Nr. 84. bonnementsprets: in Gießen, abgeholt monatlich 50- Pfg., Deus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertelfährlich Mr. 1.50. Bonttobetingen: Oberheffifche Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Montag, den 11. April 1904. Gießener 13. Jahrgang. Jusertionspreis: Die einspaltige Betitzelle für ganz O Hessen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg Ferusprechanschluß Nr. 362. Neueste Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Unabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weylar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Das Reich und die Kaffenarztfrage. Die Kämpfe zwischen Aerzten und Krankenkassen, unter denen z. St. viele deutsche Städte schwer zu leiden haben, scheinen, so beklagenswert sie an und für sich sind, doch etwas gutes zeitigen zu sollen. Wie unser Berliner CB.- Mitarbeiter an zuständiger Stelle erfährt, trägt man sich in Regierungsfreisen ernstlich mit dem Gedanken an eine reichsgesezliche Regelung der Kassenarzt frage. Auf Grund seiner Informationen entrollt unser Mitarbeiter folgendes Bild von den Absichten der Reichsregierung: Bekanntlich hat der Abg. Becker dem Reichstag bereits einen Antrag unterbreitet, der die Regelung der Beziehungen zwischen Krankenkassen und Aerzten durch ein besonderes Geset verlangt. Wie verlautet, wird die Regierungsvorlage einen ähnlichen Weg vorschlagen, wie Abg. Becker: Die Vorlage soll die Einsetzung von Schiedsgerichten, aus Vertretern der Kassen, der Aerzte und unparteiischen Dritten bestehend, fordern. Man will nicht auf dem Wege der Gesetzgebung ein Arztsystem, wie etwa die freie Arztwahl, oder noch weniger die Höhe des ärztlichen Honorars firieren. In allen solchen Fragen soll das unparteiische Schiedsgericht bei Differenzen auf Anruf intervenieren. Das Schiedsgericht würde auch imstande sein, die lokalen Verhältnisse zu würdigen, und es würde Erhebungen anstellen über die strittigen Punkte, die, weil sie bis jetzt einseitig entweder von den Krankenkassen oder von den Aerzten angestellt wurden, nicht allseitig Vertrauen fanden. Da die Kostenfrage bei diesem Schiedsgericht feine Rolle spielt, so ist nicht einzusehen, warum sich die Krankenkassen dagegen sträuben sollten, denn sicher würden diese Schiedsgerichte die Gegensätze in derselben Weise ausgleichen, wie es die gewerblichen Schiedsgerichte tun. In Baden und Württemberg ist bereits der Anfang damit gemacht worden. Im Anschluß hieran ein paar Daten über den Stand der jüngsten Kassenkonflikte: Die sächsische Regierung beginnt ire Haltung in dem Leipziger Krankenkassenkrieg allmählich zu ändern. Sie bereitet sich offenbar zu einem Ein= fchreiten gegen die Kasse vor, die der Verpflichtung, 75 Distriktsärzte anzustellen, nicht hat nachkommen fönnen. Zwar hat in einer der letzten Sigungen der zweiten Kammer der Ministerpräsident v. Meßsch die Kasse in Schutz genommen, aber er hat zugleich erklärt, die Regierung müsse nach dem Gesetz gegen die Kasse vorgehen, wenn diese ihre Verpflichtungen gegenüber den Kassenmitgliedern nicht erfüllen könne. Dies ist, wie gesagt, der Fall, und die Verteidigung der Kasse durch den Ministerpräsidenten war lediglich ein Rückzugsgefecht. In sächsischen Regierungskreisen wird denn auch bereits offen erklärt, es sei kein Zweifel, daß die von der Ortskrankenkasse beschaffte ärztliche Versorgung unzureichend sei und die Aufsichtsbehörde über kurz oder lang für eine genügende Zahl von Aerzten sorgen müsse. Das kann, wie die Dinge liegen, nur bei Bewilligung der Forderungen der streikenden Aerzte gescheher. Der Herero- Hufftand. In Berliner amtlichen Kreisen erwartet man, wie unſer Berliner CB- Mitarbeiter uns schreibt, mit ziemlicher Gewißheit für die allernächste Zeit einen Hauptschlag des Expeditionskorps gegen die Herero, deren Hauptmacht bei Oganjira steht. Eine kleinere Hereroabteilung steht bei Okatumba, und Zweck und Ziel der jüngst gemeldeten Truppenbewegungen nach Otjosasu scheint zu sein, die Herero zu stellen. Nur so erklärt man sich in amtlichen Kreisen den Vormarsch Leutweins, und deshalb rechnet man mit Sicherheit auf ein größeres Gefecht, vielleicht sogar eine entscheidende Schlacht. Ja, es ist nicht unwahrscheinlich, daß dieses Treffen bereits am Freitag oder tags darauf ge= liefert worden ist. Ueber die militärische Situation ist folgendes festzustellen: Die Hauptabteilung des Expedihonsforps unter Oberst Dürr- 30 Offiziere, 612 Mann, 8 Geschüße und 6 Maschinengewehre ist am Donnerstag= nachmittag von Okahandja ostwärts nach Otjosasu_aufgebrochen. Otjosasu liegt 36 Kilometer von Okahandja entfernt. Nur wenige Kilometer östlich von Otjosasu liegt Oganjira, wo die Hauptmacht der Herero steht, etwa zehn Kilometer nördlich von Otjosasu Okatumba, wo der zweite Sererotrupp sich aufhält. Die Kolonne Dürr, bei der sich wahrscheinlich auch Gouverneur Leutwein befindet, dürfte Stjosasu am Freitag früh erreicht haben und konnte mittags in Oganjira sein. Mit dem Angriff der Kolonne Dürr auf die Herero bei Oganjira dürfte ein Angriff der Kolonne Glase= napp auf die Herero bei Ofatumba kombiniert werden. Beide Frontangriffe werden zweifelsohne auch von einem Rinckenangriff der hinter den Herero in den Onjatibergen tehenden Kolonne Estorff begleitet sein. In dem Dreieck Okahandja Windhuf- Onjatiberge werden sich voraussichtlich auch alle weiteren wichtigen Kämpfe abspielen. Gerade leicht wird die Arbeit unseren Truppen nicht gemacht werden. Oganjira liegt an dem Nordrande eines ganz unübersichtlichen, stark zerrissenen Hügellandes. Nach Süden zu geht dieses in ein mächtiges Hochgebirge über, dessen Wildheit und Unzugänglichkeit jeder Beschreibung spottet. Dieses Gebirge steht den Herero zur Verfügung, falls sie vor den deutschen Truppen zurück- oder ausweichend nach Nordosten, Osten oder Südosten zu fliehen beabsichtigen. Die Unwegsamkeit der zerklüfteten, dicht bewachsenen, mit Geröllmassen und Verwitterungsschutt bedeckten Höhen wird eine etwaige Verfolgung für die Truppen zu einer furchtbaren Anstrengung machen. Die Aufklärung wird besonders durch die dichte Hecke übermannshoher Dornbüsche erschwert werden. Auch die Tatsache, daß ein großer Teil der Truppen bereits beritten ist, erleichtert die Verfolgung nicht sehr: Für Reittiere ist diese Gegend völlig unzugänglich. Hoffentlich gelingt es den Truppen, die Herero gehörig aufs Haupt zu schlagen und ihr Ausweichen zu verhindern. Handschriftliche Dachträge. Siegreiches Gefecht gegen die Herero. Die Voraussage unseres Berliner CB- Mitarbeiters, daß die Kolonne des Majors v. Glasenapp mit der Hauptabteilung des auf Otjosasu vorrückenden Obersten Dürr gleichzeitig und gemeinsam gewinnen werde, bestätigt sich. Major v. Glasenapp ist, um dies zu ermöglichen, auf Otjikuara vorgerückt, hat aber unterwegs ein schweres, wenn auch siegreiches Gefecht mit den Hereros zu bestehen gehabt, in dem auch auf deutscher Seite starte Verluste zu beklagen sind. Oberleutnant Techow, der Vertreter des Gouverneurs in Windhuk, macht über das Gefecht folgende amtliche telegraphische Meldung: Die Abteilung Slasenapp im Vormarsch von Omokskorero hatte am 2. April ein schweres aber siegreiches Gefecht bei Okaharui. Der Gegner zog in nordöstlicher Richtung ab. Major v. Glasenapp ist am 3./4. April auf Otjiknara marschiert und be= absichtigt den Gegner anzugreifen. Bei den Hereros wurden 92 Tote gezählt. Diesseits Leutnaut d. R. Nörr und 31 Mann tot; Leutnant Hildebrandt von der MarineInfanterie und 15 Mann verwundet. Zu gleicher Zeit mit der amtlichen Meldung ist in Berlin der Bericht eines Augenzeugen eingegangen, der außer 16 Verwundeten sogar 33 Tote auf deutscher Seite verzeichnet, die Verluste der Hereros nicht beziffert, aber für sehr bedeutend erklärt. Das Gefecht dauerte von 8 Uhr morgens bis 12 Uhr mittags. Die Hereros waren zahlreich, gut bewaffnet und zum Teil beritten und suchten auf dem Wege von Okaharut nach Oniatu in dichtem Dornenwald die deutsche Nachhut, die Kompagnie Fischer, zu umfassen und einzuschließen, um sich einiger Privatwege zu bemächtigen. Die Kompagnie des Grafen Brockdorf und Artillerie unter Oberleutnant Manthold kam der bedrängten Nachhut zu Hilfe. Die Hereros wurden nun geworfen und dann noch eine Stunde weit verfolgt. Auch die deutsche Vorhut, die Kompagnie Lieber, hatte ein einstündiges Gefecht mit starken Hererohaufen zu bestehen, bet dem auch die Fahne des Seebataillons ins Feuer fam. Neben der Fahne sank Unteroffizier Hahl. Die deutsche Artillerie und das Kleingewehrfeuer wirfte brillant. Dagegen machte sich, wie immer, die zu geringe Anzahl an Kavallerie fühlbar. Das ganze Detachement verfügt nur noch über 21 vollständig gebrauchsfähige Pferde, die vor Beginn des Gefechts zur Aufklärung mehrerer vorwärts liegender sehr schlimmen Wegstellen vorausgeschickt waren. Der Krieg in Oftafien. Wenn man englischen Berichten trauen darf, so haben die Russen sich dazu bequemt, ihre Verteidigungsstellung auf dem rechten Jaluufer aufzugeben, und ziehen sich weiter zurück. Wenigstens ist das die einzige Deutung, die die folgenden Telegramme zulassen, die aus Niutschwang und Söul einlaufen. Das erste weiß von einem Vorpostengefecht an der Jalumündung zu berichten. Die Japaner überschreiten erfolgreich den Jalu. Vorposten stießen bereits auf eine kleine russische Abteilung am Nordufer; ein kleines Gefecht fand östlich von Tatungkau ſtatt. Das zweite Telegramm aus Söul will sogar wissen, daß Antung von den Russen ohne Schwertstreich aufgegeben werden soll. Die Meldung schildert die Situation an der Jalumündung in einer für die Japaner äußerst günstigen Weise: Japan ist nunmehr in völligem Besitz der Jalumündung und der Bai von Korea. Handelsschiffe können diese Gewässer jetzt ohne Furcht vor russischer Einmischung befahren. Die japanische Vorhut hat angeblich den Jalu überschritten. Es wird als wahrscheinlich erachtet, daß die Russen sogar Antung ohne ernsten Widerstand räumen werden. Mit diesen Nachrichten, so überraschend sie erscheinen, steht der Umstand in bedeutsamem Einklang, daß in Petersburg amtlich gemeldet wurde, die Lager der russischen Holzgesellschaft in Jongampho seien von den Japanern geplündert und verbrannt worden. Während an der Jalulinie die Russen einem Angriff der Japaner vorläufig auszuweichen scheinen, bereiten sie sich bei Port Arthur und Niutschwang energisch darauf vor, dem Feinde die Spiße zu bieten. Sie haben nördlich von Port Arthur einen vier Meilen langen Graben gestochen, der durch Schmutzverdeckung mit darin verstecktem Stacheldraht verborgen wird. In Niutschwang traf General Kuropatkin ein und besichtigte sofort die Garnison, die aus 5000 Mann Infanterie und drei Batterien besteht. Weitere 10 000 Mann Verstärkung sind bereits dorthin beordert, sie kommen in zwei Tagen an. Fernere 15 000 Mann sollen bereit stehen, um jeden Moment in Niutschwang zur Verteidigung einzutreffen. Sechs elektrische Minen wurden gelegt, welche im Haseneingang nur einen schmalen Kanal freilassen. Die Verteidigungsmaßnahmen sind vollständig getroffen. Ein Angriff der Japaner wird täglich erwartet. Große Hoffnungen sezt man in Petersburg auf die Ostseeflotte. Im Sommer soll eine große russische Hilfsflotte aus Kronstadt nach dem fernen Osten abgehen. Aus Cherbourg wird dazu gemeldet: Der russische Admiral Wirenius hofft trotz der Schäden, die der Torpedojäger Besaprechny" erlitten hat, underzüglich mit seiner Division vom hiesigen Hafen nach Kronstadt abdampfen zu können. Von dort wird er in einigen Monaten ein aus 32 Einheiten bestehendes Geschwader nach dem fernen Osten führen und dabei abermals in Cherbourg Station machen. Kaukasische Kriegsfreiwillige. Ein Befehl der russischen Militärverwaltung schreibt vor, aus Freiwilligen der kaukasischen Bergbewohner, welche der Militärpflicht nicht unterliegen, und des Daghestanschen Reiter- Regiments eine kaukasische Reiterbrigade zur Teilnahme an dem Kriege mit Japan zu formieren. Jedes der beiden Regimenter dieser Brigade wird aus sechs Ssotnien bestehen. Aus Irkutsk wird dazu berichtet, daß bereits 25 Tscherkessen und Offeten als Kriegsfreiwillige auf ihre Kosten nach Liautschang abgegangen sind. Weitere 1000 werden demnächst folgen. Die Politik. Die preußisch- hessische Eisenbahngemeinschaft hat für Hessen so segensreiche Wirkungen gezeitigt, daß neuerdings auch in der Pfalz, in Württemberg und Sachsen immer mehr Stimmen laut werden, die einen Anschluß dieser Staaten an die preußische Bahngemeinschaft empfehlen. Heute sind in der preußisch- hessischen Betriebsgemeinschaft 8 Milliarden angelegt, die mit 7 Prozent gegenüber 4 Proz. im Jahre 1879 rentieren. Baden, Württemberg, Bayern und Sachsen können mit ihren Staatsbahnen solch glänzende Resultate nicht aufweisen. Die beständig steigenden Einnahmen aus der Eisenbahngemeinschaft, die in wenigen Jahren von 190 000 Mart auf mehr als 2 000 000 Mark anwuchsen, bilden heute einen wesentlichen Faktor im hessischen Staatshaushalt, und auch die Lage der in dem Riesenbetriebe beschäftigten Eisenbahner, deren Zahl an 400 000 heranreicht, ist gegen früher wesentlich besser geworden. So waren z. B. in der Zeit von 1897 bis 1902 die Einnahmen um 17 Proz. gestiegen, die Ausgaben für das Personal dagegen um 24 Prozent. Trotz der bedeutenden Herabsetzung der Tarife belief sich im letzten Jahre der Reinüberschuß der Eisenbahngemeinschaft auf 600 Millionen Mark, und wenn heute noch nach den Tariffäßen des Jahres 1879, das den preußischen Staatsbahnen einen Gewinn von 61 Millionen brachte, gefahren würde, so betrüge der Ueberschuß schon etwa 1 Milliarde. Es ist unter diesen Umständen nur eine Frage der Zeit, daß auch die erwähnten anderen Bundesstaaten dieser Gemeinschaft sich anschließen. Der preußische Justizminister hat neue Verfügungen über den Sammeltransport von Gefangenen auf Eisenbahnen erlassen. Dieser Transport erfolgt mittels besonderer Zellenwagen, welche in die Eisenbahnzüge eingestellt werden. Es wird angestrebt, durch derartige regelmäßig laufende Gefangenenwagen sämtliche Strafanstalten und größeren Gerichte in Preußen in Verbindung zu bringen. von Blumen, Silber, Kristall und Seidenstoffen schimmerte, Leonie stand vor ihrem Geburtstagstisch, auf dem es Humoresfe von Anna Behnisch- appstein. Die Moccatasse. mit Tinte und Vorsicht" mit Seidenpapiere, in die das Präsent gebettet bäuchige Gefäße auf den Tisch, die den Umfang b der Reihe nach zwölf weiße, schön blau und rot bemalte, dict entfernte, der Warnung eingedent, die Solzwolle und die Ausrufungszeichen stand, lag, und stellte fleinen zu ziehen, auf denen rei dicke, großes Glas gemalt war fonnenschirm gerblichent Empiremuster zu einen neuen billig sie diesen " Gere fich nicht genug wundern, wie i so um beitslauf" gatte; denn daß eine Moccatasse sie sich auch noch und der Doktor Das sehn Mark fostet, hatte sie ihm selbst verraten. trat in Aktion. Als die A Nach dem Beispiel der polnischen Wahlausschüsse für die Provinz Bosen haben auch die Vorstände der westdeutschen polnischen Wahlkomitees eine engere Organisation der in dem rheinisch- westfälischen Industriereviere ansässigen polnischen Elemente vollzogen und einen polnischen Zentralverein für Westfalen, die Rheinprovinz und die angrenzenden Provinzen" gegründet. Man sieht, die polnische Propaganda wird immer herausfordernder. Jetzt betrachten die Herren schon den reingermanischen Westen als ihre Domäne. Türkei. Nach langer Sorge, Müh' und Not ist das türkischbulgarische Abkommen nun endlich unterzeichnet worden. Nach dem Abkommen verpflichtet sich Bulgarien, die Bildung von revolutionären Komitees und bewaffneten Banden gegen das türkische Reich zu verhindern und feine Untertanen, die in den benachbarten Provinzen revolu tionäre Handlungen vorgenommen haben, zu bestrafen. Bulgarien wird außerdem die Einfuhr von Explosivstoffen u. f. w. nach den drei mazedonischen Provinzen verhindern. Der Sultan seinerseits wird alle wegen revolutionärer Afte Verurteilten, Verhafteten oder Verbannten amnestieren, in Freiheit setzen und ihnen die Rückkehr in die Heimat gestatten, mit Ausnahme der wegen Dynamitattentaten Verurteilten. Die mazedonischen Flüchtlinge werden bei ihrer Heimkehr von der Pforte behufs Wiederaufbaues ihrer Wohnungen unterstützt werden. Nun steht nur noch zu hoffen, daß diese Vereinbarungen nicht auf dem Papier stehen bleiben. Afrika. Recht angenehme Aussichten eröffnet ein im östlichen Transvaal lebender Engländer seinen Landsleuten, insbe= sondere dem Londoner Kabinett, über einen neuen Burenaufstand. Er schildert in einem an die Londoner Morning Post gerichteten Briefe die politische Lage in Südafrika als sehr ernst. Er behauptet, daß nicht nur die Burenbevölkerung disloyal sei, sondern daß auch 75 Prozent der sogenannten Kolonialen" im Falle eines A u f st an des sich den Buren anschließen würden. Es sei ein offenes Geheimnis, daß nicht nur eine organisierte Verschwörung bestehe, sondern daß man sogar heute schon über Geldmittel, sowie über Waffen in genügender Weise verfüge. Der Waffenhandel blühe, und außerdem sei nicht die Hälfte der Waffen nach dem Feldzuge abgegeben worden. Die Buren betrachteten sich feineswegs als besiegt, sondern legten die Friedensbedingungen ihrerseits so aus, daß ein Sieg der Burensache dabei herauskomme. Außerdem sei es ihnen gelungen, die Eingeborenen, die während des Feldzuges auf seiten der Engländer ſtanden, gegen England aufzuheben. Diese Eingeborenen beklagten sich nicht nur über ihre Entwaffnung nach dem Feldzug, sondern auch darüber, daß man die ihnen gemachten Versprechungen nicht eingelöst habe. Viele von ihnen seien im Besit von Requisitionsscheinen, deren Einlösung verweigert worden wäre. Wir wollen die Bedeutung dieser pessimistischen Darstellung nicht überschätzen. Aber daran halten wir, was Südafrika angeht, auch fest, daß dort das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Amerika. + Eine politische Schießaffäre, bei der beide Revolverhelden tot auf dem Plaze blieben, fand in North Fork( WestVirginien) zwischen dem Polizeidirektor Mc Far= land und einem reichen Kaufmann Ballard statt. Beide trafen vor dem Hause, in dem die Ortsabteilung der republikanischen Konvention ihre Sibung hielt, zusammen, feuerten mehrere Schüsse auf einander ab und trafen so gut, daß beide getötet wurden. Ein Polizeidirektor, der den Schießprügel handhabt, wirklich, echt amerikanisch! Hof und Gesellschaft *** Zu Ehren Kaiser Wilhelms, der sich, wie gemeldet, von Palermo nach Malta begeben hat, ist dieser Montag dort zum öffentlichen Feiertag erklärt worden. ** Der Kronprinz hat seinen Besuch beim König von Dänemark beendet und ist nach Berlin zurückgereist. Am Morgen vor seiner Abreise besuchte er mit dem Prinzen von Dänemark das Schloß Rosenborg. Der Kronprinz überreichte im Namen seines kaiserlichen Vaters dem König von Dänemark zwei prächtige Porzellanvasen. Viel besprochen wird in Kopenhagen eine kleine Szene, die sich beim Empfang des Kronprinzen durch den greisen König ereignete. An der linken Seite des Königs schritt der Kronprinz die Ehrenfompagnie ab und versuchte beim Wenden wieder die linke Seite Sänia Christians zu gewinnen. Der König stand in Der Wildhirt. Eine oberhessische Dorfgeschichte von J. Becker. ( Fortsetzung) ( Nachdruck verboten.) Hangcurt setzte sich hinter den Tisch, auf dem zwei große irdene Schüsseln mit Kartoffelsalat standen, dazwischen befanden sich fleinere Schüsseln mit Bratwurst, Sauce, Leberwurst, Schinken und Speck; auf dem hinteren Teil des Tisches, nämlich da, wo er mit der Schmalsette an die Wand stieß, standen Körbchen mit Messern und Gabeln, während wohl ein Dutzend irdene Teller, zwischen denen flache runde Holztellerchen lagen, die Längskanten des Tisches entlang in Reihen standen. Auf einem Nebentische lagen Kirmeßkuchen, während uf einem Teller schmale lange Stücke eines solchen hoch aufgeschichtet waren, furz, man konnte sagen: es war Alles da- Herz, was beachrfte." Dem Hangcurt wollte das Essen jedoch gar nicht munden, er a nur, weil es so der Gewohnheit um biese Zeit entsprach. Seine Gedanken wurden beherrscht bon der quälenden Einbildung, daß jezt der fremde Bursche vielleicht schon das Jawort vom Elschen erhalten, daß er also auf das Mädchen für immer Verzicht leisten müsse und wenn dies, was gab es dann noch für ihn auf der Welt? Nichts mehr, garnichts mehr! Er legte, nachdem er etwas gegessen, Messer und Babel zur Seite und sann darüber nach, was er tun sollte: wenn er zu Hause blieb, so fiel das auf und man hätte ihn mit Fragen bestürmt, wa um er denn nicht zur Kirmeß gehe; aber wenn er ins Kirmeßhaus ging, dann war er dazu verurteilt, mit ansehen müssen, wie der Burkhennersch und das Elschen vielleicht schon Begriffe, ein paar Worte an seinen Gast zu richten, und bemerkte dessen Bemühen, seine rechte Seite zu verlassen, was aber der alte König mit einem liebenswürdigen Ruck am Aermel zu verhindern wußte, so daß der Kronprinz zum zweiten Male die Front der Ehrenwache an der rechten Seite seines Gastgebers passierte. *** Zu der am 27. Juni in Gmunden stattfindenden Vermählung des Großherzogs von Mecklen burg Schwerin mit der Prinzessin Alexandra, der Tochter des Herzogs von Cumberland, werden aus der Provinz Hannover mehrere Abordnungen entsandt werden, die der Braut prachtvolle Hochzeitsgeschenke, gewidmet von Frauen und Jungfrauen, überbringen. Nach einer Meldung aus Gmunden bestätigt es sich ferner, daß die Königin Alexandra von Großbritannien und Irland mit dem Prinzen von Wales der Hochzeit in Gmunden beiwohnen wird. Zur Wiederaufnahme der Reichstagsverhandlungen. ( Von unserem parlamentarischen Mitarbeiter.) Die Arbeitszeit und die Arbeitsmenge stehen für den deutschen Reichstag bei seinem Wiederzusammentritt im umgefehrten Verhältnis. Zunächst ist noch eine Reihe von Etatstitiln zu erledigen, bei denen wohl noch einmal die alten Fragen furz aufgerollt werden dürften; insbesondere läßt sich eine Auseinandersetzung über die Kündigung der Handelsverträge nochmals erwarten. Der übrige Teil des Etats wird dann allerdings glatt von statten gehen. Es steht aber außerdem noch ein reicher Beratungsstoff zur Verfügung an sonstigen Vorlagen. So vor allem das Münzgesetz, die Krankenfürsorge für Seeleute, die Erschließung Zentralafrikas, die fleine Finanzreform, das Militärpensionsgesetz. Außerdem steht noch aus die zweite und dritte Lesung des Geseßentwurfs über die Entschädigung unschuldig Verhafteter und über die Kaufmannsgerichte und schließlich noch das Börsenreformgeset. Es läßt sich kaum annehmen, daß der Reichstag über Pfingsten hinaus tagen wird. Selbst wenn der Präsident den guten Willen hätte, während des Sommers in Berlin zu sitzen und zu schwitzen, so würde es ihm außerordentlich schwer werden, ein beschlußfähiges Haus zusammen zu bringen. Die Hauptarbeit wird ohnehin schon von den sogenannten Berufsparlamentariern, den in Berlin ansässigen Mitgliedern des Reichstags und von den Trägern, von Doppelmandaten bestritten werden müssen. Selbst bei dem besten Willen und größten Arbeitseifer des Parlaments ist eine Erledigung aller noch schwebenden Vorlagen vollständig ausgeschlossen. Es wird daher darauf ankommen, unter dem Material eine weise Auswahl zu treffen. Unter den dringlichen Vorlagen steht an erster Stelle die Eleine Finanzreform. Ihr Schicksal ist aber auch politisch hoch interessant, weil sich hierbei zeigen muß, ob die Aufhebung des§ 2 des Jesuitengeseges, wie von den liberalen Parteien behauptet wird, ein kleines Tauschgeschäft gewesen ist. Große Wichtigkeit wird dem Umstande beigelegt, daß der Hauptredner der Zentrumspartei in der Generaldebatte zum Gtat feine allzu schroffe Stellung gegen die Vorlage des Freiherrn b. Stengel eingenommen hat. Auch in der Presse ist der Widerstand viel tonloser als in sonstigen Jahren. Weiterhin ist mit dem Dringlichkeitsvermerk das Militärpensionsgesetz und die Krankenfürsorge für die Seeleute versehen. Der letztgenannte Entwurf sollte bereits am 1. April in Kraft treten. Er enthält lediglich die Anpassung an das Krankenkassengesetz, bei dem durch eine Novelle bekanntlich die Unterstützungsdauer verlängert worden ist. Diese Wohltaten sollen auch den Seeleuten zu teil werden. Wenn das Gesetz noch zur Verabschiedung kommt, wird es wahrscheinlich schon zum 1. Juli in Kraft treten. Das Schicksal der Kaufmannsgerichte und des Gesetzentwurfs betreffend Entschädigung unschuldig Verhafteter, wenn diese überhaupt zur Verhandlung kommen, wird sehr wesentlich von der zufälligen Besetzung des Hauses abhängen. In beiden Vorlagen hat die Kommission derartige Aenderungen vorgenommen, daß die Zustimmung der Regierung zweifelhaft geworden ist. Es wird nun davon abhängen, ob die zu erwartende Zufallsmehrheit mehr nach der Seite der Regierung oder der Kommission neigt. Bei der Unsicherheit des Sizungsbesuches lassen sich Mutmaßungen über das Schicksal der Vorlage nicht anstellen. Eine Vorlage aber wird im Orkus verschwinden die Börsengesetreform, an deren Durchberatung selbst die optimistischsten Anhänger nicht mehr glauben. Alles in allem also der Reichstag muß fleißig sein und die Arbeit muß ihm munter fließen, wenn er noch einen respektablen Teil seines Pensums erledigen will. als Schaleut" miteinander verkehrten; das aber wollte er um jeden Preis vermeiden. Da ging die Türe auf und sein Vater trat herein. Er sah diesem sofort am gerötheten Gesicht und dem breitgezogenen Munde an, daß irgend etwas bei ihm nicht„ harmonirte", dazu däuchte es ihm auch, als habe er wohl bei der Kirmeß ein wenig zu tief ins Glas geguckt", und wenn dies der Fall, dann war seine Stimmung nicht die beste er war leicht zum Schimpfen aufgelegt und die geringste Kleinigkeit fonnte seinen Zorn reizen. Jetzt aber sah es gar so aus, als habe er schon im Vorhinein seinen erger; deshalb dachte der junge Bursche, daß es am geratensten sei, wenn er sich aus dem Staube mache und seinem Vater das Terrain nämlich die geräumige Wohnstube, allein überließ. Man hielt das immer so: wenn der Pierer Einen" mit nach Hause brachte was ja selten vorfam, dann gingen die Familienglieder in die Küche, das Gesinde auf den Hof oder ins Dorf und man überließ dem„ Alten" die Wohnstube allein. Wenn Niemand nm ihn war, der durch irgend eine Kleinigkeit oder seine bloße Gegenwart Bierers üble Laune zum Zorn entflammte, dann sette er sich, indem er die Beine ihrer ganzen Länge nach von sich streckte, in den Herrenstuhl" " einen hölzernen Stuhl mit halbkreisförmiger Lehne -, steckte die Hände zusammen, als ob er beten wollte, drehte eine Zeitlang beide Daumen umeinander, spuckte in die Stube und schlief ein. Hatte er eine Zeitlang geschlafen und erwachte nachher, dann kleidete er sich in der Regel rasch aus und legte sich zu Bette. Auf diese Weise überstand man den Kaufch des„ Alten", ohne in Mißhelligkeiten mit ihm zu kommen. Also wollte es auch heute Abend Hangcurt machen. Jedoch sein Vater schien mit ihm ein Hühnchen cupfen " Lokales. - 11. April 1904. ** Der Großherzog hat den Oberlehrer an dem Realgymnasium und der Realschule zu Gießen Professor Dr. Julius Stahl auf sein Nachsuchen bis zur Wiederher= stellung seiner Gesundheit mit Wirkung vom 1. April 1904 in den Ruhestand versetzt. Ernannt wurde der Lehramtsaspirant Dr. Adam Rißert zu Gießen zum Oberlehrer an dem Realgymnasium und der Reaschule zu Gießen. ** In der lßten Vorstands- und Aufsichtsratssitzung der Buzzbach Licher Bahn wurde Herr Jouz gebeten, alsbald sein Amt als Direktor niederzulegen woraufhin derselbe bat, ihn in dieser Stellung zu belassen, bis er sich bei Herru Finanzminister Erz. nauth rehabilitiert habe. Man ging auf seinen Wunsch nicht ein und nun scheidet Herr Jouß am 31. Mai 1904 doch aus seiner Stellung aus. Ob mit oder ohne Rehabilitierung?! * Wir machen die Bewohner der Bismarckstraße darauf aufmerksam, daß infolge Verlegung des Klingelbaches die Bismarckstraße, von der Stephanstraße bis zur Löberstraße, vom 18. d. Mts. ab auf längere Zeit für den Fuhrwerksverkehr gesperrt wird. ** Der hessische Landeslehrer- Verein tagte am 7. April in der Turnhalle zu Bad Nauheim. Um 10 Uhr begann dortselbst unter Leitung des Vorsitzenden KaẞlickDarmstadt eine außerordentliche Generalversammlung der Ludwig- und Alicestiftung. Dieselbe genehmigte die vom Vorstand dieser Stiftung ausgearbeiteten Menderungen der Sagungen. Die Versammlung bestimmt Lehrer HozNidda zum Nachfolger des verstorbenen Vorstandsmitgliedes Ruppel und erhebt sich zum Andenken an denselben von den Sigen. Punft 2 betraf die Gründung einer Militärdarlehnskasse, zu welcher 15 000 Mark als Darlehnsfonds bestimmt und der Vorstand zur Aufstellung des Statuts ermächtigt wurde.- Der Landeslehrerverein trat nachdem in seine Beratungen ein. Da der seitherige Redakteur des Schulboten", Lehrer Ruppel, plößlich starb, so fand unter starter Beteiligung die Neuwahl statt. Im ersten Wahlgang erhielten: Mint- Bensheim 75, Schmeel- Darmstadt 70, Baumann- Worms 19 und Meister- Bingen 2 Stimmen. Bei der Stichwahl wurde Mint- Bensheim mit 92 Stimmen zum Rebatteur gewählt. Am Nachmittag gegen 42 Uhr tagte unter dem Vorsitz des Hauptlehrers nauß- Gießen der Feuerversicherungs- Verband hessischer Lehrer. Die auch hier erforderlich gewesenen Aenderungen der Satzungen wurden angenommen. Der Mitgliederbestand dieses Verbandes ist auf rund 1400 angewachsen, das Versicherungskapital beträgt rund 5 Millionen Mark, der Reingewinn in 1903 beläuft sich auf 2595 Mark und 192 Mark wurden an Brandschäden ausbezahlt. Der von Herrn Lenz gestellte Antrag, wonach auch Lehrer und Nichtlehrer, die nicht Mitglieder des Landeslehrervereins sind, in den Verband aufgenommen werden können, wurde abgelehnt. * laufenen Durd leptere nur D Sd führt. Der Bug hat Schnellzug 8 wagen nach 801 Franffu durchgeführt an den Bug Berfonenzug 11 36 Berfor an 928-2 Dalgern an 1 Rieberwalgern Fortegungen mit Wagendu Gemischt 1150; Bug von Bebra, 773 nach nach Frantf fonenzug 63 1100, Hung Bug 10 Berstadt Wo Strede tägl Hungen d 922 Friedbe Bug 10 täglich gefal an 10 40 tehrte, wird geführt und Bug erhält Cöln 781 Gießen ver Buges 104 gefahren u Londorf an Die Burg- un verfehrten, ftände beizu Sohn eine hatte für nenden& zu befom Mabunge den Leut rüstetete Anotensto denfelben berlangte holter Au feinem St Die angeblich Orientfahrten deutscher Lehrer. diesjährigen vier Studienreisen nach dem Orient beginnen am 7. Juni, 5. Juli und 2. und 30. August in Triest. Jede Reise dauert ab Triest bis wieder Triest 36 Tage, die Kosten belaufen sich auf ungefähr 900 Mt., auch Nichtlehrer und Damen fönnen sich beteiligen. Außerdem finden noch zwei Sonderfahrten von je dreiwöchiger Dauer statt, die am 29. September bezw. 20. Oktober in Triest beginnen, sich auf Aegypten- Palästina beschränken und mit etwa 500 Mt. bestritten werden fönnen. Auskunft erteilt Jul. Bolthausen in Solingen. ** Ez werden mit Einführung des Sommerfahrplans 1904, abgesehen von den regelmäßig im Sommer stattfindenden Zugvermehrungen und Zugverschiebungen folgende wichtige Aenderungen in Oberhessen und den angrenzenden Linien in Kraft treten. Schnellzug 59 Gießen ab 140, Marburg ab 212, Sangerhausen an 657; in Sangerhausen ist Anschluß mit Wagendurchgang nach Halle und Leipzig. Der Schnellzug 59 befördert ab Gießen die bisher im Schnellzug 45 gezu wollen. " Was eilste?" fuhr er ihn mit rauher und barscher Stimme an. Du hast kein gut Gewissen." " Ich hab' nichts gemacht, Vater." " Nichts gemacht? Du verdorbener Jung! Mit dem Nichtsnuh, dem Gänsetophel, hast Du's wieder gehabt! Du hast bei ihm g'standen im Gahrn( Hausflur) bei Wirth's und hast ihm noch beigehalten, als ihm der Lange das Fell verkamisolen wollt! Wennse ihn nur tødtschlügen, den Vagabund, und Dich- Dig mit!" Hangcurt wußte zwar, daß, wenn sein Vater Ginen getrunken" hatte, man ihm die Worte nicht so übel nehmen und ohne beleidigt zu sein, zu manchem schweigen konnte, das unter andern Umständen gesagt sehr empfindlich berührt haben würde- heute Abend aber war Hangcurt selbst nicht in bester Laune und was er sonst stillschweigend hingenommen haben würde, das fachte jetzt auch seinen Zorn an. „ Wenn Ihr nichts anderes wißt, wenn Ihr' rein fommt, als Spektakel zu machen," sagte er mit nachdrück licher Betonung, dann geh' ich eben' naus und dann mögt Ihr hier machen, was Ihr wollt! Ich will mic aber keine Grobheiten mehr von Euch machen lassen, habt Ihr mich verstanden?" an. Der alte Bierer sah seinen Sohn einen Augenblick start Er war ganz betroffen über die unerhörte Kühnheit, mit der ihm dieser entgegentrat, es war thm das noch gar nicht vorgekommen. Seine Augenbrauen zogen sich dicht zusammen, so daß die zornfunkelnden Augen in tiefem Schatten ruhten, und indem er mit der Faust auf den Tisch schlug, daß die Teller hüpften und flirrten, schrie er überlaut: ( Forts. folgt.) den Angefl auf den nach Ausi sein soll. regeln n fängnis Хя feiert in stehens. Lage feftg * E boraussichtl zur Zeit trage des Der Tatbes eine Ruh, befiaftigt u wurde abe verworfen das Bribi Bieb gehi Ne Müller Erns Special Musi S Ticht. 2. Schepp Süg Schm gefucht per Lud Edmiedem April 1904. erlehrer an dem e Ben Brofeffor zur Berber1. Vpril 1904 wurde der Ben zum er Reaschule ufsichtsratsfigu Joup gebeten ederzulegen ung zu belaffen, nau th rehabil nicht ein und nun 904 dod aus ohne Rehabili Bismarditraße ng des Klingel ephanitraße bis uf längere Zeit Berein tagte auheim. Um 10 fizenden Raglid persammlung der felbe genehmig eten Menderung mt Lehrer H rftandsmitglies n denselben un g einer Militar Is Darlehnsfonds ng des Statuts rein trat nachdem ge Redakteur des 6, fo fand unter m ersten Wahl-Darmstadt 70, 2 Stimmen. Bei 92 Stimmen zum gegen 42 Uhr Anauß- Gießen ehrer. Die auch Sagungen wurden ses Verbandes ift ungefapital beträgt in 1903 beläuft urden an Brand enz geftelte r, die nicht Mit den Verband auf t. Lehrer. Die Orient beginnen August in Trieft. Trieft 36 Tage, Rt., auch NichtAußerdem finden r Dauer statt, Triest beginnen, mit etwa 500 eilt Jul. Bolt 8 Sommer regelmäßig in and Bugverfi Derheffen und den Rarburg ab 212 ift Anschluß mit Der Schnellzug Snellzug 45 g uber und bars ffen." er Jung! Mi aft Du's wiede Fahrn( Hausflur) halten, als ihm t! Wennfe ihr Did Did enn fein Vate Worte nicht zu mancher Ständen gejag - heute Aben Ter Laune un en haben würd Denn Ihr' re er mit nachdrid naus und dan ! Ich will m machen lajfer Augenblid flo unerhörte führ es war ihm da The Augenbrau zornfuntelnd indem er m Teller hüpfte ( Fort. fol - laufenen Durchgangswagen Frankfurt- Leipzig, während der legtere nur Durchgangswagen Frankfurt und Mez- Berlin führt. Schnellzug 81 Frankfurt ab 705, Gießen an 817; Der Zug hat in Gießen Anschluß an den später gelegten Schnellzug 81 nach Cöln und Hagen und führt Durchgangs. wagen nach Hagen, Wesel und Norddeich. Personenzug 801 Frankfurt ab 735, Friedberg an 848, wird bis Gießen durchgeführt( Ank. 946); der Zug erhält in Gießen Anschluß an den Bug 406 nach Coblenz und 637 nach Cöln. Personenzug 1375 Niederwalgern ab 11 14, Marburg an 11 36. Personenzug 1381, Niederwalgern ab 9 05, Marburg an 9 28. Personenzug 1376 Marburg ab 1207, Niederwalgern an 1230.- Personenzug 1382 Marburg ab 938, Niederwalgern an 1000. Die leggenannten 4 8üge sind Fortsetzungen der gleichnamigen Züge von und nach Herborn mit Wagendurchgang. Gemischter Zug 513 Gelnhausen ab 9 25, Gießen an 1150; Bug erhält Anschlüsse in Gelnhausen von Bug 218 von Bebra, von Zug 213 von Frankfurt, in Gießen an Zua 773 nach Cassel, an Personenzug 780 und Schnellzug 78 nach Frankfurt, an Personenzug 442 nach Coblenz und Perfonenzug 639 nach Cöln. Sonntagszug 518 Gießen ab 1100, Hungen an 11 36. Bug 1061, welcher bisher nur zwischen Friedberg und Berstadt- Wohnbach Werktags verkehrte, wird auf dieser Strecke täglich gefahren und Sonn- und Feiertags bis Hungen durchgeführt. Sonntagszug 1064 Hungen ab 922, Friedberg an 10 22. Bug 1043, welcher bisher nur Werktags verkehrte wird täglich gefahren und zwar: Londorf ab 947, Gießen an 10 40.8ug 1042, welcher bisher nur Werktags vertehrte, wird täglich gefahren und bis Grünberg durch geführt und zwar Lollar ab 6 44, Grünberg an 805. Der Zug erhält in Gießen Anschluß von den Zügen 638 von Cöln 781 von Frankfurt. Den Anschluß in Lollar von Gießen vermittelt Zug 797.- Begen Durchführung des Buges 1042 bis Grünberg wird Bug 1044 nur bis Londorf gefahren und erhält folgenden Fahrplan Gießen ab 820, Londorf an 9 15. Die Züge 1347 und 1342 welche bisher nur zwischen Burg- und Nieder- Gemünden und Niederofleiden verkehrten, werden nach und von Kirchhain gefahren. Eine eigentümliche Manier, Außenstände beizutreiben, hat der 22jährige Jacob Herling, Sohn eines Wäschereibesizers in Malchen i. D. Er hatte für Wäsche von dem jetzt in Zwingenberg wohnenden Ehepaar Quilling Schäffer ca. 5 Mt. zu bekommen und den Betrag trok verschiedener Mahungen nicht erhalten. Er hörte inzwischen, daß von den Leuten nur schwer Geld zu bekommen sei und rüstetete sich daher furzer Hand mit einem derben Knotenstock und einem geladenen Revoler aus und rückte denselben vor die Thür. Er wurde wieder abgewiesen, berlangte aber energisch sein Geld, verließ trot wiederHolter Aufforderung die Tür nicht und drehte mit fetnem Stock, worauf eine Gegendrohung mit einem angeblich blind geladenen Revolver erfolgte, was den Angeklagten veranlaßte, dem Quilling einen Schuß auf den verlängerten Rücken beizubringen, was aber nach Aussage der Aerzte nicht sehr schmerzhaft gewesen sein soll. Jedenfalls sind aber derartige Zwangsmaßregeln nicht erlaubt und wird H. zu 9 Monaten Gefängnis und zu den Auslagen des Nebenklägers verurteilt. X Die freiwillige Feuerwehr von Worm 8 feiert in diesem Sommer das Fest ihres fünfzigjährigen Bestehens. Bei dieser Gelegenheit wird eine größere, auf drei Tage festgefeßte Feier abgehalten. *. Ein Prozeß, interessant für weitere Kreise, der voraussichtlich die höchsten Instanzen durchmachen wird, wird zur Zeit von einer Fleischerinnung in Mecklenburg im Auftrage des deutschen Fleischer verbandes geführt. Der Tatbestand ist folgender: Ein Fleischermeister schlachtete eine Ruh, die vor der Schlachtung von dem Fleischbeschauer besichtigt und nicht verworfen wurde. Nach der Schlachtung wurde aber nach einer abermaligen Untersuchung das Fleisch verworfen und dem Frohn überwiesen. Der Frohn besißt das Privilegium, daß ihm alles gefallene und verworfene Bieh gehört. Er beanspruchte außer dem Fleisch also auch Neu Müller's Deutsche Patent- Handhobelbank Neu No115739 Neu! | das Fell des verworfenen Tieres, das der betr. Fleischer-| meister aber als sein Eigentum betrachtet. Der Frohner ist klagbar geworden, und der Prozeß, der schon bedeutende Kosten verursacht hat, ist in erster Instanz zu Gunsten des Klägers entschieden. Der deutsche Fleischerverband hat aber angeordnet, daß der Prozeß so lange geführt wird, als die Gerichte zuständig sind. ** * Weil sich die einzelnen Bundesstaaten, wie z. B. neuerdings Sachsen, durch immer schärfere Gesetze bezüglich ihrer Lotterie- Lose förmlich von einander abschließen, wird jetzt auch bei uns ein scharfes Auge auf das Spielen in verbotenen Lotterien gerichtet werden und möchten wir unseren Lesern anheimgeben, ihr Glück nicht in anderen verbotenen Lotterien, sondern nur in der zugelassenen Hessisch- Thüringischen Staatslotterie zu versuchen. Die von derselben gebotenen vorzüglichen Aussichten auf wirkliche und hohe Gewinne rechtfertigen die Bevorzugung unserer Lotterie, auch schon ganz abgesehen von der Gefahr, wegen des Spielens in anderen bei uns nicht zugelassenen Lotterien bestraft zu werden. A Großen- Linden, 10. April. Gestern Nachmittag tagte in der hiesigen Turnhalle eine Sigung des Hüttenberger Krieger- Verbandes, zu der seitens des Vorsitzenden des Verbandes Herrn Bürgermeisters und Landtagsabgeordneten Leun, auswärtige Krieger- Vereine geladen waren. Diese Sigung dauerte bis gegen 1/25 Uhr nachmittags. Im Anschluß hieran fand die nochmalige Aufführung des patriotischen Stückes„ Die Heldin von Transvaal" statt. Dbwohl der Anfang dieser Vorstellung auf 4 Uhr nachmittags festgesegt worden war, so hatten sich schon gegen 3 Uhr eine schöne Anzahl von Zuschauern eingefunden. Als Einleitung wurde ein Prolog eines jungen Buren" gesprochen. Das Stück selbst war von echt patriotischem Geiste durchglüht, und zeigte, wie das fleine Burenvölfchen tapfer und mit vielen Strapazen für ihr Recht und Freiheit gegen die Engländer kämpften. Frl Weber, als die„ Heldin" entledigte sich ihrer manchmal sehr schwierigen Rolle ziemlich sicher. Auch die anderen Mitspielenden taten ihr Möglichstes und ernteten demzufolge von der vielhundertföpfigen Zuschauermenge einen wohlverdienten stürmischen Beifall. Den Schluß dieses fast 3 Stunden währenden Gesamtspieles bildete ein bengalisch beleuchtetes lebendes Bild. Das Spiel konnte, soweit es der Aufführungsraum gestattete, als wohl gelungen bezeichnet worden. + Grünberg, 11. April. Die Vorbereitungen zu dem am 9., 10. und 11. Juli d. Is. hierselbst stattfindenden Lahntalbundessängerfest sind flott im Gange. In einer am vorigen Samstag abend im „ Gasthaus zur Pinn" unter Leitung des Festpräsidenten, Herrn Gerichts- Assessor Vezberger, abgehaltenen Sigung des Gesamt- Feſtausschusses berichteten die Vertreter der Einzelausschüsse über deren bisherige Tätigkeit. Hierbei wurde u. a. bekannt gegeben, daß der Wirtschaftsbetrieb auf dem Feſtplah nach Abschluß eines diesbezüglichen Vertrages den beiden am Orte wohnenden Herren Heinrich Hamel und Carl Böß übertragen worden ist. Die Musik wird von der UlanenRegimentskapelle aus Hanau gestellt und zwar unter Leitung des Kgl. Mufidirektors Urbach. Besonderes Augenmerk soll auf die dekorative Ausstattung des Festplazes und der Stadt verwendet werden. Auch für Voitsbelustigungen verschiedenster Art wird der Vergnügungs- Ausschuß Sorge tragen, sodaß man überhaupt schon heute die Hoffnung aussprechen darf, daß sich das Fest der frohen Sängerschaar zu einem herrlichen gestalten wird. Möchte auch der Himmel an den drei Festtagen das seinige dazu beitragen, denn nur dann kann auf ein volles Gelingen des mit vieler Mühe und Arbeit verknüpften Festes gerechnet werden. + Unter- Schmitten, 8. April. Der Weinhändler und Landwirt Graf wurde gestern abend von seinem Knecht im heftigen Wortwechsel, mit einem geradegestellten Taschenmesser so wuchtig in den Kopf und Genick gestoßen, daß derselbe zusammenbrach. Der Täter, wurde noch in der Nacht in Gewahrsam gebracht. Hachenburg, 9. April. Ein junger Mann, welcher vor einiger Zeit in einer Wirtschaft die Gäste mit dem - Neu!- Neu!| Vorteilhaftes Angebot!| Müllers Deutsche Patent- Handhobelbank Nr. 115139. Unentbehrlich für Jedermann! Praktisch und von großer Geldersparnis! 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Die Fahrradfabrik ,, Schwalbe" Worte„ Mußpreußen" belästigte und als sich die Gäste diese Redensarten verbaten, mit einem Revolver auf sie losschoß, wurde vom Schöffengericht mit sechs Monaten Gefängnis bestraft. * Darmstadt, 9. April. Der 1. Verbandstag der akademischgebildeten Lehrer Deutschlands wurde heute unter dem Vorsiz vom Professor Block in Gießen abgehalten, begrüßt von Staatsminister Rothe, Bürgermeister Glässing u. a. Prof. Paulsen in Berlin hielt einen sehr lehrreichen Vortrag über die Entwickelung des höheren Schulwesens in Deutschland, seine Bedeutung für den Staat und für die geistige Kultur des deutschen Boltes und die daraus sich ergebenden Folgerungen für die Stellung des höheren Lehrerstandes. Kassel, 8 April. Wegen Beleidigung durch die Presse verurteilte heute die Straffammer den verantwortlichen Redakteur des sozialdemokratischen Volksblatt für Hessen und Waldeck", Garbe, zu vier Monaten Gefängnis. Die Beleidigung wurde in einem Artikel in Nr. 14 des Blattes erblickt, in dem gegen den Präsidenten und die Räte der Eisenbahndirektion Kassel der Vorwurf erhoben war, diese hätten die für die Unterbeamten ausgeworfenen Weihnachtsgratififationen zum großen Teile in die eigenen Taschen gesteckt. Die Berhaudlung ergab die völlige unwahrheit dieser Behauptung. A Bingerbrück, 8. April. Als gestern der Landwirt Peter Nonnenmacher von der Kontrollversammlung heimkehrte, stürzte er auf der Landstraße so unglücklich wider einen Stein, daß er das Genick brach und sofort tot war. * Briefkasten. Nach Röthges und Belters hain. Eg wird demnächst Jemand zu Ihnen kommen. Neueste Nachrichten. Ueber Berlin wird uns folgendes gedrahtet: Berlin, 11. April. Das Kreismarine- Amt macht betannt, daß Oberst Robert Dürr nach 8 stündigem Gefecht die Hauptmacht der Hereros, welche 3000 Gewehre start war, geschlagen und auseinander gesprengt hat, auf unserer Seite fielen 2 Offiziere und 3 Reiter. Marktberichte. *** Fruchtpreise am Grünberger Fruchtmarkt, vom 9. April. Weizen 18,00-00,00, orn 00,00 bis, Gerste 16,00, Hafer 14,50-15,50, Erbsen 00,00, Samen 00,00, Kartoffeln 7,00-7,50, Linsen 00,00 Mart. Alles per Doppelzentner. - = Groß- Felda. Der am letzten Mittwoch hier abgehaltene Ostermarkt war nicht von günstigem Wetter begleitet, aber dennoch zeigte der Viehmarkt starke Auffahrt an Jungschweinen. Der Handel ging lebhaft bei gutem Angebote. Die Preise sind durchschnittlich gegen voriges Jahr 20 Mt. für das Paar geringer. Die Ferkel 1. Qualität fosteten das Paar 50-54 Mt., 2. Sorte 40-50, 3. Sorte 35-40 Mt. Diese billige Preisstufe wird hauptsächlich verursacht durch die stark gesunkenen Preise für die fetten Schweine, die man 3. 8t. mit 34 bis 36 Pfg. das Pfund Lebendgewicht auftauft. Arbeitsna chweis der Stadt Gießen. Es fönnen eingestellt werden: Schlosser, 1 Holzbildhauer, 2 Möbelschreiner( ausw.), mädchen, 2 Lauffrauen, 2 Laufmädchen. 3 Bauschreiner, 1 Schneider, 1 Glaser, 16 Dienst1 landwirtschl. Knecht, 1 Spengler, 1 Schmied, 1 Lehrlinge: 3 Installateure, 2 Schlosser, 1 1 Drechsler, 3 Bäcker, 1 Megger, 1 Schneider, 1 SchuhElektrotechniker, 1 Buchbinder, 1 Tapezierer, 2 Schreiner, macher, 1 Glaser, 1 Weißbinder und Lackierer, 2 Kaufleute, 1 Kellner. Es suchen Arbeit: 1 landw. Knecht, 1 Schlosser, 1 Installateur, 1 Spengler, 2 Schreiner, 1 Flickerin, 1 Packer oder Lagerarbeiter, 1 Buchhalter, 1 Lauffrau, 1 Kassierer, 1 Hausbursche, 2 Bureaugehilfen. Lehrlinge: 1 Elektrotechniker, 1 Mechanifer, 1 Friseur. Für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein. Gemahlene DalliSeife Unersetzlich für Wäsche u. Hausputz. Mäurer& Wirtz.Stolberg Rhld. Walter Jäckel Katharine Jäckel, geb. Spengler Vermählte. Frankfurt a M. Lützellinden. Eine Wohnung, Städt. 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Die Reinigung von Zimmer- Ausstattungen. Wollene und seidene Vorhänge, Portièren, Teppiche, Felle, ebenfalls Gardinen und Decken etc. sind sehr aufnahmefähig für feine Staubteilchen und alle Arten von Mikroben und Bazillen. Wenn auch durch Ausklopfen und Bürsten die Unreinlichkeiten zum Teil wieder entfernt werden, so bleiben doch immer feine Schmutzteilchen in den angeführten Gegenständen haften, die, jemehr diese unsauberen Körper sich einnisten, zerstörend für Farbe und Stoff sowohl, als auch gesundheitsschädlich wirken. Zu entfernen sind derartige Schmutzteilchen nur gründlich durch ein Lösungs- Verfahren und zwar liegt es im Interesse der Sachen, ein solches zu benutzen, welches auf Farbe, Appretur und Stoff- Faser neutral wirkt. Ein solches Verfahren ist unsere chemische Reinigung. Dass bei dieser Reinigung eine Desinfektion vorgenommen wird, ist noch ein besonderer Vorzug. Unsere chemische Reinigung empfiehlt sich daher bei Zimmer- Ausstattungen aus folgenden Gründen: 1. Weil sie für Stoff und Farbe ohne Nachteil ist. 2. Weil die Gegenstände viel länger in gutem, gebrauchsfähigem Zustande bleiben. 3. Weil dadurch dem Ordnungssinn, dem Geschmack und dem persönlichen Wohlbehagen Rechnung getragen wird. Färberei Gebr. Röver chem. Wasch- Anstalt Bedeutendstes Etablissement dieser Branche in Mitteldeutschland. Giessen, Marktplatz 18. ร richteten fich auf ihn, er ſtellte sich auf seinen und ein bumpfes, grauenhaft flingendes Geheul ausstieß. sterilisierte Milch zu verwenden ist. rung hat ergeben, daß mit Gine bieljährige Gr der die dieser er einer beren Nr. 79. Famil Montaa, den 11. April. Betreff: Die Ausbildung von Bauwärtern. Bekanntmachung. Wir bringen hiermit die Namen der im Kreise Alsfeld ansässigen ausgebildeten Obstbaumwärter zur Kenntnis der Interessenten. Alsfeld, den 6. April 1904. Großherzogliches Kreisamt Alsfeld. Dr. Melior. Johann Philippi.. Elpenrod, Carl Schmidt Ermenrod, Georg Theiß III. · Flensungen, Homberg, Friedrich Seiß Heinrich Heiser III. Carl Merle August Schneider Jost Jakob Georg Dern Kirtorf, Liederbach, Merlau, Ober. Ofleiden, Storndorf. Außer den von mir seither geführten Bieren bringe| auch Mainzer Aktienbier Bekanntmachung. Betr. Feldbereinigung in der Gemarkung Gießen, rechts der Lahn. Nachstehende Bekanntmachung bringen wir hiermit zur beliebt wegen seines reinen, milden Geschmackes und weil öffentlichen Kenntnis. es außerordentlich gut bekommt, zum Verkauf und empfehle dasselbe die 11 Flasche zu 18 Pfennig 1/2" 9" Wiederverkäufer erhalten Rabatt. Zugleich bemerke ich, um Täuschungen und Verwechselungen vorzubeugen, daß nur mir allein die Vertretung der Mainzer Aktien- Brauerei für Gießen und Umgegend übertragen worden ist. Gotthilf Röhrle Bier- Großhandlung. Marburgerstraße 7. Telephon 344. Gießen. Nationaler Gesangs- Wettstreit ¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤ 1904. Arbeits- Verdingung. Die zur Errichtung der Festbauten erforderlichen Zimmer, Dachdecker- Dekorations- und sowie die Anstreicherarbeiten, Spezial- Geschäft für Taschen- und Weckeruhren, Uhr- Ketten. Carl Geismar, Uhrmacher Gießen, Schulstraße 5. Beleuchtungs- und Wasserleitungs- Anlagen Gamma sollen vergeben werden. reinigt Gold, Silber, Messing, Email, Marmor, Linoleum, Leder, Schuhe, Zeichnungen und Bedingungen können beim Unter- Fenster, Spiegel, Spitzen, Kleider, Teppiche, entfernt zeichneten ab 12. April eingesehen, resp. bezogen werden Flecken und Wagenschmiere. Per Dose 25 Pfg. und sind ebendaselbst die Offerten verschlossen mit ent- überall zu haben oder direkt 4 Dosen 1 Mk., Porto sprechender Aufschrift versehen, bis spätestens zum 20 Pfg. durch J. Pausch II, Kronach. 19. April d. Is., die der beiden letzten Titel bis zum 26. April d. Js., mittags 12 Uhr abzugeben. Gießen, den 9. April 1904. Der Bau- und Dekorations- Ausschuß. Huhn, Bleichstraße 16. 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Friedberg, den 30. März 1904. Der Großherzogliche Feldbereinigungskommissär: gez.: Spamer, Kreisamtmann. Bekanntmachung. In der Zeit vom 2. bis 9. April 1904 wurden in hiefiger Stadt gefunden: 1 Nickeluhrkette. berloren: 1 hellbraunledernes Portemonnate mit 5 bis 6 Mt. Inhalt. Gesang- Verein. Kartoffel Die Empfangsberechtigten der gefundenen GegenMittwoch, den 13. April 1904. Speise- u. Salatkartoffel stände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend Gesangsprobe zu den billigsten Tages zu machen. der beiden Tenöre. Der Vorstand. preisen empfiehlt J. Hankel Schloßgasse Gießen. - Gießen, den 9. April 1904. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Herberg. quifter ??? und ein dumpfes, grauenhaft klingendes Geheul ausstieß. Aller Augen richteten sich auf ihn, er stellte sich auf seinen Pfoten auf und heulte ununterbrochen, während der Feldhüter wie wahnsinnig ausrief: " Er ahnt ihn, er ahnt ihn! Er war dabei, als ich ihn tötete!" Die beiden Frauen fingen plötzlich an, mit dem Hunde zu heulen und zu weinen, und unwillkürlich befiel mich eine entsetzliche Furcht. Wovor? Das weiß ich selbst nicht! Wir blieben unbeweglich und erwarteten ein gräßliches Ereignis. Immer noch jagte der Hund um das Zimmer, voch an den Wänden und heulte. In einem Anfall von Wut packte der Bauer, der mich hergebracht, das Tier am Halse, öffnete eine kleine nach dem Hofe führende Tür und stieß den Hund mit einem Fußtritt hinaus. Sofort ward es still; aber dieses Schweigen war noch entsetzlicher. Plötzlich fuhren wir alle empor: Es hatte draußen leise an die Tür geklopft; dann tappte es wie mit einer leichten Hand, dann hörten wir zwei Minuten lang wieder nichts, darauf kragte es wieder leise, leise, und plötzlich erschien ein Kopf an dem kleinen Fenster, ein weißer Kopf mit leuchtenden grünlichen Augen, und gleichzeitig drang ein Ton aus seinem Munde, ein düsteres, klagenPlötzlich verbreitete sich Dampf in der Küche. Der alte des Gemurmel. Feldhüter hatte geschossen, und in demselben Augenblick verbarrikadierten seine Söhne die Tür. Bis zum Morgen blieben wir unbeweglich an derselben Stelle, ohne ein Wort zu sprechen. Erst als ein schwacher Strahl der aufgehenden Sonne die Küche beleuchtete, wagte An der Tür lag mit einer Kugel im Kopf der alte Hund." man den Eingang frei zu geben. Der Mann mit dem sonnenverbrannten Gesicht schwieg und setzte dann nach kurzer Pause hinzu: " In jener Nacht hatte ich keine Gefahr zu befürchten, und doch möchte ich lieber die entsetzlichsten Kämpfe beſtehen, als jene furchtbare Minute noch einmal durchleben, in der der Greis durch das Schiebefenster auf den alten Hund schoß.“ Ver Hausdoitor Neue Fragen der Milchhygiene. vor kurzem abgehaltenen Molkereikongressen Auf mehreren wurden alle Fragen der Milchhygiene wieder eingehend besprochen und dabei manche neue Tatsache ans Licht gebracht. Das Publikum, das selbstverständlich an diesen Fragen das größte Interesse hat, nicht mehr aus. Seit altersher wird in einem fort gepredigt, daß da die Milch im Haushalte eine erste Rolle spielt, kennt sich bald man die Milch vor dem Genusse abkochen müsse, um sie von verschiedenen darin enthaltenen Krankheitserregern zu reinigen. Vor einigen Jahren priesen einzelne Aerzte wieder den Wert der kuhwarmen Milch, und zwar gerade bei Schwindsüchtigen. Freilich sollte diese rohe Milch nur dann getrunken werden, wenn die Reinheit des Stalles und die Prozedur des Melkens sichergestellt ist. Nun kommt gar Behring und behauptet, die Hauptursache der Tuberkulose ist die Säuglingsmilch, doch dürfe dieselbe nicht abge= kocht werden, da sie sonst die Schutzstoffe verliert, die die Bakterien unschädlich machen. Behring gibt dieser rohen Milch nur einen schwachen Formalinzusaz und hält die so präparierte Milch als die geeignetste für den Säugling. Man muß sagen, daß diese Milchzubereitungsmethode Behrings für den Laien wenigstens sehr unverständlich ist. Die rohe Milch kann Tuberkelbazillen enthalten, ja, sie enthält sie wahrscheinlich sehr häufig, sonst könnte die Säuglingsmilch doch unmöglich die Hauptursache der Tuberkulose sein. Kochen durch sechs bis zehn Minuten tötet die Schwindsuchtskeime mit Sicherheit und vernichtet auch alle anderen sehr zahlreichen in der rohen Milch vorkommenden schädlichen Keime. Warum also soll man die Milch nicht kochen? Wegen der Vernichtung der Schutzstoffe, wie Behring sagt? Wenn die rohe Milch Schutzstoffe enthält, so könnte sie doch wieder nicht die Tuberkulose vom Tiere auf den Menschen übertragen, denn mit den Bazillen gingen dann doch auch die Schutzstoffe über, welche die Wirkung der Bazillen paralysierten. Die Theorie Behrings, mit der auch fast sämtliche Hygieniker von Namen im Widerspruche stehen, hat also ihren Haken. Für unsere Mütter, die um das Wohl ihrer Kinder besonders bei der Säuglingsernährung besorgt sind, gelte die Regel fort, daß zur Ernährung von Säuglingen und kleinen Kindern nur sterilisierte Milch zu verwenden ist. Eine vieljährige Errung hat ergeben, daß mit dieser Methode der Ernährung die schönsten Resultate erzielt werden. Wegen einer Hypothese, deren Richtigkeit Behring selbst nicht bewiesen hat, wird man nicht Tausende von Kinderleben aufs Spiel sezen. * Aerztlicher Ratgeber. Furunkeln, die mehr schmerzhaften und lästigen als gefährlichen Geschwüre, sind bekanntlich das Ergebnis mikroskopischer Uebeltäter, die sich häufig durch kleine Hautverlegungen eindrängen. Hohe Kragen, die die Haut reiben, sind oft die Veranlassung, daß ihr Träger statt des blank gebügelten, schneeigen Marterinstruments ein loses Tuch um den steifen, schmerzenden Nacken schlingen und zu Hause sißen und pappen muß. Der Pariser Gesellschaft für Chirurgie hat nun ein dortiger Arzt ein von ihm oft gebrauchtes Mittel angegeben, das stets Erfolg haben soll. Er führt in das Geschwür Sauerstoff ein, der Schmerz soll bald darauf nachlassen, das Geschwür zurückgehen und der Furunkel verschwindet. Zu der Operation genügt ein Rezipient mit komprimiertem Sauerstoff, ein Kautschukröhrchen und eine Nadel. Zuerst werden einige Ginspritzungen an der Basis des Furunkels, dann in das Geschwür ſelbſt gemacht. Nach unserem Wissen ist diese Behandlungsart in Deutſchland noch unbekannt. * Keuchhusten der Kinder. Der Keuchheusten befällt gewöhnlich Kinder im Alter von ein bis sieben Jahren, die Ursachen sind oft falsche Ernährung, Verschleimung des Magens. Es ist schrecklich anzusehen, wie die Kinder sich abquälen und würgen. Vor Beginn des eigentlichen Keuchhuſtens iſt die erste Erscheinung gewöhnlich ein trockener Husten der besonders des Nachts auftritt, schwaches Fieber, Appetitlosigkeit; das dauert einige Tage, vielleicht auch einige Wochen. Bisweilen fällt dieses Verlaufsstadium weg und der Keuchhuſten beginnt mit einem Kitzel in der Luftröhre und einem mit Angstanfällen begleiteten Zusammenschnüren der Brust, wobei das Kind nach einem Gegenstande sucht, um sich festzuhalten. Es erfolgen nun Aus- und Einatmungen von einem pfeifenden Ton begleitet. Die Atemnot erkennt man an der hochroten Färbung des Gesichts, zuweilen mit Nasenbluten. Der Anfall dauert oft 15 Minuten, dann erfolgt Erbrechen des Mageninhalts mit Schleim aus den Luftröhrenästen. In der Folge mindert sich die tägliche Menge und die Dauer der einzelnen Fälle, im ganzen hält der Keuchhusten drei bis sechs Wochen an. Die Mutter darf nicht verſäumen, ſofort zum Arzt zu ſchicken. Das Mikrophon als Lebensretter. Beim Tode hysterischer Personen ist es ratsam, den Arzt, der den Totenschein ausstellt, auf diese Krankheit der Verstorbenen besonders aufmerksam zu machen. In Petersburg ist der bemerkenswerte Fall vorgekommen, daß ein Arzt einen Totenschein für eine Dame ausstellte, die nach einem heftigen nervösen Anfall in tiefe Ohnmacht fiel, und nach längerer Dauer dieses Zustandes scheinbar zu atmen aufhörte. Nur zufällig fam ein zweiter Arzt dazu, der die Todtgesagte noch einmal genauer untersuchte, da ihm bekannt war, daß diese schon wiederholt an hysterischen Zufällen mit tiefer Ohnmacht gelitten hatte. Nach verschiedenen anderen Proben setzte er ihr ein Mikrophon auf die Herzgegend, und hierdurch war er im Stande, noch einen, wenn auch sehr schwachen Herzschlag wahrzunehmen. Sofortige Wiederbelebungsmittel retteten die Aermſte von einem grausigen Schicksal. * Der Wert der Fleischbrühe. Die Verdauungsorgane bedürfen zu einer genügenden Tätigkeit und einer möglichst vollständigen Ausnutzung der aufgenommenen Nahrungsmittel eines Anreizes, den wir in der Form von Salzen oder Gewürzen den Speisen geben. Außerdem kann aber ein solcher Anreiz auch durch ein besonders dafür bestimmtes Gericht vor der eigentlichen Mahlzeit ausgeübt werden, und zu diesem Zwecke entsprechen die scharfen Vorgerichte, die z. B. in der französischen Küche eine stehende Einrichtung sind und zu denen Radieschen, Rettich, Sardellen, Salami, Kaviar 2c. gehören. In Deutschland hat sich diese Sitte weniger eingebürgert, und wir haben nur ein allgemein übliches Vorgericht, welches die gleiche Wirkung ausübt und den Appetit durch Anreiz der betreffenden Organe und Nerven hebt, nämlich die Fleischbrühe. Es ist ein großer Irrtum, von dem noch viele Menschen befangen sind, daß die Fleischbrühe ein Nahrungsmittel ist. Weder sie, noch der als eingedickte Fleischbrühe aufzufassende Fleischertrakt haben eigentlichen Nährwert, beide sind vielmehr nur Beförderer des Appetits und der Verdauung, aber haben auch in dieser Eigenschaft ihre sehr große Bedeutung im Haushalt des Menschen. Nr. 79. Montag, den 11. April. 1904 Oberbessische, Familienzeitung. Tägliche Unterhaltungs- Beilage ber Gießener Neueste Nachrichten. Send nub Vesing bez Otefexer Berlagsbruderet, verm. With. Relleries Bugbradeset( gegs. 1788); narang: Ids& leta ( 8. Fortſeßung.) Gewillensqualen. Kriminal Roman von Robert Buchanan. Er sah fast noch wie ein Knabe aus, und sein Alter würde man höchstens auf 20 Jahre geschätzt haben. Seine Züge verrieten heftige Schmerzen, und sein glatt rasiertes Gesicht war todesbleich, nur auf jeder Backe brannte ein hektischer Fleck. Die Augen waren geschlossen, und er schien ganz bewußtlos zu sein. Sein Bett stand in einer Ecke des Zimmers, und wenn er mit seiner feinen, weißen Hand frampshaft das Deckbett packte und im heftigsten Fieber seinen Kopf von der einen Seite auf die andere warf, stieß er jenes herzzerreißende Stöhnen aus. Ganz leise schlich sich Pater Johannes an das Bett, und als er die Hand des Kranken in die ſeinige nahm, traten ihm Thränen in die Augen.„ Liegt er schon lange so?" flüsterte er Nora zu. „ Erſt ſeit heute, Hochwürden," antwortete das Mädchen. „ Gestern Abend war er aufgestanden und ſaß in seinem diener und übergab ihm ein Blatt Papier. Es war eine Stuhl; unſere Frau war bei ihm. Da kam ein GerichtsVorladung, Euer Hochwürden, zur Zeugnisablegung vor Gericht, wegen des Herrn Michael. Pater Antonius sprach kein Wort, aber er verfärbte sich schrecklich, und als heute früh unsere Frau zu ihm kam, jammerte und raste er, als ob er von Sinnen geraten wäre." " Noch nicht, Euer Hochwürden; unsere Frau hat nach „ War Herr Doktor Mulligan schon hier?" ihm geschickt, der Bote brachte aber den Bescheid, daß er auf 8 Tage nach Dublin verreist sein soll." „ Um ſo beſſer“, sagte Pater Johannes, und sich dann zu mir wendend, fuhr er fort:„ Nun, Herr Doktor, können Sie vielleicht etwas für den Kranken tun?" Ich trat an das Bett und fand bei eingehender Untersuchung, daß der Patient sehr heftiges Fieber hatte Die Untersuchung schien ihm unbehagen zu machen, denn er stöhnte ſchrecklich. Als ich mich dann über ihn beugte, um ihn nach dem Pulse zu fühlen, öffnete er die Augen, richtete sich im Bett auf, blickte umher und schrie laut auf: Michael, Michael!" Dann fiel er wieder in seine Kissen zurück. immer. Er ruft immer nach dem Herrn Michael. Ach, was „ Haben Sie es gehört?" rief das Mädchen. Das sagt er wird daraus werden?" „ Was meinen Sie, Herr Doktor?" fragte Pater Johannes und schüttelte dabei unwillkürlich den Kopf. „ Er scheint das Nervenfieber zu haben." ,, und können Ste ihn heilen?" " Ich will es gern versuchen, ich gestatte mir jedoch, Sie auf die Etiquette, die wir Aerzte gegeneinander befolgen, aufmerksam zu machen. Gehört der Herr Kaplan zu Dr. Mulligans Patienten, so darf ich ihn nicht behandeln." „ Aber bei den armen Leuten im Dorfe haben Sie sich um diese Etiquette nicht gefümmert, Herr Doktor!" „ Nicht eher habe ich einen behandelt, als bis man nach dem Doktor geschickt hatte und dieser nicht gekommen war." ,, und hat man denn nicht auch hier nach ihm geſandt und ist er nicht gekommen? Sie können doch den armen Mann nicht sterben lassen!" Es bedurfte keiner weiteren Ueberredung; ich gab Pater ( Nachdruck verboten.) Johannes das Versprechen, und wir schieden von einander. Er ging in ein benachbartes Tal, um dort einige seiner Schäflein aufzusuchen, während ich eine einfache Arznei bereitete und, nachdem ich Nora die erforderliche. Anweisungen gegeben hatte, nach Mylrea zurückfuhr. Seiner Aufforderung folgend, füllte ich mein Glas auf die leiche Weise und führte es an die Lippen. Das Getränk hatte einen seltsamen, torfähnlichen Geruch, schmeckte aber nicht unangenehm. Den Kopf auf die Seite wiegend und das eine Auge schließend, beobachtete mich der Pfarrer mit prüfenden Blicken. Er ist nicht schlecht," antwortete ich. Wenn ich recht verstehe, ist es also ein Whiskey, der ohne Erlaubnis der Behörde gebraut und für den daher auch keine Steuer gezahlt wird." Ganz recht, Herr Doktor," bestätigte der Pfarrer. Jetzt wissen Sie also, was Potheen ist, und es freut mich, daß er Ihnen schmeckt. Ich wollte," fuhr er ernster werdend fort, die Leute hier hätten alle davon und genössen ihn wie wir beide; der andere hat viel Elend auf dem Gewissen. Ich halte das für ein schlechtes Geſetz, welches einem armen Teufel verbieten will, sich das, was ihm gut schmeckt, selber zu machen. Aber auch abgesehen davon: der Rückstand des Kornes, aus dem Potheen bereitet wurde, gibt ein viel besseres Viehfutter, und sicherlich wissen die Gendarmen auch, wenn ſie besonders glattes und fettes Vieh sehen, daß da in der Nähe eine geheime Brauerei sein muß... Aber ich habe Sie doch nicht hierhergeführt, Herr Doktor, damit wir uns über solche Dinge unterhalten, nicht Herr?" unterbrach er sich. ,,, einen Engländer, der hierher kam, Land und Leute kennen zu lernen, interessieren sie doch!" ,, Mag sein, doch lassen wir den Potheen! Ich wollte gern wissen, wie Sie denn meinen Patienten da unten gefunden haben. Mein Herz tut mir weh, wenn ich an ihn denke; denn ich liebe ihn, als wäre er mein jüngerer Bruder." Ich erkärte ihm, daß Pater Antonius sich zur Zeit so wohl befände, als es unter den obwaltenden Umständen überhaupt nur möglich sei; ich könne ihm jedoch die Tatsache nicht verhehlen, daß er in sehr großer Gefahr geschwebt habe. „ Ich fürchte auch, sein Gemüt bedrückt etwas," schloß ich. Sein Gemüt?" wiederholte der kleine Pfarrer mit einem tiefen Seufzer und traurigem Kopfschütteln. Sein Gemüt, sagn Sie? Nein, mein guter Herr Doktor, um hier in Jrland die Pflichten des geistlichen Amtes auszuüben, muß man kräftiger Natur sein; eine starke Brust und Muskeln von Eisen, die sind dazu unbedingt erforderlich. Anton Creenan war aber nie sehr kräftig; vergessen Sie nicht, daß er der Sohn eine Gutsbesitzers iſt, und nicht, wie ich, aus dem Volke hervorgegangen. Ich bin gewöhnlicher Bauersleute Kind, Herr, und habe von meiner Mutter eine Konstitution bekommen, die Wind und Wetter standhält und alle Entbehrungen und Beschwerden aushalten kann." Er stärkte sich durch einen Schluck und fuhr dann fort: „ Ich hab' es oft gesehen, daß der arme Mann fast ohn Dr. 93. onnementy Baus gebrac Brattbettages und ble Das Blatt für Alle --Ein gr Gine fchwere Die schlimme wi Musstand der geführt: Säm feiern, der Bälfte des Habs und noch ist fe 10orhanden. I Schärfe und G der ungarischen Mannschaften d fahr wenig erf regelmäßig Die über de be fagen im Wei miöglichen. Um Mittern ng Ungarn ein kein Zug der S rivatem Betri gingen am M 6 fällige Züge fahren und 8 hægann damit, bahnhof fam lampen ausg Hundert Güterzug wurde Welaffen, der nige morauf der Lok inbitiegen. Der Station Ratos legten darauf Stadtbahn zur Orienterpreßz ahnana aufgeh Infolge die reblich erwarter bein Rug von B oienstbereit stan daß die Budap auptstadt eint deen, um dann Diefes plöt Strede ist auf e zurückzuführen. en Stationen graphisch die Streifenden ar und an der gehaltenen in möglichit Offenbar plan nen in der Bu folcher mächtig wurde, wenn er mit leerem Magen über die Berge Klettern mußte, um Kranke zu besuchen. Geistige Getränke genießt er überhaupt nicht, und so fehlt ihm bei seinem angestrengten Leben auch diese Erfrischung. ,, Aehnelt ihm sein Bruder?" fragte ich. Pater Johannes schüttelte den Kopf. Durchaus nicht; die beiden Brüder sind wie Tag und Nacht, und Michael konnte man, ehe er ins Unglück kam, wohl mit dem Tage vergleichen, während Anton die Nacht war. Michael war immer ein fröhlicher Bursche, trieb allerlei Sport: Jagd, Fischen, Angeln, und im Tanze mit den jungen Mädchen war er gewiß nicht der lezte. Er war die Seele jeden Kirchweihfeſtes und der Mittelpunkt aller Vergnügungen. Anton dagegen war immer mehr für ſeine Bücher und das Studium eingenommen, darum paßte er auch eher zu einem Geistlichen." Ich möchte wohl wissen, was ihn so sehr bekümmert... Sollte das einzig und allein die Sorge um den Bruder sein?" ,, Nun, ganz gewiß, und das ist auch kein Wunder," meinte Pater Johannes, daß die Scham und der Kummer, daß ein schimpflicher Verdacht auf Michael gefallen ist, ihm das Herz brechen und ihn töten werden. In der Nacht, in der er die Verhaftung seines Bruders erfuhr, lief er umher wie ein Mann, den ein Messer ins Herz getroffen hat, und seitdem hat er sein Krankenbett noch nicht verlassen." Ich war noch nicht ganz befriedigt, konnte mich jedoch nicht über meine Gedanken äußern. Sie werden doch den Armen wieder herstellen, Herr Doktor?" sagte darauf der Pfarrer in bittendem Tone. Jedenfalls will ich mein Bestes tun," antwortete ich. Wie ich Ihnen schon sagte, ist er ja für jetzt außer Gefahr. Darf ich Sie vielleicht bis Mylrea in meinem Wagen mitnehmen?" Pater Johannes schüttelte verneinend den Kopf.„ Danke, Herr Doktor! Ich werde hier übernachten, da ich noch weiter oben im Gebirge einen Besuch zu machen habe." In diesem Augenblicke ging die Tür auf und der Wirt trat ein:„ Ich bitte um Entschuldigung, aber draußen steht eine Frau, die Euer Hochwürden sprechen will." „ Wer ist es, Shamus?" fragte der Pfarrer. Kathleen Bournes aus dem Gebirge, und sie möchte sich gern nach dem Befinden des Paters Antonius erkundigen." Während der Wirt diese Auskunft gab, erschien eine weibliche Gestalt in dem Rahmen der Türe. Sie trug einen jener langen Mäntel, wie man sie bei den Landbewohnerinnen Frlands häufig sieht; über den Kopf hatte sie eine Kappe gezogen, die zwei große schwarze Augen erkennen ließ, die verlangend nach mir blickten. Was gibt es Mädchen?" fragte Pater Johannes rauh. Mit leiser, aber nicht unschön klingender Stimme antwortete das Mädchen sofort: Ich wollte mich nach Pater Antonius erkundigen, Hochwürden, und Shamus meinte, daß hier ein englischer Doktor ist, der ihn besucht hat." Jawohl, und was weiter?" Ich hätte gern gewußt, ob er bald wieder besser sein wird, Hochwürden?" Die Frage war zwar ganz einfach, aber die Art, wie sie gestellt wurde, bekundete hohe Aufregung, und noch immer waren die schwarzen Augen ängstlich auf mich gerichtet. " Ich habe ihn eben verlassen," antwortete ich, und er ist außer Gefahr." Gott sei dafür gepriesen!" rief inbrünstig das Weib. ,, Glaubt Euer Gnaden, daß er bald wieder ausgehen darf?" Indem ich mich zum Gehen anschickte, sagte ich:„ Ich hoffe, er wir in kurzer Zeit wieder ausgehen dürfen." Als ob diese Auskunft das Weib vollständig beruhigt hätte, wandte sie sich jetzt an Pater Johannes:„ Euer Hochwürden.." ,, Nun, was gibt's?" st bei Herrn Michael etwas Neues?" " Nichts, außer daß er jegt in Castlerea im Gefängnisse sitzt und auf seine Verurteilung wartet." Die Frau erhob ihre Hände zum Himmel und stieß einen durchdringenden Schrei aus, der wohl dem eines gefangenen Raubvogels ähnelte. Verflucht seien die, die ihn dorthin gebracht haben!" Und indem sie ihre Kapuze noch tiefer über das Gesicht zog, verließ sie das Zimmer. ,, Wer ist das Weib?" fragte ich den Pfarrer. Er zuckte die Achseln. Eine gewisse Kathleen Bournes, und ihr Bruder ist einer der größten Räuber und Gauner in der ganzen Grafschaft." verWir erhoben uns und traten zur Tür hinaus. Dort abschiedete ich mich mit einem kräftigen Händedruck von Pater Johannes, sprang in meinen Wagen und fuhr auf Mylrea zu. Hinter der letzten Hütte des Dorfes gewahrte ich auf der Landstraße die Frau, die uns in der Schenke angesprochen hatte. Nur mühsam konnte ich in dem Regen, der jetzt in Strömen herabgoß, vorwärts kommen. Als wir an sie herangekommen waren, befahl ich Andreas, zu halten. ,, Gehen Sie unseren Weg?" fragte ich.„ Dann steigen Sie auf!" Indem sie faum ein wenig den Kopf erhob, gab sie mir in der melodischen Stimme, die mir vorhin schon aufgefallen war, zur Antwort:„ Ich gehe ins Gebirge diesseits von Milsyth. Fahren Euer Gnaden nur ruhig weiter und kümmern Sie sich um neinesgleichen nicht!" Ich bestand jedoch auf meinem Willen, denn ich wußte, daß ihr Weg durch Mylera führte, und ich war entschlossen, sie bei solchem Wetter nicht zu Fuß gehen zu lassen. Meinem Drängen endlich nachgebend, setzte sie sich auf den Bock neben Andreas. Ich bemerkte dabei, daß sie noch jung und keineswegs häßlich war. Während unserer Fahrt versuchte ich zu verschiedenen Malen mit dem Mädchen eine Unterhaltung anzufnüpfen, aber sie murmelte nur zum Kutscher einige unverständliche Worte, und ich erhielt nur einsilbige Antworten von ihr. Sie schien mir unfreundlichen, ja rohen Charakters zu sein. Als wir an meiner Wohnung angekommen waren, wurde ich einige Minuten mit dem Zuſammennehmen meiner Sachen und dem Heraussuchen meines Arzneibestandes und meiner chirurgischen Instrumente in Anspruch genommen, während Andreas an die Tür pochte. Als ich mich umwandte und dem Mädchen ein freundliches Wort zum Abschied sagen wollte, war sie schon verschwunden, doch konnte ich noch sehen, wie sie auf der Landstraße sich langsam im Regen weiterschleppte. „ Ein sonderbares Mädchen!" sagte ich lachend zu Andreas. ,, Das will ich meinen!" war die Antwort.„ Die einen sagen, sie sei ganz verrückt, andere meinen, sie hätte unglücklich geliebt und sei davon übergeschnappt." Ich lachte und trat hinein. Zu Hause fand ich eine Karte von Fräulein Craig vor, worin sie um meinen sofortigen Besuch bat. Eiligst begab ich mich auf das Schloß und traf dort das Fräulein in großer Aufregung. Sie hatte die Erlaubnis zu einem Besuche bei Michael Creenan erhalten und war gerade im Begriff, nach Castlera zu fahren. Sie machte mir nun den Vorschlag, sie zu begleiten. Sein Anwalt ist gerade heute in der Stadt, und ich glaube, es wäre ganz gut, wenn Sie die Freundlichkeit hätten und ihn besuchen würden. Sie könnten dadurch ja am besten erfahren, wie die Angelegenheit steht." Nichts konnte mir erwünschter sein. Wir vereinbarten, daß wir sofort nach Castlera fahren, dort übernachten und am Vormittag des folgenden Tages unseren Besuch im Gefängnisse abstatten wollten. Wir fuhren erst am späten Nachmittag von Mylrea weg, und die Entfernung, die wir zurückzulegen hatten, betrug etwa zwanzig irische Meilen; unsere beiden Pferde hielten sich jedoch recht tapfer, so daß wir noch vor einbrechender Nacht in Castlera eintrafen. Im Königlichen Wappen", einem am Markte gelegenen kleinen Gasthofe stiegen wir ab. Wie fast alle Herbergen auf der grünen Insel zeichnete sich auch diese durch Mangel an Bequemlichkeit und schlechtes Essen aus. Ein trauriges Zimmer, Salon" genannt, war für Fräulein Craig bestimmt worden, und hier wurde uns von dem unansehnlichen Oberkellner, der ein Auge verbunden hatte, das Abendessen aufgetragen. Dafür, was uns an Bequemlichkeit abging, entschädigte uns aber die von allen Seiten entgegengebrachte Teilnahme; denn jeder im Gasthofe, vom Wirt bis zum Hausknecht, wetteiferte in dem Bestreben, der jungen Dame zu dienen, deren Vater bei seinen Lebzeiten ein ständiger Gast in diesem Hause gewesen war. Am folgenden Vormittage begaben wir uns in das Gefängnis. Der Vorsteher, ein alter Freund des ermordeten Gutsherrn, empfing uns. Er begrüßte zwar Fräulein Craig sehr freundlich; ich fand jedoch bald heraus, daß er ihren Glauben an der Unschuld des Verhafteten nicht teilte. Nach ein paar liebenswürdigen Worten ließ er uns in Michael Creenans Zelle führen. ( Fortsetzung folgt.) Sobald man in Gesellschaft ist, so nimmt man vom Herzen den Schlüssel ab und steckt ihn in die Tasche; die welche ihn stecken lassen, sind Dummköpfe. # Pie Furcht. Novellette von Guy de Maupassant. ( Nachdruck verboten.) Nach dem Essen gingen wir auf die Schiffsbrücke hinunter. Vor uns lag das Mittelländische Meer wie ein klarer, glatter Spiegel. Das große Fahrzeug, auf dem wir uns befanden, glitt dahin und verdunkelte den sternenbesäten Himmel mit seinem schwarzen Rauche. Wir waren sechs bis acht Personen und bewunderten die herrliche Landschaft. Der Kapitän, der seine Zigarre rauchte, nahm plötzlich die Unterhaltung vom Diner wieder auf und sagte: " Ja, ich hatte an jenem Tage Furcht. Mein Fahrzeug saß, vom Sturme gepeitscht, sechs Stunden lang auf den Sandbänken feſt. Glücklicherweise wurden wir gegen Abend von einem englischen Schoner, der uns bemerkte, aufgenommen. Jezt nahm ein großer Mann mit sonnenverbranntem Gesicht und ernſtem, schwermütigem Ausdruck, dem man auf den ersten Blick ansah, daß er viele Länder gesehen und viele Gefahren bestanden hatte, das Wort: " Sie sagen, Herr Kapitän, Sie hätten Furcht gehabt, aber das glaube ich nicht. Sie täuschen sich über die Bedeutung des Wortes und über die Empfindung, die Sie gehabt. Ein energischer Mann hat angesichts der Gefahr niemals Furcht. Er ist bewegt, erregt, ängstlich, aber Furcht ist etwas ganz anderes." Lachend erwiderte der Kapitän: Nun, ich bürge Ihnen dafür, daß ich Furcht hatte." Der Mann mit dem sonnenverbrannten Gesicht fuhr mit langsamer Stimme fort: Gestatten Sie mir, mich näher zu erklären. Die Furcht ( und die furchtlosesten Menschen können Furcht haben) ist etwas Entsetzliches, eine gräßliche Empfindung, sozusagen ein Krampf des Herzens und der Sinne, aber diese Empfindung kann bei einem tapferen Menschen weder bei einem Angriff, noch bei dem unvermeidlichen Tode, noch bei allen bekannten Formen der Gefahr eintreten. Sie tritt nur ein unter gewissen anormalen Umständen und unter bestimmten geheimnisvollen Einflüssen. Die wahre Furcht ist gleichsam die Erinnerung an längst vergangene Schrecknisse. Ein Mann, der an Geister glaubt und sich in der Nacht einbildet, er sehe ein Gespenst, empfindet die Furcht wirklich in ihrer ganzen entsegenerregenden Größe. Ich habe die Furcht vor ungefähr 10 Jahren am hellen Tage kennen gelernt, dann ist sie mir erst wieder im letzten Winter in einer Dezembernacht begegnet. Und doch habe ich viele Gefahren überstanden, die tödlich auslaufen konnten. Ich habe mich oft geschlagen, Räuber haben mich überfallen die mich für tot liegen ließen. Ich wurde als Aufständischer in Amerika zum Tode verurteilt und in China von einer Schiffsbrücke in das Meer geworfen. Jedesmal, wenn ich mich verloren geglaubt, war ich aufs äußerste gefaßt, ohne die geringste Furcht zu empfinden. Die Furcht lernte ich in Afrika kennen, und ich will Ihnen Die Geschichte nicht vorenthalten. Afrika ist eins der seltsamsten Länder der Welt. Sie haben wohl alle von den unendlichen Sandwüsten gehört. Nun denken Sie sich einmal den Ozean, anstatt aus Wasser, aus Sand bestehend. Denken Sie sich einen Orkan, anstatt aus Wellen, aus gelbem Staube. Diese Wellen sind berghoch, ja noch größer, und fluten dahin, wie der Grundbegriff des entfesselten Elements. Auf dieses furchtbare Meer gießt die verzehrende Sonne ihre entsetzlichen Gluten herab, und durch diese Sandhügel muß man schreiten, unaufhörlich, ohne Ruhe, ohne Rast. Die Pferde schnaufen, sinken bis an die Knie in den Sand und straucheln beim Ueberschreiten der stets sich neu bilden den Sandberge. Wir waren zwei Freunde, in Begleitung von acht Spahis und vier Treibern mit zwei Kamelen. Wir sprachen nicht mehr, denn wir erlagen unter der Hitze und der Ermüdung. Plötzlich stieß einer der Männer einen Schrei aus, wir machten Halt und blieben unbeweglich, überrascht von einem unerklärlichen Phänomen, das den Reisenden jener öden Gegenden bekannt ist. Von irgend einer Seite, von unbestimmter Richtung her hörten wir ein Trommeln, das geheimnisvolle Trommeln der Sanddünen; bald stärker, bald schwächer, hielt es von Zeit zu Zeit an, um sein phantastisches Rollen dann wieder aufzunehmen. Die Araber sahen sich entsetzt an, und der eine sagte in seiner bilderreichen Sprache: ,, Der Tod schwebt über uns." In demselben Augenblick fiel mein Freund, den ich wie einen Bruder liebte, vom Sonnenstich getroffen, vom Pferde und blieb tot im Sande liegen. Zehn Stunden lang, während ich vergebens versuchte, ihn wieder zum Leben zu erwecken, hörte ich dieses unerklärliche Trommeln und fühlte, wie die Furcht, die wahre, die entseßliche Furcht mich beschlich und die Haare sträubten sich mir beim Anblick des geliebten Leichnams in diesem von der Sonne ausgebrannten Erdenwinkel. An jenem Tage begriff ich, was es heißt, Furcht haben, und noch beſſer habe ich es ein zweites Mal erfahren." Der Kapitän unterbrach den Erzähler: ,, Verzeihung, mein Herr, wissen Sie etwas näheres über das Trommeln?" Der Reisende erwiderte: Nein, niemand weiß es! Die Offiziere, die oft dieses seltsame Geräusch hören, meinen sämtlich, es sei das vergrößerte, vervielfältigte Echo, das aus den Sanddünen kommt, mit andern Worten also eine Fata Morgana des Tones. Das ist alles, mehr kann ich Ihnen darüber nicht sagen und will Ihnen jetzt meine zweite Erscheinung der Furcht erzählen: Es war im leßten Winter in einem Walde des nordöstlichen Frankreichs. Die Nacht brach zwei Stunden früher herein, so dunkel war der Himmel. Ich hatte zum Führer einen Bauern, der an meiner Seite unter den hohen Fichten dahinschritt. Ein entsetzlicher Sturm heulte, und manchmal bog sich der ganze Wald; trot meines mich. Wir sollten bei einem Feldhüter, dessen Haus nicht schnellen Schrittes und meiner schweren Kleidung fröstelte mehr fern lag, Obdach finden; dort wollte ich jagen. Mein Führer hob manchmal die Augen gen Himmel und murmelte: ,, Entsetzliches Wetter!" nachten sollte. Der Vater hatte vor zwei Jahren einen WildDann erzählte er mir von den Leuten, bei denen ich überdieb erschossen und war seitdem tiefsinnig geworden. Seine zwei verheirateten Söhne lebten bei ihm. Es war nach und nach tief dunkel geworden, und schweigsam schritten wir in der undurchdringlichen Finsternis einher. Endlich bemerkte ich ein Licht, und bald klopfte mein Gefährte an die Tür des mir zum Nachtlager bestimmten Hauses. Von innen hörten wir kreiſchende Frauenstimmen, dann fragte eine tiefe Männerſtimme: Wer ist da?" Mein Führer nannte seinen Namen, und wir traten ein. Ein alter Mann in weißen Haaren und mit wirren Blicken erwartete uns mit geladenem Gewehr in der Mitte der Küche, während zwei mit Aerten bewaffnete große Burschen die Tür hüteten. In den düstern Winkeln lagen zwei Frauen auf den Knieen und weinten. Der Alte setzte die Waffe beiseite und befahl, mein Zimmer in Ordnung zu bringen. Da die Frauen sich aber nicht rührten, so sagte er zu mir: ,, Sehen Sie, mein Herr. ich habe heute vor zwei Jahren einen Menschen getötet. Im vorigen Jahre wollte er mich holen, heute erwarte ich ihn wieder." Ich beruhigte ihn so gut ich konnte, erzählte Geschichten und schließlich gelang es mir auch, die Gespensterfurcht der Anwesenden zu verscheuchen. Am Herdfeuer schlief ein alter, fast blinder Hund. Draußen heulte der Sturm um das kleine Haus, und durch ein winziges, in der Tür befindliches Schiebfenster sah ich plötzlich, wie ein Strauch vom Sturme gepeitscht, grell von Blizen beleuchtet, hin und her schoß. Troß meiner Anstrengungen, sie zu beruhigen, sah ich doch, daß ein tiefer Schrecken die Leute gebannt hielt. Müde und erschöpft wollte ich eben zu Betie gehen, als der alte Feldhüter plötzlich von einem Stuhle aufsprang, von neuem das Gewehr ergriff und mit wilder Stimme schrie: ,, Da ist er, da ist er! ich höre ihn. Die beiden Frauen fielen wieder auf die Knie, und die Söhne ergriffen ihre Aerte. Ich wollte wieder versuchen, sie zu beruhigen, als der bis dahin schlafende Hund plößlich erwachte, den Kopf erhob geben, daß& in Budapest mit der ihm ei Bor dem Begi geordnetenhaus Parteien im Fijenbahnstreit cammlung nab ver hinanz- und rflärte, die Re icht verha urch Heranzieh tellen und dur raphen- Regime Werkehrs zu verden; gegenüb Regierung indes führer zur Vera Die Wirk madit fich bere ift ein vor ein Bauje borgelegt mit diesem En Tierung der höhere Behälter 85. onnementspre wbaus gebracht wab bie Gie Das Blatt erich Manttobettagen: Ein Hauptfe Der in folonialen maridh Leutweins bo Sauptangriff des G Stehende Hauptmaht brat mit einem mert andet: Die Hereros gefchlagen worden, Hau beklagen waren. Gouverneur ziere, find gefallen bung über das Ge berwundet fünf Hauptabteilung unter Major v. Montag: J 3000 Gewehre, standen in star Front na Flügel umfaßt the Gegenito griff gegen die alph6 wurde abgewie nadh achtitindi brochen. Der Hauptkräften a tung zurückgeg gun 5 Leichty noch nicht feite fdmer. Von nichts neues. stehen zu wollen, so ist es nicht mehr als billig, daß Sie die ganze Geschichte erfahren." ,, und wollen Sie sie mir erzählen?" " Ja, aber nicht jetzt." Ich hatte ihr Vertrauen gewonnen, und das genügte mir. Da ich merkte, daß unsere Unterredung in Anbetracht ihres leidenden Zustandes lange genug gedauert hatte, erhob ich mich, um zu gehen. Ich hatte mich bereits verabschiedet und schon die Türe in der Hand, als sie mich zurückrief. Ist es nicht sonderbar", sagte sie, indem sie mich gedankenvoll ansah.„ Ich kenne noch nicht einmal Ihren Namen." Ich überreichte ihr meine Karte. Ihren Blick von der selben auf mich gerichtet, sagte sie nachdenklich:„ Noch immer bin ich im Zweifel, ob wir uns nicht früher schon einmal begegnet sind!" Meines Wissens haben wir uns erst im Eisenbahnzuge fennen gelernt; ich hoffte jedoch, daß uns dies nicht hindern soll, gute Freunde zu werden." Von neuem näherte ich mich der Türe, und schon hatte ich sie geöfnet, als sie mich nochmals zurückhielt. ,, Deswegen glaubte ich, da wir schon einander begegnet wären, weil, als wir uns gestern im Zuge trafen, auch Ihr Benehmen so sonderbar war. Sie erkannten mich wieder, nicht wahr?" " Ich glaubte allerdings, Sie wiederzuerkennen." „ Wie ist dies aber möglich, wenn es unsere erste Begegnung war?" Einen Augenblick zögerte der Graf mit seiner Antwort, da er aber fühlte, daß auch seinerseits vollkommene Offenheit notwendig war, wenn er ihr unbedingtes Vertrauen gewinnen wollte, erwiderte er:„ Auch ich habe eine Geschichte zu erzählen, und ich will sie Ihnen erzählen, aber nicht gleich. Jetzt müssen Sie mir gestatten, von dem Vorrechte des Arztes Gebrauch zu machen, und als solcher verordne ich Ihnen vollfommene Ruhe." Diesmal fonnte ich zur Türe hinauskommen. Draußen suchte ich Bridget auf und gab ihr genaue Anweisungen, wie sie ihre junge Herrin zu behandeln habe. Da meine bisherigen Anordnungen den erhofften Erfolg gehabt und meiner ärztlichen Kunst Vertrauen eingetragen hatten, so konnte ich mich darauf verlassen, daß die getreue Haushälterin sie auf das gewissenhafteste ausführen würde, und als ich ihr mitteilte, daß ich des Fräuleins wegen eine Zeit lang in Mylrea bleiben würde, kannte ihre Dankbarkeit keine Grenzen. 4. Wenn der geneigte Leser eine Karte von Irland zur Hand nehmen will, so wird er bemerken, daß sich die Grafschaften Galway und Mayo viele Meilen lang an den Küsten des Atlantischen Ozeans hin erstrecken; im Süden, am Meer, an der Mündung eines durch Lachsfischerei berühmten Fluſſes, liegt die Stadt Galway, und im äußersten Norden, an den Ufern des Sligo, erhebt sich der kleine Marktflecken Ballina. Zwischen diesen beiden Städten erstreckt sich halbinselförmig nach Westen und Nordwesten ein weites Gebiet von See, Moor- und Gebirgsland, das nur ab und zu durch einen Haufen kleiner Hütten, dem man den stolzen Namen eines„ Dorfes" zulegt, unterbrochen wird. So einſam iſt es in jener Gegend, daß ein Fußgänger sogar auf der Landstraße einen ganzen langen Sommertag dahin wandern kann, ohne daß er auch nur eine einzige Menschenseele triff. Ueberall ist Wasser zu finden, denn wo die See nicht einen Arm ins Land hineinstreckt oder eine Bucht bildet, machen ihre Quellen friſchen Waſſers und Süßwasserteiche aller Größen, von dem mächtigen Lough Conn bis zu den kleinen, mit Schilfrohr bestandenen Tümpeln, die sich inmitten des Moorlandes befinden, die Herrschaft über das feste Land streitig. Ja, der Boden selbst ist von dem nassen Element durchdrungen und der Fuß des die Gegend durchstreifenden Wanderres findet als gefährlichen Halt nur schlüpfrigen Sumpf. Da ich einige Meilen südlich von Ballina ausgestiegen war, hatte ich die Wüste zu meiner Linken gelassen und das Gebiet der Grafschaft Sligo betreten. Mylrea liegt gerade auf der Grenzlinie der beiden Grafschaften Sliga und Mayo. Kaum fühlte ich mich in dem Hause meiner Wirtin einiger maßen heimisch, als ich auch nachzudenken begann, wie ich meine Zeit an einem Orte, an dem es weder gesellschaftliche noch andere zerstreuungen gab, am zweckmäßigsten verbringen fönnte. Zwar hatte ich ein paar Bücher mitgebracht; in der Erwartung der Nachrichten über Schloß Craig, die mir zuteil werden sollten, befand ich mich nicht der Stimmung, mich hinzusetzen und zu lesen. Ich befragte daher Andreas was sich hier tun ließe, und er schlug mir vor, ich split angeln gehen. in Ich war fein geübter Angler, indessen man ist ja nie a alt, um noch zu lernen, und so nahm ich denn Andreas' Vo schlag ohne Bedenken an. Eine Schwerigkeit war allerdings noch zu überwinden: ich hatte weder Rute noch irgend welch sonstiges Angelgerät. " Das will ich Euer Gnaden schon besorgen", meinte Andreas. Und er tat es auch, denn es dauerte keine Stunde, als er wiederkam und eine fürchterliche Lachsangelrute nebſt der zugehörigen Leine mitbrachte, die er sich auf dem Schloſſe geliehen hatte. Das gnädige Fräulein läßt sich Ihnen bestens empfehIen", sagte er mit einem Lächeln, und Euer Gnaden viel Glück wünschen." " Ja, aber wo sollen wir denn fischen?" fragte ich in meiner Unkenntnis ,,, und was werden wir denn wohl fangen?" Na, dort unten am Flusse. Gestern gab es eine schöne Flut, und das Wasser läuft jetzt ab. Die Teiche sind voll mit frischen weißen Forellen aus der See, und wenn wir Glück haben, können wir auch einen Lachs fangen." Wir machten uns auf den Weg durch das Moorland. Andreas nahm die Rute und das andere Angelgeräte auf die Schulter und ging voran, ich marschierte hinter ihm, bis wir das Ufer des Flusses erreichten. Von den Bergen kam ein feiner Staubregen herunter, und von Westen blies ein heftiger Wind, der ab und zu in sturmartigen Stößen daherfuhr. Meiner unbefangenen Meinung nach sah das Wetter freilich nicht sehr verlockend aus, Andreas versicherte mir aber, daß gerade ein schöner Tag sei, an dem die Fische anbeißen würden. Ungefähr eine Meile oberhalb des Dorfes befand sich ein großer, tiefer Teich, durch den in raschem Laufe der Fluß strömte, um sich dann am anderen Ende in einem rauschenden Falle über Steine und Felsen zur See hinunter zu stürzen. Am Rande dieses Teiches nahm ich meinen Standpunkt, und ich versuchte, die Angel auszuwerfen. Kaum hatte ich aber die Rute hochgehoben, als auch schon die Schnur der Gnade und Barmherzigkeit des Windes preisgegeben war. Es war mir ganz unmöglich, das Wasser damit zu treffen; immer und immer wieder versuchte ich es von neuem, und jedesmal vergeblich. Andreas sah mich ganz verwundert an, gab mir aber einen Wink, und erst als es mir geglückt war, die Schmur um einen Baumstamm zu werfen, der vom andern Ufer in das Wasser hineinragte, meinte er mit einem schlauen Augenzwinkern: Euer Gnaden sind wohl aus der Uebung. Fest ist die Leine diesmal, aber leider nicht an einem Fische!" Ueber mein Ungeschick selbst herzlich lachend, zog und riß ich an der Rute, deren Leine sich wohl doppelt herumgeschlungen hatte. Warten Sie einen Augenblick, Herr!" rief da Andreas, und ohne sich die Zeit zu nehmen, Stiefel und Strümpfe auszuziehen oder sich die Hosen aufzukrempen, sprang er ins Wasser und watete bis über die Kniee darin zum andern Ufer an die Stelle, wo mein Haken sich feſtgebissen hatte. Er machte die Schnur los, und sich die seichten Stellen aufsuchend, beeilte er sich, wieder auf meine Seite zu kommen. Nun erneuerte ich meine Anstrengungen, und indem ich den Anweisungen meines getreuen Knappen folgte, gelang es mir auch bisweilen, den Teich mit meiner Schnur zu treffen, aber sie fiel so heftig auf das Wasser, als wollte ich es damit peitschen, und ich erzielte keinerlei Erfolg. Nur einmal gab es gerade dort, wo mein Köder lag, eine leichte Wallung im Wasser und ich sah dort etwas schwimmen, das wie der glänzende Rücken eines Fisches aussah. ,, Das war ein Lachs, Euer Gnaden!" rief Andreas. „ Ein Lachs!" wiederholte ich, infolge der Anstrengung an allen Gliedern zitternd. Hat er an der Fliege angebissen?" " Na, er hat wenigstens darauf hingesehen", antwortete Andreas gemütlich." Versuchen Sie es nochmals, Herr, lassen Sie ihm die Fliege sachte auf die Nase fallen!" Ich versuchte, sie sachte fallen zu lassen, aber sie fiel so schwer, als sei sie ein Stück Blei. Immer von neuem warf ich den Köder aus, und immer hatte es dasselbe traurige Ergebnis, bis ich schließlich, an allen Gliedern zitternd, schweißtriefend und ganz außer Atem, denn die Rute war schwer, und mein Rücken schmerzte heftig, verzweifelnd inne hielt. ( Fortsetzung folgt. Die Wahrheit liegt doch wahrlich klar uns auf der Hand: Wie wir das Leben immer auch betrachten, Es mit Humor genießen erfordert mehr Verstand, Als es mit Weltschmerz chnisch zu verachten. est Der Bauberspruch. Novelle von May Hoffmann. ( Nachdruck verboten.) Rattata, Rattata, Rattata! rasselten emsig die vier Nähmaschinen Die behäbige Frau Becker die Inhaberin der KrawattenArbeitsſtube, ſtand ſeitwärts hinter dem Plättbrett und prüfte die einzelnen Selbstbinder, von denen ganze Stöße vor ihr lagen. Und unter den flinken Händen der acht jungen Mädchen, die dort saßen, entstanden immer mehr dieſer für den Schmuck stolzer Männlichkeit beſtimmten Halsstreifen. Da aber warf Frau Becker einen raschen Blick nach der großen Schwarzwälder Uhr, und in demselben Augenblick schnarrte dieſe, als wenn es ihr von der umsichtigen Frau befohlen worden wäre, neun laute Schläge. Sofort legten die jungen Mädchen ihre Arbeit aus der Hand, eine jede wickelte ihr mitgebrachtes Frühstücksbrot aus, und eine lebhafte Unterhaltung begann. Auch Frau Becker, die sich aus der Küche eine Tasse Kaffee und ein Brötchen geholt hatte, beteiligte sich daran. Was für schöne Muster wir jetzt haben!" rief Dortchen Finger. Ich muß doch gleich einmal nachsehen, wo die eigentlich hinkommen." Sie betrachtete das Firmenzeichen, das immer auf der Innenseite eingenäht werden mußte, und sagte träumeriſch: nach Smyrna! Wie mag's dort aussehen? Da wachsen gewiß lauter Palmen und Apfelsinenbäume, und die Feigen sind so billig, daß man für zehn Pfennig eine kleine Kiste voll bekommt." ,, Ach, und süße Mandeln!" fügten mehrere hinzu.„ Und der Himmel ist da immer ganz blau!" " Ja, und hängt voller Geigen!" bemerkte Frau Becker ironisch. Glauben Sie mir nur, ich als erfahrene Witwe weiß das besser: Freude und Sorge ist überall zu Hause, da braucht man sich gar nicht nach fernen Ländern zu sehnen." Meinen Sie, daß es da auch Sorgen gibt, Frau Becker?" fragte Lina Maiwald. Sie schaute nachdenklich vor sich hin, und eine leichte Röte überzog ihr feines, blasses Gesicht. ,, Aber gewiß! Es gibt überall gute und schlechte Menschen, helle und dunkle Tage. Das wissen wir ja auch aus unseren Romanen." ,, Ach ja! Der Roman!" riefen alle durcheinander.„ Heut kommt der Schluß. Wir haben noch eine gute Viertelstunde Zeit. Wer liest denn heute vor? Fräulein Lina! Fräulein Lina, Sie müssen lesen, Sie lesen doch so wunderschön." Lina Maiwald nahm das hingehaltene Zeitungsblatt und las den mit Spannung erwarteten Schluß des Romans, während die anderen aufmerksam lauschten. Als sie geendet hatte, atmete alles erleichtert auf. " O", brach Dortchen Finger das Schweigen, das war doch recht rührend. Aber ganz befriedigt doch solche Geschichte nie. Ich möchte immer gern wissen, wie es noch weiter mit den Leuten wird, die darin vorkommen." „ Nein", fiel Minna Schramka, ein kleins, schnippisches Dämchen ein, ich bin gar nicht damit zufrieden. Warum muß sich denn nun die Vera gerade erschießen? Ich hätte es viel hübscher gefunden, wenn sie eine große Schauspielerin geworden wäre." Aber die Katja hat doch ihr Glück gemacht", hielt ihr Lina Maiwald vor. Sie bekommt den furchtbar reichen Millionär. Ob das wohl im wirklichen Leben vorkommt?" Warum denn nicht?" bemerkte eine kleine häßliche Person selbstbewußt.„ Wenn man hübsch genug ist! Man kann nie wissen." Einige fingen an zu kichern; aber Frau Becker wies jetzt nach der Uhr und mahnte:„ Halb zehn, meine Damen!" Und sofort setzten sich die flinken Nadeln wieder in Bewegung. Lina Maiwald war die Fleißigste und Geschickteste von allen. Von ihrem färglichen Verdienst lebte sie zusammen mit ihrer kränklichen Mutter, die eine kleine Invalidenrente bezog.. Hier Mutti", so kam sie dann Sonnabends immer ganz vergnügt nach Hause, hier ist Geld! Nimm nur und wirtschafte damit! Du verstehst ja alles aufs beste einzuteilen." Die Mutter feufzte. Ach, diese Not! Wie Vater seliger noch lebte, da hatten wir doch unser gleichmäßiges Einkommen. Aber jetzt!" ,, Laß nur gut sein!" beschwichtigte das muntere Mädchen die weinerliche Mutter.„ Wir sind ja bis jetzt noch nicht verhungert!" Die klagende Stimme der Mutter erklang aber schon wieder: Ich weiß nicht, wie du immer so fröhlich sein kannst! Unser Leben ist doch rein zum Verzweifeln. Und es iſt auch gar keine Aussicht für dich, daß du dich verheiraten kannst. Was soll denn mit dir werden, wenn ich erst nicht mehr da bin?" Die Tochter schüttelte heftig ihre dichten braunen Locken und sagte:„ Ach, Mutterchen, du lebst noch viele, viele Jahre. Und paß nur auf, ich werde schon mein Glück machen!" „ Nein, was solch Mädchen sich einbildet!" klagte die Mutter." Ja ja, die Jugend!" Aber sie warf doch einen zärtlichen Blick auf ihre reizende Tochter und sagte sich innerlich, daß sie mit ihrer schönen, schmiegsamen Gestalt, ihrem feinen, klugen Gesicht, ihrer ganzen lieblichen Erscheinung eine prächtige Braut abgeben müßte. Mehrere Wochen später gab's in der Arbeitsstube eine große Aufregung. Es klingelte, und als Frau Becker geöffnet hatte, hörten die Mädchen, daß sie mit der größten Freundlichkeit im Korridor sagte: Welche hohe Ehre, Herr Steinberg! Bitte, wollen Sie nicht hier eintreten?" Sie hatte die Tür zu ihrem Wohnzimmer geöffnet; aber der Angeredete sagte eifrig:„ Nein, danke sehr, Frau Becker. Es ist ja eine Geschäftssache, die mich zu Ihnen führt, und wenn Sie geſtatten, so sehe ich mich einmal in Ihrer Arbeitsstube ein wenig um." Sie zerfloß fast vor Freundlichkeit, als sie den Chef der großen Kravattenfabrik, für die sie arbeitete, hereinnötigte. Der kleine, wohlbeleibte Herr trat langsam ein, setzte sich den goldenen Kneifer auf die Nase und muſterte freundlich lächelnd die Schar der jungen Mädchen. Hm, ja, ja, sehr schön, Frau Becker", sagte der Chef und fuchtelte mit dem Kneifer, den er wieder in die Hand genommen hatte, hin und her.„ Nämlich, es handelt sich um eine besondere Sache, zu der ich doch erst Ihre Zustimmung haben muß." Frau Becker kniyte geschmeichelt.„ Ein Geschäftsfreund aus Smyrna, der gerade in Berlin ist, hat mich besucht. Sie haben ja auch schon für dort gearbeitet, Neumann in Smyrna, sehr feine Firma, größtes Warenhaus an jenem Plak. Er hat mich gebeten, ihm doch einmal den Betrieb bei uns zu zeigen, und will auch außerhalb meines Hauses gern eine Arbeitsstube besichtigen. Und da dachte ich, Frau Becker, wird die Ihrige die geeignetste sein. Wie ich sehe, ist es ja recht nett bei Ihnen." Sehr liebenswürdig, Herr Steinberg!" versicherte Frau Becker. Also, dann könnte ich morgen mit dem Herrn hier einen hineinwerfen?" " Gewiß, Herr Steinberg. Es wird uns allen eine große Ehre sein..." Blick Am nächsten Vormittag erschien der Chef mit seinem Gast, der gar nichts Ausländisches an sich hatte und ganz geläufig deutsch sprach. Dem ſtattlichen Herrn mit dem schönen dunkelblonden Vollbart schien diese kleine Werkstatt außerordentlich gut zu gefallen, und er unterhielt sich nicht bloß mit Frau Becker, er ließ sich auch die jungen Mädchen, deren Toilette heut von besonderer Sorgfalt zeugte, einzeln vorstellen. Er scherzte sogar und erzählte lachend, er habe von Herrn Steinberg erfahren, daß die letzte Sendung, die er erhalten habe, in diesem Kreise hergestellt worden sei. Sehen Sie, meine Damen", fügte er hinzu,„ ich scheine das schon geahnt zu haben. Denn sieht es nicht aus, als wenn ich Ihnen zu Ehren dieses Wunderſtück hier angelegt habe?" und er wies stolz auf die Krawatte hin, die er umgebunden hatte. Lina Maiwald fuhr erschrocken zusammen, wurde dunkelrot und beugte ihr Gesicht dicht über ihre Arbeit. Herrn Neumann, der die jungen Mädchen scharf im Auge behalten hatte, entging das nicht, und er wandte sich ſofort an Lina Maiwald. Vielleicht ist dieser Schmuck meiner Sie nickte verlegen. Person gerade aus Ihren zarten Händen hervorgegangen?“ „ Ich danke Ihnen sehr dafür, mein Fräulein." ( Schluß folgt.) Namen Gin weiteres Schwerver berg aus Danach lautet die Gefallen: bei Uelzen, Leu Werneburg, K aus Jagenow der 4. Feldko Regiment, e Liedtke de ftein, Schuß der 4. Feldko durch beide B pagnie, aus Leidjtver Unterarm; S Bucherbronn, freiwilliger b Schuß durch pagnie, aus 1chossen; Rei Kreis Birn Kreis Ludn freiter Irgend durch Schu aus Berlin Gffoert nifau, Stre laffen sich b entfommen Erfolg des dem Gouver Stärke der ausgiebige bei der Dun idveren Berl dürfte der Expedition mein hat fich chwierigen T mit jade beg adhtitindigen Deutschen Kor neten und nicht fell Leutwein fliehenden die Kolonne auch den Fe Bu berjagen. Wege heran gefchlagen h au bervabrer