Nr. 35. bonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., be Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährlich Mr. 1.50. Conttobeilagen: Oberhefftfche Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Donnerstag, den 11. Februar 1904, Gießener 13. Jahrgang. Insertionspreis: Die einspaltige Betttzelle für ganz O heffen, die Kretse Wetlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 88 Fernsprechanschluß Nr. 362. Neueste Nachrichten ( Gießener Tageblaff) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Der Lehrer der reinen Vernunft. - Ein Gedenkblatt. Am 12. Februar sind hundert Jahre vergangen, seil der größte Denker der Deutschen von den ehrfurchtsvollen Zeitgenossen zu Grabe getragen wurde. Es war der Philo. soph Immanuel Kant, der Weltweise von Königsberg, der bereits in den letzten Jahrzehnten seines Lebens unbegrenzte Verehrung genoß. Heute, nachdem ein Jahrhundert seit dem Tage entschwand, als Kant der Sterblichfeit seinen Tribut zahlte, gilt das große Denkgebäude, das er geschaffen, als die Geistestat eines Unsterblichen, dem unsere Nation innig dankbar sein muß. Denn Immanuel Kant, der am 22. April 1724 geborene Sohn eines armen Königsberger Sattlermeisters, der Professor an der Universität seiner Vaterstadt, war ein geistiger Befreier. Vieles von dem großartigen Bau, den Kant errichtete, haben die durch das 19. Jahrhundert_brausenden Geistesstürme zerstört, aber das Fundament ist für die Lehre von der menschlichen Erkenntnis unantastbar ge= blieben. Und der geistreichste, auch weiteren Kreisen wohlbekannte Denker des 19. Jahrhunderts, Arthur Schoppenhauer, hat das System seiner Philosophie wesentlich dem Kants nachgebildet. Immanuel Kant lehrte auf dem Katheder der Univerfität Königsberg, und zu seinen Füßen saßen neben den Studenten Staatsmänner in Amt und Würden, Offiziere, Kaufleute, kurz Vertreter aller Gesellschaftsklassen, denen es um Aufklärung in Sachen der Welterkenntnis und höheren Sittlichkeit zu tun war. Das war die örtliche Tätigfeit des großen Weltweisen. Aber mehr noch als diese klärten seine Bücher die denkende Menschheit auf. Vor allem war es ſein 1781 erschienenes Hauptwerk, die in der kurzen Zeit von vier Monaten niedergeschriebene„ Kritik der reinen Vernunft", welche neben den Büchern ,, Kritik der Urteilskraft“ und„ Kritik der praktischen Vernunft", die Lehre von der Erkenntnis und vom sittlichen Leben bis ins einzelnſte begründeten und ausbildeten. Das Resultat dieser Lehre, welche die geistige Welt umgestaltete, ist in Kürze folgendes: Nach Kant ist die menschliche Vernunft nur fähig, Gegenstände zu erkennen, welche durch die Sinneswerkzeuge wahrgenommen werden. Wie das menschliche Auge nur das sehen kann, was ihm die Bauart des Sehapparats ge= stattet, so ist es dem Erkenntnisvermögen nur möglich, das zu erkennen, was innerhalb der Grenzen menschlicher Gehirnerfahrung liegt. Bevor der Mensch zur richtigen Erfenntnis gelangen fann, muß er sein Erkenntnisvermögen prüfen, und diese Prüfung nennt Kant kritisch, alles aber, was außerhalb der menschlichen Erkenntnis liegt, bezeichnet er als transcendent, d. h. als etwas, was die Grenze des Erkenntnisvermögens überschreitet. Demnach erklärt Kant alle menschlichen Vorstellungen vom Weltorganismus, von Gott, von der Seele für transcendent. Das innerste Wesen des Weltorganismus,„ das Ding an sich", bleibt unserer Erkenntnis fremd, weil diese nur auf die Anschauungswelt beschränkt ist, die sich in zwei Formen, in Raum und Zeit äußert. Der Raum bedeutet das Nebeneinander dessen, was in der sichtbaren Welt geschieht. Raum und Zeit nennt Kant aber eine dealität", weil sie nur zwei Anschauungsformen des denfenden Menschen sind, mit denen man das Wesen des Dinges an sich" nicht ergründen kann. Wer diesem hohen Ideenflug, den der Königsberger Weltweise seiner Erkenntnislehre gibt, schwer folgen kann, dem wird Kants edle Sittenlehre mehr Befriedigung gewähren. Auf diesem Gebiet stellt Kant die Tugend als das höchste Gut hin, nach welchem der Mensch streben soll. Die gemeinsame Ursache der natürlichen und ſittlichen Welt ist Gott, und mit diesem Begriff ist die Unsterblichkeitsidee eng verbunden. Die Religion soll auf die höchste Sittlichfeit hinleiten und der Wille soll durch das Streben zur Tugend geadelt werden. Man spricht viel von Kants berühmtem kategorischen Imperativ". Der Inbegriff dieses Wortes beruht in der ſittlichen Forderung: „ Handle, o Mensch, so, daß dein Wille und dessen Aeußerungen als Regel für die ganze Menschheit gelten können." Kant war nicht nur ein rein philosophischer Denker, er hat auch als Naturforscher und Geograph um diese Wissenschaften sich hohe Verdienste erworben. So ist die heutige Theorie von der Entstehung der Planeten, die nach ihm der Franzose Laplace ausbaute, von Kant begründet worden. Der Weise von Königsberg hatte, wie jeder bahnbrechende Geist, auch seine Gegner. Unter Friedrich dem Großen konnte Kant in seiner Heimatstadt lehren und schreiben, was und wie er wollte. Erst als Friedrich Wilhelm II. zur Regierung fam, erteilte der Minister Wöllner, der von einzelnen Theorien der Kantschen Lehre einen zersetzenden Einfluß auf den christlichen Glauben befürchtete, dem Philosophen einen scharfen Verweis. Dieser verstimmte Kant dermaßen, daß er seine Vorlesungen aufgab und sich in die Stille seines Studierzimmers zurückzog. Seine letzten Lebensjahre wurden dem großen Philosophen durch die Abnahme seiner geistigen und körperlichen Kräfte sehr verkümmert. Der Körper Kants war stets schwächlich gewesen. Eine kleine Gestalt mit eingedrückter Brust, über der sich ein kluger Kopf mit durchdringenden blauen Augen erhob, das war Kants äußere Erscheinung. Einfach, regelmäßig, fast pedantisch in der Lebensordnung, war der Philosoph den Freuden der Welt abhold, bis auf einen guten Mittagstisch in Gemeinschaft mit Freunden. Kant, der nie ein Freund der Frauen war, blieb unver mählt. Aber wenn auch sein Name nicht in Nachkommer fortlebte, so blieb er doch unsterblich und die Erkenntnis der Kantschen Lehre zieht immer weitere Kreise. Der see lische Adel seines Sittengesezes hat Generationen die Kraft zur mutigen Ausdauer im harten Kampf des Lebens ge geben. Die Summe des Wesens, das diesen hohen Denker geist beseelte, ist in jenen Worten Kants ausgedrückt, di in goldenen Lettern über seinem Grabe leuchten, und ir denen er das Erhabenste zusammenfaßte, was der Mensch fennt: Der bestirnte Himmel über mir, Das moralische Gesetz in mir. Dr. Hans Frisch. Zar Nikolaus an fein Volk. In einem besonderen Manifest, das gestern( Mittwo im Petersburger Regierungsboten veröffentlicht wurde, wendet sich der Zar an das russische Volt, dem er kund tut, daß und weshalb Krieg mit Japan geführt wird. Das Manifest lautet in deutscher Uebersetzung wie folgt: ,, Wir tun allen unseren treuen Untertanen folgendes kund: In der Sorge, den unserm Herzen teueren Frieden zu wahren, haben wir alle Bemühungen zur Festigung der Ruhe im fernen Osten angewandt. Zu diesem friedliebenden Zwecke haben wir unsere Zustimmung gegeben, zu der von der japa nischen Regierung vorgeschlagenen Revision der zwischen den beiden Reichen bestehenden Abmachungen bezüglich der koreanischen Angelegenheiten. den jedoch nicht zu Ende ge über diesen Gegenstand angeregten Verhandlungen führt und Japan benachrichtigt uns, ohne auch nur den Eingang der in der letzten Antwort gemachten Vorschläge unserer Regierung abzuwarten, von dem Abbruch der Ver handlungen und der diplomatischen Beziehungen zu Ruß land. Ohne uns vorher davon in Kenntnis zu setzen, daß der Abbruch solcher Beziehungen die Eröffnung einci friegerischen Aktion bedeutet, gab die japanische Regierung ihren Torpedobooten Befehl, unser Geschwader auf dei äußeren Reede der Festung Port Arthur plötzlich anzugreifen. Nach Empfang des Berichtes unseres Statthalters hierüber befahlen wir sofort, die Herausforderung Japane mit den Waffen zu beantworten. Indem wir diese unsere Entschließung fundtun, flehen wir in unerschütterlichem Vertrauen auf die Hilfe des Allerhöchsten und in der festen Zuversicht auf die einmütige Bereitwilligkeit aller unserer treuen Untertanen, zusammen mit uns das Vaterland zu verteidigen, den Segen Gottes herab auf unsere ruhmreichen Truppen der Armee und der Flotte." Die Frage der russischen Antwort note, die auch hier im Manifest berührt wird, fängt an einen mysteriösen Anstrich zu bekommen. Während es bisher hieß, Statt halter Alexejew habe die Note garnicht weiter gegeben, wird jetzt von russischer Seite die Behauptung aufgestellt, die yapan er hätten die Note in Tokio aufgefangen und an den russischen Gesandten, Baron Rosen, nicht ausgeliefert. Wer's glaubt, zahlt einen Taler! Die Beschießung von Port Arthur. Die spärlichen Nachrichten, die von russischer Seite zuerst über den Angriff der Japaner auf den wichtigen russischen Hafen Port Arthur verbreitet wurden, haben inzwischen eine für das Zarenreich recht betrübende Detaillierung erfahren. Der Torpedoangriff der Japaner glückte so vorzüglich, daß die drei beschossenen russischen Schiffe Zesaremitsch",„ Retwisan“ und„ Pallada" große Lecks davontrugen, die für sie bei den eigenartigen Wasserverhältnissen in der Hafeneinfahrt von Port Arthur verhängnisvoll_werden sollten. Das eindringende Wasser hat den Tiefgang der Panzerkolosse so vergrößert, daß sie in der schmalen Fahrrinne, die einzig und allein großen Schiffen die Einfahrt in den Hafen gestattet, auf Grund gerieten und nun festsitzen. Zwar behaupten russische Meldungen, daß sie nur größeren Schiffen die Einfahrt versperren, aber es ist leicht möglich, daß auch die russischen Torpedoboote nicht hinaus können, bis die lahmgelegten Riesen wieder flott gemacht sind. Bei diesem nächtlichen Torpedoangriff aber blieb es nicht. Ein mächtiges japanisches Geschwader unter dem Oberbefehl des Vizeadmirals Togo dampfte beim Morgengrauen in Schlachtlinie heran und eröffnete das Feuer gegen Port Arthur und das russische Geschwader. Der Feind wurde mit Schüssen von den Küstenbatterien, der Festung und dem Feuer der russischen Schiffe empfangen. Die Festungswerke wurden unbedeutend beschädigt, dagegen wurden das Panzerschiff Poltawa" und die Kreuzer Novif"," Diana" und" Askold" durch Schüsse unter der Wasserlinie hart mitgenommen. Die Verluste an Toten und Verwundeten auf russischer Seite- von japanischer liegt bisher keine Nachricht vor waren recht bedeutend: 2 Marineoffiziere und 54 Soldaten verwundet, 10 getötet. Dazu kommen noch 7 Tote und 8 Verwundete von dem Torpedoangriff. Die Schwächung der Aktionsfähigkeit der russischen Flotte ist bedenklich.„ Zesarewitsch“ und„ Retwisan" bildeten den Kern der russischen " Seemacht in Port Arthur. Besarewitja", 1901 in Toulon gebaut, hat eine Wasserverdrängung von 13 3000 Tons und mit 19 Seemeilen die größte Geschwindigkeit aller russischen Panzerschiffe und ist sehr start armiert.„ Retwisan", 1900 in Philadelphia gebaut, verdrängt 12 880 Tons und hat eine Schnelligkeit von 18,8 Seemeilen. Es wurde kurz nach seiner Fertigstellung auf der größten amerikanischen Werft 1902 vom Prinzen Heinrich von Preußen in Philadelphia besucht und eingehend besichtigt. Der„ Retwisan" hatte damals bereits russische Bemannung. Gegenüber den russischen Offizieren und später dem eigenen Gefolge sprach sich Prinz Heinrich äußerst anerkennend über die Gefechtsstärke des modernen Panzerkolosses aus. Selbst wenn es gelingen sollte, die beiden Schiffe wieder flott zu machen, so ist an eine wirkliche Wiederherstellung ihrer Gefechtsfähigkeit kaum zu denken, da sie dazu ins Dock Jehen müßten. Das hölzerne Trockendock in Port Arthur reicht für ihre Größenverhältnisse nicht aus. Nach einem anderen Dock, z. B. in Wladiwostok, aber können sie nicht Jeschleppt werden, da die Japaner sich den fetten Bissen ficher nicht entgehen lassen würden. Der Kriegsplan der Japaner. Der Angriff auf Port Arthur hat, wenn man den Meldungen des russischen Statthalters Alexejew trauen darf, jein Ende erreicht. Das japanische Geschwader, das aus 15 Schiffen bestanden habe, stellte nach einstündigem Feuer die um 11 Uhr vormittags begonnene Beschießung des Hafens ein und dampfte nach Süden ab. Diese Nachricht trägt insofern etwas sehr wahrscheinliches in sich, als im selben Augenblick, wo die ersten Schüsse bei Port Arthur fielen, auch der erste größere japanische Truppentransport in Tschemulpo auf Korea anlangte. Man geht also wohl nicht fehl, wenn man annimmt, daß der ganze Vorstoß gegen Port Arthur nur den Zweck gehabt hat, die Landung in Tschemulpo zu decken. Dieser Hafen, der der koreanischen Hauptstadt Söul vorgelagert ist, bildet für die Japaner den passendsten Flottenstützpunkt, von dem sie das quer gegenüber, jenseits der koreanischen Bai liegende Port Arthur und die in ihm versammelte russische Flotte bequem in Schach halten können. Die Landung in Tschemulpo ging nicht ohne Blutvergießen von statten, da por dem Hafen ein russischer Kreuzer, Warjag“ und„ Korejez", ein Kanonenboot, lagen. Dies wurde versenkt, der Warjag in Brand geschossen und kampfunfähig gemacht. Ein Teil der Mannschaft, der landete, wurde gefangen genommen. Die japanischen Schiffe sind leicht beschädigt. Die Landung der japanischen Truppen ging alsdann vor sich. 8000 Mann wurden schnell an Land gebracht, die übrigen folgen. Die japanischen Truppen begannen den Vormarsch auf Soul, um die Hauptstadt zu besetzen. Außer in Tschemulpo sind in allen Haupthäfen im südlichen und westlichen Korea japanische Truppen gelandet worden. Eine Division japanischer Garden hält Jusan und Masampho, wo sie ausgeschifft waren, besetzt. Die russischen Kriegsschiffe in Wladiwostok scheinen durch Eis im Hafen eingeschlossen zu sein, dagegen werden von der russischen Heeresleitung starke Massen an den Jalufluß geworfen. General Krastalinski ist mit 24 Geschützen und drei Regimentern Infanterie dahin unterwegs. Man fürchtet augenscheinlich eine Wiederholung des Schauspiels, das sich im Juni 1894 im chinesisch- japanischen Kriege abwickelte. Auch damals landeten die Japaner bei Tschemulpo und rückten nach der Mandschurei vor, während ihre Flotte zugleich in die Mündung des Yeluflusses einfuhr, so daß sie die Grenzlinie zwischen Korea und der Mandschurei zu Wasser und zu Lande beherrschten. Man darf sich auf heftige Kämpfe auf dieser Linie gefaßt machen. Der deutsche Schiffsverkehr nach Ostasien wird durch den Kriegszustand voraussichtlich nicht die geringste Einbuße erleiden. Der„ Norddeutsche Llyod" macht bekannt, daß er den Dienst seiner Reichspostdampfer in vollem Umfang aufrechterhalten wird. Die eigentlichen voraussichtlichen Kriegsgebiete Korea und die Mandschurei kommen für den deutschen Dampferverkehr nur ganz unerheblich in Betracht. Einfuhr und Ausfuhr aus Japan werden allerdings zu leiden haben, wenn aber der Verkehr dabei sich mindert, so steht dem als günstiger Faktor entgegen, daß der Wettbewerb durch japanische Schiffe für die Dauer des Krieges so gut wie aufgehoben ist. Das Hauptgewicht unseres oſtaſiatiſchen Schiffsverkehrs liegt aber in China und hier vor allem in den Häfen Hongkong und Schanghai. Eine Störung der politischen Verhältnisse in China würde diesen Verkehr begreiflicherweise start in Mitleidenschaft ziehen, da aber alle Mächte ein gleichmäßiges Interesse daran haben, daß der chinesische Handel nicht gestört werde, so ist wohl anzunehmen, daß sie solche Maßregeln treffen werden, die Chinas Neutralität erleichtern und befestigen und es China möglich machen, vor innern Zuckungen bewahrt zu bleiben. Bleibt Frankreich neutral? Noch immer widersprechen sich die Nachrichten über die Stellungnahme Frankreichs zur ostasiatischen Frage. Während beispielsweise das Reutersche Bureau die Meldung brachte, daß französische Truppen aus Toulon nach Tientsin transportiert werden, hat der Marineminister Pelletan Weisung gegeben, daß die französischen Schiffe die beiReine Flurglode... ein Schlüffel im Schloß, das ist er, Hellmut! Wochen der als lägen der frischen Winterluft durchfaltetes. Geficht warmen, weichen Handflächen an feine Lippen, an sein von Trennung zwischen ihnen! Er drückt ihre Und nun ist er bei ihr! Sie begrüßen fich, mieder und mias er füßt fie Walter hatte, wie in seiner Ausdrucksweise, so auch in Stilblüten ließ er sich bunten, geselligen Lebens, fragte nach ein paar Berliner feiner Schwefter für ihr letztes Schreiben, freute sich ihres flar beim Namen, auf blumenreiche Wendungen und poetische feinem Briefſtil, etwas Nüchternes, er nannte die Dinge So auch jetzt! Er dankte feiner Tasche und bemerkte: Im Begriff, sich von ihm einen sehr grouzern führen wird. au berabſchieden, zog Herr Gehren ein kleines Etui aus Elegantefte ausgestatteten Villa. " Ich darf wohl annehmen, daß auch dieses Jahr Sie Ihr Weg nach Luzern Sie würden mir dann • Chiite hätten Während er dem Portier des Die Gewohneit ist eine Macht, mehr als jeder Andere unterworfen war. Publikum seinen Reisegefährten aus den Augen. folgte, verfor er in dem sich auf dem Bahnsteig drängenden Hotels zu seinem Wagen der Herr Leubingen In den„ Vier Sohr mischen Gewässer nicht verlassen sollen. Immerdin bleibt die Frage, ob nicht zu einem gewissen Zeitpunkt Bundes hilfe zu leisten ist, offen. General Boisdeffre, hat einem Vertrauensmann im„ Gaulois, erzählt, daß Delcassé in dem Bündnisvertrag mit Rußland Frankreich ausdrücklich zu einer Hilfeleistung verpflichtet habe, wenn eine dritte Macht eingreife; jedoch brauchten die Truppen keine europäischen zu sein. Außerdem erzählt Victor Flachon in der Laterne":" Im Jahre 1895 hatte ich die Ehre, Adjunktus im Eisenbahnministerium zu sein. Eines Tages sagte mir der Minister bei seiner Rückkehr aus einem Ministerrate wörtlich: Kein Mensch in Paris ahnt, daß wir in diesen Tagen um Haaresbreite in Ostasien hätten Kanonenschüsse abgeben müssen!" Auf meine erstaunte Gegenfrage fuhr er fort: Jawohl, unser Abkommen mit Rußland verpflich tete uns zum Eingreifen. Glücklicherweise kann man jetzt ruhig sein. Die Angelegenheit ist soeben friedlich beigelegt worden." Und als ich meine Verwunderung darüber aussprach, daß die Rechenschaftsberichte über die vorhergegangenen Ministerräte feinerlei Kriegsgerüchte erwähnt hätten, zuckte der Minister die Schultern und fügte hinzu: " Ja, wenn Sie glauben, daß man der Presse alles erzählt, toas im Ministerrate vorkommt, so sind Sie hübsch auf dem Holzwege."- Seit jenem Tage, fügt Flachon hinzu, habe ich die feste Ueberzeugung, daß wir Rußland gegenüber fest gebunden sind." Die Nachricht, daß die Franzosen das Schanghaibecken besezt haben, wird amtlich übrigens nicht bestritten, das Auswärtige Amt in Paris verweist auf das Beispiel von Tibet, dessen Neutralität, obgleich dieses Gebiet zu China gehört, England auch nicht respektiert. Die strenge Neutralität der übrigen Mächte scheint außer aller Frage zu stehen. Der amerikanische Minister des Auswärtigen hat ein Rundschreiben an die Mächte gerichtet, worin diese ersucht werden, für die Integrität Chinas einzutreten. Japan hat diese Note gebilligt, man hofft das gleiche auch von den Russen und hofft daher, daß die Kriegsoperationen nur auf ein kleines Gebiet beschränkt werden. Die Politik. us dem Westfälischen Industriegebiet haben die Rechenbesitzer über die soziale Gefahr des Flaschenbierhandel: außerordentlich ungünstige Berichte erstattet. Danach sol der Detailhandel in Bier die Arbeiter geradezu anreizer zum Alkoholgenuß. Einzelne Arbeiterfamilien schulden dem Flaschenbierhändler Beträge von 50 bis zu 150 Mt. Nach einer telegraphischen Meldung aus Swakopmund ist der Dampfer ,, Darmstadt" mit dem ersten Truppentransport für Südwest- Afrika einen Tag früher als vorgesehen war dort eingetroffen. Schon gestern früh gingen zwei Kom pagnien und Geschütze mit der Eisenbahn nach Windhoek ab von dort geht der Marsch zu Fuß weiter. Andere Abteilunger werden möglichst schnell folgen. Ueber die heiß umstrittene Station Omaruru werder folgende Angaben interessieren: Omaruru wird durch der es durchfließenden Omarurufluß in zwei Teile geteilt, und zwar in folgender Weise: Auf dem Südufer des Flusses liegt das Fort der Truppe, während ihm gerade gegenüber das Missionshaus und das Haus des finischen Kaufmanns Piirainen liegt. Die Verteidigung der Station muß sich trot der geringen Besatzung auf beide Teile erstrecken, um dadurch den Zugang zum Flusse für Menschen und Tiere jederzeit ermög lichen zu können. Ferner aber liegen gerade zwischen diesen Gebäuden, beiderseits bis unmittelbar an den Fluß hinab reichend, die Gärten der Missionsstation und der Kaserne, deren Erzeugnisse gerade in dieser Zeit in voller Reife stehen und die so nicht nur eine willkommene Proviantquelle bilden mit ihrem großen Reichtum an Obst und an Gartenfrüchten, sondern die auch, wenn die eine Seite dem Feinde preisgegeben würde, ihm eine zu gute Deckung böten, von wo er den Zugang zum Flusse wie die besetzten Gebäude bequem bestreichen könnte. Bis zur Rückkehr der Kompagnie Franke wurde Omaruru von etwa 30 Mann der Kompagnie, die zurückgeblieben waren, und von ungefähr 20 Kolonisten, zun Teil Deutsche, zum Teil aber auch eine Reihe von den in der Umgegend von Omaruru wohnenden Buren und Bastards, besetzt, alles kampferprobte Männer, die den Feind und seine Kampfesweise von Jugend auf kennen und die Büchse wohl zu führen wissen. Das zeigt schon die energische Zurückweisung des am 27. Januar erfolgten Sturmes des Feindes. Balkan- Staaten, A Ein Telegramım aus Sofia meldet: Der Anstiste: des am 12. Januar erfolgten Mordauſchlags auf Stojanow ist in der Person eines gewissen Jandausti gestern verhaftet worden. Der flüchtige Täter Tschernejew wird verfolgt. Das rekonstruierte serbische Kabinett Gruitsch stellte jich gestern der Stupschtina vor. Der Ministerpräsident ertlärte in seiner Ansprache, Serbien werde als Freund des Friedens auf dem Balkan zur Erhaltung desselben sein Möglichstes beitragen. Feer und flotte. gierbootes auf dem Westfluß. Die Deutschen feuerten, die Plünderer flüchteten. Bei der Landung kam es zu einem Gefecht; mehrere Piraten wurden verwundet, 1 gefangen und der chinesischen Behörde zur Aburteilung übergeben. Die Schamien" hat den Sikiang 3 Jahre befahren und den deutschen Handel geschützt und gestützt. Das neue Flußfanonenboot Tsingtau" hat jetzt die Probefahrten glatt erledigt und harrt in Hongkong der Ankunft seiner an Bord des„ Roon" den Indischen Ozean durchfahrenden Bemannung. Die Konsekration des katholischen Feldprobstes Vollmar hat gestern in der Berliner katholischen Garnisonkirche stattgefunden. Als offizielle Vertreter waren Generaloberst von Hahnke, Kommandeur des 3. Armeekorps v. Bülow, Kommandant von Berlin v. Höpfener, Erbprinz von Hohenzollern, Kontreadmiral v. Vütler und General v. Holbach inwesend. Die Messe, vom Armeepropst selbst komponiert, wurde von dem Militärkirchenchor in Gemeinschaft mit der Kapelle des Augusta- Regiments ausgeführt. In den ersten Bankreihen des Kirchenschiffes hatte die Militär- und Zivilgeistlichkeit, darunter auch der Probst von der HedwigsKirche, Dr. Neuber, sowie die Vertreter der Behörden Play Jenommen. Für den Fürstbischof Kopp aus Breslau war ein Thronsessel errichtet. Am Hochaltar angelangt, legte der neu zu weihende Feldprobst den Eid der Treue ab. Die eigentliche Konsekration erfolgte nach der Epistel. Der Neuzuweihende warf sich auf die Stufen des Altars nieder, und die Geistlichkeit betete eine Litanei; hierauf wurde der neue Feldprobst gesalbt. Die Feier schloß mit einer kurzen Ansprache des neuen Bischofs. Aus den Parlamenten. Wie verlautet, wird das Knappschaftsgesetz in ver änderter Fassung an den preußischen Landtag kommen, weil infolge Einspruchs der oberschlesischen Großindustrie das ursprünglich geplante allgemeine und gleiche Wahlrecht nicht zur Durchführung kommen soll. Deutfcher Reichstag. ( 29. Sitzung.) CB Berlin, 10. Februar. Von allen seitherigen Reichstagssitzungen war die heutige, die übrigens auch entsprechend schlecht besucht war, die uninteressanteste. Neu war in der Verhandlung lediglich die Tatsache, daß das Weingesetz sich so bewährte, daß aus der Mitte des Hauses ein ähnliches Schutzgesetz für den reellen Honig gefordert wurde. Der Präsident des Reichsgesundheitsamtes, Dr. Köhler, war ordentlich stolz darauf, als er einige Skalpe von Weinpantschern vorzeigte, die in letzter Zeit wegen Fälschungen bestraft worden sind. Zum Schluß wurde eine Resolution Mugdan erörtert, die für die Aerzte eine Ausschlußfrist bis 1906 für die Ableistung des praktischen Jahres fordert. Das kleinste deutsche Kriegsfahrzeug, das je unter der Reichskriegsflagge gefahren hat, beendete am 2. Februar in Hongkong seine Tätigkeit. Es war die 36 Tonnen große Dampfbarkasse Schamien", die der Chef des Kreuzergeschwaders, Vizeadmiral Vendemann, im Auftrage des Reiches im Herbst 1900 erwarb. Damals nahm das Piratentum auf dem Kantonstrom, dem West- und Ostfluß überhand. Es fehlte ein flachgehendes Fahrzeug, das die Räuber stromaufwärts verfolgen konnte. Im Oktober 1900 hatten die Piraten ein Dampfboot mit 100 Passagieren ausgeplündert, und waren mit ihrer Beute entkommen. Sie griffen sogar ein französisches Transportschiff an, erschossen 2 Mann, warfen einen dritten über Bord und erbeuteten 32 000 Dollars. Eine deutsche Firma in Santon erhielt von den Flußräubern einen Drohbrief des Inhalts, 6000 Dollar an einer bestimmten Stelle ni erzulegen, sonst würden sie das Geschäftshaus in die Luf sprengen. Da ließ Admiral Vendemann die Schamien"- nach dem Europäerviertel Kantons benannt mit iner 3,7 3entimeter- Maschinenkanone und 2 Masch gewehren be stücken, die Breitſeiten durch stählerne Pl. n schützen und mit 1 Offizier, 2 Unteroffizieren und 8 Mann besetzen. Dazu kamen noch 5 Chinesen als Lotsen, Heizer, Köche. Das unscheinbare Fahrzeug hat dank seiner trefflichen Führung und seiner erprobten Bemannung Großes geleistet und das Flußpiratentum unterdrückt, so daß selbst die Chinesen den Deutschen Dank und Anerkennung zollten. Der erste Stommandant, Kapitänleutnant Reymann, überraschte Ende 1900 die Viraten bei der Blünderung eines VaſiaAus dem Finale der heutigen Verhandlung ist nur noch zu bemerken, daß der Staatssekretär Graf Posa dowsky auf eine Anfrage erklärte, die Maul- und Klauenseuche sei infolge der ergriffenen Maßnahmen zurückgegangen. Ende 1901 habe sie nur noch in 107 Gehöften und in 21 Gemeinden bestanden. Die von dem Abg. Leonhardt gewünschte zulassung der Feuerbestattung würde den Gefühlen vieler Schichten der Bevölkerung entgegentreten. Pestleichen könnten auch jetzt durch die uns zur Verfügung stehenden chemischen und technischen Mittel unschädlich gemacht werden. Der Titel Reichsgesundheitsamt wurde schließlich ge= nehmigt. Der Reichsboten- Streik. Buch führen ließ und das Ergebnis nachher veröffentlichte. Die Folge davon war, daß nicht bloß der Abgeordnete, sondern auch seine Partei bei der nächsten Wahl das Mandat los wurde. Ein wirksames Mittel, um die Abgeordneten zum Besuch des Reichstags zu zwingen, würde darin bestehen, wenn die Kreisvorstände seiner Partei mindestens in jedem Vierteljahr einmal im Wahlkreise eine Versammlung ansetzen würden, mit dem Thema:„ Bericht unseres Reichstagsabgeordneten über die seitherige Legislatur und seine versönliche Tätigkeit bei derselben." ( Von unserem parlamentarischen Mitarbeiter.) Ein großes rheinisches Blatt empfiehlt neuerdings nicht mehr und nicht weniger, als einen Ausstand der Reichstagsabgeordneten, wenn sich die Regierung nicht entschließen sollte, Diäten zu bewilligen. Tatsächlich macht ja auch jetzt schon der Reichstag, also noch in seinen Jugendtagen, einen durchaus unwürdigen Eindruck. Manchmal sind die Bänke so schwach besetzt, daß es für die Zuschauer auf den Tribünen direkt beängstigend wirkt. Dabei aber spielen sich die Debatten mit einer Breite ab, die einer besseren Sache würdig wäre. Neulich kam es sogar vor, daß vier Redner, die nacheinander aufgerufen wurden, überhaupt nicht anwesend waren und demgemäß von der Rednerliste gestrichen werden mußten. Um aber doch die Versäumnis wirkungslos zu machen, stellte der nächste Redner den Antrag auf Vertagung, obgleich er der letzte Redner nicht nur des Tages, sondern des Gesamtetattitels gewesen ist. Wäre sein Antrag angenommen wor den, dann hätte ein ebenfalls unter den Tisch gefallener Parteigenosse am nächsten Tage die in Aussicht genommene Rede doch halten können und der Etat des Reichsamts des Innern wäre vielleicht um mehr als einen Tag verlängert worden, wenn die Befristung dieser Wortmeldung Erfolg gehabt hätte. Ohne dem betreffenden Abgeordneten, dessen Namen wir nicht nennen wollen, zu nahe zu treten, wird man wohl annehmen dürfen, daß die Welt nicht allzuviel verloren hat. Die Verkürzung der Bratung ist jedenfalls wertvoller gewesen, als die Wahlrede, die ein Abgeordneter von der Parlamentstribüne herunterhält. Preussischer Landtag. Haus der Abgeordneten. Erft Die Provinzi Debatte Ein Gegenfl wiesen. trag ber arbeit in Barth in Wirtschaft Es f und Gen Abg. 28 befriedigt, Frankfu trieben Generalf wachung legterer buth ber nur fage fich an teiligen f wiederhol Sier Sigung a der Tages lehrer be Peratung ( 15. Sizung.) RK Berlin, 10. Februar. Die Landwirtschaft hat heute weiter das Wort. Die verschiedensten Wünsche, teilweise nur auf einzelne Gegenden zugeschnitten, werden dem Minister v. Podbielski vorgetragen und von diesem wohlwollend beantwortet. Im Mittelpunkt der Debatten steht der konservative Antrag Kunze, der die Regierung ersucht, einen Gesezentwurf gegen den Kontraktbruch der ländlichen Arbeiter vorzulegen dahin, 1. daß auch derjenige Arbeitgeber be straft wird, der Gesinde oder landwirtschaftliche Arbeiter, von denen er weiß oder annehmen muß, daß sie noch einem anderen Arbeitgeber verpflichtet sind, in Dienst nimmt und behält, sofern nicht vier Wochen seit der unrechtmäßigen Lösung des Dienstverhältnisses verstrichen sind; 2. daß ferner derjenige bestraft wird, der die Arbeitsvermittelung für solche Arbeiter oder Gesinde übernimmt; 3. daß derjenige bestraft wird, der solche Arbeiter verleitet, widerrechtlich einen Dienst nicht anzutreten, vorzeitig zu verlassen oder die vertragsmäßige Arbeit niederzulegen. Denn darüber muß man sich klar werden, daß eine große Zahl von Abgeordneten nur eine Gastrolle im Reichstag gibt, um vor den Wählern eine Rede zu halten und dann die Verhandlungen bis auf weiteres, deutsch gesagt, zu schwänzen. In der lezten Reichstagsperiode ist es sogar vorgekommen, daß ein Abgeordneter während der ganzen fünf Jahre den Berhandlungen fernblieb und erst in den letzten Tagen der ablaufenden Periode erschien, um zur Empfehlung seiner Wiederwahl eine nur sehr oberflächlich mit dem Beratungsstoff im Zusammenhang stehende Rede zu halten. Wenn diese Unlust an der Arbeit mit der Diätenlosigkeit begründet wird, so ist das nach inserer Ansicht unzulässig, denn sämtliche Abgeordnete sind unter der Voraussetzung der Diätenlosigkeit gewählt. Da niemand gegen seinen Willen Reichstagsabgeordneter werden kann, so ist und bleibt der Unfleiß im Parlamentsbesuch unter allen Umständen eine Pflichtversäumnis und eine Wortbrüchigkeit gegen die Wähler. In der Begründung führt der Antragsteller aus, daß mit dem Gesetz nicht der seßhafte Landarbeiter, sondern der Zugbogel getroffen werden sollte. Von freisinniger Seite wird der Antrag heftig bekämpft, dagegen vom Zentrum und den Nationalliberalen befürwortet. Der Landwirtschaftsminister erklärt sein Einverständnis mit dem Antrag, der denn auch gegen die Stimmen der Freisinnigen angenommen wird. Diese selbst aber haben einen Teil der Schuld an solchen Verhältnissen, weil sie ihre Vertreter nicht genug unter die Kontrolle nehmen. Welche Bedeutung das hat, mag folgender Vorfall zeigen. Ein süddeutscher Reichstagsabgeordneter hatte sage und schreibe einen einzigen Tag innerhalb einer ganzen Session den Verhandlungen beigewohnt. Er ahnte aber nicht, daß die Redaktion des gegnerischen Parteiblattes durch ihren Berliner Vertreter genau über die Absenz Hus dem Gerichtsfaal. § Ein empfindlicher Verbrecher. Vor der 8. Pariser Straf fammer stand neulich ein junger Laugenichts unter der Anflage des Straßenraubes. Da er keinen Verteidiger hatte, ersuchte der Präsident einen zufällig im Gerichtssaale an wesenden Rechtsanwalt, die Berteidigung zu übernehmen. Der Advokat sah rasch die Akten durch und begann nach dem Verhör des Angeklagten mit der Verteidigungrede. Er bemühte sich vor allem, den Verbrecher als einen geistig minderwertigen Menschen zu kennzeichnen und sagte u. a.:,,Wenn man das Gesicht dieses Mannes genau betrachtet, muß man sich fragen, ob er für seine Missetat überhaupt verantwortlich gemacht werden kann. Man braucht sich nur diese niedrige Stirn und den blöden Gesichtsausdruck anzusehen... ., Sie, Advokat," unterbrach hier der Angeklagte den Redefluß des Anwalts, wenn Sie nichts Besseres zu sagen wissen, halten Sie lieber den Mund!" Der Rechtsanwalt sah seinen Klienten verblüfft an; er verzichtete natürlich darauf, feine physiognomische Studie fortzuseßen, und empfahl den Angeflagten nur mit turzen Worten der Milde des Gerichtshofes. Nab und Fern. Schneestürme im Harz. Wie aus Torfhaus gemeldet wird, wüten in ganzen braunschweigischen Harzgebiet heftige Schneestürme. Die Poststraße Braunlage- Harzburg ist stel. lenweise völlig verweht. Zahlreiche Telegraphendrähte sind abgebrochen. In den Wäldern ist viel Schaden angerichtet. + Verhafteter Mädchenhändler. In Altona wurde der aus Bayern zugereiste Agent Schwarzel als Mitglied einer Mädchenhändlerbande verhaftet. Ein nach Argentinien bestimmtes Mädchen wurde aus seinen Händen befreit. Drei andere Mädchen wurden von der Polizei rechtzeitig unterrichtet. Schwarzel ist bereits wegen Mordversuchs vorbestraft. Von tollen Hunden gebissen wurden in der Gegend von Lublinit( Oberschlesien) zahlreiche Personen. Zwei der Verletzten sind bereits gestorben, 17 andere, darunter mehrere Kinder, wurden nach Berlin übergeführt, um in der dortigen Tollwutſchutzstation Aufnahme zu finden. Ein gewaltiger Kohlenbrand zerstörte im Minenrevier bon Saint Etienne eine Kohlengrube von Grund aus. Der Schaden wird auf mehrere Millionen geschätzt. Einen kühnen Eisenbahnraub führte eine Verbrecherbande auf einen belgischen Personenzug aus. Sechs gut gekleidete Individuen, die abends mit dem nach Paris bestimmten Zuge von Brüssel abgefahren waren, drangen aus der Strecke zwischen Tubize und Braine- le- Comte mit dem Revolver in der Faust in den Abteil, in welchem sich die Wertbriefe befanden, fesselten den wachthabenden Beamten und raubten alle Wertbriefe. Die Räuber sprangen dann während der Fahrt aus dem Zuge. In der Morgenfrühe wurde ein Mann schwer verletzt auf dem Gleis liegend aufgefunden, der sich jedoch weigerte, irgend welche Auskunft zu geben.. Eine Falschspieleraffaire in der ungarischen Aristokratie macht in Budapest großes Aufsehen. Ein stadtbekannter avalier" lud vor kurzem zwei seiner Freunde zu sich zu einem kleinen Spielchen. Die Herren nahmen die Einladung an und spielten mehrere Stunden lang Karten, erst auf fleinere Summen, dann mit einer Pointe von hundert Kronen. Der Hausherr hatte die ganze Zeit über ein erstaunliches Glück und hatte seinen Freunden binnen kurzem 58 000 kronen abgewonnen. Den beiden Gästen erschien dieses Glück verdächtig, sie gaben besser acht und bemerkten, daß die Karten an der Rückseite in unauffälliger Weise bezeichnet waren. Sie stellten ihren Gastgeber zur Nede, und er gestand, daß er falsch gespielt habe. Materielle Verlegenheiten hätten ihn dazu getrieben. Auf seine Bitte sahen die Freunde davon ab, eine Anzeige bei der Polizei zu erstatten, doch verlangten sie, daß er sich bis Oktober samt seiner Familie aus dem Lande entferne. Der Falschspieler ging die Verpflichtung ein. ** * wird be der Ve dann erte entgegenf erft gege ausgespro hierauf vermeide Großher 23 in zum E gewachse gewandt aber nic Drag R soll, wenn März erfo 2 ift ein A Richtung * * * bereins Konzert Arnoldfor Hannover „ Sigrid als Tra Hervorruf berlauft". ** gefeges 3 ist es be hildern, wenden. * * Frankfur weife bo bis zur men. Köln fo men 4 recht Bentne Uhr ze * Der ga man et Münze darbot. grunde bilde, ganz de sehen. gebrat gefehen, * Garte Bildungsfähig. Bäuerin:„ Unser Girgl hat doch viel feine Manieren g'lernt in der Stadt."-Bauer: Wahr is'' s; tritt ihm einer auf d' Har'n, so schreit er gleich Pardon." ( Megg. Bl.) Lagen t angehört genannt es b der wen Raisers Der galt bis als das und den Deutscht Brogtier noch bis veröffentlichte. ordnete, sondern as Mandat los geordneten zum darin bestehen, destens in jedem erjammlung an unseres Reichsatur und seine 3. 10. Februar. Wort. Die zelne Gegenden dbielsfi vorge antwortet. Sm ervative Antrag Gejezentwurf rbeiter Arbeitgeber be aftliche Arbeiter, B sie noch einem ienst nimmt und unrechtmäßigen ind; 2. daß ferbermittelung für 3. daß derjenige t, widerrechtlich verlassen oder er aus, daß mit ondern der Zug iger Seite wird Sentrum und den Sirtschaftsminister g, der denn auch ommen wird. aal. 8. Pariser Straf ts unter der AnVerteidiger hatte, Gerichtsjaale an zu übernehmen. begann nach dem ungrede. Er beinen geistig min gte u. a.:„ Wenn achtet, muß man pt verantwortlich ur dieje niedrige ufehen...." flagte den RedeSzu sagen wissen, anwalt jah seinen lich darauf, jeine pfahl den Ange des Gerichtsorfhaus gemeldet Harzgebiet heftige Barzburg ist stel. aphendrähte sind jaden angerichtet. Itona wurde der 5 Mitglied einer Argentinien be en befreit. Drei rechtzeitig unter rdversuchs oor in der Gegend onen. Zwei der , darunter mehhrt, um in der finden. im Minenrevier Grund aus. Der Jätt. eine Verbrecher3. Sechs gut ge nach Paris be ren, drangen auf -Comte mit dem welchem sich die abenden Beamten er sprangen dann der Morgenfrühe Bleis liegend auf welche Auskunft ischen Aristokratie stadtbekannter reunde zu sich zu en die Einladung Tarten, erst auf te von hundert Zeit über ein er en binnen furzem Gästen erschien ht und bemerkten, fälliger Weise be r zur Nede, und er aterielle Verlegen ne Bitte faben die Bolizei zu erstatten, er famt feiner Falichspieler ging die Infer Girgl hat Stadt."- Bauer: ar'n, so schreit er ( Megg. Bl.) Hessischer Landtag. Darmstadt, 10. Februar 1903. Erster Präsident Haas eröffnete die Situng. Die Ersatzwahl eines Landtagsabgeordneten für die Provinzialhauptstadt Mainz( Abg. Adelung) wird ohne Debatte für giltig erklärt. Eine Anzahl von zur vorläufigen Beratung stehenden Gegenständen wird zumeist de: zuständigen Ausschüssen überwiesen. Eine größere Debatte entsteht dabei über den Antrag der Abgg. Erk und Brauer, Sonntagsruhe und Nachtarbeit in Mühlen betreffend und die Vorstellung des Gastwirts Harth in Nieder- Saulheim, Besteuerung der in öffentlichen Wirtschaftslokalen aufgestellten Klaviere betreffend. Es folgt die Besprechung der Anfrage der Abg. Hauck und Genossen, die Hütefinder im Vogelsberg betreffend. Abg. Widner ist von der Regierungsantwort befriedigt, wendet sich gegen die dieserhalb in der " Frankfurter Zeitung" erschienenen Artikel, die maßlos übertrieben sien und hofft viel von der Durchführung des Generalkulturplans im Vogelsberg. Er fordert eine Ueberwachung der betreffenden Verhältnisse. Abg. Ulrich ist mit letterer Forderung einverstanden. Ministerialrat Dr. Eisenhuth bemerkt, daß er nach Einsicht der betreffenden Berichte nur sagen könne, daß sie ohne jede Nebenansichten lediglich sich an Tatsachen hielten. An der weiteren Besprechung beteiligen sich die Abg. Stöpler, Bähr, Hirschel, Orb, teilweise wiederholt, sowie Ministerialrat Dr. Eisenhuth. Hierauf wird die Besprechung geschlossen und die nächste Sigung auf Donnerstag, vormittag 9 Uhr anberaumt. Auf der Tagesordnung steht die Vorstellung einer Anzahl Oberlehrer betr. Regelung ihrer Besoldungsverhältnisse und die Peratung des Staate voranschlags. Lokales. 11. Februar 1904. *** Durch mancherlei Vorkommnisse in neuerer Zeit, wird bei Veranstaltungen von Vergnügungen der Vereine zu Gießen in Zukunft die Erlaubnis erst dann erteilt, wenn dem in feuerpolizeilicher Hinsicht nichts entgegensteht. Die Erlaubnis des Großh. Polizeiamts wird erst gegeben, wenn der städt. Branddirektor seine Zustimmung ausgesprochen. Wir machen die Vereine und Korporationen hierauf besonders aufmerksam, damit, um Verzögerungen zu vermeiden, eine rechtzeitige Erlaubniserteilung eingeholt wird. * Gut ** Freiwillige. Bei der 5. Eskadron des 1. Großherzoglich Hessischen Garde- Dragoner- Regiments Nr. 23 in Darmstadt fönnen jeder Zeit Dreijährig- Freiwillige zum Eintritt für den Herbst angenommen werden. gewachsene, kräftige Landwirte, Schmiede, Sattler und schreibgewandte Kaufleute werden bevorzugt, andere Berufsarten aber nicht ausgeschlossen. Meldung bei der 5. Eskadron Drag Regt. 23. * ** Die Eröffnung der Buzbach- Licher Bahn, soll, wenn feine nennenswerten Störungen eintreten, Mitte März erfolgen. ** Aus der psychiatrischen Klinik zu Gießen ist ein Aranfer entlaufen und hat sich vermutlich in die Richtung Lmburg oder Friedberg gewant. ** Konzert. Im großen Saale des Gesellschaftsvereins zu Gießen findet am Donnerstag( 18. Febr.) ein Konzert der Großh. hess. Kammersängerin Mme. Sigrid Arnoldson statt. Ueber das Auftreten der Sängerin in Hannover meldet uns ein gestriges Telegramm folgendes: „ Sigrid Arnoldson gastierte gestern im Hoftheater zu Hannover als„ Traviata" und hatte einen sensationellen Erfolg, 30 Hervorrufe. Das Theater war seit m hreren Tagen ausverkauft". * Firmenschilder. Nach den Bestimmungen des Reichsgesetzes zum Schutz des Roten Kreuzes vom 22. März 1902 ist es verboten, das Rote Kreuz auf Firmen- und Lader.schildern, Ladenfenstern, Reklamedrucksachen u. s. w. zu verwenden. * Versuchsfahrt. Der vorgestern Mittag in Frankfurt angekommene Kölner Schnellzug wurde versuchsweise von ein und derselben Lokomotive von der Anfangsbis zur Endstation gefahren. Der Versuch gelang vollkommen. Nachmittags übernahm dieselbe Maschine einen nach Köln fahrenden Schnellzug. Auf beiden Fahrten von zusammen 440 Kilometer sind verbraucht worden reichlich 200 Zentner Kohlen und etwa 90 kubikmeter Wasser. " ** Fata Morgana. Gestern früh ½ nach acht Uhr zeigte sich in Grünberg sichtbar eine" Fata Morgana". Der ganze Himmel war mit dichten Wolken bedeckt. Eine recht nasenweise Priese" stob von Südwest". Da sah man ein entzückendes Bild, das von den beiden Türmen " Münzenberg" ausgehend sich als eine herrliche Erscheinung darbot. Rechts und links Buzzbach- Wächterbach, im Hinter grunde Feldberg- Hasselheck und Taunus in einem Wolfengebilde, als ob man es fassen könne. Der Feldbergturm war ganz deutlich etwa zwei Minuten mit blosen Augen zu sehen. Die Sonne hatte einen herrlichen„ Abdruck" hervor. gebracht. Es wäre zu wünschen, daß andere, welche dieses gesehen, ihre Beobachtungen auch mitteilen wollten. ** Neue Tiere im Frankfurter 8oologischen Garten. Ein Tier von großer Seltenheit ist seit einigen Tagen im Garten ausgestellt, das einer aussterbenden Art angehört, nämlich ein Auerochs, oder wie er richtiger genannt wurde, ein Wisentstier. Dieses gewaltige Untier es hat über 1/2 Meter Rückenlänge, stammt von einer der wenigen Heerden, die noch in den Jagdgründen des Raisers von Rußland und des Fürsten Pleß gehegt werden. Der Wisent ist bei Weitem das größte Tier Europas und galt bis ins Mittelalter, wo er rasch ausgerottet wurde, als das edelste Jagdwild. Damals war er noch im Harz und den Vogesen, sowie in allen größeren Bergwäldern Deutschlands zu finden. Er bildete etnes jener wenigen Großtiere, die der Tiersammlung des Frankfurter Gartens noch bisher gefehlt haben, nachdem der afrikanische Elephant, Nilpferd, Nashorn, Giraffen, Bison und Büffel in den letzten Jahren ihren Einzug gehalten. Landwirtschaftliche Genossenschaftsschule in Darmstadt Vor kurzem haben innerhalb des Reichsverbandes der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften weitere Beratungen betr. Errichtung einer landw. Genossenschaftsschule stattgefunden. Geplant ist zwar nicht die Errichtung einer landwirtschaftlichen Hochschule" in Darmstadt, sondern die Veranstaltung von umfassenden, ſyſtematischen Unterrichtskursen über landwirtschaftliches Genossenschaftswesen hauptsächlich zur ergänzenden Fachausbildung berufsmäßiger Genossenschafts- und Verbandsbeamten. Der Reichsverband hat beschlossen, mit der Veranstaltung solcher Kurse im Laufe dieses Jahres zu beginnen. Voraussichtlich im Mai 1904 soll der erste Lehrgang stattfinden, der für die genossenschaftliche Belehrung von Landwirtschaftslehrern, landwirtschaftlichen Wanderlehrern, jüngeren Verwaltungsbeamten bestimmt ist und etwa 3 Wochen dauern soll. Ein zweiter Lehrgang von etwa 4 Wochen ist dann für den Herbst, wahrscheinlich für September, vorgesehen. Der Lehrplan beider Kurse ist auf die verschiedenen Bedürfnisse und Interessen der einzelnen Besucher zugeschnitten. Bemerkt sei schon heute, daß der Besuch dieser Lehrgänge für die Teilnehmer unentgeltlich gemacht werden wird, im übrigen werden weitere eingehende Mitteilungen in nächster Zeit allen Interessenten zugehen. Auf Grund der in den ersten Jahren gemachten Erfahrungen soll später eine weitere Ausbildung der Tätigkeit des Instituts insbesondere die Ausdehnung auf die genossenschaftlichen Spezialbranchen des Molkerei- Kornhaus- und Winzergenossenschaftswesens stattfinden. * Die Landesbrandtasse des Großerzogtums Hessen bezahlte im Jahre 1903 für Brandschäden rund 900 000 mt. Die Kosten, die entstehen für die Vergütungen an Gemeinden, welche eine ausgiebige und dem Feuerschuh dienende Wasserleitung besigen,( 2 Pfg. pro 100 Mt. Versicherungskapital) belaufen sich auf 200 000 Mt. Hiervon entfallen auf die Städte Mainz 42 000 Mt., Darmstadt 40 000 Mt., Worms 15 000 Mt., Offenbach 11 000 Mt. und Gießen 10 000 Mt. Die Gesamteinnahme für die mit der Landesbrandkasse verbundene Feuerlöschkasse betrug 68 370 M., die Ausgaben 66 790 Mt. Außerdem sind an Einnahmen noch vorgesehen aus früheren Jahren 18600 Mt., sodann ein Prozent der für das Jahr 1903 ausgeschlagenen Brandversicherungsbeiträge zirk 72 000 M., ferner der Beitrag des Staates zirka 25 000 Mt., sowie 3500 Mt. Zinsen von dem Reservefond. Die sich ergebenden Ueberschüsse werden dem Refervefond, welcher die Höhe von 100 000 Mt. erreicht hat, so lange verzinslich beigelegt, bis er die Höhe von 200 000 Mt. erreicht hat. ** Belohnungen für treue Dienste. Minister Budde hat neue Bestimmungen bezüglich der Belohnungen an Eisenbahnarbeiter für langjährige Dienstzeit und zufriedenEs erhalten ab 1. Februar stellende Führung erlassen. nach 20jähriger Dienstzeit die Arbeiter eine einmalige Lohnzulage von 20 Mart, ferner nach 25jähriger Dienstzeit 30 Mark, 30jähriger Dienstzeit 40 Mart, 35jähriger Dienstzeit 60 Mark, 40jähriger Dienstzeit 80 Mart, 45jähriger Dienstzeit 100 Mart, 50jähriger Dienstzeit 150 Mart. Entweder erhalten die Betreffenden das bare Geld oder auf ihren Wunsch ein Sparkassenbuch über den Betrag. ** Zum Gordon Bennett- Rennen 1904 wird der Kaiser am 16. Juni in Homberg erwartet. Es steht der Besuch von mindestens 100 000 Personen in Aussicht. Die bisher bestimmten Farben der Wagen im GordonBennett- Rennen sind: Deutschland weiß; Frankreich blau; Amerifa rot; England grün; Belgien gelb; Italien schwarz. Die Schweiz und Desterreich haben ihre Farben noch nicht gewählt. ** Nicht erschöpft die Pflanze in ihrem Werdeprozeß mehr, als die Bildung von Samen Willst Du also Samen nicht ernten, willst Du von Deinen Pflanzen man denke an die Rosen nur schöne Blumen erzielen, so verhindere, daß die Pflanze Samen bilde. Schneide also, sobald die Blume verblüht, sorgsam alle abgeblühten Blumen ab. Auf diese Weise bleibt der Pflanze viel, sehr viel Kraft erhalten. Sie wird sich von ießt ab besser entwickeln und wird im kommenden Jahre noch einmal so schön und so reichlich blühen. Im übrigen sieht es unordentlich aus, wenn die abgewelften Blüten an den Pflanzen bleiben.( M. Peterseim's Blumengärtnereien.) ** Launsbach, 11. Febr. Hier ist unter den Kindern seit einigen Tagen Diphtheritis ausgebrochen. 11 Kinder liegen schwer krank darnieder. † Reiskirchen, 10. Febr. Im Chauffeegraben todt aufgefunden wurde der Schuhmacher Phil. Damm. Damm führte seit Jahren ein unftädtes Leben; obwohl er verheiratet war, ließ er sich nur selten bei seiner Frau sehen, zog es vielmehr vor, in der Welt herumzuziehen; er stand in den 60er Jahren. + Friedberg, 9. Febr. Die feierliche Entlassung der Zöglinge des Lehrerseminars findet am 26. Februar statt. Das Seminar wird gegenwärtig von 142 Seminaristen besucht, von denen etwa 32 das Seminar verlassen. Offenbach, 9. Febr. Verschwunden ist seit vorigen Donnerstag ein junger lediger Buchhalter einer Fabrik der Metallbranche. Wie sich herausgestellt haben soll, sind auch Gelder aus der hiesigen Geschäftskasse mit verschwunden. Es handelt sich im Ganzen um einen Betrag von 1700 Mart. -- Offenbach a. M., 10. Febr. Seit Samstag wird die in den 30er Jahren stehende Ehefrau eines hiesigen Prokuristen vermißt. Alle Nachforschungen nach dem Verbleib waren bisher vergeblich. = = Frankfurt, 10. Febr. Unter dem Verdacht ihr Kind nach der Geburt getödtet zu haben steht ein Dienstmädchen. Man fand das Kind bei dem Mädchen in ihrer Mansarde in einer Schürze gewickelt tot vor. Das Mädchen wurde in die Entbindungsanstalt gebracht. † Aus Franken, 10. Febr. In Wombach kam der geistesgestörte 15 Jahre alte Michael Rack dem Herdfeuer so nahe, daß seine Kleider Feuer fingen. Er erlitt so schwere Brandwunden, daß er nach einigen Stunden starb. Aus dem Gerichts[ aal. Strafkammer. Gießen, 9. Februar 1904. Der Taglöhner Wilhelm Stipp von Buchenbrücken hat gelegentlich der Kirchweihe zu Kaichen, ohne obrigkeitliche Erlaubnis öffentlich Bilder verlost. Mit Rücksicht auf seine Vorfstrafe wegen gleichen Vergehens wurde auf 20 Mart Geldstrafe erkannt. Ein Barbier und dessen Lehrling sowie ein Kolporteur haben sich Postkarten unsittlichen Inhalts verschafft resp. verkauft. Der Kolporteur wurde zu 30 Mt. Geldstrafe und der Barbier zu 20 Mt. verurteilt, während der Lehrling, von welchem angenommen wurde, daß er den unsittlichen Inhalt nicht erkannte, freigesprochen wurde.- Der Schneidergeselle Ernst Schumann von Plössig ist wegen falscher Anschuldigung angeklagt. Er hat auf dem Polizeiamt eine Anzeige gemacht von welcher angenommen wurde, daß sie unwahr sei. Es wurde festgestellt, daß der Angeklagte die Sache sehr übertrieben hatte, doch sei nicht nachgewiesen, daß er wider besseres Wissen gehandelt hat, weshalb der Artikel 52 des Polizeistrafgesetzes Platz zu greifen hat, welcher für derartige Uebertretungen eine Haftstrafe von 14 Tagen vorsieht, auf welche auch erkannt wurde. Der 17jährige Knecht Wilhelm Preußer von Düdesheim versuchte nachts in der Wohnung des Landwirts Heinrich Kling ein Pult zu erbrechen. Wegen Diebstahlsversuch erhält er 3 Monate Gefängnis. Der Weißbinder Christian Noll II. von Unter- Lais wurde vom Schöffengericht Nidda von der gegen ihn erhobenen Anklage des Vergehens gegen§ 185 St.- G.- 8. freigesprochen, wogegen die Staatsanwaltschaft Berufung einlegte. Die bei verschlossenen Türen stattfindende Verhandlung führte zur Verurteilung des Angeklagten zu 1 Monat Gefängnis.- Zum Schlusse wurde die Strafe des Heinrich Reuling von Münzenberg, welcher wegen Uebertretung des Gewerbesteuerge setzes zu 20 Mt. verurteilt worden war, auf 10 Mark herabgefeßt. Neueste Nachrichten. Ueber Berlin wird uns folgendes gemeldet: *** London, 10. Febr. Die Abendblätter bringen ein Telegramm aus Tokio, nach dem zwei Transportschiffe der russischen freiwilligen Flotte mit 2000 Mann Soldaten von den Javanern genommen wurden. Petersburg, 11. Febr. Der 3 ar beförderte gestern Zar sämtliche Marinefähnriche zu Offizieren. Petersburg, 11. Febr. Der japanische Gesandte Rurino ist mit den Mitgliedern der Gesandtschaft nach Berlin ab. gereist. Tokio, 10. Febr. Die erfolgreichen Gefechte bei Port Arthur und Tschemulope riefen eine große nationale Begeisterung hervor. Ferner traf die Meldung von der Wegnahme zweier russischer Postdampfer und zweier russischer Kauffahrer ein. - Nagasaki, 10. Febr. Die hier in Raparatur befindlichen russischen Schiffe sind von Japan mit Beschlag belegt. Washington, 11. Febr. Der Präsident Roosevelt beschloß die Neutralität der Vereinigten Staaten bezüglich des Krieges im fernen Osten zu erklären. Eingesandt. Für die unter dieser Rubrik gebrachten Artikel übernehmen wir dem Bublifum gegenüber keine Verantwortung. + Trais- Horloff, 8. Febr. Die Gemeinde Trais- Horloff hat vor längerer Zeit vor dem Dorfe eine Laterne aufstellen lassen, damit Fußgänger, welche abends von und zur Bahn wollen, vor Unfällen bewahrt werden. Das ist lobend anzuerkennen, aber wie gefährlich ist der Weg vom Bahnhof bis zur Ueberbrückung der Horloff! Bei nebeligem Wetter oder wenn kein Stern am Himmel steht, ist es lebensgefährlich für jeden, einerlei ob er den Weg fennt oder nicht. Einsender dieses, der den Weg zu jeder Zeit passirt hat und die Gefahren aus eigener Erfahrung fennt, erlaubt sich darauf hinzuweisen, ob es nicht möglich wäre, diesem Mißstand durch Aufstellung einer oder mehrerer Laternen auf diesem Wege abzuhelfen. Einer für Viele. Arbeitsnachweis der Stadt Gießen. Gartenstraße Nr 2( Bürgermeistereigebäude) Zimmer Nr. 14. Es können eingestellt werden: 1 landw. Knecht, 1 landw. Magd, 1 Schlosser, 1 Küfer, 1 Schreiner, 1 Friseur, 1 Fuhrknecht, 1 Buffetfränlein, 1 Kindermädchen 1 Küchenmädchen, 2 Köchinnen, 8 Dienstmädchen gegen hohen Lohn für hier und ausw. Lehrlinge: 1 Schlosser, 1 Spengler, 1 Feinmechaniker, 1 Mechaniker, 1 Kaufmann, 3 Bäcker, 2 Buchbinder, 1 Tapezierer, 1 Schreiner, 1 Weißbinder und Lackierer. Es suchen Arbeit: 1 Schmied, 1 Spengler, 1 Buchbinder, 3 Schreiner, 1 Metzger, 1 Wäscherin, 2 Lackierer, 4 Hausburschen, 4 Fahr burschen, 5 Lauffrauen, 2 Bureaugehilfen. Albin Klein Verantwortlich: für den politischen und Inseratenteil: für das Lokale, den„ Gerichts." und" Deffentlichen Sprechsaal": Fr. Oppermann NAUMANNIA- SEIFE. mit dem Beste Seife nah undfern! Bekanntmachung. Gewerbebank zu Gießen Stadt- Theatering, 12. Februar 1904, seguittags 3 164 eingetragene Genossenschaft mit unbeschr. Haftpflicht. Die verehrl. Mitglieder unserer Bank werden zu der Montag, den 15. Februar cr., 8½ Uhr abends, stattfindenden im oberen Lotale des Restaurant Feidel 45. ordentlichen Generalversammlung ergebenst einzuladen. Tagesordnung: 1. Erstattung des Geschäftsberichtes pro 1903. 2. Ersatzwahl statutengemäß ausscheidender Mitglieder des Aufsichtsrates. 3. Beschlußfassung über die Genehmigung der Jahresrechnung und Bilanz und die dem Vorstande und Aufsichtsrate zu erteilende Entlastung. 4. Verteilung des Reingewinnes. Gießen, am 6. Februar 1904. ( 3275) Gewerbebank zu Gießen eingetr. Genossensch. m. unbeschr. Haftpfl. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates: 2. Petri II. Confenfia ( Wohltätigkeits- Verein Gießen.) Samstag, den 13. Februar ds. Js. findet in Lony 3 Bierkeller( Schanzenstraße) die statutgemäße statt. Generalversammlung Tagesordnung: 1. Jahresabrechnung. Anfang punkt 9,30 Uhr Abends. Gießen. Direktion: Steingoetter. Freitag, den 12. Februar 15. Freitag= Abonnements- Vorstellung. Der Richter von Zalamea. Schauspiel in 3. Aufzügen von Calderon de la Barca. ( Uebersetzt von Adolf Wildbrand.) Waldesruh Schiffenbergerweg. Sonntag 16. Febr. abds. 8 Uhr Große humoristische Kappenfibung Näh. Eintritt frei. 1 Dienstmädchen für sofort ges Bäderei Reuk, Gießen, Seltersweg 46. Lieferung von Straßenbau- Materialien. Die Lieferung der zur Unterhaltung der städtischen Straßen im Rechnungsjahr 1904/5 erforderlichen Deckund Pflastersteine aus Basalt, des Kieses aus der Lahn und des Basaltgruses soll, wie nachstehend beschrieben, in 10 Losen am Dienstag, den 23. d. M., vorm. 11 Uhr öffentlich berdungen werden. a) Decksteine( Basalt) Lose: Kbm. I. 1350 2. Gesamtvorstandswahl. 3. Verschiedenes. Der Vorstand. II. 530 III. 550 Criumpbator vom Bürgerbräu München, früher Salvator genannt, im Anstich. Lagerplätze: Alte Marburgerstr., Schottstraße, Alter Viehmarkt. Städt. Gelände zw. Schlachthaus u. Kröck'schen Hause. Roonstr., Licherstr., Schiffenbergerweg, Erdkauterweg. Verl. Liebigstr., Verlängerung des Mittelwegs. b) Pflastersteine( Basalt) IV. 50 Café Royal, Giessen, c) Kies aus der Lahn. H. Elges. Spezial- Geschäft für Taschen- und Weckeruhren, Uhr- Ketten. Carl Geismar, Uhrmacher Gießen, Schulstraße 5. Man verlange: GRELO ONAG FATCHELLAR SODE Aerztlich empfohlen. Vielfach preisgekrönt. 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Den Besitzern solcher Stücke wird jedoch freigestellt, deren Zinsfuß auf 32 Proz. herabseßen zu lassen; auf derart umgewandelte Stücke zahlt die Stadt Gießen eine einmalige Vergütung von 1 Proz. Die umzuwandelnden Stücke sind im Lauf des Monats März mit den nach dem 15. Mai fällig werdenden Zinsscheinen nebst Erneuerungsschein unter Beifügung eines doppelten Nummerberzeichnisses bei einer der nachbenannten Einlösungsstellen vorzulegen. Das eine Nummerverzeichnis wird mit Empfangsbescheinigung sofort zurückgegeben. abgestempelten Stücke mit neuen Zinsscheinbogen, und der Herauszahlung mit 1 Proz. können in der Zeit dom 1. bis 14. Mai bei der Hinterlegungsstelle gegen Südgabe der Empfangsbescheinigung entgegen genontmen werden. Die Die Verzinsung der nicht umgewandelten Stücke hört mit dem 14. Mai ds. Js. auf. Die Umwandlung und die Einlösung der nicht umgewandelten Stücke erfolgt: bei der Stadtkasse Gießen, bei dem Bankhause Aron Heichelheim in Gießen. bei dem Bankhause Gebr. Neustadt in Frankfurt a. M. Gießen, den 8. Februar 1904. Großherzogliche Bürgermeisteret Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Die Holzversteigerung vom 1. Februar 1. Js. ist genehmigt. Die Abfuhrscheine können auf unterzeichneter Stelle abgeholt werden. Die Ueberweisung des Holzes erfolgt am 15. d. M. Grünberg, am 10. Februar 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Grünberg. Zimmer. Sielbau Gießen. Die Lieferung der für das Baujahr 1904/5 benötigten Zementrohre soll öffentlich verdungen werden. zu liefern sind: rund 9000 Mtr. Zementrohre von 25-90 Ctm. Durchmesser stück in der Klinikstraße, frei Waggon Lagerplaz Margaretenhütte Gießen. Desgl. am Mittelweg. d) Basaltgrus VIII. 150 Am alten Viehmarkt. IX. 150 150 X. Am Friedhof, Realschulgrundstück- Stephanstraße. Pumpstation, Mittelweg. Bedingungen und Angebotsformulare fönnen gegen portofreie Einsendung von 1,50 Mt. durch das städt. Tiefbauamt Gr. Bürgermeisterei 3immer Nr. 6 bezogen werden. Ebendaselbst liegen in den Dienststunden die Verdingungsunterlagen zur Einsicht auf. Auskunft erteilt außerdem Herr Oberbaurat SchmifDarmstadt, Mühlstraße 60. Die Angebote sind versiegelt und mit der Aufschrift: ,, Angebot auf die Lieferung von Zementrohren" Die Bedingungen liegen während der Dienststunden bei uns auf Zimmer Nr. 6 zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind spätestens bis zum 29. Februar ds. Is. portofrei bei dem städt. bis zum obengenannten Termine, verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen an uns einzureichen. Beim Angebot von Material aus unbekannten oder neu angelegten Steinbrüchen sind Proben mit den Angeboten einzureichen. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Gießen, den 9. Februar 1904. Städtisches Tiefbauamt. Richard Buchacker. Gg. Carl Volk. Braubach. Ziehung schon 5. März 1904. d.Gross. Geld- Lotterie d. Bad. Landesv. v. Roten Kreuz Los nur 1 Mk. II Lose 10 M. Prt.u.L.25Pfg. Auszahlbar bar ohne Abzug 3388 Geldgew. bar zus. M. 44 000 Hauptgew. M. 15 000 1 Gewinn Mk. 15000 1 Gewinn Mk. 5000 2 à 1000= 2000 " 4 à 500=" 1 2000 " 30 à 100= 3000 350 Gew. zus. 7000 2800 erhältlich b. H " 10000 Lose J.Stürmer Gen.- Debit, Strassburg i. E. Jüngeres sauberes Mädchen W. Semmler. Ph. Weiler. für leichtere Hausarbeit während den Vormittagsstunden gesucht. Näh. in der Exp. d. Bl. Robert Stuhl Gießen, Neustadt 23 emfiehlt Eiergemüsenudeln Gemüsenudeln Maccaroni, ital. Maccaroni, Bruch Zwetschen, türk. Zwetschen, calif. Apfelringe, amerik. Apfelschnitzen, Städtisches Schlachthaus Heute Kubfleisch 50 Pfg. Tiefbauamt einzureichen, woselbst die Eröffnung der Angebote am genannten Tage vormittags 11 Uhr im Beisein etwa erschienener Bewerber erfolgt. Zuschlagsfrist 8 Wochen. Gießen, den 5. Februar 1904. Städtisches Tiefbauamt. Braubach. Verdingung. Die für die Herstellung eines erhöhten Bürgersteiges auf der südlichen Seite der Rodheimerstraße vor den Kröck'schen Neubauten erforderlichen sollen Maurer, Pflaster- und Chaussierarbeiten Mittwoch, den 24. d. Mts., vorm. 11 Uhr öffentlich verdungen werden. Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen während der Dienststunden bei uns auf Zimmer Nr 6 zur Einficht offen. Angebote auf Vordruck, die daselbst erhält- lich, find spätestens bis zum vorgenannten Zeitpunkt an uns einzureichen. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Gießen, den 11. Februar 1904. - Städtisches Tiefbauamt. Braubach. Geweckter Junge oder alleinstehende Frau Flüssines Obst: zum Austragen Alkoholfreie Normalgetränke, unIn Schülers Garten ist der von 3tveite Stock nebst Zubehör sofort anderweit zu vermieten. Näheres bei der Bürgermeisterei Gießen Zimmer Nr. 15-. Zeitungen gesucht. Seltersweg 83. Gießen. bergorene Fruchtsäfte a. frischem in mehr a. 20 versch. Sort. Aerztl. empf. Vers a. i. fl. Quant. z. Orig. Keltereipreisen. Man verl. Preisl. S. Vtr. gef. W. Schütz Weilburg. Obte: Aevfel, Beeren, Trauben z. er jef Donnerstag, Den 1 1904. eßen. 8 FÜR UNSERE JUGEND Merksprüche. Auf, auf! der Hahn hat dreimal gekräht; Biel lieber sieben Stunden zu früh, Als oft nur eine Minute zu spät, Umsonst ist weiter all' Arbeit und Müh'. Glaube nur, du hast viel getan, Wenn dir Geduld gewöhnest an. 1 Im Denken klar, Im Sprechen wahr, Im Handeln unverzagt, Dann ist's mit Gott gewagt. Die Zeit geht ewig fort und altert nie! Geh' du mit ihr, so bleibst du jung, wie sie. 온라 Helgi. ( Schluß aus voriger Jugendnummer.) Granmars Söhne saßen auf einem Berge, als die Schiffe hervorsegelten. Gudmund, König Granmars Sohn, sprang auf seinen Hengst und ritt auf Kundschaft ans Ufer. Er fragte:„ Wer ist der König, der dem Heere befiehlt und diese gewaltige Schar herbeiführt?" Sinfiötli, König Sigmunds Sohn, schlug an der Segelstange einen roten Schild mit breitem Goldrand an und entgegnete:„ Am Abende, wenn du den Schweinen und Hündinnen Jutter vorwirsst, dann melde, daß Wölsungen kampfbegierig gekommen sind. Dein Bruder wird hier Helgi finden mit seiner Flotte, ihn, der oft Adler ſatt gemacht hat, während du bei den Mägden in Mühlen saßest." Gudmund erwiderte:„ Du vergissest, Held, die alten Sagen, und du sprichst gegen Edle unwahres. Mit Wölfen hast du gelebt und deine Brüder ermordet. In Gebüschen bist du umhergekrochen als Werwolf." Sin fiötli rief entgegen:„ Ein Zauberweib warest du, ein listiges Weib, eine furchtbare, übermächtige Walkürenhere." Gudmund sprach:" Durch Verbrechen hast du dich berüchtigt gemacht. Als Werwolf warest du in den Wäldern an WolfsDa rief Helgi: Weit geziemender ist es, Sinfiötli, Kampf geheul gewöhnt. Nicht will ich aber mehr mit dir zanken." zu üben, als mit unnützen Worten zu schmähen. Fürſten müssen Wahrheit reden; Granmars Söhne dünken mir nicht gut zu sein; aber sie haben gezeigt, daß sie Mut haben, Schwert zu führen." Gudmund ließ sein Roß durch Täler und dunkle Wege stürmen zur Burg König Granmars. Draußen stand Gudmands Bruder, Hödbrod; er fragte:„ Warum ist deine Miene voll Sorge und Harm?"„ Am User liegen goldgeschmückte, blauschwarze Schiffe, es nahen schnelle Kiele, friegsfrohe Wölsungen mit edlem Gefolge, mit manchem Schilde. Fünfzehn Scharen gehen ans Land, aber 7000 sind noch auf der See. König Helgi wird dem Schwertkampf nicht zögern." Hödbrod rief: Bäumt die Rosse und laßt Boten rennen. Wer Schwerter schwingen kann, soll herbeieilen; kein Mann soll daheim bleiben. Die Wölsungen sollen Widerstand finden." Bei Frekastein trafen die Heere zusammen Helgi ivar überall der erste im Kampf, wo Männer sich schlugen, kühn im wogenden Streit. Gewaltig war das Getöse der Speere. Aus der Luft kam die Walküre Sigrun zum Schutze des Königs. Helgi drang auf König Hödbrod ein und fällte ihn. Alle Söhne und Fürsten Granmars fielen; nur Dog, Högnis Sohn, wurde verschont. Sigrun ging auf das Schlachtfeld, wo sie Hödbrod mit dem Tode ringend fand:" Nicht wirst du jetzt dich mit Sigrun verloben; dein Leben ist dahin." Dann suchte sie Helgi und sprach froh:„ Glücklich sollst du, König, und freudig sein, der du den Fürsten gefällt hast. Dir geziemen rote Ringe und die Maid. Der Streit hat ein Ende." Helgi erwiderte:„ Nicht ist für dich alles nach Wunsch ergangen; aber ich glaube, daß das Schicksal über manches waltet. Dein Vater und deine Brüder sind durch mich gefallen, und viele deiner Verwandten. Du hast bei dem Streite nicht ge= wonnen, aber im Kampfe hast du einen edlen Mann erlangt." Sigrun weinte. Helgi tröstete sie: Du warst uns im Kampfe siegbringende Walküre. Auch Könige können das Geschick nicht besiegen." Darauf entgegnete Sigrun: Gerne möchte ich die Gefallenen ins Leben zurückrufen, damit sie den Kampf von neuem beginnen; und doch zugleich mich an deiner Brust bergen." Helgi vermählte sich mit Sigrun. Er kam nicht zu hohem Alter. Dog, Högnis Sohn, Sigruns Bruder, der im Kampfe Frieden erhalten hatte, opferte Wodan, daß er ihm die Vaterrache gewähre, und erhielt von Wodan dessen Speer Gungnir. Als Dog seinen Schwager Helgi im Walde traf, durchbohrte er ihn mit dem Speer, daß er fiel und starb. Dog ritt zu seiner Schwester und sprach:„ Ungern mache ich meine Schwester weinend. Heute morgen fiel der beste König von der Welt." Sigrun entgegnete: Alle Gide sollen dir wehe tun, die du Helgi geschworen hast. Nicht komme das Schiff von der Stelle, auf dem du fährst, wenn auch guter Fahrwind dahinter weht. Nicht renne das Noß unter dir, auch wenn du vor deinen Feinden fliehen mußt. Nicht beiße dein Schwert, das du schwingest, es pfeife dir dann ums Haupt. Dann würde Helgis Tod gerächt sein, wenn du als Wolf in den Wäldern schweifen müßtest ohne Freude, ohne Gut." Dog rief: Rasend bist du, Schwester, da du deinen Bruder so verwünscheft. Wodan, der Gott, selbst stiftete den Zwist der Verwandten. Rote Ringe und das halbe Reich bietet dir der Bruder zur Vergeltung, dir und deinen Söhnen."„ Nicht will ich mich des Lebens freuen," ſprach Sigrun,„ es breche denn ein Glanz aus der Pforte des Königsgrabes. Vorher muß Helgi aus dem Grabe hervor reiten, und ich den König umfangen. Wie die edle Giche über Dornen, so ragte Helgi über die Krieger empor." Ein Grabhiigel wurde über Helgi errichtet. Als der König nach Walhalla kam, bot Wodan ichni an, über alles zu herrschen. Am Abend ging Sigruns Magdu Helgis Hügel und sah, daß Helgi mit vielen Männern den Hügel umritt. Die Magd rief:„ Ist das Täuschung, was ich) zu ſehen glaube, oder ist toten Männern gegeben, Roffe anzuspornen, und steht Kämpfern Heimkehr frei?"" Nicht ist es Trug," ent gegnete Helgi, aber dennoch ist Kriegern Heimtehr nicht gewährt." Da eilte die Magd zu Sigrun:„ Wenn du den Fürsten zu finden wünſcheſt, Sigrun, so gehe zum Grabhügel. Derselbe ist geöffnet; Helgi ist gekommen. Der König bat dich, ihm die blutigen Wunden zu stillen." Sigrun ging zum Hügel und sprach zu Helgi:" Froh bin ich des Wiedersehens. Ich will dich küssen, bevor dit, König, die blutige Brünne ablegst. Aber dein Haar, Helgi, ist mit Reif durchdrungen, mit Blut bist du benetzt, deine Hände find feuchtkalt. Wie soll ich dir Vergeltung schaffen?" Helgi erwiderte:„ Du bist allein schuld daran, Sigrun. Du weinst, und deine Tränen fallen mir auf die Brust. In Walhalla trinken wir köstlichen Trank, deshalb soll niemand Trauerlieder anstimmen." Sigrun bereitete ein Bett im Hügel. Am Morgen ſagte Helgi: Nun ist's Zeit, den Wolfenweg zu reifen; westlich der Bifröst- Brücke muß ich sein, che der Hahn die Einherier wedt." Helgi und sein Gefolge ritten fort durch die Luft; die Frauen eilten nach Hause. Am nächsten Abend ließ Sigrun die Magd am Hügel Wache halten; bei Sonnenumtergang kam sie selbst, aber Helgi blieb fern. Da meinte die Magd:„ Wenn Sigmunds Sohn hätte kommen wollen, wäre er schon da. Sei nicht zu überfühn, allein in den Grabhügel zu fahren; in den Nächten sind tote Krieger gewaltiger, als am hellen Tage." Sigrun lebte nicht lange, sie starb bald vor Leid und Schmerz. Man sagt aber, daß Helgi und Sigrun wiedergeboren seien, sie als Walküre. Rätsel und Aufgaben. 1. Wenn die Blümlein wieder sprießen Und die Lüfte linder wehn, Wird das Auge mich genießen, Tief in meine Farbe sehn. Doch ein Zeichen an mich fette, Und du Holst mich nicht, ich wette, Bist du flink auch auf dem Bein, Nicht im Dauerlauf mich ein. ออ เร ส 2. Scherzfrage. Wer geht auf seinem eigenen Kopf? Nr. 33. Donnerstag, den 11. Februar Oberbessische Familienzei ( 30. Fortsetzung.) Cagliche Unterhaltungs- Beilage Dez Giesener eneste Nachrichten. feret, vorm. With Rellas'she B( ge 1789); Der Beuge. Noman von Marie Bernhard. Gestern erklärte Hortmann, mit meinem Aussehen und meinem ganzen Habitus" außerordentlich unzufrieden zu sein und drohte ernstlich damit, dir hierüber Bericht zu er ſtatten. Sollte er sein Wort halten und es pflegt dies sein Fall zu sein so bitte ich dich, lieber Hellmut, dich feinesfalls meinetivegen zu beunruhigen! Ich mag ein wenig schlechter aussehen als früher, das ist schon möglich, indessen fühle ich mich vollkommen wohl und sehe jede Besorgnis meinethalben als gänzlich überflüssig an." Ohne ein Wort weiter zu sagen, griff Hellmut nach dem Brief, der ihm zunächst lag; er war allerdings von dem deutschen Arzt in Yokohama, Doktor Hortmann. Dieser langjährige Freund, der Familie Norden, ein ungewöhnlich begabter und gewissenhafter Arzt, schrieb nur einen furzen Brief an Hellmut, da seine Zeit ungemein beansprucht war und er, außer um Rezepte zu schreiben, überhaupt ungern zur Feder griff. Er hoffe, sein lieber inger Freund ſei, ſamt ſeiner schönen jungen Frau, gesund und glücklich, leider könne man dies durchaus nicht von Norden senior behaupten, und er, Doktor Hortmann, erachte es für seine, wenngleich schmerzliche, Pflicht, dem Sohn mitzuteilen, daß sein Vater irgend ein schweres, bedenkliches Leiden ohne allen Zweifel mit sich herumtrage. " Ich könnte darauf schwören, daß ihm eine grenzenlose Sehnsucht nach Ihnen, den einzigen Menschen, den er wirklich lieben fann, ant Herzen frißt, und weil er sich schämt, ſeine Siebensachen einzupacken und Ihnen Knall und Fall nach Europa nachzureisen, einzig von dem für jederman durchsichtigen Motiv geleitet: Ich sehne mich nach meinem Sohn, darum halte ich es hier nicht länger aus!" ſo bleibt er aus dem Grunde in Japan sitzen und schwindet vor unseren Angen dahin wie ein Schatten! Ich aber sage Ihnen: So geht das nicht länger fort mit ihm! Und, um es furz zu machen, und in der Voraussetzung, daß Sie ein offenes Manneswort richtig auffassen werden: es ist die höchste, allerhöchste Zeit, einen entscheidenden Schritt zu tum. Mit Klimafieber und zehrender innerer Erregung, die die Nerven aufreibt, ist kein Scherz zu treiben. Wollen Sie sich Ihren Vater erhalten, so schreiben Sie ihm einen dringlichen Brief, Sie wünschten seine Gegenwart, Sie könnten geschäftlich ohne ihn nicht fertig werden, Sie selbst wären frank und wünschten ihn zu sehen, mit einem Wort, sorgen Sie, daß er baldmöglichst von Japan fort und zu Ihnen hinüber komme; nach meinem Dafürhalten ist dies das einzige Mittel, ihn zu erhalten! Ich drücke Ihnen freundschaftlich die Rechte und füsse die Hand Ihrer schönen Gemahlin! Gott befohlen! Immer der Ihrige Erwin Hortmann." 1904. ( Nachdruck verboten.) Und das kannst du fragen?" Er zog seine Hand zurück und sah sie mit großen Augen an. Meines Vaters Leben steht auf dem Spiel, du hörst es. Das eine steht felſenſeſt: mein Vater muß fort von Japan, so schnell als möglich, und hierher zu uns!" Sie hatte ja gewußt, daß das kommen mußte, aber das lähmende Entsetzen, das sie erfaßte, war so stark, daß sie bis in die Lippen hinein erblaßte. Hilda, was ist dir? Hast du nichts zu mir zu sagen?" Sie ließ stumm den Kopf sinken, da fragte er noch einmal: Hast du nichts zu mir zu sagen?" Hilda raffte ihre ganze Kraft zusammen. Ich bitte dich, erlaube mir, früher zu Bett zu gehen, erlaß mir das Abendessen heute, mir ist nicht wohl! Darf ich gehen?" " Darf? Habe ich dir zu befehlen, Hilda? Geh, wenn du willst! Ich möchte auch nicht zu Abend essen, ich werde in mein Zimmer gehen und Briefe schreiben! Nur eins noch: bist du ernstlich leidend? Soll ich nach dem Arzt schicken?" ,, Nein, ich danke dir! Es wird vorübergehen! Gute Nacht, Hellmut!" ,, Gute Nacht!" Sie machte eine Bewegung, sich zu ihm herabzubeugen und ihn zu küssen... unmerklich wich er von ihr zurück; dann hob er ihre Hand zu seinen Lippen empor, zu einem fonventionellen Handfuß, wie ihn ein fremder Herr aus Höflichkeit einer fremden Dame zu teil werden läßt. An der Schwelle wandte sie sich zöger. d um. Sie sah ihn mit gesenktem Haupt unbeweglich am Stamin sitzen, das sonnige Lächeln um die Lippen dahin, nicht mehr ihr herzgewinnender Hellmut, ein schwer verdüsterter, grübelnder, sorgenvoller Mann. Rund um sie beide her Pracht und Reichtum, aber, wer weiß, auf welche Weise gewonnen? Was hatte vielleicht den Grundstein zu allem Lurus, der sie heute umgab, gelegt? Zehntes Kapitel. Auf der Rhede von Yokohama hatte der englische Damfer Swallow" Anker geworfen. Wie in Sonnenschein gebadet lag das prachtvolle Rundbild des Hafens, der sanft aufsteigenden Stadt mit ihren weißen Häusern und frisch ergrünenden Gärten da. Schlanke, leichte Boote kreuzten un den Dampfer und nahmen seine Insassen auf, um sie ans Land zu bringen. Der grauhaarige, untersette Herr mit dem offenen, geist reichen Gesicht, der, von seinen Gepäckstücken umgeben, noch an Bord des Swallow stand, war William Hendrichs aus Hamburg. Erfreut und wohlgefällig ruhte sein Blick auf dem Hellmut faltete den Brief sorgfältig wieder in seine vier reichen landschaftlichen Panorama, das sich vor ihm entTeile zusammen. Er war so bleich, daß Hildas Herz sich vorte, aber dann trat ein kleines, besorgtes Fältchen über Angst zusammenzog. Sie griff furchtscm nach seiner Hand und legte ihre Wange dagegen. ,, Was willst du tun?" fragte sie endlich leise. er war hier wildfremd, er verseinen Augen hervor, stand kein Wort japanisch,-war denn niemand hier, dor ihm empfing und zurechtwies? Hellmut Norden hatte ja, Bett: Die Die Gro an Mir b Außer bie am 1. 2 fofort nam punkte für e Gehilfe not Bei de Lahn in Pf höften des S ift Bläschen Gieße das wußte er genau, seinem Vater die Ankunft des Ham burger Freundes rechtzeitig gemeldet. Gerade jetzt legte eine stattliche, große Barke beim Dambfer an. Ein Mann in japanischer Tracht saß beim Steuer, ein paar Engländer hatten die Ruder gehandhabt, und ein alter, gemütlich aussehender Herr in einer bequemen, aus japanischen und europäischen Moden zusammengestellten Kleidung fing an, die Landungstreppe des Dampfers zu ersteigen, mit einer Gewandtheit, die auf häufige Uebung schließen ließ. Während des Emporklimmens sah der Herr in die Höhe und gerade in die auf ihn gerichteten Augen des Beobachters an Bord. " Hallo!" rief er in behaglichem ostpreußischem Dialekt hinauf.„ Um Verzeihung, von Hamburg?" ,, Von Hamburg!" „ Herr William Hendrichs?" " So ist mein Name! Sie sind doch nicht etwa- nein - nicht Herr Norden senior?" „ Bewahre! Bloß der alte Koßmann, Ihnen vielleicht dem Namen nach bekannt?" ,, Sehr wohl bekannt sogar!" " Angenehm! Da wären wir!" Die Herren trafen zusammen und schüttelten einander die Hand.„ Ich soll Ihnen eine Entschuldigung und einen Gruß von meinem Chef ausrichten, Herr Hendrichs, Sie müssen schon gütigst als Empfangsfeierlichkeit mit mir vorlieb nehmen, denn der Prinzipal ist leidend, wie er Ihnen sagen läßt; bedenklich krant ist er, wie ich hinzufüge, und dieser Mai, obschon erst ganz im Anfang, macht einem in Japan schon höllisch warm, das fann sich ein franker Mensch nicht mehr gut bieten. Früher, du liebe Zeit, was hätte da dem Senior ein japanischer Mai getan! Im Juni und Juli konnte er bei der sengendsten Hize heraus, jezt ist das eben alles anders geworden! Jedenfalls, da bin ich, Sie im Namen des Hauses Norden herzlich willkommen zu heißen, Herr Hendrichs, und Sie als geehrten Gast bei uns einzuführen." Der Kaufherr machte eine überraschte Geberde. ,, Gast? Ich beabsichtige im Zentralhotel" ,, Nichts da, verehrter Herr! Das läßt sich der Chef um feinen Preis nehmen! Und es wäre auch wunderlich! Seit unser Junior von uns fort ist,"- die Lippen des alten Mannes zitterten ein wenig- ,, da haben wir ja Plazz in unserem Hause die Hülle und Fülle, ganze Familien könnten bei uns unterkommen. Nein, nein, das dürfen Sie meinem Prinzipal nicht antun! Soweit er sich überhaupt noch freuen fann, hat er sich auf diesen Ihren Besuch gefreut! Fill, James! Come along! The luggage of Mr. Hendrichs!" In die für ihn hergerichteten Zimmer geführt, Hellmuts ehemalige Wohnung sah sich Hendrichs wohlgefällig darin um. Alles war so reich und behaglich, den Verhältnissen angepaßt, nichts Ueberladenes, kein prahlerischer Lurus, und wie vieles erinnerte ihn an seine Hamburger Einrichtung, die Hellmut mit Glück aus dem Gedächtnis kopiert hatte! Ein Bad, eine leichter Imbiß und eine Stunde der Ruhe auf einer der breiten, niedrigen Diwans, und der Kausherr war bereit, seinem Gastgeber den ersten Besuch abzustatten. Ein englischer Diener erschien auf sein Klingeln und führte ihn über den breiten, luftigen Korridor in seines Herrn Arbeitszimmer, das vor nun fast einem Jahr Zeuge der erschütternden Erkennungsszene zwischen Hilda und dem Vater ihres Gatten gewesen war. Das Gemach trug jetzt übrigens seinen Namen nur noch der alten Gewohnheit zu liebe, denn gearbeitet wurde längst nicht mehr darin. Tatsächlich war Walter Ermshagen Inhaber und selbständiger Vertreter des Geschäftes- Norden and Sohn" liehen nur noch ihren Namen dazu her. Durch die herabgezogenen Stores herrschte eine halb Dämmerung im Zimmer, aber alsbald erhob sich beim Ein treten des Gastes etwas mühevoll eine hohe Männergestalt aus einem der tiefen Sessel neben dem Kamin und kam dem Eintretenden mit ausgestreckter Hand entgegen. „ Wir zwei sind einander keine Fremden mehr, Herr Hendrichs, und wenn ich Sie von Herzen in meinem Hause willkommen heiße und Sie bitte, es ganz als das Ihrige zu betrachten, so ist das keine Redensart, und jedes meiner Worte hat buchstäblich die Meinung, welche es vertritt!" Das Klang für Norden senior auffallend warm und freundlich, in der Tat war aber auch Hendrichs' ganze Persönlichkeit eine so einnehmende, in dem guten und klugen Blick seiner Augen lag so viel Vertrauenerweckendes, daß, Hellmuts Freundschaft und enthusiastische Vorliebe für diesen Mann dazu genommen, selbst Fritz Nordens gewöhnliche Reserve nicht davor standzuhallen vermochte. Aber Hendrichs hatte alle Mühe, seine Erschütterung beim Anblick dessen zu verbergen, der ihm so oft von anderen, zunächst von dem eigenen Sohn, geschildert worden war und dem er doch jetzt zum erstenmal in seinem Leben Aug' in Auge gegenüberstand. Wie? War das der von Hellmut gerühmte stattliche, stahlkräftige Vater? Diese hohe, gebeugte Gestalt, das gänzlich erblichene Haupt- und Barthaar, die hohlen, tiefliegenden Augen, die Stimme, die wie gebrochen klang, die Hand, die fieberheiß und brennend in der des Gastes lag, all dies gab demselben die Ueberzeugung, daß er in der Tat einen schwerkranken Mann vor sich habe, für den es die höchste Zeit war, eine durchgreifende Veränderung herbeizuführen. " Solcher Empfang im fremden Lande tut wohl!" erwiderte Hendrichs mit seiner vollen, sonoren Stimme. Doppelt wohl, wenn er von jemand ausgeht, der uns durch die Erzählung lieber, befreundeter Menschen gewissermaßen näher gebracht und vertraut ist. Es wird Ihnen nichts Neues und nichts Wunderbares sein, Herr Norden, aber ich muß es Ihnen doch sagen: ich habe Ihren Hellmut sehr lieb,- nächst meiner Familie am liebsten von allen Menschen auf der Welt!" ( Fortsetzung folgt.) Das Amulet. Erzählung von B. Rittweger. ( Nachdruck verboten.) Die Schulmeisterin von Eichfeld hatte in der ganzen Woche nur zwei ruhige Stunden, die eine am Sonntagmorgen in der Kirche, wo sie während der Predigt mitunter einnickte und, wach werdend, krampfhaft an ihrem Blumensträußchen roch, um sich völlig zu ermuntern, die andere am Sonntagnachmittag im Pfarrhaus. Da saß sie in Ruh und Frieden, ungestört von ihren acht Kindern, in der netten Stube der freundlichen Pfarrerin oder im Sommer im wohlgepflegten Garten und schüttete der teilnehmenden Frau ihr Herz aus. Das Herz einer Mutter von acht Kindern, einer tätigen Hausfrau, ist immer voll, und die Schulmeisterin hatte sonst niemand, bei dem sie sich hätte aussprechen können. Ihr Mann? Du lieber Gott! Der war ja so entsetzlich unpraktisch, mit dem konnte sie weder beraten, ob das neue Kälbchen angebunden") oder lieber verkauft werden solle, ob man gut tue, noch Flachs zu bauen, oder ob man Paar Höschen für Gottfried und Hermännle gäbe nichts ihn besser kaufe, noch ob der Mantel der Franzi wohl zwei derartiges fonnte sie mit ihm besprechen. Und mit der Franzi, der ältesten, schon siebzehnjährigen Tochter, war eben auch nichts anzufangen. Das Mädchen war im Gegenteil jetzt der schwerste von all den Sorgensteinen, die der geplagten Gattin und Mutter das Herz bedrückten. Und wes das Herz voll ist, des geht der Mund über! So ging's auch an diesem Sonntagnachmittag der Schulmeisterin. Nach dem die erste Tasse Kaffee bei der Frau Pastorin getrunken war, nachdem die Lehrerin pflichtschuldigst die herzbewegliche" Predigt des Herrn Pfarrers vom heutigen Vormittag nach Kräften gerühmt hatte das bißchen Kirchenschlaf hatte das Verständnis offenbar nicht gestört- fam die Nede auf diesen Sorgenstein. „ Ach, Sie glauben gar nicht, Frau Pfarrer, was ich für ein Uebel hab' mit der Franzi! Das Mädel ist nun schon siebzehn Jahr, aber eine ordentliche Hilfe hab' ich nicht an ihr, troßdem sie in manchen Dingen recht geschickt ist. Zu allem, was Puz und zierliches Wesen betrifft, ist sie gar anstellig. Aber einen tüchtigen Strumpf zu stricken, dazu krieg' ich sie nicht. Und wie man ein Schwein aufzieht keine Ahnung hat sie davon, und kein bißchen Sinn dafür. Und so ist's mit allem, mit allem, sag' ich Ihnen! Da ist die Liese ganz anders, die ist erst fünfzehn, aber die wird! Die fennt sich jetzt schon aus in Hof und Stall, und sie geht mir zur Hand bei aller Arbeit, während die Franzi mit ihrem Vater um die Wette Gedichte liest und Klavier klimpert. Was soll nun aus dem Mädchen werden? Ich bin ratlos. Sie ist zu fein ge1) Anbinden= aufziehen. ardanseren Haushalt, und ihr Vater bestärkt sie noch inty aparten Wesen. Was soll ich nun anfangen? Banken den ganzen Tag, das tut's auch nicht." Meine liebe Frau Kugler, ich habe schon oft darüber nachgedacht. Die Franzi ist im Grunde gut geartet und fleißig, ich hab's ja beobachtet, wenn sie bei mir saß und nähte und stickte. Aber es ist ihr einmal nicht gegeben, Freude an der Dekonomie und an groben Arbeiten zu finden. Jeder Mensch hat seine besonderen Anlagen. Der Franzi ihre sind fürs Feinere. Wissen Sie was? Tun Sie das Mädchen' mal eine Zeit lang aus dem Haus, an einen Play, wo sie ihre natürlichen Anlagen verwerten, wo sie sich weiter ausbilden und noch lernen kann, in die Stadt, meine ich. Sehen Sie, der Gedanke liegt so nah. Die Liese ist nun auch heran und wird Ihnen eine tüchtige Hilfe, und es wäre gut, wenn Platz im Haus würde." „ Das weiß der Himmel, die Kinder wachsen, aber das Häuschen wächst nicht mit. Die Franzi könnt' schon ab kommen, aber das ist leichter gesagt, als getan. Man will doch sein Kind nur in gute Händ' geben. Die Franzi mit ihrem hübschen Gesicht ich darf's wohl sagen und mit ihrem lebhaften Sinn, die muß unter ordentliche Aufsicht, und wer ist einem gut dafür bei fremden Leuten?" mit ihnen im Park und in den Anlagen spazieren zu gehen, die Zimmer abzustäuben und dergleichen, das kam ihr wie ein Spiel vor gegen die Arbeiten, die zu Hause von ihr gefordert worden waren. Ihr schönheitsdurstiger Sinn fand reiches Genügen in der Stellung, die sie nun hatte, und wenn sie des Abends in dem Kinderzimmer sizzen und zum Strickzeug ein hübsches Buch lesen durfte, dann war sie in ihrem Innersten vergnügt. Die volle Heiterfeit ihres Wesens kam zum Durchbruch in der ihr zusagenden Umgebung und Tätigkeit. Ihre Briefe nach Hause lauteten immer fröhlich, und die Eltern dankten der Pfarrerin jedesmals auf's neue, daß sie so gut für Franzi gesorgt hatte. Der Hauptmann und seine Gattin waren ebenfalls der Tante Pfarrerin sehr dankbar für die Franzi noch nie waren die Kinder so gut aufgehoben gewesen, so hübsch unterhalten worden, als in dieser Zeit, und durch doppelte Freundlichkeit suchten sie dem Mädchen ihre Anerkennung zu beweisen. Teray szelletuse een Rat, rau Kug frühstückte. Eben stand sie auf der Fensterleiter, und ihre Nichte, die Frau Hauptmann Holleben in der Residenz, fragte mich fürzlich, ob ich ihr nicht ein junges bescheidenes Landmädchen aus besserer Familie empfehlen könne, zur Hilfe im Haus und bei den Kindern, besondere Ausbildung sei nicht nötig, nur guter Wille und gute Manieren. Nun, die hat die Franzi." Wenn sie will, ja," seufzte die Mutter,„ das könnt wohl für sie passen, in ein so feines Haus zu kommen, in schöne Umgebung ja, das wäre ein Plan, aber ob sie halt genug fann für so einen Platz?" " Das glaub ich doch, Franzi hat so viel natürliches Geschick, sie hat immer gut verstanden, die kleinen Geschwister zu unterhalten, mit ihnen zu spielen und das genügt schon in der Hauptsache. Und glauben Sie mir, eine ihr zusagende Tätigkeit wird das beste Gegengewicht sein für ihren Hang zu ungesunder Schwärmerei. Sprechen Sie mit Ihrem Mann, Frau Kugler, und sagen Sie mir Bescheid, dann schreibe ich gern an meine Nichte und vermittele die Sache." Sie sind so gut, Frau Pfarrer, ja, ich will mit meinem Mann reden, so kann's nicht fortgehen mit der Franzi, sie taugt nicht in unseren Haushalt, sie verküm mert mir hier, und ich ärgere mich jeden Tag über sie, so lieb ich auch meine Welteste hab'. Ihr Vater wird freilich schwer drangehen, er ist so stolz auf das Mädel, sie hätt' nen so hellen Kopf, meint er. Nun, den kann sie brauchen in der Stadt. Und nun leben Sie wohl, Frau Pfarrerach, wenn ich Sie nicht hätt'! Mir ist's allemal leichter, wenn ich von Ihnen geh', und ich hab' mehr Mut zu meinem Geschäfte. Und mit der Franzi, das wär' halt gar zu schön, wenn sich das so fügen wollt', daß sie zu Ihrer Frau Nichte kommen könnt', hier tut's nicht mehr gut." Seit einem Jahr schon war Franzi Kugler in der Residenz im Haus des Hauptmanns Holleben. Die kluge Pfarrerin hatte richtig prophezeit, daß das ein passender Platz für das junge Mädchen sein würde. Hier war die lebhafte, phantasievolle Lehrerstochter in ihrem Element. Der Hauptmann und seine Gattin waren gut und freundlich gegen sie, die beiden bildhübschen, kleinen Mädchen, mit denen sie das Schlafzimmer teilte, hingen wie Kletten an ihr, und mit den Dienstboten stand sie sich ebenfalls gut, da sie gerne eine oder die andere Arbeit für sie übernahm. Sie lebte auf in der hübschen Umgebung, die ihr ganz neue Seiten des Daseins erschloß. Hollebens bewohnten eine reizende Villa in der Vorstadt, nicht zu weit von der Kaserne, und sie lebten sehr gesellig. Wenn auch Franzi nichts von dieser Geselligkeit hatte als die Arbeit, 10 bereitete es ihr doch unendlich viel Freude, der gnä bigen Frau bei Herrichtung eines eleganten Teetisches oder einer glänzenden Festtafel zur Hand zu gehen. Niemand verstand die Schalen mit Früchten, die Vasen mit Blumen so anmutig zu ordnen, als Franzi, das stand fest. Und was ihr sonst für Pflichten oblagen, die feine Garderobe der kleinen Mädchen in Ordnung zu halten, Heute ging es drunter und drüber bei Hauptmanns. Es sollte am Abend ein Souper stattfinden, die Köchin und das Hausmädchen hatten alle Hände voll zu tun mit Vorbereitungen, und Franzi hatte sich erboten, das Zimmer des Herrn selbst zu besorgen, während die Familie fleinen Hände gebrauchten das Puzleder mit größtem Eifer. Sie bemerkte gar nicht den Eintritt des Feldwebels, der zum Rapport fam. Erst, als er sich räusperte, fuhr sie herum und wäre beinahe vor Schrecken über das fremde Gesicht von der Leiter gefallen. Der neue Feldwebel, ohne Zweifel! Sie hatte gehört, daß der seitherige in Zivilstellung übergegangen. Der hatte so griesgrämig und finster aufgeschaut, dieser neue konnte einem schon eher gefallen, so flog's ihr durch das Köpfchen, und sie wurde ganz rot unter den bewundernden Blicken des Vertreters der bewaffneten Macht. Und der Vertreter der bewaffneten Macht wurde auch rot, als er zu dem hübschen Mädchen auf der Leiter aufschaute. Die Franzi bot in ihrer Befangenheit aber auch wirklich ein ganz keizendes Bild! Die krausen dunklen Löckchen spielten wirr um das rosige Antlitz, die Augen glänzten gleich zwei Edelsteinen daraus hervor, und das feine Näschen zitterte ordentlich. Sie zupfte an ihrem geschürzten Kleid, als geniere es sie, daß der Herr Feldwebel die zierlichen Füße zu sehen bekam. Zögernd stieg sie von der Leiter herunter, der Feldwebel sprang zu mit den Worten:„ Vorsicht, Fräuleinchen, Sie könnten fallen." Dann fragte er: " Wo treff' ich den Herrn Hauptmann?" „ Er frühstückt eben, soll ich ihn rufen?" Bewahre, Fräuleinchen, das gibt's nicht. Ich hab' auch gar keine solche Eile. Lassen Sie sich nicht stören, oder unterhalten Sie mich so lange ein bißchen." Franzi lächelte und machte sich einstweilen ans Abſtäuben. Der Feldwebel gefiel ihr immer besser, er hatte solch ein treuherziges Gesicht und so gute blaue Augen, und er sah sie so entzückt an in aller Bescheidenheit. The zehn Minuten vergangen, wußte Franzi, daß der Feldwebel Anton Moor heiße, daß er schon lange im Dienst und bald zivilversorgungsberechtigt sei, und der Anton Moor hinwieder kannte die einfache Lebensgeschichte des hübschen Mädchens von Anbeginn bis auf den heutigen Tag. Und nach weiteren fünf Minuten hatte der Anton die Franzi gefragt, ob sie vielleicht, vorausgesetzt, daß der Herr Hauptmann und die gnädige Frau nichts dagegen hätten, einmal mit ihm in das Theater gehen möchte, und die Franzi hatte freudig zugesagt. Einem Menschen mit so guten blauen Augen konnte sie doch unmöglich eine solche Bitte abschlagen! Und ins Theater! Dahin war sie bis jetzt noch nicht gekommen, o, wenn es doch die Herrschaft erlauben möchte! Nun, die Sache nahm ihren Gang. Franzi wußte es mit der allen weiblichen Wesen eigenen Schlauheit einzurichten, daß sie sehr häufig des Herrn Zimmer säuberte, und zwar stets zu einer Zeit, wo die Mutter der Kompagnie" zum Rapport antrat. Und der Anton Moor strahlte jedesmal, wenn er die Franzi erblickte, mit dem ganzen Gesicht, und das Leben erschien den beiden verliebten Leutchen so schön, wie nie zuvor. Natürlich blieb das nicht verborgen. Der Hauptmann und seine Frau bemerkten bald, wie die Sache stand, aber sie ließen den Dingen ihren Lauf. ( Fortsetzung folgt.) Betr.: An ein Der fogenannte Gemartung Laftfuhrwer Bumit trafgefeges Gießen Wo in ernt: jekar jatail nund, od Waterbera jabe und Der Kombo Fisenbahn, einem Ge jede. beffer berit ju machen Expedition Ablösungs Gobabis Beutwein 5.M.S. Der Sch nach Gob Grenze Aus ist mit nicht f wurde. lich erh überhau