Nr. 108. Abonnementsprets: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., m's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertelfährlich Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberheffifche Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Montag, den 9. Mai 1904, Gießener 13. Jahrgang. Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz Oberheffen, die Kretse Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Bfg. Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Bfg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 83. Fernsprechanschluß Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Der Krieg in Oftalien. Die Belagerung von Port Arthur hat in aller Form begonnen. Die Japaner sind zu gleicher Zeit bei Pitsewo gegenüber den Elliotinseln und in der Kintschaubucht, an der schmalsten Stelle der Liautunghalbinsel, gelandet und haben fomit die Verbindung Port Arthurs mit der russischen Hauptarmee auf der Linie Kaiping- Liautschang- Mukden völlig unterbrochen. Daß General Kuropatkin imstande sein sollte, von Mukden aus einen Vorstoß zum Entsage der schwer bedrohten Festung zu unternehmen, ist möglich, wäre aber unter Umständen ein großer strategischer Fehler, da er seine Truppen zersplittern müßte und nicht weiß, ob er sie nicht selbst gegen bie auf Fönghwanghtscheng vorrückende erste japanische Armee unter General Kuroki sehr nötig braucht. Geht doch schon das Gerücht einer Eroberung Fönghwanghtschengs um, borläufig allerdings nur auf japanischer Seite. Aus Antung wird gemeldet: Hier verlautet, daß Fönghwanghtscheng nach heftigem Kampfe gefallen sei. Beide Parteien erlitten schwere Verluste. Auch in Paris ist eine Meldung verbreitet, die von einem Vorstoß Kurofis auf Fönghwanghtscheng zu berichten weiß. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ordnete General Kuroki den Marsch des Gros seiner Truppen gegen Tangchangtscheng an, wo mörderische Kämpfe um eine Hügelstellung enorme Opfer auf beiden Seiten forderten. Nach den letzten Nachrichten aus Söul soll das russische Hauptquartier von Fönghwanghtscheng am Donnerstagmorgen rückwärts verlegt worden und Kurokis Vortruppen um dieselbe Zeit nur wenige Kilometer von Fönghwanghtscheng entfernt gewesen sein. Tangchangtscheng liegt an der großen Straße Antung- Liautschang, etwa halbwegs zwischen dem Schlachtfelde vom 1. Mai und Fönghwanghtscheng, wohin fich die fliehenden Russen zurückzogen. Aber selbst, wenn Fönghwanghtscheng vorläufig noch den bordringenden Japanern Stand halten sollte und wenn später nach seinem Fall ihre Heereswogen an dem Felsendamm des Motienpasses von neuem zurückstauen müßten, Kuropatkin muß darauf gefaßt sein, daß sie mit überlegener Macht über kurz oder lang seine Hauptstellung bedrohen, und wird daher für eine Schwächung seiner Armee faum zu haben sein. Der Kommandant von Port Arthur, General Stößel, wird sich also wohl mit der Notwendigkeit abfinden müssen, sich nun auf seine eigene Kraft zu verlassen, wenn er auch jetzt noch auf Ersatz hofft. Ein Tagesbefehl General Stößclsbom Freitag spricht diese Erwartung aus. Das Dokument, das die Lage sehr ernst schildert, lautet: Am 30. April und 1. Mai überschritt der Feind den Jalu in großer Stärke; die unsrigen zogen sich auf vorher ausgewählte Stellungen zurück. Gestern bewerkſtelligte der Feind eine Landung in großem Maßstabe südlich Pitsewo und in der Nähe der Kintschaubucht. Nun beginnt für uns die Arbeit. Natürlich wird der Gegner den Bahnverfehr unterbrechen und sich bemühen, unsere Truppen bis Port Arthur zurückzudrängen und diese Festung, Rußlands Schutzwehr im fernen Osten, zu belagern. Verteidigt sie bis zum Eintreffen der Truppen, welche uns zu entsetzen kommen. Ich halte es für meine Pflicht, darauf hinzuweisen, daß Ihr unablässig wachsam, umsichtig und bereit sein müßt, dem Gegner überall in einer der ruhmvollen russischen Truppen würdigen Ordnung entgegenzutreten und, welche Zwischenfälle auch eintreten, den Kopf nicht verlieren dürft. Seid eingedenk, daß im Kriege alles möglich ist, und daß wir mit Gottes Hilfe imstande sein werden, die uns auferlegte schwierige Aufgabe zu erfüllen. General Stößel wird gut tun, sich auf keine Hilfe von außen zu verlassen. Daß er mit Tatkraft und soldatischem Mut die schwere Aufgabe, die seiner harrt, erfüllen wird und auch dem Aeußersten mit troẞiger Stirn entgegentreten wird, dafür birgt seine Vergangenheit und sein Charakter. Die japanischen Landungen hatten sich zum Hauptpunkt Pitsewo erwählt. Dieser Ort liegt an der Ostküste der Halbinsel auf 39 Grad 25 Min. nördl. Br. und 122 Grad 27 Min. östl. Länge von Greenwich. In flachen kahlen Wellen, die durch breite sanderfüllte Täler von einander getrennt sind, fällt das Gebirgsland hier zur Küste ab und senkt sich langsam in das Meer hinein. Der Hafen ist dadurch sehr seicht, und bei Ebbe liegt der Grund mehrere Kilometer weit trocken, jedoch schützen kleine Inseln und Klippen den Hafen einigermaßen. Die Straße von Takuschau gabelt sich hier. Nach Westen zieht sie anfangs durch welliges Gelände und tritt dann bei Jungtitien in das Kalksteingebirge, welches die Halbinsel erfüllt, und schwenkt nordwestlich ab. Nach Süden läuft eine Straße nach dem 160 Kilometer Weges entfernten Port Arthur. 1894 ist hier die 2. japanische Armee unter Marschall Oyama gelandet worden. Sie bestand aus 1½ Divisionen und einem Belagerungspark, 19657 Mann, 5120 Pferde und 20 000 Kuis, die auf 38 Schiffen verladen waren. Die Flotte mußte 7 bis 11 Kilometer vom Strand entfernt bleiben und da der Unterschied der Gezeiten 4 Meter betrug, mußten lange Brücken auf Dschunken hinausgebaut werden und die Kulis viel Material filometerweit tragen, während die Truppen an Land wateten. Das Ausladen der Truppen dauerte fünf, der Pferde 12 Tage. Die Japaner kennen also die Eigentümlichkeit des Ortes genau und werden alles vorbereitet haben, um die Landung schnell zu bewerkstelligen. Auf den Transportdampfern führen sie eine ganze Menge flacher Boote, Sampans, mit sich, die von den Dampfschaluppen an die Küste geschleppt werden. Das mitwirkende japanische Geschwader ist, da es infolge der Sperrung des Hafeneingangs von Port Arthur für die Sicherheit der von ihm geleiteten Truppentransporte nichts von seiten der russischen Kreuzer zu besorgen hatte, sogleich wieder umgekehrt und hat sich dem Hauptgeschwader wieder angeschlossen. Wie aus Port Arthur gemeldet wird, erschienen dort, 14 Kilometer von der Festung entfernt, neuerdings sechs japanische Panzerschiffe ,,, Mikasa", „ Hatsuse"," Asahi"," Schifischima"," Jaschima" und" Fuji", sowie die Kreuzer Swate"," Asama"," Idzumo" und„ Adzuma". Sie manövrierten auf zwölf Kilometer Entfernung bon den Miautau- Inseln und bei der Taubenbucht. Die japanischen Panzerschiffe warfen einige Bojen aus, was stets bor einem nächtlichen Angriff geschieht. Bugleich mit dem letzten Angriff auf Port Arthur legten die Japaner ein Kabel zwischen einer der Elliotinseln und dem Festland zur Verbindung mit dem Landungsort. Ein russischer Held. Die russischen Blätter sind voll von Erzählungen über den Heroismus ihrer Soldaten. Von einer schier übermenschlichen Willenskraft und Aufopferung zeugt folgende Heldentat eines russischen Schiffsingenieurs während der letzten Kämpfe vor Port Arthur. Eine feindliche Kugel fiel in den Maschinenraum eines russischen Schiffes und beschädigte ein Dampfrohr. Der Dampf begann aus der beschädigten Stelle auszuströmen, da griff der Tagesingenieur Blinow ganz energisch ein, indem er die Oeffnung mit seinen beiden Handflächen zudeckte und so lange geschlossen hielt, bis Hilfe nahte und ein Pflaster auf die schadhafte Stelle gelegt werden konnte. Obgleich die beiden Handflächen Blinows total verbrüht waren, so blieb er bis zum Schluß des Gefechtes auf seinem Posten und bediente die Maschinen. Nur dazwischen ging er an Deck, um die ihm wie Feuer brennenden Handflächen an der frischen Luft zu kühlen. Brief eines Deutschen aus Port Arthur. Ein Apenrader Bürger hat von seinem in Port Arthur angestellten Sohn einen Brief erhalten, worin es heißt:„ Bis jetzt habt ihr euch mit Ansichtskarten begnügen müssen, weil Briefe der Zensur halber nicht durchgehen. Aus unserem Geschäft sind viele junge Leute fortgegangen. Das Geschäft geht großartig. Gleich nach dem ersten Bombardement verfauften wir in acht Tagen von der Eisen- Abteilung für 300 000 Mark, und fortwährend laufen Aufträge ein. Es ist sehr interessant hier: Sobald die Japaner uns beschießen, schließen wir die Geschäfte und laufen auf die Berge, um von dort aus das Schauspiel zu betrachten. Bis jetzt( der Brief ist vom 1. April datiert) ist in der Altstadt nur ein Haus demolieri worden, in der Neustadt dagegen mehrere, aber niedergebrannt ist noch kein einziges. In der Altstadt haben wir beim Geschäft eine Höhle machen lassen, falls es sehr schlimm werden sollte; in der Neustadt werden wir in einen Keller flüchten. Wenn die Befchießung zu Ende ist und die Japaner abgefahren sind, geht das Geschäft seinen gewöhnlichen Gang; dann weiß man nicht, daß eigentlich Krieg ist. Hätten die Japaner das erste Mal des Nachts Port Arthur besser angegriffen, so hätten fie es nehmen können, denn nirgends war klar zum Gefecht gemacht. Leider sieht man auf den Straßen viele betrunkene Matrosen und Soldaten, doch das ist nun einmal russische Art. Es werden sehr viele japanische Spione abgefaßt, welche chinesische Kleidung tragen." Der Schreiber bittet seinen Vater zum Schlusse, ihm„ Eingeschrieben" eine Spezialfarte vom Kriegsschaublak zu schicken. Die Schwarzemeerflotte. In Wiener diplomatischen Kreisen verlautet, daß tro allen gegenteiligen Nachrichten Rußland zur Verwendung feiner Schwarzenmeerflotte in Ostasien entschlossen sei und dieselbe bereits in Kriegszustand seßen lasse. Bezüglich der Durchfahrt durch die Dardanellen sei eine Verständigung mit der Türkei erfolgt. Die Politik. Aus Deutsch- Südwestafrika liegt heute eine Meldung des Gouverneurs Leutwein vor, die besagt: Der Feind steht bei Onjatu; Estorff wird bis Otjikuoku vorgehen. Die Postierungen im Distrikt Gobabis werden durch eine fliegende Kolonne unter Oberleutnant Winkler von der Kolonne Glasenapp verstärkt. Sonst erfährt unser Berliner CB- Mitarbeiter noch, daß der Höchstkommandierende von Deutschsüdwestafrika, Generalleutnant v. Trotha, vorläufig nur von seinem Stabe begleitet nach dem Aufstandsgebiet abgehen wird. Von der sofortigen Absendung weiterer Verstärkungen ist abgesehen worden; die Nachschübe werden vielmehr inzwischen organisiert und dann je nach Bedarf nachgeschickt werden. General v. Trotha verlangt erheblich mehr Truppen als Leutwein. Er wird übrigens völlig selbständig in der Kolonie operieren und über seine Maßregeln dirett dem Kaiser unter Uebergehung aller amtlichen Instanzen Bericht erstatten. Die Nachricht, Kolonialdirektor Dr. Stübel trete von seinem Posten zurück, wird von einigen Blättern bezweifelt. Unser Berliner CB- Mitarbeiter kann demgegenüber versichern, daß Herr Dr. Stübel seine Demission angeboten hat. Ueber das Demissionsgesuch ist noch nicht entschieden, und die Vorgesetzten des Kolonialdirektors be= mühen sich, ihn zum Bleiben zu bewegen. Im günstigsten Falle wird Dr. Stübel indessen sein Amt nur noch wenige Wochen behalten. O Der Reichsverband gegen die Sozialdemokratie, von dem in jüngster Zeit mehrfach die Rede war, soll jetzt endgültig begründet werden. Nach dem Saßungsentwurf hat der Verband die Bestimmung, alle kaisertreuen Deutschen ohne Unterschied ihrer religiösen und politischen Stellung zum Kampfe gegen die Sozialdemokratie zu einigen. Der Siz des Reichsverbandes ist Berlin. Der Jahresbeitrag soll mindestens eine Mark betragen. Aus Gmunden, der Residenz des Herzogs von Cumberland, verlautet neuerdings, der Herzog sei persönlich ebensowenig wie seine Gemahlin abgeneigt, auf Hannover zu verzichten. Nur seine Umgebung bestimme ihn immer wieder, diesen Schritt zu unterlassen, indem sie ihm einrede, auch nach der Verzichtleistung auf Hannover werde er den braunschweigischen Thron nicht erhalten; Preußen würde es nie zulassen, daß ein Welfe deutscher Landesfürst werde. Wie der Herzog solchen Einflüsterungen Gehör schenken kann, bleibt unverständlich; Preußen kann, selbst wenn es wollte, die Thronbesteigung des Herzogs in Braunschweig gar nicht fördern, sobald der Herzog den 1866 geschaffenen staatsrechtlichen Zustand bezüglich Hannovers anerkennt. Es scheint nicht mehr zweifelhaft, daß der Leipziger Aerztestreik mit dem Siege der Aerzte enden wird. Zwischen der Kreishauptmannschaft und dem ärztlichen Bezirksverein ist nämlich ein Vertrag zustande gekommen, wonach die freie Arztwa hl bei der Ortskrankenkasse unter Erhöhung des Honorarpauschales zugestanden ist. Mit den neuangestellten Distriktsärzten sollen gütliche Vereinbarungen wegen ihres Wiederausscheidens angestrebt werden. Der Kassenvorstand hat bereits im Prinzip seine Zustimmung zu diesem Abkommen erklärt und nur noch einige weniger wesentliche Bedingungen gestellt. Danach ist anzunehmen, daß binnen kürzester Frist dieser Leipziger Aerztestreik der Vergangenheit angehören wird. Ein Erlaß der Kreishauptmannschaft hat denn auch formell dein Streit ein Ende gesezt. Sämtliche Forderungen der Aerzte wurden bewilligt. Die Klagen der Zwilmusiker über die zu ausgedehnte Konkurrenz der Militärkapellen haben an maßgebender Stelle ein Echo gefunden. Es ist ein kaiserlicher Erlaß ergangen, der die private Erwerbstätigkeit der Kapellen regelt. So sind die Vorgesetzten verpflichtet, darauf zu achten, daß weder der militärische Dienst noch das Ansehen der Militärkapellen durch die gewerbliche Beschäftigung leidet. Verboten sind unter anderm humoristische Konzerte, bei denen Verkleidung notwendig ist, öffentliche Anpreisung des gewerblichen Spiels und die Verstärkung der Militärkapellen durch Reservisten für solche Zwecke. Für öffentliche Tanzmusiken soll die Erlaubnis nur dann erteilt werden, wenn mindestens die Hälfte der Kapelle daran beteiligt ist. Für die einzelnen Orte sollen nach Möglichkeit Mindesttarife aufgestellt werden, um den Klagen der Zivilmusiker wegen der Konkurrenz der Militärkapellen die Spize abzubrechen. Italien. In aller Naivetät schildert ein Freund des sehr ehrenwerten Herrn Nasi in der Presse, wie er diesen auf seiner Flucht aus Rom begleitete. Er sagt:„ Dienstag ersuchte mich Nasi um eine Zusammenkunft. Wir stiegen in eine Droschke und fuhren vor die Tore der Stadt. Als es weiter ging, fragte ich, wohin er wolle. Nach Tivoli," sagte Nasi ,,, um mich der Untersuchungshaft zu entziehen. Im Gefängnis könnte ich mich nicht verteidigen; ich würde dort sterben!" In Tivoli bat er mich, ihn nach Castellamare und Bologna zu begleiten. Gib mir diesen letzten Beweis deiner Freundschaft," flehte er. In Castellamare stieg ein Unbefannter zu uns ein, der eifrig mit Nasi verhandelte. In Mailand verlor ich beide zu meiner großen Befriedigung aus den Augen, und ich kehrte nach Nom zurück." Auf den Gedanken, daß er sich der Begünstigung der Flucht eines großen Gauners schuldig gemacht habe, scheint Nasis braver Freund gar nicht zu kommen. Ein Reiſeerlebnis von Mar Hoffmann. Wie wir Henrik Ibsen kennen lernten. gurt es war alles da, nur die Gesamterscheinung ganz anders gedacht. Dieses hatten wir start gerötete, dicke doch diese vollen, fetten Hände hatten so gar nichts Gesicht Boettung seiner Bers 3 an fich! Aber Jbsen ließ sich durch unsere genaue mindesten in seiner Ruthe der darüber ausgebreitet ist, und weicht allen aus, darüber verwickeln wollen. ihn in " Ja, sehr el" bestätigte Otto. fein, mit ihm ge Auseinander Wir haben doch das erhebende ps Bungr ging sehr schwer sprochen zu haben. Alle werden uns darum beneiden." die Schade!" Er Lollte eigentlich nur Aber das ist gleich. 1 B 2442RESSURE n b D h b A T Amerikanische Blätter wollen wissen, den amerikanischen Katholiken würden neuerdings große Schwierigkeiten gemacht, vom Papst empfangen zu werden. Der Grund dafür sei, daß der Papst neulich von einer Gesellschaft nichtkatholischer Amerikaner, die sich in den Vatikan eingeschmuggelt hatten, beleidigt worden sei: sie hätten sich geweigert, ihm die Hand zu küssen. Persönlich fühlt sich Pius X. zwar nicht verlegt, wohl aber ist man in vatikanischen Kreisen darüber entrüstet. Infolgedessen ist strenger Befehl gegeben worden, daß von jetzt an zu den päpstlichen Audienzen nur solche Amerikaner zugelassen werden sollen, die von ihren Bischöfen Ausweispapiere über ihre Eigenschaft als Katholiken beibringen. In des flüchtigen Ministers Haus wurde eine genaue Durchsuchung vorgenommen, nachdem die Deputiertenfammer die Ermächtigung zur gerichtlichen Verfolgung gegeben hatte. Dabei wurde ein Brief gefunden, indem Nasi versichert, er sei nur das Opfer seiner politischen Gegner, und seine demnächstige Rückkehr verspricht. Nur shade, daß niemand dem glauben will. frankreich. Zwischen dem Kabinett Combes und dem Vatikan ist der Kriegszustand jetzt sozusagen offen proklamiert worden. Es bestätigt sich, daß der französische Botschafter beim päpstlichen Stuhl, Nisard, den Auftrag erhalten hat, dem vatikanischen Staatssekretär Merry del Val mitzuteilen, daß Frankreich den päpstlichen Einspruch gegen die Reise des Präsibenten Loubet nach Rom als null und nichtig( ,, nul et non avenu") erachte. In politischen Kreisen sieht man dieses diplomatische Renkontre als die fast sichere Bürgschaft für eine über kurz oder lang folgende Kündigung des Konfor dats an. Auf den Wunsch der russischen Botschaft hat die franzöfische Regierung zwei russische Revolutionäre, namens Burtsew und Vorakow, aus Paris ausgewiesen, weil sie Anstifter eines Anschlages gegen das Leben des Zaren waren. Vor einigen Wochen waren sie wegen Veröffentlichung zahlreicher Schriften, die gegen den Kaiser gerichtet waren, aus der Schweiz ausgewiesen worden. In Frankreich, dem Lande der Revolution, träht kein Hahn nach einer solchen Ausweisung revolutionärer Wordbuben. de ea бе ge Ei mi AL b. nä Ei bas Sd str br we ben De 8e rhe sta den fön mei δας ihr frü mer neh Uni Gro Abg liche offe Alien. Wenn die Engländer geglaubt haben, die Tibetaner würden ihnen nach den ersten kleinen Scharmügeln feinen Widerstand mehr entgegensezen, so waren sie auf dem Holzmege. Nach einer Meldung aus Simla machten etwa 800 Tibetaner am Donnerstag bei Tagesanbruch einen Angriff auf die englische Mission in Gyangtse, wurden aber unter großen Verlusten zurückgeschlagen; auf englischer Seite wurden nur zwei Sepoys verwundet. Nichtsdestoweniger dürfte es den Briten schwer werden, Lhassa ohne große Verlufte zu erreichen. Amerika. verstanden erklären, für die im Hause eine starke Majorität borhanden war. Nur die Sozialdemokratie und die freijinnige Volkspartei machten Opposition, denn sie erblicken, wie der Abg. Richter, der nach langer Zeit wieder einmal im Hause erschien, sagte, in dem Geseß ein Attentat auf das Budgetrecht des Reichstags, und sie können sich eine wirkliche Finanzreform ohne Einführung direkter Steuern überhaupt nicht denken. Allein ihre Gründe hatten nicht die Kraft, die Freunde der Vorlage zu bekehren, diese wurde vielmehr unverändert nach den Kommissionsbeschlüssen angenommen. Geborgen ist das Gesetz damit allerdings noch nicht. Unter den an dem Regierungsentwurf beliebten Aen derungen befindet sich nämlich auch die Streichung einer Bestimmung, nach der die Einzelstaaten in der Regel an das Reich nicht mehr zahlen sollen, als sie durchschnittlich in den fünf voraufgegangenen Jahren erhalten haben. Dazu wird der Bundesrat erst bis zur dritten Lesung Stellung nehmen. Recht erbauliche Dinge sind in der Untersuchung ans Licht gekommen, die von den amerikanischen Behörden über die neuesten Unfälle in der amerikanischen Marine angestellt wurden. Bekanntlich sind in letzter Zeit auf amerikanischen Schiffen mehrfach große Geschüße geplatzt. Die Untersuchung ergab nun, daß die Firma, die diese Geschüße geliefert hatte, die„ Midivale Steel Company", durch Bestechung die Abnahme schlecht geschmiedeter achtzölliger Kanonen durch gesetzt hat. Brave Patrioten, diese amerikanischen Geschäfts. leute! Brave Patrioten aber auch die Mitglieder der Ab. nahmekommission, die doch zum großen Teil Marineoffiziere find! Deutfcher Reichstag. ( 86. Sizung.) CB Berlin, 7. Mai. Einen kürzeren und deshalb erbaulicheren Verlauf, als man erwartet hatte, nahm heute die zweite Lesung des Gesetzentwurfs betreffend Aenderungen im Finanzwesen des Reichs, der sogenannten fleinen Finanzreform, die bestimmt ist, dem Reiche größere Bewegungsfreiheit, den Einzelstaaten größere Sicherheit für die Aufstellung des Etats zu bringen. Der Staatssekretär des Reichsschazamts, Freiherr v. Stengel, der sein Amt übernommen hat, um die Reform durchzuführen, und der in der Budgetkommission erklärte, er werde es niederlegen, wenn er für sein Werk nicht die Mehrheit gewinne, braucht seinen Posten nicht zu verlassen. Die Budgetkommission hat seinen Plan allerdings etwas verkürzt, aber nicht in dem Maße, daß der gewollte Zweck dadurch vereitelt würde, er konnte sich also mit den an der Regierungsvorlage vorgenommenen Aenderungen einDer Wildhirt. Preussifcher Landtag. Haus der Abgeordneten. ( 69. Sigung.) RK. Berlin, 7. Mai. Zu Beginn der Sigung teilt der Vizepräsident Dr. Porsch mit, daß ein Gesezentwurf vom Minister des Innern, der Landwirtschaft und der öffentlichen Arbeiten eingegangen ist, der den Kontraktbruch ländlicher Arbeiter erschweren soll. Der Entwurf sieht Strafer von 150 bis 600 Mark gegen Arbeitgeber oder Vermittler vor, die einem anderen zur Arbeit verpflichtete Dienstboten einstellen oder bermitteln. Dann trat das Haus in die Beratung über den Gesetzentwurf betr. Verwaltung gemeinschaftlicher Jagdbezirke, ein. Hierbei kam es zu einem heftigen Vorstoß der Redner der Konservativen und des Zentrums gegen die Regierung. Abg. Schulze- Pelkum ( fons.) erklärte: Meine Freunde sind durch diesen Gesetzentwurf auf das unangenehmste berührt. Er berücksichtigt die früher von der Mehrheit beschlossene Resolution überhaupt nicht, dagegen schließt er sich an die der Minderheit an. Wir empfinden das als eine Mißachtung eines Mehrheitsbeschlusses, gegen die wir energisch Verwahrung einlegen. ( Allgemeine Bewegung.) Redner beantragt Ueberweisung des Entwurfs an eine Kommission von 20 Mitgliedern. Eine oberhessische Dorfgeschichte von J. Becker. ( Fortsetzung) ( Nachdruck verboten.) Was, und da besinnt sich's noch! Da wärste Schläge wert, wennste den nit nähmst." Landwirtschaftsminister v. Podbielski wies in temperamentvoller Weise die Vorwürfe des Vorredners zurück. Dessen Forderungen liefen auf Gebiete hinaus, wo die Regierung gezwungen ist, auf keine Resolution mehr einzugehen. Mir hat man ja schon während meiner ganzen Ministerschaft abgeraten, die Jagdgesetzgebungsfrage anzurühren, weil da immer gleich der Lokalpatriotismus und Lokalegoismus in den Vordergrund tritt.( Vielfaches Schr richtig!) Bei der von konservativer Seite geforderten Wahl des Jagdvorstehers würde die Leidenschaft größer sein als bei den ernstesten Wahlen, bei denen es sich um das Wohl des Vaterlandes handelt. Da grüßt der Bruder den Bruder nicht mehr.( Stürmische Heiterkeit.) Vermeiden Sie den Wust von Aerger und Verärgerung. Abg. Her old( Zentr.) polemisiert heftig gegen den Landwirtschaftsminister. Die Ernennung des Gemeindevorstehers zum Jagdvorsteher hieße den Behörden ein Mitbestimmungsrecht über das Privateigentum zuschreiben. In dieser Weise redeten beide Eltern eine Weile auf ihre Tochter ein. Sie machten es ihr an diesent Tage und denen, die noch folgten, so flar, daß sie feinen besseren friegen fönne, als den Burkhennersch Hannhenner, daß sie es schließlich selbst glaubte, schon weil der Hangcurt nicht mehr da war. Nach allerlei Für und Wider geht schließlich die Vorlage an eine Kommission, ebenso der Entwurf des WildschonGesetzes, das eine wesentlich freundlichere Aufnahme int Hause findet. Ohne jede Debatte werden drei kleinere Gesetzentwürfe, darunter der über die Wechselproteſtſtunden, in zweiter beziehungsweise dritter Lesung angenommen. Nach einigen Wochen kehrte der Freiersmann wieder, wie zufällig, als ob er im Dorfe abermals Geschäfte gehabt habe. Allein es wäre diesmal diese Vorsicht nicht mehr nötig gewesen, denn das Elschen war zu Gunsten des Burkhennersch schon genügend umgestimmt. Als er fortging, ging er mit dem Bewußtsein, dem Burkhennersch, seinem Auftraggeber, die günstigsten Aussichten eröffnen zu können. Letterer Surfte von jetzt an als officieller Freier das elterliche Haus Elschens betreten. Wenn die Freierei" gelang, so hatte der„ Durchtriebene" fein übles Geschäft dabei gemacht. habe. Bei dieser Gelegenheit habe die hohe Frau ihrem lebhaften Interesse für das Mädchengymnasium Ausdruck verliehen und die Notwendigkeit solcher Einrichtungen anerfannt. *[ Wa mann A. Pfennigsto Straße Nr. ger Zeit b Jagdunfall der Großherzogin Alice von Toskana. Wie aus Salzburg gemeldet wird, stürzte die Großherzogin Alice bon Toskana auf der Birkhahnjagd und brach den Unterschenkel oberhalb des Knöchels. Die Großherzogin wurde mittels Tragbahre nach Salzburg gebracht. Die Großherzogin Alice, die Mutter der Gräfin Montignoso, ehemaligen Kronprinzessin von Sachsen, steht im 55. Lebensjahre. Sie war, als sie den Unfall erlitt, bereits auf dem Rückweg von der Jagd begriffen, bei der sie einen großen Birkhahn erlegte. Der verhängnisvolle Sturz erfolgte auf völlig ebenem Boden. O Die Bochumer Pockenepidemie erloschen. Die Pockengefahr in Bochum fann als beseitigt gelten. Abgesehen von Der Ertranzung zweter inoer an inopocen no sett megr als einer Woche feine weiteren schweren Pockenfälle zu verzeichnen. Nach der amtlichen Liste sind vom November 1903 bis zum 28. April 1904 im ganzen 55 Pockenfälle festgestellt worden, die aber nicht nur diejenigen des Bezirks Bochum, sondern auch die von auswärts, wie Coesfeld, Olpe, Witten u. s. w. in sich begreifen. Zudem handelt es sich hierbei nicht allein um schwarze Pocken, es sind auch die leichteren Fälle mit einbegriffen. An der Seuche gestorben ist nur eine barmherzige Schwester, während bei einer andern Frau der Tod erst bei Hinzutritt von Lungenentzündung eintrat. Erregt wird die Debatte erst wieder bei Beratung des Entwurfs über die Errichtung eines Oberlandesgerichts in Düsseldorf. Justizminister v. S ch önstedt sieht eine starke von Lokalwünschen getragene Opposition voraus, und gleich der erste Redner, der konservative Abg. Schulze. Belkum, gibt ihm recht, indem er Verwahrung gegen eine Benachteiligung Westfalens einlegt. Abg. Trimborn ( 3tr.) haut in dieselbe Kerbe mit Rücksicht auf das Wohlergehen der Kölner, die immer stiefmütterlich behandelt würden. Schließlich wird die Sigung vertagt, ohne daß es zu einer Entscheidung kommt. Also der Burkhennersch fam. Er verstand es auch, dem Mädchen wenigstens insoweit sich annehmbar zu machen, daß es ihn nicht ablehn e. Es erklärte, ihn „ nehmen" zu wollen, wobei es nur den Vorbehalt machte, das dies sobald noch nicht zu geschehen brauche. Damit war man ja auch einverstanden. Es durfte sich. wenn es dies nicht anders wollte, noch zwei bis drei Jahre des Bräustandes"( Brautstandes) freuen. Dabei blieb es vorläufia. Der Burkhennersch batte Nah und Fern. Die Kaiserin und die Mädchengymnasien. Der Vorsigende der Karlsruher Schulkommission hat dem Stadtrat mitgeteilt, daß die Kaiserin gelegentlich ihres jüngsten Aufenthaltes in der badischen Residenz dem Direktor des dortigen Mädchengymnasiums. Professor Keim, 211 sich befohlen sich das Elschen wenigstens gesichert und er brauchte feine Befürchtung zu haben, daß ein anderer käme und es ihm vor der Nase wegschnappte. auch die Karte do berzogen denen Wo fiebenten es tam m mitteln. Stadt bor nichts angu Parte, daß Beiten auch Wirtschaft nad 7 Tag gewordene A[ W König Ed Herzen d ten zu g Station Dudley& diefem, 3 troffen t Degen de Worten: Die Stad geifterung feines Bei gewählt n feinem H der Gefal aus den einer Te phon bor mengefti die Num fräulein fallende ganz rich gestoßen schaft an, fung gab, in der fofort de Vorzimm Boden b * Gr schweig. der Bur Wilhelm älteren Albrecht Student ☑ A Dynamitattentat auf eine Klosterschule in Barcelona. Die hochgehende antiflerifale Strömung in Barcelona hat einen verbrecherischen Anschlag gegen eine dortige Klosterschule gezeitigt. Kurze Zeit, bevor die Zöglinge einer von Jesuiten geleiteten Schule die Anstalt verließen, explodierte dort eine Dynamitbombe; der Vorflur des Gebäudes wurde beschädigt, das Dach stürzte ein; der Pförtner der Anstalt wurde leicht verwundet. Messerstecherei in der Kaserne. Einen verhängnisvollen Abschluß fand ein Bierfest, das dem in der Bauhofkaserne zu Mainz liegenden Mannschaften des 2. Bataillons vom Fußartillerieregiment Nr. 3 in Anerkennung einer vorzüglich abgelaufenen Bataillonsvorstellung gegeben wurde. Hierbei tat ein aus der Nähe von Koblenz gebürtiger Kanonier des Guten zuviel und gerict derart in Wut, daß er plötzlich sein Messer zog und dasselbe einem Kameraden so heftig in die Brust stieß, daß die Klinge abbrach. Der Schwerverletzte, dessen Zustand ein sehr kritischer ist, mußte sofort dem Garnisonlazarett zugeführt werden. Der Täter wurde alsbald verhaftet; er ist bereits im Zivilverhältnis wegen schwerer Körperverletzung mit 3 Jahren Gefängnis vorbestraft. Seine rohe Tat hat für das ganze Bataillon auch noch unangenehme Folgen gehabt, indem der den meisten Leuten schon für die nächste Zeit bewilligte 14tägige Urlaub ihnen wieder entzogen worden ist. Er weilte den Sommer über fast jeden Sonntag bei seiner Brout. Weil er nun so oft im Dorfe verfehrte, so war er mit sämmtlichen Burschen nach und nach bekannt geworden. Trotzdem brauchte er die Vorsicht, stets bei Zeite.. nach Hause zu gehen und nicht etwa die Nacht abzuwarten, denn er wußte aus Erfahrung, daß es ihm schwerlich gelungen war, alle Dorfburschen ohne Ausnahme damit auszusöhnen, daß er um's Elschen erfolgreich freite, schon weil es ein so begehrenswertes Mädchen war, und darum hielt er Vorsicht für den besseren Teil der Tapferkeit, denn allzu großes Vertrauen durfte er nicht in die Freundschaft" der Dorfburschen sehen, selbst auch bei denen nicht, die er zu seinen„ Bekannten" zählte. Bei seinem Umgang mit dem Elschen fühlte er es wohl heraus, daß es von einem gewissen Zwange beherrscht wurde, wenn es ihn als Bräutigam hinnahm, daß es nicht dem freien Trieb der Liebe folgte, die das eine zum anderen hinzieht mit magischer Gewalt. Er ahnte, daß sein Herz immer noch am Hangcurt hing, den es aber lassen mußte, weil er ewig für es verloren war, und daß es unter dem Druck der Notwendigkeit litt, doch einmal heiraten müssen. Denn dies verlangten nicht allein seine Eltern von ihm, auch die häuslichen Verhältnisse erforderten es gebieterisch. Darum hatte Elschen dem Zwange der Umstände sich gefügt und sich entschlossen, einen" zu heiraten, der ihm eigentlich vollständig gleichgiltig war." Dies empfand wie gesagt, der Burkhennersch gar wohl, und es tat ihm wehe, daß er das Mädchen nicht zur Liebe für sich entflammen fonnte. Er ſelbſt aber Ein Straßenaufruhr in Lehrte führte zu schweren Folgen. Bei einem Streit zwischen Zivilpersonen und Polizeibeamten erhielt der Polizeisergeant Wittlake 18 Messerstiche. Ein Zementarbeiter wurde von den Beamten, angeblich in Notwehr, erschossen. Die Verlegungen des Beamten sind sehr schwer, man zweifelt an seinem Aufkommen. Ein deutscher Ostafrikadampfer gestrandet. Wie aus Hamburg gemeldet wird, ist der Dampfer Kurfürst" der deutschen Ostafrikalinie bei Sagres an der südportugiesischen Küste gestrandet. Das Schiff ist mitten durchgebrochen und gilt als total verloren. Bergungsdampfer versuchen allerdings noch, den Dampfer zu bergen. Das Gepäck ist in Lissabon gelandet. Sämtliche Passagiere werden mittels eines holländischen Dampfers nach Lissabon gebracht. Von dort werden sie, soweit Platz vorhanden, mit dem am 7. Mai von Lissabon abgehenden Dampfer Prinzessin Victoria Luise", die übrigen mit dem am 10. Mai Lissabon verlassenden Dampfer Prinz Sigismund" nach Hamburg befördert. [ Ein glücklicher Ausgang.] In der Eßlinger Zeitung" findet sich folgende Nachricht aus Nuith:„ Der neuernannte Flurschütze erblickte gestern nachmittag in unmittelbarer Nähe des Ortes, an der Hedelfinger Straße, eine schadenlaufende Henne. Er erlegte dieselbe zwar durch einen wohlgezielten Schuß aus seinem Dienstgewehr, traf aber auch zugleich die vor ihrer Scheune arbeitende nichtsahnende, etwa 40 Jahre alte ledige Pauline Bluthardt in den Kopf. Ein Teil der Ladung, welche ziemlich stark gewesen zu sein scheint, ging in das im Hintergrund stehende Scheunentor. Die Verletzte befindet sich in ärztlicher Behandlung; der an dem Scheunentor angerichtete Schaden ist jedoch unbedeutend." Diese Meldung beweist eine große Zärtlichkeit Scheunentor! für das - liebte es in der Tat viel zu sehr, als daß er es hätte aufgeben sollen, weil es ihm nicht gleichfalls in Liebe zugetan war. Der junge Bursch besaß ein gutes Herz und es war sicher, daß er einst das Elschen auf den Händen tragen würde, wenn er es erst zur Frau hatte, Auch hoffte er darauf, daß doch noch seine Liebkosungen und Aufmerksamkeiten, mit denen er nach dem ganzen Taft, der ihm zu Gebote stand, das Mädchen überhäufte den von ihm erstrebten 8wed erreichen und das Eis brechen würden. Nepomu mordber feuerte einen S Darauf ins Be auf der ift bede Geschä im Gd um 812 pflichtig gaben f melbet; n. Gefel Gieß unterzo halb 11 schule f wies, w auch in brachte. Lehrmeis direft be Gäfte d Handelsta mehrere 2 werbebere fammer figende de eröffnete Wagner, fefretär G Es war an einem Sonntag im Juni, als der Burkhennersch' sich wieder zum Besuche nach seiner hübschen Braut begab. Der Weg dahin war ihm test so bekannt, daß er ihn, wie man so sagt, mit verbundenen Augen gefunden haben würde. Er mußte erf cine Stunde durch offenes Feld, um dann etwa dretotertel Stunden lang durch Wald zu gehen. Der Weg, den er hierbei zu nehmen hatte, war ein viel begangener Fußpfad, weil die Straße, welche beide Ortschaften verband, in weitem Bogen um den Wald herumführte. In: Walde sangen die Vögel und der Kuckuck schrie nah und weit in den Fernen des tiefen Buchen dickichts. Der Hannhenner fühlte sich heute Morgen recht glücklich, an seinem boll kommenen Glück nagte nur die Sorge um das geliebte Elschen, dessen Zuneigung er immer noch nicht zu erringen vermochte. Jetzt führte ihn sein Weg eine fahle mit Haidekraut bewachsene Anhöhe hinauf, über deren Kamm hinweg der Pfad am Rande eines steilen Absturzes lief, in dessen Tiefe Steinschutt und Felsstücke durcheinander lagen, welche verrieten, daß hier einmal vor langer Zeit schon der Versuch gemacht worden war, einen Steinbruch anzulegen, den man aber seiner geringen Ergiebigkeit oder vielleicht seines lockeren Gesteins wegen nicht weiter abaebaut hatte.( Forts. folgt) fchienenen Der Gefell mahnte, finitig a fonnten. Engelbad Ingen d und dan Arbeit. Gießen n Stelle für das gierungst bewunder rau ihrem leb Ausdruck ver htungen aner Toskana. Wie Bherzogin Alice ach den Unterherzogin wurde e Großherzogin emaligen Stron hre. Sie war, dweg von der rthahn erlegte. ebenem Boden. Die PockenAbgesehen von 17.no jett megr fenfälle zu ber November 1903 fälle festgestellt ezirts Bochum, Olpe, Witten ich hierbei nicht leichteren Fälle nur eine barmFrau der Tod trat. in Barcelona. Barcelona hat ige Klosterschule er von Jesuiten Sierte dort eine urde beschädigt, alt wurde leicht erhängnisvollen Bauhoffaserne Bataillons vom einer borzüg en wurde. Hier. tiger Kanonier daß er plößlich en so heftig in Schwerverlette, fort dem Garwurde alsbald vegen schwerer vorbestraft. auch noch un meisten Leuten Urlaub ihnen schweren Foln und Polizei18 Mefferstiche. , angeblich in Beamten sind 11. et. Wie aus Aurfürst" der portugiesischen gebrochen und ersuchen aller äd ist in Lissamittels eines cht. Von dort am 7. Mai von Victoria Luife", On berlassenden Sefördert. Eflinger Zei th:„ Der neuin unmittelStraße, eine r durch einen r, traf aber ichtsahnende, in den Kopf. wesen zu sein Scheunentor. dlung; der an edoch unbedeu Be Zärtlichkeit B er es hätte hfalls in Siebe ein gutes Herz Schen auf den ur Frau hatte, e Lieblojungen dem ganzen *[ Was die Reichspoft für 2 Pfennige leistet.] Der Kauf. mann A. Sch. in Hannover schrieb am 13. v. Mts. eine ZweiPfennigsfarte an einen unverheirateten Kaufmann, Eckerstraße Nr. 13 dortselbst wohnhaft. Der Adressat war seit einiger Zeit bereits von dort verzogen und der Postbeamte erfuhr auch die neue Wohnung. Als ein anderer Postbeamter die Karte dort zustellen wollte, erfuhr er, daß Adressat weiter berzogen sei. So wanderte die Postkarte nach sieben verschiedenen Wohnungen, die der Adressat innegehabt hatte, bei der siebenten Wohnung war die Spur des Adressaten verwischt und es kam nun darauf an, die Wohnung des Absenders zu ermitteln. Da der Absender einen der nach Hunderten in einer Stadt vorhandenen Namen hat, war mit dem Adreßbuch nichts anzufangen. Die Post ersah dieses aus dem Inhalt der Karte, daß der Absender an gewissen Tagen und zu gewissen Zeiten auch in der und der Wirtschaft zu treffen sei. In dieser Wirtschaft stellte die Post die Wohnung des Absenders fest und nach 7 Tagen wurde sodann diesem die inzwischen buntscheckig gewordene Zwei- Pfennigskarte kostenlos wieder zugestellt. A[ Wie König Eduard von England den Adel verleiht.] König Eduard versteht es, auf seiner Fahrt durch Irland die Herzen der Bevölkerung durch unerwartete Aufmerksamkeiten zu gewinnen. Als der König vor einigen Tagen die Station Waterford erreichte, schickte er den Vizekönig Lord Dudley zu dem Bürgermeister Mr. James Power und befahi diesem, zu ihm zu kommen. Als der Bürgermeister eingetroffen war, hieß der König ihn niederknieen, lieh sich den Degen des Lord Dudley und erteilte dem Knieenden mit den Worten:„ Erhebe dich, Sir James!" den Ritterschlag!- Die Stadt Waterford wurde durch diesen Akt in große Begeisterung bersetzt. Sir James ist erst 38 Jahre alt und seines Zeichens ein Tuchhändler. Er war zum Bürgermeister gewählt worden, weil er bei Gelegenheit eines Brandes in seinem Hause große Tapferkeit an den Tag legte und trotz der Gefahr für sein eigenes Leben zwei seiner Angestellten aus den Flammen holte. [ Die kluge Telephonistin.] Das verständige Vorgehen einer Telephonistin hat in Wien einem Manne, der am Telephon von heftigem Unwohlsein befallen und bewußtlos zusammengestürzt war, rasche Hilfe gebracht. Um 5 Uhr früh rief die Nummer 370 die Telephonzentrale an. Das Telephonfräulein fragte nach der Nummer, hörte aber nur einige fallende Laute, denen tiefe Stille folgte. Das Fräulein schloß ganz richtig, daß einer Person beim Telephon ein Unfall zugestoßen sei und rief ihrerseits die Freiwillige Rettungsgesellschaft an, der sie den Sachverhalt mitteilte und weiter die Weisung gab, das Telephon befinde sich in der Kärntnerstraße 21 in der Wohnung eines Dentisten. Ein Krankenwagen ging sofort dahin ab, und der Inspektionsarzt fand wirklich im Vorzimmer den allein dort anwesenden Diener frank auf dem Boden hingestreckt. Enthüllung des Herzog Wilhelm- Denkmals in Brannschweig. In Braunschweig wurde das auf Landeskosten vor der Burg Dankwarderode errichtete Landesdenkmal für Herzog Wilhelm, den legten braunschweigischen Herrscher aus der älteren welfischen Linie, in Gegenwart des Regenten Prinzen Albrecht von Preußen, der Vertreter von Behörden, der Studentenschaft und der Kriegervereine feierlich enthüllt. Raubmordversuch. Gegen den 83 jährigen Grafen Nepomut Bichh wurde in den Budapester Anlagen ein Raubmordversuch verübt. Ein junger elegant gekleideter Mann feuerte plößlich auf den auf einer Bank sizenden Grafen einen Revolverschuß ab, der jedoch sein Ziel verfehlte. Darauf schlug der Angreifer den Grafen mit dem Kolben ins Gesicht und raubte ihm die Brieftasche. Die Polizei ist auf der Spur des Täters. Der Zustand des alten Herrn ist bedenklich. Lokales. 9. Mai 1904. Das diesjährige Aushebungs-( Ober- Ersatz) Geschäft für den Kreis Wehlar wird am Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag, den 18. Mai " If 19. 20. 21. " und n H im Schüßengarten" zu Weßlar stattfinden und jedesmal um 82 Uhr morgens beginnen, während die Militärpflichtigen schon um 8 Uhr zur Stelle sein müssen. ** Als Freiwillige für Südwest afrika haben sich aus dem Kreise Gießen einige Reservisten gemeldet; desgleichen in Weglar 8, und in Mainz 10. n. Die Feter der Ueberreichung der Gesellenbriefe an die Lehrlinge im Bezirk Gießen, welche in diesem Jahre sich der Prüfung unterzogen hatten, fand gestern Sonntag, vormittags halb 11 Uhr in der Turnhalle der Höheren Mädchen. schule statt. Die sehr große Zahl der Erschienenen bewies, welch reges Interesse und welche Bedeutung man betonte, daß die Groß. Regierung auch fernerhin ihre Hand dazu bieten wird, daß das Handwerk trotz der überhandnehmenden Industriearbeiten immer mehr erstarke und seinen goldenen Boden wieder bekomme. Herr Kommerzienrat Koch war nicht minder erfreut über das Gesehene und Gehörte und hegte den Wunsch, daß die jungen Gesellen dem Handwerk stets gute Arbeit liefern möchten; denn nur solche wird dem Handwerksmeister Vorteil bringen. Alsdann wurden die Gesellenbriefe durch Architekt Schramm verteilt und nahmen dabei Schlossermeister M. Dörr und Schreinermeister W. Müller den Handschlag der Junggesellen entgegen. Anschließend daran ermahnte Schlossermeister Dörr, der 2. Vorsitzender des Prüfungsausschusses ist, die Junggesellen, ihr Handwerk gründlich weiter zu erlernen und sich nach allen handwerklichen Richtungen hin zu vervollkommnen. Zum Schluß sprach Junggeselle Jughardt den Lehrmeistern und dem Prüfungsausschuß namens seiner Mitprüflinge den Dank aus. - Zur diesjährigen Prüfung hatten sich 83 Lehrlinge aus 19 Gewerben angemeldet. Es waren vertreten das Schlosser-, Dreher-, Maschinenschlosser, Elektromechaniker, Bandagisten-, Schmiede-, Wagner, Weißbinder- und Maler-, Lackierer-, Feinmechaniker-, SattIer-, Zimmerer, Maurer-, Gelbgießer, Schreiner-, Spengler- und Installateur-, Buchbinder, Steinhauer-, Meggerhandwerk. Von diesen Prüflingen haben 2 die Note:" Sehr gut bestanden", 48 die Note:" Gut bestanden" und 31 die Note: Bestanden" erhalten. Mit der Feier war eine kleine Ausstellung verbunden, zusammengestellt aus den Prüfungsarbeiten der Lehrlinge. - *** Das Hinscheiden des am letzten Samstag unter großer Beteiligung zur ewigen Ruhe gebrachten Professor Höhlbaum wird besonders von der notleidenden Bevölferung tief bedauert. Das beweist nachstehender Vorfall: Eine hiesige arme Familie hatte an Ostern die Konfirmation eines Kindes vor, war aber nicht in der Lage, für das bevorstehende Fest verschiedene Ausgaben zu bestreiten. Herr Professor Höhlbaum, der davon Kenntnis hatte, bestellte sofort das Gewünschte und ließ es der betreffenden Familie zustellen. Daß die Konfirmationsfeier dann würdig verlief, ist leicht zu denken. Außerdem hat Herr Professor Höhlbaum auch u. a. stets bei hiesigen Bäckern Brot gekauft, was dann an notleidende Personen verteilt wurde. ▲ Die Sanitätstolonne vom Zweigverein des roten Kreuzes zu Gießen wird bei dem nationalen Gesangswettstreit zum erstenmale in Tätigkeit treten. Am Freitag Abend findet bei Gastwirt Förtsch eine Besprechung über die Stellung einer Sanitätswache für das Fest statt. +( Haupt- Versammlung.) Wie aus dem Inseratenteile unserer heutigen Nummer zu ersehen ist, hält die Ortsgruppe Gießen des Deutschen Flottenvereins am 11. d. Mts. in der fleinen Aula der Universität zu Gießen eine Hauptversammlung ab. Da die Tagesordnung einzelne wichtice Buntte enthält, so ist eine recht zahlreiche Beteiligung seitens der Mitglieder erwünscht. " ** In Betreff der Notiz über die Fünfzigerfeier" geht uns eine Ergänzung bezw. Berichtigung zu. Die Fünfzigervereinigung zählt nicht 40, sondern über 80 hiesige Mitglieder und noch eine Anzahl auswärtige. Ein Ball findet nicht statt. Das Progamm ist vielmehr folgendes: Außer allmonatlichen Zusammenkünften, die immer am 2. Montage eines jeden Monats stattfinden, ist eine Hauptfeier am 25., 26. und 27. Juni geplant und zwar ist vorgesehen: am 15. Essen mit nachfolgendem Kommers in Steins Garten, am 26. Frühschoppen und nachmittags Ausflug und am 27. großes Familienfest im Philosophenwald unter Mitwirkung der Regimentskapelle. ** Gestern Nachmittag wurde unter großer Be teiligung, der in Radfahrerkreisen bekannte W. Hamel, Sohn des Fahrradhändlers Hamel, zur letzten Ruhe bestattet. H. war im Herbst freiwillig bei den Husaren in Mainz eingetreten und vor einigen Tagen dort plößlich verstorben. Unter den Leidtragenden befanden sich außer vielen Freunden und Bekannten des Verstorbenen eine Deputation( ca. 10 Mann) Husaren seines Regiments in Paradeuniform. A Der Geflügel und Vogelzuchtverein für Lich und Umgegend, welcher ja eigentlich noch in seinen Erstlingsjahren steckt, hat seit seinem Bestehen aber doch eine anerkennenswerte Rührigkeit befundet. Er ist aus sich herausgegangen und nicht zu seinem Schaden. Am Samstag, gestern und heute Montag hat er seine zweite Geflügelausstellung veranstaltet, die man in allen ihren Abteilungen als gelungen und den Verhältnissen entsprechend gut bezeichnen kann. Der Protektor der Ausstellung, Fürst von Solms- Lich, fonnte infolge Trauerfall die Eröffnung nicht selbst vornehmen( es geschah durch Herrn Bürgermeister Heller), erschien aber später doch noch. Die Ausstellung umfaßte im Ganzen 184 Nummern. Bei der Prämiierung erhielten Ehrenpreise und er ste Preise die Aussteller Zimmer, Bingmühle- Grünberg, Christ, NeumühleGrünberg, Presser- Oberroßbach, Bürgermeister Heller- Lich, Wick- Marburg, Södler- Nieder- Gemünden, Lehrer Seip- Beltershain, L. Adam- Gießen, Gustav Heßler- Hungen, H. ZimmerLich, K. Burg II. Ruppertenrod, Fr. Jöckel- Grünberg, Johs. Engel- Birflar, K. Albach- Lich, Fürstl. Gutsverwaltung Lich, P. Decher- Grünberg und K. Schäfer- Lich. Zweite Preise erhielten u. a. Zimmer- Bingmühle b. Grünberg, K. PilzLaubach, Lehrer Roth- Lich, Södler- Nieder- Gemünden, KämpfElpenrod, Lehrer Seip- Beltershain, Lehrer Dörr- Lehnheim, Fürstl. Gutsverwaltung Lich, Hr. Zimmer- Lich, K. AlbachLich, Bürgermeister Heller- Lich und P. Decher- Lich. Es waren 8 Ehrenpreise zu dieser Prämiierung gestiftet worden, 2 vom Fürsten und je 3 von der Stadt und dem Geflügelzuchtverein Lich. - *** In Staden fand eine gut besuchte Versammlung unter dem Vorsiz des Bürgermeisters Stahl- Friedberg statt, die über das Bahnprojekt Friedberg- Ranftstadt ( Verbindung der Main- Weser- Bahn mit der Strecke GießenGelnhausen) beriet. Die Kreisräte und Landtagsabgeordneten Friedberg und Büdingen, sowie die Bürgermeister und Gemeinderäte der interessierten Gemeinden der Wetterau waren erschienen. Das Projekt wurde gutgeheißen, ein Komitee aus jeder Gemeinde 3 Vertreter gebildet und 1800 Mt. von den beteiligten Gemeinden zu den Vorarbeiten bewilligt. Mit einer Berliner Firma soll das Komitee wegen des Baues der Bahn Unterhandlungen anknüpfen. *** Der I. deutsche Wohnungstongreß findet im Oktober in Frankfurt a. M. statt. - Grünberg, 9. Mai. Reges Leben herrscht unter den hiesigen Radlern. So veranstaltete der hiesige„ Radfahrerverein 1904" gestern Vormittag eine Ausfahrt in die Umgebung von Grünberg, wo man Mittags wieder anlangte. Gegen 3 Uhr nachmittags unternahm der hiesige Radfahrerverein ,, Wanderlust" eine Radtour nach Gießen. Trozz des wenig versprechenden Wetters war die Beteiligung eine rege. Einen imposanten Anblick gewährten die mit Lampions geschmückten Fahrräder bei der Rückkehr in die Stadt abends gegen 10 Uhr. Ein kleiner Kommers im Vereinslokal, Gasthof zum wilden Mann", beendigte die allseitig befriedigte Ausfahrt.„ All Heil!" + Fronhausen, 5. Mat. Der hiesige Männergesangverein feiert am Himmelfahrtstag, wie schon berichtet, sein 30 jähriges Stiftungsfest, verbunden mit der Weihe der neu angeschafften Fahne. Diese, bezogen von der Bonner Fahnenfabrik zum Preise von 358 Mt., ist aus Seide hergestellt und trägt eingestickt die Gestalt der Germania nebst einer Landschaft. Dieselbe Fabrik hat auch die vor 28 Jahren schon beschaffte erste Vereinsfahne hergestellt, damals zum Preise von 420 Mt. Zum Festplatz wurde der GemeindeHüteplaz neben dem Bahnhofe ausersehen. Das Fest selbst ift gut vorbereitet. > Lich, 8. Mai. Die Gräfin Kolaldo, eine Tante des Fürsten, ist in Italien gestorben. In Igelhain im Kreis Lauterbach wurde der Maurermeister Eiffert am Montag morgen im Felde am Hinterkopf vom Blisstrahl getroffen; glücklicherweise erlitt er feinen Schaden. A Bruchenbrücken( bei Friedberg), 5. Mai. Herr Polizeidiener Heinrich Kleiß und seine Ehefrau Elisabeth, geb. Hartmann, hier feiern heute ihre di a mantene Hochzeit. Beide Eheleute, welche die" 80" bereits überschritten haben, sind noch in voller Rüstigkeit, so daß der Mann noch seinen vollen Dienst versieht. ( Sommerfest.) Tr. des falten regnerischen Betters gestaltete sich das gestern Nachmittag von dem Wohltätigkeitsverein" Contentia" zu Gießen auf der„ Schönen Aussicht" abgehaltene Sommerfest zu einem echten Volksfeste. den 10. Mai. Windig, zeitweise heiter, fühler, Regenschauer. Karussels, Schau-, Schieß-, Spiel- und Würfelbuden waren aufgestellt und boten für Groß und Klein mancherlei Abthen überhäufte auch in weiteren Kreiſen dieser schlichten Feier entgegen wechſelung. Auch die vom Verein auß veranſtalteten Kinderund das Gis Juni, als der ach seiner hüb. t verbundenen mehrere Vorstandsmitglieder des Grünberger Geihm tegt fo ẞte erst eine va dretvtertel Der Weg, den el begangener tschaften ber rumführte. Audud jdrie Buchen didichts. recht glücklich, ur die Sorge ung er immer te ihn sein Weg Inhöhe hinauf Rande eines Steinschutt und berrieten, daß Serfuch gemacht den man aber feines loderen tte.( Fort. folgt) Erschienen waren neben einer großen Zahl Lehrmeister auch viele Handwerksmeister, welche nicht direkt beteiligt waren. Außerdem bemerkten wir als Gäste die Herren Regierungsrat Dr. Wagner, Handelskammerpräsident Kommerzienrat Koch und werbevereins, als Vertreter der Großh. Handwerksfammer Herra Sekretär Engelbach. Der Vorfizende des Prüfungsausschusses, Baumeister Traber eröffnete die Feier mit einer Begrüßung der Erschienenen, insbesondere der Herren Regierungsrat Dr. Wagner, Kommerztenrat Koch und Handwerkskammersekretär Engelbach und wies hierauf auf die Bedeutung der Gesellenprüfungen hin, indem er die Prüflinge ermahnte, fortzufahren in ihrer Ausbildung, damit sie fünftig auch die Meisterprüfung mit Erfolg ablegen fönnten. Hierauf brachte Handwerkskammersekretär Engelbach namens der Handwerkskammer den Prüflingen die besten Wünsche für ihre Zukunft entgegen und dankte dem Prüfungsausschusse für die mühevolle Arbeit. Derselbe erwähnte, daß der Gewerbeverein Gießen nahezu voranmarschiert er steht an zweiter Stelle bezügl. der Zahl seiner Prüflinge und immer fitr das Wohl des Handwerks bestrebt ist. Herr Ne gierungsrat Dr. Wagner gab seiner Freude über die bewunderten schönen Prüfungsarbeiten Ausdruck und belustigungen fanden allgemeine Heiterkeit. Leider klappte der angekündigte Aufstieg eines Riesenluftballons, von welchem sich Herr Lattemann mittelst Fallschirmes herablassen sollte, nicht besonders. Denn bald nach dem Aufsteigen ging derselbe in helle Flammen über und Herr Lattemann erreichte die Erde als„ berkohlter Leichnam". Doch störte dieser „ traurige" Vorfall die Festesfreude nicht. Der Verein hatte auch einen Scheibenſtand aufgestellt und hielt daselbst ein Preisschießen ab, bei welchem einige sehr schöne und wertvolle Preise ausgeschossen merden konnten. Kurz, der Vorstand hatte für seine Mitglieder und Gäste in jeder Weise für Vergnügungen gesorgt; hoffentlich kommt derselbe auf seine Kosten. Am Schlusse des schön verlaufenen Festes wurde noch ein großes Brillant- Feuerwerk abgebrannt. Wie wir hören, soll noch eine Nachfeter veranstaltet werden. Der Kutscherverein Gießen hielt gestern Abend bei Wirt Sauer Neustadt eine gutbesuchte Abendunterhaltung ab. ▲ Der Turnverein Gießen veranstaltete am gestrigen Sonntag anläßlich des Anturnens ein Konzert, das sehr gut besucht war. Auch bei dem am Abend abgehaltenen Tanz fehlte es an tanzluftigen Paaren nicht. A Der Gem. Chor des G. A. V. veranstaltet am Himmelsfahrtstage einen Ausflug nach Kloster Arnsburg. Freunde des Vereins sind zur Teilnahme freundlichst eingeladen. | Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Dienstag, Näheres durch die Gießener Wetterfarte. Marktberichte. *** Fruchtpreise am Grünberger Fruchtmarkt, vom 7. Mai. Weizen 17,25-00,00, Rorn 14,00 bis Gerste 15,00, Hafer 12,00-00,00, Erbsen 20,00, Samen 00,00, Kartoffeln 5,00-5,25, Linsen 00,00 Mark. Alles per Doppelzentner. P Arbeitsnachweis der Stadt Gießen. Gartenstraße Nr 2( Bürgermeistereigebäude) Zimmer Nr. 14. Es können eingestellt werden: 2 landwirtsch. Knechte, 2 jüngere Schmiede, 1 Schlosser, 1 jüngerer Wagner, 2 Schreiner, 2 Schneider, i Wäscherin, 2 Maler und Anstreicher, 2 Hausburschen, 1 Stallbursche, 1 Köchin,( auswärts) 10 Dienstmädchen, 3 Lauffrauen, 2 Laufmädchen, 3 Mädchen von 14-16 Jahren. 1 Lehrlinge: 2 Installateur, 2 Schreiner, 1 Bäcker, 1 Metzger, 2 Friseure, 2 Kaufleute, 2 Kellner. Es suchen Arbeit: Steinhauer, 1 Spengler, 1 Jnstallateur, 1 Bauschlosser, 1 Bureaudiener 3 Bureaugehilfen. Verantwortlich für den politischen, vermischten und unterhaltenden Teil Albin Klein; für den lokalen Teil Karl Klose. Б D է: b 2 n D I I Wegen Geschäftsveränderung Grosser Ausverkauf zu bedeutend herabgesetzten Preisen. Schuhwarenhaus L. Süss. Marktstrasse 9 u. Wettergasse. Alleinverkauf der berühmten ,, Herz"-Schuhwaren. Deutscher Flotten- Verein Kreis- Ausschuß für die Provinz Oberhessen. Einladung. Am Mittwoch, den 11. Mai, abends 7 Uhr, findet in der kleinen Aula der hiesigen Universität die diesjährige Haupt- Versammlung des Kreis- Ausschusses des deutschen Flotten- Vereins für die Provinz Oberhessen statt, wozu alle Mitglieder des deutschen Flotten- Vereins ergebenst eingeladen werden. Tages- Ordnung: 1. Rechenschaftsbericht. 2 Entlastung des Rechners für die Jahres- Rechnung 1903. 3. Neuwahl des Vorstandes. 4. Sonstige Vereinsangelegenheiten. Im Interesse des Vereins wird um recht zahlreiche Beteiligung gebeten. Der Kreis- Ausschuß: Versammlung Dr. W. Onden, Professor. für junge Männer am Dienstag, den 10. Mai, abends von 9-10 Uhr im Konfirmandensaal der Markusgemeinde Kirchstraße Nr. 9. Vortrag des Herrn Forstmeisters a. D. von Rothkirch aus Berlin über das ,, Weiße Kreuz"( Sittlichkeitssache) Jeder junge Mann ist herzlich eingeladen. Eintritt frei. Fronhauſen. Am Himmelfahrtstag feiert der Männer- Gesang- Verein Fronhausen sein Fahnenweihfest. it δε eg δε ge Festplatz am Bahnhof. Ei m A1 b. nä Ei ba So str Es ladet ganz ergebenst ein Fahrräder- und NähmaschinenVersandt, Ersatzteile, Reparaturen Carl Graf Gießen. Kirchenplak 15. an der Stadtkirche. Größte Spec. Reparaturwerkstatt Oberhessens. Lehrmädchen Robes und Konfektion. br we ber De 8 e rho fta der auf sofort gesucht. Anna Kramer, fön we δασ ihr frü mer neh Uni Gr Abc lich offe Gießen, Loeberstraße 11, part. Neu Neu No115739 Zutritt frei. Der Vorstand. Abbruch. 10 000 gute Platt- Ziegel, 25 Kbm. gutes Bauholz, Eiserne Fenster 2c. preiswert zu verkaufen. 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Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Gießen, den 7. Mai 1904. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Herberg. Bekanntmachung. Am 14. d. Mts. beginnt die Ziehung 1. Klasse 4. Hessisch- Thüring.- Staatslotterie. Lose: 18 4 12 1 Mr. 3.50, ME. 7, Mk. 14, Mt. 28 find zu beziehen durch die amtlich bestellte Hauptkollektur Richard Buchacker, Gießen, Heuen- Bäue 11. Frankfurter Maschinenfabrik Akt.- Gel. Frankfurt a. M. baut Maschinen zur Holzbearbeitung aller Art und für jede Branche. Courante Maschinen ſtets vorrätig. Neuefte Construktionen. Billigite Preiſe. Vertreter: Carl Bellmann, Caffel, Wörthitraße 6. auch Außer den von mir seither geführten Bieren bringe Mainzer Aktienbier beliebt wegen seines reinen, milden Geschmackes und weil Schreibgehilfe es außerordentlich gut bekommt, zum Verkauf und empfehle auf 1. 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In seinem Hause abseits des Dorfes wohnte der wohlhabende Bauer Gottlieb Teller. Die Familie, Frau und Kinder, hatte er, wegen der Nähe der Truppen, fortgeschickt zu den entfernt wohnenden Großeltern; das Gesinde war teils auf dem Felde beſchäftigt, teils von den Ruſſen mitgenommen, um mit Fuhrwerken Dienst zu leisten. Gottlieb selbst blieb allein im Hause, damit dasselbe nicht leer stände und von den Soldaten leicht ausgeraubt werden könne, weil niemand zugegen wäre. Er war ein gutmütiger Mensch, fromm und tätig, der aber seinen Kopf nicht leicht verlor, sondern selbst in der Gefahr verständig zu handeln verstand. Gegen Mittag schlug es kräftig ans Hoftor, und nicht lange darauf kam ein Russe, ein Kosak aus der Gegend am Asowschen Meere gebürtig, ins Haus. Polternd und lärmend schlug er auf den Tisch und gab in seiner, für den Bauer völlig unverständlichen Sprache deutlich genug zu verstehen, daß er Hunger und Durst habe und zu essen und zu trinken wünsche. Gottlieb faßte sich schnell. Er brachte Schinken, Wurst, Brot, Bier und Branntwein, ohne nur zu zaudern, mit freundlicher, scheinbar zufriedener Miene, gerade als wenn's so sein müßte und der Kosak sein lieber Gast sei. Das gefiel dem Russen gar wohl. Schmunzelnd nahm er am Tische Plaz und langte begierig zu; denn er hatte lange Zeit nicht, vielleicht nie, eine so bequeme, reichlich besetzte Tafel vor sich gehabt. Im Kriege geht's oft karg und rauh her, und Schmalhans ist nicht selten Küchenmeiſter. Das ruhige Wesen, die fast zuvorkommende Bedienung des Bauern machten einen besänftigenden Einfluß auf den Soldaten, und bald suchte er sich mit seinem Gastgeber zu unterhalten durch Zeichen, Winke und Worte. Als der Hunger gestillt war, schien der Durst noch lange nicht gelöscht zu sein; ja, derselbe konnte fast unlöschbar genannt werden. Wohlgemut lehnte der Russe sich auf der Bank zurück, zündete sich eine Pfeife an und ließ sich von dem Bauer gerne immer von neuem sein Glas füllen. Er dachte offenbar gar nicht an baldiges Weggehen; es war ihm so behaglich auf der Bank, wie es ihm vielleicht in seinem ganzen Leben noch nie gewesen; dazu der freundliche Raum, die friedliche Stille, der aufmerksame Wirt. Es war gar nicht anders möglich, als daß allmählich eine selige Stimmung über den harten Soldaten kam, ein Vergessen des unerbittlichen Dienstes, eine Müdigkeit, ein Drang zum Schlafen. Denn es war ein warmer Tag im August, und reichlich, auch für einen Russen reichlich, war der Branntwein, den er getrunken. So kam es, daß der Kosak endlich sanft entschlummerte. Der Bauer lehnte ihn in eine Ecke am offenen Fenster, verschloß die Tür und ging seiner Arbeit nach. Nach einer halben Stunde kam ein Trupp preußischer Husaren angesprengt, und ihnen nach folgte Regiment auf Regiment. Hätten die Preußen den Russen gefunden, dann wäre es ihm schlecht ergangen; denn die Feinde hatten im Lande arg gewütet, hatten geplündert und geraubt, was sie nur konnten, und die Wut der Preußen war nicht geringe darob. Doch der Bauer hatte ein gutes Herz; er wollte den Kosaken unter seinem Dache nicht den Mißhandlungen seiner Landsleute preisgeben, da derselbe jezt wehrlos war, vielleicht der Sohn einer liebenden Mutter. So hielt er die Tür zu dem Zimmer, in dem der Russe lag, sorgsam verschlossen; und als dieser seinen Schlaf vollendet hatte, gab er ihm in der Nacht GeTegenheit, zu entkommen. Die Schlacht bei Borndorf vernichtete das Heer der Russen; nach schweren Kriegsjahren wurde endlich Friede geschlossen, und der alte Fritz suchte überall die Schäden, welche der Krieg verursacht hatte, zu beseitigen, so daß bald Wohlstand und Wohlbehagen im Lande herrschten. Auch dem Bauer Gottlieb Teller ging es gut; fleißige Arbeit trug lohnende Früchte. Da klopfte es eines Tages an seine Stubentür, und ein Mann in fremder Tracht trat ein, mit dem Wanderstab in der Hand und mit einem Bündel auf dem Rücken. In gebrochenem Deutsch begrüßte er den Bauer als einen Bekannten und ließ sich auf der Bank nieder. ,, Kennst du mich denn nicht mehr?" begann er dann.„ Hab' hier in dieser Stube und auf dieser Bank die schönste Stunde meines Lebens gehabt. Ich bin der Kosake, der einmal mit schlechten Absichten bei dir eintrat, den du aber aufnahmest wie einen lieben Freund und bewirtetest in Güte und Herzlichkeit. Das war mir wildem Manne neu, und so wohl ums Herz ist mir nie vorher und nachher gewesen. Hab' alle Tage daran denken müssen, und an diese Stube. Hättest damals mich den Preußen, wie ich im Schlafe lag, verraten können; und ein anderer hätte es getan. Du aber hast mich beschützt und gerettet. Hab' dich deshalb lieb gewonnen. Hab' zu Hause weder Eltern noch Geschwister, würde da in weiter Ferne nie so schöne Stunden finden, wie einst hier. Möchte daher bei dir bleiben und an deinem Tische ſizen können, bis ich sterbe!" Dem Bauer gefiel der Mann; er behielt ihn im Hause und hat es nie zu bereuen brauchen. Aus dem wilden Kriegsmann wurde ein tüchtiger Arbeiter, treu und zuverlässig. er forderte nie so reichliche Mahlzeiten, wie er ſie einſt als Soldat gehalten hatte, wenn er nur auf der Bank am Tische ſizen durfte. Dort war sein liebster Plak nach des Tages Mühen. Rätsel und Aufgaben. 1. Der erste Teil ist ein Bindewort; Der zweite ein heiliger Ort; Das Ganze nennt uns eine Stadt, Die gegen Gott gesündigt hat. 2. Rebus. richt turn 3. Zahlenrätsel. 1 und 2, die laufen und klettern schnell Mit langen Schwänzen und weichem Fell. 3 und 4 kannst du im Stoffladen sehn, Der Schneider weiß damit umzugehn. Zog früher der Schüße zur Jagd hinaus, So rüstete er mit 5, 6, sich aus. 3, 4, 5, 6, die bilden ein Paar, Du selbst besitzt es, das ist ganz klar. uto- 0 1, 2, 3, 4, 5, 6 stehst du am Rheine liegen, Und reist du einst hin, dann viel Verguügen. извади 4. Traurig hängt es an der Wand, Weil es schweigen muß; Nimmt's herunter deine Hand, Schafft es dir Genuß. Und das Ding, das erst so stumm, Hebt zu reden an: Leises, liebliches Gesumm, Himmeljauchzend dann. Und es hebt sich deine Brust, Und dein Auge glüht, Und der Töne selge Lust Läutert dein Gemüt. Nr. 103 Montag, den 9. Mat. 1904. Oberhessische Familienzeitung Tägliche Unterhaltungs- Beilage der Gießener Neueste Nachrichten. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein. ( 12. Fortsetzung.) Iwan der Schreckliche. Original- Roman von Hans Hoffmann. Mit mathematischer Pünktlichkeit erschien er an der ihm bezeichneten Stelle, an der sich die Festgenossen versammeln sollten. Der Fluß bildete hier eine breite Ausbuchtung, die eine herrliche Fläche für eine Fülle von Schlittschuhläufern bot; von da an aufwärts verengte er sein Bett, war aber weiter oberhalb stark über die Uferwiesen getreten und hatte die besondere Liebenswürdigkeit für die Menschenkinder, jeden Abend von neuem dies Gebiet ein wenig zu überschwemmen und so für jeden neuen Morgen eine neue Bahn von tadelloſer Glätte zu bereiten, während die schneebedeckte Landstraße an seiner Seite den Schlitten die leichteste Fahrt gestattete. Gotthold war der erste auf dem Plan. Er legte die Schlittschuhe an und probierte seine Fertigkeit. Er war ein fräftiger Läufer, wenn auch wenig geübt in feineren Kunststücken und ohne besondere Zierlichkeit. Es kam ihm heute zum erstenmal die Frage, wie er bei dieser Art Bewegung sich ausnehme, von der er sonst eben nur empfand, daß sie wohltuend, erfrischend und stählend war. Einige Schlitten fausten prächtig heran; er erkannte die bunten Müzen der Husarenoffiziere, welche ihm meistens vom Ball her flüchtig bekannt waren. Sie begrüßten ihn mit großer Höflichkeit und begaben sich sogleich aufs Eis und probierten ihre Fertigkeit auf dem Stahlschuh. Als der beste Läufer war leicht Herbert v. Bodungen zu erkennen. Die Geschmeidigkeit und männliche Anmut seiner Bewegungen war unvergleichlich, und er vollführte die gewagteſten Drehungen, Sprünge und Wirbelzüge ohne merkbare Anstrengung und ohne Koketterie, leichthin und wie selbstverständlich, wie etwa ein jugendlich starkes Pferd zwecklose Sprünge voll unbewußter Grazie macht. Gotthold bewunderte ihn und staunte über die feurige Schönheit des Mannes. Jetzt scholl ein kräftiges Klingeln von der Seite der Stadt her. Alles wandte sich um und glitt dem Ufer zu. Das waren die Schlitten der Festgeber. Glänzend geschmückt glitten sie daher, purpurne Decken wallten mächtig gebläht über den ausgreifenden Rappen, auf deren Köpfen bunte Federbüsche schwankten, dahinter sah man kostbare Pelze und Decken, farbige Kleider, eine Fülle von Blumen und Kränzen, flatternde rote Bänder. Einem Königszug glich die Auffahrt, alles Pracht, Freude, strahlende Farbenglut, doppelt frisch erglänzend über dem tonlosen Weiß und Grau der Ebene, unter dem mattfreund lichen Blau des nordischen Winterhimmels. Es ging eine ansteckende Fröhlichkeit von diesem Schlittenzuge aus, all dies übermütige Klingeln, Stampfen, Wehen und Sichblähen übte eine freudig aufregende Wirkung auch auf den ruhigsten Zuschauer. Die früher gekommenen Herren drängten sich um Almas Plaz. Sie saß behaglich in ihrem Pelz und grüßte lachend nach allen Seiten; ihr schönes Köpfchen war fast verdeckt durch eine Fülle von Rosen und Sträußen, die in verschwenderischer Fülle über den Schlitten gestreut waren; so sah sie aus wie eine Frühlingsfee mitten in dem starrenden Winter. Während aber die Herren sich wetteifernd bemühten. ihr ( Nachdruck verboten.)) beim Aussteigen behilflich zu sein, schüttelte sie plötzlich Pelze und Blumen von sich, sprang leichtfüßig nach der anderen Seite hinaus und war im Nu hinter dem Schlitten herum auf das Eis geschlüpft. Meine Herren," rief sie, ihre zierlichen Schlittschuhe hoch in der Luft schwingend, wer zuerst den Pfahl dort oben an der Flußbiegung erreicht, wird die Ehre genießen, mir die Schlittschuhe anzuschnallen. Ich bitte die Herren, welche sich an dem großen Wettlauf beteiligen wollen, sich in eine Linie zu stellen und zu warten, bis ich das Zeichen zum Ablauf gebe." - drei Alle anwesenden jungen Männer eilten herbei und ord. neten sich gehorsam. Alma zählte eins zwei und klatschte in die Hände, und dahin sauste die ritterliche Schar wie ein aufgescheuchtes Volk Hühner über das schurrende Eis hinweg. Nach sehr kurzer Zeit schon zeigte sich unverkennbar, daß Herr v. Bodungen der schnellfüßigste Läufer war und zweifellos als der erste das Ziel erreichen mußte; er fuhr den anderen weit voran, als wenn er seine Schwadron zum Angriff führte. Mit stiller oder lauter Bewunderung folgten die Blicke der Zuschauer am Ufer seinen schönen und kraftvollen Bewegungen; mitten im stürmischen Wettlauf konnte er noch eine rasche Drehung machen und, eine Zeitlang rückwärts laufend, den ihm folgenden Schwarm wie ein musternder Feldherr überblicken, ohne seinen Vorsprung wesentlich zu verringern. Sein Sieg war so unzweifelhaft, daß die anderen bereits in freiwilliger Entsagung lässiger dahin glitten; nur Gotthold stürmte noch, blind hoffend, mit voller Wucht weiter und gelangte dadurch ein gutes Stück über die ziemlich gleichmäßige Reihe der übrigen hinaus. Da geschah etwas Unerwartetes. Der sichere Sieger schien nicht weit vom Ziel plötzlich von einem tollen Uebermut ergriffen zu werden; er bog von der geraden Bahn ab, machte allerlei graziöse Kapriolen, Kurven und wirbelnde Umdrehungen, und so geschah es, daß Belling wider aller Erwartung an ihm vorüberschoß und als erster das Ziel erreichte. Es war unmöglich zu verkennen, daß Bodungen absichtlich den Siegespreis aufgegeben hatte. Obgleich Fräulein Alma mit dem durch seine Selbstverleugnung erzielten Ergebnis durchaus zufrieden war, ärgerte sie sich doch. So seine Ueberlegenheit zu zeigen und dann den gebotenen Preis wie etwas Wertloſes zu verschmähen, das war mindestens ungeschliffen, bei genauer Betrachtung war es empörend. So ein hochmütiger Mensch! Bildete er sich denn auf seine Schönheit und Kraft, die allerdings unleugbar waren, so viel ein, daß er glaubte, sie würde sich etwas aus seiner zur Schau getragenen Gleichgiltigkeit machen? Du lieber Himmel, als ob der Wert des Menschen nach dem Schlittschuhlaufen zu schätzen wäre! Sich darüber zu ärgern fiel ihr im Traum nicht ein! Im Gegenteil, sie war ihm selbstverständlich nur von Herzen dankbar! Diese Dankbarkeit verriet sich dem unglücklichen Leutenant freilich nur in einer äußerst unliebenswürdigen Miene, und als er darauf mit einem harmlos freundlichen Lächeln antg auf und empfehle enbier mades und weil en Bieren bringe möbl. Zimmer 344. Gießen. dlung. öhrle gegend übertragen Jen borzubeugen der Mainzer Bugleich bemerk aplan 3gaffe 21, II Nr. Abonne a's bau Cration Dab Gine meftafr gung der jekt auch Geschäft meldet, tigtei unber Damit eines treugebl neue G Bonde Der doppelte mit uns ausge einen unser berfona 谁 ROG 281000 Witboo zweifel Un nunger borsicht wortete, drehte sie ihm zornrot den Rücken. Das frium. eine Frachtvolle dunkelrote Orange und eine andere phierende Aufblizen seiner schwarzen Augen sah sie nicht. Doktor Belling freilich fand nun Gelegenheit, durch die eingehende Betrachtung zierlicher Belzstiefelchen und zierlicher Knöchel sein ungeschultes Auge zu bilden; ihr jedoch war dieses fleine Vergnügen halb verdorben. Während dieses aufregenden Zwischenspiels war der große Gepäckschlitten angelangt. Im Handumdrehen war im Rund ein kleiner Wald von Tannenbäumen auf dem Eise aufgestellt, über und über mit goldroten Orangen behangen, welche aus dem dunklen Grün mit wundervoller Leuchtkraft hervor strahlten. Mitten hinein ward ein Tisch getragen und hurtig mit Tassen, Gläsern, Kannen und mehreren ernstlich dampfenden Maschinen besetzt, in welchen neben dem Kaffee für verwegene Charaktere bereits Punsch in verschiedenen Mischungen eingebraut wurde, um jedem Geschmack und jeder Begabung zu genügen. Während die beschlittschuhten Gäste hier vergnüglich ihre Stimmung regulierten, ward vor Alma ein Kästchen niedergesezt, das ganz mit neapolitanischen roten Fischermüßen und Schärpen gefüllt war, erstere an ihrem Zipfel mit einer klingenden Schelle versehen. Diese Abzeichen verteilte sie an die herzudrängenden Festgenossen, und bald tummelte sich auf dem Eise eine sonderbare Schar rotmüßiger Lazzaroni, mit lustigem Klingeln die festliche Darretei verkündend, Herren und Damen in der gleichen einfachen Weise ausstaffiert. Wiederum trat Alma heiter vor die schwankende und gleitende Versammlung und sprach: „ Meine Herrschaften! Erstens ergeht hiermit ein allgemeines strenges Verbot, am heutigen Tag irgend etwas Ernsthaftes und Vernünftiges zu reden, zu tun oder zu denken. Wer gegen dieses Gebot fündigt, wird öffentlich für einen Philister erklärt. Und zweitens, damit von vornherein alle ernsthaften Gemütserregungen, Neid, Eifersucht, Strebertum, falsche Hoffnungen und dergleichen gänzlich ausgeschlossen seien, soll jezt die notwendige Zusammenfügung der Paare der Entscheidung eines gütigen Bufalls anheimgestellt werden. Ich schlage dazu das folgende, eigens von mir erfundene Bocciaspiel vor. Jeder pflückt sich eine Apfelsine von diesen Bäumen und rißt die Anfangsbuchstaben seines Namens oder sonst ein sicheres Zeichen in die Schale. Hier diese Zitrone lege ich als Lecco aus, jeder wirft seine Kugel darnach; derjenige Herr, dessen Zeichen die dem Lecco am nächsten gekommene Apfelsine aufweist, bildet die Spitze des Festzugs mit der Dame, deren Kugel der Zufall ihm in die engste Nachbarschaft geführt hat, und die folgenden reihen sich nach den gleichen Gesezen daran. Wie gefällt Ihnen meine neue Cotillontour?" Allgemeiner Jubel belohnte ihren Einfall, und man öffnete ihr eifrig die Bahn, ihren Lecco auszusehen. Wie sie so dastand, die mächtige Zitrone in der Hand wiegend wie eine junge Spartanerin den Diskos, den linken Schlittschuh fest ins Eis stampfend, den rechten Fuß feck vorgesetzt, das Auge feurig die Bahn bemessend, die Lippen im Eifer zusammengepreßt, das dunkle Haar phantastisch mit der phrygischen Müze geschmückt, sah sie so fremdartig schön aus, daß ein Flüstern der Bewunderung durch die Reihen ging und selbst einige ältere Herren die Versuchung fühlten, es noch einmal mit dem Eislauf zu wagen, wenn es an ihrer Seite geschehen fönnte. Jegt flog die gelbe Kugel erst in langen niederen Sprüngen, dann blitzschnell rollend über die graue Fläche, bis sie endlich in ansehnlicher Entfernung mitten auf dem Eise zur Ruhe fam. Jetzt werfen wir alle gleichzeitig," rief sie, in die Hände flatſchend,„ damit um Gottes willen keine Durchstecherei geschieht! Nur der lustige Zufall soll heute König sein!" Im selben Augenblick aber raunte sie lachenden Auges dem Mathematiker, an dessen Seite sie sich zu stellen gesorgt hatte, zu: sch werfe ganz abseits vom Lecco nach dem schwarzen Pfahl dort am Ufer, ich habe eine ganz dunkle Blutapfelsine, die Sie leicht von allen anderen unterscheiden können. Werfen Sie später als ich und zielen Sie sorgfältig!" Ein süßer Schreck durchzitterte ihn. Jetzt ist's entschieden," dachte er, die Stunde des Glückes ist da!" Nun follerte ein tolles Durcheinander von goldigen Kugeln über die blanke Bahn, sich mengend und überholend, abprallend und sich schiebend, bis sie sich in weiten Abständen um das gelbe Ziel gelagert hatten. Nur Herbert von Bodungen hatte absichtlich seinen Wurf berspätet. Mit einem übermütigen Blick sagte er zu Alma: Sehen Sie anädines Fräulein. aanz seitwärts dort lieat nicht wei davon; die erste gefällt mir merkwürdig, ich will doch sehen ob ich den Nachbar nicht übertreffen kann, man rühmt dod sonst meine Kunst zu zielen." Alma wurde rot und wagte nicht gegen die Vertragsber legung zu protestieren. Er warf, aber so ungeschickt, daß seir Ball nach einer ganz anderen Richtung flog. Der Fehlwurf war wieder unzweifelhafte Absicht. Almo merkte es und mußte sich schon wieder ärgern. Ein abscheu licher Mensch! Geradezu ungezogen! Mit keinem Blick wollte sie ihn heute mehr ansehen! Merkwürdigerweise sah sie freilich doch, wie er jetzt sehr ungetrübt lächelte, sich den Schnurrbart strich und mit ungebeugter Kraft über das Eis seine eleganten Kreise zog. Nunmehr ward durch zwei wohlbeleumdete ältere Herren eine strenge Kontrolle über die ausgeworfenen Glücksfugeln geübt und durch Vorlesen der eingerigten Buchstaben die Paare gefügt und der Zug geordnet, wie sich gerade Männlein und Fräulein zusammenfanden. Doktor Belling und Alma bilde. ten ordnungsgemäß das letzte Paar. So setzte sich der fröhliche Hause stromaufwärts in Be wegung; ihm voran ein beweglicher Wald lustig schwankender Tannenbäume, von gemieteten Fischern getragen. Auf dem beschneiten Uferweg fuhren die Schlitten, die lange Kette der rüstigen Paare mit schmetternder Musik in gleichem Zeitmaß begleitend. Gotthold und Alma liefen mit verschränkten Armen in glücklichem Schweigen neben einander, beide in selig banger Erwartung des Kommenden. Von Zeit zu Zeit warfen sie einander scheue Blicke zu. Alma fand, ihren Begleiter kleide die blutrote Müze prachtvoll, sein Gesicht bekam durch dieselbe einen Zug wilder Größe. Masaniello! Langsam, ganz allmählich blieben sie ein wenig zurück und erweiterten unbewußt wollend den Abstand vom nächsten Paare. Schon hätten sie ziemlich laut mit einander reden können, ohne von einem Unberufenen verstanden zu werden. Aber sie schwiegen noch immer. Gotthold rang mit ernsten Gedanken. Jetzt war der Augenblick gekommen, da er der Erwählten seines Herzens das Geständnis von der Sonderheit seines Wesens machen mußte, da er sie einweihen mußte in sein Schicksal und den Irrtum aufklären, in welchem sie wie alle anderen befangen war. Allein dies Geständnis ward ihm unendlich schwer. Warum war es ihm einst vor Helene so leicht geworden? Er schwieg noch immer. Er zitterte davor, die Ruhe des süßen, gleitenden Glücks an ihrer Seite zu unterbrechen. Und doch, er mußte sprechen, ehe er an das letzte Ziel seines Glückes rührte. Er mußte! Sie hielt ihn für einen anderen Menschen, als er seinem inneren Wesen nach war, ob für einen besseren oder schlechteren, gleichviel, jedenfalls für einen anderen. Es war gewissenlos, ihr Herz zu überrumpeln. Sie hatte das Recht, ihn ganz zu kennen, ehe sie ihm ihr Herz ganz ergab. Und warum nicht? Warum zauderte er? Konnte dadurch ihr Herz, ihre Liebe zu ihm gewandelt werden? Unmöglich! Die Liebe fließt aus tiefen Quellen und ist durch eine Erkenntnis des Verstandes nicht zu verstören. Und dennoch zauderte er und schwieg. Ein seltsames Bangen umfing ihn mit schwerer Dumpfheit. Der kurze Wintertag ging schon zu Ende, die Sonne war gesunken, und die Farben über der breiten Landschaft begannen zu verblassen. Die beiden waren schon weit genug zurückgeblieben, um das tiefe Schweigen der winterlichen Dämmerung um sie her zu empfinden. Unwillkürlich drängten sie sich ein wenig näher an einander. Alma war ganz selig; sie dachte an nichts als an den kommenden Augenblick des letzten Glücks, der ihr sicher war. Gerade sein Schweigen war ja beredt genug. Sie waren jetzt an einer Stelle gekommen, wo der Fluß eine scharfe Biegung machte und sich eine schmale Landzunge, mit Gestrüpp bewachsen, weit vorspringend zwischen sie und die bunte Schar der Festgenossen schob; mit einem heimlichen Aufjauchzen sagten sich beide heimlich: Jetzt sind wir allein, ganz allein in der Welt! Von niemand gesehen, von niemand gehört!" Vom gleichen dunklen Gefühl bestimmt hielten beide die Schritte an und glitten mit unbewegten Füßen langsamer vorwärts. Dies sanfte Hingleiten war unsäglich schön; sie sanken mit einander leise dem sicheren Glück entgegen. Alma schloß die Augen wie berauscht und lehnte den Kopf ein wenig zurück, die Lippen öffneten sich leise und atmeten tief. ( Fortseßung folgt.)] Kein drückender Gefühl ist, als zu wissen, Daß, wo du gehst, dich niemand wird vermissen, Drum danke Gott, daß du ein Herz gefunden, Das weinen wird, wenn du ihm wirst entrissen. Wo es drei Heller tun, da wende vier nicht an, Und nicht zwei Worte, wo's mit einem ist getan. Wer da glaubt, er könne seine Mitmenschen entbehren, der täuscht sich sehr: aber wer da glaubt, seine Mitmenschen könnten ihn nicht entbehren, der täuscht sich noch schwerer. Ein Roman am Fenster. Von J. H. Rosny. ( Nachdruck verboten.) Kam ich des Nachts heim, so sah ich sehr oft, daß ein Fenster des gegenüberliegenden Hauses, das durch einen fleinen Garten von dem meinen getrennt war, erleuchtet war. Manchmal stand das Fenster sogar offen, und der Schatten einer biegsamen Gestalt, die einem Mädchen oder einer jungen Frau angehören mußte, huschte vorüber. Das Licht wurde regelmäßig um 2 Uhr angezündet und um 3 Uhr wieder ausgelöscht. Anfangs glaubte ich, daß die junge Dame erst um diese Stunde ihr Lager aufsuchte, und ich hielt sie für eine Nachtschwärmerin. Bald bemerkte ich aber, daß sie sich schon vor Mitternacht zur Ruhe begab, sich aber um 2 Uhr wieder erhob und sich schon nach einer Stunde niederlegte. Das war eine seltsame Gewohnheit, deren Reiz ich aber nachempfinden konnte. Man genießt um so lebhafter das wunderbar Mystische der Nacht, wenn der Schlummer auf furze Zeit unterbrochen wird. Die Stille ist um so köstlicher, die düsteren Schatten der Bäume sind um so geheimnisvoller. [ In einer Aprilnacht war es, als die Unbekannte träumerisch zum Halbmond emporschaute. Ehrerbietig grüßte ich sie, indem ich den Hut zog, und sie dankte mit einer Verbeugung. Mein Herz erzitterte. Was für ein liebliches Gesichtchen schien da unter den verhüllenden Spigen eines Kopftuches verborgen zu sein! Diese weiche, schlanke Gestalt! Von nun an grüßte ich jede Nacht, und jede Nacht machte mir die holde Unbekannte jene liebenswürdige Verbeugung, die an die langsamen, feierlichen, rhythmischen Verbeugungen im alten Menuett erinnerten. Mein Herz war damals frei. Meine nächtliche Freundin zog darin ein. Mit jedem Abend wurde sie mir teurer. Ueber den blühenden Jasmin, über die Espenzweige und die kleinen, roten Büsche hinweg verständigten wir uns durch Zeichen. Ein alter Onkel hatte mich einst in die Elemente einer Zeichen sprache eingeweiht. Welch ein Wunder, welch ein glücklicher Zufall! Meine Angebetete kannte sie auch und beherrschte fie weit besser als ich. Sie forderte von mir die ſtrengste Verschwiegenheit und das Versprechen, nicht zu ergründen und zu erforschen, wer sie sei, bis zu dem Augenblick, da sie selbst das Geheimnis lüften wollte. Ich beschwor mit meinen heiligsten Eiden, ihre Wünsche zu achten. Immer freundschaftlicher gestalteten sich unsere Beziehungen. Nur ganz allmählich begann sie meine heiße Liebe zu erwidern; anfangs war sie schüchtern, dann wurde sie lebhafter, bis sie mir in einer Septembernacht ihr volles Herz gab auf fünfundsiebzig Schritt Entfernung! Der Herbst verging, dann der Winter, und noch immer spann sich unser Idyll in der gleichen Weise fort. Vergebens bat und flehte ich um eine Zusammenkunft. Umsonst! Immer wieder und wieder versteckte sie sich hinter einem Gelübde, von dem sie sich erst später befreien dürfte. Der Frühling kam, und ich befand mich in einem Zustande der Raserei. Ich magerte ab, ich wurde bleich, nichts interessierte mich mehr. Ich dachte nichts mehr und erwartete beständig sehnsüchtigst die Nachtstunde, in welcher der Schatten jener biegsamen Gestalt mit dem von Spitzen eingerahmten Gesichtchen mir erschien. Und eine schmerzliche Stunde war es, eine Stunde verzweifelter, bergeblicher Bitten, eine Stunde der entsetzlichsten, quälenden Leidenschaft! Eine Nacht brach an, in der ich das Licht nicht mehr sah; eine zweite folgte. Von Schreck ergriffen, verharrte ich zwei Tage an meinem Fenster. Ich konnte weder schlafen noch essen. Dunkle Ahnungen beschlichen mich. Am Morgen des dritten Tages empfing ich einen Brief, welcher die Aufforderung enthielt, mich zu einem mir unbekannten Rechtsanwalt zu begeben. Da mir mein Instinkt eingab, daß ich dort unbedingt etwas über meine Freundin erfahren würde, eilte ich fofort zu ihm. Ohne Einleitung erklärte er mir, daß ich der Universal- Erbe des in der vorlegten Nacht verstorbenen Fräuleins V. wäre. Sie besaß keine Familie und hatte mir ihr ganzes Vermögen vermacht. Wie mir der Rechtsanwalt erklärte, war es in guten Papieren und Hypotheken sicher angelegt und belief sich ungefähr auf die Summe von achtzigtausend Mark. Das Testament war, wie mir der Mann des Gesezes mitteilte, juridisch unanfechtbar. Lächelnd betrachtete er mich und sprach mir seinen Glückwunsch aus. Hier ist auch noch ein Briefchen, mein Herr, das ich beauftragt bin, Ihnen zu überreichen," sagte er. Hastig ergriff ich den Brief.„ Ich werde ein anderes Mal kommen, Herr Rechtsanwalt, um noch verschiedene Einzelheiten mit Ihnen zu besprechen," stammelte ich und eilte davon. Ich konnte kaum auf meinen Füßen stehen. Mein Herz war gebrochen. Ich trat in das nächste Café und schlüpfte in einen Winkel, um das hinterlassene Schreiben meiner Freundin zu lesen. Der Brief war kurz und lautete: ,, Verzeihen Sie einem armen, alten Mädchen, das Ihnen das einzige wahre Glück seines Lebens verdankte. Häßlich und stolz war ich und habe nie einen Mann meines Kreises der sogenannten guten Gesellschaft- lieben können. Die Heuchelei der Männer, ihre Roheit, ihr ganzes Auftreten stieß mich ab. So war ich 65 Jahre alt geworden; mein Herz war von Zärtlichkeit erfüllt, und nicht ein einziges Mal hatte ich die himmlische Freude gekostet, so an einen Menschen denken zu dürfen, wie die Gläubigen an ihren Gott. Sie haben mir dieses unfaßbare Glück gegeben. Durch Sie allein habe ich erst gelebt. Fast ein Jahr lang schwelgte meine Seele in Entzücken. Jetzt bin ich glücklich. Nun habe ich gelebt, und der Tod mag kommen; denn in meiner Sterbestunde erhebt mich die Hoffnung, daß Sie Ihrer armen Freundin vom Fenster" ein mitleidvolles Erinnern bewahren." Ich weiß nicht, wie andere die Sache aufgefaßt hätten, aber ich saß wohl eine halbe Stunde tief erschüttert in der Ecke des Cafés. Und seltsam! Die Erinnerung an meine romantische Liebe büßt nichts von ihrer Frische ein. Sie erfüllt mich oft mit ihrem ganzen Zauber. Sobald ich mich ans Fenster sebe, erfaßt mich eine fanfte, zärtliche Stimmung, und ich sehe dann die biegsame Silhouette vor mir. Der Zauber der Phantasie zieht mich in seinen Bannkreis, jener unbeschreibliche Zauber, für den es kein Alter gibt. Das Glück. Was ist das Glück?- Ein holder Knabe, Der dir entgegen lenkt den Schritt, Wenn jung dein Fuß am leichten Stabe, Des Lebens Wanderpfad betritt. Was ist das Glück? Ein holder Knabe, Der deinen Augen längst entschwand, Wenn du noch einmal vor dem Grabe Den müden Blick zurückgewandt. 1554462ASTER 95% bedition น เอ เอ! g gebiete stand hatte. flandi daten Standes Bekäm derwer zuerit Hauptn Aufstan der Sch diefes Feind bo unor Mu wb tion de der Aufft Mitteilun wie bor