Nr. 109. Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertelfährlich Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberheffifche Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Berttagen nachmittags. Dienstag, den 10. Mai 1904. Gießener 13. Jahrgang. Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz Oberheffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 Pfg. Reklamen bie Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 83. Fernsprechanschluß Nr. 362. Nenelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Beifung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Koloniale Sorgen. Eine neue, s ch were Gefahr droht uns in Südwestafrika: Oberst Leutwein ist, so wird in Beſtätigung der Mitteilungen unseres Berliner CB- Mitarbeiters jetzt auch von einer dem Gouverneur nahestehenden Seite gemeldet, fest entschlossen, unmittelbar nach der Uebergabe der Geschäfte an General v. Trotha seine gesamte Tätigkeit in der Kolonie einzustellen und sich unverzüglich nach Deutschland zu begeben. Damit ist die nicht hoch genug einzuschätzende Gefahr eines Abfalls der Witboois und der anderen treugebliebenen Negerstämme, vor allem aber auch eine neue Empörung der kaum noch zur Ruhe gebrachten Bondelzwarts gegeben! Der Abfall der trengebliebenen Negerstämme wäre von doppelter Tragweite. Einmal sind diese Stämme, die jetzt mit uns gegen die Herero fechten, von dem Gouvernement ausgezeichnet bewaffnet worden, würden also einen gefährlichen Gegner abgeben. Zum andern verlöre unser Expeditionskorps in ihnen das Treiber- und Wächterpersonal, das durch seine Landeskenntnis uns unentbehrlich ist. Man denke, welche Aussichten ein Zusammengehen der Witboois, Bondelzwarts usw. mit den Herero und den dann zweifelsohne auch sich empörenden Ovambo für uns eröffnet! Unter diesen Umständen wird, wenn Leutwein sich nicht selbst noch eines andern besinnt, nichts übrig bleiben, als daß der Kaiser dem Gouverneur den gemessenen Befehl erteilt, seines Amtes in der Kolonie weiter zu walten. Geht Leutwein, so haben wir einen Kolonialfrieg, gegen den alle bisherigen Ereignisse in der Kolonie ein Kinderspiel waren. Ein Unglück kommt selten allein. Das alte Sprichwort bewahrheitet sich auch wieder in unserer Kolonialpolitik: Neben dem Aufstand der Herero, der uns so viele und so große Opfer an Blut und Gut gekostet hat, ist ein kaum minder gefährlicher Aufstand in Kamerun ausgebrochen. Es hat sich herausgestellt, daß die schon mehrfach erwähnte Rebellion der Croßneger weitaus größer und bedrohlicher ist, als man bisher annahm. Berichte aus dem Schutzgebiet, die jetzt eingetroffen sind, stellen das leider außer allem Zweifel. Der Aufstand begann im Croßgebiet. Die troß der Warnungen der besten Kenner des Landes unternommene unborsichtige Expedition des Grafen Püd I er gegen die Croßleute war das Signal zu einer Erhebung der Stämme nördlich vom Croßfluß, mit denen die dortigen Kaufleute übrigens im besten Einvernehmen standen. Graf Pücklers Expedition wurde mit ihrem Führer völlig vernichtet. Nach diesem Erfolg bemächtigten sich die Eingeborenen der Faktoreien, zerstörten sie und ermordeten die Faktoristen. Der Aufstand griff dann um sich und dehnte sich auf die Nachbargebiete aus, die man seit Jahren für ganz friedlich gehalten hatte. Auch über die englische Grenze griff der Aufstand, und die Engländer sollen in ihren Kämpfen mit den Aufständischen recht empfindliche Verluste an Offizieren und Soldaten gehabt haben. Bei diesem großen Umfange des Aufstandes sind die Maßnahmen, die von deutscher Seite zu seiner Bekämpfung getroffen wurden, ganz unzulänglich. Zur Niederwerfung des Aufstandes im deutschen Croßgebiet wurde zuerst Oberleutnant Nitschmann entsandt. Dann marschierte Hauptmann Langheld nach Banyang, und in das eigentliche Aufstandsgebiet bei Nssanakang begab sich der Kommandeur der Schutztruppe selbst, Oberstleutnant Müller. Was hat dieses militärische Aufgebot der Schußtruppe gegen die Aufständischen 15-20 000 Srieger bisher ausgerichtet? Niemand weiß darüber etwas. Und der Grund ist klar: Die Handvoll Schußtruppler haben eben gegen einen so starken Feind vor der Hand gar nichts ausrichten und vor allem auch fast gar nichts unternehmen können. Nun wird zwar beschwichtigend versichert, eine größere Aktion der Schußtruppe in Kamerun sei überhaupt nicht nötig, der Aufstand sei schon erloschen. Das ist nach zuverlässigen Mitteilungen leider ein Irrtum: Das Croßgebiet ist nach wie vor in hellem Aufruhr, und die Schwarzen denken gar nicht daran, die Waffen zu strecken. Es dürften noch Monate bergehen, ehe dieses Ziel erreicht wird. Und es wird, davon find Kenner des Landes fest überzeugt, nur erreicht werden können, wenn die Kameruner Schußtruppe ähnlich verstärkt wird wie die südwestafrikanische. Einstweilen zumal angesichts der Kosten für die südwestafrikanische Expedition dürfte die Regierung wenig Lust verspüren, der Volksvertretung mit Anträgen wegen Truppennachschüben für Kamerun zu kommen. Indessen dürfte die Notwendigkeit sie dazu zwingen. So ist denn mit Sicherheit darauf zu rechnen, daß spätestens n a ch der Bewilligung des dritten Nachtragsetats für Südwest eine Vorlage wegen Entsendung eines Hilfskorps für Kamerun dem Reichstage zugehen wird. Auch steht zu erwarten, daß bei dieser Gelegenheit vom Reichstage Mittel zur Entschädigung der durch den Croßnegeraufstand um ihr Bermögen gekommenen Deutschen gefordert werden. Hoffentfich aelinat es. mit Silfe der Verstärkungen des Aufstandes in kurzer Frist Herr zu werden und den Croẞleuten einen Dentzettel zu erteilen, der ihnen und allen anderen Kamerunstämmen eine Warnung vor neuer Rebellion ist. Der Krieg in Oftafien. Die starke Stellung, welche die Russen nach Aufgeben der Jaluposition bei Fönghwanghtscheng eingenommen hatten, ist ohne eigentlichen Kampf in die Hand der Japaner gefallen. Damit steht diesen der Weg in das Tal des Liaoho, in dem die mandschurische Bahn von der Küste des Golfs von Liautung, von Niutschwang, über Liautschang nach Mukden läuft, und gegen den Kern der Halbinsel Liautung offen. Die russische Heeresleitung scheint immer mehr davon überzeugt zu sein, daß sie den andringenden Japanern erst auf ihrer Hauptverteidigungsstellung zwischen Liautschang und Mukden wirksamen Widerstand entgenensetzen kann und daß es unnüße Opfer bringen hieße, wollte sie ihre vorgeschobenen Korps in einen ernstlichen Kampf verwickeln lassen. Aus diesem Grunde erklärt es sich, daß das starke Fönghwaughtscheng ohne Schwertstreich aufgegeben wurde. Zwar fanden Zusammenstöße zwischen den beiderseitigen vorgeschobenen Kavalleriemassen bei Eritaitsu, Santaitsu und anderen Orten statt. Um die eigentliche Position aber kam es zu feinem Kampf, da die Russen abzogen. General Kuropatkin berichtet darüber vom 7. Mai: Wie General Sassulitsch unterm 7. Mai meldet, besetzten die Kavallerie und die Vorhut des Gegners am 6. Mai Fönghwanghtscheng. Zwei Schwadronen und zwei Kompagnien der Japaner rückten nach Daliandiapusa vor. Die russischen Kavallerieabteilungen zogen sich auf Seliudjan zurück. Streifwachen von Fönghwanghtscheng melden, daß zwei japanische Divisionen am 6. Mai sich auf dem großen Wege von Pjamin Fönghwanghtscheng näherten. Die dritte Division, welche durch das Tal des Aiho vorgerückt war, hatte bei Kijandiapusa Stellung genommen und Batterien zur Beschießung von Fönghwanghtscheng aufgefahren, in der Erwartung, dort russische Truppen zu finden. Die Japaner rückten langsam und äußerst vorfichtig nach Fönghwanghtscheng vor. Vor dem Verlassen Fönghwanghtschengs sprengten di Russen das Magazin in die Luft, ließen aber große Mengen Lazaretteinrichtungsgegenstände zurück, die von den Japanern in den Lazaretten verwendet werden. Die russischen Verluste in den Jalukämpfen sind nach den neuesten Feststellungen sehr hoch. Wie der japanische General Kuroki meldet, kommen fortwährend russische Flüchtlinge aus den Wäldern und Dörfern bei Fönghwanghtscheng und ergeben sich. Die Eingeborenen berichten, daß die Zahl der russischen Verwundeten, welche Fönghwanghtscheng in Tragbahren passierten, sich auf 800 belief. Der Gesamtverlust der Russen dürfte nach Kurofis Rechnung 3000 Mann übersteigen. Nach der offiziellen russischen Darstellung betragen die Gesamtverluste am 30. April und 1. Mai an Toten 6 Stabsoffiziere, 20 Oberoffiziere und 564 Mann, an Verwundeten 2 Stabsoffiziere, 36 Oberoffiziere, 1 Geistlicher, 1 Kapellmeister und 1081 Mann. Auf dem Schlachtfelde sind an Truppen geblieben, von denen es unbekannt ist, ob sie tot oder verwundet sind, 1 Stabsoffizier, 5 Oberoffiziere, 1 Arzt und 679 Mann. Der Gesamtverlust beträgt 70 Stabs- und Oberoffiziere und 2324 Mann. Blutige Siegesfeier in Tokio. Der Enthusiasmus der Japaner über die großen von ihren wackeren Truppen errungenen Erfolge ist natürlich groß und allgemein. Ueberall wurden Siegesfeiern veranstaltet, und besonders in der Hauptstadt Tokio herrschte großer Jubel, der aber durch furchtbare Vorkommnisse gedämpft werden sollte. Ein Telegramm vom 9. d. Mts. meldet: Gestern abend wurden zu Ehren der japanischen Siege in Tokio große Kundgebungen veranstaltet, wie sie niemals zubor in Japan gesehen wurden. Männer, Frauen und Kinder nahmen daran teil. Auch englische und amerikanische Fahnen wurden umhergetragen. Bei den Kundgebungen wurden 21 Personen getötet und etwa 40 verIckt. Die Getöteten sind meist Knaben, welche im Gedränge erdrückt wurden oder in das Wasser fielen. Die Vorgänge auf der Liautunghalbinsel. Die Abschließung Port Arthurs ist vollständig. Sechzehn Kriegsschiffe haben die Landung bei Kintschau überwacht. Ihr Feuer säuberte die dort schmale Landenge. 75 Verwundete sind nach Niutschwang gebracht worden. Am Donnerstag und Sonnabend haben die Japaner in Kintschau 10 000, in Jutschau ebenfalls 10 000 und in Pizewo 7000 Mann gelandet. Sie haben Wafangtien und Port Adams besetzt und die Eisenbahn meilenweit zerstört. Bei Kaitschau, wo man früher Transportschiffe gesehen hatte, wurde heftiges Feuer gehört. Die Russen räumen den westlichen Teil der Halbinsel Liautung und ziehen sich nach Haitscheng an der mandschurischen Bahn vor Liautschang, dem Hauptquartier Kuropatkins zurück. Nach einer weiteren Meldung des Reuterschen Bureaus aus Söul sind Drahtmeldungen aus Antung zufolge Truppen der zweiten japanischen Armee außer auf der Halbinsel Liautung auch bei Takuschan an der Küste der Mandschurei gelande.t Die Sperrung der Hafeneinfahrt von Port Arthur hat die Japaner beträchtliche Opfer gekostet. Der Gesamttonnengehalt der acht Sperrschiffe betrug 17 313 Tonnen. Die Schiffe waren 18 bis 25 Jahre alt. Die Gesamtzahl der Besatzung belief sich auf 159 Mann, von denen 36 unversehrt zurückgekehrt sind, während 18 Mann verwundet und 15 getötet wurden. 90 Mann werden vermißt. Des näheren wird dazu aus Tokio gemeldet: Zur Sperrung des Hafens von Port Arthur gingen die Kriegsschiffe „ Akaschi“ und„ Tschokai", ferner die zweite, dritte, vierte und fünfte Torpedojäger flottille sowie die neunte, zehnte und vierzehnte Torpedoboots flottille mit den Dampfschiffen am 2. Mai ab. Der bald aufspringende starke Wind war der Operation hinderlich, so daß der Kommandant Befehl gab, diese einzustellen. Jedoch erreichte der Befehl die Schiffe nicht mehr, so daß acht Dampfschiffe vorgingen und in den Hafen hineindampften, ohne sich durch die feindlichen Scheinwerfer oder das Feuer von den Forts zurückhalten zu lassen oder auf die feindlichen Minen Rücksichten zu nehmen. Fünf Dampfschiffe ereichten den Hafeneingang; besonders gelang es der Mikawa- Maru" und der Totomi- Maru", die russischen Sperrvorrichtungen zu durchbrechen und weiter ins Innere einzudringen. Torpedoboot 67 erhielt einen Schuß in seine Dampfröhre, und da es manövrierunfähig war, wurde es durch Torpedoboot 70 ins Schlepptau genommen. Bom Torpedoboot Aotofa“ wurde die Backbordmaschine beschädigt, doch ist das Schiff sonst unversehrt. Niutschwang von den Russen geräumt. Allem Anscheine nach beabsichtigen die Russen, Niutschwang zu räumen. Die Forts sind geschleift worden. Eine große Zahl Truppen ist bereits abmarschiert. Die russische Zivilbevölkerung verläßt Niutschwang. Die ansässigen Fremden sind in Schrecken versett. Man fürchtet hier, daß, wenn die Russen die Stadt verlassen und die Japaner nicht sofort eincücken, Räuber über den Fluß seßen und die Stadt plündern würden. Die Fremden sind zum Widerstande bereit. Der britische Konsul hat um die Entsendung eines Kanonenbootes gebeten. Die Politik. Die in Düsseldorf abgehaltene Hauptversammlung des Bundes der Landwirte für Rheinland und Westfalen nahm eine Resolution an, in der sie sich energisch gegen die Kanalborlage in ihrer jebigen Gestalt ausspricht und erklärt: Wenn die Kommission nicht diese schwerwiegenden Bedenken gegen die Vorlage beseitige, müsse der Bund auf die Ablehnung des Kanals bestehen. Oefterreich- Ungarn. Der ehemalige ungarische Ministerpräsident Baron Banffy will bekanntlich eine neue politische Partei in dem an Parlamentsfraktiönchen so reichen Ungarlande gründen. Ueber diese Partei der Zukunft hat sich Banffy dieser Tage In einer Wahlrede in Szegedin ausgesprochen. Sie soll u. a. die Einführung der ungarischen Kommandosprache unter Beobachtung einer Uebergangszeit und die Aufhebung des Zollbündnisses mit Desterreich fordern, das heißt: die Partei arbeitet auf den Untergang der Donaumonarchie hin! Balkan- Staaten. O In Serbien und über dessen Grenzen hinaus sind neuerdings Gerüchte laut geworden, eine Ministerkrisis stehe bevor. Ja, man wollte sogar von Abdankungsgelüften König Peters erfahren haben. Offenbar entstanden diese Gerüchte dadurch, daß die Unhaltbarkeit der gegenwärtigen Lage in Serbien den weitesten Kreisen zum Bewußtsein gekommen ist. Der König hat die Mächte mit der Komödie der Bestrafung der Königsmörder zum Narren gehabt, ein neuer diplomatischer Konflikt bereitet sich vor, und diese Unerquicklichkeiten können kein Ende nehmen, solange der König die Verschwörer nicht völlig kalt stellt. Das aber tann er nicht, wenn er nicht Thron und Leben riskieren will. So läge es denn nahe, daß Peter sich aus dem Dilemma zieht durch Abdankung zugunsten feines Sohnes. Indessen ist kaum anzunehmen, daß der perönlich ehrgeizige König sich dazu verstehen sollte. Aften. Die englisch- tibetanischen Scharmütel mehren sich: Nach einer Reutermeldung aus Kal otse in Tibet griff eine Abteilung der englischen Expedition am vergangenen Freitag 1500 Tibetaner unterhalb des Kharo- Passes an und schlug sie nach sechsstündigem Gefecht in die Flucht. Die Engländer verloren 25 Tote und Verwundete, darunter einen Rapitän, die Tibetaner hingegen an 2000. Ob man in Londoner Regierungsfreisen auch jetzt noch, nach diesem englischen Angriff auf die Tibetaner, den ausschließlich friedlichen Charakter" der britischen Tibeterpedition betonen wird? wortete, drehte fie ihm zornrot den Rücken. Das triumeingehende Betrachtung zierlicher Bergelegenheit, durch die Doktor Belling freilich fand nun phierende Aufbliken feiner schwarzen Augen sah sie nicht. und zierlicher hocheranügen halb herderben fein ungeschultes Auge zu bilden; ihr jedoch war dieses dabon; die erste gefällt mir merfwürdig, ich will doch sehen andere nicht wei eine Brachtvolle dunkelrote Orange und eine ob ich den Nachbar nicht fonst meine Stunft zu zielen." fann, man rühmt dod Tekung zu protestieren Fr marf abe Alma wurde rot und wagte nicht gegen die Vertragsber Kein drückender Gefühl ist, als zu wissen, Drum danke Gott, daß du ein Herz gefunden, Dak, wo du gehst, dich niemand wird vermissen, menn du ihm wirst entrissen. Das mri Stunde war eine ameite folo eine Stunde der entsetzlichsten, quälenden Leidenschaft! es, eine Stunde berzweifelter, bergeblicher Bitten, Eine Nacht brach an, in der ich das Licht nicht mehr sah; of angriffen herharr Hof und Gefellschaft. Das Kaiserpa ar wird morgen, 11. d. Mts., von Donaueschingen kommend, einen etwa dreitägigen Aufent halt in Straßburg i. Elsaß nehmen und mit Gefolge am Himmelfahrtstage dem Gottesdienste in der dortigen ebangelischen Garnisonkirche beiwohnen. Im Anschluß hieran gedenkt. der Kaiser eine Kirchenparade abzuhalten. In Donaueschingen wohnten am Sonntag der Kaiser und die Kaiserin um 11 Úhr dem Gottesdienste in der evangelischen Kirche bei. Nach 12 Uhr nahmen die Herrschaften von der Schloßterrasse die Huldigung der alten Fürstenberger Lande entgegen. Drei Mädchen überreichten der Kaiserin Blumen. Mehr als 8000 Personen in alten Landestrachten, 32 Militärvereine sowie Schulen und Vereine der Stadt beteiligten sich an der Huldigung. Bürgermeister Fischer hielt eine begeistert aufgenommene Ansprache. Der Fürst zu Fürstenberg dankte und brachte ein Hoch auf den Großherzog von Baden aus. Hierauf folgte ein Festzug durch die Stadt. Deutfcher Reichstag. ( 87. Sigung.) ermordet und die Leiche in dem Koffer verborgen habe. Wie Untersuchung wird eifrig fortgesetzt. In späteren Jahren heiratete die Buti den berühmten Mailänder Ziseleur Johann Grandi, der inzwischen gestorben ist. A Kampf mit Einbrechern. Auf der Meierei des Schlosses Terleenen bei Büdingen stahlen Diebe nachts Truthähne und Fasane. Der Besitzer G. Coenen wurde wach, eilte mit der Flinte in den Hof und gab Feuer. Die Einbrecher flohen, aber gaben die Schüsse zurück. Herr Coenen schoß von neuent, und traf zwei der Diebe tödlich am Kopf. Ein dritter entfam. A Ein Ehedrama beschäftigt die Behörden der böhmischen Stadt Leitmerit. In der Nähe der Stadt wurde die Leiche des Buchhalters Franz Navratil aus der Elbe gezogen. Die Leiche wies an der Stirn mehrere tiefe, klaffende Wunden auf. Navratil, der seit vier Jahren verheiratet war, hatte mit seiner Frau und einem Freunde am Ostermontag einen Ausflug gemacht und wurde seit dieser Zeit nicht mehr gesehen. Frau Navratil erzählte den Nachbarn, ihr Mann sei verreist. Bei der von den Gerichtsärzten vorgenommenen Obduktion der Leiche ergaben sich weitere Verdachtsmomente, welche auf eine Vergiftung hinweisen, weshalb der Mageninhalt chemisch untersucht werden wird. Frau Navratil, welche zu ihren Verwandten nach Königgräß reisen wollte, wurde verhaftet. Auch der„ Freund" Navratils befindet sich bereits in Untersuchungshaft, da der dringende Verdacht be. steht, daß zwischen Frau Navratil und dem Freunde" ihres Mannes ein Liebesverhältnis bestand und die beiden den Mann durch Gift beseitigten und die Leiche in die Elbe warfen, um den Schein eines Selbstmordes zu erwecken. Der Einsturz eines Steinkohlenbergwerks hat in Saint Francois, einer Vorstadt des französischen Ortes Saint Etienne, den Zusammenbruch eines vierstöckigen Hauses und den Tod zahlreicher Menschen zur Folge gehabt. Bis jetzt wuden zwölf Tote geborgen. Weitere Hauseinstürze werden befürc.et. CB Berlin, 9. Mai. Die dritte Beratung der„ lex Stengel" wurde durch eine furze Nede des Reichsschase fretärs eingeleitet, der die Zustimmung der Regierung zu den Beschlüssen der zweiten Lesung bekannt gab, aber hinzufügte, daß die Reform damit nicht ihren Abschluß gefunden habe. Es folgte eine unerhebliche Debatte, dann wurde das Gesetz in seinen einzelnen Teilen und im ganzen unverändert angenommen. Darnach ging es an das Hauptstück der Tagesordnung, die dritte Beratung des Etats, die mit einer fünsviertelstündigen, groß angelegten Rede des sozialdemokratischen Abgeordneten Bebel ihren Ansang nahm. Er kritisierte zunächst die auswärtige Po Iitik; in neueren Vorkommnissen, auch in den jüngsten Reden des Kaisers sieht er den Beweis für die fortschreitende Isolierung Deutschlands. Mit Bezug auf Südwestafrika rügte der Redner die Entsendung des Generalleutnants von Trotha, der Land und Leute nicht kenne. Zum Schluß bekämpfte der Redner den im preußischen Abgeordnetenhause eingebrachten Gesetzentwurf zur Erschwerung des Kontraktbruchs auf dem Lande. Bebels scharfe zum Ausdruck gebrachte Antipathie gegen Rußland veranlaßte den Reichsfanzler Grafen Bülow, erneut zu erklären, daß Deutschland im ostasiatischen Kriege strikte Neutralität beobachte. Der Kaiser habe gelegentlich des Untergangs der „ Petropawlowsk" von Syrakus aus nicht telegra phiert, Rußlands Trauer sei auch Deutschlands Trauer, sondern er habe nur dem Zaren gegenüber seine warme Teilnahme bei einem Unglücksfall zum Ausdruck gebracht, bei dem hunderte braver Matrosen den Tod gefunden hätten. Daß Deutschland isoliert sei, bestritt der Kanzler aufs neue; wäre es aber der Fall, dann müszten wir erst recht unser Schwert scharf halten. Zur Kritik der militärischen Operationen in Südwestafrika fand der Kanzler den Augenblick nicht geeignet, so lange die Beteiligten nicht gehört werden könnten. Kolonialdirektor St iibe I bestritt Bebel gegenüber, daß bei der Kriegführung gegen die Herero von deutscher Seite Ausschreitungen begangen würden. Die weitere Diskussion brachte nichts von erheblicher Bedeutung. Es wurden zum größten Teile Erörterungen aus der zweiten Lesung fortgesponnen. $ Ic δι e d A Preufsifcher Landtag. Haus der Abgeordneten. ( 71. Sizung.) RK Berlin, 9. Mai. Nur sehr fragwürdiges Interesse bot die heutige lange Debatte über die Vorlage betr. die Errichtung eines Ober. landesgerichts in Düsseldorf. Die Debatte endete damit, daß die Vorlage an eine 14gliedrige Kommission verwiesen wurde. Dann wurde noch eine Reihe umwesentlicher Gesetze- Stadt. freiserweiterungsvorlagen und dergleichen- erledigt, und bas Haus vertagt sich auf Dienstag. b. ni Ei ba S sti br bei De 8 rh ftc dei för we da ihr fri wer hef Un Gr Ab lich off Nab und Fern. Wankende Verge. Im Cadoretal in Südtirol ereignete sich ein furchtbarer Bergsturz. Sieten Hütten wurden weggerissen und drei Menschen getötet. Die Ortschaft Colasso mußte geräumt werden. Weitere Bergstürze stehen bevor. Hus dem Gerichtssaal. Schreiben, worin er den Bruder von der Schwester wohl unterschied, ablehnte. Die Sassulitsch gehören dem altrussischen Kleinadel an. [ Russische Kriegskarrikaturen] werden zurzeit in riesigen Mengen verbreitet. Ein Bild stellt z. B. einen riesigen Russen dar, der einen kleinen Japaner mit der Knute bearbeitet, während Amerika und China erschreckt zusehen. Unter dem Bilde steht„ Das Kriegslied der Donschen Kosaken", von denen einige Verse in wörtlicher Uebersetzung hier wiedergegeben seien: Es wird schwer für Euch sein, mit uns zu kämpfen; Kein Tag wird vergehen, an dem nicht ein Schiff versinkt. Ihr denkt, hr werdet Euren Spaß mit unseren Häfen haben; Ihr selbst werdet ohne Häfen sein.- Ihr schlichet verstohlen nach Port Arthur hin. Aber im Nu werdet Ihr tüchtig geschlagen..." Ein zweites Bild stellt, einen riesigen Russen dar, der in bester Laune eine Horde japanischer Zwerge heßt. Darunter stehen die Worte: Wo-" hin wollt Ihr, hr Gelbhäute? Welcher Häfen wollt Ihr Euch bemächtigen? Ihr denkt, Ihr werdet unsere Stellungen durch Strategie einnehmen, aber paßt auf, wenn Ihr einen Schlag von einem Muschik bekommt. Der Heide soll vom Yankee unterrichtet worden sein. Das sind alte Geschichten, mein Lieber. Du wirst Mütterchen Rußland nicht erschrecken. Die Russen sind keine Feiglinge. Sorge für dich selbst!" Der Tert klingt wie eine bittere Satire. § Der Rächer seiner Ehre. Das Pariser Schwurgericht verjandelte gegen den Advokaten Charles Ebelot in Toulouse, jer der Körperverlegung mit nachgefolgtem Tode angeklagt var, weil er am 16. November 1903 den Bijoutier Lautier mus Toulouse im Duell erstochen hatte. Sein Degen traf den Benannten mitten ins Herz. Der Gefallene hatte ein Verjältnis mit Ebelots Frau. Der Angeklagte wurde freigesprochen. Der Simplontunnel geht seiner Vollendung entgegen. Seit etwa einer Woche können die auf einer Tunnelseite abge euerten Sprengschüsse von den Arbeitern auf der anderer Seite vernommen werden, so daß der Durchbruch des Tun nels bald bevorsteht. § Probeweise Ehescheidung. Die Gattin des Olmützer iltesten Advokaten Dr. Franz Svozil brachte nach 35jähriger The gegen ihren Gatten die Ehescheidungsklage ein und verangte eine monatliche Apanage von 300 K. Bei der Verjandlung kam es zwischen den Parteien zu einem ganz unjewöhnlichen Ausgleich: Es wurde nämlich ein Provisorium on einem Jahre vereinbart. Frau Svozil wird ein Jahr on ihrem Gatten abgesondert leben. Der Gatte verpflichtete ich zur Zahlung von 300. monatlich für die Sustentation er Klägerin und 200 K. Kurkosten für eine Badereise. Nach Iblauf dieses Jahres steht Frau Svozil das Recht zu, entpeder zu ihrem Gatten zurückzukehren oder auf der Durchührung des Ehescheidungsprozesses zu bestehen. 零 * De Der Mehr heimrats lische Pfa tierten Diese Stel + wärter an riel Fend 218 Bilbingen * Der Briefe ift feftgefeßt. und Döl Meidigung b Midel. + B meifter, f geforb Dienften; fig penfion A C gent Ba Gefangs in der Feft zur Beit einzelnen und Butro Bürgerfo guten Ma ** 2 und Mor zu Gieße Preiss Chrenpre Lower, 3 6. Moses 9. Otto Wilh. Ne wurde be rielle Bei Stätten g der Gesun Verein ar Die gestrengen Herren stehen vor der Tür. Der 12., 13. und 14. Mai, die Tage der sogenannten Eisheiligen Ban. fratius, Servatius und Bonifatius, sind von jeher als Kälteund Frostbringer gefürchtet, die die zarten Pflänzchen in Garten und Feld mit ihrem eisigen Hauch ersterben lassen. Diesmal fällt der Regierungsantritt der drei Gestrengen mit Himmelfahrt zusammen. Hoffentlich hat deshalb Pankratius ein Einsehen und räumt der lieben Sonne das Feld, damit die Pfingstvorfreude, die diesen Tag von jeher verschönt, zu ihrem Recht kommen kann. Sind doch überhaupt die drei grimmigen Eisheiligen besser als ihr Ruf. Sie unterscheiden sich im großen und ganzen garnicht so sehr von den sonstigen Tagen der ersten Hälfte des„ Wonnemonats" Mai, der dieses Epitheton aus Dichtermund nur sehr unvollkommen verdient. Richle, von Regengüssen begleitete Witterung gehört zu den dauernden Erscheinungen im Anfang des Mai, so daß die drei Eisheiligen also mur feine Ausnahme von der allgemeinen Regel machen, sich aber gar nicht durch besondere Bosheit auszeichnen. Sie verdanken ihren schlechten Ruf auch wohl mehr dem Umstande, daß sie die äußerste Grenze bilden, bis zu der der Winter sich in unseren Gegenden noch verteidigen kann. Sind die Tage der Herrschaft der drei gestrengen Herren vorüber, so ist auch seine Macht endgültig gebrochen und die Maienwonne fann in lindem Hauch sich in aller Herzen ergießen. Hoffen wir, daß die gefürch teten Tage uns fein zu beftiges Rückzugsgefecht des flüchter: den Winters bringen, damit es nicht heißen muß: § Wegen fortgesetzter Mißhandlung, Beleidigung und vorschriftswidriger Behandlung von Soldaten hatten sich nicht weniger als sieben aktive bezw. inaftive Unteroffiziere vom Artillerieregiment Nr. 61 in Darmstadt vor dem dortigen Kriegsgericht zu verantworten. Die einzelnen Straftaten liegen zum Teil schon mehrere Jahre zurück. Zu der Verhandlung, die im Interesse der militärischen Disziplin unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfand, waren etwa 70 3eugen geladen, auf Grund deren Aussagen der Vertreter der Anflagebebörde gegen sämtliche Angeklagte teilweise recht empfindliche Freiheitsstrafen beantragte. Das Urteil des Kriegsgerichts lautete: Gegen den Unteroffizier Merczuweit sieben Monate Gefängnis und Degradation, gegen den früheren Unteroffizier Mattner fünf Monate Gefängnis und Degradation, den Unteroffizier Frey vier Monate Gefängnis, den früheren Vizewachtmeister Schaf sechs Wochen gelinden Arrest, Oberfahnenschmied Klaus sechs Wochen gelinden Arrest, den früheren Sergeanten Laubach sechs Wochen gelinden Arrest, und den Sergeanten Kapp sechs Wochen Mittelarrest. Die Angeklagten Merczuweit, Mattner und Frey wurden mit Rücksicht auf die Höhe der gegen sie erkannten Strafen sofort in Haft genommen. Auch bei der Urteilsbegründuna war die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Eine jugendliche Diebesbande wurde in Berlin dingfest gemacht. Ein Mitglied, Edmund Langhans, zählt 15 Jahre. drei, Wilhelm Nieschewski, Georg Liz und Otto Müller, 14 Jahre, das fünfte. Theodor Bartsch, 13 und der Räuber. hauptmann Hans Schneider elf Jahre. Die Jungen ver säumten schon ein halbes Jahr lang fast immer die Schule. Die Bande suchte mit Vorliebe Kellerläden auf, in denen nur eine Frau bediente. Sobald der Laden leer war, ging einer der kleinsten Diebe hinein, schlich sich wie eine Katze um den Tisch herum und ergriff die Kasse, um mit ihr zu verschwin den. Je nach der Bente, die sie machten, lebten die jungen Spitzbuben in Saus und Braus. Am liebsten machten sie Droschkenfahrten und Ausflüge, oder besuchten Animierfneipen, um dort alles zu verprassen. So waren sie trotz ihrer Jugend schon mit der verrufensten Gesellschaft bekannt. Eine verhängnisvolle Verwechselung ließ sich die Bam. berger Hebamme Herzer zu schulden komunen. Sie gab einer 25jährigen Frau, zu deren Entbindung sie herbeigezogen war, an Stelle des verlangten Rotweins versehentlich ein Glas Lysol zu trinken. Die Frau starb darauf nach einer Stunde unter gräßlichen Schmerzen. Ein graufiger Fund. Im Asyl für Erwerbsunfähige in Florenz befand sich seit längerer Zeit die jetzt 70jährige Julie Buti, welche den Pflegerinnen durch ihre häufigen Näusche viel zu schaffen gab. Jetzt erkrankte sie an Delirium tremens und wurde von dem Spital der Unheilbaren übernommen, wohin auch die Effeften der Buti transportiert werden sollte. Dabei sah eine Pflegerin dieselben durch und entdeckte in einem schwarzen Koffer eine ganz verdorrte weib liche Leiche. Aerzte, welche den grausigen Fund untersuchten, erklärten, daß diese Leiche wohl seit Jahnzehnten in dent Roffer gelegen sein mochte. Sofort begab sich eine Gerichtsfommission ins Spital, um die Buti einem Verhör zu unterziehen. Allein das alte Weib ist ganz verblödet und gibt feine vernünftige Antwort. Vor fünfzig Jahren war die Buti die erste Sängerin am großherzoglichen Hoftheater in Florenz und eine gefeierte Schönheit. Eine junge Mailände. rin machte der Buti gefährliche Konkurrenz; plötzlich verschwand die Mailänderin und niemand wußte, was aus ihr geworden sei. Man alaubt nun, daß die Buti ihre Rivalin Vermischtes. Leg' in den Ofen große Stücke Sohlen, Die letzten Stücke Brennholz bring' herbei, Und laß gleich neue von dem Händler holen, Wie einst im Mai! Hilf mir den Sessel an den Ofen rücken, Und wenn man's sieht, so ist es einerlei, Und laß uns wieder in den Regen blickerWie einst im Mai! [ Gine glückliche Familie.] In einer Menageric, die sich kürzlich in einer Stadt im Norden Englands aufhielt, befand sich unter den verschiedenen Käfigen mit den ausgestellten Tieren auch einer mit der merkwürdigen Aufschrift: ,, Die glückliche Familie". Diese Familie setzte sich aus einem Löwen, einem Tiger, einem Wolf und einem Lamm zusammen. Auf die Frage, wie lange es die Tiere denn wirk. Tich als glückliche Familie" bereits ausgehalten hätten, antwortete der Besizer: Ungefähr 10 Monate, nur das Lamm mußte von Zeit zu Zeit erneuert werden." Kunft und Wissenschaft. RG. Professor Franz v. Lenbach †. Der berühmte Münchener Porträtmaler Franz v. Lenbach ist in München verstorben. Lenbach galt in der Kunst des Porträts als der deutsche Rembrandt, dessen Technik er eifrig studiert hatte. Lenbachs Beisetzung findet diesen Sonntag statt. Von allen Seiten sind der Witwe des Verstorbenen warme Zeichen der Teilnahme zugegangen. Unter den ersten, die ihr kondolierten, befanden sich Kaiser Wilhelm und Prinzregent Luitpold von Bayern. Lenbach ist 68 Jahre alt geworden. [ Der Mann im Schrank.] Die junge Königin Wilhelmina von Holland besuchte jüngst die Volksküchen von Amsterdam. Die Ehrendame führte die Königin durch sämtliche Räume und zuletzt auch in die Küche. Die Königin kostete die Speisen, fand sie vorzüglich, und über das Gesicht der alten Köchin huschte ein Freudenschimmer. Und wo bewahren Sie Ihre Vorräte auf?" fragte schließlich die Königin. Sier, Majestät," versetzte die Ehrendame und öffnete die Tür eines breiten Küchenschrankes. In demselben Augenblic löste sich von den Lippen der drei Frauen ein lauter Schrei. In dem Schrank stand ein Mann! Natürlich beschuldigte man sofort die Köchin, daß sie trotz ihres vorgerückten Alters noch Liebeleien unterhielte; doch sie erklärte empört, den Betreffenden noch niemals gesehen zu haben. Indessen war der Schuldige nähergetreten, und nun stellte es sich heraus, daß man es mit dem Berichterstatter eines großen Amsterdamer Blattes zu tun hatte, der in den Schrank geschlichen war, um einen ganz genauen Bericht über den Besuch der Königin in der Volksküche liefern zu können. Die Königin hatte über den findigen Kopf herzlich gelacht und beim Verlassen der Volksküche dem gewissenhaften Zeitungsreporter herzlich die Hand gedrückt mit den Abschiedsworten: Bitte, mir von Ihrem Zeitungsbericht auch ein Eremplar zu schicken!" [ Der Bruder der Nihilistin.] Ein russischer Korrespondent lenkt die Aufmerksamkeit auf die bemerkenswerte Tat sache, daß General Sassulitsch, der Befehlshaber der russischen Truppen am Jalu, der Bruder von niemand anderem als Vera Sassulitsch ist, der berühmten russischen Nihilistin, die im Jahre 1878 den Attentatsversuch auf General Trepot, den Polizeichef von Moskau, machte. General Sassulitsch, damals ein junger Subalternoffizier, kam bei Zar Alexan der II. um die Erlaubnis ein, seinen Familiennamen änderr zu dürfen, eine Bitte, die ihm der Bar in einem huldvollen ON. Maurus Jokai t. Der berühmteste Dichter der Ungarn, Maurus Jokai, ist nach kurzem, aber schwerem Krankenlager in Budapest verstorben. Jokai hat ein Alter von 79 Jahren erreicht, er ist am 19. Februar 1825 in Komorn geboren. Schon im Jahre 1842 erschien sein erster Roman ,, Werktage", dem bald eine ganze Reihe weiterer folgte, unter denen in Deutschland besonders Der Goldmensch"," Ein ungarischer Nabob" und Schwarze Diamanten" sich großer Beliebtheit erfreuen. Jokais gesammelte Werke füllen etwa 300 Bände, deren Inhalt allerdings zum großen Teil oberflächliche Schnellarbeit bildet. Auch als Politiker ist Jokai hervorgetreten. 1848 wurde er mit dem Dichter Petöfi zusammen der Führer der revolutionären Jugend. Nach dem unglücklichen Ausgang des ungarischen Freiheitskrieges irrte er als Geächteter im Lande umher. Nach Wiederherstellung der ungarischen Verfassung gehörte er stets dem Abgeordnetenhause an, bis er 1893 zum lebenslänglichen Mitglied des Magnatenhauses ernannt wurde. Das Begräbnis Maurus Jokais wird auf Staatskosten veranstaltet. Alle Budapester Blätter sind gestern mit Trauerrand erschienen und geben dem Schmerz über das Hinscheiden des poeta laureatus Ausdruck. Sie feiern ihn als den typischen Vertreter des ungarischen Genius in der Weltliteratur. des Land Grundstei Krebsfran 25 0009 口 Frankfu Ibie Aus Sammlu Stellung b prachtige Schmetter K. S Didendau auf der S BG. Jenny Groß †. Infolge von Herzlähmung, die nach einer durch ein veraltetes Frauenleiden notwendig gewordenen Operation eintrat, verstarb in Berlin die bekannte Schauspielerin Jenny Groß. Sie war eine geborene Ungarin und hatte ihre künstlerische Laufbahn in Wien begonnen, wo sie in ersten Naiven- und Liebhaberrollen große Triumphe feierte. Von dort siedelte sie an das Berliner fgl. Schauspielhaus über und wirkte dann seit 1888 am Lessingtheater und in letter Zeit am Residenztheater. Ihre Glanzrolle war Madome Sans- Gêne, in der sie weit über vierhundert Mal in Berlin und in anderen deutschen Städten auftrat. Noch auf ihrem Krankenlager in der Klinik hat Jenny Groß ihre Schwester gebeten, falls sie sterben sollte, ihre Leiche nach Wien überführen zu lassen und sie dort in einer Gruft beisetzen zu lassen, die, außer für die Künstlerin selbst, nur noch für die Schwester Raum haben sollte. Dieser Wunsch wird selbstverständlich erfüllt werden. 2 Uhr ab welcher 7 wurde dur Denkmünze Höhe von Jubilare fi Baftian, Telegramm Die Arbei wirtet un A fonft fabr mit einer beftand da defelt gem abgefahren aljo teiner fortfepen m A G Larten Son lein Busfid at den Ver nerflettern Often, fol potatopf 2c) szum Aus logem Auge ge bird die Caftellen. D aboten, auf Bir fönnen nd hoffen,& Shannentopf& A Gri en Spazierga Ccs ift dies e Nie chwester wohl ren dem alt. eit in riesigen einen riesigen Anute bearjeben. Unter Kosaten", bon hier wieder , mit uns zu icht ein Schiff 3 mit unseren fein.- Thr Aber im Nu es Bild stellt e eine Horde Worte: WoLokales. 10. Mai 1904. * Der Großherzog hat am 30. April den von der Mehrheit der Erben des Fürstlich Fuldaischen Geheimrats von Buseck, genannt Münch, auf die evangelische Pfarrstelle zu Rödgen, Defanat Gießen, präsen tierten Pfarrer Georg Groth zu Wingershausen für diese Stelle bestätigt. + Ernannt wurde am 4. Mai d. I. der Hilfe, wärter an der Bellenftrafanstalt Bußbach Wilhelm Gabriel Fenchel zum Gefangenaufseher an dieser Anstalt. Als weiterer Landtags- Kandidat für den Kreis Büdingen wurde Geh. Oberbergrat Chelius aufgestellt. en wollt hr briefe ist, laut Mainzer Volksztg.", auf den 30. Mai re Stellungen nn Ihr einen eide foll vom te Geschichten, cht erschrecken. dich selbst!" ir. Der 12., heiligen Pan. er als Kälte Pflanzchen in sterben lassen. Bestrengen mit 16 Pankratius e das Feld, eher verschönt, haupt die drei Sie unterschei von den sonats" Mai, der unbollkomman Witterung ge ang des Mai, usnahme von t durch beson ren schlechten die äußerste ren Gegenden Serrschaft der Macht endindem Hauch die gefürch des flüchter B: n, Dei, olen, en, nagerie, die ds aufhielt, it den ausn Aufschrift: ch aus einem Lamm zu re denn wirk alten hätten, ate, nur das en." r berühmte in München räts als der udiert hatte. Von allen Zeichen der ihr fondoBregent Luit worden. * Der Termin in Sachen der Kretschmann, festgefeßt. Zu verantworten haben sich die Herren Adelung und Döller von der Mainzer Volksztg." wegen Beleidigung des Oberleutnants a. D. Balser und des Majors Mickel. Peter Mulch, der langjährige Gießener Pfandmeister, ist gestern Nachmittag im Alter von 61 Jahren gestorben. Er ftand seit 31 Jahren in städtischen Diensten; im vergangenen Jahre, am 1. Oftober, ließ er sich pensionieren. A Es wird uns folgendes geschrieben: Musikdirigent Bauer, welcher die Massenchöre des Nationalen Gesangswettstreites zu Gießen am Pfingstsamstag in der Festhalle leitet und jetzt die Proben vornimmt, übt zur Zeit mit Ruhe und einer gewissen Freundlichkeit den einzelnen Stimmen die Lieder ein, was den Sängern Mut Die und Zutrauen zu der schwierigen Aufgabe gibt. Bürgerschaft kann darum am Eröffnungsfommers also einen guten Männergesang unserer Gießener Sänger mit hören. ** Bei dem am vergangenen Samstag, Sonntag und Montag vom Wohltätigkeitsverein Contentia" zu Gießen auf der„ Schönen Aussicht" abgehaltenen Preisschießen erhielten folgende Herren Preise: Chrenpreis, H. Möllenberg; 1. Preis Karl Nickel, 2. Karl Löwer, 3. Ludw. Beck, 4. Ferd. Herget, 5. Anton Meg, 6. Moses Kuder, 7. Lud. Heun, 8. Briefträger Stort, 9. Otto Duill, 10. Karl Löwer, 11. Georg Lich, 12. Wilh. Nees und 13. Gefreiter Borrmann. ** Zum Kuraufenthalt in Bad Orb und Soden wurde vom Verein zu Bekämpfung der Schwindsucht materielle Beihilfe bewilligt. Sutes haben die Walderholungsstätten geleistet. Den stellenlos gewordenen Kranken nach der Gesundung wieder Stellen zu verschaffen, hat sich der Berein angelegen sein laffen. Am 400 jährigen Geburtstage des Landgrafen Philipp des Großmütigen hofft man den Grundstein zu einem Asyl für unheilbare Tuberkulose und Krebstrante legen zu können. Der Verein vereinnahmte ca. 25 000 t. und gab 20 000 Mt. für Unterstüßungen aus. Neues aus dem Zoologischen Garten in Frankfurt a. M. Vom Mittwoch bis Freitag findet die Ausstellung der großen Schmetterlingssammlung im kleinen Saal statt. Seit der letzten Ausstellung hat sich die Sammlung über 1000 zum Teil sehr prächtige Exemplare vermehrt. Die Zahl der ausgestellten Schmetterlinge beträgt über 28000 Mt. der Ungarn, Krantenlager on 79 Jahren horn geboren. Werktage", nter denen in in ungarischer Ber Beliebtheit pa 300 Bände, oberflächliche Sotai herbor tofi zusammen dem unglüc Sirrte er als erstellung der bgeordnetenMitglied des onis Maurus Budapester d geben dem eatus Ausr des ungang, die nach pig geworde annte SchauIngarin und en, wo fie in mphe feierte. hauspielhaus eater und in We war Mabert Mal in Botanikern schon viel Tinte gekostet hat, aber doch wohl eine ganz naturgemäße ist. ak ** Lich. Das fürstliche Haus ist plöglich, wie schon berichtet, in Trauer versetzt worden durch den Tod der Gräfin kollaldo. Außerdem ist die Mutter des Fürsten lebensgefährlich erkrankt. Die für heute Dienstag festgesezte Hochzeit der Prinzessin Karoline, einer Schwester des Fürsten ist deshalb verschoben worden. Man hatte bereits begonnen, vom Schloß nach der Kirche Tannenbäume zu setzen, als die Nachricht vom Ableben der Gräfin Kollaldo eintraf. Voraussichtlich findet die Hochzeit am 26. Mai statt. K. Lollar, 8. Mai. Anläßlich der Verleihung von Dibensauszeichnungen an mehrere Arbeiter, die 40 Jahre auf der Mainw serhütte in Arbeit stehen, fand gestern von 2 Uhr ab eine größere Feier auf dem Hüttenwerk statt, an welcher 7 bis 800 Arbeiter teilnahmen. Den Jubilaren wurde durch den Provinzialdirektor Dr. Breidert die Gedenkmünze für treue Arbeit überreicht und ein Geschenk in Höhe von 100 Mark von dem Hüttenwert übergeben. Die Jubilare sind die Arbeiter Kaiser, Frant, Schmidt, Uhlmann, Bastian, Vogel und Schwalb. Dem Großherzog wurde ein Telegramm übersandt. Die Mainweserhütte trug Festschmuck. Die Arbeiter wurden fostenlos mit Speise und Trant bewirtet und ihnen troßdem der volle Tagelohn angerechnet. A Grünberg, 10. Mai. Gestern Mittag traf der font fahrplanmäßig um 12.44 Uhr hier einlaufende Bug mit einer halben Stunde Verspätung hier ein. Die Ursache bestand darin, daß auf der Station Saasen die Maschine defekt geworden war. Der Londorfer Bug war bereits abgefahren, sodaß die Passagiere, welche mit diesem Zuge also feinen Anschluß mehr hatten, ihre Reise per Wagen fortseßen mußten. t. Noch auf Groß ihre Leiche nach er Gruft bei bft, nur nod Wunsch wird = Gladenbach, 6. Mai. Der hiesige Kriegerverein beabsichtigt am 16., 17. und 18. Juli sein 30jähriges Stiftungsfest zu feiern. Betzdorf, 9. Mai. Bei einem heute Nachmittag 2 Uhr in hiesiger Gegend niedergehenden Gewitter, verbunden mit Hagelschlag, wurden im benachbarten Herdorf 3 Kinder eines Bergmannes im Alter von 10, 7 und 5 Jahren vom Bliz erschlagen. Die Mutter, welche sich in nächster Nähe befand, blieb unversehrt. ▲ Grünberg, 10. Mai. Der„ Tannentopf" war am ligten Sonntag sehr stark besucht. Bedauert wurde, daß lein Aussichtsturm gebaut werden soll. Ein Herr hat den Versuch gemacht, einen etwa 5 Meter hohen Baum erklettern. Die Aussicht, besonders nach Norden und Osten, soll ganz entzückend gewesen sein( Marburg, Hohentotstopf 2c) Nach Süden ist ja ohne Turm alles sichtbar bis zum Aussichtsturm auf dem Feldberge, letzterer war mit bloßem Auge zu sehen.-- Der hiesige Verkehrsverein wird die geplante Schutzhalle vor dem Sängerfest nicht aufstellen. Deshalb hat sich Herr H., einer der Festwirte erboten, auf seine Roften eine provisorische Halle aufzubauen. Bir fönnen dieses Anerbieten nur mit Freuden begrüßen und hoffen, daß die Sänger auch gelegentlich des Festes den Tannentopf zahlreich besuchen. A Grünberg, 10, Mai. Am legten Sonntage fand ein Spaziergänger Zweige, auf denen„ Biutregen" sich befand. Es ist dies eine Erscheinung, welche den Naturforschern und *** Marburg, 8. Mai. Im Senatssaale der hiesigen Universität fand am 7. Mai die siebente Jahresversammlung der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck statt. Ihr ging eine Sigung des Vorstandes am selben Tage voraus. Neben den in Marburg ansässigen Patronen und Mitgliedern waren u. A. von Gießen erschienen die Herren Oberbibliothekar Prof. Dr. Haupt, Dr. Köhler und Geh. Rat Prof. Dr. A. Schmidt. Prof. Went hielt zunächst eine Feftrede zum Gedächtnis Landgraf Philipp des Großmütigen. Sie würdigte Persönlichkeit und Charakter des Fürsten in scharfen Umrissen und entrollte ein lebendiges Bild seiner historischen Bedeutung, ohne Schatten und Fehler zu verhüllen. Der Vorsitzende gedachte sodann der Herren Geh. Reg.- Rat Dr. Hartwig in Marburg, Prof. im verflossenen Berichtsjahre verstorbenen Mitglieder der r. Höhlbaum in Gießen und Sanitätsrat Dr. Schneider in Fulda. Zu Mitgliedern der Kommission wählte die Versammlung die Herren Pfarrer Lic. Dr. Diehl in Hirschhorn, Dr. Fabarius, Direktor der Kolonialschule in Bizenhausen, Oberlehrer Lic. F. Herrmann in Darmstadt, Rektor Lürssen in Weglar, Dr. Dersch, Dr. Grotefend, Archivar Dr. Meix und Oberlehrer Dr. Winger in Marburg. Der Rechnung ergab eine Einnahme von 24 106 Mt. gegenüber einer Ausgabe von 8560 Mt. Erschienen ist im Laufe des Jahres die dritte Lieferung des hessischen Trachtenbuches von Geh. Nat Prof. Dr. Jufti, und konnten der Versammlung der bis auf einige Buchstaben des Registers vollendete Druck des ersten Bandes des Friedberger Urkundenbuches und die ersten Bogen des ersten Bandes der hessischen Chroniken, welche Prof. Dr. Diemar bearbeitet, vorgelegt werden. Erwähnt sei jedoch, daß die Festschrift der Kommission,„ Das Bild Philipp des Großmütigen", bearbeitet von Geh. Archivrat Dr. Könnecke und Prof. Dr. von Drach, bis zum Säkulartage, den 13. November d. I., erscheinen wird. Der Landesausschuß hat der Kommission zur besseren Ausstattung des Werkes einen Zuschuß von 2000 Mt. bewilligt, wovon die Versammlung mit lebhaftem Dante Kenntnis nahm. Kirchhain, 5. Mai. In der heutigen Sigung der Stadtverordneten wurde offiziell bekannt, daß die Kosten der generellen Vorarbeiten der Strecke Zimmersrode- Frankenberg und im Anschluß hieran für Kirchhain- Gemünden genehmigt seten. Von Litterarisches. Marktberichte. Gieken, 10. Mai. Auf dem heutigen Wochenmartt fosteten Butter per Pfd. 1.00-1.10 Mt., Hühnereter per Stüd 5-6 Pfg., Enteneier St. 7 Bfg., Käse per St. 6-8 Pfg.. Käsematte 2 St. 5-6 fg., Erbsen per Liter 21 Pfg., Linsen per Liter 32 Bfg., Tauben per Paar T. 0.80-1.00, Hühner per Stüd Mr. 1.30-1.40, Hahnen, per Stüd C.80-1.70, Enten per Stüd 1.70-2.20, Gänse per Pfd. 65-70 Pfg., Ochsenfleisch per fb. 70-80 Bfg., Rindfleisch per Pfd. 62-68 Pfg. Schweinefleisch per Pfd. 60-72 Big. Schweinefleisch gesalzen per Bfund 0.76 Bfa., Kalbfleisch per Pfd. 62-74 Bfg., Hammelfleisch per Pfd. 50-74 Bfg Kartoffeln pro 100 Kilo 6.00 Mr., Zwiebeln per 3t. Mr. 7.00-10.00, Nepfel per Gentner 20-25 Mr. Milch per Liter 18 Pfa. Dauer der Marktzek bon 7 Uhr morgens bis 1 Uhr Nachmittags. Gegenstände des Wochenmarktverkehrs dürfen vor Beginn der Marktzeit überhanpt nicht, und während der ersten drei Stunden der Marktzeit im Umherziehen feilgeboten werden. Es Meyers Großem Konversations- Lexikon ,, gelangte soeben der VI. Band zur Ausgabe, welcher die Stichwörter" Erdeessen bis Franzen" umfaßt. Wie diese beiden Wörter schon grundverschiedenen Gebieten angehören, so sind die dazwischen liegenden Stichwörter aus so mannigfaltigen Materien, daß tatsächlich für jedermann etwas darin geboten wird. Und wer sich mit dem Worte allein nicht begnüngen will, den fesseln gewiß die zahlreichen farbigen und schwarzen Bildertafeln, die außer den Textabbildungen in vielen Fällen zur Erläuterung des Textes beigegeben sind. Allgemeines Interesse erweckt der Artikel„ Europa", der auf 17 Seiten alles Wissenswerte über unsern Erdteil bringt, während 6 Karten die politische Einteilung das Fluß- und Gebirgsſyſtem, völkerungsdichtigkeit uns vor Augen führen. Daß die Techdas Klima, die Völker- und Spracheneinteilung und die Benit durch eine große Anzahl von Abhandlungen vertreten ist, dürfte bei dem ständigen Fortschritt auf diesem Gebiete selbstverständig erscheinen; desgleichen zwei Tafeln,„ Fahrradbau", mit zahlreichen Textabbildungen und einer Tafel, Färberei“,„ Feldeisenbahnen", mit zwei Tafeln, Fernmeldeapparat"," Fernrohr"," Fernsprecher", mit zwei Tafel, Filtrieren", Flaschenzug"," Fördermaschinen", mit zwei Tafeln. Eine besondere Textbeilage bringt eine Aufstellung der wichtigsten Erfindungen. In das große Reich der Natur führen uns die Artikel„ Erdfrüchtler"," Erle"," Erzlagerftätten"," Eulen“,„ Farne"," Fichte"," Fische"," Fixsterne". " Fledermäuse"," Fortpflanzung", denen fast durchgehends Bildertafeln beigegeben sind. Durch foloristische Schönheit und feinste Ausführung fallen uns besonders die farbigen Tafeln„ Euphorbiazeen"," Farne"," Fasanen"," Prachtfische der südlichen Meere"," Flechten"," Fliegen- und Schneckenblumen" und" Forstinsekten" auf. Auch die Fragen von allgemeinen Interesse, daß dieser Band der neuen Auflage durchgehends neu bearbeitet und bedeutend erweitert ist, beweist wohl schon die Zunahme von 26 Tafeln. " Niemand versäume, Frankfurt a. M., 9. Mai. Fruchtmarkt, notierten nach Qualität: An Weizen, hiesiner und Wetterauer mr. 17.20-17.35, furhessischer Mr. 17.20-17.30 Roggen, hiesiger mr. 13.50-13.60, russischer Mr. 14.00-14.25. Gerste, hiesige Mr. 15.05 bis 15.50, Pfälzer Mt. 15.75 bis 16.00, fränkische Mt. 15 70-15.90, Riedgeifte Mr. 15.50 bis 15 75, Hafer, hiesiger und Wetterauer Mt. 12.75-14 00, furhessischer Mt. 13.20-14,25, bay rischer Mr. 13.25-14 25, Mais, Wired Mr. 11.50-12.00. Aes pro 100 Kilo ab hier. Mehl unverändert. Es notterten nach Qualität: Weizenmehl hies. O, mt. 26.00-26.50, feinere Marken, Wt. 28.50-29.00, hiesiges Nr. 1, Mr. 24.00 bis 24.50, feinere Marken Mr. 25.25-25 75, hiesiges Nr. 2, Mr. 23.00-23.20, feinere, Marken Mt. 24.00-24.50, hiesiges Nr. 4, mf. 19.00-19.50, feiner Marken 20.00-20 50, Roggenmehl, hiesiges, 0, f. 22 0022.50, do. 1, Mr. 19.50-20.00, do. 2, mr. 15.00-16.00, Alles per 100 kilo inkl. Sad. Futterartikel rubig. Weizenschalen Mr. 4.50 4.60, Weizenkleie Mk. 4.50-4.60, Roggenkleie Mt. 4.80-5.00 Weizenfuttermehl Mt. 6.75-7.25, Biertreber, getrocknet M. 5.40 b. 5.50, Malzleime 5,30-5.40, Rcpskuchen 5.50-5,75, Palmkuchen 5.60-5.80 Mr. Alles per 50 Kilo. Frankfurter Viehmarkt. Zum Verkauf standen 561 Ochsen 42 Bullen, 749 Kühe und Färsen( Stiere und Rinder), 300 Kälber 78 Schafe und Hämmel, 1399 Schweine, 2 3iegen, 2 3iegenlämmer. Bezahlt wurde für 50 Kilo Ochsen: a) vollfleischige ausgemästete höchsten Schlachtwertes bis zu 6 Jahren Mt. 71-73, b) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete Mr. 64 bis 66, c) mäßig genährte junge, gut genährte ältere Mt. 58-61, d) gering genährte jeden Alters Mr. Bullen: a) voulfleischige höchsten Schlachtwertes Mt. 63–65, b) mäßig genährre jüngere und gut genährte ältere Mr. 60-62, c) gering genährte Mt.-, Kühe undfärsen,( Stiere und Rinder): a) boulfleischige. ausgemästete Färsen ( Stiere und Rinder) höchsten Schlachtwertes Mr 66-68, b) voll fleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes( bis zu 7 Jahren) Mr. 62-64, c) ältere ausgemästete Kühe und wenig aut entwickelte jüngere Kühe und Färsen( Stiere und Rinder) Mr. 58-60, d mäßig genährte Kühe und Färsen( Stiere und Rinder) Mr. 45-47, e) gering genährte Kühe und Färsen( Stiere und Rinder) Mr.- Bezahlt wurde für 1 Pfund a) feinste Mast-'( Vollm.- Mast) unt beste Saugfälber( Schlachtgewicht) 85-88 Pfg.( Lebendgewicht) 51-53 Pfg., b) mittlere Maft- und gute Saugkälter( Schlachtge= wicht) 80-84 fg.,( Lebendgewicht) 48-50 Pfg., c) geringe Saugfälber 64-66 Pfg., d) ältere gering genährte Kälber( Fresser) Pfg., Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthämmel 68-70 Pfg., b) ältere Masthämmel 58-62 Pfg., c) mäßig genährte Hämme! und Schafe( Märzschafe) Pfg. Schweine: a) vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuzungen im Alter bis zu 1% Jahren ( Schlachtgewicht) 53 Pfg.,( Lebendgewicht) 42 Pfg., b) fleischige ( Schlachtgewicht) 51 Pfg.,( Lebendgewicht) 41 Bfg. c) gering entwickelte, sowie Sauen und Eber( Schlachtgewicht) 44-46 Pfg. Lebendgewicht, d) ausländ. Schweine unter Angabe der HeiPfg. Das Geschäft in Hornvieh war gut. Ueber stand unbedeutend, Kleinvieh gut, Markt geräumt. funft Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Mittwoch, den 11. Mai. Zeitweise windig, meist trüb, etwas wärmer, besonders nachts, Regenfälle, besonders im Norden. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Verantwortlich: für den politischen, vermischten und unter baltenden Teil Albin Klein; für den lokalen Teil Karl Kloft. Die Ziehung 1. Klasse der 4. HessischThüringischen Staatslotterte beginnt bereits am 14. d. Mts. Einlegung und Mischung der Lose and Gewinne erfolgen öffentlich am 13. d. Mts, nachmittags 3 Uhr im Ziehungssaale zu DarmBadt, Bismarditraße 19. KREUZ 00000 Julius Fischer Giessen, Schulstrasse 6. Anfertigung eleganter Herrengarderobe unter Garantie für guten Sitz und tadelloser Ausführung. Specialität in echt steyrischen Herren- und Damen- Schafwoll- Loden, das beste für Haus, Strasse und Reise. Aufträge werden behufs prompter Lieferung zeitig erbeten. -STER AMTLICH GLÄNZEND BEGUTACHTET: NUR NUR 25 Pfg 25 SALUTARIS TOILETTE- FETT- SEIFE Unübertroffen für Baut- Celutpflege: Rein, mild, sparsam. C. Naumann, Seifen- u. Parfümeriefabrik, Offenbach a.M. einen Versuch zu machen. Diese vorzügliche, kräftige Suppen mit Maggis Suppen mit der Schuhmarke ermöglichen es, in kürzester Zeit, nur mit Wasser herzustellen. Sie zeichnen sich durch ihren reinen Geschmac vor allen ähnlichen Produkten hervorragend aus. Ein Würfel zu 10 Pfg. reicht für 2 gute Teller. In allen besseren Kolonialwaren- Geschäften zu haben. Man verlange ausdrücklich Maggis Suppen mit der Schuhmarke Krenzftern. Sparsame Kh G 2Portionen vorzüglicher Suppe für ERBSWURST 10 Pig I 1870 Brotpreise bom 8. bis 22. Mai 1904. Der hiesigen Bäcker. Kg. 1 Weißbrot 1 Schwarzbrot 2 n 3 2 " 1 Bevor Sie ein Pfg. 26 Geschäft 52 24 anfangen 48 72 22 44 Krieger- Verein Gießer. Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht unsere Mitglieder von dem Ableben des Kameraden Peter Mulch geziemend in Kenntnis zu setzen. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 11. ds. Mts. nachm. 4 Uhr vom Portale des neuen Friedhofs aus, statt. 1 Kornbrot Der auswärtigen Bäcker: 1 Weißbrot bei Georg Dern II. W. Steinmüller Witwe( Langgöns.) Heinrich Weber( Heuchelh.) W. Fabel Wieseck W. Weißel Langgöns u. L. Steinmüller Gr.- Lind. 25 Karl Post, Wieseck Q. Leir. KleinBekanntmachung. Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten werden für den Fuhrwerfs- und Fahrradverkehr bis auf weiteres gesperrt: Die Schanzenstraße und die Wetsteinstraße zwischen Wetsteingasse und Nordanlage von heute ab; Die Senkenbergstraße vom 11. I. Mts. Gießen, den 9. Mai 1904. Großh. Polizeiamt Gießen. J. V.: Roth. Bekanntmachung. In der Zeit vom 30. April bis 7 Mai 1904 wurden in hiesiger Stadt gefunden: 1 Portemonnaie mit Inhalt, 2 Spazierstöcke, 1 schwarzes Halstuch und 1 Hutfeder; verloren: 1 gold. Damenuhr, 1 rotes Portemonnaie mit Inhalt, 1 brauner Spazierstock mit Silbergriff und 1 Paar Pferdezügel. Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Gießen, den 7. Mai 1904. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Herberg. Bekanntmachung. Am 14. d. Mts. beginnt die Ziehung 1. Klasse 4. Hessisch- Thüring.- Staatslotterie. Lose: 1/2 Mt. 3.50, MF. 7, ME. 14, Mt. 28 sind zu beziehen durch die amtlich bestellte Hauptkollektur Richard Buchacker, Gießen, Neuen- Bäue 11. Wein- und Cigarren- Versteigerung Auf Antrag der Konfursverwaltung werden die zur Konkursmasse des A. Koch gehörigen Wein- und Cigarrenverräte Mittwoch, den 11. Mai d. 3. nachmittags 2 Uhr, im Kaisergarten, Seltersweg 79, versteigert. Unter den Weinen befinden sich viele feine Sorten, unter den Cigarren bessere Qualitäten. Versteigerung ganz bestimmt. Geißler, Gerichtsvollzieher, Gießen. Für Weinbezug! Unter aller Garantie naturreine, flaschenreife Weissweine, per Liter oder Flasche von 60 Pfg. an, 100 Rotwein( echter Ingelheimer) Lit. od. ,, versendet in Gebinden von 25 Liter und Kisten von 12 Flaschen an دو " P.Chr. Saalwächter, Weingutsbesitzer, Nieder- Ingelheim a. Rh. ၊ Gr. Linden verlangen 23 Sie von 24 uns Linden 26 2 Dern II., Gr. Lind. u. Louis Süßmuth Steinberg W. Steinmüller Wwe Langaöns) 48 W. Fabel Wieseck W. 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In alter Zeit aber war ,, Vetel- Syrup" ein beliebtes Arzneimittel, dem kühlende und besänftigende Eigenschaften zugeschrieben wurden. Auch„ Veiel- Del" wurde gegen das Hauptweh und„ Violen- Wasser" gegen die Fieberhitze und den trockenen Husten verordnet. Zu den nächsten Verwandten unseres wohlriechenden Veilchens gehören einige sehr bekannte Blumen, zunächst diejenigen Veilchen, welche von uns wilde genannt werden im Gegensatz zu dem zahmen oder kultivierten, und unter diesen kommt am häufigsten vor das zwar duftlose, aber sehr anmutige blaẞlila Veilchen, unschön Hundeveilchen( Viola canina) benannt, das im Frühjahr mit bunten Anemonen zusammen so schön den Waldboden schmückt, dürre Heiden nicht verschmäht und selbst auf die unfruchtbaren Sanddünen des Seestrandes hinaufsteigt. Dann gehört zu demselben Geschlecht das dreifarbige Veilchen( Viola tricolor), eine fast noch genügsamere Blume, die mit der vorigen zusammen auf öden Sandfeldern gesellschaftlich sich ansiedelt, aber auch auf keinem bestellten Acker fehlt. Von ihr sagt Oberon zi зи Puck in Shakespeares Sommernachtstraum: Sonst milchweiß, purpurn nun durch Amors Wunde, „ Er( Cupidos Pfeil).fiel gen Westen auf ein zartes Blümchen, Und Mädchen nennen's: Lieb' im Müßiggang. Hol' mir die Blume!" nennen. Lieb' im Müßiggang( Love in idleness) ist das dreifarbige Veilchen, das wir Stiefmütterchen Der deutsche Name wird in bekannter Weise daraus gedeutet, wie die fünf Kelchblätter oder Stühlchen auf die fünf Blumenblätter( Mutter, zwei rechte und zwei Stiefkinder) verteilt sind; aber die Deutung ist wahrscheinlich erst gefunden worden zur Erklärung des weit älteren Namens. Sonst hieß die Pflanze auch Freisamkraut, weil sie als Mittel gegen den Freisam oder Milchausschlag der Kinder gebraucht wurde; in Frankreich aber hatte sie in alter Zeit schon den hübschen Namen Pensées oder menues pensées, der auch in andere Sprachen übergegangen ist. Wir denken bei Pensée, das wie Violett, Bezeichnung einer Farbe geworden ist, gewöhnlich an eine andere nah verwandte Art, an das große altaische Stiefmütterchen oder Samtveilchen, das immer noch Lieblingsblume der Gärtner und man kann wohl sagen, eines jeden ist, welcher es sieht, wenn es im Frühling die Gartenbeete mit einer Fülle von bunten Gesichtern bedeckt. Außerordentlich groß ist die Verschiedenheit der Formen und Farben, welche die Spielarten dieser Pflanze entwickeln, und neue Farben und Formen kommen fast jedes Jahr noch zum Vorschein. Alle die bis jetzt genannten Pflanzen gehören dem eigentlichen Geschlecht Viola. Es sind aber auch nach dem Veilchen Blumen genannt, die ganz und gar nicht mit demselben verwandt, sondern ihm nur an Blumengestalt und Farbe einigermaßen ähnlich sind. Von diesen soll zum Schluß noch in aller Kürze die Rede sein. Zuerst ist zu erwähnen das gelbe Veilchen oder Gelbveigelein, bekannt allen wenigstens durch Uhlands Lied, in Burschen nachsieht: welchem es von dem Mädchen heißt, wie es dem fortziehenden „ Sie möcht' ihre Tränen verdecken Mit Gelbveiglein und Rosenstöcken." Dieses Gelbveiglein der Dichter und unserer alten Pflanzenbücher ist nichts anderes als der gewöhnliche Goldlack, der auch jetzt noch immer sehr beliebt und viel an Fenstern und in Gärten zu finden ist. Er wächst heutzutage wild im westlichen Deutschland, zumal an Felsen des Rheintals; doch scheint es, daß er im Mittelalter erst aus dem Orient zu irns gebracht ist. Einem anderen Verwandtschaftskreise als dem des Veilchens gehört auch die Nachtviole an, welche die Botanifer Hesperis matronalis nennen, und ebenso das jetzt in so und so vielen hübschen Spielarten kultivierte sogenannte Alpenveilchen. Die Veilchenwurzel endlich stammt nicht von dem Veilchen her, sondern von der florentinischen Schwertlilie und hat ihren Namen, wie das Veilchenmoos und der Veilchenstein, von ihrem an das Veilchen erinnernden Duft bekommen. So viel sei gesagt von der kleinen blauen Blume. Sie fann sich an Ruhm mit der Nose nicht vergleichen; in Anbetracht ihres bescheidenen Wesens aber hat sie doch genug in der Welt von sich reden gemacht. Man sieht daraus: auch mit Bescheidenheit, wenn nur etwas Rechtes dahinter steckt, dringt man endlich durch und erwirbt sich Anerkennung. DER VOLKS ANWALT Die rechtliche Stellung der Dienstboten. - ( Schluß.) Trifft zufälliger für den Dienstboten ungünstiger, für der Dienstherrn günstiger Weise eine Krankheit des Dienst boten in die letzten Wochen der Dienstzeit( ist also z. B. das Dienst: verhältnis für den letzten Dezember 1902 gekündigt und am 22. De: zember zieht sich der Dienstbote durch den Dienst eine schwer Krankheit zu), so dauert selbst bei monatelanger Dauer der Krank heit die Verpflichtung des Dienstherrn zur Kur- und Pflegekosten des Dienstboten nicht über das Ende der Dienstzeit hinaus. Eine Ausnahme hiervon besteht nur in solchen Fällen, in denen der Dienstherr die Krankheit geradezu verschuldet hat z. B. er hat den Dienstboten in unsinniger Arbeit beim Kohlentragen überanstrengt oder dergleichen. In solchen Fällen haftet der Diensthert für die Kur- und Verpflegungskosten auch über die Dienstzeil hinaus. In allen anderen Fällen von Krankheit der Dienstboten, als bei den durch den Dienst oder bei Gelegenheit des Dienstes entstandenen, hat die Dienstherrschaft zwar auch für Kur und Verpflegung des Dienstboten während der Krankheit aufzukommen, aber nur mit folgender Beschränkung: Die Verpflichtung dauert nur höchstens sechs Wochen, keinesfalls aber über die Dienstzeit hinaus. Auch besteht die sehr wichtige Vorschrift, daß die Kosten auf die für die Zeit der Erkrankung geschuldete Vergütung( nicht aber auch auf den rückständigen Lohn) angerechnet werden können. Zum Beispiel: Ein Dienstmädchen, das 15 Mark monatlichen Lohn bekommt, geht an ihrem Ausgehsonntag" spazieren, bricht ein Bein, und muß einen Monat im Krankenhaus zubringen. Die Kur und Verpflegung im Krankenhause kostet 40 Mark. Dann braucht für den Monat die Herrschaft keinen Lohn zu zahlen, kann vielmehr auf die 40 Mark die 15 Mark Lohn anrechnen. Die überschießenden 25 Mark aber muß die Herrschaft selbst tragen, da sie nur den auf die Zeit der Krankheit( 1 Monat) fallenden Lohn anrechnen darf, nicht aber auch Lohnbeträge, die auf andere Monate fallen, als auf den Krankheitsmonat. Stirbt ein Dienstbote, so braucht die Dienstherrschaft das Be= gräbnis nicht zu besorgen. Dazu sind vielmehr die Erben verpflichtet. Sind diese nicht erreichbar oder der Dienstherrschaft nicht bekannt, so muß die Fürsorge der Polizei, nötigenfalls die Fürsorge der Armenpflege eintreten. Stirbt das Haupt der Familie, so sind die Erben berechtigt, aber nicht verpflichtet, die Fortdauer des Dienstes zu verlangen. Das heißt also: der Tod des Familienhauptes giebt dem Dienstboten kein Recht, die Fortsetzung des Dienstes zu versagen. Wohl aber haben die Erben des Familienhauptes das Recht, ohne Rücksicht auf die vertragliche Dauer des Dienstvertrages, diesen zur nächsten gesetzlichen Ziehzeit, also zum nächsten 2. Januar, oder April, oder Juli oder Oktober, zu Kündigen. Daß im Falle des Konkurses der Dienstherrschaft die Diensts boten für den rückständigen Lohn des letzten Jahres ein Vorrecht haben, ist schon erwähnt. Ferner haben im Falle des Konkurses der Dienstherrschaft sowohl die Dienstboten wie auch der Konkursberwalter das Recht, das Dienſtverhältnis- ohne Rücksicht auf die vertragliche Dauer zu der nächsten gesetzlichen Ziehzeit zu kündigen. Es ist schon erwähnt worden, daß im regelmäßigen Laufe der Dinge das Dienstverhältnis entweder von selbst( ohne Kündigung) mit Ablauf der Zeit endet, für die es geschlossen worden ist, oder nach einer gewissen Kündigungsfrist, wenn eine bestimmte Dauer des Dienstverhältnisses nicht vereinbart worden ist. Das Gesetz sieht aber auch Fälle vor, in denen ein vorzeitiger Dienstaustritt ge= stattet ist, und zwar sowohl zu Gunsten der Dienstherrschaft, wie zu Gunsten des Gesindes, sowohl mit einer Kündigungsfrist, wie ohne Kündigungsfrist. Hier sei nur hervorgehoben, daß die Herrschaft das Gesinde ohne Rücksicht auf Kündigungsfrist sofort entlassen kann, wenn das Gesinde die Herrschaft oder deren Familie durch Tätlichkeiten, Schimpf- und Schmähworte oder ehrenrührige Nachreden beleidigt oder durch boshafte Berhehungen Zwistigkeiten in der Familie anzurichten sucht. Nr. 104 Dienstag, den 10. Mat. 1904. Oberhessische Familienzeitung. Tägliche Unterhaltungs- Beilage der Gießener Neueste Nachrichten. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein. ( 13. Fortseßung.) Iwan der Schreckliche. Original- Roman von Hans Hoffmann. Er sah und wußte, jezt war sie sein; wenn er sich nur über ste beugte und diesen heißen Mund füßte, war sie ganz sein ohne Kampf. Seine Hände zitterten, es flimmerte ihm vor den Augen, ohne es zu wissen, neigte er seine Lippen dem holweiter; wenige Sekunden noch, und die verlangenden Lippenden Antlig näher und näher. Noch glitten beide ganz leise paare mußten einander gefunden haben. Da nahm die gleitende Bewegung ihr Ende, und sie staner genügte, sie aus der süßen Versunkenheit heimlich aufzuden still. Es gab einen winzigen, kaum merkbaren Ruck, doch schrocken zurück. Ihr Blick hatte etwas Sonderbares, es schien weden. Alma öffnete die Augen, und Gotthold fuhr halb er ein heimlicher Vorwurf, eine zornige Frage darin zu liegen. Da endlich faßte er Mut; jetzt mußte er reden, oder er unterlag dem Glück, das für ihn noch kein rechtmäßiges war. „ Mein verehrtes Fräulein," sagte er nicht ohne eine steife Feierlichkeit, gestatten Sie mir, den kurzen Augenblick des Alleinseins mit Ihnen zu einer ernsthaften Aufklärung zu benüßen, die zunächst mich selbst und meine eigentliche pſychiſche Struktur, wenn ich so sagen darf, betrifft Sie blickte etwas verwundert auf; er machte ein so fürchterlich finsteres Gesicht, wie sie es noch selten von ihm gesehen hatte. Aber dennoch fürchtete sie sich heute nicht davor, heute zum erstenmal nicht. Herrgott, ist das aber ein Schulmeister!" dachte sie vielmehr respektlos, und laut rief sie:„ Herr Doktor, bedenken Sie, daß ernste Reden heute strengstens verpönt sind!" ,, Und dennoch, liebes Fräulein," sagte er nach einem furzen Schwanken hastig; mir ist es sehr ernst zu Mut, ich muß mit Ihnen reden, ich bin Ihnen eine gewisse Erklärung schuldig " Schuldig?" rief sie, mit dem Fuß kräftig aufs Eis stampfend. Schuldig sind Sie mir wirklich nichts- jedenfalls keine langen Erklärungen und Redensarten." Das klang ziemlich schnippisch, aber ihr Auge blikte dazu so übermütig froh und so schalkhaft herausfordernd, daß er völlig verwirrt wurde. Und dann ließ sie plößlich seine Hände los und ſtand vor ihm mit gesenkten Blicken stumm und regungslos, als wollte sie sagen:„ Da hast du mich! Nun umarme mich!" Da kam es über ihn wie ein freudiger Trotz, und er dachte:„ Gut denn, wenn sie nicht hören will, dann. Und in beseligtem Taumel breitete er die Arme aus. In diesem Augenblick erscholl ziemlich nahe ein mißtöniges, widerwärtiges Gefläff und Gewinsel. Beide blickten erschrocken zur Seite und siehe da, über das Eis patschte in den ungeschicktesten Sprüngen, immerfort stolpernd und ausgleitend, der Hund Molly, der häßlichste und gemeinste feines Geschlechts. Dieser garstig- komische Anblick machte einen sonderbaren Nik in die erreate Stimmung den beiden Menschen; Alma rief mit halb zorniger, halb weinerlicher Stimme:„ Pfui, das ist Ihr abscheuliger Hund, der da kommt!" Auch sein Herr warb feineswegs freundlich gestimmt durch das unzeitige Erscheinen des Tieres. ( Nachdruck verboten.) " Ich hatte ihn eingeschlossen," brummte er verlegen und ärgerlich, er muß sich irgendwie frei gemacht haben." Freilich muß er das," rief Alma ergiirnt, aber so jagen Sie das greuliche Geschöpf doch fort! Lassen Sie es nicht herankommen! Sehen Sie doch, es ist ganz schmutzig!" In der Tat hatte das unglückliche Tier es auf irgend eine rätselhafte Weise fertig gebracht, sich auf dem glänzend sauberen Eise Bauch und Beine auf das gründlichste zu beschinußen. Seinem Herrn ward die Lage sehr unbehaglich. ,, Marsch, nach Haus!" rief er rauh und machte die Drohgeberde des Steinwerfens zugleich mit einer Miene, welche einen Haufen Landsknechte in die Flucht geschlagen hätte; Molly aber ließ sich nicht verwirren noch einschüchtern, sondern strampelte sich unter verstärktem Freudengeheul näher und näher, obgleich er in seinem Eifer noch öfter als vorher ausrutschte. Gotthold versuchte ein anderes Mittel, um wenigstens Zeit zu gewinnen: er hob einen dürren Zweig auf, rief: ,, Apport!" und warf ihn so weit wie möglich über das Eis.. Doch auch diese List verfing nicht. Molly hatte im Rausch der Wiedersehensfreude alle Künste vergessen. Jezt war er da und sprang glückselig winselnd und bellend an seinem Herrn empor, nicht ohne die ausgedehntesten Spuren seiner schmutzigen Pfoten auf dessen Kleidern zu hinterlassen. ,, Das Vieh hat ja aber nicht den geringsten Appell!" rief Alma entrüstet. Strafen Sie es doch!" Aber das vermochte Gotthold doch nicht über sich. Trop seines stillen Aergers erschien ihm die rücksichtslose Freude des treuen Tieres gar zu rührend. Es für seine leidenschaftliche Ergebenheit noch zu schlagen, das konnte ihm nimmermehr zugemutet werden. Er vergaß sich sogar so weit, ihm heimlich eine kleine Liebkosung angedeihen zu lassen. Diese aber trug schreckliche Früchte: sie steigerte Mollys Wonnetaumel bis zur Tollheit, aufjauchzend stürzte er sich nun auch auf die Gefährtin seines Herrn und versuchte dieser die Hände zu lecken, ohne die geringste Rücksicht auf den köstlichen Pelzbesatz ihres feinen Mäntelchens zu nehmen. Sie schrie vor Entsetzen laut auf mit einem nicht sonderlich lieblichen Ton und gab ihm in der Angst mit ihrem zierlichen Füßchen einen Stoß, der kräftig genug war, ihn eine gute Strecke über das Eis zurückzuschleudern. Das wirkte. Ziemlich bescheiden kam er zurück und benahm sich fortan mehr seinem Stand angemessen. ,, Das begreife ich aber nicht, wie ein Mann nicht einmal seinen Hund in Zucht haben kann!" rief sie erbittert und be= trachtete mit Schaudern ihr beschmutztes Kleid. Ich weiß gar nicht, warum Ihnen dann eigentlich Ihre Schüler gehorchen!" „ Das ist's eben," erwiderte er dumpf und finster,„, sie würden es auch nicht tun, wenn sie flüger wären." Sie blickte ihn groß an, offenbar ohne ihn recht zu verstehen. Da wollte er die Gelegenheit benügen, ihr seine große Offenbarung zu machen; doch kaum hatte er seine feierliche Miene wieder aufgesetzt und wollte seine Rede beginnen, als sie ihn ergrimmt mit den Worten unterbrach: a r 1 Mt. tterie. Mt. 2000. ME. 6000. Bferden u 5.m.b.5. t. 5000. . 10300. Mt.1700. rau er Hof, n. der Selbstsenrtikel stenz oder Hermann gerall billig zu on erfordert noch besonon mit ganz jedem beburg. torium, G. Hauptkata Le sofortige lob oder Faschon einen Pakete veisbar. In durchführ187 IT 326 Monneme a's Saus und Oratiobel Dab Arb In Leip wohlfahrtse Admiral H Der Genera politiker Bued, der gun. Mini wirtschafts zweckt die Gingehen den Indi gefege, die gebaut wo bolle Tätig Innere und Bereic Schuß der tediniſche führen. ficherung f ftellung des dauernden die Sinter neuen Boll noch eine Totiateit d Bigteit 1001 mird im wesentl Vor allen Lung des Nachweise blichenen Elends in g Sehr ei ¡ der Frage crbeiter. Bereitstellu сошущцию im Berlin ha der Wohn ,, Ach, Sie sind zu langweilig, Gie paffen gar nicht hold vorüberfam, sah sie ihn gar nicht mehr. selbstverloren im Arm ihres Tänzers. zu uns." Er war ganz erstarrt über diese Worte. ,, Sie mögen recht haben," sagte er leise. Ich passe wohl nicht zu Ihnen." Sie erschraf über den düstern Ton seiner Stimme mehr noch als über die Worte und sagte beschwichtigend: ,, Heute nicht. Heute sind Sie so sonderbar." Und plötzlich bückte sie sich nieder, raffte eine Handvoll Schnee zusammen, formte einen Ball, warf ihm den leicht ins Gesicht und wandte sich zur Flucht. Das war gnau wie neulich der Blumenwurf, und doch stimmte es ihn ganz anders. Es erschien ihm als ein unerlaubter Uebermut, fast fühlte er sich beleidigt. Als er ihr aber nachblickte und sie in den onmutigsten Schwingungen eilig über das Eis schweben sah, schlug er sich vor den Kopf und murmelte: Ich bin ein Frosch oder besser, ein richtiges Schaf!" Dann folgte er ihr langsam, indem er acht gab, daß der arme Hund auch Schritt halten könne. Alma hatte bald den Zug der übrigen Paare erreicht. Hier gelang es ihr mit Leichtigkeit, eine allgemeine Verwirrung zu stiften. Sie tat einen absichtlichen Fall aufs Eis, das nächste Paar eilte hilfsbereit herzu und stürzte ohne Verzug über sie hinweg ebenfalls zu Boden, andere Läufer folgten getrennt oder paarweise dem Beispiel, und bald war der ganze schön geordnete Fftzug zu einem wirren Knäuel zusammengeballt. ,, Alle Büchsen rühren sich!" rief Alma laut, befreite sich aus dem Gedränge und schwebte allein über die Bahn weiter. Herbert von Bodungen schoß hinter ihr her wie ein Raubvogel. Und diesmal machte er feine Volten noch Seitenzüge, sondern erreichte sie im geradeſten Ansturm, ergriff mit einer prachtvollen Schwenkung ihre beiden Hände und riß sie in rasendem Lauf mit sich fort. Das tat ihrem heiß erregten Blut wohl; das war Kraft, Leidenschaft, Wildheit, Taumel, wonach sie sich sehnte, das war Befreiung von einer erstickenden Schwüle. Mit Begierde genoß sie die Lust des vollen Ausstürmens, des schwindeligen Wirbels; ihre Wangen glühten heißer, ihre Brust wogte, sie jagte so leicht dahin, als würde sie frei durch die widerſtandsloſe Luft geschwungen; alle Glieder schienen ihr selbst wie von einem mächtigen Rausch ergriffen, sie wollte aufjauchzen vor Lust, doch eine wonnevolle Angst schnürte ihr die Kehle zu; sie bog den Kopf zurück, schloß die Augen und ließ sich von der überlegenen Kraft des Mannes hinaustragen, wohin es gehen mochte. Warum hatte der andere sie nicht in so herrlichem Ansturm mit sich gerissen? Der hoffnungsselige Augenblick an der Landzunge lag jezt weit hinter ihr wie ein Traum. Herbert von Bodungen sprach kein Wort zu ihr; doch wenn sie aufblickte, hingen seine Augen voll stolzer Glut an ihrer Schönheit. Warum hatte der andere sie nicht so angesehen? Und warum konnte der andere nicht einmal seinen Hund beherrschen? Und so einen scheußlichen Hund! Ein Wirtshaus am Fluß war das Ziel der reisigen Gesellschaft; dort empfing die Frostüberhauchten ein geheizter Saal und dampfender Punsch. Der schlichte Saal ward durch die fruchtgeschmückten Tannen und durch Kränze und Bänder in wenigen Minuten zu einem prächtigen Festraum umgewandelt. An den Schlittschuhlauf sollte sich nach kurzer Rast ein Zanzvergnügen schließen; Ermüdung durften die jugendlichen Füße nicht kennen. Als der Mathematiker eintrat, sah er Alma an Herrn bon Bodungens Seite sißen mit heiß erregten Wangen, die Augen unstät flackernd; sie war schön wie eine Bacchantin. Ihm warf sie einen kurzen Blick zu voll Zorn und fast voll Haß. Er fühlte sich unsäglich klein und wagte ihr nicht mehr zu nahen; seine Leidenschaft selbst schien ihm plößlich stumpf getborden. Alma tanzte mit wahrer Wildheit; ihr Blut, das durch jenen heiß erwartenden Augenblick an der Landzunge mächtig aufgeregt war, mußte sich austoben; immer wieder ließ sie sich von dem Arm des schönen Husaren umschlingen und in betäubender Hast herumwirbeln. Ihre Augen brannten wie im Fieber. Wie taumelnd schien sie sich an ihren festen Tänzer anzuflammern, sich hilflos hinzuschmiegen. Sie sah gefährlich schön aus in der wilden Grazie ihrer Bewegungen. Ihr Blick ward immer leerer und fieberhafter; wenn sie jetzt an Gotthing wie Sie hm ward erstickend heiß bei diesem Anblick; er verließ auch heute das Fest lange vor seinem Ende.„ Ich gehöre nicht in diese Freuden!" dachte er verstört. Draußen warf er die lustige Schellenkappe wild von sich und drückte seinen eigenen breiten Schlapphut tief in die Augen. Er trat hinaus in die sternenflare, eisige Nacht; sein Hund begrüßte ihn freudig bellend, doch er beachtete ihn nicht. Er legte sich die Schlittschuhe an die Sohlen und fuhr einsam im Dunkel den Weg zurück, den er bei strahlender Sonne in der liebsten Gesellschaft gekommen war. Der gleichmäßig schnelle Flug über das Eis beruhigte seine aufgestörten Gefühle; eine stumpfsinnige Ergebung begann ihn zu beherrschen. Ich habe sie verloren," sagte er zu sich, ,, denn es ist unabwendbar, daß ich sie verliere. Das Schicksal thront nicht über den Wolken, seine Blize zu schmieden, sondern ich selbst bin das Schicksal, das mich erbarmungslos beraubt. Weil ich nicht anders sein kann, als ich bin, geschieht alles so, wie es geschieht. Ich selbst bin der gottgleich Unerbittliche, der das Glück zerstört, weil ich nicht anders sein will, mein Wesen nicht wandeln, mich selbst nicht vernichten will. Mit einer einzigen mühelosen Bewegung hätte ich, frei zugreifend, Liebe, Reichtum, Glanz, Ehre, alles zugleich gewinnen können, wenn ich das furchtsam grübelnde Gewissensbedenken nur eine Sekunde lang fahren ließ; allein dann war auch mein innerstes Wesen verwandelt, dann war ich nicht mehr ich, ich war tot, ich war nicht mehr eins mit dem Schicksal, nicht mehr der lenkende Gott auf dem rollenden Lebenswagen, sondern ich war der willenlose Sklave eines Glücks, das von außen zwingend wie ein goldenes Nez über mich geworfen war. Und war ich dann glücklich?" In so hochgeflügelten Nachtgefühlen suchte er die Bein der stillen Selbstvorwürfe zu verflüchtigen. Und indessen ſauſte er weit ausgreifenden Schwunges über das Eis; nur das Schurren seiner Eisen klang eintönig durch die Nacht und manchmal ein fernes Krachen oder ein ſchwermütiges Schlucken und Glucksen unter der Eisdecke. Die Bäume am Ufer huschten vorüber wie ängstliche Schatten, zuweilen auch ein matt erleuchtetes Haus, einem zerfließenden Traume gleich; alles flüchtete vorüber, rückwärts, dorthin, wo das verräterische Glück geblieben war. Nur die Sterne über ihm blieben unbewegt und unverändert. „ Das ist die Ruhe," dachte er, die eherne Ruhe des Schickſals und des inneren Kerns der iDnge und der Menschen!" Sechstes Kapitel. Am nächsten Vormittag herrschte in der Untertertia während der Bause vor der Mathematifstunde eine auffallend erregte Stimmung. Hurra, Kinder," rief eine prahlerische Stimme,„, wir machen einen Aufstand wie die Samniter-" " Ach, das ist nichts," die mußten nachher durchs Joch gehen," antwortete ein anderer, das tun wir nicht!" ,, Nein, das tun wir nicht! Niemals!" ,, Niemal! Niemals!" ,, Na, denn also wie die Cherusker. Gruber heißt ja auch Hermann, das ist famos; Gruber ist ja doch der Anstifter!" Famos! Hermann Gruber, der Cherusker, hoch!" Wieso? Wie hat er angestiftet?" fragte eine etwas ängstliche Stimme im Hintergrunde. Na, hast du denn nicht gehört? Seine Schwester hat ihm gesagt, wan wär' eigentlich gar nicht so eflich, wie er aussähe; wir sollten nur' mal stramm aufmucken, da würd' er schon klein werden; sie hätt' selbst gesehen, daß ihm sein Hund nicht parierte, und er hätt' den Röter doch nicht gehauen. Und sie selbst parierte ihm auch nicht mehr." ,, Das hat sie gesagt!" bestätigte Hermann Gruber wichtig. ,, Uns haut er am Ende doch." Ich weiß überhaupt nicht, warum wir uns von Grubers Schwester aufheben lassen sollen," bemerkte ein unnatürlich verständiger Knabe. Au, du, die ist ja riesig hübsch!" belehrte ihn ein anderer, und dieser Grund schlug durch. „ Wenn einer anfangen will, meinetwegen, ich trommle mit, aber anfangen tue ich nicht." ( Fortsetzung folgt. Das Sinnbild der Bescheidenheit. Sprache hat aber für das Beilchen eine andere Bezeichnung Skizze von Professor Dr. A. Hermanns. ( Nachdruck verboten.)) Das Veilchen, bei dessen Namen wir zuerst immer an unser gewöhnliches wohlriechendes Frühlings- oder März beilchen denken, gilt uns in seiner schlechten und lieblichen Art als Sinnbild der Bescheidenheit. Seine Blüten, die den Frühling verkünden, scheinen sich verschämt unter dem Grün der Blätter zu verbergen; in seinem unvergleichlich süßen Duft atmen wir des Frühlings ganzen Reiz. Sein Wesen und seine Haltung können nicht besser geschildert werden, als in den ersten Versen der„ Das Veilchen" überschriebenen Ballade unseres großen Dichters, welche lauten: „ Ein Veilchen auf der Wiese stand, Gebückt in sich und unbekannt, Es war ein herziges Veilchen." Und von nicht weniger Reiz sind die Verse desselben Dich ters, durch die eine Mehrheit von Veilchen so sinnig zufammengefaßt wird: „ Viele der Veilchen zusammengeknüpft, das Sträußchen erscheinet Erst als Blume; du bist, häusliches Mädchen, gemeint." Unseren Kindern wird eingeprägt, dem Veilchen, das im Verborgenen blüht, ähnlich zu werden, und gern vergleichen wir dem Veilchen einen bescheidenen Menschen. Zum Frauennamen, wozu es so gut sich schickt, ist das Veilchen bei uns nicht geworden; dagegen haben romanische Sprachen die Namen Viola, Violetta und Violanta. Der Name Viola aber ist durch Shakespeares Drama„ Was ihr wollt“ unsterblich gemacht worden und kann nicht von uns vernommen werden, ohne daß vor unseren Augen eines der entzückendsten Frauenbilder steht, welche je die Dichtkunst erschaffen hat. Auch die Griechen haben die Namen Jole, Jiokallis( Veilchenschön) und Jokaste, die vom Veilchen hergenommen sind. Es ist auffällig, daß Veilchen überhaupt kein deutscher Name ist. Das Wort führt zurück auf das lateinische Viola und dieses wieder auf das griechische Ion. Daher liegt die Vermutung nahe, daß unser Märzveilchen eine aus dem Süden eingewanderte Blume sei, die ursprünglich bei uns nur angepflanzt vorkam, dann aber überall, wo sie angepflanzt wurde, verwildert ist und sich weit ausgebreitet hat. Diese Vermutung wird dadurch unterstützt, daß unser Veilchen wild fast überall nur in der Nähe bewohnter Ortschaften vorkommt. So mag es sich wohl, wie auch andere Pflanzen, die aus dem Süden zu uns kamen, allmählich bei uns eingewohnt haben und in Deutschland heimisch geworden sein. Sein Naturell und seine Gewohnheiten befähigen es in hohem Grade dazu, sich an ein rauberes Klima zu gewöhnen. Die im Frühjahr erscheinenden Blumen des Veilchens, die dem Frost ausgesetzt sind, tragen keine Frucht. Die Pflanze treibt aber im Laufe des Sommers unzählige andere Blüten, die keine Blumenblätter haben, unter dem Laub verborgen sich entwickeln und von niemand beachtet werden. Diese bringen stets reife Frucht hervor und sorgen dafür, daß im Falle wie es gar nicht selten geschieht die Mutterpflanze im Winter ausfriert, im Frühling eine große Anzahl von neuen Pflänzchen sich entwickelt. So ist das Veilchen inbezug auf Boden und Lage sehr anspruchslos, da, wo es ſich einmal angesiedelt hat, so gut wie unzerstörbar und außerdem, da es durch kriechende Wurzelausläufer sich verbreitet, stets bereit, weiter im Lande Fuß zu fassen und neue Ansiede lungen zu gründen. Beim Uebergang aus dem Lateinischen hat das Veilchen sein Geschlecht geändert. Aus der weiblichen Viola wurde zunächst der Viol oder der Veiel. Aehnlich erging es einer anderen berühmten Blume, die im Deutschen zuerst gewöhnlich der Rose" genannt wurde. So ist im Mittelalter auch bei der Gattung Viola die männliche Form herrschend und später erst wird die Veiel“ und„ die Viole" gesagt. Dann trat in neuerer Zeit noch einmal ein Wechsel des Geschlechtes ein, indem das Veigelein" oder„ das Veilchen" geltend wurde, wobei daneben, zumal bei den Dichtern, noch die Form die Viole" fortbestand. Veilchen und Veigelein sind Verkleinerungen von Veiel, dieses aber ist entstanden aus Viola, das selbst wieder eine Verkleinerung des griechischen Ion ist. So ist unser„ Veilchen", was seinem bescheidenen Wesen sehr entsprechend ist, aus einer doppelten Verkleinerung hervorgegangen. Eine andere doppelte Verkleinerung bieten andere Sprachen dar in den Formen Violette, Violetta und Violet. Reine germanische oder romanische als die aus dem Lateinischen hergenommene, deren Grund form ein griechisches Wort ist. Das bescheidene Veilchen gibt einen anziehenden Aufschluß darüber, wie Farben angesehen und bezeichnet werden. Von ihm stammt die Farbenbezeichnung violett, wie lila vom Flieder( Lilak). Dieser Bezeichnung bedienen wir uns, ohne an ihren Ursprung zu denken. Wenn nun aber in botanischen Büchern bei der Beschreibung des Veilchens zu lesen ist:„ Die Farbe des Veilchens iſt violett", so klingt das eigentlich recht sonderbar, denn es heißt nichts anderes als: die Farbe des Veilchens ist die Veilchenfarbe. Nun fragt es sich, wie wohl früher die Farbe des Veilchens selbst hieß. Diese Frage fann beantwortet werden. Die alten Griechen nannten unser wohlriechendes Veilchen das schwarze oder das purpurne; veilchen farben aber nannten sie den Stahl und das Meer. Auch bei den Römern heißt es das purpurne. In unserer älteren deutschen Sprache wird es genannt das blaue, das blaubraune oder auch das braune. Es wird von den Veilchen gesagt, daß sie den Garten bräunen und auch das Eigenschaftswort beilchenbraun" kommt vor. Es geht daraus hervor, daß vor Zeiten der Begriff des Braunen ein um fassenderer gewesen sein muß, als er jetzt ist. Oder sollten unsere Vorfahren die Farben anders gesehen haben? Wenn wir erfahren, daß unsere Voreltern beides, Menschenhaare und Veilchen, braun nannten, so erscheint es uns nicht mehr so wunderbar, daß dunkelfarbiges Haar von Homer mit der purpurnen Blume Hyakinthos verglichen wird. Hochgeschätzt wurde das Veilchen in alter Zeit bei uns als die Blume, welche die bessere Jahreszeit verkündete. Man 30g auf die Wiesen, um den ersten Viol" zu suchen. Mit lautem Jubel wurde das erste Veilchen begrüßt, wenn es gefunden war. Man nannte das im Mittelalter: den Sommer finden. Ich habe den Sommer gefunden!" meldet Herr Neidhardt von Reuenthal seiner Herrin, der Herzogin von Bayern, und bittet sie, hinauszukommen, um auch das Veilchen, das er gefunden und mit seinem Hut bedeckt hat. zu schauen. Wenn in einem Ort bekannt wurde, daß draußen das erste Veilchen gefunden sei, lief groß und klein hinzu, um es zu sehen. Es wurde auf eine Stange gesteckt und fröhlich umtanzt. Solch ein Volksjubel begrüßt nicht mehr die kleine Frühlingsblume. Wenige gehen jetzt noch im Frühjahr aus den Städten hinaus, um sie draußen zu suchen, überall aber wird sie in großer Menge in die Städte hineingebracht und auf Märkten und Straßen zum Kauf angeboten. Arme Leute, Kinder besonders, finden dadurch um die Veilchenzeit einen bescheidenen Verdienst, und für den Gärtner ist die Veilchenzucht an Orten, wo die Veilchen stückweise abgezählt und bezahlt werden, ein einträgliches Gewerbe. Das Veilchen ist längst schon nicht mehr ausschließlich Frühlingsblume. Die Kunst der Gärtner hat gelernt, es auch im Winter zum Blühen zu bringen. Dazu sind viele neue und ausländische, an Duft und Farbe unserem gewöhnlichen Märzveilchen sehr ähnliche Arten in den Handel gebracht und eingeführt worden, welche auch im Freien zweimal und öfter im Jahre blühen. Unter diesen hat das italienische Monatsveilchen, welches mit leichter Mühe vom Herbst an den ganzen Winter hindurch in blühenden Exemplaren zu halten iſt, am meisten Verbreitung gefunden und sich am vorteilhaftesten für die Kultur erwiesen. Auch gefüllte Spielarten des Veilchens werden häufig kultiviert, mit blauen sowohl als schneeweißen Blumen, die sehr hübsch sind. Bei diesen gefüllten Blumen aber geht die ursprüngliche eigentümliche Veilchenform verloren, und sie sehen aus wie kleine Rosen. Dank den Bemühungen unserer Gärtner haben wir jetzt, die heißen Sommermonate ausgenommen, das ganze Jahr hindurch Veilchen. Sie sind im Winter von großer Wichtigfeit für die Boukettbinderei und werden für diese an mehreren Orten Deutschlands, so in Potsdam und in Hamburg, im großen gezogen. In südlicheren Gegenden aber lassen sie sich noch viel leichter und mit weit geringeren Kosten zur Winterszeit kultivieren. Daher werden sie auch in Frankreich und Italien in ungeheueren Massen gezogen, verleihen den winterlichen Blumenmärkten dieser Länder einen großen Reiz und werden, in Sträußen zusammengebunden, fistenweise nach dem Norden verschickt. Aber das Versenden der Veilchen bleibt bei großen Entfernungen immer eine mißliche Sache; denn die Blume und ihr Duft haben keine lange Dauer. So ist das Veilchen zu einer Handelspflanze von nicht geringer Bedeutung für unseren inländischen und sogar für den internationalen Verkehr geworden. Als Arzneipflanze dagegen möchte es wohl aus den Offizinen verschwunten über lide Buita unter Stid durchaus und zeigen raum auf. Pläkenpaffenden Lohnarbeite forderniffen an eine be chaftlichem heimen, A fchaffen. mert eine fichten auf und zwar t heime beid а випидлов beiters uni micht fontu Finen wer Leipzig aus Frankfu rungsrat muf Grund Bürttember regen hat m fachen Berte in E des Unt Hen Grund rage ni omm Wir Mobilmachum kdialich kies nun. 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