Nr. 132 bonnement@ prets: in Gießen, abgeholt monatlich 50 fg., e Saus gebracht 60 fs., bur bie Poft bezogen vierteljahr. 1.50. Bosti@ bellagen: Oberheffthe Familienzeitung( täglich) und die Stekener Seifenblasen( wöchentlich). Bas Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Mittwoch, den 8. Juni 1904. Gießener 13. Jahraa g. Jnsertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz Ober heffen, die Kreife Weglar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 fg. Reklamen die Petitzeile 30 refp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 88, Fernsprechanschluß Ar. 362. Neueste Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Unabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeifung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Bekanntmachung. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die nach§ 6 des Reichsgesetzes vom 21. Junt 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Aufschlages von Fünf vom 100, pro Monat Mai 1904 für den Lieferungsverband Gießen pro 100 kg. betragen: Safer Mt. 15.50, Heu Mt. 6.55, Stroh Mt. 3.95. Gießen, den 6. Juni 1904. Großherzogliches Kreisaint Gießen. Dr. Breidert. Bekanntmachung. Betr.: Rotlauf zu Allendorf a. Lda. Bei einem Schwein des Wilhelm Fischer zu Allendorf a 2da. ist ein Fall von Rotlausseuche festgestellt worden. Gehöftsperre ist berhängt. Gießen, den 6. Juni 1904. Großherzogliches Kreisamt Gießen. J. V. Hechler. Errichtung von Handelsinfpektoraten. Aus kaufmännischen Kreisen wird uns geschrieben: Der Berband kaufmännischer Vereine, der soeben in Magdeburg tagte, hat unter vielen anderen Forderungen auch eine geltend gemacht, die jedenfalls die größte Beachtung verdient und nicht ungehört verklingen wird. Es wurde darüber geklagt, daß die kaufmännische soziale Gesetzgebung, die Schutzvorschriften über die Arbeitszeit und die Arbeitsdauer, die Ruhepausen und die Lehrlingsfürsorge nicht richtig durchgeführt werden und daß nur durch die Errichtung von Handelsinspektoraten nach dem Muster des gewerblichen Instituts eine fach-, sinn. und verfassungsgemäße Durchführung der Gesetze zu erwarten sei. Man sieht also, daß die Verwirklichung eines Sozialen Gedankens vollständig automatisch auch in anderen Berufsständen neue Ziele hervorruft. Was die kaufmännische soziale Gesetzgebung anbelangt, so ist tatsächlich die Durchführung der Gesetze lediglich der Meberwachung durch die Polizei anheimgegeben, die prompt darauf achtet, daß mit dem Glockenschlag die Rollläden niedergehen und daß nicht in einer Hintertür die Käufer Ein. gang finden, während die Vordertür geschlossen ist. Diese Kontrolle haftet also vollständig an der Außenseite und er. fiillt lediglich einen Ordnungszweck, ohne aber gewissermaßen eine geistige Kontrolle zu sein. In der Regelung der Arbeitszeit und der Arbeitsverhältnisse des kaufmännischen Betriebs werden doch wohl noch manche geheime Sünden verborgen sein, die nur von dem Auge eines kundigen Fachmannes ge sehen werden können. Die Forderung des Handelsinspekto rats ist sonach eine durchaus berechtigte, berechtigt sowohl nach dem Zweck, wie nach der mutmaßlichen Wirkung. Solche fachlichen Ueberwachungsstellen üben vor allen Dingen schon durch ihre Eristenz einen moralischen Eindru aus. Die zeitweiligen Revisionen zwingen zu einer genaue Innehaltung der gesetzlichen Bestimmungen, weil deren Er gebnis periodisch in den Jahresberichten veröffentlicht wird Wenn ein Geschäftsinhaber etwa Potemkinsche Dörfer aut bauen und den Aufsichtsbeamten lediglich eine loyale Durch führung der Gesetze vortäuschen wollte, so wäre das doch ein gefährliches Beginnen, weil immerhin später indiskrete Ent. hüllungen hierüber zu befürchten wären. Sodann üben aber auch solche Institute einen versöhnenden Einfluß aus, da sic im Falle von Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Geschäftsinhaber und seinen Angestellten, schon ehe sie sich zu ernſtem Zwist ausgewachsen haben, eine schiedsrichterliche Funktion erfüllen. Wenn darüber auch keine Statistik möglich ist, sc darf man doch sicher sein, daß die Fabrif- und Gewerbeinspektion tatsächlich die Geschäfte der Gewerbe- und Zivil gerichte entlastet hat. Schließlich haben an der Schaffung eines solchen Instituts auch die Internehmer ein Interest, denn die gutachtliche Kritik beamteter Fachleute über den Zustand des Geschäftsbetriebs schüß sie am besten gegen de Verdächtigung böswilliger Elemente. Der Krieg in Oftalien. Noch immer sind keine zuverlässigen Nachrichten vom Kriegsschauplatz eingetroffen. Es liegt allerdings eine Reihe von Berichten über Zusammenstöße vor, die jedoch nur auf Hörensagen basieren. Die meisten stammen aus Tschifu und beziehen sich auf angebliche Seetreffen. Man glaubt, daß eine Seeschlacht am Abend des 6. Januar im Golf von Petschili stattgefunden hat. Dampfer berichten, daß sie ein heftiges Feuer gehört haben. Aehnliche Berichte kommen auch aus anderen Quellen. Die Bewohner der Hügel um Tschifu hörten eine Kanonade und sahen von der See her heftiges Aufflammen. In Talienwan erhält sich das unbestätigte Gerücht, daß das Schlachtschiff„ Jaschima" aus eine Mine aufgelaufen und gesunken sei. Säuberung der Talienwanbai von Minen. Die Japaner sind inzwischen eifrig bemüht, die Talienwanbucht von den russischen Minen zu befreien und sich die gefahrlose Einfahrt in den Hafen von Dalny zu eröffnen. Wie Admiral Togo meldet, schreitet die Säuberung der Bucht von Minen in befriedigender Weise fort. In den Tagen vom 3. bis 6. Juni wurden 41 Minen entdeckt und zur Explosion gebracht. Für flache Schiffe ist bereits eine sichere Fahrstraße aufgefunden worden. Ein Kriegskorrespondent erschossen. Einer der vielen englischen Kriegskorrespondenten ist ein Opfer seines Berufes geworden. Als der Korrespondent des Londoner Daily Telegraph" Ezzel und der Korrespondent der„ Daily Mail" Brindle, die in der letzten Zeit sich mit der Beobachtung der Bewegungen der Räuberbanden beschäftigt hatten, sich in einer Dschunke auf der Höhe von Schwantaiße bei Inkau befanden, wurde nach ihnen von chinesischen Truppen geschossen. Ezzel wurde getötet, Brindle kam, wie man glaubt, unversehrt davon. Ueber die voraussichtlichen Operationen der Japaner berlautet noch folgendes: An der Ostküste der Halbinsel Liautung landet noch eine japanische Armee, um dem russischen Vormarsch von Taschitschiao aus gegen die Nachhut des Generals Ofu entgegenzutreten. Die Japaner haben den Plan eines Angriffs auf Liautschang, falls sie denselben überhaupt gehegt haben, offenbar aufgegeben. Die in zwei bis drei Wochen anhebende Regenzeit würde einen Vormarsch unmöglich machen. Die Politik. Eine neue Depesche des Gouverneurs Leutwein aus Okahandja berichtet über die neuesten Vorgänge in Südwestafrifa: Am 31. Mai sind bei Outjo im Patrouillengefecht zwei Herero gefallen und mehrere verwundet worden. Die Heliographenstationen Etaneno und Okowafuatiimi werden durch Hererobanden bei Otjifango und tjipaue bedroht; beide Posten sind durch die Kompagnie Welck verstärkt und die Wasserstellen daselbst verschanzt worden. Am 1. Juni stand die Kolonne Estorff 25 Kilometer nordwestlich Okamatangara. Sa= muel Macharero soll bei Okahitua am Omuramba- uaMatko mit gesammelter Macht siken. wurde von ihm wegen Wassermangel verlassen. Die Hauptabteilung wurde am 5. Juni bei Otjosasu gesammelt. Kolonne 3 ü low war am 25. Mai in Naidaus. Dfire Die deutsche Pferdezucht kann bekantlich von der ameri fanischen viel lernen. Unter diesen Umständen ist es zu begrüßen, daß die Reichsregierung einen der sachkundigsten Vertreter nach St. Louis senden wird. Die Wahl ist auf den Landstallmeister Tr. Grabensee gefallen, der seinerzeit im Auftrage des Kaisers Südfrankreich bereiste, um die dort hochentwickelte Vollblutzucht fennen zu lernen. Auf den Vortrag des Landstallmeisters Dr. Grabensee beim Kaiser sind auch die Reformen im Rennbetriebe zurückzuführen. Ein glänzendes Zeugnis für die deutsche Kulturarbeit in Schantung ist das Urteil eines dänischen Weltreisenden, der von seinem Besuche in Kiautschou in einem Kopenhagener Blatte u. a. folgende Schilderung gibt: Deutschland darf mit Jug und Recht auf seine Kulturarbeit auf der Schantunghalbinsel stolz sein. Sie ist einfach überwältigend. Vor fünf Jahren war Tsingtau ein Fischernest. Heute erhebt sich dort eine moderne europäische Stadt; große angenehme Wohnhäuser, boulevardbreite Straßen, riesige, festgefügte Staden, elektrisches Licht, prächtige Hotels, Kasernen und Forts, herrliche Parkanlagen, Eisenbahnen und breite Fahrwege führen ins Land. In Kiautschou wohnen schon 1000 Deutsche außer den Truppen. Jetzt wird es mir völlig klar, daß die Deutschen die gefährlichsten Kulturkonkurrenten Englands werden; denn wer ist imstande, Gleiches zu leisten? Das ist Kolonisierung im großen Stil. Welche Ordnung herrscht überall! Gewiß zeigt die russische Arbeit in Port Arthur Bewundernswertes, aber die Deutschen sind ihr in diautschou um eine volle Pferdelänge voraus. Wo Russisch- China Schlendrian und Unordnung zeigt, ist in Deutsch- China militärische Pünktlichkeit und bürgerliche Zuverlässigkeit." Italien. A Gin Nachspiel zum Nafi- Skandal wird aus Nea pel gemeldet: Der Direktor des dortigen Nationalmuseums, Pa is, ist wegen Unregelmäßigkeiten in der Verwaltung abgesetzt worden. Der Fehlbetrag in der Museumstasse soll 300 000 Lire betragen. Pais selbst scheint von dem verloren gegangenen Gelde nichts für sich verwandt zu haben; er erklärt, er sei durch Nasi, der als Unterrichtsminister sein Vorgesetzter war, zu den Unregelmäßigkeiten getrieben worden. Er babe auf Nafis Geheiß die Umge Staltung des verwahrluften Mi Cie bewertstelligen müssen und habe dabei große Ausgaben gehabt. Als die ihm zur Verfügung stehenden Fonds erschöpft oder von Nasi zu anderen Zwecken verwandt waren, habe er Privatkredit in Anspruch genommen und sogar Wucherzinsen gezahlt, die er dadurch deckte, daß er für die Löhne des Personals höhere Ziffern anschrieb. Damit wuchs denn das Defizit auf dreihunderttausend Francs. Wie es heißt, werden acht weitere Beamte des Neapler Museums strafversezt werden. Jedenfalls ist die Sache bezeichnend für italienische Verwaltungszustände. frankreich. Kaum ist der Streik der Kauffahrteischiffsoffiziere in Marseille mit Mühe und Not beigelegt, da soll es schon wieder losgehen. Infolge der auf Veranlassung der Dockarbeiter erfolgten Entlassung zweier Werkmeister der Schiffahrtsgesellschaft Arel Busck haben die Offiziere der Han els marine in Marseille dem Präfekten mitgeteilt, sie würden Mittwoch in den Ausstand treten, falls die beiden Werkmeister nicht wieder in ihre bisherigen Stellungen eingesetzt würden. Wieder ist es also eine Forderung der Dockarbeiter, die die Offiziere zur Amtsniederlegung treibt. Einzelne Rhedereien beginnen denn auch bereits, sich des Terrorismus der Hafenarbeiter zu erwehren, indem sie sie einfach aussperren. Selbstverständlich birgt diese Selbsthilfe den Keim zu großen Unruhen in sich. Amerika. A Ungeheure Entrüstung herrscht selbst bei den faltblütigen Amerikanern über das fluchwürdige Dynamitverbrechen, das die streifenden Bergleute in Colorado gegen Arbeitswillige auf dem Bahnhof Independance" verübt haben. Nach näheren Nachrichten, die jetzt vorliegen, hatten die Streifenden eine große Menge Dynamit unter dem Bahnsteig der Station verborgen. Durch eine 300 Fuß lange Drahtleitung war der Sprengstoff mit einer elektrischen Batterie verbunden. Als die nichtstreikenden Bergleute zur Heimfahrt den Zug bestiegen, wurde die Mine zur Explosion gebracht; 16 Bergleute wurden in Stücke zerrissen und 9 andere tödlich verletzt. Noch größeres Unheil wäre entstanden, wenn es den Dynamitarden gelungen wäre, den ganzen Zug in die Luft zu sprengen, wie sie beabsichtigten. Der Schurkenstreich hat natürlich den ganzen Bergwerksbezirk von Colorado in helle Aufregung versett und die Bevölkerung fahndet nach den Mordgesellen, um sie zu Ihnchen. Schwere Unruhen stehen bevor, und die Abteilung Miliz, die zur Aufrechterhaltung der Ordnung aufgeboten ist, wird kaum viel ausrichten können. Mit dem Anschlag auf das Leben so vieler für ihre Angehörigen iorgender Familienväter fast alle Arbeitswilligen sind verheiratet haben die Streifenden sich mit einem Schlage die ihnen bis dahin entgegengebrachte Sympathie der Bevölkerung verscherzt. ** Hof und Gesellschaft. Die Vermählung des Großherzogs von Mecklenburg- Schwerin mit der Prinzessin Alexandra von Cumberland fand gestern zu Gmunden statt. Nach der Unterzeichnung des Ehevertrags erfolgte in Anwesenheit des Herzogs und der Herzogin von Cumberland und des Herzogs Johann Albrecht zu Mecklenburg- Schwerin die Zibiltrauung, die der Mecklenburgische Staatsminister Graf Bassewig vornahm. Nach der Unterzeichnung der Urkunde erfolgte die Fahrt zur Kirche. Während sich der Zug dorthin bewegte, streuten Schulmädchen Blumen. In der mit Palmen geschmückten und mit Teppichen belegten evangelischen Kirche nahm das Brautpaar auf den vor dem Altar aufge= stellten Stühlen Plaz. An der Feier nahmen außer dem Herzog und der Herzogin von Cumberland und der Großherzogin- Witwe von Mecklenburg u. a. teil der König von Dänemark, Prinz und Prinzessin Max von Baden, Prinz Georg Wilhelm, Prinzessin Olga, Prinzessin Thyra von Dänemark, Prinz Ernst August, Prinzessin Friederike, Herzogin Wera von Württemberg, der Herzog und die Herzogin von Teck, Herzog und Herzogin Johann Albrecht zu Mecklenburg, Prinz und Prinzessin Christian von Dänemark, Prinz und Prinzessin von Reuß, Prinzessin Thekla Schwarzburg, Prinz und Prinzessin Friedrich zu Schaumburg- Lippe, Prinz und Prinzessin Albrecht zu SchaumburgLippe sowie die Vertreter fremder Fürstlichkeiten und die Spigen der Behörden. Nach Abfingung eines Chorals nahm der Pfarrer Koch den Trauungsaft vor, und hielt die Traurede, nch deren Beendigung nochmaliger Gesang erfolgte, womit die Feier beendet war. Die Fürstlichkeiten kehrten nunmehr ins Schloß zurück, wobei die Neuvermählten im ersten Wagen fuhren. Nach der Ankunft im Schlosse fand Salienfrühstücktafel statt und hierauf Gratulationscour. Die Car reich geschmückt und alle Straßen von Einheiund Fremden dicht besetzt. Deutfcher Reichstag. bon ( 92. Sigung.) CB Berlin, 7. Junt. Nur ein geringer Bruchteil der Abgeordneten hatte sich heute zur ersten Sibuna nach den Zerien eingefunden, die dei follen Sie nicht." an ein Sonderling zu werden," flagte Franziska ,,, und das Fräulein Staatsanwalt." Welch holdes Erbarmen," fagte Erich, und ich bekenne, daß ich mir feine bessere Retterin wünschen kann, als Sie, Im Bewußtsein Ihrer Schuld, mein Herr, fangen Sie fängt an, mir leid zu tun. facher meiner Familie vor mir herblase wie Staub und so lange ich das nicht auf die eine Weise fann, geschieht es haupt, fehen Sie, ich möchte meinem Glücke Geiseln geben, ich möchte mich menschlich mit ihm auseinandersetzen; überGlück. Es scheint mir unnatürlich, daß ich diesen Widerindem ich menigftens wohne mie ein armer Ich habe Furcht vor meinem Freunde in Die darfst du wahrlich Freunde nennen. Aber die neidlos ein Glück dir gönnen, Hilfreich möchte sich mancher erweisen. der Rot" will nicht viel heißen; Frau Matschke... ,, Wieso, gnädige Frau?" " Sie meinen„ in den" kam er angefahren?" berbesserte nicht?" Ach, Sie meinen Ihren grünen Schwan", nein, der dort Na, Sie fizen ia doch selber drinnen und merken's wohl mar' n mirtlicher NAGR Präsident Graf Ballestrem mit einem Herzlichen Gruß an die Erschienenen eröffnete. Sodann gedachte er, während sich die Abgeordneten von ihren Pläben erhoben, des verstor benen Großherzogs Friedrich Wilhelm von MecklenburgStrelitz und übermittelte den Dank des regierenden Großherzogs Adolf Friedrich für die Kondolation, die der Präsi dent im Namen des Reichstags aus esprochen hat. Danach ging es an die zweite Beratung des Gesetzentwurfs betreffend die Bekämpfung der Reblaus, dessen erste füns Paragraphen ohne wesentliche Diskussion angenommen wur den. Hingegen knüpften sich an den§ 6, der die Bestimmungen über die Entschädigungen für die durch behördliche Maßnahmen herbeigeführten Verluste enthält, längere Auseinandersetzungen. Während der Regierung eigentlich schon die Beschlüsse der Komission zu weit gehen, beantragten Zentrum und Freisinnige Volkspartei die Entschädigungspflicht noch darüber hinaus auszudehnen. Die Vorlage wurde mit geringfügigen Aenderungen in der in der Kommission beschlossenen Fassung angenommen. Es folgte die zweite Beratung der Novelle zum Münzgeseß. Den Gegenstand der Diskussion bildete dabei ausschließlich die in der Kommission beantragte Ausprägung von Drei- Markstücken, die der Reichsschatzsekretär Frhr. v. Stengel bekämpfte. Preussischer Landtag. Haus der Abgeordneten. ( 77. Sigung.) RK Berlin, 7. Juni. Eine in Beamtenkreisen seit Jahren, ja seit Jahrzehnten viel erörterte Frage beschäftigte in der heutigen ersten Sizung nach den Ferien das Abgeordnetenhaus. Auf der Tagesordnung stand als erster Punkt ein Antrag Deser- Kopsch ( freis. Volksp.), der von der Regierung einen Gesetzentwurf wegen Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses der Beamten fordert. Dazu hatte Dr. Hi te vom Zentrum einen Nebenantrag gestellt: die Regierung möge erwägen, inwieweit eine Abstufung des Wohnungsgeldzuschusses je nach der Stärke der Familie der Beamten einzuführen sei. In der Debatte, in der sich Redner aller Parteien für die Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses aussprachen, war das Bemerkenswerteste die Rede des Finanzministers v. Rheinbaben. Seiner Darlegungen Essenz war: Für die höheren und mittleren Beamten will die Regierung eine Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses nicht eintreten lassen. Wohl aber will sie die Wohnungsgeldzuschüsse der Unterbeamten erhöhen, sobald die Finanzlage das gestattet. Von dem Antrag Hite will die Regierung nichts wissen. Wollte man ihn berücksichtigen, meinte der Minister, so hieße das ,, den automatischen Storch in die Naturgeschichte einführen". Der Antrag wurde schließlich der Budgetkommission überwiesen. Dasselbe geschah mit einem Antrag Faltin( 3tr.) wegen Gleichstellung der Amtsgerichtssekretäre mit den gleichartigen Verwaltungsbeamten im Range und in der Besoldung. Nah und Fern. Große Postdiebstähle. Seit einiger Zeit ist eine ganze Anzahl von Geldbriefen geöffnet nach Norwegen gekommen, und zwar aus den Vereinigten Staaten. Bei den vorgenom menen Untersuchungen meint man sicher festgestellt zu haben, daß die Diebstähle in Amerika stattgefunden haben. Die nor= megische Regierung hat deshalb die amerikanische Regierung aufgefordert, die nötigen Schritte zu tun, um den Dieben auf die Spur zu kommen. Ein Opfer des Spielteufels. Wegen Unterschlagung von 50 000 Mark wurde der 22jährige Kommis Rundstein von der Banffirma Calmann in Altona in dem Augenblicke verhaftet, als er im Begriff war, sich zum„ Großen Preis von Hamburg" nach der Borsteler Rennbahn zu begeben. In seinem Besitz wurden noch über 3000 Mark Bargeld vorgefunden. Das veruntreute Geld hat der junge Mann im Laufe der Zeit auf den Rennplägen und bei Buchmachern verwettet. Außerdem hat er sich in Hoppegarten drei Rennpferde gekauft. Auf telegraphische Anordnung der Altonaer Polizei wurden die Tiere dort beschlagnahmt. Kindesmißhandlung. Der wegen Kindesmißhandlung mit tödlichem Ausgange in Dresden verhaftete österreichische Graf Dr. juris Ressequier de Miremont ist, entgegen den ersten Meldungen, noch nicht aus der Untersuchungshaft entlassen worden, obwohl er sich zur Stellung einer Kaution in Höhe von 100 000 Mark bereit erklärt hat. Die gerichtliche Untersuchung gegen ihn nimmt seinen Fortgang, doch bermochten die bisherigen Recherchen der Staatsanwaltschaft den mysteriösen Fall nicht aufzuklären. Es steht indessen fest, daß der Tod des 4jährigen außerehelichen Töchterchen des Grafen nicht durch einen Sturz von der Treppe erfolgt, daß bielmehr eine körperliche Züchtigung seitens des Vaters der schweren Erkrankung des Kindes vorausgegangen ist. Eine Spur zur Aufklärung des Charlottenburger Leichenfundes glaubt die Kriminalpolizei entdeckt zu haben. Sie weist nach Magdeburg. Dort war eine 24jährige Frau Toni Sch. als Büfettdame in einem Weinrestaurant tätig. Am 31. Mai d. I. wollte sie nach Berlin zum Besuch ihrer Mutter kommen; sie ist jedoch dort nicht eingetroffen und wird auch in Magdeburg vermißt. Eine ganze Familie durch Gift geendet. In Hamburg vergiftete sich der wegen Falschmünzerei verhaftete Kunstmaler Buset mit Chankali. Zur selben Zeit machten seine Frau und seine Mutter gleichfalls ihrem Leben ein Ende, nachdem sie die Kinder vergiftet hatten. Bei der Rettung ertrunken. Eine eigenartige Tragödie spielte sich bei Bremen ab. Als eine Familie sich am Weserufer vergnügte und barfuß im seichten Wasser herumlief, geriet die Frau in tieferes Wasser und versant. Bei dem Versuch, sie zu retten, ertranten der Mann und Sohn. Die Frau dagegen wurde von hinzueilenden Personen gerettet. Jugendlicher Selbstmörder. Passanten der von KölnEhrenfeld nach Bickendorf führenden Chaussee fanden einen 13jährigen Gymnasiasten, den Sohn eines Ehrenfelder Kaufmanns, mit tödlicher Schußwunde vor. Der jugendliche Selbstmörder wurde ins Hospital gebracht, wo er bald darauf starb. Was den Knaben in den Tod getrieben hat, ist bisher noch nicht festzustellen gewesen. A Unwetter in Madrid. In Madrid ging ein furchtbares Hagelwetter nieder. Dabei fielen Schloßen von Taubeneiergröße, so daß viele Menschen verlegt wurden. Von dem Sturm wurden alte Bäume wie Streichhölzer zerknickt. Viele Stadtteile sind überschwemmt. Tausende von Vogelleichen liegen im Garten und Feld. Die Ernte ist vernichtet. Der Schaden beträgt Millionen. Lebende Fackeln. Ein furchtbares Schauspiel bot sich Jestern den erschreckten Einwohnern des Dorfes Hohemculsch Sei Bismarck i. M. Infolge der Explosion einer Spiritusflasche beim Feueranmachen hatten die Kleider der Frau des Karousselbesitzers Floff aus Bismarck und von dessen Find Fener gefangen. Die Munter, welche einer Feuersäule glich, rannte in ihrer Verzweiflung mit dem Kinde in den nahen Dorfteich. Beide trugen erhebliche Brandwunden davon. An ihrem Aufkommen wird gezweifelt. Mord in refigiösem Wahnsinn. Auf dem Fleischmarkt, einer sehr belebten Straße der inneren Stadt in Wien, tötete abends das 26jährige Dienstmädchen Elisabeth Straßner die junge Schneiderin Anna Wolac nach kurzem Wortwechsel durch einen Stich in die Brust. Man hält den Mord für eine Tat aus religiösem Wahnsinn, weil man bei der Mörderin Rosenkränze und Heiligenbilder fand. + Gine förmliche Schlacht zwischen Weißen und Negern fand in den Straßen von Philadelphia statt. Die Zahl der Kämpfer wird auf 300 angegeben. Der Kampf, in dem Revolver, Messer und Ziegelsteine auf beiden Seiten reichlich benutzt wurden, dauerte eine halbe Stunde. Fünf Personen erlitten so schwere Verlekungen, daß sie ins Krankenbaus geschafft werden mußten. Gegen 20 weitere Personen wurden leichter verletzt, darunter mehrere Schußleute. Der Anlaß des Zusammenstoßes war die Beleidigung einer weiBen Frau durch einen Farbigen. Große lleberschwemmungen haben im Staate Kansas, besonders in den südlichen Distrikten, wo die Flüsse seit 20 Jahren einen so hohen Wasserstand nicht gehabt haben, bedentenden Schaden angerichtet. Brücken sind fortgeschwemmt, die Saaten vernichtet und die Deffelder verwüsttet worden. Einige Menschen sind ertrunken, viele haben sich nur mit fnapper Not gerettet. Im fiidwestlichen Teile des Staates ist, wie verlautet, der Eisenbahndienst unterbrochen. Im Indianer- Territorium und in Oklahoma sind die Flüsse aus Sen Ufern getreten, das Hochwasser hat dort auch auf vielen Farmen Schaden angerichte. Auch im südwestlichen Teile von Missouri find die Eisenbahnen beschädiat. Lokales. 8. Juni 1904. * Der Großherzog wohnte gestern Vormittag auf dem Truppen Uebungsplaße der Besichtigung des 2. Großh. Dragoner- Regiments( Leib- Dragoner- Regiments) Nr. 24 durch den Herrn Kommandierenden General bei. X Das Möbelgeschäft. C. Werner in Gießen hat unterm 2. Juni den Konkurs angemeldet. Beim Revidieren der Bücher sind Unregelmäßigkeiten entdeckt worden, welche die Verhaftung des Geschäftsführers Kroneberg, der der Schwiegersohn der Inhaberin ist, notwendig machten. Es sind noch allerlei Gerüchte in der Stadt im Umlauf, inwiefern eins oder das andere wahr ist, wird die Untersuchung feststellen. □ Eine Rheinfahrt unternahm am Sonntag die Vereinigung der Rhein- Main- Gau- Kreis vereine des Verbands Deutscher Handlungsgehülfen zu Leipzig. In Stärke von weit über 1000 Teilnehmern ging es auf dem prächtigen Rheindampfer Rheingold" zunächst nach Bingen. Vertreten waren die Vereine Frankfurt, Aschaffenburg, Gießen, Weglar, Wiesbaden, Öffenbach, Kreuznach und Worms. Am Niederwalddenkmal hielt Herr Marquard- Lipzig die kraftvolle Festrede und Herr Direktor Bernhard schmückte das Denkmal mit einem Lorbeerkranz. ==Queckboru, 7. Juni. Die Gemeinde hat das vom Staat angetaufte Strebefoh'sche Gut für rund 3200 Mt. an die Ortsbürger verpachtet. A Ettingshausen, 5. Juni. Die geplante Bahnstrecke Grünberg Lich beschäftigte hier eine Versammlung der Ortsbürger im Saale des Wirtes Ph. Keil. Die Versammlung beschloß, die Geländekosten aufzubringen und sprach den dringenden Wunsch nach einer baldigen Bahnverbindung aus. Zwei Projekte sind vorgesehen, das eine führt nördlich, das andere südlich am Dorf vorbei; letzteres hat am meisten Anhänger, denn hier ist man den großen Wäldern und Basaltsteinbrüchen der Gemeinde am nächsten. Ulrichstein. Die am leßten Samstag und Sonntag hier stattgefundene Geflügel Ausstellung, veranstaltet von der Sektion Ulrichstein des Vogelsberger Geflügelzuchtvereins, hatte einen sehr guten Verlauf bezüglich des Gebotenen zu verzeichnen Bei der Eröffnung waren anwesend die Herren Geh. Reg.- Rat Schönfeld, Kreisrat Dr. Wallau und Freiherr v. Rie desel. Ausgestellt waren im ganzen 219 Nummern. Bei der Preisverteilung erhielt Herr Södler- Nieder- Gemünden für beste Gesamtausstellung. + Rendel i. d. Wetterau, 6. Juni. Der Kaiser hatte dem hiesigen Kriegerverein anläßlich seines 25 jährigen Bestehens eine Fahnenschleife mit Nagel verlichen, die gestern von dem Kreisrat Fey Friedberg überreicht wurde. + Weitershain. Zwei Schulklassen mit ihren Lehrern waren am Montag per Leiterwagen nach Marburg gefahren, um die Sehenswürdigkeiten der Stadt in Augenschein zu nehmen. Lorsch( Hessen), 5. Juni. Auf dem heute hier abgehaltenen Verbandstag der Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften der Provinzen Starkenburg und Oberhessen wurde gegen das Scherl'sche Sparsystem enerisch Front gemacht und, wie die„ W. Volksztg." schreibt, dem Bedauern Ausdruck gegeben, daß tein Vertreter der Staatsbehörde anwesend war, zumal Genossenschaftsanwalt Crüger zahlenmäßig nachwies, daß die Kreditgenossenschaften seither neben den Gemeindesparkassen in friedlicher Zusammenarbeit mit diesen nur segenbringend gewirkt haben. × Nidda. Unsere Stadt hat, seit sie Knotenpunkt verschiedener Bahnen geworden ist, jedes Jahr einen mehrgesteigerten Fremdenverkehr zu verzeichnen. Dazu trägt allerdings die herrliche Lage der Stadt im Tal, mitten ins Grüne hineingebettet, sowie die Beschaffung großer Räumlichkeiten und Gartenanlagen zur Aufnahme von Gästen das ihrige bei. Am Sonntag hatten wir mehr Besucher, als die Stadt Einwohner zählt. Um 121 Uhr brachte ein Extrazug von Friedberg her 500 Personen des Eisenbahnvereing Buzbach. Gegen 2 Uhr brachten zwei Extrazüge einen Teil des Eisenbahnvereins Gießen 1600 Beute mit der Kapelle des Gießener Regiments. Allen schienez in Nidda sehr gefallen zu haben. Ankunft und Abfahrt der Extrazüge gingen in musterhafter Dcdnung vor sich. Nächsten Sonntag wird die andere Hälfte des Eisenbahnvereins Gießen in zwei Extrazügen hierher kommen und Dienstag in 8 Tagen die andere Hälfte des Eisenbahnvereins Buzbach. Noch sei zu erwähnen, wie einträchtig unter und miteinander die hohen und niederen Eisenbahner" gingen und fuhren; man sah: der ganze Verein ist ein großes Getriebe, in dem große und kleine Räder einträchtig ineinandergreifen, um ihrer großen Aufgabe gerecht zu werden, den Verkehr zu vermitteln. " Aus dem Gerichts[ aal. Schwurgericht. BBögel zu erfpähen, bber auf niedrigen erreich Berhängnis erlorens Sie wer Hillten fommt es vo ine Jungen zu f och zum Opfer fo Been Gedanten fom huurd geeignete Bor Spier wäre ein ban mnergifch einzufchrei orftellig würden, höglicht verhindert anz ihre Bedeutung loren. Man ift jest Fangapparate anzuf Benn dann noch hi haften der Razen z ift es zu verwun ngeftört ihr fred wäre daher wohl wenn für die Butu igend welchen Gri wine Steuer bo aufzuerlegen, dals figtbares Beidh amarte mit Nummer Fund folche ohne die und unnachfichtig zu hamere Borfchläge n po ift Einsender self Gießen, den 6. Juni 1904. Als einziger Fall für das II. Quartal lag die Strafsache gegen die Dienstmagd Karoline Stieglitz von Tal- Itter wegen Kindesmords vor. Die Angeklagte ist wegen der gleichen Straftat durch Urteil des Schwurgerichts Marburg mit 2 Jahren Gefängnis vorbestraft. Nach verbüßter Strafe diente sie in Gießen und darauf in Bad- Nauheim, bezw. in dem zwischen Nauheim und Nieder- Mörlen gelegenen Wirtshaus zu den Vier Jahreszeiten. In Gießen bereits hatte sie das nicht ohne Folgen gebliebene Verhältnis angefnüpft und auch in ihrer späteren Dienststelle unterhalten. Den Gedanken, das Kind bei der Geburt nicht am Leben zu lassen, setzte sie anfangs Februar d. J. in die Tat um. Geständigermaßen erwürgte sie das Kind, indem sie ihm mit einer Schnur den Hals zuzog. Am 5. April d. J. wurde die Leiche gefunden. Es besteht nach dem Sektionsbefund fein Zweifel darüber, daß das Kind gelebt hat. Die durch den Geschworenenwahrspruch schuldig befundene Angeklagte wird zu 4 Jahren 2 Monaten Gefängnis unter Aufrechnung von 2 Monaten der Untersuchungshaft verurteilt. Vertreter der Anklage war Großh. Oberstaatsanwalt Theobald, während als Verteidiger Rechtsanwalt Klarenaar der Angeflagten beigegeben war. Straffammer. - Gießen, den 7. Juni 1904. Der vielfach bestrafte Taglöhner Heinrich Spahn von Freiensteinau entwendete zu Friedberg in der Ziegelei von Gazert einen sogenannten Bahnhobel im Werte von 8-10 Mart. Urteil: 6 Monate Gefängnis, worauf 2 Wochen Untersuchungshaft aufzurechnen sind. Die Fortbildungsschüler Ludwig Magel, Wilhelm Rühl, Heinrich Schmidt, Wilhelm Haas und Ludwig Galser, alle von Burkhardsfelden waren wegen Beleidigung des Lehrers Buß dortselbst angeklagt. Die schöffengerichtliche Verhandlung endigte mit Freisprechung sämtlicher Angeklagten, worauf die Staatsanwaltschaft Berufung rerfolgte. Die Verhandlung ergab, daß die Angeklagten sowohl in der Schule als auch auf der Straße den Lehrer durch auffälliges Riesen belästigten. Es bestand kein Zweifel, daß es auf eine Beleidigung des Lehrers abgesehen war, weshalb die zwei ersteren zu je 5 Tagen Gefängnis verurteilt wurden, während die drei legteren mit je 3 Tagen davonkamen. Der Jagdaufseher und Landwirt Heinrich Heuser von Lanzenhain hat sich in angetrunkenem Zustande einer Gotteslästerung schuldig gemacht, was das Gericht mit 6 Wochen Gefängnis ahndete. Wegen einer weiteren unter Anklage gestellten Aeußerung erfolgte Freisprechung. Wegen einer nächtlichen Schlägerei zu Büdesheim wurden durch das Schöffengericht Vilbel Jakob Klehm zu 4 Wochen Gefängnis, Karl Klehm zu 80 Mark Geldstrafe und Heinrich Konrad Schmidt zu 130 Mt. Geldstrafe verurteilt. Die zwei letteren beruhigten sich bei dem Urteil, während Jakob Klehm Berufung einlegte. Da die Berufungsverhandlung ein flares Bild in der AngelegenZum heit nicht schaffen fonnt, erfolgte Freisprechung. Schlusse wurde der Landwirt Konrad Wagner III. von Allendorf a. d. Lumda, welcher gegen ein Urteil des Feldgerichts Gießen Berufung verfolgte, freigesprochen. Eingesandt. Für die unter dieser Rubrik gebrachten Artikel übernehmen wir dem Bublifum gegenüber keine Verantwortung. Wer jezt bei der schönen Jahreszeit sich als sinniger Naturfreund in Flur, Wald und größeren Gartenanlagen tagsüber in ausgiebigen Spaziergängen ergeht, fann sich an dem üppigen Gedeihen der Kulturpflanzen erfreuen. Aber auch das emfige Hin und Her unserer kleinen gefiederten Sänger macht ihm viel Vergnügen, wenn dieselben sichtlich bemüht sind, ihren Pflichten des Familienlebens gerecht zu werden, indem sie ihrer jungen Brut fleißig Aeßung zutragen. Dann stellt man seine Betrachtungen an über die überaus große Nüßlichkeit, welcher unsere fleinen Freunde im Haushalt angewiesen sind zum Wohle des ganzen. Man legt sich dann unwillkürlich aber auch die Frage vor: Werden wohl die jungen Vögelchen auch das Ziel ihrer Bestimmung erreichen? Da kommt man zu dem Schluß, daß es als Antwort auf diese Frage nur ein Fragezeichen gibt, denn schier zahllos sind die Feinde, welche bemüht sind, die kleinen Tierchen zu vernichten. Nur einzelne, besonders gefährliche solcher Feinde seien hier erwähnt. Unter den Vogelarten sind es namentlich alle Neuntöterarten, Raben, Elstern und Häher; unter den Vierfüßlern besonders das Wiesel, der Iltis, welche als sehr gewandte Räuber zu bezeichnen sind. Nicht zum wenigsten ist aber auch die Hauskaße als großer Vertilger junger Vogelbruten zu erwähnen. Wer wie der Einsender dieses öfter Gelegenheit hatte, dieses tückische Raubtier zu beobachten, der wird auch bemerkt haben, wie die Haustaß geräuschlos umherschleicht, um eine Brutstätte junger Ballonga Johannes B Ratgebers im Dbft Weiss sigions ta NAATR Kont $ 19092 siplaj is Her Dienstag, foll das Heug blageff, fowie Stadtwalde in Grünb Gr Pferd Die rüd b. Ja. fönner den Unterzeich Grünb Der Brotpreis. Gegri Bu Westan her, als die Gla in Extrazug in bahnberejni Extrazüge en 1600m exmen Allen schiena gel zu erspähen, einerlei ob diese auf der Erde, im Busch ob auf niedrigen Bäumchen sich befindet, denn hat sie das Bhängnis erreicht, dann sind auch die Vögelchen unrettbar adoren's Sie werden ermürgt und verschlungen und nicht jeten kommt es vor, daß das Elternpaar, welches verzweifelt feines Sungen zu schützen sucht, dieser frechen Räuberin auch noch zum Opfer fällt. Soll man da nicht unwillkürlich auf bien Gedanken kommen: Ist es denn gar nicht möglich, hier durch geeignete Vorkehrungen schüßend eingreifen zu fönnen? Sier wäre ein dankbares Feld für die Tierschußvereine, ganz enrgisch einzuschreiten, indem sie bei maßgebender Stelle worstellig würden, daß das gefährliche Treiben der Kaßen möglichst verhindert wird. Die Kaze hat schon längst, fast nft und Abfah Onung vor fi Eisenbahn erher tommen un Eisenbahnverein rachtig unter un enbahner" ginge it ein großes G einträchtig inein ganz ihre Bedeutung als Mäuse vertilgendes Haustier vererecht zu werden aal. Juni 1904. al lag die Stra lig von Tal- Itta te ist wegen de Loren. Man ist jetzt in der Lage, sich vorzüglich funktionierende Sang apparate anzuschaffen, welche ganz ausgezeichnet wirken. Benn dann noch hinzufommt, der sonst noch lästigen EigenShaften der Raßen zu gedenken, ihrer Naschhaftigkeit u. s. w, So ist es zu verwundern, daß noch zahllose dieser Vierfüßler angestört ihr freches Räuberhandwerf weiter treiben. Es wäre daher wohl möglich, allem diesem etwas zu steuern, wenn für die Zukunft allen denjenigen Personen, welche aus irgend welchen Gründen Kazen als Haustiere halten wollen, eine Steuer von 3 Mt. jährlich auf jede Kaze aufzuerlegen, und weiter anzuordnen, daß die Kagen als sichtbares Beichen ihrer Zugehörigkeit eine kleine Metallrgerichts Marburg morte mit Nummer um den Hals befestigt tragen müssen Nach verbüßt in Bad Nauheim und unnachsichtig zu beseitigen sind. Sollten aber noch wirkMörlen gelegene famere Vorschläge nach dieser Richtung hin gemacht werden, n Gießen bereit so ist Einsender selbstverständlich auch hiermit einverstanden. und solche ohne dieses Merkmal als herrenlos zu betrachten Berhältnis ange Aftelle unterhalten t nicht am Lebe F. in die Tat u indem fie ihm mit April d. J. Seftionsbefund fein at.- Die dur fundene Angellag unter Aufrechnung rurteilt. Vertrete nwalt Theoba arenaar der Ang Juni 1904. inrich Spahn von in der Ziegelei von erte von 8-10 worauf 2 Wochen Die Fortbildungs Heinrich Schmidt, n Burkhards ehrers Buß dort handlung endigte rauf die Staatschandlung ergab als auch auf der belästigten. digung des Lehrers zu je 5 Lagen brei legteren mit feher und Lands hat sich in an fhuldig gemacht ahndete. Wegen eußerung erfolgte n Schlägerei zu Tengericht Bild rl Klehm zu 80 midt zu 130 eruhigten fich bei ung einlegt. Da - Sum in der Angelegen rechung. Wagner III. von eigesprochen. en ein Urteil ba übernehmen wir dem wortung. fich als finnige ren Gartenanlagen geht, fann sich an nerfreuen. Aber Kleinen gefiederten diefelben fichtlich nlebens gerecht zu Litterarisches. Baltongärtnerei und Vorgärten. Von Johannes Böttner, Chefredakteur des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau. Mit 120 Abbildungen. Weisswaren sigions Come Konfektion 9092 siglof: | Preis 1,80 mt. Frankfurt a. Oder. Verlag von Trowitzsch& Sohn, Königl. Hofbuchdruckerei und Verlagsbuchhandlung. Von Stadtverwaltungen wird die Anlage von Vorgärten für bestimmte Straßen zur baupolizeilichen Vorschrift gemacht, Gartenbauvereine schreiben Wettbewerbe für Balkons und Vorgärten aus gewiß ein Beweis, daß die Balkon- und Vorgartenpflege immer mehr an Ansehen gewinnt. Und sicer gibt es feine freundlichere Abwechselung in dem eintönigen Straßenbild unserer Großstädte, als geschmackvoll angelegte Vorgärten im Blumenflor oder Balfons in dem prangenden Schmuck der Ziergewächse. Sie bieten dem Stadtbewohner mitunter die einzige Gelegenheit, sich eines wenn auch nur bescheidenen Stückchens Natur zu erfreuen. So sollte es wenigstens sein, und in dieser Absicht sind ste geschaffen. Wie häufig wird dieser Zweck verfehlt durch eine unverständige Anlage und mangelhafte Pflege der Gewächse, die Ballon und Vorgarten und damit Haus, Straße, Stadt zieren sollen. Ungeschmückte Balkons aber und ung pflegte Börgärten sind ein trostloser Anblick. Ueber alle Fragen unterrichtet das liebenswürdige Buch eingehend und für jeden verständlich, von den ersten Anschaffungen( wobei Preise angegeben), der Anlage( mit Plänen) bis zur Ueberwinterung. Das Buch ist zu beziehen durch jede Buchhandlung, sowie gegen Einsendung von Mt. 2, oder gegen Postnachnahme direkt portofrei von der Verlagsbuchhandlung Trowitzsch& Sohn in Frankfurt a. Oder. - Neueste Nachrichten. Berlin, 7. Juni. Der„ Reichsanzeiger" meldet: Der König verlieh dem hessischen außerordentlichen Gesandten in Berlin Geheimrat Neidhardt die Brillanten zum Roten Adlerorden 1. Klasse und dem hessischen Geheimen Oberbaurat, Professor an der technischen Hochschule in Darmstadt, Hofmann, den Roten Adlerorden dritter Klasse. Blusen Marktberichte. Frankfurt a. M., 6. Juni. Fruchtmarkt. Es notierten nach Qualität: An Weizen, hiefiaer und Wetterauer mt. 17.20-17.30, furheſſiſcher Mr. 17.20-17.30 Roggen, hiesiger Mt. 13.25-13 35, russischer Mr. 13.90-14.20. Gerste, hiesige Mr. 15.05 bis 15 50, Pfälzer Mt. 15.75 bis 16.00, fränkische Mr. 15 70-15.90, Riedaeiste Mk. 15.50 bis 15 75, Hafer, hiesiger und Wetterauer Mk. 12.75-14 00, furhessischer Mr. 12.75-14,00, bayrischer Mk. 12.90-14 00, mais, Mixed Mt. 11.00-12.10. Alles pro 100 kilo ab hier. Mehl unverändert. Es notterten nach Qualität: Weizenmehl hies. O, Mr. 26.00-26.50, feinere Marken, wt. 28.50-29.00, hiesiges Nr. 1, Mr. 24.00 bis 24.50, feinere Marken Mt 25.25-25 75, hiesiges Nr. 2, Mt. 23.00-23.50, feinere Marken Mt. 24.00-24.50, hiesiges Nr. 4, Mr. 19.00-19.50, feiner Marken 20.00-20 50, Roggenmehl, hiesiges, 0, Mt. 22 0022.50, do. 1, Mr. 19.50-20.00, do. 2, mt. 15.00-16.00, per 100 kilo inkl. Sad. Futterartikel g fragt. Weizenschalen Mr. 4 50-4 60, Weizenkleie Mk 4.50-4.60, Roggenkleie Mt. 4.80-5.00 Weizenfuitermehl Mt. 6.75-7.25, Biertreber, getrocknet M. 5.40 b. 5.50, Malzkeime 5,30-5.40, Rapsfuchen 5.50-5,75, Palmkuchen 5.60-5.80 mt. Alles per 50 Kilo. Alles Verantwortlich: für den politischen, vermischten und unterhaltenden Teil Albin Klein Gießen; für den lokalen Tell Karl Klose, Grünberg. Tie Zi hung 2. Kasse der 4. Hess.- Thüringischen Staate loiterie findet am 14. und 15. ds. Mts. statt. 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Js. fönnen noch innerhalb 14 Tage ohne Kosten an den Unterzeichneten bezahlt werden. Grünberg, am 7. Juni 1904. Der Rechner des Pferdeversicherungs- Verein: Heinrich Zimmer II. Für Bäcker! Heßung zutragen Brotpreis- Formulare hält stets am Lager über die überaus unde im Haushalt D n. Man legt fid r: Werden wohl Bestimmung er uß, daß es als eichen gibt, benn onders gefährliche r den Bogelarten t find, die kleinen ben, Eltern und bas Wiesel, der u bezeichnen find. stage als großer 7. Wer wieder s tüdische Raub haben, wie bie Brutftätte junger die Expedition. Plafter und Chauffierarbeit soll Montag, den 13. Juni d. Js. vorm. 10 Uhr öffentlich vergeben werden. Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen während der Dienststunden bei uns auf Zimmer Nr. 6 zur Einficht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhält lich, find spätestens bis zum obengenannten Zeitpunkt an uns einzureichen. Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, den 6. Junt 1904. Städtisches Tiefbauamt. Braubach. 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Juni, vormittags 6 Uhr: Weckruf Vormittags von 11 Uhr ab: Frühkonzert im Garten des Hotel Buschmann. Nachmittag 2 Uhr: Eintritt frei! Aufstellung des Festzuges auf Oswaldsgarten. Von nachmittags 3 Uhr ab: Großes Konzert im Garten des Neuen Saalbanes ausgeführt von der gesamten Kapelle des Inf.- Reg. Kaiser Wilhelm( 2. Großh Heff.) Nr. 116 unter persönlicher Leitung des Großherzogl. Musikdirektors Herrn Kranke, sowie unter geft. Mitwirkung des Bauerschen Gefangvereins, unter Leitung des Dirigenten Herrn Kapellmeister Polster. Weihe der Fahne. Belustigungen aller Art Preisschiessen. Tanz. Montag, 13. Juni, vormittags 10% Uhr: Frühschoppen im Hotel Stadt Mainz. Nachmittags Ausflug nach dem Gleiberg, Abfahrt mit der Biebertalbahn 3.25 Uhr. Eintrittspreise: für die Veranstaltungen des Nachmittags für Nichtzugteilnehmer an der Kasse 50 Pfg. In den Vorverkaufsstellen bei den Herren R. Buchacker, Neuen- Bäue 11, Karl Graf, Kirchenplay 15, Ph. Hermann, Seltersweg 33, C. G. Kleinhenn, Bahnhofstraße 59, Johannes Seibel, Ludwigsplat 40 Pfennige. Familienkarten auf Namen mit 2 Beikarten 1 Mark, Festzugteilnehmer freien Eintritt. Die Einwohnerschatt Giessens wird höfl. gebeten, die Häuser, GiessenerFischbaus| Afterweg 1. Täglich leb. frische Schellfische, Cablian, sowie sämtliche Seefische Bekanntmachung. Betr. Die Löber'sche Stiftung. Aus obiger Stiftung ist eine Pfründe von 260 ME in allen Preislagen. Sämtliche jährlich an einen in Gießen geborenen, verwitweten Lahnftiche, wie Hechte, Karpfen, Handwerker zu vergeben. bei Weißfische 2c. stets leb. zu haben Anmeldungen werden bis zum 20. Juni 1904 auf dem Armenamts, Neuen- Bäue 25, Zimmer Nr. 2 ent gegengenommen. M. Simon. Prompter Versan dt nach Auswärts. Prima Kartoffel Speise- u. Salatkartoffel zu den billigsten Tagespreisen entpfiehlt J. Hankel Schloßgaffe Gießen. - Union Wichse ( vormals Krauss- Clinz) ist und bleibt ( die beste! In Schachteln u. Dosen überall vorrätig! Fabrik: Union Augsburg. 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Die Armendeputation der Stadt Cießen. Curschmann. Bekanntmachung. Betr.: Die Vergebung der Zinsen des Christian Gerhard Hastschen Vermächtnisses. Aus obigem Vermächtnis sind zehn Gaben zu 19,71 Mr. an zehn bedürftige Familien, bezw. Witwer oder Witwen zu vergeben. Anmeldungen zum Bezug der Zinsen sind bis zum 14. d. Mts. einschließlich bei dem Armenamt, NeuenBäue 25, Zimmer Nr. 2, mündlich oder schriftlich vorzubringen. Gießen, den 3. Juni 1904. Großh. Bürgermeisteret Gießen. J. V: Curschmann. Bekanntmachung. Die Sperre der Schanzenstraße, der Wetsteins straße und der Sonnenstraße zwischen Kreuzplatz und Schulstraße, wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 7. Juni 1904. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Herberg. Bekanntmachung. Die Schulstraße wird wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten von heute an bis auf weiteres für für den Fuhrwerks- und Fahrradverkehr gesperrt. Gießen, den 7. Juni 1904. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Herberg. Arbeitsvergebung. Die zum Ausbau des Treppenhauses im alten hauptsächlich der Strassen die der Festzug passiert, zu schmücken. 1. Verkäuferin Schloß hierselbst erforderlichen Steinmenarbeiten und Deuer Saalbau, Giessen. Freitag, den 10. Juni, abends 8 Uhr: Konzert des Königlichen Musikdirektors Adolf Boettge. ( Begründer der historischen National- Konzerte) mit der gesamten( 50 Musiker) Kapelle des Bad. Leib- Grenadier- Regts.( Karlsruhe). Programm: Oesterreich- Ungarn in Lied und Tanz mit Nationalinftrumenten. Die Kapelle hat es unternommen, musikalische Aufführungen zu veranstalten welche dem Publikum ein getreues Bild von der historischen Entwickelung der Nationalmusit aus aller Herren Länder geben soll. Eine Reihe hervorragender Musikstücke wird nicht allein in der ihnen eigentümlichen Instrumentierung, sondern mit den hierfür berechneten Instrumenten ausgeführt. Vorverkauf á 75 Pfennig sind zu haben Billetten Restaurateur Schrödel, NeuerSaalbau und bei Herrn Friseur Stier, Neuen- Bäue. 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Der Erich ist für seine acht Jahre ungewöhnlich ernst und hat, ich darf das ohne Ruhmredigkeit sagen, viele gute Eigenschaften, doch konnte ich trotz aller Ermahnungen und Einwirkungen ihn nicht dazu bewegen, sich seinen jüngeren Geschwistern gegenüber freundlich und liebreich zu beweisen, ich habe ihn niemals einen Genuß, eine Freude mit ihnen teilen sehen, er war abweisend, ja schroff, namentlich dann, wenn ich ihm ins Herz und ins Gewissen geredet hatte. Jüngst mußte ich von einem Ausgange wider Erwarten rasch zurückkehren. Vor der Tür des Kinderzimmers angelangt, höre ich ein klägliches Geschrei meines jüngsten Kindes, eines Knaben von zwei Jahren. Dazwischen Grich, aber so weich, so freundlich, wie ich sie nie gehört. ich traute meinen Ohren nicht die Stimme meines Voller Erwartung öffnete ich leise die Tür und sehe meinen vermeintlichen hartherzigen Jungen neben dem kleinsten auf dem Teppich liegen und das kleine Händchen des Schreihalses in seinen dichten Lockenkopf schieben, damit er dort durch ungehindertes Bausen und Zupfen sich Trost und Unterhaltung in seinem Herzeleid verschaffe. Dieses Opfer brüderlicher Liebe überraschte und rührte mich tief. Ich eile auf den Jungen zu und drücke ihm in meiner Herzensfreude einen zärtlichen Kuß auf den zerwühlten Kopf. Aber Erich," rufe ich dann ,,, du hast ja dein Brüderchen doch lieb! Warum hast du das der Mama niemals gezeigt?" Und was antwortet er? Du sollst mir's nicht immer sagen, Mama!" Also freiwillig, ohne drängen und ungesehen wollte er seine Liebe beweisen. Seit jener Zeit bin ich höchst vorsichtig im urteilen und verurteilen." Neben dieser kleinen Episode könnten Väter und Mütter, welche die Erziehung ihrer Kinder mit aufmerksamem Auge leiten, noch hundert andere Züge stellen, die alle bekunden, daß in jedem einzelnen Kinde nur ihm eigentümliche, zunächst unbekannte Kräfte, Neigungen und Abneigungen schlummern. Sie zu erforschen und das vorhandene auszubauen zum harmonischen Ganzen: das ist die Aufgabe, welche jeder gewissenhafte Erzieher zu lösen hat. Und manche Kindesträne bliebe ungeweint, mancher Seufzer Eltern und Erziehern erspart, und der menschlichen Gesellschaft würden charaktervollere Menschen erzogen, wenn man es sich angelegen sein ließe, die Physiognomie der Kinderfeele, ieder einzelnen zu erforschen! Es ist dies eine Forde rung der Gerechtigkeit und Humanität, aber auch der eigenen Klugheit des Erziehers. Doch unterläßt man es nicht sogar oft, auch nur bei den auffälligsten Erscheinungen in der Eniwickelung des Kindes nach dem etwa vorhandenen unbekannten Grunde zu suchen? Woher zum Beispiel bei dem einen die Verschlossenheit, der Hang zur Unwahrheit, bei dem andern der Trotz oder die Schlaffheit des Willens rührt, bei diesem der Mangel irgend eines gewünschten Interesses, bei jenem die Unlust zu einer gewissen Tätigkeit, bei einem Dritten heiten? Die Lösung der Probleme ist oft leicht zu finden, zu die Neigung zu törichten, vielleicht verhängnisvollen Gewohnweilen schwer, immer aber erfordert sie Geduld und Liebe. Man kann sich diesen Teil des Erziehungsgeschäftes erleich tern, wenn man dem Nate Kants folgt, der da wünscht, daß man das Kind von der ersten Kindheit an in allen Stücken frei sein lasse, ausgenommen in den Dingen, wo es sich selbst oder andern schadet. Vortreffliche Gelegenheit zur Beobachtung bietet auch das Kind bei seinem Spiele, allein oder mit andern. Und sollte hier und da einer Mutter denn in ihrer Hand ruht stets eine große Verantwortlichkeit, weil sie die erste Erziehung leitet - bangen vor der Schwere der gestellten Aufgabe, dann sei sie daran erinnert, daß Gott in das wahrhaft liebende Mutterherz eine höhere Fähigkeit gelegt hat, die Seele ihres Kindes zu erkennen, als sich je der eifrigste Psychologe erwerben könnte, wenn sein Herz bei seinem Forschen unbeteiligt bliebe. Der Dichter läßt das taube Mütterlein den unhörbaren Schritt des leise zur Tür hereinschleichenden, aus der Fremde wiederkehrenden Sohnes vernehmen: so erschließen sich auch dem schlichten Verständnis einer treuen, liebenden Mutter die Rätsel der Kinderseele in ungeahnter, in wunderbarer Weise. Küche und Keller. Seezungen werden abge= Seezungen auf Hamburger Art. zogen, in vier Filets zerlegt, die gesalzen und mit Zitronensaft beträufelt, zugedeckt eine Stunde stehen bleiben.- Abgetrocknet, wendet man sie dann zunächst in geschmolzener Butter, hierauf in geschlagenem Ei und geriebenem Weißbrot und bäckt sie in gutem Indes rührt man 100 Gramm Butter Backfett goldbraun. schaumig, fügt einige Sardellen, den Saft einer Zitrone, ein Glas Weißwein, Pfeffer, Salz, fein gewiegte Petersilie und etwas englischen Senf hinzu, alles zusammen zu einer dicklichen Sauce ver rührend. Die Fische werden auf einer runden Schüssel schichtweise angerichtet und jede Lage mit Sauce überfüllt. - * 3 Kartoffel- Beignets. 125 Gramm Butter rührt man zu Schaum, mischt ein halbes Kilogramm tags zuvor gekochte, fein geriebene Kartoffeln, ein ganzes Ei, zwei Eidotter, 65 Gramm Zucker, cinc Prise Salz und etwas abgeriebene Zitronenschale hinzu und formt den Teig zu länglich- runden oder länglich- viereckigen Beignets, die man in Ei und geriebener Semmel umwendet, in heißer Butter ausbäckt, mit Zucker bestreut und mit einer glühenden Schaufel glaciert; man ſerviert sie entweder mit einer Frucht- oder WeinSauce oder ohne Sauce als Mehlspeise. Man Dominiques. Oft hat man einen klemen Rest von heuem und dunklem Fleisch stehen( z. B. Rind- und Schweinefleisch), und die Hausfrau weiß nicht, wie sie etwas Anständiges davon herstellen soll. Nun läßt sich gerade von hellen und dunklen Fleischresten eine so hübsche und einladende Schüssel herrichten, daß jedes Hausmütterchen sie einmal versuchen sollte. schneidet beide Sorten Fleisch in gleichmäßige Scheiben. Die dunklen Scheiben bestreicht man mit einer Farce, die man aus Reibbrot, geriebenem Käse( trockene Reste sind dazu vortrefflich), etwas zerlassener Butter, einigen Eiern, Kräutern, Pfeffer und Salz und zerhackten Kapern bereitete, legt die hellen Scheiben darauf und erhitzt das Ganze mit Butter und einem Gläschen Rotwein fest zugedeckt. Man legt abwechselnd helle und dunkle Scheiben oben auf den Teller, verziert das Gericht mit Zitronenspalten und reicht kleine gebratene Kartoffeln dazu. * Kinderhumor. Auf Umwegen. Mutter: Wo hast du das Zehnpfennigstück, das ich dir zum Spielen gegeben habe, Karl?"— Karl ( jammernd):„ Ach, Mama, schlag' mich nicht, ich hab's verschluckt." Mutter( erschreckt):„ Um Gotteswillen, verschluckt... da mußt du mit zum Arzt..."— Karl:„ Ach nein, Mama vorher habe ich mir ja Bonbon dafür gekauft!" * Beweis. Vater:" Du hast also zwei Preise in der Schule erhalten, Ella?"- GIIa:„ Ja, Papa!"- Vater:„ Wofür hast dit sie denn bekommen?" II a:„ Den einen Preis, weil ich das beste Gedächtnis in der Klasse hatte." Vater:„ So, und den - EIIa:„ Ja, das habe ich augenblicklich vergessen. zweiten?" - * Wie Karlchen Schulze„ Erster" wurde. Karlchen( komm freudestrahlend aus der Schule und erzählt dem Vater, daß er in der französischen Unterrichtsklasse Erster geworden sei. Vater( erstaunt): Aber, Junge, das ist ja gar nicht möglich, du hast im Französischen stets schlechte Zensuren erhalten. Karlchen: Janz klar is mir die Sache ooch nich. Der Lehrer wollte wissen. was„ jeboren" uf Französisch heeßt. Nu fragt er der Reihe nach keener wecß ct. Wie er schonst janz witig is, kommt er zu mir und fragt:„ Karlchen, weeßt du vielleicht, wie jeboren beeßzt?" " Nee," sage ic. Dadruf sieht er mir jroß an und meent: Also von die janze Schafherde konnte nur eens meine Frage richtig beant worten. Karlchen Schulze, seye dir als Primus obenan." " Str. 127 Mittwoch. den 8. Junt. 1904. Oberbessische Familienzeitung. Tägliche Unterhaltungs- Beilage der Gießener Neueste Nachrichten. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein. (( 16. Fortseßung.) Die Rache ist mein. Originalroman von Ottomar Beta. „ Auch das ist ein Verdienst, das Glück beim Schopfe zu faffen," wandte Franziska ein, jeder glückliche Mensch hat in Berdienst:, denn um es sein zu können, muß man ein menta Bernunft haben." Onnz sicherlich), lieber Erich," fügte ihr Vater hinzu. Tausende gehen in die Welt hinaus und... fern sei es Don miz, fie zu fchelten, wenn sie arm nach Hause kehren... chon, daß fie bermfchren, ist gewissermaßen auch ein Verdienst. Wer do indet, daß er sich allein nicht zu helfen weiß, follte micht ftolz sein. sondern sonte sich helfen lassen. In irgend eine Nische, weils als Deforation, teils als nützliches Fallsel oder als Statift im Schauspiel des Lebens, paßt jeder. Ber aber reid beimkehrt, der beweist damit, daß er wachsam und flug genug war, die Chancen, die sich ihm boten, sofort erkennen, und daß er geschickt und energisch genug war, hie zu beugen." Oder ruchlos genug," vollendete Erich, an sich zu reißen und zu caffen, was bescheidenere, rücksichtsvollere und gefilterere Leute für einen Raub anschen." " Also Sie denunzieren sich uns als einen großen Räuberhauptmann, Herr Erich?" fragte Franziska, ihn überrascht ansehend. Ihr großer geheimer Kummer rührte demnach von Gewissensbissen her?" " Das glaubt ihm ja niemand, und du selber nicht, Franziska," rief der Justizrat mißbilligend. " Sehr freundlich," grollte Erich in ernstkomischer Weise, sehr freundlich, mir nicht einmal so etwas zuzutrauen. also Glick, lecres, ödes, fades Glück war's. Das Glück warf mir einige Lots zu, das heißt einige Goldgruben, die sich nachher als maßlos ergiebig erwiesen. Das Glück veranlaßte eine Minengesellschaft in San Franzisko, mir diese Lots für ein Heidengeld abzukaufen. Das Glück führte mich in wüste Territorien, wo ich einige Claims urbar machte, mur um dort Bärenjagd zu treiben, und das Glück ließ dort nach furzer Zeit Petroleumquellen entdecken, und eine Bahn bauen, so daß ich abermals mit maßlosen Summen ausgekauft wurde. Nach so vielem Glück habe ich eine geheime Furcht, daß endlich einmal ein großes Unheil mich heimsuchen müßte, vielleicht gerade an einer Seite, wo ich am schwersten, am tödlichsten zu treffen wäre." Er blickte mit banger Miene auf Franziska. Diese er widerte seinen Blick, und eine aufrichtige Trauer prägte sich in ihren offenen, schönen Zügen aus. Dann fragte sie vorwurfsvoll: Ist das nun der Grund, weshalb Sie sich vor uns zurückziehen, Erich, warum Sie wie ein Diogenes wohnen und vielleicht als solcher leben? Nennen Sie das dem Glücke Geiſeln geben? Ich meine, das heißt umgekehrt, ihm die selben vorenthalten." Wahr!" rief der Justizrat eifrig, man stellt dem Glücke Geiseln in Weib und Kind, lieber Erich. Es ist nicht gut nicht gut ,, Nein, es ist nicht gut..." vollendete Erich den abgebrochenen Sab, ich kenne sie alle, diese Krösusse des Broadway in Newyork, und ich beneide keinen von ihnen. Es ist, ( Nachdrud verboten.) als ob ein Fluch am Reichtum hafte, der auf Kinder und Enkel fällt. Man müßte ein Gescß machen. Nur nicht noch mehr Gejete!" schalt der Justizrat, je mehr davon, um so verworrener wird es. Jeder sche, wie er's treibe, das ist ein gutes Gejet. Das beste hat Gott selber gemacht, es heißt: Jede Schuld rächt sich auf Erden! Und nun, lieber Erich, noch eins. Sie sprechen sich das Verdienst ab. Das ist ja doch, als ob eine böse Manie sich Ihrer bemächtigt hätte. Sie machen Hunderte glüdlid) und sollten darüber den Mut, die Zuversicht verlieren, selber glüdlich sein zu wollen Ein leises Bittern durchbebte die Gestalt des starken und mutigen Mannes. Er hob die Augen, als ob ein schwarzes, schattenhaftes Gespenst ihn umschwebte. Ich möchte mich mit Moris aussöhnen," sagte er dann trocken und beinahe tonlos. Der Haß, oder das Bewußt sein, gehaßt zu werden, drückt mich nieder... das klingt wie Feigheit... aber es ist nicht um meinetwillen und da steh' ich nun mit meinem Reichtume vor einer Unmöglichkeit, wie ein Waisenfind im Winter vor einer verschlossenen Tür. Den guten Wllen eines Menschen kauft man nicht, und doch weiß ich keinen andern Weg, um ihn zu gewinnen. Er soll seine Mutter bewegen, mir Staudiushof zu lassen, für wie viel auch immer, und ich will ihn in das Getreidegeschäft einsehen mit allen Abschlüssen und Einrichtungen... oder was er sonst will Es entstand eine Pause im Gespräch. Moritz hat Ihre Macht gefühlt," meinte endlich der Justizrat, nachdem er sinnend auf und ab gegangen war. Er wird gewiß bereit sein. Das wäre etwas für Stöberer der weiß am besten mit Morigens umzuspringen. Aber iſt es politisch, lieber Erich, ist es ratsam, diese Leute wissen zu lassen, wonach Ihr Herz schmachtet?" Erich erschrak, dann sagte er, indem er sich von Franziska abwandte, mit düsterem Ton: ,, Wonach es schmachtet? Es hängt nicht so sehr an Staudiushof; ich kann diesen Besitz missen mit dem andern; aber vielleicht wäre dieser Tausch ein Weg, ihn zu befriedigen, seinen Haß gegen mich, seine Klagen gegen mich zum Schweigen zu bringen. Ich fürchte auch ihn weniger als seine Mutter. Wenn ich einen Feinde offen begegnen kann, bin ich mutig genug, aber ich lebe hier unruhiger als in der Prärie, wo die Indianer plötzlich aus dem Boden auftauchen und Nache üben für Untaten, die hundert Meilen weit weg von irgend welchen europäischen Buschleppern an einer Squaw, das ist eine alte Indianerfrau, geübt wurden. Ich kenne die Gefahren der Prärie, und habe hier im alten Lande noch alles so gefunden, wie drüben; nur nimmt es hier andere Formen an. Darum ein ehrlicher Friede, das ist's, was ich in Vorschlag bringe, und dann will ich dem Glücke Geiseln geben, so viele wie Sand am Meere." Damit empfahl er sich und ließ beide, Franziska und ihren Vater, in trüber Stimmung zurück. Er schritt an Stöberer vorüber, der noch in den Akten steckte, ohne ihn zu grüßen. Er bemerkte ihn nicht, so sehr war er in seine GrübeWeißbinderarbei g der Gebäude auf vorm. 11 Uhr en.- Bufchlagsfri ht offen. Angebote , find bis zum ge ngen liegen während auamt. 30 Q Ent Deuchle CB Die Enthüllun rat Budde über die Shult und Romeid träge, die hier in figles Erstaunen ↑ Kaiſerin Freiherr übergroßen Bertr tern fremden Gu glänzendsten Bern clat ein enorm ho 131 humanitären toren. Sie betreib ten System, denn Geld vermag wir gen. Mit einer h mittelsmannes un Summen für die liche und fittliche für deffen Gelinge den Anregung bed riert, wie die Dir den Beifall der M Schulz und R Erden. und ein Spötter 1 weil die Rechte ni Homeid haben fr bublt, sondern fid wollen. Aus dies Gond. gand, wenn eine intereffierte, aber nauferten fie und bank, sondern au บ ว ลา ท ณ Immobilienverte lastet wurden. ihrer Natur nad fonto hätten ge idealen Werten Gewinn eines jollten. Unter fi eine geriebe „ Hofbank“ die S Und so wie in d teiten, die übert tätigkeitszmede bei, wenn sie nic Huge behalten. träge opfert, be pinchologisches cntonbart Tror fol navara gfa9 ᎠᎴ Teien vertieft. Er wandelte in die Nacht hinaus, seiner Wohnung zu, dem, was er sein Heim nannte. Es war einer jener finsteren und frostigen Abende, wo fein Stern erglänzt und wo der Mond sich mausert. Und von ferne dröhnte etwas wie ein Gewitter, das erste im Jahr. Stöberer schüttelte sich, als der Zug ihn anwehte und der Sturm die Tür Erichs Händen entriß und sie wie wütend ins Schloß warf. Achtzehntes Kapitel. An demselben Abend befand sich Moritz auf Staudiushof. Seine Mutter hatte ihm erlaubt, das Abendessen mit ihr einzunehmen, und das war eine Zeremonie, welcher der Sohn stets mit Schrecken beiwohnte. Er saß ihr gegenüber und sah zu, wie ihr altes weibliches Faktotum ihr die Suppe zum Munde führte. Frau Moritz war seit dem Herbst gebrechlicher geworden als je. Jener vesuvische Ausbruch der Wut gegen Erich Staudius hatte ihr armes altes Herz, dessen Klappen ohnehin schon nicht mehr recht gangbar waren, völlig derangiert. Sie lebte eigentlich nur noch von ihrem Hasse und war von dieser galligten Nahrung ganz gelb und runzelig geworden, so daß sie in ihrer schwarzen Lockenperücke einen geradezu phorkyadenhaften Eindruck machte. Selbst ihr wenig empfindsamer Sohn konnte sich gegen denselben nicht völlig verschließen. Er saß da, und eine geheime Angst malte sich auf seinem Gesicht, während sie ihn anstarrte. Dazu bezeigte sie sich heute ganz besonders wohlwollend gegen den Sohn, fühlte sogar das Bedürfnis, seine Hände zu tätscheln, und hatte ihm erlaubt, ihr einen Ehrfurchtskuß auf die Stirn zu geben, auf diese Stirn von morschem Erz, hinter welcher so viel böse Gedanken gloseten. Die arme alte Dame hatte neuerdings ein gut Teil ihrer Sinne eingebüßt; sie sah schlecht, sonst würde es ihr kaum entgangen sein, daß ihr Sohn nun in heller Bein und halber Verzweiflung ihr gegenüber saß. Er ersehnte, eine Stunde mit der Mutter allein zu sein, aber das dienstbeflissene Fräulein wich ihr nicht von der Seite. Und Moritz wußte es ja aus Erfahrung, daß dies überhaupt nicht zu erhoffen wäre. Er stöhnte also nach Beseitigung der Suppe ein paarmal und stieß endlich heraus: Mamachen, ich habe mit dir zu sprechen." Immer zu, mein Söhnchen," lallte es wie aus einer Sprechmaschine zurück, und das alte Fräulein, die Wünsche der Gebieterin vorausahnend, hielt ihr die Lorgnette vor die Augen, durch welche gesehen, dieselben ins Riesige vergrößert erschienen, gleich Cyklopenaugen. Dazu ein gemächlich sein sollendes Grinsen- Moritz blickte entsegt zur Seite. ,, Hast was zu sprechen? Nun, was sagt er?" Die letzteren Worte waren an die Gesellschafterin gerichtet. Ich soll wahrscheinlich hinausgehen," rief diese der gnädigen Frau laut ins Ohr. Hierauf ein angstvolles Gezappel der Marionette. " Nein... meine Liebe, beileibe nicht; meine TinkaTinka bleibt bei mir." Darauf ein Tätscheln auch von„ Tinka- Tinkas" Pätschchen. Dann wieder das gemächliche Grinsen. ,, Rede nur, mein Söhnchen." Ich muß wohl, da du es so willst, Mamachen. Aber es ist ein heikles Thema... Geldangelegenheiten gelten wenigstens dafür." Die beiden alten Damen ficherten. ,, Hab's kommen sehen, mein Söhnchen; o, man hört und sieht noch, was am Bollwerk vor sich geht, da im alten Haus dieser Staudius, was...?" „ Er ist mein Tod!" stöhnte Moritz zusammenknickend. Die alten Damen ficherten wiederum höchlich amüsiert. Mamachen, ich bitte dich," flehte der Sohn mit sich steigerndem Entsetzen. Er ist sein Tod, Fräulein," minaudierte Frau Moritz, und die Gesellschafterin nickte und zappelte verständnisinnig. Dann wandte sich diese Vertraute an den Sohn und winkte ihm in demselben Sinne zu, als hätte sie auch ihn auf irgend eine Vertraulichkeit vorzubereiten. „ Er ist sein Tod... hihihi!" lachte die Herrin von Staudiushof; dann nahm sie mit vieler Anstrengung die Lorgnette in die eigene Hand und richtete die gläsernen Linsen derselben abermals auf den Sohn. Mußt es aushalten, Josephchen... hast keine Kurage, selbst sein Tod zu sein, wie? Mußt es aushalten. Aber Staudiushof wird deshalb und wenn er nicht verkauft Millionen dafür böte. Deine Mutter wird sich nächstens ein schönes Mausoleum bauen lassen, auf der Terrasse, ja... ja... jachen... an der Stelle, wo die Sonnenuhr steht mit dem Lateinischen drauf. Das kannst du mir dann über den Eingang einmeißeln lassen: Sumus umbra, und der Staudiussche Umbra tann mitternachts an die Tür klopfen. Dann werde ich rufen: Herein... herein! Umbrachen, herein!" So rief sie ganz laut im blasphemischen Hohn und versuchte ihr heiseres Krächzen in eine Grabesstimme zu verwandeln. Ihr Sohn wandte sich ab und begrub sein Gesicht in den Händen. ,, Nein, die Frau Amtmann sind aber heute bei Humor!" schnüffelte die Gesellschafterin. Und darüber geh' ich zu Grunde!" knirschte Moritz. ,, Er würde jeden Preis zahlen." ,, Wirst nicht zu Grunde gehen, mein Josephchen, wirst nicht...!" minaudierte die alte Dame, und es lag etwas in ihrem Ton, was Morik veranlaßte, emporzufahren und die Mutter aufs neue mit noch größerem Entsetzen anzusehen. Die Gesellschafterin winkte ihm wie zuvor und flüsterte ihm Tröstung zu. Er zahlt einen Preis, höher als Sie denken, junger Herr. Lassen Sie Ihre gnädige Frau Mutter nur sorgen," flüsterte sie, von der Hausherrin unbemerkt. Diese nun minaudierte, mit ihren eigenen Phantasien beschäftigt, in demselben Tone fort. ,, Das ist ja meine Sicherheit, daß diese Raufbolde alle feine Kurage haben. Vor einem alten Weibe haben sie Angst fönnte sie beheren... ich... hihihi, aber hetzt sie auf in der Schenke, zu einer Bolterei, wobei ihrer viele sind... da sind sie alle dabei. Die Schnecke... die Schnecke. ja, ja, das ist dein Tod... hihihi! Dein Tod sollt's sein, mein Söhnchen, und meiner und nun... nun kehren wir den Spieß, um, das ist Kriegsgebrauch. O, wir sterben noch lange nicht, wie? Tinka- Zinkachen? Und à la guerre comme à la guerre. Wir haben ja jetzt Neumond Mond... Mond... hihihi, man sieht nichts als Schatten, umbra, Sumus umbra... Mond... hihihi! Knüttel, Knüttel, Knüttel!" Vielleicht sieht er ihn nicht mehr, den neuen Mond, der Todfeind," flüsterte die Gesellschafterin geheimnisvoll, sich hinter den Stuhl der Frau Moritz stellend, so daß ihre Reden und Gesten sich derselben verbargen. Moritz sprang auf und faßte sich mit beiden Händen an die Stirn. Sie war schon längst von faltem Schweiß bedeckt. „ Nein... nein!" stieß er heraus. Die Mutter ließ das flapperartige Gelächter wieder vernehmen und verlor die Gewalt über ihre Sprachwerkzeuge. Sie lallte etwas Unverständliches und ballte die Faust; die Lorgnette fiel neben ihr zu Boden. ,, Erklären Sie mir!" stöhnte Morih, um den Tisch herumeilend und den dürren Arm der Zofe ergreifend, während seine Mutter sich vergebens umzusehen bemühte und, in heller Angst um ihr Leben, einige Töne herausstieß, welche wie ein halberstickter Ruf nach Hilfe flangen. Aus der schuldbewußten und teuflisch verschmigten Miene der alten Gesellschafterin mochte Morit gemig herausleien Er war von seiten der Mutter auf Dinge gefaßt die fich nicht aussprechen lassen. „ Sie müssen das verhindern, um alles in der Well" stöhnte er, kalt werdend und von Kopf zu Füßen zittern, 16 daß seine Zähne klapperten und die Worte sich ibu taft ber sagten.„ Ich bin vollends verloren, wenn dergleiden arschieht. Mutter! Mutter!" rief er, sich fast unsere a diese wendend,„ Sie wissen nicht, daß ich das Opfer bin F darf die Hand nicht gegen ihn erheben... Stöberer würde alles verraten." Er sank neben der Mutter hin und erwthre Füßen. Frau Moritz griff mit den Händen um sich und ru dann von ihrem Tinfa- Tinfachen in einige Entfernung vow Tisch und von dem winselnden Sohn hinweggerüdt. Er spricht etwas von Stöberer!" rief ihr diese ins Ohr. „ Der... der... muß gehorchen... Zuchthaus!" stieß Frau Moriz heraus,„ Fälscher!" ( Fortsetzung folgt.) Kannst du das Schöne nicht erringen, So mag das Gute dir gelingen. Ist nicht der große Garten dein, Wird doch für dich ein Blümchen sein. Nach Großem dränget deine Seele? Daß sie im Kleinen nur nicht fehle! Tn heute recht das ziemte dir; Der Tag kommt, der dich lohnt dafür. So geht es Tag für Tag, doch eben Aus Tagen, Freund, besteht das Leben. Gar viele sind, die das vergessen: Man muß nur nicht nach Jahren messen. 1. D. Humoreske von Alerander Wilke. ( Schluß.) ( Nachdruck verboten.) ,, Sagen Sie mal, Herr Hauptmann," meinte Matschke, indem er die Gläser hinstellte, wir sprachen vorhin eben drüber, was meinen Sie, könnte man hier nicht in Schluckwit den„ Lohengrün" aufführen?" Der Hauptmann sah seine Frau verstört an. Frau Erna biß sich auf die Lippen, um nicht zu lachen. Matschke merkte 3 und zog sich verletzt an den Tisch zum Herrn Birke zurück. „ Das Stück kennen Sie wohl gar nicht mal!" meinte er geringschätzend. ,,, doch, Herr Wirt," lachte Frau von Werner, aber ich glaube nicht, daß man hier solch' große Opern aufführen fann!" eier. Frau Matschke brachte nun das Pökelfleisch und die Rühr,, So, Herrschaften, na, da werden Sie wohl davon satt werden!" ,, Donnerwetter," dachte der Hauptmann, ich bin's schon vom Sehen." Ja, lieber May, gestern abend im Savoy- Hotel in Berlin haben wir freilich besser diniert." Frau Matschke hatte sich wieder neben ihren Mann gesetzt. „ Du hör' mal, der dicke Direktor, ob der auch mitspielen mag?" Ich kann ihn ja mal fragen!" sagte Matschke. „ Sagen Sie, Herr Hauptmann," rief er herüber, was wollen Sie denn hier in Schluckwitz für' ne Rolle spielen?" „ Das ist aber stark," fuhr der Hauptmann entrüstet auf. Gott, sei nur still, Max, wir gehen dann bald hinauf!" besänftigte Frau Erna. Ich meine," fuhr Herr Matschke weiter fort,' ne große Rolle können Sie doch wohl nicht mehr spielen?" ,, So eine Unverschämtheit," knirschte Herr von Werner, ,, komm, Erna, wir gehen hinauf!" Die beiden erhoben sich. Bitte, uns unser Zimmer zu zeigen!" rief der Hauptmann barsch. Wollen Sie denn schon gehen?" fragte Frau Auguſte erstaunt und erhob sich,„ Sie haben ja gar nischt gegessen?" ,, Danke, der Apeptit ist uns vergangen!" brummte Herr von Werner. Der alte Matschke trat näher. „ Aber bezahlen müssen Sie deswegen doch, das macht eine Mark fünfzig und Bier vierzig, zusammen eine Mark neunzig, Logis können Sie ja auch bald bezahlen, Sie werden sich ja doch in der Stadt morgen' ne Wohnung suchen. Logis macht zwei Mark, zusammen alles drei Mark neunzig!" Der Hauptmann zog sein Portemonnaie und warf ein Zwanzigmarkstück auf den Tisch. ,, So, nun bitte zeigen Sie uns das Zimmer!" Der alte Matschke betrachtete höchst erstaunt und prüfend das Goldstück, dann ließ er es einige Male aufklirren. ,, Geh, Auguste, zeig' das Zimmer. Von dem Gelde gebe ich Ihnen morgen früh wieder!" rief er dem Hauptmann nach. Kaum war das Ehepaar von Werner mit Frau watschke draußen, als der Briefträger einen Brief zum Fenster hereinreichte. Herr Matschke öffnete und las. ,, Was ist denn?" forschte der Katastersupernumerar neugierig. „ Ach, da schreibt eben ein neuer Bezirksoffizier von Werner, er käme heut Abend an, und verlangt ein Zimmer mi zwei Betten. Wird wohl jetzt mit dem Zuge fommen. Da will ich nur's Haus aufschließen gehen. Gut, daß meine Frau den Schauspielern oben das kleine Zimmer zurecht gemacht hat." Kaum war der Wirt wieder an den Tisch Birkes gelangt, als man draußen Stimmen hörte. " Eine Finsternis in der Bude hier, Donnerwetter, komm hier Elvira, bonsoir Messieurs!" ,, Ah, da sind sie schon!" flüsterte Herr Matschke. Ganz ergebenster Diener, meine Herrschaften," näherte er sich nun mit einer tiefen Verbeugung,„ ich freue mich, die Herrschaften in meinem Hause zu sehen!" Der Herr Direktor hatte einen etwas schäbigen Künstlerhavelock an und seine Frau Elvira sah etwas verschroben aus mit ihrem großen Hute mit fnallroten Blumen. „ Na, gibt's was zu trinken, Herr Gastwirt, habe einen kannibalischen Durst!" rief der Direktor. ,, Und ich Hunger!" ergänzte Frau Elvira. ,, Stehe sofort mit allem zu Diensten, darf ich vielleicht einen guten Rotwein heraufbringen, Herr Baron, meine Fran erscheint auch gleich und wird alles hergeben, was die Speise kammer aufzuweisen hat!" ,, Gott, machen Sie keene Geschichten," meinte etwas ver wundert der Herr Direktor, aber wenn Sie gerade wollen, können Sie ja Rotwein ranschleifen!" Wie bescheiden," dachte Herr Matschke im Abgehen, „ anders wie die Schauspieler, die gleich welchen verlangten. Auf dem Flur traf Matschke den alten Gepäckträger, der mit einem Koffer hereinfam. " Hier bring' ich für Herrn Hauptmann „ v. W." steht darauf. den Koffer, „ Aha, die Herrschaften siten drinnen," sagte Matschte, wir wollen mal fragen, ob sie den Koffer bald' rauf haben wollen." Darauf öffnete er die Tür wieder. Hier bringt der Gepäckträger den Koffer, Herr Baron!" Der Direktor drehte sich verwundert um.„ Wir haben ja gar keinen mit." ,, Na ,,, v. W." steht doch daruf, Herr Baron?" " Was geht das mich an, warum nennen Sie mich überhaupt Baron, ich heiße doch Wilhelm Hauptmann, ich schrieb Ihnen doch, ich bin der Theaterdirektor!" Nach einigen Minuten stand Herr Matschke tief betrübt vor dem Wernerschen Paare und bat um Entschuldigung über den Irrtum. „ Das ist ja köstlich," freuten sich der Hauptmann und ſeine Frau,„ wir waren schon halb verzweifelt, na, gut, nun führen Sie uns in das bessere Zimmer, und bringen Sie uns einen guten Rotwein herauf. Und dem anderen Hauptmann da unten, setzen Sie auch eine Flasche hin, die Sie mir mit anrechnen können, und ein andermal behandeln Sie Hauptleute höflicher, auch wenn Sie keine große Rolle mehr spielen können!" == Der erste und der lehte Schriff. Die Mutter: Komm nit, mein Kind, fomm ait, An meiner Hand will ich dich sicher leiten, O fürchte nicht, wenn auch die Füßchen ſtreiten, So wage nur den ersten festen Schritt, Komm mit, mein Kind, komu mit.-- Der Liebende: Komm mit, mein Lieb, komm mit, Den Myrtenkranz will ich ums Haar dir schlingen, Will zum Altar dir meine Liebe bringen, Gib mir die Hand zu diesem ernsten Schritt, Komm mit, mein Lieb, komm mit. Der Tod: Komm mit, o Mensch, komm mit Die Stunde schlägt, verlasse deine Lieben, Ich führe dich durchs Morgenrot zum Frieden, Zur Ruhestätte führt dein letzter Schritt. Komm mit, mein Freund, komm mit. Wenn auch gewinnt es doch am 6. d. Mts. Bort Arthur für die Sabane Die Nachrid eingelaufen fin Grzählungen b teils aus Liaut Seit dem jonit sehr verid men, ist folgend Arthur zur Meilen von dem ein Drit fein foll. Di Stellung der Bu gleicher Ze griffe zu Wa Schiffe zu Gr Aus derfelbe Forts in Port Beſchießungen gelegten Miner Fleinerer Schiff vor Port Arth Vereini sin Hafen felb griffe e zurüdge drei große Sc durch zu erklä andere hinter Alle die an lichen Bestätig Vor allem ist m hanildien Arm