unterhaltungsarbeiten liegen vom 18. Mai 1. J8. an bei uns während der Dienststunden zur Einsicht offen. Die Meldungen müssen bis zum 1. Juni 1. Is. eingereicht sein. Den Bewerbern bleibt es anheimgestellt, zu welchen Losen sie sich melden wollen. Eine Eröffnung der Meldungen in Gegenwart der Bewerber findet nicht statt. Nach Prüfung der Meldungen wird unter Mitwirkung einiger bei der Aufstellung der Preisverzeichnisse tätig gewesenen Vertrauensmänner eire Auslosung vorgenommen, welche die Reihenfolge feststellt, wonach die Vergebung der betreffenden Gebäudelose an die Bewerber in den einzelnen Etatsjahren zu erfolgen hat. Diese Reihenfolge wird den Bewerbern bei der Zuschlagserteilung mitgeteilt werden. Gießen, den 14. Mai 1904. Großh. Hochbauamt Gießen. 47058 140 42 71 73 377 83 412 39 92 650 51 704 21 25 47 898 910 85 93 48043 72 77 125[ 100] 230 37 353 94 437 52 99[ 100] 541 634 73 857 68 76 92 928 82 83[ 1000] 49009 48 68 166 67 208 588 666 702 3 842 54 83 50064 189 229 69 86 93 358 68 77 588 608 42 51 729 31 84 87 850 71 94 931 78 51005 66 93 112 48 57 59[ 100] 265 93 424 58 73 562 623 44 52 93 8 6 29 47 81 98 914 46 47 52062 133 69 71 268 322 75 467 529 80 97 605 19 71 737 61 76 87 820 905 6[ 100] 86 53003 69 73 79 224 71 94 304 26 54 429 531 37 51 642 86 709 807 52 99 911 14 78 54031 38 47 132 205 16 59 351 60 411 66 67 506 40 71 87 621 84 86 715 44 65 800 29 905 20. 55000 5 68 83 130 223 41 85 344 511 44 72 691 723 53[ 100] 75 805 30 58 94 95 56015 87 127 217 63 322 93 436 77[ 100] 95 542 92 702 32 866[ 100] 928 73 98 57178 96 357 62 422 27 37 593 741 81 810 958 59 58017 108 222 95 98 357 98 448 71 97 549 667 754 886[ 100] 934 56 92 59051 130 57 74 206 19 34 38 313 43 96 408 79 83 556 74 665 718 58 79 890 938 53 97 60027 117 21 38 248 311 20 56 71 75 83 582 656 85 717 26 57 81 84 913 51 61029 105 50 53 55 61 80 84 273 87 464 94 538 89 92 95 600 32 60 73, 852 96 979 87 62111 33 89 213 86 88 391 449[ 100] 72 73 83 89 500 97 99 625 57 68 746 52 56 77 95 802 931 85 63008 53 108 222 60 69 86 351 71 431 40 52 95 538 46 92 630 77 707 21 805 27 29 84 96 64232 350 418 30 68 572 88[ 100 624 701 33 41 48 68 86 822 64 911 25 68 73 65044 54 90 111 43 217 76 333 72 76 85 441 63 556 628 740 82 808 47 87 89 956 66024 60 71 112 57 76 86 215 305 16 98 475 600[ 100] 3 75 88 755 819 927 76 67055 167 91 268 72 358 400[ 100 2 22 570 655 743 808 984 68021 32 43 82 164 212 26 300 4 464 570 609 17 65 729 30 45 98 832 46 82 934 41 69015 97 442 504 18[ 100] 98 600 838 66 89 922 77 70011 38 137 51 206 411 18 24 27 560 74 78 98 601 58 99 777 99 842 934 71 71050 190 231 96 447 513 82| 200] 686 810 32 44 72200 42 331 99 439 40 48 521 28 43 59 604 31 41 42 787 859 87 936 70 74 95 73089 109 37 64 70 227 34 63 345 49 415[ 100] 29 74 64 84 511 13 767 832 62 923 24 58 74107 202 48 72 385 453 70 89 585 645 81 94 716 19 882 91 913 21 39 94 96. 75086 125 69 81 304[ 100] 416 516 70[ 100] 73 623 718 97 848 906 16 76025[ 400] 52 65 98 99 292 561 743 94 834 40 918 64 77040 57 95 145 71 93 380 415 526 614 47 85 87 782 819 908 59 75 80 97 78070 116 36 42 45[ 100] 58 99 213 303 489 95 551 60 71 668 76 727 85 96 814 60 79001 29 32 72 90 248 67[ 1000] 74 89 308 48 479 95 509 34 54 650 760 85 849 948 50 80016 37 108 323 31 543 70 88 98 647 73 76 709 33 92 803 64 911 92 810 8 38 66 105 7 8 39 250 78 91 315 41 437 596 620 761 67 910 56 82153 344 65 93 463 512 14 37 38[ 2000] 622 48 87 705 57 75 942 68 94 95 83007 79 96 120 207 21 42 517 25 40 53 69 622 709 19 865 81 965 84009 11 68 129 41 51 59 66 90 204 47 482 97 534 35 81 94 663 720 85153 59 200 53 85 564 99 605 23 63 862 68 900 86032 43 237 80 99 316[ 400] 34 99 484 526[ 100] 45 85 608 23 77 83 736 51 801 11 34 35 51 938 47 74 87167 74 201 15 315 96 429 82 558 67 78 617 31 33 99 724 26 42 94 915 88052 69 91 148 86 445 80 82 522 32 611 68 724 815 88 89000 19 47 167 278 302 32 446 55 506 10 37 58 66 663 94 744 81 831 54 993 * 90046 112 51 220[ 100] 92 371 73 513 68 79 607 24 68 72 749 81 900 66 94 91046 83 105 33 40 214 44 55 58 338 445 59 92[ 100] 578 91 611 710 44 69 88 841 43 92016 116 49 335 418 72 74 93 571 722 815 961 89 93040 111 85 272 331 437 713 32 62 853 63 981 94005 68 129 86 92 299 319 24 457 67 88 95 506 79 620 27 28 37 777 93 816 36[ 100] 93 943 87 95114 82 88 268 90 345 453 660 77 94 737 903 17 40 96043 84 146 69 79 81 217 56 82 88 97 323[ 100] 73 77 407 20 60 76 97 506 644 58 722 36 858 966 71 83 97015 78 146[ 100] 278 84 316 39 73 98 475 520 607[ 100] 55 794 807 942 44 83 98010 12 15 138 73 265 439 61 62 73 93 742 929 89 99005 9 28 78 91 222 321 23 91 509 35 603 28 41 85 730 46 55 819 37 997 Nächste Ziehung: 16. Mai 1904. Reuling. Richard Buchacker, Giessen. staatl. tonz. Haupt- Kollekteur der Hess. Thüring. Neuen- Bäue 11. ( Mitteld.) Staats- Lotterie. ( Stempel- Kaiser) Berlin 12, Charlottenstr. 16 Kautschuk- u. Metall- Stempel jed. Art billigst. Ges. gesch. Zigarrentaschen und Portemonnaies mit Stempel von 2,25 an, TypenTheodor Kaiser, Stempelfabrik Druckereien v. 1,25 an, kl. Stempel v. 20 Pf. Firmen- u. Datumstemp. Y. 50 Pf. an. Musterb.gr.u.. Brima Kartoffel Speise- u. Salatkartoffel zu den billigsten Tagespreisen empfiehlt J. Hankel Schloßgaffe Fahrräder- und NähmaschinenGießen. Versandt, Ersatzteile, Reparaturen Carl Graf Gießen. Kirchenplatz 15. an der Stadtkirche. Größte Spec.Reparaturwerkstatt Oberhessens. Ein wahrer Schatz für alle durch jugendliche Verirrungen Erkrankte ist das berühmte Werk: Dr. Retau's Selbstbewahrung 82. Aufl. Mit 27 Abbild. Preis 8 Mark. Lese es Jeder, der an den Folgen solcher Laster leidet. Tausende verdanken demselben ihre Wiederherstellung. Zu beziehen durch das Verlags- Magazin in Leipzig, Neumarkt 21, sowie durch jede Buchhandlg. In meiner mech. Schreineret mit Motorbetrieb finden mehrere Schreiner oder Glasergesellen dauernde Arbeit. H. Keßler, Lollar. ' entschieden eine schädi= faum; feine Totalwirkung ist bari bon Lonen und rgantselen und pfeifen, gar un= für den menschlichen tadt Den feſtgeſetzten Tribut dein Paket nach Hauſe. Er spricht er mill auch mit Latein und Griefür gewöhnlich fein gewähltes Deutsch; aber er kann sich den Nr. 108 Familie Montag, den 16. Mat. 1904. Schatz gendliche kte ist das n's ild. Preis hrung er, der an Laster erdanken ederhern durch azin in kt21. handig. Schreinerei ben mehrere er ellen Lollar. 1. uns fostenlos nen Gebäude J8. an bei Ausführung bedingungen, den diesen ihrer Ein ebäude der die Ueberdie Unter en einzelnen rgebung der orgenommen, fe tätig ge Mitwirkung icht statt. Eröffnung der nheimgestellt, Juni 1. J. Zuschlagsent. dari bon Lonen und Lauten kaum; seine Totalwirkung ist für den menschlichen Organismus entschieden eine schädigende. Mitten in der Stadt heulen und pfeifen, gar un angenehm schrill, die Lokomotiven, die Fabriken lassen zischend ihren Dampf aus und melden die Tageszeit, ein fürchterliches Dröhnen, Hämmern und Klopfen, ein Bohren, Rasseln, Rollen, ein Fliegen, Sausen und Brausen, überall schlagen wütende Schallwellen an dein Ohr! Und dann die Wagen! Die Droschken und Equipagen sind noch unschuldig, auch die Omnibusse und die klingelnden Pferdebahnwagen sind zu ertragen, aber die Rollfuhrwerke, die mit Ziegelsteinen vollbepackt über das teilweis schon zerstörte Pflaster rumpeln, die Bier- und Schlächterwagen, die in raschem Tempo dahinsausen, die Kohlengefährte, und dann die Transportmittel, mittels derer das Stab- und Bandeisen weitergeschleppt wird! Es sind wahrhaft höllische Töne, die von den letztgenannten hervorgebracht werden. Zuerst freut man sich wohl über das Getreibe und Gewoge des Lebens, allmählich wird man aber müde und matt, abgespannt und verstimmt, und sehnt sich nach einem stillen Winkel, in dem heiliges Schweigen herrscht. Im Verhältnis zur Höhe der Häuser sind die meisten Straßen der großen Stadt viel zu schmal und enge: ein gefüllter Kohlenwagen, der langsam vorbeirasselt, bringt in meiner Wohnung regelmäßig ein kleines Erdbeben hervor, das ganze Gebäude scheint zu zittern und zu schwanken. So werden die Nerven langsam gereizt, bis endlich das Produkt unserer Zeit, auch eine Signatur, die krankhafte Nervosität, zu voller Entfaltung gelangt und in trauriger Blüte prangt. * * Ein charakteristischer Zug der Einwohner in der großen Stadt ist das Mißtrauen; man mag sich dagegen wehren, wie man will, man unterliegt ihm hier und da. Die Zeitungen häufen so viel Material an, um Mißtrauen zu erregen. Zuerst die Nahrungs- und Genußmittel: Kaffe und Tee, Zucker und Wurst, Brot und Bier stehen schon lange in heimlichem Verdacht, die Trichine lauert im Schinken, allerlei namenlose Untiere im Leitungswasser, der totbringende Bazillus allüberall! Kunstbutter wird dir angehängt, Baumwolle statt Seide, statt Wolle oder Leinwand, Knochen statt Elfenbein, Zelluloid statt Korallen, Alfenide für Silber die Liste ist eine endlose, und jeder mag sie aus eigener schmerzlicher Erfahrung vergrößern. So droht dem Charakter der Menschen eine große Gefahr, er wird angekränkelt und verbittert. Dem beinlosen Krüppel, der sich auf der Straße wand, wollte ich jüngst ein Almoſen geben; er ist immer betrunken," sagte warnend der Polizist, der mein Tun beobachtete ,,, wir werden ihn morgen fortschaffen." Das Betteln ist ganz in Mißkredit gekommen, seit man weiß, daß so viele Strolche besser leben als die fleißigsten Arbeiter, daß organisierte Gesellschaften bestehen, die winselnde kleine Kinder oder künstliche Krüppel auf die Menschheit loslassen. Man gelangt so weit, in allen Erscheinungen des täglichen Lebens Unrat und Humbug zu wittern. Die schöne Dame auf der Straße ist ein Produkt von Schminke, Watte und Fischbein, mißtrauisch betrachtet man den Neubau des großen Hauses, argwöhnisch das angepriesene Heilmittel. Wo gäbe es ein Ende? Ein armer Schriftsteller suchte mich neulich auf es gibt nämlich auch solche— und ertemporierte eine rührende Rede, die nur den einen Nachteil hatte, daß sie unheimlich glatt und gewählt von Stapel lief; wie ich später vernahm, wußte er nur diese eine, die er mit kolossaler Firigkeit von sich gab. Ein anderer schluchzte in wohlabgemessenen Pausen- er hatte dasselbe Kunststück schon bei vier Kollegen angebracht. Bei Gedichten, die ein Autor sich zum Vergnügen und der Welt zur Erlösung leistet, sinnt der Kritiker sofort nach: „ Hast du das nicht schon bei Heine oder Geibel, bei Lenau oder Rückert gelesen?" Der Witz, der in den Blättern kolportiert wird, ist für viele Menschen stets ein Meidinger, schon längst dagewesen, und bekannte Parlamentarier werden beargwöhnt, daß sie sich selbst in ihren langatmigen Reden schamlos bestehlen. Vielleicht wäre es angebracht, daß einmal alles Gedruckte und Geschriebene vernichtet und reiner Tisch gemacht würde. Dann könnte die Menschheit von neuem den Kampf beginnen, dann würden auch die Tiefe, Frische und Kraft" wiederkehren, die uns seit langem so jämmerlich fehlen sollen, dann würden auch die Herren Verfasser nicht mehr über die Pflöcke und Fußangeln der Zitate zu stolpern brauchen. An der Straßenecke steht ein bebrillter alter Mann mit einer roten Müße. ein Dienſtmann: willia träat er dir für den festgesetzten Tribut dein Paket nach Hause. Er spricht für gewöhnlich kein gewähltes Deutsch; aber er kann sich den Lurus gestatten, wenn er will, auch mit Latein und Griechisch kann er dir aushelfen. Sein Geruchsorgan prangt in den warmen Tinten, die wir an einer Landschaft des Südens mehr bewundern, als am menschlichen Antlitz. Er ist oder vielmehr er war ein ordentlicher Professor, keiner aus eigener Wahl, kein Professor der höheren Magie oder der Tanzkunde. Ein echter studierter Dienstmann! Und warum? Je nun, er war ein Quartalstrinker. Ganz allmählich war das Uebel über ihn gekommen; er blieb auf dem Gymnasium, an dem er wirkte, immer noch der flotte Student. Nur alle Vierteljahre im ersten Dezennium; dann ging es in rascherem Tempo bergab. Häuslicher Kummer kam dazu, und eines Tages Wozu die Geschiche seiner Schande in ihren Einzelheiten erzählen? Er beging allerlei Torheiten, die das Strafgesetzbuch ahnden mußte. Bald saß er des Nachts in der Wache, bald kam er angeheitert in die Klasse, und noch Schlimmeres passierte ihm, so daß man es für nötig hielt, ihn einige Zeit auf Staatskoſten zu ernähren. Als er das Gefängnis verließ, ward er in der großen Stadt Provatgelehrter", wie Frizz Reuter das nennen würde. Allein das ging nicht lange; die Zeiten sind vorüber, wo„ Provatgelehrte", wie Pythagoras, es ermöglichen konnten, eine Dankhekatombe von hundert Ochsen den allwaltenden Göttern zu weihen. Kaum ein Filetbeefsteak kann der heutige Privatgelehrte zahlen; so ward er dann Privatschreiber und endlich Dienstmann. Wundersame Originale gibt es in der großen Stadt! AUS DEM REICHE DES WISSENS Können nur Menschen zählen? Diese Frage wird von der neuesten Forschung verneint. Viele Wilde vermögen nicht über vier hinaus zu zählen und werden in dieser Hinsicht von manchen Tieren übertroffen. Namentlich arbeitende Tiere verstehen sich auf das Zählen außerordentlich gut. In den Kohlengruben des Hennegaus machen die Pferde täglich dreißig Fahrten und nach der dreißigsten wandern sie untrüglich jedesmal aus freien Stücken dem Stalle zu. Die in Indien zur Lastbeför= derung benutzten Elefanten wollen durchaus nicht mehr weiter, wenn die Stunde zur Rast da ist, und schon Montaigne erwähnt, daß die in Susa an den Wassenhebungsmaschinen tätigen Ochsen regelmäßig nach dem hundertsten Eimer von selbst eine Pause machen. Timotiew besaß einen Hund, der vorzüglich zählte. Nach einem Mahle hatte das Tier noch 26 Knochen vor sich. Es verscharrte sie, grub tags nachher 25 davon aus, nagte sie ab und legte sich dann zur Ruhe. Plötzlich aber erwachte es anscheinend unter dem Einfluß einer Erinnerung aus dem Schlafe, holte sich auch noch den versteckten letzten Knochen, verzehrte ihn und schlief dann wieder ruhig ein. Auch die Vögel zählen gut; namentlich wissen sie genau, wieviel Gier sie im Neste haben. Einer Nachtigall warf man täglich drei Käfer zu. Nach Empfang der zwei ersten wartete sie jedesmal ruhig auf den dritten, dann aber flog sie davon. Das nötige Zeug zu einem Polytechniker haben die Tiere natürlich nicht, denn ihre Rechenkunst ist sehr beschränkt. So können die sonst so schlaue Elster und der menschenähnliche Affe nur bis vier zählen. Will man sich einem dieser Tiere im Freien nähern, so müssen sich fünf Personen verstecken und dann vier hiervon sich vor den Augen der Elster oder des Affen entfernen. Die Tiere glauben, daß damit alle weg seien und lassen dann die fünfte Person ruhig heran. Ein protestantischer Geistlicher hatte einen Hund, der sich daran gewöhnt hatte, seinen Herrn regelmäßig aus dem Gottesdienst abzuholen. Da dies dem Prediger auf die Dauer nicht mehr behagte, schloß er den Hund Sonntags ein, aber das Tier fand einen Ausweg, indem es für die Folge die Nacht von Samstag auf Sonntag außer dem Hause zubrachte und sich dann folgenden Morgens an der Kirche einfand. Aehnliche Fälle ließen sich noch viele anführen. Nur noch einer sei erwähnt. Eine Frau machte jeden Freitag Fleischeinkäufe bei einem ungefähr 1 Kilometer von ihr wohnenden Metzger. Dabei nahm sie gewöhnlich einen kleinen Hund mit, der dann in dem Fleischerladen einige Abfälle erhielt. nach einiger Zeit wurde die Frau krank, und nun wanderte das Hündchen Freitags regelmäßig allein zu dem Metzger, um sich sein Almosen zu holen. Obschon die Fleischhalle die ganze Woche offen stand und das Tier fortwährend frei umherlief, fiel es diesem nicht ein, seinen Gönner an einem andern Tage zu belästigen. Nr. 108 Montag, den 16. Mat. Oberhessische Familienzei Tägliche Unterhaltungs- Beilage der Gießener Neueste Nachrichten. 1904. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein. ( 17. Fortseßung.) Iwan der Schreckliche. Original- Roman von Hans Hoffmann. Herrn von Bodungen aufsuchen und ihn bitten, daß er die Beleidigung auf sich beruhen lasse, und von seiner Forderung abstehe? Aber sie wußte, das durfte er als Offizier gar nicht mehr, selbst wenn er gewollt hätte, seine Ehre war bereits verpfändet. Und überdies, wo sollte sie ihn finden? Sie konnte ihm doch nicht auf die Bude rücken", wie ihr Bruder sagen würde! Das wäre denn doch erst recht unſchicklich, ja geradezu das Unschicklichste, was es gibt für ein junges Mädchen. Der junge Offizier wohnte ja natürlich ganz allein mit seinem Burschen. Das war alles nichts. Ja, dann, was blieb aber dann noch übrig? Sie schauderte. Wenn sie wan den Schrecklichen Nein, das war ja aber gerade das Allerunmöglichste! Freilich, wenn der wollte, so konnte er alles wieder ausgleichen; er brauchte nur die Beleidigung zurückzunehmen, und die Sache war abgetan, mit einem einzigen guten Wort alle Gefahr beseitigt, alle Schrecknisse vermieden. Und er fonnte es so leicht: er war ja nicht Offizier und seine Ehre nicht so über die Maßen zart. Kein Mensch würde ihm einen kleinen Widerruf verdenken, und es wußte ja auch kein Mensch! Denn natürlich Herr von Bodungen mußte schweigen. Dafür wollte sie schon sorgen. Wahrhaftig, es war noch eine Rettung möglich, wenn jener wollte. Ja, aber Das war ja eben das Unmögliche! Ihn darum bitten, ihn? Entsetzlich! Es war nichts zu machen, es gab keinen Ausweg, das Duell mußte seinen fürchterlichen Gang gehen. Und da lag Herbert von Bodungen mit durchschossenem Kopf, blutig, beschmutzt im Straßenstaub. Es mußte etwas geschehen, mußte, mußte, mußte! Da ein schwacher Stern in dunkler Nacht! Herr Doktor Belling wohnte bei zwei Damen, die sie kannte. Ja wohl, Fräulein Helene Gehrke kannte sie ganz gut das heißt sehr flüchtig allerdings, mehr nur von Ansehen, vielleicht daß sie gelegentlich einmal ein paar Worte mit ihr gewechselt; aber was schadete das? Sie entsann sich, es war ein ganz nettes Mädchen, wirklich sehr nett und sogar hübsch ja, ganz entschieden hübsch zu nennen. Sie fühlte auf einmal ein ganz merkwürdiges Vertrauen zu dieser netten und hübschen jungen Dame. Ja, ja, so mußte es gehen, wenn sie deren Vermittlung anrief. Die mußte doch natürlich ihren Mieter näher kennen. Sie mußte auf ihn einwirken, ihm vorstellen, wie entseglich grausam es wäre, einen jungen, liebenswürdigen Offizier mit faltem Blut ums Leben zu bringen das mußte ja den verhärtetsten Massenmörder rühren! Und warum sollte die nette, hübsche Helene sich einem so guten Werf nicht unterziehen? ganz gewiß, sie tat es gern, und Alma konnte persönlich vielleicht ganz aus dem Spiel bleiben! Wenn aber nicht nun ja, im letzten Notfall- wenn gar nichts übrig blieb, um Herbert von Vodungen zu retten, war sie sogar imstande, in Helenens Gesellschaft selbst zu Iwan dem Schrecklichen zu gehen, ihn um Gnade zu bitten, ihm zu Füßen zu fallen, wenn er es haben wollte! Aber freilich nur im Notfall! Es blieb doch ein schauerlicher Gedanke, ganz ( Nachdrud verboten.); schauerlich!„ Mama," sagte Alma mit unsicherer Stimme, als sie ihre Haustür erreicht hatten, ich gehe noch in die Stadt, ich habe noch etwas zu besorgen, weißt du, ich sollte doch meinen neuen Morgenrock noch einmal anprobieren." - " Ja, ja, ganz richtig, aber heute schon?" rief die Mutter mit wieder erwachendem Lebenstrieb. Daß sie ihn aber um Gottes willen nicht wieder so weit in der Taille macht! Das wäre ja furchtbar! Und so ganz ohne Tournüre ist es wahrhaftig nicht schön, es sieht doch gar zu dürftig aus. Und der Kragen könnte um eine Idee niedriger sein, aber nur um eine Idee natürlich, nur um eine Idee!" Alma schien mit allen Anordnungen ganz wider ihre Gewohnheit einverstanden; sie nickte pietätvoll und eilte davon. Achtes Kapitel. 198 Es war schon dunkel geworden, als Alma Gruber an der Tür der Frau Rechnungsrätin Gehrke Klingelte. Das öffnende Dienstmädchen gab den Bescheid, das Fräulein sei allein zu Hause, und ließ sie herein. Als sie das Zimmer betrat, ward sie ein wenig überrascht durch die zierliche Behäbigkeit dieses Raumes und aller Möbel und Geräte; sie hatte eine stille Vorstellung von verschämter Armut mitgebracht und fand sich merkwürdig enttäuscht, nicht zum Vorteil ihres Selbstgefühls. Der Mut, den Bewohnerinnen dieser Hütte als ein Wesen aus höherer Sphäre entgegenzutreten, war ihr plötzlich vergangen. Auch Helene war sichtlich überrascht, als Alma ihren dichten Schleier zurückstreifte und der Schein der Lampe auf ihr erregtes und befangenes Gesicht fiel. " Fräulein Gruber?" rief sie. Wahrhaftig! Sie wünschen mich zu sprechen, in der Tat- oder meine Mutter? Sie ist leider ausgegangen aber, bitte, nehmen Sie Platz es ist doch nichts Schlimmes passiert? Sie sehen so ängstlich aus." Alma nickte stumm und nahm den angebotenen Platz auf dem Sofa ein. Sie war in der Tat ängstlich. Das hübsche und nette Mädchen machte ihr einen anderen Eindruck, als sie erwartet hatte, sie kam ihr so verständig und überlegen vor. Und Helene hatte heute wirklich ihren umfangreichsten Heiligenschein aufgesetzt. Endlich fand Alma die Sprache wieder. " Ja," sagte sie, es ist etwas Schlimmes passiert, das heißt, es wird passieren, wenn nicht wenn Sie nicht helfen. Fräulein. Ich komme, Sie darum zu bitten. Es handelt sich um Herrn Doktor Belling und Helene zuckte ein wenig zusammen, und ihr Gesicht nahm einen herben Ausdruck an. Freilich wird es sich um etwas Schlimmes für Herrn Doktor Belling handeln, wenn Sie im Spiel sind," sagte sie bitter. Alma wurde rot und blickte erschrocken auf. " Ich weiß nicht, was Sie damit sagen wollen!" stotterte sie verlegen. iser) npelfabrik und Portemonnaies ttenstr. 16 el jed. Art billigst, 2,25 an, 220 P an. Musterb.gr.u. Ten Tages atkartoffel offel t ankel e- Gießen. Jr. 114 bonnements ' s Haus gebr Wentiebellage und bie Das Blatt e 50 - Glo Der K Nachdem im Male die deuti vamen Interesse An Berlin die z iation des Ba einmal für m a werbe und I fonimen nur in lett Börsenvorlage des Eingreifer lichen Wesen bollzogene Lo leben, daß ein deutet, in ähn eigenartige Feuer der I Bankiergewert Börsenkommiss en geforderte berichärften abgelehnt wor welche die pro Stände vor d hand und der in der Defens gegenstände u Trok die Organisation entſtand, iſt ſi I mischer Natur ein Prinzip de Stände minier zwar auf der Ginführung Den Staate ander die B zum Widerst fähigen, die behrlichsten M Organisatione auf, wenn der out, menn Ser auch als als fitt ist, und sie Sie üben mit Grziehung des Grziehung Se wird diesen gewollt Ser Der einzelnen felbit für diej So," sagte Helene falt, Sie wissen also vermutlich noch nicht, daß Sie heute zu Ihrem Privatvergnügen die Existenz eines Ehrenmannes zerstört haben? Oder vielleicht rechnen Sie das nicht als etwas besonders Schlimmes?" Alma machte ein Gesicht wie ein gescholtenes Kind, das nicht recht weiß, auf welche seiner vielen Unarten es diesmal gemünzt ist. " Ich verstehe wirklich nicht recht," sagte sie kleinlaut. " Ich habe Ihren Bruder heute auf unserem Flur abgefaßt," belehrte sie Helene streng, und er hat mir alles gestehen müssen. Sie sind es, die ihn und die Klasse aufgehezt hat zu einer Schändlichkeit- ,, Ach so," nickte Alma mit einem kleinen Anflug von Trop, sie haben ihn herausgetrommelt; aber das ist doch nicht so schlimm Das bedeutet für diesen Mann die Vernichtung seiner Existenz. Doch das würden Sie kaum verstehen, wenn ich es Ihnen auch erklären wollte. Er ist durch diesen Zwischenfall genötigt, seine Laufbahn als Lehrer für immer aufzugeben, und da er keine pefuniären Hilfsmittel besißt, so befindet er sich dem unwürdigsten Elend gegenüber. Ich weiß nicht, ob Sie das begreifen. Und das dankt er Ihnen, Ihnen alleinund ich glaube nicht, daß er das gerade von Ihnen erwarten durfte," setzte sie etwas langsam und lauernd hinzu. Alma starrte sie mit großen Augen an, die sich allmählich mit Tränen füllten. ,, Aber davon hatte ich ja gar keine Ahnung!" rief sie entsett.„ Ich verstehe auch nicht—“ Helene wurde etwas milder gestimmt. Ihr Heiligenschein ward um mehrere Ringe schmäler. Auf einmal klärten sich Almas Züge auf. Wissen Sie was, Fräulein Gehrke?" rief sie mit Freu digkeit. Dann muß mein Papa ihm helfen! Aber natürlich!" Helene blickte wieder sehr strenge. Ihm ein Zwanzigmarkstück in die Hand drücken, nicht wahr? Als Abschlagszahlung für seine Tochter, deren Rofetterie-" Mma zog die Brauen in die Höhe und sprang hastig auf. „ Das geht zu weit!" rief sie empört; ihr kühnes Gesichtchen flammte. Plötzlich besann sie sich, daß sie als eine Hilfesuchende gekommen war, und legte mit einer verzweifelnden Geberde die Hand an die Stirn. Helene fühlte, daß ihre Entrüstung sie ungerecht gemacht hatte. Seien Sie nicht böse," sagte sie freundlicher, und behalten Sie Plaz. Ich tat Ihnen unrecht, Sie hatten es diesmal gut gemeint. Aber Sie sind in einem Irrtum befangen. Ich zweifle nicht, daß Ihr Herr Vater, wenn er den Zusammenhang dieser Dinge kennte, den guten Willen haben würde, Herrn Doktor Belling in anständiger und vornehmer Weise über Wasser zu halten, bis er eine seiner würdige Stellung als Universitätslehrer gefunden hätte. Aber wie ich Herrn Doktor Belling fenne, wird er eine solche Hilfe von dieser Seite niemals annehmen. Verstehen Sie ihn recht, nicht aus einem hochmütigen Bettelstolz würde er sie verschmähen es wäre auch wahrlich gar nichts so Großes, das man ihm gäbe ich bin überzeugt, er wird ein Darlehn aus der Hand der Freundschaft, freudig und dankbar empfangen in dem stolzen Bewußtsein, daß er es seinerzeit zurückzahlen kann, aber aus Ihrer Hand nimmt er es niemals, niemals! Ich will Ihnen auch verraten, daß man bereits Vorsorge zu treffen beginnt, ihm beizuspringen, und ich verbürge mich für ihn, daß er die Hand der Freundschaft annimmt, aber nie mals die Hand einer treulos gewordenen wie kann man überhaupt einer Liebe treulos werden?! Ein edles Herz liebt einmal und nicht wieder!" Alma war ganz verblüfft und niedergeschlagen. Woher glauben Sie..." stoterte sie ängstlich. Woher ich das weiß, meinen Sie? Nun, gewisse Schulgeschichten ließen mir längst feinen Zweifel mehr, und Herr Doktor Belling ist für den, der ihn einmal durchschaut hat, ein aufgeschlagenes Buch und ich las viel Glück darin und wachsende Hoffnung bis heute. Heute aber habe ich ihn noch gar nicht gesehen, statt dessen höre ich nur Schlimmes. Sagen Sie vor allem: Was hat Sie dazu geführt, ihm diesen wahnsinnigen Streich zu spielen? War denn vorher alles Komödie oder-" Alma seufzte und suchte abzulenken. Hören Sie nur, bitte, erst das Neue, das Schlimmste nachher" bat sie schüchtern. Erst das Alte," fenne, befahl Helene, wenn ich Sie nicht kann und mag ich Ihnen nicht helfen und bis jetzt sind Sie mir ein Rätsel." " Ja, sehen Sie, ich mir selbst eigentlich auch!" sagte Alma.„ Gestern war alles noch so anders, so ganz anders, und ich wollte ganz bestimmt ich zweifelte gar nicht ich hatte es sowohl Papa wie Mama schon angekündigt und eigentlich hatte ich das ganze Fest zu dem Zweck veranstaltet und mir alles so himmlisch gedacht und gerade von Herrn von Bodungen wollte ich gar nichts wissen." Helene riß die Augen weit auf und errötete stark; sie war froh ,, daß Alma die Blicke zu tief gesenkt hatte, um es zu bemerken. „ Ich hatte mich immer mit ihm gezankt," fuhr diese fort, und wir konnten uns deshalb gar nicht mehr leiden, und es ärgerte mich, daß er mir doch immer den Hof machte und ich ließ ihn gründlich abfallen. Aber vor Herrn Doktor Belling hatte ich so furchtbaren Respekt, daß ich immer ordentlich zitterte, wenn er fam aber das war so angenehm! Und gestern mit einemmal nein, Sie glauben nicht, wie dumm er sich da plöglich anstellte! Wollte mir eine ehrpusselige Schulmeisterrede halten, statt einfach na, und dann auf einmal kam der efelhafte, schmutzige Hund dazwischen mein ganzes Kleid hat er schmutzig gemacht, merkte, daß er gar keine Gewalt über das dumme Vieh hatte, und wir wollten nachher doch noch tanzen! Und wie ich dann da, ich weiß nicht, wie das kam, da hatte ich plötzlich allen Nespekt vor ihm verloren und ärgerte mich bloß über ihn und fort, aber bloß, um ihn zu ärgern! Und dann kam plötzlich war furchtbar wütend und warf ihn mit Schnee und lief ihm Herr von Bodungen und lief so prachtvoll mit mir und tanzte furchtbar aufgeregt, daß mir ordentlich schwindelte und sich wie toll, und ich war von der Geschichte mit dem Belling so alles mir vor den Augen drehte, und ich glaube, wenn Herr von Bodungen mich nicht immer so fest gehaltett hätte Gott, ich war aber so verwirrt im Kopf, daß ich wahrhaftig aber das tat er, und das war wieder so angenehm! Ach gar nicht mehr wußte, ob es eigentlich Herr von Bodungen Punsch getrunken; nämlich herr von Bodungen gab mir wäre oder Herr Belling. Ich glaube, ich hatte auch zu viel immerfort zu trinken, und das war das starke Zeug für die Herren, und ich glaube ganz bestimmt, ich hatte einen kleinen Hieb weg. Und nachher war der Belling ganz verschwunden, und das ärgerte mich so wahnsinnig, und dann war es mir wieder ganz lieb, aber ich fand es denn doch etwas sehr komisch von ihm, und überhaupt, ich begriff gar nicht mehr, warum ich eigentlich immer so schreckliche Angst vor ihm gehabt hatte, denn er war nun doch gar nicht so zum ängstigen- und ich ärgerte mich über mich selbst, daß ich so dumm gewesen war und da packte mich eine riesige Lust, thm einen recht tüch tigen Schabernack zu spielen, und da sprach ich mit meinem Bruder; und ich wollte ihn nämlich zugleich ein bißchen auf die Probe stellen, ob er die Jungens auch nicht besser in der Gewalt hätte als den greulichen Hund und da geschah das Unglück mit den frechen Tertianern; ja, mit denen soll sich einer nur einlassen! Die Bande! Aber Sie können mir glauben, heute schämte ich mich über die Maßen, als ich Herrn Doktor Belling sah auf der Chaussee! Und ich hätte ihn gewiß auch gern um Verzeihung gebeten; aber da war auch der der Hund machte sein Pferd scheu, und er wurde abgeworfen, gräßliche Hund, und Herr von Vodungen kam geritten, und und ich schrie denn er hätte sich doch gleich das Genid brechen können! Denken Sie doch, wie entsetzlich! Aber er fiel auf die Füße und schoß den ekligen Hund tot, und Sie haben keinen Begriff, wie schön er jetzt aussah! Und der Belling nahm den alten Kadaver auf den Arm, und das sah zu dumm aus- wahrhaftig, ich konnte mir nicht helfen, ich fand Herbert von Bodungen zehnmal schöner! Und da wurde Herr Belling auf einmal böse und schimpfte mich ein bißchen aber Herr von Bodungen wollte das nicht leiden und ging -- aber nicht so sehr, und ich hatt' es ja auch gewiß verdient; dicht an ihn heran und redete erst laut und dann leise mit ihm und da wußte ich ganz genau, daß sie sich auf Pistolen gefordert haben! Und das ist nun das Entsetzliche, und da rum bin ich hergekommen!" und sprang von ihrem Stuhl auf. Ja, das ist wirklich ent. Großer Gott im Himmel!" rief Helene erbleichend aus setzlich!" == ( Fortsetzung folgt.)! füble Gegner deutung. Bi organisationer Die Gemerfich tag an feine Staates fein Neu Aus dem heute eine wenig erfreu lufftandsgeb dung des G ohne der Her meins meldet: Zwang reizt ein Herz, das edel; doch sanfte Lehre Führt Mann und Frau zu Recht und Ehre. * Großstadtbilder. Nachdenkliche Geschichten von A. Bärwald. ( Nachdruck verboten.) Frühmorgenstille! Wo sonst tausende geschäftiger, atemloser Menschen einherhasteten, herrscht ein so namenloser Friede, ein so tiefes unerhörtes Schweigen, daß es mir nahezu unheimlich wird. Der Kontrast zwischen der vierten Stunde der Nacht und des Nachmittags ist geradezu ein verblüffender. Die Straße erscheint im Morgennebel, da die Läden verschlossen sind, wie eine fremde Gegend. Der Menschen, die man um diese Zeit dort antrifft, wird man tagsüber selten gewahr lauter fremde Gesichter sind es aus den Vorstädten, die allerlei Lebensmittel herbeigeschafft haben, einige Nacht vögel, die taumelnd von einem verfrühten Gelage heimkheren und die mit ihren zerzausten Frisuren und roten Augen gar nicht anheimelnd auftreten, einige Straßenkehrer, die an thr nächtliches Werk die letzte Hand legen, ein Fremder, der vom Bahnhofe kommt mit der Reisetasche in der Hand Ein gesundes rotes Gesicht, bon blonden Haaren umrahmt, ein paar treuherzige, hoffnungsfrische Augen; hoch gewachsen, kräftig, so tritt er vor mich hin und frägt bescheidentlich nach einer fernen Straße. Ein großes Mitleid überkommt mich bei seinem Anblick. Der wenig moderne Schnitt des Anzuges, den er trägt, und die braunen Backen verraten den Provinzler; solche stroßende Lebensfülle und solche gesunden Farben erzeugt die große Stadt zu selten. Was er vorhat? Ich frug ihn nicht, ich wußte es auch so. Er will sein Glück machen! Ich möchte thn nach sechs Wochen wiedersehent, ob sein Auge dann noch so freudig schimmert; denn das Elend ist groß und die„ Ueberproduktion", um national- ökonomisch zu reden, eine erstaun= liche. Seine Schritte hallen tönend in der Stille wieder; nun biegt er um die Ecke und ist verschwunden. Die große Stadt hat wieder ein Opfer verschlungent. * Oberleu Bei Otomba waffnete He 2. zum 3. de fielen. D Gitori hat feiner Stolon ift bom Fein Herero gefto Daraus er immer noch 99!!! Dagegen stehe km eutweins er Herero am und ein meiteren Mo Raribib). feinen Leuter Лабилност ter ein jour fixe, ein Abonnementssig in der Oper, eine Equipage mit Gummi, im Sommer die Reise ins Bad, und so weiter. Herr Y. war Geschäftsmann; was für Geschäfte er betrieb: Er handelte mit Grundstücken, operierte an der Börse, hier und da trat er vielleicht auch als Kravattenfabrikant auf, alles in Ehren und Rechten. Ein wohlgenährter Mann, der ein klein wenig zur Fettsucht neigte; wie stattlich nahm sich nicht die riesige Goldkette auf der weißen Weste aus, wie würdevoll schritt er die Straße hinab! Nur hatte er ein nervöses Zucken um den Mund, eine scheue Unstätigkeit im Blick, die mir nie recht gefallen wollte. Doch ich komme auf den Gesellschaftsabend zurück. Eben sollte die Suppe aufgetragen werden, da schlüpfte ein freundlich lächelnder, kleiner bescheidener Mann in das Haus; ihm folgte ein Schußmann, der auf dem Hofe Posto faßte, ein zweiter, der die Vordertür bewachte. Der kleine Herr mit dem jovialen Gesicht eilt in die Beletage und zieht ,, Nein, nein!" die Glocke.„ Herr V. nicht zu sprechen?" sagt der Diener hochtrabend,„ die Herrschaften sind eben zu Tische gegangen." ,, Sagen Sie dem jungen Herrn, er solle einen Augenblick herauskommen." Es geschieht. Der junge Herr erscheint, ein Sträußchen im Knopfloch, die Serviette in der Hand. Was steht zu Diensten?" fragt er barsch.„ Bitte," sagt der kleine Mann, ich bin Kriminalbeamter, hier ist meine Marke. Sagen Sie Ihrem Vater, ich müßte ihn notwendig sprechen." Der junge Herr entfärbt sich und eilt zur Mutter, der er das Schreckliche, das Unerhörte mitteilt. In blauer Seide rauschend, juwelengeschmückt kommt die Frau und erhält einen ähnlichen Bescheid. Bebend flüstert sie ihrem Mann etwas ins Ohr. Sein Gesicht verzerrt sich, er muß sich am Tisch festhalten. Karl!" ruft sie ihm fragend zu; er antwortet ihr nicht; aber sein Blick, ein schrecklicher, alles bestätigender Blick ist von den Gästen nicht vergessen worden. Zur rechten Zeit kommt ihr eine Ohnmacht zu Hilfe der Mann geht schwankend hinaus, seinem Verhängnis entgegen. Die Gäste zerstreuen sich rasch, das leckere Mahl bleibt unberührt. Ein hochaufgeschossenes, blasses, junges Mädchen eilt an mir vorbei; sie trägt eine Mappe in ihrer Hand, auf der ich schaudernd das Wort„ Musik" lese. Verstehe mich recht, werte Leserin! Ich entseze mich nicht vor der hohen, der göttlichen Kunst, es ist nur die Praris, die mich jammert. Alljährlich kommen viele, ach, so viele junge Damen in die große Stadt, um die Musik zu studieren. Ihre Tochter," so hat der Musikprofessor in 3. alt der stolz errötenden Mutter gesagt und er muß es ja wissen, ist er doch das musikalische Orakel dort, gegen das keine Berufung einzulegen ist„ hat emihente Anlagen. Sie müssen sie ausbilden lassen." Der Vater greift seufzend in die Tasche, gute Musikstunden sind in der großen Stadt sehr teuer; aber er setzt es durch, er spart es sich mit den Seinen vom Munde ab, damit Elvire ein Stern ersten Ranges wird. Elvire kommt in eine Pension, wo sie, was Verpflegung anlangt, gerade nicht verwöhnt wird; und dann beginnt die Marter. Fünf bis sechs oder gar sieben bis acht Stunden täglich üben so hat der große, berühmte grobe Meister gesagt. Das arme Wesen, das zur Virtuosin gepreßt wird, müht sich ab, so gut sie kann; täglich wird sie eine Schattierung blässer. Zwei Jahre vergehen, auch drei; sie spielt wirklich sehr geläufig. Endlich kommt das erste Konzert, und dann erwacht sie aus dem Traum, wenn sie die erste Kritik liest. Ihr Spiel hat nichts Seelisches"; vielleicht hat sie auch gar keine Seele hineinzulegen, dazu ist sie noch viel zu jung; die Pflanze ist fünstlich emporgetrieben und zu einer Blüte gezwungen worden. Der Ausgang der kleinen Tragödie ist verschieden. Nun, eine Virtuosin ist sie nie geworden. Und wie viel verschwendete Lebensfrische, geknickte Hoffnung, vergeudete Energie, zerstörte Gesundheit! O, diese Treibhauskultur! Acht Fenster Front in der Beletage. Vor einigen Wochen noch war dort alles glänzend erleuchtet, Karossen hielten vor dem prächtigen Hause, und oben wollten sie eben zur Tafel gehen, die von stolzen„ Aufsätzen" prangte heute ist alles dunkel und leer und nackt, und der Mietszettel hängt vom Balkon. Eine ganz kurze Geschichte kommt mir in den Sinn. Der Geburtstag der gnädigen Frau sollte gefeiert werden, vielleicht auch noch die Verlobung der Tochter. Die Familie war so fashionable" und machte ein großes Haus, im WinMeineid. In die menschliche Gesellschaft kehrt er erst nach Jahren zurück, für die„ Gesellschaft" ist er tot. Sommer und Winter führt mich mein Weg in der großen Stadt an einem Ahornwäldchen vorüber, an das sich einige schmale Rasenstücke und mit Flieder und Goldregen bestandene Beete schließen. Groß ist der Park nicht, aber wohlgepflegt; auf den Bänken ſizen unangenehme dicke Ammen mit dem heranwachsenden Geschlecht, und auf dem Kieshaufen, der in der Mitte liegt, gräbt zur wärmeren Jahreszeit eine angenehme emsige Kinderschar und„ buddelt" voll Wetteifer. In der kleinen Holzhütte, die für die Gartengeräte bestimmt ist, treffe ich den Wächter und Gärtner oft; nicht nur im Sommer, auch in den kalten Tagen des Dezember finde ich ihn dort. Still, zusammengekauert, schweigsam und müde, raucht er sein Pfeifchen, ein alter Mann schon, mit vielen Jurchen im Gesicht. Mit unendlich liebevoller Sorgfalt waltet er seines Amtes; wenn er eine große Bürste hätte, ich glaube, er würde das ganze Stück Gartenland täglich damit abpuzen. Kein herunterfallendes Blatt entgeht ihm; ich argwöhne, daß er bei seinen Raupen und Käfern längst Arbeitsbücher und Hausierscheine eingeführt hat, und daß die Mücken, die je zuweilen dort summen, numeriert sind. So pedantisch und gründlich betreibt er die Ordnung. Auch ist er ein Wetterprophet und behält trotz Flunkerkies, Wetterwarte und Wolkenorakel oft recht. Er sieht gar nicht poetisch aus; doch interessiert er mich, da er so workkarg ist und so vereinsamt in der großen Stadt lebt. Er ist Witwer; die Frau starb ihm vor Jahren aus Gram. Sie hatten eine Tochter, und die war so lustig, daß es der Mutter das Herz brach. Ein altes Lied, das in jeder großen Stadt in tausend Variationen erklingt! Sie stolziert fein und frech auf der Promenade und wird nur noch einmal zu ihrem Vater kehren vielleicht wenn sie's erfährt- und das wird sich in nicht so später Frist ereignen, daß ihm ein Armenbegräbnis beschert wird. Nicht nur die Kellerwohnung und das enge dunkle Stübchen, in dem eine ganze große Familie zusammengepfercht wohnt, erzeugen in der großen Stadt die bleiche Farbe der Bewohner. Es kommt noch etwas anderes dazu, und das ist der nimmer ruhende Lärm der Gassen, das fürchterliche, Nacht und Tag andauernde Getöse, das die Nerven langsam zerstört oder doch angreift. Beschreiben läßt sich dieses Chari