Nr. 111. Mbonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Bfg., n's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertelfährlich Mr. 1.50. Ovatisbeilagen: Oberheffifche Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Freitag, den 13. Mai 1904. Gießener 13. Jahrgang. Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz Oberheffen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Bfg. Reklamen die Petitzeile 30 refp. 40 fg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 83. Fernsprechanschluß Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung). für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberheffen. Penfionskaffen für Kommunalarbeiter. Von einem Sozialpolitiker wird uns geschrieben: In der Leipziger Konferenz für Arbeiterwohlfahrtseinrichtungen wurde am zweiten Verhandlungstage sehr eingehend über eine Pensionskasse für Kommunalarbeiter gesprochen. Derartige Einrichtungen bestehen bereits und zwar hat in Preußen die Stadt Frankfurt a. M. damit den Anfang gemacht, nachdem in Baden Karlsruhe mit diesem sozialpolitischen Versuch vorangegangen war. Gegen diese Einrichtung wurde damals aus gesellschaftlichen Rücksichten sehr scharf Sturm gelaufen, weil durch die Schaffung einer Pensionsund Hinterbliebenen- Versorgungskasse die Gemeindearbeiter förmlich, wie es damals ironisch hieß, zu Kollegen des Oberbürgermeisters gemacht würden, und weil die Reichsversicherungskassen eine derartige Maßregel unnötig machten. Diese beiden Einwände dürften indessen durchaus hinfällig sein. Eine an sich zweckmäßige soziale Einrichtung fann nicht dadurch verwerflich werden, daß gewisse gesellschaftliche Folgerungen daraus gezogen werden, und was die soziale Arbeiter fürsorge des Staates anbelangt, so hat diese einen durchaus subsidiären Charakter. Die Arbeiter sollen für die Zeiten dauernder oder vorübergehender Erwerbsunfähigkeit gegen die dringendste Notlage sichergestellt sein. Der Gesetzgeber hat aber keinen Zweifel darüber gelassen, daß die Alters- und Invaliditätsrenten keine eigentlichen Versorgungen darstellen. Wenn dies der Fall sein sollte, dann würde ungefähr ein Zehntel des Lohnes und vielleicht noch mehr von den Kassenbeiträgen für die soziale Fürsorge aufgezchrt werden. Der Staat hat also durchaus nicht die Absicht gehabt, der Arbeiterklasse die Sorge für die Zukunft vollständig abzunehmen, das kann er schon aus dem Grunde nicht, weil sich daraus unbedingt Konsequenzen für alle Bevölkerungsschichten ohne Ausnahme ergeben können. Es fragt sich nun, ob nicht die Unternehmer ein Interesse daran haben, durch private Wohlfahrtseinrichtungen arbeitsunfähig gewordene Arbeiter oder deren Hinterbliebene gegen die Not des Lebens zu schützen. Eine derartige Tätigfeit und geregelte Fürsorge würde vor allen Dingen einen unverkennbaren moralischen Wert haben, indem sie die Arbeiter seẞhaft macht und einen gewissen Einfluß und zwar günstigen Einfluß auf Fleiß und Gewissenhaftigkeit ausüben. Allerdings hat auch dies, wie alles im Leben, seine Kehrseite. Indem der Arbeiter gezwungen wird, sich durch längere und pünktliche Tätigkeit den Anspruch auf eine solche Fürsorge zu erwerben, wird er in seiner persönlichen Freiheit beschränkt. Aus diesem Grunde sind alle jene Arbeiter, die über das Leben denken, wie der Vogel auf dem Zweig, die um geringer persönlicher Unannehmlichkeiten, oder um kleiner Vorteile willen eine Stelle aufgeben, Gegner von solchen Kassen, zumal sie auch zu denselben Beiträge zahlen müssen. So werden die Wohlfahrtseinrichtungen auch in den Agitationen vielfach als Pressionsmittel und geheime Fallen für die Arbeiter angesehen. Das war die Quintessenz der Erfahrungen, die auf dem Leipziger Wohlfahrtskongreß über die private Arbeiter fürsorge der Industrieunternehmungen ausgetauscht wurde. Dagegen sind erfreulicherweise mit der Fürsorge für Gemeindearbeiter sehr gute Erfahrungen gemacht worden. Der ganze Unterschied gegen früher besteht darin, daß den Arbeitern und den Hinterbliebenen Kassenorganisationen zur Verfügung gestellt worden sind, die einen privatrechtlichen Charakter haben, d. h. mit anderen Worten, ein Arbeiter, der eine festgelegte Ausschlußfrist in pünktlicher und treuer Tätigkeit den Dienst in einer Gemeinde ausgeübt hat, erwirbt ein Recht auf dauernde, unkündbare Anstellung und hierdurch das Recht zur Aufnahme in solche Pensionskassen und später auch ein klagbares Recht auf die Alters- und Hinterbliebenenversorgung. Selbſtverſtändlich können nur solche Personen in die Pensionskasse aufgenommen werden, die als ständige Arbeiter von der Stadt angestellt worden sind. Die nur vorübergehend und auf Kündigungsfrist eingestellten Personen müssen erst den Charakter als ständige Arbeiter erlangt haben, ehe eine solche Gemeinefürsorge für sie in Betracht kommen kann. Daß man aber dem Institut der kommunalen Arbeiterpensions- und Hinterbliebenenkassen eine möglichst weite Verbreitung wünschen muß, liegt klar auf der Hand. Einmal mit Rücksicht auf den moralischen Einfluß, den wir oben dargelegt haben, sodann aber auch, weil solche kommunalen Kassen großen Privatunternehmungen sehr leicht zum Vorbild dienen können und hier ebenfalls die günstige soziale Wirkung ausüben, daß sie wenigstens einen Teil der Arbeiterschaft seßhaft machen und ihm eine bescheidene Behaglichkeit und Sicherheit der Existenz bieten. Der Krieg in Oftalien. A Es soll nun doch auf dem Wege zwischen Fönghwanghtscheng und Liautschang zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen den Armeen des japanischen Generals Kuroki und des russischen Generals Sassulitsch gekommen sein. In Petersburg ist das Gerücht verbreitet, daß eine Schlacht am Motienpak(?) stattgefunden habe. Folgende Einzelheiten darüber, die allerdings amtlich nicht bestätigt sind, werden berichtet: Am Motienpaß kam es zu einem heißen Treffen zwischen den Truppen Kurokis und Sassulitschs, in dem die Russen eine schwere Niederlage erlitten und General Sassulitsch getötet wurde. Man kennt bisher noch nicht die Stärke der Kolonne, welche zur Verteidigung des Motienpasses ausgesandt wurde und aus Infanterie und Kavallerie bestand. Man weiß nur, daß die Infanterie durch die japanische Gebirgsartillerie sehr erhebliche Verluste erlitt. Die Russen hatten entweder ungenügende Gebirgsartillerie oder sie kamen nicht in die Lage, sie günstig zu plazieren. Bekanntlich erregte es allgemeine Verwunderung, daß die Russen nicht versucht haben sollten, wenigstens die vorzügliche Verteidigungsstellung am Motienpaß dem vordringenden Feinde gegenüber auszunuzen. Es klingt deshalb sehr wahrscheinlich, daß dort doch ein Treffen stattgefunden hat. Eine weitere russische Niederlage soll bei Wafungtien stattgefunden haben und zwar durch die zweite japanische Armee, die von der Liautung- Halbinsel aus im Vormarsch nach Norden begriffen ist, um sich mit Kuroki zu vereinigen, dessen Vorposten bereits bei Haitscheng stehen. Aus London liegt darüber das nachstehende Telegramm vor: Die zweite Armee, die in drei Divisionen marschiert, drang schnell vorwärts, um mit Kurokis Armee zu kooperieren, und schlug die Russen mit schweren Verlusten bei Wafungtien. Die japanische Artillerie wurde vorzüglich geleitet. Wafungtien liegt 25 Kilometer nordwestlich von Tafuschen, wo fürzlich eine große japanische Truppenabteilung landete. Wunderliche und widerspruchsvolle Gerüchte laufen über die Lage in Port Arthur um. Nach dem einen soll die Festung befreit und die Ver= bindung mit Mukden wiederhergestellt sein, und zwar durch einen glänzenden Ausfall der Besaẞung von Port Arthur, die die auf der Halbinsel Liautung gelandeten Japaner ins Meer geworfen haben soll. Weiter wird aus Petersburg gemeldet, daß eine Depesche aus Liautschang berichtet, ein nach Port Adams mit Sappeursoldaten abgegangener Zug sei nach Liautschang zurückgekehrt, nachdem er einige in Port Adams mit einem Zuge aus Port Arthur angekommene Personen aufgenommen hatte. Ganz anders stellt dagegen folgende Depesche aus Tokio die Situation hin: Admiral Togo berichtet, seit dem 6. Mai höre man von Port Arthur her viele Explosionen; die Ursache derselben sei nicht festgestellt. Hier in Tokio neigt man der Ansicht zu, daß die Russen, am Erfolge der Verteidigung von Port Arthur verzweifelnd, ihre Kriegsschiffe zerstören, um dann die Festung zu räumen. In Petersburg erklärt man diese Darstellung für ganz unglaublich. Man behauptet, daß noch vor einigen Tagen die Port Arthur- Flotte nicht gänzlich aktionsunfähig gewesen und ihre Torpedofahrzeuge ein japanisches Transportschiff zum Sinfen gebracht hätten. Ueber das Auftauchen russischer Streifkorps in Nordkorea, das neulich gemeldet wurde, liegen jetzt nähere Angaben vor. Nach einer Meldung des Generalmajors Charkewitsch lieferte am 8. Mai die 75 Mann starke koreanische Garnison Pjögdong am Jalu( Korea) ihre Waffen einer russischen Streifwache ab. In der Stadt Pjökdong wurden gegen 700 Pud Proviant und Fourage gefunden, welche für die Japaner vorrätig gehalten worden waren. Am 9. Mai hatte eine andere Streifwache im Medaljenpaß, 10 Werst südlich Pjökdongs, ein Scharmüßel mit einer kleinen japanischen Kavallerieabteilung. Die Russen hatten keine Verluste. Am gleichen Tage besette eine russische Streifwache die Stadt Pjükdongsin am Jalu, 20 Werst unterhalb Pjönkdongs gelegen, wo sie bedeutende Vorräte vorfand und vernichtete. Eine dritte Streifwache hatte am 23. April 35 Werst südöstlich Pjökdong ein Scharmützel mit einer kleinen japanischen Abteilung. Die Russen hatten keine Verluste. Eine russische Streifwache stieß 10 Werst vor Ujon, 50 Werst nordöstlich Bjöfdongs gelegen, am Jalu auf eine feindliche Abteilung, bestehend aus 200 koreanischen Soldaten und 200 japanischen Soldaten in koreanischer Uniform. Der Feind hatte auf steilen Höhen Stellung genommen. Nach heftigem Gewehrfeuer zog sich der Feind nach Ujon zurück. Russischerseits waren 1 Mann tot, 4 Mann verwundet, 7 Pferde tot. Die Chunchusen machen den Russen in der Mandschurei immer noch tüchtig zu schaffen. Am 2. Mai wurde eine russische Streifwache von 8 Kosaken, welche zwischen Sinzintin( 110 Werst östlich Mukdens) und Ziantschan( etwa 75 Werst südöstlich Sinzintins) eine Rekognoszierung unternahm, von einer gutbewaffneten Räuberbande, anscheinend Chunchusen, angegriffen. Im Gefecht wurde ein Kosak verwundet, 3 Pferde wurden getötet, 2 Pferde verwundet. Ferner wurden der die Abteilung begleitende chinesische Dolmetscher und der chinesische Führer getötet. Die Politik. Nach wie vor mühen sich die Engländer, uns wegen des Aufstandes in Deutschsüdwestafrika graulich zu machen. So verbreiten englische Blätter jetzt wieder aus Johannesburg die Meldung, die in den britischen Randminen beschäfrigten Damara liefen heimlich weg, um sich den aufständischen Herero anzuschließen. Es wird wohl- vorausgesetzt, daß die ganze Meldung nicht eine Ente ist weniger Haß gegen die Deutschen oder Zuneigung zu den Herero sein, was die Damaraleute sich auf und davon machen heißt, als Unzufriedenheit mit der englischen Behandlung und Entlohnung der schwarzen Minenarbeiter. Der neue Oberfommandeur in Südwestafrika, Generalleutnant v. Trotha, wird sich beim Kaiser während dessen Anwesenheit in Straßburg i. E. abmelden und am 20. Mai in das Aufstandsgebiet abreisen. Der Stab, den er mitnimmt, ist sehr zahlreich: Es genüge der Hinweis, daß zur Berittenmathung des Stabes 300 Pferde nötig sein werden! In dem Stab wird sich auch ein Geograph befinden, der durch Prof. v. Richthofen ausgewählt wird. A Im Auswärtigen Amt rechnet man neuerdings mit Verwickelungen in Haiti. Die vier Schiffe starke deutsche Kreuzerdivision in Oſtamerika hat Marschordre nach den haitianischen Gewässern erhalten. In jedem Falle, auch wenn es nicht zu Unruhen kommt, soll der Kreuzer„ Gazelle" für einige Monate im Port au Prince stationiert werden. Offenbar handelt es sich wieder einmal um eine Revolution in Haiti. Der Bundesrat hat das Reichsfinanzreformgesch nach den Beschlüssen des Reichstags genehmigt. Der Erlaß eines einheitlichen Reichsmilchgesetzes ist von dem„ Verband deutscher Milchhändlervereine" gefordert worden. Zweck des Gesetzes soll die Einhaltung der Forde rungen der modernen Milchhygiene durch den Milchhändlerstand sein. * Noch immer ist der Leipziger Aerztestreik nicht völlig beigelegt, wenn auch der Sieg der Aerzte tatsächlich längst entschieden ist. Die Leipziger Ortskrankenkasse hat be. schlossen, gegen die Verfügung der Kreishauptmannschaft in Sachen des Aerztestreits beim Ministerium des Innern Beschwerde einzulegen. Das ist lediglich ein Rückzugsgefecht ohne jeden praktischen Wert. Die Regierung wird die Kreishauptmannschaft zweifelsohne nicht widerlegen. Im Interesse des Friedens wäre es besser gewesen, wenn die Kasse die Beschwerde unterlassen hätte. Italien. Herr Nasi scheint sich vervielfältigen zu können: Es gibt faum irgend eine größere Stadt in Italien, wo er nicht in den letzten Tagen gesehen worden sein soll. So will man ihn in Neapel beobachtet haben, ebenso soll er in Venedig, Genua, Florenz und Mailand zu gleicher Zeit aufgetaucht sein. In einigen Städten wurde er auch festgenommen, aber hinterdrein stellte sich heraus, daß man den Falschen gegriffen hatte. Man kann ihn in Italien auch nicht fassen. Herr Nasi sitt nämlich, wie französische Detektivs zu ihrem Privatbergnügen ermittelt haben, wohlbehalten in Brüssel, wo er Unterschlupf gefunden hat, und wo er wohl bleiben wird, so lange er sich verborgen halten kann und so lange ihm der Boden unter den Füßen nicht zu heiß wir frankreich. Wenn die Handelsrhedereien nicht bald den Forderungen ihrer Schiffsoffiziere nachkommen, wird binnen furzem aus dem bisher partiellen ein allgemeiner Schiffsoffizierstreik entstehen. Allerorten in den Hafenstädten erklären sich die Schiffsoffiziere mit ihren Marseiller Kameraden solidarisch, und wenn binnen 14 Tagen den Wünschen der Marseiller Offiziere nicht Folge gegeben sein sollte, wollen alle französischen Kauffahrteischiffsoffiziere streiken. Da wird den Rhedern nichts übrig bleiben, als nachzugeben. Alien. Allmählich halten die Engländer die Zeit für gekommen, über ihre wahren Absichten in Tibet etwas verlauten zu lassen. Britischerseits wird jetzt erklärt:„ Ein Vormarsch der englischen Tibet- Expedition auf Lhassa ist infolge der Wendung, die die Dinge in Tibet genommen haben, unvermeidlich geworden." Die Vorarbeiten dazu werden eifrigst betrieben. Daß Lhassa von vornherein und nicht erst nach der„ Wendung der Dinge" in Tibet das Ziel der britischen Expedition war, bedarf keines Beweises. Deutscher Reichstag. ( 89. Sigung.) CB Berlin, 11. Mai. Die dritte Beratung des Militäretats fand in Abwesenheit des Kriegsministers statt, der dienstlich am Erscheinen verhindert war. Es müssen also außerhalb des hinsausen. eine ganze Faust voll Kugeln poltend nach dem Ratheder und die Augen zufneifend ließ er mit ungeheuerem Entschluß Dann hing er mit geschlossenen Augen über den Tisch, funde; er hoffe, ja, er wisse, daß etwas Derartiges nie wieder borkommen werde. als etwas Weißes wie ein schn cafchminut tam und Sicht an fees Inſert durch die Luft Kaum hatte er diese herzgewinnenden Worte gesprochent britte Gine Frau fragt nicht danach, was sie gibt, wenn sie liebt - fie rechnet nicht, sie marktet nicht rendig hat— sich selbst! sie liebt und gibt willig, chen Schlüter fichtes erzählt, fie sei berlobt, und gleichzeitig bei ihr angeund die jetzt für Geld nähte, und hatte ihr strahlenden GeKorst, mit der sie zusammen in die Stadtschule gegangen Strecke von ihres Vaters Bauernhof ablag, zu der Minno nach der Stadt gekommen, die nur eine furze Ein verhängnisvoller Blitzschlag kostete in Herdors ( Rheinland) drei Kindern das Leben. Die Kleinen, Geschwister im Alter von 2-8 Jahren, spielten bei Ausbruch eines Gewitters auf einer Wiese, wo ihre Mutter mit Unkrautjäten beschäftigt war. Um die Kinder vor dem Regen zu schützen, hatte sie die Mutter zusammengestellt und ihre Schürze über die Kleinen ausgebreitet. Bald darauf ereignete sich das Entsetzliche: ein Blitzstrahl fuhr hernieder und tötete die drei Kinder vor den Augen der Mutter. [ Ein gemütvolles Mädchen.] Ich hatte, so erzähli eine Leserin der„ Tg. Rdsch.", an einer schweren Halsentzündung sehr krank gelegen, als ich mich in der Genesung befand, bekam ich den Besuch eines früheren Dienstmädchens. ,, Das freut mich, daß Sie kommen, Terese," sagte ich ,,, weshalb kamen Sie denn nicht eher?"„ Ach, ich hörte, die gnädige Frau läge im Sterben und müßte ersticken- da wollte ich doch nicht gerne stören!" Ein großer Bäckerstreik ist in Berlin ausgebrochen. Es sind an 4000 Gesellen ausständig. Eine der Hauptforderungen der Gesellenschaft geht auf Abschaffung der„ freien Station" bei den Meistern. Die Meister sind fest entschlossen, nicht nachzugeben. Sie arbeiten selbst mit und außer fremden Gesellen sind auch auswärtige Meistersöhne in großer Zahl zur Unterstützung nach Berlin gekommen. Mit Ausnahme von kleineren Unregelmäßigkeiten ging die Lieferung des Frühstückgebäcks in der gewohnten Weise vor sich. Die streifenden Gesellen sind in Massenquartieren untergebracht. еastags besonders wichtige Dinge vorgegangen sein, wia). tiger jedenfalls, als die parlamentarischen Verhandlungen. Diese führten zunächst zu einer Debatte über die Militärgerichtsbarkeit. Der sozialdemokratische Abg. Dr. Grad. nauer erwähnte, daß fast gleichzeitig drei an dem bekannten Bilse- Prozeß beteiligte Offiziere aus dem aktiven Dienst geschieden seien, und daß seit jenem Prozeß bei Gerichtsverhandlungen gegen Offiziere systematisch die Oeffentlichkeit ausgeschlossen werde. Er brachte die beiden Erscheinungen miteinander in Zusammenhang, vermutete Maßregelungen und Beeinflussungen, die er noch durch andere Angaben zu erhärten suchte, und kam zu dem Schluß, daß das Vertrauen zu dem militärischen Gerichtsverfahren, das Vertrauen in die Unabhängigkeit der militärischen Richter durch die neueren Vorgänge stark erschüttert worden sei. Oberst v. Vallet des Barres wies in Vertretung des Ministers die tat sächlichen Mitteilungen des Redners als unrichtig und seine Vermutungen als unbegründet zurück. Der Abg. Bebel aber blieb dabei, daß das Vertrauen in die Unabhängigkeit der militärischen Richter in die Brüche gehe. General v. Gallwitz fand ein hübsches Wort zur Erwiderung; er sagte unter den Beifall der Rechten, daß es die Mannhaftigfeit und Charakterfestigkeit unserer Offiziere unterschätzen heiße, wenn man glaube, sie würden sich durch irgendwelche Einflüsse abhalten lassen, anders als nach Pflicht und Gewissen zu urteilen. Aber er überzeugte die Sozialdemokraten nicht, vielmehr machten außer ihren Rednern auch die Freisinnigen Dr. Müller- Sagan und Schrader Bedenken geltend, ob die als Richter fungierenden Offiziere genügend unabhängig seien. Da die übrigen Parteien sich an der Disfussion nicht beteiligten, darf man wohl annehmen, daß sie die gleichen Zweifel nicht hegen. Bei der dann folgenden Beratung des Marineetats trat der sechsundsiebzigjährige freifonservative Abg. v. Kardorff mit jugendlicher Frische und Wärme für eine Vergrößerung unserer Flotte ein. Er fragte, warum wir keine Unterseeboote hätten, wünschte Beschleunigung des Schiffbaues im Rahmen des bestehenden Flottengesetzes und darüber hinaus Vermehrung der Schiffe. Immer mehr redete sich der alte Herr in Feuer, als er, durch Widerspruch von der Linken und Heiterkeit oft unterbrochen, der Regierung ein ganzes Bukett neuer Steuern entgegenhielt, um die Ausgaben für die Erfüllung seiner Wünsche zu decken. Selbst vor einer Reichseinkommensteuer würde er für die Flottenvermehrung nicht zurückschrecken. Staatssekretär v. Tirpitz antwortete kurz, daß die Marineverwaltung der Unterseebootfrage feineswegs ablehnend gegenüberstehe, sondern sie aufmerksam prüfe, aber sie müsse vorläufig ihre Kräfte auf die schwierige Aufgabe konzentrieren, das Flottengeset durchzuführen. Auf die Flottenvermehrungspläne ging weder der Staatssekretär noch ein Redner aus dem Hause ein. Nach Erledigung des Marineetats gab es eine Ueberraschung: Der Justizetat, der darnach an der Reihe gewesen wäre, wurde nämlich von der Tagesordnung abgesetzt, weil über die sozialdemokratische Resolution, betreffend die Behandlung Kranker in den Gefängnissen, große Debatten zu erwarten sind. Diese sollen am Freitag erfolgen. Preufsifcher Landtag. ( 13. Sigung.) Herrenhaus. durch einen Zeichner eine Titelvignette anfertigen, die den Abschied des Schloßherrn darstellen sollte. Der Zeichner hatte aber seine Aufgabe nicht gut begriffen und zeichnete die Abschiedsszene so, daß sich ein halbes Dutzend Kinder an den Rock der Schloßfrau anflammerten. Der Verleger wollte dem Zeichner nun sein Honorar nicht auszahlen. Jokai aber fand, um dem Armen nicht um seinen Verdienst zu bringen, einen Ausweg, indem er in den Roman folgende Zeilen einfügte:„ Die Schloßfrau aber hatte die Kinder so gern, daß sie die Sprößlinge ihrer ganzen Dienerschaft um sich zu versammeln pflegte, sie auf den Armen trug und von früh bis abends mit ihnen spielte." Zum Mülheimer Aerztestreif berichtet die Mülh. Ztg." folgendes, ungeheuerlich klingende Vorkommnis: Ein Arzt des städtischen Krankenhauses legte einem Knaben, der den Arm gebrochen hatte, einen Verband an; er nahm aber den fertiggestellten Verband wieder ab, als er erfuhr, daß der Vater des Knaben auf dem Kabelwerke Karlswerk arbeitete, auf demjenigen Werke, welches in dem Streite zwischen den Aerzten und den Krankenkassen zu ungunsten der Aerzte den Ausschlag gab. Der Begleiter des Knaben wollte das Arzthonorar und die Kosten für den Verband erlegen. Die zuständige Behörde hat eine Untersuchung eingeleitet. Die Verantwortung für diese Darstellung müssen wir natürlich der Mülh.3kg." überlassen. LD Gießener Bingfien fto Δ θα nie wir erf A Vo ffolgendes In de fich eine u Duartieren Einwohnern fügung gefte weltftreit, de einzelnen Au Iteilnehmern auch die Ei von Gießen weifen, do unentgeltli diefe Beile Δ wurde hint unbekannter Die Beschr Statur, 1, dichtes Had bart, fchwa braunen, bogene Ra Hellbraune und blaug Schwarzer [ Kostbare Fingerhüte.] König Tschulalangkorn von Siam hat seiner Gemahlin einen Fingerhut geschenkt, der bei einem englischen Juwelier hergestellt wurde und 300 000 Mark gekostet hat. Der Fingerhut hat eine goldene Hülle in Gestalt einer halbgeöffneten Lotosblume und ist außen mit Diamanten, Rubinen und anderen Edelsteinen in bunten Farben besetzt, die so angeordnet sind, daß sie den Namen der Königin bilden. Unlängst hat in Paris ein amerikanischer Milliardär einen Fingerhut für 100 000 Mark herstellen lassen, der außen ebenfalls mit Diamanten, Rubinen und Perlen besetzt ist. Der Schah Naffredin schenkte der Gemahlin eines Diplomaten, bei dem er zu Gast geladen war, einen Fingerhut im Werte von 30 000 Mart. Das kleine Kunstwerk sah, so waren die Diamanten und Edelsteine angeordnet, einer zierlichen Weintraube gleich. Pest in Egypten. Wie über Konstantinopel gemeldel wird, sind in Alexandria mehrere Bestfälle vorgekommen. Ee ist daher eine 48stündige Beobachtung der Herkünfte von dort angeordnet worden. In Bagdad ist die Cholera seit 33 Tagen erloschen, daher sind die Quarantänemaßregeln aufgehoben worden. Aus dem Gerichtsfaal. [ Die größte Hängebrücke der Welt] wird die dritte Brücke über den East River sein, die zur Verbindung von Manhattan Island mit Brooklyn gebaut wird. Die Stadt Newyork hat jetzt für den Bau 10 Millionen Dollars bewilligt. Die Brücke wird 8 Eisenbahngeleise tragen, abgesehen von anderen Verkehrswegen. Der Bau soll bis Januar 1909 fertiggestellt sein. Die gesamten Kosten werden auf 12 Millionen Dollars berechnet. 1½ Millionen Dollars sind bereits für die Fundamentierungsarbeiten der Türme ausgegeben worden, welche die Tragkabel halten und stüßen. § Einen Prozeß gegen den Prinzen Friedrich Leopold von Preußen hatte dessen früherer Hofmarschall v. Luck, der vor einiger Zeit plötzlich aus dem Amte schied, wegen Zahlung seiner Pension angestrengt, weil darüber Meinungsver schiedenheiten entstanden waren, ob dem Herrn v. Luck die Zeit, die er ohne Hofmarschall zu sein, im Dienste des Prinzen zugebracht hatte, mit anzurechnen sei. Der Prozeß ist jetzt zu ungunsten des Prinzen Friedrich Leopold entschieden worden. Herr v. Luck erhält eine Pension von 12 000 Mart jährlich. RK Berlin, 11. Mai. In der preußischen Ersten Kammer gabs heute wider alles Erwarten eine Jesuitendebatte großen Stils. Der Etat stand zur Erörterung. Als erster Redner in der Er Debatte nahm Graf York von Wartenburg das Wort. erklärte den Bundesratsbeschluß, der den§ 2 des Jesuitengesetzes aufhebt, für staatsrechtlich ungiltig. Aber sein Hauptbedenken war doch, daß er in der Aufhebung des§ 2 nur die Gewähr für eine weitere Nachgiebigkeit der Regierung gegenüber dem Zentrum sieht. Er kritisierte dann die Tätigkeit des Jesuitenordens und die ihm noch weniger will, fommene Marianische Kongregation und befürchtete von beider Zulassung in Deutschland eine Störung des konfeſſionellen Friedens. Professor Löning- Halle, der bekannte Nationalöfonom, teilte diesen Pessimismus des Vorredners nicht. Aber den§ 1 des Gesetzes will er auch nicht beseitigt wissen. Während der Rede des Hallenser Professors erschien Graf Bülow im Saale. Nach Löning nahm der Fürstbischof bon Breslau Cardinal Kopp das Wort. Er verteidigte die Orden und die Aufhebung des§ 2 und erklärte u. a.: Wenn Bismarck noch ein paar Jahre länger im Amt geblieben wäre, hätten wir die Aufhebung des§ 2 schon seit 10 Jahren. Der Kultusminister Dr. Studt begründete die Zulassung der Professor Löning fragte den Marianischen Kongregation. Fürstbischof, ob diese Kongregationen noch heute unter der Leitung des Jesuitengenerals ständen, was Kardinal Kopp berneinte. Haus der Abgeordneten. Vermischtes. Afrikaforfcher Stanley. Der Träger eines weltberühmten Namens und einer der größten Welterforscher ist tot: Raum 63 Jahre alt hat Henry Stanley in London die Augen geschlossen. Mit ihm ist ein Mann aus der Reihe der Lebenden geschieden, der unsere Kenntnis des Erdballs, den wir bewohnen, in ungeahnter Weise erweitert und bereichert hat. Und mit ihm erlosch eine Persönlichkeit von ſtrogender Energie und fast spleeniger Tollkühnheit, eine Abenteurernatur, der doch der Zug ins Große nicht fehlte. [ Vom Aufenthalt des Kaiserpaares in Donaueschingen] werden nachträglich allerlei kleine Episoden bekannt. Der Kaiser, der einen Jagdanzug mit langem Havelof trug, scherzte im Schloßhofe mit dem Gefolge und den fürstlichen Kindern; der hohe Herr hielt den kleinen fürstlichen Prinzen im rechten Arme hoch und ließ sich von der Kaiserin und der Fürstin zu Fürstenberg mehrmals photographieren, wobei er neckend den Mantel vor das Gesicht zog. Drei fesche Mädel in Volkstracht, eine Peterzellerin mit dem flitterigen bienenforbartigen Kopfput, eine Gutachttälerin und eine Baaremerin und drei in Weiß gekleidete Schulkinder überreichten der Kaiserin und der Prinzessin Viktoria Luise nach dem Festzug auf der Terrasse Blumen. Die Kaiserin photographierte sodann die Gruppe, wobei der Kaiser den Mädchen scherzend mit dem Finger drohte:„ Aber, recht schön stillhalten!" Wer kennt Stanley nicht? Jeder Schulbube hat seine Reise durch den dunklen Weltteil, seine Schilderung über die von ihm durchgeführte Befreiung Livingstones und Emir Paschas, sein Hauptwerk Im dunkelsten Afrika" gelesen; und mit anderem, aber nicht geringerem Genuß als der abenteuerbegeisterte Knabe nimmt auch der ernste Mann gern die Werke des energischen Angelsachsen zur Hand, der so fesselnd und anschaulich zu schildern und so interessant zu erzählen und dabei doch so wissenschaftlich streng zu beobachten und zu kritifieren weiß. [ Peter Hilles Sparkasse.] Von dem Berliner verstor. benen Dichter Peter Hille werden jetzt verschiedene Anekdoten erzählt, von denen wohl keine seine unberechenbare Eigenart als Mensch besser schildert als die nachfolgende: Eines Abends erschien Hille in einem der feinsten Berliner Weinrestaurants und sprach den Besizer an:„ Ich bin Peter Hille, Schriftsteller, und würde gern Abendbrot essen und eine gute Flasche Wein trinken; wollen Sie mir das auf Kredit geben?" Aus Gutmütigkeit ging der Wirt darauf ein, und er rechnete längst nicht mehr auf Bezahlung, als der Schriftsteller überraschenderweise wieder einmal erschien. Er hatte mittlerweile von der deutschen Schillerstiftung 500 Mark bekommen und er brachte dem Wirt 80, mit der Bitte, die Schuld abzuziehen und den Rest ihm aufzubewahren; er könnte wieder eine Flasche Wein trinken wollen und möchte dann die nötige Spareinlage haben. ( 72. Sigung.) RK Berlin, 11. Mai. Das Haus setzte die erste Lesung des Ansiedelungsgesetzes fort. Es gab wieder einen neuen Aufguß der gestrigen Polendebatte, dann ging das Gesetz an eine Kommission von 21 Mitgliedern. Es folgte die erste Beratung des Gesetzentwurfs betr. die Dienstbezüge der Kreistierärzte. Die Vorlage sieht eine Erhöhung der Bezüge der Kreistierärzte vor, die, wie bisher, nicht wohlbesoldete Staatsbeamte sind, teils durch Erhöhung der Bezüge aus der Staatskasse, teils durch die Zubilligung von Entschädigung, die anderen Beteiligten zur Last fallen. Außerdem werden die Reisefosten anders geregelt und die Vorlage verleiht den Tierärzten Pensionsberechtigung. Auch diese Vorlage ging nach furzer Debatte an eine Kommission, ebenso das Gesetz betr. die Gebühren der Medizinalbeamten. Dann vertagte sich das Haus. Nab und Fern. gelbe Fla Schnürsch weichen F ein Porter filb. fog. ein Labat 3 rote un patronen, fchriebene Clever N of 10. fich, auch daß er beugter findungso brud ein theinischer Henry Stanley war von Geburt Walliser. Sein eigentlicher Name war Henry Rowland; als Sohn eines Farmers dieses Namens am 28. Januar 1841 in einem wallisischen Dorfe geboren, wurde er nach seines Vaters frühem Tode im Armenhause erzogen. Er ging zur See, das Matrosenteben reizte ihn. Indessen er brachte es in den Spieren und Wanten nicht weit: Noch als Schiffsjunge trat er als Lehrling in das Handelsgeschäft eines Kaufmanns Stanley in NewOrleans ein. Der Prinzipal gewann den anstelligen und fleiBigen Burschen lieb, ließ ihn unterrichten und adoptierte ihn schließlich. Nachdem der junge Rowland- Stanley dann den amerikanischen Bürgerkrieg als Freiwilliger mitgemacht hatte, bereiste er als Zeitungskorrespondent die Türkei und Kleinasien. Seine Berichterstattung lenkte die Aufmerksamkeit Gordon Bennets, des Newyorker Heraldverlegers und Zeitungsfönigs, auf sich, und eines Tages erhielt der 28jährige Journalist von Bennett furzerhand den Auftrag, er solle den in Afrika verschollenen Livingston aufsuchen und retten. Stanley, der nie eine derartige Expedition mitgemacht hatte, zauderte keinen Augenblick, das Anerbieten anzunehmen. Er fam, sah und fand Livingstone tief im Innern Afrikas, brachte ihn an die Küste und unternahm dann nochmals eine Forschungsreise durch das jezige Deutschostafrika. Diese Expedition, die Herrn Gordon- Bennett an 200.000 Mark kostete, und das glänzend geschriebene Buch darüber, machten Stanleys Namen mit einem Schlage weltberühmt. Nun folgten eine Anzahl weiterer Forschungsreisen im dunklen Weltteil, die mit beispielloser Kühnheit und zugleich mit wissenschaftlichem Ernst ausgeführt wurden. Durch diese Reisen lieferte Stanley den Nachweis, daß der Tanganikaſee nicht zum Quellsystem des Nils gehört, er legte die Grenzen des Viktoria- Nyansa fest, er entdeckte den großen AlbertEduard- Nyansa, er löste durch die Durchquerung Afrikas das Rätsel des Kongostromes und legte damit den Hauptcharakterzug der innerafrikanischen Geographie klar. Stanley wies weiter den Zusammenhang des Albert- mit dem Albert- Eduard- Nyansa nach und erforschte endlich die bis dahin vollkommen unbekannten Länder nördlich vom Aruwimi und westlich vom Viktoria- Nyansa. [ Aus der Schule.] In einer großen Stadt, deren Schulen jetzt von Aufsichts wegen fleißig besichtigt werden, erhielt der prüfende Schulrat kürzlich eine unerwartete Antwort. In der 4. Klasse einer Mädchenschule verlangte der Herr, die Lehrerin solle das Sprichwort: Man soll den Teufel nicht an die Wand malen!" entwickeln, d. h. aus den Kindern herausholen, so daß diese es von selbst fänden. Als diese Absicht trotz alles Fragens und Hinleitens nicht erreicht wurde, meinte der Herr Schulrat:„ Wissen Sie was, Fräulein, malen Sie doch einmal einen Teufel an die Wandtafel vielleicht finden dann die Kinder was wir wollen!" Die Lehrerin versucht es, aber alle Versuche mißlingen kläglich, da sie in dieser Art von Malerei durchaus keine Erfahrung hat. Da greift der Schulrat selbst zur Kreide, und unter seinen Händen entsteht zwar kein Kunstwerk, aber doch ein deutlich zu erkennender Teufel mit Hörnern, Schwanz, Pferdefuß und ein Paar erschrecklichen Augen.„ Nun, Kinder, was habe ich euch da an die Wand gemalt?"„ Einen Teufel!" Richtig! Und welches recht bekannte Sprichwort habe ich euch damit vor Augen führen wollen?" Lange Pause. Endlich meldet sich ein Kind und stellt triumphierend das gefuchte Sprichwort fest:„ Unnüße Hände beschmieren Tisch und Wände!" Der Herr Revisor wandte sich sehr betreten ab und nahm sich vor, den Teufel nicht wieder an die Wand zu malen. Der Kinderhilfstag in Kopenhagen hat die kühnsten Erwartungen durch seine glänzenden finanziellen Resultate übertroffen. Die Sammlungen der jungen, teils mit Sparbüchsen, teils mit Blumenstäbchen ausgerüsteten Damen, die in den geschmückten Hauptstraßen auf und ab patrouillierten oder in den Kaffeehäusern, Restaurationen und öffentlichen Lokalen umbergingen, erbrachten die stattliche Summe von 150 000 Kronen, die zum Wohle armer und franker Kinder verwendet werden sollen. Auch der alte König mit seinem Sohne, dem Prinzen Waldemar, machte einen Spaziergang durch die Stadt und verteilte so zahlreiche Spenden, daß er gulegt gar fein Geld mehr bei sich hatte und genötigt war, bon seinem Sohne zu borgen. [ Man muß sich zu helfen wissen.] Maurus Jokai, der berühmte ungarische Schriftsteller, dessen Begräbnis dieser Tage mit großem Pomp auf Staatskosten erfolgte, schildert in cinem seiner Romane einen Schloßherrn, der keine Kinder hat, und deshalb nach Palästina pilgert, um dort um Kindersegen zu bitten. Als der Roman erscheinen sollte, ließ er A gaft 18 Ausschrei auf der Meldeschl gefchriebe Einer, Lahn), Doppel demische Ermunte Ronfurre Start an werden. H. ftrebunge Abend in Aus flein Weiße R Bereinigu Frauen fügen, Im Jahre 1878 wurde Stanley mit der Leitung der Expedition betraut, die die Kongo- Gesellschaft zur Erschließung der Kongo- Länder für den Handel veran staltete, Dieser Aufgabe widmete er sich bis 1884. Er kann als der eigentliche Gründer des KongoStaates gelten. Ende 1886 übernahm er die von der egyp tischen Regierung und einigen englischen Privatleuten ausgerüstete Expedition zum Entsatz Emin Paschas. Am 29. April 1888 traf er mit Emin Pascha bei Kawalli zufamen, der sich gar nicht in Not befand, den Stanley dann aber trotz seines Widerspruchs gewissermaßen als Gefangenen im Triumph nach der Küste führte. War schon dieses Verhalten Emin Pascha gegenüber nicht einwandsfrei, so wurden allmählich auch recht unerquickliche Dinge über sein Verfahren gegen die Eingeborenen auf seinen letzten Reisen laut: Er behandelte die Schwarzen mitunter mit unerhörter Grausamkeit: der Tropenkoller hatte ihn erfaßt. So war es denn das Beste, was er tun konnte, wenn er sich zur Ruhe ſetzte. In London lebte er seitdem als Privatmann; einige Jahre nahm er als Unterhausmitglied am politischen Leben teil. Stanleys Charakterbild ist nicht ohne Flecken, und zumal vir Deutsche, die er gar nicht liebte, haben keinen Grund, ihm besonders zugetan zu sein. Deshalb aber müssen wir doch anerkennen, daß mit ihm einer der tapfersten und erfolg. reichsten Pioniere der Erderforschung ins Grab gestiegen ist. Der Re besuchter ihn per wünsche. für edel erfahren alles un geftern Um 3 1 brüde, v wegte. fröbliches Lollar ( Steins6 Rationale borgetrage Dauer. preisgetrö ** * veranstalt Um 6 11 plat, u maridhier Erfrischu Jägerpfa wurde bon de geftärft Gegen 1 berg na nach Be bon da X berein) eine au en, die den Beichner seidnete die der an den eger wollte en. Jokai enit zu brin ende Zeilen o gern, daß fich zu beron früh bis ngforn von eschenkt, der nd 300 000 ene Hülle in außen mit bunten Far Namen der rt herstellen Lokales. 13. Mai 1904. Die Bataillons besichtigungen des Gießener Regiments finden in der Woche nach $ fingfien statt. Das Finanzeramen II. Kategorie wird, wie wir erfahren, im November 1. Js. bestimmt abgehalten. Von einem Gießener Bürger erhalten wir heute folgendes Eingesandt: In der letzten Nummer Ihres gesch. Blattes befindet sich eine Aufforderung des Festkomitees um Ueberlassung von Duartieren gegen Vergütung. Das beweist, daß von den Einwohnern Gießens nicht genügend Quartiere zur Verfügung gestellt worden sind. Es ist der erste Gesangswettstreit, der in Gießens Mauern abgehalten wird, und die einzelnen Ausschüsse geben sich die größte Mühe, den FestVereinslokal( Pfälzer Hof", Schanzenstraße) ab, in welcher| noch hat man feine richtige Quelle aufgefunden, welche die eine Ersatzwahl des Vorstandes vorgenommen wird. Eine Himmelfahrts feier im Walde. Die seit einer Reihe von Jahren bei der dicken Eiche" unweit„ Hof Bubenrod" veranstaltete christliche Volksversamm lung hatte sich auch gestern wieder eines überaus zahlreichen Besuches zu erfreuen. Die anwesenden Herren Geistlichen von Dorlar, Rodheim und Krofdorf hielten abwechselnd Ansprachen. Der Posaunenchor von Rodheim, vor allem aber die beiden gemischten Chöre trugen viel zur Verschönerung der würdigen Waldfeier bei. Mittwoch, den 18. Mai d. Is., nachmittags *** Der landwirtschaftliche Bezirksverein Alsfeld hält 2 Uhr, in dem Gasthause zum Frankfurter Hof zu Homberg a. D. eine Generalversammlung ab. Auf der Tagesordnung steht u. a. ein Vortrag des Herrn Generalsekretärs Dekonomierats Dr. Müller:" Welche Erfolge haben die und welche Richtung haben sie fernerhin zu nehmen?" Ferner wird über Bezug von landwirtschaftlichen Bedarfsartikeln von der Kornhausgenossenschaft seitens der Mitglieder des landwirtschaftlichen Bezirksvereins beraten werden. merikanischer teilnehmern so viel wie möglich zu bieten, darum dürfen Maßregeln zur Förderung der Rindviehzucht aufzuweisen dubinen und der Gemah n war, einen leine Stunit ine angeord d die dritte bindung von Die Stadt Dollars be tragen, abge foll bis Ja Poften werden onen Dollars der Türme n und stüßen. ofi und einer der Sahre alt hat chlossen. Mit eschieden, der en, in ungemit ihm erie und fait der doch der be hat seine ung über die und Emir cifa" gelesen; als der aben dann gern die der so fesselnd m wallifischen them Tode im Natrofenteben ren und Wan als Lehrling auch die Einwohner unserer Stadt nicht zurückstehen und die von Gießen von jeher gerühmte Gastfreundschaft dadurch beweisen, daß sie dem Wohnungausschuß ihre freien Zimmer unentgeltlich zur Verfügung stellen. Hoffentlich verfehlen diese Beilen ihre Wirkung nicht. N. N. Leichenfund. Am Mittwoch Nachmittag 3 Uhr wurde hinter der Marburgerstraße in Gießen die Leiche eines unbekannten Mannes mit Schußwunde im Kopf aufgefunden. Die Beschreibung ist folgende: 40 bis 50 Jahre alt, schlanke Statur, 1,80 Mtr. groß, langes schmales Gesicht, schwarzes dichtes Haar, schwarzen, leicht melierten Voll- und Schnurrbart, schwarze, an der Nasenwurzel zusammenstoßende Augenbraunen, hohe Stirn, hellbraune Augen, lange, etwas gebogene Nase, breiten Mund und defekte Zähne. Kleidung: Helbrauner Ueberzieher, brauner Sackcock und Weste, grauund blaugestreifte Hcse, weißes Oberhemd mit Umlegekragen, schwarzer Schlips, rot und blaugestreiftes Flanell- Unterhemd, gel be Flanell Unterhose, graue Socken, hohe, frisch besohlte Schnürschuhe, Manschetten mit Perlmutterknöpfer, schwarzen weichen Filzhut. In den Taschen der Kleider befanden sich ein Portemonnaie mit 1,22 M., eine silb. Cylinder- Uhr mit filb. sog. Parisertette und Celluloidgehäuse, ein Taschenmesser, ein Tabatsbeutel, Stahl und Feuerstein, ein Rosenkranz, 3 rote und 1 blaues Taschentuch, eine Anzahl Revolverpatronen, ein Büchelchen Zigarettenpapier und eine unbeschriebene Postkarte mit dem Firmenaufdruck: Engelbert Clever Nachf., Jagdausrüstungsgeschäft, Cöln a. Rh., am Hof 10. Der Verlebte hatte feinerlei Schriftlichkeiten bei fich, auch ist die Wäsche nicht gezeichnet. Festgestellt wurde, daß er mit der Bahn am Vormittag hier antam, in gebeugter Haltung mit schleppendem Gang sich an den Auffindungsort begab, unterwegs oft stehen blieb und den Eindruck eines Kranken machte. Er sprach westerwälder oder rheinischen Dialeft. u erzählen und n und zu friti ▲ Gießen, 10. Mai. Die Gießener Ruder GesellSein eigent Shaft 1877, resp. deren Regatta- Ausschuß, hat nun das ines Farmers Ausschreiben für die am 31. Juli geplante 12. Regatta auf der Lahn in Gießen erlassen. Als Nennungs- und Meldeschluß ist Donnerstag, der 14. Juli, bestimmt. Ausgeschrieben sind im ganzen 11 Rennen, und zwar: JuniorEiner, Großer Vierer( Stadtpreis), Vierer( Preis von der Lahn), Einer( Lahnpofal), Zweiter Vierer, Junior Achter, Doppel- Zweier ohne Steuermann, Junior- Vierer, Atademischer Vierer, Großer Achter( Großherzogepreis) und Ermunterungs- Vierer. Wenn sich für die sämtlichen Rennen Konkurrenz findet, was wohl zu erwarten ist, dürfte der Start am 31. Juli auf dem Gießener Wasser recht interessant anley in New lligen und flei adoptierte ihn nley dann den tgemacht hatte, ei und Kleinufmertfamteit ers und Zeimer 28jährige er solle den retten. mitgemacht Dieten anzu ef im Innern m dann nochtt an 200.000 Buch darüber, weltberühmt. eutschostafrita. ungsreifen im t und zugleich Langanitasee 7. Durch diese te die Grenzen großen Albert ig Afrikas das Hauptcharaf Stanley wies m Albert- Eduis dahin voll Arumimi und Leitung der haft zur Gr Sandel beran bis 1884. des Kongovon der egyp atleuten ausschas. Am Hawalli zu Stanley dann Gefangenen n dieses Verei, so wurden ein Verfahren isen laut: Gr hörter GrauOmar es denn r Rube fette. einige Jahre n Leben teil n, und zumal n Grund, ihm fen wir doch und erfolg gestiegen ist. werden. H. Ueber das„ Weiße Kreuz" und seine Beftrebungen sprach ein Herr von Rothkirch am Dienstag Abend im Konfirmandensaal der Markusgemeinde zu Gießen. Aus fleinen Anfängen im Jahre 1883 entstanden zählt das Weiße Kreuz heute bereits 2800 Mitglieder. Die Ziele der Bereinigung, zugleich das Gelübde sind u. a. folgende: Alle Frauen und Mädchen mit Achtung zu behandeln und zu beschüßen, alle unsittlichen Bilder und Schriften zu meiden. Der Redner sang am Schluß der von etwa 80 Personen besuchten Bersammlung ein Aufforderungslied mit der Bitte, ihn persönlich aufzusuchen, falls jemand Rat und Hilfe wünsche. Wir halten die Bestrebungen des Weißen Kreuzes für edel und unterstügungswert, wenn wir auch nicht recht erfahren können, was nach den Begriffen der Vereinigung alles unter un sittlich" fällt. Der Eisenbahnverein Gießen veranstaltete geftern auf Textors Terrasse ein gut besuchtes Familienfest. Um 3 Uhr versammelten sich die Festteilnehmer an der Lahnbrücke, von wo sich ein stattlicher Zug nach der Terrasse bewegte. Oben angekommen, herrschte nach furzer Zeit ein fröhliches Treiben. 料 Der Gesangverein Liedertafel" von Lollar weilte gestern Vormittag hier in Gießen, um im ( Steins Garten) Neuen Saalbau eine Gesangsprobe für den Nationalen Gesangswettstreit abzuhalten. Die vom Verein vorgetragenen Lieder zeigten von großem Fleiß und Ausdauer. Wir wünschen dem Verein, daß er in diesem Jahr preisgefrönt aus unserer Stadt heimkehrt. ** * Der Gem. Chor des E. A.-V. zu Gießen veranstaltete gestern einen Ausflug nach Kloster Arnsburg. Um 6 Uhr versammelten sich die Teilnehmer am Ludwigsplag, um von da über Hausen nach Garbenteich zu marschieren. Nachdem hier bei Gastwirt Stumpf eine kleine Erfrischung eingenommen worden war, ging es weiter dem Jägerpfad entlang nach Kloster Arnsburg. Hier angekommen wurde nach kurzer Raft und nachdem man sich durch eine von den Herren der Gesellschaft gebraute Maibowle etwas gestärkt hatte, zur Besichtigung des Klosters geschritten. Gegen 1 Uhr mittags ging es weiter über Trais- Münzenberg nach Münzenberg. Von hier fuhr die Gesellschaft nach Besichtigung der Burg per Bahn nach Buzzbach und von da zurück nach Gießen. X Der Gießener Zither- Klub( Wohltätigkeitberein) hält morgen Samstag, den 14. Mai, 9 Uhr abends, eine außerordntliche Generalversammlung im | - ▲ Grünberg. Die Tagesordnung für die nächste Sigung des Gemeinderates, welche kommenden Montag, abends 8 Uhr, stattfindet, ist: 1. Vergebung der zur Entwässerung der Frankfurterstraße erforderlichen Arbeiten. 2. Erledigung der Gesuche der Wirte Duchardt, Hörtermann und Repp. 3. Eingabe des Uhrmachers Hermann Pfeffer zu vorstehendem Gesuch.- 4. Gesuch des Laternenanzünders Hermann Schönhals um Renumeration.- 5. Die Bertilgung der Blutlaus.- 6. Erledigung der Invalidenversicherung der Hebammen. 7. Die Errichtung einer Ackerbauschule. 8. Genehmigunng der Geländestellung zum Bau der Bahn von Lich nach Grünberg. 9. Genehmigung von Rechnungen. " - - s Aus dem Biebertal, 12. Mai. Ein nicht geahnter, prächtiger, sennenbeglänzter Frühlingstag verschönte das heutige Himmelfahrtsfest; ein Tag echter und rechter MaienHimmung, wie er bisher infolge der niedrigen Temperatur der letzten Zeit nicht zum Durchbruch gekommen, zog die Menschen mit übermächtiger Stärke hinaus in die freie, jett in voller Entwicklung prangende Gottesnatur. So zogen schon in aller Frühe ganze Scharen wanderfroher Leute in die herrlichen Waldungen unseres Tales, deren grüne Wogen sie bereitwilligst aufnahmen. In gewohnter Weise war auch Ausflüglern aus Heuchelheim schon in aller Frühe gut der angrenzende Heuchelheimer Wald" von den regelmäßigen besucht. Wie alljährlich, so war auch diesmal ein dortiger Birt mit ausgezogen, um den eingefundenen Waldgästen einen Frühtrunk zu verabreichen. Vor allem aber übten die auch sonst so beliebten Ausflugspunkte, Bubenrod", Kronenmühle" und selbst der Dünsberg, auf welch legterem heute die Wirtschaftseröffnung stattfand, für diesen Tag ihre Anziehungskraft aus. Aber auch für die tanzlustige Jugend war auf dem Abendstern bestens gesorgt, woselbst sich aus der ganzen Umgegend eine zahlreiche Menschenmenge eingefunden hatte, um bis spät in die Nacht hinein das Tanzbein zu schwingen. Möge der herrliche Himmelfahrtstag der Vorbote eines ebenso schönen Pfingstfestes sein. " " ** Lollar. Der Veteranen- und Kriegervein Ludwig z. Treue" ernannte in der Generalversammlung vom 10. März sein langjähriges und treues Vereinsmitglied, Kamerad Polizeidiener Carl Schmidt III, einstimmig zum Ehrenmitgliede. Er trat im Jahre 1864 als aktives Mitglied dem Verein bei, wurde in der Generalversammlung vom 20. Januar 1877 als Vereinsrechner gewählt und bekleidete dieses Amt über 26 Jahre. Für diese langjährige Amtstätigkeit wurde ihm durch den Bezirksvorsteher Bruchhäuser- Gießen ein von Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs gestiftetes Ehrendiplom überreicht. Möge es ihm vergönnt sein, als Ehrenmitglied noch recht lange in unserer Mitte zu weilen. Dies ist der Wunsch aller derjenigen Kameraden, welche stets die großen Verdienste, die Kamerad Schmidt dem Vereine geopfert, anerkennen. Wir möchten hier noch anfügen, daß Kamerad Schmidt nicht nur dem Vereine, sondern auch der Gemeinde seine volle Kraft stets gewidmet hat. Als Polizeidiener unserer Gemeinde, dieses Amt er schon über 28 Jahre bekleidet, erfreut er sich bei seinen Mitbürgern allgemeiner Beliebtheit. ―r Lüzellinden. Wie seit vielen Jahren, so versammelten sich auch gestern am Himmelfahrtsfeste Mitglieder des Missionsvereins aus Lüzellinden, Klein- Linden und und einigen anderen Gemeinden in der sogenannten„ Holzburg", einem lichten sonnigen Kiefernwäldchen, um sich an Gesangs-, Musit- und Predigtvorträgen zu erbauen. Diesmal waren gegen tausend Zuhörer anwesend. Der erste Festredner, Pfarrer Vowinkel von Frankfurt a. M., riß die Zuhörer durch seine trefflichen Darstellungen zu großer Aufmerksamkeit hin; auch wurden die jeweiligen Pausen durch Vorträge der drei mitwirkenden Musikchöre angenehm ausgefüllt. Die gemischten Chöre waren von ansprechender Intonation und ließen nichts zu münschen übrig. Der legte Redner, Pfarrer Koch von Lüzellinden, unterließ nicht, im Schlußgebet der über zwei Stunden andauernden Andacht dem Weltenschöpfer für den so herrlichen Sonnenschein zu danken, mit dem Wunsche, im nächsten Jahre alle wieder hier zu sehen, um in vielleicht noch größerer Gemeinschaft ein solch herrliches Fest feiern zu können. Die erhobene Kollekte war eine der zahlreichen Versammlung entsprechende. A Groß- Felda. Unser neuer Pfarrer ist bereits seit einigen Wochen hier im Amt; seine am 24. April gehaltene Antrittspredigt hat einen nachhaltig guten Eindruck hinterlassen und es ist aller Wunsch, daß er noch recht viele Jahre hier seines Amtes walten möge. A Groß- Felda. Für den 3. Kaminfeger- Bezirk wurde Kaminfeger Karl Römer dahier eidlich verpflichtet. ** Groß- Felda. Vor einer großen Kalamität steht der Bau unserer Wasserleitung. Derselbe ist bereits zur Hälfte fertig, auch etliche Hausleitungen sind gelegt und Leitung speisen soll. * ** König i. D., 12. Mai. Der Erbgroßherzog und die Erbgroßherzogin von Baden trafen heute zum Besuch des Erbprinzen zu Erbach- Schönberg ein und kehrten um 1/25 Uhr nach Zwingenberg am Neckar zurück. ** Bad Orb, 12. Mai. Vom 4.- 5. Juni tagt dahier die Hauptversammlung des Verbandes der Gemeindebeamten des Regierungsbezirks Raffel. ** * Kastel. Hier ist in den letzten Tagen der sehr seltene Fall vorgekommen, daß ein Vater, ein Arbeiter, der richtigt, alsbald auf dem Standesamt daselbst einen Knaben schon mehrere Sprößlinge sein eigen nennt, durch die Hebamme von der Ankunft eines neuen Weltbürgers benachanmeldete, während sich bei der Zurückkunft herausstellte, daß der Knabe nur ein Mädchen war. Außer der Enttäuschung wird es nur verschiedene Scherereien mit den Behörden haben, wenn auch die Umwandlung von Josef Theodor Josefa Theodora keine Schwierigkeiten macht. " ** Darmstadt, 8. Mai.( Ungelegte Eier") fönnen in geeigneten Fällen doch an Wert kommen, wie der nachstehende dieser Tage in einem Mainz sehr benachbarten Orte passierte Fall, welcher nur in verbürgter Weise erzählt wird, beweist. Ein geistlicher Würdenträger kam auf einem Spaziergang, den er in Begleitung seines getreuen Caro eine Anzahl der z. Zt. fleißig eterlegenden Zweibeiner Vierfüßlers"„ Caro" machte, durch besagten Ort, wobei seinem Gesichtskreis entziehen konnte, etwas unsanft zauste. aufscheuchte und eines derselben, das sich nicht schnell genug Er folgte zwar bald dem Ruf seines Herrn, doch machte diesem doch der Gedanke Kummer, daß vielleicht eines der Hühner ernstlichen Schaden genommen haben sollte. Er ließ daher bei dem Hühnerbefizer in entgegenkommender Weise anfragen, worauf dieser erklärte, daß wohl feines seines einträglichen Tierchen eingegangen, aber einer seiner besten so erschreckt und frank sei, sodaß es seit dem Monate teine Eier mehr legt. Sein Schaden betrage für ca. 25. Tage pro Ei 10 Bf. berechnet, ca. Mt. 2.50. Der geistliche Herr macht hierauf furze Hand gute Miene und übermittelte dem Geschädigten Mt. 2.50 für ungelegte Eier. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Samstag, den 14. Mai. Meist schwachwindig, nur zeitweise wolfig. ( nachmittags), bei milder Nacht tagsüber wärmer, ſtellenweise Gewitter. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Kirchliche Nachrichten für Gießen. Evangelische Gemeinde. In der Stadtkirche. Sonntag Eraudi, den 15. Mai. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Dr. Schlosser. Zugleich Christenlehre für die Neufonfirmierten aus der Matthäusgemeinde. ( Neue Testamente mitzubringen.) Vormittags 9.30 Uhr: Repetent Lic. Fuchs. " 1 11 " Kinderkirche für die Marcus gemeinde. Pfarrer Schwabe. In der Johannesfirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Zugleich Christenlehre für die Neufonfirmierten aus der Johannesgemeinde. Vormittags 9.30 Uhr Pfarrer Euler. " 11 Uhr. Kindergottesdienst für die Lukasgemeinde. Pfarrer Euler. Nach allen Gottesdiensten Kollekte für die kirchliche Versorgung evangelischer Glaubensgenossen im Ausland. Sonntag, abends 8 Uhr. Versammlung und Bibelbesprechung im Konfirmandensaal der Johannestirche. Am 1. Pfingstfeiertag Beichte und Heiliges Abendmahl für die Lutas- und die Johannesgemeinde im Hauptgottesdienst. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Am 1. Pfingstfeiertag nach allen Gottesdiensten Kollefte für die hessische Luther- Stiftung. Am 2. Pfingstfeiertag besondere Kollekte für die Armen. Katholische Gemeinde. Samstag, den 14. Mat. Nachmittags um 5 Uhr und Abends 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht. Sonntag, den 15. Mai. 6. Sonntag nach Ostern. Borm. von 6.30 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beicht. um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und in derselben Austeilung der heilig. Kommunion. 19 " 8, " Die zweite heil. Messe. um 9.30 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachm. um 2.30 Uhr: Christenlehre; darauf Andacht. Dienstag und Freitag Abend um 6.30 Uhr ist Mai- Andacht. Verantwortlich: für den politischen, vermischten und unterhaltenden Teil Albin Klein; für den lokalen Teil Karl Klose. - Hinweis. Auf den der heutigen Nummer unserer Zeitung beiliegenden Prospekt der Firma Schneider und Claus weisen wir unsere verehrl. Leser ganz besonders hin. Königl. Preuss. Staats- Medaille s Seidenstoffe M jeder Art, in jeder Farbe, zu jedem Preise, der Meter von 75 Pf. an. Muster portofrei. Fertige seidene Kostüm- Röcke, Jupons, Blusen, halbfert. Roben. Deutschlands grösstes Spezial- Seiden- Geschäft Seidenhaus Michels& Cle, Berlin SW. 19 43 Leipziger Strasse 43 Ecke Markgrafen- Strasse. Mechanische Seidenstoffweberei in Krefeld Bekanntmachung. 2. Geismar und W. Schmit aus Gießen sind von Großherzoglichem Kreisamt Gießen zu stellvertretenden Fleischbeschauern für die Stadt Gießen bestellt worden. Gießen, den 11. Mai 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. J. V. Curschmann. Bekanntmachung. Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird der Neuenweg von heute an bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrradverkehr gesperrt. Gießen, den 13. Mat 1904. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. Baugenossenschaft des evangelischen Arbeitervereins zu Gießen Eingetr. Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Einladung zu der Samstag, den 28. Mai 1. S., abds. 8½ Uhr im Saale der Restauration Saner( Oswaldsgarten) dahier stattfindenden Generalversammlung. 1. Mitteilungen Tagesordnung: 2. Voilage der Bilanz und Jahresrechnung pro 1903 und Beschlußfassung über Verteilung des Reingewinns; im Anschluß hieran: Erstattung des Rechenschaftsberichts. 3. Mitteilung des Ergebnisses der vorgenommenen gesetzlichen Revision. 4. Abgabe von Häuschen an Genossen. 5. Wahl in den Vorstand und Aufsichtsrat. Die Rechnung pro 1903 liegt 8 Tage lang zur Einsicht der Genossen, Johannesstraße Nr. 5, offen. Gießen, am 10. Mai 1904. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats Der Baugenossenschaft des evangl. Arbeitervereins zu Gicken Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. L. Heyligenstaedt. Bilanz pro 1903. Aktiva. 1. Kapitalien- Konto M. Dr. Passiva. 159,85 1. Zinsen- Konto 2. Immobilien- Konto 294 700.39 2. Geschäftsanteils3. Mobilien- Konto 4. Kassa- Konto Konto 373.05 851.99 3. Anlehen- Konto 296 085.28 4. SpareinlagenKonto Mr. 15.73 10575.80 859.70 ,, Union" erstklassige DampfWaschmaschine zugleich Schlachtkessel und Futterdämpfer empfehlen ORGH Brüder Schmidt' Giessen. Prospekte gratis und franko. Schirme werden schnell und fachgemäß repariert und neu überzogen. Caffeler Schirmfabrik Gießen. Seltersweg 9. Vertreter- Gesuch. An allen Plätzen. Sehr boh. Verdienst. Ziemliche Handschrift und Empfangszimmer erforderlich. Altbaud- Veriandt, Braunschweig. Bäckerei nachweisbar gutgehendes Geschäft zu kaufen gesucht mit 6-8000 mt. Anzahlung. Ausführliche Offerten mit Preisangabe, Umsatz 2c, mit Rückporto an die Bäckerei- Agentur Ludwigshafen a. d. R. 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Sie waren beide ungeheuer gefühlvoll geweſen; bisweilen aber hatten sie sich auch ganz vortrefflich amüsiert. Eine hübsche Erinnerung bildete der erste Walzer in der Tanzstunde. Sie waren das einzige Paar, das ihn tadellos tanzte. Sie waren damals stolz und glücklich, wie sie so bei den Klängen eines verstimmten Klaviers dahinflogen. Hierauf bezogen sich seine ersten Verse an sie wohlgemeinte, aber sehr holperige Verse. Dann war das Tagebuch da, das fie führte, in dem Artur keinen Namen hatte, sondern nur als„ Gr" figurierte. Dies„ Er" wurde jetzt aufgefangen und wie ein Spielball im Gespräch hin und her geworfen. Artur sagte: Er hat aber doch echte und heiße Tränen geweint, als„ Er" sich von Ihr" trennte." Ach, und„ Sie" hatte noch lange, lange geweint_um " Ihn". Ich glaube, sie hatten sich wirklich von Herzen lieb, die beiden großen Kinder." Etwas unwirsch stieß er hervor: ,, Warum denn lachen wir die beiden aus, als wären wir alte Leute oder hartgesottene Spötter? Wollen wir nicht lieber mit Sympathie, mit aufrichiger Empfindung an das Pärchen denken?" Er" meinte es wenigstens ehrlich und ist Shr" bis heute treu geblieben." " Und wie konnte es dann kommen, daß dieser brave Mann„ Sie" wollte sißen lassen"? Denn daß„ Sie"" Ihm" indessen ein Körbchen geflochten, konnte„ Er" nicht wissen." ,,,, Er" ist auch ein elender Kerl," stimmte ihr Artur zu ,,, und das hat" Er" sich heute Vormittag ins Gesicht gefagt. Aber wenn man so arbeitet durch drei Jahre, wie ich in Amerika, dann stumpfen sich die Gefühle ab. Man wird hart. Uebrigens wozu die müßigen Reflexionen?„ Sie", hatte sich ja auch eines besseren besonnen. Darf man fragen, warum?" ,,, Sie" will überhaupt nicht heiraten. Sie" ist ein bischen das neue Weib", das nicht versorgt sein will, sondern verstanden in seiner Eigenart, Sie" meint ,,,, Sie" meint, das bei einem einfachen Kaufmann nicht finden zu können," unterbrach er sie. Dieses„ neue Weib" bedachte nicht, daß auch ein Kaufmann höhere Lebensinteressen hegen kann, und weil sein Beruf ein materieller ist, eine gescheidte, hochgebildete, geistesstarke Frau haben möchte Was eine höhere Tochter", ein sentimentaler Backfisch nie werden kann!" schnitt sie ihm das Wort ab. So vorschnell hatte„ Er" geurteilt." " So vorschnell hatte„ Sie"" hn" aufgegeben," sagte Artur.„ Aber Sie" hatte recht.„ Er“ ist ein rüder, unangenehmer Mensch." " Und„ Sie" ist hochmütig und eigensinnig," versicherte Valerie. Das Gespräch verstummte plötzlich. Er schien sich zum Gehen zu rüsten. Beide glühten. Dann sprach sie leise aber fest: Wir haben, ich muß es gestehen, uns übereilt mit der Entlobung. Wir hätten uns zuvor erst kennen lernen sollen, ehe wir uns entlobten. Und wir konnten lachen über unsere Liebe!" Gesenkten Hauptes murmelte er: AUS FERNEN ZONEN Chinesische Gastmähler. Will in China ein Reicher seinen Freunden und Gönnern ein Mittagessen geben, so läßt er schon mehrere Tage vorher sein Haus auf das zierlichste herauspuhen. Beim Empfang führt er seine Gäste durch eine ganze Reihe von Prunkgemächern und womöglich auch durch die Vorhöfe und Gärten, welche mit Blumenbeeten, Wasserbrunnen und grünen Plätzen geziert sind; er ergötzt sich an den Ausbrüchen ihrer Verwunderung. Zuletzt unter allem betritt der Gast den Speisesaal, wo man sich unter vielfachen Zeremonien und Komplimenten zu Tische setzt. Man genießt zuerst eine Suppe von indischen Schwalbennestern, welche in kleinen Porzellantassen herumgereicht wird; nach der Subpe werden die Schüsseln fünfzehnbis zwanzigmal gewechselt, und oft stehen ihrer sechzig auf einmal auf der Tafel. Bei vielen Gerichten ist es ganz unmöglich, Bestandteile zu erkennen, denn die Kochkunst der Chinesen ist sehr kompliziert. Zu den erkennbaren gehören unter anderen: gedämpfte Taubeneier, wildes Kazenfleisch, Frikassee von Froschkeulen, ge= trocknete und stark gewürzte Würmer, welche ungefähr die Stelle unseres Kaviars vertreten und zum Appetit reizen sollen, ge= bratene Grillen, Haifischfloßfedern und andere chinesische Leckerbissen, welche einem europäischen Gaumen zum Teil widerstreben. Anstatt der Messer und Gabeln bedient man sich kleiner Elfenbeinstäbchen, die mit Silber beschlagen sind, und welche die Chinesen mit gewandter Zierlichkeit zu handhaben wissen. Das einzige Getränk zu diesen vielfachen Speisen ist der sogenannte Sai- Hung, das ist Zuckerwasser mit Wein vermischt, welches ebenfalls in kleinen Tassen gereicht wird. In diesem unschuldigen Getränke trinken die Gäste gegenseitig ihre Gesundheit, indem sie das Täßchen mit beiden Händen fassen, es unter Verneigungen und heftigem Kopfschütteln ausleeren und zuletzt umkehren, zum Zeichen, daß es leer iſt. Während des Speisens werden Pantomimen aufgeführt und sogenannte Symphonieen gespielt, wobei die Zimbeln, Trommeln und Trompeten ein entsetzliches Getöse verursachen. Bunte Blätter. Die sieben Wunder Koreas. Das Altertum hatte seine sieben Wunder; auch das in letzter Zeit so vielgenannte Korea rühmt sich derselben. Es sind folgende: 1. Eine warme Quelle von wunderbarer Heilkraft. 2. Zwei weit voneinander gelegene Quellen; sobald die eine lustig sprudelt, ist die andere versiegt. Beide sind von durchaus süßem Geschmack. 3. Eine Höhle, durch die ein eisig= talter Luftstrom weht, der so stark ist, daß kein Mann ihm widerstehen kann. 4. Ein unverwüstbarer Wald; die Bäume, die in demselben gefällt werden, schlagen sofort von der Wurzel wieder aus; die jungen Sprossen wachsen so wunderbar schnell, daß die Lücken bald wieder ausgefüllt sind. 5. Ein schwimmender Stein, um den man einen Tempel errichtet hat. 6. Ein Felsen, der fortwährend angenehme Wärme ausstrahlt. 7. Ein Schweißtropfen Buddhas; dreißig Schritte weit um den Tempel, in dem er aufbewahrt wird, wächst kein Gras, keine Blume, kein Baum, und nie wagt sich ein Tier in die heilige Nähe des Wunders. Das Bambusrohr. In China gilt das Bambusrohr als eines der wertvollsten Naturerzeugnisse, und mit Recht, denn es wird dort nicht nur zum Bau von Häusern, sowie zur Verfertigung vieler Hausgeräte, sondern in seinen jungen Trieben sogar auch als schmackhafte Nahrung benut. In Anbetracht dieser vielseitigen Brauchbarkeit wird seine Pflege und der oft daraus hervorgehende Besitzstand leicht begreiflich erscheinen. Kaum oder nur sehr wenig bekannt dürfte nun ein Mittel sein, welches man nach der Mitteilung eines Chinesen zuweilen anwendet, um Bambus ohne Ampflanzung zu erzeugen. Wohnt nämlich ein Armer neben einem Reichen, dessen Grundstück in der Regel von einer Mauer umgeben ist, so sucht er den gewöhnlich in der Nähe der Mauer stehenden Bambus durch folgendes Verfahren zu sich herüber zu ziehen. Er focht die Eingeweide eines Kalbes oder Schafes und tränkt mit dem so erhaltenen Absud das Erdreich auf seiner Seite neben der Mauer mehrere Male. Diese Flüssigkeit soll, selbst bei einiger Entfernung, auf den Bambus so anziehend wirken, daß derselbe seine Wurzeln unter der Mauer hinweg in den Garten des Nachbars treibt, wo schon nach kurzer Zeit Keime hervorschießen. Durch sorgfältige Und wirklich, sie walzten freudestrahlend durch das Pflege der letzteren verschafft sich der Unbemittelte mit der Zeit Zimmer. „ Ich hätte überhaupt kein Wort davon herausbekommen, wenn du nicht mit der Entlobung angefangen hättest. Wenn ich auch ein Dickschädel bin nun ich dich sah, kam mir die Reue, und wenn ich mich nicht so sehr geschämt hätte..." In stürmischem Rythmus begann nebenan ein neuer Walzer. Der Bruder, der hereingerufen werden sollte, war ungeduldig geworden. Artur legte den Arm um Valerie und zog sie an sich. ,, Wie in der Tanzstunde," jubelte sie. ,, Wir fangen ganz von vorne an," meinte er. so manchmal eine Bambuspflanzung, die seinen späteren Wohl= stand begründen kann. Nr. 106 Freitag, den 13 Mat. Oberhessische Familienzeitu Tägliche Unterhaltungs- Beilage der Gießener Neueste Nachrichten. 1904. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein. ( 15. Fortseßung.) Iwan der Schreckliche. Original- Roman von Hans Hoffmann. Was aber vor einigen Minuten sein Heil gewesen wäre, ward jetzt das Signal zum offenen, allgemeinen Aufstand. Die Würde der Tertia war beleidigt von einem, der sich nicht durch absolute Furchtbarkeit ein Recht dazu erworben hatte. Seine Furchtbarkeit hatte soeben schon einen Riß bekommen. Die schwirrende Musik der Federspitzen ward übertönt von einem wirren Schurren und Klappern, vermischt mit einem dumpfen Brummen, das sich nur erst unsicher aus feſtgeschlossenen Lippen hervorwagte. Als aber weder der Himmel noch die Zimmerdecke ein stürzte, kein Blitz aus blauem Himmel niederfuhr, Iwan der Schreckliche selbst aber weder einen Revolver noch eine Dynamitpatrone aus der Tasche zog, sondern nur in hilfloſem Grimm bleich mit starren Blicken vor der aufgeregten Masse stand, da kam ein Taumel der Wut über sie alle, daß sie sich so lange hatten knechten lassen von dem da dem da, der sie bloß betrogen hatte mit seinem finstern Gesicht, dem da, vor dem sie sich so wenig zu fürchten brauchten, wie sein Hund sich fürchtete, dem da, der sich in die Schwester eines ganz gewöhnlichen Tertianers verlieben konnte und also jedenfalls auch gefühlvolle Gedichte machte und überhaupt eine sanfte, gute Seele war, denn wie hätte er sich sonst verlieben können? Ein immer wüsteres Poltern, Trampeln, Pochen, Scharren und Trommeln erhob sich, dazwischen sogar einmal ein gellender Pfiff und ein Heulen und Winseln- das war der große Racheschrei der gefnechteten Untertertia wider ihren Tyrannen. Jezt aber ging plötzlich mit dem besiegten Tyrannen eine auffallende Veränderung vor. Sein Gesicht verlor den starren Ausdruck, sein Auge glitt ganz ruhig und gelassen über die aufgeregte Schar hin, und etwas wie ein mitleidiges Lächeln spielte um seine strengen Lippen. Das verblüffte sie für einen Augenblick, und der Lärm ließ ein wenig nach. Da sagte er mit einer stillen, sehr gleichmütigen, aber doch allen vernehmbaren Stimme zu ihnen: ,, Wenn ihr wüßtet, was ihr mir heute angetan habt, die besseren unter euch hätten sich vielleicht doch anders besonnen. Aber es ist nun einmal geschehen; und ich denke, wir haben uns nun wohl heute zum letztenmal gesehen. Ich gehe jetzt, dem Herrn Direktor Meldung zu tun. Ein jähes Verstummen antwortete dieser ruhigen Anrede; ein geheimnisvoller Gewissensschreck zuckte durch alle Gemüter, ein dunkles Schaudern vor einer halb unbekannten, schwerlastenden Schuld. Der Lehrer hatte schon den Griff der Tür in der Hand; er kehrte sich noch einmal um, an das plötzliche Schweigen eine dunkle Hoffnung knüpfend; er sah verlegene, einige fast verstörte Gesichter; der junge Gruber lag mit dem Kopf auf dem Tisch und schluchzte krampfhaft. Da stieß einer, vielleicht nur um sich von dem quälenden Bangen zu lösen, ein kurzes Lachen aus, ein anderer antwortete etwas lauter und roher, und nun folgte als allgemeines Echo ein wüstes, brüllendes, zügelloses Gelächter. Es klang wan dem Schrecklichen nach draußen so widerlich gemein, wie wenn eine stumpfsinnige Horde über die letzten ( Nachdruck verboten.)) Buckungen eines Gehängten johlt. Denn ihm war nicht viel besser als einem solchen Galgenvogel zu Mute. Doktor Belling hatte jetzt mit seinem Direktor eine längere Unterredung, infolge deren dieser sich sehr erstaunt und sehr aufgeregt in das Lehrerzimmer begab, um hier ebenfalls eine allgemeine Aufregung und großes Erstaunen zu erregen. Hm, hm." sagte der Professor Heding, ich habe es längst gewußt, daß es so kommen würde. Allzu scharf macht schartig. Hochmut kommt vor dem Fall. Ein zu straff gespannter Bogen muß eben reißen. Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht. Hm, hm, ja, die Disziplin, die Disziplin!" Mit sorgenvoll gefurchter Miene verließ er die Kollegen. Eine Viertelstunde darauf saß Frau Professor Heding auf dem guten Sofa der Frau Doktor Quade; jezt eben wurde sie erst mit dem Zuknöpfen der Handschuhe fertig. ,, Wie es gekommen ist?" rief sie eifrig. Ganz einfach. Der Hund ist die erste Veranlassung. Sie kennen doch den fürchterlich häßlichen Hund, der dem Herrn so ähnlich sieht?" Frau Quade nickte mit einer Geberde des Abscheus. ,, Nun also, das Tier soll es gar zu toll getrieben haben. Ueberall hat es den greulichsten Unfug gestiftet, so zum Beispiel soll es geſtern Fräulein Gruber auf einer Eispartie alle Kleider vom Leibe gerissen haben und aus Bosheit allen Schlittschuhläufern zwischen die Füße gestürzt sein, bis sie elend zu Falle kamen. Und sein Herr hat das ruhig mit angesehen und höchstens gelacht, statt das Viehzeug zu strafen. Und nun denken Sie doch bloß, liebe Frau Doktor, was so ein zügelloses Geschöpf alles für Unheil stiften kann und sicher auch schon gestiftet hat! Seßen Sie zum Beispiel den Fall, der Hund fällt ein wehrloses Kind auf der Straße an- wer fann wissen, ob es in diesem Augenblick nicht schon geschehen ist?" " Ich schwöre darauf, daß es geschehen ist!" Sehen Sie wohl? Ein wehrloses Kind gebissen, zerfleischt, in seinem Blut schwimmend und obendrein so ein unglaublich häßliches Vieh! und sein Herr steht gemächlich daneben und rührt nicht die Hand, das Ungeheuer zurückzuhalten und das Kind zu retten." " Furchtbar! Das muß ich aber sofort der Frau Polizeileutnant erzählen, sofort, sage ich, die wird mit ihrem Manne reden o Gott, ich selbst habe Kinder!" Das konnten unsere Gymnasiasten nicht länger mit ansehen! Sie haben sich empört gegen diesen Lehrer und ihm offen gezeigt, wie sehr sie sein Betragen mißbilligen. Sie haben ihn herausgetrommelt mit blutendem Herzen haben fie es getan, ich bin davon überzeugt, denn sie wissen, daß es an sich ein Unrecht ist und ein strafbares Vorgehen gegen die Disziplin, aber die wackeren Knaben wollten lieber die grausamsten Strafen erdulden, als solche Dinge länger mit ansehen. Es ist schrecklich, die unschuldigen Knaben selbst zur Meuterei zu zwingen! Es tut mir zu leid, liebe Frau Doktor, daß ich nun aber gar keine Zeit mehr übrig habe, ich bin nur so heraufgesprungen auf einen Augenblick aus beſonderer Freundschaft; ich bin eigentlich auf dem Wege zu Frau Ingenohl und Frau Wippermann und Fräulein LeineTern! FE 00000 00" Kisten von henreife 60 Pfg. an, tsbesitzer, h. 60 DOGGO . 11 道 bar gelei des Gegne aus unter erreicht w Gouverneu des Feind und daß all Verstärkung treiben. Ge lebhaften ift die best bon Preuke Beit die B nur berfau Menn ein r die Kul lagt, dar regierung Rudmärts betreiben Erfreu deutschen hat. Nur der Regier Form einer fierenden A wärtigen Ser ohne außerorden menn fie mann, Sie müssen mich schon entschuldigen, liebste Frau Doktor!" Frau Doktor Quade entschuldigte sie gern; sie hatte selbst bereits Hut und Mantel angezogen, um zu Frau Polizeileutnant Sommerlatte zu fliegen. Doktor Belling saß einsam auf seinem Zimmer und brütete verzweiflungsvoll vor sich hin. Er malte sonderbare Zeichen und Kreise auf ein Papier, die nicht die geringste geometrische Ordnung hielten, sondern wirr durcheinander tobten wie eine aufrührerische Rotte. Da klopfte es sehr schüchtern an die Tür, und auf ein mehrmaliges Herein zeigte sich das angstvolle Gesicht des Tertianers Gruber. Belling winkte ihm einzutreten und blickte ihm mit unficherer Erwartung entgegen. Ich wollte Sie um Verzeihung bitten," stotterte der Knabe, daß ich so ungezogen- heute gegen Sie war" „ Wer schickt dich her?" fragte Belling, von einem plötzlichen Gedanken ergriffen. Sein Herz klopfte heftig. Niemand," antwortete jener bestimmt, ich konnte es bloß nicht aushalten, weil weil ich der Schlimmste gewesen war und alles zuerst angeſtiftet hatte aber nun ist es so toll geworden - Der Lehrer war sehr überrascht und schwieg eine Weile. Dann sagte er mit stark bewegter Stimme: Du also warst der Anstifter dieser unverhofften Rebellion? Dein offenes und freiwilliges Geständnis ehrt dich; es freut mich, daß du dich deiner Tat ſchämst und fühlſt, es war feine gute Tat. Es ist das die beste Sühne für dieselbe. Aber nun sage mir ebenso offen und ehrlich: was hat dich bewogen, mir so plötzlich eine heimtückische Falle zu stellen, gerade dich?" Der Anabe blickte völlig zerfnirscht mit nassen Augen zu Boden. „ Ich dachte ja nicht daß es so so schlimm werden würde und ich dachte auch es war bloß, weil Alma- weil meine Schwester-" Belling zuckte zusammen und faßte hastig die Hand seines Schülers. Was hat deine Schwester?" forschte er atemlos. ,, Alma sagte, wir brauchten gar nicht solche Angst vor Ihnen zu haben; wir sollten nur' mal versuchen, ob wir Sie nicht unterkriegten, Sie könnten nicht einmal Ihren Hund in Gehorsam halten, hat sie gesagt, also brauchten wir erst recht nicht zu gehorchen. Sie wären überhaupt nicht-" „ Nun?" ,, Nicht so forsch, wie alle glaubten, und darum" Darum hat sie sich den Spaß gemacht, den ihr dummen Kerle für so ernst genommen habt nicht wahr, deine Schwester lächelte ein wenig, als sie dich zum Ungehorsam anstiftete, du wirst dich entsinnen, oder sie lachie gar?" ,, Nein, doch nicht, Herr Doktor," sagte der Schüler verwundert, gewiß nicht. Sie war ja im Gegenteil ganz wütend, und machte so sonderbare Augen gestern abend, ganz sonderbare, wütend war sie wirklich, Herr Doktor; ich dachte erst, sie wäre verrückt, weil sie sich so hatte, aber das war sie nicht, und gelacht hat sie nicht ein bischen, sondern sie stampfte mit den Füßen, und wie ich sagte:„ Hab dich doch nicht so gefährlich, Alma!", da sagte sie, sie wollte sich an Ihnen rächen. Und da dachte ich, Sie müßten ihr irgend etwas zu leid getan haben, und da" Und da wolltest du als ritterlicher Bruder mir auch etwas zu leide tun und siehst du, mein Sohn, das ist dir ja auch merkwürdig gut gelungen, dieſe frohe Kunde kannſt du deiner armen Schwester bringen!" Belling sprach mit sehr weichem Ton; jest sprang er von seinem Stuhle auf und ging mehrere Minuten lang im Zimmer auf und nieder, sehr stark atmend, daß es manchmal wie ein Stöhnen klang. Der zitternde Knabe wagte feinen Laut von sich zu geben, noch sich zu rühren. Endlich stand der Lehrer still, machte wieder ein so sonder bar gelassenes und fühles Gesicht wie zuletzt in der Klasse und sprach langsam und sehr dumpf: Sage deiner Schwester, ich sei ihr aufrichtig dankbar für ihre rasche Entscheidung unserer Angelegenheit; sie habe recht getan, schnell zu handeln und einen Knoten zu zerhauen, der wirklich schwer zu lösen war; sie soll sich keinen Vorwurf machen, als habe sie mich zu Grunde gerichtet, sie hat mir ja nur den Gnadenstoß gegeben, statt mich lange zu martern. Das war sehr human gedacht von ihr. Mein Glück war ja Rartenbaus, das jeder Windhauch umwerfen war konnte; wer mag in einem solchen Hause wohnen? Es das richtigste, daß sie selbst kam und blies und blies mit ihrem roten, lachenden Munde, bis es umfiel- grüße sie und sage ihr, daß ich ihr danke." Dem armen Jungen ward ganz unheimlich zu Mut bei diesen Reden, von denen er wenig verstand. Eins aber begriff er doch, daß ein verhaltener großer Schmerz aus den fremdtönenden Worten sprach und daß er selbst unzweifelhaft diesen Schmerz verschuldet, und dann kam es ihm zum Bewußtsein, daß es doch immer Iwan der Schreckliche war, der hier so weich und seltsam traurig redete, wie es nie ein Mensch für möglich gehalten, und es ergriff ihn eine furchtbare Erschütterung; laut weinend füßte er ihm die Hand und bat noch einmal flehentlich um Verzeihung. Gotthold legte stumm die Hand auf seinen Kopf und streichelte ihn. Da blickte der Knabe mit leuchtenden Augen zu ihm auf und rief: „ Herr Doktor, und wenn jetzt noch einer wagt, gegen Sie aufzumucken, der friegt es mit mir zu tun. Und die anderen haben Respekt vor mir seit heute!" Gotthold füßte ihn und entließ ihn. Sobald der Besucher die Tür hinter sich geschlossen hatte, fuhr Molly mit wütender Miene aus seiner Ecke hervor und bellte wie rasend hinter ihm her. Es war das seine Art, den fliehenden Feinden goldene Brücken zu bauen, eine Art, die für beide Teile gleich angenehm und vorteilhaft war. Nachdem er sich dieser Pflicht bis in ihre letzten Konsequenzen entledigt, stellte er sich mit schiefem Kopf und fragenden Augen vor seinen Herrn. Dieser blickte mit bitterem Lächeln auf ihn herab und sprach laut zu ihm: Du bist mein erster Feind in dieser Stadt gewesen, du warst der Verräter, an dem mein Glück zu schanden geworbraucht und wen man nicht fürchtet, den braucht man auch den, du hast es ihr verraten, daß man mich nicht zu fürchten nicht zu lieben du warst mein erster Feind und sie meine erste Feindin, du aber bist auch mein letzter Freund und fie-Er beugte sich nieder zu dem Tier, klopfte und streichelte es, das sich vor stolzer Freude winselnd krümmte. Siebentes Kapitel. Doktor Gotthold Belling machte nachmittags mit seinem Hunde einen Spaziergang auf der städischen Promenade längs der alten Stadtmauer. Eine Art Trotz hatte ihn hierher geführt, wo er aller Welt begegnen mußte. Er konnte nicht zweifeln, daß die Kunde von seiner pädagogischen Niederlage längst durch einige hundert Kanäle in aller Ohren gedrungen sei und daß er infolgedessen in der öffentlichen Schäßung tief gesunken sein müsse. Was kann denn auch an einem Lehrer sein, der sich von den Schülern aus der Klasse jagen läßt! Er beschloß, diesem Wetterumschlag der Volksstimme die Stirn zu bieten; die Nadelstiche konnten ihm wenig anhaben, dazu war sein Herz zu tief und ernsthaft erschüttert. Darum ging er mutig den spöttischen Blicken der Menschen entgegen. Molly machte nach seiner Gewohnheit die Vögel darauf aufmerksam, daß ihr Reich die Luft sei und nicht die Erde. „ Warum jagst du mich nicht auf, Molly?" fragte er bitter. Ich bin ja nun auch wieder ein Vogel ohne Heimatrecht auf der Erde; und du bist es, der mich darum gebracht hat!" Zu seiner eigenen Verwunderung aber war in den Blicken und Grüßen der ihm begegnenden Spaziergänger wenig Veränderung zu bemerken; sie zeigten alle noch die gleiche scheue Ehrerbietung wie immer, nur daß für seinen durch Mißtrauen geschärften Blick die duckſame Scheu vielleicht die freie Ehrerbietung um ein Merkliches zu überwuchern schien.„ Die haben noch etwas auf dem Herzen," dacht er;„ die Legende von mir ist auch die vernichtende Kritik meiner Tertia noch nicht beseitigt worden!" Er dachte an das letzte Gespräch mit Helene. Es überkam ihn eine selbsthöhnende Lust, den nuglos gewordenen Nimbus gewaltsam vor aller Augen zu zerstreuen; wenn er nur gewußt hätte, wo er ihn fassen sollte, der, ihm selber unbekannt, in der Luft um ihn schwebte! Er war in der Stimmung, alles, was für ihn selbst noch etwas Gutes bedeuten konnte, mit eigener Hand in Stücke zu schlagen. Er wollte sein wie der Vogel in der Luft und auck nicht einen Zweig mehr haben, auf den er sich setzen könnte Fortsetzung folgt.), Gebt Liebe, Liebe, schlicht und warm, Das Gold ist hart, daß Gott erbarm! Es muß sein! Von J. v. Kapff Essenther. ( Nachdruck verboten.) ,, Es muß eben sein! Ich werde ihm rundweg sagen: „ Mein lieber Artur- es tut mir leid- aber ich kann dich nicht heiraten!" Freilich, das ist recht häßlich von mir, nachdem wir drei Jahre, wenn auch nur im Stillen verlobt waren. Warum aber auch bleibt er drei Jahre in San Fran zisko, ohne ein einziges Mal hierherzukommen? Er freilich behauptet: aus Liebe zu mir! Da ich keine Mitgift habe, wollte er sich so rasch als möglich eine einträgliche Stellung schaffen; dort hatte er Aussichten dazu und sein Vorhaben ist auch geglückt. Er kann mich nun versorgen. Versorgen! Ich will nicht durch eine Heirat versorgt sein, brauche es auch gar nicht! Meine Klavierlektionen tragen mir schon heute ein ganz nettes Sümmchen; aller Wahrscheinlichkeit nach werden diese Einnahmen sich steigern, und wenn mein guter Vater einmal nicht mehr da sein wird, werde ich mir meinen Unterhalt selbst verdienen. Natürlich hat der gute Artur davon keine Ahnung. Man kennt sich ja eigentlich gar nicht mehr. In mir erhielt sich ein immer undeutlicher werdendes Bild des Mannes, dessen Namen und Adresse ich wußte, und daß meinen heimlich Verlobten darstellte. Je mehr sein Bild in mir verblaßte, desto herzlicher, desto wär mer schrieb ich. Der arme Junge sollte es zunächst nicht merken, daß er mir gleichgültig geworden ist. Seine Schuld übrigens! Er war doch, als wir uns verlobten, schon dreiundzwanzig und ich erst achtzehn, ein ganz dummes Ding. Wie kann man sich an einen Backfisch binden, ohne dessen fernere geistige Entwickelung überwachen zu können? Nun darf er sich nicht wundern, daß ich nicht mehr will. Er hat ohne Zweifel ganz veraltete Begriffe von der Che. Das Innenleben seiner zukünftigen Frau, ihre Eigenart ist ihm gleichgültig. Sie ist wohlerzogen", aus sehr guter Familie, nicht übel und enfin er ist doch nun einmal mit ihr verlobt. Ich will aber überhaupt keinen Kaufmann heiraten, weil Kunst und Literatur und die großen Fragen der Zeit mein Lebensinteresse bilden. Auch mir ist dies inhaltlose Verlöbnis lästig geworden. Ich möchte einen Mann, der auf meine Individualität gestimmt ist oder auch keinen. Dies alles werde ich ruhig und bündig meinem Goldgräber sagen. Es ist ja schwer peinlich! aber es muß eben sein!" Valerie stand vor dem Spiegel, als sie noch einmal, wie schon oft in letzter Zeit, zu diesem Endergebnis kam. Heute Vormittag würde er gewiß kommen, nachdem geſtern früh sein Schiff glücklich eingelaufen. Sie hatte sich hübsch und kokett gekleidet, diese lose Frisur war etwas erzentrisch, stand ihr aber vorzüglich. Eigentlich hätte sie sich häßlich machen sollen, oder doch unscheinbar. Aber so sehr sie ihn bedauerte begehrenswert wollte sie doch erscheinen. Sie betrachtete sich wohlgefällig im Spiegel: eine schlanke, interessante Erscheinung, bleich, brünett, mit selbstbewußter Haltung. Jedenfalls mußte sie mit hohem Ernste ihm die biedere Wahrheit beibringen dann aber wollte sie ihn trösten mit dem ganzen seelischen Zauber, über den sie verfügen zu können glaubte... Ein paar Straßen weiter stand ein kräftiger, sonngebräunter, breitschultriger junger Mann vor dem goldum rahmten Dugendspiegel eines Hotelzimmers und rückte sich den Shlips zurecht. Der Anzug war nagelneu, fein, aber sehr einfach.„ Es ist eine verteufelt dumme Geschichte eine ganz schauderhafte Situation! Da lauert nun das arme Mädel drei Jahre lang auf den Bräutigam. Wird er noch einmal übers Meer kommen, um sie zu holen oder nicht? Und der Vater sowie die Tante zittern wohl mit ihr um den Bräutigam, denn sie hat keine Mitgift man muß sie versorgen! Ja, ja" er droht seinem Spiegelbilde„ Du bist ein Schuft, alter Junge, einfach ein Schuft! Längst hättest du es dem deutschen Jungfräulein beibringen müssen, daß du sie nicht heiraten willst. Elender Feigling, der du bist hast sie immer mit Redensarten hingehalten- es ist ein Skandal! Nun aber muß es sein! Ich kann ein überspanntes Frauenzimmer nicht brauchen. Eine sehr gescheidte, vernünftige Frau brauche ich, der man ganz und ehrlich vertraut, die sich auch für die großen Zeitfragen intereffiert. Mein ganzes Lebensglück kann ich doch nicht opfers megen solcher Jugendeselei! Aber ich schäme mich wahrhaft. Es bleibt nun nichts übrig, als mich unausstehlich zu machen damit ihr die Sache leichter wird. Wie fang ich's nur an ihr recht widerwärtig zu erscheinen?" Sie war allein, was ihn überraschte. Da sie ja noch nicht förmlich verlobt waren, mußte er auf eine„ Gardedem Tode von Valeriens Mutter die Wirtschaft führte. Artur dame", in diesem Falle auf die Tante gefaßt sein, die seit hatte sich in aller Form melden lassen, sein Besuch wurde erwartet. So sehr er sich Mut zugesprochen, ja, er hatte im letzten Augenblick noch einen kräftigen Whisky genommen, in Verwirrung. Ich werde es doch schriftlich mitteilen so geriet er doch bei dem Anblick der jungen Dame völlig müssen," dachte er im Fluge. Wie ein Einbrecher, ein Fredler, fam er sich vor. Valerie streckte ihm beide Hände entgegen. ,, Herzlich willkommen im Vaterlande! Sie haben sich wettergebräunten Teint mitbrachten. Richtig, Sie haben aber sehr verändert! Ich war neugierig, ob Sie den üblichen, ihn. Er steht Ihnen gut." Auch Sie haben sich sehr verändert, Valerit sehr merksam, daß wir uns noch vor vier Wochen brieflich„ du“ zu Ihrem Vorteil! Uebrigens mache ich Sie darauf aufnannten!" Ich habe nur unabsichtlich, ja unbewußt, noch das„ du" fremd geworden, nicht? Im Grunde müssen wir einander angewendet," erwiderte sie.„ Wir sind einander doch etwas doch erst von neuem fennen lernen." ,, Da haben Sie nicht unrecht, mein gnädiges Fräulein durchaus nicht Ironie, wenn ich Sie so anrede. Schon vor.. Ich bitte, machen Sie kein finsteres Gesicht! Es ist her, als ich eintrat, schwebte mir das auf den Lippen auch unwillkürlich." „ Es war ein Fehler von Ihnen, es nicht auszusprechen. Diese förmliche Anrede hätte uns einander näher gebracht, weil sie klarstellt, daß die drei Jahre an uns und der Art unſeres Empfindens nicht spurlos vorübergegangen sind." Wir hatten uns damals aber sehr gefreut, als wir zum Sie no?"" ,, du" gelangten. Es war während der Tanzstunde- wissen Und als wäre ein Stichwort gefallen, spielte jemand nebenan einen flotten Walzer. ,, Es ist mein Bruder," sagte Valerie lächelnd,„ jetzt ein die Tante." forscher Fuchs. Ich werde ihn dann hereinrufen, wie auch Sie hatte es also eingerichtet, mit Artur allein zu sein. Offenbar erwartete sie, daß er sich irgendwie erkläre. Zwar, die interessante junge Dame ihm gegenüber schien sehr ruhig und selbstbewußt; aber was er ihr so ins Gesicht sagen wollte, war doch zu roh. Höchstens eine kleine Anspielung durfte man wagen. Redensarten über seine lange Abwesenheit von der Heimat; Sie sagte ihm nun einige sehr freundliche er machte einige noch freundlichere Redensarten über ihre mittelt: vorteilhafte Entwickelung. Dann sagte sie ziemlich unverWir haben doch anderes auf dem Herzen, nicht wahr, lieber Artur, Sie fühlen das auch? Seien Sie mir nicht böse, aber es ist doch das Vernünftigste, daß wir von unserer findischen Verlobung absehen." Gespannt und ängstlich sah sie ihn an: er aber lachte aus vollem Herzen. Ihr Gesicht verdüstert sich etwas. Wenn er sich auch nicht gerade zu erschießen brauchte, ein bischen ergriffen und erschreckt mußte er doch scheinen. Nun gewährte er ihre Enttäuschung und wurde ernst. ,, Ach, verzeihen Sie mir aber ich will's nur gerade heraus gestehen: Sie wälzen mir einen Stein vom Herzen!" ,, Wie? Sie hatten auch die Absicht...?" Ja ich hatte ganz dieselbe Absicht." Eine fleine Weile starrten sie einander verdugt an, dann lachten sie beide hell auf. „ Nun können wir ja beide ehrlich vergnügt sein und ganz gute Freunde werden," rief sie. Ach, wie hatte ich mich geängstigt, was Sie dazu sagen würden, wenn ich Ihnen nun, nach drei Jahren, einen richtigen Korb gab." „ Und mir war völlig elend zu Mute, daß ich Sie nach drei Jahren sollte siten lassen! Gott sei Dank, da, die Sache so gut abgelaufen ist! Nun können wir wieder frei und froh zusammen sein, wie damals in den ersten Tanzstunden, wo man sich noch nicht verlobt fühlte." müßte. tung für издовски Gouverneur widelung deutschen Ständia abh finanzielle au fchaffen, dann hätte Ginstwei tische Testam Den Kolonia gang ateifel große Wirt hat es etwas feines Leben tag unter berufung g 31 Ueberzeu Spruchs, da neue Mitte Indes sche gramm übe imftande w eqTIm | anzuftrenge bewerbsfähi urde es ni monnu mannungsm landifch vera meife une ja auch der mehrung ein den n ijt. Inzwische рабцаций не Die ле Den Kampf teln. Sie | เรี Beigen bon jumenten auerit zuerst den Städten in inftitute tute zu Beit den S Teicht foll Währen er ja ebenfa ordnung ho immerhin t