Nr. 33. bonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50- Pfg., ' s Saus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen vierteljährlich Mr. 1.50. Gratisbetlagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Geifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Dienstag, den 9. Februar 1904. Gießener 13. Jahrgang. Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz O heffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 88 Fernsprechanschluß Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblaff) Unabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wezlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Der Kriegszustand in Oftafien. Es war ein seltsames Schäferspiel, das nunmehr durc den Abbruch der Beziehungen zwischen Japan und Rußland sein Ende gefunden hat. Beide Teile möchten sich gegen seitig die Verantwortung für diesen Krieg zuweisen. Ruß land nennt es einen frechen Friedensbruch, daß man in Tokio nicht einmal die Uebergabe der Antwortnote abge wartet hat, und Japan macht seinen Gegner ein heim tückisches Verhalten zum Vorwurf, weil die Antwortnote nui deshalb soweit hinausgeschoben worden sei, damit Japan zum Kriege schreiten müsse. Die Annahme einiger Opti misten, zu denen merkwürdigerweise auch die„ Nordd. Allg. 8tg." gehört, als ob der Abbruch der diplomatischen Bezie hungen nicht unbedingt die Eröffnung der Feindseligkeiten zu folgen brauche, wird wahrscheinlich schon in den nächsten Tagen durch die ersten Maßnahmen für die Eröffnung der Striegsoperationen widerlegt werden. Kriegspläne und Kriegschancen. Wir sind in der Lage, nachstehend die Ansicht eines her porragenden deutschen Strategen über die Kriegspläne und Kriegschancen der beteiligten Mächte mitzuteilen:„ Der eigentliche Kriegsgrund ist und bleibt unter allen Um ständen die Besetzung der Mandschurei durch Rußland, durch die dieses gewaltige Reich geradezu eine dauernde Bedrohung der Stellung Japans im Stillen Ozean geschaffen hat. Wenn auch durch die Verhandlungen eine einstweilige Vertagung der foreanischen Frage erzielt worden wäre, sc blieb doch der russische Vormarsch auf Korea nur eine Frage der Zeit, und Korea ist für die Japaner unentbehrlich als Absatzgebiet für seine Industrieprodukte, sowie als Kornfairiner des Reiches. Die ja panische Flotte, die ungefähr eine Stärfe von 120 Schiffen aufweist, darunter Kriegsfahrzeuge allerbester Qualität, ist bereits flott zur Ausreise. Ebenso stehen 80 000 Mann und etwa 200 Jeldgeschüße zum Transport bereit. Das ganze japanische Heer dürfte faum einen Mannschaftsbestand von eine halbe Million überschreiten und es werden wohl wenig mehr als 120 000 Mann für die Operationen auf fremdem Gebiet Verwendung finden können. Das russische Heer ist also scheinbar an Stärke dem japanischen überlegen, aber Rußland bedarf zur Deckung seiner Eisenbahnlinien und zur Bewachung der Garnisonen ganz außerordentlicher Mannschaftsziffern, zumal es mit der Möglichkeit rechnen muß, daß die einheimische Bevölkerung den Ausbruch der Kriegsunruhen zu einer Erhebung gegen die russische Oberherrschaft benüßt. Wie sich die Operationen selbst ab= spielen werden, läßt sich in diesem Augenblick noch nicht sagen, da Japan und Rußland gewiß über ihre Kriegspläne das strengste Geheimnis bewahrt haben. Es läßt sich aber nach meiner Meinung annehmen, daß Rußland durchaus die Verteidigungsstellung beibehält. Die Kriegsinitiative liegt dadurch vollständig auf seiten der Japaner, für die sich zwei Möglichkeiten ergeben. Sie können -die Niederwerfung ihnen entgegentretender russischer Geschwader natürlich vorausgesetzt- Truppen in Korea landen und dann auf dem Landwege an den Feind heranbringen. Sie können aber auch den kühnen Versuch machen, gedeckt durch ihre Flotte, in der Mandschurei Truppen abzusetzen, um die beiden russischen Häfen Wladiwostock und Port Arthur, ähnlich wie die Amerikaner es auf Kuba ge= macht haben, gleichzeitig von der Land- und Seeseite her anzugreifen. Port Arthur gilt allerdings als ein uneinnehmbarer Hafen, weil das Innenbecken durch mächtige Felsentürme bastionenartig gegen das Meer abgeschlossen wird. Darin liegt aber andererseits auch die Gefahr für Rußland, daß die dort stationierte Flotte eingeschlossen und außer Gefecht gesezt wird. Gegen einen Einfall von Korea her sprechen zwei Gründe: 1. Die relativ schwächliche Konstitution der Truppen, deren Felddienſtfähigkeit doch durch anstrengende Kriegsmärsche vermindert würde. 2. Die außerordentlich schlechte Beschaffenheit der japanischen Kriegspferde, die einem angestrengten Geschüßtransport faum gewachsen sind. In der japanischen Armee sind eigentlich nur die Offiziere gut beritten. Vielleicht ließe sich noch ein dritter Grund anführen, die geheime Feindschaft der Koreaner gegen Japan, die seit Jahrhunderten besteht, die aber nur deshalb etwas leichter wiegt, weil die Koreaner ein notorisch friegsuntüchtiges Volk sind. Wenn man ſeither in der schlechten Finanzlage Japans und in der Aussichtslosigkeit einer Kriegsanleihe eine relative Friedenssicherung erblickte, dann wird doch zu wenig berückfichtigt, daß für Japan diese Auseinandersetzung mit Rußland eine Herzenssache und ein Aft nationaler Begeisterung ist. Das wird sich auch bei der finanziellen Opferwilligkeit der Bevölkerung offenbaren und gerade in diesem moralischen Gewichte dürfte der Schwerpunkt der ganzen Kriegsfrage liegen. Der Sturm der nationalen Begeisterung hat Volk und Heer ergriffen und der letzte Mann wird seine ganze Kraft in diesem Ringkampf der Nation um Ehre und Macht einsetzen." Die Haltung der Großmächte. Die Stellungnahme Deutschlands ist wie von AnJang an, eine durchaus neutrale. Daß die Sympathieen der Diplomatie vielleicht mehr auf russischer Seite sein werden, ist eine Folge der traditionellen Freundschaft zwischen uns und unserem östlichen Nachbar. Die praktische Wirfung davon aber wird sich nicht in positiven Leistungen äußern, sondern darin, daß Deutschland sich allen russenfeindlichen Bestrebungen fernhalten wird. England ist mit Japan verbündet, aber zur Hilfe nur verpflichtet, wenn sich noch ein zweiter Gegner gegen Japan wendet. Aehnsich, oder vielmehr noch inniger sind Rußland und Frankreich verbündet. Doch ist ein Einmischen in die ostasiatische Verwickelung in Frankreich sehr unpopulär, so daß schon jetzt Stimmen laut werden, die offen für den vortommenden Fall die Nüßlichkeit eines Wortbruches predigen, untsomehr, da man doch für die Zurückerwerbung ElsaßRothringens von einer solchen Intervention nichts erhoffen dürfe. Diese äußerste Konsequenz zu ziehen, wird aber den Leitern der französischen Politik wohl erspart bleiben. England kann nur gewinnen, wenn es bei dem asiatischen Flottenschauspiel der lachende Zuschauer bleibt. Amerika wird ebenfalls während des Krieges eine zurückhaltende Stellung einnehmen, aber bei dem Friedensschluß mit¡ prechen wollen. Die Stimmung in Rußland. Die Haltung der russischen Presse ist trotz aller Schärfe ber Kritik gegen das japanische Vorgehen doch ziemlich maßDoll. Die„ Petersburger Neuesten Nachrichten" sagen u. a., Rußland habe schweren Herzens der Friedensliebe wegen Zugeständnisse gemacht. Japans Handlungsweise zwinge es jegt, auf's äußerste gefaßt zu sein. Sich ruhig vorbereitend, sei Rußland fern von kriegerischen Wallungen. Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen sei noch kein Krieg. Noch bleibe ein schwacher Strahl der Hoffnung auf eine friedliche Lösung. Den Blättern zufolge bleibt das japanische Gesandtschaftshotel unter Aufsicht der chinesischen Gesandtschaft, welche gestern mit der japanischen in regem Verkehr stand. Im Petersburger Marientheater fanden patriotische Kundgebungen statt. Das Publifum erhob sich und verlangte dreimal die Absingung der Nationalhymne. Englisch- japanische Spionage? Aus Cherbourg wird Pariser Blättern gemeldet, daß Ein englischer und ein japanischer Offizier in Zivil in Begleitung eines französischen Offiziers ohne Bewilligung des Marineministers das Marinearsenal besichtigt hätten und daß der französische Offizier die den Besuchsvorschriften_gemäß beim Eingange abgelegten photographischen Apparate wieder an sich genommen habe. Der Seepräfekt habe über den Vorgang eine Untersuchung angeordnet. Gerüchtweise und unter Vorbehalt wird hinzugefügt, daß ein französischer Offizier eines Unterseebootes und ein englischer Offizier verhaftet worden seien. Diese Meldung, deren Bestätigung erst noch abgewartet werden muß, ruft die Tatsache in's Gedächtnis zurück, daß kürzlich auf der Cherbourger Werft ein Unterseeboot vom Stapel gelaufen ist, das aber nicht für die französische Marine verwandt wurde, sondern in geheimnisvoller Weise nach unbekanntem Bestimmungsort befördert wurde. Wohl nicht mit Unrecht wurde angenommen, daß Frankreich seinem russischen Freunde dieses Boot heimlich zur Verfügung gestellt hat. Wunderbar wäre es nicht, wenn die Japaner versucht hätten, sich an der Quelle über den Typ dieser gefährlichen Waffe ihres Feindes zu informieren. Doch soll das französische Unterseeboot nicht das einzige sein, was den Russen bei Port Arthur zur Verfügung steht. Zwei am Schwarzen Meer erbaute unterseeische Torpedoboote sollen zerlegt nach dem fernen Osten transportiert worden sein. Rußland hat bereits seit mehreren Jahren zwischen Sebastopol und Odessa mit Unterſeebooten experimentiert. Ein Rassenkrieg, nicht nur ein Krieg Japans gegen Rußland, ist nach dem Empfinden der breiten japanischen Volksschichten der jetzt vor der Tür stehende. Vor beiläufig zehn Jahren sprach Graf Okuma im Parlament die großen Worte: In der Mitte des nächsten Jahrhunderts werden wir auf den Steppen Sibiriens mit Europa um die Weltherrschaft kämpfen." Das ist der Ausspruch eines Mannes wie Okuma, eines früheren Ministers und heutigen Ministerpräsidenten, und das Volk verallgemeinert noch weit mehr. Es haßt alle Fremden, mögen sie Russen, Franzosen, Engländer, Amerikaner, oder auch Deutsche sein. Trotz der guten diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Japan befinden sich unsere vielen Handel treibenden Landsleute im Innern des Mifadoreiches in der größten Gefahr, von dem fanatisierten Mob angegriffen zu werden, besonders, wenn die Japaner in dem ersten Treffen unterliegen sollten. In den durch Kriegsschiffe geschützten Häfen mögen sie sich allerdings in relativer Sicherheit befinden, aber im Hinterlande ist der Arm der japanischen Regierung dem Volt gegenüber machtlos. Man darf auch nicht verkennen, daß auch der größte Teil der gebildeten Japaner alles eher als ein wirklicher Freund der Fremden ist. Die Kultur und die Wissenschaft will man vom Auslande, aber nicht den Ausländer selbst. Der Widerwille gegen die Fremden steckt viel zu tief im Volke, sonst wäre es überhaupt nicht möglich gewesen, Japan jahrhundertelang von allem abzuschlieBen. Vor dreißig und vierzig Jahren florierten in aanz Japan die Fremdenmorde und es wäre Verblendung, an zunehmen, daß diese kurze Zeit den Charakter des Volkes so ganz umgefrämpelt habe. Wie oft passiert es heute noch, daß Europäern sogar in japanischen Hafenstädten von schulpflichtigen Bengeln gemeine Schimpfworte nachgerufen werden. Viele Europäer denken denn auch ernstlich daran, beim Ausbruch des Krieges in Schanghai Zuflucht zu suchen. Die Politik. A Die deutschen Handelsvertragsverhandlungen mit Italien nehmen, wie unser CB.- Mitarbeiter aus guter Quelle erfährt, entgegen von mehreren Seiten verbreiteten Gerüchten den besten Fortgang. Allerdings wird eine kleine Pause eintreten, da die deutschen Delegierten von Rom nach Petersburg beordert sind, um dort den deutsch- russischen Handelsvertrag endgiltig festzustellen. In Rom ist bisher der Zolltarif in erster Lesung durchgenommen worden, und nur wenige strittige Punkte haben sich dabei zwischen den deutschen und den italienischen Vertretern ergeben. Auf der Reise nach Petersburg, die die deutschen Delegierten in den nächsten Tagen antreten, werden sie diese strittigen Punkte unserer Regierung in Berlin vorlegen, um sie sofort bei ihrer Rückkehr nach Rom definitiv beilegen zu fönnen. Die Hoffnung, daß mit der Entsetzung von Windhuk und Okahandja der Herero- Aufstand als beendet anzusehen sei, hat sich leider nicht erfüllt. Der Aufst and dauert fort und vor den Toren von Omaruru ist es zu blu= tigen Kämpfen gekommen, denen eine Anzahl wackerer deutscher Krieger zum Opfer gefallen sind. Es ist nur ein leidiger Trost, daß die Verluste des Feindes größer sind als die unsrigen. Das Reichsmarineamt bestätigt die Meldung, daß die Kompagnie Franke nach heftigem Kampf in Omaruru eingedrungen ist. In einem Tage hat Hauptmann Franke mit seiner Kompagnie die 70 Kilometer von Okahandja bis Omaruru zurückgelegt und den Feind von den Wällen der Station zurückgedrängt. Allein kaum in das Innere eingedrungen, wurde Omaruru wieder vom Feinde eingeschlossen. Weiterer Entsatz von Okahandja her ist unterwegs. Gefallen sind vor Omaruru: Feldwebel Müller, Unteroffizier Otto Pries, Gefreiter Linke, Scherrer, Reservist Seelmand, Landwehrmann Gerlitz. Verwundet drei Offiziere, drei Unteroffiziere, zwei Gefreite und zwei Reservisten. Die Verwundeten scheinen außer Gefahr. Unsere Gesamtverluste in Südwestafrika betragen demnach: Befallen 32, ermordet 47, vermißt 58 Personen. * Der Erbprinz Bernhard von Sachsen- Meiningen, der Protektor des meiningischen Kriegerverbandes, hat an die gedienten Leute einen Aufruf gerichtet, worin er diese daran erinnert, daß dem gewesenen Soldaten auch noch nach seiner Dienstzeit noch die Pflicht obliegt, an dem nationalen und geistigen Leben des Volkes teilzunehmen. Er wendet sich hauptsächlich an die gebildeten Kreise, die er auffordert, nicht bloß repräsentativ bei feierlichen Gelegenheiten, sondern auch aktiv bei den gewöhnlichen Versammlungen am Vereinsleben teilzunehmen. Italien. O Von Zeit zu Zeit werden aus Rom Tartarennachrichten über den Gesundheitszustand Papst Pins' verbreitet. Die neueste lautet, daß der Papst in großer Gefahr schwebe, se in Augenlicht zu verlieren. Mit Rücksich auf seine geschwächte Sehkraft habe sich der vormalige Kardinal Sarto auch im Konklave lange geweigert, eine Wahl zum Papste anzunehmen. Die feuchte Luft im Vatifan habe das Augenleiden verschlimmert. Es ist anzunehmen, daß diese Nachricht, wie viele andere vorher, von zuständiger Seite dementiert werden. Alien. Durch die Verwickelungen in Ostasien ist auch die im gegenwärtigen Augenblick im englischen Unterhause behandelte tibetanische Frage wieder von größerem Interesse. Aus den Mitteilungen der englischen Regierung an das Parlament geht mit Deutlichkeit hervor, daß die Londoner Regierung den vorwiegenden Einfluß in Tibet beansprucht. Wenigstens wurde dem russischen Gesandten in London, Grafen Beneckendorff, von dem Minister des Auswärtigen Lord Lansdown eröffnet, daß alle Maßnahmen der Russen zur angeblichen Aufrechterhaltung des jezigen Zustandes, auf Deutsch gesagt, übertrumpft werden würden. Jedenfalls wird England die jetzigen Kriegsverwickelungen für seine Zwecke zu benützen suchen. Amerika. + Die Republik Kolumbien hat einen neuen Präsidenten in der Person des Generals Reyes gewählt. Durch diese Neuwahl ist die Kriegsgefahr auf dem Isthmus definitiv beseitigt. Aus den Parlamenten. * Der nationalliberale Reichstagsabgeordnete Dr. Mar wirtschaftet und sich eines paar Erkundigungen einziehen, ob sie drüben" ehrlich geMenomees erfreut hatten. Novitäten der Saison", wie Hilda sich lachend ausdrückte, Sellmut Norden und seine Gattin waren also als zwei fin hatten natürlich einige Mofuche und sich mit einem Mysterium zu umgeben, das ihm wenigtisch und nervös sein, um eine derartige Szene aufzuführen Itens no fffn Novellette von F. Hechinger. Der Delinquent. Janece, vertagsoucyanoter uno yetungsverleger in Hannover, hat sein Mandat, das die Wahlprüfungstommission zu kassieren empfohlen hatte, niedergelegt. Er vertrat den Wahlkreis 16 Hannover( Lüneburg- WinsenBleckede Soltau- Amt Bergen bei Telle). Sein Gegenkandidat war ein Welfe. Dem sächsischen Landtage ist der schon angefündigte Gesezentwurf zugegangen, wonach die Regierung die Einsetzung von fünf Gewerbeinspektorinnen in den fünf Kreishauptmannschaften Sachsens beabsichtigt, nachdem sie mit den bisher verpflichteten weiblichen„ Auskunftspersonen" für Fabritarbeiterinnen durchweg gute Erfahrungen gemacht hat. Hof und Gesellschaft. Die Mittelmeerreise des Kaiserpaares ist aufgegeben worden. Wie man mit Bestimmtheit annimmt, haben einerseits die trüben Nachrichten aus Deutsch. Südwestafrika, andererseits auch der bevorstehende Ausbruch des Krieges zwischen Japan und Rußland dazu die Veranlassung gegeben. Der Kaiser hatte gestern eine längere Besprechung mit dem Reichskanzler Grafen Bülow. Der Großherzog von Oldenburg tritt demnächst zur Kräftigung seiner angegriffenen Gesundheit eine längere Seereise an. Das nächste Ziel ist Alexandria. Deutfcher Reichstag. ( 27. Sitzung.) CB Berlin, 8. Februar. Präsident Graf Ballestrem eröffnete die heutige Sigung mit einer Todesbotschaft: der erst 33 Jahre alte Vertreter des sächsischen Wahlkreises Zschopau- Marienberg, Schriftsteller Rosenow( Soz.) ist infolge von Gelenfrheumatismus am Herzschlag gestorben. Nachdem sich die wenigen anwesenden Abgeordneten dem Verstorbenen zu Ehren von ihren Pläzen erhoben hatten, fand eine kurze Geschäftsordnungsdebatte über die Behandlung der zum Titel Staatssekretär des Etats des Reichsamts des Innern beantragten sozialpolitischen Resolutionen statt. Präsident Graf Ballestrem schlug auf Grund eines Beschlusses des Seniorenkonvents vor, die Beratung der Resolutionen bis nach Erledigung der Etatsberatung auszusetzen, da nur noch 39 Sibungen vor Ostern zur Verfügung seien. Alle Parteien ließen ihr Einverständnis dazu erklären, auch der sozialdemokratische Abg. Bebel wies aber darauf hin, daß es gerade das Zentrum gewesen sei, welches mit Einbringung seiner Reſolutionen begonnen habe. Erst dann seien die anderen Parteien nachgefolgt. Der Vorschlag des Präsidenten wurde angenommen, die Resolutionen demgemäß abgesetzt und in der Beratung des Etats des Innern fortgefahren. Beim Kapitel„ Gesundheitsamt" trat Abg. Scheidemann- Solingen( Soz.) für reichsgesetzliche Regelung der verschiedenen Fragen der Reinhaltung der Flüsse ein. Staatssekretär Posa do wsky teilte mit, daß systematische Untersuchungen der Flüsse stattfinden sollen. Bezüglich des Rheinstromes sei bereits ein erfreulicher Anfang gemacht. Abg. Rettich( kons.) bedauerte, daß der Bundesrat auf die ihm im Fleischschaugeseze anheimgegebene weitere Regelung der Frage der Einfuhr gewisser Waren einstweilen verzichtet habe, obwohl dazu der 31. Dezember vorigen Jahres als nächster Termin vorgesehen war. mit den beiden konservativen Parteien einige wenige freisinnige und Zentrumsmitglieder dafür stimmen. Es muß Hammelsprung stattfinden. Für die Justizkommission stim men 76, dagegen 88, das Haus ist also nicht beschlußfähig. Der Präsident beraumt die nächste Sibung eine Viertelstunde später an. In dieser wird der Rest des landwirtschaftlichen Ordinariums schnell erledigt. Dann folgt die endgiltige Abstimmung über die Dienstaufsicht bei den Amtsgerichten, die mit der Ueberweisung des Entwurfes an eine Kommission von 21 Mitgliedern endet. Staatssekretär Graf Posa do wsky riet dringend vor solchem Vorgehen ab. Es würde dadurch namentlich auch die Beschaffung eines ganz außerordentlich umfangreichen Verwaltungsapparates erfordert werden. Abg. Müller- Meiningen( freis. Vp.) übt Kritik an den vielen Geheimmittel- Verboten, für die kein genügender Grund vorliege. Harmlose Sachen verbiete man, geradezu schwindelhafte lasse man zu. Durch die Ankündigungsberbote werde die Presse arg chikaniert. Nab und Fern Schwere Stürme und Schneefälle in Japan. Auf den japanischen Meeren, im Norden und im Hochgebirge, haben schwere Stürme und Schneefälle großen Schaden angerichtet. Von Hokkaido werden mehrere Schiffsunfälle gemeldet. Zwei Fischerboote mit sechs bezw. vier Mann sind untergegangen. Ein Segelschiff scheiterte in der Nähe von Shimoda. Der Kapitän und zehn Mann, die ganze Besatzung, ertranken. Bei einem Schiffbruch bei Tokio ertranfen fünf Matrosen und der Kapitän. Auf dem Kisoflusse sank ein Trajektboot mit sieben Passagieren. Unweit Hakata strandete ein Dampfer, dessen Kapitän und erster Offizier mit dem Schiff in den Wellen versanken. Von einem anderen gescheiterten Dampfer in der Inlandsee werden sieben Personen vermißt. Durch den mit den Stürmen verbundenen Schneefall ist der Verkehr vielerorts gehindert. In den gebirgigen Teilen Japans liegt der Schnee bis neun Fuß tief. Ein Theater in Wakamatsu und mehrere Häuser in Toyama stürzten durch die Last des Schnees ein. Fast alle Häfen Hokkaidas sind durch Eis geschlossen. Das Gleiche wird von Tongku und Port Arthur gemeldet. Der Peiho ist vollständig fest. Auf einem See in der Nähe Tokios wird eifrig Schlittschuh gelaufen. In Tofio selbst waren bisher nur 8 Grad Celsius Kälte. Tofio liegt aber auf der Höhe Marokkos! Im allgemeinen heißt es, daß ein gleicher Winter in Japan seit 20 Jahren nicht vorgekommen sei. Staatssekretär Graf Posadowsky: Um dies zu verhindern, habe ja eben der Bundesrat ein Verzeichnis der berbotenen Geheimmittel aufgestellt, und zwar unter Zuziehung des Gesundheitsamtes. Abg. Gothein( freis. Ver.) erblickt überhaupt in den Verboten eine unzulässige Bevormundung des Publikums durch den heiligen Bureaukratius". Und Abg. Scheidemann beschwert sich über Wirkung und Handhabung des Fleischschaugesetzes, das nicht gesundheitlichen Zwecken, sondern lediglich dem Zwecke der Preisverteuerung diene. Redner verlangte schließlich Beseitigung des Einfuhrverbots, wie es das Fleischbeschaugese entoalte. Staatssekretär Graf Posadowsky erklärte, er sei bereit, mit den verbündeten Regierungen wegen Herabsetzung der Fleischbeschaugebühren in Verbindung zu treten. Mit einer Reform des Apothekerwesens auf neuer Grundlage sei jezt der Kultusminister beschäftigt. Bezüglich des praktischen Jahres könne eine allgemeine Dispensation nicht eintreten. Präsident des Gesundheitsamtes Dr. Köhler verteidigt schließlich die Organisation des Gesundheitsamtes. Preussifcher Landtag. Haus der Abgeordneten. A Verunglückte Hochtouristen. Auf der Zugspiße wurden zwei seit dem 1. Februar vermißte Touristen gänzlich zerschmettert einige hundert Meter unterhalb der Wiener- Neustädter Hütte hinter der Ludergrube aufgefunden. Die Verunglückten sind zwei Münchener Studenten namens Zimmermann und Meir. Beide waren von Sachverständigen vor der Tour eindringlichst gewarnt worden. Brandkatastrophe in Baltimore. In dem Manufakturwarenviertel Baltimores brach eine mächtige Feuersbrunst aus, die bisher zwanzig Häuserblocks, darunter mehrere öffentliche Gebäude, einäscherte. Menschen sind nicht verunglückt. Der entstandene Schaden wird auf etwa 40 Millionen Dollars geschätzt. Die Feuerwehr vermag wenig gegen den gewaltigen Brand. Man schreitet jetzt dazu, die weiter bedrohten Baulichkeiten mit Dynamit in die Luft zu sprengen, um der Verbreitung des Feuers Einhalt zu tun. Der Brand ist eine der größten Katastrophen, die das Land heimgesucht haben. Straßenkampf in Brüssel. Anläßlich der Rekrutenaushebung kam es zwischen Polizeiagenten und der Volksmenge zu Zusammenstößen. Hierbei wurden fünf Personen durch Säbelhiebe verlegt und ein Arbeiter erschossen. Der Bürgermeister überwies den Hinterbliebenen des Getöteten 200 Franks als Unterstützung. gingen Mischheiraten mit den Plebejern ein und ließen sich in Handelsunternehmungen ein.„ Bushido" konnte sich in einer demokratischen Atmosphäre nicht aufrecht erhalten. Jeder Japaner, ob adelig oder plebejisch, muß jetzt seine Zeit in der Armee dienen. Die Offiziere sind nicht mehr eine geschlossene Klasse und jedem steht die militärische Be förderung offen. Doch es geht in Japan wie in Europa Gin Duell zwischen zwei Knaben fand in dem kroatischen Dorfe Benamarnel statt. Zwei zwölfjährige Jungen duellierten sich mit sogenannten spanischen Messern. Einer blieb tot auf dem Plaze, der andere wurde sehr schwer verwundet. Den Grund zu dem Streit bildete die Eifersucht wegen eines Mädchens. Recht frühreif, diese kroatische Dorfjugend! ( 13. und 14. Sizung.) RK Berlin, 8. Februar. Das Haus sollte sich heute in erster Beratung über die Gesezentwürfe betr. Regelung der Richtergehälter und über die Dienstaufsicht bei den größe ren Amtsgerichten schlüssig machen. Ueber die erste Frage herrscht im allgemeinen, da die Regierung nur einige leine Härten beseitigen will, im allgemeinen Einigkeit. Da gegen fordert der zweite Punkt den heftigsten Widerspruch heraus. Die Nationalliberalen, Freisinnigen und das Zentrum erblicken in der vorgeschlagenen Ernennung von Amtsgerichtsdirektoren einen Angriff auf die Selbständigkeit des Richterstandes. Der Abg Roeren( 3entr.) ruft sogar den Justizminister Schönstedt selbst, der die Vorlage eingehend begründet hat, zum Kronzeugen wider dieselbe auf. Der Justizminister habe im Jahre 1901 im preußischen Herrenhause auf eine Anregung hin geäußert, er sei nicht in der Lage, die Ausdehnung der Dienstaufsicht auf die richterlichen Beamten beim Amtsgericht zu befürworten. Der Justiz minister erklärt seinen damaligen Ausspruch damit, daß er gänzlich unvorbereitet gewesen sei und nicht ohne Not eine Erregung unter den Parteien und Beamten hätte hervorrufen wollen. Schließlich kommt es zu einer ziemlich erregten Debatte, ob der Entwurf der ständigen Justiz- oder einer besonderen Kommission übergeben werden soll. Das Resultat der Abstimmung bleibt zweifelhaft, da tatsächlich refrutieren sich die meisten Offiziere aus einem bestimmten Streise. Im Innersten ihres Wesens sind die Bushido- Traditionen noch lebendig. Japanische Enthu siasten glauben auch, daß diese Prinzipien in einem Kriege mit Rußland noch ihre Kraft beweisen würden.„ Was uns die Schlachten im Chinakriege am Yalu, in Korea und der Mandschurei gewinnen ließ, waren die Geister unserer Väter, unserer friegerischen Vorfahren, die unsere Hand führten und in unseren Herzen lebten. Nehmt von einem Japaner die fortschrittlichen Ideen fort und er wird sich als Samurai erweisen." † Bilses Roman in Meiningen freigegeben. In Meiningen wurde der in Deutschland beschlagnahmte Bilsesche Roman„ Aus einer kleinen Garnison", gedruckt in Wien, auf Beschwerde freigegeben, mit der Begründung, daß nach Urteil des Kriegsgerichtes in Met nur die Braunschweiger Ausgabe in Deutschland zu beschlagnahmen sei. Die Freigabe ruft großes Aufsehen hervor. aus Eng förfterei fehers Abg. über d Gefeßes unveränd hat folg befchließe foule i bauen ftellen. lide 8m Regieru bahnl tal: ftadt, mit der mit ber Bugbad alsbald Preuß. Verleg die Südf beantrag auf Ein bei der allen R * Regieru liche G beranfta legte be mit den Eindruc Leiftung hodgeid mit dem ihren boraufg dem K * Die Samurai begannen ihre Uebungen schon im zartesten Alter; als Kinder noch wurden sie unter völlig Fremde gesandt, um Botschaften auszurichten; sie mußten vor Sonnenaufgang aufstehen und mit bloßen Füßen in der Winterkälte zu ihren Lehrern gehen. Kleine Jungen mußten Hinrichtungen mit ansehen und wurden nachts allein an diese Stätte zurückgeschickt, wo sie ein Zeichen auf dem abgeschlagenen Kopfe zu machen hatten. Sie wurden gelehrt, daß ein Samurai auch den Hunger ertragen müsse. Selbstbeherrschung, Mut, Tapferkeit und Gehorsam waren die Haupttugenden. Jeder Samurai sah es als offenkundige Pflicht an, sich für seinen Herrn zu opfern. Michizane, einer der hervorragendsten Charaktere der japanischen Geschichte, wurde aus der Hauptstadt verbannt, und die Feinde wollten seinen Sohn töten. Dieser war in einer Dorfschule verborgen, die von Genzo, Michizanes Vasallen, gehalten wurde. Grenzo hatte sofort die Idee, einen Stellbertreter für den Geächteten zu schaffen. Ein neuer Schüler vom selben Alter und Aussehen wie der Geächtete wird angegeben und enthauptet; die Täuschung wird nicht entdeckt, und als der Vater des armen Knaben heimkehrt, sagt er: „ Freue dich, mein Weib, unser lieber Sohn hat seinem Herrn einen Dienst erwiesen." Der Samurai wird in Fechten, Schießen, jiujutsu"( Angriff mit der Faust, der den Feind betäubt), Reiten, Speerübungen, Taktik, Schönſchreiben, Ethik, Literatur und Geschichte unterrichtet. Die Unkenntnis des Geldwertes galt für ein Zeichen guter Erzie hung. Der Samurai mußte Beleidigungen vergeben, gleichwohl seine Ehre heilig halten und verteidigen. Das Schwert war die Seele des Samurai, und der Schmied arbeitete daran, als ob er heilige Riten erfüllte. Unter bestimmten Umständen war Selbstmord die strengste Pflicht, und für die Vollziehung desselben wurde ein kunstvolles Zeremoniell festgesetzt. Inf Ige dessen stürzten sich heißblütige Jünglinge aus Gründen, die keineswegs stichhaltig waren, in den Tod, wie Insekten in das Licht". Obgleich Bushido mit seinem seltsamen Gemisch von Spartanertum und Donquichotterie nicht mehr als System anerkannt wird, so ist sein Geist noch lebendig, und dies mag der Grund sein, weshalb das japanische Volk so friegslustig ist und so fest an seinen Erfolg glaubt. Kühner Fluchtversuch eines Deserteurs. Aus einem Personenzuge suchte während der Fahrt zwischen Horka und Niederbielau ein Kanonier des Feld- Artillerie- Regiments Nr. 42 in Schweidnitz, der vor längerer Zeit vom Truppenteil desertiert und jetzt bei Hildesheim gefaßt worden war, zu entspringen. Bizefeldwebel Habicht vom 79. Infanterie- Regiment in Hildesheim, der Transporteur des Deserteurs, der noch bei Zeiten dessen Absicht merkte, packte ihm im letzten Augenblick am Kragen, konnte es jedoch nicht mehr verhindern, daß sie beide aus dem in voller Fahrt befindlichen Zuge stürzten. Ein im Koupee Mitreisender zog sofort die Notbremse, sodaß der Zug bald stand und die beiden mit ziemlich schweren Verlegungen wieder aufgenommen werden konnten. Bushido, Japans Ehrenkodex. Die Augen der ganzen Welt richten sich in diesen Tagen mit gespannter Aufmerksamkeit auf das kleine Inselreich im fernen Osten, das dem mächtigen russischen Zaren den Fehdehandschuh hingeworfen hat. Die Streitkräfte Japans sind, das ist die Ueberzeugung aller europäischen Fachleute, nicht zu unterschätzen und vor allem wird dem Offizierforps von Sachkennern die größte Anerkennung zuteil. Ein englischer Offizier, der kürzlich aus Japan in die Heimat zurückkehrte, schildert die Offiziere als vorzügliche kleine Burschen, immer bei der Sache, immer begierig, etwas hinzuzulernen". Das einzig Bedenkliche an ihnen war nach dem Urteil des Engländers, daß sie, wenn sie dachten, daß man nicht darauf achtet, Dinge aufschnappten", die man ihnen nicht gezeigt hatte, und versuchten, das Geheimnis herauszubringen. Wenn die japanischen Offiziere dieses Urteil gehört hätten, hätten sie alles daran gesetzt, eine solche zweifelhafte Meinung von sich abzuwälzen, denn in den Traditionen des japanischen Wehrstandes gilt die Ehre mehr als das Leben. Bushido", ihr Ehrenkoder, war die Religion der Samurai, der Angehörigen der alten Kriegerkaste, die zwischen dem Adel und dem Plebejer stand. Wörtlich übersetzt bedeutet ,, Samurai"" Pfade des kämpfenden Ritters", die Wege, die der Streiter sowohl in seinem täglichen Leben wie in seinem Beruf zu wandeln hat. Mit dem Untergang des feudalen Systems im Jahre 1870 und nach dem Edikt, das das Tragen von Schwertern verbot, hörte die Samuraiklasse als getrennte Kaste auf zu eriſtieren. Die Samurai Kunft und Wissenschaft. NT. Zwei Dichterjubiläen. In Frankfurt a. M. feierte gestern Dr. Wilhelm Jordan, der Dichter der„ Nibelungen", im engsten Freundeskreise seinen 85. Geburtstag. Er empfing zahlreiche Telegramme und Geschenke, u. a. eine Adresse aus Tilsit, wo er das Gymnasium besucht hat.- Mit ihm zugleich beging Felix Dahn, der Autor des allen Deutschen bekannten Romans„ Ein Kampf um Rom", seinen 70. Geburtstag. Auch ihm gingen von allen Seiten Glückwünsche zu. OF. Als ein großer Sieg der Aerztinnen ist das Resultat der Wiener Aerztekammerwahlen zu bezeichnen: die praktische Aerztin Dr. Gabriele Freiin v. Possanner wurde mit großer Stimmenmehrheit als stellvertretendes Mitglied in diese Vertretung der Wiener Aerzteschaft gewählt. Es ist dies eine Tatsache, die in den Bestrebungen der Frauen, sich neben dem Manne gleichberechtigt in die verschiedenen Berufe zu stellen, als ein Grenzstein betrachtet werden tann. Die Wahl der Frau Dr. v. Possanner fann gesetzlich nicht angefochten werden. In dem Kammergeseze heißt es:„ Nur diejenigen Aerzte besigen das aktive und passive Kammerwahl. recht, die auch das Gemeindewahlrecht besitzen. Dieses Wahlrecht erfordert aber die österreichische Staatsbürgerschaft und das männliche Geschlecht." Nach diesem Gesetze also besäße Frau Dr. v. Possanner kein Wahlrecht. Tatsäch lich erklärte auch der Magistrat anläßlich einer Kammerwahl den Stimmzettel der Frau Doktor für ungiltig, allein sie provozierte in dieser Frage im Jahre 1900 eine verwaltungsgerichtliche Entscheidung, die das Wahlrecht auch den Aerztinnen einräumte, sofern sie die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen. Frau Dr. v. Possanner, die sich die Gynäkologie zum Spezialstudium erwählt hat, ist derzeit Aspirantin an der chirurgischen Abteilung des Stephanieſpitals. Ob sie im Falle einer Vakanz auch zum Hilfsarzt ernannt vird, iſt noch unentschieden. Der Landwirt. rb Der deutsche Landwirtschaftsrat wird zu seiner 32. Plenarversammlung am 9. Februar d. J. in Berlin zusammentreten. Auf der reichhaltigen Tagesordnung stehen unter anderem folgende Gegenstände: Die Leistungsfähigkeit der deutschen Viehzucht; Bau von Landarbeiterwohnungen mit Darlehen der Landesversicherungsanstalten; der wirtschaftliche Zusammenschluß der mitteleuropäischen Staaten und die Reform unserer bisherigen Meistbegünstigungsberträge; die landwirtschaftliche Bevölkerung des Deutschen Reiches um die Wende des 19. Jahrhunderts; die Bedeutung der ländlichen Bevölkerung für die Wehrkraft des Deutschen Reiches nach den von dem Herrn Reichskanzler angeordneten Erhebungen; die Vererbungsweise des bäuerlichen Besites in den früheren Gebieten des französischen Rechts mit Rücksicht auf die Erhaltung des Bauernstandes; die Fideikommißgefeßgebung in den deutschen Bundesstaaten. Bericht der Kommission für den Gesetzentwurf über den Versicherungsvertrag; Haftbarkeit der Tierhalter nach§ 833 des Bürgerlichen Gesetzbuches; der heutige Stand der Kartell- und Syndikatsfrage; die Kartoffeltrocknerei und die Korntrockenapparate in betriebs- und volkswirtschaftlicher Hinsicht; Verbot des Verkaufes von Vieh-, Milch, Mast-, Kraft, Freßpulvern und ähnlichen Geheimmitteln durch Hausierer, Kaufleute und Krämer. Abend dazu i Mitgli Rapper einen 2 die Her Fruchtla eines Fr anftaltete tal, in d Teftame mit Int reichen ** Meiste am 8.8 und Ma im holz ein Buch Februar ten, fofer zeitig an auch zu für Satt Gefellen ftelle für reichte trag ein Röbler Groß zur B norma zeitig Die perfon irrige beteilig bereits am 26. Herr F Beranla genierte als Boll Schwarz er auf S ausführ rigorofer Krone a beteiligt wartet ohne 2 tund ließen si fonnte fich in ufrecht erhalten mub jest feine find nicht mehr militärische Be wie in Europa fiziere aus einem Wesens sind die panische Enthu in einem Striege Den. Was uns Korea und der Beister unserer unsere Hand hmt von einem - und er wird schon im zar r böllig Fremde mußten vor Füßen in der ne Jungen muß en nachts allein Zeichen auf dem Sie wurden ge ertragen müsse. Gehorsam waren es als offenfun opfern. Michi der japanischen nnt, und die - war in einer Banes Vasallen, ee, einen Stellneuer Schüler ichtete wird an d nicht entdeckt, mfehrt, jagt er: Sohn hat seinem ai wird in Fech Faust, der den ftit, Schönschrei ichtet. Die Un hen guter Erzie ingen bergeben, erteidigen. Das nd der Schmied erfüllte. Unter Strengste Pflicht, ein kunstvolles ürzten fich heißswegs stichhaltig Licht". Obgleich Spartanertum anerkannt wird, mag der Grund gslustig ist und aft. ta. M. feierte hter der„ Nibe35. Geburtstag. genfe, u. a. eine ucht hat.- Mit Autor des allen um Rom", seinen en Seiten Glüdist das Resultat Echnen: die prafnner wurde mit des Mitglied in ewählt. Es ist en der Frauen, Die verschiedenen et werden ann. eseglich nicht anheißt es:„ Nur e Kammerwahl Desigen. Dieses e Staatsbürger diesem Gesetze Irecht. Tatsäch er Kammerwahl giltig, allein sie ne verwaltungs uch den Aerztin e Staatsbürger sich die Gynäko derzeit Aspiran Stephanieſpitals. Silfsarzt ernanni dzu feiner 32. in Berlin zu Sordnung stehen Leistungsfähig arbeiterwohnun Sanstalten; der copäischen Staaftbegünstigungsg des Deutschen erts; die Bedeu Wehrkraft des rn Reichskanzler sweise des bäuer des französischen & Bauernstandes; en Bundesstaaten. urf über den Veralter nach§ 833 Stand der Karrodnerei und die It'swirtschaftlicher Milch, Mast immitteln durch Lokales. 9. Februar 1904. ** Der Großherzog ist gestern nachmittag 4 Uhr aus England wieder in Darmstadt eingetroffen. Erledigt ist die Forstwartei Seilbach( Oberförsterei Trais a. d. L.) und die Stelle eines Steueraufsehers zu Assenheim( Wetterau). * * Zweite Kammer der Stände. Der vom Abg. Korell erstattete Bericht des zweiten Ausschusses über die Regierungsvorlage, betreffend Entwurf eines Gesetzes, das Beerdigungswesen betreffend, empfiehlt unveränderte Annahme des Gesetzes. Abg. Reh hat folgenden Antrag eingebracht: Hohe Kammer wolle beschließen, Großherzogliche Regierung zu ersuchen, die Realschule in Alsfeld zu einer Oberrealschule aus zubauen und die erforderlichen Mittel in das Budget einzustellen. Ein Antrag des Abg. Köhler lautet: die verehr liche Zweite Kammer wolle beschließen, die Großherzogliche Regierung zu ersuchen: a) wegen drbauung einer Neben. bahnlinie, ausgehend von einem Punkte der Wettertal- Bahn( vielleicht von Ober- Hörgern aus), über Eberstadt, Holzheim und Grüningen nach Garbenteich. 1. mit den beteiligten Gemeinden und Gemarkungsinhabern, 2. mit der am Bau und Betrieb der Wettertal- Bahn( Strecke Buzbach- Lich) beteiligten Eisenbahn- Bau- Betriebsgesellschaft alsbald in Verhandlungen einzutreten; b) in der HessischPreuß. Eisenbahn- Gemeinschaftsverwaltung 1. auf alsbaldige Verlegung des Haltepunktes Garbentei die Südseite dieses Ortes, geeignet zur Einmündung der hier beantragten Nebenbahn, 2. damit Hand in Hand gehend auf Einrichtung einer Güterverladestelle für Wagensendungen bei der Haltestelle Garbenteich(-Steinbach) alsbald und mit allen Kräften hinzuwirken. an * Der Zweiten Kammer der Stände ist eine Regierungsvoriage, betreffend den Gesezentwurf, die staatliche Schlachtviehversicherung, zugegangen. ** Konzert- Verein ießen. Das am Sonntag veranstaltete Konzert war ein Beethovenab nd und das legte der Saison 1903/04. Musikdirektor Trautmann hat mit dem Konzert wieder einmal gezeigt, wie ein Konzert Eindruck auf die Zuhörer macht, tadellos waren die Leistungen des Orchesters. Die in Gießen schon befannte, hochgeschätzte Violinvirtuosin Frl. Mina Rode führte sich mit dem Biolinkonzert op. 61 sehr gut ein und erntete mit ihren Darbietungen rauschenden Beifall. Wie die vier boraufgegangenen, war auch das letzte Konzert der Saison dem Konzert- Verein würd g. * * Der Kriegerverein Gießen hält heute Abend seine Hauptversammlung ab. Die Tagesordnung dazu ist sehr wichtig, darum ein zahlreiches Erscheinen der Mitglieder auch nur erwünscht. * * Vortrag. Am Sonntag wird im Gasthaus zum Rappen in Grünberg Herr Defonomierat Leithiger- Alsfeld einen Vortrag über Futterbau halten; anschließend werden die Herren Emmel und Moll über die besichtigten badischen Fruchtlagerhäuser sprechen. Alsdann soll über die Errichtung eines Fruchtlagerhauses in Grünberg beraten werden. reichen Beifall. ** * ** Der Evang. Arbeiterverein Gießen veranstaltete gestern Abend einen Vortragsabend im Vereinslotal, in dem Herr Landgerichtsrat Schmackenbecher über die Testamentserrichtung sprach. Die Anwesenden verfolgten mit Interesse die Ausführungen des Redners und ſpendeten Die in Darmstadt stattfindenden, dreiwöchigen Meister kurse für Schuhmacher und Schneider nahmen am 8. Februar ihren Anfang, ein weiterer Kursus im Holzund Marmormalen beginnt am 22. Februar und ein solcher im Holzfärben und Geizen am 2. März; fernerhin wird ein Buchhaltungskursus gleichfalls in Darmstadt vom 29. Februar bis 4. März, von 7 bis 10 Uhr abends, abgehalten, sofern eine ausreichende Teilnehmerzahl sich hierzu rechtzeitig anmeldet. Die Anmeldungen zu diesen Kursen, ebenso auch zu dem in Groß- Feld a stattfindenden Meisterkursus für Sattler, zu welchen außer Handwerksmeistern auch ältere Gesellen zugelassen werden, sind baldigst an Großh. Zentralstelle für die Gewerbe zu richten, * Eisenbahn Grünberg- Lich. In voriger Woche reichte der Abg. Jouß in der Zweiten Kammer einen Antrag ein, in dem er im Anschluß an den Antrag der Abgg. Köhler und Hirschel, die Kammer ersucht zu beschließen, die Großh. Regierung möge dem Landtage eine Vorlage machen, zur Bewilligung eines Staatszuschusses zur Erbauung einer normalspurigen Eisenbahn von Grünberg nach Lich. Gleich zeitig legte der Abg. Jouß die generellen Vorarbeiten vor. Die Pläne un Zeichnungen sind tadellos ausgeführt auf persönliche Veranlassung des Herrn Jouß, denn eine auf irrige Vorauss gungen am 19. Oftober 1903 von den beteiligten Gemeinde- Vertretern erteilte Vollmacht wurde bereits, che noch Herr Jouz jedwede Vorarbeiten begonnen, am 26. Oftober 1903, also 8 Tage später, zurückgezogen. Herr Jout hatte also in Auftrag der Gemeinden feine Veranlassung mehr, Vorarbeiten ausführen zu lassen. Das genierte aber den Herrn Abgeordneten, von dem man doch als Volksvertreter die größte Wahrheitsliebe erwarten muß, nicht, schwarz auf weiß in der Zweiten Kammer zu erklären, daß er auf Kosten er Gemeinden die generellen Vorarbeiten habe ausführen lassen. Jetzt nun, um gewissermaßen seinem rigorosen, um nicht zu sagen unverschämten, Vorgehen die Krone aufzuseßen, reicht der Landtagsabgeordnete Jouß den beteiligten Gemeinden seine Kostenrechnungen ein und erwartet von den Gemeinden, daß sie ihm seine persönlich, ohne Auftraa, aemachten Vorarbeiten bezahlt. Das arenat doch ans! Die Vertreter der beteiligten Gemeinden haben auf den Antrag und die Angaben des Abg. Jout die nachstehende Eingabe an die Ständefammer eingereicht: Titl. Zweite Kammer der Landstände für das Großherzogtum Hessen in Darmstadt. Der Landtagsabgeordnete Herr Jouh veröffentlicht in verschiedenen Zeitungen einen von ihm bei hoher Kammer eingereichten Antrag zweds Herbeiführung der Bewilligung eines Staatszuschusses zu den Kosten für die Erbauung einer normalsvurigen Eisenbahn von Lich nach Grünberg und sagt in demselben unter anderem wörtlich:" Heute hat sich meine Annahme bestätigt, indem ich die generellen Vorarbeiten auf Kosten der Gemeinden anfertigen lassen konnte usw. usw." So sehr wir das, was in der Begründung von der Notwendigkeit und der Rentabilität im Allgemeinen gesagt ist, anerfenuen, so müssen wir doch im Interesse der Wahrheit gegen di Behauptung protestieren, daß er in dieser Sache in unserm Auftrag handelt. Die dem Herrn Jouz von uns unter irriger Voroussetzung am 19. Oktober 1903 gegebene Vollmacht ist bereits am 26. Oftober 1903 ordnungsgemäß mittels Einschreibebrief von uns zurüdgezogen worden, sodaß Herr Jouß nicht berechtigt ist, in unserm Namen und Auftrag zu handeln. Eine Folge hiervon ist auch, daß Herr Jouz das generelle Projekt ohne genaue Kenntnis der lokalen Wünsche und der Rentabilitätsberechnung, ohne die von uns allein zuverlässig zu erhaltenden Unterlagen hat aufstellen lassen. In diesem Auftrag zu handeln ist allein der Vorsitzende unferes Eisenbahn- Komitees, Herr Louis Moll in Grünberg, berechtigt, der auch demnächst eine entsprechende Vorlage bei hoher Kammer einreichen wird. Zum Schlusse verweisen wir auf die in dieser Sache bei Großh. Kreisamt erwachsenen Akten, aus welchem hervorgeht, wie wir mit dein Herrn Landtagsabgeordneten und Direktor der Eisenbahn- Aktiengesellschaft Butz bach- Lich Jouz zu Buzbach in besagter Angelegenheit stehen. Grünberg, den 5. Februar 1904. Zimmer, Großh. Bürgermeister zu Grünberg. Schmidt, Großh. Bürgermeister zu Queckborn. Keil, Großh. Bürgermeister zu Ettingshausen Gontrom. Großh. Bürgermeister zu Münster. Kühn, Großh. Bürgermeister zu Ober- Bessingen. Horst, Großh. Bürgermeister zu Nieder- Bessingen. Heller, Großh. Bürgermeister zu Lich. Unzweideutig genug tritt dem Abg. Jouß mit dieser Eingabe vor Augen was er längst gewußt und was in mehreren Sizungen des Eisenbahn- Komitees u. a., unter dem Vorsiz des Kreisamtmann Dr. Kranzbühler, unverblühmt ausgesprochen wurde, nämlich, daß man mit dem Abg. Jouß nichts zu tun haben will. Die Vorarbeiten zu dem Bahnprojekt wurden s. Zt. dem Vorsitzenden des Eisenbahnfomitees Herrn Moll- Grünberg übertragen, der dann mit dem Geometer Pfeffer von der Firma Lenz& Comp. die Vermessungen usw. ausgeführt. Diese im Auftrag der beteiligten Gemeinden ausgeführten Vorarbeiten werden demnächst vorgelegt werden. ** Bürgermeister Konferenz. Im Rechneisaal in Frankfurt a. M. fand gestern die 2. Generalversammlung des Landesverbandes hessischer Landbürgermeister statt. Die ca. 150 anwesende Bürgermeister erklärten sich mit der Wiederaufnahme der früheren Bestrebungen eiverstanden. Zum 1. Vorsißenden des Verbandes wurde einstimmig Bürgermeister Megger- Langen gewählt, der dann auch den Vorsitz der Versammlung übernahm. Zu Vizepräsidenten wurden die Bürgermeister Geislinger- Baualgesheim und Jochem- Laubach gewählt, sodaß alle 3 Provinzen im Präsidium des Verbandes bertreten sind, Schäfer- Dortelweil wurde zum Rechner des Verbandes, Singer- Seligenstadt zum 1. Sodann und Pors- Walldorf zum 2. Schriftführer gewählt. wurde aus 3 Herrem eine Petitionsfommission gebildet, wobei auf den Vorschlag von Köhler- Langsdorf von der Entsendung eines Landtagsabgeordneter in diese Kommission Abstand genommen wurde. Sie besteht aus den Herren: Höhn- Heppenheim, Sieben- Bornheim und Schuchard- BrauerZunächst wird der Verband sein Augenmerk schwend. darauf richten, daß überall Kreisvereine gegründet werden. Der Beitrag wurde auf 1 Mk pro Jahr festgesetzt. Unter der Rubrik:„ Anträge aus der Versammlung" beschäftigte man sich hauptsächlich mit den Aufgaben der Petitionskommission, die u. A. dahin wirken soll, daß die hohen Vermessungsgebühren- 17 bis 20 mt. pro Tag ermäßigt werden. Dann aber vor Allem 3 Dinge, gegen die sie vorgehen soll: die Grundbücher, die Notariate nnd die Stempelgebühren. Im Vordertreffen stand der redegewaltige Langsdorfer. Er wünscht, daß radikal borgegangen" werde. Als wünschenswert wurde bezeichnet, daß den Bürgermeistern Arbeiten, die nur im Staatsinteresse geschehen, vergütet werden, z. B. Zum die Hilfsarbeiten für die Staatsanwaltschaft. Schluß wurde folgende von Köhler- Langsdorf im Namen des Kreisvereins Gießen eingebrachte Resolution einstimmig angenommen: Die am 8. Februar 1904 in Frankfurt a. M. tagende Bürgermeister Bersammlung des Großherzogtums Hessen erachtet die neue Gesetzgebung, betr. das Notariats- Grundbuch und Stempelsteuerwesen als besonders schädigend für und fordert Kellerräume 12 000 Mt. Busammen 16 300 Mt., welche bewilligt wurden. Für Erbauung veterinärmedizinischer Institute werden als legte Rate 258 000 Mt. gefordert, die mit den Kosten der inneren Einrichtung, 66 400 mt, zusammen mit 324 000 Mt. bewilligt werden.- Die vom Ausschuß beantragte Ermächtigung, aus den Ersparnissen vom Neubau der Universitätsbibliothek 36050 Mt. zu entnehmen zu den Kosten der inneren Einrichtung des Universitätsarchivs und zum Umzug in das neue Gebäude wird erteilt. + Leihgestern, 8. Febr. Der neue Turnverein wird nächsten Dienstag einen Familienabend in seinem Vereinslokal abhalten. Die Vorkehrungen dazu lassen auf gutes Gelingen schließen. § Leihgestern, 8. Febr. Am letzten Samstag feierte unser Kriegerverein beim Wirt Arnold Kaisersgeburtstag. Die Feier trug bei allem patrioischem Anstrich einen recht familiären und gemütlichen Charakter. Lehrer Buß hielt die Ansprache, feierte unsren obersten Kriegsherrn als einen Mann mit edelster Gesinnung und brachte ein Hoch auf denselben aus. Es folgten dann Vorträge und die Vorstellung lebender Bilder. Die Anwesenden waren von all den Aufführungen sehr befriedigt und zeigte der Abend, daß die Vaterlandsliebe in unserem Ort noch wach iſt. ** Wallenrod, 7. Febr. Eine größere Anzahl hiesiger und Hergersdorfer Landwirte haben sich zu einer Molkereigenossenschaft vereinigt um eine Molkerei zu errichten. Die neu zu errichtende Molkerei kommt in die nächste Nähe des Bahnhofes und soll mit dem 1. Januar 1905 ihren Betrieb beginnen. Die bisherigen Mitglieder des Lauterbacher Pferdeversicherungsvereins haben einen eigenen Verein gegründet, dem alle Pferdebesizer beigetreten sind. -- Utphe, 8. Febr. Wie im vorigen Jahr so wurde auch dieses Jahr der Stiftungstag unseres Gesang- Vereins entsprechend gefeiert. Die Feier verlief in recht schöner Weise. Besonders die humoristischen Gesangsstücke ernteten lebhaften Beifall, so z. B. wurden die Vorträge„ Der frante Peter"," Die Drillinge"," Die Reichstagswahl" und„ Die noblen Löwenstein's" zur vollsten Zufriedenheit der Zuhörer aufgeführt. Ist dies doch ein sicherer Beweis, daß man hier zu Lande in örtlichen Verhältnissen sich auch recht schöne Stunden im Kreise der Vereinsmitglieder bereiten kann. Dem Derigenten Herrn Lehrer Keller sei für das Gelingen des Festes besonders gedankt. Ein gemütliches Tänzchen hielt alle bis gegen Morgen in bester Laune beisammen. Wünschen wir deshalb unserm Vereine weiteres Blühen und Gedeihen. XTrais- Horloff, 8. Febr. Bei der vorjährigen Aufnahme der schulpflichtigen Kinder war es unserm zweiten Lehrer Herrn Zimmermann faum möglich, die A- B- C- Schüßen im Schulsaale unterzubringen. Da nun in diesem Jahre eine größere Anzahl Kinder aufgenommen werden muß, so wird der kleine Schulsaal nicht mehr ausreichen. Es wird nun bald an die Errichtung eines neuen Schulhauses gedacht werden müssen. ** Vom Odenwald, 7. Febr. Am 21. Februar findet auf Schloß König i. D. die Taufe des am 4. Januar geborenen Sohnes des Erbprinzen v. Erbach- Schönberg statt. Zu der Feier treffen der König und die Königin von Württemberg, die Königin Wilhelmine der Niederlande und der Prinzgemahl Heinrich, sowie der Großherzog von Hessen in König ein. hier ausgebrochenen Typhusfalles werden von Seiten der × Griesheim b. Darmstadt, 8. Febr. Infolge eines Behörden große Vorsichtsmaßregeln getroffen. Von militärischer Seite darf Griesheim niemand besuchen. Neueste Nachrichten. *** Berlin, 9. Febr.( Zeleg.) Der erste Angriff der Javaner auf die russische Flotte ist in dieser Nacht erfolgt. Der Angriff der Japaner hat 2 russische Panzer und 1 Kreuzer beschädigt. Marktberichte. Gießen. 9. Februar. Auf dem heutigen Wochenmarkt tofteten Butter per Pfd. 090-1.00 Mt., Hühnereier 2 Stüd 14-16 Pfg., Enteneter St. 8 Pfg., Käse per St. 6-8 Pfg.. Käsematte 2 St. 5-6 Pfg., Erbsen per Liter 21 Bfg., Zinsen per Liter 32 Bfg., Tauben per Paar Wt. 0.80-1.00, Hühner per Stüd Mt. 1.30-1.40, Hahnen, per Stüd C.80-1.70, Enten per Stüd 1.70-2.20, Gänse per Pfd. 65-70 Pfg., Ochsenfleisch per Pfd. 68-78 3fg., Rindfleisch per Pfd. 62-66 Pfg. Schweinefleisch per Pfd. 66-76 Pfg. Schweinefleisch gesalzen per Pfund 0.80 Bfg., Kalbfleisch per Bfb. 70-76 Bfg., Hammelfleisch per Pfd. 56-74 Pfg., Kartoffeln pro 100 Kilo 5.50 6.00 mt., Zwiebeln per 3t. Mt. 4.50-5.00, Alepfel per Gentner 20-25 Mr. Milch per Liter 18 Pfa. Dauer der Marktjeit von 8 Uhr morgens bis 2 Uhr Nachmittags. Gegenstände des Wochenmarktverkehrs dürfen vor Beginn der Marktzeit übeerhanp nicht, und während der ersten drei Stunden der Marktzeit im Umherziehen feilgeboten werden. Märkte der Stadt herzogliche Regierung auf, in eine Revision Dieſer Gejez 24. März Bieb- unb tart Brünberg im Sabre 1994; gebung unverzüglich einzutreten". Die Resolution wurde einstimmig angenommen. ** Aus dem hess. Etat. Für den Neubau einer chirurgischen und einer ophthalmologischen Klinik waren im Etat 1901/02 305 000 mt. für den Ankanf des Geländes vorgesehen; durch die Enteignung des Geländes und höhere Preise werden die Kosten des Geländes sich auf 345 800 Mt. belaufen. Um eine Nachforderung zu vermeiden, soll diese Mehrausgabe aus den Ersparnissen der auf 1 573 000 Mt. veranschlagten Bausumme gedeckt werden. Zum Ankauf von Gelände für die psychiatrische Klinit werden 4300 Mt. gefordert und für Erbauung anderweitiger 2 Celler Suppe für 10 Pfg. giebt ein Würfel von MAGGI'S martt, 5. Mai Vich- und Krämermarkt, 24. Mai Krämermarkt, 23. Juni Vieh- und Krämermarkt, 27. Juli Viehund Krämermarkt, 25. August Vieh- und Krämermarkt, 19. und 20. Oktober Gallusmarkt( Vich- und Krämermarkt), 17. November Vieh- und Krämermarkt, verbunden mit Schaf markt, 31. Dezember Krämermarkt. Verantwortlich: für den politischen und Inseratenteil: Albin Klein für das Lotale, den„ Gerichts-" und" Deffentlichen Sprechsaal": Fr. Oppermann Die Zie hung 5. Klasse der 3. Hessisch- Thüringischen Staatslotterie findet bereits am 15. dieses Monats statt. Es wird hiermit an die sofortige Los- Erneuerung zu dieser Klasse erinnert.| Suppen mit der Schutzmarke Die vollkommensten ihrer Art; in kürzester Zeit nur mit Wasser- herstellbar. und weise andere Marken zurück. Man verlange ausdrücklich„ Maggi's Suppen" mit der Schuhmarke KREUZ STERE KREUZ + STERN Gewerbebank zu Gießen eingetragene Genossenschaft mit unbeschr. Haftpflicht. Die verehrl. Mitglieder unserer Bank werden zu der Montag, den 15. Februar cr., 8 stattfindenden Uhr abends, im oberen Lokale des Restaurant Feidel 45. ordentlichen Generalversammlung ergebenst einzuladen. Tagesordnung: 1. Erstattung des Geschäftsberichtes pro 1903. 2. Ersazwahl statutengemäß ausscheidender Mitglieder des Aufsichtsrates. 3. Beschlußfassung über die Genehmigung der Jahresrechnung und Bilanz und die dem Vorstande und Aufsichtsrate zu erteilende Entlastung. 4. Verteilung des Reingewinnes. Gießen, am 6. Februar 1904. ( 3275) Gewerbebank zu Gießen eingetr. Genossensch. m. unbeschr Haftpfl. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates: 2. Petri II. Kinematographische Vorführungen P des Deutschen Flotten- VereinsKreisgruppe Giessen ( Vorführung neuester lebender Photographien aus dem Bereich der Kriegs- und Handelsflotte, Kriegsschiffe in boller Fahrt, auf hoher See und im Gefecht, Dienst an Bord u. A. m.- Aufnahmen an Bord des Flaggschiffs Sr. Königl. Hoheit des Prinzen Heinrich von Preußen.) Richard Buchacker. Gg. Carl Volk. Ziehung schon 5. März 1904. d.Gross. Geld- Lotterie d. Bad. Landesv. v. Roten Kreuz Los nur 1 Mk. Prt.u L.25Pfg. Il Lose 10 M. Auszahlbar bar ohne Abzug 3388 Geldgew. 44 000 bar zus. M. Hauptgew. M. 15 000 1 Gewinn Mk. 15000 1 Gewinn Mk. 5000 2 à 1000=" 2000 4 à 500-, 2000 30 à 100=" 1 3000 2800 350 Gew. zus. 7000 10000 Lose J.Stürmer M erhältlich b. " Gen.- Debit, Strassburg i. E. W. Semmler. Ph. Weiler. Geweckter Junge oder alleinstehende Frau zum Austragen von Zeitungen gesucht. Seltersweg 83. Gießen. Räumungs- Ansverkauf. verkaufe sämtliche Schuhwaren aus hochfeinen Boxcalf- und sonstigen Ledern, sowie Bekanntmachung. Die noch nicht ausgelosten Stücke des 4proz. Anlehens der Stadt Gießen vom Jahre 1899 werden hiermit zur Rückzahlung auf den 15. Mai ds. Js. gefündigt. Den Besitzern solcher Stücke wird jedoch freigestellt, deren 3insfuß auf 3 Proz. herabseßen zu lassen; auf derart umgewandelte Stücke zahlt die Stadt Gießen eine einmalige Vergütung von 1 Proz. Die umzuwandelnden Stücke sind im Lauf des Monats März mit den nach dem 15. Mai fällig werdenden Zinsscheinen nebst Erneuerungsschein unter Beifügung eines doppelten Nummerberzeichnisses bei einer der nachbenannten Einlösungsstellen vorzulegen. Das eine Nummerverzeichnis wird Die mit Empfangsbescheinigung sofort zurückgegeben. abgestempelten Stücke mit neuen Zinsscheinbogen, und der Herauszahlung mit 1 Proz. können in der Zeit vom 1. bis 14. Mai bei der Hinterlegungsstelle gegen Rückgabe der Empfangsbescheinigung entgegen genommen werden. Die Verzinsung der nicht umgewandelten Stücke hört mit dem 14. Mai ds. Js. auf. Die Umwandlung und die Einlösung der nicht umgewandelten Stücke erfolgt: bei der Stadtkasse Gießen, bei dem Bankhause Aron Heichelheim in Gießen. bei dem Bankhause Gebr. Neustadt in Frankfurt a. M. Gießen, den 8. Februar 1904. Großherzogliche Bürgermeisteret Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Im Interesse möglichst frühzeitiger Inangriffnahme Wegen Umzug von Wolkengasse 20 nach Schlokgaffe 5 der Arbeiten zum weiteren Ausbau der Fernsprechanlagen ist es erforderlich, daß die Anmeldungen neuer Fernsprechanschlüsse spätestens bis zum 1. März an die Kaiserlichen Telegraphenanstalten eingereicht werden. Ve spätet angemeldete und infolgedessen außerhalb des Bauplans mit einem Mehraufwand( z. B. durch besondere Entsendung einer Baufolonne 2c) herzustellende Anschlüsse können in dem nächsten Bauabschnitt nur dann ausgeführt werden, wenn die Antragsteller zu den entstehenden Mehrkosten einen Zuschuß von 15 Mark leisten. Uebersteigen jedoch diese Mehrkosten den Betrag von 50 Mt., so wird Ler wirklich aufgewendete Kostenbetrag eingezogen. prima Harburger Gummischuhe 15% Rabatt. Johannes Hecker, gegen bar Schnellbesohlanstalt. in der grossen Aula der Universität Wolfenaaffe 20. Ludwigstraße Donnerstag, den 11., Freitag, den 12., Samstag, den 13. Februar, je abends 8 Uhr, Sonntag, den 14., nachmittags 3½ und 6/2 Uhr. Preis 50 Pfg. Kassenöffnung 1 Stunde vor Beginn. Vorverkauf jeweils bis abends 6 Uhr, Sonntags bis 2 1hr, bei den Herren Cigarrenhändler AubelSeltersweg, Sonntag: Schulstraße, Heil Nachfl.Lindenplay, Friseur Koch- Bahnhofstraße, Musikalienhändler Challier Neuenweg. Die Karten haben Giltigkeit nur für die Aufführung, für die sie ausgestellt sind. Contentia ( Wohltätigkeits- Verein Gießen.) Samstag, den 13. Februar ds. Js. findet in Lonys Bierkeller( Schanzenstraße) die statutgemäße statt. Generalversammlung Tagesordnung: 1. Jahresabrechnung. 2. Gesamtvorstandswahl. 3. Verschiedenes. Anfang punkt 9,30 Uhr Abends. - Gießen. Schloßgasse Underberg Boonekamp Mang- Bifen H.Undenke Alurecht. Boonekamp emper idem, Underberg Fabrikation alleiniges Geheimniss der Firma: H.UNDERBERG- ALBRECHT Hoflieferant Selner Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm D. 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Februar um dieselbe Zeit, sind die am 13. Februar geimpften zu der gesetzlichen Nachschau wieder vorzustellen. In beiden Terminen können ferner Kinder, welche wegen Krankheit bis zum Sommer von der Impfung zurückgestellt werden wollen, dem Impfarzte zur Untersuchung vorgezeigt oder diesbezügliche ärztliche Atteste abgegeben werden. Die am Gr. Kreisgesundheitsamte abgegebenen Impfscheine müssen dort wieder abgeholt werden. Gießen, am 6. Februar 1904. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Curschmann.. Holz- Verkauf der Kgl. Oberförsterei Krosdorf. Donnerstag, den 18. Februar 1904, vorm. 10 Uhr fommen in der Freund'schen Wirtschaft in KrofDorf zum Verkauf: Schuh b. Krofdorf, Distrikt 8a( kloswald): Eiche: 4 Rm. Knüppel, 700 Rm. Reiser; Kiefer: 8 Rm. Schichtnußholz, 3 Rm. Knüppel, 221 Rm. Reiser. Distrikt 21b, 22c d, 24c( ühbett), Eiche: 7 Rm. Schichtnußholz, 5 Rm Snüppel, 1367 Rm. Reiser; Buche: 7 Rm. Scheite und Knüppel, 145 Rm. Reiser; WeichBuche: 21 Rm. Scheite, 43 Nm. Reiser. mitielbranche, gegen Provision u. Robert Stuhlolz: 25 Rm. Reifer. Diſtrikt 15, 16( Kreuzschläge): Reisespesen, Einfom en annähernd jährlich 500-1000 Mr. Guter Nebenberdienst für pensionierte Gieken, Neustadt 23. Beamte und Musiker. Bewerber, Schutz b. Waldhaus, Distrift 37( Bäuerstädt): Eiche: 8 Rm. Reiser; Hainb.; 3 Rm. Schichtnuth.; welche Radfahrer fein müssen, Städt. Wohnungsnach- Buche: 60 Rm. Felgenholz 1,25 mtr. lang, 1407 m. wollen Off. mit Ausg. von Ref. unter H. K. 2010 an Rudolf Moffe, Hamburg, einsenden Mittlerer Stod, Bleichstraße 11, 5 Zimmer mi allem Zubehör, Gartenanteil. sowie Trockenboden, zu vermieten. Näh Mieken, Neuenwea 28. Schön mö l. Zimmer mit oder ohne Bension zu verm. Gieken, Bismarckitrake 17. Möbliertes Zimmer eine kleine Familien Wohnung zu vermieten und Neuenwea. 31. Möbl. Zimmer m. sep. Eing. an 1 ev. 2 Herren zu vermieten. Weidengasse 1, 3. St. I. weis Gießen. Gartenstraße 2, Zimmer Nr. 14. Geschäftsstunden von 8-1 und bon 3-6 Uhr Scheite und Knüppel, 2 Rm. Stockholz, 1329 Rm. Reiser. Wirtschaftsvergebung. Der Wirtschaftsbetrieb bei dem am 9., 10., Es sind zu vermiet.: 48 Wohnung 11. Juli d. Is. zu Grünberg stattfindenden von 1 bis 9 3im, 3 möbl. 3im. und O unmöbl. 3 mmer, Zimmer zur Sängerfeste des 25. Bundesfestes 0 Aufbewahrung von Mobiliar. Zu mieten gesucht: 43 Wohnungen von 1 bis 7 Zimmern. Die Vermieter haben eine Eindes Lahntal- Sängerbundes soll an unternehmungswillige Interessenten vergeben schreibgebühr zu entrichten und werden. Lufttragende Wirte wollen diesbezügliche schriftzwar für eine Wohnung mit einem liche Offerten unter Angabe der Stoff Sorte und Qualität jährlichen Mietwert bis 300 mt. mit und ohne Aufbau der Wirtschaftshallen bis zum einschließlich 0.20 mt., von mehr 1. März d. J. bei dem Unterzeichneten einreichen. als 30 Mt. bis 500 mt. einGrünberg, den 9. Februar 1904. schließlich 0.50 Mt., und von mehr als 500 Mt. 1.00 Mt.; außerdem Der Vorsitzende des Wirtschafts- Ausschusses ist für jede Wohnungsanmeldung 2. Kauß. 1.00 Mt. zu hinterlegen. 1904. Dienstag, Den 9. Februar Mr. 31. O der entgegengesetzten Ede faß, und unter den Augen so vieler würdevoller Damen war es für mich ganz unmöglich. -Ausschusses 1. gebäude Neunachmittags elten Stude er nicht umnffurt a. M. 1 Gießen. en. der entgegengesetzten Ecke saß, und unter den Augen so vieler würdevoller Damen war es für mich ganz unmöglich, den einen Fuß im Stiefel, den andern in einem blauseidenen Strumpfe, quer durch das Zimmer zu gehen. Ich stand wahre Tantalusqualen aus, denn Kittie saß in der Nähe des Pianos auf einem kleinen Sopha, das Platz genug für zwei gehabt hätte. Ich blieb an der Tür stehen meinen rechten Fuß konnte ich hinter einer Stehlampe verstecken und verbrachte schreckliche zehn Minuten. Ich ließ kein Auge von Kittie, neben die sich jetzt Heseltine gesetzt hatte. Dann wurde der Lee debracht und hinter dem Diener, der das Gebäck trug, trottete Fido einher. Jido war Kitti's kleines Hündchen, dessen Ohren länger als sein Verstand waren. Dieses abscheuliche Tier trug meinen Stiefel in seinem Maule und mochte sich wohl einbilden, daß es eine Ratte gefangen habe. Ich sprang rasch vorwärts, um Fido zu fassen. Dabei glitt ich aber aus, und um nicht zu stürzen, hielt ich mich am nächsten Gegenstande, den ich fassen konnte, fest. Die Folge war, daß der Diener mit dem Tee, der vor mir ging, der Länge nach zu Boden fiel. In meinem ganzen Leben habe ich keinen so wütenden Menschen gesehen, wie es der alte Herr Marshmaunt jetzt war. Solche Sachen mögen vielleicht in einer Mannschaftsstube sehr wißig sein," donnerte er, aber hol' mich der Teufel, in meinem Salon dulde ich sie nicht." „ Und er hat sogar einen von seinen Stiefeln ausge= zogen," mischte sich Tom ein.„ Sag' mal alter Junge, was ist denn mit dir los? Hast du einen Sonnenstich bekommen, oder was ist dir denn sonst zugestoßen?" Ach was Sonnenstich," brüllte sein Vater, der Wein ist es, der Kerl ist betrunken. Ja, betrunken sind Sie, und wenn nicht Ihr Vater einer meiner besten Freunde wäre, fo Ich weiß nicht, was der alte Herr Marshmaunt getan haben würde, wenn mein Alter nicht einer seiner besten Freunde gewesen wäre, denn in demselben Augenblick fam Fido, der noch immer meinen Stiefel triumphierend herum frug, in mein Bereich, und mit dem Fuße, auf dem ich den Stiefel hatte, versetzte ich ihm einen ordentlichen Stoß. Fido ließ den Stiefel fallen und wie ein Fußball flog er durch's Zimmer. Grade vor Kittie's Füßen fam er zu Boden. Ich ergriff meinen Stiefel, nahm mir aber nicht die Mühe ihn anzuziehen, sondern verließ in größter Eile, ohne mich von Jemand zu verabschieden, das Haus. Ich verbrachte fast die ganze Nacht damit, einen Brief an Kittie zu schreiben, in dem ich ihr eine Erklärung meines Benehmens geben wollte. Ich kam aber damit nicht zum Ziel, und nachdem ich vielleicht gegen zwanzig Mal angefangen hatte, gab ich es auf und schickte gegen sieben Uhr des nächsten Morgens meinen Burschen mit ein paar Zeilen zu ihr, in denen ich sie bat, mich auf zwei Minuten zu empfangen, damit ich mich vor meiner auf zehn Uhr festgesetzten Abreise nach Gibraltar ihr gegenüber rechtfertigen könnte. Mein eigener Bursche brachte mir ihre Antwort. ,, Geehrter Herr Henderson," schrieb sie.( Wir waren zusammen aufgewachsen und sie hatte mich bisher immer ,, Jack" genannt.) Jemand, der sich so weit vergessen kann wie Sie gestern Abend, und der es über sich zu gewinnen vermag, ein armes, unschuldiges Tier, das ihm doch gar nichts getan hat, so zu maltraitieren, wie Sie gestern meinen armen Fido, fann auch nicht im Stande sein, mir noch eine Erflärung abzugeben, welche anzuhören sich der Mühe ver= lohnte. Ich selbst verlasse noch heute Vormitag die Stadt, um meine Freundin Gladys Heseltine auf vierzehn Tage zu besuchen. Ich hätte daher auch kaum noch die Zeit, Sie zu empfangen, und außerdem hat Papa auch erklärt, daß er Ihre Anwesenheit in seinem Hause nicht mehr duldet. Sie haben ihn so sehr beleidigt." Sie sehen also," schloß der Major, wäre ich nicht so eitel auf meine kleinen Füße gewesen, und hätte ich meine Stiefel auch nur eine einzige Nummer größer gewählt, so würde ich jetzt wohl schon seit lange ein glücklicher Ehemann sein." Bei diesen Worten betrachtete der Major seine blankgeputzten Stiefel und lachte in seinen Bart. Mir wollte es scheinen, als ob er dabei gar nicht traurig aussah. WITZ CND HUMOR Die Garantie.„ Stehen Sie auch dafür ein, daß diese Gier gut und frisch sind?" Händlerin:„ Ei, ganz gewiß, und wenn sich eines darunter fände, das schlecht wäre, so nehme ich es ohne Widerrede zurück, vorausgesetzt, daß es nicht zerschlagen worden ist." Junger Ehemann:„ Wie Verdächtige Schmeichelei. reizend Du in diesem Kleide aussiehst, mein Schatz! Es steht Dir wirklich vorzüglich gut." Junge Frau:„ Ach ja, das fenn' ich ja schon. Allemal, wenn die Saison anfängt, entdeckſt Du. daß mir meine alten Kleider am besten stehen." * Man muß es verstehen. Schlaumeier( eintretend):„ Ist das das Geschäft des Herrn Blum?" ,, Nein, das ist neberan." Schlaumeier geht hinaus, läßt aber die Ladentür offen. ,, Wollen Sie nicht wenigstens die Tür zumachen?" ruft ihm der Inhaber nach;„ haben Sie denn zuhause gar keine Türen?" ,,, gewiß, mein Herr, die schließen aber von selbst, denn sie sind alle mit dem mir patentierten Doppelfeder- Hemmungsschließer versehen, den ich mir bei dieser Gelegenheit gestatte, Ihnen in natura vorzulegen. Kein Geräusch beim Schließen die Tür legt sich damit ganz sanft ins Schloß! Wenn Sie einen solchen an Ihrer Ladentür anbringen, werden Sie sich nimmermehr wieder beschweren, daß jemand die Tür aufließ. Ich übernehme für meinen Türschließer Garantie auf Lebenszeit!" Vielleicht. Nervöse Dame im Dampfwagenkoupee:„ D, hier ist für mich kein Platz mehr frei; ich kann unmöglich rückwärts fahren!" Ein Reisender:„ Sprechen Sie doch mit dem Lokomotivenführer, vielleicht läßt er Ihnen zu Gefallen den Zug umdrehen." Seltsamer Wunsch. Onkel( zum kleinen Emil):„ Du bist ein gutes Kind, Emilchen! Wenn ich tot bin, sollst Du auch etwas schönes zum Andenken an mich haben. Was hättest Du denn am liebsten?" Emil:„ Deinen Kopf!" Onkel: Meinen Kopf? Warum denn?" Emil:„ Die Mama sagt immer, Du hättest große Rosinen im Kopfe!" Zauberei. Kellner:„ Wie belieben Sie die Eier, hart oder weich?" Gast: Ja nit zu hart. Drei Minuten in kochendem Wasser, das wird genügen." Kellner:„ Schön, in eine halben Minute werden Sie sie haben." " Ein kleines Mißverständnis. Eine alte Bauersfrau in einem kleinen Gebirgsdorf hatte in ihrem Leben noch keine Eisenbahn gesehen. Endlich entschloß sie sich einmal, entfernte Verwandte zu besuchen und nach deren Wohnort mit der Bahn zu fahren. Glücklich auf der Station und im Coupee angelangt, freute sie sich unbändig darüber, wie schnell der Zug vorwärts ging. Dieser war aber noch nicht weit gelangt, als ein Zusammenstoß erfolgte. Beim Absuchen der Wagen fand man die Bäuerin in einer Ecke des Coupees mit Gepäckstücken völlig überdeckt liegen. Sobald sie des Schaffners ansichtig wurde, fragte die brave Frau ganz erstaunt:" Segen Sie mal, wird denn hier immer so schnell angehalten?" Die Hilfe.„ Hast Du die Fensterscheibe zerschlagen, Junge?" ,, Nein, ich habe nur dabei geholfen."" Geholfen? Wieso?" „ Es war ein Schneeball, der sie entzwei schlug, und ich hatte nur den Schneeball geworfen." Wink mit dem Zaunpfahl. A.:„ Ich bin Dir doch keine hundert Mark schuldig, lieber Freund?" B.:„ Nein, gewiß nicht."— A.:„ Aber, ich wäre ſie Dir gern einmal schuldig!" * Die Feuerprobe. Er lag vor seiner angebeteten Else auf den Knieen und rie mit vor Leidenschaft zitternder Stimme: Nichts soll und mehr scheiden, mein süßes Herz! Für Dich würd' ich den Löwen bis ir seine Höhle verfolgen, würde dem Tod auf dem Schlachtfeld ruhig entgegensehen! Alle Not, alles Leid und Elend würd' ick Freudig um Deinetwillen tragen!" Er schwieg und blickte ihr, di ganze Seele auf den Lippen, in die schönen Augen.- ,, Das thätest Du alles aus Liebe zu mir?" sagte sie und sah ihn glück felig an. ,, Alles, Alles, und noch tause dmal mehr!" ,, Und wenn wir erst verheiratet sind", flötete sie ,,, stehst Du auck des Morgens zuerst auf und machst Feuer an?" Nr. 31. Dienstag, den 9. Februar 1904. Oberbessische Familienzeitung. Cägliche Unterhaltungs- Beilage 068 Gießener Neueste Nachrichten. Bund mich Bering ber Stabener Berlagsbendersi, vorm Wilh. Reller'sche Bucheruderst( gegs. 1783); ( 28. Fortsetzung.) Der Beuge. Roman von Marie Bernhard. Hilda, in einem eleganten Morgenkleide von tiefrotem Plüsch, dessen lange Schleppe den halben Fußboden des kleinen, foketten Gemaches bedeckte, hielt in ihren Händen ein entzückendes Frühlingsbouquett, ganz weiß, nur aus Schneeglöckchen, Maiblumen und weißem Flieder lose zusammengestellt, wie von Genien des Lenzes selber herbeigezaubert. Sie sah mit einem gerührten Lächeln darauf nieder, die Blumen waren ein Geschenk ihres Mannes und ihr soeben nebst einem kleinen Billett von ihm durch einen Boten überbracht worden. " Soeben, liebes Herz, wird mir eine unerwartete Freude zuteil: mein lieber alter Henrichs taucht plötzlich hier auf, nimmt im Kaiſerhof einen längeren Aufenthalt, ist durch nichts zu bewegen, bei uns Quartier zu nehmen— er würde uns genieren, behauptet er! ebensowenig, heute ein improviſiertes Mittagsmahl zu Dreien bei uns einzunehmen. Da gegen besteht er darauf, daß ich mit ihm im Kaiserhof diniere, und da ich eine große Freude über seine Ankunft habe und wir hundert Dinge besprechen wollen, so nehme ich an und bitte Dich, mich für heute mittag gütigst entschuldigen zu wollen; ich fahre gleich nach der Börse mit Hendrichs zum Kaiserhof, gedenke, etwa um sieben Uhr bei Dir zu sein; bist Du heute abend daheim? Ich küſſe Deine Hand und spare mir meine große Neuigkeit für unser Alleinsein auf. Ich schreibe dies in aller Eile im Geschäft, der Kassenbote soll es besorgen; ein paar Blumen lasse ich Dir mit hinaus schicken. Uebrigens.... es sind Briefe aus Japan da, wir können sie heut abend zuſammen lesen! Ich drücke Dich an mein Herz! Dein Hellmut!" Hendrichs will übermorgen mit uns speisen, bitte, richte Dich ein! Kein weiterer Gast!" Sehr nachdenklich und ernst ist der Blick, den Hilda auf die jenseits ihres Fensters liegende Schneelandschaft heftet. Hendrichs! Sie freut sich seiner, sie hat ihn gern gehabt und in seinem gastlichen Hause in Hamburg viele frohe Stunden verlebt, überdies weiß sie, er ist Hellmuts Freund, das allein würde genügen, ihr sein Erscheinen angenehm zu machen. Trotzdem Hamburg und Berlin so nahe beisammen lagen, hatte sich doch ein Wiedersehen bisher absolut nicht ermöglichen lassen, Hellmut hatte vollauf mit der Einrich tung seines Geschäftes zu tun, und Hendrichs, der sich zweimal schon angemeldet hatte, war zuerst durch Erkrankung seiner Frau, sodann durch vermehrte Arbeitslaſt an dem projektierten Besuch verhindert worden. Welches mochte die große Neuigkeit sein? Hilda seufzte ein wenig, man hörte so selten etwas wirklich gutes.... aber hoffentlich würde dies etwas günstiges sein, Hellmut schrieb ja so heiter. Nun aber, Briefe aus Japan! Es waren bisher noch nicht viele eingetroffen, und das war ganz natürlich, da die Briefe sieben bis acht Wochen unterwegs waren. Norden ſenior schrieb ausschließlich an seinen Sohn, sehr ausführlich und detailliert über alles, was die Firma" anging, jede neue Geschäftsverbindung, jede kleinste Aenderung, alles wurde treulich berichtet, sodann kamen die gemeinsamen Bekannten an die Reihe, die Neuigkeiten, die ſich etwa in Yokohama oder Tokio zugetragen hatten, einige ( Nachdruck verboten.) Anfragen und Ratschläge bezüglich Hellmuts geschäftlicher Angelegenheiten, schließlich eine sehr oberflächliche, furze Antwort auf des Sohnes dringende und besorgte Fragen in Betreff der väterlichen Gesundheit. Jedesmal hieß es, er sei wohl, es gehe ihm gut, und am Ende des Briefes fand sich ,, ein Gruß für Deine Frau" vor, das war alles. Es ließ sich gegen diese so ausführlich und sachlich abgefaßten Schriftstücke im Grunde nichts einwenden; als Geschäftsmann konnte Hellmut immer manches aus ihnen lernen und für sich gebrauchen, und die meisten Menschen wären ſehr zufrieden damit gewesen; was sollte eine Korrespondenz zwischen Männern denn anderes sein, als die klare Darlegung positiver Tatsachen? Aber Hilda wußte genau, daß ihr Mann jedesmal betrübt und enttäuscht war, wenn er einen solchen Brief gelesen hatte, obgleich er über seinen Vater nie mehr zu ihr sprach. Einmal, als sie ihm geholfen hatte, alte Papiere zu ordnen, war ihm ein kleines Paket in die Hände gefallen, das die Briefe enthielt, welche ihm sein Vater während des Jahres geschrieben hatte, als er zu ſeiner Erholung in Europa war. Aufs Geratewohl hatte Hellmut einen Brief herausgezogen und ihn seiner Frau gegeben; sie las ihn, ja, freilich, das war ein anderer Ton, liebevoll, zärtlich, besorgt, eingehend, ungezwungen... überall blickte dem Leser aus diesen Zeilen der Vater entgegen, dessen ganzes Glück, dessen einzige Sorge dieser Sohn bildete. Hundert persönliche Dinge, Erinnerungen, Fragen, harmlose Scherze, Anspielungen kamen in diesem Schriftstück ans Tageslicht, während jetzt alles persönliche streng vermieden war und absichtlich allgemeine Dinge ausführlich besprochen wurden... wie hatte der Mann sich im Verlauf eines knappen Jahres geändert! Hilda gab Hellmut den Brief zurück, ohne ein Wort darüber zu sagen, aber er wußte, daß sie ihn verstanden hatte. Briefe aus Japan! Sie konnte sich ihrer nicht freuen, jedesmal hatte sie eine dumpfe, unerklärliche Angst, wenn sie sie las, und immer hatte sie wie erlöst aufgeatmet, wenn die Lektüre beendet war, ohne ihre schwere Ahnung irgendwie zu bestätigen. Sollte jene erschütternde Szene in Yokohama wirklich fein Nachspiel mehr haben? Wie ein greller Blizz oft für Sekunden die nachtschwarzen Wolken zerreißt, so war die Erkenntnis plößlich niedergefahren, die schwarzen, drohenden Wolfen aber waren an ihrem und Hellmuts Himmel hängen geblieben. Wieder sah sich die junge Frau als Kind, die kleine, neunjährige Hilda Ermshagen von damals, die es liebte, die Einsamkeit aufzusuchen und auf steilen, unwegsamen Pfaden herumzuklettern, wo vielleicht noch nie ein Mensch gegangen war", die einen eigenen Reiz darin fand, die tiefe Waldesstille mit ihrem heimlichen Wipfelrauschen von keiner Menschenstimme unterbrochen zu wissen, wie sie an jenem einen, unvergeßlichen Morgen, nach einem hastig genommenen Imbiß, waldeinwärts gewandert war. Im Hauſe ihres Dheims war man diese Seltsamkeit" gewohnt, der Onkel bekümmerte sich nicht viel um die Kleine, deren Erziehung er ausschließlich seiner Frau überließ. Diese war eine sehr bequeme Dame, sie liebte es, lange zu schlafen und war abgegebenen erden. Dab Das Ga CP. Die diefer Tage so0 Urteil p Freiherr v. Ehre öffent Qualitäten, weitgehend gehende Ge bor allen zweifellos her den S bloß ein ри und demger Praris aus und aus G aber bricht auch dem Die Wi Maße in d die Jünge worden. den wirtich genau wie miegend Hochschule renten gr Es ist jede feit. teit, wenn Ausbildung wenn wir züchten mol bringen, idhule ist es bon den Lab werden muß befekt word Forderung, froh, wenn man sie überhaupt in Ruhe ließ.„ Lauf' nicht zu weit, Hilda, und erhitz' dich nicht!", das war alles, was fie dann und wann zu ihrer Nichte sagte, im übrigen machte sie sich keine Gedanken. Man traf höchstens einen Holzfäller im Walde, und wer würde denn einem Kinde wie Hilda etwas zu leide tun? Walter stieg nach dem Früh stick gemächlich mit seinem Buch und seiner Hängematte eine kleine Anhöhe in der Nähe des Hauses hinan, hier ruhte und las es sich gut unter den schattigen Bäumen, der lang aufgeschossene, schmächtige Junge war meistens sehr müde, und das Herumstreifen war seine Sache nicht! Wieder fühlte die junge Frau die weichen Schichten der herabgefallenen, jahrelang aufgesammelten Fichten- und Tannennadeln unter ihren behenden Füßchen nachgeben, sah das goldene Morgensonnenlicht durch die ineinander grei fenden Zweige irren und hörte den schrillen Schrei eines Raubvogels hoch über sich in der klaren Luft. Wie sich der Atem schön und gewürzig einsog in diesem Waldesduft, wie es taugesprenkelt und erfrischt unter den Bäumen blühte, rot und blau und weiß, trotzdem es schon September war! Sie hatte ein Kinderlied vor sich hingesungen, immer das selbe, unermüdlich, und war im Taft dazu gegangen, mit lachenden Augen um sich spähend, ob auch kein Mensch sie sehen könne! Nein, niemand! Dann, wie sie nach und nach müde ward, setzte sie sich neben den kleinen, schwatz haften Waldbach, der wie ein silberhelles Aederchen durchs Gestrüpp rann, über blankgespülte Kiesel rollte, eine Stufe herabsprang und ein dünnes Ninnsal bildete, unter das sie die hohle Hand hielt, um zu trinken. Das Kind mußte das sehr oft wiederholen, denn auf diese Weise bekam man blutwenig, aber das Wasser war schön kalt und erfrischend. Drüber hin nickten schwärzliche Brombeeren in Masse, die aß sie, denn das wußte sie genau, solche waven nicht giftig, Walter hatte es ihr gesagt. Nun aber genug gerastet, weiter! Noch rasch die beerengefärbten Händchen im Bach abgespült, und vorwärts ging es, bergauf, bergunter, und immer mitten im Walde, wie wunderschön das war! Doch zehnmal besser, als solch kleiner, ordentlicher Garten, wo man auf sauber geharften Wegen ehrbar einherwandeln mußte! Hier führte ein schmaler Weg seitwärts ab, den hatte sie noch nie gesehen, oder war es kein Weg? Man konnte ihn doch probieren! Steil und beschwerlich war er, darum aber um so verführerischer, hier konnte man beweisen, ob man wirklich wie eine Biege fletterte", wie Walter immer zu sagen pflegte. Zickzack, zickzack, rechts hinein, links ab, ein Stück chen geradeaus, eine Weile aufwärts, man fam außer Atem, creiferte sich sehr, jezt ging es gar nicht weiter, doch! Hier konnte man durchschlüpfen! Und nun aufwärts, immer einpor! Steine und Geröll gab es zu überwinden, es war ein gefährlicher Weg, ein Rutschen und Ausgleiten, ein Fallen und Sichaufraffen; die Zweige, an die das Kind sich anklammerte, schnitten in die Hände, Steine lösten sich los und polterten dumpf zu Tal, und noch immer, so oft sich der Blick hob, eine so steile Höhe über ihr, kam man denn gar nicht zu Ende? Welch ein gewaltiger Berg! Aber so ging es wahrhaftig nicht weiter! Das Herz hämmerte, die Pulse flogen, man mußte eine Pause machen! Und Hilda war ein„ verständiges Mädchen" und setzte sich mitten im Gestrüpp nieder eine sehr sanfte Ruhebank war das nicht! und wischte sich mit Tuch und Hand die Schweißtropfen von der Stirn, holte eine Semmel aus der Tasche und verzehrte sie. Wie hoch die Sonne schon hand! Und wo war man denn eigentlich? Schadete nichts! Wer dort oben stand, ganz hoch oben, der konnte sicher die Gegend übersehen, weit und breit, dann mußte man auch das auffallende weiße Haus mit der hohen Fahnenstange bemerken, in dem der Onkel wohnte; also erst sich erholen, dann vollends hinaufflettern! Als der ungestüme Herzschlag sich beruhigt hatte, ging es richtig weiter! Eine regelrechte Gebirgspartie! Sehr Langsam nur ging es vorwärts, die Entfernung bis zur Höhe chien immer die gleiche zu bleiben; jetzt aber, endli, endlich, nur etwa dreimal so hoch noch, wie Hilda selber war, und sie mußte droben angelangt sein. 2n, es war nicht mehr Wipfelrauschen und Blätteranjela allein, was sie hörte! Menschenstimmen! Da wieter! Sanz deutlich über ihr! Und wie es schien, im Zorn redende Stimmen! Dem Kinde fing von neuem das Herz zu hämmern an, nicht nur von Anstrengung, es war auf aufgeregt und argltlich. Nonnten das böse Männer sein, die ihr etwas tafen, ipe: fie ste seben würden? Oder waren sie vielleicht gar nicht böse aufeinander, und ihre Stimmen klangen nur so laut hier in die feierliche Stille des Hochgebirgswaldes hinein, und sie waren freundlich genug, das Kind zurecht zu weisen und ihm den Heimweg zu zeigen? Vorsichtig ging es näher; langsam, leise, wie eine kleine, aufwärts gleitende Schlange wand Hilda sich empor. Jetzt endlich faßte sie mit beiden Händen einen überhängenden Strauch, suchte tastend mit den Füßen einen Stützpunkt und zog sich nun an den Händen sacht in die Höhe, daß ihr Gesicht über den Rand der Gebirgsschlucht, die sie erklommen, gerade hinwegsah. Und dort in geringer Entfernung standen zwei Männer auf dem schmalen Pfade, der hier, scharf, wie ein gekrümmtes Rückgrat, den Höhenzug des Gebirgskammes durchschnitt. Der eine der Männer drehte dem Kinde den Rücken zu, den andern aber konnte sie im Profil sehen, er hatte ein hübsches, energisches Gesicht, das aber jetzt vor Angst und Aufregung entstent war. Kein Zweifel, die zwei redeten im heftigsten Zorn auf einander ein. Das spähende Kind war zu erschrocken und selbst zu erregt, um zu verstehen, um was es sich handelte, aber an der drohenden Geberde des einen, an dem scheuen zurückweichen des andern sah es, daß die beiden im bitterſten Ernst, daß sie sich als Feinde gegenüberstanden! Wieder eine drohende Bewegung des Mannes mit dem energischen Gesicht, wie finster und entschlossen er aussah! und jezt konnte Hilda auch den andern sehen, wie er, offenbar in hilfloser Angst, sich blitzschnell einen Augenblick umsah, ob niemand in der Nähe sei, der ihm beistehen könne. und jetzt ein eisiges Frieren ging durch des Kindes Körper, vom Wirbel bis in die Fußspiken! jekt packte der eine den Körper des andern und rang mit ihm und drängte ihn dem Abgrund zu, der an der gegenüber liegenden Seite des schmalen Weges lag, und riß ihn mit kraftvollen Händen empor, schwang ihn hoch in die Luft, und schlenderte ihn wie einen willenlosen Ballen hinab in die klaffende Tiefe, aus der ein gellender Todesschrei herauffam und dann ein dumpf hallendes Aufschlagen, kein Laut weiter, während der Mörder zurückgetaumelt und in die Knie gebrochen war, wo er mit gesenktem Haupt liegen blieb, wild die Hände von sich gestreckt, als gälte es, ein Gespenst von sich abzuwehren. Ebenso regungslos wie er verharrte auch das Kind, das, instinktmäßig mit beiden Händen in das zähe Strauchwerk geklammert, über dem Rande der Schlucht hing. Es machte sich nicht klar, was nun geschehen müsse, daß es besser sei, von hier zu verschwinden, den Ort der grausigen Tat zu verlassen, dem Mörder keine Gelegenheit zu geben, den ungeahnten Zeugen seines Verbrechens auch noch zu beseitigen... von eisigem Grauen gepackt und festgehalten, ohne Gedanken, ohne Ueberlegung, blieb das Kind, wo es war, unfähig, auch nur ein Glied zu rühren. Das dauerte lange, lange. Ueber den beiden rauschte der Gebirgswald, zitterten die Blätter im Winde, malte der Sonnenschein Goldstreifen in das leuchtende Grün. Da endlich richtete der Mann sich auf, er stierte vor sich hin, wie ein Wahnsinniger, und ließ langsam seine erhobenen Hände sinken, aber noch lag er auf den Knien, als er sein Haupt erhob und nun plötzlich Aug' in Auge mit dem Zeugen seiner Tat war, der alles mit angesehen! Noch einmal kam das eisige Frieren von zuvor über das Kind, aber es blieb, wo es 1.ar; unbeweglich an das Gestrüpp geklammert, erfaßte es mit seinen entsetzten Augen Zug für Zug das Gesicht, das sich ihm gegenüber befand, das dunkle, kurzgehaltene Haar, den starken Lippenbart, die feine, gerade Nase, die grauen, großen Augen, die, ausdruckslos vor Schreck, das Kinderantlitz dort drüben gleichfalls unverwandt fixierten. Zulegt es war wieder eine lange Frist verstrichen erhob sich der Mann vollends und taumelte empor. Aber als das Kind sah, daß er ihm näher fam, da ließen die kleinen Hände ebenso instinktmäßig, wie sie bisher das Strauchwerk festgehalten hatten, dasselbe jetzt los, die Füßchen verloren die bisherige Stüße, und der leichte Körper stürzte haltlos hinunter in eine Wildnis von Gebüsch und Geäst, das wie ein grünes, wogendes Meer über ihm zusammenschlug. Als Hilda zu halbem Bewußtsein erwachte, lag sie auf einem leicht vorspringenden Felsstück, von geknicktem, niedergebrochenen Gesträuch umgeben. Sie mußte ziemlich tief gefallen sein, er Hinterkopf schmerzte sie heftig, und sie vermochte foin ich zu rühren. Kein Bewußtsein dessen, was sie vor kurzem erlebt hatte, kam über sie, sie empfand nur eine dumpfe Verwunderung darüber, wie sie hierher kam und weshalb sie wohl hier liegen bleibe. Bald verlor sie von neuem die Besinnung und hatte nur ein undeutliches Gefühl, aufgehoben und fortgetragen zu werden. Einmal schlug sie die Augen auf und schauerte zusammen, es war ihr so kalt. Da sah sie über sich einen dunklen Nachthimmel mit zahllosen funkelnden Sternen besät; war's denn schon so spät? Wer mochte sie tragen und wohin brachte man sie? Was auf diese Szene folgte, war alles wie ein wirrer, wüster Traum, der aber sehr lange andauerte. Ein Traum, daß sie am Rande der Schlucht schwebte und die beiden Männer mit einander ringen sah, daß sie den Todesschrei hörte, wie er gellend aus dem Abgrund empordrang, ein Traum, daß sie selbst es war, die in die Tiefe gestürzt werden sollte, und daß sie sich verzweifelt wehrte und so lange um Hilfe schrie, bis ihr die Stimme versagte, daß das Gesträuch ausriß, an das sie sich klammerte, der Boden unter ihren Füßen wich und sie mit dem Schrei:„ Ich falle, ich falle!" wild um sich griff und dann wirklich fühlte, wie sie stürzte, tiefer, immer tiefer, ins Bodenlose hinein. ( Fortsetzung folgt.) Bu enge Stiefel! Humoreske von John Collins. ( Nachdruck verboten.) ,, Warum haben Sie sich nicht verheiratet, Herr Major?" fragte meine Frau. Ich bin nunmal zum Junggesellen geboren", erwiderte dieser ausweichend. ,, Nein, nein, keine Ausflüchte! Ich möchte den wahren Grund wissen." Der wahre Grund ist einfach der", antwortete Major Henderson, daß ich zu kleine Füße habe." Wie soll ich das verstehen?" Der Major lehnte sich in seinen Sessel zurück und lachte vor sich hin. Dann goß er sich sein Glas voll, nahm noch einen fräftigen Schluck und begann: Die Geschichte ist schon viele Jahre her, so viele Jahre, daß ich sie gar nicht mehr erzählen mag. Ich war damals ein junger Leutnant und bis über die Ohren in Kittie Marshmaunt verliebt. Wenn ich auch wußte, daß Kittie mich lieber als jeden Andern hatte, so wagte ich es dennoch nicht, ihr zu sagen, was ich für sie empfand. Oft genug hatte ich es ja versucht, aber jedesmal, wenn ich davon anfing, kam etwas dazwischen, das Kitiie lachen machte, und dann war es um meinen Mut geschehen. An einem Junitage fand bei den Marshmaunts ein größeres Diner statt, zu dem auch ich eingeladen war. Tags darauf sollte ich zu meiner Batterie nach Gibraltar, in die ich versetzt worden war, abreisen, und ich war daher fest entschlossen, mich nach dem Diner Kittie zu erklären. Ich war so nervös wie Jemand, der weiß, daß er am nächsten Morgen gehangen werden soll, und dazu kam noch, daß ich ein paar neue Stiefel an hatte, die mir zu eng waren und mich furcht bar drückten. Je weiter das Diner vorschritt, je fürchterlicher wurden meine Schmerzen und desto ängstlicher meine Stimmung. Schließlich konnte ich es aber nicht mehr aushalten, und, um einen Vorwand zu haben, mich bücken zu können, ließ ich meine Gabel fallen. Beim Aufheben knöpfte ich die Bänder meines rechten Stiefels, der mir am meisten Schmerzen verursachte, auf, und mit einem mächtigen Stoße schleuderte ich ihn von mir. Ich fühlte auch eine große Erleichterung und eine Zeit lang konnte ich mich jetzt auch mit Kittie unterhalten. Sie war geradezu entzückend. So liebenswürdig zeigte sie sich gegen mich, daß es mir jetzt sehr leid tat, England verlassen zu müssen. Zu meiner Freude gewahrte ich, daß fie ein paar Rosen, die ich ihr vorher gesandt hatte, an ihrem Busen trug. Gnädiges Fräulein", bemerkte ich, während das Desfert gereicht wurde, ich hätte Sie gern nach Tisch in einer sehr wichtigen Angelegenheit ein paar Minuten gesprochen." Dann kommen Sie gefälligst mit hinauf und singen Sie mit mir ein Duett, statt daß Sie hier so schreckliche Zigarren rauchen, die Sie so gern zu haben scheinen," antwortete Kittie, und mir war es dabei, als ob ich in den siebenten Himmel versetzt worden wäre. Ein par Minuten darauf beugte ich mich abermals unter den Tisch, um meinen Stiefel zu suchen, ich konnte ihn aber nicht finden. Ich ließ nochmals die Gabel fallen und bückte mich wiederholt, von meinem Stiefel war aber keine Spur zu entdecken. Vor Angst und Aufregung wurde ich purpurrot im Gesicht, und als die Damen den Saal verließen, konnte ich ihnen nicht' mal die Tür öffnen. Von meinem Mangel an Anstand schien Kittie sehr unangenehm berührt, und mein Verstoß gegen die Etikette Wie durfte ich es aber wagen, vor den Augen Aller nur mit war um so schlimmer, als ich der jüngste Herr bei Tische war. einem Stiefel durch das Zimmer zu schreiten? „ In fünf Minuten erwarte ich Sie oben" flüsterte mir Kittie zu. Ich glaube sogar, wenn ich es auch nicht mit Sicherheit behaupten kann, daß sie den Druck meiner Hand erwiderte. Raum hatten sich die Damen aus dem Zimmer entfernt, als ich auf allen Vieren unter den Tisch kroch und nach meinem verwünschten Stiefel suchte. Derselbe schien vollständig aus der Welt verschwunden zu sein." ,, Was zum Teufel tun Sie denn da, Henderson?" fragte Tom Marshmaunt. Es wäre besser gewesen, wenn ich ihm alles erzäht hätte; er gehörte aber zu jenen unausstehlichen Wizbolden, die mich dann den ganzen Abend mit meinen engen Stiefeln geneckt hätten. Ich sagte ihm daher lieber nichts. Kittie kehrte sodann auf ein paar Minuten in den Speisesaal zurück, um ihrem Bruder etwas zu sagen. Ihre blauen Augen schossen giftige Pfeile auf mich, ich vergaß nämlich zu erwähnen, daß ich mir eine Zigarre angesteckt hatte, um besser nachdenken zu können, wie ich wieder in den Besitz meines verloren gegangenen Stiefels gelangen könnte. Plötzlich bemerkte Kittie:„ Ich will jetzt wieder in den Salon gehen, aber ohne männlichen Schuß fürchte ich mich in die Reihen der vielen gesetzten und würdevollen Damen einzutreten". Dabei sah sie mich scharf an. Ich fühlte, wie mir der kalte Schweiß auf die Stirne trat, und ich weiß, daß ich purpurot ausgesehen haben muß. Ich rührte mich aber nicht. Konnte ich denn auch? Einen Stiefel an, den andern ausgezogen, so durfte ich es doch nicht wagen, Kittie nach dem Salon ihrer Mama zu begleiten. Dann kam George Heseltine herbei, lachte wie immer recht albern und bot Kittie seinen Arm. Sie nahm ihn auch, natürlich nahm sie ihn und, wie Sie ja wissen, nahm Sie später auch George Heseltine, dieses Ekel, zum Gatten. Sobald sie fort waren, kroch ich abermals unter den Tisch und jetzt sah ich ganz oben rechts, fast am Kopfe der Tafel, die Spitze des Stiefels, der mir einen solch bösen Streich gespielt hatte. Ich dachte noch bei mir, es iſt merkwürdig, wie weit so' n Ding doch fliegen kann. Ich suchte ihn zu ergreifen. er mußte aber irgendwo festhängen. Ich riß daher mit aller Gewalt daran. Ein Krach und ein heftiger Schrei folgten, und als ich von unten dem Tisch wieder auftauchte, sah ich, wie der alte Marshmaunt mit seinem Rücken im Kamin lag, während die anderen Herren um ihn standen und Mühe hatten, sich das Lachen zu verbeißen. II. Der alte Herr Marshmaunt war sehr cholerischen Temperaments und er schimpfte fürchterlich. Er glaubte, ich hätte mir einen Witz mit ihm machen wollen und war infolge dessen im höchsten Grade aufgebracht. Umsonst versuchte ich es, mich zu rechtfertigen, das Wettern und Toben des alten Herrn Marshmaunt's einerseits und das Gelächter der umstehenden Herren andererseits, ließen mich aber nicht zu Worte kommen. Es war mir unmöglich, mich zu entschuldigen. Zum Glück war der alte Herr nicht ernstlich verleßt, sondern nur erschreckt. Sobald er mit Hilfe der anderen Herren wieder auf seinen Beinen stand, ging er nach dem Salon voran, die Gesellschaft folgte ihm. Als Letter humpelte ich, so gut ich konnte, hinterdrein. Sorgfältig suchte ich stets den unbeschuhten Fuß hinter dem beschuhten zu verstecken. Der junge Bursche muß verrückt geworden sein," hörte ich Herrn Marshmaunts tiefe Stimme, als ich in's Zimmer irat. Mein Unglücksstern fügte es auch noch, daß Kittie in Zu dies mmatrifu eine weitere feit. 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