Rr. 137. onnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., Saus gebracht 60 Bfg., durch die Poft bezogen viertel fährt. 1.50. Bonttobetlagen: Oberhoffifche Familienzeitung( täglich) and die Gießener Geifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Dienstag, den 14. Juni 1904. Gießener 13. Jahrgang. Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz Ober heffen, die Kretse Wezlar und Marburg 10 fa ienst 15 kg. Reklamen die Petitzeile 30 refp. 40 Vfg. Postzeitungslifte No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 88. Fernsprechanschluß Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weylar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Grokh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. England und Rufsland in Asien. ( Ein Interview.) Wus Wiener diplomatischen Kreisen will ein dortiges Blatt rfahren haben, daß zwischen Rußland und England ein friedliches Abkommen über die Tibetfrage abgeschlossen sei. Die große Wichtigkeit, die diese Meldung von der Möglichfeit eines englisch- russischen Einverständnisses in asiatischen Fragen auch für die Chancen des russisch- japanischen Krieges und die Gestaltung der Dinge in Ostasien überhaupt in sich trägt, veranlaßte unseren CB- Mitarbeiter, einen hervor. ragenden deutschen Staatsmann über diesen Punkt zu befragen. Sein Gewährsmann äußerte sich zu der Frage in folgenden interessanten Ausführungen: Die Nachricht vom Abschluß eines Tibetvertrages ist zum mindesten verfrüht; aber sie entspricht der neueren Politik Englands. Während bis vor kurzem der Dreibund in Europa die Aufgabe erfüllte, ein Hort des Friedens zu sein, sucht neuerdings England alle Möglichkeiten zu einer Störung des Weltfriedens aus dem Wege zu räumen. Sehen Sie sich nur um in der Welt, so hat England in allen Erdteilen mit Ausnahrne Amerikas eine bestimmte Position zu verteidigen. Im Osten seine vorderaſiatiſche Stellung, in Afrika ein förmliches Weltreich, das nur an der Ostseite durch die deutschen Befitungen von dem Anschluß an das Meer getrennt wird, in Australien seine Stellung als Mutterland der autonomen Kolonien und in Europa seine Seeherrschaft. Grund genug, um die englischen Politiker zur höchsten Vorsicht zu mahnen. Bas nun Englands Stellung in Vorderasien anlangt, so ist hier Rußland sein mächtigster und schärfster Konkurrent ein Rußland allerdings nur, das eine unbestrittene Stellung in der Mandschurei inne hat. Ist das nun der Fall? Ich brauche Ihnen nur diese frage zu stellen, um die Antwort rein automatisch zu beant worten. Denn der ostasiatische Krieg ist eine völlige Ver neinung dieser Frage. Selbst wenn Rußland siegt, ist ca in feinen weiteren Plänen geschwächt, weil in seinem Rücken der japanische Gegner sofort die Hände rühren würde. Die Sad lage ist also sehr klar. England wird mit dieser Politit der Verständigung, die von den Diplomaten als die papierne Infarnation des in den Völkern lebenden Friedensbedürfiffes bezeichnet wird, bei dem jezigen Rußland keine verhlossenen Ohren finden. Der Tibetvertrag ist noch nicht of geschlossen aber er kommt. * * Daß die als unfriegerisch bekannten Tibetaner der eng ischen Expedition so tatkräftigen Widerstand entgegensetzten indet jetzt nach einer Londoner Meldung eine eigenartige flärung. Eine Anzahl geschulter und gut bewaffnetei Burjäten aus der Mongolei und aus Sibirien leistet den tibetanern Beistand. Damit findet die neulich verbreitet Nachricht Bestätigung, daß die burjätischen Lamas in der Mongolei den heiligen Krieg gegen die englischen Eindring inge in Tibet predigten. Der Krieg in Oftafien. Die Nachrichten, die heute vom Kriegsschauplatz vorliegen, würden von höchster Bedeutung sein, wenn sie sich als wahr erweisen sollten, woran aber mit gutem Grunde zu zweifeln ist. Seeschlacht vor Port Arthur? In Petersburg ging wieder das Gerücht, daß vor Port Arthur eine große Seeschlacht stattgefunden habe. Zwei inssische und vier japanische große Schiffe sollen untergegangen sein. Jedoch liegt bis jetzt noch feine amtliche Bestätigung des Gerüchtes vor, das ja nicht das erste seiner Art ist. Das Wladiwostok- Geschwader vor Port Arthur. Weiter verlautet, in Petersburg sei ein Telegramm des Idmirals Strydlow eingegangen, wonach das Geschwader von Bladivostok am 7. d. M. 30 Meilen von Port Arthur auf die japanische Flotte gestoßen sei, sich aber, da von Port Arthur leine Schiffe ausliefen, zurückgezogen habe; es sei am 10. Juni nach Mladivostok zurückgekehrt. Auch für diese Meldung fehlt jede Bestätigung; sie klingt auch sehr unwahrscheinlich. Die russische Ostseeflotte unterwegs? Aus Kopenhagen wird gemeldet, daß ein großes russisches Beschwader, das aus etwa vierzig größeren und kleineren Ariegsschiffen besteht und wahrscheinlich die neue Ostseeflotte ei, die Insel Bornholm mit westlichem Kurs passierte. Sollte ich diese Meldung bewahrheiten, so wäre sie natürlich von der llergrößten Wichtigkeit. Das Erscheinen der baltischen Flotte or Port Arthur würde mit einem Schlage die Ueberlegenheit zur See auf die Seite der Russen bringen. Doch ist dem Bericht kaum Glauben zu schenken, da es nicht anzunehmen st, daß die baltische Flotte schon jetzt segelfertig ist. Die Politik. Ein nicht gerade sehr zuverlässiges britisches Blatt will mgeblich aus Berlin erfahren haben, das Ergebnis der Monarchenbeaeanuna in Kiel werde der Abschluß eines en a = ( isch deutschen Schiedsgerichtsvertrages nach dem Vorbilde des englisch- italienischen sein. Wie unser Berliner CB- Mitarbeiter uns dazu meldet, ist an amtlichen deutschen Stellen nicht das mindeste von einem solchen Plane bekannt. Generalleutnant v. Trotha, der neue Oberkommandierende in Deutsch- Südwestafrika, ist, wie amtlich erst jetzt mitgeteilt wird, am 11. ds. Mts. mit dem unter seiner Führung nach der Kolonie entsandten Verstärkungstransport in Swakopmund eingetroffen. Seit gestern befindet sich der General bereits in Okahandja. Nach einer Meldung des in Swakopmund befindlichen Majors v. Glasenapp soll der südlich des Waterbergs am Omurambo- ua- Matako bereinigte Feind vielleicht 6000 Gewehre stark sein. Dieser Umstand ist es wohl gewesen, der Oberst Leutwein von einem Angriff auf die Herero Samuel Mahareros abgehalten hat. Nach der Ankunft v. Trothas am Waterberg dürfte ein Haupt. schlag gegen die Herero unverzüglich geführt werden.- Ein größerer Transport von im Kampfe gegen die Herero verwundeter deutscher Soldaten ist am 4. Juni von Swakopmund nach Hamburg abgegangen.- Die Regierung hat den Plan, dem Reichstage noch einen Nachtragsetat für Südwestafrika vorzulegen, wieder aufgegeben. In Met hat am Sonntag der dort tagende Verband für die Kanalisierung der Mosel und der Saar" einstimmig cine Resolution angenommen, daß die Kanalisierung der Mosel von Me 3 bis Koblenz und der Saar von Brebach bis Konz für Schiffe von 600 Tonnen aus wirtschaftlichen und nationalen Gründen eine unabweisbare Notwendigkeit sei. A Der schweizerische Bundesrat hat den bisherigen schweizerischen Gesandten in Wien Dr. de Claparède zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister beim deutschen Reich und beim Königreich Bayern ernannt. Den Schutz des Gesellentitels zur Unterscheidung gelernter Handwerker von ungelernten und Fabriforbeitern erstreben die Innungen. Man will, wie für den Meistertitel, auch für die Bezeichnung„ Geselle" unter bestimmten Voraussetzungen einen geseklichen Schutz sichern. Der diesjährige Sennungs- und Handwerkertag in Magdeburg wird über Chritte zum Schutz des Gesellentitels beraten und Beschluß fassen. Der Zentralvorstand der nationalliberalen Partei hat die Haltung der preußischen nationalliberalen Landtagsfraktion in Sachen des Schul kompromißantrages mit allen gegen fünf Stimmen gebilligt. Dagegen hat der Vertretertag der jungliberalen Vereine Badens einen entgegengesetzten Beschluß gefaßt. A Die Sozialdemokraten wollen versuchen, die preußische Vorlage über den Kontraktbruch ländlicher Arbeiter im Reichstage zur Erörterung zu bringen. Sie haben eine Interpellation eingebracht, die die Kontraktbruchvorlage als im Widerspruch zu der Reichsgesetzgebung stehend bezeichnet und den Reichskanzler fragt, was er zu tun gedenke, um dem Bundesstaat Preußen gegenüber die Reichsgesetzgebung zur Geltung zu bringen. Daß die Interpellation irgend welche praktischen Folgen haben sollte, ist so gut wie ausgeschloſſen. #C Die preußischen Medizinalbehörden haben in der letzten Zeit der Wasserversorgung durch einwandfreie Einzelbrunnen ihre größte Aufmerksamkeit zugewendet. Die Behörden lassen sich schon seit langer Zeit angelegen sein, für die Anlage und Einrichtung von Brunnen bestimmte Vorschriften zu geben. Leider gibt die mangelhafte Kenntnis der Brunnenbauer bon den hygienischen Erfordernissen für Brunnen vielfach zu Mißständen und Fehlern im Brunnenbau Veranlassung. Gute Erfolge zeitigte überall die Ortsbesichtigung durch die Kreisärzte. Von vielen Kreisen wurden Prämien für den Bau einwandfreier Brunnen gewährt, auch wurden stellenweiſe zinslose Darlehen gegeben. In einigen Fällen vollkommener Leistungsunfähigkeit der Gemeinden hat auch der Kultusminister Beihilfen bewilligt. Oefterreich- Ungarn. Die vom Grafen Apponyi angekündigte Gründung einer nenen politischen Partei in Ungarn ist nun glücklich erfolgt. Vor seinen Wählern hielt Apponyi, bekanntlich der Führer der ehemaligen Nationalpartei, eine Rede, in der er erklärte, er wolle in der neuen Partei entgegen den verbreiteten Gerüchten das Programm der ehemaligen Nationalpartei durchführen. Diese halte an der Gemeinsamkeit mit Desterreich fest, enthalte jedoch nationale Forderungen auf militärischem und wirtschaftlichem Gebiete. Als neuen Programmpunkt stellte Apponyi die Auflösung der Zollgemeinschaft mit Defter reich auf. Nach der Rede wurde die Gründung der neuen Nationalpartei" verkündet. Nun, an der Partei hat's in Ungarn gerade noch gefehlt! Afrika. A Ein Grenzzwischenfall an der Grenze zwischen Dentsch. ostafrika und dem Kongostaat wird aus Brüssel gemeldet. Danach soll Leutnant v. Eberstein von der deutsch- ostafrikanischen Schutztruppe mit 90 Mann ein kongolesisches Dors am Rutschuru belegt haben. Belgischerseits soll ihm Hauptmann Eng mit vier weißen Offizieren und 300 Soldaten entgegengesandt werden. Es wird sich wohl um einen sehr harmlosen Vorgang handeln. Einer großen Verschwörung gegen den Sultan Abdul Aziz ist man in Marokko aus die Spur gekommen. Es handelte sich um ein über garz Marofto verbreitetes, gut organisiertes Komplott zur Absetzung des Sultans. Der Anschlag hatte nichts mit dem letzten Aufstande gemein, sondern hatte seinen Ursprung in den gebildeten und religiösen Klassen und wurde von vielen hervorragenden Persönlichfeiten unterstützt. Er ist vereinbart worden, bevor das englisch- französische Abkommen bekannt war. Durch das Abkommen wurden die Verschwörer in ihrem Vorhaben noch bestärkt; sie klagen den Sultan an, er verkaufe das Land an Frankreich. Der Sultan, dem das Bestehen der Verschwö rung befannt ist, wird vielleicht gezwungen werden, Fez zu verlaffen. In diesem Falle wird er wahrscheinlich nach Tanger gehen. Trotz der Aufdeckung des Komplotts ist der Sultan nicht in der Lage, etwas gegen die Verschwörer zu unternehmen, eben weil sie so viele Teilnehmer sind. Auch sonst erlebt der Sultan nicht viel Freude. Die Anarchie und der Bürgerkrieg nehmen in Marokko immer größeren Umfang an. Der Rebellenführer Buamena bedroht Urda. Der famose Feldherr der Sultanstruppen, Omar Musi, fiel im Kampf gegen einen aufrührerischen Kabylenstamm. In der Umgebung von Tanger herrscht der Bandit Raifuli, der Bezirk Alkazarkebir befindet sich in vollem Aufruhr, die Stadt wird mit der Plünderung bedroht. Die Landbewohner flüchten nach Larache. Nette Zustände! Es ist wirklich ein Vergnügen eigner Art, Sultan von Maroffo zu sein. Amerika. Haben die Yankees sich in die Kischinewer Judenhete einmischen wollen, so mischt sich jetzt das Zarenreich in die europäischen Angelegenheiten der Union ein. Rußland hat in nichtformeller Weise bei den Vereinigten Staaten Protest dagegen erhaben, daß diese eine starke Flotte nach den türkischen Gewässern entienden, um die Bezahlung der lange ausstchenden Forderungen der amerikanischen Missionen im Betrage von 50 000 Pfund Sterling sicher zu stellen. Hof und Gefell fchaft. *** Pur Monarchenzusammenkunft in Riel wird weiter gemeldet, daß der Kaiser beabsichtigt, König Eduard VII. von England entgegenzufahren. Die Begrüßung beider Monarchen soll am 24. d. Mts. abends oder am 25. mergens in Brunsbüttel erfolgen. Zu diesem Begrüßungsaft wird die IV. Matrosenartillerie- Abteilung in Tuchosen eine Ehrenkompagnie stellen, die etwa 120 Mann starf fein 1: nd aus sämtlichen drei Kompagnien der Abteilung gebildet wird. Dieser Ehrenkompagnie wis die gesamte Musikkapelle und das Spielmannstorps der Curhavener Garnison attachiert. Die Kaiserjacht„ Hohenzollern" hat für die bevorstehende Kieler Woche eine besondere Ausstattung erhalten. Auf dem Oberdeck des Schiffes ist ein SpringBrunnen angelegt worden, dessen Bassin auf der Kaiserlichen Werst in Kiel hergestellt wurde. Ferner wird auf dem Oberdeck eir baldachinartiger Pavillon aus rot- weißem Stoff erbaut und weiter hat an gleicher Stelle eine große Tafel für Festlichkeiten Aufstellung gefunden. Die Musikkapelle der Jacht besteht aus je 15. Soboisten der 1. und 2. Matrosendivision, lauter ausgewählte Leute. Die Kapelle, welche sich bereits im Februar auf der Kaiserjacht eingeschifft hatte, bleibt auch für die Nordlandreise an Bord. Heer und flotte. Große Landungsübungen der Flotte anläßlich der Kaisernanöver, zu denen zahlreiche Generalstabsoffiziere komman Diert sind, finden am 12. und 13. September bei Wismar tatt. Im schnellsten Tempo sollen 3000 Marinemannschaften musgeschifft werden. Generalstabsreise. Der Generalstab der Armee bereist Jegenwärtig das Gelände bei Molsheim im Elsaß. Außer em Chef des Generalstabes Generaloberst Graf v. Schlieffen eteiligen sich sechs Generäle an der Generalstabsreise. Die Cruppe ist achtzig Pferde stark. Preussischer Landtag. Haus der Abgeordneten. ( 81. Sigung.) RK Berlin, 13. Junt. Das Gesetz wegen Erweiterung des Ruhrorter Hafens wurde heute mit einigen anderen kleinen Vorlagen ohne viel Federlesens endgültig angenommen. Dann ging das Haus zur zweiten Lesung eines Gesezentwurfes mit schier atemraubenden Namen, nämlich des Gesezentwurfes betr. die Vertretung des Staatsfiskus auf den Kreistagen und bei ben Wahlen zum Provinziallandtaa der Provinz Bofen" mohl die Augenlider mitten im Gebete herab, und Erich fand Teszenten ins nie, faßte seine Hand, und dann fielen ihr Oft genug auch fant Franziska neben dem Refonvadaß er eine Frau nicht recht verstand und ihr doch echt gab. verständlich. Aber das ist ja wohl jedem schon so gegangen, über diese Worte nachzudenken. Sie waren ihm nicht recht und der Alte pflegte bann tiefsinnig dreinzuschauen und Man fahndete eine geraume Zeit hindurch nach im und ungefegnetes Dasein zu Ende gebracht haben müßten. straße, unter irgend einem Busch auf der Heide ihr unseliges Kaum gelichtet wurde das Geheimnis durch die Stöwas auch genügte, hinter irgend einem Zaun an der Landdaß sie doch wohl mit verbrannt sein könnten, oder daß fie, Bande umher und beruhigte sich endlich mit dem Gedanken, ihnen Verlier Und die Jdee stell' über das Reale. Dein ganzes Sein durchweh' gerechter Sinn, Scheu' das Gemeine! Schütz der Wahrheit Licht Und wahre treu der Jugend Ideale, den Glauben an die Menschheit nicht Und er fuhr nicht mehr der schleunigst ab. Hut mit der roten müße vertauschte, und ihm die lachende von einst, voller Mut, Tatkraft und Unternehmungsgeist und es ihm in Wahrheit, als wäre er wieder der junge Bursche Frühlingssonne auf das gold- rot- goldene Band strahlte, war trübsinnige Pofter aus Dingsda Als er in Naumburg den dem dos über, der in der Fassung der Kommission genehmigt wurde, nachdem Minister von Hammerstein sich mit dieser Fassung einverstanden erklärt hatte. Dann begann ein langsames Markten und Feilschen um das vielumstrittere Wi I dschongesetz, das zur zweiten Lesung stand. Eine Fülle von Anträgen lagen zu dieser Vorlage vor. frauenbewegung und Familienleben. - -Glossen zum internationalen Frauenkongreß.- Von einer der deutschen Frauenbewegung nahestehenden Seite wird uns geschrieben: Im Gegensatz zu dem Frauen bund für das allgemeine Stimmrecht befaßt sich der jetzt in Berlin eröffnete internationale Frauenkongreß nicht init den politischen Zielen der Frauenbewegung, sondern rein mit den wirtschaftlichen. Der Schwerpunkt der Verhandlungen liegt in den vier Sektionen, die gleichzeitig beraten und dadurch der Verhandlung einen außerordentlich straffen und wohlorganisierten Charakter geben und sicherlich auch eine Fundgrube von neuen sozialen Anregungen sein werden. Der Kongreß gliedert sich in folgende Abteilungen: 1 Für Frauenbildung, 2. für Frauenberufe, 3. für soziale Einrichtungen und 4. für die rechtliche Stellung der Frau. Der jezige Frauenkongreß wird auch von den Gegnern der po litischen Frauenbewegung als eine beachtenswerte Zeit erscheinung anerkannt. Er zeigt uns die modernen Familien in einem ganz neuen Bilde, da nicht bloß der Mann, sondern auch die Frau durch die Entwickelung der wirtschaftlichen Verhältnisse in den Daseinskampf eingetreten ist. Das alte Familienidyll ist in der Tat durch den Uebergang unserer Geschäftswelt zum Großbetrieb zum großen Teil vernichtet worden. Die Zeiten, in denen die Haustöchter sich ihre Kleider selber machten oder Strümpfe strickten und so durch die häusliche Produktion für die Familieneristenz ihr Teil beitrugen, sind endgültig vorüber. Die Familienproduktion hat sich aufgelöst und der Familienverband kommt nur noch als wirtschaftlicher Faktor des Konsums in Betracht. Die dadurch freigewordenen Kräfte der jungen Mädchen müssen außerhalb der Familie nußbringend verwendet wer den. Diese Notwendigkeit und diese fundamentale Umänderung des Familienlebens hat naturgemäß in dem weiblicher Geschlecht auch das persönliche Selbstbewußtsein und Unab hängigkeitsgefühl gestärkt und so ist die moderne Frauen bewegung auf wirtschaftlichem Gebiet nach Entstehung und Endziel nichts anderes, als ein Produkt des neuzeitigen Groß betricbs. Die Folgen davon zeigen sich namentlich bei den jenigen Frauen, die nicht zu einer Eheschließung gelang find. Während bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts etiva die tyrische ,, alte Tante" als guter Geist in dem Hause waltete, werden heute solche späte Mädchen, weil sie im Hause nicht mehr nuẞbringend verwendet werden können, von den Familien durchweg als eine Last empfunden. Ein sorgsamer Familienvater wird daher schon frühe darauf bedacht sein, seinen Töchtern eine unter Umständen selbständige Existenz borzubereiten. Diese Lockerung der Familienbande äußert sich naturgemäß auch in sittlich sozialer Beziehung, insofern als die Ingend nicht mehr in dem Maße, wie die früheren Generationen, dem veredelnden Einfluß des Familienheims und seiner guten Geister zugänglich ist. Sie tritt schon früh in die Deffentlichkeit hinaus, und die Gefahren des Lebens kommen an diese jungen Mädchen schon in einer Zeit heran, in der ihre Urteilsfähigkeit und Willenskraft noch nicht widerstandsfähig genug sind, um ihnen zu begegnen. Es müssen darum auch in unserem gesellschaftlichen Leben neue Bahnen gefunden werden, um die junge Generation in ihren sittlichen Anschauungen vor dem Vorfall zu schützen. Vor allen Dingen bedarf dementsprechend das Schulwesen einer Umänderung. Bei den reicheren Familien hat sich ganz von selbst durch die Einrichtung der höheren Töchterschulen mit ihrem vermehrten Wissensstoff die Notwendigkeit eines längeren Schulbesuche ergeben, aber für die Kinder der unteren und mittleren Volksschichten macht sich der Mangel an geeigneten gesellschaftlichen Organisationen geltend. Diese jungen Mädchen müssen ent weder als Geschäftsangestellte, Arbeiterinnen oder Dienst boten einem eigenen Erwerb nachgehen und treten deshalb sehr frühzeitig aus dem Familienverband heraus; sie gewinnen ferner durch ihre eigenen Eristenzmittel auch die Möglichkeit, selbst über ihre freie Zeit nach Belieben zu verfügen. Hier muß die sittlich- soziale Fürsorge einsetzen, um einer Verschlechterung unserer Sitten und einer Verwilderung unserer Jugend vorzubeugen. Fortbildungsschulen, an größeren Plägen auf fachlicher Grundlage, Haushal tungskurse, Spiel- und Lesesäle, Volksbibliotheken und Volks. gärten, das sind alles Aufgaben der nächsten Zeit, an deren Zustandekommen die Gemeinden, der Staat und gemeinDer Wildhirt. Eine oberhessische Dorfgeschichte von J. Becker. ( Fortsetzung) ( Nachdruck verboten.) „ Ezt is mir geholfen," sagte Tiophel. Ich hab's dem neuen Forstlaufer gleich gesagt, daß er mich nit in's Loch friegt." Er nahm die Art an sich und überkletterte lang= sam, vorsichtig und geräuschlos den Lagerboden, bis er wieder zurück in den Pfandstall fam. Das Schalter an der Hinterwand war so fest geschlossen, daß jeder Deffnungsversuch aussichtslos war. Also nahm er die Art in beide Hände und führte mil aller Kraft einen Schlag dagegen. Das Schalter flog in Stücke und mit einigen weiteren Schlägen waren die Splitter beseitigt. Die Deffnung war fret. nächsten Moment erschien Tiophel den Außenstehenden in der Umrahmung des Schalterloches. Im Die zur Wache gestellten Burschen wollten ihn in Empfang nehmen. Als er sich jedoch herausgearbeitet und im Schalterloch eine gebüct fißende Stellung eingenommen hatte, langte er mit der Hand rückwärts bie innerhalb der Scheune an die Wand gelehnte Art heraus, und dann, indem er sie in der hochechobenen Hand schwang, sprang er mitten unter die Burschen, bie bor der erhobenen Art entsetzt auseinanderstoben. Es gab natürlich ein Geschrei:„ Halt, halt ihn!" Dabon blieb der Entwichene aber nicht stehen, sondern er lief was er fonnte hinüber nach einem Gartenlande, um sich zwischen mehreren Reihen Stangenbohnen zu berbergen. nüßige Vereine gemeinsam arbeiten müssen. Die Jnnigkei des Familienlebens hat sich in vielen Fällen gelockert, wenn nicht aufgelöst. Dafür muß die Deffentlichkeit die sittliche Erziehung der heranwachsenden Jugend übernehmen. Nab und Fern. Das Kaiserpaar und der Rudersport. Wie alljährlich, so wohnte auch diesmal das Kaiserpaar auf der Dampfjacht ,, Alexandria" der Ruderregatta des Berliner Regattavereins auf dem Langen See bei Grünau bei. Zu dem„ KaiserVierer" um den Silbernen Pokal Kaiser Friedrichs fuhr die ,, Alexandria" unter den Zurufen der Menschenmassen zum Start und begleitete von hier die 9 am Rennen teilnehmenden Boote. Wegen Kollision erfolgte ein neuer Start. B. R- C.„ Hellas" gewann den Wanderpreis, den die letzten zwei Jahre der Berliner Ruderklub gehalten hatten. Beim Rennen um den Wanderpreis des Kaisers für akademische Vierer ging wie im vorigen Jahre der Akademische Ruderund Ballspielverein Hannover als Sieger hervor. Die Majestäten ließen sich dann, wie immer, die Sieger- Mannschaften aus den beiden Rennen um die Kaiserpreise an Bord vorstellen, richteten freundliche Worte an sie und händigten hnen die Preise aus. Unfall bei einem Radrennen. Bei einem zu Magdeburg abgehaltenen Radrennen ereignete sich ein schwerer Unfall. Beim 75 Kilometer- Fahren stießen kurz vor Schluß zwei Motorschrittmachermaschinen zusammen und stürzten um. Ueber sie fielen im nächsten Moment die beim Rennen beteiligten Fahrer, und im wüsten Knäuel lagen Menschen, Fahrräder und Motoren durcheinander. Das Rennen wurde sofort abgebrochen. Die Untersuchung ergab, daß der Fran30se Dangla eine Wunde am Oberschenkel und einen Unterschenkelbruch, sein Schrittmacher Marius The Verletzungen am Kopf und an einem Bein und der Schrittmacher Germelmann des Berliners Demke einen schweren Unterschenkelbruch erlitten hatten. Nachdem ihnen die erste Hilfe durch die Sanitätskolonne geleistet war, wurden die Verunglückten nach dem Krankenhause gebracht. Ein Drama in der Kaserne soll sich in Düsseldorf ereignet haben. Wie es heißt, wurde ein Soldat des 39. Infanterieregiments in der Mannschaftsstube von seinen Sameraden in entsetzlicher Weise mißhandelt, weil er über Urlaub ausgeblieben war. Dem Aermsten soll die Schädeldecke eingeschlagen worden, und er soll seinen Verlegungen bereits erlegen sein. Gegen 13 Angehörige des Regiments schwebe die Untersuchung. * Vom Rade geschossen wurde in der Nähe von Regenstaus bei Regensburg der Gutsbesitzerssohn Josef Ackermann, als er nachts durch den Wald heimfuhr. Er starb in einem nahen Gehöft. Man glaubt, daß Wilderer den jungen Mann für einen Förster hielten, dem sie auflauerten. * Ein sonderbarer Unfall bei einer Felddienstübung passierte dem Musketier Schmidt vom 167. Regiment in einem Walde bei Kassel. Sein nicht genügend gesichertes Gewehr blieb an einem Zweig hängen und entlud sich. Die Plazzpatrone ging dem Soldaten in den Hals und er wurde schwer berlegt nach dem Lazarett gebracht. † Der Mörder des Polizeidieners Schneller zu Lorsch, der, vie erinnerlich, von Einbrechern erschlagen wurde, wurde jetzt im Neuschlosser Walde verhaftet. Es ist ein 25 Jahre ilter aus Bürstadt stammender Mann, der erst vor kurzem eine längere Zuchthausstrafe verbüßt hat. O Stierfämpfe in Budapest. Die vor einer halbleeren Arena stattgefundene erste Stierkampfvorstellung der Gesellschaft Bouly Söhne hatte sehr geringen Erfolg. Der Kampf mit den kleinen Stieren ließ ziemlich kalt. Beim dritten Gange wurde der Toreador Pouly durch einen Hornstoß des Stieres am linken Bein derart schwer verwundet, daß er die Arena verlassen und in die Klinik gebracht werden mußte. Bouly wird in Budapest kaum mehr auftreten können. Aus dem Gerichtsfaal. § Politischer Beleidigungsprozeß. In St. Johanna. Scai wurde der frühere Bergarbeiter Karl Krämer wegen Beeidigung in zwei Fällen zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Krämer hatte im März d. Js. durch zwei Flugblätter Die königliche Bergwerksdirektion der Arbeiterentrechtung. Vergewaltigung und Unterdrückung beschuldigt. § Mord an einem Deutschen auf Korsika. Aus Bastia wird Jemeldet, daß der der Ermordung seines Reiseg fährten, des Direktors Meyer, angeklagte Adolf Tiemann aus Magdeburg freigesprochen wurde. Die Volksmenge sympathisierte Man war ihm jedoch auf der Fährte und die Bauern eilten herbei mit allen möglichen Waffen: Prügeln, Wagenrungen, Backscheiten, Hacken, Spaten u. s. m. Der Wildhirt sah, daß hier seines Bleibens nicht länger sein konnte. Er warf darum die Art seinen nächsten Verfolgern entgegen, wobei er ihnen die Worte zurief: " , Gebt Acht, Ihr Hunde, daß Euch in acht Tagen ' s Nest nit abbrennt-- ich sein der Gänsetiophel!" Dann wandte er sich zur Flacht und schlüpfte wie eine Rage in die nächsten Getreidefelder, zwischen denen er verschwand. Die Verfolger hatten das Nachsehen. Als Wagner mit den Gensdarmen gegen Mittag zurückkehrte, um den Wildhirten dem Arm der Gerechtigfeit zu überliefern, mußte er zu seinem Grimm und Schreck erfahren, daß er entwichen war. Was halfen alle Vorwürfe, die er und die Gensdarmen den Wächtern machten?- er war fort. Die Burschen, welche so schlecht ihr Wächteramt bersehen, führten natürlich unter sich nachher eine bedeutende Großsprecherei. Da sagte der Eine:„ Ja, wenn ich ihn nur hätt' fassen fönnen," oder der Andere:„ wenn er nit so g'schwind g'laufen wär, hätt' ich' n g'wiß friegt," und der Dritte: mir probirt er's nit zum zweitenmal" u. s. w. Das klang alles recht tapfer nachdem der Wildhirt auf davon war. Ob ihn wirklich einer angefaßt hätte, wenn er von Neuem mit der Art in der Faust plötzlich unter ihnen erschienen wäre, dürfte nicht ganz sicher gewesen sein. Die Sache hatte jedoch auch für die Gemeinde indurchaus mit dem Angeklagten und nahm das freisprechen Urteil, das nach viertägigen Verhandlungen des Schw Jerichts gefällt wurde, mit großem Beifall auf. Auch Sohn des ermordeten Direktors Meyer erkannte selbst Unschuld des Angeklagten an. § Diebstahl einer Kriegervereinsfahne aus einer Kirde Die Straffammer zu Oppeln verurteilte den großpolnisch Agitator Halbbaner Kania wegen Diebstahls und Religionvergehens zu sechs Monaten Gefängnis. Rania hatte Kriegervereinsfahne aus der Vorhalle der Altschalkowite fatholischen Kirche während des Kaisergeburtstagsgotte dienstes heimlich fortgeschleppt. ** De bon Preuß Frankfurt ein Gintäufe von Die Gordo Pri Rennftrede ab Ereigniffes an werden natürlic getroffen. gefundenen Bi Staatslotterie ( Darmstadt), Mr. 89470 23 480, 29 21 Die Stadtverordn 16. Juni, Schuldversch § Der rote Schlips. Die Straffaimmer verurteilte da Schriftsteller Leisner wegen Beleidigung des Gymnasial oberlehrers Weidauer zu 30 Mark Geldstrafe. Oberlehrer Weidauer hatte bei der Schulfeier zum Sedanfest einen roten Schlips getragen. In einer Besprechung der Schulfer stellte Schriftsteller Leisner das als cine sozialdemokratijde Demonstration hin. Weidauer stellte deswegen Strafantr megen Beleidigung. Das Schöffengericht erkannte auf Freisprechung. Die Straffammer erkannte dagegen wie oben, veil es schon eine Beleidigung sei, einem Staatsbeamten anti monarchische Gefinnuna vorzunverfen. § Die Ehen des früheren Rechtsanwalts Dr. Fritz Fried mann bildeten den Hintergrund eines Beleidigungsprozesses gegen den Berliner Redakteur Erich Kammer. Dieser hatte in scharfen Ausdrücken Friedmanns Verhalten seiner dritten Ehefrau Anna geborenen Merten gegenüber gegeißelt, die er der größten Not preisgegeben habe. Dies wurde von der als Zeugin Geladenen auch bestätigt. Sie bekundet, daß ihr Ehemann sich im September 1903 von ihr getrennt habe. Seit neun Monaten habe er ihr im ganzen 65 Mark zuge stellt, obgleich er mußte, daß sie ihre 60jährige Mutter zu ernähren hatte, die ihm im ganzen 8000 Mark geopfert habe Die Zeugin hat sich, nachdem sie mit dem verheirateten Pri batkläger acht Jahre zusammengelebt, im Jahre 1902 mit ihm verheiratet, nachdem er von seiner zweiten Frau geschieden war. Mit letterer habe er fünf Kinder, er forge aber für feines. Als Zeugin ihn telegraphisch um Ueber sendung von Subsistenzmitteln gebeten, habe er geantwortet: Man könne von einem Fünfzigpfennigbrot zwei Tage leben, sie solle keine Depesche senden, sondern sich Brot für das Geld kaufen. Als sie ihn in Würzburg mit seiner jetzigen ,, Braut", der Chansonette Marusia Mara, angetroffen habe, sei sie von ihm und seiner Begleiterin verprügelt worden. Er habe ihr gesagt, sie solle die Scheidung einreichen, sonst werde er sie aushungern lassen. Er habe ihr geraten, sich Liebhaber zu halten. Das Gericht verurteilte den Angeklagten, Redakteur Erich Kammer, troßdem der Wahrheitsbeweis im wesentlichen erbracht sei, zu 150 Mark Geldstrafe. Fres § Ein seltsames Abenteuer des tschechisch- radikalen Abgeord neten Frest, des Obstruktionisten von der lärmenden Observanz im österreichischen Parlament, führte zu einer Anklage megen Freiheitsberaubung. In einer von Frest nach Kyschi einberufenen Versammlung kam es zu stürmischen Szenen mit den zahlreich erschienenen Sozialdemokraten. wurde arg verprügelt und flüchtete in einen Schweinestall. wo er sich zwei Stunden lang verborgen hielt, bis sich die Gegner entfernt hatten. Fresl behauptet, seine Gegner hät ten ihn eingesperrt und gefangen gehalten, und auf seir Anzeige wurde ein Teilnehmer verhaftet, gegen den wege inschränkung der persönlichen Freiheit vorgegangen wird Der Landwirt. rb. Korbweidenkultur. Großes Interesse erregt bei den Besuchern der Deutschen landwirtschaftlichen Ausstellung in Danzig die Korbweidenkultur, welche zum ersten Male auj einer Landwirtschaftsausstellung vertreten ist. Die von einer Weidenhecke ringsherum umgebene Korbweidenkultur ist in einer Vertiefung( ehemaliger Sumpf) angelegt. Dies Kulturbild zeigt so recht, daß ein tüchtiger, fleißiger Landwirt sozusagen jedes Fleckchen Land, welches ihm sonst keinen Errag gewährt, nugbar und ertragfähig machen kann. Durch sogenannte Rabatten, welche mit Korbweiden bepflanzt sind, find Zwischenräume geschaffen, welche zur Fischzucht( Karhfen) benutzt werden können. In einer hübschen Laube von Weidengeflechten sieht man allerlei Präparate und Objekte der Korbweidenkultur, u. a. Weidenrinde für Melassefabri fation und Gerbstoff. Auch die Anwendung der Weidenhecke gegen Funkenauswurf der Lokomotive an den Fahrdämmer perdient Beachtung. Daß bei einer Korbweidenkultur aud der Jäger auf seine Rechnung kommt, zeigt eine Gruppe schöner Fasanen, welche mit Vorliebe ihr Heim in den Weiden anlagen gründen, außerdem als Insektenvertilger für die Pflanzung von unschäßbarem Werte sind. sofern eine bedenkliche Seite gewonnen, als es leich möglich war, daß der Wildhirt, der jetzt in offene Fehde mit den Gesetzen lebte, in seinem verzweifelter Zustand Rache nehmen und das Dorf zur Nachtzei anzünden konnte. Es wurde noch an demselben Tag bon dem Bürgermeister eine Anordnung getroffen, daf abwechselnd jede Nacht eine Anzahl der männlichen Bewohner das Dorf bewachen mußte. Dies war nun den Bauern gar nicht angenehm benn sie hätten lieber zu Haus in ihren Betten gelegen als halbe Nächte das Dorf zu umschwärmen und darau zu achten, daß der Wildhirt es nicht anzündete. G wurden in den Wäldern förmliche Treibjagden auf ihr abgehalten, aber man fand keine Spur von ihm. Daß er sich noch in der Gegend aufhielt, glaubte man aus verschiedenen Diebstählen schließen zu können, bie in Nachbarortschaften stattfanden. Sie wieder holten sich jedoch nicht, und so stellten die Bauern schließlich ihre Nachtwachen ein, weil man annehmen mußte, daß er sich entweder etwas zu Leid gethan der in's Ausland geflüchtet set.- Seit der Abreise Hangcurt's waren nun fast dret Jahre verflossen. Man hatte nichts mehr von ihm ge hört. Da tam eines Tages Merte's Frau nach heim. Sie war nämlich in der Stadt gewesen. Man sah ed ihr an, daß sie etwas Wichtiges hatte, denn sie eilte was sonst nicht ihre Gewohnheit, und ihr Gesicht glühte. Als sie in's Dorf kam, ging fie zuerst in Wirts. „ Na, Merte's Frau, was bringt Euch da?" fragte Elschens Mutter, welche ihr zuerst begegnete. Forts. folgt. gefuche: a. fteinmacherh Kreis ftraße Weftanlage. Erlaubnis Seltersweg 5. born. eines Steinb 8. Befo Taglöhner u ienrat Will Dr. Mahl Friedhofs Fillmann'fo berg. auf dem 13 der F 13. Auffül und Lahn. am Juftigge und des Ve der Rechnu 17. Borlag 1902/03. werts für Rechnung der Wasser ber Wasse forgung Krofdorfer schaffung 24. Genel 25. Herft fchaftsplan fierung be + mitgeteilt führung Grundh A Kandidat Montag tonfiftori daran 6 aus Rhei ( 8) Gegenwä Lenz& feld- u * amten, pagen 2 getroffen + Gefel Hardt Den G übernom univerfi Landge Komma Rennen Ehrenp bereits 1) Er 6 2) Sp X ติ 3) Mo 4) 20 5) Ta ahm das Treffpre Dlungen des Beifall auf. er crtannte je ne aus einer& te den groepol bitahls und Helig ris. Sania bo e der Altschall aijergeburtstag immer verurte ung des G eldstrafe. Ob Sedanjeit einen chung der St ine fozialdemok Deswegent Strai icht erkannte auf te dagegen wie Staatsbeamten walts Dr. Frib Beleidigungs Rammer. Dieje Serhalten seiner genüber gege Dies wurde Sie befundet, on ihr getren ganzen 65 Mar 60jährige M 0 Mart geopfen Dem berheiratete im Jahre 19 ner zweiten fünf Kinder, e legraphisch um habe er geant brot zwei Tage l fich Brot für das einer jebigen getroffen habe, gelt worden. Gr reichen, jonit mea geraten, fich i den Angeflagi Wahrheitsbein Geldstrafe. sch- radikalen geor der lärmenden Obie hrte zu einer Anti bon Fresh nach Anja u stürmischen Gene aldemokraten. Fre einen Schweinesta gen hielt, bis jid tet, jeine Gegner alten, und auf f et, gegen den borgegangen wi effe erregt bei ichen Ausstellung i um ersten Male a n ist. Die von ein bweidenkultur ist i angelegt. D fleißiger Landr hm sonst keinen G machen kann. Dur iden bepflanzt fin ir Fischzucht( Ka Sübschen Laube b arate und Obje für Melaffefabr ng der Weidenb n den Fahrdämm rbweidenkultur au zeigt eine Grupp Seim in den Beider envertilger für nen, als es l er jegt in o nem berzweif Dorf zur Nad n demselben ing getroffen, I der männli nicht angene ren Betten geleg ärmen und dar t anzündete. ibjagden auf r bon ihm. aufhielt, glaub ießen zu fon 1. Sie wi ten die Bau man anneh u Leid get n nun faft ehr von ihm Frau nad b n. Man fab denn fie d und ihr Ge erft in Wir udh ba?" fo guete Fortf. folgt Lokales. 13. Junt 1904. ** Der Großherzog und Prinz Heinrich bon Preußen trafen gestern früh in Automobile in Frankfurt ein, machten bei der Firma August Ulrich mehrere Einkäufe von Automobilteilen und begaben sich sodann auf Die Gordon Bennett- Strecke, wo dieselben die Rennstrecke abfuhren, um sich den Schauplaz des sportlichen Ereignisses anzusehen. Für die Sicherung der Strecken werden natürlich allenthalben die umfassendsten Vorbereitungen getroffen. * Privattelegramm. Bei der heute stattgefundenen Biehung der 1. Klasse der 4. Hessisch- Thüring. Staatslotterie wurden gezogen: 25 000 Mt. auf Nr 89618 ( Darmstadt), 5000 Mt. auf Nr. 26 778, 2000 t. auf Nr. 89 470 und 1000 Mt. auf die Nummern 21 982, 23 480, 29 215 und 58487. - - - *** Die Tagesordnung für die nächste Sigung der Stadtverordneten- Versammlung am Donnerstag, den 16. Juni, nachmittags 4 Uhr, ist: 1. Auslosung von Schuldverschreibungen des 1892er Anlehens. 2. Dispens. gefuche: a. von Birkenstock& Schneider wegen eines Backfteinmacherhäuschens, b. von Jakob Hartmann II. für die Kreisstraße nach Heuchelheim, c. von Heinrich Winn füc die Bestanlage. 3. Gesuch des Heinrich Mary dahier um Erlaubnis zur Anbringung eines Firmenschildes am Hause Seltersweg 34. 4. Quellfassung beim Pumpwerk QueckBorn. 5. Beschaffung von Bohrzeug. 6. Beschaffung eines Steinbrechers. 7. Beschaffung von Feuerlöschgeräten. 8. Beschaffung von Dienstkleidern für die städtischen Taglöhner und Straßenfehrer. 9. Stiftung des Kommerzenrat Wilhelm Gail zur Unterhaltung der Grabftätten von Dr. Mahla und Karl Sail und zur Verschönerung des Friedhofs am Nahrungsberg. 10. Unterhaltung des Fillmann'schen Erbbegräbnisses auf dem Friedhof am Nahrungsberg. 11. Unterhaltung der Grabstätte der Luise Becker auf dem Friedhof am Robtberg. 12. Aenderung des§ 13 der Friedhofsordnung( Höhe der Grabeinfassungen).- 13. Auffüllen von städtischen Grundstücken zwischen Eisenbahn und Lahn. 14. Herstellung eines gepflasterten Uebergangs am Justizgebäude. 15. Vorlage der Rechnung der Stadt 16. Vorlage und des Verwaltungsberichts für 1902/03. der Rechnung des Stadterweiterungsfonds für 1902/03. 17. Vorlage der Rechnung des Gas- und Wasserwerks für 1902/03. 18. Vorlage der Rechnung des Elektrizitätswerts für 1901/03. – 19. Revisionsbemerkungen zur Rechnung der Stadt für 1901/02. 20. Verlängerung der Wasserleitung im Leihgesternerweg. 21. Verlängerung 22. Verder Wasserleitung in der Frankfurterstraße. sorgung des Felllagers von Gebrüder Rosenthal an der Krofdorfer Kreisstraße mit Wasser und Licht.- 23. Be schaffung einer Uebersichtskarte des Gießener Stadtwalds. 24. Genehmigung von Handabgaben aus dem Stadtwald. 25. Herstellung von Wegen im Stadtwald.- 26. Wictschaftsplan des Gießener Stadtwalds. 27. Die Kanalifierung der Lahn. - - - - + Stadttheater Gießen. Wie uns soeben mitgeteilt wird, wird die für heute Abend angesezte Aufführung des Bigeunerbaron" nicht stattfinden. Der Grund hierfür ist uns unbekannt. A Die zweite diesjährige Schlußprüfung der Kandidaten der evangelischen Theologie hat gestern Montag Vormittag in den Amtsräumen des Großh. Oberfonsistoriums ihren Anfang genommen. Es beteiligen sich daran 6 Examinanden, von denen 4 aus Oberhessen und 2 aus Rheinhessen sind. (:) Bahnprojekt Alsfeld- Ulrichst ein. Gegenwärtig weilt ein Landmesser im Auftrag der Firma Lenz& Co. in Berlin in Alsfeld, welcher die Strecke Alsfeld- Ulrichstein abgeht. * Der Marstallzug des Kaisers mit 20 Beamten, Kutschern und Reittnechten, sowie 25 Pferden, Equipagen 2c. ist heute, am 14. Juni, früh in Homberg ein getroffen. + Die Wanderer"( Gießener RafahrerGesellschaft) veranstalten auf dem Sportplage an der Hardt am 26. Juni ein großes Radwettfahren. Den Ehren- Vorsitz im Wettfahr- Ausschuß haben bereitwilligst übernommen die Herren: Dr. Brauns, Rektor der Landesuniversität; Dr. Breidert, Provinzial- Direktor; Kullmann, Landgerichts- Präsident; von Gräveniz, Oberst und Regiments Kommandeur; Mecum, Oberbürgermeister. Es finden sechs Rennen statt, teilweise mit Motorführung, für welche kostbare Ehrenpreise vorgesehen sind. Die offizielle Ausschreibung ist bereits erfolgt, sie enthält folgendes Programm: 1) Erstfahren( 2000 Mtr.), offen für Fahrer, welche noch keinen ersten Preis im Bahnrennen errungen haben. 1. Preis: Ein engl. Anzugkoffer. 2. Preis: Ein silbernes Schreibzeug. 3. Preis: Ein Weinpokal. 2) Sportplagfahren( 2000 Mtr.), offen für alle Fahrer. 1. Preis: Ein großer silberner Teller mit Staffelei. 2. Preis: Ein Gemälde Psyche am Wasserspiegel" von Schumann. 3. Preis: Eine Krystall- Bowle. " 3) Motorfahren( 6000 Mtr.), offen für Fahrer aus der Stadt und dem Kreise Gießen mit nur einspurigen Motoren; Licenz nicht erforderlich. 1. Preis: Ein großer silberner Weinfühler. 2. Preis: Ein silberner Weinkelch. 3. Preis: Ein Wein- Service. 4) Vorgabefahren( 2000 Mtr.), offen für alle Fahrer. 1. Preis: Eine Standuhr in echter Goldbronce. 2. Preis: Eine Kiste Söhnlein, gestiftet von der Firma Söhnlein& Co. in Nierstein( Vertreter: Herr Aug. Wehn- Gießen). 3. Preis; Ein Barometer auf fupfernem Sedel. 5) Tandemfahren( 4000 Mtr.), offen für alle Fahrer. 1. Preis: Zwei Krystall- Blumenvasen, in Altsilber gefaßt. 2. Breis: 8wei Gemälde:" Fröhlich beim Wein" und" Fröhlich beim Bier". 3. Preis: Zwei filberne Bokale. | 6) Niederrad- Hauptfahren mit einspuriger Motor| von 500 Mark ausgesett. Dem Ermordeten waren führung( 25 000 Mtr), offen für alle Fahrer. 1. Preis: Eine große silberne Jardiniere mit Früchtschaale. 2. Preis: Ein silberner Humpen. 3. Preis: Ein silberner Becher mit eingelegten Steinen. Auf ganz besonderen Wunsch von einheimischen Motorfahrern ist das Rennen Nr. 3 eingelegt, es fann sich hieran Jedermann von Gießen und Umgegend mit seinem Motorrade beteiligen. Es dürfte dies ein hochinteressantes Rennen mit zahlreicher Beteiligung geben.- Die Einfäße betragen für Rennen Nr. 1 und 3 Mt. 1, für Rennen Nr. 2, 4, 5 und 6 pro Rennen und Fahrer Mt. 2. Alle Nennungen unter Angabe der Licenznummer und Beifügung der Einfäze find bis spätestens Montag, den 20. Juni, abends 6 Uhr, zu richten an den Vorsitzenden des Sport- Ausschusses Herrn Gustav Mund( Hotel Victoria) in Gießen. Spätere Meldungen müssen sagungsgemäß zurückgewiesen werden. vier Revolverschüsse beigebracht worden. Von der Bergstraße, 13. Juni. Die Kirschenernte fällt vorzüglich aus. In 8wingenberg wurde von Händlern das Pfund mit 12-14 Bfq. bezahlt. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Mittwoch, den 15. Juni. Zeitweise wo.fig, bei milderer Nacht tagsüber wärmer, vielenorts Gewitterregen. Näheres durch die Gießener Wetterfarte. Marktberichte. Gießen, 13. Juni Auf dem heutigen Wochenmarkt tosteten Butter per Pfd 90-1.00 Mr., Hühnereter per Stück 5-6 Pfg., Enteneter St. 7 Bfg., Käse per St. 6-8 Pfg., Käsematte 2 St. 5-6 Pfg., Erbsen per Liter 21 Pfg., Linsen per Liter 32 Bfa.. Tauben per Paar 1. 0.80-1.00, Hübner per Stüd Mt. 1.30-1.40, Hahnen, per Stüd 0.80-1.70, Enten per Stüd 1.70-2.20, Gänse der Pfd. 65-70 Pfg., Ochsenfleisch per fd. 70-80 fg., Rindfleisch per Pfd. 62-68 Pfg. per Pf Schweinefleisch 60-72 19. Sa meine fletsch gesalzen per Bfund 0.76 fg., Kalbfleisch per Pfd. 68-76 Big., Hammelfleisch per fd. 50-74 Bfg., Kartoffeln pro 100 Kilo 6.00 Mt., Zwiebeln per 3t. Mt. 7.00-10.00, Kirschen 25-30 Pf. per Pfd. Aepfel per Centner 20-25 Mr. Milch per Liter 18 Pfa. Dauer der Marktze von 7 Uhr morgens bis 1 Uhr Nachmittags. Gegen flände des Wochenmarktverkehrs dürfen vor Beginn der Marktzeit überhantt nicht, und während der ersten dret Stunden der Marktzeit im Umherziehen feilgeboten werden. * Vom Frankfurter Obstmarkt. Die Zentralstelle für Obstverwertung teilt mit: Das Geschäft war in letter Woche befriedigend. Es wurden einige Abschlüsse in Stachelbeeren, Pfirsichen, Kirschen und Himbeeren gemacht. Die eingelaufenen Angebote und Nachfragen in allen Sorten hielten sich ziemlich die Wage. Die Durchschnittspreise betrugen: Kirschen 20-30 Pfennige je nach Sorte, Erdbeeren 40-50 Pfennige, grüne Stachelbeeren 18-20 Pfennige, alles per Zentner. Lollar. Die freiwillige Feuerwehr feierte in den Lokalitäten des Gastwirtes Fr. Weinrich am vergangenen Sonntag ihr 28 jähriges Stiftungsfest. Es ist allge mein bekannt, daß, so oft die freiwillige Feuerwehr eine Uebung oder Festlichkeit veranstaltet. dann regnet es. Wird nun eine Uebung wie in der Regel drei Tage vorher bekannt gemacht, sofort wird es trüb, und so war es auch bei dieser Feter. Sonntag Vormittag war das schönste Wetter, um 2Uhr wurde allamiert, sofort wurde es wolkig and trüb und als gegen 23 Uhr der Festzug aufgestellt wurde, die Musik anfing zu spielen, regnete es schon so heftig, daß der Zug nicht ausgeführt werden konnte, sondern mitten im Orte in ein Lokal, um nicht ganz durchnäßt zu werden, flüchten mußten. Nach einer Pause hellte es sich wieder auf, es fonnte weiter marschiert werden nach der Wohnung des Herrn Kommandanten Feller, wo die Fahne abgeholt wurde. An dem Festorte angekommen hielt Kommandant Feller eine furze Ansprache begrüßte die anwesenden Direttor Steinecke, welche zu dieser Feier erschienen Gästen, insbesondere die Herrn Kreisamtmann He chler und waren. Hierauf überreichte Kreisamtmann Hechler an drei Feuerwehrleute, welche 25 Jahre der freiwilligen Feuerwehr ihre Kräfte geopfert, das von Se. Königl. Hoheit gestiftete Ehrenzeichen für 25 jährige Dienstzeit und zwar Herrn Fr. Weinrich, Lud. Rohrbach und Aug. Fize. Die Feier verlief bis zum Schlusse aufs Beste und wünschen wir der freiwilligen Feuerwehr Lollar ein weiteres Blühen und Gedeihen. Nur möchten wir den Wunsch aussprechen, daß sich besonders die jungen Mitglieder mehr der guten Sache 22.50, 5o. 1, Mr. 19.50-20.00, do. 2, Mt. 15.00-16.00, Ales widmeten durch fleißige Teilnahme an den Uebungen, worüber sehr geklagt wird. Wir bemerken noch, daß Herr Direktor Steinecke Ehrenmitglied der freiwilligen Feuerwehr ist und dem Chor schon die Summe von 1200 Mt. gestiftet hat. - Niederofleiden, 11. Juni. Gestern Mittag wurde in der Ohm zwischen hier und Erfurtshausen die Leiche eines Unbekannten gelandet. Papiere wurden bei derselben nicht gefunden, dagegen eine Barschaft von 45 Pfennigen. Die Kleidung und das aufgeschnallte Ränzchen lassen darauf schließen, daß der Dahingeschiedene ein reisender Handwerker war. Ob ein Verbrechen vorliegt, oder er lebensmüde mit Absicht den Tod gesucht, oder ob er ein Opfer der Unachtsamkeit oder seines Schicksals geworden ist, das ist in völliges Dunkel gehüllt. Schon geradezu ungezählte Merschenleben Dunkel gehüllt. Schon geradezu ungezählte Merschenleben hat die bezeichnete Gegend der Ohm gefordert, sodaß die genannte Brücke bei den Bewohnern der Gegend in keinem guten Rufe steht. § Eudorf, 12. Juni. Heute Abend tagte im Pfeiffer'schen Saale eine flattlich besuchte Protestversammlung gegen die Aufhebung des§ 2 des Jesuitengefeßes. Vorträge und Ansprachen wechselten miteinander und ergänzten sich gegenseitig. Das Ergebnis war die Gründung eines Zweigvereins des Evangelischen Bundes mit 37 neuen Mitgliedern. Bad Nauheim, 11. Juni. In der abgelaufenen Woche sind 1490 Rurgäste angefommen und beträgt die Gesamtfrequenz bis zum 9. Juni 1904 7932( 1903: 7653), wovon an genanntem Tage noch 5404( 1903: 5376) anwesend waren. Bäder wurden bis zum 9. Juni 1904 78808( 1903: 72454) abgegeben.( Bad. Nauh. Anz.) × Frankfurt a. M., 13. Juni. Der 41 Jahre alte Zimmermann Georg Häfner aus Deusdorf geriet in vergangener Nacht am Main mit dem Schlosser Joseph Schödel aus Zweibrücken und einem anderen, der den Vornamen Georg und den Spitznamen„ Lude" führt, in Streit. Plötzlich ergriffen die Zwei den Häfner und warfen ihn über das Gelände in den Main. Häfner ertrank. Schödel, den Hinzukommende erkannt hatten, wurde festgenommen. [:] Frankfurt a. M., 13. Juni. Das Schwurgericht verurteilte den städtischen Vollziehungsbeamten Heinrich Wagner wegen Unterschlagung und Urkundenfälschung unter Annahme mildernder Umstände zu 1 Jahr Gefängniß, 1 Monat wird auf die erlittene Untersuchungshaft angerechnet. Frankfurt und Offenbach. Die Verhandlungen mit Frankfurt wegen Ankaufs der elektrischen Bahn Frankfurt- Offenbach sind so weit gediehen, daß am 1. Oktober der Betrieb der Bahn an die Städte Frankfurt und Offenbach übergehen dürfte. Gezahlt werden für die Anlage und Konzession 425,000 Mart. Frankfurt hat die Absicht, allmählich den Dreiminutenverkehr mit Offenbach einzurichten. Mainz, 13. Juni. Die Lohntommission der ausständigen Maurer ersuchte den Oberbürgermeister Dr. Gaßner um seine Vermittlung. Mainz, 11. Juni. Die Verhandlung gegen den Bürgermeistereisekretär Antweiler von Mombach, der wegen Unterschlagungen und Urkundenfälschung angeklagt ist, erreichte gestern ihr Ende. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu 3 Jahren Zuchthaus. Darmstadt. Als Mörder des erschossen aufgefundenen 67 jährigen Architekten Döring fommt ein Unbekannter im Alter von etwa 30-40 Jahren in Betracht. Er ist von mittlerer Statur, 1,60-1,70 Meter groß und trägt dunklen Sackrock und schwarzen weichen Filzhut. Auf die Ergreifung des Mörders hat die Staatsanwaltschaft eine Belohnung E8 Frankfurt a. M., 6. Juni.. Fruchtmarkt, notierten nach Qualität: An Weizen, hiesiaer und Wetterauer mf. 13.00-13 25, russischer Mt. 13.65-14.50. Gerste, hiesige mr. 17.20-17.30, furhessischer Mr. 17.20-17.30 Roggen, hiesiger Mr. 15.05 bis 15 50, Pfälzer Mt. 15.75 bis 16.00, fränkische Mr. 1570-15.90, Riedgerſte Mt. 15.50 bis 15.75, Hafer, hiesiger und Wetterauer Mt. 12.90-14.00, furhessischer Mr. 12.75-13,90, bayrischer Mr. 12.90-14 00, Mais, Mired Mt. 11.75-12.00. Ales pro 100 Kilo ab hier. Mehl unverändert. Es notierten nach Qualität: Weizenmehl hief. O, mt. 26.00-26.50, feinere Marken, wt. 28.50-29.00, hiesiges Nr. 1, Mr. 24.00 bis 24.50, feinere Marten Mt 25.25-25 75, hiesiges Nr. 2, Mr. 23.00-23.50, feinere Marken Mt. 24.00-24.50, hiesiges Nr. 4, Mt. 19.00-19.50, feiner Marten 20.00-20 50, Roggenmehl, hiesiges, 0, t. 22.00per 100 Kilo inkl. Sad. Futterartikel g fragt. Weizenschalen Mr. 4.50 4.60, Weizenkleie Mt. 4.50-4.60, Roggenkleie Mt. 4.80-5.00 Weizen futtermehl Mt. 6.75-7.25, Biertreber, getrocknet M. 5.40 b. 5.50, Malzteime 5,30-5.40, Ropsfuchen 5.50-5,75, Balmkuchen 5.60-5.80 mt. Alles per 50 Kilo. Frankfurter Viehmarkt. Zum Verkauf standen 529 Ochsen, 70 Bullen, 648 Kühe und Färsen( Stiere und Rinder), 292 Kälber, 196 Schafe und Hämmel, 1491 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegengemästete höchsten Schlachtwertes bis zu 6 Jahren Mf. 71-73, b) lämmer. Bezahlt wurde für 50 Kilo Ochsen: a) vollfleischige aus= funge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete Mr. 60 bis 63, c) mäßig genährte junge, gut genährte ältere Mr. 60–63, d) gering genährte jeden Altecs Mr.- Bullen: a) vollfleischige höchsten Schlachtwertes Mr. 63-65, b) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere Mt. 60-62, c) gering genährte Mt.-, ühe und Färsen,( Stiere und Rinder): a) vollfleischige, ausgemästete Färsen ( Stiere und Rinder) höchsten Schlachtwertes Mt 69-71 b) vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes( bis zu 7 Jahren) mr. 64-66, c) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen( Stiere und Rinder) Mt. 60-62, d. mäßig genährte Kühe und Färsen( Stiere und Rinder) Mt. 47-49, e) gering genährte Kühe und Färsen( Stiere und Rinder) Mk. Bezahlt wurde für 1 Pfund a) feinste Mast-'( Vollm.- Mast) und befte Saugfälber( Schlachtgewicht) 84-87 fg.( Lebendgewicht) 50-52 fg., b) mittlere Maft- und gute Saugfälber( Schlachtge= wicht) 77-82 fg.,( Lebendgewicht) 46-49 Pfg., c) geringe Saugfälber 60-65 Pfg., d) ältere gering genährte Kälber( Fresser) Bfg., Schafe: a) Mastlämmer und füngere Masthämmel 68-70 Pfg., b) ältere Masthämmel 60-62 Pfg., c) mäßig genährte Hämmel und Schafe( Märzschafe) Pfg. Schweine: a) vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuzungen im Alter bis zu 1½ Jahren ( Schlachtgewicht) 54 Pfg.,( Lebendgewicht) 42% Pfg., b) fleischige ( Schlachtgewicht) 53 Pfg.,( Lebendgewicht) 41 Pfg. c) gering entwidelte, sowie Sauen und Eber( Schlachtgewicht) 45-47 fg., Lebendgewicht d) ausländ. Schweine unter Angabe der Herfunft Pfg. Das Geschäft in Hornvieh war gut. Ueberstand unbedeutend, Kleinvieh gut, Markt geräumt. -- Verantwortlich: für den politischen, vermischten und unterhaltenden Teil Albin Klein Gießen; für den lokalen Tell Karl Klose, Grünberg. Praktisch, bequem u. angenehm unentbehrlich für Gebirge, Jagd, Sport, Reise, sowie für die See sind meine wasserdichten, wetterfesten, ecbt steyrische Loden- Fabrikate. Wasserdichte Wetterkragen mit abknöpfbarer Kapuze und Durchgreifschlitz, in tadelloser Ausführung von Mk. 17 110 cm Länge aufwärts. Julius Fischer Giessen, Schulstrasse 6. Seidenstoffe jeder Art, in jeder Farbe, zu jedem Preise, der Meter von 75 Pf. an. Muster portofrei. Fertige seidene Kostüm- Röcke, Jupons, Blusen, halbfert. Roben. Deutschlands grösstes Spezial- Selden- Geschäft Mr Seidenhaus Michels& Gle., Berlin SW. 19 43 Leipziger Strasse 43 Ecke Markgrafen- Strasse. Mechanische Seldenstoffweberei in Krefeld Gießener Zither- Club. ( Wohltätigkeits- Verein) Sonntag, den 19. Junt d. Js. Ziehung 6., 7., 8., 9. Jull Bekanntmachung. Die diesjährige öffentliche Impfung in da Freiburg Münster Stadt Gießen wird, beginnend Porto u.Liste 30 Pig. Feier des 20jähr. Stiftungsfestes Lose 3.30 50 14. Extre verbunden mit Konzert und Tanz von nachmittags 3 Uhr ab auf Texto& Terrasse. Abmarsch mit Musik um 2% Uhr von Oswalds Garten.- Mitglieder bei Vorzeigung der Mitgliedskarte Eintritt für Nichtmitglieder 20 Pfg. - freien Eintritt. Die Musik wird von der biesigen Regimentskapelle ausgeführt. Samstag, den 18. Juni: Kommers im Vereinslokal( Pfälzer Hof, Rahnefeld). Es ladet ergebenst ein Zirkus Wallend Giessen, Oswalds Garten. Heute Dienstag, abends 81 Uhr: Große Haupt- Vorstellung mit neuem Programm. Mittwoch Abend: Großer Preis- Ringkampf wozu sich der Ringkämpfer August Schneider in Gießen gemeldet hat. 12184 Geldgewinne ohne Abzug Mittwoch, den 1. Juni, - im Impflokale Schulgebäude. Neustadt 61- für die nächsten 5-6 Wochen jeden Mittwoch, nachmittags 5-6 Uhr, abgehalten werden. Impfpflichtig im laufenden Kalenderjahr sind die im vorigen Jahre 322500 geborenen Kinder, sowie die Stückständigen aus früheren tgewinne: Mark Jahren. Wir laden die hiesigen Einwohner, welche imp pflichtige Kinder haben, zur Benuzung dieser öffentlicher Termine mit dem Bemerken ein, daß alle in denselben Wer borgenommenen Impfungen unentgeltlich sind. die Termine nicht benußen will, muß die Impfung seines pflichtigen Kindes bis zum Jahresschlusse auf seine Kosten bewerkstelligen lassen, widrigenfalls ihm im Januar nächsten Jahres eine vierwöchentliche Frift zur 400 Nachholung der Impfung unter Strafandrohung gesetzt wird. M. Der Vorstand. M. 40 KUPOLA G. F. F. Mo. Mittwoch, den 15. Juni Abends 8 Uhr: M. 1 à 2 à 5000 3000 2 à 2060 5 à 1 000 20 à 500 5 000 10 000 200 à 100 20 000 200 à 50 10 000 20 000 Uebung. Das Kommando. Nieren- und Blasen MAGGI Leiden heilt und stärkt die Reinhardsquelle bei Wildungen. Mineralwasserversandt Füllung I. Klasse. Trinffur, Mineral- und Sonnenbäder. 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Die Impflinge müssen mit reiner Wäsche und reingewaschenem Körper zur Impfung gebracht werden. Es wird nur an einem Arme mit Lymphe aus dem Landesimpfinstitut geimpft. Kinder aus Familien, in denen ansteckende Krank heiten herrschen, dürfen nicht in die Termine gebracht werden. Gießen, den 28. Mai 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. J. V. Curschmann. Verdingung. Die zur Herstellung eines Fußsteigs im Weglarerweg, zwischen Klinikstraße und Mittelweg, erforderlichen Pflasterarbeiten sollen Mittwoch, den 22. d. Mts., vorm. 11 Uhr öffentlich vergeben werden. Arbeitsbeschreibung und BeDingungen liegen während der Dienſtſtunden auf unserem Amtszimmer zur Einsicht auf. Angebote auf Vordruck, welcher bei uns erhältlich, sind verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen, spätestens bis zum obengenannten Termine bei uns einzureichen. frist 14 Tage. Gießen, den 13. Juni 1904. Städtisches Tiefbauamt. Braubach. Verdingung - ZuschlagsDie zur Herstellung eines Fußsteigs im Mittelweg, zwischen der Crednerstraße und dem Weglarerweg, erforderlichen Pflasterarbeiten sollen Mittwoch, den 22. d. Mis., vorm. 11½ Uhr öffentlich vergeben werden. Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen während der Dienststunden auf unserem Amtszimmer zur Einsicht auf. Angebote auf Vordruck, welcher bei uns erhältlich, find verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen, spätestens bis zum obengenannten Termine bei uns einzureichen. Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, den 11. Junt 1904. Städtisches Tiefbauamt. Braubach. Berdingung. Die zur Herstellung eines Bürgersteigs im Weglarers weg, zwischen Hofmann- und Klinikstraße, erforderlichen Maurer- und Pflasterarbeiten sollen Mittwoch, den 22. Juni d. J. vorm. 10 Nhr öffentlich vergeben werden. Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen auf unserem Amtszimmer während der Dienststunden zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, welcher bei uns erhältlich, sind bis zum genannten Termin bei uns verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen, einzureichen. Buschlagsfrist 14 Tage. Gießen, den 11. Juni 1904. Städtisches Tiefbauamt. Sämtliche Braubach. DRUCKSACHEN werden geschmackvoll, prompt und billig hergestellt in der Buchdruckerei von Albin Klein, Giessen Seltersweg 83. nur zu Ende." mpft die Kolonne weiter und kein und glühendem Sonnenbrand unter der Last des Tages getann nicht weiter, ein Ende, ftöhnt:" Aher ungaro Preußen niederzulassen. Friedrichs Ohren, und gar zu gern hätte er gewußt, bieber at jekte beständen, deshalb schickte er die Vertrauten Das war eine gar liebliche Musik für jene Proauf alle ikv Nr. 132 Dienstag. ben 14 Junt. 1904. ng. Impfung in ni. Otgen aus frühe im bortgen J Mittwoch, en. Impipili uftadt 61alle in denselb diefer öffentlic ner, welche im 1904. afandrohung gef chentliche Frift genfalls ihm resschluffe auf fe nuß die Impfu lich find. auf Wunsch th ich Kinder, wel ermine zur Nat en Kinder müf erminen borgeste fönnen gleichfal on der Impfun Termine gebra anstedende Kran e aus dem Lande racht werden. Wäsche und ret erei Gießen. 7. veg, erforderli igs im Weglare hen.- Buschlags ns bis zum oben offen und mit ent bote auf Vordrud unden auf unserem Orm. 11 Uhr schreibung und Be nt. Weglarerweg, er gs im Mittelweg, rm. 11% Abr ten Lermine bei er Aufschrift ver ei uns erhältlich, mmer zur Einsicht en liegen während Lage. und glühendem Sonnenbrand unter der Last des Tages gestöhnt: Sch kann nicht weiter, ein Ende, nur zu Ende." her erbarmungslos stampft die Kolonne weiter und kein Laut dringt über die erblaßten Lippen, als ein Lachen des Troßes über die Qual der Welt und ihre Torheit. Wenn man noch glauben kann, daß man es nicht mehr lange aushält, ist es noch weit zur Verzweiflung. Welche Fülle der Gedanken, welche Abgründe und Höhen in wenigen Minuten! Säße den Menschen das Verderben noch sichtbarer im Nacken, sie würden das Leben noch besser erfennen lernen. Da stellen sie Vergleiche an, kein Wort ist ihnen zu hoch, kein Begriff zu tief, wer möchte nicht mit dem Adler den reinen Hauch des Aethers trinken oder glaubte nicht einmal mit seinem Flügelschlag über Zeit und Raum zu kreiſen? Und wenn der todwunde ehrliche Recke ihm Auge in Auge gegenübersteht, versagt der Mut und wird klein, und Grausen zieht in die feige Seele, die aus dem Hinterhalt den Tod bereitete. Laß die freien Herzen fliegen Mensch und Knecht! Ich glaube beinahe, mein Denken geht in die Frre," mur„ Ein Adler, der nach meinem melte Fritz Wüstenhagen. Herzen faßt, ist es eine Vision?" Dann dachte er an das Ende. ,, Links von mir liegt die Flinte, die Hähne sind gespannt, ich muß sie nachher mit der Spitze des Stiefels abdrücken. Es wird gehen, ich werde sie trotz meiner Blindheit finden. Nur gleich zum Schluß, ehe noch der flügelnde Verstand die Lebensmöglichkeit herausgefunden hat." Als Friz Wüstenhagen die Möglichkeit einer Rettung aufgegeben hatte, bäumte sich das Leben des Adlers zu den letzten Todeszuckungen auf. Noch einmal wiederholte sich das furchtbare Ringen des Menschen mit dem sterbenden König der Lüfte, dessen Fänge dem Maler die Brust zerrissen. Aber der Mann blieb Sieger. Der Kopf des Vogels sank endlich zur Seite, der Körper wurde schwer. Da packte Frig Wüstenhagen den Hals des Tieres mit der einen Hand und rip mit der anderen die Fänge des Adlers aus seinem Jagdrock. Und weit schleuderte er seinen Gegner von sich. Dann sank er lautlos zu Boden, während das hervorströmende Blut die Wunden rein wusch und sie gerinnend schloß. Fünf Minuten," sagte der Maler nachher ,,, kaum länger hat dieser Kampf gedauert. Wer die Ewigkeit und die Qualen der Hölle ermessen will, braucht nur so etwas durchzumessen. Manche Leute sollen behaupten, die Jagd sei mitunter ein Vergnügen. Man muß das nicht immer glauben, meine Herren." EINST UND JETZT Wie Friedrich der Große eine Welte verlor. Friedrich der Große fragte einst nach der Mittagstafel den bekannten Freiherrn v. Pölnih, ob er am Abend auch zur Redoute gehen würde. Und als Pölnik bejahte, meinte der König:„ Das ist gut, so bin ich doch gewiß, eine Maske mit Sicherheit zu erkennen." ,, Das ist doch noch sehr fraglich!" erwiderte Pölnik, worauf Friedrich erklärte: er würde dem Freiherrn tausend Friedrichsd'or zahlen, sofern er ihn in seiner Maske nicht erkennen würde. Zu Hause an gekommen, ließ Pölniß einen reichen Juwelier zu sich kommen und versprach ihm tausend Taler Belohnung, wenn er ihm eine bestimmte Anzahl Juwelen leihen wolle, mit denen er sich schmücken und sich am Abend vor dem König unkenntlich machen wolle; denn Friedrich würde beim Anblick so vieler echter Juwelen gewiß nicht an seinen so tief verschuldeten Kammerherrn denken. Der Abend kam, die Redoute begann, und schon lange hatte der König seinen Kammerherrn vergeblich gesucht, als er plötzlich einen äußerst prachtvoll gekleideten Armenier erblickte. Turban, Gürtel und Kleid strotten von echten Juwelen die Maske erregte großes Aufsehen. Alles umringte sie, jeder suchte zu erforschen, wer dahinter verborgen sein möchte. Man redete sie an; die Maske blieb nicht stumm, aber niemand konnte sie erkennen. Besonders neugierig war der König, zu wissen, wer wohl in seinem Lande Besitzer eines solchen Schazes an Edelsteinen und Perlen sei. Er schickte Vertraute auf Kundschaft aus, aber alle kamen mit der Nachricht zurück: es sei ein Holländer, der große Besitzungen in den Kolonien habe und nach Berlin gekommen sei, um dem Könige mehrere wichtige Projekte vorzulegen und, falls diese angenommen würden, sei er gesonnen, seine Besitzungen zu verkaufen und sich in Preußen niederzulassen. Das war eine gar liebliche Musik für Friedrichs Ohren, und gar zu gern hätte er gewußt, worin jene Projette beständen, deshalb schickte er die Vertrauten wieder ab, den Holländer auszukundſchaften; doch dieser antwortete auf alle ihre Fragen: den Gegenstand seiner Projekte könne und werde er nur dem Könige selbst offenbaren. Durch dieses geheimnisvolle Wesen immes neugieriger gemacht, redete der König die Maske selbst an uns bot seine ganze Ueberredungskunst auf, ihr den Mund zu öffnen, aber bergebens. Sobald das Gespräch auf die angeblichen Pro jekte sich hinlenkte, versicherte der Holländer beharrlich: deshalb werde und könne er nur dem Könige selbst sich entdecken. Seiner Ungeduld nicht länger Meister, nahm endlich Friedrich die Maske ab und sagte:„ Nun, zum Henker, ich bin ja der König!"" Und ich bin Pölniz!" erwiderte schnell der Holländer, indem er ebenfalls die Maske abzog und sich ehrfurchtsvoll verneigte. Der König stuzte, lächelte und drehte sich kurz um. Am Morgen schickte er Pölnih 1000 Friedrichsd'or, aber er hätte gern das Doppelte gezahlt, hätte er den Verdruß nicht gehabt, von seinem Kammerherrn so überlistet worden zu sein. * Bunte Blätter. Eine angenehme Einrichtung ist in manchen englischen Krankenhäusern getroffen, indem nämlich neben den Betten der mit ansteckenden Krankheiten behafteten Insassen Fernſprechapparate angebracht sind, vermittelst deren die Kranken sich gemütlich mit Verwandten oder Freunden unterhalten können, ohne daß diese nötig hätten, sich in die gefährliche Nähe des Kranken zu begeben. * Guter Bescheid. Die Gräfin von Würben, die Geliebte des württembergischen Herzogs Eberhard, die in Ludwigsburg mit unumschränkter Willkür Hof hielt, hieß dem Prälaten Joh. Osiander sie in das Kirchengebet einschließen. Der Geistliche erklärte:„ Das geschieht schon, wenn man bittet:„ Herr, erlöse uns von allem Uebel."" Bemooste Häupter. Unter den Fischen sollen die Hechte das ehrwürdige Alter von 200 Jahren erreichen können; aber es scheint ein gleiches Alter den Karpfen beschieden zu sein. In England werden wenigstens Karpfen von ungeheurer Größe angetroffen, wie das auch in den Teichen um Fontainebleau der Fall ist. Nicht nur die Größe aber läßt auf das Alter schließen, sondern auch die weißen Schuppen, die langsamen Bewegungen und das sogenannte Moos auf den Fischhäuptern. Columella erzählt, man habe in den Fischbehältern Cäsars bei Pausilippum Fische gefunden, die nachweislich ein Alter von sechzig und siebzig Jahren besessen hätten. Noch merkwürdiger ist es, daß man 1447 bei Heilbronn einen Fisch gefangen habe, an dessen Floßfedern ein Ring rit der Aufschrift befestigt gewesen sei:„ Ich bin der erste Fisch, den der Kaiser Friedrich II. den Der Fisch hatte also ein Alter 5. Oktober 1209 in den Teich setzte." von 216 Jahren erreicht. * Gut pariert. Emile Zola und Jules Claretie, die beiden bekannten französischen Schriftsteller, waren einmal Freunde, sie bildeten eine„, Clique" und lobten sich gegenseitig in den ihnen zur Verfügung stehenden Journalen. Jules Claretie vom„ Temps" erhielt sogar eines Tages einen Brief, in welchem ihm Zola schreibt: Tun Sie für mein Buch, was Sie können, Sie wissen ja, eine Hand wäscht die andere!" Claretie zog sich aber bald Zolas Gegnerschaft zu, und eines Tages erschien in einem Journal ein gegen Claretie gerichteter Artikel von Zolas Hand. Claretie war wütend, aber er heuchelte Ruhe und veröffentlichte in seinem Journal obigen Brief und darunter dessen Angriff. Er selber schrieb nichts dazu, als:„ Es scheint demnach, daß ich Herrn Zolas Hände nicht genügend gewaschen habe. Jules Claretie." - Nichts Neues unter der Sonne. Ein maurischer Gesandter kam gegen das Ende des sechzehnten Jahrhunderts nach Madrid und berichtet von den spanischen Zuständen in anziehender Weise. Besonders fielen ihm die postalischen Einrichtungen und die Zeitungen als etwas Seltsames auf.„ Sobald Neuigkeiten aus fernen Ländern anlangen," sagt der Maure, der ein aufmerksamer Beobachter gewesen sein muß, so werden dieselben in ein Haus zu einem Manne gebracht, der eine Schreibmühle( soll bedeuten: Druckpresse) besitzt und dieselben auf Bogen Papier druckt; diese werden dann unter dem Volke verkauft, und man nennt das el- gasetah( die gazette oder Zeitung). Man liest manche Neuigkeiten auf diesen Blättern; die meisten sind indes sehr übertrieben oder enthalten offenbare Lügen und sind nur deswegen fabriziert, um die Neugierde der Leute zu befriedigen." Schon damals! - Nr. 182 Dienstag, den 14 Junt. Oberbessische Tägliche Unterhaltungs- Beilage Familienzeitung. Gießener Neueste Nachrichten. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein. ( Schluß.), Die Rache ist mein. Originalroman von Ottomar Beta Ja, er zog sie an sein Herz und ließ sie nimmer wieder von dort entweichen, wie man einen Engel einfängt, der seinen Himmel mit sich bringt und nicht nötig hat, sich nach einem andern zurückzusehnen. So kam es, daß diese beiden ganz allein ihre erste Ausfahrt machten. Die Leute blieben auf den Straßen stehen, um sie zu grüßen, und sie galten als Verlobte, che noch eine eigentliche Erklärung zwischen ihnen stattgefunden hatte und ehe irgend etwas dergleichen im Blättchen stand. Sie fuhren als Brautpaar durch die schöne Frühlingswelt und hielten auf einem der höchsten Berge unterhalb der Stadt, von wo aus man einen Fernblick hat bis ans Haff. Was ist denn da drüben für ein neuer voter Bau entstanden!" fragte Erich, durch das Glas ſehend, welches er immer noch mühsam mit der Rechten erhob. „ Das ist der neue Staudiussche Speicher, mein Herr," erwiderte Franziska, indem sie lachend zu ihm emporblickte. Derselbe stand auf der Stelle der alten Siederei und war so voll von Frucht wie je. " Du weißt doch, daß Rieb für alles sorgt, Erich!" " Ja, und dein Vater, Fränzy, und Stöberer; ja wohl, sie sorgen für alles. Und dort drüben?" Er wies mit der leichter beweglichen Linken über den Fluß hin. „ Das ist das neue Staudiussche Stift, Erich, mitten inne zwischen den Arbeiterhäusern und rings umher nichts als Garten. Denk nur, Papachen hat die ganze Versicherungssumme dran gewendet, um diesen Garten anzulegen. Du weißt doch, den Betrag für das verbrannte Korn." „ Ja, ja, das ist auch der beste Zweck, den es finden konnte. Ein Garten hält von schlechten Gedanken ab." „ Und, Erich, denk dir nur, Köberlein wohnt dort mit unserer Anna; die beiden sind aber' mal ein glückliches Paar! Anna hat ihn nicht heiraten wollen, wenn er in der Schenke bliebe, und da haben wir ihn als Stiftsgärtner eingesetzt. Es ist wunderbar, wie ihm alles gedeiht und wie schnell er alles dazu gehörige gelernt hat." „ Er hatte immer eine Neigung zum Idyll." ,, Sein früherer Oberst sagt, er würde ein besserer Soldat geworden sein als mancher wohlbelobte Avantageur, nur, man müßte bei ihm den Wallensteinchen Grundſatz gelten lassen: Ein Wort ist frei." „ Nicht bloß bei ihm," meinte Erich, sofern der Gehorsam troy alledem blind bleibt." Und nun wollen wir nach Staudiushof, Erich; wollen wir?" " Ich sehne mich schon lange dorthin, nach der Sonnenuhr," sagte Erich seufzend. " Der Schatten ist dort etwas gelichtet worden, seitdem es dir gehört," hub Franziska wieder an;„ man hat ein ganzes Stück vom Park für den Vulkan gebraucht, und man hört dort so viel Gehämmer, daß alle Gespenster auf und davon ( Nachdruck verboten.)) " Ich denke, man könnte Staudiushof umbauen für die Arbeiter", sagte er endlich.„ Wir müßten uns mit dem alten Stadthaus begnügen, wenn dein Vater uns die Oberetage abläßt." Dabei richtete er einen zärtlichen Blick auf Franziska. " Er wird sich wohl erweichen lassen," scherzte diese.„ Die Wohnung steht ja seit einem halben Jahre leer und ist ganz neu tapeziert. Du weißt, man hat die Morißschen Möbel unter den Hammer gebracht. Auf Staudiushof hat niemand mitgeboten, das wollten sie uns lassen, aber um diese prachtvollen Möbel hat es fast eine Schlägerei gegeben." Der unglückliche Morit! Was mag ihn nur in den Tod getrieben haben? Denn, ich denke mir, er hat sterben wollen." Wenn Erich grübelte, dann kam er leider immer wieder auf diesen Punkt zurück. ,, Es ist herausgekommen, daß er an der Börse kolossale Engagements hatte. Er spekulierte gegen den Vulkan à la baisse." Franziska faßte ihn bei der Hand und sah ihm, während sie das sagte, sorgenvoll ins Gesicht. Erichs Miene umflorte sich. Er wurde bleicher und bleicher. " Das war auch ganz richtig," sagte er wie mit sich selbst redend, denn wir brauchten noch viel Terrain am Ufer und das hätte der Gesellschaft große Summen gekostet... aber Dann stockte er um so weniger hatte er Veranlassung und murmelte:„ Er lag auf meinem Bett." „ Erich!" rief Franziska, ihn umarmend,„ denke doch daran nicht mehr... es ist ja eine Einbildung." ,, Er schlich hinter mir... er wollte mich warnen." ,, Ganz gewiß wollte er das! Weißt du, wir wollen auf ein Jahr fort von hier.... nach dem Süden, nach Italien!" ,, Aber erst müssen wir uns heiraten, Fränzy." Sumus umbra. Wir sind Schatten! So konnte man auch von Erich sagen. Sein Kopf... sein armer Kopf hatte gelitten. Es bedurfte der Sonne des Südens, um alle Schatten aus Erichs Sinn zu verscheuchen, und es bedarf jener andern, noch mächtigeren Sonne, die ihn aus Franziskas Augen anstrahlt, um sie dauernd fern zu halten. * * Es kam aber die Zeit, wo er mit ruhiger Ueberlegung an die Ereignisse jener Nacht zurück zu denken vermochte, wenn er auch Franziska gegenüber, um sie nicht zu ängstigen, derselben nie mehr erwähnte. In solch ruhiger Stimmung ging er eines Abends mit Stöberer und Papa Fiebiger über die Brücke, um den Garten zu besuchen, der die Staudiusschen Arbeiterhäuser in reizender Weise umgab, und hier fand er Anton Köberlein im Strohhut mit der Hacke in der Hand, und der unverbesserliche Kauz schulterte dieselbe mit raschem Griff, und präsentierte sie wie ein Gewehr in unbewußter Selbſtironie seines ehegeflogen find. Es wurde ihnen dort unheimlich. Ich finde, maligen Soldatentini, bitte gehorsamst zu melden, bin die Industrie hat doch ihr Gutes." Erich sah umher und grübelte über etwas nach. ,, Herr Stü'rmann, heute nacht Papa geworden," sagte er im Ordonnanzton. amt. aße, erforderlichen teigs im Weglarers en mmer während der eschreibung und Be vorm. 10 Uhr fehen, einzureichen. Jei uns verfchloffen bei uns erhältlich tamt. Str. 138 Wonnementspreis: baus gebracht 60 mab bie Stette Brattbettagen: Oh Das Blatt afdel 賣畫 Gan Enth Darstellung zutrifft. gewesen sein, wenn 203 4 8 1416 fecht jatt, in dein follen. Die Japan aus, um die Ge Niutihang bor Eine andere Ver Die japanische Abte um die Bewegung wurde angegriffen Scheinrüdzug ang Die Nussen ziehen aber nach einer 3000 Mann un ebenfalls geräumt folge einer Befchick d. H. Miutschwang, Nachricht brachten zwei russis der Japaner durch schildert Togo in f die japanische Flet der Nähe von S zerstörer und vertr der Bai von Tali worden, ferner 30 in dem Golf von Liautschang eintraf Festung eng umid Arthur genügend v gut. Das Vorgehen Unglüdsfall Scharmügeln an. Sapanern geräum berlegi war. Die Japaner f Mis gestern gang von Port paffierte ihnen ein bom 14. d. Mts Maru" in der S explodierte eine den getötet, neu lich beschädigt. die jap Sdiffes, auf welchen General Stöffe folge, als er lett befchliste, am Ob angeblich eine lofo men werden mußt Ankauf eines am Gerüchte, daß Jeeboot Protector" berfauft habe, beſtä abgefchloffen worden Japan unterwegs terieebootes unte In Außland it machungen beitr ༼ ལ་ allmähligen maglich das nun pielen Gouverneme Der Referbe zum Armeekorps gehen Mostau ab und wo in ganzes Armeet Das Durch eine " Dann ist ja Aussicht, Köberlein, daß Sie nun auch bald vernünftig werden." meinte Stöberer mit dem Kopfe schüt teľnd. ,, Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch den Ver-stand," fügte Papa Fiebiger hinzu. Hoff's selbst," gab Köberlein zur Antwort. Ein wenig Narrheit ist besser als zu viel Weisheit," beschönigte Erich. Köberlein nickte Beifall. ,, Das sagt Anna, meine Frau, auch. Sie befindet sich, den Umständen nach, wohl. Und von der schlimmsten Narrheit hat sie mich schon kuriert, das ist nämlich die Weiberfeind schaft. Und der Wahrheit die Ehre: sie nicht allein, Herr Stü'rmann, sondern dazu hat auch die gnädige Frau Stü'rmann beigetragen, und jetzt vertrage ich mich sogar ganz gut mit der schlimmsten von allen, mit meiner gnädigen Frau Stiefmutter. Diese war übrigens auch wieder die klügste von uns allen, denn sie hat mich nach Naugard geschickt." Nach einigen Unterbrechungen und scherzhaftem Hin- und Herreden erzählte er weiter. sch lasse in Naugard Körbe flechten, und auch bemalen, für die bessere Verwertung der Blumen, und ich bin schon öfters drüben gewesen. Da bekomme ich ja auch jedesmal meinen besonderen Leibgefangenen, den Kutscher, zu sehen, der ehemals mit der Frau Morik in der Welt umherfuhrwerkte. Und dieser selbige hat mich bei solchen Gelegenheiten öfters schon zur Frömmigkeit ermahnt und endlich hat er mir sogar gebeichtet, wie es in jener Schreckensnacht da drüben in der Siederei sich zugetragen hat, daß Moriß und nicht Sie, Herr Stü'rmann, dem wilden Robert in die Finger gerieten. Sie waren doch der einzige, der zu der Seitentür, die zu Ihrem Zimmer führte, einen Schlüssel hatte, und der wilde Robert, nachdem sie schon stundenlang vergebens auf Ihre Heimkehr gelauert hatten, stand dicht hinter der Tür im Gange, um Sie dort abzufassen. Als nun aufgeschlossen wurde, konnt' es doch eigentlich kein anderer sein als Sie, Herr Stü'rmann, der da endlich eintrat. Und so hatten die Kerle das auch kalkuliert. Die Zeit drängte nämlich, da sonst der Wächter nach Hause gekommen wäre. Der wilde Robert griff nur eben zu, und knar war dem. jenigen, der ihm in die Finger fiel, das Genick entzwei. Sie schleiften ihr Opfer den Gang hinauf, warfen ihn auf Ihr Bett und steckten die Laterne an und... da war's Moriz." Gegen seine Gewohnheit ließ Erich sich auf diese Auseinandersetzung ein. ,, Das ist das unbegreifliche Wunder, lieber Köberlein," sagte er. Ich schloß ganz ruhig auf. Plötzlich war mir's, als schliche jemand hinter mir, ich springe zur Seite, in demselben Momente fliegt aber auch schon die Tür hinter mir zu, und das Verderben hatte den Heranschleichenden ereilt, ehe ich mich noch besinnen konnte, was ich denn eigentlich gehört hatte." Das erklärt sich folgendermaßen denn auch die Zofe hat, aus Haß gegen den Kutscher, ihre Aussage zu Protokoll gegeben," so fuhr Köberlein fort.„ An jenem Abend nämlich war Moritz bei seiner Mutter gewesen und hatte aus ihren wirren Reden sich soviel zusammengereimt, daß er ungefähr mußte, was diese Bösewichter übles hatten anstiften wollen. Er lief entsetzt hinweg, weil er fürchtete, man würde ihn für den Urheber der Sache halten." Ja wohl!" rief Stöberer dazwischen ,,, das wäre auch geschehen." Diese Befürchtung also führte ihn an die Tür der Siederei," erklärte Papa Fiebiger zu Erich gewendet.„ Er sah oder hörte dich kommen und hat dich vermutlich warnen ivollen, oder er hat dich herausklopfen wollen. Genug, der Bufall führte ihn gerade in dem Momente..." Das ist kein Zufall!" rief Stöberer, nicht ohne zornige Erregung, ich habe Moriz gründlich kennen lernen. Er ipekulierte ja geradezu auf Herrn Staudius' Tod. Er mag eine Anwandlung von Schwäche gehabt haben, hatte sich das aber nachher ganz gewiß besser überlegt und sich gedacht: daß es geschehe; du hast ja nichts damit zu tun, bu gewinnst durch diesen Tod ein Vermögen. Er lauerte ohne Zweifel neben der Tür und wollte lauschen, wie die Sachen sich begeben würden, um dann, aber erst wenn es su spät sein würde, vielleicht Lärm zu schlagen. Ich kannte ihn besser, Herr Justizrat." Sie fällen ein hartes Urteil, lieber Stöberer," fagte Erich betrübt ,, Besser hart als heuchlerisch," erwiderte der Malefiziarius errötend ,,, übrigens kommt's auf eins heraus." „ Da es, der Aussage der Zofe zufolge, nur die Furcht gewesen ist, daß Herr Stöberer gegen ihn als Ankläger auftreten könnte, welche Moritz gegen das Komplott stimmte, so ist das allerdings richtig," fügte der Justizrat hinzu.„ Ein Gottesgericht hätte er daraufhin nicht wagen dürfen." ,, Daß es kein Zufall gewesen wäre, behauptet der Kutscher auch. Er nennt es eine Fügung," erklärte Köberlein. Es fügt sich alles unsern guten und bösen Trieben gemäß," schloß Papa Fiebiger. Und nun, lieber Köberlein, zu etwas anderem." Erich nickte Beifall und wandte sich an den Gärtner. ,, Wer von uns darf bei Ihrem Kleinen Erstling Pate stehen? Keiner will dem andern den Vortritt lassen." Köberlein fraute sich hinterm Ohr und sah verlegen von einem zum andern. „ Es ist eine kleine Sie," ruminierte er ,,, und da hat meine Frau ihren eigenen Willen. Sie möchte sich die Freiheit nehmen, de gnädige Frau Staudius zu bitten, es uns nicht verübeln zu wollen, wenn wir das kleine Mädchen Fränzy taufen, ganz ebenso wie diese Rose," er deutete auf einen wohlgepflegten Rosenstrauch in seiner Nähe das ist nämlich eine Rose ganz eigener Zucht, und die werde ich auf die Provinzial- Gartenbauausstellung schicken und ebenfalls Franziska nennen." Erich nahm den Hut ab und schloß mit ergebener Miene: ,, Gott lasse sie blühen und gedeihen, Ihre Rose, Ihr kleines Mädchen und die edle Frau, nach der sie beide getauft worden." Waldidylle. Der Mond bestrahlt den dunklen See, Es schimmern die Wasserrosen, Du lehnst an mir, du schlankes Reh, Jm traulichen Küssen und Kosen. Es glänzen die Wellen, so zaub'risch erhellt, Und raunen manch Märchen sich zu: Ich weiß, daß auf der ganzen Welt Mich keine liebt wie du. Leis schauernd rauschen Busch und Baum, Wie still und schön die Nacht! Es liegt ein duftig holder Traum Ob dieser Waldespracht; Wie deine Hand die meine hält, Da find' ich süße Ruh'; Ich weiß, daß auf der ganzen Welt Mich keine liebt wie du. Es singt die Nachtigall ein Lied Von Liebesseligkeit, Ein Gotteshauch die Luft durchzieht, Es wird das Herz so weit. Was mir den schweren Tag vergällt, Verschwindet hier im Nu: Ich weiß, daß auf der ganzen Welt Mich keine liebt wie du. 29 Gute Gedanken. Wer in der Welt keinen Platz findet, der flüchte in fein Becs. Den Unglücklichen verurteilen die Menschen, dami: fe cund haben, ihm ferne zu bleiben. Tausend Augen hat die Nacht, Eins nur gibt dem Tage Licht; Doch erlischt der Welten Bracht, Wenn der Sonne Glanz gebricht. Tausend Augen hat der Geist, Gins nur hat das Herz dabei; Doch ein ganzes Leben reißt Mit der Liebe Tod entzwei. Schweigen und Nichtsprechen sind zweierlei: Schweigen t Deb heit, Nichtsprechen Gutmütigkeit. Hell Gesicht bei bösen Dingen, Und bei frohen still und ernst Und gar viel wirst du vollbringen, Wenn du dies beizeiten lernst. Hüttenjagd. Skizze von Mar Thielert.. ( Nachdruck verboten.) Weit hinten am blauen Himmel erschien ein Punkt. Aber während das scharfe Auge des Jägers in der Hütte vergeblich die Art des Raubvogels, der sich mit großer Geschwindigkeit heranbewegte, festzustellen versuchte, hatte das des Uhus, das mit so unglaublicher Genauigkeit wie eine Kamera auf nahe und ferne Gegenstände eingeſtellt wird, längst den gefährlichen Feind erkannt. Und augenblicklich warf er sich von der mit Schaffell beschlagenen Krücke, auf welche ihn die Liſt des Weidmannes setzt, um durch sein fast allen Raubvögeln verhaßtes Aeußere sie heranzulocken und vor seine Büchse zu bringen und reckte die Dolchfänge, welche in der Freiheit mit so fürchterlichem Griff auf den lautlosen nächtlichen Streifzügen dem harmlosen Hasen durch den Rücken dringen oder die geschwäßige Elſter im Neſt oder eine kleinere Eule fassen, dem heranbrausenden Gegner entgegen. Nur wenige unter den Königen und Fürsten der Lüfte ehrt der Uhu auf diese Weise, die großen Adlerarten oder die elegantesten Flieger, die Milane, welche mit einem Flügelschlage über Berge und Täler dahinzugleiten scheinen. Der Jäger in der Hütte starrte mit angehaltenem Atem auf das Schauspiel. Regungslos lag die Flinte im Anschlag, eine einzige kleine Bewegung konnte im letzten Augenblick dem unglaublich schnellen Raubvogelauge verdächtig er scheinen. Und so rasch, wie ein Gedanke fliegt, schwenkt der Räuber herum und ist verschwunden, ehe der Finger den Drücker berührt hat. Mit angelegten Flügeln kam das Tier herunter, wie befinnungslos vor Wut. Und fast schien es, als würden sich nun die beiden riesigen Vögel packen und es würde ein furchtbarer Kampf der zwei Gewaltigen anheben, von dem niemand weiß, wie er enden wird und in dem der Jäger nicht zu schießen wagt, weil er ebenso leicht den treuen Gefährten verlezen könnte. Aber im letzten Augenblick mußte der Fremde die Anwesen heit seines todbringenden Feindes in der Hütte bemerkt haben, jäh versuchte er sich wieder zu erheben. Es war zu spät. Sei es, daß die Gewalt des Sturzes zu groß gewesen war oder, daß die Fänge des Uhus ihn doch schon etwas gefaßt hatten und ihn am schnellen Auffliegen verhin derten, er kam nur wenige Meter weit. Schon donnerte ein Schuß über die Berghalde hin, man hörte die Schrote gegen die harten Federn schlagen und als der Vogel wie müde sich in der Luft auf die Seite legte und dem Schützen die volle untere Fläche bot, krachte ein zweiter. Da kam er ganz herunter. Aber anstatt auf den Boden zu sinken, erhob er sich fast augenblicklich wieder und stand, indem er im Todeskampfe die Fänge in das weiche Moos schlug. Und wie der Jäger mit staunenden Augen herüber sah, erkannte er in ihm den König der Lüfte, den Stein- oder Goldadler. Von dem heimatlichen Felsenhorst vertrieben, war er auf seinen Frrfahrten nach einem neuen Reich in das ebene Land verschlagen worden. Jugendliches Feuer und überströmender Kampfesmut und Unerfahrenheit hatten ihn in das Verderben geführt, den Listen der treulosen Laurer war er noch nicht gewachsen. Eilig lud der Jäger die Doppelflinte wieder und näherte sich vorsichtig seiner Beute, jeden Augenblick bereit, noch einmal zu feuern. Aber wollte er das Federkleid nicht ohne Not und nicht allzu sehr zerschießen oder bewegte ihn die Art dieses föniglichen Sterbens, genug, er stand auf einmal wie in Andacht still. Nuhig saß der Vogel auf dem Boden. Mit der Todeswunde in der Brust sah er den Jäger furchtlos an, wie prü fend. Schon lauschte er einem fernen Ruf von weiten Flügen, Felsen und blauen Seen, darin dunkle Wälder schauen. Dann ließen die Fänge langsam die Erde los, und ohne jeden Laut sant er zur Seite. Der Jäger starrte mit waldfernen Augen und wie im Traum auf das Bild. Wer so sterben könnte," murmelte er, so still und groß! Wie ist der Mensch dagegen armselig mit seinem Geschwäß und Stöhnen! Mit seinem schwächlichen Hoffen und Glauben! Aber dieser König sinkt dahin und in seinem Blick spiegelt sich nur die heilige Erhabenheit der Natur. Wie müßig ist doch das menschliche Trachten." So stand der Maler. Allmählich aber kam in seine Her zen doch etwas wie Stolz über den Gefällten auf und er trat an ihn heran, der noch in seinem Tode mit den scharf bewehrten Fängen und dem gekrümmten Schnabel Vorsicht zu gegebieten schien. Einige Schrote waren in die Brust gedrungen und der eine Maler beide in der Nähe der Gelenke, um die Spannweite Flügel war sichtbar zerschossen. Mit festem Griff faßte der durch Ausstrecken der Arme festzustellen. Der Adler war schwer und er mußte seine ganze Kraft aufbieten. Und da auf einmal was war das?! Dem Manne wollte fast vor Entseßen das Blut in den Adern gerinnen, die Fänge des totgeglaubten Vogels streckten sich vor und griffen nach seiner Brust, die Augen öffneten ſich und ſchienen mit ihrem Feuer die seinen zu versengen und gleichzeitig versuchte der Adler mit dem krummen, scharfen Schnabel nach ihnen zu hacken. Wie besinnungslos hielt der Maler im ersten Augenblick das Tier durch Ausspreizen der Arme von sich ab. Er war ein beherzter kräftiger Mann und seine Wiege hatte in einem Forsthause an der masurischen Grenze gestanden, so daß ihn diese furchtbare plötzliche Gefahr nicht wie etwas ganz Ungewohntes anfiel. Aber es war ihm doch, als setzte der Herzschlag für eine Weile aus. Hätte der Adler seine Flügel besser gebrauchen können, so würde er den Maler durch ihre Gewalt bald ermüdet haben, so war es ihm noch möglich, Fänge und Schnabel des Vogels von sich fern zu halten. Das Tier war matt und zerschossen und doch drohten seine sprühenden Augen in unmittelbarer Nähe von denen des unglücklichen Jägers, immer wieder frazten die spizen Fänge über seine nackte Brust und rissen die Haut herunter. legung und ließ ihn die Möglichkeit seiner Rettung überUnd allmählich kam dem Maler die klare und scharfe Ueberblicken. Dann spannten sich die eisernen Arme von neuem und die Versuche seines Feindes schienen schwächer zu werden. Dann aber loderten Wildheit und jähe Lebenskraft wieder heftiger auf, noch eine kurze Zeit, dann mußte sich dieser kühn gekrümmte Schnabel blitzschnell in seine Augen senken und das goldene Licht des Tages würde auf immer vor ihnen verschwunden sein, in dem von den wütenden Schnabelhieben zer fezten Antlitz würde man vergeblich nach den ehrlichen, wohl gestalteten Zügen des Malers Fritz Wüstenhagen suchen. Selbst die Liebe. Und aus der Brust des Mannes rang sich ein so furcht. barer Schrei, ein so grausiger Laut des Entsetzens, daß die Tiere des Waldes aufhorchten. So qualvoll kommt ihnen der Tod nicht. Und er kommt ihnen doch oft. Wenn er an den Uhu heranging, so weit dessen Fessel reichte, Wieder schoß dem Maler ein Gedanke durch den Kopf. und ihm seinen Feind entgegenhielt? Der wackere Gesell würde ihn schon fassen. Aber bei jeder Vorwärtsbewegung schien sich die Kraft des Adlers wieder zu beleben, als hauchte ihm die größere Nähe des tödlich Gehaßten neue Wut ein. Er würde nicht weit kommen. Da blieb er wieder stehen. Oder wenn er sich mit aller Gewalt nach vorn auf den Boden warf? Sein Körpergewicht müßte den Vogel erdrücken. Aber im letzten Augenblick würden sich seine Fänge unlösbar fest in seine Brust graben und ehe sie herausgeschnittent wären, müßte längst eine Blutvergiftung eingetreten sein. und Friz Wüstenhagen begann seinem Feinde in die funkelnden Augen zu sehen. Er hatte jetzt dabei sogar einen philosophischen Gedanken.„ Merkwürdig," fand er ,,, wie sich mit der Lage die Ansichten ändern. Wir wollen doch urteilen! Vorhin erblickte ich in diesen Lichtaugen Trauer und Größe und jetzt Tücke, Bosheit und Rachsucht. Und sie haben sich doch kaum verwandelt. Was ist die Wahrheit?" Die Kraft seiner Arme begann zu schwinden. Schon rührte einmal die Spitze des Schnabels beim Vorwärtsstoßen an seiner Nase, mehr und mehr schien der Adler sich zwischen seinen Händen zu bewegen und zu schwanken. Und deutlich spürte er das krampfhafte Auf- und Zufassen der Fänge. Dann rann ein Schauer über ihn hin. Wer hat schon auf langen endlosen Märschen in Staub