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Gießener 13. Jahrgang. Jnsertionspreis: Die einspaltige Betitzeile für ganz Obe Hessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Vfg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 88 Fernsprechanschluß Nr. 362. Neueste Nachrichten ( Sießener Tageblaff) Unabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Verbrechen oder Leidenfchaft? Von einem Pädagogen wird uns geschrieben: Der Fall, der sich jüngst in einer Berliner Gemeindeschule zugetragen hat, daß ein Knirps von kaum 11 Jahren seinen Lehrer hinterrücs mit einem Taschenmesser überfiel und ihm mehrere Stiche beibrachte, die nur deshalb leicht ausfielen, meil die Kraft zu einem gefährlichen Stoß nicht ausreichte, dürfte vom pädagogischen, wie vom sozialen Standpunkt aus höchst interessant sein. Denn es handelt sich hier nicht um ein schlecht erzogenes Kind, sondern um den Sohn einer Beamtenfamilie, der in geistiger Hinsicht große Vorzüge aufwies. Er war der erste in seiner Klasse, aber zugleich, da er ständig an Nervenaffettionen und eine ganze zeitlang am Veitstanz gelitten hat, eine unruhige Natur und darum für bequeme Lehrer lästig. Er wurde nun in die unterste Bank gesetzt, damit ihn der Lehrer, wie er angab, besser überwachen könne. Er war also aus dem Ersten in der Klasse plötzlich der Letzte geworden. hür. Wurstwa are wurst à 1 Kg. 1,10-1 t 1,20-1,30, Mettwas 1,00-1,10, fetter Spe ck 0,80( fi. Hausschlac Presskopf0,60 vers ck. v. 5 kg ab A. E. H Diensten, Bad Rastener ceptbuch elbubereitung gnae, Rum, Lifören, W ffern etc. Ersparnte bl Zusendung toftenlol.han kopf, Berlin, Tanensienste Tausende Anerkennung O. 27, Solymarti ,, auf dem bor Angst tritt Franzi in die Küchentür da stürmt iemand haben einen schweren Verlust durch den Untergang eines bei der Inspizierung und Neulegung der unterſeeischen Sperrminen beschäftigten Minentransportschiffes erlitten. Der Unfall trug sich nach der offiziellen Depesche des Statthalters Alerejem an den Zaren folgendermaßen zu: Einem Kinde kann natürlich der pädagogische Zweck dieser Maßregel auf dem ersten Blick nicht so verständlich sein, wie einem Erwachsenen. Der Fall war für den Knaben um so tiefer, je größer sein Ehrgeiz ist und je mehr ihm seine Mitschüler die Härte der Strafe empfinden ließen. Welches auch immer der Zweck dieser Maßregel gewesen sein mag, sein Lehrer hat unter allen Umständen pädagogisch falsch gehandelt, weil er von seinem Schüler für die Beurteilung seiner Anordnung die Verstandesreife des Erwachsenen forderte, anstatt sich den Anschauungen der Kinder anzupassen. Das Seelenleben des Schülers muß gewaltige Stürme durchge= macht haben, ehe der grauenhafte Entschluß eines Ueberfalls in ihm entstehen konnte. Auch gibt sich in der Tat ein Haß zu erkennen, der ohne ein Verschulden des Lehrers nur bei einer bösartigen Natur verständlich wäre, bei einem gut erzogenen Knaben aber nur dann psychologisch begreiflich ist, wenn er sich als das Opfer ehrverlegender Ungerechtigkeiten fühlte. Jedenfalls ist die Angelegenheit nicht erledigt, wenn der Schuldige die Strafe empfängt, die Leitung der Schule hat auch zu untersuchen, ob nicht pädagogische Fehler gemacht worden sind und ob der Fall nicht prinzipiell verwendet werden soll. Sollte es sich aber lediglich um einen Aft der Leidenschaft, begangen im Zustand des getrübten Bewußtseins, handeln, dann wäre die Unterbringung dieses Knaben in eine Zwangserziehungsanstalt das unerfreulichste Ergebnis der Untersuchung, weil es die Tragit seines Schicksals nur noch vermehren würde. Man darf bei diesem ganzen Falle nicht außer acht lassen, daß keine bewußte Auflehnung gegen die Schulordnung, sondern lediglich ein unglückliches Naturell die Strafversetzung vom ersten zum letzten Plak veranlaßt hat. Das Minentransportschiff„ Jenissei", Kommandant Kapitän zweiten Ranges Stepanow, das sich auf der Linie der Minensperre befand, ist am 11. d. M. infolge einer Explosion gesunken. Der Jenissei" hatte eine auftauchende Mine gesichtet und fuhr an sie heran, um sie durch einen Schuß unschädlich zu machen. Dabei wurde„ Jenissei" auf eine danebenliegende Mine getrieben, die unter seinem Bug explodierte. Die Boote konnten noch ins Wasser gelassen werden; bei der Explosion fanden jedoch ihren Tod der Kommandeur Steponow, der Mechaniker Janowski, die Midshipmen Chrustschow und Drischenko sowie 92 Matrosen. Das ist eine neue schwere Schlappe für die ohnehin schon stark geschwächte russische Flotte, ohne daß man deshalb an eine dauernde Bresche in den Sperrminen zu denfen braucht. Die in die Luft geflogenen Minen lassen sich bei Anwendung der nötigen Vorsicht wohl bald wieder ersetzen. Doch erhöhen sich die Verluste der russischen Mannschaft wieder um ein beträchtliches, während die Verluste der Japaner abgelehnt, den russischen Torpedodootszerstorer, der am 10. d. M. havariert in Port Said eintraf, dort in Dod gehen zu lassen. Nicht einmal die Vergünstigung der schnellen Beförderung durch den Kaiser Wilhelms- Kanal wird die russische Ostseeflotte genießen. Unsere Regierung hat sich der Ueberzeugung nicht verschließen können, daß wir als neutrale Macht den Russen diesen Weg jezt nicht gestatten dürfen. Der Kaiser Wilhelmskanal gilt als deutsche Binnenwasserstraße, die von Kriegsschiffen kriegführender Staaten ebensowenig passiert werden darf, wie Landtruppen durch einen fremden Staat marschieren dürfen. Die russische Verstärkung, die nach Petersburger Meldungen aus den drei Panzerschiffen Borodino"," Alexander III." und" Suwaroff", sowie einem Torpedoboot und dem Transportdampfer Kamschatka" unter dem Befehl des Vizeadmirals Wesselago besteht, mußte daher notgedrungen den zeitraubenden Umweg durch das Kattegatt machen. nach der ersten jetzt vorliegenden amtlichen Meldung ziemlich unbedeutend sind. Nach einer Veröffentlichung des Tofioter Kriegsamts blieben im Kampfe bei Port Arthur sämtliche japanische Schiffe unverletzt. Verlust an Mannschaften war nur an Bord der Torpedoboote zu beklagen und betrug 4 Tote und 54 Verwundete. Nach Admiral Togos Bericht handelte es sich bei dem ersten Angriff nur um eine Erkundung der Stärke der Besatzung von Port Arthur. Weiter wird gemeldet, daß ein japanisches Handelsschiff von dem russischen Wladiwost o k- G e- schwader an der Küste von Yesso, der nördlichsten unter den großen Inseln des ganzen japanischen Archipels, in Grund geschossen wurde. Wenn die Nachricht sich bewahrheitet, so sind die aus Wladiwostok ausgegangenen russischen Kreuzer auf dem Wege nach Port Arthur und es könnte sehr leicht ein Gefecht im japanischen Meer geben. Das Verlegende dieser Strafversetzung besteht darin, daß der Knabe mit den untüchtigsten, wahrscheinlich auch den dem Gespött oder dem Mitleid der Klasse preisgegebenen Elementen in Berührung fam. Dem Blicke in eine Schulklasse präsentieren sich also zwei Kategorien. Die guten Schüler und die schlechten, die schon räumlich voneinander getrennt werden und kaum noch eine Berührung miteinander haben. Es fragt sich, ob die Anstachelung des findlichen Ehrgeizes und die Entfesselung eines Wettbewerbs, der schon bei den Kindern alle Erscheinungen des Kampfes ums Dasein zeitigt, pädagogisch richtig ist. Wir unsererseits möchten glauben, daß die sozialen Instinkte im Kinde besser entwickelt werden, wenn sein Ehrgeiz sachlich beeinflußt wird, indem er sich auf die Erzielung günstiger Zensuren wirft, anstatt, daß man auch noch das persönliche Moment zur Hilfe nimmt und das jugendliche Gemüt dazu aufreizt, nicht bloß gute Zensuren zu erzielen, sondern auch noch seinen Nebenbuhler zu überflügeln. Vielleicht wird der bedauerliche Berliner Fall in Fachkreisen auch von dieser Seite aus einmal betrachtet. Sollte es zu einem neuen Angriff auf Port Arthur fommen, so können wir jetzt wenigstens über das Schicksal der deutschen Frauen und Kinder beruhigt sein. Diese sind glücklich an Bord des Kreuzers„ Hansa" nach Tsingtau gebracht worden. Lihungtschang über die Mandschureifrage. Die zweideutige Stellung der chinesischen Diplomatie, die wir eingehend geschildert haben, kann nicht besser getennzeichnet werden, als durch einen Brief, den der schlaue Fuchs Lihungtschang s. 3t. nach Unterzeichnung des Pefinger Friedensprotokolls geschrieben hat. Wenn wir die Mandschurei jezt den Russen überlassen, so kalkulierte der„ chinesische Bismarck", schadet es garnichts, weil dann die Japaner sich gewiß Korea aneignen werden, und wenn sich dann die beiden Länder, Japan und Rußland, an der Grenze zwischen Korea und der Mandschurei berühren werden, und jeder der beiden Gegner mit der Zeit versuchen wird, die Grenze auf Kosten des anderen weiter hinauszuschieben, dann werden große Streitigkeiten entstehen; scheint es dann im Falle eines Krieges, als werde Japan den kürzeren ziehen, dann helfen wir den Russen mit allen Kräften, Japan vernichten. Aus Dankbarkeit werden uns dann die Russen sicherlich die Mandschurei zurückgeben und Korea für sich behalten. Sieht es aber so aus, als werde Rußland im Kriege mit Japan unterliegen, dann wollen wir einfach die russischen Truppen aus der Mandschurei heraustreiben, indem wir vorgeben, Japan zu helfen, und werden auf diese Weise ohne große Mühe die Mandschurei zurüderhalten. Jetzt die Mandschurei gleich zurückbekommen, hält sehr schwer. England legt großes Gewicht auf die Mandschurei, aber daran brauchen wir uns nicht zu stoßen, weil England mit Gewalt nichts ausrichten fann. Deutschland ist neutral, Frankreich sieht aus weiter Ferne zu und Amerika schweigt still." Lihungtschang hat in prophetischem Geiste die heutige Situation ziemlich flar vorausgesehen. Die Kohlenversorgung der russischen Flotte steht zur Zeit im Vordergrund der brennenden Fragen für die russische Marineverwaltung. Wenn auch die Russen in ihren oſtaſiatiſchen Hafen große Vorräte an Kohlen aufgestapelt haben, so ergibt sich doch aus der Tatsache, daß sie noch im letzten Augenblick in Cardiff große Anfäufe machen wollten, daß das vorhandene Material doch bei längerer Kriegsdauer nicht ausreichen wird. Auf der Sibirischen Bahn wird Rußland kaum nennenswerte Nachfuhr an Kohlen befördern können. Seine noch auf dem Meere befindlichen Transporte schweben aber in der drohendsten Gefahr, von den Japanern abgefangen zu werden. Es kann also sehr leicht der Fall eintreten, daß infolge mangelnder Kohlenversorgung der Aktionsradius der russischen Schiffe sehr eingeschränkt und ihre Gefechtsfähigkeit auf ein geringes Maß reduziert wird. Damit rechnen denn auch die Japaner stark, deren sehr günstig gelegene Kohlenwerke die japanische Flotte mit völlig ausreichenden Kohlenmengen versehen können, die allerdings der englischen Kohle an Wert nicht gleich sind, aber doch vollständig genügen, um die Manövrierfähigkeit der japanischen Flotte in jeder Weise zu sichern. In russischen Marinekreisen hegt man die größte Besorgnis, daß das Hilfsgeschwader, bestehend aus dem Panzerschiffe Deliaba" und den Kreuzern ,, Dmitri Donskoi" und" Aurora", begleitet von zehn Torpedobooten und einem Kohlentransporte, dem Dampfer„ Saratow", das sich jetzt noch im Indischen Ozean befindet, abgefangen wird. Die Gefahr für diese Schiffe beginnt nämlich schon auf dem Breitengrade von Formosa, den Pescadoren und den Liu- kiu- Inseln, in deren Buchten wohl zahlreiche japanische Torpedokreuzer ihre Beute erwarten werden. Soweit die beachtenswerte Zuschrist. Interessante Aufschlüsse über den Seelenzustand des Knaben vor der unseligen Tat gab seine eigene spätere Aussage. Er hatte, als an ein und demselben Vormittag die zweite Maßregelung erfolgte, bevor er sich heruntersetzte, einem Mitschüler zugeflüstert: Was wird denn nun meine arme Mutter dazu sagen?" Dann so erzählt der Junge ist vor dem Zeichnen die große Pause gekommen, ich hatte gerade das Messer aufgeklappt, um meinen Bleistift zu spiken, als der Lehrer rief:„ Alle herunter!" Ich ging aus der Bank und sah, daß der Lehrer, der nach Hause gehen wollte, an mir vorüberkommen mußte. Da bin ich heruntergesprungen." ,, Und hast ihn mit dem Messer gestochen?" Das weiß ich nicht. Dann ist mir meine Mutter eingefallen und meine Geschwister, und da habe ich zu schreien angefangen. Der Lehrer hat sich nach mir umgedreht und gesagt:„ Junge, du bist wohl verrückt geworden?" Ich habe ihn darauf gefragt: Darf ich mich wieder Zweiter seßen?" Man sieht die fire Idee, die sich nur um den einen Punkt, die vermeintliche Schande des Heruntergeseztwerdens dreht. Der Krieg in Oftalien. Die Russen, die in diesen Tagen ihr Hauptaugenmerk darauf richten, den Hafen von Port Arthur gegen erneute Angriffe von seiten der Japaner möglichst zu sichern, Neue russische Verstärkungen zur See, Deutfcher Reichstag. ( 32. Sigung.) CB Berlin, 13. Februar. Die Auseinandersetzung über freie Aerztewahl, Kassenand Vertrauensärzte, die sich endlos weiterspinnt, wurde heute im ersten Teil der Sigung durch Wah I prüfungen unterbrochen. Sehr unterhaltsam war das Zwischenspiel nicht. Die Wahl des Dr. Braun( Soz.), Wahlkreis Frankfurt- Lebus, beantragte die Kommission für ungiltig zu ererklären. Da neues Material nachträglich beinebracht worden ist, beantragte Abg. Groeber( 3tr.) Zurückweisung der die Sache an Wahlprüfungskommission. Darüber wurde fünfviertel Stunde geredet, worauf der Antrag Groeber angenommen wurde. Sodann fam das schon zu Tode gehetzte Kapitel„ Reichsgesundheitsamt" wieder an die Reihe. Die Debatte ist weder interessanter noch belangreicher als gestern. Höchstens wäre die Auseinandersetzung zwischen dem Sozialisten Stadthagen und dem Freisinnigen Mugdan zu erwähnen. Ersterer behauptet, die Zahl der Toten und Verwundeten in der Industrie sei im letzten Jahre mit 120 000 größer, als die der Gesamtzahl der Toten und Verwundeten im deutsch- franzöfischen Kriege auf deutscher Seite. Abg. Mugdan weist die maßlosen Uebertreibungen des Vorredners zurück. Die Sozialdemokraten überschütteten die bürgerlichen Parteien mit den heftigsten Vorwürfen und seien doch selbst die größten Feinde aller Sozialpolitif. Das war der„ Clou" der heutigen vierstündigen Sitzung! die sich vom heimischen Ostseehafen Kronstadt aus nach Ostasien begeben sollen, werden selbstverständlich auch mit großen Schwierigkeiten betreffs der Kohlenversorgung zu kämpfen haben, da sie ihre Kohlenvorräte in neutralen Häfen nur soweit ergänzen dürfen, daß sie imstande sind, den nächsten russischen Hafen zu erreichen. Deshalb sind die Japaner stets in der Lage, ihre Bewegungen zu kontrollieren und ihnen einen Hinterhalt zu legen. Die Aufsicht, die die Engländer am Suezkanal üben, ist äußerst streng. Das österreichische Kohlenschiff" Java", das für einen Kohlentransport nach Port Arthur gemietet war, ist auf Anweisung des Auswärtigen Amtes in Kairo für ein Schiff der kriegführenden Mächte erklärt worden und sollte sofort den Hafen Port Said verlassen. Das Schiff löschte daher die Kohlen. Ebenso bat die äandtische Regierung das Ersuchen Rußlands Die Politik. Wenn nicht alle Zeichen trügen, ist der ZehnstundenArbeitstag im Anzuge; vorläufig allerdings bloß für erwachsene Arbeiterinnen. Der Bunderat hat bereits den Einzelstaaten anheimgegeben über diese Frage Erhebungen anzustellen. Als Grundzüge sind hierbei angenommen worden die Herabjegung der zulässigen täglichen Arbeitszeit von 11 auf 10 Stunden und am Vorabend der Sonnund Festtage auf 9 Stunden. Bei Bewilligung von Ueberarbeit soll die tägliche Arbeitszeit an Wochentagen 12 Stunden und am Vorabend von Sonn- und Feiertagen bei Arbeitsschluß spätestens 7% Uhr 9 Stunden nicht überschreiten. Die Beschäftigung von Wöchnerinnen soll vor Ablauf von sechs Wochen nach ihrer Niederkunft überhaupt nicht und während der folgenden zwei Wochen nur dann gestattet wer den, wenn das Zeugnis eines approbierten Arztes dies für zulässig erklärt. Nicht erst im nächsten Jahr, sondern schon jetzt, und zwar noch in diesem Frühling, wird voraussichtlich die zweijährige Militärdienstzeit gesetzlich festgelegt werden. Nach den Mitteilungen des preußischen Kriegsministers v. Einem in der Budgetkommission des Reichstags sollte über die gesetzliche Einführung des bisherigen Provisoriums mit der zweijährigen Dienstzeit erst im nächsten Jahre, bei der Beratung des neuen Quinquennats, die Entscheidung fallen. Die Streichung der neugeforderten Unteroffizierstellen durch die Kommission hat der Regierung den Gedanken nahegelegt, bei der zweiten Lesung die Frage der gesetzlichen Einführung der zweijährigen Dienstzeit aufzurollen. Selbstverständlich will sie diese Festlegung von einer Reihe Konzessionen abhängig machen, deren erste die Vermehrung der Unteroffizierstellen und die Besserstellung des Ausbildungspersonals sein soll. Weitere Gegenforderungen der Regierung für die Gewährung der zweijährigen Dienstzeit richten sich dann auf die Erhöhung der Friedenspräsenzstärke, die in Form eines Quinquennats vom Reichstage zu genehmigen wäre. Indessen soll das Quinquennat erst mit dem 1. April 1905 beginnen. Wie stark die von der Regierung verlangte Erhöhung der Friedenspräsensstärke ist, darüber ist einstweilen nichts bekannt. + Vom Hereroaufstand liegen einstweilen Nachrichten über neue Kämpfe nicht vor. Dagegen treffen täglich neue Mitteilungen über die Opfer der früheren Ueberfälle und Kämpfe ein. So ist der bei Omaruru schwer verwundete Leutnant Freiherr v. Wöllwarth- Lauterburg gestern seinen Wunden erlegen. Nach einer Braunschweiger Meldung traf bei dem dortigen Kaufmann Külbel, der kürzlich einen in bester Stimmung verfaßten Brief seines Sohnes zugleich mit der Nachricht von dessen Ermordung durch Hereros erhielt, jetzt die Nachricht von der Ermordung des Chefs eines zweiten Sohnes ein. Der bekümmerte Vater fürchtet, daß auch dieser Sohn ein Opfer des Aufstandes geworden ist. Ein ähnliches Herzeleid scheint dem Kolonialwarenhändler Ganshorn in Ludwigshafen beschieden zu sein. Sein Sohn August, der im Dienst der Kolonialgesellschaft für Südwestafrika stand, ist als Leiche gefunden worden. Ein jüngerer Sohn, der bisher in Swakopmund in Stellung war, scheint bei Omaruru gefallen zu sein. Erfreulicherweise gewinnt demgegenüber die Annahme Wahrscheinlichkeit, daß diejenigen Deutschen, die sich bei Ausbruch des Aufstandes nördlich von Waterberg befanden, nicht getötet wurden, sondern nach Otavi zu geflüchtet sind und sich dort aufhalten. Eine sichere Nachricht hierüber zu erhalten, scheint vorderhand unmöglich, da die Hereros zweifellos alle Boten abfangen würden. Russland. an Die Verlegenheiten der russischen Regierung in Ostasien scheinen gewisse Kreise benüßen zu wollen, um die russischen Polen aufzuheken. In einigen Bezirken des Weichselgebietes reden unbekannte Agitatoren den Bauern zu, daß man jetzt gegen die Russen losziehen müsse. Woher diese Agitation kommt, ist noch nicht festgestellt. E ist allerdings nicht zu befürchten, daß diese Agitation, die auch die polnische Presse energisch bekämpft, eine größere Ausdehnung nehmen werde, aber es könnte doch vorkommen, daß hier und da die Bauern sich zu Ausschreitungen verleiten ließen. Da sich die Polen mit der Idee der Wiederherstellung eines polnischen Reiches tragen, so ist es nicht unmöglich, daß einige Hißköpfe mit dem Gedanken kokettieren, aus dem ostasiatischen Kriege für ihre besonderen Zwecke Nußen zu ziehen. Herauskommen wird da bei natürlich nichts. Türkei. Heer und flotte. Von angeblichen neuen Uniformänderungen, die nahe bevorstehen sollen, weiß ein Berliner Blatt zu berichten. In Petersburg sei der deutsche Oberst v. Schenk, Kommandeur des Alexanderregiments, eingetroffen, um im Auftrage des Kaisers Wilhelm Muster der russischen Offizierfäbel mit Lederscheide, sowie Uniformstücke zu erbitten, da man sich in Deutschland mit der Absicht trägt, die stählernen Scheiden durch solche aus Leder nach russischem Muster zu ersetzen. Die Nachricht klingt wenig glaublich. Aus den Parlamenten. * Das neue Heim des preußischen Landtages hat nach amtlichen Mitteilungen einen Gesamtkostenaufwand bon 13 054 000 Mark verursacht. Auf das Abgeordnetenhaus entfallen 5%, Millionen, auf das Herrenhaus und die beiden Präsidialgebäude 4,2 Millionen. Die innere Einrichtung des Abgeordnetenhauses hat 850 000, die des Herrenhauses und der beiden Präsidentenwohnhäuser 973 000 Mark erfordert, der Verbindungsoder Ministerbau 363 000, das Kessel- und Maschinenhaus 402 000 und die Nebenanlagen verschiedener Art 814 000 Mark. Offenbar durch die Vorgänge in Ostasien ermutigt, beginnt der Kranke Mann am Goldenen Horn unvermutet wider den Stachel zu löcken: Die Pforte operiert mit allerhand Mittelchen, die eine Verschleppung der mazedonischen Reformen zur Folge haben soll. So hat sie neuerdings einen besonderen türkischen Kommandanten für die mazedonische Gendarmerie bestellt, obwohl doch nach den russisch- österreichischen Reformvorschlägen der italienische General de Giorgis die Gendarmerie befehligen sollte. Selbstverständlich wollen die Mächte von dieser faulen Finte nichts wissen. und das Ergebnis ist, daß wieder einmal zeitraubende Verhandlungen im Gange sind, während deren die Reformaktion selbstverständlich auf dem toten Aste sitzen bleibt. Da ist es denn kein Wunder, daß den reformfeindlichen Albanesen der Kamm schwillt: Im Nordwest des Vilajets Uesküb macht die albanesische Bewegung entschiedene Fortschritte. Während sie sich anfänglich gegen die Viehsteuer richtete, entwickelt sie sich jetzt zu einer Opposition gegen die Reformen. Schensi Bascha hat alle verfügbaren Truppen in die unruhigen Bezirke entsandt. Er glaubt, daß, wenn energisch vorgegangen werde, Hoffnung vorhanden sei, die Bewegung einzudämmen... Das heißt in flarem Deutsch: Die Ausdehnung Der Bewegung ist sicher. Das Frühjahr wird uns Zustände auf dem Balkan bringen, die alles weit hinter sich lassen, was bisher dort sich ereianet hat. Afrika. Der Zentrumsabgeordnete Gröber vollendete am Donnerstag sein 50. Lebensjahr. Die Zentrumsfraktionen des Reichstags und Landtags veranstalteten aus diesem Anlaß im Restaurant des Reichstags eine Feier. Abg. Gröber erklärte in seinem Toast auf die Jungmannschaft des Zentrums, daß er zum erstenmal nach dem Septennatskampf von 1887 in den Reichstag gekommen sei, nachdem er unter der Devise Septennat aus voller Kraft gefämpft. Aber als er nach Berlin gekommen, habe er gelernt, daß die Politik die Kunst des Erreichbaren ſei. Gegen die Einfuhr chinesischer Kulis nach Südafrika haben eine Anzahl ehemaliger Burenführer, an der Spite Botha und Delarey, eine Protestfundgebung veröffentlicht und sie telegraphisch dem britischen Kolonialminister übermittelt. Leider wird dieser Protest kaum irgend welchen Erfolg haben. Die britischen Minenbesizer und alle diejenigen, die Minenaktien besigen, fordern die Einführung der Kulis als Vorbedingung einer besseren Rentabilität der Minen. Und wo die Rücksicht auf den Geldbeutel bei den Engländern in Frage kommt, da schweigen alle anderen Rücksichten. Auftralien. * Ein Veteranenessen findet heute im Festsaal des preußischen Abgeordnetenhauses statt. Unter den gegenwärtigen Mitgliedern des Hauses gibt es 81 Kriegsteilnehmer, von denen etwa die Hälfte zugesagt haben. Es wird beabsichtigt, die Beziehungen unter den Kriegsteilnehmern des Abgeordnetenhauses auch weiter zu pflegen. Aus dem Gerichtsfaal. § Ein Einjährig- Freiwilliger wegen Verschwendung ene mündigt. Wie das Berliner Amtsgericht I bekannt gibt, ist der am 5. Juni 1882 geborene Wilhelm Franz Karl Meßner aus Berlin, bisher Einjährig- Freiwilliger im 1. Pommerschen Ulanenregiment Nr. 4 in Thorn, durch Beschluß vom 11. d. M. wegen Verschwendung entmündigt worden. Der junge Herr muß es arg getrieben haben!! Ueber das soziale Leben und die soziale Bewegung in Australien kommen nur selten Nachrichten nach Europa. Man wähnt das goldene Land, in welchem der ewige Friede unter den verschiedenen Volksschichten herrscht. Und doch scheinen sie„ drüben" an den gleichen Uebeln zu leiden, die gleichen Kämpfe auszufechten wie wir. So meldet ein Telegramm aus Sydney, daß eine Versammlung dortiger Arbeit- geber aller Stände gestern eine gemeinsame Bekämpfung der Sozialdemokratie beschlossen habe. Dieser Beschluß zeigt, daß auch in Australien die Sozialdemofratie im Wachsen begriffen ist. § Die Altenberger Spielbankaffaire wird nunmehr Mitte März d. Is vor der Straffammer in Aachen ein gerichtliches Nachspiel erfahren. Die Mitglieder des Vorstandes der Spielbank werden sich zu verantworten haben, weil sie ohne Ermächtigung einen Spielklub von mehr als 20 Mitgliedern gebildet haben. Die Anklage stützt sich auf einen Paragraphen des code pénal. Ob die Angeklagten, die sich zum größten Teil inzwischen nach dem Auslande begeben haben, im Termine persönlich erscheinen werden, dürfte sehr fraglich sein. Nah und Fern. Lokales. 15. Februar 1904. ** Der Großherzog hat den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Ulrichstein Bertold Rausch zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Lich mit Wirkung vom 29. Februar 1904 ernannt. Erdbeben in Sachsen. In den letzten Nächten sind in Mittelsachsen neue heftige Erdbeben erfolgt. In Brand bei Freiberg kamen fünf starke Erdstöße vor, gleichzeitig herrschte ein starkes Gewitter mit Hagelschlag. Borstand Wilhelm tenhause Mt. für neuen toften den G ergebnis fäule am 3 Der Neun waldes, ftürzt. **( Privattelegramm.) Bei der heute erfolgten 3iehung der Großh. Hess.- Thür. Landeslotterie wurden gezogen die Prämie von □ Unwetter und Ueberschwemmungen. Im Bregenzer Wald ist ein bedutender Felssturz niedergegangen. Zwischen den Bahnhöfen Langeneck und Oberlangeneck ist die Bahn zrstört. Der Verkehr wird durch Umsteigen und durch Uebertragen des Gepäcks aufrechterhalten. Auch an anderen Orten Tirols sind Moorbrüche und Lawinenstürze niedergegangen. Wenn das Tauwetter und der Regen andauern, ist an manHen Orten das Schlimmste zu befürchten. Durch reißendes Anschwellen des Sarflusses sind in Spanien mehrere Ortschaften völlig unter Wasser gesetzt worden. Am meisten hat Padron gelitten. Aus der ganzen Umgegend ist Gendarmerie zur Hilfe herbeigeeilt. Es heißt, Daß eine Anzahl von Personen umgekommen seien. 75 000 Mt. auf Nr. 4449, welche zuletzt mit 300 Mark gezogen wurde, der Gewinn von 25 000 Mark auf Nr. 1179, 10 000 2818, " " " 5000 3000 1000 " " " 34 201, " " " 66 988 und je " 1905, 60 285, 68 628, 73 868 u. 88 962. ( Ohne Gewähr.) ** Dei Handelskammer zu Gießen hält am Mittwoch den 17. d. Mts., nachm. 312 Uhr, eine Sigung, in welcher u. A. beraten wird über; Gesezentwurf betr. Gemeindeumlagen; Kaufmannsgerichte; Vertretung der Binnenschiffahrt in den Bezirkseisenbahnräten; Erhebung der von Angestellten geleisteten Kautionen zu den bevorrechtigten Forderungen; Ersaßpflicht der Eisenbahnverwaltung bei Bruch von Tonröhren. * Zu dem neuen Gefeßentwurf über die Gemeindeumlagen wird schon in allernächster Zeit ein hessischer Städtetag Stellung nehmen. A Der Fall Rosada, der im Oktober und November Janz Italien in Aufregung versetzte, hat durch die Entlassung des Advokaten Rosada aus der Untersuchungshaft jetzt seine vorläufige Erledigung gefunden. Rosada war verdächtig, seine Mutter, die seit Mai spurlos verschwunden war, in einer Grotte der römischen Campagna ermordet zu haben. Der Verdacht wurde fast Gewißheit, als Nosada floh und wochenlang von der Polizei vergebens gesucht wurde, bis er sich in Florenz stellte. Seine Freilassung erfolgte wegen mangelnder Indizien. Aber vom Verbleib seiner Mutter weiß man immer noch nichts. § Nach Kiautschon. Im Herbst 1904 wird eine gröBere Anzahl tropendienstfähiger Dreijährigfreiwilliger für die Besatzung von Kiautschou zur Einstellung gelangen. Ausreise: Frühjahr 1905, Heimreise: Frühjahr 1907. Bauhandwerker( Maurer, Zimmerleute, Dachdecker, Tischler, Glaser, Töpfer, Maler, Klempner 2c.) und andere Handwerker( Schuhmacher, Schneider 2c.) werden bei der Einstellung bevorzugt. Auf der Flucht vor der Liebe. Erzherzog Ferdinand Karl von Desterreich, der in letzter Zeit wegen seines Prager Liebesromans viel genannt wurde, ist in Begleitung des Hauptmanns Fraß vom 3. Regiment der Tiroler Kaiserjäger zu einem mehrtägigen Besuche bei seinem Schwager, dem Herzog Albrecht von Württemberg, in Stuttgart eingetroffen. Von dort gedenkt der Erzherzog, dem bekanntlich vom Kaiser Franz Josef ein sechsmonatiger Urlaub bewilligt wurde, nach Spanien weiterzureisen. Ob es ihm gelingen wird, sich durch diese Flucht die Liebe aus dem Herzen zu reißen? * Die tinematographischen Vorführungen der Ortsgruppe Gießen des deutschen Flottenvereins haben einen recht erfreulichen Zuspruch gehabt; auch das breite Bublifum nahm regen Anteil daran. Wir sind darum der Ueberzeugung, daß wenn wieder ähnliche neue Veranstaltungen von dem Zentralvorstand ausgehen, auch unsere Ortsgruppe ihren Mitgliedern und der Bürgerschaft solche ohne Risito bieten wird. O Vater, Mutter und Sohn gemeinsam in den Tod geBei Oberschönweide wurde eine ganze Berliner gangen. Familie, Vater, Mutter und Sohn, Vehlow mit Namen, aus der Spree gezogen. Die Unglücklichen, die an Schwermut litten, haben gemeinsam den Tod gesucht. Sie hatten sich mit Stricken zusammengebunden. Der Sohn war erst 24 Jahre alt. ** Das gestern stattgehabte farnevalistische Konzert des Turnvereins hat auch dieses Jahr wieder einmal seinen Mitgliedern einige fröhliche und köstliche Stunden bereitet. Das Auftreten seitens erster Humoristen, die Turnkunst an Reck, Pferd, Doppeltrapez und römischen Ringen, die Akrobatik der beiden luftigen Chinesen und des Zahnkünstlers, sowie des Salto- Mortaloklowns Schmidt und das Südländische Ständchen von Signor Berini hat auch diesmal gezeigt, daß die mitwirkenden Mitglieder ihr bestes zur Verherrlichung des schönen Abends beigetragen haben. Wie aus der Annonce ersichtlich, findet für Dienstag Abend eine karnevalistische Damen- und Herrensißzung mit anschließendem Tanz in der Turnhalle statt und dürfte das vorgesehene Programm nicht allein einen genußreichen Abend versprechen, sondern seine Erwartungen noch übertreffen. † Ein verhängnisvoller Scherz brachte in eine Arbeiterfamilie zu Blickershausen bei Hann. Münden tiefe Trauer. Der Hausvater hielt mit den scherzhaft drohenden Worten: „ Soll ich dich mal in den Wurstfessel werfen?" seine Nichte, das dreijährige Töchterchen des Schuhmachers A., während des Wurstmachens über den dampfenden Wurstfessel. In demselben Augenblick entglitt das Kind seinen Armen und fiel vor den Augen der entsegten Mutter( einer Schwester des Arbeiters) in die kochende Brühe. Das Kind konnte zwar noch lebend herausgezogen werden, war aber gänzlich verbrübt und starb noch furzer Reit * - Die Heiterfeit" zu Gießen hatte gestern im Café Leib ihren diesjährigen Mastenball. Wenn wir den Verlauf desselben furz charakterisieren sollen, so paßt wohl der Vereinsname" Heiterkeit" am besten oder wollen wir sagen der Verein hat seinem Namen voll und ganz Rechnung getragen. Wirklich prachtvolle Mastenkostüme waren zu sehen und bis zur frühen Morgenstunde blieb man in bester Laune beisammen. ** Die„ alte Post" in der Walltorstraße wird dem Vernehmen nach von Anfang März ab ein Herr W. Schneider aus Wezlar übernehmen. * ** Der Redakteur des in Mainz erscheinenden „ Israelit", Oskar Lehmann, hatte in seinem Blatte ein Inserat in hebräischer Sprache aufgenommen, das in Hessen unerlaubte Lose anpries. Auf Grund des§ 234 der Polizeiverordnung und§ 20 des Preßgesezes erhielt er den höchst zulässigen Strafbefehl von 85 Mt. Dagegen erhob er Einspruch. Die Geldstrafe wurde auf 45 Mark ermäßigt. + Der Luftmörder Florian Stefanelli aus Bozen, der bei Kaiserslautern ein 9 jähriges Mädchen Namens Michel so mißbrauchte, daß das Kind an den Folgen starb, wurde in Mainz festgenommen. D bei ihm des Ver verfchlo Verurter Gefängn Ehrenred Andreas Vodenro des§ Währen Heinem Angekla Gefund in der Wegen ruheftöre Familie dutch da und fed er nach Die vor den Ze κοίτδ, η * Ueber die hohe Mark im Taunus referierte am legten Donnerstag Herr Landgerichtsrat Schäfer im Oberhessischen Geschichtsverein. Die hohe Mark am Ostabhang des Taunus war mit ihren über 24 000 Morgen und 29 Dörfern noch im Anfang des vorigen Jahrhundert ein selbstständiges Rechtsgebilde mit eigener Verwaltung und eigener Rechtspflege. Der Schirmherr oder„ Waltbote"( der Besiger des Homburger Schlosses) berief alljährlich das Märferding, auf dem jeder Märker Stimmrecht hatte. Erst im Jahre 1813 erfolgte die Teilung der Mark: sie fiel an Frankfurt, Hessen und Nassau. Eine neue Teilung wurde im Jahre 1820 vorgenommen nach dem Untergang des Großherzogtums Frankfurt. = Klein- Linden, 13. Febr. Eine Anzahl hiesiger Bürger beabsichtigt demnächst einen Verein zu gründen, der sich die Aufgabe stellt, die lokalen Verhältnisse zu beraten und etwaige notwendige Verbesserungen anzuregen. Demnächst soll eine Versammlung einberufen werden, in welcher die Gründungsvorbereitungen getroffen werden. Lich. In das Genossenschaftsregister wurde eingetragen: das Statut der Landwirtschaftlichen Bezugsund Absatzgenossenschaft, eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht" mit dem Size zu: Bettenhausen. Gegenstand des Unternehmens ist gemeinschaftlicher Einkauf von Verbrauchsstoffen und Gegenständen des landwirtschaftlichen Betriebes, sowie gemeinschaftlicher Verkauf landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Der fügte Benehn De berlegt Artiste Jahr Werner find we Flagt. wurde fe Fleisch drei Tag berurteil wurden bom St ftrafe zurüdge die Ne U die Erhe Beschluß bühren halten a Fegerloh Regulat D Febru Ramint den Gel zu beha Hausb ift, zu in den und Ge Renntni 6 Die Beit bom geben wer Ang Armenami Lieferungs Gie 8027 wird auf d das Grund am Barres den Starl berfteigert Sie bruar 1904. ntsrichter bei zum Amts: ung bom 29. der heute er Jür. Landeslegt mit 300 inn bon 8,73 868 u. ne Gewähr.) Ben hält am eine Sigung, Bentwurf betr. ertretung der ; Erhebung en bevorrecht ahnverwaltung Gemeindeum scher Städteird eine grö igfreiwilliger Dung gelan ſe: Frühjahr leute, Dach Hempner 2c.) Schneider 2c.) führungen ereins haben das breite nd darum der eranstaltungen Ce Ortsgruppe ohne Risito Konzert des einmal feinen nden bereitet. Turnfunft an die Akrobatik ftlers, sowie Südländische gezeigt, daß erherrlichung Sie aus der eine tarne nschließendem borgesehene d versprechen, geftern im enn wir den o paßt wohl wollen wir anz Rechnung e waren zu man in befter traße wird 6 ein Herr scheinenden nem Blatte mmen, das rund des§ Preßgefezes von 85 Mt. trafe wurde Bozen, der mens Michel ftarb, wurde us referierte Schäfer im am Oftabhang gen und 29 ert ein felbftund eigener "( der Bedas Märte. Erst im fie fiel an lung wurde tergang bes ahl biefiger gründen, der zu beraten Demnacht welcher die burde einge en Bezugs: enfchaft mit Bettenift gemeinund Gegenvie gemeinniffe. Der Vorstand besteht aus: 1. Wilhelm Roth I, 2. Heinrich Wilhelm Nückel, 3. Wilhelm Pauly III, sämtlich in Bettenhausen wohnhaft. - Litterarisches. „ Ich weiß, Du hattest vieles mir zu sagen, es kündens ** Bad Nauheim. Die Regierung fordert hier 65 000 Deine Augensterne mir!" ist der Titel eines neuen Liedes Mt. für bauliche Veränderungen 35 000 Mt. für einen des durch seine schnell populär gewordenen Tonstücke bestens neuen Mufifpavillon, 10 000 Mt. für neue Projektierungs- bekannten Konponisten Otto Bechlin. Der zu Herzen gehende fosten und 20000 Mt. für eine Süßwasserbeschaffung für Text stammt von Ernst Gutjahr. Die Musik ist einschmeiden Schwalheimer Brunnen welche aus dem Betriebs- chelnd, die Instrumentation einfach, aber überaus klangreich. Bu beziehen ist es durch alle Musithandlungen oder direkt ergebnis gedeckt sind. vom Verleger Otto Bechlin, Karlshorst bei Berlin. - Marburg, 12. Febr. Die Einweihung der Bismarcksäule am Abhang der Lahnberge soll am 21. Junt erfolgen. Darmstadt, 12. Febr. Der große Aussichtsturm auf der Neunkircher Höhe, dem höchsten Punkt des Odenwaldes, ist heute Nachmittag durch den Sturm umge stürzt. Aus dem Gerichtssaal. Straffammer. Gießen, 12. Februar 1904. Der Landwirt Kaspar Kurz von Klein- Felda und seine bei ihm wohnende Schwiegertochter Marie Kurz Witwe sind des Bergehens gegen§ 173. St. G. B. angeklagt. Die bei verschlossenen Türen stattgehabte Verhandlung führte zur Verurteilung der Angeklagten zu 1 Jahr bezw. 5 Monate Gefängnis. Dem Kaspar Kurz wurden auch die bürgerlichen Der Schafhändler Ehrenrechte auf 5 Jahre aberkannt. - Andreas Heinemann und der Schäfer Josef Birkenstock von Bockenrode wurden vom Alsfelder Schöffengericht auf Grund des§ 328 zu 4 bezw. 2 Tagen Gefängnis verurteilt. Während Birkenstock sich bei dem Urteil beruhigte, legte Heineman Berufung ein. Die Verhandlung ergab, daß die Angeklagten eine Schafherde ohne den vorgeschriebenen Gesundheitsschein transportirt haben. Die Entscheidung soll in der Sigung vom 19. d. Monats verkündet werden. Wegen Hausfriedensbruchs, Sachbeschädigung und Verübung ruheftörenden Lärms, sowie wegen Vernachlässigung seiner Familie wurde der Maurer Ludwig Paul von Schlig, durch das dortige Schöffengericht zu drei Monaten Gefängnis und sechs Wochen Haft verurteilt; auch wurde verfügt, daß er nach verbüßter Strafe dem Arbeitshaus zu überweisen sei. Die von dem vielfach vorbestraften Angeklagten, welcher von den Zeugen als Müßtggänger und Trunkenbold geschildert wird, verfolgte Berufung, wies das Gericht zurück und verfügte seine sofortige Festnahme. Wegen ungebührlichen Benehmens vor Geriat erhielt er eine dreitägige Haftstrafe. Der Schuhmachergeselle Heinrich Pfeiffer zu Gießen verlegte nach einer Differenz wegen eines Mädchens den Artisten Friedrich Gerstenberg mit einem Messer: Urteil 1 Jahr 6 Monate Gefängnis. Der Megger Heinrich Werner und dessen Ehefrau sowie deren Geſelle Georg Rühl find wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz angeflagt. Durch das Geständnis des Angeklagten Werner wurde festgestellt, daß bei der Wurstzubereitung, verdorbenes Fleisch Stärkemehl zugesezt worden ist. Werner wurde zu drei Tagen Gefängnis, dessen Ehefrau zu 20 Mt. Geldstrafe verurteilt, während Rühl mangels Beweis freigesprogen wurden mußte. Zum Schlusse wurde die Berufung des Dom Schöffengericht wegen Ruhestörung zu fünf Mark Geldstrafe verurteilten Spenglers August Pasbach von Gießen zurückgewiesen. - - Bekanntmachung, die Reinigung der Schornsteine betreffend. ** Berlin, 15. Febr. Die Neutralität DeutschI ands ist amtlich im Reichs- Anzeiger erklärt worden. Berlin, 15. Febr. Amtlich ist festgestellt, daß im Kampfe bei Port Arthur mehrere japanische Schiffe beschädigt wurden, aber keins davon gesunken ist. Eine andere Meldung besagt, daß auf russischer Seite 1 Offizier und 40 Mann tot, 464 Mann verwundet sind. - Der Kreuzer Hansa ist mit Kontreadmiral von Holzendorff in Port Arthur eingetroffen und an demselben Tage mit den deutschen Frauen und Kindern und der deutschen Post nach Tsingtau in See gegangen. * * Gouveneur Leutwein ist in Swakopmund angekommen, was er selbst dem Kolonialamt in einer Depesche anzeigt. Er übernimmt von jetzt an wieder den Oberbefehl über unsere gesamten Streitkräfte. Japanische Kostüm- und Malkunst nennt sich eine Bilderserie in der letzten Nummer des schönen Unterhaltungs- und Familienblattes Welt und Haus"( Leipzig). Gerade jetzt, wo Japan selber das Kriegslos gezogen hat, müssen diese prächtigen Kulturbilder, die japanisches Frauenleben und Kunstschaffen uns so greifbar vor Augen führen, ganz besonders reizen. Da tritt uns eine japanische Frau im Winterkostüm" z. B. mit einer geradezu überraschenden Lebendigkeit förmlich aus den Seiten entgegen. Und wie in diesem Hefte, das im übrigen fast ganz in Wort und Bild S. Hoheit dem Prinzen Karneval geweiht ist, entzückten uns auch in der vorigen Nummer von„ Welt und Haus", einem " Winterhefte", eine Fülle wahrhaft funſtvoller photogra- im phischer Aufnahmen, die ja überhaupt dieser Zeitschrift ein ganz einzigartiges Gepräge geben. Wer Welt und Haug" noch nicht kennt, dem empfehlen wir, sich einmal vom Verlage in Leipzig, Weststraße 9, Probenummern gratis tommen zu lassen. Man wird besonders auch davon überrascht sein, daß solch ein Blatt für ganze 20 Pfennige wöchentlich zu erftehen ist. Neueste Nachrichten. Korca unbestritten in japanischem Besitz. Während die Russen anfangs geschafft hatten, durch hren Einfluß in Söul den Japanern Schwierigkeiten zu bereiten, haben sie jetzt ungültig die Aussichtslosigkeit dieses Planes eingesehen. Der russische Gesandte am koreanischen Hofe hat die Hauptstadt bereits verlassen und mit ihm haben die Gesundtschaftswache und sämtliche russische Bewohner Söul den Rücken gekehrt. Sie erhielten von den Japanern freies Geleit bis Tschemulpo, wo sie sich nach der Heimat einschiffen. Trotzdem die koreanische Regierung und auch das Volt den Japanern durchaus nicht freundlich gesinnt waren, wird doch die Ermordung der Kaiserin dem Anstifter - so ist es doch unmöglich, daß sie sich dem zugeschoben, Drud von Japans Uebermacht nicht hätten fügen sollen. Der Echattenfaiser mit seinen russischen Sympathien zählt nicht mit, die Japaner sind unbestrittene Herren Koreas von der Südspite bis zum Jelufluß. Hier soll es übrigens bereits zu einem Vorpostengefecht zwischen Russen und Japanern gekommen sein, wodurch unsere Aussage, daß die Russen sich hier dem japanischen Vordringen in die Mandschurei entgegenstemmen würden, beseitigt wird. - * Tokio, 13. Febr. Die chinesische Regierung hat gestern eine Proklamation erlassen, in der sie die Neutralität Chinas erklärt. Bekanntmachung. Kirchliche Nachrichten für Gießen. Montag, den 15. Februar, abends 8 Uhr, Bibelstunde Konfirmandensaal der Johanneskirche. Text: Galaterbrief Stap. 4, 12-30. Pfarrer Dr. Naumann. Mittwoch, den 17. Febr., ab. 6 Uhr: 1. Passionsandacht in der Johannesfirche. Pfarrer Dr. Naumann. Marktberichte. * Frankfurter Hen- und Strohmarkt vom 12. Februar.( Amtl. Notierungen.) Heu per 8tr. 3.00-3.60 Mark, Stroh per 3tr. 1.80-2 30 Mt. Arbeitsnachweis der Stadt Gießen. Gartenstraße Nr 2( Bürgermeistereigebäude) Zimmer Nr. 14. Es können eingestellt werden: 1 landw. Knecht, 1 landw. Magd, 1 Schlosser, 1 Küfer, 2 Schreiner( auswärts), 1 Friseur, 1 Schneider, 1 Buffetmädchen, 1 Küchenmädchen, 1 Köchin, 8 Dienstmädchen gegen hohen Lohn für hier und auswärts, 1 Kindermädchen. Lehrlinge: 1 Spengler, 1 Schlosser, 1 Feinmechanifer, 2 Buchbinder, 1 Tapezierer, 2 Schreiner, 3 Bäcker, 1 Schuhmacher, 1 Weißbinder und Lackierer, 1 Kaufmann. Es suchen Arbeit: 1 Schmied, 1 Spengler, 1 Buchbinder, 1 Schreiner, 1 Wäscherin, 2 Ladierer, 3 Hausburschen, 4 Fahrburschen, 6 Lauffrauen, 2 Bureaugehilfen. mann. Lehrlinge: 1 Mechaniker, 1 Schlosser, 1 KaufBerantwortlich: für den politischen und Inseratenteil: Albin Klein für das Lokale, den Gerichts-" und" Deffentlichen Sprechsaal": Fr. Oppermann AMTLICH GLANZEND BEGUTACHTET: NUR 25 Pf SALUTARIS TOILETTE- FETT- SEIFE NUR 25 Pfo Unübertroffen für Haut- u Teintpflege: Rein, mild, sparsam. C.Naumann, Seifen- u. Parfümeriefabrik, Offenbach a.M. = Bau und Nukholz- Versteigerung der Stadt Gießen. Montag, den 29. Februar 1904, vormittags 10% Uhr beginnend, im Saale des Lenz'schen Felsenkellers zu Gießen in der Nähe des Bahnhofes, versteigert werden. 76 Eichen Stämme, Schnittholz, mit 66,99 Festm. Bauholz, 70,69 Schwellenholz," 145,42 Grubenholz, Die noch nicht ausgeloften Stücke des 4proz. AnUm die Hauseigentümer in den Stand zu setzen, selbst lehens der Stadt Gießen vom Jahre 1899 werden hierAus den Waldungen der Stadt Gießen, 3-5 Km. von die Erhebung der Kaminfegergebühren zu prüfen, sind auf mit zur Rückzahlung auf den 15. Mai ds. Js. gekündigt. Beschluß des Kreisausschusses, zunächst probenweise, Ge- Den Beſizern ſolcher Stücke wird jedoch freigestellt, deren der Bahnstation entfernt, und an chaussierte Abfuhrwege halten auf der Borderseite Rechnung und Quittung über den umgewandelte Stücke zahlt die Stadt Gießen eine einbührenzettel eingeführt worden. Die Gebührenzettel ent- Binsfuß auf 3½ Proz. herabseßen zu lassen; auf derart angrenzend, follen Die umzuwandelnden Fegerlohn, während die Rückseite einen Auszug aus dem malige Vergütung von 1 Proz. Regulativ, die Reinigung der Schornsteine betreffend, enthält. Stücke sind im Lauf des Monats März mit den nach Die Kaminfeger find angewiesen worden, vom 15. dem 15. Mai fällig werdenden Zinsscheinen nebst ErFebruar 1904 ab den Hausbesißern nach der stattgefundenen neuerungsschein unter Beifügung eines doppelten NummerKaminreinigung einen Gebührenzettel über die ihnen zustehen- berzeichnisses bei einer der nachbenannten Ginlösungsden Gebühren, versehen mit Quittung über die erfolgte Bahlung stellen vorzulegen. Das eine Nummerverzeichnis wird mit Empfangsbescheinigung sofort zurückgegeben. zu behändigen. abgestempelten Stücke mit neuen Zinsscheinbogen, und 1. bis 14 Timpfangsbescheinigung entgegen genommen der Herauszahlung mit 1 Proz. können in der Zeit vom 1. bis 14. Mai bei der Hinterlegungsstelle gegen Rück werden. Wir bringen dies unter dem Anfügen zur Kenntnis der zu Hausbesizer, daß den letteren hiermit auch Gelegenheit geboten ift, zu kontrollieren, daß die Reinigung der Kamine regelmäßig in den vorgeschriebenen Beitabschnitten erfolgt. Beschwerde über Unregelmäßigkeiten in der Dienstführung und Gebührenerhebung der Kaminfeger bitten wir zu unserer Kenntnis bringen zu wollen. Gießen, den 13. Februar 1904. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Die Brotlieferung für die hiesigen Stadtarmen für die Zeit vom 1. April 1904 bis 31. März 1905 soll neu vergeben werden. Angebote sind bis zum 5. März d. Is. an das städt. Armenamt, Neuenbäue 25 schriftlich einzureichen, wo auch die Lieferungsbedingungen eingesehen werden können. Gießen, den 11. Februar 1904. Die Armen- Deputation der Stadt Gießen. Curschmann. Die Die Verzinsung der nicht umgewandelten Stücke hört mit dem 14. Mai ds. Js. auf. Die Umwandlung und die Einlösung der nicht umgewandelten Stücke erfolgt: bei der Stadtkasse Gießen, bei dem Bankhause Aron Heichelheim in Gießen. bei dem Bankhause Gebr. Neustadt in Frankfurt a. M. Gießen, den 8. Februar 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. In der Zeit vom 6. Februar bis 13. Februar 1904 wurden in hiesiger Stadt gefunden: 1 ſeidn. Halstuch, 1 Taschentuch und 1 Sack Weizen. berloren: 1 goldn. Medaillon, 1 Portemonnaie mit 3-4 Mark Inhalt, 1 Geldtäschchen mit etwa 40 Pfg. Inhalt, 1 schwarze Mappe mit Drucksachen und 1 Muffkette. Mittwoch, 17. Februar, vormittags 11 Uhr, wird auf der Bürgermeisterei- Zimmer Nr. 15 Entlaufen ist: 1 russ. Windhund, 1 kleiner rotbrauner Hund und 1 Dackelhund. das Grundstück Flur X Nr. 76 und 77= 5753 qm Acker am Barresgraben, links des Schüßgesborner Weges, früher Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenden Karl Plank II. Erben gehörig, auf 6 Jahre in Pacht stände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. versteigert. Bekanntmachung. Gießen, 12. Februar 1904. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Gießen, den 13. Februar 1904. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. 144 Н 262 " " 773 " " mit 1159 Fichten- Stämme " " " 577 Riefern216,69 442,63 237,72 n " " " " 60 Erlen= " " 28,64 " 1 Birken- Stamm 0,59 79 " 1 Elsbeer- Stamm " 1 Weißtanne- Stamm 0,15 1,72 " 19 11 334 Fichten- Derbstangen 20,43 " 1 2,47 " " " 39 Eschen10 Rm. Eichen- Nußscheitholz. Gegen Sicherheit wird Zahlungsfrist bis 1. Oftober 1904 gewährt. Gedruckte Verzeichnisse über die Dimensionen der zur Versteigerung fommenden Hölzer sind von der unterzeichneten Stelle vom 20. d. Mts. ab gegen Erstattung der Druckkoften erhältlich. Wegen vorheriger Besichtigung des Holzes wende man sich an die Forstwarte Geisel- Gießen, Arft.Hochwarte bei Gießen, C. Brück- Rödgen bei Gießen und Log- Wieseck. Gießen, 12. Februar 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Die Wolkengasse wird wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten von Freitag, den 12. 1. Mts. an auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrradverfehr gesperrt. bis Gießen, den 11. Februar 1904. Großh. Polizeiamt Gießen. Hechler. Wegen bevorstehender Verlegung unseres Wäsche-, Ausstattungs- und Betten- Geschäfts unterstellen wir unser ganzes Warenlager einem Räumungs- Ausverkauf. Die Preise unserer sämtlichen Artikel in guten und bewährten Qualitäten haben wir bedeutend ermäßigt und bieten somit eine günstige Gelegenheit zum Einkauf außergewöhnlich billiger Ausstattungen, zumal die Leinen- und Baumwollpreise ganz wesentlich gestiegen sind. Sämtliche Winterwaren, Flanelle, Flanellbemden, Flanellbettücher, Colter, Unterzeuge etc. besonders billig. Reste aller Artikel ganz wesentlich unter Preis. Neu! Neu! Fastnacht- Dienstag- Abend den 16. Februar Große karnevalistische Herren- u. Damenlizung mit reichhaltigem Programm in sämtlichen Räumen der Turnhalle des Turnvereins Gießen.. Auftreten hervorragender Humoristen, Akrobaten, sowie Gerätefünstler. Besonders hervorgehoben sei das Auftreten des befannten Humoristen und Sängers Herrn Bolligno aus Köln. Hieran anschließend: Tanz. Eintritt à Person 30 fg. Anfang 7,30 Uhr. Das V. T. G. Comité, Bier im Glas. D Versicherungsverein für Schweine zu Grünberg. Donnerstag, den 25. d. Mts. abends 8 Uhr: Generalversammlung im Englischen Hof. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht. 2. Rechnungsablage. 3. Entlastung des Rechners. 4. Antrag eines Vorstandsmitgliedes § 8 betreffend. 5. Neuvergebung der Taxation. Alle Mitglieder ladet freundlichst ein Der Borstand. Gothaer Lebensversicherungsbank a. G. Versicherungsbestand Bisher ausbezahlte Versicherungssummen Bisher gewährte Dividenden Mr. 840 000 000 420 000 000 " 210 000 000 " Neue Satzung vom 1. Januar 1904: Unverfallbarkeit vom Beginn der Versicherung an, luanfecht barkeit und Weltpolice nach zwet Jahren. Verwendung der Dividende wahlweise zur Prämienermäßigung oder ohne neue ärztliche Untersuchung zur Erhöhung der Versicherungssumme( jährlicher und selbst bividenden= berechtigter Summenzuwach 8.) Heinrich Hochreuther Gießen. Steinstraße 92. - aud C. Röhr& Co., Giessen. 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Louis Süßmuth, Steinberg u. Jakob Appel, Krofdorf 42 2. Steinmüller ( Gr. Linden) W. Steinmüller Wwe. Langgöns, Heinrich Weber, Heuchelheim, W, Weißel Lang- Göns, Karl Post Wiesed und Karl Spamer, Reiskirchen. W. Lein, KleinLinden 44 48 bei Louis Süßmuth " Steinberg 52 3 " W. Fabel und Speise- u. Salatkartoffel 2% zu den billigsten Tages! preisen empfiehlt - J. Hankel Schloßgasse Gießen Eifernes Wiederverkäufer erhalten Rabatt. Zugleich bemerke ich, um Täuschungen und Verwechselungen vorzubeugen, daß nur mir allein die Vertretung der Mainzer Wasser- Reservoir, Aktien- Brauerei für Gießen und Umgegend übertragen ca. 2 bm. haltend, billig zu verworden ist. Gotthilf Röhrle Bier- Großhandlung. Marburgerstraße 7. Telephon 344. Gießen. faufen. Näb. in der Erp. d. Bl. Salachthaus Heute Schweinefleisch 50Pfg. Karl Post, Wiesed 66 1 Kornbrod Karl Spamer Reiskirchen und Wilh. Schimmel Kinzenb.- Mühle 44 Der Brotverkäufer. Dieselben Breise, wie bei den hiesigen Bädern, außer bei Hrch. 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Die Traubenfrankheit, die Kartoffelfrankheit, der Brand oder Roſt d dustrielle Verwendung finden die wild jaurebatterien schon der Butteraus füßer, erzeugten„ Aether" wird der Milch vor dem Verbuttern Molkereien bei besitzt als fabrikation. Man hat nämlich gefunden, daß Butter aus durch Milchrebakterien lange in den holländischen faurer Milch ein feineres was auf den zurückzuführen ist. Batterien zugefe Nr. 36. Montag, den 15. sche Februar Familier Brotpreise 1904. den) M. Spamer, esed und ns, Harl , Weizel 8, Heinrich Mer Mwe. Heuchelen. Klein 44 al und Süßmuth 48 52 äufer. Die bei den zer bei Hrch. Shimmel Mühle 44 en und Spamer it, Wiesed 66 varzbrod 24 uar 1904 der. bruar. he 26 48 . 22 24 teit gerade das vorsichtige Zudecken und Abschließen der Nahrungsmittel, wobei alles feucht bleibt, führt am ehesten zur Schimmelbildung und das Werk, das diese niederen Pilze verrichten, stellt sich als eine„ Orydation" dar, als eine Produktion von Kohlensäure und Luft. Aber nicht alle Arten dieser Pilzgattung sind so harmlos und nüßlich. Die Traubenfrankheit, die Kartoffelkrankheit, der Brand oder Rost des Getreides ist das Werk von Schimmelpilzen, und wie hoch sich solch ein durch diese Pilze verursachter Schaden belaufen kann, zeigt die statistische Berechnung der in Preußen im regenreichen Jahr 1891 durch Getreiderost verursachten Ernteausfälle. Diese Ausfälle betrugen beim Weizen 73, beim Roggen 180, bei der Haferernte 165, d. h. also insgesamt 418 Millionen Mark! Uebrigens ist, was schon Goethe wußte, auch die Erfrankung der Fliegen im Herbst das Werk von Schimmelpilzen. - Unter den Sproßpilzen sind die bedeutendsten die Hefepilze. Jede alkoholische Gärung wird durch diese erzeugt, indem sie Zucker zu ziemlich gleichen Teilen in Alkohol und Kohlensäure zerlegen und zugleich, je nach der Art des Hefepilzes, einen bestimmten„ Aether" erzeugen, der dem Weine das„ Bukett", das Aroma" u. s. f. verleiht. Aus der nämlichen Bierwürze, sagt Buchner, läßt sich, je nachdem die eine oder andere Hefeforte zur Anwendung kommt, ein sehr verschiedenartiges Bier erzeugen, und ähnliches gilt auch von der Weinbereitung. Für die Bierhefe liegen ausgezeichnete in der Carlsberg- Brauerei bei Kopenhagen angestellte Versuche von Christian Hansen vor. Die Hefe wird„ rein" kultiviert, und von dem Freisein( ,, wilde Hefe") fremder Beimengungen hängt die Güte des Bieres ab. Beim Weine, d. h. dem ausgepreßten Traubensafte, pflegt man die Hefe freilich nicht fünstlich zuzusetzen, sondern schon seit Noahs Zeiten von selbst", d. h. durch die den Beeren außen anhaftenden Hefezellen, die im Most sofort wuchern, in Gärung kommen zu lassen. Auch hier hängt nach neueren Untersuchungen die Qualität des Weines nur von der Hefcari ab; die berühmten Weinlagen verdanken also ihren Ruf weniger der Beschaffenheit ihrer Trauben als der Qualität der dort vorkommenden niederen Pilze! Daß auch Spiritus und Branntwein Erzeugnisse von Hefepilzen( aus der Kartoffel) sind, ist wohl bekannt.- Was endlich die Bakterien anlangt der Name(= Stäbchen) rührt von ihrer Form her, und Spaltpilze nannte Naegeli sie, weil ihre Vermehrung in der Weise vorgeht, daß sich jede Pilzzelle in die Länge streckt und dann in zwei gleichwertige Teile spaltet- so ist ihre Bedeutung für den menschlichen Haushalt in jedem Sinne eine wohl noch größere als die der beiden anderen Gattungen niederer Pilze. Sie erfüllen allüberall die Luft, uns unsichtbar; denn nicht weniger als etwa 1 Billion der Bakterien gehen nach Naegeli auf ein Gramm, und selbst die größten sind nur etwa ein Tausendstel Millimeter lang. Freilich ist die Zahl der Keime niederer Pilze immerhin wesentlich geringer als die Stäubchen mineralischer Art. Miquel( Paris) hat berechnet, daß auf einen Kubikmeter Luft in der Stadt etwa 500-4000 Pilzkeime( zu 200 000 Mineralstäubchen) kommen. Bakterien( z. B. das Bacterium coli commune, das im Darm des Menschen vorkommt) erzeugen die Ackerkrume; Mikroben verdanken wir die Bildung des Salpeters aus dem Ammoniak zersetter Eiweißstoffe. Auch hier mag eine Zahl stehen: im Jahre 1900 ist Chilisalpeter im Werte von nicht weniger als rund 70 Millionen nach Deutschland eingeführt worden. An den Wurzeln unserer Hülsenfrüchte nimmt man kleine Knöllchen wahr, die früher für Auswüchse gehalten wurden. Hellriegel und Nobbe haben nun vor kurzem gezeigt, daß diese Knöllchen Produkte von Bakterien sind, deren Wirkung darin besteht, den Stickstoff der Luft in Nahrungsstoffe ( Eiweiß) überzuführen, und die Landwirtschaft beginnt bereits aus dieser weittragenden Entdeckung die Nutzanwendung zu ziehen. Ein stickstoffarmer, ganz unfrucht barer Sandboden kann durch Ansiedelung dieser Bakterien berbessert und ertragreich werden. Ein Werk der Bakterien ist ferner die Essigfabrikation, bei der ein alkoholhaltiger, geringwertiger Wein, das sogenannte„ Essiggut" durch bestimmte Bakterien in Essig umgewandelt wird. Diesen Essig säurebakterien sind die Erreger der Milchgärung nahe verwandt. Sie bergären" den Milchzucker der Milch zu Milchsäure, ein Prozeß, der trotz des Aergers der Hausfrau, ein nützlicher genannt werden muß. Süße Milch muß zur Verdauung erst in unserem Magen gerinnen, in der sauren Milch haben die Bakterien diese Arbeit bereits geleistet, und so ist saure Milch eigentlich bekömmlicher als süße. Industrielle Verwendung finden die Wiilchjaurebatterten schon lange in den holländischen Molkereien bei der Butterfabrikation. Man hat nämlich gefunden, daß Butter aus saurer Milch ein feineres Aroma besigt als solche aus süßer, was auf den durch Milchsäurebakterien erzeugten„ Aether" zurückzuführen ist. So wird der Milch vor dem Verbuttern eine Reinkultur derartiger Bakterien zugesetzt. Was von der Butter gesagt, gilt auch vom Käse; der bekannte„ Gervais" z. B. verdankt seinen Wohlgeschmack den Bakterien. Die Herstellung des„ Sauerkohls", die Verbesserung der Tabaksblätter, das Schwißen der gegerbten Häute, die Gewinnung des Indigo, die Bereitung des Stärkemehls u. s. f. sind an die Entwickelung von Bakterien geknüpft. Uebrigens verwerten Chinesen und Japaner dir Bakterien schon längst in ihrem Haushalt. Neben dem aus Reis durch Mikrobengärung gewonnenen Safe, dem Nationalgetränk, sind es namentlich die Produkte der eiweißreichen, schwer verdaulichen Sojabohne, die Soja- Sauce- auch bei uns nicht unbekannt und der Soja- Käse, die sie mit Hilfe von Bakterien bereiten. - AUS FERNEN ZONEN Reiseverlegenheiten des Schahs von Persien. Die Gebieter Persiens sind in Europa ständige Gäste geworden. Daß sie es aber konnten, war mit großen Schwierigkeiten verknüpft. Es ist nicht uninteressant, einen kleinen Rückblick auf die Hindernisse zu werfen, welche sich der ersten Reise der„ Sonne des Weltalls" in das Land der Ungläubigen, deren Namen kein rechter Muselmann ausspricht, ohne Allahs Verzeihung dafür anzuflehen, entgegenstellten. Mehr noch als durch die fanatischen Mullahs, die in einer solchen Reise eine flagrante Regilionsverletzung sahen, wurden die Reisepläne des Schahs durch seine eigenen Lebensgewohnheiten erschwert. So hatte er bis zu jener Zeit sich gleich allen Persern beim Essen ausschließlich seiner Finger bedient. Wie war es nun möglich, ihn in der europäischen Art des Speisens zu unterweisen, ohne seiner Würde dabei zu nahe zu treten? Diese heikle Frage ward von dem Großvezier, der auf seinen Reisen mit dem Gebrauch von Messer und Gabel vertraut worden war, in ingeniöser Weise gelöst. Er veranstaltete eigene Gastmähler, bei denen die Gäste nach seiner Anleitung Messer und Gabel gebrauchen mußten, während der Schah, hinter einer mit kleinen Bohrlöchern versehenen Holzwand verborgen, ihrem Tun zusah. Da er das Gesehene vermutlich im stillen Heiligtum seiner Privatgemächer fleißig übte, so war es ihm schon nach acht Tagen möglich, den ganzen Hof durch seine Geschicklichkeit zu überraschen. Die zweite Verlegenheit bereitete ihm die Zahl seiner Frauen. Alle fünfundfünfzig mitzunehmen, ging nicht wohl an, und als Junggeselle zu reisen, fühlte er wenig Lust; so entschloß er sich endlich, sich während seiner Reise mit seiner Favoritin und einer alten Dienerin zu begnügen, die es besonders gut verstand, ihm des Abends die Kissen auf dem Boden zum Bette zu ordnen. Als er indessen bis nach Petersburg gekommen war und sich überzeugt hatte, daß es in Europa nirgends an hübschen Frauen fehle, machte er wenig Umstände und sandte seine beiden Begleiterinnen, all ihres Bittens und Weinens ungeachtet, auf dem kürzesten Wege nach Hause zurück. Eine dritte Schwierigkeit bot die Herbeischaffung des nötigen Reisegeldes, denn obwohl der Schah eine der reichsten Schatzkammern der Welt besaß, liebte er doch keineswegs, diese ohne die zwingendste Notwendigkeit zu öffnen. Doch auch hierfür fand sich ein einfaches Auskunftsmittel. Er machte einige Besuche mehr als gewöhnlich bei seinen Untertanen und die Geldmittel fanden sich. Bei diesen Besuchen weiß nämlich der Schah in bewunderungswürdiger Weise das Angenehme mit dem Nüßlichen zu verbinden. Er wählt unter seinen Hofleuten die Reichsten aus und läßt ihnen seinen Besuch ankündigen; diese, welche wohl wissen, daß eine solche Auszeichnung sehr bedeutende Vorteile, meist die Verleihung eines einträglichen Staatsamtes nach sich zu ziehen pflegt, beeilen sich, ihrer Freude durch die kostbarsten Geschenke: edle Pferde, Schmucksachen, Goldgeräte Ausdruck zu geben. Auch versäumen sie nicht, überall auf Gestellen und in Nischen kleine Säcke mit Goldstücken anzubringen, die von den Dienern des Schahs sogleich für ihren Herrn in Beschlag genommen werden. Nr. 36. Montag, den 15. Februar 1904. Oberhessische Familienzeitung. Cägliche Unterhaltungs- Beilage bez Gießener Neueste Nachrichten. und unt Berlag ber Glebener Berleg# bruderet, vorm. Wilh. Reller'sche Buchbinderst( gegr. 1789); ser ( Schluß) Der Zeuge. Roman von Marie Bernhard. So beginnt er denn, ihr allerlei zu erzählen, von diesem und jenem, ziemlich gleichgiltige Dinge, und konnt dann auf die geschäftlichen Unternehmungen zu sprechen. Diese Zeit heiße in der kaufmännischen Welt die stille", aber oft wahr lich mit Unrecht! Zum Beispiel eben jeẞt! Man wolle eine neuc Kreditbank gründen, ein Unternehmen von großer Tragweite, aber nur durch persönliches Eingreifen, genau eingehelten Informationen gutzuheißen. Da könne man sich auf feinen andern verlassen, man müsse selber an Ort und telle sein, mit den Aktionären reden und dergleichen mehr. Die Geschichte hat Hellmut sich während seiner Fahrt von kinem Geſchäftslokal hierher ausgedacht und findet sie sehr gut, hat sie auch in leidlich unbefangenem Ton vorgetragen, dabei aber immer Hildas Haar gestreichelt und sie an seiner Brust festgehalten, damit sie ihm ins Gesicht sehen kann. Also willst du verreisen!" sagt sie ruhig und richtet sich halb in seinen Armen auf. Wohin denn und wann?" Mein Kleinod, wie schwer es mir fällt, dich, auch nur auf furze Zeit, jetzt allein zu lassen. Aber siehst du, es muß diesmal wirklich sein! Eine Affaire von so großer Wich tigkeit „ Also wohin und wann?" unterbricht sie ihn von neuem. Ja, nach Hannover," kommt es etwas zögernd über seine Lippen und wann? Schon mit dem heutigen Nachtzug vom Lehrter Bahnhof. Ich hab' es verspätet erfahren, es ist, aber ich bin bald wieder bei dir, Liebling, sehr bald, ich hoffe, in zwei Tagen schon! Ich schreibe oder telegraphiere dir täglich! Hilda richtet sich vollends auf und sieht ihm in die Augen. Sag doch, Hellmut, ist das Schiff schon ange kommen?" „ Welches Schiff denn, mein Kind?" Er bückt sich, seine Verwirrung zu verbergen, und nimmt mit sehr spißen Fingern überaus behutsam ein welches Blättchen vom Blumentisch, das sich an die Spizen von Hildas Morgenkleid genestelt hat, von dort weg. „ Das Schiff, das Herrn Hendrichs und vielleicht auch deinen Vater bringt, die Swallow" von Yokohama! Sie fönnte schon seit mehr als acht Tagen zurück sein!" ,, Seit mehr als acht Tagen? Was du da sagst... nun. aber Hendrichs würde mich das immer wissen lassen, dessen fannst du sicher sein! Und es steht noch gar nicht fest, ob. du entschuldigst mich für einen Augenblick, liebes Herz, ich will nur eben sehen, ob Heinrich dabei ist, wenn mein kleiner Mantelsack gepackt wird, ich beauftragte beim Kommen Hotsumi damit, aber wenn der zufällig nicht bei Laune ist, dann ist er weiter nichts als eine japanische Attrappe. Gleich bin ich wieder da!" Mit einem nicht ganz natürlichen Lachen über die„ japanische Attrappe" verschwand Hellmut. Seine Frau sah ihm mit trüben Augen nach; wie schwer es ihm wurde, sich zu verstellen! Sie wußte es jetzt ganz genau, wohin und zu wem er reiste! Ein wütender Gewittersturm war über Nacht losgebrochen, und mit schwerer Sorge gedachte Hellmut Norden ( Nachdruck verboten.), seiner Gattin, die, seit sie körperlich leidend war, eine heftige Angst bei einem Gewitter empfand. Zu der Aufregung, die ihm der Gedanke an das nahe Wiedersehen mit seinem Vater und dessen bevorstehende Gröffnungen bereitete, gesellte sich die Vermutung, Hilda habe ihn, trop seinen vorsichtig getroffenen Maßregeln, durchschaut, und ihr Gesundheitszustand könne sich durch die gewonnene Erkenntnis verschlechtern! Mit bang klopfendem Herzen lauschte Norden junior auf den niederstürzenden Regen und den Sturm, der mit unheimlichem Pfeifen über die Ebenen fegte. Am nächsten Morgen früh qut e3 in Hamburg das daselbst berühmte Weltuntergangswetter". Hellmut war mit. ten in der Nacht von seinem alten Freunde Hendrichs auf dem Bahnhof empfangen und nach dessen Bause mitgenom men worden. Er hatte aber fast gar feinen Schlaf und wenig Appetit zu dem früh servierten Imbiß gehabt, und jetzt, um zehn Uhr schon, hielt sein Mietwagen in vollem Regen vor dem„ Hotei International", woselbst ihm ein herbeicilender Kellner mitteilte, Herr Norden sei schon außer Bett und bereit, ihn zu empfangen. Vor der bezeichneten Tür verabschiedete Hellmut seinen Führer und stand still, um Atem zu schöpfen, es dauerte sehr lange damit. Endlich, ein leises, zögerndes Klopfen; von drinnen eine matte Stimme: Herein!" Der gute Hendrichs hatte Hellmut mündlich wie schriftlich vorbereitet, sein Vater sei bedenklich verändert; demgemäß hatte Jener sich ein Bild gemacht, aber nun Alles, was er sich vorgenommen: ruhig, gefaßt zu er scheinen, keine Ueberraschung, vor allem, feinen Schmerz zu zeigen, um des Himmels willen dem kranken Mann keine Szene zu machen... es verschwand in diesem Augenblick. Mit einem Ausruf des Jammers, des Mitleids stürzte der Sohn seinem Vater entgegen, zog ihn ungeſtüm in seine Arme und hielt ihn da schluchzend fest. Und der Senior, als ob er den jungen Mann nie, nie mehr loslassen wollte, so hielt er ihn an sich, küßte sein Haar, sein Gesicht, stammelte vorworrene Liebesworte, in einem Fieber der Leidenschaft, mit einer Inbrunst und Hingebung, als müsse er dies Gnadengeschenk der Vorsehung, die ihm den Sohn einmal noch in die Arme führte, auskosten bis zuletzt. Wie ein verzweifeltes Stoßgebet rang es sich aus der Seele dieses schuldbeladenen Mannes los: Laß mich jetzt sterben, jetzt, auf der Stelle, barmherziger Gott!" Aber solche Gebete finden niemals Erhörung! Seine zitternden Hände ließen den Sohn los, schoben ihn sanft von sich:„ Es ist genug!" Aber er konnte noch nicht, nein, jetzt noch nicht! Wieder preßte er ihn an sein Herz, das in dumpfen, wilden Schlägen pochte:„ Hellmut, Hellmut!" Mein armer, lieber Vater! Warum hast du mich von dir gehen lassen? Warum famst du nicht gleich mit mir? Du kannst nicht ohne mich leben, ich sehe es jetzt!" Das werde ich müssen, mein Sohn, aber ich hoffe, nicht auf lange! Hier, set' dich, mich tragen die Füße nicht mehr, ja, ich bin sehr schwach! Ich habe dir schreiben wollen, denn was ich dir zu sagen habe... aber ich vermochte es nicht! ohnung, er Stadt geberm. ermieten. Der 1. April Herrn Forft d. Bl. einweg 9 G Gießen, Nr. 39. für bindungen aud gege er selbst der 2 Es ist tati bietet gerade regung zu ein und des Land behaupten, da Landgefeffenen deutsche Reich fich auch Tendenzen die die städtischen bölferung von eine Zunahme 60 99 Prozent ihr aus, oder mit wohnerziffern dauernden En verschiedene G iten Zuſamm Jahren. Von relativ bedent von 1890 se mehr Sammendräng einer intensive rungsversorgu Faftor des Ge wurden also mittel entglitt und wurde ein bei großen ihm 6 tun mit die güns andspreis stet jetitel Mir verwirrten sich die Gedanken! Ich habe oft gelesen, daß solche Beichten, wie ich sie dir machen muß, niedergeschrieben wurden und dann nach dem Tode des Betreffenden dem, für den sie bestimmt waren, in die Hände fielen. Ich habe das auch so machen wollen, fing immer von neuem an, aber es ging nicht, ich konnte nichts ordnen, nichts sichten, und die brennende Sehnsucht, dich einmal noch wiederzusehen, trieb mich her. So muß ich es dir denn sagen!" Du mußt nicht, mein lieber Vater! Wenn du freiwillig den Bann, der über meiner sonst so glücklichen Ehe liegt, lösen willst, werde ich dir das aufrichtig danken; aber wie könnte ich dich zwingen wollen? Sieh, verseze dich in meine Lage! Es ist mir unendlich schmerzvoll, daß ihr, meine beiden liebsten Menschen, du und Hilda, ein Geheimnis miteinander habt, ein wichtiges, ernstes Geheimnis, und ich stehe ausgeschlossen da! Es betrifft dich, ich weiß das, Hilda kann dies auch nicht leugnen, aber, zart und schwach, wie sie ist, schweigt sie konsequent, und sie hat mir neulich gesagt, keine Macht der Welt würde sie, solange sie noch ihre Besinnung habe, dazu bringen, sich selbst ihren Schwur des Schweigens zu brechen, auch dein Tod, Vater, vermöchte dies nicht! Abgesehen davon, daß es das Glück, die volle Harmonie der Ehe untergräbt, wenn ein Teil dem andern ein schweres Geheimnis verbirgt, daß das Mißtrauen geschürt, der Zweifel, das Bedenken erregt, hunderte von Stimmen wach werden, die in meinem Herzen bis dahin geschlummert hatten... so sehe ich auch, daß dieser Eid, den Hilda sich selbst geleistet, sie namenlos quält, daß dies Geheimnis ihre Seele belastet und sie fast zu Boden drückt. Denn in ihrem Herzen gibt sie, das weiß ich, mir tauſendmal recht, daß hingebendes Vertrauen die Hauptſtüße einer glücklichen Ehe ist, ihr Verstand aber weist sie unerbittlich auf ihr Gelübde des Schweigens hin, und dieser Zwiespalt macht sie elend! Als sie körperlich gesund war, konnte ſie den auf sie einstürmenden Gedanken wenigstens einigen Widerstand leisten, jezt, angegriffen, wie sie ist, von jedem geselligen Verkehre ausgeschlossen, verbringt sie ihre Tage mit qualvollem Grübeln, und der Arzt, der bis vor einiger Zeit immer noch guten Trost für mich wußte, ist jetzt auch ratlos und bedenklich. Er fürchtet, eine so zarte Natur könne möglicherweise unter fortgesetzten Erschütterungen" Hellmuts Stimme versagte, und er sah trübe vor sich hin. Der Senior war dicht neben den Sohn gerückt und hielt dessen Rechte in seinen beiden abgezehrten Händen. Als sein Blick sich von Hellmut losmachte und zufällig in den Spigel traf, eine große prahlerische Fläche in einem schönen Barockrahmen, wie die neuen, luxuriösen Hotels sie oft auf weisen, sah er sich selbst neben seinem Sohn ſizen, eine hinfällige, gebeugte Gestalt mit silberweißem Haupt- und Barthaar, faum mehr ein Schatten seines früheren Selbst- und Hellmut, obwohl schon etwas sorgenvoll und bleich, doch so kraftvoll und schön Vergangenheit und Zunkunft!" dachte er bei sich.„ Vermutlich hat er ein langes Leben vor sich, und Gott wolle es ihm gnädig gewähren und geben, daß es ein glückliches, gesegnetes sei! Ich aber habe aus dem Dasein zu scheiden, sehr bald, wie ich hoffe, daher steht die Partie unglech ich habe zu büßen für das, was ich begangen! Freilich ist es die härteste Buße, die es für mich geben kann, aber da Gott meinen Tod früher nicht gewollt hat, so muß ich sie auf mich nehmen!" Mit lauter Stimme begann er dann: ,, Ehe ich zu dir rede, Hellmut- und es ist zu deinem Glück unbedingt notwendig, daß ich dies tue, ich sehe es ein! sprich du zu mir! Wie stehen deine geschäftlichen Angelegenheiten? Hendrichs hat mir nur Günstiges darüber gesagt, aber ich möchte es von dir bestätigen hören. Bist du meinem Rat gefolgt, hast du die Verbindung mit Wien angefnüpft, und welches Resultat hast du bis jetzt erzielt? Sag' mir ausführlich von allem, wir haben später keine Gelegenheit mehr, mit einander zu sprechen!" Befremdet blickte Hellmut auf.„ Was soll das heißen, Bater?" „ Nach dem, was ich dir sagen muß, werden wir uns niemals wiedersehen, es sei denn, ich möchte dich in meiner Todesstunde noch einmal sehen. Du selbst wirst es nicht wünschen, wenn du mein Bekenntnis vernommen hast, mit mir zusammenzutreffen... und tätest du es auch, ich müßte es verweigern, ich könnte es nicht ertragen, und dies soll meine Strafe sein!" Frizz Norden sprach ziemlich ruhig, aber seinem Sohn stieg wieder, diesmal deutlicher denn je zuvor, die Ahnung auf, die ihm von Zeit zu Zeit unbestimmt vorgeschwebt war und die er, zornig über sich selbst, sofort in sich zu ersticken getrachtet hatte: es müsse im Vorleben seines Vaters eine dunkle, sehr dunkle Stelle geben, die ihm, dem Sohn, unbekannt sei und für ewige Zeiten geblieben sein würde, hätte nicht Hilda, seine Gattin, durch irgend eine unglückselige Schicksalsfügung davon Kenntnis gewonnen. Die letzten Worte seines Vaters: nach seiner Beichte dürfe und wolle er den Sohn nie mehr wiedersehen, und er betrachte dies als seine Strafe, machten ihm seine Ahnung fast zur Gewißheit. Er fühlte, wie seine Stirn feucht wurde, und ein eisiges Gefühl lähmend durch seine Glieder schlich. Also deine geschäftlichen Angelegenheiten, Hellmut! Wie steht es mit Wien?" Der Sohn räusperte sich heftig, ihm war die Kehle wie zugeschnürt; er mußte seine ganze Kraft zusammennehmen, um den Sinn der letzten Frage zu fassen und eine Antwort darauf zu geben. Zum Glück waren es nur ein paar Tatsachen, und zwar günstige, die er anzuführen hatte, aber die Stimme, mit der er das tat, klang heiser, und ihm war, als ob ein weſenloses Etwas rießengroß vor ihm emporwüchse, mit eiskalten Klammern sein Herz packte und zuſammendrückte und es so feſthielt! Er hatte geantwortet und es trat nun Stille ein. Eine große, kostbare Uhr lärmte monoton und geschwäßig in ihrem geschnitzten Gehäuſe. Da zog Norden senior seine Hand plößlich von der seines Sohnes fort, und wie dieser unwillkürlich wieder darnach griff, rückte er von ihm weg.„ Du darfst es nicht mehr, Hellnut, es iſt vorbei! Sag' deiner Gattin, ich dankte ihr für die Energie und Konsequenz, mit der sie schwieg, und ich wünschte ihr, sie möge nun frei aufatmen und dich glücklich machen. Aber dies spreche ich zu dir- ich wünsche, sie wäre niemals in mein Leben getreten, denn, ob mein böses Gewissen mich auch oft verfolgte und ruhelos umtrieb, sie ist vor mich getreten wie die verkörperte Rache, und der Rest meines Lebens, fern von dir, wird mir eine Qual, der Tod ein willkommener Erlöser sein! Denn ich, dein Vater, der in aller Augen, auch in den deinigen, für einen makellojen Ehrenmann gilt, bin ein Mörder gewesen, und dein Weib wußte darum!" Der stattliche Portier, der in der Vorhalle des„ Hotel International", auf seinen vergoldeten Stab gelehnt, die feuchte Luft einsog seit einer Stunde hatte es aufgehört zu regnen, und der Augusthimmel lachte blau und wolfenlos herab- wandte sich um und setzte sich in Positur, als er den jungen, schönen Mann herankommen sah, der vor etiva zweieinhalb bis drei Stunden in vollem Guß hier vorgefahren war. Er toollte ihn mit einem Gruß vorüberlassen - aber als er ihn dabei ansah, stuzzte er. Um Verzeihung, mein Herr sind Sie krank?" Der junge Mann schüttelte den Kopf und wollte vorbeigehen, ihm schien ein Einfall zu kommen, und er blieb stehen. In der Tat, ich bin nicht ganz wohl, wollen Sie mir einen Wagen besorgen?" Sehr gern, mein Herr!" Der Portier zog sein Pfeifchen hervor und setzte es an die Lippen. Gleich wird der Wagen hier halten." Schön! Und wäre es Ihnen möglich, ein paar zeilen besorgen zu lassen hier in Hamburg zu Herrn Hendrichs, Firma Hendrichs u. Kompagnie, am Jungfernstieg?" Der Mann verbeugte sich ehrerbietig. Die Firma ist mir sehr wohl bekannt. In fünf Minuten kann einer von unseren Dienstleuten bereit sein, um hinzugehen. Soll er auf Antwort warten?" Antwort? Nein!" Hellmut riß ein Platt aus seinem Taschenbuch und schrieb ſtehenden Fußes mit Bleistift ein paar zeilen: Ich kann Sie nicht wiedersehen, lieber Freund, ich reise sofort ab zu meiner Frau, senden Sie mir meine wenigen Sachen dorthin nach. Und, ich bitte Sie, fragen Sie mich nicht, was es gegeben hat, ich könnte es Ihnen niemals sagen! Dank für alles Gute, was Sie mir getan! Ich hoffe, wir sehen uns wieder. Ob ich das Leben werde ertragen können?" Den legten Satz strich Hellmut rasch durch, er blieb aber noch leserlich. Die Hand zitterte ihm, und er war so aufgeregt, daß er die Münzen aus seinem Portemonnaie verschüttete, als er den Wagen und den Portier bezahlen wollte. Mit einer ungeduldigen Handbewegung wies er das von der Erde aufgesammelte Geld zurück, klebte eine Briefmarke über den zusammengefalteten Zettel, sprang in den Wagen und fuhr davon. Es war Abend, als Hellmut in seiner Villa anlangte, ein milder, wonniger Sommerabend, der mit leuchtendem Pinsel die Abendröte an den Himmel malte und mit Purpur und Gold eine sorglose Verschwendung trieb. Etwas von all dem Licht- und Glanzgewoge schlüpfte auch zwischen den zugezogenen tiefblauen Vorhängen durch, die Hildas Fenster verhüllten, und zitterte als irrende Goldfünkchen über das schwarzbraune Haar weg, das ohne Regung auf dem Kissen lag. Schneeweiß und müde war das schöne Antlitz anzusehen, aber die Augen darin waren groß aufgeschlagen und wanderten unablässig von der seidebehangenen Wiege zur Thür... kam er denn immer noch nicht? Endlich... ein leiser, vorsichtig nahender Schritt, ein unterdrücktes Aufschluchzen, und ein Mann, der neben dem Bett kniet und sein Gesicht auf die schmale Hand preßt, die sich mühsam erhebt, um ihm über das blonde Haar zu streicheln. Dann kommt Hildas schwache Stimme: " Du warst in Hamburg, Hellmut? Sag' mir die volle Wahrheit, sie ist mir hundertmal besser als die quälende Ungewißheit. Du weißt alles?" " Ja!" Zitternd erringt es sich seinen Lippen. „ Mein armer, geliebter Mann!" „ Hilda! Mein Herz! Was Du gelitten haben mußt!" Ja, es war eine große und tiefe, eine echte und erprobte Liebe, die diese beiden verband! Zwei ernste Glückliche waren es, das sah Jeder, der tiefer blickte; so William Hendrichs, der oft bei ihnen war, ein wahrer Freund, der nie mit Wort oder Blick ihren wun den Herzen weh tat! Von Hellmuts Antlitz war der Sonnenschein von einer harten, erbarmungslosen Hand fortgewischt, er war ein stiller Mann geworden; sein Lächeln gehörte seinem Weib, das er vergötterte, und seinem liebreizenden Töchterchen, das ihn aus seiner Mutter blauen Augen anlachte. Im Verkehr mit Fremden und Bekannten war der bis dahin so lebensfrohe Bankier Norden schweigsam und scheu, die Geselligkeit schien ihm oft eine Last, und man fragte sich verwundert untereinander, was ihm wohl fehlen könne, da er gesund, gut ſituiert und im Besitz einer so reizenden, zärtlich geliebten Frau, eines lieblichen Kindes sei. Schrankenlos gütig waren sie beide, er wie Hilda, im Wohl= tunes war, als vermöchten sie sich niemals Genüge zu tun in unerschöpflichen Spenden, man lobte aber nicht nur ihre großartige Freigebigkeit, sondern mehr fast noch den rein menschlichen, zarten Sinn, der es verstand, die Armen und Bedürftigen leicht anzufassen, daß die empfangene reiche Wohltat sie kein hingeworfenes Almosen dünkte. Von Hilda hieß es, sie habe ein wahrhaft goldenes Herz, und Hellmut konnte aufleben und mitteilsa und liebenswürdig sein wie früher, sobald man ihm Gelegenheit gab, Tränen zu trocknen und Not zu lindern.— Später, als er es selbst geglaubt, fand Friz Norden die ersehnte Ruhe. Wo der Tod als ein Erlöser heiß herbeigesehnt wird, da zögert er unglaublich oft und lange, zu kommen. Wer vermag dieses Rätsel zu lösen? Die Jungen und Glücklichen ruft er ab in vollem Leben, die Müden und Hoffnungslosen läßt er zurück! Frik Norden hat seine Strafe erduldet, er hat seinen Sohn Hellmut nicht mehr auf Erden wiedergesehen, auch in seiner Todesstunde nicht. Dieselbe kam unerwartet über ihn, mitten in einer lauen, dunkeln Frühlingsnacht, als niemand um ihn war. Eine kurze Agonie... und er mußte den geheimnisvollen Weg betreten, den wir alle einmal wandeln müssen, ob schuldbeladen, ob frei von schwerer Sünde. Als die Todesnachricht in die Oeffentlichkeit gelangte, bernahm man in Berlin staunend, daß die ganze große Hinterlassenschaft des Toten von dessen Sohn und Schwiegertochter wohltätigen Zwecken überwiesen wurde; sie rührten keinen Pfennig davon an, sie lebten lediglich davon, was Hellmuth durch seine eigene Arbeit und Ümsicht verdiente. Das Geschäft in Yokohama wurde Walter Ermshagen übertragen und nahm, wie vorauszusehen gewesen war, unter seiner Leitung einen neuen Aufschwung. Und die Zeit des Unglücks ist unvergessen bei Hellmut und Hilda, aber in ihrer Liebe zu einander, in ihrer Sorge für ihre Kinder haben sie es gelernt, diese Schicksalsprüfung zu überwinden. Die Bakterien im Haushalt des Menschen. Von Dr. med. A. Heilborn. Der Freiburger Bakteriologe Schottelius veröffentlichte vor einiger Zeit Untersuchungen über die Bedeutung der Bakterien für die Ernährung, die angetan sind, das Interesse weitester Kreise zu erregen. Es ist seit langem bekannt, daß sich in unserem Verdauungstraktus fast regelmäßig eine Reihe Bakterien finden, über deren Wesen und Bedeutung man nichts anderes wußte, als daß sie harmlos, unschädlich sind. Diese Bakterien verwandte nun Schottelius zu seinen Experimenten und zwar in folgender Weise: Soeben ausgeschlüpfte Hühnchen wurden„ keimfrei" ernährt, d. h. mit einem Futter, das von allen Bakterien befreit war, und in einem eigens konstruierten gleichfalls feimfreien Käfig gesperrt. Trotz ausgesprochener Freßlust und guter Verdauung wuchsen die Hühnchen aber nicht nur nicht, sondern nahmen ständig an Körpergewicht und Kräften ab. Nach etwa einer Woche wurde ein Teil der Versuchshühnchen aus dem Käfig genommen und hinfort mit gewöhnlichem Hühnerhoffutter, das reichlich Batterien enthielt, weiter ernährt. Sie erholten sich überraschend ſchnell, die vorher struppigen Federn wurden blank und glatt, die Bewegungen kräftiger, ruhiger und sicherer, und in kurzer Zeit erreichten die Tiere die Größe und das Aussehen gleichaltriger im Hühnerhof frei erzogener Küken. Die anderen noch weiter keimfrei ernährten Hühnchen aber starben in wenigen Tagen an Entkräftung. Die Versuche bewiesen also klärlich, daß zu gedeihlicher Entwicklung gewisse Bakterien in der Nahrung unerläßlich seien. Zu ganz ähnlichen Resultaten war übrigens vorher schon Metschnikoff gelangt, der seine Versuche an Kaulquappen( Froſchlarven) angestellt hatte. Wir sind gewöhnt, in den Bakterien unsere ärgsten Feinde zu sehen, und diese Anschauung hat insofern eine gewisse Berechtigung, als wir die Bakterien zunächst als Krankheitserreger kennen gelernt haben, und die von Bakterien erzeugten Krankheiten, die sogenannten Infektionskrankheiten ( wie Tuberkulose, Typhus, Diphtherie, Krebs u.s.f.), zu den verheerendsten gehören. Wenn wir aber vorurteilslos die Rolle betrachten, welche die Bakterien im Haushalt der Natur und des Menschen spielen, so müssen wir unsere Ansicht doch wesentlich modifizieren. Die Bakterien sind Mikroorganismen ( Kleinlebewesen"), die zur Gruppe der niederen Pilze gehören. Hier werden sie als Spaltpilze von den Schimmelund Sproßpilzen unterschieden. Schon Leuwenhoek( 1675) hatte mit seinem verbesserten Mikroskop in gährenden oder faulenden Aufgüssen das Vorkommen solcher niederer Pilze nachgewiesen, aber geglaubt, diese Kleinlebewesen entständen ( durch„ Urzeugung") in der gärenden oder faulenden Maſſe. Erst Pasteur hat zweihundert Jahre später den Beweis erbracht, daß umgekehrt durch Bakterien und andere niedere Pilze Gärung und Fäulnis entstehe, daß ohne ihre Tätigkeit die Oberfläche unserer Erde bald so völlig mit den Ueberresten gestorbener Tiere und Pflanzen bedeckt wäre, Luft und Wasser so verpestet wären, daß weder Mensch noch Tier und Pflanze weiter darauf leben könnte. Mit anderen Worten: Die Bakterien führen die durch den Tod der Individuen abgeschiedenen Stoffe, wie namentlich Kohlensäure und Stickstoff, zum Nutzen der Lebenden wieder in den Kreislauf des Daseins zurück. Das ist ihre vornehmlichste Aufgabe. Einzelne freilich sind entartet und dieser Aufgabe untreu ge worden; sie begnügen sich nicht mehr mit dem toten Körper sondern dringen in den lebenden ein und rufen hier Zersetzungsprozesse hervor, die schließlich zum Tode führen können. Gleichwohl überwiegt aber der Nutzen der niederen Pilze den von ihnen verursachten Schaden bedeutend. Werfen wir zunächst einen Blick auf die Schimmel- und Sproßpilze. Schimmelpilze sind von ihrem weißlichen, graugrünen oder auch bunten„ Rasen" auf schimmelnden" Resten ( feuchtes Brot, Obst u. s. f.) jedem bekannt. Sollen sie gedeihen, bedarf es immer eines gewissen Grades von Feuchtigmittel verbei errouchsen un Schatten ite fernabgeleger Ronfurrenzer und NE" Land au ötliche Inter Entwidelung, vorwiegend Es wäre Bevölkerung ichen Empi en Empfin Landwirten Maschinen, at liefert feit des Ho 23, die durc Melioration Daß beide in Hand ar vie nisationen ihre Sicle stets den изо anderen jedoch die um zuzuge nen Entw fich in der lungen des nicht in Schein berk find nd Stadt Kulturbete leishingsfähi tände ein 2 und durch e Jeführt wird Nachrich fajt beängi