en in§ 25 A geborenen Diese Alter g noch nicht 1903 zurüc en ihren ge en, Gymna n, oder als Gilfen, Lehrbrifarbeiter alten, hierrer Namen n der Zeit Js. bei der zu melden, ren sind, m betreffenn fie bereits haben, ihren emacht, daß affen, fich zu ſtrafe bis zu belegt, von 1, und ihrer für berluftig er Meldefcift Eltern, Vor dieser Ancft, daß Geichtigen auf f und g der ifterei dahier fönnen feine gen. A Z₁ euzeit. ne jegliche Naht, er Siz. Hölzer ngen oder Umda durch eine Fallen. nd ftilgerechten ölzing. Le Paris 1900. Junge Dame, fofort . u. fp. 30 000mt., rat mit charakterb. auch o. Verm. 8" BerlinN.39 erb. Wohnung, 5 Zimmer mit Gartenanteil, son, zu vermieten. Neuentweg 28. es Zimmer eine Familienbermieten Neuenweg. 31. Nr. 11. Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertelfährlich Mt. 1.50. Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Donnerstag, den 14. Januar 1904. Gießener 13. Ja rgang. Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz Ober hessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg. Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 83 Fernsprechanschluk Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Der Vorftofs der Börfe. Von einem Börsenfachmann gehen uns folgende Aus. führungen zu, die wir als typisch für die Wünsche der Finanz welt nach einer durchgreifenden Börsenreform veröffentlichen ohne indes in der Frage selbst Stellung zu ergreifen. Der Vorstoß so heißt es in der Zuschrift, den der neugewählte Vertreter des ersten Berliner Reichstagswahlkreises Bankdirektor Kämpf in der Dienstagssigung des deutschen Reichstages gegen das Börsengesetz unternahm, erstreckte sick vorzugsweise auf zwei Teile. Herr Kämpf bekannte sich als Gegner des Schlußnotenstempels und der Eintragung in das Börsenregister. Wie sich aus dem Reichstagsbericht ergibt hat weder der Reichsschatzsekretär Freiher v. Stengel nod ein anderer Bundesratsvertreter den materiellen Teil der Ausführungen zum Gegenstand einer Erwiderung gemacht. Freiherr v. Stengel begegnete lediglich dem Nachweis de: Abgeordneten Kämpf, daß die deutsche Reichsanleihe nod niemals einen so tiefen Kursstand gehabt habe, als jetzt, mi einer Schilderung der ursentwickelung bei fremden Pa pieren. Der niedrige Kursstand sei erklärlich durch die all gemeine wirtschaftliche Depression und durchaus keine spezi fisch deutsche Erscheinung. Es läßt sich ja allerdings nicht verkennen, daß auch die allgemeinen Marktverhältnisse auf den Kursstand von Staatsanleihen einen gewissen Einfluß haben. Immerhin bietet aber der Vergleich des Effektenstempels mit dem Schlußnotenstempel einen tieferen lleberblick über die eigentlichen Ursachen dieses Zustandes. Der Effektenstempel ist in seinen Einnahmen gestiegen, der Schlußnotenstempel weist eine sinkende Einnahme auf. Die Neigung zum Erwerb bon Wertpapieren ist sonach geringer als zum Erwerb realer Werte oder mit anderen Worten: das mobile Kapital hat feine Neigung zu Kursiveriationen. Mag der Schlußnoten stempel auch an sich nicht bech sein, so macht er sich doch bei ohnehin niedrigem Kursstand als ein schwerer Druck geltend. Insbesondere die Provinzialbanken verspüren seine Wirksamkeit in ihrem Einneymeetat und haben deshalb ein geringes Interesse daran, Publikum für den Erwerb bon Staatspapieren zu gem nen. Trotzdem die letzte Reichsanleihe 47mal überzeichnet var die Zeichnung geschieht von Banken, die auf einen Weiterverkauf rechnen- ging der Kurs auf 90 zurück, eben weil die Provinzialbankiers nicht für eine Verbreitung der Reichsanleihe in dem Publifum Sorge tragen. Es kann sonach keinem Zweifel unterliegen, daß tatsächlich der Schlußnotenstempel, d. h. die Staatsprovision bei dem Verkauf von Wertpapieren, ermäßigt werden muß. Auch die Verpflichtung der Eintragung in das Börsenregister für rechtsgültige Termingeschäfte hat allerdings einen Rückgang der Sveful onstätigkeit herbeigeführt und es haben sich daraus Zustä: entwickelt, die dem kaufmännischen Prinziv von Treu und Glauben geradezu Hohn sprechen. Selbst die Inhaber von kaufmännischen Firmen, denen doch gewiß das Handelsleben nicht fremd sein kann, haben von dem Recht des Differenzeinwandes Gebrauch gemacht, d. h. sie haben die Zahlung der aus dem Differenzgeschäft entstandenen Verpflichtungen verweigert, weil sie nicht in das Börsenregister eingetragen waren und etwaige als Garantie hinterlegte Depositen, bezw. bereits effeftuierte Schlußabrechnungen annullieren lassen. Diesem Zustande muß im Interesse der öffentlichen Sittlichkeit entschieden Abhilfe geschehen. Wenn Herr Kämpf mit seinem gestrigen Vorstoß beabsichtigte, die Regierung zur Bekanntgabe ihres Standpunktes zu veranlassen und einen vorzeitigen Kampf um die Börsengesetzreform zu entfesseln, so hat er allerdings sein Pulver zu früh verschossen. Ueberhaupt ist es wohl angebracht, sich in den interessierten Kreisen nicht allzu kühnen Hoffnungen hinzugeben und vor allem nicht auf eine Beseitigung des Börsenregisters zu rechnen. Die Majorität des Reichstages wird sich kaum dazu verstehen, mehr zu bewilligen, als eine Aufhebung des Rechts auf Geltendmachung des Differenzeinwandes für handelsgerichtlich eingetragene Firmen, die Rechtsgiltigkeit der Schlußabrechnung und der darauf geleisteten Zahlungen, bezw. geschaffenen Garantien durch Depofiten. Deutfcher Reichstag. ( 10. Sigung.) CB. Berlin, 13. Januar. Nachdem gestern die Besprechung der vom Staatssekretär Grafen Posadowsky und Handelsminister Möller auf die interpellation Auer und Gen. betr. Maßregeln gegen die Wurmkrankheit erteilten Antworten beschlossen worden war, leitete heute bg. Strebel vom Zentrum, der selbst aus Bergarbeiterreisen hervorgegangen ist, diese Besprechung mit einem leberblick über die Entwickelung der Krankheit ein. Er legte Die Schwierigkeiten dar, die der Durchführung der Maßnahmen zur Unterdrückung der Wurmfrankheit entgegen= tehen, und forderte schließlich, daß man sich auf solche Maßnahmen nicht beschränke, sondern vor allem auch dafür sorge, Jaß bei Erwerbsunfähigkeit im Falle der Krankheit die betr. Arbeiter voll entschädiat würden. Abg. Hué( Sozialdemokrat) bestreitet, daß die Krankheit bereits etwas zurückgegangen sei, wie gestern der Handelsninister behauptet habe, und maß der preußischen Bergbejörde in erster Linie die Schuld daran bei, daß die Krankjeit solche Ausdehnung gewonnen habe. Die Forderung, uch Arbeiter zur Berginspektion heranzuziehen, sei mit Hohn and Spott zurückgewiesen worden. Nicht einmal gutes Trinkwasser liefere man den Bergleuten, die nun das ver-, euchte Rieselwasser trinken müßten. Meist fehle es auch an Badeinrichtungen, sodaß der Bergmann den ganzen_ver= euchten Dreck mit nach Hause schleppe. Mindestens müßten die Unternehmer den erkrankten Arbeitern zivilrechtlich für den Schaden haftbar gemacht werden. Redner schloß mit der Drohung, daß, falls eine sich auf die Wurmkrankheit beziehende Resolution abgelehnt werden sollte, seine Freunde für das Verhalten der Bergleute keine Bürgschaft übernehmen könnten. Minister Möller konstatierte, daß in keinem Lande gegen die Krankheit mehr geschehen sei, als bei uns. Habe der Vorredner ein besseres Rezept, so möge er es nennen! Bei rund 17 000 Bergleuten seien in 7-8 Monaten 60 pct. geheilt worden, und nur 3 Fälle von Invalidität infolge von Sehstörungen seien vorgekommen. Bis Ende November jeien an Kosten für Untersuchungen, ärztliche Bemühungen, Einrichtungen auf den Werfen, für die Familien u. s. w. rund 1 200 000 Mark aufgewendet worden. Die Kontrolle der Grubenverhältnisse sei durchaus genügend. Besser informierte Kräfte, als wir sie haben, werde man nirgends finden. Wenn Vorredner bemängelt habe, daß die Verordnungen nicht in den Gruben mit polnischer Belegschaft in polnischer Sprache erlassen würden, so würden doch in keinem Lande der Welt Verordnungen in anderer, als in der Landessprache erlassen.( Lebh. Widerspruch.) Die Angaben des Borredners über die Länge der Arbeitszeit feien unzutreffend Westfalen dauere die Schicht in besonders heißen Gruben nur 6 Stunden. Auf jeden Fall sei die Krankheit in ihrer schwersten Form gebrochen. Regierungsreferent Medizinalrat Kirchner und Abgeordneter Hittel( Reichspartei) äußerten sich vom ärztlichen Standpunkte aus über die Krankheit. Abg. Westermann ( nationalliberal) wandte sich gegen die unerhörten Uebertreibungen, die zu Agitationszwecken verbreitet würden. Würde sich die vom Abg. Hué verlangte Bekanntgabe der Verordnungen auch in polnischer Sprache empfehlen, so wolle man doch nicht in Westfalen eine polnische Enklave gründen. Abg. Mugden( fr. Vg.) meinte dagegen, wenn man einmal polnische Arbeiter habe, die nicht deutsch verständen, so sei zu verlangen, daß auch die Verordnungen in ihrer Sprache gebracht würden. Die Debatte, die heute ohnehin sehr langsam von statten ging und ruhig verlief, flaute zum Schluß vollständig ab. Die Politik. Der deutsch- kanadische Zollkrieg scheint sich seinem Ende zu nähern. Die deutsche Regierung hat an das Londoner Kabinett eine Note gerichtet, in der sie erklärt, sie habe gegen Vorzugszölle, die England seinen Kolonien und diese dem Mutterlande gewähren, nichts einzuwenden und fordere die Ausdehnung dieser Vorzugszölle auf Deutschland fortan nicht mehr. Was Deutschland aber fordern müsse, sei, daß es von den englischen Kolonien zollpolitisch nicht schlechter ge stellt werde, als irgend ein anderes nichtenglisches Land. Deutschland könne nicht ruhig und ohne Gegenmaßregeln zu sehen, daß Kanada der französischen Einfuhr Zollvergünsti gungen gewähre, die es Deutschland vorenthalte. Deutsch land sei bereit, Kanada genau so zu behandeln wie alle übri gen englischen Kolonien, falls Kanada der deutschen Einfuhi dieselben Vergünstigungen einräume, die es Frankreich zu jestanden habe. Zu einer Verständigung auf dieser Basis dürfte auch Kanada um so lieber bereit sein, als der Zoll frieg bisher der kanadischen Industrie schwere Wunden ge schlagen hat. In vatikanischen Kreiſen wird es für feststehend er achtet, daß Freiherr v. Hartling in geheimer Mission nach Rom entsandt worden sei. Man vermutet, daß er dazu aus, ersehen ist, die Kreierung eines deutschen Kurienfardinals oder eines bayerischen Kardinals in die Wege zu leiten. Ueber das in letzter Zeit so vielfachen Preßangriffen musgesetzte Scherlsche Sparsystem liegt jetzt eine halbamtliche Erklärung der preußischen Regierung vor. Das System st danach in den beteiligten Ministerien eingehend geprüft und dem Vorstand des deutschen Sparkassenverbandes zu einem Gutachten vorgelegt worden, das günstig ausfiel. Die Jeplante Verbandszeitschrift„ Die Sprechstelle im Dienſt des öffentlichen Lebens" konnte nach den getroffenen Vereinbarun gen keine Konkurrenz bestehender Zeitungsunternehmen bilden. Infolge der gegen ihn gerichteten Angriffe ist Heri Scherl, trotzdem ihm die Möglichkeit eigenen Gewinnes nach: veislich abgeschnitten war, doch im Interesse seines Projekte persönlich von dessen Verwirklichung zurückgetreten. Dock hat er der Regierung Mittel und Wege angegeben, wie auc nach Ausscheiden seiner Person das Prämien- Sparsystem verwirklicht werden könne. Wie weit dies möglich sein wird, darüber schweben zur Zeit noch Verhandlungen, die jeden falls einen Aufſchub der zum 1. Januar 1905 geplant ge vesenen Einführung des Prämien- Sparsystems verur. jachen werden. A Wie die neue Kanalvorlage aussehn wird, darüber weiß eine allerdings nicht eben sehr zuverlässige Korrespondenz zu berichten: Die„, wasserwirtschaftliche Vorlage" wird 4 Teile enthalten: der erste und Hauptteil fordert die Regulie rung der Oder, Havel und Spree, der zweite Teil den Großwasserweg Berlin- Stettin, der dritte Teil eine anderweitige fleine Stromregulierung und der vierte Teil den Mittellandkanal bis Hannover. Die Konservativen im preußischen Abgeordnetenhause wollen di Uebertragung der in Aussicht genommenen Stromregu lierungen vom Arbeitsministerium auf das Landwirtschafts ministerium beantragen. Wenn diese Mitteilung über der Inhalt der Vorlage sich bestätigt, so würde das bedeuten, daß von der eigentlichen Kanalvorlage nichts übrig ge blieben ist. Schwere Besorgnisse erweckt eine neue Meldung aus Deutsch- Südwestafrika: sie scheint darzutun, daß der befürch tete Aufstand der Hereros zur Tatsache geworden ist. Au Swakopmund wird nämlich berichtet: Die telegra phische Verbindung mit Okahandja ist unter brochen. Okahandja ist bekanntlich deutsche Militärstation im Hererogebiet. Die Meldung würde also besagen, daß etwas gegen die Station im Werke ist. Indessen stammi die Nachricht vom Reuterbureau, was immerhin einige Wahr scheinlichkeiten dafür bietet, daß sie nicht wahr ist. In Braunschweig wurde gestern der 27. ordent liche Braunschweigische Landtag eröffnet. In der Eröff nungsansprache führte der Minister v. Otto aus, daß wegen der ungünstigen Finanzlage die jeßige Staatseinfom. men- und Ergänzungssteuer um 50 Prozent erhöht werden müsse. Ferner fündigte der Minister eine Gesezentwurf betreffend die kommunale Besteuerung der Warenhäuser und Wanderlager und einen Gesezentwurf betreffend die Aenderung des braunschwei gischen Vereinsgesetzes an. Diese Aenderung besteht darin, daß den Frauen die Teilnahme an nichtpolitischen Vereinen und Versammlungen gestattet werden soll. Dem preußischen Landtage soll bekanntlich eine Novelle zum Schlachthausgesetz zugehen, die, wie sich jetzt herausstellt, neben einigen nebensächlichen Aenderungen zwei Vorschriften enthält, die für Gemeinden mit öffent lichen Schlachthäusern von großer Bedeutung werden kön nen. Zunächst soll die Frage der Nachuntersuchung des in solche Gemeinden eingeführten Fleisches endgiltig ge regelt werden. Nach Paragraphen 5 und 21 des preußischen Ausführungsgesetzes zum Reichsfleischbeschaugesetz sollte dies Nachuntersuchung fortfallen. Auf den dagegen erhobenen Einspruch der Städte ist eine neue Prüfung der gesundheit lichen und finanziellen Wirkungen der Aufhebung der Nach untersuchung von der Regierung vorgenommen worden; ih Ergebnis ist, daß die Frage jezt neu geregelt werden, d. h. die Nachuntersuchung für zulässig erklärt werden soll. Ferner wird in der Novelle die Bestimmung des§ 11 des Kommunalabgabengesezes, wonach für die Schlachthofbenuzung Gebühren bis zu einer solchen Höhe erhoben werden dürfen, daß außer den Kosten für Unterhaltung der Anlage und des Betriebes 8 Prozent des Anlagefapitals gedeckt werden, hinsichtlich der Bemessung der Quote für die Verzinsung und Tilgung des Anlage- und Betriebskapitals eine Einschränkung erfahren. Diese Aenderung ist zurückzuführen auf Beschwerden von Fleischern einzelner Gemeinden, daß bei ihnen der§ 11 des Kommunal. abgabengesetzes und die dazu ergangene Ausführungsbestim mung zu einer unberechtigten Belastung des Flei. schergewerbes und einer vom Geseze nicht gewollten Einnahme für die Gemeinden geführt habe, indem bei der Festsetzung der Gebühren für die Benutzung des Schlachthofes ein höherer Betrag zur Verzinsung und Tilgung des Anlagefapitals in Rechnung gestellt worden sei, als es in Wirklichkeit erforderlich gewesen sei Balkan- Staaten. Eine höchst soneerbare Meldung läßt sich ein Münchener Blatt aus Belgrad schicken. Danach hätte König Peter den früheren Oberbürgermeister von Posen, jezigen Direktor der Nationalbank für Deutschland, Witting, in längerer Audienz empfangen. Witting sei von dem deutschen Legationsrat Rat begleitet gewesen; er reist angeblich im Auftrag des Reichskanzlers Grafen Bülow und soll ihm nach Ende der Reise Bericht erstatten. Die Sache, über die an Berliner zuständigen Stellen nichts zu erfahren war, klingt recht geheimnisvoll. Uebrigens sorgt König Peter für unfreiwilligen Humor. So traurig die Zustände in Serbien sind, der König will, daß jubiliert werde. Und so hat er denn einen Ufas erlassen, wonach die vor hundert Jahren durch Karageorg begonnene Befreiung Serbiens durch ein 3entenarjubiläum gefeiert werden soll. Nun, die Jubiläumsstimmung wird den moralischen Katzenjammer, der Serbien zur Zeit beherrscht, nicht verschwinden machen. Zustände, die an die Maffia in Italien erinnern, sind in Bulgarien iezt an der Tagesordnung. Am bellen lichten Tage und auf offener Straße wurde dieser Tage in Sofia auf den früheren mazedonischen Bandenführer Hauptmann Stojanom auf Grund eines„ Todesurteils" der sogenannten„ mazedonischen Feme" ein Mordansch I ag verübt. Stojanom, der Mitglied des mazedonischen Komitees war, wurde durch Gewehrsal ven an vier Stellen verwundet. Auch sein Reisegenosse, der Friedensrichter Semerdschiew, wurde verletzt. Wie es heißt, ist dieser Mordanschlag nur der erste in einer Reihe weiterer Attentate, die sich gegen eine Anzahl früherer mazedonischer Bandenchefs richten sollen. Eine nette Sippschaft, diese Mazedonier! Aber wie kann man sich über diese Streiche der kleinen Größen der mazedonischen Bewegung groß wundern, wenn man sieht, wie gewissenlos ihr Hauptchef, der brave Sarafow, das Ausland anlügt und für seine Zwecke zu brandschatzen sucht. In Italien, wo er gegenwärtig herumreist, warf er mit dreisten Lügen nur so um sich. So versicherte er, daß im Frühling Serbien und Bulgarien gegen die Türkei losschlagen würden. Die beiden Staaten würden binnen dreier Wochen mit siebenhunderttausend Mann in die Türkei einrücken, während diese, um dreihunderttausend Mann zu mobilisieren, drei Monate brauchen werde. Die italienische Regierung täte gut, diesem politischen Hochstapler das Handwerk zu legen. Amerika. Die Schiedsgerichtsidee macht nun auch bei den sonst ziemlich rauflustigen Yankees Fortschritte. Aus Washington wird gemeldet: Von Vertretern aller Parteien des Landes wurde hier eine Versammlung abgehalten zugunsten eines Schiedsgerichtsvertrages mit England und der Förderung des Schiedsgerichtsgedankens in der ganzen Welt. Die Yankees würden den Weltfrieden viel besser sichern, wenn sie weniger großspurig und anmaßlich in der Welt aufträten. ** Hof und Gesellschaft. Der Großherzog und die Großherzogin on Baden haben sich zur Feier des Geburtstages de Raisers am kaiserlichen Hofe angesagt. Sie werden am 25. d. M. nach Berlin abreiser. Der Kaiser hat das Grezherzogsycar in einem gerzlichen Elegramm eingeladen. Tumit werden alle Gerichte über angebliche Verstimmungen zwischen Berlin und Karlsruhe wohl am besten widerlegt. reits eingangs angedeutet, eine Verbreitung im Heere mit ziemlicher Sicherheit ausgeschlossen. Die sogenannte„ Berieselung" des staubigen Bodens unter Tage vergrößert die Ansteckungsgefahr bedeutend. Durch sie werden die Gier mehr verbreitet und sie entwickeln sich besser. Von je 1000 Bergarbeitern der infizierten Schachtanlagen erkrankten nach der Statistik 14,1 auf berieselten Gruben, dagegen nur 1,2 auf nicht berieselten Gruben. Von besonderer Bedeutung hält der Bericht die Ablagerung der Fäkalien in den Gruben. Von der Zeit an, wo jeder Bergmann aufhört, seine Erfremente auf freien Gebieten in der Grube abzulagern, muß die Krankheit allmählich eingehen. waren sämtliche Wertsachen und Bargeld geraubt. Man hal es also offenbar mit einem Raubmord zu tun, zu dessen Bemäntelung die Brandkatastrophe in Szene gesetzt wurde. Handlung der und zu verbiet pachfener dazu in Bewegung fo foll man oder es auf a irgend eine A berlangt über Bunte Chronik. Unter dem Verdachte, den bei Beckum bei Hamm vor einiger Zeit tot aufgefundenen Gendarm Batschi ermordet zu haben, wurden in Kamen bei Dortmund drei Bergleute verhaftet. Man hat schon allerlei Versuche gemacht, die Berieselung mit Wasser durch andere desinfizierende Chemikalien zu ersetzen, u. a. durch Kresol; dieses eignete sich jedoch nicht auf die Dauer wegen des starken Geruches. Versuche mit Ammoniakwasser und Kochsalzlösung eigneten sich ebenfalls nicht. Dr. Teuholt hält am meisten von der Kalkmilch, die Versuche hiermit waren zufriedenstellend; nur die Verbreitungsweise der Kalkmilch stößt auf Schwierigkeiten, denn durch die Berieſelungsvorrichtung läßt sie sich nicht verbreiten, da sie bald die Röhren verstopft. Man hat bisher mit Kleinen Sprizwagen die Kalkmilch verbreitet. Das sicherste Mittel ist ohne Zweifel: die Wurmkranken einer Abtreibungsfur unterziehen zu lassen, aber dagegen sträuben sich die Bergleute, zumal sie dabei mehrere Tage im Lazarett liegen müssen. Uebrigens gibt es auch hierzu noch kein ganz einwandfreies und zuverlässiges Mittel, dieses muß erst noch entdeckt werden. In der letzten Zeit hat aber durch die energischen Gegenmaßregeln die Seuche stark abgenommen, so daß wohl Aussicht vorhanden ist, daß sie niemals mehr eine so starke Verbreitung wie jüngst finden wird. Nachdem jetzt der Frost die Verbreitung der Wurmkrankheit verhindert hat, werden von den Bergbehörden alle Maßregeln getroffen, um die noch in den Gruben befindlichen Keime und Larven zu beseitigen. Im gesamten Ruhrkohlengebiet sind nur noch einige wenige wurmfranke Bergleute vorhanden, die sich zum größten Teile einer Abtreibungskur unterziehen und nicht eher entlassen werden, als bis sie völlig von den gefährlichen Parasiten befreit sind und somit eine Weiterverbreitung der Krankheit durch sie, namentlich im Frühjahr bei wärmerem Wetter, nicht mehr in Frage kommen fann. ** General 3. D. Vogel von Faldenstein wurde, nie nachträglich bekannt wird, vom Kaiser gelegentlich dessen Durchreise von Berlin nach Landeshut auf dem Staatsbahnhofe in Sommerfeld im Hofzuge empfangen. Während des durch den Maschinenwechsel bedingten kurzen Aufenthaltes auf dieser Station verließ der Monarch seinen Salonwagen und ging dem greisen General, der in voller Uniform erschienen war, an der Tür des vorlegten Wagens entgegen und gab ihm nach erfolgter herzlicher Begrüßung beim Abschiede auch wieder das Geleit bis zum Wagen. General Vogel von Falckenstein ist bekanntlich der Besitzer des Sommerfeld benachbarten Schlosses Dolzig, der einstigen Geburtsstätte der Kaiserin. Die Wurmkrankheit und ihre Bekämpfung. Die Reichsregierung ist seitens der ſozialdemokratischen Partei in einer Interpellation aufgefordert worden, eiligst umfassende Maßregeln zu treffen gegen die gefährliche Wurmfrankheit, die sich aus den Bergwerksdistrikten, ihrem bisherigen Hauptherde, verde bendrohend bereits in die Kasernen verpflanze. Die lettere Befürchtung ist wohl libertrieben, wie sich aus dem Nachstehenden ergibt. Von den Einzelstaaten waren über diese Seuche bereits seit längerem umfangreiche Erhebungen angestellt worden. Besonders lehrreich ist der Bericht, den der auf dem Gebiet der WurmFrankheit als Autorität bekannte Medizinalrat Dr. Teuholt in Bochum auf Veranlassung des preußischen Kultusministers ausgearbeitet und einer Konse enz der Knappschaftsärzte, die im Dezember in Berlin tagte, vorgelegt hat. Aus dem Gerichtsfaal. --In Kleinlanden bei Strehlen verbrannten drei Kinder des Dominialschaffners Schaffranek, die von ihren Eltern im Zimmer eingeschlossen worden waren und mit aus dem Ofen entnommenen Feuer spielten. § Gatte mord. In Schweidnitz wurde der Gattenmörde Ohnesorge vom Schwurgericht zu 12 Jahren Zuchthaus ver urteilt. Ohnesorge hatte seine Frau in der Nacht überfallen und sie mit dem Messer förmlich abgeschlachtet. Sich selbst versuchte er mit demselben Mordinstrument ebenfalls zu töten. Er verletzte sich sehr schwer, genas aber später. § Oberlehrer Deditins freigesprochen. Der Oberlehrei Deditius von der Realschule in Barmen, der, wie berichtet, sich wegen tödlicher Mißhandlung des Quintaners Walter Busche vor den Geschworenen des Landgerichts Elberfeld zu verantworten hatte, ist freigesprochen worden. Die Beweis aufnahme fiel für den Angeklagten durchaus günſtig aus. Nach Teuholt ist die Wunkrankheit, so genannt nach ihrem Erreger, einem Ginger deparasiten, aus Egypten in Mittel- und Oberitalien eingeschleppt worden. 1838 zuerst konstatierte Dubini in Mailand den Parasiten bei von ihm behandelten Kranken. Während des Baues des Gott hardstunnels, also um das Jahr 1880 herum- so wird angenommen wurde dann die Krankheit nach Norden ver breitet. Das rheinisch- westfälische Kohleлverier, in dem ver gangenen Sommer rund 50 000 Bergleute erkrankt waren, ist wahrscheinlich von ungarischen Arbeitern verseucht worden. In den Jahren 1885-1889 wurden nämlich infolge Arbeiter mangels viele ungarische Bergarbeiter beschäftigt, und zwar auf„ Graf Schwerin"," Viktor"," Erin", Westhausen", Lothringen"," Shamrock", und diese Zechen waren die Herde der Wurmfrankheit, die im Laufe der Jahre das ganze Kohlenrevier verseuchte! Das Gebiet von Zeche„ Westhausen". bis Zeche Shamrock", die Gegend von Castrop bis Herne, hatten die größte Zahl von Wurmkranken aufzuweisen. Durch den lebhaften Belegschaftswechsel der lezten Jahre wurde bon hier aus die Wurmkrankheit nach allen Gegenden verbreitet. Vermilchres. [ Die Stammburg der Hohenzollern] beschäftigte oen Ausschuß der Kammer der bayerischen Reichsräte. Freiherr v. Soden stellte die Anfrage, wie das Rechtsverhältnis der Burg in Nürnberg, die bekanntlich die Stammburg der Hohenzollern ist, liege. Nach seiner Auffassung sei die Burg Eigentum des Staates, welcher auch die Baulast zu tragen hat. Im Jahre 1866 habe Ludwig II. dem Könige von Preußen das Mitbenußungsrecht eingeräumt, es frage sich nur noch, ob hierüber ein gesetzlicher Aft vorliege. Finanzminister Freiherr v. Riedel gab zur Antwort, daß die Ansicht des Freiherrn v. Soden richtig sei. Der bayerische Staat sei auch heute noch Eigentümer der Burg, unbeschadet des dem König von Preußen eingeräumten Mitbenutzungsrechtes. § Ungehorsam gegen einen Dienstbefeht. Das Kriegs gericht der 3. bayerischen Division verurteilte den Haupt mann und Kompagniechef Anton Ehrhard des 2. bayerischer Jägerbataillons in Aschaffenburg wegen falscher Rapport erstattung, sowie wegen Ungehorsams zu vier Monaten zwei Tagen Festungshaft. Der Ungehorsam, den Hauptmann Ehrhard beging, soll darin bestanden haben, daß er gelegent lich eines Schießens an die Mannschaften mehr als die vor geschriebene Zahl Patronen verabreichen ließ. Der Feld. webel Gustav Kapperer der 3. Kompagnie des 2. Jäger: bataillons, der die falsche Eintragung ins Rapportbuck machte, erhielt einen Tag gelinden Arrest. Bei der Ver handlung war die Deffentlichkeit ausgeschlossen. Nab und Fern. feftftehendes Kinderwagen bestimmt sein. Gin Hein richt obligatori bis zum 13. Lel In der Romm bon Paris ftand nachdem er fein muf und fahidte willst du hin?" der Schüler, [ Mit einem Walfisch zusammengestoßen] ist vor einigen Tagen auf hoher See der Geestemünder Fischdampfer Württemberg". Als sich das Schiff 61 Grad nördlicher Breite und 16 Grad 45 Minuten westlicher Länge befand, stieß nach Angabe des ersten Steuermanns der Vordersteven derart auf einen, wie angenommen wird, schlafenden Wal auf, daß das Schiff sofort leck sprang. Nach der Kollision färbte sich die See um das Schiff herum ganz blutrot, das erwachte Tier arbeitete furchtbar und warf immense Wassermassen an Deck, wurde aber alsdann nicht mehr gesehen. Der erwähnte Dampfer liegt zur Zeit in Geestemünde im Dock behufs gründlicher Reparatur. muten älter, u mehr über mi Tür hinaus. Autler Sommer eine Run, wie hat gefallen? Gr babon habe ich mußte gerade In der doch nicht so e davonlaufen, re Merkwü Inschrift„ Rub nur dieser Gr Die Fei ber Kneipe he bon einigen G gemenge gera die den unso aus dem Hau Entrüftet ruft jest laffen fie †[ Der Better von Schwaigern.] Der in Schwaigern ( Württembergischer Neckarkreis) erscheinende Leintal- Bote enthält einen Artikel, mit dem sich der Gerichtsvollzieher von Schwaigern, der unter dem Spißnamen„ Der Better von Schwaigern" in der Gegend bekannt war, von: Publikum berabschiedet: Des scheidenden Gerichtsvollziehers Abschied. Motto: Gefährlich ist es, Haß zu wecken. Vergänglich ist der Leute Gunst, Und Jedermann es recht zu machen, Ist eine nie erlernte Kunst.„ Der Vetter von Schwaigern kommt nicht mehr," so hört man allerorts die Leute sprechen. Ja, dem ist so. Erlaube mir einige heitere Episoden aus meinem Tagebuch zum besten zu geben.„ Ein Knabe, welcher seinen Vater holte, sagte mit lauter Stimme auf öffentlicher Straße zu ihm: Vater, geh sogleich heim, der Vetter von Schwaigern ist gekommen." Als er kam, siehe da, der Gerichtsvollzieher stand in der Stube, welchen er mit verdußtem Gesichte ansah. Eines schönen Tages mußte ich einen Besuch in einem Hause machen; dabei angekommen, fragte mich die allein anwesende Ehefrau, was ich wolle und was ich sei, worauf ich derselben entgegnete, daß ich der„ Hausleerer" sei. Hierauf gab sie mir zur Antwort:„ Mann, da ist er in's letz Haus gekommen, er muß ins Schul- oder Pfarrhaus gehen." Lachend darüber setzte ich dieser Frau auseinander, daß ich der Gerichtsvollzieher sei, worauf sie sich mich mit großen Augen firierte.— Nachdem ich 24 Jahre das schwierige Ami eines Gerichtsvollziehers im Bezirk Brackenheim mit mancher Todesgefahr bekleidete und altershalber zurückgetreten bin, im Bezirk Heilbronn aber immer noch als Gerichtsvollzieher in Tätigkeit sein muß, nehme ich Anlaß, nach so langer Zeit mit mit dem Bemerken zu verabschieden, daß ich ein ehrlicher Makler jederzeit war und mit dem Bewußtsein scheide: „ Ein ruhiges Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen." Sage daher Freunden und Bekannten auf diesem Wege ein herzliches Lebewohl! Zum Crimmitschauer Streik. Angesichts des Crimmitschauer Ausstandes beschloß der Gesamtvorstand des Verbandes sächsischer Industrieller, der in Dresden zusammentrat, einen Ausbau seiner Organisation, dergestalt, daß neben der Zentralleitung des Verbandes in Dresden in allen gröBeren Orten des Königreichs Sachsen die Mitglieder sich zu Ortsgruppen zusammenschließen sollen, welche neben der Vertretung der industriellen Interessen in Gemeindeangelegenheiten gleichzeitig den Charakter von Arbeitgeberverbänden für die betreffenden Orte tragen und bei unberechtigter Arbeitseinstellung einen sofortigen Zusammenschluß der Fabrikanten bewirken sollen. In kleineren Orten, wo die Voraussetzungen für die Bildung einer Ortsgruppe nicht gegeben sind, sollen aus der Mitte der Verbandsmitglieder Vertrauensmänner gewählt werden, welche mit den benachbarten Ortsgruppen und untereinander in Fühlung bleiben und so ebenfalls in dem obenerwähnten Falle eine Verständigung und ein Zusammengehen der Fabrikanten veranlassen sollen. Aus Crimmitschau selbst wird gemeldet, daß die Zahl der Arbeitswilligen auf 2330 gestiegen ist und ständig durch Zuzug fremder Arbeitskräfte wächst. Hierbei muß man unterscheiden zwischen Uebertragung der Krankheit von einer Belegschaft zur anderen und Ansteckung einer Zeche: Uebertragung ist erforderlich für die Ansteckung, aber nicht jede Uebertragung verursacht eine Ansteckung. Die Ansteckung von Person zu Person ist ausgeschlossen, sie erfolgt nur in der Grube und durch die Grube. Hat eine Grube nicht die erforderlichen Bedingungen zur Entwickelung der Larven des Wurmes, so bleibt es bei den eingeschleppten Fällen; anderenfalls aber kann ein einzelner Kranker, wenn die Verbreitungsbedingungen günstig sind, innerhalb furzer Zeit die ganze Belegschaft verseuchen. Aus den Stuhlgängen entwickeln sich in wenigen Tagen viele Millionen lebensträftiger Larven. Naht sich nun ein Bergmann der infizierten Stelle mit der Hand, so wird er beim Frühstücken unzählige Larven seinem Innern einverleiben; jeder auf die Weise Angesteckte verursacht durch seine Erfremente eine weitere Verbreitung des gefährlichen Parafiten. Das heißt: nur unter den der Verbreitung günstigen Verhältnissen. Ist die Temperatur unter+22 Grad C. und fehlt es an der nötigen Feuchtigkeit, so kann sich die Krankheit nicht fortpflanzen. In dieser günstigen Lage befinden sich aber nur wenige Werke. Die Wurmfrankheit ist keine Volkskrankheit, sondern eine Berufskrankheit der unter Tage" arbeitenden Bergleute. So hat die Krankheit bei den Kindern und Frauen der Infizierten keine Verbreituna gefunden. Deshalh ist, wie beDie Verhaftung des ehemaligen Reichstagsabgeordneten Scyboth erfolgte, wie nachträglich gemeldet wird, gelegentlich einer Vorladung vor die Behörde, nachdem die von seinem Bruder für ihn hinterlegte Kaution von 20 000 Mark von diesem wieder zurückgezogen worden war. Die Gesundheit Seyboths ist, wie durch eine gerichtsärztliche Untersuchung festgestellt wurde, zur Zeit stark erschüttert. Gegenwärtig befindet er sich noch im Münchener Landgerichtsgefängnis in Haft, er dürfte jedoch schon in der nächsten Zeit zur Verbüßung der ihm wegen Wechselfälschung auferlegten Gefängnisstrafe von 1½ Jahren der Strafanstalt zugeführt werden. an. IKönigin Dragas Jacht.] Die Jacht der ermordeten Königin Draga ſtand zum öffentlichen Verkauf in Belgrad Doch wurde der Termin abgebrochen und die Versteigerung verschoben, bis sich mehr Bewerber eingefunden hätten. Bisher war nur ein türkischer Hauptmann erschienen, der 60 000 Franks bot. Man glaubt, daß er die Jacht für den Sultan kaufen wolle. Die Petroleuse. Im Dorfe Hecklingen bei Staßfurt war zwischen zwei Frauen ein Streit entstanden, in dessen Verlaufe die eine von der andern einen Schlag mit einer gefüllten Betroleumflasche über den Kopf erhielt, so daß sich das Petroleum über die Kleider der Geschlagenen ergoß. Nicht genug hiermit, versuchte die Wütende noch, ihre Gegnerin in Brand zu stecken. Zum Glück wurde sie von hinzukommenden Personen daran verhindert. Auch die Polizei erschien bald und machte der häßlichen Szene durch gewaltsame Abführung der„ Petroleuse" ein Ende. † Als ein raffiniert angelegtes Verbrechen hat sich die Petroleumexplosion entpuppt, der in Oldenburg die Witwe Meller und ihre 19jährige Tochter anscheinend zum Opfer gefallen waren. Die ärztliche Untersuchung ergab, daß Mutter und Tochter die Sirnichale einaeſchlaaen war. Auch Der den Bourat stand des städ wann Nohl, Sta A Amerikanische Bonapartes.] Durch den Tod der Prinzessin Mathilde Bonaparte veranlaßt, bringt ein New Yorker Blatt in Erinnerung, daß es auch in Amerika Nachkommen der Familie Bonaparte gibt. Als Jerome, der spätere König von Westfalen, noch Marineleutnant war, heiratete er Elizabeth Patterson, die Tochter eines Kauf mannes aus Baltimore, die ihm einen Sohn, Jerome Bona parte, schenkte. Als Napoleon ihn aber zum König machte, beſtand er darauf, daß Jeromes Ehe für ungültig erkläri wurde, damit dieser die Prinzessin Katharina von Württem berg heiraten konnte. Der Sohn aus der amerikanischen Ehe heiratete eine reiche Frau; Napoleon III. bot dessen beiden Söhnen Titel und Reichtum an, wenn sie Franzosen verden wollten und die Ehe ihrer Großmutter als illegitim anerkennen würden. Zu ihrer Ehre sei es aber gesagt, daß beide die gestellten Bedingungen ablehnten. Der eine von ihnen, Charles Josef Bonaparte, ist ein tüchtiger Rechtsanwalt in Baltimore. Sein Vater und Napoleon III. waren Vettern, die jetzt verstorbene Prinzessin Mathilde war seine Stiefschwester. Gießen. Abonnemen Fuldas lieb zur Auffüh eigentlich f und mit un Die Damen und die Her Pichler, Haa In Sonntag, de Rammerm Schweiter- S Saint- Saëns ** Wie sollen unsere Kleinsten schlafen? Die Wiege, dies altehrwürdige Stück deutschen Hausrats, ist jetzt so gut wie verschwunden. In Bauernhäusern ist sie noch hier und da zu finden, aber es wird viele Leute in recht erwachsenem Alter geben, die ein solches Ding überhaupt nicht mehr gesehen haben. Namentlich in den Städten ist sie ganz ausgerottet und in der Regel verdrängt durch den Kinderwagen. Mit dem Verschwinden der Wiege ist die Hygiene ganz einverstanden, aber von ihrem Ersatzstück auch nicht sonderlich entzückt. Das Gedächtnis an die allerersten Kinderjahre ist im Menschen schlecht entwickelt, und wir können unseren Kleinsten ihr Behagen schließlich nur nach ähnlichen Gesichtspunkten zu schaffen suchen, wie sie sich für uns als zuträglich erwiesen haben. Sich in den Schlaf wiegen lassen, hat zwar im dichterischen Gebrauch eine sehr schöne Bedeutung, würde im buchstäblichen Sinne wohl aber fast niemand recht angenehm sein. Die seitlich schaukelnde Bewegung der Wiege ist nun freilich beim Kinderwagen ausgeschlossen, an ihre Stelle aber tritt das Hin- und Her: fahren oder das Auf- und Niederwippen der Wagen auf den über den Rädern angebrachten Federn. Die Mütter, die für die jüngsten Sprößlinge unseres Volkes verantwort lich sind, möaen es fich aesaat sein lassen, eine solche Be u. Violine, in C- bur, Der StudienBeffen bä großen Saal Borfize des bersammlung Die ben 31. Jul genommen. ** Die eine aus 25 Kapelle, ver ( Steins Gar tätigteits R Haufe stattf 500 Mt. Der fladtif Schule über bon warme ihren farbe malerische Bujammen Konzert au Dirigent Wir erfah Gießen, fo Swede wied D * zeiger&" nunmehr ge Berleger des 30 000(?) Su Gedicht einem Brei Der Geid Edjöneberg gratis und daftion! Beitung fang ge noch die den Dbre Sobitate Tränen v ubt. Man hai 1, zu dessen Beejezt wurde. den bei Beckum denen Gendarm It bei Dortmund ten drei Kinder n ihren Eltern d mit aus dem oen beschäftigte räte. Freiherr sverhältnis der ammburg der ng sei die Burg ulast zu tragen em Könige von t, es frage sich orliege. Finanzrt, daß die Anbayerische Staat unbeschadet des enugungsrechtes. ] ist vor einigen r Fischdampfer Grad nördlicher Länge befand, Der Vordersteven Schlafenden Wal ch der Kollision nz blutrot, das mmense Wassert mehr gesehen. Geestemünde im in Schwaigern nde Leintal- Bote chtsvollzieher von „ Der Vetter von vom Publikum ziehers Abschied. ergänglich ist der machen, it eine hwaigern kommt te sprechen. Ja, oden aus meinem be, welcher seinen ffentlicher Straße von Schwaigern Gerichtsvollzieher m Gesichte ansah. Besuch in einem nich die allein anich sei, worauf ich rer" sei. Hierauf er in's leg Haus farrhaus gehen." einander, daß ich mich mit großen s schwierige Amt eim mit mancher rückgetreten bin, Gerichtsvollzieher ch so langer Zeit daß ich ein ehrewußtsein scheide: thefissen." Sage 1 Wege ein herzder ermordeten fauf in Belgrad und die Verber eingefunden Hauptmann er aubt, daß er die den Tod der bringt ein New Amerika Nach Is Jerome, der neleutnant war, ter eines Kauf 1, Jerome Bona m König machte, ungültig erklärt a von Württem r amerikanischen handlung der Schlafgelegenheit ihrer Kleinen zu vermeiden und zu verbieten und daran zu denken, was wohl ein Erwachsener dazu sagen würde, wenn sein Bett in dieser Weise in Bewegung gesetzt würde. Wenn ein Kind unruhig ist, so soll man den Gründen seines Unbehagens nachspüren oder es auf andere Weise zu beruhigen, nicht aber auf irgend eine Art zu betäuben suchen. Die Gesundheitspflege berlangt überhaupt, daß ein Kind von vornherein in ein feststehendes Bett und weder in eine Wiege, noch in einen Kinderwagen gelegt wird. Letzterer sollte nur zum Fahren bestimmt sein. [ Ein kleiner Gernegroß.] In Frankreich ist der Unterricht obligatorisch, doch zwingt das Gesetz die Kinder nur, bis zum 13. Lebensjahre einschließlich in die Schule zu gehen. In der Kommunalschule eines Viertels an der Peripherie bon Paris stand dieser Tage mitten im Unterricht ein Knabe, nachdem er seine Bücher zusammengepackt, von seinem Plate auf und schickte sich an, die Schulstube zu verlassen.„ Wo willst du hin?" fragte der Lehrer.„ Mein Herr," antwortete der Schüler, ich bin jetzt 13 Jahre alt, sogar schon 4 Minuten älter, und nach dem Geseze haben Sie keine Macht mehr über mich." Damit ging er mit größter Ruhe zur Tür hinaus. Autler- Latein. A....„ Sie haben ja letzten Sommer eine flotte Autltour nach Paris gemacht, Gnädige? Nun, wie hat Ihnen denn meine Heimat, der Schwarzwald, gefallen? Großartig, nicht wahr?"— B....„ Ach Gott, davon habe ich leider gar nichts gesehen; denken Sie sich, ich mußte gerade nießen, und da waren wir schon durch!" In der Wut. Bahnarzt: Zum Teirel, schreien Sie doch nicht so entsetzlich, wenn mir die anderen da draußen davonlaufen, rechne ich Ihnen die verlorenen Honorare auf!" Merkwürdig. Professor( ein neues Kissen mit der Inschrift Ruhe sanft" am Sofa erblickend): Wie kommi nur dieser Grabstein auf meinen Sofa?" Die Feiglinge. Herr Meier, der etwas spät aus der Kneipe heimkehrt, wird in der Nähe seiner Wohnung bon einigen Strolchen angerempelt, mit denen er ins Handgemenge gerät. In diesem Augenblick stürzt seine Frau, die den unsoliden Gatten ankommen sah, wie eine Furie aus dem Haus, worauf die Strolche die Flucht ergreifen. Entrüstet ruft da Herr Meier:„ Erbärmliche Feiglinge jetzt lassen sie mich im Stich!" ( Megg. Bl.) Lokales. 14. Januar 1904. ** Der Großherzog empfing am 13. Januar u. a. den Bourat Daudt, den Hofschreiner Schorlemmer, den Vorstand des städtischen Steuer bureaus Schmitt, den Ortsgerichtsmann Nohl, den Geheimen Kirchenrat D. Rattenbusch von Gießen. Stadttheater Gießen. Als 12. FreitagAbonnements Vorstellung gelangt morgen Ludwig Fuldas liebenswürdiges Lustspiel„ Die wiide Jagd" zur Aufführung. Das in unserem nervösen Zeitalter eigentlich stets naturelle Werk ist sorgfältig vorbereitet und mit unseren ersten Kräften besetzt. Es wirken mit: Die Damen Hohl, Hellberg, Kellermann, Großmüller und die Herren Steingoetter, Conradi, Tamke, Linzen, Pichler, Haag, Gronert u. a. m. ** In der großen Aula der Universität findet am Sonntag, den 17. Januar 1904, abends 5 Uhr, der 2. Rammermusitabend statt unter Mitwirkung von Frl. Schweifer- Stuttgart. Programm: 1. Trio, op 92, C. Saint- Saëns; 2. Lieder am Klavier; 3. Sonate für Pfte. u. Violine, J. S. Bach 4. Lieder am Klavier. 5. Trio in C- dur, W. A. Mozart. * * Der im Jahre 1902 gegründete katholische Studien- Verein für das Großherzogtum Hessen hält am Donnerstag, 14. d., nachmittags, im großen Saale des„ Frankfurter Hof" in Mainz unter dem Vorsiße des Herrn Nicola Racke seine zweite Generalversammlung ab. * * Die Gießener Rudergesellschaft hat für den 31. Juli eine wassersportliche Veranstaltung in Aussicht genommen. * ** Rodheim a. B. 13. Jan. Kaisers Geburtstag wird hier in diesem Jahre durch einen Fackelzug mit anschließendem Kommers in der Wirtschaft Bender gefeiert. An dem Fackelzug beteiligen sich, Dant dem eifrigen Bemühen eines alten hier anfäßigen Beamten, alle Vereine; seit langer Zeit ist also wieder einmal eine gewisse Einigkeit im Ort zu fonstatieren. Möge es immer so bleiben, und die gemeinsame Feier sich jährlich wiederhol n, damit im Umkreis man sagt: Rodheim ist einig! ** Die zweite Gießener Bumbas Gesellschaft, eine aus 25 Studenten unserer Hochschule gebildete Zigeuner. Kapelle, veranstaltete gestern Abend im Neuen Soa bau ( Steins Garten) als erstes Debut, ein gelungenes Wohltätigkeits Konzert, welches vor rollständig ausverkauftem Hause stattfand. Der gestern Abend schon auf mindestens 500 Mt. veranschlagte Ueberschuß der Veranstaltung wird der städtischen Verwaltung für den Fond zur Verabreichung bon warmen Frühstück an dedürftige Kinder in der Volts. schule überwiesen. Die Mitglieder der Kapelle bildeten in ihren farbenprächtigen Rostümen eine überaus glänzende und malerische Gruppe. Studiosus Klein- Gießen, welcher das Zusammenspiel der Komilitonen eingeübt und das gestrige Ronzert auch leitete, lieferte den Beweis, was ein tüchtiger Dirigent mit begabten Dilettanten zu leisten vermag. Wir erfahren übrigens, daß das Konzert nicht nur in Gießen, sondern auch in Weylar und Marburg für gute Zwecke wiederholt werden wird. III. bot dessen an sie Franzosen tter als illegitim aber gesagt, daß Der eine von ichtiger Rechtsanoleon III. waren athilde war seine Die Wiege, dies t jetzt so gut wie noch hier und cecht erwachsenem ot nicht mehr geist sie ganz aus urch den Kindere ist die Hygiene abstück auch nicht die allerersten felt, und wir fön eßlich nur nad chen, wie sie fid Sich in den Schlaf Gebrauch eine sehr 1 Sinne wohl aber seitlich schautelnde beim Rinderwagen Das Hin- und Her n der Wagen auf m. Die Mütter, Boltes verantwort n, eine folche Be ** Romrod, 11. Jan. Die„ Kuh der kleinen Leute", die Ziege, tommt nach und nach zu der ihrer Bedeutung geziemenden Beachtung. Auch hier macht sich in dieser Hinsicht, besonders nach der erfolgten Gründung einer Ziegenweide, ein Fortschritt in der Ziegenzucht geltend. Mancher Einwohner hat 3-4 Biegen. Möchte man allerorts den Wert der Ziegenzucht erkennen und dieselbe fördern! < Burg- Gemünden, 12. Jan. Der hiesige Kriegerverein hielt am 9. 1. M. seine Jahresversammlung ab. Nachdem dem Rechner Entlastung erteilt worden war, schritt man zur Vorstandswahl. Der seitherige Präsident des Vereins, Kamerad Pabst, sowie die übrigen Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt. Möge der junge Berein, der vor noch nicht 3 Jahren mit 16 Mitgliedern gegründet murde, heute aber bereits 37 Kameraden zählt, unter der rührigen Leitung seines Vorstandes weiter blühen und gedeihen. Bad Nauheim, 12. Jan. Im Jahre 1903 find beim hiesigen Standesamt 125 Geburten, 28 Gheschließungen und 141 Sterbefälle angemeldet worden. ** Der Verkauf des Wiesbadener General- An= zeigerg" an den nationalen Reichstagsabg. Bartling ist nunmehr gesichert, nachdem der bisherige, in Gießen bekannte Verleger des Blattes, Emil Bommert, seine Forderungen auf 30 000(?) Mt. für Verlag und Druckerei ermäßigte. ** Hundert Mark für das beste lyrische Gedicht setzt der Deutsche Kunstverein" in Berlin in einem Preisausschreiben aus, dessen Bedingungen von der Geschäftsstelle dieses Vereins( Berlin W., Schöneberger Ufer 32) auf Verlangen an Jedermann gratis und franko gesandt werden. Marburg, 13. Jan. Bei der hiesigen städtischen Sparkasse wurde heute das 14 000. Sparkassenbuch ausgegeben. Im Jahre 1899 befanden sich 10 000 Bücher im Umlauf, mithin ist seit dieser Zei eine Zunahme von 3600 Büchern zu verzeichnen. ** Es gehen uns folgende Zeilen zu:„ Geehrte Nedaktion! Die Notiz aus Steinbach in Nr. 8 Ihrer geschäßten Zeitung hat auch in Lich und Umgegend großen n- tang gefunden. Als geborener Steinbacher flingen mir stets noch die Worte unseres braven Lehrers Praetorius in den Ohren, welcher alljährlich die edlen Handlungen und Wohltaten des Fürsten Ludwig in der Schule unter Tränen von dem damaligen Brande in Steinbach vorbrachte." ▷ Kirchhain, 12. Jan. Zum heutigen Kindvichmarkt waren 456 Stück Großvieh und 82 Kälber angetrieben. Der Handel war sehr lebhaft und es wurden Surchweg gute Preise erzielt.- Zum Schweinemarkt waren ca. 600 Tiere angefahren. Es waren sehr viel Käufer erschienen, doch waren die Preise im allgemeinen niedrig. Es wurden bezahlt für Saugferkel 18-25 M. pro Paar, für Läuferschweine 32-40 Mark pro Stück. Offenbach, 13. Jan. Unser Stadttheater wurde gestern abend während der Vorstellung nochmals auf seine Feuersicherheit hin besichtigt. Eine Sachverständigen fommission wohnte der Besichtigung bei. Fechenheim, 13. Jan. Vor 2 Jahren wußte ein hiesiger Einwohner Namens Römer als geistestrant nach Marburg und später nach Haina gebracht werden, wo er starb. Jezt mußte seine Witwe wegen Geistesumnachtung ins Krankenhaus aufgenommen werden. Vom Main, 13. Jan. Beim Eintreten des dünnen Maineises fiel das 8 jährige Söhnchen des Rangiermeisters Full in Schweinfurt in den Fluß und ertrant. ▷ Vom Odenwald, 12. Jan. Bei der gestern in Wald- Michelbach stattgehabten Holzversteigerung wurden für Stamm- und Brennholz so niedere Preise erzielt, daß der Buschlag nicht erteilt wurde. Oeffentlicher Sprechsaal. Der am legten Samstag in den„ G. N. N." abgedruckte Artikel betr. des Bahnprojekt Gießen Using en hat wie vorausgesehen wurde- fein freudiges Echo in Weglar erweckt. Lesen wir was die dortigen Herren entgegnen: " Wie man sieht, sind die Vorfämpfer der Gießener Interessen nicht gerade blöde mit ihren Behauptungen. Wie würden sie sonst darauf bestehen bleiben können, die 6 in Sperrdruck aufgeführten Orte seien alle näher bei Gießen gelegen als bei Wetzlar. Tatsächlich ist dies doch nur bei Lüzellinden, Hochelheim, Hörnsheim der Fall( aber auch hier sind die Unterschiede ganz minimal), alle anderen Drte liegen näher bei ihrer Kreisstadt als bei Gießen. Dabei ist aber noch zu berücksichtigen, daß die„ Gießener Handelskammerbahn" doch nicht allein für die obengenannten 6 Drte gebaut werden soll und kann, sondern daß sie noch weiter bis in den Kreis Usingen geführt werden soll. Nun wohl, mit jedem Kilometer Länge, den die projektierte Bahn zunimmt, wird die räumliche Differenz für Bezlar günstiger. Wer das nicht sehen will, dem ist einfach nicht zu helfen. Daß auch die näher bei Weglar gelegenen Octe des Hüttenbergs eine Bahnverbindung mit Gießen wünschen, da sie Wetzlar ohnedies bequem erreichen können", näre doch erst zu beweisen. Jedenfalls haben sie zunächst ein Interesse daran, daß ihnen der Verkehr mit der Kreisstadt, wohin Beziehungen aller Art sie täglich führen, erleichtert wird. Und daß es mit dem„ ohnedies bequem erreichen können" seine gute Wege hot, wird man ohne weiteres begreifen, wenn man weiß, daß der nächstaelegene Hüttenberger Ort„ Volpertshausen" immer noch 6 Kilometer von Wetzlar entfernt ist. Woher wissen die mehrere Bewohner des Kleebachtals übrigens, daß„ das Wezbachtalprojekt keine Aussicht auf Verwirklichung hat?" Thre Handelskammer- Bahn ist doch auch vorläufiz noch ein Blan, dessen Aussichten durch die Tatsache wahrlich nicht verstärkt werden, daß die projektierte Linie eine ganze Zeit long auf geringe Entfernung neben der Matnweserbahn herläuft. Ersichtlich sehr unangenehm berührt sind die mehrere Bewohner des Kleebachtales" durch die Feststellung der Tatsache, daß die Bewohner derjenigen Orte, welche für die Gießener Handelsfaminerbahn gewonnen werden sollen, ihre meisten Produkte in Wetzlar abseßen und daß sie dafür in Wezlar bessere Bezahlung erhalten, als in Gießen. Man sucht diese Tatsache zu leugnen, und soweit man sie nicht leugnen kann, will man sie einschränken. Das hilft nun aber nichts. Was man zwei Mal in jeder Woche mit gesunden Augen sehen und hören fann, tas läßt sich auch durch kein noch so heftiges Leugren aus der Welt schaffen. Uebrigens möge bei dieser Gelegenheit neben der Tatsache, daß die Stadt Wetzlar der größte Konsument für die Erzeugnisse der Landwirtschaft des Hüttenbergs ist und bleibt, auch noch ein anderer Umstand beleuchtet werden. Die mächtige Industrie Weglars, die in den letzten Jahren ganz außerordentlich in die Höhe gegangen ist, bildet für die überschüssigen Kräfte des Landes zugleich die Quelle einer stetig wachsenden Arbeitsgelegenheit. Die Stadt Gießen hat dem auch nicht annähernd ähnliches entg.genzustellen. Ganz charakteristisch ist endlich die Art, wie die„, mehreren Bewohner des Kleebachtals" sich mit der in Nr. 4 festgenagelten Tatsache abfinden, daß alle Behörden, mit welchen die Bevölkerung des Hüttenbergs zu tun hat, ihren Sitz in Weglar haben. Sie behandeln diesen Punkt als ganz nebensächlich, obwohl er eine Hauptsache darstellt, auf die bei der vorjährigen eingehenden Erörterung der Eisenbahnfragen im W. A." von allen Seiten das größte Gewicht gel gt worden ist. Je nun, unbequem mag diese Tatsache zwar sein, aber sie besteht und sie wird nach wie vor als einer der Hauptgründe dafür gelten, daß, wenn einmal eine Eisenbahnverbindung mit dem Hüttenberg geschaffen wird, ihr Ausgangspunft nicht Gießen, sondern Weglar werden muß." - Wir wollten uns ja eigentlich auf lange ZeitungsBolemik nicht einlassen, da die Allgemein Interessen soйte es zum Bahnbau kommen doch für die Linte Gießen bis Usingen sprechen. Herausgefordert zu einer Antwort geben wir die unsrige hiermit zur öffentlichen Kenntnisnahme. Der Verfasser obigen Artikels bedient sich einer nicht gerade schönen Kampfesweise. Mit dem Ausdruck„ Handelskammerbahn", den er dem in Frage stehenden Projekt gegenüber gebraucht, versucht er dasselbe in seinem Wert für die Hüttenbergorte herabzusehen, als ob Sonderinteressen der Gießener Kaufmannschaft dieses Projekt geboren hätten. Man sucht eben andere hinter dem Busch, wo man selber sigt; dafür ist grade der Hauptgrund, der nach dem Verfasser, zu einer Verbindung zwischen Weglar und den Hüttenbergorten führen mußte, ein schlagender Beweis. Wir lassen ja die Tatsache gelten, daß die Behörden, mit denen man da alles zu tun hat, ihren Sitz in Wetzlar haben. Es ist aber einfach lächerlich und sieht ganz wie Sonderinteresse im Auge habend aus, dieses als Hauptgrund für ein Bahnbauprojekt hinzustellen. Wir haben nun aber auch nicht behauptet, daß die in Sperrdruck aufgeführten Orte, alle näher bei Gießen, sondern bei Gießen oder Bußbach als bei Wetzlar gelegen seien; das ist doch zweifellos der Fall. Soviel wie wir die Hüttenbergorte fennen, ist man auch dort für das Projekt. Man stellt es nun als Tatsache hin und bezichtigt uns des Leugnens derselben, daß die Bewohner des Kleebachtals ihre Produkte meistens nach Wetzlar bringen. Schreiber obigen Artikels möge einmal in die Dörfer kommen, und sich durch Rücksprache mit den Bewohnern überzeugen, statt auf die Weglarer Wochenmärkte sich stüßend, ein voreiliges, nicht zutreffendes Urteil abzugeben. Wer auf Mehreinnahme rechnet, dem steht ja immerhin der Weg nach Wetzlar offen. Wir wünschen unsrer Kreisstadt ja alles gute, daß aber solche Hauptgründe, wie man sie in obigem Artikel dem in Frage stehenden Projeft gegenüber ausspielt, bei einer Bahnfrage nicht ausschlaggebend sein fönnen und dürfen, wird jeder vorurteilsfreie Mensch zugeben. Solche Fragen müssen von einem ganz andern Gesichtspunkt betrachtet und beurteilt werden. Mehrere Einwohner des Kleebachtals. Eingesandt. Für die unter dieser Rubrik gebrachten Artikel übernehmen wir dem Publikum gegenüber keine Verantwortung. Aus Rodheim a. B. geht uns folgende öffent= liche Anfrage mit der Bitte um Abdruck zu: „ Hier hielt am Montag der christlich- soziale Agitator Behrens eine Versammlung ab, die meisiens von Antisemiten besucht war. Herr Behrens erntete von diesen ebenfalls Beifall. Was wird nun Herr Reuter sagen, wenn er wieder seine Genossen aufsucht und findet anstatt DeutschSoziale Christlich- Soziale. Um Antwort wird gebeten." Wetterbericht. ( Wetterdienst zu Gießen: Peppler.) Verlauf der Witterung vom Dienstag bis Mittwoch. Während das gestern nördlich Schottland lagernde TIEF nordostwärts nach Mittelskandinavien gezogen ist, ist wiederum ein TIEF westlich Irland erschienen. Infolgedessen wehen lebhafte südliche Winde, welche Niederschläge und milden Regen in ganz Deutschland hervorrufen. Das neue TIEF scheint dem vorangegangenen zu folgen. Es würden also die nördlichen Winde und mit ihnen die Regenfälle andauern. Daher voraussichtliche Witterung für boraussichtliche Witterung für Donnerstag und Freitag: Wind, trüb, windig, Regenfälle. Für einige Zeit keine Aussicht auf Frost. Marktberichte. Steken, 14 Januar. Auf dem heutigen Wochenmart to eten Butter per Pfd. 080-0.90 r., uhneveier 2 Stüd 16-20 Big., Enteneter St. 8 fg, Käse per St. 6-8 Pfg.. äjematte 2 St. 5-6 Pfg.. Erbsen der Liter 21 Bfg., Linien per Liter 32 Big., Tauben per Baar ST. 0.80-1.00, Hühner per Stud Mr. 1.30-1.40, Hahnen, per Ghid C.80-1.70, Enten per Stild 1.70-2.20, Gänse per Pid. 65-72 Pfg., Ochsenfleisch per Pfd. 68-78 Bfg., Rindfleisch per Pfd. 62-66 Big. Schweinefleisch per Bfo. 66-76 Pig. Schweinefleisch gesalzen per funt 0.80 Bfg., Kalbfleisch per Bfd. 70-76 Big., Hammelfleisch per Pfd. 56-74 Bfg., Kartoffeln pio 100 Kilo 550-6.00 mt., 8miebeln per 3t. f 4.50-5.00, Aevfel per Centner 16-20 Mt. Milch der Liter 18 Pfa. Dauer der Marktzeit von 8 Uhr morgens bis 2 Uhr Nachmittags. Gegenstände des Wochenmarktverkehrs dürfen vor Beginn der Marktzeit übeerhanp nicht, und während der ersten diei Stunden der Marktzeit im Umherziehen seilgeboten werden. Verantwortlich: für den politischen und Inseratenteil: A16 in Klein für das Lokale, den„ Gerichts." und„ Deffentlichen Sprechsaal": Fr. Oppermann Verein ,, Kanaria" f. Gießen n. Umgegend Vom 22. bis 24. Januar 1904: Erste grosse allgemeine Ausstellung edler Kanarien, Exoten, Sing- und Ziervögel verbunden mit Prämiierung und Verlosung in den Räumen des Restaurant Postkeller. Eintritt 20 Pfg. Kinder 10 Pfg. Lose zu 50 Bfg. sind in den näher bezeichneten Verkaufsstellen zu haben. Bekanntmachung. Mit Bezugnahme auf die Bestimmungen in§ 25 der Wehrordnung werden alle im Jahre 1884 geborenen Militärpflichtigen, sowie diejenigen, welches diese Alter bereits überschritten, aber sich zur Musterung noch nicht gestellt haben, oder bei der Musterung in 1903 zurückgestellt worden sind, und entweder in Gießen ihren gesetzlichen Wohnort haben, oder als Studenten, Gymnasiasten und Zöglinge anderer Lehranstalten, oder als Haus und Wirtschaftsbeamte, Handlungsgehilfen, Lehrlinge, Handwerksgesellen, Dienstboten, Fabrikarbeiter oder in ähnlicher Eigenschaft sich dahier aufhalten, hiermit aufgefordert, sich behufs Eintragung ihrer Namen in die Rekrutierungsstammrolle in der Zeit vom 15. Januar bis 1. Februar d. Is. bei der Bürgermeisterei dahier im Zimmer Nr. 13 zu melden, und dabei, wenn sie da hier nicht geboren sind, ihren Geburtsschein, welcher von dem betreffenden Standesamt zu erwirken ist, und, wenn sie bereits bei einer früheren Musterung fonfurriert haben, ihren Losungsschein vorzulegen. Stadt- Theater Gießen. Direftion: Steingoetter. Freitag, den 15. Januar 12. Freitag= Abonnements- Vorstellung. Die wilde Jagd. Lustspiel in 4 Akten von Ludwig Fulda. Holz- Versteigerung Für die Das Getränk der Kinder. Wem die Gesundheit und das blühende Gedeihen seiner Kinder am Herzen liegt, der sche streng darauf, daß sie keinen Bohnenkaffee zu trinken bekommen, weil dieser nach ärztlicher Ansicht den kindlichen Organismus schädigt. Für die Kleinen ist Kathreiner's Malzkaffee, der gerade auf den jugendlichen und zarten Körper die wohltätige Wirkung ausübt, ein überaus bekömmliches Getränk, das von vielen Aerzten empfohlen wird. Die Erfahrung lehrt, daß Kathreiner's Malzkaffee mit Milch gefocht, schon nach furzer Gewöhnung das Lieblingsgetränk unserer Kleinen bildet, bei dem sie prächtig gedeihen. Woning,. In our 1904 Provinzial- Siechenanstalt zu Gießen i. Gießner Stadtwald. Montag, d. 18. Januar vormittags 92 Uhr beginnend, werden im Gießener Stadtwalg im Distrikt Waldshute versteigert: 9 Rm. Kiefern- Scheitholz 283 " " 86 wird zum 1. Februar 1904 eine Wärterin gesucht. Knüppelholz Anfangslohn jährlich 300 Mark neben freier Station und 85 zerki Kiefern- Stockh. Wäschereinigung. gewöhnl. 4000 Wellen Kiefern- Neijig Die Zusammenkunft ist auf der Licherstraße an der zweiten Schneiße. Dampfmolterei Dampfmolterei Gießen, am 12. Januar 1904. Gießen Jac. Persyn, Schanzenke 4. sucht Gr. Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Zugleich wird darauf aufmerkſam gemacht, daß größere Abnehmer f. Bingen a. Rh. Ein wahrer Schatz für alle durch jugendliche Verirrungen Erkrankte ist das berühmte Werk: diejenigen, welche die Anmeldungen unterlassen, sich zu gewärtigen haben, daß sie mit einer Geldstrafe bis zu Magermilch u. Molken 30 Mark oder mit Haft bis zu 3 Tagen belegt, von der Teilnahme an der Losung ausgeschlossen, und ihrer etwaigen Ansprüche auf Zurückstellung 2c. für verlustig erklärt werden. Bezüglich der zur Zeit der Meldefrist abwesenden Militärpflichtigen sind deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brot- oder Fabrikherren zu dieser AnMeldung verpflichtet. Ferner wird bemerkt, daß Ge suche um Zurückstellung von Militärpflichtigen auf Grund des§ 32, pos. 2 Lit. a, b, c, d, e, f und g der Wehrordnung rechtzeitig bei der Bürgermeisterei dahier borzubringen sind; Verspätete Gesuche fönnen feine Berücksichtigung finden. Gießen, am 2. Januar 1904. Großherzogl Bürgermeisterci Gießen. J. V.: Curschmann. Sielbau Gießen. Die Lieferung des für das Baujahr 1904/05 benötigten Portland- Zementes soll öffentlich verdungen werden. zu liefern sind Eine Million kg Portland- Zement frei Waggon Lagerplatz( Margarethenhütte) Gießen. Bedingungen und Angebotsformulare fönnen gegen portofreie Einsendung von 1,50 Mt. durch das städtische Tiefbauamt Gr. Bürgermeisteret Zimmer Nr. 6 bezogen werden. Ebendaselbst liegen in den Dienststunden die Verdingungsunterlagen zur Einsicht auf. Auskunft erteilt außerdem Herr Oberbaurat Schmick, Darmstadt, Mühlstraße 60. Die Angebote sind versiegelt und mit der Aufschrift: ,, Angebot auf die Lieferung von Portland- 3ement" bis zum 30 Januar d. Js. portofrei bei dem städtischen Tiefbauamt einzureichen, woselbst die Eröffnung der Angebote am genannten Tage vormittags 11 Uhr im Beisein etwa erschienener Bewerber erfolgt. Zuschlagsfrist 6 Wochen. Gießen, am 12. Januar 1904. NUR 2.5 Pfg Städtisches Tiefbauamt. Braubach. 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Underberg Boonekamp ausdrücklich: was fo'ne hat gar nicht ist das Jahr 1? Allem, ber Fangroßhandlung abwirft aber doch immerhin Nataly zog die Braunen hoch. ia mahr. Alles in schlecht gewählt!" " Nun ja, eigentlich ist's wunderbar AUS DEM REICHE DES WISSENS Nr. 11 Fam Donnerstag, den 14. Januar 1904. аләләри !!! ше әрәгать оче m fie prächtig eblingsgetränk gefocht, schon t, daß Kath= empfohlen es Getränk, ng ausübt, zarten Körper Malzlaffee, der us schädigt.r nad ärztlicher en Bohnenfaffee crzen liegt, der das blühende Kinder was so'ne Weingroßhandlung abwirft das Jahr!? Alles in Allem, der Fahgant hat gar nicht so schlecht gewählt!" Nataly zog die Braunen hoch. Nun ja, eigentlich ist's ja wahr, aber doch immerhin wunderbar und überraschend!" gab sie, einlenkend, halb und halb zu. Sie wollte ihrem Bruder, der auch manchmal mehr ausplauderte, als gut war, feine Ursache zu Rede- und Neckereien geben, es hätte am Ende noch so ausgesehen, als wenn sie eifersüchtig und neidisch auf Grete Konner wäre. Sie, eifersüchtig- des Leutnants von Fahgant wegen! Gott bewahre! Sie hätte ihn nicht haben mögen, Nataly von Schulfen wählte anders und besser, wenn sie wählte! Woher weißt du dieſe erlesene Neuigkeit denn, Jürg?" fragte sie. Von Fahgant persönlich, er kam gerade aus'm Blumenladen, hatte' n Bündel Liebesheu bestellt, wir prallten sozusagen zusammen, er mit selig verzückter Visage! Was Neues?" fragte ich so en passant.„ Ja, aber sehr, habe mich mit Fräulein Grete Konner verlobt, morgen kommt's gedruckt mit Goldschnitt!" sagte er." ,, Also selig- verzückt sah er aus?" " Doll sag ich dir, er muß die Kleine doch wirklich lieben!" In Jürg's Leutnantsgehirn schien dieses Verlobungsmotiv größtes Staunen und Bewundern hervorzurufen. ,, Du gratuliertest gleich?" Na ob, wünschte ihm pyramidales Glück und schalt, daß er die Geschichte so heimlich betrieben, kein Mensch im Regiment wußte was." ,, Und was meinte er?" Feirte ganz hinterlistig, ,, ja ja, Kamerad, die echte Liebe sigt tief und verborgen im Herzen und hält sich still, s'ist auch genug, wenn man's nur selber merkt und die, der es gilt!" Gott Strambach, wo der Kerl immer all' die weisen Redewendungen aufgabelt!" Jürg, welcher sich's inzwischen hatte gut schmecken lassen, legte Gabel und Messer beiseite und wischte sich den Mund. Dent' mal, die Houzeit, was es da für feine Weine geben wird!" sagte er schmunzelnd und setzte hinzu:„ Na, Natterchen solltest man auch machen, daß du unter die Haube kommst, die Grete Konner kann's schon mit Siebzehn!" Nataly krauste die Stirn: Jeder nach seinem Belieben!" Jürg erhob sich und strich sich dem Uniformrock entlana. Habe ich mich aber schön vollgegessen! Nun gehe ich schlafen, venn die jungen Hunde satt sind, machen sie's auch so. Proste Mahlzeit!" Damit entfernte er sich befriedigt. Seine Neuigkeit war er nun ja glänzend losgeworden. Zuerst noch an den Assessor B. auf der Promenade und nun an Nataly. Und Effekt hatte sie gemacht, Donner ja!-- Nataly blieb noch im Zimmer, sie stützte den Kopf in die Hand und sann nach. Diese überraschende Verlobung gab ihr zu denken. Zu ärgerlich, diese Verlobung, wenn dieselbe sie schließlich auch garnichts anging! Aber doch ,,, uneigentlich" ging es sie immerhin etaws an. Sie spann diesen Gedanken aus. Grete Konner, solch ein halbes Kind noch, und schon Braut! Und Nataly selber mit ihren 22 Jahren noch unverobt! Das lag zwar in ihrer eigenen Hand, ausschließlich, sie warf den Kopf hoch und das wußte man auch, man kannte Nataly von Schulfen's wählerischen Geschmack! Aber Nataly war weltkundig, sie wußte, daß man allmählich doch sagen würde, wie es vielleicht hie und da schon jetzt jemand sagte:„ Mit der Nataly wird es nun auch Zeit, alt genug ist sie, schließlich bekommt sie gar keinen Mann mehr, alles schon dagewesen!" Und auch Bruder Jürg hatte sich wiederholt dahin geäußert, daß sie so lange rumquirlen würde, bis der ganze Brei in die Asche fiele und sie dann dasäße, wie Augustin im Dreck!" Und nun Grete Konner's Verlobung, das würde Aufsehen machen, das würde zu reden geben und vor allem Anlaß zum Vergleichen! Man würde die bräutliche Grete, dieses te wenn auch ganz liebliche Gänseblümchen ihr, Nataly, o Izen, aber doch einsamen Rose gegenüberſtellen, Bemerkunger austauschen, Parallelen ziehen! Unerträglich ( Schluß... AUS DEM REICHE DES WISSENS Tebenszähigkeit der Mollusken. Wenn es Bewunderung erregt, daß z. B. eine Herzmuschel zehn Tage lang außer dem Wasser lebte, so verschwindet diesi Erscheinung vor den staunenswerten Tatsachen, die von anderes Seiten her über die Lebenszähigkeit der Mollusken berichtet werden. und zwar von Forschern und Anatomen ausgezeichneter Namen. Die Süßwassermollusken der kalten Zonen begraben sich während des Winters in dem Schlamme ihrer Teiche und Flüsse; die Landschnecken verfriechen sich in den Boden oder unter das Mood und die abgefallenen Blätter. In warmen Ländern versinken sie während der heißesten und trockensten Zeit des Jahres in En starrung. Die Gattungen und Arten, die diesem Sommerschlafe amn meisten unterworfen sind, zeichnen sich durch die Zähigkei ifres Lebens aus, und man hat zahlreiche Beispiele, daß sie aus fernen Ländern lebendig zu uns gelangt sind. Im Juli 1850 erhielt ein Herr Gray eine lebende Süßwassermuschel aus Australien, die über ein Jahr lang außer dem Wasser gewesen war. Man hat Teichschnecken in Mahagoniblöcken aus Honduras lebendig gefunden, und Cailland hat einige in Sägespänen verpackt von Aegypten nach Paris gebracht. Es ist in der Tat nicht leicht zu bestimmen, wie weit ihre Lebensfähigkeit reichen kann; denn Laidlay der eine Anzahl zu diesem Zwecke in einen Kasten getan hatte, fand sie nach 5 Jahren noch lebendig, und noch dazu in dem heißen Klima von Calcutta. Wollaston erzählt von zwei Arten Schnecken aus Madeira, die eine strenge Gefangenschaft in Pillenbüchsen drittehalb Jahre lang überstanden. Das interessanteste Beispiel von Wiedererweckung aber kam bei einer Wüstenschnecke aus Aegypten vor und wird von Baird erzählt. Diese Schnecke ward am 25. März 1846 im britischen Museum auf ein Täfelchen befestigt, und am 5. März 1850 entdeckte man, sie müsse ihr Haus verlassen haben, da sie bei dem Versuche fortzukriechen das Papier gefärbt hatte; sie hatte sich jedoch, da die Flucht unmöglich war, wieder in das Gehäuse zurückgezogen und die Deffnung mit dem gewöhnlichen blinkenden Häutchen verklebt; man brachte sie nun in warmes Wasser und sie erholte sich vollständig. Am 13. März 1850 hat sie gesund und munter zu dem Porträt ge= sessen, das man von ihr anfertigen ließ. Allerlei Wissenswertes. Die mittlere Geschwindigkeit des Golfstromes schätzt mai auf fünf Kilometer in der Stunde, obwohl diese an gewisser Stellen bis auf 86 Kilometer anwächst. Im Kanale von Yucatan dagegen, wo die Strömung 150 Kilometer breit und über 1800 Meter tief ist, legt sie in einer Stunde nicht mehr als 400 Meter zurück. In der Straße von Vemini wiederum ist die Fortbewegung so heftig, daß die Wasseroberfläche wie in einer Stromschnelle brodelt und aufschäumt. Größenveränderungen der Bäume. Es ist vielleicht mehr interessant als praktisch wichtig, zu wissen, daß der Durchmesser von Baumstämmen nicht nur im Winter gegen den Sommer, sondern von Tag zu Tag veränderlich ist. Er ist nämlich größer vom Abend bis zum frühen Morgen und kleiner im Winter als im Sommer. Niedrige Temperaturen begünstigen ebenso wie hohe die Verdunstung. So verdunsten die Bäume im Winter durch ihre Zweige und schrumpfen desto mehr zusammen, je länger kalte Witterung anhält. " Singende Fische. Verschiedene Naturforscher behaupten, Fische singen gehört zu haben. Träger will an der Westküste von Borneo deutlich melodische Töne vernommen haben, die aus dem Meere kamen, während Kingsley einen in den westindischen Gewässern lebenden musikalischen Fisch als„ Flötenmaul" bezeichnet. Ouffroy de Thoron hat eine seltsame Mitteilung über das Vorkommen singender Fische an der Küste von Ecuador gemacht. Als ich", schreibt er, die Bay von Taylor untersuchte, welche im Norden der Provinz Esmeraldas liegt, steuerte ich einst gegen Abend am Strande hin. Da vernahm mein Ohr plötzlich seltsame, langandauernde Töne. Anfangs hielt ich es für das Geräusch einer großen Hummel, konnte aber keine solche wahrnehmen. Der Ruderer, darüber befragt, ob er nichts höre, meinte: ,, Das sind singende Fische, man nennt sie Sirenen oder Musicos." nicht lange, so vermehrten sich die Töne und man Gindruck, als ertönte ein gedämpfter harmonischer entfernter Draeltönen," te Nr. 11 Donnerstag, den 14. Januar 1904. Oberhessische Familienzeitung. Tägliche Unterhaltungs- Beilage ber Gießener Neueste Nachrichten. nd and Berlag ber Olebener Berlagsbraderet, vorm. With Keller'sğe Budbruderet( gegr. 1783); worst:[ bin Role (( 8. Fortsetzung.) Der Zeuge. Roman von Marie Bernhard. Bereits flüsterte es hier und da, ob denn der junge Norden ein großes Vermögen von Hause aus besize, da doch sein Gehalt gar nicht so bedeutend seid er ein flottes Leben führe, wie es aber dann zugehe, daß man von ziemlich beträchtlichen Schulden, von unbezahlten Rechnungen spreche? Friß selbst sah aus dem faſt unmerklich veränderten Benehmen einiger ſeiner Bekannten, daß man von seinen unsicheren Verhältnissen beginne, Einsicht zu gewinnen. Ihm wurde sehr unbehaglich zu Mute; er nahm es sich fest vor, Helene ernſtlich in ſein Vertrauen zu ziehen. Und wieder trat das Schicksal zwischen ihn und sein Wollen in Gestalt eines neuen großen Glücks; unmöglich jetzt, ſeiner Herzgeliebten eine Sorge aufzubürden, im Gegenteil, es mußte ſeine ſchönste, seine heiligste Aufgabe sein, ihr jeden leiſeſten Schatten zu verscheuchen volles Sonnenlicht mußte auf ihren Lebensweg fallen, und es fiel auch auf ihn selbst und verscheuchte jedes drohende Unheil, als sein Kind ihn zum erstenmal mit den wunderschönen Augen seiner Mutter anlachte. Hellmuth hatte sie den Kleinen genannt, und wahrlich, der freudige Name war wie geschaffen für dies Sonntagsfind. Wie in Sonnenschein gebadet schien sein lockiges Gold haar, wie von Sonnenstrahlen durchleuchtet seine großen Augen, perlend tönte sein helles Lachen durch das ganze Haus, unwiderstehlich süß klang sein Bitten; fein Mensch, fein einziger, der in die Nähe dieses wunderlichen Geschöpfes fam, vermochte sich dem Zauber zu entziehen, den es spielend ausübte. Helene jauchzte und lachte um die Wette mit ihrem Söhnchen, aber seine Geburt hatte sie bedenklich angegriffen, und, so namenlos schwer Fri Norden die Trennung von Weib und Kind fiel, so groß das pekuniäre Opfer war, das er bringen mußte, er war gezwungen, sich fast für die Dauer eines ganzen Jahres von den beiden zu trennen und sie samt einer erfahrenen Pflegerin nach Montreux zu schien, damit Helene ihre verlorenen Kräfte wiedergewinnen könne. Nach ihrer Rückkehr kam es über ihn Schlag auf Schlag. Seine Gläubiger begannen ihn zu drängen, er suchte Auswege hier und da, er schrieb nach England, nach Amerika an ſeine ehemaligen Freunde; viele von ihnen waren nicht mehr da, andere erinnerten sich kaum noch seiner oder wollten es auch nicht. Sein einstiger Prinzipal in New- York lieh ihm endlich, natürlich zum üblichen Zinsfuß, eine größere Summe. Damit konnte er die allerdringendsten Gläubiger befriedigen und hielt sich wieder eine Zeit lang über Wasser. Sein Schwiegervater, der Major von Burg, machte ahnungslos oder vielleicht auch nicht, unausgesezt Ansprüche an den bürgerlichen Schwiegersohn, der es sich ja zur Ehre rechnen konnte, seinen adeligen Verwandten in pekuniären Bedrängniſſen beizuſtehen. Und wenn Frip in früheren Zeiten Scheu getragen hate, Helene ein volles Geständnis seiner Lage zu machen, aus zärtlicher Liebe für sie, so war dies jetzt eine ge= botene Vorsicht, denn die schöne Frau war von zarter, hinfälliger Gesundheit geblieben, und die Aerzte hatten iede Aufregung, jede Gemütsbewegung auf das einstimmigste untersagt. Es waren Jahre der Angst, der unausgesetzten, = (( Nachdrud verboten.)) quälenden Sorge, die Frizz Norden jetzt durchlebte, und nur auf kurze Zeit, wenn er mit seinem sich herrlich entwickelnden Knaben pielte und lernte, vermochte er das Gespenst der Schuld zu vergessen, das ihn aus hohle Augen überall sonst anstarrte. Er liebte sein Wei mit derselben Zärtlichkeit wie früher, aber es kam ihm jezt oft vor, als ruhe ihr Blick mit einer stillen Frage auf ihm, und das quälte ihn unsagbar. Auch ängstigte ihn die Bläs ihres süßen Gesichtes, die durchscheinende Zartheit ihrer tieinen Hände, die Größe und der faſt übernatürliche Glanz ihrer Augen, in denen immer noch, wie in Hellmuths Augen, der gefangene Sonnenstrahl zitterte. Seine Stelle in Berlin wurde ihm gekündigt; man war nicht mehr mit ihm zufrieden, seine Kombinationen erwiesen sich als unsicher, er war kein pünktlicher, pflichtgetreuer Ärbeiter mehr. Er nahm eine neue Stelle an in Hamburg, ganz rasch, nahm, was sich ihm bot, nur um Geld zu verdienen. Er fühlte, er wußte es, es ging bergab mit ihm! Hellmuth war ein schöner Knabe von elf Jahren etwa, da brach über Frizz Norden die Katastrophe herein. Sein Schwiegervater war bereits vor einiger Zeit geſtorben; das Schicksal der drei unversorgten Söhne, von denen der jüngste fortwährend kränkelte, lastete schwer auf dem Schwager; es gelang ihm endlich, dem ältesten, der ein strebsamer, tüchtiger Mensch war, wenn auch ohne große Begabung, in einem faufmännischen Geschäft eine Stelle mit einem fleinen Gehalt zu verschaffen, aber über den zweiten, der Jura ſtudierte, liefen viele Klagen ein; er besuchte kein Kolleg, er machte Schulden, er spielte Karten. Mit ihm gab es unangenehme, heftige Szenen, Vorwürfe, trogiges Aufbegehren, Versprechungen, die unerfüllt blieben. Der dritte Bruder war außer stande, irgend einen Beruf zu ergreifen, Frizz mußte ganz und gar für ihn sorgen. Wie war er froh, aus Berlin fortzukommen, froh, nicht da und dort den ernsten, forschenden Augen seines ehemaligen Freundes, des Hauptmanns von Triberg, zu begegnen, mit dem er nun schon seit Jahren fein Wort, nur noch einen kühlen Gruß gewechselt hatte! Roland war unvermählt geblieben; die hübschen Mädchen, bei deren Eltern er verkehrte, hatten ihn als hoffnungslos aufgegeben. Die Uebersiedelung nach Hamburg war erfolgt. Dort wollte man ganz still, ganz zurückgezogen leben; es sollte von feinem geselligen Verkehr die Rede sein. Frizz sagte sich das immer wieder vor, als ob damit allen Bedrängnissen abgeholfen wäre, während er doch wußte, daß seine Lage mit jedem Monat unhaltbarer wurde. Sein amerikanischer Freund hatte ihm das Kapital aufgekündigt; er sei augenblicklich selbst in schwierige finanzielle Operationen verwickelt, die viel flüssiges Geld erforderten, und so sehe er sich genötigt, so leid es ihm tue, um baldmöglichste Auszahlung des Darlehens zu bitten. Wie sollte Friz Norden dies bewerkstelligen, wie die zahlreichen anderen Schulden tilgen, an die er von allen Seiten gemahnt wurde? Er kam sich vor wie ein gehetztes Wild, und doch hatte er keinen leichtsinnigen Lebenswandel geführt, we Nr. 12. Abonnement In's Saus geb und bie Gratisbellag Das Blatt für Körp CB. Der Fa flage gegen ein liche Mishandl entrollte für freigesprochen heimen und u in der Hand go einem ehrgeizi werden den Und gerad einer Strafe förperlichen 3 erſtict und for haben sollte. ein Kind sollte Notwendigkeit Unterschied da bon einem Leb weil die Elternliebe im geheimen deshalb, in der Schule obachtung ma den Fachleut Wirkung der Schule nicht zeigt. Neber artige und u Einwirtung sich schon die Förverlichem iduwungen mir die Prügelstra Bestraften und Symbol ehrlo auch bei ehrl Notwendigkei Kenntnis der einer liebebol Klasse. Wer diese nicht befolgt, des Standes der hazardiert oder Bankette veranstaltet und für seine eigene Person weit weniger gebraucht als in früheren Jahren. Da zu machte Helene ihm immer ernstlichere Sorgen. Sie klagte niemals, war stets heiter und liebenswürdig und lebte in einem geradezu idealen Verhältnis zu ihrem Sohn, dessen Studien, Erholungen und Spiele sie ganz teilte und mit welchem sie ein Band der zärtlichsten, hingebendsten Liebe vereinigte. Aber das böse Hamburger Klima bekam ihr sehr schlecht, sie schwand zusehends hin, und der Arzt schüttelte den Kopf und machte ein trübes Gesicht, so oft Friß ihn fragte, wie es stehe. Unheimliche Selbstmordgedanken, schauerliche Träume schlichen nachts um das Lager des unglücklichen Mannes; ec sah sich mit Schimpf und Schande beladen, aus dem Hause vertrieben, sein angebetes, zartes Weib, seinen abgöttisch geliebten Sohn dem Glend, dem Mangel preisgegeben, diese geliebten Beiden, für die er sein Herzblut hätte hingeben mögen. die liebevoll und in Verehrung zu ihm aussahen als zu ihrem Schüßer und Helfer, einem Muster von Fleiß und Ehrenhaftigkeit. Nein, tausendmal! Es mußte ihm und ihnen Hilfe kommen mußte! Gleichviel, auf welchem Wege, wenn es nur Hilfe war! Etwa ein halbes Jahr waren sie in Hamburg, da bekam Frizz Norden die Nachricht, sein Vater sei bedenklich erkrankt und wünsche den Sohn noch einmal zu sehen; er fuhr noch an demselben Tag, der ihm die Botschaft gebracht hatte, nach Stralsund und fand den sonst so wohlgemuten alten Herrn allerdings traurig verändert. In einem Lehnstuhl an seinem Bett ſizend, während eine kalte Wintersonne durch die zurückgeschlagenen Vorhänge des Zimmers blickte, hörte der Sohn die letzten mit mühsamer, rasselnder Stimme gesprochenen Verfügungen des alten Mannes. Mein Testament ist beim Justizrat Werder deponiert; armer Junge, Dir bleibt so gut wie nichts. Hab' es eben nicht verstanden, die selige Mutter hat am Ende doch recht gehabt! Aber es steht jetzt materiell besser mit dir, Friz, nicht wahr, es stehet doch jetzt besser?" Und die unruhigen Augen des sterbenden Mannes forschten in des Sohnes Gesicht. " Viel besser, lieber Vater, ja wohl! Du weißt, meine jetzige Stelle in Hamburg, ſie iſt- ich habe- sorge Dich nicht um mich!" Nun, Gott sei Dank! Ich fürchtete eine Zeit lang sehr für dich, aber jetzt bin ich ruhiger. Und noch eins, Friz. Der junge Wiedenhofen ist nun bald mündig; ich habe die Wert papiere jetzt alle bei mir, hier in meinem Schreibtisch auf bewahrt: hoffte, ſie ihm selbst übergeben zu können; wer kann aber wissen du fuſt es dann an meiner Stelle, es sind lauter solide, gutwertige Aftien, Obligationen. Statt der Hypotheken hab' ich in den letzten Jahren Pfandbriefe ange= fauft. Man hat so viel Schreiberei und Sorgen mit Hypotheken, das hab' ich dem unerfahrenen jungen Menschen gern ersparen wollen jetzt ist es ihm bequem gemacht. Die Schlüssel du weißt ja-" ,, Sprich nicht weiter, lieber Vater, strenge dich nicht an, ja, ich weiß alles!" ,, Erzähle mir von Helene und Hellmuth! Wie schön sie beide sind auf dem letzten Bild! Nur will mir scheinen, als fähe mein liebes Töchterchen ein wenig schmal und leidend aus; aber freilich, sie lächelt ja so reizend! Und der Junge! Wie flug er dreinsieht und so vornehm wie ein Königskind! Vielleicht erhole ich mich doch noch einmal, dann bringst du mir den Hellmuth herüber! Ja, Friß?" ,, Ganz gewiß, Vater!" Er erholte sich aber nicht mehr, der lebenslustige alte Norden! Im zweiten Tage nach jener Unterredung war er tot, und seine Leiche wurde, da plötzlich mildes Tauwetter einge treten war, unverzüglich nach der Leichenhalle befördert. In der darauffolgenden Nacht stand das Haus des alten Norden in lichten Flammen; ein heftiger Südweststurm blies in die Gluten, und trotz der schleunigst herbeigerufenen Feuerwehr brannte das Gebäude bis auf die Grundmauern herunter, und es war nicht gelungen, auch nur das allergeringste der Habe zu retten; man hatte sich glücklich schäzen müssen, die Nebengebäude vor der drohendsten Gefahr zu schützen. Von den Flammen war auch der Schreibtisch vernichtet worden, der das ganze Barvermögen des jungen Wiedenhofen enthalten hatte. Der Sohn des Verstorbenen hatte sofort nach dem Ableben seines Vaters von dem ihm befreundeten Rechtsanwalt die Amtssiegel auf die Schlösser seßen lassen, um die Eröffnung erst nach der Testamentsvollstreckung und Mündig keitserklärung des jungen Erben im bewerkstelligen zu lassen. Beisein des Gerichts Wie war das Feuer ausgekommen?- Niemand vermochte das zu sagen. Vielleicht daß beim Transport des entseelten Körpers nach der Leichenhalle, der wegen des fargen Tageslichtes bei Beleuchtung hatte stattfinden müssen, einer der Träger unvorsichtig mit einer offenen Kerze umgegangen war, einen Funken verstreut hatte, der im Teppich, in der Gardine weiterglimmen mußte und durch eine fahrlässig offen gebliebene Tür zum Brand entfacht werden konnte. Tatsache war, daß der Sohn des Verstorbenen, Friz Norden, seinen Freund aus frühesten Jugendtagen, eben denselben Rechtsanwalt, in dessen Gegenwart die Siegel an den Schreibtisch gelegt worden waren, gebeten hatte, ihn für diese Nacht bei sich aufzunehmen, da es ihm in dem verlassenen Hause unheimlich sei. Man hatte einen Polizisten mit der Bewachung des Hauses betraut; der Mann schwor, nichts Verdächtiges bemerkt zu haben und erst aufmerksam geworden zu sein, als sich ein starker Brandgeruch bemerkbar machte und die lichten Flammen aus dem Zimmer, in welchem vor wenigen Stunden noch die Leiche gestanden hatte, herausgeschlagen seien. Dort also war das Feuer ausgekommen, daran war weiter kein Zweifel, aber das Wie" blieb vollkommen rätselhaft. Als man den Rechtsanwalt, bei welchem Fritz Norden für diese Nacht Quartier genommen hatte, von dem Feuer benachrichtigte, es war mitten in der Nacht gewesen hatte dieser große Mühe gehabt, seinen Gast, der in einem totenähnlichen Schlaf befangen sein mußte, überhaupt zu erwecken. Der Rechtsanwalt hatte lange an die von innen verschlossene Tür klopfen und laut rufen müssen, ehe Frizz Norden ihn hörte, dann endlich war die Tür aufgegangen, und der so energisch Gerufene erschienen, noch ganz schlafestrunken, was leicht durch den Umstand zu erklären war, daß er eine Nacht hindurch gefahren war und die folgenden Nächte am Krankenbett seines Vaters durchwacht hatte. Erschreckt und verwirrt hörte der nur halb Bekleidete den kurzen Bericht des Rechtsanwalts an, wollte sogleich nach der Brandstätte stürzen und konnte von seinem Freunde nur mit Mühe dahin gebracht werden, seine Kleidung zu vervollständigen. Dann durcheilten die beiden im schnellsten Tempo die drei oder vier Straßen, welche sie von Nordens Hauſe trennten, und fanden zwar die Jeuerwehr in vollster Tätigkeit, doch belehrte ein einziger Blick sie sofort, daß hier nichts mehr zu retten war. Wütend blies der Südweststurm in die Flammen, daß sie wie seurige Wogen zusammenschlugen und ganze Funkengarben zum nächtlich dunklen Himmel emporsandten. Es half den Löschenden nichts, daß der Fluß, vom Eise durch das Tauwetter befreit, so nahe war, der Sturm war ein zu getreuer Verbündeter des Feuers und verhalf ihm zum Siege. Fritz Norden hatte nur mit Gewalt zurückgehalten werden können, sich in die wallende Glut zu stürzen, um das fremde Eigentum zu retten, um welches es ihm einzig zu tun war. Es wäre Wahnsinn gewesen, ihn gewähren zu lassen; man verstand seine Verzweiflung, vermochte sie zu teilen, aber Geschehenes war nicht ungeschehen zu machen. Das Vermögen des jungen Wiedenhofen, in sicheren und soliden Wertpapieren bestehend, war ein Raub der Flammen geworden. Ein Glück noch, daß dem jungen Mann die Güter blieben, er wäre sonst mit einem Schlag zum Bettler geworden. Der Brand zog sehr viele gerichtliche Verhöre, Untersuchungen, Nachforschungen nach sich, aber alles blieb ohne Resultat. Den Leuten, welche bei der Ueberführung der Leiche behilflich gewesen waren, konnte nichts bewiesen werden, jeder Verdacht, das Jeuer könne absichtlich angelegt worden sein, erlosch vor dem gänzlichen Mangel an Beweisen. Fritz Norden blieb sehr lange in seiner Vaterstadt, er scheute weder Mühe noch Kosten, um die Wahrheit dennoch ans Licht zu bringen, und spornte das Gericht zu immer neuen Untersuchungen an. Endlich konnte nichts weiter unternommen werden, die Akten wurden geschlossen, und als die ersten Schneeglöckchen und Veilchen zu blühen begannen, konnte Helene Norden ihren so lange und schmerzlich entbehrten Gatten, der kleine Hellmuth seinen ärtlich geliebten Vater wieder in die Arme schließen. Das Hamburger Bankhaus freil... Frizz bisher seine Dienste geleistet, hatte die lange Abwesenheit eines so wichtigen und verantwortlichen Mitgliedes sehr übel vermerkt und kündigte ihm in furzen, höflichen Worten die Stellung auf. Von New- York war eine dringliche Mahnung wegen des zurückzuzahlenden Kavitals einaelaufen. Rechnungen und drohende Briefe kamen jeden Tag an, und zudem eröffnete der Hausarzt dem heimgekehrten Friß, daß er den Zustand Helenens für bedenklich halte und dararuf dringen müsse, daß sie sofort in einem hochgelegenen Gebirgsort übersiedle, da er sonst für nichts einstehen könne. Merkwürdigerweise ließen alle diese auf einmal hereinbrechenden Unglücksfälle, bis auf die Mitteilung des Arztes, welche Friz heftig erschütterte, keinen besonderen Eindruck in dem Betroffenen zurück. Daß ihm die Stelle gekündigt war und daß es ihm so rasch nicht gelingen würde, eine neue zu finden, konnte er Helene nicht verschweigen, ebensowenig auf ihre direkte Frage, daß ihn pekuniäre Kalamitäten von allen Seiten einengten. In Fribens langer Abwesenheit waren verschiedene Mahnbriefe und große Rechnungen unter Helenens Adresse eingelaufen, da die Leute vielleicht glaubten, sie sei im stande, ihren Gatten zu schnellerem Zahlen zu bewegen; sie war daher über die Lage ihres Mannes nicht mehr in derselben Unkenntnis wie früher und fand nur das beſtätigt, was ihre sorgende Liebe ihr schon lange, troß Frizens anscheinender Ruhe, gesagt hatte. Helene verstand es nicht, wie ihr Mann in Angelegenheiten, die seine Existenz und die seiner Familie in Frage stellten, so sorglos scheinen konnte; wenn diese Sorglosigkeit eine fingierte war, so mußte er sich übermenschlich verstellen können! Er war nur um ihrer Gesundheit willen in Angst, zog unaufhörlich Erkundigungen über einen zur Erholung besonders geeigneten Ort ein, schrieb zahllose Briefe deswegen, betrieb die Abreise mit aller erdenklichen Umsicht, umgab Helene, welche sich für sehr gesund und alle diese Fürsorge für gänzlich übertrieben hielt, mit tausend Bequemlichkeiten und lächelte ihr ganz heiter und unbefangen zu, wenn sie, eine angstvolle Frage in den Augen, zu ihm aufschaute. Als sie sich endlich ein Herz faßte, ihn schüchtern zu fragen, woher er die reichlich erforderlichen Mit tel nehme, um all die vielen Ausgaben zu bestreiten, jetzt, da er doch ohne Einnahme sei, da hatte er sie beruhigend in seine Arme genommen, zärtlich gefüßt und ihr gesagt, er habe neuen Kredit; um den sei ein Mann wie er niemals verlegen, ebensowenig um eine neue Stelle. Sie solle guten Mutes sein und ganz getrost ihm die Sorge für Geld und Gut überlassen. es sei das schönste Vorrecht des Mannes, die Seinigen zu schüßen und zu hüten, sie solle ihm das durch unzeitige und unbegründete Angst nicht verkümmern, sondern vorerst alles dransezen, um wieder ganz gesund zu werden. ( Fortsetzung folgt.) Nataly's Verlobung. Novelle von Anna Treichel. ( Nachdruck verboten.) Man hörte ein kurzes Anschellen an der Wohnung der Familie v. Schulfen, darauf das Deffnen der Türe und auf dem Korridor die hastige Frage einer etwas näselnden Männerstimme:" Ist schon gegessen?" " Jawohl, Herr Leutnant!" antwortete Pauline, das Hausmädchen. „ Na, habt ihr mir auch noch was übrig gelassen?" scherzte der junge Offizier gut gelaunt weiter, indem er Helm und Säbel ablegte, sich den arg mitgenommenen Dienstanzug ein wenig abklopfte und dann seine Glieder nach allen Richtungen hin dehnte und streckte. Pauline zauberte eine Hyperbel von Lächeln auf ihr rotwangiges Gesicht, so daß auch der Leutnant amüsiert die Rippen verzog. „ Aber ja, Herr Leutnant! Es steht alles so schön im Wärmspind, noch dazu Herrn Leutnant sein Leibgericht, schönes Süppchen mit Schwemmflößen und Ente mit Morhelnsauce, wird schon schmecken, Herr Leutnant!" „ Ei der Tausend, sind ja ein Kapital- Frauenzimmer, Pauline, na, dann fahren Sie man ran, was das Zeug hält!" Sporenklirrend durchquerte Jürg v. Schulfen den Korridor und trat in das Wohnzimmer ein. Dort grüßte ihn von der Chaiselongue her das lächelnde Antlitz seiner schönen Schwester, welche sich's in einem losen Hauskleide uf dem weichen Polster bequem gemacht hatte. Sie blätterte in dem neuesten Modejournal und hatte auf dem Schoße ein paar Fruchtbonbons liegen, von denen sie ab und zu inen in den Mund steckte. „ Morgen, Nataly, habe mich heut' höllisch verspätet, beste Schwester!" nickte Jürg v. Schulfen seiner Schwester entgegen. " Ja, wir sind bereits seit einer Viertelstunde mit dem Essen fertig, Papa hält schon sein Mittagsschläfchen und Mama schreibt in der grünen Stube an Tante Berta." Jürg ließ sich an dem in der Mitte des Zimmers befindlichen gedeckten Tische nieder, nahm spielend den silbernen Eplöffel zur Hand und zog mit dessen Spize einige Längsrillen auf dem weißen Damaſttuch. „ Na?" sagte Nataly und sah ihren Bruder erwartungsvoll an. Er kannte dieses„ Na!" In weiterer Ausführung hieß das:„ Gibt's nichts neues? Erzähle doch fir!" Wenn Bruder Jürg ankam, brachte er auch stets einen Sack voll Neuigkeiten mit; es machte ihm aber Spaß, denselben möglichst langsam aufzuknüpfen, obgleich man ihm wiederum selber den größten Tort antat, falls man ein Ausschütten dieses Sackes überhaupt nicht verlangte! Jürg machte eine auf später vertröstende abwehrende Handbewegung, da Pauline soeben die Speisen hereintrug. Als sie wieder hinausgegangen war, ertönte das„ Na?" noch einmal von Natalys Lippen. ,, Großartige Neuigkeit, noch gar nicht dagewesen!" prahlte Jürg, indem er ein Schwemmklößchen mit der Zunge im Munde zerdrückte;„ sehr gut, die Schwemmflöße!" lobte er. „ Rasch, rasch!" forderte Nataly. voll. Verlobung!" sagte Jürg bedeutungs- und geheimnis„ Ah!" Nataly richtete sich etwas auf, Spannung in den Zügen, in ihre Augen trat ein schillerndes Unbehagen. Sie liebte es nicht, von Verlobungen zu hören, es kränkte sie geradezu. Sie selber war ein schönes, beliebtes und vielbegehrtes Mädchen, welchem man allgemein huldigte, sie hätte sich täglich verloben können, falls sie nur gewollt hätte, - aber noch immer bisher hatte ihr die rechte Lust dazu gefehlt, wenn ſie ſich auch in letzter Zeit ab und zu einmal selber sagte, daß sie sich mit ihren 22 Jahren nun endlich zu einer entscheidenden Wahl entschließen könne, aber das Leben war ja auch so noch so schön und die Ehe brachte doch immerhin mehr Pflichten! Es lag also nur an Nataly selber, daß sie zur Zeit noch unverlobt war, sie brauchte folglich weder Neid noch Schmerz zu empfinden, wenn andere vor ihr den Bund für's Leben schlossen, und doch liebte sie es nicht, wenn andere sich verlobten, sie ärgerte sich darüber! Es war die Selbstliebe dieses eitlen, weltsüchtigen Mädchens, welches es nicht leiden mochte, daß andere, seien sie ihr auch noch so gleichgültig, etwas vor ihr voraus hatten, daß andere taten, was sie selber noch verschmähte, daß auch ohne ihr eigenes gutes Beispiel überhaupt Verlobungen zustande kamen. Sie sprach darüber natürlich niemals, hätte vielleicht auch gar nicht einmal klar auszudrücken vermocht, was sie fühlte und worüber sie sich nie Rechenschaft gab. Sie galt sich selber als vollkommen, große Selbstherrlichkeit zeitigte jedoch noch stets unherrliche Kleinlichkeiten. " Wer denn?" fragte Nataly nach ihrem überraschten „ Ah!" Unser Adjutant Kamerad v. Fahgant!" Jürg sprach es ordentlich feierlich. „ Ah! Also der Leutnant v. Fahgant!" Nataly zuckte die" Achseln. Sie mochte ihn nie sonderlich, diesen unschönen Offizier, wenn man ihn auch für sehr klug und tüchtig hielt. Das mochte er ja wohl sein, sie hätte ihn jedoch nie genommen, bewahre, hatte auch nie an ihn gedacht, aber daß er sich verlobte, ärgerte sie nun doch,- zu verloben brauchte er sich trotzdem nicht! ,, Mit wem denn?" fragte sie spöttisch- gespannt. ,, Rate mal, Natterchen!" lächelte Jürg honigfüß und knabberte an einem Knöche!.., en. „ Ach geh' doch!" wehrte sie ungeduldig ab,- ,, wird's nun bald was?" ,, Na, weil du es bist!" Also mit Gretchen Konner!" Wa- as?" Nataly setzte sich mit einem Ruck aufrecht, sodaß etliche Fruchtbonbons herunterrollten. Mit Gretchen Konner? Dieses 17jährige Ding, das kaum trocken hinter den Ohren ist und voriges Jahr erst eingesegnet wurde? Ist der Mensch närrisch?" " Jung gefreit hat Niemand gereut! heißt's ja wohl, na, die kleine Grete Konner ist im übrigen schon ganz hübsch angewachsen und' ne niedliche Krabbe dazu, auch ganz chic und sicher im Benehmen! Und der Olle, was meinst du wohl, ein friminelle einem Freispr bollständig achten nicht gl นา Busche durch borgerufen schieden fei even annal deren Erfrant ausgelagt viele aber bleibt b gewalttätig entre form un