willer ?? 1 titreit Gesangs rtige Sänger unft beschafft esen, an das er Einwohner die freund ige zahlreiche äufern werden MitBohnungsaus m freundliche en. Sollten gung stehen, prechen, dai ldbeträgen ignete Unter önnen. Gine glieder; wir zu wollen. usschuh. Ettstreit erforderlichen ONG- und -Anlagen beim Unterzogen werden offen mit ent teftens zum itel bis zum ben. Ausschuß. 16. Serein Nr. 83. Zweites Blatt. nementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Bfg., Saus gebracht 60 fg., durch die Poft bezogen viertelfährlich Mr. 1.50. ettsbettagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Coifenblasen( wöchentlich). Bas Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Samstag, den 9. April 1904. Gießener 13. Jahrgang. Insertionspreis: Die einspaltige Betitzeile für ganz Obe hefsen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. sonft 15 Reklamen die Petitzeile 30 refp. 40 Pfg. Bostzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 83 Fernsprechanschluß Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblaff) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weßlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Huf Reifen. [ Politische Wochenschau.] Noch immer macht sich in der hohen Politik die Ferienstille etwas bemerkbar und noch sind nicht alle Diplomaten von ihren Oſterreisen zurückgekehrt. Nur die bei den Parlamenten einlaufenden Gesezesvorlagen stellen die Schlagenten einlaufen ſtehenden parlaments ſeſſion dar. Gine eigenartige Erscheinung unter den neuen Gesetzentwürfen ist das preußische Lotteriegesetz, das vor wenigen Tagen der Abgeordnetenhause zugegangen ist und wie eine Parodie auf die deutsche Einheit wirft. Sachsen hat mit einer Verschärfung der Bestimmungen die Initiative in der Grenzabschließung für das Lotteriespiel ergriffen und Preußen ist ihm nun ohne weiteres nachgefolgt. Daß ein loyaler Untertan das Geld an den eigenen Fiskus verliert, ist erlaubt, schön und auch löblich. Wehe aber demjenigen, der in einer berbotenen Lotterie des Auslandes" spielt. Früher bestanden bereits Strasbestimmungen, die, was hier beiläufig erwähnt sein möge, in einem bestimmten Falle einmal in geradezu grotesker Weise zur Anwendung gebracht wurden. Der von dem Breslauer Schwurgericht wegen Ermordung seiner Geliebten zum Tode verurteilte Arbeiter Scheffler hatte, während er in Untersuchungshaft saß, in der sächsischen Lotterie einen Gewinn von 40 000 Marf gemacht. Die Behörde erhielt davon Kenntnis und leitete ein Strafverfahren megen Spielens in einer verbotenen Lotterie ein, das kurz bor der Hinrichtung des Mörders zur Erledigung kam. Er wurde wenige Tage, bevor er sein Haupt auf den Block legen mußte, noch einmal dem Schöffengericht vorgeführt und erhielt dort die verwirkte Geldstrafe zudiktiert. Der Schutz der Spielleidenschaft, wie er in dem neuen Gesetzentwurf borgesehen wird, paßt überhaupt kaum mehr in unsere Zeit. Ob der neue Entwurf noch zur Verabschiedung kommt, ist sehr fraglich, denn die Reichs- wie auch die Landtagsboten haben nach ihrer Rückkehr aus den Ferien noch reichlich Arbeit an dem Etat. Während unsere Staatsmänner auf Reisen waren, hat sich unversehens in unserem Wirtschaftsleben eine neue Gefahr für die sozialen Verhältnisse entwickelt. Die in einem Syndikat vereinigten rheinisch- westfälischen Grubenbesitzer haben eine Anzahl von kleineren Zechen aufgekauft, um diese tillzulegen. Dadurch würde das ganze südliche Revier_vollständig veröden, und eine große Anzahl von landeingesessenen Arbeitern würde als fahrendes Volk auf die Landstraße gejetzt. Derartige Maßnahmen sind die Ergebnisse der freien Konkurrenz, gegen die der Staat nur mit einem Syndikatsgesetz einwirken kann. Die gesetzgeberischen Versuche auf diesem Gebiete sind verschiedener Art. In Desterreich beispielsweise werden Betriebsvereinigungen, die zum Zwecke einer künstlichen Preiserhöhung geschlossen werden, mit dem Verbote der Auflösung bedroht, und in Amerika ist man darauf bedacht, eine verschiedene Preispolitik für den Inlandsverbrauch und die Ausfuhr zu verhüten. Die im the inisch- westfälischen Industriegebiet sich auftürmende Gefahr berührt indes die Preispolitik überhaupt nicht; sie liegt nur auf sozialem Gebiete, und bei einer etwaigen Syndifatsgesetzgebung würde auch wohl auf soziale Maßnahmen das Hauptgewicht zu legen sein. In weiten Kreisen bricht sich immer mehr die Ueberzeugung Bahn, daß unsozial wirSchiffe dienen en de Betriebsvereinigungen im äußersten Falle sogar mit en Namen der Erpropriation beseitigt werden müssen. 21. gen für die Listen herum flotte werden ch die kleinsten & dem ganzen inden auf dem en, um allen Vorstand. mpfehlung. gebene Mitteilung, 46 détail t in der Branche Backfähigkeit zu gsboll Sier. Haus. Bahnhofstr. 33 ren, Crefeld. nfabrik ere ake. 01. War während der Ferienzeit Italien das Reiseziel der erholungsbedürftigen Privatleute, so ist es in noch höherem Maße in letter Zeit der Mittelpunkt diplomatischer Reisen getvesen. Nachdem vor kurzem Kaiser Wilhelm in Neapel mit seinem Bundesgenossen zusammengewesen ist, wird demächst die Ankunft des Präsidenten Loubet erwartet, der dann in weiterer politischer Besuch folgen wird. Der österreichische Minister des Auswärtigen Graf Goluchowski hat mit seinem italienischen Kollegen Tittoni eine Zusammenkunft in Abbazzia vereinbart. Durch diese Zusammenkunft erhalten die Reden, die zwischen Kaiser Wilhelm und König Viktor Emanuel gewechselt wurden und in denen mit einer bemerkenswerten Herzlichkeit des Dritten im Bunde gedacht worden ist, eine besondere Bedeutung. Die Agitatoren im Balkan, die jetzt neuerdings wieder auf Reisen gegangen sind, um die dortige Bevölkerung zum Befreiungskampf gegen die Türkei unter die Waffen zu rufen, sehen, in einem Punkte benigstens, ihre Spekulationen vernichtet; der Arm Desterreichs wird durch Italien nicht gelähmt werden, wenn es ehpa mit Kanonen aufständische Unruhen niederwerfen müßte. Einen sehr unerfreulichen Verlauf, wenn auch größeres Unglück verhütet wurde, nahm die Reise des Königs von Spanien nach Barcelona, das allgemein als der Hauptsitz der anarchistischen und republikanischen Revolutionäre gilt. Der junge Monarch hat mit diesem Besuch persönlichen Mut gezeigt, aber der Zweck, Beruhigung in jehe Stadt zu tragen, ist nicht erreicht worden. Es ist ein eigen Ding um die Volksgumst. Sie muß durch Taten erworben werden, zumal die gefrönten Staatsoberhäupter nicht, wie etwa der Präsident der Vereinigten Staaten, in großen Volksversammlungen ihr Regierungsprogramm entwickeln können. Trotzdem Theodor Roosevelt auf diesem Gebiet zur Sicherung seiner Wiederwahl den größten Eifer entwickelt, verfäumt er auch nicht, unausgesetzt sein eigentliches Regierungsprogramm des Imperialismus, das ihm die Sympathie der Amerikaner sichert, zu fördern. Hierzu ist neuerdings ein Schritt weiter getan worden, indem Amerika in aller Stille Panama besetzen ließ, um demnächst den großen Kanalbau in Angriff zu nehmen, von dem aus die amerikanische Güterproduktion nach zwei Welten hin auf Reisen gehen kann. Die Welt des Scheines. Man schreibt uns: Die Wucherer, die die Straffammer in Essen beschäftigten, sind leider keine Einzelerscheinungen und auch keine Ausnahmen, sondern die typischen und logischen Produkte unseres gegenwärtigen Gesellschaftslebens. In allen Schichten der Bevölkerung ist der Hang zu Glanz und Prunk und die Vorliebe für eine blendende Außenseite eingerissen; wir leben, mit einem Wort, in einer Welt des Scheines. Bedingt schon dieser Sinn für die Außerlichkeit eine oberflächliche Auffassung des Daseinszweckes und eine Verkennung der sozialen Werte, so ist dieses übertriebene Lurusbedürfnis noch aus einem zweiten Grunde höchst be= denklich, weil es systematisch den Leichtsinn großzieht und Jahr für Jahr im geheimen die entsetzlichsten Opfer an vernichteten Existenzen fordert. Hierüber gibt es leider keine Statistik und nur gerichtliche Schauspiele, wie das in Essen, lassen zuweilen einen Lichtstrahl in diese Welt des Scheines dringen. Das Kreditbedürfnis ist mit der Veräußerlichung der Lebensanschauung und der Leichtherzigkeit der Lebensführung nicht bloß gewachsen, sondern auch auf abschüssige Bahnen gekommen. Vielfach werden Kredite beansprucht, die mit der Vermögenslage der Applikanten nicht mehr im Einflang stehen und auf reelle Weise nicht mehr befriedigt werden können. Es entsteht jene Notlage, welche die Bewegungsfreiheit so sehr beschränkt, daß sich ein Schuldner, nur um aus den augenblicklichen Verlegenheiten zu kommen, den härtesten und gefährlichsten Schuldbedingungen unterwirft. Vor kurzem ging hierüber ein tragischer Fall durch die Presse, der so recht die modernen Verhältnisse charakterisiert. Ein junger foreanischer Attaché war durch eine leichtsinnige Lebensführung in finanzielle Bedrängnisse geraten und mußte ebenso, wie die Betrogenen des Essener Prozesses, bei der Suche nach Bargeld Wertobjekte ohne Zweck und zu entsetzlich hohen Preisen in Kauf nehmen. Dadurch, daß er einen ihm unter Eigentumsvorbehalt übergebenen Schmuck beim Pfandleiher in Bargeld umsetzte, hatte er sich zudem noch zum wehrlosen Opfer der durch Drohung mit Strafanzeige betriebenen Erpressungen gemacht. Er wußte nicht mehr ein noch aus und bezahlte schließlich seinen Leichtsinn mit dem höchsten Einsatz: mit seinem eigenen Leben. Neben der Kategorie von wucherischen Dahrlehnsgebern stehen die Schwindler: eine Sorte von dunklen Eristenzen, die mit dem Scheine als Selbstgeber durch Angebote von Darlehen bedrängte Eristenzen in ihre Neze locken. Es ist ihnen in Wirklichkeit nicht darum zu tun, ihren Opfern ein Darlehn zu verschaffen, geschweige denn zu geben, denn hierzu fehlen ihnen alle Mittel. Sie wollen lediglich die Gebühren für Auskunftsforderungen einziehen, um dann schließlich womöglich mit Einsendung der erteilten Auskünfte- das Darlehnsgesuch als undurchführbar abzulehnen. Das Geschäft ist sehr glatt. Sie erheben Gebühren in Höhe von 10-15 Mark und verschaffen sich von einem problematischen Auskunftsbureau für 50 Reichspfennige eine zweckentsprechende Auskunft. Wie diese Auskünfte mitunter beschaffen sind, davon ist dem Verfasser dieser Zeilen vor kurzem eine klassische Probe vorgelegt worden. Ein in guten Verhältnissen lebender Mann war als Bürge bei solch einem Selbstdarleiher in Vorschlag gebracht worden, wurde aber auf Grund der Auskunft nicht angenommen, weil er selbst kein Vermögen besitze und die ganze Wohnungsausstattung im Werte von mehreren tausend Mark Eigentum der in Gütertrennung lebenden Frau sei. Die in Frage kommende Persönlichkeit war aber in Wirklichkeit unverheiratet. Solche Schwindeleriſtenzen leben in den großen Städten zu Hunderten und betreiben ungehindert den Gimpelfang. Dem Staate ist ein Einschreiten schwer möglich, weil die geprellten Opfer ihre Erlebnisse meistens still für sich bewahren, damit nicht in dieser Welt des Scheines durch das Bekanntwerden ihrer mißlichen Vermögensverhältnisse das Kartenhaus ihrer Eriſtenz zusammenbricht. Hier ist nur Selbſthilfe möglich und zwar eine Selbsthilfe präventiver Art. Ehe man solche einem Selbstdarleiher den Obolus für die angeblichen Auskünfte opfert, ziehe man am besten mit einem Aufwand von 3 Mark über ihn selbst eine Auskunft ein. Das Resultat wird dann in den meisten Fällen darin bestehen, daß man von einer Illusion geheilt ist und Geld, das an verworfene Existenzen kommen würde, spart. Wer Geld notwendig braucht, wende sich an reelle Kreditinstitute oder an Vertrauenspersonen. Wer hier keine Hilfe mehr findet, dem werden auch die Selbstdarleiher nicht helfen, denn dem ist nicht zu helfen. Mercur. Vermischtes. [ Weibliche Transporteure] sind die neueste Errungenschaft im Gefangenen- Transportwesen im Bereiche der kgl. Polizeidirektion zu Wiesbaden. Nach deren Anordnung werden fortan die weiblichen Gefangenen nicht mehr durch einen männlichen Transporteur, sondern durch eine Frau von einem zum anderen Orte gebracht werden. Dieser zweifellos nicht leichte und verantwortungsvolle Posten ist der Ehefrau des Schußmannes Albert Böttcher in Wiesbaden übertragen worden. Frau Böttcher liegt namentlich auch der Transport derjenigen weiblichen Personen ob, für welche vom Gericht die Fürsorge- Erziehung angeordnet ist und die daraufhin zur Zwangserziehung entweder in Anstalten oder Familien untergebracht werden. [ Wurst wider Wurst.] Ein heiteres Stückchen trug sich vor kurzem auf dem Bahnhofe zu Altenglan in der Pfalz zu. Ein gerade nicht zum Scherzen aufgelegter Landmann aus M... bach wollte mit dem Zuge fahren, als der Stationsvorsteher gewahrte, daß er im Begriff war, sämtliche Geleise zu überschreiten, um auf den neuen Bahnsteig zu gelangen. Auf das Zurückweisen durch den Stationsvorsteher nahm er eine andere Richtung, erwiderte jedoch:„ Ehr gehn mer jo ach üwer mei Wies und frohe mich nett!" Unter allgemeinem Lachen der Mitreisenden ging dann der Landmann weiter. [ Wenn man Bech hat.] Aus Washington wird ge= meldet, daß Miß Alice Roosevelt sich in einer unangenehmen Situation befindet. Sie besuchte mit Freunden ein Wettrennen. Ein Reporter folgte ihr mit der Kamera. Unter seinen Aufnahmen befand sich ein Bild, wie sie einem Buchmacher Geld gab, ein anderes, wie der Buchmacher sie auszahlte, und ein drittes, wie sie frohlockend ihren Gewinn den Freunden zeigt. Die Bilder wurden in einer Zeitschrift veröffentlicht. Vater Roosevelt kaufte die ganze Auflage auf und verbannte seine Tochter zu Freunden aufs Land. [ Abfallverwertung auf der Weltausstellung in St. Louis.] Die Abfälle beim Betriebe der Weltausstellung in St. Louis sollen in einem eigenen Verbrennungsofen vernichtet werden, der gleichzeitig selbst ein Ausstellungsobjekt bilden wird. Es handelt sich besonders darum, die Abfälle der hundert Restaurants, die sich auf dem Ausstellungsterrain befinden, allnächtlich zu beseitigen. Jedes Restaurant erhält einen vorschriftsmäßigen Eisenblechbehälter geliefert, für den eine geringe Bacht zu zahlen ist. Für das jedesmalige Fortschaffen des Blechbehälters mit Inhalt wird ein Preis von 80 Pfg. berechnet. Der Verbrennungsofen ist 50 zu 40 Fuß groß und mit den modernsten Verbesserungen und Erfindungen ausgestattet. Die Wagen mit den Blechkasten fahren direkt an die Herdöffnungen. Der Inhalt der Blechkasten, der auf den Herd geschüttet ist, wird zuerst getrocknet, dann erst fallen die verschiedenen Abfälle auf die Kohlen, um als Feuerung verwendet zu werden. Es sind Röhren und Züge zur Vertilgung übler Gerüche und Gase angebracht, und die Verbrennungsanlage wird sich daher in feiner Weise unangenehm bemerkbar machen. Sie ist darauf eingerichtet, täglich 600 Zentner Abfälle bequem zu verbrennen. ** Die gesundheitsgemäße Kleidertracht der weiblichen Schuljugend bildete den Gegenstand eingehender Erörterungen auf dem Nürnberger Kongreß für Gesundheitspflege. Der Referent wies auf die großen Schädigungen der Gesundheit hin, der die Schulmädchen durch das frühzeitige Tragen des Korsetts erleiden, das ein wahres Marterinstrument sei. Die höheren Klassen der Volksschule weisen ungefähr 20 Prozent, die höheren Töchterschulen über 60 Prozent von korsetttragenden Mädchen auf. Die Schädlichkeiten, welche dem heranwachsenden Organismus dadurch entstehen, seien in erster Linie Bleichsucht, rasche Ermüdung und Störungen in den Entwickelungsjahren. An den Modellen von zwei Mädchenkleidern, welche der Verein für Verbesserung der Frauenkleidung zu Dresden ausgestellt hat, erläutert der Redner die Grundsäße der neuen Frauenkleidung, welche im wesentlichen auch die der Erwachsenen sind: gleichmäßige Verteilung der Kleider auf Schulter und auf Hüften, Vereinfachung der Kleidung, Verminderung des Gewichts derselben. Die Unterfieidung ist die Hauptsache. Sie besteht aus einem Leibchen, an dieses ist die Leibwäsche und die sogenannte Rockhose angeknöpft. Die Oberkleider bestehen aus einer Bluse und einem Rock, beide sind ebenfalls an das Leibchen angeknöpft. Beim Turnen wird nun der Nock ausgezogen und der Turnanzug ist fertig. Die Mütter müßten über die Anforderungen der Hygiene belehrt werden, nur dann könne man darauf hoffen, ein gesundes Schülermaterial zu erhalten. Das Neuefte aus den Witzblättern. Bedenkliche Empfehlung.„ Herr Direktor, ich möcht' anfragen, ob Stein' Arbeit hab'n für meinen Mann?"- Bedauere- wir haben gegenwärtig sehr wenig Arbeit!"" O, das wär' ja für meinen Mann ganz passend!" Erkannt.... Was, der Geruch meiner Zigarre fonveniert Ihnen nicht?... Erlauben Sie mir, wenn ich für eine Zigarre eine Mark bezahle, so" So bekommen Sie 95 Pfennige heraus!" Ein echter Pro 1. Moritz, warum willst du denn jetzt in die Stadt gehen?"" Ich habe einige kleine Einfäufe zu machen." Was denn?" Nun, ein Automobil und ein Haus für unseren heurigen Winteraufenthalt!" Von der Schmiere. Direktor( am Schluß eines Schauerdramas dem Helden zurufend):„ Das Publikum applaudiert noch alleweil- bringen Sie noch a' Paar um!" Bekanntmachung. Betr. Die Ausführung der Verordnung vom 5. Febr. 1901, das Gewerbe der Gesindevermieter und Stellenvermittler betr. Bestehender Bestimmung gemäß bringen wir nachstehend den Gebührentarif der hiesigen Gesindevermieterinnen und Stellenvermittler zum Abdruck. Die Gebühr einer Gesindevermieterin beträgt: 1. Für Vermittlung eines Dienstboten an Herrschaft in Gießen 5 Mk. Bu vermieten Oftanlage 18 ruhige Familie per sofort oder 4 Zimmerwohnung( Mansarde) an später zu vermieten. H. W. Rinn, Gießen Landgrafenstraße 3. Belletage Löberſtraße 26. Ecke der Bleichstraße, 6 Zimm., 2. Für Vermittlung eines Dienstboten an eine 2 Mansarden, Bad, Veranda, Wass.Herrschaft nach auswärts 7 Mr. ( Frau Heßler, Geisel und Opper 5 Mk.) wovon der viensibote jeweils Mk. 2 zu entrichten hat. Closet, Trockenboden, Kochgas u. Bleichplaß zum 1. Juli zu vermieten. Näheres parterre Die Gebühr des Stellenvermittlers Germann Schöne Wohnung, beträgt: Für einen 1. Gesellen Mt. 3, " 1 2. 3. 2, 1,50 wovon Meister" und" Geselle je" die Hälfte zu entrichten hat. Gießen, den 6. April 1904. Großherzogliches Polizeiamt. Gießen. Herberg. Bekanntmachung, ( 4 Zimmer), mitten der Stadt ge= legen, billig zu verm. Näh. in der Erp. d. Bl. Eine Wohnung, Meine SpezialMöbelfabrik- Lager und Ausstattungs- Geschäft berbunden mit eigener Schreinerei, Polster- und Tapezierwerkstätte Verlobten die praktischste und übersichtlichste Auswahl beim Aussuchen des bietet Stetes Lager von ca. zufünftigen Heimes. 1-2 Zimmer nebst Rüche und Bu- 50 Salons, Speises, Herrens, Schlaf und Wohn behör per sogleich zu vermieten. Rodheimerstroke 29. Brandplak 14 ist der 4. Stock: 4 Zimmer, Küche, Badezimmer, Mansarde und allem Zubehör vom 1. April ab zu verDie am 7. Mäz l. Js. angeordnete Sperre der mieten. Grabenstraße wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 7. April 1904. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. Bekanntmachung. Birkenstock& Schneider In Schülers Garten ist der aweite Stock nebst Zubehör fofoit vnderweit zu vermieten. Näheres bei der Bürgermeisterei Gießen Zimmer Nr. 15Schön möbl. Zimmer Die am 15 März 1. Is. angeordnete Sperre der preiswert au vermieten. Wetzsteingasse wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 7 April 1904. Großh Polizeiamt Gießen. Herberg. Bekanntmachung. Die Walltorstraße zwischen Brau- und Brandgasse wird wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten von Freitag den 8. I. Mts. an bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrradverkehr gesperrt. Gießen, den 7. April 1904. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. Bekanntmachung. Die am 17. März 1. Js. angeordnete Sperre der Goethestraße zwischen Seltersweg und Südanlage wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 7. April 1904. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. Vergebung von Bauarbeiten. Zur Erbauung der Veterinärmedizinischen Fastitute in Gießen, zunächst der normalen Anatomie, der pathologischen Anatomie und der chirurgischen Klinik, werden die folgenden Arbeiten unter Hinweis auf den Ministerialerlaß vom 16. Juni 1893 öffentlich ausgeschrieben. Los I. A. Glaserarbeiten. Circa 62 qm Fenster aus Pitch- pine Holz. II. Je 250 qm desgl. u. 140 bezw. 90 qm Innenfenster aus Tannenholz. IV. Circa 70 qm Fenster aus Bitch- tine Holz. III. " " " 1 V. Circa 90 qm desgl. B. Janere Berputarbeiten. Los VI. Circa 2970 qm Wandpuk. " " 1100 qm Puk auf massiven und Holzdecken. VII. Circa 3270 qm Wandput. 1150 qm Putz auf massiven und Holz: decken. VIII. Circa 2800 qm Wandpub. Los XI. XII. " " Gießen, Sonnenstraße 29. Möbl. Zimmer zu vermieten. Schulstraße 11. Man. links. Möbl. Zimmer per 1. März zu vermieten. Gießen, Morft rake 11. 1 möbl. Zimmer mitten in der Stadt, auf dem Seltersweg bevorzugt, per 1. Mai zu mieten gesucht. Offert. mit Preisangabe unter zimmer- Einrichtungen. Moderne Küchen- Einrichtungen in jeder Breistage. Gleichzeitig empfehle ich Einzel- Möbel Ich bitte im eigensten Interesse meine werte Kundschaft um Besichtigung meiner sehenswürdigen Auswahl und um Einholung von Voranschlägen. Ich liefere anerkannt gediegene Möbel und Dekorationen in ruhigen, modernen Formen zu den billigsten Preisen Lobende freiwillige Anerkennungsschreiben. H. C. Werner Kaplansgasse 18. E. B. 1884 an die Frp. d. Bl. Hilfe* g. Bluestoď. Timerman erbeten. Hamburg Fichteftr. 33 Bestes Motorrad der Welt! 1902 über 1000 Stück verkauft Glanzendste Zeugnisse. Prachtkatalog gratisu.franko Bequem, flink zuverlässig, billig. PARIS- WIEN Hervorragende Neuerungen 1800 Kilom. und Verbesserungen. Neckarsumer Maloned über4Alpenpässe 2 Motorräder gestartet, beide siegreich ohne Anstand angekommen. Neckarsulmer Fahrradwerke A.G. Königl.Hoflieferant, Neckarsulm. Nedarsulmer Freilauf, unerreicht, an jedem Rad mit Leichtigkeit anzubringen. Neckarsulmer Bariandrad, zwei Uebersetzungen mit einer Kette, während der Fahrt auswechselbar. Deckarsulmer Pfeil beliebteftes Tourenrad. Vertreter: H. Kraft nacht, Aug. Gernand. Neuenweg 46 Gießen Neuenweg 46. Achsen, Conusse, Lagerschalen etc. werden für alle Fabrikate unter Garantie schnellstens angefertigt. 1380 qm Bug auf massiven und Holz- Zubehörteile stets vorrätig. Eigene Reparaturwerkstätte. decken. C. Façadenputz mit Terra aowa. Los IX. Circa 1480 qm. 11 X. Circa 950 qm. D. Betonarbeiten. Je ca. 1000 qm Ausgleichbeton. XIII. Circa 1200 qm desgl. E. Zerrazzoarbeiten. Los XIV. Circa 330 qm Terrazzobelag. " XV. Circa 700 qm desgl. " XVI. Circa 200 qm desgl. Einem verehrten Publikum zur gefl. Nachricht, daß mein so schnell beliebt gewordener Sanitäts Wilhelm Schmidt Eier- Zwieback außer in meinem Geschäftslofale, Seltersto g 61, zu gleichem Preis in nachstehenden Verkaufsstellen erhältlich ist: Ju Gießen: W. Hacs, Bleichstraße. A. Lenhardt, Frankfurterstraße. 5 Neuen- Bäue 5 empfiehlt Gießen. Franko Lieferung. = Telephon 399. Für die bevorstehende Saison empfehle ich meine außerordentlich reiche Auswahl moderner Tapeten 1942 Telephon 305 in jedem Genre und in jeder Preislage fowie alle Neuheiten in Lincrufta-, Seide- und Stoff- Tapeten Vorjährige Mufter u. Reſte zu den bekannten billigen Preisen Heinrich Hochstätter = Tapeten Spezial- Geschäft Schlossgasse 19 am Brandplat GCCCCCCESS Konfirmandenstiefel O in größter Auswahl zu den J. Marker, Ecke Stephan- und billigsten Preisen. Goethestraße. Angebotsunterlagen können auf unserem Zweigbureau, H. Kräger, Brandplak 15. Frankfurterstr. 83, eingesehen, Angebotsformulace( feine J. W. Schulhof, Marktstraße. Zeichnungen) dorther bezogen werden. Offerten, mit ent- Restaurant Windhof. sprechender Aufschrift versehen, sind auf genanntem 3weigbureau bis " Textors Terrasse. Philosophenwald. Liebigshöhe. Mittwoch, den 13. April d. J. vormittags 11 Uhr, In Dutenhofen: Karl Sorger. dem Eröffnungstermin, einzureichen. Zuschlagsfrist: 3 Wochen. Gießen, den 25. März 1904. Großh. Baubehörde für die UniversitätsNeubauten Gießen. Becker. Heuchelheim: Ph. Neibel II. Alleiniger Fabrikant: Karl Link, Sießen, Seltersweg 61. Makulatur hat abzugeben die Expedition. Emil Schön, Giessen Tel. 410. Schreinerei mit Motorbetrieb. Liebigstrasse 65 Tel. 410. empfiehlt sich im Anfertigen sämtlicher Schreinerarbeiten an Neubauten Besonders preiswert werden geliefert Thüren, Treppen u. Fenster jeder Art. Mit Kostenanschlägenstehe gern zu Diensten. 0000000000000 August Kilbinger, Giessen, - Seltersweg 19. Telefon 276. Größies Kinderwagen- Geschäft am Plak. Enorme Auswahl in allen Preislagen. Erstklassige Fabrikate von Kinderwagen, Sportwagen, Leiterwagen, und Krankenfahrstühlen. Ständiges Lager von 200 Stück Kinderwagen. Auf Wunsch Katalog. Woran denken Sie, Fräulein Viola?" über fte. Er beugte sich " Ich dachte", und sie fah ihn mit ernſten Augen an, in denen eine lichte Hoffnung spielte, ich dachte, daß Sie eine starke Sand und eine milde Stimme, breite Schultern DER VOLKS ANWALT Nr. 78. ne Fami Samstag, den 9. April. 1904. og วอ J ge beim Aussuchen de merkflätt äft nd Wohn Breislage. ner sehenswürdi Jon 399. Woran denken Sie, Fräulein Viola?" Er beugte sich über ste. " Ich dachte", und sie sah ihn mit ernſten Augen an, in denen eine lichte Hoffnung spielte,„ ich dachte, daß Sie eine starke Hand und eine milde Stimme, breite Schultern und gute Augen haben. Sie haben so viel für mich getan. Ich dachte daran, daß, wenn Sie mein ersehnter Freund wären, der Tod mir leichter wird. Ich sterbe dann nicht so einsam und verlassen, sondern nehme eine schöne Erinnerung mit mir." " Ja, ich bin Ihr Freund, Viola. Zwar bin ich Ihrer Freundschaft nicht wert, nehmen Sie mich aber, wie ich bin. Ich habe Sie von Herzen lieb. Und sollte ich Sie jetzt von mir lassen, wie unendlich einsam wird sich das Leben dann für mich gestalten!" Er sprach in abgebrochenen Säßen, mit seiner eigenen Rührung kämpfend. Diesem Kinde gegenüber war er wie verwandelt. Er fühlte sich tief bewegt und mußte alle Kraft zusammennehmen, um die Herrschaft über sich zu gewinnen. Sie war aber nicht betrübt, nein, sie lag glücklich und ſtrahlend da, wie ein kleiner, gefangener Sonnenstrahl. " Ich bin so glücklich“, murmelte sie, so grenzenlos glücklich." Wenige Tage später stand Violas Sarg auf dem Katafalk im Kirchenchor. Er war mit Blumen überschüttet, und Kränze und Bouquets lagen rings umher. Alle Abonnenten hatten Blumen gesandt sie alle entbehrten die klare Stimme der kleinen, freundlichen Telephonistin. Alle waren sie von dem plöglichen Todesfall ergriffen, der eine herrliche Blume in ihrer reichsten Frühlingsnacht dahingerafft hatte. Eine Menge Menschen strömten in die Kirche, die hell erleuchtet war, und der Kirchenchor trug mehrere feierliche Gesänge vor. Man erzählte sich, daß der junge Arzt das ungewöhnliche Begräbnis veranstaltet habe. Vorn in der ersten Reihe saß er allein, und als der Sarg hinausgetragen wurde, folgte er als nächster Leidtragender. Er sah blaß aus und schien tief bewegt. Wie sonderbar, daß er so regen Anteil an dem Schicksal dieses kleinen Wesens nahm. Viola war zu ihren Lebzeiten unbeachtet geblieben. Jetzt war sie die Heldin des Tages, und man nannte ihren Namen flüsternd und mit Achtung. Und das Interesse, was der Arzt ihr schenkte, umgab sie mit einem mystischen Schleier. Man vermutete dieses und jenes, ohne Klarheit in die Sache zu bringen, denn kurz Darauf verließ Doktor Stahl den Ort und nahm sein Gejeimnis mit sich. Die Krankenwärterin, die bei Violas Tode im Zimmer zugegen war, berichtete, daß der Doktor neben dem Bette, mit Der Hand der Sterbenden in der seinen, gesessen, und daß er nach ihrem letzten Atemzuge die Hand gefüßt habe, um ohne Gruß und ohne ein Wort zu sagen, das Zimmer zu verlassen. Dieses war alles, was man von der kleinen Viola und em jungen Doktor Stahl wußte. Ob sie einander liebten, hat niemand erfahren. Physiognomik. Jedem steht das tiefste Sein, All sein Hoffen, Lieben, Was er war und was er ist, Im Gesicht geschrieben. Jedem Manne, jeder Frau, Doch nur wen'ge Wesen Sehen diese Runenschrift,- Wissen sie zu lesen. Mir, so oft und schwer getäuscht, Weil mein Blick gefangen, Sind die Augen endlich doch Dafür aufgegangen. Hör' mit lächelndem Gesicht Gure schönen Lügen, Lese mir die Wahrheit ab Still aus euren Zügen. 柒 DER VOLKS ANWALT Die rechtliche Stellung der Dienstboten. IV. Die Dienstherrschaft ist verpflichtet, dem Gesinde angemessene Wohnung, baren Lohn, Beköstigung und, falls versprochen, auch Kleidung zu geben. Ist nichts Besonderes verabredet, so ist der Lohn nach Leistung der Dienste zu entrichten. Obwohl nun eine zweifelfreie Bestimmung darüber fehlt, in welchen Zeiträumen der Lohn zu entrichten ist, so wird man doch nach dem ganzen System der Gesindeordnung annehmen müssen, daß die Dienstherrschaft den baren Lohn jedenfalls stets nach Ablauf eines Vierteljahrs zu entrichten hat. Ist ein Dienstbote monatweise gemietet, so hat er ohne Frage seinen Lohn nach Ablauf jeden Monats zu verlangen. Nicht abgehobener Lohn verjährt in zwei Jahren, gerechnet vom Ablauf des Jahres, in dem die Lohnforderung fällig geworden ist. Z. B. die Lohnforderung für das Vierteljahr vom 1. April bis 30. Juni 1901 ist am 31. Dezember 1903 verjährt. Dies ist besonders zu beachten, da nach früherem Rechte der Dienstlohn erst in vier Jahren verjährte. Gerät die Dienstherrschaft in Konkurs, so haben die Dienstboten für ihre Lohnforderungen aus dem letzten Jahre vor Eröffnung des Konkurses ein Vorrecht vor allen anderen Konkursgläubigern. Wird ein landwirtschaftliches Grundstück im Wege der Zwangsvollstreckung versteigert, so haben die landwirtschaftlichen Dienstboten ebenfalls ein Recht auf vorzugsweise Befriedigung aus dem Erlöse, und zwar hier sogar für das vergangene und das laufende Jahr das„ laufende" Jahr beginnt mit dem letzten Fälligkeitstage seit der Beschlagnahme. Dieses Vorrecht haben hier aber, was wohl zu beachten ist, nur die zur Bewirtschaftung des Grundstücks angenommenen Personen, also z. B. Pferdeknechte, Kuhmägde. Solche Dienstboten dagegen, die nur zur Bedienung der Familie da sind, wie z. B. Kindermädchen, haben das Vorrecht hier nicht. Zieht der Dienstbote sich eine Erkrankung zu, die durch den Dienſt veranlaßt oder bei Gelegenheit des Dienstes entstanden iſt, so muß die Dienstherrschaft dem Gesinde Kur und Verpflegung gewähren, und zwar die ganze Dienstzeit hindurch. Auch gibt eine solche Krankheit, selbst wenn sie zur völligen Dienstunfähigkeit des Dienstboten führt, dem Dienstherrn kein Recht, den Dienstboten zu entlassen. Dies ist eine für den Dienstboten zwar sehr günstige, für den Dienstherrn unter Umständen aber sehr harte Bestimmung. Man denke an folgenden Fall: Ein Dienstmädchen ist für die Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 1902 gemietet. Am 5. März 1902 erhält sie den Auftrag, einen Gang zu besorgen. Sie erfüllt diesen Auftrag, kommt dabei zufällig auf der Straße zu Fall und bricht ein Bein. Dann muß sie in ein Krankenhaus gebracht werden, und nach wochenlanger Behandlung stellt sich die Notwendigkeit heraus, das Bein zu amputieren. Wieder nach Wochen ist sie geheilt, kann aber natürlich ihren Dienst gar nicht mehr oder nur ganz unvollkommen verrichten. In solchem Falle muß der Dienstherr alle die großen Kosten tragen, und nicht nur das: Er darf ihr für den auf die Zeit der Krankheit fallenden Lohn nicht abziehen, muß diesen Lohn vielmehr neben den Kosten für die Behandlung der Kranken voll auszahlen. Und weiter: Wenn die Kranke etwa im August 1902 gesund geworden ist, aber ihren Dienst nicht weiter verrichten kann, so muß doch der DienstHerr den Lohn noch für die ganze übrige Dienstzeit auszahlen! Ohne Frage, wird eingewendet, muß der Dienstherr den durch den Dienst oder bei Gelegenheit des Dienstes erkrankten Dienstboten während der ganzen Dauer der Krankheit( sofern nicht die Krankheit über die Dienstzeit etwa hinaus dauert) auf seine( des Dienstherrn) Kosten behandeln lassen, auch wenn die Krankheit noch so langwierig und kostspielig ist. Dagegen braucht der Dienstherr weder für die Zeit der Krankheit noch späterhin bei Genesung im Falle der Dienstunfähigkeit den Lohn zu bezahlen, da der Dienstvote vorzuleisten habe und im Falle unverschuldeter Unmöglichkeit der Leistung nach allgemeinen Grundsäßen der Anspruch auf die Gegenleistung( Lohn) verloren gehe. Es ist aber sehr zweifelhaft, ob diese mildere Auffassung nach Lage der geseßlichen Bestimmungen haltbar ist. Für diesen Dienstherrn ist es im eigenen Interesse daher dringend geboten, da, wo es Krankenabonnements für Dienstboten giebt, diese Einrichtung zu benutzen. ( Fortsetzung folgt.)) Nr. 78. Samstag, den 9. April. 1904. Oberbessische Familienzeitung. Tägliche Unterhaltungs- Beilage 29Q Gießener Neueste Nachrichten. Sad and Berlag bar Stefaner Berlagdbruderet, vorm. Buh. Reller'sche Buchbruderet( gegs. 1789); setested:[ bin lots ( 7. Fortsetzung.) 5. Gewissensqualen. Kriminal Roman von Robert Buchanan. Ich hatte Fräulein Craig feierlichst versprechen müssen, für die nächſtfolgenden Wochen meine ganze Zeit und Tatfraft aufzubieten, um die Unschuld Michael Treenan's an den Tag zu bringen, und ich hegte den Wunsch, der schönen, unglücklichen jungen Dame helfen zu können. So kam es, daß ich mich aus einem gesezten praktischen Arzte in einen eifrigen Detektive aus Liebhaberei verwandelte. Zwar stiegen auch mir Zweifel auf und ganz besonders fürchtete ich, daß Fräulein Craig sich doch wohl zu sehr durch ihr Gefühl habe leiten lassen, als sie so fest auf die Unschuld ihres Geliebten vertraute. Aber anderseits mußte ich wieder an die merkwürdige Art denken, wie ich in die Sache hineingezogen worden war, und ob ich nun weise oder töricht gehandelt hatte durch meine Hierherkunft- einerlei, ich war jetzt mitten drin in einem recht seltsamen Abenteuer, und ich war entschlossen, es zu Ende zu führen, mochte kommen, was da wolle. Briefe, die mir inzwischen von meinem Stellvertreter in London zugegangen waren, versicherten mir, daß es in der großen Stadt ganz gut auch ohne mich ginge, und daß ich mich mit der Rückkehr durchaus nicht beeilen brauchte. So konnte ich mich denn ganz meiner Aufgabe widmen, und bald war ich mit meiner neuen Umgebung so vertraut, als hätte ich mein ganzes Leben in Irland verbracht. Jeden im Dorfe kannte ich, und überall wurde ich freundlich aufgenommen. Mein Ruf als Arzt hatte sich weit verbreitet und ich wurde überallhin gerufen, um die Kranken zu heilen. Hütte für Hütte besuchte ich und ich tat mein bestes, um Gebrechen zu kurieren, von denen drei Viertel auf die beſtändige Abneigung gegen den Gebrauch von Wasser und Seife zurückzuführen waren. Aber auch in anderer Beziehung war ich nicht müßig. Wohin ich kam, suchte ich nach dem Schlüssel, mit dem ich das in der Mordsache obwaltende Geheimnis lösen könnte. Es war eine recht sonderbare Aufgabe, die ich mir selbst geſtellt hatte, und je mehr ich darüber nachdachte, desto hoffnungsloser erschien mir ihre Lösung. Die ersten Tage hatte ich damit verbracht, den Schauplatz des Mordes eingehend zu studieren und bei all denen, die damit in irgend welcher Beziehung gestanden hatten, eifrigst Erfundigungen einzuziehen. Ich hatte bald herausgefunden, daß die Geschichte, so weit sie mir das Fräulein erzählt hatte, in der Hauptsache wahr war. Indessen glaubte man allgemein, daß ihr Geliebter die Tat begangen habe. Soweit meine Ermittelungen gingen, gab es nur eine Familie, die in offener Feindschaft zu dem Ermordeten stand: die Creenans! Er war ein wohlwollender Gutsherr gewesen, ein nachsichtiger, menschenfreundlicher Mann, der in allen Kreisen sehr beliebt war; es lag nicht der mindeste Grund zu der Annahme vor, daß er etwa unter dem gewöhnlichen Volke Feinde gehabt habe. Der Gedanke brach sich immer mehr Bahn bei mir, daß die Polizei recht und Fräulein Craig unrecht habe. Eine Begegnung mit Fräulein Craig war daher gegenwärtig höchst peinlich für mich, da ich doch bei der immer geringer (( Nachdruck verboten.)) werdenden Hoffnung ihren eifrig fragenden Mienen keine befriedigende Antwort zu geben vermochte. Eines Tages, ungefähr 14 Tage nach meiner Ankunft, hatte ich mit ihr zusammen gefrühstückt und gleich nach dem Essen eine Entschuldigung vorgebracht, nur um rasch fortzukommen. Sie war an jenem Vormittag sehr still gewesen, und als ich mich zum Abschiede erhob, sah ich, daß ihre Augen voller Tränen standen. Sie sagte zwar nichts, aber in ihren Mienen sprach sich Enttäuschung und wohl auch ein stummer Vorwurf aus. Ich eilte nach meiner Wohnung, wo ich einige alte Zeitungen vornahm, um die darin enthaltenen Berichte über den Mord, den Tatbestand an Ort und Stelle, die Totenschau und so weiter nochmals eifrig durchzustudieren. Vielleicht könnte ich doch durch irgend einen Zufall die so eifrigst gesuchte Aufklärung finden. Ich mochte wohl gegen eine Stunde gelesen haben, als an die Tür geklopft wurde; gleich darauf öffnete sie sich und meine Wirtin meldete: ,, Seine Hochwürden Pater Johannes." Von meinen Zeitungen aufblickend, sah ich in der Tat den Ortspfarrer von Mylrea vor mir stehen. Pater Johannes, der schon länger als zwanzig Jahre in Mylrea weilte, war ein kleiner, dicker Herr, dessen Anzüge ihm gewöhnlich zu groß waren. Er trug einen ungeheuer großen Filzhut, unter dem sein Kopf vollständig verschwand. Hatte er aber den Hut abgelegt, dann sah man, daß sein durch Wind und Wetter abgehärtetes Gesicht schön geformte Züge und durchdringende kohlschwarze Augen aufwies. Seine kleine, dicke Hand mir entgegenstreckend und mit einem freundlichen Lächeln, das ich ebenso herzlich erwiderte, kam er auf mich zu. Er kann mir jedenfalls mehr sagen, als in den Zeitungen steht, dachte ich bei mir und beschloß, ihn auszufragen. Ich freue mich sehr, Ihre Bekanntschaft zu machen," begrüßte ich ihn und erwiderte seinen Händedruck kräftig. Der Pfarrer neigte den Kopf zur Seite und schloß ein Auge, während er mich mit dem andern ganz genau von Kopf bis zu Fuß betrachtete. Sie sind ja noch der reine Milchbart", meinte er nachdenklich, und haben es in den paar Tagen doch schon fertig gebracht, den alten Mulligan hinauszudrängen, wie er mir klagte." Lachend erwiderte ich ihm, daß ich das ansehnliche Alter von 30 Jahren bereits überschritten hätte. Doktor Mulligan ist wohl sehr böse auf mich, weil ich einige seiner Patienten besucht habe?" Dagegen hat er ganz gewiß nichts, aber daß Sie sie geheilt haben!" meinte Pfarrer Johannes und lachte dabei. Aber Sie brauchen sich nicht um ihn zu kümmern; er ist ein schlechter Mensch und hat es schon längst verdient. Er ist immer betrunken, und es gibt niemanden im ganzen Dorfe, der sagen könnte, daß er jemals von ihm geheilt worden sei. Da liegt nun mein Kaplan, der liebe, gute Mann, am Fieber nieder, und ich gäbe viel darum, wenn ein Doktor da wäre, der ihm helfen könnte. Ich hab' gedacht," setzte er nach einer U P e Беп O нал แล มอ II V фі лад) лај Бојо sidney 81186) Kleinen Bause hinzu, ich hab' gedacht, vielleicht würden Sie selbst so gut sein, und ihn sich einmal ansehen, Herr Doktor." Ich drückte meine Freude aus, ihm dienen zu können, und fragte ihn, wer denn sein Kaplan wäre. „ Er ist der Bruder von dem jungen Manne, den man für den" Mörder hält", erklärte Pater Johannes mit leiserer Stimme, während ich mit gespanntester Aufmerksamkeit zuhörte. Sie haben gewiß auch von der Geschichte gehört, Herr Doktor? Na, es ist eine sehr schlimme Sache, denn wenn Michael Creenan den Mord nicht begangen haben sollte, so werden sie doch den eigentlichen Täter ganz gewiß nicht kriegen, und wenn sie jenen armen Burschen hängen, dann töten sie gleichzeitig noch drei andere Menschenleben. Da ist einmal sein Bruder, den dieser Schlag ganz niedergeworfen hat, da ist seine arme Mutter, die, während sie den einen kranken Sohn pflegt, immer an ihren anderen denken muß, der im Kerfer liegt. Sie weint und klagt zwar nicht, aber vor Kummer wird ihr Haar weiß. Und drittens ist da Miß Ellen, die vom Gram wegen des schrecklichen Todes ihres Vaters ohnedies schon so hart mitgenommen ist und nun noch erleben muß, wie ihr Geliebter dem Tag entgegensieht, wo er das Schaffot besteigen soll. Ich bat Pater Johannes, mir seine Meinung über den Mord zu sagen, er drängte jedoch darauf daß ich mit ihm sogleich wegfahren sollte, um seinen kranken Kaplan zu besuchen. Ich bestellte daher den Wagen und es dauerte nicht lange, so fuhren wir rasch dem Gebirge zu. Während der Fahrt fragte ich den Pfarrer, wie lange er schon seinen KapIan fenne. Seit achtzehn Jahren, Herr Doktor," antwortete er. Als ich hierher nach Mylrea kam als Kaplan, war er ein fleiner, schwächlicher Junge von sieben Jahren; aber schon damals bemutterte er seinen Bruder Michael, der doch nur zwei Jahre jünger und viel stärker war. Sie wuchsen zusammen auf zu ihrer Eltern Stolz und Freude. Die Mutter wollte durchaus haben, daß einer von ihren beiden Knaben Geistlicher werden sollte, und da Michael ein wilder, aus gelaffener Junge war, fiel ihre Wahl auf Anton, der für sein Alter ernst und gesetzt und dabei auch klug war. Er wurde also zu seiner Ausbildung nach Maynoth gesandt. Erst nach mehreren Jahren sah ich ihn wieder, und kaum hätte ich ihn wieder erkannt, denn ein großer, hübscher, junger Mann war er geworden, der fast ebenso schön wie Michael aussah. Er war nur brünett, statt blond und schlank, fast zu schlank für seine Größe, und seine Augen sahen auch nicht so finster drein wie die Michaels. Aber sein Blick war doch seltsam verstört, und ich fand auch bald die Ursache davon heraus. Eines Tages kam er zu mir, um mich um Rat zu fragen. Pater Johannes, sagte er, bin ich schon zu weit gegangen, um noch zurücktreten zu können? Und muß ich durchaus auf's Seminar zurück, um Geistlicher zu werden? Nun, lieber Herr Doktor, ich war gerade an diesem Tage recht übel aufgelegt, und als ich sah, daß der Bursche unschlüssig war, versuchte ich es erst gar nicht, ihn festzuhalten. Ich klopfte ihm auf die Schulter, blickte ihm fest in die Augen und sagte zu ihm: Anton Creenan! Fühlst du nicht selbst in dir, daß du ganz und gar mit der Welt abgeschlossen hast, dann trete nicht in den heiligen Priesterstand, denn ein schweres Leben wartet deiner. So lange du hienieden auf Erden wandelst, muß du alle Banden lösen und alles, was in deinem Herzen ist, herausreißen, und nur die Pracht und Herrlichkeit des Priestertums bleibt bei dir. Ja, Herr Doktor, so redete ich mit ihm." Der Pfarrer machte in seiner Erzählung eine kleine Pause, während der ich ihn ganz erstaunt ansah. ,, Sprechen Sie denn nicht vom Pater Antonius?" ,, Na freilich!" ,, Aber er ist doch Geistlicher?" ,, Damals war er es noch nicht", antwortete Pater Johannes, und damals fühlte er sich auch noch vollkommen als Laie. Freudig ging er von mir weg und ich dachte gar nicht mehr an die Angelegenheit. Da wurde ich im vergangenen Jahre benachrichtigt, daß ich einen neuen Kaplan hier zu erwarten hätte, und als dieser eintraf, war es fein anderer als... Anton Creenan. Wohl dieselbe Persönlichfeit, Herr Doftor, aber doch ein ganz anderer Mensch! Ich sprach mit ihm von früheren Zeiten, aber ich merkte bald, daß es jetzt anders mit ihm stand. Pater Johann, sagte er zu mir, indem er meine Hand ergriff- ich weiß es noch wie heute- Sie brauchen um mich keine Angst zu haben. Ich schwöre Ihnen beim Allerhöchsten, daß ich mein Gelübde bis zu meinem Tode halten werde." Der Pfarrer schwieg ergriffen. Erst nach einer Weile fragte ich: Er hängt wohl sehr an seinem Bruder?" Mutter ihr Kind! Kein Wunder, lieber Herr Doktor, daß Das ist nicht der richtige Ausdruck; er liebt ihn wie eine es den armen Mann zu Boden geworfen hat." Landes durch eine so öde und verlassene Gegend, wie man Der Weg auf dem wir fuhren, führte in das Innere des sie selbst im westlichen Teile Irlands nur selten findet. Zu dunklen Moorlandes, und dahinter erhoben sich niedrige beiden Seiten der Straße erstreckten sich weite Flächen Berge, deren düsteres Aussehen von den darüber hängenden Räder unseres Wagens und von Zeit zu Zeit das Gefrächze Rgenwolken noch verstärkt wurde. Nur das Rasseln der eines Vogels unterbrachen die lautlose Stille. Zweimal famen wir auch an einer Menge nahe beieinander ſtehender Hütten vorbei, denen die ehrenvolle Bezeichnung eines Dorfes" zu Teil wurde. In Lumpen gekleidete Männer, Frauen und Kinder standen an den Türen und grüßten ehrerbietigst den Priester. Später stieg die Straße, und nacherreichten wir schließlich ein hochgelegenes Plateau, in deſſen dem wir in die eigentliche Gebirgsgegend gekommen waren, Mitte ein mit Schiefer gedecktes Herrenhaus ſtand. Um dasselbe herum reihten sich grüne Parkanlagen und Wiesenland. An der Straße standen ein kleines Häuschen und ein großes Empfangstor; aber dem Häuschen fehlten das Dach und die Bewohner, und das Tor war aus den Angeln ge= fallen. Früher waren die Creenans sehr reich", erklärte der Pfarrer, als wir durch das Tor fuhren, aber bei dem großen Bankbruche in Dublin verlor der alte Herr eine Menge Geld und kurze Zeit darauf starb er. Jezt bewirtschaftet seine Witwe das Gut, und da kommt nun das große Unglück über sie." Wir waren an der Vorderseite dieses Hauses angelangt. In einem Augenblick war Pater Johannes vom Wagen herunter und klopfte mit seinem Regenschirm gegen die Türe, die auch sofort von einem frisch und munter aussehenden irischen Mädchen geöffnet wurde. Beim Anblick des Pfarrers schlug sie sittsam die Augen nieder und forderte uns auf, näher zu treten. Durch einen großen Flur famen wir in ein kleines Wohnzimmer, das nett und einfach möbliert war und an den Wänden auffallend viele Heiligenbilder aufwies; es mochte das Zimmer des jungen Priesters sein. Nachdem wir eingetreten waren, schloß das Mädchen leise hinter uns die Tür und wandte sich dann an den Pater Johannes mit der Frage: Soll ich Mrs. Creenan rufen. Euer Hochwürden? Sie schläft unten." ,, Störe sie nicht, Nora!" antwortete er.„ Ich habe einen will. Geht es ihm heute besser?" neuen Doktor mitgebracht, der den Pater Antonius sehen „ Ach nein, Euer Hochwürden", antwortet das Mädchen, und die Tränen traten ihr dabei in die Augen.„ Er befindet sich heute so schlecht, wie es gar nicht ärger sein kann." „ Der Arme! Führe uns zu ihm, Nora!" Das Mädchen gab uns ein Beichen, ihr zu folgen, und verließ das Zimmer. Wir gingen wiederum über den Fluv, stiegen dann eine eichene Treppe hinauf und kamen in einen schmalen Gang, der zu beiden Seiten Türen hatte. Am Ende desselben lag ein Zimmer, dessen Türe halb offen stand. Der Pfarrer machte sie vollends auf, und wir traten ein. Im ersten Augenblick konnte ich gar nichts sehen, nur schwere Atemzüge hörte ich, die ab und zu durch Seufzen und Stöhnen unterbrochen wurden. Dicke Vorhänge vor den Fenstern hielten das Licht völlig ab, und als ich einen Versuch machte, sie zurückzuziehen, sagte das Mädchen:„ Ich bitte Euer Gaden um Berzeihung, aber Mrs. Creenan hat es so angeordnet. Das Licht stört den Kranken." ,, Wenn ich ihm aber helfen soll, muß ich ihn doch zuerst sehen, und bei dieser Beleuchtung kann ich nichts machen." Sie zog darauf die Vorhänge ein wenig zur Seite, und ich konnte nun meinen neuen Patienten sehen. ( Fortsetzung folgt.)) Eine Frühlingsblume. Novellette von Signild. ( Nachdruck verboten.)) Hier, Amt Neustadt! Es war auf dem Telephonamt der Kleinen Stadt Neustadt, und das junge Fräulein Viola Roos war am Apparat. Ihre klare Stimme erklang sowohl unaufhörlich und ihre schmalen weißen Hände flogen mit bewunderungswürdiger Sicherheit von der einen Nummer zur anderen. Sie war eine liebliche Erscheinung, blond und rosig mit großen, sehnsüchtigen blauen Augen. Sie hatte eine unbeschreibliche Sehnsucht, die kleine Viola, eine Sehnsucht nach etwas so recht Merkwürdigem, etwas Wunderbarem. Sie war neunzehn Jahre, und noch nie aus Neustadt herausgekommen, wenigstens nicht aus der nächsten Umgebung, über die Anhöhe und über den Wald hinaus, der die Stadt auf drei Seiten umgiebt. Hiernach richtete Viola oft ihre Schritte, denn sie liebte die schöne, freie Gottesnatur über alles. Eine kurze Pause war eingetreten, und die junge Telephoniſtin ſezte sich an das Fenster und blickte auf die Straße hinaus. Auf der Promenade sah sie einige junge Herren und Damen, die in munterer Unterhaltung auf- und niederschritten. Viola beneidete die jungen Mädchen! Sie hatten Zeit, sich dort drüben im Sonnenschein zu ergehen, während sie hier drinnen fest gefettet war, und auf jeden Ruf zur Verfügung stehen mußte. Sie war mit diesen jungen Damen zusammen aufgewachsen und sie rechneten sie zu ihren Freundinnen. Und doch war ihr Verhältnis zu einander eigentümlich. Violas Eltern sie waren vor einigen Jahren gestorben hatten ihrer Armut und Kränklichkeit wegen ein sehr zurückgezogenes Leben geführt, und Viola hatte nie eine threr Freundinnen in ihrem Hause empfangen können. Daher kam es, daß auch ste nur selten zu ihnen gebeten wurde und ihr Verkehr sich auf Spaziergänge vor die Stadt beschränkte. Ohne daß sie es merken ließ, barg Viola aber eine große Lebenssehnsucht in sich. Sie wollte auch hinaus, auch etwas erleben, etwas Besonderes, etwas Großes schaffen. Es fehlte ihr aber an jedem Talent, das sie aus ihrer Einsamkeit an die große Welt ziehen konnte. Ueber alles liebte Viola Blumen. Ohne Blumen konnte sie nicht arbeiten, und deshalb stand auch immer ein großes, grünes Glas mit einigen frischen Blumen an ihrem Fenster. Dieses war der einzige Lurus, den sie sich gestattete. Da flingelte es schon wieder. Viola verband die beiden Leitungen miteinander, um halb in Gedanken dem Gespräche zu lauschen, was jetzt begann. Wie entzückend es doch ist, deine süße Stimme zu hören", pernahm sie eine männliche Stimme. ,, Ach, wenn ich dich nur sehen könnte", lispelte eine weibliche. Wie schade, daß ich dich telephonisch nicht küssen kann", sagte die männliche. „ Wie närrisch di bist." ,, Ach, ich möchte doch so gern... Erschrocken trat die junge Telephonistin vom Apparat zurück. Wie albern!" murmelte sie für sich, natürlich ein junges Brautpaar, das an nichts weiter als ihre junge Liebe denkt! Sind solche Kindereien aber wirkliche Liebe?" Sie hatte sie sich anders vorgestellt. Sie hatte sich einen Freund, einen Wann gewünscht, zu dem sie aufschauen, auf den sie sich stüßen konnte. Ernst sollte er sein, und sollte wie sie die Natur lieben und das viele Schöne genießen, das sie uns in so reichem Maße darbietet. Hierüber dachte ste immer wieder und wieder nach. An einem schönen Tage im Frühling ging Viola in den Wald hinaus, um Frühlingsblumen zu suchen. Den ganzen Tag hatte sie sich nach dem Walde gesehnt, aber erst gegen abend war sie dienstfrei geworden. Es war ein entzückender Frühlingsabend mit milder, weicher Luft, klar und still und mit den allerschönsten Farben. Mit dem Hute tu der Hand durchwanderte Viola den Wald. Ihre Lippen und Augen lachten, denn jetzt, da sich ihre Seele an der Schönheit sättigte, war sie glücklich. Jetzt sehnte sie sich nicht mehr. Sie pflückte einige Blümlein und setzte sich auf eine Moosbant, um mit über den Knieen gefalteten Händen sich in den Anblick des Sonnenunterganges zu vertiefen. Die Giebel und Türme des Städtchens glänzten in rofigem Rot; die Schatten waren aber scharf und schwarz. Die Sonne ging unter, und der Dunst wurde zu dichtem Nebel, das junge Mädchen blieb aber unbeweglich ſizen. Sie war nicht imstande, sich von der Frülingsstimmung loszureißen, die sich ihrer Sinne bemächtigt hatte. Ein solcher herrlicher Frühlingsabend ist aber falsch und gefährlich, und hinter der lachenden Schönheit verbirgt er gar oft Kälte und Tod. Als Viola sich endlich erhob, um den Heimweg anzutreten, fühlte sie, daß ihre Glieder kalt und steif waren. Sie merkte, daß es sie fror, und schon während der Nacht stellte sich Fieber ein. Die Witwe, bei der sie wohnte, betrat am nächsten Morgen ihr Zimmer, um nachzusehen, warum sie nicht zur gewöhnlichen Zeit aufstehe. Die Alte war ganz erschrocken über ihre fieberheißen Wangen und die unnatürlich glänzenden Augen. Sie eilte sofort zu dem nächsten Arzt. Dieser, ein noch junger Herr, fam. Er war in der ganzen Stadt bekannt, eine hübsche, schlanke Erscheinung, eine in den ersten Kreisen des Städtchens vielbegehrte Persönlichkeit, auf die manche Schöne ihre Hoffnungen setzte. Jetzt stand er vor Violas Bett, untersuchte sie flüchtig, horchte auf ihre Bruſt und fühlte ihren Puls. Nach einer kurzen Besprechung mit der Wirtin schlug er der Kranken vor, ins Krankenhaus zu gehen. „ Nein, nicht ins Krankenhaus", bat Viola.„ Lassen Sie mich hier. Ich werde schon gesund werden. Mit fremden Menschen in einem Zimmer zusammen zu liegen, ist mir unmöglich, und um einen Raum allein zu nehmen, dazu besize ich die Mittel nicht." Der junge Arzt blickte das hübsche Mädchen mit milden Augen an und sagte: Ich verspreche Ihnen, daß Sie es dort gut haben werden. Lassen Sie mich nur machen, Sie sollen sich nicht zu beklagen haben." Und er ging. Doktor Stahl wußte selbst nicht, weshalb er sich der Fremden annahm, er wußte nur, daß das junge kranke Mädchen ihm von Herzen leid tat, so daß er nicht anders handeln konnte, als er jetzt handelte. Es trieb ihn eine ihm unbekannte Kraft, um der Wermsten alle Erleichterung zu schaffen, die er ihr zu leisten vermochte. Viola wurde ins Krankenhaus gebracht und erhielt ein freundliches Zimmer mit Aussicht auf den Park, und auf dem Tische neben ihrem Bett stand das grüne Blumenglas mit Blumen, die ihr die Witwe täglich brachte. Es war eine ungewöhnlich schwere Lungenentzündung, die die kleine Viola sich an dem schönen Frühlingsabend zugezogen hatte, und die Krankheit zehrte und nagte an ihrem Lebensfaden, der trotz des heldenmütigen Widerstandes, den der junge Körper leistete und trotz aller Waffen der ärztlichen Kunst, welche der junge Doktor anwandte, immer schwächer und schwächer wurde. Seine ganze freie Zeit brachte Dr. Stahl im Krankenzimmer Violas zu. Eine Wärterin war immer um sie, oft löste er diese ab und nahm ihren Platz neben dem Bette der Kranken ein. Dann hielt er die kleine, heiße, unruhige Hand zwischen den seinen, und dies beruhigte ste und machte sie glücklich. Dann erzählte sie von sich und ihrer unerklärlichen Sehnsucht nach dem Leben und einem Freunde. Eines Tages fragte er sie, ob sie denn jemanden so von Herzen lieb habe. Sie lächelte nur schwach und schüttelte den Kopf. Darauf sagte sie ohne Scheu: " Ich bin so allein, so ganz ohne Schutz und Schirm, und ich sehne mich so sehr nach jemanden, zu dem ich festes, unbedingtes Vertrauen haben kann." Wie muß dieser denn sein?" " Er muß ſtark und lieb, klug und gut sein, und muß Geduld haben, um mich den rechten Weg durchs Leben zu führen doch jetzt ist dies alles nicht mehr nötig." Dabei seufzte sie schwer. Dem jungen Arzt traten Tränen in die Augen und seine Hand umschloß fester die ihrige. Wie gern hätte er sie am Leben erhalten und ihre Sehnsucht befriedigt. Sie sind gut zu mir, Herr Doktor, und Sie meinen es ehrlich mit mir." Sie blickte ihn mit ihren großen, klaren Augen an. Dann breitete sich ein glückliches Lächeln über ihre Lippen und sie senkte die Augenlider, sodaß die langen Augenwimpern einen Schatten auf ihre Wangen warfen.