Nr. 110. Mbonnementsprets: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., a's Saus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertelfährlich Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Mittwoch, den 11. Mai 1904. Gießener 13. Jahrgang. Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz Oberheffen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg. Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 83 Fernsprechanschluß Nr. 362. Neueste Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Hrbeiterwohlfahrtseinrichtungen. In Leipzig hält zurzeit die Zentralstelle für Arbeiterwohlfahrtseinrichtungen ihre Tagung, an der unter anderen Admiral Hollmann als Vorsitzender, der bekannte Sozialpolitiker Oberbürgermeister Adickes aus Frankfurt a. M., der Generalsekretär des Verbandes deutscher Industrieller Bueck, der Präsident des Reichsversicherungsamts Grunert und Ministerialdirektor Dr. Thiel vom preußischen Landwirtschaftsministerium teilnehmen. Diese Versammlung be= zweckt die Ergänzung unserer humanen Sozialpolitik durch Gingehen auf die individuellen Bedürfnisse der lohnarbeitenden Industriebevölkerung. Die staatlichen Arbeiterschutzgesetze, die seit der Aera Bismard unausgesetzt weiter ausgebaut worden sind, und neuerdings durch die verständnisbolle Tätigkeit des jetzigen Staatssekretärs des Reichsamtes des Inneren Grafen Posadowsky eine weitere Erweiterung und Bereicherung erfahren haben, können naturgemäß den Schuß der Arbeiterbevölkerung gegen hygienische, soziale und technische Gefahren nur in ganz allgemeinen Umrissen durchführen. Selbst das so gut gepflügte Gebiet der Arbeiterverficherung fann nur gewissermaßen im Rohen die Sicherstellung des Arbeiters gegen die Gefahr der beschränkten und dauernden Arbeitsunfähigkeit bewirken. Die Fürsorge für die Hinterbliebenen der Arbeiter, die bei der Beratung des neuen Zolltarifs in Aussicht genommen wurde, ist bis jetzt noch eine vollständig unaufgeklärte Frage. Hier setzt die Tätigkeit des Vereins für Arbeiterwohlfahrt vorläufig ein. Zwar wird die Wirksamkeit dieser humanen Vereinigung sich im wesentlichen auf die Vorbereitung, Sichtung und Sammlung des begutachtenswerten Materials beschränken müssen. Vor allen Dingen dürfte der Hauptnachdruck auf statistische Nachweise über die Zahl der fürsorgebedürftigen Hinterbliebenen von Arbeitern, sowie auf die soziale Wirkung des Elends in ganzen Familien zu legen sein. Sehr eingehend beschäftigte sich die Konferenz auch mit der Frage der Wohngelegenheit für unverheiratete Lohncrbeiter. Es läßt sich nicht verkennen, daß die unzureichende Bereitstellung von Junggesellenwohnungen in den großen Industriezentren schwere sittliche und gesundheitliche Gefab ren im Gefolge hat. Die Krankenkasse für Kaufleute in Berlin hat hierüber kürzlich Erhebungen angestellt, die trot der Wohnungsinspektion und trok der polizeilichen Vorschriften über die Beschaffenheit der Mietsräume geradezu entsetzliche Zustände zu Tage gefördert hat. Volle 20 Prozent der unter Stichprobe untersuchten Wohnungen sind entweder von durchaus ungesunder Beschaffenheit, sie starren vor Schmu und zeigen auch nicht den vorschriftsmäßigen Minimalluft. raum auf. Es steht auf alle Fälle fest, daß in den großen Pläßen an kleineren Orten machen sich solche Mängel an passenden Wohnungen nicht so empfindlich bemerkbar- der Lohnarbeiter nur sehr schwer in der Lage ist, sich eine den Erfordernissen der Hygiene und selbst bescheidenen Ansprüchen an eine behagliche Ausstattung angepakte Wohnung zu beschaffen. Die Leipziger Konferenz glaubt, daß auf genossenschaftlichem Wege, durch Schaffung von sogenannten Ledigenheimen, Abhilfe geschaffen werden könnte. So wünschensmert eine derartige Regelung auch wäre, so sind die Ausfichten auf eine allgemeine Einführung doch nur sehr gering und zwar vornehmlich aus zwei Gründen: Derartige Ledigenheime beschränken, weil sie naturgemäß eine strenge Hausordnung erfordern, die persönliche Freiheit des ledigen Arbeiters und sind außerdem zunächst durch die Höhe der Miete nicht konkurrenzfähig. Einen ähnlichen Standpunkt vertraten auch zwei Redner der Leipziger Versammlung. Es waren dies der Oberregierungsrat Falch aus Stuttgart und der Stadtrat Dr. Flesch aus Frankfurt a. M., und zwar kamen sie zu diesem Ergebnis auf Grund von Erfahrungen, die sie in den Anstalten in Bürttemberg und in Frankfurt a. M. gesammelt haben. Dagegen hat man in den Junggesellenheimen der Kruppschen Berke in Essen bessere Erfahrungen gemacht aus dem einfachen Grunde, weil die Hausordnung dort durch die Autorität des Unternehmers gestützt wird. Wir kommen deshalb zu der Ansicht, daß die Wohnungsfrage nicht allein von humanen Gesellschaften und von einer Mobilmachung des privaten Kapitals durch diese, sondern lediglich unter Mitwirkung der Großindustrie zu lösen ist, sei es nun, daß diese durch Kavitalzuwendungen die finanzielle Konkurrenzfähigkeit der Ledigenheime erleichtert, oder daß sie für die Insassen solcher Anstalten besondere Vergünftigungen schaffen. Da der Generalsekretär des mächtigsten Großindustriellenverbandes persönlich anwesend war, so sind die gehaltenen Vorträge vielleicht auf fruchtbaren Boden gefallen. Jedenfalls wäre es außerordentlich wünschenswert, daß dieser Teil der privaten Sozialfürsorge die allgemeine Aufmerksamkeit findet. Der Krieg in Oftalien. Die allgemeine Erwartung, daß die Russen nach der Räu mung von Fönghwangyischeng dem Sieger wenigstens am Notienpasse den Weg verlegen würden, scheint sich nicht zu bestätigen. Die japanischen Heereswogen ergießen sich ungebindert auf Liautschang. Aus Mukden liegt über den Vormarsch der Japaner auf Liautschang folgendes Telegramm der russischen Telegraphenagentur vom 9. d. Mts. vor: Japanische Patrouillen, welche Fönghwangtscheng besetzten, zeigen sich in der Richtung auf Liautschang. Eine aus Infanterie und Kavallerie bestehende kleine japanische Abteilung besetzte Kuandiansian. Die Station Bafandjan wurde von russischen Truppen besetzt. Bafandjan ist eine Station der von Port Arthur nach Norden an der Westküste der Halbinsel Liautung laufenden Bahnlinie. Die ersten Stationen sind Hintschentse und Nankuo, von letzterer geht eine 6 bis 7 Werst lange Zweiglinie nach Dalny, weiter folgen die Station Tafaschin mit einer Abzweigung nach Talienwan, sodann geht die Bahn auf die schmale Landenge über, die hier drohenden Batterien seitwärts lassend. Auf beiden Seiten ist das Meer sichtbar, links sieht man die mit einer hohen Mauer umgebene alte Stadt Kintschau, rechts ragt der vereinzelt dastehende hohe Samſonberg empor, dann folgen die Stationen Sanaschimtu und Bulantien, an welche das Meer nahe herantritt. Unweit dieser Station liegt der Busen von Port Adams, der den westlichsten Punkt der Grenze des Kwantung gebietes bildet, wie Pitsewo den östlichsten. Die nächste Station Bafandjan liegt weitab von der Ost- wie von der Westküste, in durchbrochener, bergiger und malerischer Gegend. Der Bahnzug windet sich durch Schluchten und Flußtäler. Die Bahnlinie war von der Grenzwache besett, auf den Hauptstationen stand außerdem Artillerie, hinter Bafandjan verläßt die Bahn das Kwantunggebiet und erreicht die Südmandschurei. Die Japaner haben also den Vorteil, für ihre Operationen vom Meer aus landeinwärts die Bahn benußen zu können. Eine Schlacht bei Liautschang wahrscheinlich. Wie man in Petersburg glaubt, wird General Kuropatkin den Japanern bei Liautschang standhalten, entgegen seiner ursprünglichen Absicht, sich ihnen erst bei Mukden zu stellen. Kuropatkin würde dann die japanische erste Armee, 60 000 bis 70 000 Mann stark, und drei Divisionen der zweiten Armee, etwa 50 000 Mann, sich gegenüber haben. Die sechste japanische Division unter Kumamoto soll vor Port Arthur bleiben. General Kuroki scheint entgegen der ursprünglichen Annahme entschlossen zu sein, seinen Sieg am Jalu aufs schnellste und energischste auszunützen. Die Schnelligkeit, mit der seine Avantgarde bei Liautschang_erschienen ist, troßdem das Pferdematerial des japanischen Heeres alles andere als gut zu nennen ist, läßt keinen Zweifel daran übrig, daß er die schärfste Offensive zur Richtschnur seiner militärischen Operationen gewählt hat. Daß diese Taktik ihm, dem Befehlshaber der von Siegesbewußtsein getragenen Verfolger, dem erschütterten Feinde gegenüber alle Vorteile verspricht, liegt auf der Hand. Im russischen Hauptquartier nahm man an, daß Kuroki sich durch die Bewegungen russischer Kosakentruppen in Nordkorea von seinem Vormarsch abhalten lassen würde. Wie der japanische Konsul in Gensan meldete, haben nämlich russische Truppen, deren Stärke nicht bekannt sei, mit berittenen Räubern aus der Mandschurei in einer beträchtlichen Entfernung oberhalb Widschus den Jalu überschritten und auf ihrem Vormarsche nach Südosten Tschangdschin, das etwa 100 Meilen westlich bon Siöngtschin liegt, besezt. Kuroki muß diese Vorstöße für 31 unbedeutend halten, um sich dadurch in der Verfolgung größerer Ziele irgendwie beirren zu lassen. Außer den anrückenden Japanern macht dem russischen Hauptquartier die Haltung der Chinesen schwere Sorgen. Man traut den Absichten Juanschikais und anderer japanerfreundlicher chinesischer Führer durchaus nicht. Chinesische Räuberbanden zeigen sich allerorten. Der Statthalter Alerejem traf deshalb, wie aus Mukden gemeldet wird, energische Maßregeln und befahl, daß alle Chinesen Mukden verlassen. Chinesische Räuber haben die bon Tatschischiao nach Haitscheng führende Straße zerstört; die Russen bauen eine neue. Als dieselben Räuber versuchten, den Schienenweg nach Dalny zu unterbrechen, wurden sie ergriffen. Das Kabel zwischen Tschifu und Port Arthur soli zerschnitten sein. Niutschwang ist einer der nächsten Punkte, die angegriffen werden sollen. Der Tatarengeneral Tsongtschi weigerte sich, Mukden zu räumen; er will bis zum letten Augenblick auf seinem Posten bleiben. Neue russische Nüstungen sind angesichts der gefährlichen Lage angeordnet worden. Ein kaiserlicher Ukas bestimmt, daß zur Vervollständigung der nach Ostasien zu entsendenden Truppenkörper aus den Militärbezirken Kiem und Moskau, sowie zur Verstärkung eines Eisenbahnbataillons und einiger Reservetruppenteile des kasanschen und sibirischen Militärbezirks Reservisten einiger Kreise der Gouvernements Boltawa, Kursk, Charkow, Rjasan, Kaluga und Tula einberufen werden. Für einige Kreise ist gleichzeitig die Stellung von Pferden für die Truppen borgeschrieben. Attentat auf die Festung Kronstadt? Eine Mlarmnachricht wird von der russischen Telearabben. worden. agentur verbreitet. Von den Behörden ist ein mißlungener Versuch, die Festung Kronstadt in Brand zu stecken, entdeckt Wenn die beabsichtigte Explosion erfolgt wäre, würden, wie angenommen wird, sämtliche in Kronstadt vorhandenen Vorräte von Explosivstoffen vernichtet worden sein. Ein Gerücht will wissen, daß der Brandstifter ein japanischer Agent ist, doch liegt hierfür keine Bestätigung vor. Es heißt, daß sämtliche im Kronstädter Laboratorium beschäftigten ausländischen Arbeiter entlassen wurden. Die Nachricht klingt recht wenig glaubwürdig. Die Politik. O Die Nachricht, Oberst Leutwein sei willens, seine sämtlichen Aemter niederzulegen, hat nach einer Information unseres Berliner CB- Mitarbeiters den leitenden Stellen Veranlassung gegeben, dem Gouverneur kategorisch zu bedeuten, daß er in der Kolonie weiter tätig zu bleiben habe. Von seinem Rücktritt könne erst nach der Niederwerfung des Aufstandes die Rede sein. Neuerdings wird gemeldet, daß der Kaiser auf Vorstellung des Generalleutnants v. Trotha hin bestimmt hat, daß die Zahl der berittenen Truppen in Südwesta fr a um etwa 2000 Mann erhöht werden soll. Das Pferdematrial toll ausschließlich aus Ostpreußen bezogen werden. Majer Estorff ist bei Otjikuara in Fühlung mit dem Feinde. Om parla. ntariid, en reisen war am Dienstag das rücht aufgetaucht, der preußische Justizminister Schönstedt absichtige aus dem Amt zu scheiden. Tatsache ist, daß der Minister seines hohen Alters wegen schon seit Monaten sich mit Rücktrittsgedanken trägt. Es fragt sich nur, ob diese jetzt sich zu einem bestimmten Entschluß verdichtet haben. Italien. Noch beherrscht der Fall Nasi das Tagesgespräch, und schon wieder kommt ein zweiter Skandal gleicher Art in Sicht: Das sozialdemokratische Blatt„ Lavoro" in Genua bezichtigt den früheren Post minister Galimberti, er habe bon Staatsgeldern 25 000 Lire für seine Hochzeitsreise verausgabt. Galimberti verklagt das Blatt jezt wegen dieser Beschuldigung. Aber ob sich in dem Prozeß, vorausgesetzt, daß der Erminister es jemals zu einer Verhandlung kommen läßt, die völlige Unschuld des Ministers herausstellen wird? Ganz ohne Anhaltspunkte wird das Genueser Blatt den Minister jedenfalls nicht so gröblich angeschuldigt haben. Schweiz. Das Programm der internationales Arbeiterschutzkonferenz, die in diesem Jahre in Bern tagen soll, verlangt zunächst Regelung der Frauenarbeit, sowie der Arbeiten in den Phosphorfabriken. Bisher stimmten der Einberufung der Konferenz Deutschland und Frankreich zu. Die Antworten der übrigen Staaten stehen noch aus. Hof und Gesellschaft. *** Das Kaiser paar trifft heute( Mittwoch) nachmittag mit der Prinzessin in Straßburg ein und steigt im Kaiserpalast ab. Abends findet große Punktafel statt. Der Kaiserplatz wird festlich beleuchtet. Am morgigen Donners. tag wohnen der Kaiser und die Kaiserin dem Gottesdienste in der evangelischen Garnisonkirche bei, nach dessen Beendigung der Kaiser eine große Kirchenparade über die gesamte Straßburger Garnison abnehmen wird. eer und flotte. Uebungsboote für die Schiffsjungen- Division. Auf besondere Anregung des Kaisers werden gegenwärtig in AltHeifendorf bei Kiel zwölf Uebungsboote neuen Typs für die kaiserliche Schiffsjungen- Division in Kiel erbaut. Diese Boote, zur Ausbildung der Schiffsjungen im Ruder- und Segelsport bestimmt, sind im allgemeinen nach dem Typ der deutschen Kriegsschiffsboote gearbeitet. Die Linien weichen aber erheblich von denselben ab. Der Bug ist bedeutend schärfer, der eingetauchte Teil ist mehr auf Segeln zugeschnitten, der Spiegel hinten kleiner und gefälliger. Als Besegelung erhalten die Boote eine neue Versuchstakelage, nämlich zwei große Raa- Segel ohne Vorgeschirr. Die Boote werden infolge dieser Neuerungen sowohl im Segeln als im Rudern mehr leisten. Die Dimensionen der neuen Boote sind folgende: größte Länge 9,30 Meter, größte Breite 2,35 Meter, Tiefe 0,90 Meter. Deutfcher Reichstag. ( 87. Sizung.) CB. Berlin, 10. Mai. Die heutige dritte Beratung des Etats für das Reichsamt des Innern trug anfangs durchaus den Charakter der Spezialberatung. Der konservative Abg. Riepenhausen nahm allerdings einen Anlauf zu einer umfangreichen Auseinandersetzung mit der Sozialdemokratie, wurde aber vom Präsidenten Grafen Ballestrem in humoristischer Form unter stürmischer Heiterkeit des Hauses veranlaßt, seine Ausführungen abzufürzen. Alle übrigen Redner hielten nur Nachlese, brachten Wünsche oder Anfragen vor, die bei der zweiten Lefuna trot deren langer Dauer veraessen zu langweilig, Sie paffen gar nicht Ach Ste find zu uns." wohl nicht zu Ihnen.' Sie mögen recht haben," sagte er leiſe. Er war ganz erstarrt über diese Worte. „ Ich passe selbstverloren im arm ihres Tänzers. hord vorüberkam, fah sie ihn gar nicht mehr. Ste hing wie nicht in diese Freuden!" dachte.. auch heute das Fest lange vor seinem Ende. Ihm ward erstickend heiß bei diesem Anblick; er berließ Ich gehöre Skizze von Professor Dr. A. Hermanns. Das Sinnbild der Bescheidenheit. ( Nachdruck verboten.) immer an Sprache hat aber für als die aus dem Lateinischen hergenommene, deren gibt einen anziehenden Aufschluß darüber, wie Farben angeform ein griechisches Wort ist. Das bescheidene Reihen das Veilchen eine andere Bezeichnung mmt die Farb worden waren. Aus den kurzen Antworten, die Gras Posadowsky erteilte, ist hervorzuheben, daß im Sommer durch Versendung der Fragebogen die lange erwartete Handwerkerenquete eingeleitet werden soll. Hingegen steht die Versicherung der Privatbeamten noch in weitem Felde, der Staatssekretär erklärte nämlich, daß einstweilen nur statistische Arbeiten über die Frage in Aussicht genommen seien. Erst in späteren Stunden kam es zu einer Debatte, die größeres Interesse wachrief, über eine Resolution, in der der Kanzler ersucht wird, bei der Verteilung des Fonds für Unterstützung der deutschen Kunst die verschiedenen Richtungen innerhalb der deutschen Künstlerschaft zu berücksichtigen. Graf Posadowsky gab eine nicht gerade sehr entgegenkommende Erklärung ab. Er meinte, vor allem sollten die Künstler einig auftreten. Im übrigen aber müsse die Frage von Fall zu Fall beantwortet werden. Die Redner aus dem Hause, unter denen sich Anhänger sowohl der alten als der modernen Kunst befanden, vertraten übereinstimmend den Standpunkt, daß der Stact nicht einseitig eine Kunstrichtung zu unterstützen und zu fördern habe. Dementsprechend wurde dann auch die Resolution mit sehr großer Mehrheit angenommen. Preussischer Landtag. Haus der Abgeordneten. RK Berlin, 10. Mai. ( 71. Sigung.) Die preußische Volfsvertretung verabschiedete heute in dritter Resung neben einer Reihe anderer Geseze auch die Dreimillionenvorlage für die Eisenbahnarbeiterhilfskassen. Dann kam die erste Lesung des vom Herrenhause schon genehmigten Ansiedelungsgesetzes an die Reihe. Dabei gab es eine lange und teilweise recht stürmische Polendebatte. Der Freikonservative Conrad und Nationalliberale GI a zel Sprachen ihre Zustimmung zu dem Gesetz aus, Herr Roeren bom Zentrum dagegen bekämpfte es scharf: Es enthalte, so erflärte er, einen Bruch der Reichs- wie der deutschen Staatsberfassung, denn es nehme den polnischen Staatsbürgern eines ihrer Grundrechte, das der Ansiedelung. Der Redner, dem die Polen lebhaft Beifall flatschten, lehnte das Gesetz schließlich rundweg ab. Zu unglaublich stürmischen Szenen fam es, als der Minister des Innern Frhr. v. Hammerstein zu einer Verteidigung der Vorlage das Wort nahm. Er betonte die Notwendigkeit des Gesetzes als Ergänzung des Ansiedelungsgesetzes. Ein Widerspruch zwischen dem Gesetz und der Verfassung existiere nicht. Hatten die Polen schon während dieser mehr juristischen Darlegungen des Ministers ihn mehrfach stürmisch unterbrochen, so ging der Tanz erst recht los, als Frhr. v. Hammerstein zu einer Kritik der polnischen Agitation das Wort nahm und einzelne Bemerkungen dieser Agitation als Unverschämtheiten charakterisierte. Mehrmals mußte der Präsident eingreifen, aber auch sciner Energie gelang es nicht völlig, den Sturm der polnischen Entrüstung zurückzuhalten. Nach Herrn v. Hammerstein sprach noch sein landwirtschaftlicher Kollege v. Pod= bielski und der Posener Abgeordnete Peltasohn. Einige persönliche Bemerkungen folgten, dann schloß die Sigung. Nab und Fern. Der Ehrenhandel der Herren Tertianer. Einen tragischen Ausgang nahm ein Dummerjungenstreich mehrerer Tertianer einer Elberfelder höheren Lehranstalt. Zwei der jungen Herren hatten sich erzürnt und beschlossen, ihren „ Ehrenhandel" durch ein Duell auszutragen. Zuerst erfolgte eine Forderung auf Säbel, die jedoch nicht zum Austrag tommen konnte, weil einer der Gegner infolge eines Armbruchs an der Handhabung einer solchen Waffe gehindert war. Man einigte sich daher auf einen Zweikampf auf Pistolen! Ms Kampfplak hatte man ein Gehölz in der Nähe der Stadt bestimmt. Als beim Erscheinen des einen Duellanten mit seinem Sekundanten der Gegner noch nicht anwesend war, begannen die beiden Jungen die Kommandos zu üben. Vorher waren die Kugeln aus den Patronen entfernt worden. In der Aufregung hatte aber der Sekundant bei einer Patrone die Kugel sigen lassen, und ein unglücklicher Zufall wollte es, daß die Kugel dem Freunde ein Auge völlig zerstörte. Die Sehkraft des andern Auges ist sehr gefährdet. Gleich nach dem Unglück erschien auch der Gegner mit seinem Sekundanten. Unter den obwaltenden Umständen kam es sofort zu einer Versöhnung und man beschloß dann, zu erzählen, daß der Verletzte von einem Fabrikarbeiter angeschossen worn sei. Der wirkliche Sachverhalt stellte sich aber bei der sofort vorgenommenen Untersuchung heraus. Die Schüler, die an dem Duell" beteiligt waren, sind sämtlich sofort von der Anstalt entfernt worden. Einer von ihnen hatte, als er vor den Direktor zitiert wurde, noch die Dreistigfeit zu sagen: Was gehen Sie denn unsere Ehrenhändel an!" Hoffnungsvolle Jugend!! Auch ein Weltreisender". Der italienische„ Weltreisende" Arnoldo Innocenti und seine Begleiterin, die angeblich aus Dänemark gebürtige, unverehelichte Olga Andresen, wurden durch die Polizei in Wilhelmshaven feſtgenommen. Die Verhafteten werden beschuldigt, in verschicdenen Städten, wie Hamburg, Bremen usw., zahlreiche Betrügereien berübt zu haben. Es kann nicht häufig genug dar. auf aufmerksam gemacht werden, daß sich unter dem Deckmantel einer angeblichen Weltfußreise" oft recht zweifelhafte Persönlichkeiten umhertreiben. Zum mindesten gehen die meisten aufs Betteln aus, wie der obige Fall zeigt, manch. mal auch auf Schlimmeres. Der falsche Arzt. In Homberg erregt ein schweres Sittlichkeitsvergehen, das sich ein sehr geachteter Bürger zuschulden kommen ließ, begreifliches Aufsehen. Der Bürgermeistereisekretär Müller wurde verhaftet, weil er sich an eine im Gefängnis befindliche Hausiererin verging. Er hatte sich der Gefangenen gegenüber als Arzt ausgegeben. Eine gefahrvolle Verhaftung hatten Posener Schutzleute vorzunehmen. Sie fanden die Wohnung des Arbeiters Kozlowski, den sie samt seiner Ehefrau und seinen drei erwachsenen Söhnen zwangsweise vor den Richter führen soll. ten, verbarrikadiert. Als sie die Tür gewaltsam erbrochen hatten, wurden sie mit Revolverschüssen empfangen. Es folgte ein erbitterter Kampf, bei dem auf beiden Seiten schwere Verwundungen vortamen. Als es endlich gelungen war, die bier hartnäckig Widerstand leistenden Männer zu überwältigen, mußten zwei von ihnen dem Krankenhause zugeführt werden. Auch zwei Schußleute sind durch Spatenhiebe schwer berletzt. Hochbahnkatastrophe in Newyork. Ein furchtbares Unglück ereignete sich auf der Newyorker Hochbahn. In der dritten Avenue an der 57. Straße erfolgte ein Zusammenstoß und eine Entgleisung. Die Züge waren gedrängt voll von Passagieren. Die Wagen brannten, mehrere hingen von der Hochbahnstruktur herab. Ein Motorführer wurde getötet, zehn Personen wurden schwer, viele leicht verletzt. Unter den Rädern der Lokomotive. Ein schweres Unglück ereignete sich auf der württembergischen Bahnstation Zeinach. Unmittelbar vor einem einfahrenden Personenzug sprang ein vierjähriges Kind von dem Bahnsteige mitten in das Geleise. Die Mutter, die Ehefrau eines Schuhmachers in Basel, die vor dem Wartesale in der Nähe stand, sprang, ein zweites Kind auf dem Arme, nach. Ihr folgte eine weitere Frau. Alle vier Personen wurden von der Lokomotive erfaßt und schwer verletzt. A Umfangreiche Banknotenfälschungen wurden von der Wiener Polizei entdeckt. Es gelang ihr, einer ganzen Bande habhaft zu werden, die in den letzten Monaten eine große Anzahl von Hundert- Kronenscheinen in Umlauf gesetzt hatten. In der Wohnung der drei Brüder Liebel, von denen zwei Zahntechniker sind und einer eine Fabrik besitzt, fand man 136 Stück Falsifikate. Außerdem wurde die Frau eines Lithographen aus Agram verhaftet, die beschuldigt ist, die Falsififate nach Wien gebracht zu haben. Auch der Lithograph selbst wurde sistiert. Im ganzen wurden 17 Verhaftungen vorgenommen. Italienische Matrosen durch kroatische Soldaten überfallen. In Fiume hat sich ein bedauerlicher Vorfall abgespielt, der für den Haß zwischen Kroaten und Italienern symptomatisch ist. Drei kroatische Soldaten des Regiments Jelacich überfielen drei italienische Matrosen. Als diese sich zur Wehr seßten, griffen die Soldaten sie mit Bajonetten an. Dem Matrosen Ranzone wurde der Bauch aufgeschlitzt, so daß er bald nach seiner Einlieferung ins Lazarett verstarb. Die beiden anderen Matrosen wurden durch Bajonettstiche im Rücken schwer verletzt. Eine Polizeiwache entwaffnete die wütenden Kroaten und lieferte sie ins Militärgefängnis Der italienische Konsul hat bereits Beschwerde eingereicht. [ Eine Ausstellung berühmter Klaviere.] Die berühmte Londoner Klavierfabrik Broadwood hat in ihrem neuen Quartier in der Conduit Street soeben eine interessante Ausstellung alter Instrumente eröffnet. In den historisch gewordenen Räumen in der Groat Pulteney Street versuchte einst auch der kleine Mozart das Spinett, das der Gründer der Firma Broadwood, Tschudi, für Friedrich den Großen angefertigt hatte. Dort schrieb auch Haydn einen Teil seiner Kompositionen nieder, und Chopin spielte hier in England zum legten Mal. In der Ausstellung befindet sich auch ein für Händel angefertigtes Spinett, das des Meisters Lieblinasinftrument war. ODfer des Sturmes. Der Wirbelsturm, der vor einigen Tage die südlichen Provinzen von Kochinchina heimsuchte, hat die Stadt Mythor fast völlig zerstört. Mehrere hundert Dschunken gingen unter oder wurden ans Ufer geworfen. 2000 Menschen sollen getötet sein, vermutlich sämtlich Eingeborene, da kein Europäer als vermißt gemeldet ist. Der angerichtete Schaden beträgt über zwei Millionen Francs. Spielhölle auf Korfu. Das schon in Vergessenheit geratene Gerücht von der Gründung einer belgischen Spielhölle auf der Insel Korfu wird jezt von Brüssel aus beſtätigt. Der alte englische Kirchhof auf Korfu wird in Gartenanlagen des neuen Kasinos verwandelt werden, nachdem die Gemeinde an England Boden zu einem neuen Friedhof geschenkt hat. Das belgische Syndikat zahlt jährlich an die Insel 8000 Pfund Pacht. Bunte Chronik. Zu Oberlind bei Koburg erstickten drei Kinder des Arbeiters Zeller, die die Eltern eingeschlossen, bei einem durch die herabgefallene Petroleumlampe verursachten Brande. In Bamberg wurden zwei Männer verhaftet, die den Eisenbahnassistenten Otto Vogt aus Sommerfeld mißhandelten und beraubten. Bei den Benrather Hafenbauten wurden drei Arbeiter schwer und einer leicht verletzt. Aus dem Gerichtsfaal. § Ein abschreckendes Bild sittlicher Verkommenheit entrollte sich in einem Prozeß vor dem Bayreuther Schwurgericht. Der angeklagte 43jährige Maurer Martin Baier von Salteneggoldsfeld bei Bamberg, ein ganz verwahrloftes Subjekt, hat nicht nur seine schwerkranke Frau auf das Roheste behandelt, sondern sogar, während die Leiche der eben verstorbenen Frau noch im Hause lag, auf seine beiden leiblichen Töchter unfittliche Angriffe gemacht. Die älteste verließ darauf das väterliche Haus, die jüngere, die 16jährige Marie, wurde furze Zeit darauf von ihrem Vater vergewaltigt! Sie erstattete andern Tags Anzeige, und der Unmensch wurde verhaftet. Er wurde zu 4 Jahren Zuchthaus verurteilt. § Die beleidigten Ersaßreservisten. Das Kriegsgericht in Danzig verhandelte über einen eigenartigen Fall. Die Gerichtsaktuare Bellschuß und Höchst aus 3oppot hatten in ihren Militärzeugnissen als Ersatreservisten die Bezeichnung „ Herr" vermißt. Deshalb richteten sie gemeinsam an das Bezirkskommando in Neustadt eine kräftige Beschwerde,(!) in der sie die Maßregelung des betreffenden Beamten" forderten. Das Bezirkskommando Neustadt beauftragte die Polizeiverwaltung 3oppot mit der Feststellung, ob das Schreiben als Beschwerde aufzufassen sei. Als die Polizeiberwaltung das bejahte, erhob das Bezirkskommando AnFlage wegen gemeinsamer Beschwerdeführung, die nicht statthaft ist. Die beiden Aktuare wurden darauf vom Standgericht des 128. Inf. Regts. zu je fünf Tagen Mittelarrest berurteilt, wogegen sie Berufung einlegten. In der Verhandlung des Kriegsgerichts wurden sie freigesprochen.(!) Der Verhandlungsführer bedauerte das freisprechende Urteil, da es sich um eine äußerst ungehörige Beschwerde handle. Die Anklage gehöre aber nicht vors Kriegsgericht, sondern hätte auf dem Dienstwege erledigt werden müssen, wobei jedenfalls eine strenge Bestrafung stattgefunden hätte. Lokales. 11. Mai 1904. ** Kreisrat Wallau hat vom Kaiser bei dessen Anwesenheit in Schliz den Kronenorden 3. Klasse verliehen befommen. +( Schwurgericht.) Am 6. Juni beginnen, wie bereits berichtet, die Schwurgerichtsverhandlungen. Als Geschworene für diese Periode wurden ausgelost: Gastwirt Joh. Stock Steinfurt. Landwirt Heinrich Rahn- Angersbach. Buchhändler Eberlin- Büdingen. Bürgermeister Müller- KleinEichen. Gutsbesizer Müller auf dem Neuhof bei Leihgestern. Landwirt Wilhelm Rach- Nieder- Erlenbach. Gemeindeeinnehmer Nicolay- Leidhecken. Landwirt Peter Schneider II.. Ostheim. Landwirt Friedrich Weber I.- Eschenrod. Rentner August Cinum Ortenberg. Brauereibesiger Christoph Jakob Melchior II.- Butzbach. Landwirt Anton Volt III Pohl. Göns. Landwirt Gustav Schmitt- Wallernhausen. Landwirt Karl Beyer- Freienseen. Landwirt Heinrich Kahn VIII.. Altenhain. Landwirt Wilhelm Batton- Harheim. Landwirt Anton Hanack III- Kirch- Göns. Kaufmann Heinrich Wendeberg- Schotten. Landwirt Georg Friedrich Bieg- Diebach a. H. Landwirt Karl Volz- Burg- Gräfenrode. Kaufmann Otto Rathschlag- Gießen. Landwirt Wilhelm Weil- Lang- Göng. Gutspächter Louis Haase- Ober- Dauernheim. Professor und Oberlehrer Röschen- Laubach. Gastwirt Heinrich HölzingerBüdingen. Rentner Albert Söhnge Ortenberg. Georg Wolf III. Oppershofen. Kaufmann Georg Bücking VIII. Alsfeld. Professor Christ. Bartholomae- Gießen. Landwirt Heinrich Schött II.- Landenhausen. Feldfchener yat er an fheiben ei er eingeftie Da man ruhigen 3 beobachtet diefem w plychiatri daß der fann, bo zugebillig als berbi und 10 Ropp von gerigt Bi Gefängnis rufung w Die Fuhr haufen im Wald teilte bi Klös fid die abe auridge meifter Müller A Theater und Saalbau Gießen. Als Termin für die Einlieferung der Pläne wurde nach Uebereinkunft mit Herrn Professor Dülfer in München der 15. Jule d. Js. festgesetzt. " †( Konzert.) Wie aus dem Inseratenteile unserer heutigen Nummer zu ersehen ist, findet am Freitag, den 13. d. M., in Steins Garten in Gießen ein Konzert der in der Schwälmer Originaltracht auftretenden Henkelschen Kapelle aus Kassel statt. Schon bei ihrem ersten Auftritt in Kassel hatte, so schreibt das Kasseler Tageblatt", die Kapelle einen sehr guten Erfolg zu verzeichnen. Es geht somit derselben ein guter Ruf voraus und ist deshalb ein Besuch des Konzertes beftens zu empfehlen. Ueber einen in Kassel am 8. d. Mts. stattgefundenen Konzertabend schreibt u. a. die Hessische Dorfzeitung" folgendes: Besonders die Driginalität des Konzertes verdient hervorgehoben zu werden und wirkte wie elektrisierend auf das Auditorium, dieses zu heller Begeisterung eniflammend, wie man sie nur äußerst selten hierorts erlebt. * In der Buchhandlung Großh. Staatsverlags ist soeben eine Sonderausgabe des Gesezes, die LandgemeindeOrdnung für das Großherzogtum Hessen betreffend vom 17. Juni 1874 erschienen. Hierbei sind die durch die Gefeße vom 15. Mai 1885 und 30. August 1899 bedingten Aenderungen der Landgemeinde- Ordnung durch fetten Druck hervorgehoben. Wer im öffentlichen Leben steht oder sonst immer mit den Bestimmungen der Landgemeinde Ordnung zu tun hat, für den dürfte ein solcher Neudruck des Gesetzes in der jeßt giltigen Form, der auch hinsichtlich Klarheit des Druckes und Handlichkeit der Form allen Anforderungen entspricht, sehr willkommen sein. Die neue Ausgabe foftet 30 Pfennige. ▲ Ein Leser in Grünberg schreibt uns betreffs unseres gestrigen Leitartikel, Koloniale Sorgen", daß dessen Inhalt nicht recht stimme mit den eigentlichen Verhältnissen in Südwestafrika. Die dortigen Missionare und Ansiedler, welche schon lange vor dem Oberst Leutwein dort ansässig waren, bedauern sein Scheiden nicht. Auch hier wird unser Kaiser, wie so oft, das Richtige getroffes haben mit der Ernennung des Generals von Trotha. ** Schlimme Folgen hatte die Verurteilung eines aus Niederrad stammenden Gardisten in Berlin zu 6 Wochen Mittelarrest wegen eines Vergehens, das nicht er, sondern ein anderer begangen hatte. Während der Verur. teilte noch an der Strafe absaß, meldete sich der eigentliche Täter. Der Unschuldige wurde sofort aus dem Arrest entlassen und erhielt einen Urlaub in die Heimat. Als er seinen Eltern sein Mißgeschick erzählte, wurde der Vater von einem Schlaganfall betroffen, von dem er gelähmt ist. A Grünberg. Es wird uns folgendes mitgeteilt: In Rupertsburg bei Laubach wurde auf ortsübliche Weise ein Ziegenbock versteigert. Der Einwohner B. steigerte ihn für einen geringen Preis, und aus Freude hierüber trant er etliche über den Durst, während dem der Ziegenbock im Hofe stand. Endlich ging es nach Hause, dort angekommen, ges riet er mit einem anderen in Streit und es tam zu Tätlichkeiten, die dem B. eine 3 monatliche Gefängnisstrafe einbrachte. Als er gestern diese antreten sollte, ging er in sein Kämmerlein, schloß die Türe hinter sich zu, und hieß den Strang den Richter spielen. Der so aus dem Leben Geschiedene war bereits 70 Jahre alt. *** Wezlar, 10. Mai. In einer Wirtschaft in Naunheim tam es vor einer Woche zwischen Bauernburschen zu Streitigkeiten. Dabei erhielt der Friedrich Adam von Naunheim einen so heftigen Schlag auf den Kopf, daß er nach einigen Tagen starb. Zwei Teilnehmer an der Schlägerei wurden in Haft genommen. Nieder- Ofleiden. Der 1. Mai hat einen bedeutenden Umschwung in unserem Dörfchen hervorgerufen. Sämtliche Beamten vom Zugpersonal sind von hier nach Kirchhain versezt. Man bedauert dies, indem manche Wohnungen speziell für diese Familien hergerichtet wurden und nun unbewohnt dastehen, aber auch aus dem Grunde, da einige wackere Leute und liedere Männern aus unserer Mitte geschieden. ====Bad Nauheim, 7. Mai. In der abgelaufenen Woche sind 904 Kurgäste angekommen und die Gesamtfrequens beträgt bis zum 5. Mai. 1737 Personen, wovon an genanntem Tage noch 1425 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 5. Mai 14777 abgegeben. Bad- Nauh. Anz. Aus dem Gerichts[ aal. Straffammer. Gießen, den 6. Mai 1904. Der 16 jährige Schuhmacherlehrling Ludwig Meyer von Staufenberg ist geständig, aus Fahrlässigkeit eine borgenom liche Bef malftrafe und Bü wat ang der Elter Da den จ gegen werden Bloch Tous S1 berunt Monat als An ift ange Wegwei eine An zu hab und zu wird d wegen Schirm einer worauf urteilt. D ftrafte als A Bad In Emp XX Bev Ges anf verla Sie W Of t: Gaftwirt Angersbach Müller- Klein i Leihgeftern Gemeindeein Schneider IL od. Rentner riftoph Jato IE III Sob . Landwin Rahn VIII. . Landwirt nrich Bende Diebach a. fmann Dfto Lang- Göns Brofeffor und Holzinger: rg. Müller eorg Büding ießen. Land eßen. Ale nach Ueber München der nteile unferer itag, den 13. zert der in der n Hentel ihrem erften er Tageblatt en. Es geb t deshalb en Leber einen in abend schreibt Besonders die orgehoben zu Auditorium, man fie nur Lage ist fo gemeinde effen be Sierbei find 30. Auguft be- Ordnung öffentlichen mmungen der en dürfte ein tgiltigen Drudes und ntspricht, fehr Pfennige. treffs unseres baß deffen Verhältniffen nd Ansiedler, dort anfäffig Er wird unser mit der Er Verurteilung Berlin zu das nicht er, Der Verur. eigentliche Arrest entt. Als er Vater von t ift. geteilt: Sn bliche Beife Steigerte ihn iber trant er nbod im Hofe efommen, ge mzu Tätlich nisstrafe ein ing er in fein und hieß den m Leben Ge Birtschaft in chen Bauern riedrich Adam en Ropf, daß mer an der bedeutenden Sämtliche Kirchhain Wohnungen en und nun De, da einige ferer Mitte abgelaufenes die Gesamt Berfonen, wo aren. Bäder Nauh. Anz. i 1904. bwig Rep laffigleit eine - - Feldscheuer in Brand gesetzt zu haben. In derselben Zeit hat er an der Pumpstation Staufenberg etwa 15 Fensterfcheiben eingeworfen und an der Haltestelle Daubringen ist er eingestiegen, wobei eine Fensterscheibe zertrümmert wurde. Da man Bedenken gegen die zurechnungsfähigkeit des sonst ruhigen Jungen hatte, wurde er durch den Arreſthausarzt beobachtet bezw. auf seinen Geisteszustand untersucht. Außer diesem war zum heutigen Termin ein Oberarzt aus der psychiatrischen Alinit anwesend. Die Verhandlung ergab, daß der Angeklagte nicht als geistestrant geschildert werden fann, doch wurden ihm mildernde Umstände im vollen Maße zugebilligt und auf eine durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt zu erachtende Gefängnisstrafe von 2 Monaten und 10 Tagen erfannt. Der Taglöhner Simon Peter Ropp von Ober- Erlenbach wurde durch das Schöffen gericht Vilbel wegen Beleidigung eines Geistlichen mit einer Gefängnisstrafe von einem Monat belegt. Auf seine Berufung wurde heute die Strafe auf 14 Tage herabgesetzt. Die Fuhrleute Daniel Klös und Georg feil von Ettingshausen mißhandelten sich gelegentlich des Holzschleifens im Walde gegenseitig. Das Schöffengericht Laubach verurteilte dieserhalb jeben zu 20 Mt. Geldstrafe. Während Klös sich bei dem Urteil beruhigte, legte Keil Berufung ein, die aber nach wiederholter Beweisaufnahme fostenpflichtig zurückgewiesen wurde. Der Standesbeamte und Bürgermeister Herbst von Altenburg hat zwei Eheschließungen vorgenommen, ohne daß ihm die vorgeschriebene amtsgerichtliche Bescheinigung vorgelegen hat. Es wurde auf die Minimalstrafen von 3+ 3 Mt. erkannt. Der Standesbeamte und Bürgermeister Johannes Kircher von Angersbach war angeklagt, bei einer Eheschließung nicht die Genehmigung der Eltern der minderjährigen Braut eingeholt zu haben. Da den Umständen nach anzunehmen war, daß dieselben gegen die Eheschließung Einwendungen nicht erheben werden, werden, erfolgte Freisprechung. Bloch von Blankenau hat seinen Dienstherrn Müller Nikolaus Möller zu Angersbach den Betrag von 70 Mark veruntceut, wofür er mit einer Gefängnisstrafe von einem Monat belegt wurde.- Der seither in Groß- Felda als Knecht tätige Alexander Felix Kreß von Schloß- Chemnit ift angeflagt, mit einem bis jetzt noch nicht Ermittelten, zwei Wegweiser in der Nähe von Groß- Felda umgeworfen und eine Anzahl an der Straße stehender Läumchen umgerissen zu haben. Trotz Leugnens wurde er für überführt erachtet und zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Zum Schluß wird der Schirmmacher Peter Werner von Wehrheim wegen Diebstahle einer Uhr zu Altenstadt und eines Schirmes zu Rodenbach, sowie eines versuchten Betrugs zu einer Gefängnisstrafe von 3 Monaten und 14 Tagen, worauf ein Monat Untersuchungshaft aufgerechnet wird, derurteilt. - Der Knecht Johannes Gießen, den 10. Mai 1904. Der wegen Mietgeldschwindeleien bereits einfach bestrafte Taglöhner Konrad Dell von Eichen vermietete sich als Knecht bei dem Korbwarenhändler Heinrich Ruder in Bad Nauheim. Er nahm das Mietgeld mit 3 Mart in Empfang, trat aber seinen Dienst nicht an, weshalb er Bevor Sie ein | - wegen Betrugs veranzeigt wurde, was ihm 6 Monate Gefängnis eintrug. Die Ehefrau des Taglöhners Ernst Wolff von Friedberg, die wegen Diebstahls schon mehrere Strafen verbüßt hat, stahl der Frau des Taglöhners Rühl ein Kleid und Bettwäsche, wofür sie mit 7 Monaten Gefängnis bedacht wurde.- Der Fuhrmann Johann Friedrich Schäfer von Lauterbach fuhr auf der Straße Lauterbach- Blißenrod auf dem Wagen sizend ohne die Pferde an den Zügeln zu halten. Als die Pferde scheuten, war er nicht in der Lage, dieselben anhalten zu fönnen. Der Landwirt Linn, welcher die Pferde anhalten wollte, erhielt dabei von der Deichsel einen Stoß in die Rippen, was eine Verlegung der Lunge und den Tod des Linn zur Folge hatte. Schäfer wurde dieserhalb wegen fahrlässiger Tötung angeklagt, wurde aber nur wegen Polizeiübertretung mit 10 Mt. Geldstrafe belegt. Der Landwirt Heinrich Schmidt 8. von Queckborn setzte auf dem Felde aus Fahrlässigkeit einen Strohhaufen in Brand, wodurch dem Johannes Schmidt 5. ein Schaden von 40-50 Mt. entstand, was das Gericht mit 60 Mt. Geldstrafe ahndete. Zum Schlusse wurde der Steinbruchsbesizer Friedrich Gerhardt von Calbach wegen Urkundenfälschung und Betrugsversuch zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt. Litterarisches. " - Wissen ist Macht, darüber sind sich heute alle Gebildeten flar. Daher sind die Bestrebungen des unübertrefflichen Moden- und Familienjournals Mode und Haus", Verlag John Henry Schwerin, Berlin W. 35, nicht hoch genug zu preisen, indem es seine Leser für einen Spottpreis auf dem ganzen weiten Gebiet der Kultur auf dem Laufenden erhält und so alle übrigen Zeitschriften ersetzt. 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Sie schlug die Hände zusammen.„ Natürlich, Minna, aber wo hat so' ne Braut ihre Gedanken!" so wird's gemacht, ich wollte es dir ja schon immer vorschlagen, Als sie gingen, da lachte Lieschen:„ Also es bleibt dabei!" und Johannes drückte Minna die Hand:" Auf Wiedersehen!" und sie selber nickte ein frohes Ja! Die Türe hatte sich hinter den beiden geschlossen, aber Minnas armes, verfümmertes Herz hatte sich weit aufgetan vor Freude. Sonntag, Sonntag!" rief sie. Aber es waren noch etliche Tage bis dahin! Nachts jedoch träumte sie von blauen Augen, die sie freundlich anschauten und einer Stimme, die Auf Wiedersehen" sagte, und wie sie morgens aufwachte, da war auch die Sehnsucht in ihrem Herzen aufgewacht, sie wußte nicht, wonach, noch was das überhaupt für ein Gefühl wäre, aber es war trotzdem so schön! Sonntag! Endlich war die Stunde da, in der Johannes und Lieschen famen, um Minna abzuholen. Eine Stunde weit hatte man, auf der Straße dahinzugehen, es war schöne warme Luft. Minna hatte ihr schwarzes Kleid an und sich ein buntes Band um den Kragen genäht. Sie sah ordentlich hübsch aus. Lustig wanderten sie dahin. Johannes führte Liese am rechten, Minna am linken Arme, er hatte es so haben wollen, ,, damit sie das Gleichgewicht behielten" und schob nun die Mädchen des öfteren hin und her, mal nach der einen Seite des Weges, mal nach der anderen, um auszumessen, wie breit die Straße sei und ob sie auch ordentlich für sie reiche, ein Spaß, den sie gern belachten! Glücklich langten sie an dem Ziel ihrer Wanderung an. Wie alles an diesem Tage gewesen, Minna hätte es hernach kaum deutlich zu sagen vermocht, sie wußte nur, daß es wunderschön gewesen und daß sie solch einen Tag wohl nie wieder erleben würde, und gerade darum war es wohl so schön! Die kleine Schlütersche Besizung dünkte ihr ein Königreich, die hellen Stuben wie Prachtsäle, und der schöne Kuchen, den Frau Schlüter gebacken, wie schmeckte er prächtig, und all das Vieh in den Ställen, die rotbunten Kühe und die wolligen Schafe, sie hätte am liebsten jedes Stück gestreichelt! Wie im Fluge bergingen die Stunden. Minna ward traurig, als sie die Uhr schlagen hörte, die immer weiter vorrüdte. ,, Ach, wie schön, hier möchte ich sein, ich glaube, hier würde ich noch mal ganz gesund!" sagte sie aus vollem Herzen heraus. ,, Wir werden Ihnen das hier schenken, Fräulein Minna," lachte Johannes scherzend, ich ziehe dann wo anders hin mit der Liese!" Minna sah ihn an, gerade hinein in seine blauen Augen. ,,, wenn Sie hier fehlten, dann wäre doch nur alles halb, wer weiß, ob ich dann auch hier sein möchte!" sagte sie schnell. Als sie das getan hatte, ward sie rot und senkte die Blicke. Was hatte sie da nur gesagt? Ihre Worte hatten Johannes gegolten, doch, Gott sei Dank, ja auch so geflungen, als wenn Sie zu den beiden gemeinsam gesprochen wären, man würde sie sicher nicht verspotten darum! Eine Erfahrung aber hatte sie nun plötzlich gemacht, daß auch das Schönste nicht mehr schön sei, wenn das dabei fehlt, was das Herz lieb hat, und das ein einziges Augenpaar auch in den düstersten Winkel Licht tragen kann! " Ja, wir werden hier recht glücklich zusammen wirtschaften!" sagte Liese dazwischen. Da wurde Minna wieder blaß und ihre Hände bebten. Andere waren glücklich und sie mußte einsam und unglücklich weiter. Nun standen sie in dem kleinen Garten, Herbstblumen blühten darin und dort am Stamm noch eine glutvolle Rose. ,, Ach, die schöne, schöne Rose!" Minna eilte auf sie zu und strich sanft mit der Hand über sie hin, fast hätte sie die Rose geküßt. Die Lette!" sagte Johannes.„ Aber die Letzte ist einem immer am liebsten, zehn im Frühling sind nicht so viel wert wie die eine im Herbst - " Ja, das weiß ich!" entgegnete Minna tiefernst. Ihre Blicke hafteten so sehnsüchtig an der roten Rose, - der gutmütige Johannes fonnte nicht anders, er brach die Blüte bom Stamme und reichte sie Minna hin. Da, nehmen Sie nächstes Jahr wachsen hier ja neue!" Ein leiser Freudenlaut kam von Minnas Lippen. Für mich wirklich für mich o tausend Dank!" stammelte sie. Als sie heimging, trug sie die Rose sorgsam in der Hand wie ein Kleinod. In ihrem Stübchen angelangt, stellte sie die Rose sogleich ins Wasser, in träumerischem Sinnen entkleidete sie sich und ging zur Ruhe! Zur Ruhe? O nein! ,, Nächstes Jahr wachsen hier ja neue!" hatte Johannes gesagt, als er ihr die Rose pflückte! Dort ja, aber für sie war dieses darum doch die letzte, das fühlte sie, dieſe Roſe würde bald verwelken und auch sie selber keine neuen mehr blühen sehen! Leise begann sie zu weinen, immer lauter und heftiger dann. Riesengroß stieg die Sehnsucht in ihr auf nach Liebe und Glück und rüttelte an ihrem franken Körper, riesengroß das Leid um diese Rose, welche sie mit so köstlichem Farbenschimmer grüßte und doch die letzte war! Am nächsten Tage stand die Rose vor dem Fenster, ihr kurzes Leben noch zu verlängern, und Minna nähte hinter den kleinen Scheiben, bald war ja die Hochzeit! So sah ich ſie ſizen! Letzte Rose, du konntest nur eine wehmütige Geschichte haben und doch hatteſt du ein schönes Los ein wenig Sonnenschein trugst du in ein armes Leben, in eine kleine Kammer, und es gibt viele, die wissen, was das wert ist! WITZ HUMOR Im Eifer. A.( dessen Sohn jus studiert, wütend zu seiner Frau):„ Ein unverschämt fauler Bursche, dein lieber Fritz! Tr druckt und druckt vor dem Examen herum, während sein Vetter Heinrich, der keine Minute früher mit dem Studium angefangen hat, jetzt schon zum drittenmal durchgefallen ist!" * Etwas vom Durst. Es gibt verschiedene Gattungen von Durst. Brillat Savarin unterscheidet deren drei: den gebundenen( latenten), den künstlichen oder habituellen und den brennenden. Numero zwei hält er für den schönsten, aber auch für den gefährlichsten, denn er ist unlöschbar. Instruktion für die Hochzeitsreise. In den Tunnels schlinge recht fest die Arme um deinen Mann!" ,, Damit er mich tüchtig küßt, nicht wahr, Mama?" ,, Nein, damit er dir nicht mit der Mitgift durchbrennt!" Rache ist füß. Kannibalenhäuptling( zu einem geflüchteten Fabrikdirektor):" Sie werden unbedingt gefressen ich habe auch zwanzig Aktien Ihres verkrachten Unternehmens!" * Lebensweisheit. Genialität ist manchmal Krankhaft angelegt im Grund; Anders ist es mit der Dummheit, Die ist immer kerngesund! Schön gesagt. * Ausländer( im Deutschen noch unsicher, bei einem Waldspaziergang auf eine Lichtung stoßend):„ Ah, hier hat der Waldeine Glaze." Die Ausstattung. Die Töchter der Kanzleirätin denken, scheint es, schon ans Heiraten?"." Ja, sie arbeiten wenigstens bereits an der Kriegsausrüstung." H Die rgeschrittene Köchin. Hausfrau: Ja, früher, da gab es noch fleißige, ordentliche, gehorsame Dienstboten. Aber heute!" Köchin:„ Ja, hörten Madam' noch nie etwas von Evolution der weiblichen Psyche?" Nr. 105 Mittwoch, den 11 Mai. 1904. Oberhessische Familienzeitung. Tägliche Unterhaltungs- Beilage der Gießener Neueste Nachrichten. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerci, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein. ( 14. Fortsetzung.) Iwan der Schreckliche. Original- Roman von Hans Hoffmann. " So' n feiger Hund! Ich tu's gleich!" rief Hermann fassen!" Gruber stolz. Man muß den Stier bei den Hörnern Du kannst es auch am besten, dir tut er nichts, nämlich von wegen deiner Schwester „ Ach Unsinn; meine Schwester ist ja böse mit ihm, glaub' ich. Bruder gesagt hat, der bei den Husaren?" wo, dann tut er nur so; weißt du, was mein großer „ Na?" ,, Er ist verliebt in Alma Gruber." ,, Aaah!" Ein ungeheures Staunen ging über die Klasse und eine Entrüstung über die unglaubliche Schwachheit eines bisher so geachteten Lehrers. Iwan der Schreckliche verliebt! In wenigen Sekunden sank der Respekt vor ihm in wahrhaft gefahrdrohender Weise. ,, Donnerwetter, wer hätte das gedacht?" rief einer nach allgemeinem Schweigen.„ Aber dann ist's richtig, Gruber, dann tut er dir nichts; wenn man verliebt ist, ist man immer jo gegen die Brüder; du kannst es riskieren." ミ Ja, ja, Gruber muß voran, er hat auch angefangen mit dem Aufheben!" ,, Win ich auch!" rief Gruber troẞig.„ Ich will's ihm schon zeigen. Aber wenn ihr nicht mittrommelt, nüßt es nichts, und ich muß es nachher allein ausbaden. " ,, Er tut dir ja nichts; denk doch an den Köter, den er auch nicht gehauen hat, und der ist doch so' n freches Biest, wie du noch lange nicht bist." ,, Nein, noch lange nicht!" Hermann Gruber fühlte sich sehr geschmeichelt und ermutigt. " Und natürlich trommeln wir alle mit." ,, Aber nach Noten!" Wißt ihr was, Jungens?" schlug einer vor. hab' Murmeln bei mir- das ist' ne Dynamitpatrone muß Gruber ihm um die Beine schmeißen." " Ich - die Gruber erblaßte.„ Das ist aber zu glupsch!" „ Ach wo! Jamos iſt es! Weißt du, sie fallen dir ja natürlich ganz zufällig aus der Tasche." ,, Gruber, wenn du feige sein willst, gibt es eile!" Um ihm jeden Zweifel an der Tatsächlichkeit dieses ihm drohenden Schicksals zu benehmen, wurde er gleich von einem Dußend munterer Fäuste bearbeitet, während ihm von anderen die Taschen voll Lehmkugeln gestopft wurden. Er wehrte sich wie ein Löwe, und durch dieses Vorpostengefecht wurde sein Kampfesmut so befeuert, daß er jedes Zagen vergaß und die unerhörtesten Heldentaten gegen Iwan den Schrecklichen in Aussicht stellte. " Schade, daß ich meine Spieldose nicht bei mir habe," rief er prahlerisch,„ das wär' fein! Da sollt' er' ne Musik hören!" nehmen." „ Na, zum Musifmachen können wir auch Stahlfedern Das leuchtete allen ein; augenblicklich wurden von einem halben Hundert Federn die Spitzen abgebrochen und in das ( Nachdruck verboten. Holz der Tische gebohrt; auf so einfache Weise wurden ohne Zeitverlust die zierlichsten Instrumentchen hergestellt, welche zwar zur Ausführung komplizierterer Tonsäße weniger_geeignet schienen, aber doch einen zarten, harfenähnlichen Ton hervorbrachten, der den zeitigen Anforderungen vollkommen genügte. Diese friegerischen Vorbereitungen erhitzten den Mut und Eifer zu fieberhafter Höhe. Von der Kriegsmusik ging man zur Anfertigung von Waffen selbst über. Aus Gummischnürchen, Zwirnfäden, Fischbeinen, Streichhölzern, Feder haltern und anderen Gegenständen des friedlichsten Ge brauches wurden mit rüstiger Arbeitskraft höchst verwickelte Schußwaffen zusammengesetzt, Schleudern, Bogen, Ballisten und Katapulte; wären Frauen zugegen gewesen, sie hätten wie einst die Karthagerinnen ihr Haar zur Anfertigung von Bogensehnen hergegeben. An Munition fehlte es nicht; Papierküchelchen wurden in Masse bereit gehalten, von kannibalischen Gemütern sogar mit dem schwarzen Gift der Tinte getränkt. Der Krieg mußte nach Partherart aus der Ferne eminus geführt werden, denn im Nahkampf hatte der schwerbewaffnete Lehrer offenbar zu viele Vorteile für sich; das war gemein von ihm, feige und heimtückisch, aber es war nicht zu ändern, die Lehrer sind einmal so von Gott erschaffen. cominus Der junge Gruber saß mit finster entschlossenem Antlit da, ein neuer Decius Mus und Winkelried, zum Opfer geweiht und sich seiner Weihe bewußt. Die Tür ging auf, und Iwan der Schreckliche schritt herein. Hermann Gruber, noch eben hochrot von den vorhergegangenen Fauſtkämpfen, ward bleich wie Kalf und wäre am liebsten nicht nur unter den Tisch, sondern gleich unter die Diele verschwunden; doch sein Heldensinn bestand die furchtbare Probe; er blieb stramm ſizen und kroch nicht unter die Diele. Eine unheimliche, fast grauenhafte Stille trat ein. Jezt drehte der Schreckliche der Klasse den Rücken, um seine geometrischen Figuren an die Tafel zu malen. Da ward hinten in der Ferne eine ganz feine Kriegsmusik angeſtimmt, so zart und leise wie ein Engelgesang über Wolfen, für ein sterbliches Ohr kaum vernehmbar; doch der junge Decier hörte sie, und durch das erhebende Gefühl der Rückendeckung ward sein Mut gestählt. Er zog eine Lehmkugel aus der Tasche und ließ sie zur Erde fallen. Allerdings gebrauchte er die Vorsicht, die Hand dabei so dicht über den Fußboden zu halten, daß ein Geräusch durchaus vermieden wurde, aber die Kugel rollte doch einige Fingerbreit fort und hätte beinahe den freien Raum vor dem Tisch erreichen können. Es war immerhin ein erster Versuch, wohl geeignet, die Kühnheit zu wecken, da er keinerlei üble Folgen nach sich zog. Eine zweite Kugel ward abgelassen; man vernahm ein hörbares, wenn auch immer noch äußerst zartes Rollen. Auch die Kriegsmusik im Hintergrund begann ein wenig anzuschwellen. Noch immer erfolgte nichts Schreckhaftes auf diese verwegenen Herausforderungen. Da ergriff den Schüßen ein trunkener Todesmut gleich dem taumelnden Verzweiflungskampf des Selbstmörders, Gießen. häft. ll., iglichen gen er Gährung halte fehlen, Nr. 99. Grat D Pen Bo und die Augen zufneifend ließ er mit ungeheuerem Entschluß eine ganze Faust voll Kugeln poltend nach dem Katheder hinsausen. Dann hing er mit geschlossenen Augen über den Tisch, totenbleich, als fäßen ihm zwanzig Feindesspeere in der Brust, das Ende aller Dinge erwartend. Alle fünfzig Köpfe der Klasse sanken mit einem Ruck tief auf die Tische herab, und Sefunden hindurch war kein Atemzug zu vernehmen. Jeder einzelne erwartete unter Stoßgebeten eine nie dagewesene Katastrophe. Wenn der Gewaltige jetzt wie Simson das Haus über sich und der meuterischen Klasse zusammen gestürzt hätte, feiner hätte sich gewundert und keiner die Strafe zu hart gefunden. Iwan der Schreckliche fuhr von der Tafel herum; nie hatten seine Augen so furchterregend geflammt. Mit einem Blick hatte er die Sachlage erfaßt; er wußte, daß die ganze Klasse gegen ihn verschworen war. " Das ist dein Schicksal!" dachte er.„ Diese Unmündigen werden deine Richter sein." Er wußte auch ganz genau, wer dem Attentat die ausführende Hand geliehen; auf dem entſtellten Gesicht des jungen Gruber stand ja eine ganze Speisekarte ungeheuerer Sünden geschrieben. Wenn er diesen jezt ohne Zaudern herausgriff und als Sündenbock für aller Vergehen schlachtete, so konnte mit ein paar gesunden Ohrfeigen die Sache abgetan und seine Herrschaft auch für die Zukunft wieder befestigt sein. Das war ihm zweifellos klar. Aber er fand im entscheidenden Augenblick nicht den Entschluß, darnach zu handeln. Zehn Bedenken sprachen dagegen Er konnte sich ja irren, Gruber war vielleicht ganz unschuldig, seine Schuld war nur geahnt, nicht bewiesen. Durfte der gerechte Lehrer sich der Gefahr aussehen, durch die vorschnelle Züchtigung eines Unschuldigen einen moralischen Justizmord zu begehen? Und daß es gerade der junge Gruber war! - Und wenn der rasche Griff auch der richtige war er zweifelte doch wirklich nicht war denn der Ausführende strafwürdiger als die Anstifter? War er nicht im Gegenteil nur der Mutigere, Noblere, der zu handeln wagte, wo die Feigen sich tückisch duckten? Und dieser Bessere sollte büßen und die Lumpen straflos ausgehen? Und daß es gerade der junge Gruber war! Und während der wenigen Sekunden solcher Billigkeitserwägungen war auch der volle Ernst seines Zornes schon gebrochen; zuletzt war das Ganze ein kindischer Spaß, ein harmloser Uebermut, keines Aufhebens wert, und wenn er nun diese fünfzig angſtverſteinerten Köpfe sah, die samt und sonders aussahen, als ob sie bereits auf dem Block lägen, wie sollte er sich da eines inneren Lachens erwehren? Es war ein rührend komischer Anblick und weiter nichts. Diese versäumten Sekunden bedeuteten die Entthronung Jwans des Schrecklichen. Er beschloß am Ende, sich mit einer allgemeinen Strafrede zu begnügen, die zwar sehr zornig flingen sollte, aber nicht innere Kraft der Wahrheit genug besaß, die Gemüter wahrhaft zu erschüttern, ihnen vielmehr nur die Muße gewährte, sich von ihrer Zerknirschung zu erholen. Es war ein Sturm, der über ihre Köpfe brauste, während sie sicher im windstillen Tal saßen. ,, Kinder, er tut nichts," flüsterte es in einem fernen Winkel, er hat den Köter auch nicht gehauen!" Und diese Ermunterung lief wie ein tröstliches Propheten wort blitzschnell von Mund zu Mund. Die erblaßten Wangen bekamen ihre derben Farben langsam wieder, die Stirnen haben sich vorsichtig, und die Augen spähten wieder mit scheuer Keckheit nach neuen Taten umher. Wohl richteten sie ihre Blicke mit heuchlerischer Demut auf den wohlwollenden Redner, der sich mit mild gemäßigtem Tadel über ihr Unrecht erging, ihre Ohren aber lauschten weit gespannter auf die summenden Harfenklänge, welche im Hintergrunde schon wieder anzuschwellen begannen. Das Gefühl persönlicher Sicherheit wuchs mit jeder Minute in jedem einzelnen. Mochte selbst noch eine Strafe fommen, sie traf dann alle, was schadete sie dem einzelnen? Eine Strafe für alle ist eine Ehre für den einzelnen. Vor allen aber hob sich des jungen Gruber Brust von freudigem Stolz; jezt fühlte er sich als der bekränzte Sieger und Held des Tages. Der Lehrer schloß seine gütige Ermahnung mit der versöhnenden Zusicherung, es solle diesmal alles vergeben und vergessen sein als ein Torenstreich, der keinen bösen Willen bekunde; er hoffe, ja, er wisse, daß etwas Derartiges nie wieder vorkommen werde. Kaum hatte er diese herzgewinnenden Worte gesprochen, als etwas Weißes wie ein schnelles Insekt durch die Luft geschwirrt kam und dicht an seinem Kopfe vorüberblißte. Auch jetzt war er sich vollkommen klar darüber, was dies bedeutete, und sein Zorn kochte heftiger empor. Von dem Täter hingegen hatte er diesmal feine Ahnung, er konnte also nun erst recht nicht daran denken, aufs Geratewohl einen Unschuldigen abzustrafen. Ueberdies, juristisch sicher war er seiner Sache im Grunde doch nicht, einen Eid hätte er nicht darauf ablegen können; es fonnte wirklich ein Insekt oder sonst etwas Zufälliges gewesen sein. Es schien ihm das Beste, vorerst gar nichts gesehen zu haben; erst eine Wiederholung konnte beweisen. Und wenn es ihm dann gelang, den nichtsnuzigen Schlingel auf der Tat zu ertappen, dann gnade dem Gott! Er legte sich heimlich auf die Lauer, und während er scheinbar ganz in seinen geometrischen Erklärungen aufging, wanderten seine Augen so scharf beobachtend über die Klasse, als gälte es eine trigonometrische Aufnahme derselben. Doch je strenger er aufpaßte, desto unsicherer wurde sein Blick; überall glaubte er verdächtige Fingerbewegungen zu entdecken, überall ein verdächtiges Zwinkern und Zielen der Augen, und doch war es nirgends etwas Sicheres, Greifbares; schon begann ihn ein leichter Schwindel zu befallen. Dazu vernahm er nun ein unheimlich schwirrendes Klimpern, aber auch das nur halb, nur in unbestimmter Ferne, nur wie eine Möglichkeit; es konnte auch draußen von der Straße, etwa von einer fernen Drehorgel, kommen; es konnte auch gar nur ein Klingen seines überreizten Gehörnervs sein. Freilich wurde es stärker und stärker, aber das war noch kein Beweis; freilich stand seine subjektive Ueberzeugung, daß es eine neue Bosheit war, vollkommen fest, aber was half das? Einen objektiven Tatbestand zu finden, darauf kam es an. Er spannte seine Aufmerksamkeit bis zum äußersten an, es schwirrte ihm vor den Augen, es brauste ihm vor den Ohren; sein Blut pulsierte wie im Fieber. Das lange Lauern und der unterdrückte Ingrimm hatten seine Nerven fürchterlich erregt. Da fühlte er plötzlich etwas wie einen leichten Schlag gegen den Kopf; er griff hinauf und faßte ein Papierkügelchen, das in seinen Haaren saß. Gott sei Dank, ein Corpus delicti hatte er in der Hand! Wenn er jetzt den Täter auch nur ahnte, dann wehe dem! Prüfend ging sein Blick über die Reihen eine schuldbewußte Miene hätte ihm jetzt als Beweis genügt doch was er sah, waren lauter ehrliche, unschuldige, reine Knabengesichter, voll rührenden Vertrauens auf den Lehrer gerichtet; nicht ein einziges trug die geringste Spur eines schlechten Gewissens, einer Tücke, eines hämischen Triumphes oder ähnlicher unschöner Gefühle; alles war Friede, Liebe, Ehrfurcht, Treuherzigkeit. Da erst schwoll ihm der heiße Zorn mächtig in der Brust empor; die niederträchtige Heuchelei dieser jungen Seelen raubte ihm ganz die Fassung, und ohne weiteres Befinnen fuhr er auf den ersten besten los, ihn mit Donnerstimme der Tat beschuldigend und mit beiden Händen schüttelnd. Nun hatte aber dieser erste beste wirklich die letzte Kugel soeben ganz unschädlich zur Erde fassen lassen, und das ſtolze nicht abgeschossen; er hatte die vorher bereitgehaltene vielmehr Bewußtsein dieser wunderbaren Gewissensreinheit gab dem armen Opfer den ganzen Trotz des ungerecht Gekränkten, und mit aller Heftigkeit eines edlen Zornes legte er gegen die Anklage Verwahrung ein. Diese Heftigkeit wirkte in der Tat überzeugend; der Lehrer bekam das Gefühl, einen Unschuldigen gefaßt zu haben, ward unsicher und dachte heimlich über einen ehrenvollen Rückzug nach; da kollerte ihm von einer anderen Richtung her eine volle Ladung polternder Lehmkugeln um die Füße, und die geheimnisvolle Musik schwoll von allen Seiten zugleich zu schauerlichem Dröhnen an. Nun ließ er sein erstes Opfer los und stürzte sich blindlings auf einen beliebigen anderen Schüler, der einen Anflug von Heiterkeit im Gesicht zu haben schien. Er gab ihm eine schallende Ohrfeige. ( Fortsetzung folgt.) - Eine Frau fragt nicht danach, was sie gibt, wenn sie liebt sie rechnet nicht, sie marktet nicht sie liebt und gibt willig, frendig alles, alles was sie zu geben hat sich selbst! - Tekte Rose. Novelle von Anna Treiche I. ( Nachdruck verboten.)) Sehr, sehr schön ist es doch, wenn man sich von den Stunden des Tages eine oder zwei erübrigen kann, um die Schritte hinauszulenken ins Freie, die Brust dabei zu weiten in vollen Atemzügen, das Herz zu klären von all dem Wogen und Drängen da innen und Kopf und Sinn auszuruhen von all dem Wirrwarr, welchen das Leben darüber verhängt! Was soll ich sie alle aufzählen, diese Vorzüge, welche solch' ein Gang in die frische Luft in sich vereinigt? sind sie doch den Meisten wohlbekannt! Aber warum spreche ich denn überhaupt davon? Nun, um zu zeigen, daß für mich noch etwas ganz besonders Gutes daran ist, fand ich doch den Stoff zu dieser kleinen Skizze, als ich heute meinen täglichen Spaziergang nachte! Nicht die belebten Gegenden, den Mittelpunkt der Stadt hatte ich aufgesucht mit dem Gehaste und Getriebe des großstädtischen Verkehrs, den rollenden Equipagen und lärmenden Straßenbahnen, den geputzten Menschen und den Lurusläden mit ihren lockenden Ausstellungen, nein, dort hinaus, wo die Stadt schon fast aufhörte und sich bald das freie Land daranschloß, war ich gewandert! Wie einsam dort alles und anders, die Gassen krumm und schmal, die Häuser alt und oft wunderlich zusammengeflict, eine eigene fremde Welt, ein Leben für sich mit dem Charakter der Armut! Und wo Armut, da auch Kinder, in Haufen spielten sie beisammen, Kreisel und Haschen, mit Lärmen und Schreien, in zerlumpten Kleidern, aber die Backen rot, einige aber hockten auch blaß und schwach auf den Haustreppen und lachten und spielten nicht. Man konnte auch auf die Höfe sehen, wo struppige Hunde und Kehrichthaufen lagen und Wäsche zum Trocknen hing, buntgeblümte Decken, grobes Leinen und Socken, die aus den verschiedensten Sorten von Wolle zusammengeflickt waren. Selten fuhr dort ein Wagen, und wenn, so war es ein Hundekarren oder ein Arbeitsfuhrwerk, Gemüse und Kohlföpfe darauf oder sonst ein ländliches Erzeugnis. Langsam schritt ich durch die Gassen und schaute interessiert um mich, viele neugierige Blicke trafen mich, denn ich befand mich ja in einer Gegend, wo das Erscheinen eines besser gekleideten und„ vornehm" aussehenden Menschen Aufmerksamkeit erregt und die Fragen erwecken:„ Was ist wohl die Absicht seines Kommens? Was will er? Was sucht er hier?" Es war ein sonniger Spät- Oktobertag, herrlich schön und klar, aber man ahnte doch durch die Wärme die nahende Winterkälte hindurch, sah den blauen Himmel bereits im Geiste mit Schneewolfen sich bedecken. Ich kam nun an einem ganz alten Häuschen vorbei, das verwittert und baufällig war und wohl aus einer längst verklungenen Zeit herstammte. Ich sah daran empor da schimmerte es plötzlich rot und leuchtend auf an dem grauen Gemäuer! Ich gewahrte auf dem Gesimse eines der niedrigen Fenster unter dem Dache ein irdenes Krüglein und darin prangte eine volle rote Rose, frisch und lebensvoll, und doch von jener Schwermut umflossen, welche die letzten Rosen des Jahres an sich haben! Und hinter den Scheiben sah ich einen blonden Mädchenfopf, der sich über eine Näherei beugte, mun hob sich der Kopf, eine Hand strich über die Augen, welche wohl schmerzten von der eifrigen Arbeit und dann schauten die Augen große Augen, welche das abgezehrte Gesicht noch mehr verdüsterten hinaus auf die prangende Rose, welche da draußen Himmelsluft und Sonne trinken sollte, und ein immendlich mehes Lächeln spielte um den Mund der armen Näherin! Ein kurzer Augenblick, ein Momentbild, weiter schritt ich, aber meine Gedanken waren stehen geblieben und fannen und spannen und suchten nun, bis sie gefunden hatten, was Sie wollten, die Geschichte dieses Mädchens, dieser letzten Nose. - chen Schlüter nach der Stadt gekommen, die nur eine furze Strecke von ihres Vaters Bauernhof ablag, zu der Minno Korst, mit der sie zusammen in die Stadtschule gegangen und die jetzt für Geld nähte, und hatte ihr strahlenden Gesichtes erzählt, sie sei verlobt, und gleichzeitig bei ihr angefragt, ob sie ihr für Geld und gute Worte nicht ein bischen bei der Aussteuer helfen wolle! Minna nähe so schön eigen und fest, sie habe sich gleich an sie erinnert und wolle ihr doch auch etwas zukommen lassen! Ja, die arme Minna hatte es wirklich nötig, etwas zu verdienen, Eltern, die für sie sorgten, besaß sie nicht, auch nicht die Hoffnung auf einen lieben schmucker Schatz, und solch' hübsches Kleid, wie Lieschen es für Alltag trug, hatte sie kaum für den Sonntag, dazu war sie noch kränklich! Aber sie schaute Lieschen neidlos in das rote, frohe Gesicht, gratulierte ihr vielmals zu ihrem Glück und erklärte sich gern bereit. ihr nach besten Kräften zu helfen. " Es ist schön von dir, liebes Lieschen, an mich zu denken, ich dank' dir auch sehr!" Lieschen sah sich prüfend in dem engen Stübchen um. Das ist mal ein kleines Kämmerchen; solch's habe ich noch nicht gesehen!" sagte sie. Minna seufzte leise, antwortete jedoch:„ Ich bin's zufrieden hier, wenn ich nur gesünder wär' So? was fehlt dir denn? was Besonderes?" Ach, ich war ja immer solch' Schwächling-" " Ja, blaß siehst du aus,— du mußt dich auch verloben, das gibt rote Backen!" Minna nahm ihr den Scherz nicht übel. mir einen verschaffen? ich wüßte mir niemand „ Willst du „ Also morgen schick' ich dir denn die erste Portion Reinwand herein, halt sie mir auch schön sauber Adjes, ich komme mal wieder, vielleicht kommt auch Johannes mal mit Sie wollte schon gehen, blieb aber noch einmal stehen und erzählte von ihrem Johannes, was das für ein lieber Mensch sei und so gutmütig, er mache aber auch an ihr einen guten Griff, heirate bei ihnen ein, da sie doch die Einzige sei, und wirtschafte dann daheim bei den Eltern. Noch auf der Treppe rief sie:„ Am 1. November soll unsere Hochzeit ſein, es ist schon besprochen, also sieben Wochen noch!" Die Wochen vergingen. Minna nähte fleißig, Stich m Stich, Faden um Faden, und die Augen taten ihr weh und die Brust schmerzte! Lieschen war etliche Male gekommen und einmal, es war schon kurz vor der Hochzeit, brachte sie auch ihren Johannes mit. Sie schob ihn lustig über die Schwelle und rief:„ Da ist erna, kann ich mich nicht sehen laſſen mit ihm?" Minna errötete heftig vor Ueberraschung, sprang hastig auf und bot den Ankömmlingen verlegen einen schönen guten Tag. Sie schaute rasch umher, ob auch alles halbwegs in Ordnung sei, einen jungen Burschen in ihrer Stube, das war ja noch nie dagewesen! Sie warf noch schnell ein Tuch über einen Stapel Leibwäsche von Lieschens Aussteuer. damit die Braut sich nicht genieren brauche,-- sie hatte ein feines Gefühl, die Minna! „ Die Liese hat mir schon viel von Ihnen erzählt, Fräulein Minna!" sagte Johannes. Das also war Johannes. Nun betrachtete sie ihn so recht. Wie groß und kräftig er war, so frisch und gutmütig das Gesicht, und die Augen so freundlich und blau wie die Vergißmeinnicht am Badje, die sie als Kind so gern pflückte. Und eine so angenehme Stimme hatte er, man hörte ihn gern sprechen. Das Brautpaar blieb ein Beilchen, fie sprachen her und hin, Lieschen fragte nach der Aussteuer und sprach von daheim. Minna wandelte plötzlich ein Müdigkeitsgefühl an, sis schloß auf einen Moment die Augen und drückte sich fester an die Lehne.„ Sie sind ja so blaß, Sie haber gervik zuviel gearbeitet!" sagte Johannes' freundliche Stimme. Sie müßten sich mal erholen, Fräulein Minna." Sie lächelte trübe.„ Erholen ein schönes Wort- aber" Johannes sah sie mitleidig an. Wissen Sie 8?" rief er, wie in plötzlichem Einfalle.„ Sonntag, wenn ichhönes Wetter ist, kommen Sie mal raus aufs Land und besuchen Liese, weit ist's ja nicht, was meinen Sie dazu? Das würde Ihnen auch gut sein Minna starrte ihn verwirrt und staunend an. Ich- Sonntag ja, schön wäre es schon" sie sab zu Viele bin, Die Rosen blühten noch zur Sommerszeit, da war Lies- diese hatte ihr noch nie gesagt, sie solle sie mal besuchen, auch Lasset sie Euch erzählen!- Lehen น อด อ ger pe millen Verfi Chor Char eine Lang ein das auch verfor in die Arbeit uberge