tr. 136. bonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg. ,, Saus gebracht 60 Bfg., durch die Poft bezogen siertelfährt Mr. 1.50. Brott@ betlagen: Oberhefftfche Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Bas Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Montag, den 13. Juni 1904. Gießener 13. Jahrgang. Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz Ober heffen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. fenit 15 fa. Reklamen die Petitzeile 30 refp. 40 Pfg. Boftzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 88. Fernsprechanschluß Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblaff) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wezlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Der neue Mittelstand. CB Die Forderung von Kaufmannsgerichten, sowie auch die Organisation der Angestellten in großen Fabrikbetrieben fab Waxdgebungen einer Erwerbsklasse, die sich mehr und nehr konsolidiert und anscheinend berufen ist, anstelle der zurichweichenden gewerblichen Mittelstandsbevölkerung die Rolle eines neuen Mittelstandes zu spielen. Dieser neue Mittelstand steht ungefähr auf der gleichen Stufe der Lebenshaltung toie die bessere Handwerkerschaft bis zum Anbruch der Großbetrieb ära. Seine wirtschaftliche Lage ist vielleicht jogar noch etas günstiger. Dafür aber ist seine soziale Loge uns so weniger günstig, weil auch dieser Stand, wie alle 1: Privatdiensten stehenden Berufe, von den Konjuntaren abhängig ist. Nach der bisherigen Statistik sind ebea 2 Prozent der Brivasbeamten durchschnittlich je 167 Toge im Jahre ohne Stellung. Eine Betriebsvereniging 3h schen zwei großen Unternehmungen, wie z. B. den Siemins- und der Schuckertwerken, und eine Banffusic: wirft Hunderte und Hunderte von Privatbeamten auf das Pflaster. Der Großbetrieb bietet ihnen eine bessere wirtschaftliche Friftenz und eine freiere Stellung als der Klein- und der Maddelbetrieb; eine Erscheinung, die, man denke an den Bcrliner Bäckerstreif, auch bei der Arbeiterschaft zutrifft. Dafür aber ist die Stellung auch weniger gegen die Stürme un leberraschungen des wechselnden Geschäftsganges gefici. Unter Berücksichtigung dieser Verhältnisse ist es begreiflich, daß die Privatbeanten auch von dem Staate eine ähnliche Fürsorge verlangen, wie sie den beitern gewährt find. Sie haben mit den Arbeitern das proletarische Moment der sozialen Abhängigkeit und Unsicherheit gemeinsam, wenn sie auch wirtschaftlich auf einer höhern Stufe stehe. Den vielfachen Bemühungen des Ausschusses für die staaliche Versicherung der Privatangeftellten ist es tatsächlich gehungen, den Staatssekretär Grafen Posadowsky insoweit für den Plan einer obligatorischen Versicherung sämtlicher Brivatangestellten auch solcher mit einem Einfommen bon mehr als 2000 Mark zu interessieren, daß mit der nächsten Volkszählung im Jahre 1907 zugleich eine Erhebung über die wirtschaftliche soziale Lage der Privatangestellten stattfinden soll. Inzwi, en aber schreitet die Organisation mit gleichzeitiger Dezentralisation weiter fort. Dezentrali Fiert ist indes nur der Verband, die Verbandsagitation wird durchaus in streng zentralem Sinne geleitet und zwar ar= beitet sie für drei Ziele: 1. Erweiterung der Bildung durch obligatorischen Fachschulunterricht für Nachwuchs, 2. Schaf= fung eines Privatbeamtenrechtes zur Beseitigung der KonSurrenzflausel, sowie Regelung der Dienstverträge und der cechtlichen Behandlung der Kautionen und Regelung der Bensionsverhältnisse, ind 3. tessere Regelung der Arbeitszeit und Kündigungsfristen. Das sind Forderungen, die entschieden eine jede Partei bertreten fann, und es bedarf daher, um zum Ziele zu gelangen, nicht einer Ausgestaltung der Organisation zu einer bestimmten politischen oder wirtschaftlichen Partei. Die Biele werden vielmehr erreicht, wenn die Privatbeamten ihren perfönlichen Einfluß innerhalb der einzelnen Parteien dazu benutzen, um diese für ihre Zwecke zu gewinnen. Der Herero- Hufftand. Ein Teil der Ovamboneger, die unter der Botmäßigteit des deutschfeindlichn Kapitäns Ne cha Ie stehen, nimmt an dem Aufstand der Herero tätigen Anteil! Das ist die wesentlichste Mitteilung in der neuesten Depesche Leutweins. Sie besagt: Die Nordabteilung 3ülow hat am 29. Mai Otawi erreicht und klärt Otjenga auf. Coblenz ist von Oberleutnant Volkmann wegen Bassermangels und Krankheit aufgegeben. Der Fluß Omurambu- UaMatako wird durch Spione beobachtet. Der Ovambohäuptling Nechale soll den Posten Na mutonizerstört und den Herero viel Munition verkauft haben. Die 9. Kompagnie steht noch unberitten in Okahandja, sie soll den Verpflegungsnachschaub decken. Namutoni ist eine kleine Militärstation im Norden des Schutzgebietes, dicht an der Ovambogrenze. Gleich zu Beginn des Hereroaufstandes hatte Nechale die nur mit sechs Weißen besetzte Station überfallen. Seine Leute mußten aber mit blutigen Köpfen abziehen, und die kleine Besazung Fonnte sich nach dem Süden durchschlagen. Die Station war seitdem verlassen. Nechale hat bekanntlich schon neulich den am Waterberg stehenden Herero Munition geliefert. Nach der Niederwerfung der Herero ist infolge dieses Eingreifens Nechales eine Aufrollung der Ovambofrage unerLäßlich geworden.- Privatnachrichten über Leutweins Vorgeben wissen noch zu berichten, daß die Kolonnen Estorff und Reutwein durch die Witboois miteinander Fühlung genom men haben. Beide Kolonnen werden jetzt die Stellung der Herero am Omuramba genau erkunden. Samuels Streitmacht soll dort bei Okosongoho und Okahitua versammelt fein, während kleine Abteilungen herumstreifen und die tappenstraße Omaruro- Dutjo beunruhigen. Der Nordafteiluna Rülow aelana es, mit der Abteilung des OberTeutnants Boltmann in Grootfontein durch beiderseitige Patrouillen in Berbindung zu treten. Die Cinkreisung der Herero ist also nach Norden, Nordosten, Osten, Südosten und Süden vollzogen. Der Krieg in Oftalien. Die Berichterstattung aus beiden Lagern bringt nod immer nichts wesentliches über die Situation bei und in Port Arthur. Bu es scheint, sind aber alle Gerüchte über größere Gefechte auf phanta aihe Erfindungen zurüd... führen. nerdings sind die Belagerten im stande, Nachrichten an:? der Hestung herausgelangen zu lassen. Junkentelegrappie Port Arthur- Tschifn. ie mus Tschifu gemeldet wird, hat der japanische Kons entdedt, daß der dortige russische Konsul jede Nacht einen drahthen Telegraphenapparat an seine Fahnenstange befestive um drah lose Depeschen aus Port Arthur aufzufangen. Es wurden diplomatische Verhandlungen in dieser Angeles n= hei: erfolgen. Die Nachricht wird auch von anderer Sche bestätigt und zualeich hinzugefügt, daß die Russen geen= wärtig dabei sind Goldenen Hügel ver Port Arthur nee Befestigungen anzudros Während die Berichterstattung von dem auf der Liautung halbinsel belegenen Teil Kriegsschauplatzes somit gäng fich versagt, liegen reichline Naά richten über die Gefechte dei Jönehwanghtscheng vor. Doch bringen aus sie nichts neues, sondern nur intereffante Einzelheiten über bereits bekannte Vorgänge. 7. Juni wurde um 5 Uhr morgens eine russische Abteiluna, die sich auf der Straße nach Hijanamyn als Sicherheitswac befand, vom Gegner angegriffen, weldje etwa eine Brigade Infanterie mit zwei Batter en und drei Eskadrons stark war. Der Chef der russischen Abteilung gab nach heftigem Gefe den Befehl, zum Finschuilinpaß zurückzugehen. Auf russisa.cr Seite wurden drei Offiziere verwundet und gegen 100 Mann getötet und verwundet. Die Verluste der Japaner sollen groß gewesen sein. Sie gehörten zur zwölften japanischen Division. Die Politik. Hauptversammlung des Zentralfomitees für Sax ärztliche Fortbildungswesen in Preußen gab sich besonders lebhaftes Interesse für den Punkt der Zagrdnung kund, der das Verhältnis des Zentralfomitees zu den fünftigen Akademien für praktische Medizin betraf. Die anwesenden Regierungsvertreter gaben nähere AufIlärung über Wesen und Aufgaben der Akademien. Was das ärztliche Fortbildungswesen anlangt, so sollen die Akademien in Gemeinschaft mit dem Zentralfomitee und dessen lokalen Vereinigungen wirfen. Was das praktische Jahr der Mediziner betrifft, so sollen die Akademien ebenso wie die Hospitäler die Gelegenheit zur Absolvierung des praktischen Jahres darbieten, ohne daß hierdurch für die Akademien ein Monopol geschaffen würde. Im gleichen Sinne endlich solle an den Akademien auch eine spezial. ärztliche Betätigung ermöglicht werden. Balkan- Staaten. A zwei Requiems fanden am Jahrestage der Ermordung des serbischen Königspaares in Belgrad statt. Eines für einen der Mörder Alexanders, den Oberstleutnant Naumowitsch, der ums Leben kam, als er die Tür zum Schlafzimmer des Königspaares mit Dynamit sprengte. Diesem Requiem wohnte der Ministerpräsident, der erste Adjutant des Königs, Oberstleutnant Milosevitsch, der Kabinettschef des Königs, Nenadovitsch, der Stadtpräfekt und zahlreiche Offiziere bei. Ihre Anwesenheit bedeutete also die Sanktion des Königsmordes durch die gegenwärtigen Machthaber, auch durch König Peter. Das zweite Requiem galt dem ermordeten Königspaar und den Brüdern Dragas. Das niedere Volk Belgrads nahm an der Feier teil, vom Hofe und aus der Gesellschaft war niemand zugegen. Vielleicht stellt die Haute volée von Belgrad sich dafür in den Versteigerungstermin ein, der in nächster Woche in Belgrad stattfindet, und den Verkauf des gesamt Mobiliars des alten Konaks aus dem Nachlasse des Köni Merander zum Zweck hat. Da kann may vielleicht für Liliges Geld wertvolle Ankäufe machen... Deutfcher Reichstag ( 96. Sikumg) CB Berlin, 11. Sumi. Heur bestätigte sich wieder enrunal de alte Erfahrung, daß sie umfangreichsten Tagesordnungen gewöhnlich in der fürzesten Sett erledigt werden. Nicht weniger als 29 Gegenhände, 13 Wahlprüfungen und 16 Betitionen, standen zur Beratung, und furz nach 4 Uhr erfolgte bereits der Schluß der Sitzung. Emzig eine Eingabe wegen Befreiung der Därme von der Fleischbesbaut und Erleichterung der Einfuhr von Därmen und Pökelfleisch zur Burstiabrikation rief eine etwas ausgedehnte Agrardebatte hervor; sonst wurde alles von der Tagesordnung abgesett. was zu eingehenden Erörterungen hätte führen können. Der Rest wurde fast ohne Disfussion aufgearbeitet. 4 Preussifcher Landtag. Haus der Abgeordneten. ( 80. Sigung.) RK Berlin, 11. Juni. Unter den Vorlagen für die heutige Sigung war ledigdas Gesez über die Erhöhung des Grundfapitals der Seehandlung von allgemeiner Bedeutung. Die Debatte bewegte sich aus rein finanztechnischem Gebiet und ihr Ergebnis war schließlich die Ueberweisung des Entimurfs an die Budgetfonimission. Zum Schluß der Sitzung wurden in einmaliger Beratung die Berichte über Reisen zum Studium -der in anderen Bundesstaaten und in Auslande getroffenen Maßnahmen zur Förderung des Kleingsverbes durch Kenntnisnahme erledigt. Ein Regierungsvertreter erklärte, der Handelsminister werde auf dem betretenen Wege weiter fortschreiten. In diesem Jahre sollen im Anschluß an die Weltausstellung in St. Louis Kommissare Amerika bereisen, im nächsten Jahre sollen Studienreisen nach Frankreich und den Niederlanden, vielleicht auch noch nach andern Ländern folgen. Hierauf vertagte sich das Haus. Hof und Gesellschaft. Der Kaiser erschien zur Besichtigung des Regiments Gardes- du- Korps und des Leibhusarenregiments am 11. d. Mts. bereits um 6 Uhr früh auf dem Bornstedter Felde, wohin ihm um 7 Uhr die Kaiserin nachfolgte. Nach der Besichtigung fand ein Ererzieren im Feuer statt. Hierzu war herangezogen ein Bataillon des 1. Garderegiments z. F., wobei der Kronprinz die 2. Kompagnie als Hauptmann führte; ferner waren herangezogen die Unteroffizierschule und zwei Batterien des 4. Gardefeldartillerie- Regiments. Nachher fand Kritik und Parademarsch der gesamten Truppen statt. Der Kaiser setzte sich an die Spitze des Regiments Gardes- du- Korps, dessen Uniform er trug, und führte dasselbe durch die Stadt nach der Kaserne, wo er am Offizierfasino das Regiment vorbeidefilieren ließ. Darauf nahm der Kaiser am Frühstück des Offizierkorps teil. Der Uebung wohnten Prinz Friedrich Leopold sowie die fremdherrlichen Offiziere bei. Nab und Fern. Zu dem Mordanschlag auf den russischen Gesandten in Bern verlautet weiter, daß der Verion:: ocie, nachdem ihm die Kugel aus dem Stirnbein entfernt worden ist, fieberlos und außer Lebensgefahr ist. Entgegen der anfänglichen Auffassung hat das Attentat nichts mit Politik zu tun. Der Täter, Ingenieur Jlnici, war seit einigen Tagen vollständig mitteltos, was ihn zur Verzweiflung getrieben und zu dem Attentat auf den Gesandten veranlagt hat, der, wie er glaubte, ihm feindlich gesinnt sei. Ilnicki hat sich nach der Tat keineswegs geflüchtet, sondern freiwillig den nächsten Polizeiposten seinen Revolver überreicht, worauf er auf die Polizeiwache geführt wurde. Dort wurde er unbegreiflicherweise, nachdem er Namen und Wohnung angegeben hatte, freigelassen. Erst als die Bundesanwaltschaft bei der Berner Polizei die sofrctige Verhaftung verlangte, wurden Geheimpolizisten beauftragt, den Täter zu verhaften. nicki stellte sich denselben freiwillig. Er wird vor ein eidgenössisches Schwurgericht gestellt werden. Jlnicki soll an Verfolgungswahnsinn leiden. Im vorigen Jahre reiste er nach Darmstadt, um dem Kaiser von Rußland persönlich ein Anliegen vorzutragen; dort soll ihm ein kaiserlicher Sekretär versprochen haben, seinen Fall dem Kaiser vorzulegen. Auch in Kopenhagen ist er bekannt. Er wurde im Jahre 1891 aus Dänemark ausgewiesen, weil er am 6. September 1891 eine Bittschrift in den Wagen des Kaisers Alexander III. geworfen hatte, als der Kaiser vom Bahnhof sich nach der russischen Kirche begeben wollte. Ein Dollarkönig gestorben. Der bekannte amerikanische Millionär Leiter, der Schwiegervater des Vizekönigs von Indien, Lord Curzon, ist plöglich im 70. Lebensjahre gestorben. Leiter hinterläßt etwa 30 Millionen Dollar. Ein neuer grausiger Leichenfund in Berlin. Während das furchtbare Rätsel des Fundes eines weiblichen Rumpfes im Charlottenburger Verbindungskanal noch seiner Aufklärung harrt, ist die Reichshauptstadt schon wieder durch ein ähnliches Verbrechen in Aufregung gesezt worden. Am Schiffbauerdamm wurde die Leiche eines neunjährigen Mädchens aus der Spree gelandet, von der, gerade wie im ersten Falle, Kopf und sämtliche Gliedmaßen mittels eines scharfen Instruments glatt abgetrennt sind. Die Tote wurde als die seit dem 9. d. M. aus ihrer elterlichen Wohnung verSchwundene Tochter Lucie des Zigarrenmachers Berlin rekognosziert. Alles deutet auf einen Lustmord. Der Verdacht richtet sich gegen zwei junge Leute von etwa 20 Jahren, die die Kleine und zwei ihrer Freundinnen an dem kritischen Tage belästigten. Falscher Verdacht. Wie aus Dresden gemeldet wird, wurde der österreichische Graf Resseguier de Miromont, der im Verdacht stand, sein Kind infolge Mißhandlung getötet zu haben, aus der Haft entlassen. Der Verdacht hat sich Is unbegründet erwiesen und soll auf müßigen Klatsch zurückzuführen sein. 16 an. Dann unterbrach sie das Schweigen. fcheine sagte sie. ich, die Unbekannte, amerifa benkt der Zandmann anders. Ich fürchte, daß nötigen idealen Grundsäßen, in unserem nüchternen Endeffen beritehe und würdiac ich Ihre Den etwas Edles in einer derartigen Anschauungsweise," Hier in Europa huldigt man noch den Europäern zu praktisch erEs liegt wegen liebt. er prattisch ist Sie sehen die Sache etwas start durch die amerikanische nicht zu denen gehört, die sich von der Welt niedertreten Außerdem wünsche ich, daß Brille an. Bielleicht 1" gleich In nen so eifersüchtigen Menschen gesehen." füßte, in zweistündigem sehnsüchtigen arte er das Mädchen fest in seine Arme schloß und sie herzhaft Nein, Dich laß ich nicht wieder," fuhr er fort, während meinem ganzen Leben habe ich aber fei= und in der Vorschau zum Gordon- Bennet- Rennen. ( Sonderbericht unseres Sportberichterstatters.) Homburg v. d. Höhe, 11. Juni. Die Welt des Töff- Töff steht schon seit Wochen und Monaten förmlich auf dem Kopf, denn im Taunus angesichts des historischen Saalburgcastells wird sich am 17. Juni ein Automobilrennen abspielen, wie seinesgleichen nie dagewesen ist. Der Kampf von sieben Nationen um den Gordon- Bennetpreis. Mr. Gordon Bennett, der Besitzer des„ Newyork Herald", hat im Jahre 1899 dem Automobilklub de France den Wanderpreis gestiftet, den die beiden ersten Male Frankreich, das dritte Mal England und das vierte Mal Deutschland( Jenazi auf einem sechzigpferdigen Mercedes- Wagen der Daimler- Werke, Cannstatt) gewann. Da nach den Bestim= mungen der Ausschreibung der Preis immer in demjenigen Lande verteidigt werden muß, das ihn gewonnen hat, so kommt eben das diesjährige Gordon- Bennett- Rennen in Deutschland zum Austrage. Nach vielen Erwägungen und Probefahrten entschloß man sich für die Taunusstrecke, unterftüßt von dem Entgegenkommen der Regierung und dem Interesse, das der Kaiser der Sache entgegenbrachte. Start und Ziel liegen direkt an der Saalburg, zwischen den zu beiden Seiten der Straße amphitheatralisch errichteten Tribünen; die Wegstrecke beträgt 137,5 Kilometer, und führt über Wehrheim, Usingen, Weilburg, Limburg, Idstein, Esch, Königstein, Oberursel und Homburg. Da nach den Bestimmungen die Entfernung mindestens 550 Kilometer betragen soll, so muß die Taunusstrecke demnach viermal abgefahren werden. Gemeldet haben 8 Länder: Deutschland, England, Frankreich, Desterreich, Belgien, Italien und die Schweiz, so daß, da von jedem Lande 3 Wagen( nur die Schweiz stellt einen) in das Rennen kommen, im ganzen 19 Wagen, in Zwischenräumen von 5 Minuten starten werden. Zwei Wagen der Daimler- Werke in Cannstatt und einer der Firma Adam Opel, Rüsselsheim, werden den Preis für Deutschland verteidigen. Dadurch, daß der Kaiser sein Erscheinen bestimmt zugesagt hat und daß auch Prinz Heinrich von Preußen, der Kronprinz, der König von Württemberg, die Großherzöge von Hessen und Mecklenburg- Schwerin und noch weitere Fürstlichfeiten erwartet werden, erhält der 17. Juni ein ganz anderes Gepräge. Ein elegantes internationales Leben und Treiben wird sich um die Saalburg konzentrieren, wo vom Geheimen Baurat Jacobi zwei große Tribünen zu beiden Seiten der Straße zu 2500 Sigplätzen errichtet werden, die durch einen Tunnel miteinander verbunden sind. Durch Telephon und drahtlose Telegraphic wird man auf der Saalburg anhaltend über den Stand des Rennens in jeder Phase offiziell unterrichtet sein. Was die Geschwindigkeit der Wagen betrifft, so ist anzunehmen, daß die Wagen die Saalburgstraße hinauf ein Tempo von ca. 90 Kilometer erreichen werden, daß dies aber zwischen den Tribünen auf ca. 100 bis 120, und in der Nähe des letzten Podiums wohl auf 140 oder mehr kommen dürfte. Vergleichsweise sei nur hier erwähnt, daß es in Deutschland nur wenige Schnellzüge gibt, die eine Geschwindigkeit von 90 Kilometer erreichen, und das nur stellenweise. Es ist natürlich begreiflich, daß man bei diesem Tempo und bei der geringsten Staubentwickelung keinen Wagen mehr von dem anderen unterscheiden kann, es ist daher jedem der beteiligten Länder eine Farbe für ihre Wagen vorgeschrieben, und so fährt Deutschland, weiß", Desterreich schwarzgelb", Italien schwarz", England„ grün", Frankreich„ hellblau", Belgien gelb" und die Schweiz„ rotgelb". Um die Staubentwickelung zu mildern, die für die in furzen Zwischenräumen folgenden Wagen eine Gefahr und für die Zuschauer und die Bewohner der zu passierenden Ortschaften eine Plage bildet, werden sämtliche Orte, Kurven und die Straßen im Saalburggelände mit Del- Westrumit besprengt, ein Verfahren, das sich jetzt an der Reviera bewährt hat. Die Absperrungsmaßregeln werden äußerst streng gehandhabt werden. Bei der Lärge der Strecke bedarf es hierzu begreiflicherweise eines ungeheuren Personals. Alle 100 Meter wird ein Bosten stehen, jede Ortschaft wird über Ablösungsmaterial verfügen und alle Zufahrtstraßen werden von morgens 4 Uhr ab gesperrt sein, ausgenommen einige ,, neutralisierte" Städte und die direkten Zufahrtstraßen nach der Saalburg. Es darf am 17. Juni außer den Rennwagen und den Funktionären kein Mensch die Rennstrecke betreten, ausgenommen eventuell Werzte, die aber dann nur in der Fahrtrichtung an ihren Bestimmungsort gelangen dürfen. Bleibt zu hoffen, daß Deutschland wieder den Bokal gewinnt und damit unserer Industrie unberechenbare Vorteile einiträgt. Der Wildhirt. Eine oberhe ssische Dorfgeschichte von J. Becker. ( Fortse hung) ( Nachdruck verboten.) Im Gesicht des Wildhirten kam das Raubtier wieder zum Ausdruck. Das Messer warf er fort. Er mochte sich wohl denken, daß er jetzt einen Gegner hatte, bei dem teine Hoffnung mehr zu heaen war. " Ich kenne Did), Eursche," sagie Wagner, immer noch mit seiner Büchse im Anschlag, ,, und ich weiß, daß Du' n gefährliches Subjekt bist. Ich möcht' Dich aber gern mit ganzen Knochen in's Doi kriegen, und barum ist's besser, Du hast kein Messer. Nun Marsch! Vor mir her!" Wie auf Kommando sezte sich Tophel in Bewegung und schritt nach der Lehmkaute hin, über welche der Weg in's Dorf ging. Wagner folgte mit geschulterter Büchse. " Jezt hast Du fein Messer, und da hat's keine Gefahr mehr," sagte der Forstlaufer spöttisch. Im Innern Tiophel's fochte es. Hätte er nur seine Büchse zur Hand gehabt, er hätte es auf ein Duell mit dem Forstlaufer ankommen lassen. Dort links im Lichten Holze lag die Wildhütte, welche er nun jedenfalls auch nicht wieder bewohnen würde. Das war tym noch das Aergerlichste, die Wildhute zu verlieren, an der er mit Leib und Seele hing. Unterwegs begegneten den Beiden auch schon etliche Bewohner des Dorfes, die hinaus in's Feld wollten. Einer blieb stehen, während Tiophel vorüberschritt, und cief ihm zu: Die Million der Karthäufer. R Paris, 11. Juni. Selbst für die Pariser Deputiertenkammer, die an aufregenSen Szenen, an leberraschungen und Enthüllungen gewöhnt ist, war der gestrige Verhandlungstag eine Sensation ersten Ranges. Ein Handstreich wider das Kabinet Combes, geführt von dem ehemaligen sozialistischen Minister Millerand als dem Vorfechter der Ministerclique aus dem Kabinet Waldeck- Rousseau, gab dem Tage seine Signatur. Aber wie überraschend der Angriff nicht nur dem Hause selbst, sondern auch dem Ministerium fam, er blieb erfolglos vermöge der Integrität des greisen Combes, die durch alle Verdächtigungen Millerands hell hindurch leuchtete. Millerand hatte sich bei einer Debatte über das Gerichtsfostengesetz eine schwere Niederlage von seiten Combes zugezogen. Dieser hob hervor, daß Millerand dieses Gesetz, Sas er als eine Ausbeurt ng des Publikums hinstelle, selbst unterzeichnet habe. Aus Wu darüber beschimpfte er Combes durch die Behauptung, er habe den Karthäusern eine Begünstigung gegenüber den übrigen Kongregationen in Aussicht gestellt, wenn sie ihm eine Million Francs zahlten. Ungeheuere Sensation erregte diese schimpfliche Beschuldigung des leitenden Staatsmannes in der Kammer. Alles fah auf Combes, der mit mühsam verhaltener Erregung dastand, als wollte er sich auf den höhnisch seine Beschuldigung vorbringenden Angreifer stürzen. Aber Combes gewann die Herrschaft über sich selbst bald zurück. Mit einer Miene, in der sich Zorn und Verachtung gegen Millerand deutlich widerspiegelten, unternahm er seine Rechtfertigung. Und sie gelang glänzend. In die Grube, die Millerand Combes gegraben hatte, fiel er selbst hinein. Combes erflärte: Zwe Monate, bevor man ihn und seinen Sohn beschuldigte, von den Karthäusern eine Million erhalten zu haben, sei eines Tages bei dem Generalsekretär des Ministeriums( Combes Sohn Edgar), eine Persönlichkeit erienen, die zwei Millionen angeboten habe, wenn dein Parlament ein den Karthäusern günstiger Gesezentwurf Fargelegt werde. Der Generalsekretär hatte dieser Persönfeit geraten, die Schwelle des Arbeitszimmers seines Baters nicht zu überschreiten, es könne sonst geschehen, daß er das Zimmer durch das Fenster wieder verlassen müsse. Später habe man dann Combes Sohn beschuldigt, eine Million von den Karthäusern erhalten zu haben. Eine Untersuchung sei eröffnet worden, die Persönlichkeit, welche Combes Sohn aufgesucht habe, habe sich aber geweigert, den Namen desjenigen zu nennen, in dessen Auftrage er den Schritt unternommen habe. Diese Persönlichkeit, die bei Combes Sohn tregen der 2 Willionen sondiert hatte, sei der französische Kommissar für die Weltausstellung in St. Louis. Während noch die Untersuchung schwebte, sei eines Tages illerand, derselbe Millerand, der ihn jetzt wider besseres Wissen beschimpfe und verleumde, zu ihm, Combes Vater, gekommen und habe ihn gebeten, im höheren Interesse des Landes über die ganze Geschichte zu schweigen. Er, Combes, habe ebenfalls von einer öffentlichen Klarlegung der Sache cine Schädigung wichtiger Landesinteressen befürchtet und i Einvernehmen mit dem Ministerrat auf die Flucht in die effentlichkeit verzichtet. Die Kammer möge jetzt über die Honorigkeit des Angriffs Millerands urteilen. Kaum hatte Combes geendet, da riefen Millerands Freunde immer wieder: Namen nennen! Combes weigerte sich dessen und erklärte, den Namen des Urhebers des Bestechungsversuches zu nennen, sei Sache desjenigen, der diese ganze Geschichte hier wieder aufgerührt habe. Aber Millerand machte Winkelzüge, er erklärte, er werde das Geheimnis, das ihm aus seiner amtlichen Tätigkeit bekannt geworden sei, nicht enthüllen." Damit hatte er nun freilich ver pielt. Blamiert räumte er das Feld, und das Haus beschloß in Uebereinstimmung mit Comles eine Kommission zu ernennen, die über den Bestechungsversuch eine Unterfchung anstellen soll. Ob sie mehr Klarheit schaffen wird. steht noch dahin. Wohl aber wird auch sie nur erweisen können, daß Combes als Charufter intakt St. Vermischtes. [ Der Hofstaat des Kaisers der Sahara.] Wie erinnerlich, hat Jacques I., Kaiser der Sahara, aus dem Hause der Lebaudy augenblicklich in Brüssel sein Hofzelt aufgeschlagen. Wenn er auch seine kaiserliche Würde bescheiden unter einem Herzogstitel verbirgt, so ist er doch von den Großen seines fünftigen Reiches umgeben. Der Chef seines Militär- und Zivilkabinetts" ist Guigues, der als Anwerber und Verteidiger der Matrosen der Frasquita" eine so heroische Role in dem bekannten Brozeß spielte. Guiaues heißt jekt„ Graf Na, habense Dich endlich erwischt? Wo habensen benn friegt, Herr Wagner?" ,, Dort hinten im Breiten Grund.' s hat mir höllische Müh' qefost', aber ich hab' ihn nun wenigstens! Darauf geb' ich heut' Abend' was zum Besten." jonst " Forstlaufer, Ihr braucht Euch nit so zu freuen," sagte der Wildhirt, indem er sich umwandte und stehen ,, in's Loch bringt Ihr mich wahrhaftig nit." " Das lass meine Sorge sein! Nun vorwärts, Der Forstlaufer hob die Büchse, Tiophel marschierte. " Hast keinen Dingler vor Dir," fuhr Wagner fort, und mich triebst Du auch nit in's Wolfsloch, wie den jungen Burkhennersch! Das glaubste doch wohl auch, nit?" - Tiophel erwiderte nichts. Das Gesicht gesenkt, den Blick zu Boden geheftet, so ging er schweigend vor dem Forstlaufer her in's Dorf hinein. " Die Leute, welche die Beiden so die Dorfstraße herkommen sahen, dachten sich schon, was vorgegangen sei. Wagner ging mit seinem Gefangenen zum Bürgermeister. Der bestimmte, daß man ihn so lange in den Pfandstall", der auch zugleich als Dorfgefängnis diente, einsperrte, bis ein Bote die Gendarmen geholt, welche den Wilddieb sofort in's Gefängnis transportieren sollten, denn man durfte ihn, seiner Gefährlichkeit halber, nicht so lange fret herumlaufen lassen, bis ihm der Prozeß gemacht wurde. Man schaffte ihn also sofort in den Pfandstall. Dieser befand sich bei einem Bauern und war weiter nichts, als die Tenne einer noch neuen Scheune, also eines in gutem Zustande befindlichen Gebäudes, aus dem so leicht Niemand entweichen konnte. bon Jouy". Der Sekretär Benoit heißt jetzt Graf Ludes". Hidour, alias Graf von Chigny", ist Vorsteher b Intendanz Seiner tropischen Majestät. Ein Spezialgesant des Monarchen eigenster Mache, ein gewisser Beausy, zo ohne Grafentitel, unterhandelt augenblicklich in Afrika gewissen Scheifs; er soll sie mürbe machen. Herr Guigne " Graf Jouy", sucht mit Hilfe eines Güterschlächters in I nières Lebaudys Liegenschaften in Frankreich an den Ma zu bringen. [ Auf die Form kommi es an.] In den Tagebuchbis tern des früheren preußischen Kultusministers Dr. Robert Bosse, die jetzt veröffentlicht werden, findet sich folgende hübsche Bismarck- Anekdote: Eines Tages kam der vortre gende Rat beim Staatsministerium, Geheimrat Bitelmann, mit dem ablehnenden Bescheid auf irgend eine Eingabe Bismarck. Nachdem der Fürst den Bescheid gelesen hatte, sagte er zu Bitelmann:„ Wie können Sie eine Ablehnung i mhöflich fassen? Sie müssen bei der Abfassung von Be scheiden immer an Franz I. und Karl V. denken. Kenner Sie den Vorgang?" Bitelmann: Nein, Durchlaucht." Bismark:„ Wenn Franz I. ein Gesuch ablehnte, so geschah dies in so bezaubernd gütiger und liebenswürdiger Form, daß jeder, der einen ablehnenden Bescheid erhielt, entzückt und glücklich darüber war. Karl V. dagegen faßte seine Gnaden bezeigungen und die Gewährung von Gesuchen in so bod lederne, steife, verklausulierte Formen, daß jeder, dem er seine Gunst gewährte, sich darüber ärgerte. Daran müssen sie denken, wenn Sie Bescheide entwerfen." Kampf mit Zigeunern. Die Bewohner des Dorte Undenheim a. Rh. wollten mehrere Zigeunerwagen nicht in den Ort hineinlassen. Es entspann sich infolgedessen ein Kampf, wobei die Zigeuner schossen. Eine Person wurde ge tötet und vier Personen wurden schwer verlegt. Einen gefährlichen Kampf mit einem Schmuggler hatte ein italienischer Gendarm bei Cuneo zu bestehen. Er bemerkte in der Abenddämmerung einen Mann, der, mit einem schweren Sack beladen, auf der Alpenstraße daberfam. Er schöpfte Verdacht und fragte den Wanderer, was da trüge; jener antwortete: Kartoffeln. Der Gendarm aber befühlte ungläubig den Sack und erwiderte sofort: Da hast du was ganz anderes drin, als Kartoffeln, du hast Salz! Auf die Worte warf der Unbekannte die Last flink zu Boden und führte mit seinem Stocke einen Hieb nach dem Kopfe des Gendarmen. Dieser verlor jedoch dadurch nicht die Fassung, sondern zog sein Seitengewehr und versetzte dem Schmuggler einen Hieb auf den Kopf, und, als dieser abermals zuschlug, einen zweiten Hieb gegen das Bein. Jezt warf sich der Schmuggler, da er sich in so verzweifelter Lage sah, auf den Gendarmen, packte ihn um den Leib und versuchte ihn in den tiefen Abgrund zu stürzen, der sich zur Seite der Straße befand. Der Gendarm indes widerstand, und nun entwickelte sich zwischen den beiden stämmigen Männern im tiefen Schweigen der Nacht ein grimmiger Kampf, der damit endete, daß beide Ringer den jähen Abhang in die Schlucht hinabstürzten. Im Falle lösten sie sich von der Umarmung, und während es dem Gendarmen gelang, sich am Gestrüpp festzuhalten und sich so zu retten, stürzte der Schmuggler bis in den Grund der Schlucht, wo er mit zerschmettertem Schädel tot liegen blieb. Der Gendarm war so glücklich davongekommen, daß er wieder zur Straße hinaufflettern fonnte. A[ Das verflirte Latein.] Der Streit der Aerzte mit den Krankenkassen hat eine sonderbare Erscheinung gezeitigt. Bekanntlich las man zeitweilig in den Tagesblättern Anzeigen, die die Aerzte warnten, in gewisse Orte zu ziehen und dort angebotene Kassenarztstellen anzunehmen. Diese An zeigen wurden regelmäßig zur Erregung der Aufmerksamkeit mit einer besonderen lateinischen Formel Cavete, d. h. Hütet Euch! und dahinter der Ortsname eingeleitet. Jetzt liest man in einem Anzeigenblatte:„ Gutgehende Bäckerei teilungshalber zu verkaufen. Neu eingerichtet. Eifeler Kornbrot. Knotenpunkt Eifel- Mosel. 3200 Einwohner. Zentrallage". Und oben darüber prangt einladend" in fetter Schrift: Cavete Ehrang! Das verflirte Latein! Es putt ja ungemein, das muß jeder zugeben, aber in diesem Falle wäre es doch besser gewesen, wenn die Annonce weniger ge lehrt, aber dafür zweckentsprechender gewesen wäre. [ Die Folgen eines Brandes.]. Die norwegischen Feuerversicherungsgesellschaften haben sich gezwungen gesehen, die Versicherungsprämie für die aus Holzbauten bestehenden Ort schaften um durchschnittlich 12 v. H. zu erhöhen. Das ist eine Nachwirkung des großen Brandes von Aalesund. Dieser hat nämlich den privaten Versicherungsgesellschaften des Landes mehr als 6 Millionen Mark gekostet, über dreimal soviel wie die Versicherungsprämien aus ganz Norwegen mit Ausnahme der drei Städte Christiania, Bergen und Drontheim. „ Ich werde sofort bei der Oberförsterei und dem Amt Anzeige machen," sagte Wagner zum Bürger meister, und dafür sorgen, daß er bis heute Mittag geholt wird. Aber gebt Acht, daß er nichts anfängt es is ihm nit zu trauen." Der Bürgermeister ließ mehrere junge Burschen herbeiholen, welche den Pfandstall" bewachen mußten Etliche waren im Hof vor der Türe postiert, während andere im Garten, an der Rückseite des Gebäudes Aufstellung genommen hatten. Tiophel berhielt sich Anfangs ganz ruhig. Allein er hatte schon seinen Plan gefaßt. Er begann ein Untersuchung seines Gefängnisses. In der Hinterwand befand sich ein Schalterloch, das in den Garten hinaus ging, in dem aber die Wächter standen. Das sehr massive Schalter war von innen und außen durch starke Riegel geschlossen. Aber das Fachwerk der einen Tennenwand reichte nur bis zur halben Gebäudehöhe, während der obere Teil aus einzelnen Balken bestand welche das Dach trugen. Da, wo das Fachwerk auf hörte, befand sich nämlich nebenan ein Boden. auf dem leergedroschenes Stroh' agerte. Es war Tiophel ein Leichtes, an der Wand hinaufzuklettern und diesen Boden zu erreichen. Eine Umschau in dem ganzen Ge bäude, dachte er, würde wohl nicht schaden. Er überstieg das hoch aufgeschichtete Stroh und kletterte an der anderen Seite des Lagerbodens in einen Futterstall hinab. Hier besah er sich erst genau die Lokalbeschaffenheit. In dem Stalle war es, da die Türe verschlossen, ziemlich dunkel. Aber es befanden sich allerlei Gerätschaften darin, welche in einer Ecke standen: Spaten, Rechen, Hacken und auch eine Art Forts. folgt ** Der der Prinzeffin Wohnung, um befuchen. Der Obstbaube Bießen im Fe feffor Reichelt früheren Borfi Dbftbau des R Areis amtmann nahm die Wahl ben Obstbaubere er auf das Bo die Bürgermei ben Gemeinden Friedberg bie Die Befämpf Infeften, wie Apfelblütwid durch Kallen Schuf der Gi beshalb befcht Meifen, Fliege wurde das ma läufe in diefem widelung gün Reichelt befche Jahre 1904 erzieherischer, beffere Verwer Abfabgebiete. Vorausstellun ftatt, legtere hofft auf eine X Sta Operette des Steingötter.) baron" find fich das Abor Weitere Abon in der Mufit bereits befan als Spieltage find vorgefel mit hervorra Der bolinend Selters höhe Verschiedene daß die M Das Feft, n recht schönen 2 welches geft heffen eine fich errunge welche bis Deutschland erhielten u Karl S Karl M Louis Louis Jean 5 * ** 8 mehreren Ba ftehen. * Der ift gesichert. war in Raf genossenscha abgeschloff n diefe Nachri ** Der * die heffi Gartenb an der dort zu unterstü fenden Kost obft zul AG unternahm A Gr nach Münz hielt die F im Gasthof leider fehr f Kornhaus- G wird, da die A Gri hielt die h interplag Jahre neu h A Qu ftürzte beim zusammen, Arbeiter 23 zur Stelle. AG daß er beim Bettler ein Es gelang, exemplarifd A G jetzt auch beraten un Dorf über d etwas fürze heißt jest Bro ignn", iit Borite Gin Spezialgei gewiffer Beauie blidlich in Afri achen. Herr G Büterschlächters in antreidh an den g Lokales. 12. Juni 1904. ** Der Großherzog nimmt mit dem Prinzen und der Prinzessin Heinrich einige Tage im Schlosse zu Mainz Wohnung, um von hier aus das Gordon- Bennett- Rennen zu besuchen. In den Tagebu ministers Dr. findet sich fol ges fam der Beheimrat Bitelm gend eine Eingabe Bescheid gelejen Sie eine Ablehnu er Abfassung von IV. denken. Nein, Durchla ablehnte, jo ebenswürdiger eid erhielt, entzü en faßte feine On Gesuchen in fo n, daß jeder, den gerte. Daran m erfen." Bewohner des D igeunerwagen mi Der Bezirt Gießen des Oberhessischen Obstbauvereins hielt am Samstag Nachmittag in Gießen im Felsenkeller seine Generalversammlung ab. Proſeſſor Reichelt von Friedberg gedachte der Verdienſte des früheren Vorsitzenden, Regierungsrat Dr. Heinrich, um den Obstbau des Kreises Gießen. Auf seinen Vorschlag wurde Kreis amtmann Hechler zum Vorsitzenden gewählt. Dieser nahm die Wahl an und erklärte, nach ganzen Kräften für den Obstbauverein und seine Bestrebungen zu wirken. Indem er auf das Vorbild der Stadt Lich hinweist, fordert er die Bürgermeister auf, auch ihrerseits im gleichen Sinne in den Gemeinden vorbildlich zu wirken. Professor ReicheltFriedberg hielt dann einen sehr lehrreichen Vortrag über Die Befämpfung der Obstbaumschädlinge". Die schädlichen Insekten, wie Frostspanner, Prachttäfer, Apfelblütstecher und Apfelblütwickler, Blutläuse und Blattläuse, sind am besten durch Kalten und Gürtel zu bekämpfen, sowie durch den Schutz der Singvögel. Der Ober hessische Obstbauverein hat beshalb beschlossen, bei den Versammlungen Nistlästen für Meisen, Fliegenschnäpper 2c. zu verlosen. Von allen Seiten wurde das massenhafte Vorkommen der Blatt- und SchildLäuse in diesem Jahr betont, die Witterung war ihrer Entwickelung günstig. Ein zweites Referat des Professors Reichelt beschäftigt sich mit den Obstbauausstellungen im Jahre 1904 Der Wert der Ausstellungen ist einesteils ein erzieherischer, andererseits ein ökonomischer und bezweckt die bessere Verwertung des Obstes und die Erschließung weiterer Absaßgebiete. In Friedberg findet am 27. September eine Vorausstellung zu der großen Obstausstellung in Düsseldorf statt, lettere ist vom 8. bis 16. Oftober. Professor Reichelt hofft auf eine große Beteiligung der Obstzüchter Oberhessens. X Stadttheater Gießen.( Gastspiel der gesamten Operette des Großh. Kurtheaters Bad Nauheim, Direktion Steingötter.) Die morgige Aufführung des Bigeunerbaron" findet bestimmt statt; doch ist sehr zu wünschen, daß fich das Abonnement bis zur Vorstellung noch heben möge. Weitere Abonnementausgabe findet noch den ganzen Dienstag in der Musikalienhandlung von Ernst Challier statt. Wie bereits bekannt gegeben, sollen hier gewöhnlich die Dienstage als Spieltage festgehalten werden. Als folgende Vorstellungen sind vorgesehen, Don Cäsar" und" Mikado", legere mit hervorragend schöner, gänzlich neuer Ausstattung. Der Gernhardt'sche Zither- und Manbolinenchor zu Gießen war gestern im Restaurant zur Selters höhe zu einer kleinen Abendunterhaltung versammelt. Verschiedene Vorträge auf ihren Instrumenten ließen erkennen, daß die Mitglieder immer Neues zu lernen bestrebt sind. Das Fest, mehr im engeren Rahmen gehalten, nahm einen recht schönen Verlauf. fich infolgede Eine Person wur berlegt. tem Schmuggle bestehen. Er be per, mit einem f abertam. Gr as e da trüge; mm aber befühlte Da hast du was Salz! Auf die Boden und führe Popfe des Gendarm Faffung, fondern dimuggler einen Buschlug, einen Der Samuggler,& Den Gendarmen, po den fiefen Abgrund efand. Der Gender ich zwischen den beide en der Nacht ein gri eide Ringer den je Im Falle löften i dem Gendarmen sich so zu retten, fü Schlucht, wo er Der Gendarm eder zur Straße fi Streit der Herste mi Erscheinung geei Tagesblättern Orte zu ziehen un hmen. Diese der Aufmerksamke rmel Cavete, d. ne eingeleitet. Je Gutgehende Bäder eingerichtet. Eifele 3200 Einwohne teinladend" in irte Latein! Es put ber in diesem Fal nnonce weniger g esen wäre. norwegischen Feun Dungen gesehen, en bestehenden Or öhen. Das ist ein lejund. Dieser b schaften des Land r dreimal soviel egen mit Ausnah Drontheim. försterei und den ner zum Bürge bis heute Mitt r nichts anfäng e junge Burde bewachen mußte poftiert, währe te des Gebäude ng ruhig. Er begann n der Hinterwa eir en Barten hinau nden. Das f außen durch fla wert der ein en Gebäudeh Balfen beftar as Fachwert Boden, auf d war Tiopheld tern und die dem ganzen aden. htete Strohu erft genau war es, da rbodens in ein ber es befand be in einer& - aud eine Fortf. folgt - Von dem 51. Feldberg turnfest, welches gestern stattfand, haben die Turner des Gaues Hessen eine recht anerkennenswerte Zahl Preise- 20fich errungen; soviel wir wissen, ist das die höchste Zahl, welche bis jetzt vom Gau auf diesem aus allen Teilen Deutschlands besuchten Turnfest erreicht wurde. erhielten u. A. folgende Gießener Turner Preise: Karl Schwarz den 4. Preis mit 372 Punkten Karl Müller 12. 33 " " ff " Louis Bepler 14. 32 〃 " " " 25. " " " 261/2 " 30. 24 " " " Es Louis Adam Jean Hof *** Zum Marburger Maurerstreik. Auf mehreren Bauten sollen bereits auswärtige Maurer in Arbeit stehen. H. Ldztg. * Der Fortbestand der Kornhäuser in Hessen- Nassau ist gesichert. Ein Vertreter des Ministeriums aus Berlin war in Kassel anwesend, der mit den hessischen Kornhaus genossenschaften neue, auf 10-20 Jahre laufende Vorträge abgeschloff n hat. In den Kreisen der Landwirte dürfte diese Nachricht freudig begrüßt werden. ** Der hess. Landwirtschaftsrat hat beschlossen, die hessischen Aussteller auf der Internationalen Gartenbau ausstellung zu Düsseldorf, die sich an der dortigen Frühobstausstellung beteiligen, noch besonders zu unterstüßen, durch Uebernahme sämtlicher ihnen erwachsenden Kosten, sodaß die Aussteller nur das Ausstellungsobst zu liefern haben. Grünberg, 13. Juni. Die hiesige Bürgerschule unternahm heute unter Leitung ihrer Lehrer einen Ausflug nach Münzenberg. A Grünberg, 13. Juni. Gestern Nachmittag 3 Uhr hielt die Kornhaus- Genossenschaft Grünberg im Gasthof Zum Hirsch" eine Generalversammlung ab, die leider sehr schwach besucht war. Es wurde bedauert, daß der Kornhaus- Genossenschaft so wenig Interesse entgegengebracht wird, da dieselbe der Landwirtschaft nur zu nüßen bestrebt ist. A Grünberg, 13. Juni. Gestern früh gegen 8 Uhr hielt die hiesige Pflichtfeuerwehr eine Uebung auf dem Winterplatz ab. Es nahmen an derselben die in diesem Jahre neu hinzugekommenen Mannschaften teil. A Quedborn, 13. Juni. Am Samstag Nachmittag stürzte beim Neubau des Herrn Balser das Kaugerüst zusammen, wobei Herr Bauunternehmer Jäger und der Arbeiter Werner verunglückten. Aerztliche Hilfe war bald zur Stelle. ▲ Ettingshausen, 11. Juni. Aus Aerger darüber, daß er beim Betteln nicht genug betam, hat ein etwa 43 jähriger Bettler eine Anzahl junger Obstbäume schwer beschädigt. Es gelang, den Täter in Nummer Sicher zu bringen; eine exemplarische Strafe erwartet demselben. ▲ Ettingshausen, 11. Juni. Der Gemeinderat hat jezt auch über die Eisenbahn Grünberg- Lich beraten und beschlossen, die Bahn soll mehr südlich vom Dorf über die Platte" führen. Dadurch wurde die Strecke etwas fürzer und das Gelände ist dort nicht so teuer als wenn die Bahn durch die guten Wiesen am Dorf geht. I sympathisiert und ihm sein Fest auch dem Aeußeren nach Der Gemeinderat will ferner wissen, wie es mit der Zins- zu unterstüßen bemüht ist. Der Samstag als garantie geht, ob nach Gemeindevermögen oder nach der Seelenzahl. -r Lich, 10. Juni. Der XIX. Oberhessische Feuerwehrtag wird vom 25.- 27. 1. Mts. in unseren Mauern abgehalten. Die Vorbereitungen sind in vollem Gange, sodaß zu erwarten steht, daß das Fest einen schönen Verlauf nimmt. Das Programm ist folgendes: Samstag, den 25. Vorfeier mit Kommerz und Konzert. Sonntag, den 26. Weckruf, Empfang der auswärtigen Wehren, Feuerwehrtag, Uebung der freiw. Feuerwehr Lich, Festzug, Begrüßung, Deforierung der Mitglieder für 25jähr. Dienstzeit, Konzert, Voltsbeluftigung und Tanz. Montag, den 27. Frühschoppen Konzert, Voltsfest und Tanz. n. Einartshausen b. Schotten, 12. Juni. Unter zahlreichem Geleite wurde heute hier das jugendliche Opfer eines recht bedauerlichen Unglücksfalles zu Grabe getragen. Armer Leute Kind von hier, ein Junge von 13 Jahren, hatte sich als„ Weidbub" an einen Verwandten in Beßen rod vermietet, damit er dort außer der Schulzeit und während der Ferien das Vieh hüte. Dieser Tage lief einem Kameraden ein Stück Jungbieh von der Herde weg, das jener durch den Wurf mit einem Knüppel Holz wieder zurücktreiben wollte. Dabei traf er aber seinen fleinen Kollegen so unglücklich in das Genick, daß er nach dreitägigen Krankenlager an den Folgen des Schlages starb. + Aus dem Kreise Wetzlar, 12. Juni. Die neue Ferienordnung kommt nunmehr auch schon bei den Ernteferien zur Geltung, indem mit der angebrochenen Woche für sämtliche Schulinspektionen unseres Kreises( Weglar, Braunfels und Greifenstein) die 14 tägigen Heuferien beginnen. Es ist diese Neuerung von Seiten der Aufsichtsbehörde nur zu begrüßen, nunmehr eine einheitliche Ordnung in die Ferienfrage auch im hiesigen Kreise gekommen ist. Weßlar, 12. Juni. Die am Bahnhof Ehringshausen errichtete Eisengießerei ist in Betrieb gesetzt worden. Zahlreiche Arbeiter aus Ehringshausen und der Umgegend, die sonst ihr Brot auswärts verdienen mußten, finden jetzt dort Beschäftigung. r. Vom Dünsberg. Die Zigarrenfabriken schießen in hiesiger Gegend seit neuerer Zeit wie Pilze aus der Erde. Kaum haben die neuen Fabriken zu Bieber und Crumba ch ihre Pforten eröffnet, so hören wir schon von der Eröffnung einer solchen im benachbarten Frankenbach. Herr Kommerzienrat Gail wird schon in den nächsten Tagen im Saale der„ Gellerschen Wirtschaft" die Arbeit aufnehmen lassen, und es ist nicht ausgeschlossen, daß noch im Laufe des Jahres der geplante Neubau eines Fabrikgebäudes zur Ausführung kommen wird. erster Festtag leitete die Feier durch einen großen Kommers ein, an welchem die hiesigen Krieger- und Militärvereine sowie verschiedene andere Vereine Teil nahmen, vor allen Dingen aber der Bauer'sche Gesangverein durch mehrere Liedervorträge den Abend zu einem recht angenehmen machte. Der 1. Vorsitzende, Hochbauaufseher Grünig hieß in einer Ansprache die Festversammlung und Kameraden herzlich willtommen und legte flar, welche Motive, die Feier in größerem Rahmen zu halten, es waren. Sehr beifällig aufgenommen wurde dann die Ansprache des erst kürzlich nach hier gezogenen Generalleutnant Schmidt, welcher ehemals dem Gardekorps mit angehörte, den Kameraden ans Herz legte, die alten immer sich bewährten Soldatentugenden zu pflegen. Unsere Regimentsfapelle unter Direktor Krauße sorgte mit Gifer für den musikalischen Teil. Der zweite Festtag, der Sonntag wurde schon morgens 6 Uhr mit einer recht marschmäßigen Reveille eingeleitet, den Frühaufstehern und auch unseren Weckbuben reiche Gelegenheit gebend, bei Musik ihren Spaziergang resp. ihre Arbeit auszuführen. Der Frühschoppen am Vormittag im Garten des Hotel Buschmann ließ der Kameradschaft im engsten Kreise freien Lauf; die alten Schlachtenerinnerungen, welche der eine oder der andere schon so oft erzählt, sie wurden wieder lebendig und im Geiste sah sich die Festversammlung auf den blutgetränkten Feldern vor Mez, Sedan, Paris c. Wir jüngeren waren nicht minder stolz, in einem derartigen Kreise verweilen und uns sagen zu können: Unsere Väter sind's gewesen, die das einige Deutschland uns errungen. Inzwischen war Mittag gekommen und gleich danach trafen auch schon die auswärtigen Kriegervereine ein, die mit den hiesigen Bruder- und verschiedenen anderen Vereinen gegen 2 Uhr auf Dswalsgarten sich zum Fest zug formierten. Die neue verhüllte Fahne wurde beim Umzug durch die Stadt von in Weiß gefleideten Mädchen getragen, was einen recht netten Eindruck machte. Auf dem Festplatz( Steins Garten) angekommen, begrüßte der 2. Vorsitzende des Vereins, Herr Kaufmann Kleinhenn, die sehr zahlreiche Festversammlung und nachdem hielt das Ehrenmitglied des Vereins, Herr Professor Dr. Biermann, Oberleutnant der Landwehr, die Festrede und damit die Weihe der neuen Fahne. Herr Professor Dr. Biermann entledigte sich dieses Amtes in sehr sicherer Art, er führte u. a. folgendes an: Diese Stunden lassen die Erinnerung in uns erwachen an die Zeiten, welche das Gardecorps durchgemacht hat, schon vor 200 Jahren haben unter Führung des Fürsten Leopold von Dessau die Fahnen dem Gardekorps vorangeweht, demjenigen Corps, das am treuesten zusammengehalten und allezeit den Herzen und dem Hause der preußischen Herrscher nahe gestanden hat. Den deutschen Fürsten ist es immer die Schule gewesen, um Manneszucht und Pflichttreue sich anzueignen. Dieser Auszeichnung hat sich das Gardecorps aber auch jederzeit würdig erwiesen, man denke nur an die beiden Namen Königgräz und Gravelotte. In beiden Schlachten war es die Garde, die den Deutschen den Sieg hauptsächlich mit errang. Troßalledem liegt is uns fern, so führte Herr Professor Dr. Biermann weiter aus, uns zu rühmen. Suum quique, Jedem das Seine, so lautet die Inschrift des Gardestern. Man soll gerecht sein in allen Sachen, Gerechtigkeit anerkennen, auch daß ein Jeder in allen Lebenslagen keinen Unterschied zu machen bestrebt sein soll. Wir freuen uns, daß so ein Unterschied nicht besteht, dem Gardecorps gehören Stammesbrüder an von Nord und Süd, von West und Often; aus Preußen, Bayern, Sachsen, Hessen 2c. General von Francois, er stammt aus Gedern in Oberhessen, der in der Schlacht von Königgräß mit dem Gardecorps dem doppelt so starten Feinde Stand hielt, bis andere Truppen zu Hilfe tamen, derselbe General war es auch, der dann bei Gravelotte mit der Garde den anderen Kampfesbrüdern Hilfe brachte und zum Siege verhalf. Die Erfolge von 1870/71 sind nur möglich gewesen dadurch, daß alle Stämme mitgeholfen haben. Anhänglia keit an das angestammte Herrscherhaus, die unbedingte Hingebung zu Kaiser und Reich, die Treue zur engeren Heimat und Landesherrn, das ist der Geist, mit welchem wir auch heute unsere Fahne weihen wollen. Erneuern wir heute angesichts der neuen Fahne unseren alten Soldatenschwur und erheben Sie sich und stimmen mit ein in den Ruf:" Se. Majestät der deutsche Kaiser und oberster Kriegsherr und Se. Königliche Hoheit der Großherzog von Hessen und bei Rhein, unser allergnädigster Landesvater, Hurrah!" Donnerähnlich schall es durch den Garten und die ganze Festversammlung sang anschließend das Lied„ Heil Dir im Siegerkranz". Fräulein Kleinhenn überreichte nach dem damit vollzogenen Weiheatte eine weiße Fahnenschleife mit eingesticktem schwarzem Adler und die Vertreter der einzelnen Brudervereine Fahnennägel. Es waren solche gestiftet von sämtlichen Kriegervereinen in Gießen und von den Gardevereinen in Esser, Mez, Berlin, Frankfurt a. M., Marburg und Hanau. Der Vereinsvorsitzende, Hochbauoufseher Grünig, dankte allen im Namen des Cardevereins für die Ehrungen und der Bauer'sche Gesangverein sang:„ Das ist der Tag des Herrn", womit er der Feier eine besonders feftliche Stimmung verlieh. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Dienstag, den 14. Juni. Zunächst noch heiter, später zunehmende (!) Crumbach, 12. Juni. Geleitet von der freundlichen Teilnahme der gesamten Einwohnerschaft Crumbachs, sowie umgeben von zahlreichen Gästen aus nah und fern konnte der hiesige Kriegerverein seine schon lange geplante Festlichkeit am heutigen Sonntage abhalten. Die Crumbacher sind keine Freunde großer und lauter Festlichkeiten, aber wenn es nun einmal gilt, dann ist auch jedermann am Blaze. Und so kann unser Kriegerrerein sich wahrlich nicht darüber beklagen, daß seine anderen Ortseingesessenen ihn bei seinem anberaumten Feste im Stiche gelassen hätten. Das ganze Dorf hatte festlichen Schmuck angelegt und freundliche Grüße und Sprüche zeigten den einziehenden auswärtigen Gästen wie willkommen sie waren. Und an solchen Gäster fehlte es nicht. Von allen Seiten waren sie gekommen und es war nur schade, daß unser Fest so nahe mit der Festlichkeit ( Einweihung des Kreis- Kriegerdenkmals nächsten Sonntag, den 19. Juni, in unserer Kreisstadt Biedenkopf zusammenfällt, denn dadurch hat sich mancher selbst benachbarte Kriegerverein abhalten lassen, unserer Einladung Folge zu leisten. ** Frankfurt a. M., 13. Juni.( Schwurgericht) Vor dem hiesigen Schwurgericht, dessen Tagung heute begann, hat sich heute der städtische Vollziehungsbeamte Heinrich Wagner wegen Unterschlagung bei der Steuerzahlstelle 3 dahter, die seiner Zeit großes Aufsehen erregten, zu verantworten. Wagner bezog ein Gehalt von 2300 Mt. und 270 Mt. Wohnungsgeldzuschuß, außer dem verfügte er über ein Privatvermögen von 1500 Mt. Diese 1500 Mt. hatte Wagner nach und nach dem Vorsteher der„ Steuerzahlstelle 3" Scheld geltehen und als er das Guthaben zurückforderte, war Scheld außer Stande dazu. Scheld trat nunmehr an Wagner heran und bewog thn, Gelder, die er( Wagner) als Vollziehungsbeamter einzog, gemeinsam zu unterschlagen. Wagner gab diesem Anfinnen Folge und trug in die Pfändungsprotokolle erfolgte Pfändungen als„ fruchtlos" ein, trotzdem die Schuldner die rückständigen Steuern thm schließlich bezahlt hatten. Diese Unregelmäßigkeiten famen am 25. März d. Js. an den Tag. Der Zahlstellenvorsteher Scheld machte seinem Leben durch Erschießen ein Ende. Wagner wurde verhaftet und hat sich| heute vor seinen Richtern zu verantworten. Dem Angeflagten wird demgemäß zur Last gelegt, vom November 1902 bis 18. März 1904 einen Betrag von 5672 Mack 51 Pfennig im Amte gesetzwidrig sich angeeignet und als Beamter die Pfändungsprotokolle, sowie die Bücher gefälscht zu haben. + Lorsch, 10. Juni. Der mutmaßliche Mörder des Polizeidieners Schneller wurde heute Mittag im Walde bei Neuschloß durch Gensdarm Winter und Polizeidiener Kronauer festgenommen und in das hiesige Gefängnis eingeliefert. Es ist der 25 Jahre alte Rosenberger aus Bürstadt, der sich im Walde herumtrieb, nachdem er fürzlich aus der Strafanstalt entlassen worden war. Der Verhaftete stammt aus guter Familie. Bei ihm wurde ein scharfgeladener Revolver vorgefunden, den er angeblich zu feiner Sicherheit mit sich führte. Er bestreitet entschieden, die Tat begangen zu haben. Die Fahnenweihe des Garde- Vereins Gießen ist in recht schöner Weise vor sich gegangen. Der Fahnenschmuck innerhalb der Stadt zeigte, daß man mit dem Verein Bewölkung und stellenweise( Westen) Gewitterregen, zunächſt wärmer( schwül), dann fühler. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Marttberichte. *** Fruchtpreise am Grünberger Fruchtmartt vom 11. Juni. Wetzen 17,00-00,00, Korn 14,00 bis-Gerste 14,00, Hafer 14,00-00,00, Erbsen 20,00, Samen 00,00, Kartoffeln 4,50-4,60, Linsen 00,00 Mart. Alles per Doppelzentner. Verantwortlich: für den politischen, vermischten und unter: haltenden Teil Albin Klein Gießen; für den lokalen Teil Karl Klose, Grünberg. Stadt- Theater Gießen. Gastspiel der gesamten Operette des Großh. Kurtheaters Bad- Nauheim. Dienstag, den 7. Juni d. Js., abends 8 Uhr: ( Direktion Steingo: tter.) Der Zigeunerbaron. Operette in 3 Akten von Johann Strank. Preise der Einzelplätze im Vorverkauf bei Herrn Erust Challier wie an der Abendkasse: Loge Mt. 3.-, Sperrsit Mr. 2.50, 1 Parkett Mt. 2., 2. Parkett Mr. 1.50, Estrade Mt. 1.25, Gallerie Mt. 0.50. Der Abonnementspreis für 6 Vorstellungen ist folgendermaßen gestellt: Für Theatervereinsmitglieder: Für Nichtmitglieder: Loge 13,80 Mt. Sperrsitz 11.15. Mr. 1. Parkett 825 " 1 " 2. Parkett 6.90 12.9.7.50 11 " Puppe, Don Cäsar, Zigeunerbaron, Fledermans. Н Arbeitsvergebung. Bekanntmachung. Die zur Beschaffung von vier Ruhebänken für den Friedhof auf dem Rodtberg erforderliche Eisenlieferung Stadt Gießen wird, beginnend und Schreinerarbeit soll Die diesjährige öffentliche Impfung in der Donnerstag, den 16. Juni d. I., vorm. 11 Uhr öffentlich vergeben werden. Mittwoch, den 1. Juni. im Impflokale im Impflokale- Schulgebäude. Neustadt 61- für die nächsten 5-6 Wochen jeden Mittwoch, nach. mittags 5-6 Uhr, abgehalten werden. Impfpflichtig Zeichnung, Arbeitsbeschreibung und Bedingungen im laufenden Kalenderjahr sind die im vorigen Jahre liegen während der Dienststunden bei uns zur Einsicht geborenen Kinder, sowie die Rückständigen aus früheren offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, Jahren. sind spätestens zum genannten Zeitpunkt an uns einzureichen. Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, 10. Juni 1904. Städtisches Hochbauamt. Gerbel. Arbeitsvergebung. Wir laden die hiesigen Einwohner, welche impf pflichtige Kinder haben, zur Benutzung dieser öffentlichen Termine mit dem Bemerken ein, daß alle in denselben borgenommenen Impfungen unentgeltlich sind. Wer die Termine nicht benutzen will, muß die Impfung seines pflichtigen Kindes bis zum Jahresschlusse auf seine Kosten bewerkstelligen lassen, widrigenfalls ihm im Die für die bauliche Unterhaltung des Bürger- Januar nächsten Jahres eine vierwöchentliche Frist zur meistereigebäudes erforderlichen Dachdecker- und Nachholung der Impfung unter Strafandrohung gesetzt Spenglerarbeiten sollen wird. Donnerstag, den 16. Juni d. Js., vorm. 11, Uhr Außer den Pflichtigen werden auch Kinder, welche im laufenden Jahre geboren sind, auf Wunsch ihrer öffentlich vergeben werden. Vertreter geimpft. Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen während Alle in einem Termine geimpften Kinder müssen Vorgesehen sind außer Bettelstudent die Operetten Mikado, der Dienststunden bet uns zur Einsicht offen. Angebote in dem 8 Tage später abgehaltenen Termine zur Nachauf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind bis zum gefchau nochmals erscheinen. nannten Zeitpunkt an uns einzureichen. Zuschlagsfrist 14 Tage. Die Direktion behält sich etwaige Aenderungen vor. Fine Abonnementslifte zur Einzeichnung liegt bei Herrn Ernst Challier auf. Zirkus Wallenda Giessen, Oswalds Garten. Heute Montag, abends 8½½ Uhr: Große Haupt- Vorstellung mit neuem Programm. Aufforderung des Athleten und Ringkämpfers Artur Tonson ( Original- Afrikaner) fordert alle Athleten und Ringkämpfer von Gießen auf zu einem Preis- Ringkampf. Meldung wird an der Kasse entgegengenommen. Wegen Aufgabe meines Geschäfts will ich mein Wohnhaus nebst großen Garten und noch einem Grabgarten sofort verkaufen. Emil Gröninger Wwe. Grünberg, Rosengasse Nr. 16. Für Weinbezug! 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Die Jmpflinge müssen mit reiner Wäsche und rein gewaschenem Körper zur Impfung gebracht werden. wird nur an einem Arme mit Lymphe aus dem Landesimpfinstitut geimpft. Kinder aus Familien, in denen ansteckende Krank heiten herrschen, dürfen nicht in die Termine gebracht werden. Gießen, den 28. Mai 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. J. V. Curschmann. Bekanntmachung. Samstag, 18. Juni, vormittags 11 Uhr, findet in dem Sizungssa al im Bürgermeisteretge: bäude die öffentliche Verpachtung der städtischen Sandgrube an der Rödgerstraße auf die Dauer von drei Jahren statt. Gießen, den 10. Juni 1904. Groß. Bürgermeisterei Gießen. J. V: Curschmann. Bekanntmachung. Nachdem die bei den Versteigerungen festgesezten Termine für die Abfuhr des Holzes bereits verstrichen Tücht. Pflasterer find, fordern wir Diejenigen, welche mit der Holzabfuhr werden gesucht von Heinr. Winn, Baugeschäft, Gießen. & hrlicher, zuverlässiger Mann v. Lande sucht ab 1. Juli Stellung als Bureandiener, Kaffebote 2c. 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Hoflieferant Seiner Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm D. HUNDERBERG- ALBRECHT emper idem, Fabrikation alleiniges Geheimniss der Firma: ausdrücklich: dauernde Arbeit. gesucht. Meldungen nimmt H. Reßler, Lollar. Sie Erp. d. Bl. entgegen. O Für Vereine und Wirte! Bonbücher für Kellner, Eintritt, Garderobe und Küche ( bis zu 1680 Bons enthaltend), das Buch schon von Mark 1,50 an, im Dugend billiger, liefert Albin Klein, Buchdruckerei, Gießen, Seltersweg 83. ୬୦୭୦ 300 Wärter gesucht. Provinzial- Siechenanstalt für die Provinz Oberhessen. GIGO noch im Rückstand sind, hiermit auf, ihr ecsteigertes Holz unfehlbar binnen 14 Tagen aus den Waldungen abzufahren, andernfalls forstgerichtliche Anzeige erfolgen müßte. Gießen, den 10. Juni 1904. Großh. Bürgermeisterei Gießen. J. V.: Curschmann. Bekanntmachung. Wegen vorzunehmender Reparatur kann die Bage an der Margaretenhütte bis auf weiteres nicht benutzt werden. Gießen, den 11. Juni 1904. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Die am 6. Mai 1. Js. angeordnete Sperre der Sonnenstraße, zwischen Schulstraße und Kanzleiberg wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 11. Juni 1904. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Herberg. Bekanntmachung. und Die Westanlage zwischen Bahnhofstraße Schanzenstraße, einschließlich der Bahnunterführung nach der Hammstraße, wird wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten von heute an bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrradverkehr gesperrt. Gießen, den 10. Juni 1904. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. Bekanntmachung. Die Stadt Grünberg beabsichtigt einen schweren Simmentaler Bulleu auf dem Wege schriftlichen Angebots zu verkaufen. Nähere Bedingungen erteilt die unterzeichnete Stelle, wo auch die Offerten bis 20. d. Mts., vormittags 11 Uhr einzureichen sind. Grünberg, am 13. Juni 1904. Großh. Bürgermeisterei Grünberg. 3immer. zum ver Grabenstr. 12. mieten Gießen, Dammſtr. 19. Möbliertes Bimmer zu Schöne Wohnung von 3 Zimmern mit allem Zubehör sofort zu vermieten. 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Er wurde ernst dabei, als er bemerkte, wie die Jahre des Wartens feine Spuren in den anmutigen Zügen des Mädchens zurückgelassen hatten. Aber sie waren verschwunden, als er noch einmal hinblickte, so beten. warm und herzlich hatten seine Augen um Verzeihung geMan vergißt so leicht über den tollen Studentenjahren," sagte er leise. Der volle Strom des Lebens treibt hierhin und dorthin, daß man nicht zur Besinnung kommt. Und wenn uns dann in späteren Jahren die Erinnerung an das einzige überflutet, was uns einmal in sonnigen Frühlingswelche man nicht übersteigen kann." tagen begegnet ist, hat die Zeit eine Schranke aufgerichtet, Mitten in dem Gewoge der bunten Mützen sprach Otto Merenthal diese Worte, als er fortfuhr, waren die beiden durch das Burgtor und in den Frühlingswald geschritten. " Als junger Bursche, Hedwig, konnte ich dich lieben, später habe ich die Verpflichtung, die ich damit übernahm, nicht erfüllen können. Ein unbekannter Arzt, ein Anfänger, konnte dir an seiner Seite kein Los bieten, so bin ich still zurückgetreten. Vergessen habe ich dich niemals! Und wenn ich zweifelten Stimmung gewesen wäre, so hätte ich nicht den nicht in der Erinnerung an jene Zeit in einer so trostlos verdie letzten Moneten durchzubringen. Entschluß gefaßt, nach Studentenart noch einmal mit Anstand Frau. Nicht wahr, Hedwig? Vivat Akademia!" ,, So fand ich eine Aussicht, die alte Liebe und eine junge Und Otto Merenthal schwenkte seine Müze gegen den blauen Himmel. FELD UND FLUR Sommerblumen. Seinen anmutigeren Zimmerschmuck gibt es wohl, als einen Blumenstrauß, der zwischen allen Ziergeräten, die das Kunstgewerbe erzeugt, trob seiner Vergänglichkeit den Eindruck des Lebensfrischen macht. Die zierlichen Porzellan- und Majolikavasen kommen erst vollkommen zur Geltung, wenn sie mit Blumen ge= füllt worden sind, die eine geschickte Hand geschmackvoll zu arrangieren verstand, einerlei, ob es Feldblumen sind oder Blumen aus dem Gewächshause oder dem Garten. Gerade mit Rücksicht auf den Strauß für die Vase oder die Blumenschüssel seien einige Blumen empfohlen, deren Pflege keine Schwierigkeit macht, da der Same einfach auf Gartenbeete gesät zu halten. Manche derselben lassen sich auch verpflanzen, sobald wird und es nur nötig ist, die jungen Pflanzen vom Unkraut frei sie hinreichend kräftig geworden sind, wenn man Sorge trägt, das Umpflanzen gegen Abend vorzunehmen und sie in der ersten Zeit durch Bedecken mit umgekehrten Blumentöpfen gegen die Mittagssonne zu schützen. Da dieselben meistens nur einjährig sind und in den Sommermonaten blühen, hat man sie Sommerblumen genannt. Zunächst ist die chinesische Nelke zu empfehlen, die sowohl in Form, wie in Farbe große Mannigfaltigkeit darbietet. Besonders schön ist Dianthus Chinensis Heddewigii, eine Abart mit großen Blumen in rot und braunrot und neuzeitlich auch verschieden schattiert. Gefälliger im Bau ist die wohlriechende Wicke, Lathyrus odoratus, welche dunkelbraun, dunkelblau, purpurrot, rosa und weiß blüht. Man behandelt sie in derselben Weise wie Erbsen, indem man die jungen Pflanzen häufelt und sie mit ästigem Reisig besteckt, damit sie hoch aufranken können. In glühenden Farben entfaltet sich der Ranunkelmohn, Papaver ranunciflorum nanum, der namentlich ein herrliches Scharlachrot für den Strauß liefert, das in Verbindung mit dunkelgefärbten Blumen ganz außerordentliche Effekte hervorbringen läßt. Auch in einen Strauß aus Feld= blumen paßt der Ranunkelmohn hinein, ohne als Gartenblume aufzufallen. Die Stabiose, welche auf Wiesen und an Wegen ihre wilden Vertreter in graublau und stumpfen Lila hat, kann in ähnlicher Weise wie der Ranunkelmohn verwendet werden. Der Gärtner hat die aus Ostindien stammende Skabiose veredelt und liefert Samen bon der gefüllten Zwergstabiose in folgenden Farben: rot, burburrot. lila. fleischfarbia, weiß, kirschrot, lasur= blau und purpur mit weiß. Sie bedarf fast gar keiner Aufmertsamkeit und ist mit jedem Standorte zufrieden. Phlox Drummondi und Petunien machen wohl den Garten bunt und sind allgemein beliebt und verbreitet, aber sie eignen sich wenig für den Strauß, da ihre Farben an die schreienden Töne des Anilins erinnern und keine Harmonie geben. Die Blumen der Sommer- Phlox ſehen außerdem aus, als wären sie aus Kattun geschnitten. Von schöner Wirkung sind dagegen die Zinnien und zwar die gefüllten, welche sich in der Form der Stabiose nähern, die sie jedoch an Farbenpracht übertreffen. Man hat sie scharlach, lila, goldgelb, weiß, chamois und orange. Die Zinnia wird nach dem Umpflanzen kräftiger und treibt reichlichere Seitenzweige, verlangt aber Sonnenschein und reichliches Begießen am Abend, wenn sie recht volle, leuchtende Blüten hervorbringen soll. Die Zinnia Hageana aus Mexiko hat einen niedrigen Wuchs und blüht glühend goldgeb. Leicht und graziös im Bau ist das sogenannte weiße Vergißmeinnicht, Cynoglossum linifolium, das mit den bescheidensten Plätzen vorlieb nimmt. Das blaue Vergißmeinnicht, Myosotis palustris semperflorens, läßt sich aus Samen ziehen, den jede Handlung liefert, und dauert mehrere Jahre hindurch aus. Ein feuchter, schattiger Standort sagt ihm am meisten zu, doch darf es nicht ganz vom Sonnenschein ausgeschlossen bleiben. Schneidet man mit Umsicht, so blüht es ununterbrochen vom Frühjahr bis spät in den Herbst ebeno schön wie im Freien am Waldesrand und an Gräben. Das azorische Vergißmeinnicht bringt dunklere Blumen als die erstgenannte Art hervor, aber es verfriert in falten Wintern, wenn es nicht mit Laub bedeckt wird. Beide Arten, mit dem erforderlichen Grün, in einen Strauß zusammengestellt, machen einen überaus reizenden Eindruck. Das Kleine Gipskraut, Gypsophila elegans, welches selbst in dem schlechtesten Sandboden gedeiht, sieht im Garten nur unschein= bar aus, ist jedoch mit seinen zahlreichen, weißrötlichen Blüten unentbehrlich für die Blumenschüssel. Das rispenblütige Gipskraut, Gypsophila panniculata, ist ebenso anspruchslos wie dieses, aber eine große Zierde des Buketts. Man hat ihm den wohlverdienten Namen„ Silberschleier" gegeben. Leider wird es selten angetroffen. Die hier aufgeführten Sommerblumen sind weder zu zahlreich, als daß sie einen Garten belästigen, noch als Material für den Zimmerstrauß ungenügend, denn ich sehe voraus, daß Astern, Lebkohen, Reseda und namentlich der duftende Goldlack nicht fehlen. Um Wechsel an Grün zu haben, sät man verschiedene Gräser. Briza maxima und minima, großes und kleines Bittergras, Bromus brizaeformis und die Mähnengerſte Hordeum jubatum sowie die farnblätterige Petersilie und die Perilla nankinensis mit dunkel, roten Blättern. Ein bewußtes Mittel, nicht nur abgeschnittene Blumen länger als gewöhnlich zu erhalten, sondern auch halb verwelfte wieder frisch zu beleben, sei noch mitgeteilt. Man gebe zu dem Wasser, in das die Blumen gestellt werden sollen, zwei bis drei Tropfen Kampferspiritus. Der Erfolg ist ein überraschender. Es war einmal. Die Sonne sintt, die Gassen schweigen, Der Abend dämmert ins Gefild, Das Haupt will sich zur Ruhe neigen Und sucht ein längst entschwunden Bild Im Schlummer wiegen sich die Bäume, Das Bächlein plätschert still zu Tal, Ich zieh' ins Land der Märchenträume; Es war einmal, es war einmal. Mir ist, als ob im Hauch der Winde ,, Es war einmal" das Echo spricht. Daß ich die alte Mär nicht finde: Die Welt ist stumm, verweht das Licht Nur eine Träne fühl' ich gleiten Vom Auge nieder, feucht und warm: Es war einmal bergangne Zeiten, Vergangnes Glück, vergangner Harm! - Nr. 131 Montag, den 13. Junt. 1904. Oberbessische Familienzeitung. Tägliche Unterhaltungs- Beilage der Gießener Neueste Nachrichten. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein. ( 20. Fortsetzung.) Die Rache ist mein. Originalroman von Ottomar Beta Die alte Siederei lag in Asche, und die Holzschuppen rings umher teilten dieses Geschick. Einige höllenschwarze Mauern ragten aus der traurigen Brandstätte empor, von wirbelnden Dampf- und Rauchwolken halb verhüllt, von den immer beangelodert. gierig noch leckenden und nach Nahrung suchenden Flammen Was dort abends vorher sich ereignet, darüber durchwirbelten, in ähnlicher Weise wie Rauch und Flammen, die verworrensten Gerüchte die geistige Atmosphäre der Hafenstadt und hafteten alle an dem einen Namen Erich Staudius. Und dieser Erich lag auf den Tod verwundet und unaus dem brennenden Hause gerettet. bernehmbar im alten Staudiusschen Hause. Man hatte ihn Dieses Man" war nun niemand anders gewesen, als Stöberer. Als er mit seiner Droschke bis an den Siedereiniederstreckte, und er hielt es für das Geeignetste, sofort seine hof gelangte, hörte er den Schuß, welcher den wilden Robert Stimme zu erheben. Und der Droschkenkutscher, welcher bereits wußte, um was es sich handelte, stimmte aus Leibesin den Fenstern von Erichs Wohnzimmer und die Schatten kräften in diesen Ruf mit ein. Stöberer sah den Lichtschein mehrerer Personen. ,, Sie haben ihr Opfer in ihrer Gewalt," dachte er sich, ,, und er ist nur zu retten, wenn man sie verscheucht." Dann Kutscher gefolgt, unverweilt durch die ihm bekannte Seitendrang er, während drei weitere Schüsse fielen, von seinem tür und sah zwei Kerle aus Erichs Wohnzimmer hervorstürzen und nach dem Innern des Speichers zu verschwinden. Stöberer hoffte also, seinen Zweck erreicht zu haben. Der aufsteigende Brandgeruch und der Schein des aufflackernden Strohes aber verkündeten ihm, daß auch die Verschwörer den ihrigen nicht aus dem Auge gelassen hatten. Er eilte also zaglos hinzu und gerade rechtzeitig, um den scheinbar leblos und blutend daliegenden Erich noch in seine Arme nehmen und mit Hilfe des Kutschers ins Freie tragen zu können. Eine gemacht. Minute später hätten Glut und Qualm ihm dies unmöglich wahrscheinlich übel bekommen, denn die beiden desperaten, Aber diese selbstvergessene Hilfsbereitschaft wäre Stöberer durch das Fenſter entsprungenen Kerle, welche durch Glasscherben verletzt im ersten Schrecken sich unter einen Holzschuppen flüchteten, da sie nun gewahr wurden, daß nur zwei unbewaffnete Leute sie verscheucht hatten, stürzten wieder hervor und hatten zweifellos die Absicht, ihrem Werke die stimmiges Geschrei erscholl. Und dies genügte nun, sie vollKrone aufzusetzen, als nun auch vom Wasser her ein mehr ends zu verjagen. Sie flohen in die Nacht hinaus. Das Geschrei aber vom Wasser her wurde lauter. genannter Seelenverkäufer", wie ihn die Kundigen zum Dort landete ein Boot, ein damals noch üblicher soKreuzen des Stromes benützten. Und der Droschkenkutscher lief hinzu, eben als Anton mit seiner Pickart einen Menschen niederschlug, welcher durch die Kanalöffnung aus der Siederei nach der Wasserseite hin ent( Nachdruck verboten.) weichen wollte und sich mit einem Brecheisen zur Wehr setzte, während der Wächter einen anderen in den Kanal zurückjagte. Anton hatte den für einen Fußgänger fürzesten Weg and Ufer gewählt, hatte den Wächter von seinem Schoppen fort. gerufen, und beide waren von der Wyk aus mit dem dort für diesen Zweck bereitstehenden Boot übergesetzt, gerade rechtzeitig, um das Entweichen dieser Menschen zu verhindern und die beiden anderen zu verjagen. Stöberer, der Antons Stimme erkannte, rief nun von fern her: Nicht totschlagen den Kerl!" Und es war gut, daß Anton nicht noch einmal ausholte, denn dieser so in die Hände der Polizei gelangende Verbrecher war der Moritzsche Kutscher. Anton band den nur Betäubten und brachte ihn in Sicherheit nach dem anderen Ufer zurück. Und während Stöberer Erich auf seine Wunden hin untersuchte, rasselte eine Droschke heran, Fiebiger und zwei Polizisten mit sich führend. Franziska hatte im Rathaus zurückbleiben müssen. Und dann scholl auch schon der Hue and Cry durch alle Straßen; vom Turme der Jakobikirche her wurde das Brandzeichen gegeben, die Wächter stießen insgesamt ins Horn, und das Chaos brach herein, während Erich unter Fiebigers und Stöberers Fürsorge verblieb und zu einem nahen Arzt gebracht wurde. Es stellte sich heraus, daß er einen Schlag mit einem Brecheisen über den Kopf erhalten hatte, den nur sein dichter wollener Hut verhindert hatte, tödlich zu werden. Und dazu fam eine lange, schlißartige Wunde im rechten Arm, mit einem Dolchmesser beigebracht. Betäubung und Blutverlust wirkten zusammen, um ihn niederzustrecken. Lange Zeit schwebte er zwischen Tod und Leben. Ein Engel wachte über ihm, dessen Pulsschlag mit dem seinen gleichen Tritt hielt und erst ruhiger wurde, als seine Fieberphantasien sich legten. Franziska war in der Krankenpflege erfahren, wußte mit Eis und Verbandzeug und Arzneien umzugehen wie andere Frauen mit Zucker und Cichorien. Ihr Vater hatte es für einen unerläßlichen Teil ihrer Erziehung angesehen, daß sie sich in diesen Dingen praktisch betätigen lernte. Nicht theoretisch," sagte er immer, aber fürs Verbinden sind die Frauen förmlich vom lieben Gott mit besonderen Nerven begnadet. Sie können einen Menschen mit der größten Kaltblütigkeit sterben sehen, aber sie machen ihm den Eingang ins Himmelreich wenigstens leichter." Der Spötter! Franziska wäre ihrem Patienten in jene Welt, aus deren Schatten kein Wanderer wiederkehrt, höchst wahrscheinlich gefolgt wie eine indische Witwe, wenn der liebe Gott nicht auch ihn mit einer besonders widerstandsfähigen Natur begnadet hätte. Von Lister und Karbol wußte man damals noch nichts, man lebte noch ahnungslos unter Bazillen und Mikrokokken dahin, und das Wundfieber blieb nicht aus. Aber Erich überstand es. Franziska half ihm getreulich dabei; sie teilte gewissermaßen sein Leiden. Kaum, daß sie sich auf einige Stunden dann und wann einmal ablösen ließ, am liebsten von ihrem Vater. Oft warf sie sich diesem in die Arme und schluchzte:„ Alles das duldet er für uns!" eiteres nicht be fann die Wage teßen. ind Kanzleiberg ete Sperre de Gicken. auf weiteres fü Vornahme von nunterführung nhofstraße und Jerrt. en. J. einen schwere gen erteilt chriftlichen di An hen find. rten bis zum berg. ben, Dammit. 19 Zimmer zu va bant. 40 Pfg. rg Fichteft. lod. Timerma Aus Wiener dib rfahren haben, d friedliches Abkomm Die große Wichtig feit eines englisch Fragen auch für di und die Gestaltung vagenden deutsch trägt, veranlagte zu befragen. Sein G folgenden intereffan Die Nachricht vor mindeſten verfrüht; Englands. Während Aufgabe erfüllte neverdings England Weltfriedens aus der Citen feine vorderd nahme Ameritas парте Sie um in der Welt, so b ein der lides Weltreich, das Beibungen von in Australien fcine Bolonien und in E die englischen fir Rußland qui Bug unu C fein in Kußland allerd der Mandschure Ist das nun d SE Hellen, Tage zu stellen porten. Denn d einung dieser in feinen weiteren ad lage ist also japaniſche Ge her Berständigung nkarnation des iffes bezeichnet m loffenen Ohren geschlossen- ab Daß die als un ilden Expedition indet jest nach lärung. Eine Burjäten aus der ibetanern Beistar Machricht Bestätig Mongolei den heil inge in Tibet prei Und der Alte pflegte dann tiefsinnig dreinzuschauen und über diese Worte nachzudenken. Sie waren ihm nicht recht verständlich. Aber das ist ja wohl jedem schon so gegangen, daß er eine Frau nicht recht verstand und ihr doch Recht gab. Oft genug auch sant Franziska neben dem NekonvaTeszenten ins Knie, faßte seine Hand, und dann fielen ihr wohl die Augenlider mitten im Gebete herab, und Ertch fand, wenn er erwachte, ihren Kopf neben dem seinen oder an seine Schulter gelegt und beobachtete ihr Lächeln unter Träumen. Denn sie sagte sich im Traume:„ Du hast ihn gerettet. Du haft ihn an jenem Schreckensabend vom Gange in den sicheren Tod zurückgehalten. Nun ist er dein!" Er war lange Zeit nicht vernehmungsfähig, und man begnügte sich damit, daß er ein Protokoll unterzeichnete, denn die Zeit der Gerichtsverhandlung war da, und die Sachlage war auch ohne Erichs Bekundigungen unverkennbar. Auf die Frage freilich, wie Morig in die Siederei gelangt sein könnte, wußte niemand irgend welche Auskunft zu geben. Auch Erich nicht. Er saß oft im Bette auf und grübelte über diesen Punkt nach, bis ihm Franziska mit erfreulicheren Rätseln diese Gedanken von der Stirn scheuchte. Daß Moritz und kein anderer unvorhergesehenerweise das Opfer des Komplotts geworden war, darüber herrschte tein Zweifel. So furchtbar auch das Durcheinander war, welches sich auf der Brandstätte vorfand, so gelang es doch, aus dem Schutte einige zusammengeschrumpfte und verkohlte Körper aufzustöbern. Der eine, ganz kleine, war alles, was vom wilden Robert und seiner ungeheuren Kraft übrig blieb, und alle Welt war darüber einig, daß es eine Wohltat wäre, ihn los zu sein. Erich wurde von denjenigen, die am meisten unter der Tyrannei dieses Tieres in Menschengestalt mit dem zurückweichenden Breitschädel und den eisenharten Fäusten gelitten hatten, von den Boofkes selber, wie Georg der Drachentöter gefeiert. Sie hätten, sagten sie nun, nie etwas gegen den Amerikaner gehabt, auch nicht gegen seine „ Schnecke". Und Frau Köberlein hätte ganz recht gehandelt, die Verschwörung zu denunzieren. Diese Dame war stolz auf ihre Tat, und ihre Aussage brachte das Gericht auf die Spur von Fäden, welche nach Staudiushof hinaufleiteten. Aber Moritz war verschwunden. Er blieb es von der Stunde an, wo er seine Mutter verließ. Und dieses Fossil von einem menschlichen Wesen, Frau Morig, legte sich in ihren Rollstuhl zurück und antwortete auf alle Fragen mit hämischem Grinsen:„ Sumus umbra! Herein! Umbra!" Sie pflegte diesen Ruf stundenlang zu wiederholen und dazwischen ihre Lache auszustoßen, welche wie das Hacken eines Spechtes flang. Es war flar, daß die alte Dame ihren Rest von Verstand vollends verloren hatte oder sich in unergründlicher Verschmigtheit so anstellte. Sie wurde in ein Asyl gebracht und unter Observation gestellt, und da lebt sie vielleicht noch heute in einem erträumten Mausoleum mit der Aufschrift: Sumus umbra! und ruft: Herein! Tinka- Tinfachen, die Zofe, wurde gefänglich eingezogen, aber man brachte nichts aus ihr heraus, so wenig wie aus dem ehemals Moritschen Kutscher, der von dem Schlage mit der Pickart, den ihm Anton Köberlein gegeben, ein völlig schiefes Gesicht behielt und auf einem Auge erblindete. Dieser Kutscher war der einzige, an den sich das Gericht halten konnte, und dieser behauptete, alle seine Komplizen, die Hauptschuldigen, wie er sie nannte, wären von Staudius erschossen worden oder in der Siederei mitverbrannt. Wenn die Frage aufgeworfen wurde, wie denn aber Moritz in die Siederei gekommen wäre, dann fing er an zu schlottern, zu zittern und zu beben, fuhr hin und her wie von Höllenqualen gepeinigt und schwur bei allen Heiligen, daß er dafür keine Erklärung hätte. Daß aber jener wie der des wilden Robert fast verschmolzene Körper, der sich im Schutte vorfand, der des Moritz gewesen, gilt nach menschlichem Ermessen für sicher. Einige bom Feuer nur wenig versehrte Ringe, welche in diesem Körper, tief eingesunken, entdeckt wurden, hatten Moritz gehört. Außerdem aber fand man nur noch einen im Kanal erstickten oder verbluteten Menschen mit einem Dolchmesser, dem Erich vermutlich seine Wunde verdankte. Er hatte einen Schuß in die Schulter bekommen. Die andern beiden, welche am Komplott und an der Tat nachweislich beteiligt gewesen waren, blieben verschwunden. Man fahndete eine ihnen im geraume Zeit hindurch nach Lande umher und beruhigte sich endlich mit dem Gedanken, daß sie doch wohl mit verbrannt sein könnten, oder daß sie, was auch genügte, hinter irgend einem Zaun an der Landstraße, unter irgend einem Busch auf der Heide ihr unseliges und ungesegnetes Dasein zu Ende gebracht haben müßten. Kaum gelichtet wurde das Geheimnis durch die Stöberersche Aussage. Sie lautete, Moritz hätte sich von seinem Hasse gegen Staudius so weit fortreißen lassen, daß er den Wunsch nach dessen Beseitigung mit wahnsinniger Wut ausgesprochen habe. Es wäre wohl möglich, daß Moriz sich in dieser Begierde an den Schauplatz begeben hätte, um zu lauschen, daß er Erich gefolgt wäre, oder gar, daß die Verschwörer bei derselben Gelegenheit auch ihn hätten berauben und verschwinden lassen wollen. Tinka- Tinka schwieg auch hierzu, und man hätte sie wohl in Freiheit setzen müssen; es fanden sich aber in ihren Koffern zwischen der Bekleidung und den Außenwänden allerlei Wertpapiere, und dies gab Anlaß, auch ihr den Prozeß zu machen. Sie fuhr alsbald im selben offenen Leiterwagen mit dem Kutscher nach Naugard, nur saß der Kutscher diesmal nicht vor ihr auf dem Bock, sondern Rücken an Rücken, und die beiden zankten sich dermaßen um den bequemeren Platz auf dem Strohsack, daß sie eine außerordentliche fühlbare Disziplinarstrafe erhielten, als sie das Ziel ihrer Reise auf rumpligen Wegen endlich erreicht hatten. Man half sich damals noch mit der Drahtpeitsche. In Wahrheit konnte man über die Pforte ihres nunmehrigen Domizils schreiben: Sumus umbra! Sie fanden eine lebenslängliche Versorgung auf Staatskosten. Indessen auch für sie gab es noch eine Ehrenrettung. Denn sie sollen sich in jenen unheimlichen Mauern durch eine so hochgradige Frömmigkeit ausgezeichnet haben, daß einer von der Geistlichkeit sagte, sie würden manchem Weltund Lüstling, der sich leider seiner vollen Ungefesseltheit erfreute, als Muster haben dienen können. Leider muß berichtet werden, daß diese Frömmigkeit beiderseits keine ganz unberechnete zu sein schien. Denn als einer solchen Wut und Wucht von Inkriminationen gegen sie derselben endlich die Zügel schießen ließen, traten sie mit einander auf, daß das Gericht die Motive dieser Geständnisse für verdächtig erklärte und von der Wiedereröffnung des Verfahrens Abstand nahm. endlich darüber einig, daß Erich rechtlich gehandelt hätte. Nicht nur die Geistlichkeit, sondern auch die Laien waren Denn Stöberer bekundete und der Justizrat Fiebiger erhärtete die Aussage, daß Erich Staudius Moriß gegenüber die versöhnlichsten Absichten gehabt und jeden Preis für Staudiushof hätte bezahlen wollen, ja, daß er ihm sein Geschäft mit in den Kauf gegeben haben würde, um des lieben Friedens willen. Ob Erich selber sich so schuldlos fühlte? Es bedurfte der ganzen Aufopferung von seiten Franziskas, um ihn aus den beständigen Zweifeln zu retten, welche noch lange- lange seinen Geist belasteten. Dreiundzwanzigstes Rapitel. ,, Es wird doch alles vergessen," singt der Dichter. Selbst furchtbare Erlebnisse fallen der Vergessenheit anheim. Neue Häuser, prächtigere, bauen sich auf, wo altes Gemäuer einst morschte. Und neue Hoffnungen schlagen Wurzel auf der Brandstätte ungeheuren Unheils. Als ein Jahr vergangen war und die Schlüsselblumen in gelber Pracht im Park von Staudiushof emporgeschossen und rings ein Duft der zahllos dort blühenden Veilchen die Menschen staunen machte, war der Brand der alten Siederei bereits eine alte und vergessene Geschichte. Die Bewohner der Hafenstadt hatten mehr zu tun, als über den Zusammenhang alles dessen nachzudenken, was sich um dieses Ereignis gruppierte. Sie priesen den Namen Staudius und dankten dem Himmel für die Rettung seines Trägers. Auch Erich hat dem Himmel zu danken, aber für eine Rettung ganz anderer Art. Er hat nun wieder die alte Zuversicht. Als er eines Tages auf seinem Krankenlager erwachte und Franziskas Köpfchen neben dem seinen liegend fand, zog er es an sich und küßte die in tiefster Ermüdung Entschlafene wieder wach. ( Schluß folgt.) Verlier den Glauben an die Menschheit nicht Und wahre treu der Jugend Ideale, Scheu' das Gemeine! Schütz der Wahrheit Licht Und die Idee stell' über das Reale. Dein ganzes Sein durchweh' gerechter Sinn, Unlautern Zwecken gib dich niemals hin, Zu jeder Stunde denk und handle edel. Die Fuchstaufe. Novellette von Mar Thielert. ( Nachdruck verooren.) Hans von Korff, Vandaliae, seinem lieben Otto Merenthal zur Erinnerung an ihre gemeinsame Juchstaufe in Kösen." Der junge Arzt drehte das Bild um. Ein lachendes Geicht, auf dessen Nase eine schwarze Paukbrille saß, wie man sie auf den Mensuren trägt, sah ihn an, die Müße mit dem breiten Schirm war tief auf den Kopf gezogen und der Kragen des Regenmantels hoch hinaufgeschlagen. In diesem Aufzug waren die beiden damals bei der Taufe um den Burg hof auf der Rudelsburg geschritten, während von oben Kannen voll Lichtenhainer Bier über sie gegossen wurden. Sie hatten sich gut vorgesehen und die Ströme des Gerstensaftes, mit dem man nach Studentenart die Füchse weiht, gingen ziemlich unschädlich auf sie hernieder. Aber einmal war die Tür zu den unteren Restaurationsräumlichkeiten, gerade als sie wieder daran vorbeigingen, aufgegangen und ein junges Mädchen hatte ihm blizschnell einen Krug Bier n das Gesicht gegossen, daß er eine Zeit lang nichts zu sehen vermochte. Das war die Schwester seines Korpsbruders gewesen, die ihm nachher noch von der Estrade ganz befriedigt und wohl wollend zunickte. Und mit dem blonden Kopf ging gleich einem Frühlingssturm die frohe Studentenzeit durch seine Seele. Wie die farbigen Müßen in der Sonne leuchteten, als sie unter den Klängen der alten Burschenlieder zur Rudelsburg hinaufwanderten und in den Burghof hineinschritten. ..3og herein ein lust'ger Schwarm Sachsen und Westfalen, Mit Borussen Arm in Arm Schwaben und Vandalen. Junges Blut mit flaum'gem Bart, Burschen, schlank wie Kerzen, Auf der Wang' die tiefe Quart, Auf der Stirne Terzen." Wie die Klingen in dem mutigen Ritter in Kösen auf den Tisch gehauen wurden, und das Leben leicht, frei und schön und voller Hoffnungen gewesen war. Wie er an der Seite des jungen übermütigen Mädchens durch das Saaletal gefahren und gegangen war, und der ernste und selige Ton einer tiefen ersten Neigung über alledem mitgeklungen hatte. Das hat sich alles gründlich geändert," sagte der Doktor ironisch zu sich selber. Ich bin hier in dem kleinen Nest ersichtlich eingestaubt. Alle vierzehn Tage darf ich dieser gefunden Menschheit einen Zahn ziehen oder eine Nase flicken, auch ein Kind wird gelegentlich geboren, für welche Dienste ich bisweilen etwas Honorar erhalte, sonst darf ich den Rest meines väterlichen, einst fürstlichen Vermögens hier in Ruhe verzehren, bis eines Tages nichts mehr da sein wird. Schon jezt drehe ich die Taler zehnmal mehr herum, ehe ich sie vertrinke. Das Philistertum hat mich gründlich eingeheimst. Aber wenn auch die letzten Moneten dahingehen sollten, in diesem Frühling will ich doch auf die Rudelsburg ziehen und singen: Die alten Burschen leben noch!" Und so verschrieb sich der Doktor einen jüngeren Korpsbruder zur Vertretung, der eben sein Staatsexamen gemacht hatte und gern bereit war, seine frisch erworbenen Kenntnisse zu verwerten. ,, Keine Illusionen," sagte Otto Merenthal zu ihm, als er ihn voller Tatkraft anlangen sah, dort sind die Zigarren und hier in dem Raum ist der Vorrat an Bier, der nach Bedarf erneuert wird." Und er fuhr schleunigst ab. Als er in Naumburg den Hut mit der roten Müze vertauschte, und ihm die lachende Frühlingssonne auf das gold- rot- goldene Band strahlte, war es ihm in Wahrheit, als wäre er wieder der junge Bursche von einst, voller Mut, Tatkraft und Unternehmungsgeist und nicht mehr der trübsinnige Doktor aus Dingsda, dem das Leben öde erscheint. Zwei lange Vandalen füchse schossen auf dem Bahnhof auf ihn zu und stellten sich vor. Es waren zwei Korffe, Bettern von dem vorhergehenden, und im übrigen die gleichen lustigen Brüder und von guter Erziehung. Sie nahmen ihren alten Herrn in die Mitte und schleiften ihn, wie der Fachausdruck lautet, in den Kreis des Korps, das in einer stattlichen Zahl von Exemplaren versammelt war. Kein Auge konnte bei den verschiedenen Szenen des Wiedersehens trocken bleiben, viel weniger noch die Kehlen. „ Der Merenthal," hieß es ,,, ist mißgünstig auf die Weltordnung geworden. Man muß ihm etwas Mut zutrinken. Korff? Der tobt hier irgendwo in diesem gesegneten Tal mit seinen Schwestern umher, um alte Erinnerungen aufzufrischen. Wo er wohnt? Hier hauſt man, und auch das weiß kein Mensch. Wir werden ihn jedenfalls morgen bei der Fuchstaufe sehen." Und Otto Merenthal stimmte in diesen fidelen Ton mit Stimmung nicht weit über Kösen hinausreichen würde, ließ ein. Wenn er auch im Grunde davon überzeugt war, daß die er sich von ihr doch an die Gestade der goldenen Jugend zuder beiden Schwestern daran beteiligt war, untersuchte er rücktragen. Inwiefern jene Nachricht von der Anwesenheit nicht. Aber er erfuhr noch etwas anderes. Ein älterer Arzt, der Inhaber der Korpsschleife von den Vandalen war, suchte für seine Praxis, der er nicht mehr gewachſen war, einen wieder so energischen Züge seines jüngeren Kollegen sah, in Assistenten. Je länger er in die narbengeschmückten und jetzt denen wieder Lebenslust und die Forschheit des alten Burschen aufleuchteten, umsomehr erwachte in ihm der Wunsch, ihn für sich zu gewinnen. ,, Schließen wir den Handel ab, Herr Korpsbruder," sagte er." Wir bekommen beide den Kopf frei. Dazu tragen wir die gleichen Farben, damit wir uns gegenseitig helfen. Meine Frau ist tot, meine einzige Tochter verheiratet, man muß wieder Anschluß im Bund suchen. Eingeschlagen Vivat Vandalia!" Unter solchen Umständen war es für den jungen Arzt wundervoll, auf die Rudelsburg hinaufzuziehen, immer an der Saale entlang, welche sich durch die Hänge und das Gestein einen Weg geschnitten hat. Von dem anderen Ufer her grüßen die Rebengärten, und am diesseitigen steigen im langen Zuge durch den grünenden Frühlingswald die Studenten herauf. Die Müzen, Pekeschen und alle Farben leuchten unter dem blauen Himmel, die Schläger blitzen und ein Stück Jugend lacht jedem aus den Augen. Oben bei den drei Denkmälern wird Halt gemacht. Dem greisen Kaiser Wilhelm wird ein Gruß entboten. Neben ihm aber steht das Monument, das die Korps dem Jungburschen der Göttinger Hannoveraner, Bismarck, errichtet haben. Er hält den entblößten Schläger in der Faust und von unten sieht der zukünftige Reichshund zu ihm herauf. Auf dem dritten stehen die Namen der in dem Kriege 1870 bis 1871 gefallenen Korpsstudenten. Es ist eine lange Reihe.— Im Burghof entwickelt sich wieder das fröhliche Treiben. Ganz versteckt beobachtete Otto Merenthal seine alte Liebe. Der eine der Korffe hatte sich mit einem unglaublich hohen Kragen versehen und glaubte wohl, so gegen das Eindringen der Flüssigkeit von oben her geschützt zu sein. Aber er hatte die Rechnung ohne seine Cousine gemacht. „ Nein, mein Junge," sagte sie, als er vorüber kam ,,, dae geht nicht. Erlaube einen Augenblick." Und sie fuhr mit ihren schlanken Fingern zwischen Kragen und Hals und gof ihm einen Krug Lichtenhainer in die Gewandung. Entsetzt sprang er in die Höhe und enteilte der gefährlichen Nähe. ,, Bravo, mein Fräulein," rief plötzlich Otto Merenthal mit tiefer Stimme und stand grüßend neben dem ganz er schrockenen jungen Mädchen.„ Das Taufen der Füchse haben wir raus. Ich weiß das doch von früher her." Und seine Augen lachten unter der roten Müße mit dem gold- rotgoldenen Rand, während sie aufmerksam und prüfend in die seines Gegenübers sahen, ob sie darin noch einen Schein von Der Die Nachrichten Türden von höchst armeijen sollten, m Ge In Petersburg Fathur eine groß uffische und vier megangen sein. Bestätigung des tt ist. Das Wladi Beiter verlaut Admirals Strydlon ladivostof am die japanische Flotte eine Schiffe ausli Meldung fehlt jede 10. Juni nach Die rui mahrscheinlich. Aus Kopenhage Geschwader, das Kriegsschiffen bet lei, die Insel Borr ich diese Meldung allergrößten Bid bor Port Arthur heit zur See auf Bericht faum Gla ft, daß die baltife Gin nicht ger angeblich aus Ber Monarchenbeaean