nde. mer Apothefe cht heftig ge thebt sich der Fenster. zehn Bjennig eine Stimme der Provisor er Kleinigkeit esten Schlaf? Jeht zu weit!" der Untengrob find, edarfein= den!" t Du denn bei n neues Kleid on der Neuen Berliner einen Ausnahme natürlich!" auf der Welt sind ergänzte er Paß er feine Fassung nur höchst mühsam bedaß es sich um eine Sache von solcher Wichnur, daß sie zwei Personen betrifft, die dich und meinen Vater! recht um feinen Menschen. Sohn des Bürgermeisters, auf Urlaub in das Städtchen. über lachten beide von Herzen und kümmerten sich nun erst Um diese Zeit fam Waldemar Schirmer, der einzige Landmann, der jetzt sein abr Auch dies erfuhren Vater und Tochter, aber auch hierNr. 32. onnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., 26 Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertelfährlich Mr. 1.50. Gratisbetlagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Montag, den 8. Februar 1904. Gießener 13. Jahrgang. Jnsertionspreis: Die einspaltige Betttzelle für ganz O Hessen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 88 Fernsprechenschluß Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Unabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weßlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Der ruffifcb- japanische Krieg beginnt! Was man nach Bekanntwerden der russischen Antwortnote befürchtete, ist zur Wahrheit geworden: Japan hat die diplomatischen Beziehungen mit Rußland abgebroen, was einer formalen Kriegserklärung gleichfommt. Während die Zeilen geschrieben werden, haben wahrscheinlich die Feindseligkeiten bereits begonnen. In einer Birkulardepesche des russischen Minister des Aeußern an die Bertreter des Zarenreichs im Ausland, schiebt Rußland alle Schuld und damit die Verantwortung für die Folgen des Krieges auf Japan. Bereits am Freitag wurde, wie russischerseits erst nachträglich mitgeteilt wird, die russische Antwort an Japan von Petersburg aus dem russischen Statthalter in der Mandschurei, Admiral Alexejew, telegraphisch übermittelt. Alexejem gab die Note sofort ebenfalls telegraphisch an den russischen Gesandten in Tokio, Baron Rosen, weiter, der sie tags darauf dem japanischen Kabinett überreichte. Wie schon gemeldet, sind auf geheime Anordnung der japanischen Regierung gegen Mitte und Ende der vorigen Woche alle in der Mandschurei anwesender. Japaner eiligst nach der Heimat zurückgekehrt. Hals über Kopf ging die Abreise vor sich; in Wladiwostok z. B. verkauften japanische Geschäftsleute im Laufe eines Tages ihre Waren im Werte Don Hunderttausenden von Rubeln aus, wobei sie Sachen, die sonst einen Rubel kosteten, für 10 oder sogar 5 Sopeken abgaben. Die Stadt ist ohne Friseure, Wäscherinnen und weibliche Dienstboten; einige Werfstätten sind geschlossen. Zwei Dampfer mit etwa 1500 Personen sind bereits abgegangen. Zwei weitere Dampfer zur Aufnahme der noch zurüdgebliebenen Japaner werden erwartet. Die Truppenmacht Rußlands in Ostasien begiffert sich gegenwärtig auf etwa 320 000 Mann. Die früher genannten Ziffern, 390 000 und 350 000 Mann, sind zu hod) gegriffen. n store a geht inzwischen alles drunter und drüber. 9000 undisziplinierte, aber vollbewaffnete niedere Kulis und koreanische Soldaten, die zum Schuße des Kaisers zufammengebracht wurden, marschieren Tag und Nacht mit aufgepflanzten Bajonetten auf den Straßen Söuls umher. Sie bewachen beständig den kaiserlichen Palast; zwölf Wachtposten stehen an jeder Pforte, und eine starke Wache befindet sich dahinter. Jeder Zugang zur englischen Gesandtschaft ist auch von Koreanern besezt. Große Abteilungen dieser Soldaten desertieren täglich mit Waffen und Munition; sie marschieren dann in regelrechten Formationen durch die Dörfer und verlangen Quartier. Nachts gehen sie dann auf Bünderungen aus. Die Gesandtschaften haben vergebens gegen die Anwesenheit dieser Soldaten protestiert und der foreanischen Regierung mitgeteilt, daß zum Schuße gegen piese Soldaten die Gesandtschaftswachen verstärkt seien. Der Herero- Hufftand. Die Liste der Opfer des Aufstandes ist schon vieder um zwei neue Namen vermehrt worden: Auf der on den Herero geplünderten Station Heusis wurde ein Bemter der deutschen Kolonialgesellschaft für Südwestafrika, Banshorn, und in Spißkopjes der Beamte derselben Geellschaft outsch ermordet worden. Einiges Befremden hat in Berliner Kolonialkreisen die Rachricht des„ Habicht"-Kommandanten erregt, daß Gouberteur Leutwein sich nicht, wie man nach den bisherigen Depeschen annehmen mußte, an Bord des eben von Port colloth in Swakopmund eingetroffenen Wörmann- Dampfers efand. Bekanntlich hatte der Kapstädter deutsche Generalonsil v. Lindequist die Einschiffung Leutweins in Port Colloth als unmittelbar bevorstehend z. 3t. nach Berlin geheldet, und Korenfapitän Gudewill vom Habicht" hatte einem weiteren Telegramm bereits von Leutweins Abeise aus Port Nolloth gesprochen. Jegt meldet er, Leutwein abe den Dampfer verpaßt, er sei erst nach dessen Abfahrt, m Freitag, in Port Nolloth eingetroffen. Dieser Widerbruch in den Depeschen des Kapitäns Gudewill erklärt sich ndessen daher einfach: Gudewills erste Meldung von der ereits erfolgten Einschiffung Leutweins beruhte auf demben, die unmittelbar bevorstehende Abreise des Gouver= eurs meldenden Telegramm Lindequists, das auch das Kololulamt erhielt. Zugleich mit dem Telegramm an das Koloialamt hatte der Kapstädter Generalkonsul ein gleichlautenes Telegramm an Gudewill nach Swakopmund geschickt. udewill mußte annehmen, daß Leutwein bereits an Bord und telegraphierte in diesem Sinne nach Berlin. Selbstverständlich wird durch die Verzögerung der Anft Leutweins im Aufstandsgebiete das militärische Vorhen unserer Truppen nicht im geringsten beeinträchtigt. Leutivein in Swakopmund eintrifft, führt Gudewill das mmando, und daß er energisch und umsichtig zu operieren teht, haben die rühmlichen Erfolge der letzten Tage lagend erwiesen. Die militärischen Operationen in der Kolonie verfolgen augenblicklich einen mehrfachen Zweck. Die Kompagnie Franke, die Windhuk und Okahandja entsetzt hat, ist am 3. Februar auf Omaruru abmarschiert, um dort Hilfe zu bringen. Die Entfernung zwischen beiden Punkten beträgt in der Luftlinie etwa 110 Kilometer, so daß die berittene Schußtruppe troß der Schwierigkeiten des Geländes wohl am 6. in Omaruru angelangt sein dürfte. Dann läßt sich auch die Verbindung mit Outio herſtellen, wo die vierte Kompagnie steht, und von wo eine Heliographenlinie nach Süden geht. Man kann dann auch übersehen, wie sich die Dinge im Norden gestaltet haben. Unterdessen wird die Eisenbahn von Karibib nach Osten durch das Landungskorps des„ Habicht", das auf Okahandja in Marsch gesetzt ist, gesichert und jedenfalls, soweit es die vorhandenen Arbeitsfräfte ermöglichen, wieder hergestellt. Auf demselben Weg folgt dann der Ersatztransport der Schutztruppe, der mit 5 Offizieren und 226 Mann unter Oberleutnant v. WinkIer am 3. Februar in Swakopmund eingetroffen ist. Als die Eisenbahn noch nicht bestand, ist Premierleutnant von François 1893 die 360 Kilometer lange Strecke von Walfischbai bis Windhuk mit einer Ersatzkompagnie in zwölf Tagen marschiert, und ähnliche Leistungen lassen sich jetzt auch erwarten, so daß spätestens eine Woche nach dem Abmarsch von Karibib die Truppe in Windhuf eintreffen dürfte. Sonst liegen Nachrichten über neuere Ereignisse in Südwestafrika nicht vor. Dafür treffen nach und nach nähere Schilderungen der bisherigen Vorgänge ein. Zunächst scheint danach festzustehen, daß der Aufstand der Herero von Waterberg ausging und am 12. Januar überall in der Kolonie gleichzeitig begann. Daraus, daß der Herd des Aufruhrs die Gegend um Waterberg war, läßt sich schließen, daß die dortigen Hererohorden sich sofort nach Süden auf die Farmen geworfen haben. Die Zahl der in Waterberg befindlichen Weißen scheint zu gering gewesen zu sein, als daß sie erfolgreichen Widerstand hätten leisten können. Anders ging es in Omaruru, das am 14. Januar angegriffen wurde. Die dort befindlichen etwa 50 Deutschen vermochten sich gegen die Angreifer zu behaupten. Inzwischen wird ihnen die - wie schon erwähnt nach Omaruru abgegangene Kompagnie Franke wohl völligen Entsatz gebracht haben. Der zweite Entsatztransport ist bereits auf hoher See. Die Truppen trafen am 6. von Berlin und Kiel in Hamburg ein, wurden in Infanterie, Kavallerie, Artillerie, Seefoldaten und Eisenbahntruppen abgeteilt, dann zu drei Kompagnien formiert und hierauf an Bord der„ Lucie Wörmann" gebracht, wo ihnen ein Frühstück gereicht wurde. Der Stab des Expeditionskorps traf mittags in Hamburg ein. Die Abfahrt erfolgte nachmittags. Die Politik. Einen eigenartigen Schritt haben die Kölner Krankenfossen unternommen: Sie haben beschlossen, ein Telegramm an den Kaiser zu senden, worin er gebeten wird, die etwa 100 000 Kölner Kassenmitglieder, welche durch die Regierungsverfügung mit ihren Familien den Aerzten auf Gnade oder Ungnade ausgeliefert seien, zu schüßen. Der Kaiser fann in dieser Sache nichts hin. Das Gesetz schreibt vor, daß die Kassen ihren Mitgliedern die nötige Zahl Aerzte zur Verfügung zu stellen haben. Tun sie das nicht, so ist die Aufsichtsbehörde, also die Regierung, verpflichtet, die Kassenvorstände dazu anzuhalten, und erforderlichenfalls selbst die nötigen Aerzte auf Kosten der Kassen zu engagieren. Darcu, daß die Aerzte ihren Streif durchsetzen, sobald sie solidarisch bleiben und Zuzug von außen fernhalten, tann niemand etwas ändern. In der Versammlung, die die Absendung des Telegramme beschloß, wurde u. a. mitgeteilt, daß den Kölner Aerzten zur Abfindung der von auswärts gekommenen Kollegen angeblich 750 000 Marf zur Verfügung ständen. Die fremden Aerzte seien indessen gegenüber den von den Behörden ergangenen Aufforderungen, ihre Tätigkeit cinzustllen, entschlossen, an ihren kontraktlichen Verpflichtungen festzuhalten. Während der Diskussion wurden die anwesenden Aerzte aus dem Saale getoiesen. Bald darauf verlicẞen auch die Vertreter der städtischen und staatlichen Behörden den Versammlungsraum. Die Kölner Krankenkassen werden gleichviel ob sie nun recht oder recht haben- es bald völlig mit den maßgebenden Instanzen verschütten. Zum Nachfolger des Bischofs Anzer in China soll ein Pater Picper ausersehen sein. Pater Picper ist bislang eine in den weitesten Kreisen unbekannte Größe. Die Erklärungen, die der preußische Minister des Innern v. Hammerstein im Abgeordnetenhause zu der Frage der Aenderung des preußischen Wahlrechts abgab, stellen, wie jetzt bekannt wird, nicht die persönliche Auffassung des gesamten Staatsministeriums dar. Die preußische Regierung ist, wie aus sicherer Quelle verlautet, von der Notwendigkeit durchdrungen, das preußische Wahlrecht im wefentlichen unverändert aufrecht zu erhalten. Bekanntlich hat die Regierung Erhebungen darüber angestellt, inwiefern sich bei den letzten Wahlen die geltenden Bestimmungen als verbesserungsbedürftig erwiesen haben. Das Ergebnis dieser Erhebungen iſt die Anschauung des Miniſteriums, daß die geltenden Vorschriften sich im allgemeinen als durchaus zweckmäßig erwiesen haben. Dies gilt insbesondere von dem Wahlreglement von 1903. Tur einige unwesentliche Aenderungen sollen vorgenommen werden. Eine dahingehende Vorlage wird dem Landtage aber erst in der nächsten Tagung zugehen. Oefterreich- Ungarn. In dem Olmützer kirchlichen Hader scheinen die Gegner des Fürsterzbischofs Dr. Kohn den fürzeren gezogen zu haben. Dr. Kohn hat jetzt dem ihm unterstellten Klerus mitgeteilt, daß das heilige Offizium in Rom bereits Anfang Dezember 1903 die Nachrichten von einer angeblich durch ihn begangenen Verletzung des Beichtgeheimnisses als Verleuni dung bezeichnet habe und daß Payst Pius selbst hierüber eine Kundgebung veröffentlichen werde. Dänemark. Den Beschwerdeführern über das Treiben der englischen Fischdampfer in den nordeuropäischen Gewässern reiht sich jetzt auch Dänemark an. Nachdem die deutschen Fischereikreuzer den englischen Fischdampfern die Unverschämtheit, mit der sie sich in der Nordsee benahmen, gehörig angestrichen und dem Unfug in der Nordsee ein Ende gemacht haben, treiben die britischen Fischer jetzt in der Nähe der schottischen Küste ihr Spizbubenhandwerk. Neuerdings sind sie mit ganz besonderer Roheit an der Isländischen Küste aufgetreten. Seit der dänische Kreuzer Hefla" von dort abberufen ist, haben die Engländer nicht nur in den isländischen Fjorden selbst gefischt, sondern der wehrlosen und fast ganz auf den Fischfang angewiesenen Bevölkerung sogar ihre Fischerei= geräte geraubt. Dänemark wird jetzt unverzüglich einen Kreuzer nach den isländischen Gewässern entienden, um den englischen Piraten das unsaubere Handwerk gründlich zu legen. Balkan- Staaten. Sonderbare Dinge werden aus Montenegro berichtet gerade in dem Augenblick, wo der Vertreter des Königs Peter von Serbien mit dessen eigenhändigem Schreiben dorthin kommt. Ein gewisser Drago Lakitsch war fürzlich in Belgrad und wurde als ein alter Bekannter vom König Peter empfangen. Sobald er nach Cettinje zurückkam, wurde er verhaftet und in Ketten gelegt. Sein Bruder, der Wojwode Lakitsch, verlor die angesehene Stelle eines Brigadiers und ist im Begriff, Montenegro zu verlassen. Jakob Nenadowitsch, ein Verwandter des Königs Peter, der jahrelang in Montenegro als Emigrant lebte, hier mit einer Nichte des Fürsten verheiratet und am montenegrinischen Hofe persona grata war, fiel ebenfalls in Ungnade und mußte vorige Woche Montenegro verlassen. Er befindet sich jetzt in Belgrad. Im allgemeinen wird hier jeder ungern gesehen, der irgendwie zu Serbien Beziehungen unterhält. Und der Grund dieser ungnädigen Praktiken Nifitas? Sicherlich ist es die Enttäuschung darüber, daß nicht an Stelle eines Karageorgiewitsch ein Njegosch, ein Sohn des montenegrinischen Fürstenhauses, auf den serbischen Thron berufen wurde. Hus den Parlamenten. Zwei völlig aussichtslose Anträge sind von sozialdemo fratischer Seite im Reichstage eingebracht worden. Der eine ersucht den Reichskanzler um Vorlegung eines Gefeßentwurfes, wonach der Betrieb und die Verwaltung der deutDer schen Eisenbahnen dem Reiche übertragen wird. andere verlangt einen Gesezentwurf, in dem ein Arbeitgeber mit Gefängnis bis zu drei Monaten bedroht wird, menn er mit einem anderen Arbeitgeber vereinbart, Arbeitern die Arbeitsgelegenheit zu erschweren, die an Vereinigungen behufs Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen teilgenommen haben. Der letztgenannte Antrag ist, wie man sieht, das Gegenstück zu der vom vorigen Reichstag begrabenen Zuchthausvorlage". Deutfcher Reichstag. ( 26. Sigung.) CB. Berlin, 6. Februas. Das Haus ist wieder einmal so schwach besetzt, daß an seiner Beschlußunfähigkeit kein Zweifel auftauchen kann. Der erste der heutigen Redner meinte u. a.: Die einzigen Leute, die umsonst arbeiteten, seien die Mitglieder des Reichstags; die täten es allerdings ad majorem patriae gloriam. Er hätte hinzufügen sollen: in absentia. Aber die Beschlußunfähigkeit bleibt ohne jede Wirkung; sie mag noch so augenfällig sein, juristisch eriſtiert sie nicht, so lange sie nicht formell festgestellt ist. Die Verlängerung des Friedenspräsenzgesetzes von 1899 auf nur ein Jahr, die von etwo 30 Abgeordneten in dritter Lesung endgültig genehmigt wurde, ist somit rechtsgültig. Eine Debatte entstand dabei nicht. Dafür sleß der Redestrom uneingedämmt weiter, der durch das Vedürfnis nach sozialpolitischen Auseinandersetzungen beim Titel Staatssekretär des Etats des Reichsants des Innern entfesselt worden ist. Abg. Rügenberg( Bentr.) trat für die Forderungen der Aerzte in deren Streit mit den Krankenkassen ein, also für freie Arztwahl und gemischte Kommissionen von Aerzten und Kaſſenvorständen, um Differenzen zu begleichen und jich über einen für beide Teile annehmbaren Tarif zu einigen. Er bestritt, daß der Regierungspräsident in Köln mit seinem Einschreiten lediglich die Interessen der Aerzte wahrgenommer habe, wie von den Sozialdemokraten behauptet wird. Unter den Aerzten habe erfreulicherweise Korpsgeist geherrscht, nur 20 jeien in Köln ihren Kollegen in den Rücken gefallen; diese könne er aber leider nur als Hefe, als catilinarische Eriſtenzen bezeichnen. Sieben davon seien räudige Schafe, die mit dem Strafrichter wegen Sittlichkeitsattentaten in der Sprechſtunde u. 1. w. in Konflikt gekommen seien. Solche Leute suche die Kasse ihren Mitgliedern aufzunötigen. Er könne den Staatssekretär nur bitten, unbedingt möglichst bald an eine Neuordnung der Krankenversicherung und speziell der Merztefrage heranzutreten. Abg. Mugdan( freis. Vp.) verteidigt gleichfalls die Aerzte gegen die sozialdemokratischen Angriffe. Jede soziale Reform müsse dahin streben, ein Einverständnis zwischen Unternehmern und Arbeitern herbeizuführen. Die Sozialdemokratie, die ohne ein solches Einverständnis lediglich einseitig Interessen der Arbeitnehmer durchzusetzen beslissen sei, fördere um deswillen nicht die Sozialreform, vielmehr schädige sie dieselbe und erweise sich als deren schärfster Gegner. Abg. David( Soz.) bestreitet, daß die Sozialdemokratie ihre Anhänger zu Agitationszwecken in die Kassenbeamtenschaft hineinbringe und für diese Agitation besolde, bezeichnet die Aerzte als Krakehler und deren Honorierung durch die Kassen als ganz angemessen. Redner polemisiert dann gegen die Abgg. Frhr. Heyl v. Herrnsheim und Erzberger. Die Sozialdemokratie sei trotz aller Meinungsverschiedenheiten im Einzelnen einig in der Forderung der politischen und wirtschaftlichen Emanzipation der unteren Voltsschichten. Wer die Partei der Reichen ergreife, wie das in Crimmitschau der Fall gewesen sei, der beleidige das ganze Christentum. Die Grundauffassung Christi sei die heute von der Sozialdemokratie vertretene. Abg. Hey I v. Herrnsheim( natl.) bemerkte auf eine Aeußerung Davids, wenn der Großherzog von Hessen sich mit Leuten wie David und Ulrich unterhalte, so liege das eben daran, daß diese ihm als hessische Abgeordnete den Eid der Treue geleistet haben( lebhafter Beifall rechts). Wenn Christus heute erscheine und sähe, wie die Sozialdemokraten, diese angeblichen Vertreter der Arbeiter, sich der Interessen der Arbeiter annähmen, so würde er mit dem Schwerte dreinfahren.( Lärm links, Zwischenrufe.) Abg. Korfanty( Pole) wirft dem Staatssekretär vor, daß er in der Polenfrage nur Phrasen brauche.( Vizepräsident Graf Stolberg rügt diesen Ausdruck.) Redner fündigte weiter an, daß die Polen nicht ruhen würden, auch in Oberschlesien die Agitation bis in die weitesten Kreise zu tragen. Staatssekretär Graf Posadowsky: Das Haus möge Auskunft erteilen, was es wohl über ein Bundesratsmitglied sagen würde, das die Aeußerung eines Abgeordneten als Phrase bezeichne. Es sollte hier im Verkehr zwischen uns ein würdigerer Ton herrschen. Korfanty sagte, seine Freunde würden nicht nachlassen, die großpolnische Bewegung in Schlesien zu fördern. Schlesien ist seit 600 Jahren von der Krone Polens abgetrennt, und wir würden unter keinen Umständen dulden, daß dies für uns so wichtige Gebiet der Schauplatz polnischer Bestrebungen werde. die besseren sozialen Elemente sich nur schwer zu einem Frontdienst im Unteroffizierkorps entschließen. Es ist daher ernstlich zu erwägen, ob es sich nicht empfiehlt, für die Mitglieder des Unteroffizierstandes eine höhere Charge zu schaffen, wie sie vereinzelt in der Stellung der Feldwebelleutnants vorfommt. Abg. Stücklen( Soz.) verbreitet sich über Schmälerung des Vereins- und Versammlungsrechts in den thüringischen Staaten. Abg. Stolle( Soz.) beantragt Vertagung. Der Antrag wurde aber nicht genügend unterstützt, da auch die Sozialdemokraten nicht stark genug vertreten waren. Stolle erhielt hierauf das Wort, um eine Generalabrechnung über den Crimmitschauer Streif abzuhalten. Sächsischer Bundesratsbevollmächtigter Fischer tritt den Ausführungen Stolles entgegen, worauf dieser nochmals repliziert. Fortsetzung Montag. Die Lage des Unteroffizierftandes. Nab und fern. * Die 7. deutsche Kochkunstausstellung wurde in Berlin durch den Staatsminister v. Rheinbaben als Stellvertreter des deutschen Kronprinzen feierlich eröffnet. Die Ausstellung ist von zahlreichen Mitgliedern des deutschen Gastwirte- Verbandes mit auserlesenen Erzeugnissen der deutschen Küche beschickt worden. Ein großer Ausstand im rheinisch- westfälischen Bergrevier ist ausgebrochen. Auf den Zechen Oberhausen, Königsberg, Osterfeld und Vonderort streifen trop eindring. licher Warnungen der Führer die Belegschaften vollzählig. Wie es heißt, ist der Streif darauf zurückzuführen, daß die Berwaltung der Zeche Oberhausen eine halbstündige Verlängerung der Arbeitsschicht eingeführt hat. Man befürchtet die Ausdehnung des Streits auf das ganze Ruhrrevier. † Starke Erdbeben werden aus verschiedenen Ländern gemeldet. Besonders wurde Ungarn von heftigen Stößen beimgesucht. In Kezdi- Vasarheli im Haremszefer Komitat wurden drei starke Erdstöße verspürt, denen alsbald vier schwächere folgten. Die erschreckte Bevölkerung sprang aus den Betten und suchte zu fliehen; es wurde indessen nur unbedeutender Schaden angerichtet. Auch in Kronstadt nahin man Erderschütterung wahr. Auch in vielen Teilen Rumä riens wurden Erdbeben beobachtet. Auch in Venezuela sind um Orinoffo und am Golf von Parja heftige Erderschüttenungen erfolgt. Von unserem Mitarbeiter wird uns geschrieben: In einer der letzten Sizungen der Budgetkommission des Reichstags wurde die Lage des deutschen Unteroffizierſtandes und vor allen Dingen auch die unerquickliche Situation, in der sich das Heer durch den schwachen und relativ ungeeigneten Nachwuchs befindet, eingehend durchbesprochen. Es war eine Forderung von 685 neuen Unteroffizie.tellen vorgelegt, die aber, einem Antrage des Zentrumsabgeordneten Speck entsprechend, auf den Etat des nächsten Jahres verschoben wurde. Giner frivolen Friedhofsschändung machte sich der Pianist Sommerfeld in Berlin zusammen mit einem Komplizen fenildig. Infolge einer bei einer Kneiperei abgeschlossenen Mette begab sich Sommerfeld mit seinem Mitschuldigen zur Reichenhalle des Apostelkirchhofs und brach dort ein, un vom Haupt seiner dort aufgebahrten früheren Geliebten nine Haarlocke abzuschneiden. Das Mädchen hatte sich aus Gram darüber, daß ihrer Eheschließung mit Sommerfeld unüberwindliche Hindernisse entgegenstanden, selbst den Tod gegeben. Von schwerem Verdacht befreit. Aus der Untersuchnugsbust entlassen wurde der Tischler Krahl in Kiel, welcher unter dem Verdacht der Ermordung seiner Schwiegereltern, der hochbetagten Ehrich'schen Eheleute, gefänglich eingezogen worden war. Die gegen ihn vorliegenden Verdachtsmomente haben sich als nicht genügend erwiesen. falscher Angabe und falscher Eintragungen zu 2½ Jahren Zuchthaus, 3000 Mart Geldstrafe und 5 Jahre Ehrverlust verurteilt worden war. Frau Wulff hat inzwischen den Konkurs angemeldet. § Aus dem Regen in die Tranfe. Wegen zahlreicher Sittlichkeitsvergehen an Kindern war vor einiger Zeit der Vizefeldwebel Gemmer in Lahr vom dortigen Kriegsgericht zu 3 Jahren Gefängnis, 2 Jahren Ehrverlust, Degradation und Versetzung in die zweite lasse des Soldatenstandes verurteilt worden. Gegen dieses Urteil hatten sowohl der Angeklagte, wie der Gerichtsherr Berufung eingelegt, so daß die Sache jetzt vor dem Oberkriegsgericht zur erneuten Verhandlung stand. Das Urteil lautete auf 2 Jahre Zuchthaus und 2 Jahre Ehrverlust. [ Ein seltsames Jagdabenteuer] erlebte die Herzogin von Luynes auf einer bei Rambouillet veranstalteten Hezzjagd. Zehn Minuten nach Beginn der Jagd machte der gebeyte Hirsch plötzlich kehrt und wandte sich gegen die verfolgende Reiterschar. Die Herzogin kreuzte zu Pferde seinen Way. Der Hirsch wollte nun über das Pferd hinwegjeten, erfaßte aber im Sprung mit dem Geweih das Reitkleid der Herzogin, die dadurch aus dem Sattel gehoben wurde und zur Erde fiel, während der Hirsch entfam. Man glaubte zunächst, daß die Herzogin verwundet sei. Sie erhob sich jedoch schnell wieder Es wäre dringend wünschenswert, wenn die Behörde inzwischen auf Mittel und Wege sinnen würde, wie man diesem Uebelstande am besten abhelfen kann. Vor wenigen Tagen ist eine Schrift von einem Hauptmann Clausen erschienen, worin insbesondere die großen Schwierigkeiten des Unteroffizierersatzes dargestellt werden. In jedem Jahr muß der Ron. vagnie, Eskadrons- oder Batteriechef für den Unteroffiziersabgang einen Nachwuchs an Kapitulanten schaffen, md in jedem Jahre macht diese Offizierskategorie dieselbe Erfahrung, daß gerade die brauchbarsten Elemente ablehnend auf eine Anfrage bezüglich der Kapitulation antworten. Unter diesen Umständen müssen sie froh sein, wenn sie überhaupt Rapitulanten finden, und sie greifen zu, wenn darunter auch geistig, sittlich und körperlich minderwertige Elemente bertreten sind. Es meldet sich nur ein kleiner Teil von wirklich brauchbarer Qualität, und das sind, wie Clausen sagt, meistens solche Persönlichkeiten, die sich aus angeborener Herrschsucht dem militärischen Berufe widmen. Aber gerade diese Mitglieder des Unteroffizierstandes seien trotz ihrer militärischen Qualifikation vielfach wegen ihrer gewalttätigen Soldatenschindereien die unerfreulichsten Typen des Standes. lacherd entgegen, daß ihrief den reitenden Jagdgenossen sei, nur das Pferd war ihr entlaufen, und so mußte sie auf die fernere Teilnahme an der Jagd verzichten. Vermilchtes. [ Keine deutsche Militärmusik in St. Louis.] Auf der Weltausstellung in St. Louis wird, gutem Vernehmen nach, feine deutsche Militärkapelle konzertieren. Die Stapelle des in Hanau garnisonierenden Infanterieregiments HessenHomburg Nr. 166, welche dieserhalb bereits mit dem Ausitellungskomitee in Unterhandlung stand, ist die Genehingung des Kaisers zum Konzertieren in St. Louis nicht er teilt worden. Rammer Lauba bestehent bon G Bertreter Der Groß hof in Alsfelder 2 Firma Le der Firm projettier Alsfel * ginnende Hanner Auguft Ewald meifter FaberBribatier V.- Alsfel wirt Ror Ulmann Raufman WolfLich, La mann- 5 ler Aar Revierfi Sarters Defono der Friedber Landwi Rönig i * * Landg Montag anberau Amt u Beit fchädig Intere zur * [ Ein dummer Junge".] In dem Halleschen Vorort Klein- Wittenberg verstarb dieser Tage der 80jährige Auszügler Dietrich, mehrfacher Groß- und Schwiegervater. Sein After bewahrte ihn aber nicht davor, daß seine noch lebende Mutter, die das 100. Jahr erreicht hat, ihm wenige Wochen vor seinem Tode auf die Frage, ob sie wohl auch an ihr Testament gedacht habe, mit der Antwort diente:„ Dummer Junge, was verstehst denn du davon?" Die Frau ist noch äußerst rüstig und gut zu Fuß, hat ein wunderbares Gedächtnis und kann noch ohne Brille lesen und stricken. Eine deutsche Expedition zur Erforschung des gelben Fiebers. Zwei Aerzte des Hamburger Instituts für Tropenfrankheiten, Dr. Otto und Dr. Neumann, werden mit von Hamburger Reedereien und Kaufleuten zur Verfügung ge= stellten namhaften Mitteln nach Südamerika gehen, um dort Studien über das gelbe Fieber anzustellen. Abgesehen von wissenschaftlichen Forschungen soll die Hamburger Erpedition Beobachtungen über die neuen jezt in Südamerika geübten Verhütungsmaßregeln gegen die Seuche sammeln und sich mit der Frage beschäftigen, wie den schweren Verlusten, die der deutsche Handel und die deutsche Schiffahrt in den einzelnen Epidemie jahren erlitten, auf grund der neuesten Forschungsergebnisse in Zukunft vorzubeugen sei. Weitere Forschungen auf diesem Gebiete haben gerade in Hamburg Interesse, da es mit den Ländern, in welchen das gelbe Fieber vorkommt, in besonders enger und inniger Verbindung steht. Die Expedition verläßt am 10. Februar mit dem Postdampfer Prinz Eitel Friedrich" den Hamburger Hafen und begibt sich zunächst nach Rio de Janeiro. Diese Darstellung enthüllt einen wirklich trostlosen Zustand in der Armee. Man kann es begreifen, daß die stete Gebundenheit, die das Los des Soldaten ist, in den ausgedienten Mannschaften die Sehnsucht nach dem„ freien" Zivilleben erweckt. Andererseits ist aber doch das Heer zugleich für den pflichttreuen Unteroffizier eine Versorgungsanstalt, denn nach abgeleisteter zwölfjähriger Dienstzeit stehen ihm viele Stellen offen, die der Zivilist nur durch eine ziemlich weitgehende wissenschaftliche Bildung und große Opfer an Geld erreichen kann. Aber alle diese Vorteile wiegen in den Augen des großen Teils des in Frage kommenden Kapitulantenmaterials die Nachteile des Soldatenstandes nicht auf, zu denen außer der schon berührten strengen Disziplin vor allem die unverdiente geringe soziale Wertschätzung, unter der der Unteroffizierstand gerade heutigen Tages vielfach zu leiden hat, gehört. Das ist mit der Hauptgrund, weshalb " +[ Von einer Soldatenmutter] aus Röth bei Freudenstadt weiß ein württembergisches Blatt zu berichten: Die zehn Söhne der Witwe des Lindenwirts Frey sind stramme, gutgewachsene Männer, der größte mißt 1,82, der kleinste 1,78. Die zwei ältesten haben ihrem König bereits treu gedient, der dritte, vierte und fünfte tragen gegenwärtig mit Stolz des Königs Rock, und die beiden folgenden, der sechste und siebente( Zwillinge), stellen sich in diesem Jahre der Ersatkommission. Eine gesunde Schwarzwälderfamilie; Vater, ein begeisterter Veteran von 1866 und 1870, ist im Jahre 1890 gestorben. Nachklänge aus Aalesund. Dem Flügeladjutanten des deutschen Kaisers, Fregattenkapitän v. Grumme, der die Rettungserpedition nach Aalesund begleitet hatte, wurde auf der Rückreise in Christiania eine große Ovation bereitet. Er und seine Gemahlin wurden von einer zahlreichen Menschennienge am Bahnhof erwartet. Den Ankommenden wurden Blumen zugeworfen. Herr v. Grumme wurde auch vom Kronprinzen von Schweden empfangen. Im Gegensatz zu dem schnellen, tatkräftigen Eingreifen der Deutschen steht die tragikomische Tatsache, daß das englische Kanonenboot Hearty", das 350 Tons Vorräte an Lebensmitteln und Kleidung nach Aalesund bringen sollte, noch jetzt müßig in Deptford liegt. Die Reise konnte bisher immer noch nicht angetreten werden, weil der Direktor des Regierungsspeichers den Beschl bisher nicht erhalten hat, die Vorräte an den Jetzt wird's nachgerade aber Schiffskapitän auszuliefern. Zeu! Hus dem Gerichtsfaal. Kunft und Wissenschaft. AP.„ Lebensvolle" Bilder on Toten. Bertillon, der Gegründer der Anthropometrie( Körpermessung zu gerichtlichen Sweden), hat soeben den Pariser Justizbehörden eine neue Methode vorgeschlagen, die für alle nicht erkannten un zur Leichenhalle gebrachten Leichen Anwendung finden soll. Bis jetzt hat man sich darauf beschränkt, die Leichname photograbhieren zu lassen. Man erhielt so aber nur eine sehr entfernte Aehnlichkeit mit dem Gesicht der Persen bei Lebzeiten, und meist war es ein wertloses Dokument, selbst für die Personen, die berufen waren, ihre Meinung über die Identifizierung des Verschwundenen abzugeben. Man mußte also die Züge des Gesichts für einen Augenblick wiederausleben lassen. Bertillon hat nun, gestützt auf eine Reihe von Beobachtungen, folgendes Verfahren eingeschlagenmit Hilfe einer Pravazsprize führt man in die Augen drei bis bicr Tropfen Glyzerin ein; alsdann heben sich die Augenlider, die Augen bleiben weit offen, und der Leichnam scheint wiederauszuleben. Um dem trübe und gläsern aussehenden Augapfel Glanz zu verleihen, bringt man in die Liderhaut ein wenig Glyzerin. Man vervollständigt die Illusion durch Reiben der Lippen mit ein wenig Karmin, und der so vorbereitete Leichnam gibt in der Photographie ein„ lebensvolles" Bild. § Dämon Alkohol. Wegen Beleidigung eines Feldwebels, tätlichen Angriffs auf einen Wachlhabenden und megen Trunkenheit im Dienste hatte sich gestern der Leutnant von Schweinichen vom Königs- Infanterieregiment Nr. 145 vor dem Kriegsgericht in Mez zu verantworten. Die Verhandlung zu welcher 6 Offiziere und 12 Soldaten als Zeugen geladen waren, fand unter Ausschluß der Deffentlichkeit statt. Der Angeklagte wurde zu einem Jahr und einem Monate Festungshaft und zur Dienstentlassung verurteilt. § Vierfacher Raubmord. Vom Reichsgericht verworfen wurde die Revision des vierfachen Raubmörders. Fleischermeisters Hubert in Tilsit, welcher, wie s. 3t. berichtet, wegen Ermordung der Meiereibesitzer Zürcherschen Eheleute und deren Töchter vom Schwurgericht zum Tode verurteilt worden war. Hubert behauptet auch noch heute, daß er an der bierfachen Bluttat unschuldig sei. § Dem Zuchthause in Celle zugeführt wurde durch Dortnumder Kriminalbeamte der frühere Bankier Hermann Wulff, der vom Schvurgericht wegen Meineides, wissentlich MF. Graf Zeppelins neues Luftschiff. Durch seinen vor einiger Zeit veröffentlichten Aufruf hat General a. D. Graf Zeppelin rund 450 000 Mart für Konstruktion eines neu n verbesserten Luftschiffes nach seinem System zusammengebracht. Ein neuer Ballon ist bereits in Angriff genommen, genieur Dürr leitet die Arbeiten auf der Werft zu Manzel an Bodensee. RD. Die letzte philosophische Doktorpromotion an der Ber. liner Universität hat gestern mittag stattgefunden. Zum letzten Male wurden an diesem Tage die Doktoren nach alter Weise freiert, nachdem sie eine Anzahl Thesen gegen mehrere Opponenten verteidigt hatten. Von jest an wird sich die Zeremonie auf die Ueberreichung des Diploms durch den Dekan beschränken. LG. Gine reiche Gabe für die deutsche Künstler- Genossenschaft hat der in Wien verstorbene bekannte Landschaftsmaler Josef Hofmann in seinem Testament vermacht. Sein in der Schweiz belegener prächtiger Pesis 3winguri geht in das Eigentum der Genossenschaft über unter der Bestimmung, daß dortselbst deutsche Künstler eingemietet werden sollen. Falls die deutsche Künstlergenossenschaft die Erbschaft nicht antritt, fällt 3winguri dem deutschen Kaiser zu. Der größte Teil seiner Bilder, die angeblich 400 000 er mert sind, vermachte Hoffmann der Stadt Wien. Der Landwirt. pd. Kalkdüngung für Obstbäume. Jeder Landwirt weiß wie wichtig Kalkdüngung für alle Kulturpflanzen ist. Die Pflanzen brauchen zu ihrer Entwickelung beträchtliche Men gen dieses Nahrstoffes, außerdem aber ist ein günstiger zu stand des Bodens von gewissem Kalfgehalt abhängig. b. wohl nun die Obstbäume, besonders das Steinobst, zu den kalkbedürftigsten Pflanzen gehören und obwohl gerade der feste, verschlossene, oft saure Boden unter unseren Bäumen einer Verbesserung durch Kalk notwendig bedarf, sehen wi eine Kalkdüngung nur selten im Obstgarten angewendet. Die Erfolge, die man damit erzielt, sind deshalb ganz außer ordentlich. Die Bäume werden gesünder, das Holz komm besser zum Ausreifen, der Fruchtansatz wird ein größerer Bei offenem Lande wird der Kalk einfach ausgestreut und untergegraben. Befindet sich unter dem Baume Rasen, sc schält man unter der Kronentraufe einen zirka einen Meter breiten Rasenring ab, streut nun auf die offene Erde der Salt, gräbt sorgfältig unter und deckt den Rasen wieder auf Auf einen Quadratmeter Kronenfläche rechnet man 0,25 bi 0,50 Kilogramm Düngekalk. Düngen mit wässeriger Kalt milch ist unrichtig, weil auf diese Weise im Boden leicht ein fester Mörtel entsteht. neuen überall bezeichn findet a Doraus fi besonders feiten in bei Buzie diese ei ftellung Gerhar dieses * * Bei de die Fra Schwieri dagewese mit gro Saal, und Ver Masten Sommer grotte n unter d Ueberal das Die b Mand bollen worde in let Mitm Sonn pere Garte und Vorja Arran we night. gelij am M Mainz * zeigt e Die S genomm Birtid 13000 einem wieder Steuer Mart betrage die A Borjab * Unte Su 2 Jahren hre Ehrverlust inzwischen den Sahlreicher Sitt Zeit der Vizetriegsgericht zu Degradation und andes verurteilt Der Angeklagte, daß die Sache 1 Verhandligig chihaus und 2 nis.] Auf der ernehmen nady, Die Stapelle des ments Sejen mit dem Aus it die Genehin Louis nicht er: alleschen Vorort SOjährige Ausiegervater. Sein ine noch lebende wenige Wochen ohl auch an ihr ente:„ Dummer Frau ist nod inderbares GeStriden. Ch bei Freuden berichten: Die en sind stramme, , 82, der kleinste bereits treu ge gegenwärtig mit enden, der sechste m Jahre der Grderfamilie; der md 1870, ist im baft. Bertillon, der Be g zu gerichtlichen Jörden eine neue fannten und z finden soll. Bis hname photogra r eine sehr entzur Persen bei Lebunent, selbst für inung über die n. Man mußte enblick wiederauf einer Nethe geschlagemonit Augen drei bis die Augenlider, am scheint wiederaussehenden AugDie Liderhaut ein e Illusion durch und der so vorhie ein lebensDurch seinen vor neral a. D. Graf ition eines neu'n stem zusammenngriff genommen; Werft zu Manzel otion an der Ber. inden. Zum legien nach alter Weise en mehrere Oppo sich die Zeremonie hden Dekan be Künstler- Gonoffen Landschaftsmaler acht. Sein in der guri geht in das der Bestimmung, tet werden sollen. Die Erbschaft nich er zu. Der größte man mert sind, er Landwirt weiß pflanzen ist. 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Bekanntlich sollen der Firma Lenz& Co. der Bau der auf Aktien beruhenden projektierten Nebenbahnen Alsfeld- Nieder- Aula und Alsfeld Ulrichstein- Schotten übertragen werden. * Zu Geschworenen wurden für die am 7. März beginnende Schwurgerichtsperiode ausgelost: Kaufmann Ludwig Hanner in Büdingen, Müller Peter Dieß- Friedberg, Pächter August Draudt- Büdesheim, Landwirt Nikolaus Th. Ferd. Ewald- Odstadt, Kaufmann Georg Reckemer- Schotten, Bürgermeister Paul Heizenröder- Nieder- Moos, Spengler Karl Auguſt Faber- Gießen, Musikalienhändler Wilhelm Rudolph- Gießen, Brivatier Karl Hintel II.- Vilbel, Meßgermeister Werner Koch V.- Alsfeld, Landwirt Konrad Lein- Burg- Gemünden, Landwirt Konrad Jochem III.- Laubach, Landwirt Joh. Christ. Ullmann- Nieder- Erlenbach, Landwirt Gustav Ickes- Blmuth, Kaufmann Karl Röhr- Gießen, Beigeordneter Krd. Chr. Wolf- Wohnbach, Brauereibesizer Konr. Hrch. Chr. IhringLich, Landwirt Wilhelm Euler- Maar, Gastwirt Gustav Landmann- Hirzenhain, Tapetenhändler Blödner- Gießen, Buchhändler Kari Koch. Gießen, Zimmermſtr. Wilh. Henkel- Lauterbach, Revierförster Emil Mary- Schlitz, Landwirt Georg Heil III.Hartershausen, Oberamtmann Otto Flemming- Büdingen, Defonom Hugo Schudt- Dorheim, Rentner Hrch. UbrichFriedberg, Bürgermeister Joh. Hoffmann- Burkardsfelden, Landwirt Hrch. Ruppert III.- Ermenrod und Landwirt J. König in Heegheim. ** Sämtliche hessische Bürgermeister aus den Landgemeinden erhielten Einladungen zu einer auf Montag, 8. Februar, im Rechneisaal" zu Frankfurt anberaumten Versammlung. Die Land- Bürgermeister, deren Amt unentgeltlich erfüllt werden muß, erstreben seit einiger Beit eine anderweitige Regulierung ihrer Bureau- Entschädigungen, Diese Pensionsberechtigung u. dergl. Interessenfragen sind bei der stattgehabten Versammlung zur Besprechung gelangt. ** * Theaterverein Gießen. Die Aufführung des neuen Dramas von Mar Halbe" Der Strom", das überall eine so günstige Aufnahme findet und als das beste bezeichnet wird, das Halbe seit der Jugend" geschrieben hat, findet, als 7. Vorstellung mit Herrn Diegelmann als Gast voraussichtlich am Freitag, den 19. d. Mts., statt. Es wird besonders darauf aufmerksam gemacht, daß wegen Schwi.rigfeiten in der Beseßung die Aufführung der„ Strom" nur bei zuziehung eines Gastes möglich ist und daß deshalb nur diese einzige Aufführung stattfinden tann. Die 8. Vorstellung mit Herrn Loehr- Darmstadt als Rechtsanwalt Gerhardt in Walter Bloems„ Es werde Recht" ist Ende dieses Monats. " ** Mastenfest des Turnvereins Gießen. Bei der stets zunehmenden Zahl von Mastenvergnügen ist die Frage des Arrangements für die Vereine stets eine schwierige. Will doch jeder Verein möglichst etwas noch nie dagewesenes bieten! Der Turnverein erledigte sich solcher mit großem Gesch ck, dessen Mastenfest verlief großartig. Der Saal, wunderschön dekoriert, war mit verschiedenen Schauund Verkaufsbuden ausgestattet, welche von den zahlreichen Masten recht fleißig besucht wurden. Inmitter der zur Sommerwirtschaft umgewandelten Bühne erschien eine Felsengrotte mit Wasserfall und elektr. Effektbeleuchtung, während unter der Bühne Gambrinus seinen Einzug gehalten hatte. Ueberall begegnete man fleißigen Verkäuferinnen, sodaß es das Gepräge eines echten venezianischen Festes trug. Die vorgesehenen Aufführungen der Gaukler- Tyroler und Mandolinenbande sowie der Mordgeschichte tamen nicht zur vollen Geltung, hatten aber auch zufolge des bekannt ge= wordenen Umstandes, daß obrigkeitlicherseits das Vergnügen in letter Stunde verboten sei, nicht mehr das Interesse der Mitwirkenden, worauf auch der schlechte Besuch der gestrigen Sonntagsfortsegung zurückzuführen sein dürfte. * Der Maskenball des Wohltätigkeitsverein Contentia am gestrigen Sonntag in Steins Garten war sehr gut besucht. Es herschte in allen Ecken und Buden der richtige Jahrmarktsrummel, ganz nach dem Vorsaz wie es geplant war. Freundliche Gesichter, gediegenes Arrangement, mehr braucht der Besucher eines Masken balles wenn er das nötige Kleingeld in der Tasche hat nicht. Die Fidelität hielt bis zum frühen Morgen an. Die diesjährige Hauptversammlung des Evan- ja gelischen Pfarrvereins im Großherzogtum Hessen soll am Mittwoch, 27. April, im Evangelischen Vereinshause zu Mainz abgehalten werden. * * Der Hauptvoranschlag für das Etatsjahr 1904 zeigt ein wesentlich günstigeres Bild als sein Vorgänger. Die Schuldentilgung fann mit 714 000 Mt. wieder aufgenommen werden, und troßdem sinkt der Fehlbetrag in der Wirtschaftsrechnung von 2 300 000 Mt. im Jahre 1903 auf 1300 000 Mt. in 1904. Die Eisenbahnen haben mit einem Mehr von 1 500 000 Mt. ihren normalen Stand wieder erreicht, mit 11 600 000 mt. überschritten. Die Steuern sind in den vier Jahren 1901-1904 um 3 Min. Mart gestiegen. Die Einnahmen der Landesuniverſität betragen 353000 Mt.( 18 700 Mt. mehr wie im Vorjahre) die Ausgaben 1 189 450 Wtt., 24050 Mt. mehr wie im Borjahre. * Ueber die bisherigen Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen die der Direktor des hygienischen Instituts der Landesuniversität, Geh. Medizinalrat Prof.| Dr. Gaffly, zur Untersuchung der Giftwirkung des Bohnen Salats, dem in Darmstadt so viele Menschenleben zum Opfer gefallen sind, vorgenommen hat; hat Prof. Dr. Gaffin dem Ministerium des Innern, Abteilung für öffentliche Gesundheitspflege, einen vorläufigen Bericht eingereicht. Prof. Dr. Gaffly teilt darin u. a. mit, daß es sich in dem verhängnisvollen Bohnensalat um ein sog." Batterien- Texin" handeln muß. Was die wichtige Frage nach dem das Gift erzeugenden Mikroorganismus betrifft, so unterliegt es wohl keinem Zweifel, daß es sich nur um einen bei Ausschluß der atmosphärischen Luft wachsenden, sog.„ anceroben Keim handeln kann. Der Keim hätte sich sonst in den Büchsen nicht entwickelt. Ueberdies sind die Buttersäure entwickelnden Batterien meines Wissens sämtlich Anaëroben. In den Bohnen, die mir zur Untersuchung vorliegen, findet sich überwiegend eine Art von Batterien, die mir verdächtig erscheint. Es wird aber abzuwarten sein, ob es gelingt, diesen Verdacht durch exakte Versuche zu bestätigen. Zur Zeit gehen unſere diesbezüglichen Bemühungen zunächst dahin, jene Batterien im Inhalt unverdächtiger Bohnenkonserven- Büchsen und-Gläser zur Vermehrung zu bringen. Mehr und mehr neige ich mich der Ansicht zu, daß wir es mit inom rein soprophytischen, das heißt nur auf totem Material lebenden, im menschlichen und tierischen Körper aber vermehrungsunfähigen Bakterium zu tun haben, welches in pflanzlichen Substanzen ein überaus schädliches Gift zu erzeugen vermag, wie es der Ermenghem'sche Bacillus botulinus" in tierischem Material, in Fleisch und Wurst, bildet. Man wird wohl in der Annahme nicht fehl gehen, daß die Keime in Sporen- oder Dauerofrm den Bohnen angehaftet, das Kochen der Büchsen überstanden, dann in dem Inhalt sich vermehrt und das Gift dabei erzeugt haben. ** Ein Kind mit zwei Vätern dürfte nicht alle Tage vorkommen. Das Landgericht in Gießen hat in einem Zivilprozeß folgenden Tatbestand aftenmäßig feſtge= stellt. Der Vormund eines unehelich geborenen Kindes hat den als dessen Vater von der Mutter bezeichneten Mann beim Vormundschaftsrichter vorladen lassen und vor diesem hat der Geladene in einer von ihm unterzeichneten Urkunde die Baterschaft anerkannt und sich zur Zahlung von Alimenten bereit erklärt. Wenige Zeit später hat die Mutter des Kindes einen anderen Mann geheiratet und dieser hat vor dem Standesbeamten bei Eingehung der Ehe erklärt, daß er der Vater des unehelich geborenen Kindes seiner zufünftigen Ehefrau sei und den Buben, denn um einen solchen handelt es sich, als den seinigen anerkenne. Der Vormund flagt jezt gegen den Vater Nr. 1 wegen Erfüllung der Alimentatione verpflichtung. Das Interessante an dem Fall dürfte sein, daß nach dem bestehenden Recht eine Anullierung einer Vaterschaften, welche eben beide urkundlich in aller Form rechtens bestehen, unmöglich, da eine Einrede gegen den urkundlichen Beweis unzulässig ist, und so wird der Bub wohl sein Leben lang sich mit den zwei Vätern behelfen müssen. ** Besizwechsel. Der Gasthof Zum wilden Mann" in Grünberg ging für 28 000 Mt. an einen Herrn Hörter mann aus Hörter bei Oynhausen, gegenwärtig in Buzbach, über. Die Uebernahme erfolgt am 1. Mai. ** Die Gesamtzahl der dem internationalen Preisgericht für die Weltausstellung in St. Louis an gehörenden Juroren soll annähernd 2% aller Aussteller betragen, diese Zahl aber nicht überschreiten. Jede Nation mit mindeſters 50 Ausstellern hat Anspruch darauf, in der Jury vertreten zu sein. Die Zahl der Juroren für jeden Kunst- und Industriezweig und jede Nation soll möglichst der Zahl der Aussteller und der Bedeutung der Ausstellungsgegenstände entsprechen. Krofdorf, 6. Febr. In diesen Tagen werden von der hiesigen Kommunalkasse die Jahresbeiträge für die Rheinische Provinzial- Feuerversicherungsanstalt gezahlt. Es fommen alljährlich bedeutende Summen zusammen, zumal der größte Teil der Kreiseingesessenen bei dieser Anstalt versichert ist. Im Laufe des vergangenen Jahres sind wieder den Gemeinden des Kreises Weßlar aus Mitteln der ProvinzialFeuerversicherungsanstalt 1800 Mt. zur Beschaffung von Feuerlöschgerätschaften und 7400 Mt. zur Erbauung von Wasserleitungen als Beihülfen bewilligt worden. ▼ Lüzellinden, 7. Febr. Eine Entwässerungsgenossenschaft die sich hier gebildet hat, beabsichtigt die Drainierung der Allen dörfer Au". Leiter ist Wiesenvorsteher F. Schäfer. X Bieber b. Rodh., 6. Febr. Bekanntlich werden hierſelbſt alljährlich mehrere Holzversteigerungen der Oberförsterei Strupbach abgehalten. So fand am geftrigen Tage die erste Brennholz- Versteigerung statt, bei welcher Raumm. Buchenscheitholz durchschnittlich mit 8 Mt. bezahlt wurde. Wie wir erfahren, so soll auf allgemeinen Wunsch für die Folge eine Nagholz- Versteigerung des Schußbezirks Strupbach zu Rodheim abgehalten werden. - × Laubach, 5. Febr. Bei der am Mittwoch abgehaltenen Holzversteigerung der gräflichen Oberförsterei Laubach wurden für Buchen- Scheitholz per Meter 6 bis 7 Mark für Buchen- Stockholz 4 bis 5 Mart erzielt. () Ettingshausen, 7. Febr. Bei der letzten Holzversteigerung wurden gute Preise erzielt. Es wurde gezahlt für Fichten- Stammholz( Bau- und Nugholz) pro Meter 25-26 Mt. für Stangen( Bohnenstangen) 12-15 Mt. pro Meter. Die Brennholz- Verſteigerung findet demnächst statt. Wächtersbach, 7. Febr. Der Rentner Louis Prinz, der kürzlich verstorben ist, vermachte der Stadt ein Legat von 1000 Mt., dessen Binsen Weihnachten jeden Jahres den ältesten Armen übergeben werden sollen. A Friedberg, 5. Febr. Gestern nachmittag gegen halb 5 Uhr erfolgte im Rathause eine heftige Gasexplosion, ohne jedoch größeren Schaden anzurichten. Aus dem Odenwald. Die Bauersleute haben noch fortgesezt über nudere Viehpreise zu flagen, denn die Schweine allerbester Qualität werden immer noch nur mit 50 Pfennig pr. Pfund Schlachtgewicht verkauft. Selbst das Großvieh ist im Preise etwas zurückgegangen, aber es ist immer noch hochpreisig und gesucht. Auch Hafer ist gegen das Vorjahr sehr billig, indem solcher zur Zeit pro Bentner nur 6,50 Mt. fostet. § Mainz, 7. Febr. Die fürzlich auf dem Wege zur Kirche plößlich erblindete Frau hat noch keine Spur ihrer Sehkraft wiedererlangt. Die Hoffnung, ihr das Augenlicht wiederzugeben, ist von den Aerzten aufgegeben worden. Aus dem Gerichtssaal. Straffammer. Gießen, 5. Februar 1904. Der Gärtner Ludwig Biege aus Schönlante wurde im verflossenen Jahr durch die Straffammer zu Gießen wegen verschiedener in Friedberg verübter Diebstähle mit einer Gefängnisstrafe von neun Monaten belegt. Der Angeklagte, welcher inzwischen die Strafe verbüßt hat, behauptet nach wie vor seine Unschuld und wurde auf sein Betreiben das Verfahren wieder aufgenommen. Die heutige Verhandlung förderte nichts anders zu Tage als die frühere, weshalb das frühere Erkenntnis aufrecht erhalten wurde.- Unter der Anklage mehrere Bechprellereien in Oberau verübt zu haben, hatte sich der Arbeiter Friedrich Wenzel aus Höchst zu verantworten. Nachdem der Argeflagte im Vorverfahren die betrügerische Absicht zugegeben hatte verlegte er sich heute aufs Leugnen, weshalb die Verhandlung, behufs Beiladung von Zeugen vertagt werden mußte.- Den Schluß bildete die Privatflage der Frau D. Blum in Gießen gegen den Oberleutnant a. D. Otto Biermann dermalen in Berlin, bezw. die Widerklage des Letteren gegen die Erſtere wegen Beleidigung. Der Angeklagte wurde vom Gießener Schöffengericht zu 20 Mt und die Klägerin als Widerbeklagte zu 40 Wif. Geldstrafe verurteilt. In der heutigen Verhandlung zegen die Vertreter der Parteien den Antrag auf Bestrafung zurück, womit die Sache erledigt ist. = Holz- Versteigerungen = Winnerod. Im hiesigen Walde sollen auf dem Submissions wege vergeben wirden: Werk- u. Schnittholz, Stämme u. Stomm- Abschnitte von 30-62 Cim. Durchm.: 32 Eichen= 33,61 Fm., 3 Buchen= 4,48 Fm., 1 Bicke 0,38 m., 54 Lärchen======= 102,97 m., 8 Fichten 13,45 Fm., 2 Riefern= 2,17 Fm., 23 Weymouts- Kiefern 33,68 m.; Bauholz 2c. von 19-29 Ctm. Durch.: 126 1,38 m., 88 Lärchen Eichen= 63,51 Fm., 2 Birken 85,46 Fm., 11 Fichten= 10,37 m., 200 Kiefern 11,54 Fm., 9 Weymouts- Kiefern= 7,96 Fm.; Wagneru. Grubenholz von 11-18 Ctm. Durchm.: 76 Eichen= 17,10 m., 14 Lärchen= 446 Fm., 70 Fichten= 9,15 Fm., 139 Kiefern= 41,48 m.; Derbstangen ron 9 bis 11 Ctm. Durchm.: 50 Lärchen= 3,59 Fm., 377 Fichten = = =====28,29 Fm. Das Holz lagert grokenteils an chaussierter Straße, 3 Km. von der Bahnstation Reiskirchen, 6 Km. von Großen- Buseck. Die Gebote sind nach Sortimenten u. Holzarten getrennt schriftlich und verschlossen an den Förster Sames einzuschicken, der auch bereit ist, das Holz im Walde vorzuzeigen. Die Eröffnung der Gebote erfolgt Samstag den 13. Februar, nachmittags 3 Uhr im Felsenkeller, unweit. des Bahnhofs zu Gie en. Burg- Gemünden. Dienstag, den 9. Februar vor mittags 10 Uhr beginnerd, werden in dem Saale bei Gastwirt Eödler in Nieder- Gemünden am Bahnhof aus den Demanialwalddistrikten Eichwäldchen, Lichterwald, Pfingstwet de und Brühl versteigert: 353 Stück Eichen- Stämme von 24-59 3tm. Durchmesser und 3-15 Meter Länge 374,30 Fm.( meist Bau- u. Schnittholz). Das Holz, liegt 2,5-7 Kilom. von der Stationen Burg- und NiederGemünden und Nieder- Dhmen. - Litterarisches. Seefahrt und Dichtung. Im Januarhest der„ Flotte" ( zu beziehen durch alle Buchhandlungen zum Preise von 20 Bfg. pro Heft, Postbezugspreis Dit. 2. pro Jahr), beginnt Reinh. Fuchs einen höchft ansprechend geschriebenen Aufsatz über die Beziehungen des Meeres zur Dichtung. Wir erfahren daraus, daß auch die deutsche Poesie feineswegs arm an Seeliedern ist, von denen uns einige der schönsten im Rahmen des Aussages vorgeführt werden. Das erste Heft des veuen Jahrganges der" Flotte" ist außerdem besonders bemerkenswert, weil sich eine Anzahl wohlgelungener Bilder von dem Flußkanonenboot ,, Vaterland" darin befinden, das bekanntlich ein Geschenk des Hauptverbandes Deutscher Flotten- Vereine im Auslande an das Reich ist. Aus dem übrigen Inhalt erwähnen wir die Auffäße Vom Nationalgefühl" von Herrn General Keim, Der Rotersand- Leuchtturm" von Regierungsrat Dau- Neisse, Die Geschichte des Schisses"( Ill. Schiffe, Schiffbau und Schiffahrt im Mittelalter) von G. Neudeck- Kiel u. s. w. H " P Arbeitsnachweis der Stadt Gießen. Gartenstraße Nr 2( Bürgermeistereigebäude) Zimmer Nr. 14. && fönnen eingestellt werden: 1 landw. Knecht, 1 Bauschlosser, 1 jüngerer Schmied, 1 Küfer, 1 Schreiner, 1 Megger, 1 Friseur, 1 Schneider, 1 Buffetfräulein, 1 Küchenmädchen, 2 Köchinnen, 1 Kindermädchen, 12 Dienstmädchen gegen hohen Lohn für hier und auswärts. Lehrlinge: 1 Schlosser, 1 Spengler, 1 Feinmechaniker, 1 Mechaniker, 1 Kaufmann, 1 Bäcker, 1 Buchbinder, 1 Tapezierer, 1 Schreiner, 1 Weißbinder und Lackierer. Es suchen Arbeit: 1 Schmied, 1 Spengler, 1 Buchbinder, 3 Schreiner, 1 Bäcker, 1 Wäscherin, 2 Lackierer, 4 Hausburschen, 5 Fahrburschen, 6 Lauffrauen, 2 Bureaugehilfen. Berantwortlich: für den politischen und Inseratenteil: Albin Klein für das Lokale, den„ Gerichts." und" Deffentlichen@prechfaal": Fr. Oppermann Kinematographische Vorführungen des Deutschen Flotten- VereinsKreisgruppe Giessen ( Vorführung neuester lebender Photographien aus dem Bereich der Kriegs- und Handelsflotte, Striegsschiffe in voller Fahrt, auf hoher See und im Gefecht, Dienst an Bord u. A. m.- Aufnahmen an Bord des Flaggschiffs Sr. Königl. Hoheit des Prinzen Heinrich von Preußen.) in der grossen Aula der Universität Ludwigstraße Donnerstag, den 11., Freitas, den 12., Samstag, den 13. Februar, je abends 8 Uhr, Sonntag, den 14., nachmittags 3½ und 62 Uhr. Preis 50 Pfg.: Kaffenöffnung 1 Stunde vor Beginn. Vorverkauf jeweils bis abends 6 Uhr, Sonntags bis 2 Uhr, bei den Herren Cigarrenhändler AubelSeltersweg, Sonntag- Schulstraße, Heil Nachfl.- Lindenplatz, Friseur Koch- Bahnhofstraße, Musikalienhändler Challier- Neuenweg. auch Die Karten haben Biltigkeit nur für die Aufführung, für die sie ausgestellt sind. Holzversteigerung in der Fürstlichen Oberförsterei Lich. Montag, den 15. Februar, Bekanntmachung. Betr.: Die öffentliche Impfung. Am Samstag, den 13. Februar, nachmittags 2 bis 4 Uhr, wird im Impflokal( Schulgebäude Neuin den Distrikten Höler, Breuerberg, Westfälisch Eck und stadt 61) Wehrholz: ein öffentlicher Impftermin a) im Distrikt Höler. Zusammenkunft vormittags abgehalten, in welchem diejenigen Angehörigen von 91/2 Uhr auf dem Vicinalweg Lich- Garbenteich beim Ein- Impfpflichtigen, welche Aufforderung erhalten haben, ihre münden der Eberstädter Schneise( nahe Holz Nr. 247), Sinder kostenlos der Impfung unterziehen lassen Buchen: 26 Rm. Scheiter, 126 Rm. Knüppel, 34 Rm. fönnen. Stöcke, 2640 Nm. Wellen; Eiche: 60 Rm. Snüppel, Dieselbe wird an einem Arme mit Kälberlymphe aus dem Landesimpfinstitute vorgenommen. Die Kinder müssen rein gewaschen oder gebadet und mit frischer Leibwäsche zur Impfung gebracht werden. 1050 Wellen; 2 Rm. Nadelholz- Knüppel. - - b) im Distrikt Breuerberg. Zusammenkunft Mittags 12 Uhr auf dem alten Teichdamm: 2740 WeichholzWellen. An dem darauf folgenden Termin, Samstag, den c) in den Distrikten Wehrholz und Westfälisch Eck. 20. Februar um dieselbe Zeit, sind die am 13. Februar Zusammenkunft nachmittags 2 Uhr auf der alten Heer- geimpften zu der gesetzlichen Nachschau wieder vorzustraße bei der Eichenfultur. Knüppelholz: 39 Rm. Eichen, stellen. In beiden Terminen fönnen ferner Kinder, 20 Rm. Birken, 10 Km. Fichten; Stöcke: 2 Rm. Birken, welche wegen Krankheit bis zum Sommer von der Impf23 Rm. Fichten; Wellen: 550 Eichen, 150 Birken, 50 ung zurückgestellt werden wollen, dem Impfarzte zur Nadelholz; Fichtenderbstangen( Westfälisch Ed): 279 Stüd- Untersuchung vorgezeigt oder diesbezügliche ärztliche 8,88 Fitm.; Fichtenreisstangen( ½2 Wehrholz, 1/2 West- Atteste abgegeben werden. fälisch Ed): 309 Stück= 3,21 stm. Dienstag, den 16. Februar Die am Gr. Kreisgesundheitsamte abgegebenen Impfscheine müssen dort wieder abgeholt werden. Gießen, am 6. Februar 1904. Betr.: Großh. Bürgermeisterei Gießen. Curschmann. Bekanntmachung. Die Stiftung der Frau Hofgerichtsrat von Krug und ihres Sohnes des Hofgerichtsrats Dr. Karl von Krug. in den Distrikten Mönchwalo u. Meilbach: Buchen: 26 Rm. Scheiter, 25 Rm. Knüppel, 24 Rm. Stöde, 790 Wellen; Eichen: 4 Rm. Scheiter( Glaserholz), 13 Rm. Anüppel, 30 Wellen; Nadelholz: 18 Rm. Scheiter( rund, teils Kiefern, teils Fichte 2c.), ca. 60 Rm. Knüppel, ca. 300 m. Stöde,( teils Fichten, tells Kiefern; Letztere wieder teilweise von jungen Kiefern, hübsche, nicht grobe Stöcke); 5000 Wellen, 271 schwächere vie diesjährigen Zinsen aus der Krug- Stiftung Außer den von mir seither geführten Bieren bringe Fichtenderbstangen 6,41 stm., 285 Fichtenreisstangen sollen an 12 Arme der Stadt Gießen mit je 20 Mark 2,16, beide lettere Sortimente nahe am Vicinalweg vergeben werden. Bewerbungen find bis zum 20. d. M. Albach Hattenrod. schriftlich oder mündlich bet dem Armenamt NeuenBäue 25, Zimmer Nr. 2 vorzubringen. Mainzer Aktienbier beliebt wegen seines reinen, milden Geschmackes und weil es außerordentlich gut bekommt, zum Verkauf und empfehle dasselbe die 1 Flasche zu 18 Pfennig 1/2 " 9 " Wiederverkäufer erhalten Rabatt. Zugleich bemerke ich, um Täuschungen und Verwechselungen vorzubeugen, daß nur mic allein die Vertretung der Mainzer Aktien- Brauerei für Gießen und Umgegend übertragen worden ist. Gotthilf Röhrle Bier- Großhandlung. Marburgerstraße 7. Telephon 344. Gießen. ¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤ Spezial- Geschäft für Taschen- und Weckeruhren, Uhr- Ketten. Carl Geismar, Uhrmacher Gießen, Schulstraße 5. Stadt- Theater Gießen. Direktion: Steingoetter. Dienstag den 9. Februar ======== Die Zusammenkunft ist vormittags 91/2 Uhr auf der sogn. alten Laubacherstraße beim Eingang in den Distrikt Mönchwald von Burkhardsfelden her. Holzversteigerung. Morgen Dienstag, den 9. d. Mts. von vorm. halb 10 Uhr an: 30 Fstm. Eichen- Abschnitte bis 63 Ctm Durchm., Eichen- Bauholz bis 37 Ctm. Durchmesser bis 15 Mtr. lang, 30 " 44 " 10 Fichten- und Kiefern- Bauholz bis 28 3tm. Durchmesser bis 22 Mtr. lang, Buchen- Stämme bis 68 Ctm. Durchm. 7 Stück Eschenstämme bis 46 Ctm. Durchmesser, Kiefern- Schnittstämme b. 38 Ctm. Durchm. 8 6 Fstm. Fichten- Derbstangen bis 16 Mtr. lang, 13 Rm. Kiefern- Nugknüppel bis 3 Mtr. lang. Die Zusammenkunft ist am 1. Tag am Fußpfad von Grüningen nach Dorfgill und am 2. Tag an der Streisstraße von Dorfgill nach Garbenteich. Großh. Bürgermeisterei Grüningen. Gilbert. AMTLICH GLÄNZEND BEGUTACHTET: NUR 25 SALUTARIS NUR 25 Pro Pfg TOILETTE- FETT- SEIFE Unübertroffen für Haut- Ceintpflege: Rein, mild, sparsam. C. Naumann, Seifen- u. Parfümeriefabrik, Offenbach a.M. Robert Stuhl Bersteigerung. Gießen, Neustadt 23 emfiehlt Eiergemüsenudeln Gemüsenudeln Maccaroni, ital, 8. Volfsvorstellung Maccaroni, Bruch Doktor Klaus Zwetschen, türk. Lustspiel in 5 Aften von Adolf L'Arronge. Breise der Plätze: Mumr. Loge 1 Mk., Nichtnumr. aal 40 Pfg., Gallerie 20 Pfg. Sön mövl. Zimmer it oder ohne Pension zu verm. Gießen, Bismarckitrake 17. Möbliertes Zimmer Familienιδ eine fleine 3ohnung zu verarteten Neuenwea. 31. Zwetschen, calif. Apfelringe, amerik. Apfelschnitzen 99 Bingen a. Rh. Rhein. Technikum für Maschinenbau und Elektrotechnik. Progr. frei. Dienstag, den 9. Febrnard 3. Best- Versteigerung. versteigere ich Neustadt 55 dahier Dienstag, den 9. Februar ( Biefer Hof) gegen Barzahlung: um 10 Uhr a) um Uhr nachmittags: Gießen, den 1. Februar 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. J. V.: Curschmann. Bekanntmachung. Betr.: Die Löbersche Stiftung. Aus obiger Stiftung ist eine Pfründe von 260 Mt. jährlich an einen in Gießen geborenen, verwitweten Handwerker zu vergeben. Anmeldungen werden bis zum 20. Februar 1904 auf dem Armenamt, Neuen- Bäue 25, Zimmer Nr. 2, entgegengenommen. Gießen, den 3. Februar 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. J. V.: Curschmann. Bekanntmachung. In der Zeit vom 30. Januar bis 6. Februar 1904 wurden in hiesiger Stadt gefunden: 2 Portemonnaies mit Inhalt, 1 goldn. Manschettenknopf, 1 vergoldetes Armband, 1 Staubbesen, 1 Pferdeteppich und 1 Messingkapsel. verloren: 2 Damenuhren, 1 goldn. Manschettenfnopf mit 9 Sternen, 1 Manschettenfnopf von Elfenbein mit eingraviertem Zirkel und 1 Regenschirm. Zugelaufen ist: 1 grau gesprenkeltes Huhn. 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Er mußte sich erst ein Billet am Schalter lösen und als er oben anlangte, sah er sie ins Kupee steigen und der Zug setzte sich in Bewegung. ,, Agate!" schrie er mit gellender Stimme, so daß alle Leute die Köpfe aus den Fenstern steckten. Er schwang sich auf's Trittbrett und öffnete in voller Fahrt den Wagen und sprang ins Kupee. Auf der nächsten Station kam ein Beamter, der seinen Namen feststellte. Nur auf seine Erklärung, es geſchähe ein Unglück, wenn man ihn aufhielte, er habe sich mit seiner Braut erzürnt und fürchte, sie tue sich ein Leid an, ließ man ihn frei. Die anderen Insassen, welche Zeuge des Vorfalles gewesen, meinten lachend:„ Er solle sich nur nicht ins Bockshorn jagen lassen." Endlich sah er sie auf der Station Grunewald aussteigen. Er eilte ihr nach, doch sie flog wie ein Vogel vor ihm her. Immer, wenn er sie erreicht zu haben glaubte, entschlüpfte sie ihm. Er rief in Todesangst ihren Namen. Ein schlimmes Lächeln verzerrte ihren Mund. Sie glaubte nicht an seine Angst, noch, daß er bereue. Sie ahnte, daß die Befürchtung ihn nur trieb, sie könnte sich das Leben nehmen und man ihn dann für den Mörder halten. Mochte es so kommen! Ein böser Gedanke setzte sich in ihrer Seele feft. Sie wollte sich die Gelegenheit zur Rache nicht entgehen lassen. Die Entfernung zwischen den beiden wurde immer größer und bald hatt der Ingenieur das junge Mädchen gänzlich aus den Augen verloren. Zehn Monate später wurde Ingenieur Mohr des Mordes an Agate Hadung für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Beweis gum fepten hat if flitet gregie drei Mate Badung war gesehen worden, so bekundeten die Kolleginnen aus ihren Geschäft. Der Bahnbeamte sagte aus, was sich auf dem Bahnsteig ereignet hatte und was der Ingenieur selbst in Gegenwart von Zeugett, die sich ebenfalls dem Untersuchungsrichter ſtellten, von seiner Braut gesprochen. Daß er damals bereits die Absicht gehabt, sie zu ermorden, wurde allgemein angenommen. Und als sich durch die Untersuchung gar_herausgestellt hatte, daß er bereits verheiratet und seine Frau verlassen habe, da war sein Urteil gesrochen. Er hatte die Unglückliche ums Leben gebracht, weil er ihrer überdrüssig und sie ihm im Wege war. Daß man die Leiche nicht fand, erklärte man sich so. Er hatte sie gewiß im Grunewald verscharrt, ob man die Stelle je entdecken würde, war zweifelhaft. Und eines Tages hatte man sie doch gefunden. Zwar war ihr Körper schon gänzlich verwest, doch die Mutter der Unglücklichen erkannte ihn als den ihrer Tochter. Und Frizz Mohr wurde zum Tode verurteilt. Nun war sein letzter Tag herangekommen. Vergebens hatte der Geistliche ihm zu Gewissen gesprochen. Der Gefangene hatte sich in hartnäckiges Schweigen gehüllt. Endlich trat er den Weg zur Richtstätte an. Der Delinquent sah eine vielköpfige Menschenmenge daherwogen und ein höhnisches Lächeln spielte um seinen Mund. Er stieg die Stufen des Gerüſtes hinauf. Der Henker entblößte seinen Hals. Noch einmal flog sein Blick über die neugierigen Gaffer. Da blieb sein Auge auf einem rachefunkelnden Gesicht haften. Es gehörte einem zerlumpten Weibe an, das nichts Menschliches mehr in seinen Zügen hatte. Agate!" gellte der Ruf des Verurteilten, dann fiel sein Kopf vom Rumpf und sein Körper rollte schwer zur Erde. AUS FERNEN ZONEN Ein Freund des Menschen. Der Kokosnußbaum ist wahrscheinlich der nutzbarste aller auf Erden wachsenden Bäume. Er liefert sowohl Speise wie Getränk, nützliche Gerätschaften, wie Material zum Häuserbauen und Dachdecken. In einigen Gegenden Indiens besteht die Nahrung der Eingeborenen fast ausschließlich aus dem Eiweißstoff, welchen die Nuß enthält, und der milchartige Saft derselben dient zum Trinken; man bereitet auch Wein und Zucker daraus. Auch wird Kokosöl aus dem Fleische der Nuß gepreßt, welches in frischem Zustande klar ist und beim Kochen Verwendung findet, während der dickere Sab, Stearin genannt, zur Herstellung von Kerzen dient. Ferner be= reitet man Seife aus dem Kokosöl, man brennt es in Lampen, und auch das Glycerin wird aus gereinigtem Kokosöl gewonnen. Die Faser, welche man früher nur zur Anfertigung von Stricken verwendete, wird jetzt zur Herstellung von Matten, Besen, Bürsten und dergleichen Dingen verarbeitet. Das Holz dient der Kunsttischlerei und nimmt eine feine Politur an. Die harte Schale der Nuß gibt Schüsseln, Becher und anderes Geschirr. Die Wurzel wird, wie die Areca- und Betelnuß, gekaut. Der Bambus läßt sich vielleicht zu noch weitergehender Nutzbarkeit ausbeuten, als die Kokosnußpalme, doch kann man ihn füglich nicht den nutzbarsten aller Bäume" nennen, da er, genau genommen, nur eine Art Gras ist. Ein Engländer, Mr. Fortune, sagt von ihm:„ Es dürfte schwer sein, zu sagen, zu was der Bambus nicht dient. Er steht in fortwährendem Gebrauch in den Häusern, auf den Feldern, zu Wasser und zu Lande, in Friedens- und in Kriegszeiten. Während seiner ganzen Lebensdauer dient der Bambus dem Chinesen zu allen möglichen und erdenklichen Zwecken, und diese seine Dienstbarkeit hört auch mit dem Tode seines Herrn und Meisters nicht auf, den der treue Bambus auf jene Hügelseite trägt, wo sein Grab ihm bereitet ist." Bunte Blätter. Kostbarer Globus. Der Schah von Persien hat einen Erdglobus, der zwar weniger, forrett, dafür aber um ſo prachtvoller zu nennen ist, da die einzelnen Länder auf demselben durch edle Gesteine zur Darstellung kommen. So wird z. B. Italien durch Topase, Frankreich durch Saphire, England durch Rubine u. s. w. bezeichnet. Die Meere bestehen dabei aus Smaragden. Eheschließung im nördlichen Borneo. Vei den Bassuns in Nordborneo erfolgen die Eheschließungen im Urwalde nur in Gegenwart der zwei beteiligten Familien, doch ohne jede begleitende Festlichkeit. Der dabei beobachtete Ritus besteht nur darin, daß dem Brautpaare mit einem hölzernen Messer ein leichter Rizz in die Wade beigebracht wird. Nachdem das vor den Zeugen geschehen, siedelt das junge Chepaar mit ins Vaterhaus der Braut über, wo er nun als Familienmitglied gilt. Der Felsen des Niagarafalles. Nach Berechnungen des Professor Woodward in Washington wird der Felsen, von welchem der Niagarafall herabstürzt, in ungefähr 2200 Jahren vollständig verschwunden sein. Die Felsmasse, welche zwischen den Jahren 1842 und 1875 an dem Horseshoe( Hufeisen-) Fall durch das Wasser abgenutzt worden ist, betrug 18 500 Quadratfuß oder 0,425 Acker. Die ganze Länge der Konturen der Fälle des Niagara ist 2300 Fuß. Wenn durch das Wasser jährlich 2% Fuß von den Gesteinsmassen hinweggewaschen werden, so bedürfte es in der Tat nur 2200 Jahre, um den ganzen Felsen des Niagarafalles verschwinden zu machen. Chinesische Seeräuber. Auf einem Dampfer, der längs der chinesischen Küste verkehrt, befand sich unter einer Anzahl von Passagieren auch eine Dame, die plötzlich behauptete, es sei ihr ein kostbarer Stein abhanden gekommen. Nach weiterem Nachsuchen meldete sie jedoch erfreut, das Juwel habe sich in ihren Effekten wiedergefunden. Als kleine Strafe für die erregte Beunruhigung schlug ein Passagier vor, die Dame solle das ganze Schiff mit einem festlichen Tee traftieren. Scheinbar notgedrungen stimmte sie zu; als aber alle von dem Getränk genossen, fielen ſie Kapitän bis zum letzten Schiffsjungen in tiefen Schlaf, nur einige Männer, schlaue Piraten, und jene Dame, die mit ihnen dasselbe Spiel spielte, blieben munter. Die Männer plünderten nun mit Gemütsruhe das Schiff, bestiegen dann ein Boot und fuhren mit ihrer Beute unbehelligt davon. - vont Nr. 30. Montag, den 8. Februar 1904. Oberbessische Familienzeitung. Tägliche Unterhaltungs- Beilage der Gießener Neueste Nachrichten. Band and Berlag ber Clemmer Berlagsbrudocet, vorm. Wilh. Keller'sche Guruderet( gegz. 1788); states: Elbia& leis ( 27. Fortsetzung.) Der Beuge. Roman von Marie Bernhard. ,, Weil ich dich liebe, Hellmut, mehr als ich sagen kann, mehr als du ahnst, darum, und nur darum, darf ich dir das nicht sagen, wonach du fragst! Verurteile mich, schilt mich, denke klein von mir,— ich muß es tragen, aber, bei Gott, ich kann nicht anders!" So feierlich und überzeugt hatte Hilda gesprochen, daß Hellmut fühlte, hier war ſeine Macht über sie zu Ende. „ Und wenn ich zu meinem Vater gehe und ihn frage: ,, Welches ist das Geheimnis, das zwischen dir und meinem Weibe besteht, welches war die Entdeckung, die sich vor einer Stunde unerwartet vollzog?" was dann?" " Dann wird er dir ebenso antworten, wie ich es ge= tan: um meiner Liebe willen, die ich für dich habe, darf ich dir deine Frage nicht beantworten!" Eine rasche Blutwelle stieg in Hellmuts Antlitz empor. „ Eine schöne Art der Liebe, die mich in eurer Mitte stehen läßt mit verbundenen Augen, als wäre ich ein Kind, mit dem man es auch gut meint, wenn man seiner Unerfahren heit wichtige Dinge vorenthält! Wer weiß, um was es sich hier handelt! Es kann eine Ehrensache sein, die zu lösen mir vielleicht obliegt- ,, Nein, Hellmut, nein!". Wer sagt mir, wie weit ich mich auf deine Auffassung verlassen darf? Du bist, obgleich klug und nicht unerfahren in der Welt, doch immer eine Frau, Frauen zittern für das Leben dessen, den sie lieben, und aus Angst, ihn möglicher weise zu verlieren, können sie ihm Dinge verschweigen, die er wissen müßte, auf die er ein Recht hat, weil er so vielleicht unwissentlich in den Augen der Welt als Feigling, als Schurke dasteht! Du schüttelst den Kopf? Es handelt sich nicht um solche Dinge? Es ist nichts zu fühnen, nichts gut zu machen? In keinem Sinn?" Nichts!" Er stand und sah sie an, tief in Gedanken verloren, da stand sie vor ihm, so zart und jung und schön, so tieftraurig, aber fest entschlossen und unbeugſam. Wie er sie liebte! Und sie! Nie war ihr Hellmut männlicher, bewunderungswürdiger erschienen als eben jetzt, da er mit voller Energie sein Recht betont hatte, die Sache seines Vaters zu der seinen zu machen, mit dem ganzen Einsatz seiner Persönlichkeit, selbst seines Lebens. Er war ein ganzer Mann, sogar in dieser Stunde sagte sie sich das mit freudigem Stolz die allgemeine Liebe und Verwöhnung, die er genoß, hatte nicht seine Seele in Selbstsucht verweichlicht! Aber eben weil dies nicht der Fall war, wußte sie genau, wie die quälende Ungewißheit an ihm nagen, ihn wieder und wieder verfolgen und wie dies Geheimnis zwischen ihnen stehen würde ein drohendes Gespenst, das dem lachenden Glück den Eintritt verwehrte. Neuntes Kapitel. In Berlin fiel sacht und leise der Februarschnee. Er fam in großen, weißen Flocken von einem mit gleichförmigem Weißgrau bezogenen Himmel niedergeschwebt, nun schon fast ( Nachdrud verboten.)) eine ganze Nacht und einen halben Tag lang, und so hatte er nach und nach der großen Stadt ein leuchtend zartes Feierkleid angezogen. Lautlos versank der Fuß des Straßenwanderers im locker aufgehäuften Flaum, die Pferdehuse schlugen geräuschlos auf dem Asphalt auf, und nur die Schlittenglocken Klingelten lustig, während die Kutscher wie veritable Schneemänner hinten aufstanden, ab und zu die gewaltigen Bärenmüßen schüttelten, daß es wie gefiederter Kristall um sie herumstäubte, und unwillig nach oben sahen: wollte es denn gar nicht mehr aufhören zu schneien? Nein, es wollte nicht! Die Schornsteine bekamen hohe Kappen aufgesetzt, die Dächer tiefe Polster; auf den Jenſterſimſen häufte es sich dicht und hoch und guckte durch die Scheiben herein: bildet euch nur ja nicht ein, ihr Berliner Menschenkinder, daß nun der Winter zu Ende ist, weil wir Ende Februar schreiben und es ein paarmal schon hellen Sonnenschein und etwas gegeben hat, das an milde Frühlingsluft erinnerte! Der Lenz, den verwöhnten Prinzen, dem alles zujubelt, lassen wir noch lange nicht herein, noch sind wir da und halten das Regiment fest in den Händen, wir gefürchteten, respektierten Drei: der Winter, der Froſt und der Schnee! Steckt ihr nur brav Feuerung in eure Defen, zündet die großen, massiven Holzscheite im Kamin an, kleidet euch in Pelze, und sitzt abends um die Lampe versammelt... mit dem Frühjahr ist es diesmal noch nichts! Auch die schöne, stilvolle Villa im Tiergartenviertel stand auf dem Hintergrunde ihres großen, verschneiten Gartens wie ein echtes Winterbild da. Sie lag ein wenig zurückgebaut in der Tiergartenstraße, nahe dem Punft, wo sich dieselbe in die Lennéstraße fortsetzt. Wie ein kokettes, kleines Schlößchen war diese Villa anzuschauen, ganz malerisch, sehr schön fürs Auge, auch schon um des für eine Großstadt ganz beträchtlich ausgedehnten Gartens willen, aber sie hatte sich doch schwer verkauft, da sie, wie erfahrene Leute versicherten," unpraktisch" und zudem enorm teuer war. Denen, die jetzt in ihr wohnten, kam es nun aufs Geld nicht an, sie hatten das Grundstück so, wie es dastand, erworben, ohne Anzahlung, sie hatten es einfach bei Heller und Pfennig käuflich an sich gebracht, und das„ Unpraktische" focht sie auch gerade nicht an. Es war eine schöne Villa mit gesunder Lage, in einer feinen Gegend, sie enthielt eine ganze Anzahl hübscher Zimmer, einige große Säle, in denen es sich bequem Gesellschaften geben ließ,- was wollte man also mehr? Ueberseeische waren's, die sich hier angesiedelt hatten, Leute, die irgendwo„ drüben" reich geworden waren und nun auf heimischen Boden ihr Geld verzehren, es dem Vaterlande zuwenden wollten. Das war sehr schön, und es gab viel solcher Existenzen in Berlin, man mußte sie sich nur zuerst ein wenig ansehen, ehe man sie in die gute Gesellschaft aufnahm, ihren Ruf vorsichtig sondieren und ein 6324 Der Es war e jein Ende ge jeitig die Ver land nennt den Abbruch Tokio nicht wartet hat, tückisches Be Deshalb jom zum Kriege misten, zu d 8tg." gehört bungen nicht Wir sin Bu folgen br Tagen durch Striegsopera porragender Kriegschand dieſes eigentliche tänden die hung der Zeit, un Wenn auch tagung der blieb doch de Abiazgebiet foriner des gefähr eine Kriegsfahrze Ausreise. C gejchüße zun dürfte faum lion übersch 120 000 202 Verwendung aljo cheinba Rußland bes Bewadjung ſchaftsziffern zu die cinh unruhen paar Erkundigungen einziehen, ob sie„ drüben" ehrlich gewirtschaftet und sich eines guten Renomees erfreut hatten. Nun, in dem Punkt konnte man hier ruhig sein! ,, Norden and Son" in Yokohama war eine solide, geachte Firma, der Vater galt für ein ganz hervorragendes Han delsgenie, und der Sohn, obgleich er noch keine dreißig Jahre zählte, sollte doch an dem Aufbau der geradezu glänzenden Verhältnisse und an der Größe, zu welcher die Firma sich aufgeschwungen, den tätigsten Anteil haben. Wer die Ruhe und Umsicht sah, mit welcher der junge Mann hier in Berlin fein neugegründets Lank- und Wechselgeschäft betrieb, wer Verständnis besaß für den sichern Ueberblick, den er dabei entfaltete, für die Maßregeln, die er traf, die geschäftlichen Verbindungen, die er hier einzugehen, dort zu vermeiden wußte, der glaubte es unbedingt, daß dieser Sohn" der Firma wirklich mit Erfolg in das väterliche Geschäft ein gegriffen und nicht bloß, wie so viele Söhne reicher Väter es taten, mit der Hand in den gefüllten Säckel gelangt hatte! Zudem war Hellmut Norden aus Yokohama ein reizen der Mensch, so reizend, daß selbst die kühle, vorsichtige Berliner Finanzwelt sich verhältnismäßig rasch für ihn erwärmte. Es lag ein eigener, fremartiger Reiz in diesem schönen, eleganten Manne, eine gewisse Kindlichkeit und Frische der Empfindung, die um so wunderbarer berührte, wenn man sah, wie verständig er disponierte, welch' hellen Verstand er besaß und wie nichts in seinem ganzen Wesen von unklarer Gefühlsschwärmerei, sondern alles von bewußtem Wollen und gesunder, planmäßiger Einsicht sprach. Aber hier war wirklich noch Idealismus, Begeisterungsund Genußfähigkeit, nichts von jener angeborenen_oder_anerzogenen Blasiertheit, die einen so großen Teil unserer heutigen männlichen Jugend vorzeitig zu abgelebten Greisen macht. Es machte die Leute oft förmlich stußig, wenn sie bemerkten, wie dieser Norden enthusiastisch sein, sich noch ereifern konnte, wie er schwungvoll zu reden und seine Ueberzeugung zu vertreten wußte... derselbe Mann, der so fühl und nüchtern an der Börse sein Für und Wider geltend zu machen verstand und entschieden ein guter Rechner war! Eben aber dies Gemisch von Intelligenz und Gemütswärme wirkte anziehend, und so kam es, daß Hellmut Norden in Berlin„ Mode" wurde, er wußte selbst nicht, wie, zumal er eine ſo wunderschöne junge Frau hatte. – Hildas zierliche Equipage mit den Goldfüchsen war bald ebenso bekannt im Tiergartenviertel und in der vornehmen Welt, wie Hellmuts zwei Reitpferde, Tamyris, die arabische Schimmelſtute, ein herrliches Geschöpf, um das die Berliner Sportsmen den Besizer vielfach beneideten, und Osman, der Rapphengst, noch nicht völlig zugeritten und in seiner allmählichen Vervollkommnung ein wahres Entzücken für jeden Kenner von Pferdefleisch, der ihn unter seines Herrn geübter und leichter Hand von Woche zu Woche sich veredeln sah. Hot- sumi endlich war vollends eine populäre Persönlichkeit geworden, fast jedermann im Tiergartenviertel kannte den Japaner, wie er gravitätisch und scheinbar unbekümmert, nur ab und zu aus seinen schmalen Augen einen raschen Seitenblick um sich werfend, in seiner Nationaltracht einherschritt, denn so sehr Hot- sumi in Yokohama auf europäisches Kostüm versessen gewesen war, um Aufsehen um jeden Preis zu erregen, so eifrig kultivierte er jezt in Berlin aus demselben Grunde seine japanische Tracht, den dunkelblauen Ueberwurf mit den weiten Aermeln, den breiten Bambushut, die Strohsandalen und den grellfarbigen Sonnenschirm aus Delpapier. Im Winter ließ er letzteres Schmuckstück natürlich zu Hause, und seine Nationaltracht bestand aus Wolle; fror es einige Grad, so fam seine Eitelkeit, sich auf der Straße zu zeigen und angaffen zu lassen, in ernstlichen Konflikt mit seiner japanischen Bequemlichkeit, die ihn unwiderstehlich zu seinem geliebten Kohlenbecken hinzog, das er, auf einer Matte fauernd, nur ungern verließ. Da er ziemlich fließend englisch sprach und auch über einiges Deutsch verfügte, so fam er sich noch bedeutender vor als sonst, wenn er auf halblaute Bemerkungen hinter seinem Rücken, plötzlich sich umwendend, eine passende Antwort zu geben wußte. Ich kann auch französisch," pflegte er oft zu sagen, wenn man ihn seiner Spradfertigfeit wegen lobte, aber das spreche ich nicht, denn ich gehöre zu Deutschen, und wie käme es mir zu, die Sprache ihrer Landesfeinde zu gebrauchen?" Tatsächlich beIdrar.fte sich seine Kenntnis der französischen Sprache Darauf, daß er es verstand, die Tageszeit zu bieten. Hellmut Norden und seine Gattin waren also als zwei Novitäten der Saison", wie Hilda sich lachend ausdrückte, in die Mode gekommen, sie hatten natürlich einige Besuche gemacht und einige Einladungen ergehen lassen, man hatte ihnen das erwidert, neue Bekanntschaften wurden gemacht, die Beziehungen knüpften sich mit erstaunlicher Schnelligkeit, denn Jugend und Schönheit haben es immer leicht im Leben, und da Hilda, troß ihres reizvollen Aeußern, entschieden nicht die Herrenwelt an sich zu feln suchte, sondern ganz offenbar in ihren eigenen Mann verliebt war, so nahmen es ihr auch die Damen weit weniger übel, daß sie wirklich schön war, und nannten sie eine Zierde ihrer Feste. Es regnete Einladungen, es gab Diners und Soupers und dejeuners dinatoris, es gab Eisfeste und Opernpremièren, es gab Maskenbälle, Nouts, Leseabende und Neitquadrillen. Die Toiletten, die Hilda für Herbst und Winter vorbereitet hatte, erwiesen sich als unzureichend, neue wurden angeschafft, und man sah auch im Hause selbst viel mehr Besuch, als man je gedacht hatte. Selten traf Hellmut seine Frau allein daheim an, wenn er von der Börse oder aus dem Geschäft kam, immer war eine oder ein paar Damen da, die Hilda„ liebste Freundin“,„ meine süße kleine Frau" oder„ mein Herz“ nannten und sie zu einer Spazierfahrt abholen, zu einem Theaterabend überreden kamen, oder es tauchten flotte Offiziere auf, die in Abwesenheit des Herrn Gemahls die „ Gnädige" zum Schlittschuhlauf auf der Rousseau- Insel oder zu einem Spazierritt im Tiergarten aufforderten. Waren sonst noch Damen dabei, dann nahm Hilda das ruhig an, Hellmut erlaubte es ihr ebenso ruhig, eifersüchtig war er nicht und hatte es auch wahrlich keineswegs nötig. Aber das alles war anders, wie die beiden es sich gedacht, gewünscht, wie sie es sich hundertmal gemeinsam in Yokohama ausgemalt hatten! Von jenem gemütlichen, innigen Zusammenleben, wie sie es geplant, von den köstlichen Abenden, da sie zwei mit einander neben dem lohenden Kaminfeuer ſizen und plaudern oder lesen wollten, wurde absolut nichts! Auf Hellmuts Schreibtisch wurde das große, viereckige Couvert, das eine gestochene Einladungskarte enthielt, schon fast zur täglichen Erscheinung, und lag es einmal nicht da, nun, so hatten sie sicher selbst Besuch oder brachten den Abend in irgend einem Theater zu. War das nur der erste Winter in Berlin, der Reiz der Neuheit, oder würde es immer so weiter gehen? Jeder von ihnen bedauerte, das es so kommen mußte, jeder sagte sich aber auch, zu ändern sei es einmal nicht, und ob es nicht am Ende ganz gut wäre, nicht oft lange allein miteinander zu sein! Wer weiß! Sie waren glücklich miteinander, ganz gewiß, und sehr liebevoll und zärtlich, aber ein Schatten war da und blieb, das fühlten sie beide, darum kam ihnen das brausende Berliner Gesellschaftsleben ganz gelegen. Wer es Hellmut gesagt hätte, der in Yokohama jede Kriegslist aufwandte, um Hilda für sich allein zu haben, der mit jeder Viertelstunde, die ihm gehören konnte, geizte, daß ihm fremde Elemente willkommen sein würden, um ein Beisammensein mit seiner Frau zu vermeiden! Er hatte richtig noch an demselben Tage, der jene stürmische Szene mit Hilda herbeigeführt, eine Unterredung unter vier Augen mit seinem Vater durchgesetzt... nicht ohne Mühe, da der Senior allerlei Ausflüchte, zuletzt seine angegriffene Gesundheit, zum Vorwand nahm. Das Resultat dieses Zwiegespräches war, wie die junge Frau richtig vorausgesagt und Hellmut selbst allerdings auch in der Stille gefürchtet hatte, gleich Null gewesen. Der Senior, nicht so jung und leidenschaftlich wie Hilda, überdies mit einer genügenden Frist versehen, sich zu fassen, sich auf eine wahrscheinliche Unterredung vorzubereiten, war ruhig und fest und undurchdringlich geblieben: er habe Hellmut nichts anzubertrauen, er wisse von keinem Geheimnis, es sei ja möglich, daß Hilda ein solches bewahre, jedenfalls set er aber nicht ihr Mitwisser, Hellmut möge sich beruhigen und keine Hirngespinste hegen! Zeugnen könne und wolle er zwar nicht, daß er gegen die junge Gattin seines Sohnes, soviel auch für sie spreche, von Anbeginn eine dunkle, unerklärliche Antipathie gehegt habe, die auch jetzt nicht gewichen sei- Hellmut solle sich besinnen, er habe es ihm bereits früher gesagt, auch daß sein Wesen gegen den Sohn dadurch beeinflußt, seine Stimmung ungleich gewesen sei, gebe er zu, er werde auch älter, fühle sich häufig nicht wohl... aber dies alles sei nichts Geheimnisvolles, und Hilda müsse, trotz ihrer rosigen Gesundheit, sicherlich gyste. risch und nervös sein, um eine derartige Szene aufzuführen und sich mit einem Mysterium zu umgeben, das ihm wenigstens vollkommen undurchdringlich erscheine! Was wollte, was konnte Hellmut tun? Er teilte seiner Gattin Wort für Wort die Rede seines Vaters mit, sie hatte inzwischen auch Zeit gefunden, sich zu fassen, sich bittere Vorwürfe über ihre leidenschaftliche Natur, die sie zu so schwer wiegenden Andeutungen hinreißen konnte, zu machen, hatte sich feierlich gelobt, künftig sehr auf ihrer Hut zu sein, und hörte Hellmut mit gesenkten Augen zu, ohne eine Silbe zu erwidern. Endlich hatte sie ihn gebeten, die ganze Szene zu vergessen, sein Vater habe recht, sie sei hysterisch und nervös, sehe alles zu schwarz, die Aufregungen der letzten Zeit, die Trennung von ihrem Bruder, alles das stürme auf sie ein und lasse sie die Dinge weit tragischer und wichtiger nehmen, als sie es verdienten; Hellmut möge, wenn er sie liebe, nicht mehr auf die ganze Angelegenheit zurückkommen und sie vergessen. Er kam nicht mehr darauf zurück, aber daß er sie nicht vergaß und von allen Ausflüchten Hildas, ihrer Nervosität und Schwarzseherei, kein einziges Wort glaubte, das wußte sie ebensogut als er selber. Dann war die lange, beschwerliche Seereise gekommen und vorher der Abschied. Dieser durchbrach jählings die Scheidewand, welche die letzten Ereignisse zwischen Vater und Sohn aufgetürmt hatten. An der furchtbaren Erschütterung, die Frizz Norden umsonst zu unterdrücken strebte, an dem fast gegen seinen Willen hervorbrechenden Schmerzensschrei:„ Wie soll ich leben ohne dich?" merkte Hellmut, was die Trennung seinen Vater fostete, und er beschwor ihn leidenschaftlich, ihm bald nach Deutschland zu folgen. Die Antwort hierauf hatte ihm befremdlich geklungen:„ Ich komme, wenn ich fühle, daß ich sterben muß!" Diese fast pathetisch lautenden Worte wirkten aus dem Munde Nordens senior, dem jeder Gefühlsüberschwang zuwider war, doppelt merkwürdig. Noch befremdlicher war sein Abschied von Hilda gewesen, und Hellmuts ſtark erregter Argwohn verstärkte sich bedeutend, als er dies sah. Sein junges Weib gemann es nicht über sich, dem Vater ihres Gatten die Hand zu reichen. Bleich und bebend, mit niedergeschlagenen Augen, hatte sie dagestanden, ihre Lippen hatten sich gemüht, irgend etwas zu stammeln, und als der Senior festen Schrittes auf sie zugegangen war, ihre herabhängende, willenlose Hand ergriffen und sie auf die Stirn gefüßt hatte, da war das süße Gesicht, das Hellmut so sehr liebte, leichenhaft blaß geworden, und wieder ging ein Ausdruck des Grausens darüber hin, den sie mit Aufbietung aller ihrer Kräfte nicht zu bemeistern vermochte. Unterwegs, auf hoher See, kamen dann die beiden nicht weiter auf jenes Thema zurück, Hellmut wollte sie nicht quälen, und er verſtand zu gut die stumme Bitte in ihrem Blick, wenn sie zu ihm aufſah! Oft aber, wenn sie beide auf dem Verdeck des Schiffes standen und der Sonne zusahen, wie sie in verschwenderischer Pracht goldige und rotgleißende Strahlengarben über die weiten Wasser streute, fam ihnen jener Abend in Erinnerung, als sie auf dem Aussichtstempel standen und die Sonne sinken sahen, und sie dachten an ihr feierliches Gelöbnis, einander nie etwas zu verschweigen! Dann wandte Hellmut wohl oft sein Haupt, ohne ein einziges Wort zu sprechen, und sah die schöne Frau an seiner Seite mit einem langen, fragenden Blick an, und sie verſtand ihn und ſah unſsäglich liebevoll zu ihm auf, mit zuckendem Munde und tränenschwere. Augen... aber ihre Lippen blieben stumm. An diesem Februarvormittag, als es so unaufhaltsam schneite, stand Hilda, zufällig einmal ohne Besuch, am Fenster ihres Boudoirs und sah träumerisch hinaus. Das Boudoir war ein reizendes, mit lichtblauer Seide und einer Flut von weißen Spizen ausgefüttertes Nestchen, die Zimmerdecke glich einem strahlenförmig zusammengezogenen blauen Zeltdach, von leichten Silberstäben geſtützt, eine silberne Taube schwebte droben, mit ausgebreiteten Flügeln, und hielt sechs zierliche Ketten im Schnabel, an denen eine silberne Ampel hing. Leichte, graziös geformte Möbel aus Rosenholz standen auf dem dick geschorenen weißblauen Teppich umher, ein reizender Schreibtisch am Fenster, ein paar Sesselchen, eine bequeme Ruhebank im Hintergrunde, ein Blumentisch aus Silbergeflecht, zwischen dessen Blattpflanzen ein Käfig mit einem sanft flötenden Kanarienvögelchen stand ( Fortsetzung folgt.) das war die ganze Ausstattung. Der Delinquent. Novellette von F. Hechinger. ( Nachdruck verboten.) Mit vergnügtem Lächeln trat sie aus dem Geschäft, in welchem sie als Verkäuferin angeſtellt wår. Zwei junge Mädchen, ihre Kolleginnen, blickten ihr nach. Die eine fagte mit neidischem Lächeln:„ Wenn der Mensch Glück haben soll! Da geht die Agate nun mit ihrem Bräutigam, um die letzten Einkäufe für die Hochzeit zu besorgen. viel Geld muß ja nicht da sein, denn die Möbel haben ſie auf Leibkontrakt genommen.“ Ich habe ihr Hochzeitskleid gesehen! Das ist ein Staat! Weißer Atlas mit Spitzen!" erzählte die andere und gehässig fügte ſie hinzu:„ Sie hat ſelbſt mit der Schneiderin daran gearbeitet und wie die fragte:„ Sind Sie denn nicht abergläubig, Fräulein? Es heißt doch, wenn man ſelber am Hochzeitskleid mithilft, hat man Unglück!" Da lachte sie ausgelassen und rief:„ Ich will's drauf ankommen lassen." ährend die beiden ihr so nachredeten, schritt das Brautpaar Arm in Arm durch die Straßen. Er war groß und blond, sie reichte ihm mit ihrem hübschen, braunen Rockenkopf gerade bis zur Schulter. Sie sah ihn verliebt von der Seite an, doch auf seinem schönen Gesicht standen zwei Unmutsfalten. ,, Was hast du nur, Friz, du bist heute so verdrießlich." Ich habe Aerger im Geschäft gehabt," sagte er kurz. Er war Ingenieur in einer großen Fabrik und sie die Tochter einer kleinen Beamtenwitwe namens Hadung. Sie waren sich täglich auf der Straße begegnet. Das hübsche, 22jährige Mädchen mit den strahlenden blauen Augen war dem jungen Mann, der sechs Jahre mehr zählte, angenehm aufgefallen. Er hatte sich ihr genähert, indem er in dem Handschuhund Kravattengeschäft, in welchem sie Direktrice war, seine Einkäufe machte. Nach sechs Wochen schon waren sie verlobt. Erfundigungen über ihn hatte sie nicht eingezogen; sie glaubte ihm aufs Wort, was er ihr zu sagen für gut befunden, gab ihm ihre kleinen Ersparnisse, damit er eine Maschine, die er erfunden, konstruieren und patentieren lassen sollte, kurz, sie vertraute ihm blindlings. Sie hatte eine leidenschaftliche Zuneigung zu ihm gefaßt und war sehr eifersüchtig. Und als er, wie um sie zu reizen, plötzlich zu erzählen begann, welches Glück er immer bei Frauen gehabt habe, da wendete sich ihr hübsches, volles Gesichtchen ihm ängſtlich zu. Da war eine, die hieß Minna Kroll, welche er beinahe geheiratet hätte, wenn sie ihm nicht zu ungebildet gewesen wäre und noch aus einem anderen Grunde nicht.-- Er sah sie lauernd von der Seite an. „ Dudu hast doch nicht etwa auch Geld von ihr angenommen?" stieß sie aufgeregt hervor und drückte krampfhaft seinen Arm. „ Närrchen, warum deyn nicht, hast du mir's nicht auch gegeben?" lachte er spöttisch. Ich ich bin doch deine Braut!——" Sie war dem Weinen wirklich nahe und verschluckte mühsam ihre Tränen, dann ſagte sie nach einer kleinen Pause zaghaft:„ Wann gehen wir zum Standesamt, Friz? Du haſt mir doch versprochen, daß es bald ſein ſoll!“ Er lachte gezwungen und erwiderte mürrisch:„ Quäle mich doch nicht jeden Augenblick mit derselben Frage, Agate! Es muß heraus, ich habe meine Stellung verloren, wovon sollen wir denn leben?" Ein Strahl des Glücks glitt über ihre Züge und verklärte dieselben. Nun konnte sie sich seine Verstimmung erklären und sie rief zärtlich:" Was schadet das! Wir wohnen vorerst bei der Mutter. Ich verdiene ja; sie hat ihre Pension und du wirst auch wieder etwas passendes finden." „ Es geht nicht Agate, du treibst mich noch zur Verzweiflung, es hat noch einen besonderen Grund Sie waren am Tiergartenbahnhof angelangt; ziellos hatte ihr Weg sie bis dorthin geführt, jetzt standen sie still. " Das muß ja ein furchtbares Geheimnis sein, das du mir verschwiegen hast, Friedrich," versuchte Agate mit blassen Lippen zu scherzen. Sage mir's." Du zwingst mich förmlich dazu! Ich bin bereits verheiratet." werd daft benügt jagen, da pielen nach meiner Strengite die Nied avern schwader den und mus die Ve friegsinitia paner, für gedeckt dur dringen. Arth ambate macht hab Felfentürm wird. Da außer Gefe Rußland, Rorea he liche Sonsti doch durch 2. Die auße Kriegspferd faum gemad in dritter C ich nur die reaner gegen fur deshalb notorisch fri in der sch Der Briedensich tigt, daß and eine S it. . Das wi Der Bevölker hen Gemi rage liegen Bolt und Banze Kraft und Macht Die Ste