Nr. 34. bonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Bfg., ' s Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertelfährlich Mr. 1.50. Gratisbetlagen: Oberheffifche Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Mittwoch, den 10. Februar 1904. Gießener 13. Jahrgang. Jnsertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz Ob heffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Bfg. Boftzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 88 Fernsprechanschluß Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Das Gaftrecht aut unferen Dochschulen. CP. Die in Berlin lebenden russischen Studenten haben dieser Tage in einer Zuschrift an ein Berliner Blatt gegen das Urteil protestiert, das der Staatssekretär des Aeußeren, Freiherr v. Richthofen, über ihre geistigen und sittlichen Qualitäten, namentlich der Studentinnen gefällt hat. Es ist zweifellos das gute Recht dieser russischen Gäste, für ihre Ehre öffentlich einzutreten. In ihrem Ton dürfen sie aber bor allen Dingen nicht vergessen, daß sie immerhin hier eine weitgehende, nach der Ansicht weiter Kreise sogar zu weitgehende Gastfreundschaft genießen. Deutschland hat von jeher den Standpunkt verteten, daß unsere Wissenschaft nicht bloß ein nationales, sondern ein allgemeines Kulturgut sei und demgemäß unsere Hochschulen in der liberalsten Weise auch dem Auslande zugänglich gemacht. Mehr und mehr aber bricht sich die Ueberzeugung Bahn, daß sich mit dieser Praxis aus Gründen eines berechtigten nationalen Egoismus und aus Gründen der Gerechtigkeit gebrochen werden sollte. Die Wissenschaft ist heute in einem ganz hervorragenden Maße in den Dienst des praktischen Erwerbslebens geſtellt worden. Ganze Disziplinen haben keinen anderen Zweck, als die Jünger der Wissenschaft mit dem besten Rüstzeug für den wirtschaftlichen Wettbewerb auszustatten. Wenn wir nun, genau wie in der Zeit, als die Wissenschaft nur einen vorwiegend idealen Zweck hatte, den Fremden die Tore unserer Hochschulen öffnen, dann ziehen wir uns selber die Konkurrenten groß, die uns später auf dem Weltmarkt begegnen. Es ist jedenfalls eine Forderung der elementarsten Gerechtig= feit, wenn wir den Ausländern Gebührensäge in Anrechnung bringen, die unserer Aufwendung für ihre wissenschaftliche Ausbildung entsprechen. Es wäre geradezu ein Widersinn, wenn wir auf unsere Kosten unsere Konkurrenten förmlich züchten wollten. In einer süddeutschen technischen Hochschule ist es sogar vorgekommen, daß deutsche Studierende bon den Laboratorien wegen Mangels an Raum abgewiesen werden mußten, weil die Plätze von Russen und Schweizern besetzt worden waren. Es ergibt sich hieraus eine zweite Forderung, daß die fremden Studierenden nur insoweit Aufnahme finden können, daß sie nicht unseren eigenen Landsleuten im Wege stehen. Die grundsäßlichen Forderungen sind also folgende: 1. Verdoppelung der Immatrikulationsgebühren, 2. Verdoppelung der Kollegiengelder und 3. Festsetzung der Immatrikulationstermine nach Abschluß der Immatrikulationen für deutsche Hörer. Zu diesen grundsäßlichen Forderungen muß dann noch eine weitere hinzutreten und zwar diejenige der Gegenseitigfeit. Angehörige solcher Staaten, die unseren Studierenden die Gastfreundschaft verweigern, die hier gewährt wird, müssen entsprechend differenziert werden. Rußland beispielsweise gewährt nur den Ausländern im beschränkten Maße die Aufnahme und verweigert die Anerkennung der im Ausland erworbenen Qualifikationen. Wer in Rußland studieren will, muß vorher noch die dort landesüblichen Prüfungen ablegen. In Deutschland geht man aber in der Liberalität sogar soweit, daß russische Studierende hier Aufnahme finden, die in der eigenen Heimat vom Hochschulstudium ausgeschlossen wären. Die russischen Schulbehörden gewähren nur in einem beschränkten Maße die Aufnahme an die Hochschulen und knüpfen sie an die Bedingung eines bejonderen Konkurrenzeyamens. Diejenigen Elemente, die das Examen nicht bestehen, überschwemmen das Ausland und so ist es denn tatsächlich richtig, was Staatssekretär Freiherr b. Richthofen sagte, daß die russischen Studenten an deutschen Hochschulen vielfach die Auswahl nach unten darstellen. Unter solchen Umständen wäre für die Herren Russen doch wohl eine bescheidenere Sprache am Plaze gewesen. Die Eröffnung der feindseligkeiten. Die Optimisten haben unrecht behalten, die glaubten, der Abbruch der diplomatischen Beziehungen Japans mit Rußland bedeute noch nicht den Krieg. Denn in der Tat hat der Krieg gestern begonnen. Vor der Festung von Port Arthur haben die Japaner die russische Flotte mit Erfolg angegriffen. Statthalter Alexejew schildert in einem Telegramm an den Zaren den Verlauf dieses ersten kriegerisch Angriffs wörtlich wie folgt: „ efähr um Mitternacht des 8. auf den 9. Februar madjien japanische Torpedoboote einen plök. lichen Minenangriff auf das Geschwader, wel. ches auf der äußeren Rhede der Festung Port Arthur lag, wobei die Panzerschiffe Retwisan" und " Zesarewitsch" uno der Kreuzer„ Pallada" beschädigt wurden. r Charakter der Beschädigungen wird festgestellt. Einzelheiten folgen für Eure Majestät." Außerdem verlautet- bisher freilich in unverbürgter Form, daß die Japaner bereits einige russische Handelsschiffe weggenommen haben. Die militärische Situation. Die erste Schlappe der Russen zur See scheint das zu bestätigen, was deutsche Sachkenner von vornherein vorausgesagt haben. Japan ist den Russen zur See im Augenblick bedeutend überlegen. Die Zahl der Kriegsschiffe ist zwar auf beiden Seiten annähernd gleich, die Tonnenzahl ist aber auf japanischer Seite größer. Vor allem jedoch ist das Schiffsmaterial gleichartiger und moderner. Einem etwaigen Nachschub von russischen Seestreitfräften suchen die Japaner bereits vorsorglich ein Paroli zu biegen. Wie aus Santiago gemeldet wird, hat Japan eine Reihe neuer moderner Schlachtschiffe von Chile erworben: das Panzerschiff„ Capitan Prat", 1890 erbaut, mit 6900 Tonnen, 15 Knoten Geschwindigkeit und 12 Geschütze; den Kreuzer„ Chacabuco" mit 4500 Tonnen und 23 Knoten; den Torpedoaviso„ Almirante Condell" mit 750 Tonnen und 21 Knoten. Die Schiffe werden mit Proviant und Munition kriegsbereit abfahren. So sieht es zur See für die Russen recht trübe aus. Aber auch auf dem Lande sind die Verhältnisse lange nicht so günstig für sie, wie es nach den beständigen Meldungen von neuen Truppentransporten scheinen könnte. Rußland braucht zuviel Menschenmaterial zur notwendigen Sicherung seiner überaus empfindlichen Rückzugslinie. Nach genauen Schäzungen kann Rußland nur mit höchstens 120 000 Mann auf dem entscheidenden Schlachtfelde erscheinen, während Japan diesen mindestens 200 000 Mann entgegenstellen kann. Die Wahrnehmung der deutschen Interessen liegt, da es sich in der Hauptsache um einen Seefrieg handelt, vor allem in der Hand unserer Marineverwaltung. Diese hat sich ein großes Verdienst dadurch erworben, daß sie seit einer Reihe von Jahren einen Marineattachee in Tokio unterhält. Der jeßige Marineattachee Korvettentapitän Trümmler hat eine Reihe von Inspektionsreisen gemacht. Er gilt als ein ungemein scharfer Beobachter; dasselbe gilt von dem neuen Marineattachee in Petersburg Hinze, der ja lange Zeit in Ostasien gewesen ist. Sodann ist jetzt auch Kapitän zur See Freiherr v. Schimmelmann als Kommandant des großen Kreuzers„ Hertha" in Ostasien, der jahrelang Marineattachee in Petersburg war. Daß in unserem von dem Vizeadmiral v. Prittwitz und Gaffron befehligten hochmodernen Kreuzergeschwader sich zahlreiche Offiziere befinden, die schon wiederholentlich in Ostasien auf den Kriegsschiffen Dienst getan haben, braucht wohl nicht hervorgehoben zu werden. Was enthielt die russische Antwortnote? Die russische Regierung hält es für nötig, nochmals in einem langatmigen Communiqué ihre gänzliche Unschuld an dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen darzulegen. Ueber den springenden Punkt, daß ihre lette Note die befannten japanischen Wünsche sehr höflich, darum aber nicht weniger bestimmt erneut zurückgewiesen hat, gleitet sie mit einem glatten Phrasenstrom geschickt hinweg. Der langen Rede kurzer Sinn ist der: Wir hatten keinen Grund, bezüglich der Mandschurei in irgend welche Verhandlungen mit Japan einzutreten und in Korea llte es so bleiben, wie wir es von vornherein gewünscht itten. Da die japanische Regierung den Inhalt der ote bereits seit einigen Tagen kannte, ehe sie ihr offiziell bergeben werden sollte, so ist es wohl kein großes Verbrechen, wie die russische Erklärung es darstellen will, daß sie vom nußlosen Hin- und Herreden zu Taten überging. Der Krieg und das Völkerrecht. Die Eröffnung der Feindseligkeiten seitens der Japaner ohne vorangegangene offizielle Kriegserklärung bedeutet nicht etwa eine Verletzung des Völkerrechtes. Der Kriegszustand beginnt meist mit der förmlichen Kriegserklärung, doch ist eine solche nicht unbedingt erforderlich, wenn auch in den meisten Kriegen des 19. Jahrhunderts eine ausdrückliche Kriegserklärung stattgefunden hat. Eine solche Erklärung wird aber aud ersetzt durch den Beginn der Feindseligkeiten auf beiden eiten. Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen heb die Unverleßlichkeit der Gesandten nicht auf, der eigene Gesandte wird zwar abberufen, dem Gesandten des Gegners werden die Pässe zugestellt, die Heimreise der Gesandten steht aber, wenn sie nicht mit ungebührlicher Verzögerung erfolgt, bis zur Grenze des Empfangsstaates unter dem Schuße des Völkerrechts. Den Konsuln wird meist( aber nicht notwendigerweise) das Erequatur entzogen und die Vertretung der Interessen der Staatsangehörigen dem Vertreter einer be freundeten Macht übertragen. Den Staatsangehörigen des Gegners kann der Eintritt in das Staatsgebiet versagt und die auf dem Staatsgebiet weilenden Angehörigen des Gegners können, soweit nicht besondere Vereinbarungen im Wege stehen, im Lande zurückgehalten oder aber ausgewiesen werden. Während Frankreich 1870 die auf französischem Gebiete weilenden Deutschen( etwa 100 000, davon 40 000 in Paris) ausgewiesen hat, ist eine Ausweisung der gegnerischen Staatsangehörigen während des türkisch- russischen Krieges( 1877), sowie während des chinesisch- japanischen( 1894) und des spanisch- amerikanischen Krieges ( 1898) nicht erfolat. Interessante Neutralitätsfragen. Die„ Nowoje Wremja“ meldet aus Port Arthur:„ Infolge der den Mächten notifizierten und von diesen gebilligten ſtrengen Neutralität Koreas in dem ruſſiſch- javanischen Konflikte wird angenommen, daß Japan, welches die Neutralität ohne Anlaß verlegt hat, seine 12 Geschütze und Infanterie- Kompagnien aus Soul werde zurückziehen müssen. Es scheint also, als ob der Korrespondent des russischen Blattes der Ansicht ist, als ob die Mächte eine gewisse Garantie für die Neutralität Koreas übernehmen würden. Das ist indeß keineswegs der Fall, die vor etwa 14 Tagen bekannt gegebene Neutralität ist lediglich von den Mächten zur Kenntnis genommen worden- auch von Frankreich, das überhaupt bezüglich seiner eventuellen Bundeshilfe für Rußland große Zurückhaltung bewahrt. Auf eine Anfrage verschiedener Abgeordneten erklärte am Montag der Ministerpräsident, daß er das Parlament stets von etwaigen Maßnahmen unterrichten will. Einstweilen stehen also die beiden Kriegsparteien allein da, ohne Ausfichten auf eine weitere Hilfe, als diejenige des großen Aliierten, dessen Gunst für die russischen Waffen von dem Zaren in einem feierlichen Gottesdienst erfleht wurde. Die Japaner in Korea gelandet. Aus Söul wird das Eintreffen japanischer Pioniere ge= meldet; unter den Bewohnern daselbst herrscht in Erwartung des Eintreffens japanischer Truppen Unruhe; es liegen Nachrichten vor über die Landung einer größeren Abteilung japanischer Truppen in Masampho. Dort nahmen russische Handelsschiffe, die Schilka" und die„ Mandschuria" und ein anderes von den Russen gechartertes Fahrzeug, Kohlenvorräte für Port Arthur an Bord. Die Japaner fanden keinen Widerstand, und die weggenommenen Schiffe sind jetzt von japanischen Wachen besetzt Aus Tschifu wird telegraphiert: 60 japanische Transportdampfer landen an der koreanischen Küste Truppen. Mehrere kleinere russische Dampfer sollen von japanischen Kriegsschiffen weggenommen worden sein; wahrscheinlich handelt es sich um angebliche Walfischfänger, die Spionage trieben. Die Politik. * Wie uns gemeldet wird, wird Kardinal Fischer in Köln, der zur Teilnahme an den Herrenhaussigungen nach Berlin abgereist ist, am 14. d. M. vom Kaiser in Audienz empfangen werden. Aus Südwest- Afrika laufen jetzt die Nachrichten nur spärlich ein. Die einzig wichtige Meldung ist, daß der Feind die Umgegend von Omaruru verlassen hat und daß die Operationen gegen die Gobalis wieder aufgenommen wurden. Gouverneur Leutwein ist nach Swakopmund abgereist. Ueber die Stärke der Kompagnie Franke fehlen die Angaben. Man darf annehmen, daß sie in den befreiten Stationen und Karibib so viel Mannschaften der Schutztruppe, wie nur entbehrlich waren, herangezogen hat. Ihre Etatstärke beträgt nur 80 Mann; da aber auch Reservisten und Landwehrleute in den Verlustlisten aufgeführt sind, so ist die Vermutung gerechtfertigt, daß sie verstärkt wurde. Die sozialdemokratischen Mitglieder des Reichstags haben einen neuen Barlamentsrekord geschaffen. Nach der Statistik eines Parlamentsstenographen haben sie die längsten Reden gehalten, denn vom 4. Dezember bis 24. Januar haben in dem Stenogramm die Parteien folgenden Raum beansprucht: die Deutschkonservativen 85 Spalten, die Polen 35, das Zentrum 133, die Nationalliberalen 133, freisinnige Volkspartei 102, freisinnige Vereinigung 52, süddeutsche Volkspartei 21, Antisemiten 62, Sozialdemokraten hingegen 331 Spalten. Frankreich. Wie französische Minister vor dem Parlament miteinander verkehren, zeigt ein kleines Zwischenspiel, das sich vor kurzem in der Deputiertenkammer abspielte. Der Ministerpräsident Combes erzählte unter schallender Heiterkeit des Hauses einige Anekdoten aus dem Landarbeiterstreik in Südfrankreich, unter anderm auch wie die junge Geistlichkeit die Burschen lehrte, die Vesperglocken im Tafte zu schwingen, so daß Männlein und Weiblein sich im Reigen drehten. Zur Abwechslung schilderte er dann einen ernſten Vorfall, wie ein Großunternehmer namens Dresser einen mit einem Revolver bedrohte, Arbeiter namens Vernhes Das weil dieser ihn an schnellem Fahren hindern wollte. schnelle Tempo," so fuhr Combes fort,„ reizte die Streifenden; einer von ihnen sprang auf den Wagen. Die Gendarmen mußten einschreiten und Herrn Dresser( den Arbeitsherrn) befreien. Herr Vernhes( der Streifende) wurde verhaftet. Ich wundere mich, Herr Justizminister, daß Dresser nicht mitverhaftet worden ist." Justizminister Vallé erhebt sprachlos vor Erstaunen beide Arme gen Himmel. Schallende Heiterkeit und Lärm unter den Deputierten.) Ribot: Wozu sind denn eigentlich die Ministerräte da? Ich habe Ihnen schon einmal gesagt, daß es im Lande feine Regierung mehr gibt. Sie liefern mir auf's neue den Beweis dafür."( Beifall.) Combes: Ribots Zwischenbemerkung war überflüssig. Beim Ministerrat heut morgen hatte ich diese Informationen noch nicht. Ich wollte übrigens hinzufügen, daß der Verhaftete Vernbes fich feine Gedanken. fe bann und wann zu ihrer nichte fagfe, im übrigen machte an weit, Silda, und erhitz' dich nicht!", das war alles, was froh, menn man sie überhaupt in Ruhe ließ. Man traf höchstens einen HolzBauf' nicht fäller in Bald enn einem Kind leicht zurecht zu weisen und ihm den Heimweg zu zeigen? waldes hinein, und sie waren freundlich genug, das Kind gentur lo faut bier in die feierliche Stille des Hochgebirgsnicht böse aufeinander, und ihre Stimmen flanIangiam. Ieife mic cing floing ging es näher: fam und weshalb sie wohl hier liegen bleibe. fie bon neuem die Besinnung und hatte nur ein undeutnur eine dumpfe Verwunderung darüber, wie sie hierher mas sie vor kurzem erlebt hatte, kam über sie, fie empfand Bald verlor Tichoć rauchen, die Sie so gern zu haben scheinen," antwortete Himmel versetzt worden wäre. Kittie, und mir war es dabei, als ob ich in den siebenten Ein par minuten darauf beugte ich mich abermals unter freigesprochen ist und daß der unbehelligt gelassene Dresser strafrechtlich verfolgt wird."( Endloses Gelächter.) Tableau! Balkan- Staaten. A Die Ministerkrise in Serbien stößt auf erhebliche Schwierigkeiten, weil Protisch die Kabinettsbildung abgelehnt hat und Gruitsch keine Lust hat, ein Kommis der Königsmörder zu werden; gleichwohl aber hat er vom König den Auftrag der Kabinettsbildung übernommen. Lange wird seine Ministerherrlichkeit nicht dauern. Hof und Gesellschaft. Der Kaiser machte gestern eine Promenade im Tiergarten, zu der Flügeladjutant v. Grumme befohlen war, stattete dem Reichskanzler Grafen v. Bülow einen Besuch ab und nahm im königlichen Schloß Meldungen entgegen, und zwar von Teilnehmern an der Mittelmeerfahrt des Dampfers Auguste Viktoria". Darauf empfing der Kaiser Vorträge. Am vorgestrigen Nachmittag besuchte der Kaiser mit dem Prinzen Heinrich das Landesausstellungsgebäude zur Besichtigung von für die Weltausstellung in St. Louis bestimmten wissenschaftlichen Gegenständen, in Gegenwart des Kultusministers Dr. Studt und des amerikanischen Botschafters Charles- Tower. Der Kaiser hat befohlen, daß das Linienschiff„ Kaiser Wilhelm II.“ am 26. Februar nach Wilhelmshaven gehen soll, um ihn dort für eine Fahrt nach Helgoland an Bord zu nehmen. Der Kaiser gedenkt, zwei Tage auf dem Eiland zu weilen. Voraussichtlich wird das Kaiserpaar im Frühjahr einen längeren Aufenthalt in Homburg v. d. Höhe nehmen. *** Der König von Württemberg ist nun doch zur Vermählungsfeier seiner Nichte, der Herzogin Alice von Albany, mit dem Prinzen von Teck, nach England gereist. Er ist mit seiner Gemahlin bereits in London eingetroffen. Aus den Parlamenten. * Im Reichstage brachte Abg. Gröber eine Resolution ein, die die Regierungen um Einbringung eines Gesetzentmurfes ersucht, wonach für den durch Automobile herbeigeführten Personen- und Sachschaden der Betriebsunternehmer haftbar gemacht wird, sofern er nicht beweist, daß der Unfall durch höhere Gewalt oder eigenes Verschulden des Beschädigten verursacht worden ist. * Im Reichstag ist ein Antrag vorbereitet worden, die in der Budgetkommission abgelehnte Forderung von Ostmarkenzulagen für Postbeamte in der Form von unwiderruflichen Zulagen für die zweite Beratung des Poſtetats im Plenum wieder aufzunehmen. Sobald die genügende Zahl von Unterschriften vorhanden sein wird, soll der Antrag eingebracht werden. * Die Sonderkommission des Reichstags für die Beratung des Gesezentwurfs betr. die Kaufmannsgerichte hat sich mit 7 gegen 6 Stimmen gegen die Gewährung des Stimmrechts an die Frauen entschieden, nachdem die Bundesratsbevollmächtigten für Bayern, Sachsen und Württemberg im Falle eines gegenteiligen Entscheids das Scheitern der Vorlage angekündigt hatten. * Die Budget kommission des Reichstages hat die Gehaltserhöhung für die Unteroffiziere bewilligt. Auf eine Anfrage des Abg. Dr. Arendt erklärte der Kriegsminister v. Einem, daß der Titel Veterinärarzt für die ehemaligen Roßärzte beibehalten werden. * Dem koburg- gothaischen Landtage ist ein Gesetzentwurf zugegangen, welcher die bisherige öffentliche Landtagswahl aufhebt und die geheime Zettelwahl mit Wahlkuverts und Isolierraum bei den Urwablen einführt. Deutfcher Reichstag. ( 28. Sizung.) CB Berlin, 9. Februar. Dem Beginne der Sitzung wurde mit einiger Spannung entgegengesehen, da sich das Grücht verbreitet hatte, der Reichskanzler werde vor Eintritt in die Tagesordnung eine Mitteilung über die Haltung Deutschlands zum russischjapanischen Konflikt abgeben. Graf Bülow erschien indes nicht im Hause, welches in Anwesenheit des Staatssekretärs Grafen Posadowsky die Beratung des Etats des Reichsamts des Innern beim Kapitel Reichsgesundheitsamt fortsette. Unterstaatssekretär Hopf antworte e auf eine Anfrage des Abg. Müller Sagan( freis. Volksp.), daß die Frage des Doktortitels für Veterinäre Landessache sei, daß aber die Landesverwaltungen gegen die Verleihung eines solchen Titels( der in Bayern bereits besteht), iedenfalls nichts einzuwenden haben würden. Der Wildhirt. Eine oberhessische Dorfgeschichte von J. Becker. ( Fortsetzung.) ( Nachbruck verboten.) Am andern Morgen aber drohte ein Ungewitter in Pierersch Hause loszubrechen. Der Vater Hagcurts war im Hausgarten gewesen und hatte unter dem Fenster, wo jener eingestiegen, die Leiter am Boden liegen sehen. Dem alten Pierersch war es ja nun auch zu Ohren gekommen, daß der Hangcurt mit dem Tiophel auf dem Anstand gewesen sei. Er hatte aber nichts gesagt. sondern nur scharf acht gegeben, ob er nichts entdeckte, was dieses Gerede bestätige. So lange er in dieser Beziehung keinen Beweis hatte, sagte er fein Wort, wenn er jedoch einen solchen erhielt, dann war es um so schlimmer. Der Pierer war ein Mann Mitte der Fünfzig, also noch in der vollen Manneskraft, dabei von starkem robustem Körperbau und rücksichtsloser Energie, selbst bewußt und stolz auf seinen Besit. In Haus und Hof herrschte die strengste Ordnung, es ging Alles nach borgeschriebenen Gesetzen und wehe dem, der sich unterfing, gegen die im Hofe herrschenden Regeln zu sündigen der Pierersch" fonnte in solchem Falle schim pfen, ,, die Leute abfangen" sagt man auch in Oberhessen wie der beste hessische Gerichts- Actuar. Namentlich konnte er eine Miene aufstecken, die so viel Verachtendes und Niederschmetterndes für den Betroffenen barg, daß sie in den meisten Fällen schon den beabWürttembergischer Ministerialdirektor v. Schicker rechtfertigte das Geheimmittelwesen. Präsident Köhler wies den vom Abg. Müller- Sagan aufrecht erhaltenen Vorwurf betr. Bureaukratismus bei der biologischen Abteilung zurück. Graf Reventlow( wirtsch. Verein.) wandte sich gegen die gestrigen Angriffe Scheidemanns auf das Fleisch schaugesetz. Eine Fleischnot habe seit zehn Jahren in Deutschland nicht bestanden und bestehe auch heute nicht. Die gewaltigen Viehbestände bewiesen im Gegenteil eine Ueberproduktion, namentlich an Schweinen. Jeder erfahrene Landwirt werde dem Abg. Scheidemann sagen, daß Schweine unverfäuflich seien und daß es am besten wäre, sie totzuschlagen und Seife daraus zu machen. Trotzdem müsse der Konsument allerdings hohe Preise zahlen. Die Schuld daran liege teils an den hohen Fleischschaugebühren und sonstigen Gebühren in den Städten, teils an den Händlerringen. Staatssekretär Graf Posadowsky versichert einem Wunsche des Abg. Graf Bernstorff= Uelzen entſprechend, daß die Arbeiten der biologischen Abteilung nach Möglichkeit der Deffentlichkeit zugänglich gemacht würden. Aus eine Beschwerde des Abg. Klose( Bentr.) über die Höhe der Schaugebühren erwiderte der Staatssekretär, daß das Landessache sei. Daß das Reich die Schaugebühren übernehme, könne er nicht in Aussicht stellen. Abg. Wallau( ntl.) verteidigte das inländische Schwein, das Abg. Scheidemann gestern als Inbegriff aller Schlechtig= keit und Bosheit hingestellt habe, dagegen das Schwein des Auslandes fein Engel ist so rein!"( Heiterfeit.) Die Schaugebühren seien unhaltbar hoch. Ein allgemeiner Schauzwang für Hausschlachtung sei seiner Ansicht nach nur möglich in Verbindung mit einer obligatorischen Viehversicherung, dergestalt daß der Besitzer entschädigt werde, wenn sein Vieh sich bei der Besichtigung als frank herausstelle. Abg Dröscher( fons.) führt aus, die deutsche Landwirtschaft müsse dahin gebracht werden, den heimischen Fleischbedarf allein decken zu können. Abg. Dahlem( 3entr.) stellt fest, daß die obligatorische Einführung der Fleischschau für Hausschlachtungen in den Einzelstaaten dem ausdrücklichen Willen des Reichstages widerspreche, der s. 3t. ausschließlich in dringenden Fällen die Fleischbeschau bei Hausschlachtungen habe zulassen wollen. Auf eine Beschwerde des Abg. Horn- Sachsen( Soz.) über die mangelnde Fürsorge für die Glasarbeiter erwidert Graf Posadomsky, es sei ja nicht möglich, in den Glashütten jedem Arbeiter sein eigenes Mundstück zum Glasblasen zu geben, um Ansteckungen zu verhüten. Er werde sich darüber an Ort und Stelle informieren. Abg. Graf Kanit ( fons.) erörterte die Frage der Fleischproduktion im Verhältnis zu den Fleischpreisen. Die letzteren seien zu niedrig, ebenso auch unsere Zollsätze auf Vieh. Und so geht es im Zwiegespräch zwischen den Abgeordneten verschiedener Parteien einerseits und den Regierungsvertretern, besonders dem vielgeplagten Grafen Posadowsky, andererseits, bis zu der lanameilinen Sißuna feligem Ende Nah und Fern. A Ein deutscher Dampfer gestrandet. Wie aus Flensburg berichtet wird, ist der dort beheimatete Dampfer ,, Harald", Kapitän Petersen, 30 Meilen nördlich von Cap Vincent gestrandet. Von der 10 Mann betragenden Besazung wurden 8 Mann gerettet. Man vermutet, daß das Schiff vollständig verloren ist. Die Brandkatastrophe von Baltimore hat auf einem Raum von 140 Morgen sämtliche Gebäude zerstört und wütet noch weiter. Die Straßen sind an vieln Stellen 10 Fuß hoch mit Trümmern bedeckt. Militärische Bewachung ist eingerichtet. Die Ordnung ist nicht gestört. Aus Waſhington sind Pioniere mit großen Mengen Schießbaumwolle unterwegs, um durch Sprengungen dem Feuer die Nahrung zu entziehen und so eine Weiterausdehnung zu hemmen. Rauch und Staub waren so schlimm, daß die Löschmannschaften zu Dußenden erfrankten. Die Hospitäler enthalten bis jetzt 100 Verletzte, darunter den Brandchef Horton, welcher unter eine stürzende Mauer kam. Die Stadt ist taghell erleuchtet, obwohl alle künstliche Beleuchtung versagt. Die Straßen Baltimores sind von einer ziellos hin- und herwogenden Menge gefüllt, welche mit Grauen sieht, daß der starke, durch den Brand erzeugte Luftdruck große Feuerbrände in entlegene Stadtviertel trägt und dort neue Brände erzeugt. Bürger aller Klassen verlassen die Stadt. Hunderte von Schiffen, die im Hafen lagen, sind in See gegangen, um den Flammen zu entgehen. Der bisher angerichtete Schaden wird auf 200 bis 300 Millionen Dollars geschätzt. fichtigten Zweck erreichte, ohne daß er auch nur ein Wort zu sagen brauchte. Pierersch Hof war weit und breit bekannt als ein guter Gesindeplag. Es gab da die besten Löhne, tüchtig Arbeit, aber auch satt und kräftig zu essen. Wer also den Anforderungen genügen konnte, die in dem Hofe gestellt wurden, der hatte es in Pierersch" gut. Als der Pierer, die Hände auf dem Rücken, vom Garten in den Hof trat, konnte jeder der darin Bediensteten, die ihn dos fennen mußten, bemerken, daß etwas nicht richtig" bei ihm war. Sein Mund war der Breite nach und die buschigen Augenbraunen tief herabgezogen, nach diesen Anzeichen also ein Gewitter zu gewärtigen. Niemand hatte jedoch eine Ahnung, über wen es sich entladen würde. In Perersch Hause sah es sonntagsmäßig feierlich aus. Das Blechgeschirr in der großen Küche war blizblank gepußt, der gepflasterte Hauseahrn( Hausgang) und die steinernen Stufen, welche von ihm aus in die geräumige Wohnstube führten, mit gelbem Sand und die frisch gekehrten Dielen der letzteren mit weißem Sand bestreut. Dem großen Tisch in der Ecke nach dem Hofe sah man es noch an, wie säuberlich er gestern mit Strohwisch und nassem Sand abgerieben worden war. Auf dem Tisch stand noch eine kleine blaue Tasse und ein Teller mit Butter, daneben lag ein halbes Brod. Es war also noch Jemand im Hause, der seinen Morgenkassee noch nicht getrunken hatte. *[ Die japanische Nationalhymne,] die in diesen Tagen überall in Tokio begeistert gesungen wird, hat nur einen Vers, ist dafür aber auch uralt. Sie heißt Kimigayo und lautet in Uebersetzung: Möge die Regierung unseres Herr schers tausend Jahre dauern und noch achttausend Jahre fänger, bis die Steine feine Felsen mehr sind, und das Moos nicht mehr dick wächst!" [ Landestrauer in Korea.] Die Schwägerin des Kaisers von Korea, eine 75 Jahre alte Dame, die der Kaiser der koreanischen Sitte gemäß auch als Mutter betrachtete, ist fürzlich gestorben. Die Landestrauer dauert ein Jahr. Als Zeichen der Trauer müssen die Koreaner während dieser Zeit weiße Kleider, einen weißen Hut und weiße Schuhe tragen. Das ist hart für die Armen und für die schlecht bezahlten Beamten. Die Preise dieser Trauerartikel sind durch die große Nachfrage ganz bedeutend gestiegen, und wer sich ohne Trauergewand auf der Straße blicken läßt, den faßt sofort die heilige Hermandad. Interessante Versuche mit clektrischen Schnellzugslokomotiven werden zurzeit von der Newyorker Central Railway angestellt. Die Maschine soll imstande sein, einen vollbesetzten Personenzug mit einer Geschwindigkeit von 215 Kilometer in der Stunde zu befördern. Eine besondere Versuchsstrecke( 15 Kilometer) in der Nähe von Schenectady wird vorbereitet, und die Versuche solle Mitte Februar beginnen. Wenn sie erfolgreich sind, sollen die Maschinen an Stelle der jeßigen Dampflokomotiven bei der Newyorker Central Railway eingeführt werden. † Ein Unmensch. Vom französischen Marineminister ist eine Untersuchung gegen einen Schiffskapitän eingeleitet worden, der ein zwischen Frankreich und Neu- Fundland verfehrendes Schiff führt. Der Unmensch hat einem Matrosen beide Ohren abgerissen und, als dieser an Verblutung starb, an der Leiche eine scherzhafte Rede gehalten. Ein Matrose, der drohte, davon Anzeige zu machen, wurde nach furchtbaren Martern ermordet und sein Leichnam„ zum warnenden Beispiel" entblößt an den Mast gebunden! Hus dem Gerichtsfaal. § Pfälzische Weinpanscher. Die Straffammer in Landau verurteilte den Weinhändler Gustav Benario wegen Weinälschung zu 1 Monat Gefängnis und 3000 Mart Geldstrafe; ferner wegen desselben Vergehns den Weinhändler Hermann Boldmann zu 3000 Mark Geldstrafe und die Großkaufleute Ferdinand Scharff und Samuel Scharff zu je 1 Woche Gefängnis und 3000 Mark Geldstrafe. * ber Stä borlag eines ftimment empfiehl Vorfte dienst, Die Bete Späteren fellungen ift aus m zu entspre von der J antragt,& 2 alten Un Inftitut, Institut willigt. botanifd lifte des ebenfo 5 40 000 2 langt und beffen. 40 000 M direktioner Einnahme Betrag v * Jahren einigen fammeng der Ofta fchine, w Beiten ausschaue Gaal hat Mördern ** § Die Abbitte des Staatsanwalts. In dem kürzlichen Presse des herzoglichen Hofkapellmeisters Mikorey gegen den Opcenfänger Kienleichner, in dem, wie gemeldet, der letztere wegen Körperverlegung von der Strafkammer in Dessau zu drei Monaten Gefängnis verurteilt wurde, hatte der Staatsanwalt in seinem Plaidoyer mit Bezug auf einen Zugen, den Reserenor Hißbach, von ,, niedriger Gesinnung" gesprochen. Wie nunmehr der Anhaltische Staatsanzeiger" erfährt, hat der Staatsanwalt Kinner den gegen den genannten Zeugen gebrauchten Ausdruck selbst nicht beabsichtigt, die Aeußerung ist ihm vielmehr er im Eifer der Rede entschlüpft. Der Staatsanwalt hat deshalb auch bereits Veranlassung genommen, dem Referendar ißbach sein Bodanern auszusprechen und ihn um Entschuldigung zu bitten.**** § Der Raubanfall auf den Postboten Bent in Stude zienna fand vor dem Schwurgericht in Ratibor ein Nach spiel. Unter der Anklage des versuchten Wordes und des, vollendeten Raubes hatte sich der 24jährige Eisenbahnschlosser Wiesner, ein Sohn des Hauptlehrer Wiesner in Studzienna, zu verantworten. Der Angeklagte wurde beschuldigt, kurz vor Weihnachten den dortigen Postboten auf einem Bestellgange hinterrücks überfallen, ihm mit einer Art schwere Verlegungen beigebracht und dem Wehrlosen schließlich den Postbeutel mit 200 Mark Inhalt geraubt zu haben. Der Angeklagte war in vollem Umfange geständig; der Beutel mit dem Geld wurde seinerzeit im Hause seiner Eltern versteckt aufgefunden. Der überfallene Beamte ist inzwischen völlig wiederhergestellt worden. Das, Urteil lautete auf zwölf Jahre Zuchthaus. § Durch Irrtum ins Zuchthaus. Im Oktober v. J. wurde der Handelsmann Stampehl aus Stendal vom dortigen Schwurgericht wegen Beihilfe zum Straßenraub zu 1 Jahr 3 Monaten Zuchthaus verurteilt. Die Strafe ist jetzt im 3nadenwege in eine Gefängnisstrafe von gleicher Dauer unjewandelt worden. Mitangeflagt war als der eigentliche Täter damals der Arbeiter Gruba, dem mildernde Umstände sugebilligt wurden, während die Geschworenen sie dem Stampehl gegenüber verneinten. Es wurde festgestellt, daß ihr Verdikt in letter Hinsicht auf einem Irrtum beruht, der zur Erkennung auf Zuchthausstrafe führte. Der Pierer trat in die Stube und warf einen zornigen Blick nach den auf dem Tische stehenden Sachen, dann ging er, immer noch die Hände auf dem Rücken, sinnend in der Stube auf und ab. Nach geraumer Weile trat der Hangcurt ein. Er kam eben aus dem Bett. Er hatte nicht im geringsten eine Ahnung davon, daß man ihn stark im Verdacht habe die Nacht über draußen und mit dem Tiophel auf dem Anstand gewesen zu sein. Er sagte ,, Guten Morgen" nnd setzte sich dann hinter den Tisch, um Kaffee zu trinken. Der Pierer, welcher auf seinem Gang durch die Stube eben wieder eine Wendung gemacht hatte, trat mit seinem finsteren Gesicht vor ihn hin, so daß der Hangcurt sofort merkte, daß etwas los" war. „ Wo warste heut Nacht?" fragte sein Vater. " Hm, ich war in Wirth's und sein' n bißchen spät nach heim kommen." " So, wann biste da aus Wirth's' rausgange?" " Ich weiß mit mehr." ,, Wer war denn bei Dir?" „ Die Bursche." Ja, in Wirth's! Ich mein d'rnach, wie Du haußwarst!" Da war ich allein." " " So, warst nit be m Gänsettophel?" Hangcurt wurde„ rißerot" im Gesicht und sah unter sich. Er hörte schon das„ heilige Kreuzdonnerwetter", das sich über seinem Haupte zusammenzog. ( Fortsetzung folgt.) Fabr abzuhalt wünscher Vorhabe Δ Abend bersam Vorfize gab Her und auf wefenen genehmigt Der Beri geheißen. Afflamati das sind Bommer Schriftfü Wahl de erfolgte, Die bishe Dorr, Fi Robleder, ftand ift früher der wurde au eine Samp die Neber weftafrifa Die Sam auch hier Hilfe ftets Debatten * S * Diehmart Pat Rum fone un find abne allen de einfade Aus Bejchläger Groß in diesen Tagen hat nur einen Kimigayo und gunjeres Herr httausend Jahre sind, und das erin des Kaisers der Kaiser der betrachtete, ist ein Jahr. As rend dieser Zeit Schuhe tragen. lecht bezahlten sind durch die Ower sich ohne faßt jofort die Sajnculzugs horter Central ande jein, einen windigkeit von n. Eine besontNähe von Schefolle Mitte Fe id, sollen die motiven bei der den. rineminister ist än eingeleitet Fundland ver inem Matrosen rblutung starb, Ein Matrose, de nach furcht..zum warnenen! al. nmer in Landau io wegen WeinMart Geldstrafe; ändler Hermann ie Großkaufleute je 1 Woche Gedem kürzlichen Mikoren gegen ie gemeldet, der Straffammer in ilt wurde, hatte Bezug auf einen iger Gesinnung" Staatsanzeiger" gegen den genicht beabsichtigt, Fer der Rede ent ch bereits Veran h sein Bedauern u bitten. suf Bent in Stud tibor ein Nach Cordes und des rige Eisenbahn rers Wiesner in flagie wurde be en Postboten auf ihm mit einer dem Wehrlosen Inhalt geraubt em Umfange ge de seinerzeit im Der überfallene t worden. Das ber v. J. wurde Ibom dortigen raub zu 1 Jahr rafe ist jetzt im cher Dauer un der eigentliche ernde Umstände sie dem Stam gestellt, daß ihr beruht, der zur warf einen che stehenden inde auf dem 6. curt ein. Gr im geringsten im Verdacht Tiophel auf ch dann hinter ierer, welcher wieder eine finsteren Geofort merkte, n Vater. n bißchen spät rausgange?" Du baußwarft!" icht und sah Kreuzdonnerammenzog. thegung folgt.) Lokales. 10. Februar 1904. * Der vom 1. Ausschuß der zweiten Kammer der Stände vorliegende Bericht über die Regierungsvorlage, betreffend Entwurf eines Gefeßes, die Bildung eines Ausgleichsfonds betreff nd, spricht sich zustimmend zu Tendenz und Inhalt der Vorlage aus und empfiehlt unveränderte Annahme. Der Bericht über die Vorstellung von Gehilfen im mittleren Eisenbahndienst, betreffend ihre dienstlichen Verhältnisse. Die Betenten erstreben eine diätarische Anstellung mit der späteren Möglichkeit des Aufrückens in mittlere Beamten fellungen. Das Großherzogliche Ministerium der Finanzen ist aus mehrfachen Gründen nicht in der Lage, dem Gesuch zu entsprechen. Der Ausschuß erkennt die Richtigkeit der von der Regierung angeführten Gründe vollauf an und beantragt, der Vorstellung teine Folge zu geben. ** Aus dem hess. Etat. Für den Umbau der alten Universitätsbibliothek in Gießen, in die das botanische Institut, das landwirtschaftl. Institut und das geographische Institut untergebracht werden soll, wurden 35 000 mf. be= willigt. Die nachgesuchte Kreditübertragung für den Die Zivilbotanischen Garten in Gießen wurde erreilt. liste des Großherzogs wurde mit 1 265 000 Mt. genehmigt ebenso 5142,68 Mt. zur Bestreitung der Ordenskosten. 40 000 Mt. werden für die Provinzial- Sichenanstalten verlangt und zwar je 20000 Mt. für Oberhessen und Rheinhessen. Die vom Ausschuß beantragte Bewilligung der 40000 Mt. wurde genehmigt.- Zu der Position Provinzialdirektionen und Kreisämter beantragt der Ausschuß: in Einnahme den Betrag von 256 555 Mt., in Ausgabe den Betrag von 737 900 Mt. zu bewilligen. - * Die Guilliotine, welche in den letzten 10 Jahren in Gießen 2 Mal Arbeit hatte, befindet sich seit einigen Tagen vollständig bis auf das fehlende Fallbeil zusammengebaut im Schwurgerichtssaal des Justizgebäudes an der Ostanlage. Notwendige Reparaturen an der Koepfmaschine, welche übrigens noch ein Original aus französischen Beiten sein soll, haben bedingt, daß man das unheimlich ausschauende blutrot angestrichene Instrument in demselben Saal hat aufstellen müssen, in dem vorkommenden Falles den Mördern das Todesurteil gesprochen werden muß. *** Wie wir hören, beabsichtigt in diesem Jahr der Fahr- Beamtenverein Gießen eine Fahnenweihe abzuhalten, was allgemeine Anerkennung finden wird. Wir wünschen dem ftrebsamen Verein ein Wohlgelingen zu sei em Vorhaben. Bei der A Der Kriegerverein Gießen hielt gestern Abend im Vereinslokal Feidel seine diesjährige Generalversammlung ab. Der Besuch war entsprechend gut. Der Vorsitzende, Herr Amtsgerichtsrat Wiener leitete dieselbe, gab Bericht über das verflossene Vereinsjahr im allgemeinen und auf seinen Vorschlag hin wurden die erforderlich gewefenen Mehrausgaben in 1903 nachträglich einstimmig genehmigt. Dem Rechner Dort wurde Entlastung erteilt. Der Bericht des Schriftführers Möbus wurde ebenfalls gut geheißen. Die Vorstandswahl ging sehr glatt von statten. Per Afflamation wählten die Kameraden die Beamten des Vereins, das sind Herr Amtsgerichtsrat Wiener als 1., Straßenmeister Bommersheim als 2. Vorsigender, Bureauvorsteher Möbus als Schriftführer und Kaufmann Dort als Kassierer. Wahl der 12 Ausschußmitglieder, welche durch Stimmzettel erfolgte, wurden mit Ausnahme eines einzigen Kameraden, die bisherigen wiedergewählt, nämlich die Kameraden Aug. Dörr, Förtsch, Schmied Heß, Kling, Merkel, Möser, Nickel, Rohleder, Sauer, Stuhl und Wehrum; neu in den Vorstand ist eingetreten Konrad Schäfer, der schon einmal früher demselben angehört hat. Beim Punkt Verschiedenes wurde auf Anregung des Herrn Amtsgerichtsrat Wiener eine Sammlung angeregt für die ähnlich wie für die s. 8t. durch in Süddie Ueberschwemmung geschädigten Kameraden weftafrika lebenden Angehörigen des Deutschen Kriegerbundes. Die Sammlung ergab 10 Mart 35 Pfg. Es zeigte sich auch hier wieder, daß wahre Kameradschaft in Stunden der Hilfe stets opferwillig eintritt. Nach verschiedenen andern Debatten erfolgte gegen 12 Uhr Schluß der Versammlung. ** Viehmarkt Gießen. Auf dem gestrigen RindDiehmarkt war ein Vorrat ron 1300 Stück Grokvich und Ohne Fleiss keinen Preis AURORA Patentkummet der Deuzeit. Dreifacher Schutz. Kummete aus einem Stück Leder ohne jegliche Naht, schöne unveränderliche Form und tadelloser Sitz. Hölzer find abnehmbar, was bei Zusammenhängen oder Um250 Kälber vorhanden. Der Vormarft, bei dem nur schwarzbunte Milchfühe gehandelt wurden, zeigte für das Geschäft in frischmelkender Ware einen überaus flotten Handel. Am Markt selber war die alte Kundschaft sehr zahlreich vertreten und zeigte für Milchkühe recht flotte Kauflust, so daß für diese Ware die Preise anzogen. Der Fettviehhandel da gegen war flau, es machte sich die Einfuhr der fetten Ware aus Desterreich nach den großen Fleischmärkten wie Frankfurt a. M., Köln a. Rh., welche von Woche zu Woche zunimmt, schon fühlbar auch auf unserem Provinzialmarkt. Auch der Kälberhandel wird davon beeinflußt, wozu noch das nasse Wetter tommt, sodaß heute die Tiere nur zu weichenden Preisen anzubringen waren, abschon unsere heimische Meßger Bedarf hatter. Die Preise für Gangvieh, welches in schönen Paren vertreten war, zeigten sich sehr hoch, obschon der Handel darin nicht sehr lebhaft wurde, weil es für Gangvieh noch zu früh im Jahre ist. Gehandelt wurden Milchfühe frischmelkend und tragende Ware I Qual. 430-480 Mt., einzelne hervorragende Stücke bis über 500 mt. II Dual. 340-410 Mt. III. Qual. 270-320 mt. Fettvieh ging ab pro Ctr. Schlachtgew. Kinder I. Qual. 63-65 Mr. II. Qual. 59-62 Mt. Kühe 48-52 Mt. Kälber I. Qual. 70-75 Mt. II. Qual. 62-68 Mt. III. Qual. 56-60 Mt. Gangochsen pro Par brachten I Sorte 825-900 f. II. Sorte 720-800 Mt. III. Sorte 650-700 Mf. Der Markt endete spät, wurde aber ziemlich geräumt. Nächster Rindviehmarkt Dienstag 23. Febr. d Is. ** Der Krieg zwischen Rußland und Japan hat an der Börse bereits einen Preissturz der Staatspapiere und Aktien hervorgerufen. Es haben bereits verloren: Darmstädter Bank 3 Prozent, Diskonto- Kommandit- Bank 6 Proz., Deutsche Bank 6 Proz., die 3/2 proz. Deutsche Reichsanleihe verlor nur Bruchteile, die 3proz. Deutsche Reichsanleihe wich von 91.60 auf 90.75, die Desterr. Kreditaktien verloren 6,40 Proz., die 4proz. russ. konsolid. Anleihe von 1880 ging von 96.70 auf 93.75 zurück, alle anderen um 2-3 Proz., die Japaner wichen von 72% auf 68% Proz. Die meisten Industriewerte haben 5-6 Proz. verloren. * * Dem Antis. Abgeordneten Gräfe ist unter a. wegen seiner Rede zur Verteidigung Sachsens gegen die sozialdemofratischen Angriffe folgender drahtlicher Glückwunsch des Prinzen von Schwarzburg aus Dessau zugegangen: " Freudigst berührt durch Ihre eben gelesene glänzende Rede, spreche ich Ihnen meinen herzlichsten Glückwunsch aus in der Hoffnung auf schnelles Wachsen der Zahl Ihrer begeisterten Anhänger des Wahlspruchs ,, in hoc signo vinces". " Prinz von Schwarzburg." ** Launsbach, 10. Febr. Der hiesige Turnverein hält kommenden Sonntag in seinem Vereinslokal eine Kappen fißung ab; hoffentlich wird dieselbe mit bestem Gelingen abschließen.„ Gut Heil." Lich. Die Sammlungen der Spenden für das in hiesiger Stadt zu errichtende Fürst Ludwig- Denkmal haben allein aus Kreisen unserer Bürgerschaft 1000 Mt. ergeben und steht, wie von unterrichteter Seite versichert wird, zu erwarten, daß die Höhe von 12-1500 Mt. Hier erreicht werden wird. Aus dem Ohmtal. Seit vorgestern ist infolge des Tauwetters der Ohmfluß aus den Ufern getreten und hat das ganze Wiesental wieder einmal in einen großen See verwandelt. Ganze Scharen von Wildenten sind eingefallen und scheinen sich in dem nassen Element sehr behaglich zu fühlen. Gemünden a. d. W., 9. Febr. Gegenwärtig wird die Frage ventiliert, eine bessere Beleuchtung zu schaffen. Ein Versammlung, die dieserhalb einberufen wurde, sprach sich zustimmend aus und da sich eine große Anzahl LichtAbnehmer schon gefunden, ist die Anlage einer elektrischen Zentrale schon gesichert. Der Preis für eine Flamme 16 Kerzen start beläuft sich jährlich auf 10.50 Mt. | durch die sehr saubere Arbeit und geschmackvolle Ausführung allgemeine Anerkennung findet. × Frankfurt a. M., 9. Febr. Heute morgen furz vor 10 Uhr stieß auf dem Bahnhof Höchst a. M. der von Soden kommenden Personenzug mit einem Rangierzug zusammen. Mehrere Wagen sind beschädigt, Personen wurden nicht verlegt. Darmstadt, 9. Febr. Das Befinden der drei noch darniederliegenden Gemeindeschwestern ist nach wie vor sehr besorgniserregend. Besonders der Zustand einer Schwester giebt wenig Hoffnung auf Besserung. † Mainz, 9. Febr. Heute Vormittag fand man die Ehefrau des Schloffers Veit Gallert in ihrer Wohnung an einem Taschentuche erhängt vor. Da Gallert vor Jahresfrist schon einen mißglückten Mordversuch auf seine Frau gemacht hatte, wurde er unter dem Verdachte, seine Frau aufgehängt zu haben, verhaftet. Neueste Nachrichten. Ueber Berlin wird folgendes gemeldet: *** Port- Arthur, 9. Febr. Fünfzehn japanische Kriegsschiffe haben heute die Festung angegriffen. Das Feuer wurde erwiedert, das russische Geschwader griff ins Gefecht mit ein. Drei russische Kriegsschiffe sind beschädigt. Nach einstündigem Kampfe dampften die Japaner ab. Russischerseits sind Tote und Verwundete zu beklagen. Die Meldung betr. den Angriff auf die russischen Kriegsschiffe vor Port- Arthur hat in französischen Kreisen einen ziemlich deprimierenden Eindruck hervorgerufen. *** Die„ Algem. Marine- Korrespondenz" meldet heute, daß die japanische Regierung unmittelbar vor Ausbruch der Feindseligkeiten mit Rußland noch zwei neue gewaltige Schlachtschiffe in England bestellt hat. Um die Herstellung zu beschleunigen, sind die beiden Schiffe verschiedenen Werften in Auftrag gegeben. Diese neuen Schiffe werden die stärksten Schlachtschiffe, welche bisher überhaupt erbaut sind. Ihre Geschwindigkeit soll 18,5-19 Knoten betragen. Ihre Ablieferung soll bereits innerhalb 18 Monaten erfolgen. Nach den letzten Worten rüsten sich also die Japaner auf eine lange Kriegsdauer. Wetterbericht. ( Wetterdienst zu Gießen: Beppler.) Verlauf der Witterung vom Montag bis Dienstag. Niederer Druck bedeckt ganz Mittel- und Westeuropa. Der Kern des Tiefs lagert weftlich Irland. Am höchsten ist der Luftdruck über Südeuropa. Infolgedessen wehen frische Süd- und Südwestwinde, welche trübes Regenwetter hervorrufen. Nur zeitweise klart es auf der Rückseite eines Teiltiefs vorüberg hend schwach auf. Daher voraussichtliche Witteruna Mest trüb, mild, aerinaer Regen, windig. : Marktberichte. Frankfurt a. M., 8. Februar. Frucht markt, Es notierten nach Qualität: An Weizen, hiesiger und Wetterauer Mt. 16.75-16.90, furhessischer Mt. 16.60-16.80, norddeutsch. Mr. Kansas Mt. 17.80-18.20, Roggen, hiesiger Mt. 13.50 bis 13.60, russischer Mt. 14.25-14.40. Amerikaner Mt. 14.50 bis 14.75, Gerste, hiesige Mt. 15.50 bis 15.70, Pfälzer, Mt. 15.50 bis 15.75, fränkische Mt. 15 80, Riedgerste Mt. 15.50 bis 15.75, ungarische Wif. 17.50-18.50. Sater, hiesiger Mt. 12.75-13.75, furhessischer Mr. 12.75-13 75, Württemberger Mt.== bi8 bayerischer Mk. 12.75-13.75, russischer Mt. 13.50-1.500 Mais, Mixed Mt. 12.10-12.30, La Plata Mt. 11.40-11.70, weißer Mais Mr. 12.50-12.75, russischer Mt. 13.50-13.75. Alles pro 100 Kilo ab hier. ** Frankfurter Hen- und Strohmarkt vom 9. Februar.( Amtl. Notierungen.) Heu per 8tr. 3.20-3.70 Mark, Stroh per 3tr. 0.00-000 mt. Berantwortlich: für den politischen und Inseratentell: Albin Klein für das Lokale, den„ Gerichts-" und„ Deffentlichen Sprechsaal": Fr. Oppermann + Kirchhain, 8. Febr. Die Manöver des 11. Armeetorps werden in diesem Jahre voraussichtlich in der hiesigen Gegend abgehalten und erstrecken sich über die Kreise Biegenhain, Kirchhain, Frankenberg, Marburg und Biedenkopf. forps werden in diesem Jahre voraussichtlich in der hiesigen Wo Kathreiners Malzkaffee = Kirchhain, 7. Febr. Hier ist eine Reliefbüste des Kaisers Friedrich ausgestellt, welche von dem Kunstschmiedemeister Sann aus Weiters ha in angefertigt wurde und Einem verehrten Publikum zur geft. Nachricht, daß mein so schnell beliebt gewordener Sanitäts Gesucht tagtäglich auf dem Frühstückstische dampft, da werden die schlimmen Gäste: Herzklopfen, Nerbenaufregung und Magenschwäche bald verschwinden und an ihrer Stelle die willkommenen Freunde: Geſundheit, Ruhe und Heiterkeit einkehren. Bekanntmachung. Betr.: Bläschenausschlag in Grüningen. Bei einem Gemeindebullen, sowie in mehreren GeEier- Zwieback ein Vertreter ften zu Grüningen ist Bläschenausschlag ſeſtgeſtellt außer in meinem Geschäftslokale, zum Besuch der Detaillisten Seltersweg 61, zu gleichem Preis und Bäcker im Kreise Gieken in nachstehenden Verkaufsstellen erhältlich ist: In Gießen: W. Haas, Bleichstraße. A. Lenhardt, Frankfurterstraße. J. Marker, Ecke Stephan- und Goethestraße. H. Kräger, Brandplay 15. J. M. Schulhof, Marktstraße. Restaurant Windhof. " " " Textors Terrasse. Philosophenwald. Liebigshöhe. In Dutenhofen: Karl Sorger. Heuchelheim: Ph. Neidel II. Alleiniger Fabrikant: Karl Link, Gießen, Seltersweg 61. von einer bekannten leistungsfähigen Fabrik der Nahrungsmittelbranche, gegen Provision u. Reiſeſpeſen, Eintomir en annähern worden. Gießen, den 3. Februar 1904. Großh. Kreisamt Gießen. Oftanlage 18 Villa, gross. Steinweg 9 Die Wohnung des Herrn Forst1904 anderweitig zu vermieten. Näheres bet jährlich 500-1000 Mt. 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Den Besitzern solcher Stücke wird jedoch freigestellt, deren Zinsfuß auf 3 Proz. herabseßen zu lassen; auf derart umgewandelte Stücke zahlt die Stadt Gießen eine einmalige Vergütung von 1 Proz. Die umzuwandelnden Stücke sind im Lauf des Monats März mit den nach dem 15. Mai fällig werdenden Zinsscheinen nebst Erneuerungsschein unter Beifügung eines doppelten NummerKartoffel verzeichnisses bei einer der nachbenannten EinlösungsSpeise- u. Salatkartoffet stellen vorzulegen. Das eine Nummerverzeichnis wird zu den billigsten Tages- abgestempelten Stücke mit neuen Zinsscheinbogen, und mit Empfangsbescheinigung sofort zurückgegeben. preisen empfiehlt der Herauszahlung mit 1 Proz. können in der Zeit vom 1. bis 14. Mat bei der Hinterlegungsstelle gegen Rückgabe der Empfangsbescheinigung entgegen genommen werden. Beim a - J. Hankel Schlokgasse Gieke n. * g. Blutstock. Timerman Hilfe Hamburg, Fichteſtr. 33. 000000000000 Vergebung von Waſſerleitungsarbeiten. Heinrich Schön, Giessen Liebigstrasse 65 empfiehlt sich im Anfertigen sämtlicher Schreinerarbeiten an Deubauten. Besonders preiswert werden geliefert Thüren, Treppen u. Fenster jeder Art. Mit Kostenanschlägen stehe gern zu Diensten. Kalk- und Marmorwerke, Dampfziegelei, Die Die Verzinsung der nicht umgewandelten Stücke hört mit dem 14. Mai ds. Js. auf. Die Umwandlung und die Einlösung der nicht umbei der Stadtkasse Gießen, Die Arbeiten und Lieferungen zur Erbauung einer gewandelten Stücke erfolgt: Quellwasserleitung für die Gemeinde Wieseck, bestehend in der Herstellung von 7300 Meter Guß- oder Mannesmannrohrleitung, deren Lieferung und dem Einbauen von 120 Schiebern und Hydranten, der Herſtellung von 500 Hausanschlüssen und der Herstellung eines Hochbehälters von 200 kbm. Inhalt sollen im Wege schriftlichen Angebots vergeben werden. Angebote, die sich sowohl auf sämtliche Arbeiten und Lieferungen, als auch auf einzelne Titel des Voranschlags beziehen können, sind bis Donnerstag, den 25. Februar, vormittags 9 Uhr bei der Großh. Bürgermeisterei Wieseck, wo alsdann die Eröffnung derselben stattfindet, abzugeben. Die Pläne und Bedingungen liegen im Bureau des Unterzeichneten Brandplatz 9, Zimmer Nr. 23 zur Einsicht offen und können Angebotsformulare dort gegen bei dem Bankhause Aron Heichelheim in Gießen. bei dem Bankhause Gebr. Neustadt in Frankfurt a. M. Gießen, den 8. Februar 1904. Großherzogliche Bürgermeisteret Gießen. Mecum. Sielbau Gießen. Die Lieferung der für das Baujahr 1904/5 benötigten Bementrohre soll öffentlich verdungen werden. zu liefern sind: rund 9000 Mtr. Zementrohre von 25-90 Ctm. Durchmesser frei Waggon Lagerplag Margaretenhütte Gießen. Bedingungen und Angebotsformulare fönnen gegen portofreie Einsendung von 1,50 mt. durch das städt. Tiefbauamt Gr. Bürgermeisterei Zimmer August Gabriel jr., Giessen Gattung der Selbſtofſten in Empfang genommen Nr. 6 bezogen werden. Massenfabrikation. Bahnanschlüsse. Werke Abendstern. Telephon Nr. 84. werden. Gießen, den 8. Februar 1904. Ebendaselbst liegen in den Dienststunden die Verdingungsunterlagen zur Einsicht auf. Auskunft erteilt außerdem Herr Oberbaurat SchmickDer Gr. Kreisbauinspektor des Kreises Gießen. Darmstadt, Mühlstraße 60. Diehm, Baurot. Jean Dern& Co. Gegründet 1883. Inhaber: Oskar Gutmann. Bureau und Lager: Westanlage 31 Telephon 21. Giessen. Gegründet 1883. Cementwaren- Fabrik und Lager: Frankfurterstr. 114, eign. Bahnanschl. Bau- und Kanalbau- Artikel. Trottoir-, Fussboden- und Wandplatten. Grösstes Lager am Platze in sämtlichen Bauartikel. Geweckter Junge oder alleinstehende Frau zum Austragen von Zeitungen gesucht. Seltersweg 83. Gießen. Eureka Naumannia Seife mit dem Beste Seife nah und fern! Junges Mädchen kann das Kleidermachen gründlich erlernen. Weidengasse 1, 3. St. I. 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Fichten; Wellen: 550 Eichen, 150 Birken, 50 Nadelholz; Fichtenderbstangen( Westfälisch Eck): 279 Stück= 8,88 Fitm.; Fichtenreisstangen( ½2 Wehrholz, 1/2 Westfälisch& d): 309 Stüd= 3,21 stm. Dienstag, den 16. Februar in den Distrikten Mönchwalo u. Meilbach: Buchen: 26 Rm. Scheiter, 25 Rm. Knüppel, 24 Rm. Stöcke, 790 Wellen; Eichen: 4 Rm. Scheiter( Glaserholz), 13 Rm. Knüppel, 30 Wellen; Nadelholz: 18 Rm. Scheiter( rund, tells Kiefern, teils Fichte 2c.), ca. 60 Rm. Knüppel, ca. 300 m. Stöde,( teils Fichten, teils Kiefern; Letztere wieder teilweise von jungen Kiefern, hübsche, nicht grobe Stöcke); 5000 Wellen, 271 schwächere Fichtenderbstangen= 6,41 Fstm., 285 Fichtenreisstangen = 2,16, beide letztere Sortimente nahe am Vicinalweg Albach Hattenrod. Die Angebote sind versiegelt und mit der Aufschrift: ,, Angebot auf die Lieferung von Zementrohren" bis zum 29. Februar ds. Js. portofrei bei dem städt. Tiefbauamt einzureichen, woselbst die Eröffnung der Angebote am genannten Tage vormittags 11 Uhr im Beisein etwa erschienener Bewerber erfolgt. Zuschlagsfrist 8 Wochen. Gießen, den 5. Februar 1904. Städtisches Tiefbauamt. Braubach. Lieferung von Straßenbau- Materialien. Die Lieferung der zur Unterhaltung der städtischen Straßen im Rechnungsjahr 1904/5 erforderlichen Deckund Pflastersteine aus Basalt, des Kieses aus der Lahn und des Basaltgruses soll, wie nachstehend beschrieben, in 10 Losen am Dienstag, den 23. d. M., vorm. 11 Uhr öffentlich berdungen werden. a) Decksteine( Basalt) Lose: Abm. I. 1350 II. 530 III. 550 Lagerplätze: Alte Marburgerstr., Schottstraße, Alter Viehmarkt. Städt. Gelände zw. Schlachthaus u. Kröck'schen Hause. Roonstr., Licherstr., Schiffenbergerweg, Erdkauterweg. Berl. Liebigstr., Verlängerung des Mittelwegs. b) Pflastersteine( Basalt) IV. 50 Wiesenstraße. c) Kies aus der Lahn. V. VI. 500 500 VII. 500 d) Basaltgrus VIII. 150 IX. 150 X. 150 Am Schlachthaus. Weserstr Am Friedhof, Realschulgrundstück- Stephanstraße. Pumpstation, Städt. Grundstück in der Klinikstraße, Desgl. am Mittelweg. Am alten Viehmarkt. Am Friedhof, Realschulgrundstück- Stephanstraße. Pumpstation, Mittelweg. Die Bedingungen liegen während der Dienststunden bei uns auf Zimmer Nr. 6 zur Einsicht offen. AngeDie Zusammenkunft ist vormittags 9 Uhr auf bote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind spätestens der sogn. alten Laubacherstraße beim Eingang in den bis zum obengenannten Termine, verschlossen und mit Distrikt Mönchwald von Burkhardsfelden her. ¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤ Für Bäcker! Brotpreis- Formulare hält stets am Lage die Expedition entsprechender Aufschrift versehen an uns einzureichen. Beim Angebot von Material aus unbekannten oder neu angelegten Steinbrüchen sind Proben mit den Angeboten einzureichen. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Gießen, den 9. Februar 1904. - Städtisches Tiefbauamt. Braubach. Gefangen! Verloren! strömten auf ihn ein. Die der Zug in den Tunnel, in die Finsternis ein. Ein panische Mit einem schrillen Pfiff fuhr jetzt entsetzlichsten Gedanken Nr. 32. Mittwoch, den 10. Februar 1904. eben. ichnis wird Einlösungsen Nummernebst Gr it den nach wandelnden en eine ein ; auf derart eftellt, deren 6. gefündigt. werden hier4proz. An Die 1 genommen gegen Rück Der Zeit bom bogen, und Delten Stücke der nicht um Gefangen! Verloren! Die entsetzlichsten Gedanken strömten auf ihn ein. Mit einem schrillen Pfiff fuhr jetzt der Zug in den Tunnel, in die Finsternis ein. Ein panischer Schrecken hatte sich seiner bemächtigt, und kaum noch wissend, was er tat, versuchte er leise die Tür des Wagens zu öffnen. Sie war aber von außen verschlossen. Seine Bewegungen mußten jedoch wohl gehört worden sein, denn am anderen Ende des Wagens ließ sich ein Geräusch vernehmen. Der verhängnisvolle Augenblick war gekommen, der Mörder näherte sich seinem Opfer! In seiner furchtbaren Todesangst stürzte Leubingen zu Boden und kroch unter den Sitz des Wagens. Wie lange er hier niedergekauert saß, mit starren Gliedmaßen und kaum imstande, zu atmen, wußte Leubingen felber nicht, denn wer in Todesangst schwebt, verliert jedes Maß für die Zeit. Ein außergewöhnlich starker Luftzug, der plötzlich in den Wagen hereinströmte, ließ sein Herz still stehen, um es dann rascher schlagen zu machen. Die entgegengesette Tür des Wagens stand offen. Etwas war geschehen. Was aber? So sehr er sein Gehör auch anstrengte, er konnte nichts vernehmen als das Rasseln und Donnern des Zuges, der noch immer durch den Tunnel fuhr; mitten im Wagen blieb alles still. Endlich erreichte auch der Tunnel sein Ende und das helle Sonnenlicht erfüllte den Wagen mit seinem goldigen Schein. Mit größter Vorsicht guckte Herr Leubingen unter seinem Size hervor. Er war jetzt ganz allein. Der unheimliche Herr mit dem schwarzen Vollbart war verschwunden. Auf der Station, die am Ausgange des Tunnels gelegen ist, stieg Leubingen, fast ehe noch der Zug zum Halten gekommen war, aus und nahm für den Rest der Reise in einem gut besetzten Abteil zweiter Klasse Play. Wenige Stunden später ging der kostbare Brillant aus seiner Obhut in die des Bruders von Herrn Gehren in Luzern über und Herr Leubingen war seiner Verantwortung enthoben. Bei seiner Rückkehr nach Berlin machte Herrn Leubingens Abenteuer in seinem Bekanntenkreise fein geringes Aufsehen. Er war der Held des Tages und nicht oft genug konnte er seine Erlebnisse erzählen. Sein Freund Bürgelheim gab ihm zu Ehren ein großes Diner. Mit seiner gewohnten Pünktlichkeit war Leubingen der erste Gast, der erschien. Uebrigens," sagte Bürgelheim zu ihm, nachdem er ihn recht herzlich begrüßt hatte,„ übrigens sind Sie es nicht allein, der solche Lorbeeren geerntet hat. Sie kennen doch Herrn Lehmann, der die Villa neben Ihnen bewohnt?" „ Nein, den Menschen habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen, was ist denn mit ihm los?" ,, er hat ein ähnliches Abenteuer erlebt. Es war auch in der Schweiz und auch in einem Tunnel, ich weiß freilich nicht, ob es der von Olten war." Was Sie sagen! Das ist doch aber ein merkwürdiges Zusammentreffen." In seinem Falle war es aber ein Verrückter und kein Räuber. Stellen Sie sich mal seine schreckliche Lage vor. In einem Eisenbahnwagen allein mit einem Verrückten eingesperrt zu sein, der noch dazu mit einem Revolver bewaffnet ist! Ein langer Tunnel, eine erlöschte Lampe, der Verrückte ist im Begriff, in der Finsternis des Tunnels sein Opfer anzufallen, das gerade noch im letzten Augenblick gerettet wird. Lehmann hatte noch so viel Geistesgegenwart, die Tür zu öffnen und sich den Anschein zu geben, als ob er ausstiege, während er sich in Wirklichkeit unter seinem Siz versteckte. Diese List rettete sein Leben. Er glaubt, daß er in der stickigen Luft ohnmächtig geworden sein muß, denn er kann sich nur noch erinnern, daß, als er zu Bewußtsein kam, der Zug bereits Olten verlassen hatte und er allein im Wagen war. Von dem Verrückten war keine Spur mehr zu entdecken." Gerade in diesem Augenblick trat der Diener ein und meldete:„ Herr Lehmann." Bürgelheim ging seinem neuen Gaste entgegen und führte ihn Herrn Leubingen mit den Worten zu: Die Herren kennen einander wohl schon?" Und das war auch der Fall. Das Erkennen war ein gegenseitiges. Mit offenem Munde starrte Leubingen voller Verwunderung den Herrn mit dem schwarzen Vollbart an, während Lehmann unter dem durchdringenden Blick des ,, Verrückten" erst unwillkürlich einen Schritt zurückwich. Var Hausdoctor - Dorsicht beim Tanzen. Das fehlte noch so höre ich meine Leserinnen ents rüstet ausrufen, wenn sie die obigen Worte lesen, jetzt macht sich der alte Griesgram von Hausdoktor noch daran, uns die beste aller Vergnügungen, das Tanzen, mit allerlei hygienischen Vorsichtsmaßregeln zu verkümmern! Ja, meine Verehrtesten, und wenn Sie noch so zornig werden sollten, die Pflicht gebietet es mir, und die Schuld daran, daß ich dies Thema an schneiden muß, trägt einzig und allein die Damenwelt selbst. Denn nicht das Tanzen an und für sich ist es, gegen das ich eifere, sondern nur das Uebermaß, das keine Schranken kennt oder alle Vorsicht außer acht läßt, so daß oft schwere Erkrankungen vorkommen. Mäßiges, vorsicht ges Tanzen schadet nie, nur die leider so häufig vorkommenden Uebertreibu: gen sind vom Uebel. Alle Nachteile, die der Tanz im Ge'olge hat, verschuldet die Mode, die Nacht hindurch bis zum Morgen zu tanzen, und zwar die Hälfte des Balles mit gefülltem Magen, ferner die tolle Schnelligkeit der Tänze, das starke Schnüren, die unzweckmäßige Kleidung, die leichtsinnige Erkältung durch Getränke und kalte Luft. Wer vom Tanzen Vorteile für die Gesundheit ziehen will, beherzige folgende Regeln: 1. Wie jede gesunde Bewegung sich Iangsam steigern soll, so sei dies auch beim Tanzen. Man stürze sich daher nicht gleich in de Wirbel eines Galopps, sondern tanze sich langsam erst ein. Sobald eine Dame Schwindel, Uebelkeit oder Brustbeklemmung fühlt, höre sie zu tanzen auf und promeniere so lange, bis ihr wieder wohl ist. 2. Man tanze nie mit vollem Magen, deshalb nicht mehr nach dem Souper und bis in die tiefe Nacht hinein. Leider wird nach der Pause auf den meisten Bällen erst recht getanzt. 3. Man schüße sich vor Erkältung- und dies ist der wichtigste Punkt-, indem man das Tanzen nicht übertreibt, weder an Heftigkeit noch an Dauer, sich keiner Zugluft aussett, nicht erhitzt, nicht kalt trinkt oder sich gleich niedersetzt, und der= gleichen mehr. Das beste Getränk beim Tanzen, um den Durst zu stillen und die ermatteten Nerven zu beleben, ist Mandelmilch oder Limonade; Punsch und Tee erhitzen stark und vermehren nur die Nervenabspannung. Niemals soll man Gefrorenes genießen oder eisgekühlte Limonade. 4. Am verderblichsten für unsere Mädchen ist der auf den meisten Bällen herrschende Brauch, mit jedem vorgestellten Herrn zu tanzen, falls er die Dame dazu auffordert. Die Mütter schärfen oft den Mädchen auf das strengste ein, ja keinen Korb zu geben, denn das verletze die Herren, und bald werde das Mädchen ganz verlaffen als Mauerblümchen an der Wand sitzen Von einem Arm in den anderen zu fliegen, kaum zu Atem zu kommen und jede Tour doppelt oder dreifach besetzt zu haben, ist aber leider das Ideal vieler Tänzerinnen. Diese Sitte sollte abkommen. Eine Dame, die zu ermüdet ist, oder sich nicht ganz wohl fühlt, muß das Recht haben, ihrem Tänzer den Tanz zu versagen. Kommt es doch nur auf die Form an, in der sie es tut. Eine Promenade als Ersatz wird jeder gern akzeptieren, denn unsere junge Herrenwelt ist ohnehin, wie man weiß, auf das Tanzen nicht sehr erpicht. Zum Schluß noch einige Worte über die hygienischen Einrichtungen des Ballsaales. In vielen Ballsälen wird nicht ge= heizt, teils aus Sparsamkeit, teils in der Meinung, es würde dann zu heiß werden. Geheizt muß ein Ballsaal immer sein, denn gerade zu Beginn des Balles erkälten sich die leichtgekleideten Damen am schnellsten. Ein idealer Ballsaal darf aber nie unerträglich heiß werden, mögen auch noch so viele Menschen darin sein. Dafür muß eben eine zweckmäßige, ständige Ventilation sorgen. Endlich darf ein Saal nicht allzu überfüllt sein. Herztlicher Ratgeber. Die Zahnung. Bei der Mehrzahl der Kinder kommen die ersten Zähne im 6. und 7. Monat zum Vorschein; aber es ist noch kein Zeichen von Krankheit, wenn sie erst im 10. Monat durchbrechen. Man findet mitunter, daß sehr gut genährte ge sunde Kinder erst im neunten oder zehnten Monat den ersten Zahn bekommen, während er bei schwächlichen Kindern oft schon im fünften Monat erscheint. Nur wenn sich bis zum Ende des ersten Lebensjahres noch kein Zahn einstellen will, ist man bes rechtigt anzunehmen, daß eine Erkrankung den Zahndurchbruch verhindert. Nr. 32. Mittwoch, den 10. Februar 1904. " Oberhessische Familienzeitung. Tägliche Unterhaltungs- Beilage det Gießener Neueste Nachrichten. Sond ni Berlag ber Siebener Verlag bruderet, vorm. Wilh. Keller'sche Budbruderet( gegs. 1788); var: ibi RIIE ( 29. Fortsetzung.) Der Beuge. Roman von Marie Bernhard. Der furchtbaren Szene folgten dann lange, bange Träume. Zuweilen war es Hilda, als liege sie im Bett, ein trübes Nachtlämpchen brannte, und auf ihrem Kopf lag etwas, kalt und schwer, das immer von neuem dahin gelegt wurde, se oft sie es auch zornig von sich schleuderte... auch war es ihr, als beuge sich manchmal Walter über sie, zuweilen ihre Tante, oder eine Frau mit einer großen weißen Haube, aber immer verwandelten sich diese Gesichter rasch in das eine bekannte, entsetzliche des Mannes, der den anderen hinabgestürzt hatte; ſie ſah ihn, wie er sich langsam und taumelnd von seinen Knien erhob und auf sie zukam, und der tödliche Schreck raubte ihr die Besinnung. - man war Endlich, an einem hellen Herbstmorgen schon im Oktober war Hilda bei flarem Bewußtsein erwacht; Schreck und Grauen erfüllte sie bei dem Gedanken an das, was sie erlebt hatte, aber sie vermochte doch ihre Erinnerungen zu ordnen, sie wußte, es war vorbei, und ihre erste Empfindung war, die ganze Begebenheit Walter ihm ganz allein, denn Onkel und Tante anzuvertrauen, standen ihr viel zu fern, um so wichtige Dinge mit ihnen zu besprechen. Als daher ihr Bruder allein an ihrem Bett saß und in seiner etwas unbeholfenen, wortfargen Weise seine Freude ausdrückte, das Schwesterchen nun über dem Berg zu missen", richtete das bleiche Kind sich mühsam auf, nahm Walters Hand, sah ihm feierlich ernst in die Augen und begann, ihm ihr schreckliches Erlebnis mitzuteilen... aber er unterbrach ſie ſchon beim ersten Wort. „ Komm mir nur um Gottes willen nicht wieder mit deiner Geschichte von der Schlucht, die kenne ich nun schon aus- und inwendig! Das sind lauter Fiebergeschichten, dummes Zeug und nichts weiter! Du bist gestürzt, armes Ding, und nun bildest du dir weiß Gott was für Dinge ein: es hätte dich einer in den Abgrund gestoßen; ich möchte wissen, wer in aller Welt davon etwas haben sollte! Oder er hätte einen andern in die Tiefe geschleudert, und wie der Unsinn sonst noch war! Ich vermute, du bist kurz zuvor über einen von Tante Friedas Romanen geraten, und nun spukt das in deinem kleinen, dummen, überspannten Kopf alles durcheinander! Du sollst gar nicht davon sprechen, gar nicht mehr daran denken, verstanden? Sei ein gutes Kind, Hildchen, denk an deine Puppen und Bilderbücher und mach' dich nicht wieder kränker! Morgen spielen wir ein paar Partien Domino zusammen!" Hilda ließ sich nicht so leicht ablenken, sie suchte Walter auf alle Weise zu überzeugen, sie habe weder geträumt, noch phantasiert, noch einen überspannten Roman gelesen, es sei alles Wirklichkeit gewesen. es half ihr alles nichts! Meistens hörte er sie gar nicht an, und tat er es doch einmal, so trug sein Gesicht so deutlich den Mangel des offenbarsten Unglaubens, der Duldsamkeit, die aus Mitleid mit einem franken Kinde ihm den Willen tut und seine abenteuerlichen Geschichten anhört, daß Hilda mitten in ihrer Erzählung entmutigt schwieg und entrüstet rief:" Du glaubst mir wirklich nicht?" Die Art, wie Walter ihr dann beschwichtigend die Wange klopfte und gutmütig sagte:„ Ja, ( Nachdruck verboten.)) ja, Kleine, erzähl' du nur weiter!" belehrte sie deutlich über seine Auffassung, und sie wandte sich trotzig ab. Es kam so weit, daß ihr Bruder erklärte, beim ersten Wort von der Schlucht verlasse er das Zimmer und komme den ganzen Tag nicht wieder herein, und da er im übrigen ein freundlicher, geduldiger Pfleger war, zahllose Partien Domino mit ihr spielte, ja, ihr sogar die Puppen ans Bett brachte und mit ihr in ihren Feenmärchen las, so mochte sie ihn nicht entbehren und schwieg endlich wirklich von ihrem Erlebnis. Später hörte sie, der Arzt habe es aufs strengste verboten, mit ihr über die Ursache des unglücklichen Sturzes zu sprechen, es wäre ein Wunder, daß sie sich nicht dabei die Hirnschale zerschmettert habe, aber eine leichte Gehirnerschütterung sei da und äußerste Ruhe und Vorsicht bei einem so nervös aufgeregten Kinde unumgänglich notwendig. Als Hilda ein erwachsener, denkender Mensch war, lernte sie das alles einsehen, aber dem neunjährigen kleinen Mädchen gebrach das Verständnis dafür, und es verschloß sein finsteres Geheimnis nun mit einer Art von Trotz in seiner Brust. Kaum war übrigens Hilda einigermaßen hergestellt, als man schleunigst das bayerische Hochgebirge verließ; von einem Unfall, der irgend jemand dort betroffen hatte, kam ihr nichts zu Gehör, dann trat das Leben, die Schule mit ihren Leiden und Freuden wieder an sie heran, die Tante hatte es sich ohnehin verbeten, an jene„ unangenehme Beit" erinnert zu werden, Walter, der sehr ehrgeizig war, ging in seinen Studien immer mehr auf, Hildas Verhältnis zu ihm blieb ein gutes, aber kein vertrauliches, und so hatte sie sich allgemach daran gewöhnt, den schauerlichen Vorfall als ihr alleiniges Geheimnis zu betrachten, von welchem sie noch zuweilen, selbst als erwachsenes Mädchen, schreckhaft träumte! Wer konnte sagen, um welcher Ursache willen Fritz Norden damals den Word begangen hatte? Handelte es sich um Geld und Gut? War der, mit dem ihn Hilda im Wortwechsel angetroffen hatte, sein Freund, sein Bekannter, oder war er ihm fremd? Sie erinnerte sich an kein Wort des zornig und rasch geführten Gespräches, es ſträubte sich alles in ihr gegen die Annahme, der reiche, geachtete Kaufherr könne ein gemeiner Raubmörder gewesen sein... es konnte ihr niemand darüber Aufschluß geben, aber gleichviel! Die Tatsache war da: Ihres Gatten Vater, den er nächst ihr am meisten auf der Welt liebte, hatte einen Mord auf der Seele, dessen Zeuge sie gewesen war! Unten fährt ein Wagen vor, der Portier läßt die Tür aufspringen, o, nur kein Besuch jetzt! Sie fürchtet das Alleinsein mit Hellmut und sehnt es doch ungeſtüm herbei, sie liebt ihn ja mehr als ihr Leben! Wenn jenes eine nicht wäre, fein glückseligeres Weib könnte es auf der weiten Erde geben als sie! Sie ist emporgesprungen und lauscht hinaus. Jetzt wird die Flurglocke klingen, dann ist er's nicht, sondern irgend ein gleichgiltiger, fremder Mensch! Wie lange sie ihren Mann nicht gesehen hat! Seit morgens neun Uhr ist er schon fort von ihr! f 91% Littl Raufleute es um A ren feit des ten seine war Beit t reinen Ver Urteilstraft Lehre g uog einzelnite diejer Lehre Keine Flurglocke... ein Schlüssel im Schloß, das ist er, Hellmut! Und nun ist er bei ihr! Sie begrüßen sich, als lägen Wochen der Trennung zwischen ihnen! Er drückt ihre warmen, weichen Handflächen_ an seine Lippen, an sein von der frischen Winterluft durchfältetes Gesicht, er füßt sie wieder und wieder und will sie gar nicht loslassen. „ So hübsch das mit Hendrichs war, Liebling, nie wie. der trenne ich mich freiwillig auf so lange Zeit von dir zehn Stunden, es ist ja unerhört! Ich hatte im Kaiserhof zuletzt gar keine Ruhe mehr, der alte Freund hat mich tüchtig genect! O, du mein Einziges! Also auch viel an mich gedacht? Dich gesehnt? Nun, gottlob, daß ich es nicht allein bin, der von uns beiden verliebt ist!" Sie nehmen sehr dicht neben einander Plaz, und er behält sie im Arm. ,, Kennst du den noch?" fragt sie schelmisch und hält ihm den japanischen Fächer hin. Den alten Bekannten aus Tokio, wie sollte ich nicht? Alles in allem ist er ein kleines Scheusal, ein richtiges Produkt japanischer Geschmacklosigkeit, aber mir ebenso lieb mie dir! Was? Küssen? Den Fächer? Warum nicht gar? Da hab' ich Schöneres!" Hilda lacht und sucht ihn abzuwehren, aber nicht sehr energisch. " Jezt erzähle von Hendrichs!" mahnt sie. " Zuerst erzählst du! Ganz ausführlich! Hast du Besuch gehabt? Und wen? Wie herrlich, daß jezt niemand da ist! Also.. Sie kennt diese Eigenschaft schon an ihm. Von jeder Stunde muß sie ihm genaue Rechenschaft ablegen. Er scheint zu zittern, sie könnte ihm irgend etwas verheimlichen! Ganz gewissenhaft berichtet sie von einer Frau Generalin, die sie zu Schlitten abgeholt und um zwei Uhr mit ihr nach Charlottenhof gefahren sei und wen sie dort noch angetroffen hätten. Dann ihr einsames kleines Diner um halb fünf eine dringende Einladung der Generalin hätte fie abgelehnt ein kurzes Schläfchen darnach, ein wenig Lektüre in der Revue des deur Mondes", das sind ihre Erlebnisse! ,, Wie geht es Hendrichs?" fragte Hilda nach einer kurzen Pause. Ich soll dir tausend Grüße bestellen und übermorgen diniert er bei uns, es bleibt dabei! Ein Prachteremplar, ein Freund, wie er im Buch steht, wahr und treu und flug! Wie ist's, Hilda, soll ich dir zuerst die große Neuigkeit verkünden, oder lesen wir die Briefe aus Japan?" Das bekannte unbehagliche Gefühl fam über sie bei Erwähnung der Briefe.„ Lieber zuerst deine Neuigkeit!" bat sie. Kleine Evastochter! Die Nachricht hängt ebenfalls mit Japan zusammen! Nun gut denn: Dent' nur, Hendrichs ist genötigt, verschiedener zusammentreffender Konjunkturen halber, die ich dir vielleicht später einmal erkläre, zum kommenden Frühjahr selbst nach Yokohama zu gehen; er kommt zuvor noch einmal hierher nach Berlin und kann dann persönlich unsere Grüße und Bestellungen mit hinübernehmen und uns nach seiner Rückkehr ausführlich von dort berichten. Nun? Das scheint dir nichts so Erstaunliches?" „ Ehrlich gestanden, nein, liebster Freund! Ihr Kaufleute seid allzumal solche Wandervögel, weite Reisen bedeuten für euch so wenig Walter hatte, wie in seiner Ausdrucksweise, so auch in seinem Briefstil, etwas Nüchternes, er nannte die Dinge klar beim Namen, auf blumenreiche Wendungen und poetische Stilblüten ließ er sich nicht ein. So auch jetzt! Er dankte seiner Schwester für ihr letztes Schreiben, freute sich ihres bunten, geselligen Lebens, fragte nach ein paar Berliner Bekannte und trug ihr eine Bestellung für Hellmut auf. Von sich selbst schrieb er wenig: er sei wohl auf, das japanische nicht das geringste anhaben, und das sei ihm lieb, denn er habe tüchtig zu tun, der Prinzipal beehre ihn in ganz unge. wöhnlichem Maß mit seinem Vertrauen, er lasse ihn Reisen nach Kioto und Nagasaki machen, die er- Norden senior bisher stets selbst unternonimen, ja, er habe ihn sogar einmal nach Schangan behufs Anordnung gewisser wichtiger Angelegenheiten geschickt... ihm sei dies alles sehr ehrenvoll, er hätte es auch mit Erfolg ausgeführt, es wäre ihm indessen ein Beweis, daß die Gesundheit des Prinzipals solchen Anforderungen nicht mehr gewachsen sei, was dessen Aussehen und Wesen übrigens bestätige. ,, Das ist ein sehr schlechtes Zeichen, Hilda!" sagte Hellmut beunruhigt, als die Lektüre des Briefes beendet war. „ Nicht daß ich irgend welchen Zweifel in Walters Können sette! Ich weiß, er ist ein brillanter Geschäftsmann, und es versteht sich von selbst, daß meines Vaters geübter Blid dies sofort herausgefunden hat. Aber hier handelt es sich um Dinge, die mein Vater bisher niemand, nicht einmal mir, den eigenen Sohn, überlassen hat; er ist im besten Mannesalter, war bisher immer von der rüstigsten Gesundheit und ließ sich diese wichtigen Reisen so lange um keinen Preis nehmen... es erfüllt mich mit schwerer Besorgnis, daß das alles mit einem Schlage so anders geworden ist! Seine Geſundheit muß ganz ernstlich gelitten haben!“ Hilda schwieg; was sollte sie erwidern? Eine Angst Heucheln, die sie nicht empfand? Ihm Trost zusprechen, ihm ſagen, er sähe zu schwarz, während sie genau wußte, was am Lebensmart seines Vaters zehrte? Hellmnut sah das ernste, verschlossene Gesicht neben sich, das ihm vor kurzem noch so zärtlich zugelächelt hatte, von der Seite an. ,, Lesen wir die anderen Briefe!" sagte er kurz. Das Schreiben von Fritz Norden an seinen Sohn glich seinen Vorgängern, es erwähnte positive Tatsachen ohne Kommentar, so auch der von Walter Ermshagen gemachten Reisen, berichtete über die Einweihung eines neuen Sanitätsgebäudes in Yokohama, über ein großes Souper beim Minister- Residenten und erteilte dem Sohn einige annehmbare Ratschläge in Betreff kaufmännischer Unternehmungen. Nur am Schluß hieß es:„ Doktor Hortmann kam gestern wieder zu mir, wie er mir denn überhaupt in lezter Zeit auffallend oft seinen Besuch zu teil werden läßt. Es ist mir jederzeit angenehm, den gescheiten und liebenswürdigen Mann bei mir zu sehne, ich weiß aber schlechterdings nicht, was er in seiner Eigenschaft als Arzt bei mir zu suchen hat, da ich ihn nie habe rufen lassen, mich auch durch nichts veranlaßt fühle, seinen Beistand irgendwie in Anspruch zu nehmen. ( Fortseßung folgt.), " Ja, aber Hendrichs, Hendrichs! Der ist noch so einer Der Herr mit dem schwarzen Vollbart. aus der alten Schule, einer, der als blutjunger Mensch noch mit Extrapost von Berlin nach Paris gefahren ist, einer, der Reisen nach China und Japan nicht als bloße Sprizfahrt betrachtet, wie allenfalls unsereiner es tut! Für ihn ist dies ein kolossales Unternehmen, und er hat sich schwer genug dazu entschlossen!" Wann will er denn hinüber?" Nun, vor Mitte April fann er nicht gut von Hamburg fort. Das trifft sich insofern ungünstig, als, wie du weißt, dann in Japan höchst unbeständiges Wetter eintritt, das oft bis zur Mitte des Juni dauert und gewöhnlich eine schauderhafte Hize im Gefolge hat. Aber was ist zu tun? Vielleicht geht er auch schon früher hinüber, es kommt auf den Gang der Geschäfte an. Nun aber unsere Briefe!" Hellmut nahm sie aus seiner Brusttasche und zog Hilda zur gemeinsamen Lektüre näher zu sich heran. Es waren vier Briefe angekommen, drei davon waren für Hellmut bestimmt, einer für Hilda. Der letztere kam von ihrem Bruder, Humoreske von M. Morgan. ( Nachdruck verboten.) Herr Konrad Leubingen war ein alter Junggeselle. Er befand sich in sehr glücklichen Verhältnissen, die ihm in jeder Beziehung vollkommene Unabhängigkeit gestatteten. So ging er denn auch seine eigenen Wege, war in seinen Gewohnheiten sehr pedantisch und verkehrte nur mit einigen wenigen Freunden, die er aufrichtig schäßte und liebte. Die gesamte übrige Menschheit hingegen war ihm äußerst gleichgiltig, und er hätte Jahre lang neben Jemand wohnen können, ohne daß er gewußt hätte, wie sein Nachbar heißt. Zu Herrn Leubingen's langjährigen Gewohnheiten gehörte es auch, in jedem Frühjahre eine Schweizerreise zu machen. Ende März vergangenen Jahres traf Herr Leubingen seine Vorbereitungen zur gewohnten Frühjahrstour. Herr Gehren, sein bester Freund, besuchte ihn noch am Abend vor seiner Abreise in seiner in der Vorstandt gelegenen, auf's Eleganteste ausgestatteten Villa. Im Begriff, sich von ihm zu verabschieden, zog Herr Gehren ein kleines Etui aus feiner Tasche und bemerkte: Ich darf wohl annehmen, daß auch dieses Jahr Sie Ihr Weg nach Luzern führen wird. Sie würden mir dann einen sehr großen Gefallen tun, wenn Sie die Güte hätten, meinem Bruder, der, wie Sie ja wissen, dort seinen ständigen Aufenthalt hat, dieses kleine Kästchen zu übergeben. Es befindet sich darin ein Diamant von so großem Werte, daß ich Anstand nehme, ihn der Post anzuvertrauen." Für meine Freunde stehe ich jeder Zeit zur Verfügung," bersetzte Leubingen. Unter solchen Umständen würde ich mit größtem Vergnügen selbst den Koh- i- nor zum Reisegefährten haben." Die beiden Herren standen am Fenster des zu ebener Erde gelegenen Bibliothekzimmers, dessen Rouleaur zufällig hochgezogen war. Während Herr Leubingen das Etui an sich nahm und in die Tasche steckte, schweiften seine Blicke auf die Straße hinaus. In diesem Augenblick fiel das Licht der vor der Haustür stehenden Straßenlaterne auf das Geficht eines Mannes, der gerade vorüberging- oder hatte er vielleicht dort gestanden? ein auffallendes dunkles Gesicht, das von einem schwarzen Backenbart umrahmt war. Der Mann ging weiter; Leubingen trat rasch vom Fenster zurück. Von Ihrem Personal weiß doch hoffentlich Niemand, daß Sie mir diesen Auftrag gegeben haben?" fragte er Gehren. Keine Menschenseele, mein lieber Freund. Das ist doch eine private Angelegenheit, die nur uns Beide angeht. Nur mein Prokurist weiß von der Ecistenz dieses Brillanten." ,, Was ist das für ein Mensch?" " Was für ein Mensch? Genau so ein Mensch wie Sie und ich. Die personifizierte Rechtschaffenheit! Aber weßwegen fragen Sie denn?" ,, Hat er vielleicht einen schwarzen Backenbart?" „ Nein, grau, ja man könnte ihn schon weiß nennen. Aber was ist denn mit Ihnen? Sie sind ja so erschreckt. Haben Sie vielleicht Jemand gesehen?" ,, Vorhin, als Sie mir das Etui übergaben, stand ein Mann am Laternenpfahl. Allem Anscheine nach hat er uns beobachte und er mag wohl auch gehört haben, was zwischen uns gesprochen wurde." ,, Dann muß er ja noch auf der Straße sein," meinte Gehren, das Fenster aufmachend und seinen Kopf hinaus streckend. Leubingen folgte seinem Beispiel. Es war ein Sternenklarer Abend; Niemand war auf der Straße zu sehen, sie schien wie ausgestorben. „ Es muß Jemand aus der Nachbarschaft gewesen sein, der in ein Haus getreten ist," erklärte Gehren, der das Fenster wieder schloß. Keinesfalls fann er uns gehört haben und ich glaube auch nicht, daß er uns gesehen hat." Am nächsten Morgen trat Herr Leubingen seine Reise an. Er war gewohnt, über Frankfurt zu fahren und sich dort mehrere Tage aufzuhalten. In einem Abteil erster Klasse des Frankfurter Schnellzuges hatte er sich's bequem gemacht und, unbekümmert um seine Mitreisenden. vertiefte er sich in seine Zeitung. Etwa eine Stunde mochte er gelesen haben, als er die Zeitung weglegte und plößlich erschreckt zusammenfuhr, denn er nahm wahr, daß der ihm gegen übersißende Herr ihn scharf fixierte. War ihm dieser Herr so vollkommen fremd, wie er es im ersten Augenblicke angenommen hatte? Hatte er dieses Gesicht nicht schon zuvor gesehn? Und wann? Und wo? Es war ein auffallendes Gesicht mit einem schwarzen Backenbart. Und wie ein Blitz durchfuhr es jetzt Herrn Leubingens Geist, nun wußte er, wo er diesem Herrn schon begegnet war. Es war derselbe Mann, den er gestern Abend beim Scheine der Straßenlaterne vor dem Fenster seiner Villa hatte stehen sehen. Jeder Irrtum war ausgeschlossen, denn dieses gebräunte Gesicht mit dem schwarzen Backenbart war zu auffallend, als daß er es hätte verkennen können. Unwillkürlich faßte er nach seiner Brusttasche, um sich zu vergewissern, daß das Etui mit dem Diamanten noch darin war. Noch bevor der Zug in Frankfurt angekommen war, hatte fich Leubingen einem in ihm aufsteigenden Verdachte, dessen er sich selber schämte, Folge gebend, entschlossen, statt in seinem gewohnten Hotel, dem„ Frankfurter Hof", in den beniger bekannten„ Vier Jahreszeiten" abzusteigen. Während er dem Portier des Hotels zu seinem Wagen folgte, verlor er in dem sich auf dem Bahnsteig drängenden Publikum seinen Reisegefährten aus den Augen. Die Gewohneit ist eine Macht, der Herr Leubingen mehr als jeder Andere unterworfen war. In den„ Bier Jahreszeiten" gefiel es ihm schon deswegen nicht, weil es nicht sein altgewohnter Frankfurter Hof" war. Die Folge war, daß er mit sich selbst und der ganzen Welt unzufrieden wurde. Leubingen wollte eben den Saal verlassen, als für einen berspäteten Ankömmling eben ein Diner serviert wurde. Herrn Leubingens Blicke fielen auf diesen Gast, und wer beschreibt seinen Schreck, als er in ihm den Gegenstand seiner Gedanken, den Herrn mit dem schwarzen Barte, erkannte. Der erste Zug am nächsten Morgen entführte Herrn Leubingen nach Heidelberg. Er atmete erleichtert auf, daß er seinen unheimlichen Mitreisenden nicht erblickte. In Heidelberg verbrachte er einen angenehmen Tag und eine ruhige Nacht. Allmählich kehrte auch seine gute Laune wieder, und als er Tags darauf in Basel anlangte und in seinem gewohnten Absteigequartier, den„ Drei Königen", gelandet war, hatte er sein kleines Reiseabenteuer schon ziemlich vergessen. In der angenehmen Kühle eines Mondscheinabends saß er auf der Terrasse des Hotels, von der aus sich eine so schöne Aussicht auf den Rhein bietet. Nichts störte ihn, aber als er sich umwandte, sah er den Herrn mit dem schwarzen Vollbarte neben sich stehen. Er bekam einen fürchterlichen Schreck, das war zu viel für ihn. Er wurde offenbar von dem Manne verfolgt! Daran fonnte fein Zweifel mehr sein. Wer auch immer er war, soviel stand fest, daß ihm das Geheimnis des Diamanten befannt sein mußte. Zufall oder Absicht hatte es ihn an jenem Abend erfahren lassen. Da es Herrn Leubingen in Frankfurt so gut gelungen war, durch seine schnelle Abreise den Verfolgungen des Fremden zu ntziehen, beschloß er auch jetzt diese Taktik zu wiederholen. Auch brannte ihm der Diamant wie Feuer auf der Brust und er sehnte den Augenblick herbei, in dem er sich seines Auftrages entledigen konnte. Ihm fiel ein Stein vom Herzen, als die Zeit des Abfahrens des Zuges herannahte und sein Verfolger auf dem Bahnhof nicht zu erblicken war. Bis zum letzten Augenblick blieb Leubingen auf dem Bahnsteig, und mit einem Gefühl der Erlösung stieg er dann in den Zug. Schon hatte sich der Zug in Bewegung gesetzt, als plötzlich die Tür seines Abteils abfgerissen wurde und ein Gepäckträger, dem ein vollkommen atemloser Reisender folgte, eine Handtasche und Reisedecke in den Wagen hineinwarf. Die Tür wurde zugeschlagen, zum letzten Male pfiff die Lokomotive und der Zug dampfte zum Baseler Bahnhofe hinaus. In der einen Ecke des Wagens saß Herr Leubingen, in der anderen der von ihm am entferntesten - der Herr mit dem ſchwarzen Vollbart. Eine lange Tagesreise lag vor ihnen, und Leubingen war unbewaffnet. Als ihm das Schreckliche seiner Lage zu Bewußtsein fam, sank ihm der Mut und unwillkürlich zog er sich in seine Ecke zurück. Eine fürchterliche Spannung herrschte im Wagen; ruhig zu bleiben, schien fast unmöglich. Leubingen kam ein Gedanke, wie sie einem in solch verzweifelten Lagen bisweilen einfallen. Wenn er auch nicht bewaffnet war, so wollte er sich wenigstens den Anschein geben, als wenn er es wäre. Das konnte immerhin einen gewissen Erfolg haben, zum mindesten mußte er die Katastrophe hinausschieben. Fest entschlossen nahm er eine kühne, ja sogar drohende Haltung ein. Seinem Gefährten warf er einen herausfordernden Blick zu und fuhr dann mit der Hand nach der Tasche, als wollte er einen dort befindlichen Revolver hervorholen. Zu seiner aufrichtigen Freude hatte diese List auch den erhofften Erfolg. Schreck und Angst malte sich auf den Zügen des gegenüber sitzenden Herrn, der sich in seine äußerste Ecke zurückzog. Wie sollte er aber diese Täuschung aufrecht erhalten? Was sollte er jetzt tun? In diesem Augenblick brachte ein Pfiff der Maschine Herrn Leubingen fast um den Verstand.„ Barmherziger Himmel!" Er hatte ja ganz und gar den langen Tunnel vergessen. Und jetzt fuhren sie hinein! Unwillkürlich suchten seine Augen nach der Lampe. Sie war nicht angesteckt. 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