Bertaufsstelle: 1,10 mt. 1,25 M. 1,25 Mt. 1,05 Mr. 1,20 m. 1,20 m. 1,00 mt. 1,15 ME 1,15 m. r Doppel. weitere 5 Bfg. den Zentner u 6 Zentnern .) mit feinemist, geschieht Zentner Rote stofs Burgerite. 22 10, fus) er Gas toks eselben auch herhalb der ftroirückver: eßen. mtung! 10 Mk. 5 Pfg. 000 000 ahl! gi. E. Veiler. edition nia ! mebr hochloh. enartikel. en, Mül ä). in weg 9 Forst1. April eten. ießen. 3. ung, mer mit teil. fo nieten. eg 28. er zweite weit zu Jei der Nr. 15, mer nillen31. Nr. 6 Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Big., ta's Saus gebracht 60 Bfg., durch die Poft bezogen viertelfährlich Mr. 1.50. Bratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) Oberheffife Beitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Bartenbau, sowie die Gießener Geffenblasen( wöchentlich). Das Blatt ericetut an allen Bertingen namitego. Freitag, den 8. Januar 1904 Gießener 13. Ja rgang Juferiton pret te cinesinige Bettgetle fit ingen mis ganz Oberheffen, die Kreise Weylar und Marburg 10 fonft 15 Pfg.: Reklamen bie Detitseile 36 reib. 40 ta. g. Boftzeitungsliste No. 3868. Asbettion und Ervedition: teßen Neusume 98. Serufpredenfalaf Rs. 342. Neuelle Nachrichten ( Gichener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung Guthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberheffen. Im Zeichen des Verkehrs. CB. Der preußische Eisenbahnminister erweist sich je fänger je mehr als der rechte Mann auf seinem Posten. Er scht seine Reformtätigkeit auf den verschiedensten Gebieten des Verkehrswesens mit unvermindert regem Eifer, mit meitsichtigem Blick und praktischem Verständnis fort. Eine Reihe neuerer Erlasse des Ministers legt davon erfreuliches Zeugnis ab. Zunächst hat Herr Budde eine Anordnung getroffen, die namentlich in den abseits des großen Verkehrsnezes gelegenen Mittel- und Kleinstädten und auf dem Lande mit großer Befriedigung begrüßt werden wird. In einem Erlaß an die Eisenbahndirektionen weist der Minister diese an, im Interesse der Bedürfnisse des Verkehrs, insbesondere auf Nebeneisenbahnen, der Verwendung von Motorwagen oder leichteren Personenzügen näher zu treten. Die Eisenbahndirektionen sollen prüfen, ob und auf welchen Strecken ihres Bezirkes die Verwendung solcher oder ähnlicher Fahrzeuge zweckmäßig ist. Dabei sollen nicht nur die Erleichterung gewisser Verkehre, wie beispielsweise des Schul- und Arbeiterverkehrs zu bestimmten Tagesstunden, sondern auch die Ausfüllung von Lücken im Fahrplan auf fürzeren Strecken in Betracht gezogen werden. In letzterer Beziehung soll besonders der Verkehr mit den wirtschaftlichen und politischen Hauptorten eines Bezirkes und die Verbesserung der Anschlüsse nach und von den durchgehenden Hauptbahnen berücksichtigt werden. Ueber das Ergebnis der Prüfung haben die Eisenbahndirektionen innerhalb dreier Monate dem Minister zu berichten. Bei der Verwirklichung dieser Verkehrserleichterung und Verbesserung wird nicht nur das Publikum in jedem Sinne des Wortes gut fahren", sondern auch der Eisenbahnfisfus selbst wird davon Vorteile haben. Zwei weitere Erlasse des Ministers tragen ein mehr sozialpolitisches Gepräge. In dem einen weist er die Eisenbahndirektionen darauf hin, daß die Vorstände der Bahn= und Kassenarztvereine, die in allen Direktionsbezirken bestehen, in erster Linie dazu geeignet erscheinen, bei Meinungsverschiedenheiten zwischen den Eisenbahndirektionen oder den Vorständen der Betriebskrankenkassen einerseits und Bahn- und Kassenärzten andererseits zu vermitteln. Der Minister betont, daß die Vorstände dieser Vereine das Vertrauen der Bahn- und Kassenärzte genießen und auch auf die dienstlichen Bedürfnisse der Staatseisenbahnverwaltung regelmäßig die notwendige Rücksicht genommen haben. Man wird dieser Auffassung ohne weiteres beipflichten und in der Einschaltung der Vorstände der Aerztevereine als Vermittler bei Streitigkeiten namentlich zwischen den Krankenkassen und den Aerzten ein brauchbares Mittel sehen dürfen, den Frieden zwischen Aerzten und Kassen dauernd aufrecht zu erhalten. Der dritte Erlaß nimmt sich ausschließlich der Eisenbahnarbeiter an. Er bestimmt, daß den Arbeitern der Staatseisenbahnen, die mindestens sechs Monate ununterbrochen im Dienste der Verwaltung beschäftigt sind und zur Ableistung der aktiven Militärdienstzeit aus der Beschäftigung ausscheiden, beim späteren Wiedereintritt, sofern die Arbeiter sogleich nach beendeter Militärdienstzeit um Beschäftigung nachsuchen, sowohl die vorher im Eisenbahndienste zugebrachte anrechnungsfähige Dienstzeit als auch die Militärdienstzeit selbst auf das Lohndienstalter anzu= rechnen sind. Bisher wurde die Militärdienstzeit auf das Dienstalter nicht angerechnet. Schließlich sei noch ein vierter Erlaß erwähnt, der zwar nichts Neues bringt, aber in sozialpolitischer Hinsicht wohltuend wirkt. Er ordnet an, daß die den Kriegsinvaliden im vergangenen Sommer eingeräumten Fahrpreisermäßigungen zum Kurgebrauch unter denselben Bedingungen auch in diesem Jahre gewährt werden sollen. Die Ermäßigung besteht bekanntlich darin, daß sie bei Benutzung der zweiten und dritten Wagenklasse auf halbe Personenzugeinzelreise oder halbe Rückfahrkarten befördert werden. Herr Budde widerlegt mit seiner Tätigkeit als Minister in glücklichster Weise das Vorurteil, das in manchen Kreisen gegen die Ernennung von Militärs zu Ministern gehegt wird. Kriegseröffnung? Immer mehr neigt sich das Zünglein an der Wage, in der die Kriegs- und die Friedenslose ruhen, nach der Seite des Krieges hin. Zwar sowohl von russischer und japanischer Seite wird noch immer versichert, daß jeder der beiden Staaten den Frieden wolle, und auch die deutsche Diplomatie hält noch immer wenn auch nicht mehr so zuversichtlich als bisher- an der Anschauung fest, daß der Krieg sich vermeiden lasse. Aber trotzdem gewinnt angesichts der offenbar einen Krieg für unausbleiblich haltenden Auffassung der Kabinette in London, Paris und Washington und auch in Rom die Ueberzeugung mehr und mehr Verbreitung, daß die Eröffnung der Feindseligkeiten vor der Tür iteht. Zwar wird es allem Anschein nach zu einer formellen Kriegserklärung nicht kommen. Japan wird vielmehr gegen das Eindringen der russischen Truppen in Korea Waffengewalt anwenden, und dann gibt es für feine der beiden Mächte ein Zurück mehr. Zu kleinen Konflikten ist es bereits gekommen: Rußland hat in Tsch emulpo eine aus 30 Mann bestehende Wache zum Schuße der russischen Gesandtschaft in Söul gelandet, die japanische Eisenbahndirektion weigerte sich jedoch, sie nach Söul zu befördern. Rußland sowhl wie Japan arbeiten mit fieberhaftem Eifer an der Vervollständigung der Rüstungen, alle russischen Kriegsschiffe in Wladiwostock sind nach Port Arthur in See gegangen. Japan chartert an Transportschiffen, was es bekommen kann. An der Ausrüstung, der beiden in Genua für Japan gekauften Kriegsschiffe wird dort fieberhaft gearbeitet. Auch die Beschaffung von Geld= mitteln wird von Japan eifrig betrieben; wie verlautet, will England eine japanische Anleihe übernehmen, um später mit diesem goldenen Schlüssel sich Japan wirtschaftlich zu erschließen. Rußland scheint eine Anleihe nicht nötig zu haben; nach neueren Meldungen verfügt es über einen vom Finanzminister Witte gesammelten baren Kriegsschak von 980 Millionen Rubeln! Die Wahrscheinlichkeit eines Krieges wird auch durch die Haltung Koreas und Chinas erhöht. Korea scheint sich auf Japans Seite schlagen zu wollen; es protestiert gegen die russischen Vorschläge an Japan, wonach Nordkorea neutralisiert werden soll, und schlägt einen ziemlich unfreundlichen Ton gegen Rußland an, das gehofft hatte, Korea im Kriegsfalle gegen Japan ausspielen zu können. Nichts Bestimmtes verlautet über Chinas Haltung. Nach der einen Meldung ist es zu einer Stellungnahme gegen Rußland geneigt, nach anderen Meldungen soll die KaiserinWitwe gewillt sein, zunächst neutral zu bleiben und dann sich auf die Seite des Siegers zu schlagen. Dabei wird China wohl keine Seide spinnen. So ist denn die Lage in stasien einem Pulverfaß vergleichbar, das der geringste Funke zur Explosion bringen muß. Selbstverständlich benüßen unsere englischen Vettern auch diese Gelegenheit, um ein bißchen englische Deutschenheze zu treiben. Das Londoner Sensationsblatt„ Daily Mail" tischt der Welt folgende Tatarennachricht auf: Nach Meldungen aus Kiauts chou erhielten die Russen von den Deutschen Kohlen, die Deutschen liehen den Russen auch Kanoniere! Ueberhaupt entfalteten die Deutschen in Schantung eine lebhafte Tätigkeit. Tausende von kleinen Bronzebildern Kaiser Wilhelms als Kriegsgott, wie er mit dem Schwerte zum Schlage ausholt, seien über ganz Schantung verbreitet und fänden ihren Weg selbst nach Japan. Prinz Adalbert habe erklärt, der Preis für Deutschlands guten Willen Rußland gegenüber werde der Besitz der ganzen Provinz Schantung sein. Selbstverständlich ist das alles Schwindel. Die Politik. Der Bundesrat hat jetzt den Gesezentwurf, betreffend die Einführung von Kaufmannsgerichten genehmigt. Wie wir schon meldeten, bringt der Entwurf die Angliederung der Kaufmannsgerichte an die Gewerbegerichte, nicht, wie von anderer Seite verlangt war, an die Amtsgerichte. Für Empfänger von Invalidenreuten ist eine Entscheidung des Reichsversicherungsamts von Interesse, wonach Invalidenrenten, falls eine Altersrente nach Bewilligung der Invalidenrente irrtümlich weitergezahlt worden ist, auf diese irrtümlich weitergezahlten Altersrentenbeträge verrechnet werden können. Zu diesem Zweck dürfen die Invalidenrenten zum vollen Betrage einbehalten werden, wenn der Rentenberechtigte damit einverstanden ist. Anderenfalls darf die Invalidenrente bei der jedesmaligen Monatszahlung nur bis zu einem Drittel einbehalten werden. Der für die nächste Tagung des preußischen Landtages angekündigte Gesetzentwurf über die Regelung der Schulunterhaltungspflicht wird, wie unser Berliner CB- Mitarbeiter hört, trotz eifrigster Tätigkeit der zuständigen Stellen nicht mehr soweit gefördert werden können, daß seine Einbringung noch in diesem Jahre zu erwarten ist. Die Hauptschwierigkeiten für den baldigen Abschluß des Entwurfes liegen auf finanziellem Gebiete. Voraussichtlich dürfte sich die Vorlage feineswegs auf die Neuordnung der äußerlichen Fragen der Schulunterhaltungspflicht beschränken, sondern es wird darin auch der Grundsatz der Konfessionalität der Volksschulen ausgesprochen sein. Dieser Grundsatz soll aber nicht bis in seine legten Konsequenzen durchgeführt werden; die Simultanſchule soil nicht beseitigt, sondern für Posen, Westpreußen und Nassau beibehalten und ausgebaut werden. Die sächsische Regierung hat jetzt den Kammern die Denkschrift zugehen lassen, die den Wahlrechtsreformplan des sächsischen Ministeriums enthält. Danach schlägt die Regierung im wesentlichen folgende Reform vor: Es sollen 48 Abgeordnete durch direkte Abteilungswahlen und 35 Avgeordnete durch berufsständische Wahlen gewählt werden. Die Abteilungswahlen werden in 16 durch das ganze Staatsgebiet ohne Unterschied von Stadt und Land gebildeten Wahlkreisen von jeder Abteilung besonders vorgenommen. Es wählen unter Voraussetzung der sächsischen Staatsangehörig keit und des vollendeten 25. Lebensjahres a) in der 1. Abteilung alle diejenigen, welche an Staats-, Grund-, Einkommenoder Ergänzungssteuer zusammen mindestens 300 Mark entrichten, oder ein abgeschlossenes Hochschulstudium hinter sich haben; b) in der 2. Abteilung alle diejenigen, welche in derselben Weise weniger als 300, aber mindestens 38 Mart Staatssteuer entrichten oder bei geringerer Steuerleistung die Berechtigung zum einjährig- freiwilligen Dienst erlangt haben; c) in der 3. Abteilung alle übrigen, sofern sie überhaupt Staatssteuer entrichten.- Die berufsständischen Wahlen werden in eben derselben Weise von allen Unternehmern der drei Hauptproduktivstände, Industrie, Landwirtschaft und Handel, vollzogen. Im übrigen bleibt es bei dem bisherigen geheimen Wahlverfahren, bei dem Erfordernis absoluter Mehrheit bei den ersten und relativer Mehrheit bei den Stichwahlen. Bei der Einführung des neuen Wahlrechts würde eine völlige Erneuerung der zweiten Kammer nicht zu vermeiden sein, sväter müßte alle zwei Jahre eine Eindrittelerneuerung der Kammer erfolgen. Von der Vorlegung eines Gefeßentwurfes hat die Regierung zunächst abgesehen, da sie abwarten will, wie weit die Kammern mit der Wahlrechtsreform sich einverstanden erklären. Oefterreich- Ungarn. Der Fürsterzbischof von Böhmen, Kardinal Freiherr v. Skrbensky, ist zu einer Andienz bei Kaiser Wilhelm nach Berlin abgereist. Er beabsichtigt, demnächst den auf preußischem Gebiet gelegenen Teil seiner Diözese zu bereisen, und hat die Audienz erbeten, um sich dem Kaiser vorzustellen und einige Wünsche im Interesse seiner preußischen Diözesanen vorzubringen. Italien. A Papst Pius X. hat jetzt im Saale des Konsistoriums die Heiligsprechung der ungarischen Märtyrer Marius Grisino, Stefan Poncraez und Melchior Groderz und gleich zeitig einen Erlaß verkündet, durch den der Heldenmut und die Tugenden der Jungfrau von Orleans aner kannt werden. Die Frage der Errichtung eines amerika nischen Pri mats soll demnächst aufs neue erörtert werden Die Spißen des katholischen Klerus der Vereinigten Staaten treten zu diesem Zweck am 31. Januar in Washington_zu sammen. Als einziger in Betracht kommender Kandidat gilt Kardinal Gibbons. Türkei. Den Posten des Kommandanten der mazedonischen Gendarmerie, auf den jetzt der italienische General de Giorgis berufen ist, ist nicht nur eine Ehrenstellung, sondern auch ein sehr einträglich es Amt. General de Giorgis erhält wenigstens fo II er erhalten von der Pforte ein Jahresgehalt von 3000 türkischen Pfund in Gold, außer dem 2000 Pfund Dienstaufwandsgelder. Das sind alles in allem nicht weniger als 92 000 Mark. De Giorgis ist übrigens auf diesen Posten berufen worden, weil er neben seiner italienischen Muttersprache nicht nur das Türkische, sondern auch das Deutsche, Französische und Englische völlig beherrscht. Leicht wird Herrn de Giorgis sein Amt übrigens nicht gemacht werden. Die Komitatschis rüsten sich bereits zur Frühjahrskampagne. Herr Boris Sarafon, der z. Zt. in Bern weilt, erklärte einem Zeitungsmann:„ Unsere Bewegung ist eine heilige Bewegung. Wir werden nicht ruhig sein, bis sie von Erfolg gekrönt ist. Wir wissen, daß wir auf die Bevölkerung von ganz Mazedonien rechnen können. Sobald der Frühling kommt, wird's wieder losgehen!" Amerika. Die von uns schon als wahrscheinlich bezeichnete Einmischung der europäischen Mächte in die Wirren in Santo Domingo wird jept offiziell angekündigt. Nach einer Meldung aus Newyork telegraphierte der Kommandant des amerikanischen Kriegsschiffes Detroit" dem Waſhingtoner Marinedepartement aus Puerto Plata( Santo Domingo), er und der Kommandant des englischen Kreuzers Pallas" hätten dem militärischen Befehlshaber in Puerto Plata eine gemeinsame Note überreicht, in welcher sie ihn für fernere Ruhestörungen verantwortlich machen und für den Fall von Ruheſtörungen ein entsprechendes promptes Vorgehen androhen. Ob die Mulatten sich das ad notam nehmen werden? Afrika. Es ist kein Geheimnis, daß in manchen Gegenden des löblichen Kongostaats die Menschenfresserei noch stark im Schwange ist. Neuerdings schildern einige englische Missionare einen neuen Fall von Kannibalismus im Kongostaat, der darum besondere Erwähnung verdient, weil sich unter den Menschenfressern auch Soldaten der Kongoregierung befanden. Die Missionare befanden sich an Bord eines den Kongo hinauffahrenden Missions dampfers. Der Kapitän wollte eines Abends bei einem Dorfe vor Anker gehen, an dem er bereits oft angelegt hatte. Da wurde ihm von zwei belgischen Kongostaats- Offizieren am Ufer bedeutet, er dürfe dort nicht anhalten. da die konaostaatlichen Trubben gegen die Dorfbewohner kämpften. Die vier Westonare sahen am Ufer Menschenleichen liegen, von denen einige bereits zerlegt waren, um später verspeist zu werden. Ein farbiger kongostaatlicher Soldat schleppte gerade zwei menschliche Beine fort, während ein anderer Soldat ein Bein in einen Storb steckte. Andere nichtuniformierte Eingeborene waren ihnen behilflich. Der Dampfer setzte seine Fahrt nach Basoko fort, wo der Vorgang den kongostaatlichen Behörden mitgeteilt wurde. Die Untersuchung darüber dürfte in Leopoldville oder in Boma stattfinden, aber kaum irgend eine Bestrafung der Kannibalen zur Folge haben. In der kongostaatlichen Armee dienen zahlreiche Eingeborene aus Stannibalenstäm men, die auch als Soldaten ihre Gewohnheiten nicht ab legen, und die Offiziere wagen es nicht, gegen die Menschenfresserei ihrer Leute einzuschreiten, aus Furcht, selbst ermordet und verspeist zu werden! Heer und flotte. Ueber die angekündigte durchgreifende Uniformänderung verlautet jetzt näheres. Mit Bestimmtheit spricht man in militärischen Streisen davon, daß am 27. Januar eine neue Grundfarbe für die Waffenröcke der ganzen Armee, und zwar annähernd diejenige der Jäger zu Pferde, vielleicht etwas mehr mit vorherrschendem Grau, befohlen werden wird. Die Knöpfe werden matt bronziert sein. Weniger bestimmt spricht man von der Absicht, die Feldbinde durch ein Ueberschnallkoppel aus schwarzem Lackleder, wie es die Marine Offiziere schon, tragen, nicht gerade zum Vorteil des Aussehens der Uniform und der Schonung der Röcke, zu ersetzen und die Abzeichen des Dienstgrades auf den Aermeln anzubringen, wie es ebenfalls bei der Marine der Fall ist. Ganz unwahrscheinlich scheint das ebenfalls verbreitete Gerücht, daß man die Gradabzeichen auch auf den Aermeln der Baletots anzubringen gedenkt, da man dann doch dies Kleidungsstück wohl nicht eben mit Achselstücken zur Kenntlichmachung des Dienstgrades versehen haben würde. Dagegen ist wieder bestimmt zu erwarten der Ersatz der grauen Litewka durch eine graugrüne mit einer Knopfreihe, weniger Passepoils und ohne Knopf auf dem Spiegel am Kragen, also eine in jeder Beziehung praftischere. Reserveleutnants Georg Dungherßky nicht als Ehrensa zu betrachten sei. Man sieht, der Herr Abgeordnete Sacellary schneidet bei der Sache nicht gerade glänzend ab. Zwar versucht er den Wert eines ärztlichen Zeugnisses, das den jungen Dungy erßfy für geistesgestört erklärt, herabzusetzen, und gibt sich den Anschein, als sei dieser ihm als geistig ganz normal er schienen. Doch will an diese Ausflucht niemand ernst glau ben und es wird wohl auf dem edlen Volksvertreter der Makel haften bleiben, einen geistig Minderwerten im Spiel haben rupfen zu wollen. Eine staatliche Maschinengewehrfabrik soll, in Anglie derung an eine der bestehenden Militärmerkstätten, errichtet werden. Wo, steht bisher noch nicht fest. Die Maschinengewehre wurden bisher ausschließlich von einer inländischen Privatfabrik geliefert. Cislauf- Koftüme und Ball- Toiletten. Modebrief unserer ständigen Korrespondentin. Nach dem Weihnachtsfest jetzt eigentlich erst der Winter mit seinen Freuden und Genüssen ein. Die jungen Damen brauchen nicht mehr zu sticheln, zu pinseln und zu brennen; denn die Geschenke sind glücklich untergebracht. Nun geht es hinaus auf die Eisbahn! Auf glattem Eisspiegel dahingleiten, womöglich am Arm des heimlich oder offen Erwählten, ist ein herrliches Vergnügen. Ein Nachspiel zum Fall Seyboth trug sich bei der Vorstandswahl zum: Münchener Gemeindebevollmächtigtencollegium zu. Der bisherige erste Vorsteher, Kommerzienrat Seyboth, der Bruder des wegen Wechselfälschung berurteilten rüheren Reichstagsabgeordneten Seyboth erklärte, daß er nit Rücksicht auf die Verurteilung seines Bruders, mit dem er übrigens seit Jahren nur in losen Beziehungen gestanden habe, auf eine Wiederwahl verzichte. Demgegenüber erTärten Liberale und Zentrum, trotz dieser Erklärung Seyboth wiederwählen zu wollen. Seyboth wurde hierauf viedergewählt und hat die Wahl angenommen. Ungetreuer schweizerischer Beamter. Der Chef des Telephonwesens von Chaux de Fonds Weißmüller ist nach erheblichen Veruntreuungen flüchtig geworden. Er hat in einem vor seiner Flucht geschriebenen Briefe angedeutet, daß er in der Taubenlochschlucht bei Biel den Tod suchen werde. Die bisher dort angestellten Nachforschungen sind ergebnislos verlaufen. Man vermutet, daß Weißmüller nach Deutschland geflüchtet ist. Natürlich fleidet sich die junge Schöne für die Eisbahn so leicht wie möglich. Schlank und flott will sie erscheinen. In der Tat sind für gute Schlittschuhläuferinnen übermäßig warme Kleider überflüssig. Das moderne Mädchen trägt nur einen einzigen Jupon, aus weichem Stoff, wenn nicht aus Seide, so aus Satin mit warmem Futter. Der Rod des Sportkostüms ist selbstredend fußfrei. Am geschmackvollsten wirkt ein großfarrierter Rock aus Plaidstoff_ohne Futter und dazu eine kurze hübsche Pelzjacke, Boleroform. Sehr großen Damen stehen auch die langen ansitzenden Frackjacken. Ganze Tuchkostüme sind noch immer für die Eisbahn sehr beliebt. Sie werden mit drei sehr hohen Volants garniert, die übereinanderfallen. Mit Pelz- oder Sanmetrollen säumt man sie ein. Das kurze Jäckchen, das den seidenen Schnebbengürtel sehen läßt, wie die Volants mehrmals gesteppt und mit Pelz- oder Sammetrollen eingefaßt ist, öffnet sich vorn. Ein weißer Spißenbausch wird sichtbar. Lange Spiten fallen aus den weiten Aermeln heraus. Dazu ein weißer Muff und eine weiße Pelzkravatte. Der Muff muß beim Schlittschuhlaufen stets an einer hübschen Sette, sei sie aus Stahl oder aus Gold, hängen. Für die Eisbahn eignen sich am besten kleine Hüte. Die großen schwanken zu leicht durch den Wind, und durch die wilde Jagd auf dem Kopfe hin und her. Zu dem beschrie benen schwarzen Tchkostüm mit weißen Spizen würde ein modern gebogener, mit hoher Krempe versehener Canotier mit weißer aber nicht wallender Feder sehr kleidsam sein. Auch kleine Pelzhüte mit einem Blumentuff und rückwärts herabfallenden jabotartig gefalteten Spitzenenden sind sehr modern. Als chik gilt ein blauer Sammetrock, mit fariert seidenem Futter und dazu eine weiße oder rote gestrickte Bluse mit Goldknöpfen und hübsch gefnoteter Kravatte. Diese gestrickten Blusen sind aus England importiert und führen den Namen knitted waists". Mangel an Infanterieleutnants. Wie die Rangliste zeigt, herrscht 3. 3t. im preußischen Heere ein Mangel an Infanterieleutnants. Nach dem Gtat sollen 8783 Leutnants der Infanterie vorhanden sein, daran fehlen in Wirklichkeit nahezu 1200. Jm Durchschnitt fehlen den Regimentern zu drei Bataillonen sechs, denen zu zwei Bataillonen zwei bis drei Leutnants, bei einzelnen Grenzregimentern im Westen stellen sich aber die Mantos an Leutnants auf die bedeutenden Ziffern von 10 bis 16. Rechnet man dazu noch die große Zahl der abkommandierten Offiziere( Adjutantur, Kriegsakademie, Bezirkskommandos usw.), die bis zu neun und mehr beträgt, so bleiben für den Frontdienst so wenig Leutnants übrig, daß die Gefahr einer dienstlichen Ueberanstrengung zu befürchten ist, wie sie in einzelnen Fällen sich schon fühlbar gemacht hat. Ein kleines Jeuchen! Budapest, 7. Januar. Unsere umfangreiche Chronique scandaleuse ist wieder einmal um ein recht pifantes Stapitel verstärkt worden. In den Cafés und den Klubs spricht man von nichts anderem, als von der merkwürdigen Spielaffäre zwischen dem Abgeordneten Georg Sacellary und dem Sohn eines Provinznabobs, Joko Dungyerßky. Der Herr Abgeordnete hat dem jungen Mann in einem harmlosen Jeuchen, das sich durch zwei Tage hinzog, die runde Summe von 302 000 kronen abgewonnen, allerdings noch nicht abgenommen. Das letztere ist der Angelpunkt der pikanten Skandalgeschichte, denn sonst würde man in unserer an hohes Spiel gewöhnten Lebewelt aus dem„ kleinen Jeuchen" gar nicht so viel Aufhebens machen. Der Gro in Gießen beim Ehrenzeichen verlieb Verlieb Edabe, Eliphad Grünberg und be in Müde, Philippi Beerfelden der Tite affiftenten Fuchs, Der Titel Telegraph Flohr, Lucas, F Ober- Boffaffiftent; Gießen den Titel D * Feuer. plöglich Feuerfignal Lahnstraße liegende Alb. Rübsamer Durch die schnell das getrennt daneb X Scharff bon mehreren Uobe Klein- Linden farf reichen Baffagiere in follen junge Leute g beluftigten. Die G leitet. * Die Orts Bereinigung fü 11. Januar, abend ihren dritten Mitgli steht als einziger Bu ( Siehe Inserat.) Die Rache des Anarchisten. In Aguas Buenas( Portorico) beging der Anarchist Forestier auf offener Straße einen Mord an einem widerspenstigen Werfführer einer dortigen Bigarrenfabrik. Dieser, Diaz mit Namen, hatte Forestiers Agitation, die Zigarrenarbeiter zum Streif zu verleiten, mit in erster Reihe vereitelt. † Einem furchtbaren Lustmord siel die zwanzigjährige einzige Tochter des Ackerbürgers Petermann bei Regenwalde zum Opfer. Sie wurde aus einer Abendgesellschaft trop ihrer Weigerung von dem Drogisten W. Springer nach Hause begleitet. Der Bruder der Ermordeten fand am nächsten Morgen seine Schwester etwa 100 Meter von der elterlichen Wohnung entfernt auf dem Acker tot auf. Der Platz, auf dem die Ermordete in bestialischer Weise erdrosselt worden ist, zeigt viele Spuren von einem Kampfe, der sich zwischen dem Mörder und seinem Opfer abgespielt hat. In der Nähe fand man einen goldenen Stulpenknopf, der dem Springer gehören soll. Dieser wurde verhaftet. An seinen Kleidern fand man Blutspuren. Von Paris kommt die Meldung, daß man auf der Straße und auf dem Gise helle, ja weiße Kleider im Winter trägt und sich dafür im Ballsaal in dunklere Farben hüllt. Das wäre wirklich eine verkehrte Welt, und wir Deutschen bleiben vorläufig noch vernünftig and heben uns die weiße Farbe für die Abendkleider auf. Für Ball- und GesellschaftsToiletten werden alle lila Töne, von violenblau bis zum Bischofsviolett, goldfäferfarben, königsblau, reseda und grün als Modefarben betrachtet. Grün ist besonders in Aufnahme, in allen Nuancen, wie die Natur sie schafft. Ein Bastellblau, das einen grünen Schein hat, wird viel in Voile verarbeitet. Der Rock wird ganz und gar in Falten gepreßt, mit einem weißen filetartigen Entredeur umzogen. Das Corsage ist blusia am Hals ausgeschnitten und mit einem Sattel aus gleichfarbigem, in Querfältchen gelegten Chiffon wieder geschlossen. Die Bluse wird mit den filetartigen Spigen besetzt. Um die Taille legt sich ein breites weiches pastellblaues Seidenband. Die meisten Gesellschaftskleider werden aus Mousseline de Soie, ein Gazestoff, der dichter als Chiffon ist, aus Tüll und aus Luisine gefertigt. Man bestickt sie mit großen Bailletten, die Fischschuppen gleichen. Man bildet aus ihnen große dekorative Muster und appliziert auf den Stoff noch außerdem Blumen aus Chiffon, Rosen und Hortensien. Die Taille zeigt rückwärts einen Frack aus Perlenfranzen. A Einem geheimnisvollen Verbrechen ist man bei Zara in Dalmatien auf die Spur gekommen. Bei dem Dorf Pakostane wurde die Leiche eines Mannes angeschwemmt und von Fischern ans Land gezogen. Man vermutet, daß es die Leiche eines Wiener Geschäftsreisenden war, der beraubt und ins Meer geschleudert wurde, nachdem man die Leiche vorher mit Steinen beschwert hatte, welche sich im Wasser von den Stricken losgelöst hatten. Blumen, Perlen und Franzen sind wiederum höchste Mode. Man flicht sich Blumen in das Haar, schmückt die Frisur so reich mit Schmuck, mie nur möglich. Man geht sogar so weit, sich für den Ball af Sviken in das Haar zu garnieren und einen Svißenschal anmutig um das Haupt zu legen. Die Mode ist wiederum überreich. Man kann sich um und anhängen, was man mill: nichts ist zu viel, wenn jedes Stück, sei es der kleinste Fächer von der Welt, das moderne Gehänge um den Hals, nur fünstlerisch geartet ist. Emma Reichen. Soweit sich aus den widersprechenden Berichten beider Parteien erkennen läßt, ist der Sachverhalt ungefähr folgender: Joko( Georg) Dungyerßky, der erst vor frzem großjährig wurde und über sein Vermögen noch nicht selbst verfiigt, laboriert seit zirka 5 Jahren an einem Nervenleiden, das ihn eine ganze Reihe von Sanatorien und Kuranstalten aufsuchen ließ. Aus Konstanz traf er Ende Dezember in Budapest ein und begegnete eines Abends im hauptstädtischen Orpheum dem Abgeordneten Sacellary. Dungverify war damals bereits nicht mehr ganz nüchtern und trant auch noch mährend der Vorstellung. Gegen 3 Uhr früh endlich führte ihn Sacellary in das„ Café Bathory" auf dem Calvinplate, wo beide in einem separierten Zimmer erst Färbel, dann Macao spielten. Innerhalb weniger Stunden hatte der total berauschte Dungyerßty 194 000 R. verloren. In bewußtlosem Zustande brachte man ihn nach Hause, wo er zweiunddreißig Stunden lang das Bett nicht verließ. Von der Höhe seines Verlustes erfuhr er erst am nächsten Tage von dem einzigen Zeugen der Partie, dem Privatbeamten Bela Halaẞ. Am zweitnächsten Tage trafen die beiden Partner neuerdings zusammen, um das Spiel fortzusetzen. Da die Höhe des Sates im Kasino Aufsehen erregt hatte, fand die Zusammen funft in der Wohnung Halaß' statt. Auch diesmal wandte sich das Spielglück Sacellary zu, der, als die Partie zu Ende war, 108 000 S., im ganzen also 302 000. gewonnen hatte. Dungyerßty war infolge der großen Aufregungen so frank geworden, daß man ihn ins Sanatorium zu Burkersdorf brachte. Nachdem Sacellary drohte, die Sache sowohl dem alten Dungyerẞky, wie auch dem Kommandanten des 12. Ulanenregiments, in welchem Georg Dungyersky den Rang eines Reserveleutnants befleidet, anzu zeigen, machte ihm ein jüngerer Bruder Dungyerßky's den Vorschlag, ihm aus Eigenem eine gewisse Summe auszuzahlen. Sacellary ging hierauf nicht ein, sondern suchte seinen Partner im Purfersdorfer Sanatorium auf, um ihn dazu zu bewegen, die Entscheidung der strittigen Angelegenheit einer ad hoc gewählten Jury zu übertragen. Seura vor deren Zusammentritt erhielt aber der Präsident der Jury die überraschende Mitteilung, daß die Bevollmächtigten Sacellary's ihr Mandat niedergelegt hätten. Der Kommandant des 12. Ulanenregiments Oberst Heinrich Matics erklärte, dak unter den obwaltenden Umständen die Kartenschuld des Nab und Fern. Eisenbahnkatastrophe. Auf den amerikanischen Bahnen passiert jetzt ein großes Unglück nach dem anderen. Jetzt stieß bei Millard auf der Chicago- Rock- Island- Bahn ein Personenzug mit einem in entgegengesetzter Richtung fahrenden Arbeitszug zusammen. Der Personenzug wurde vollständig zertrümmert. Die ersten Berichte über das Unglück gaben die Zahl der getöteten Reisenden auf 30 an, späteren Mitteilungen zufolge sind sämtliche Passagiere getötet oder verwundet worden. Grimme Kälte in Nordamerika. Ein großer Teil der nordamerikanischen Union hat unter einer ganz ungewöhnlichen Kälte zu leiden, wie sie seit 1875 nicht zu verzeichnen gewesen ist. In vielen Bezirken sank das Thermometer bis auf 41 Grad Celsius unter Null. In Montreal herrscht, da die Einwohner infolge der übermäßigen Kälte auch übermäßig heizen, eine wahre Brandepidemie. Die Stadt Newyork wurde von heftigen Schneestürmen heimgesucht, die große Verkehrsstockungen mit sich brachten und mehrere Todesfälle verursachten. Der Crimmitschauer Einigungsversuch gescheitert. Die Mission des sächsischen Geheimrats Dr. Roscher, der in Crimmitschau zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern vermitteln sollte, hat kein günstiges Resultat gehabt. Dr. Roscher hatte mehrfach Besprechungen mit den Vertretern beider Parteien. Die von ihm auf Grund seiner Verhandlungen mit den Arbeitern den Arbeitgebern übermittelten Einigungsvorschläge wurden aber von den letzteren als unannehmbar rundweg abgelehnt. Der Ausstand geht daher vorläufig in alter Weise weiter und es ist allem Anschein nach noch gar kein Ende abzusehen. Die Fabrikanten rüsten sich zum äußersten Widerstand. in dem sie aus den industriellen Kreisen anderer Städte tatkräftig unterstützt werden. Bei dem Vorsitzenden des söchsischen Textilunternehmerverbandes liefen in den letzten Tagen sehr bedeutende Summen zur Unterstützung der Crimmitschauer Arbeitgeber ein. Von zwei Chemnitzer Firmen allein sollen 200 000 Mart gezeichnet sein. * Die Lage in Crimmitschau wird von Tag zu Tag bedrohlicher. Zwischen den Arbeitswilligen und den Streifenden kommen fortgesetzt Schlägereien vor. Nur das starke Gendarmerieaufgebot verhütet gefährliche Straßenkämpfe. Wie aus Fabrikantenkreisen verlautet, hält der Zuzug Arbeitswilliger von auswärts, namentlich aus Bayern, wo die Plüschweberei den Arbeitern nur geringen Verdienst bietet, noch immer an. Die Leute richten sich vorzüglich in den Bukskinfabriken ein und denken gar nicht daran, ihre Stellen wieder zu verlassen. So ist es heute schon sicher, daß ein paar tausend Weber am Ende des Ausstandes ihre Posten besetzt finden werden. Die Crimmitschauer Weberaussperrung macht sich auch in Hamburg bemerkbar. Dort treffen nämlich aus Crimmitschau und Löbau große Posten Wolle in Vallen ein, die auf schwedische Schiffe verladen verden. Ebenso Webemaschinen, die zugleich mit der zum Spinnen fertigen Wolle auf mehreren Dampfern nach Schweden abgingen, wo Arbeiten für die Fabrikanten der genannten Städte ausgeführt werden. Trotz dieser wenig ermutigenden Aussichten wollen die Streifenden ausharren, da sie von allen Seiten Deutschlands tatkräftig unterstützt werden. Auch aus dem Auslande sollen namhafte Beisteuern zur Streitkasse eingetroffen sein. Kesselexplosion an Bord eines englischen Kreuzers. An Bord des englischen Kreuzers„ Wallaroo", der nach Hobart ( Tasmanien) unterwegs war, sind durch eine Kesselexplosion 43 Personen getötet worden. Der„ Wallaroo" hat die Nachcicht von dem Unglück durch Signale nach der Insel Montague, die 230 Meilen südlich von Sydney liegt, gegeben. Kunft und Wiffenfchaft. LO. Die Errichtung eines Mädchengymnasiums in Breslau wird vom dortigen Magistrat beantragt. Es soll an die Viktoriaschule angegliedert werden. Die Organisation der Realgymnasialabteilung ist in der Art beabsichtigt, daß die Aufnahme von Schülerinnen in die unterste klasse nach Vollendung von sechs Schuljahren und nach Erlangung der Reise zur Versetzung in die 3. Klasse einer neunstufigen höheren Mädchenschule( im Lebensalter von 12-13 Jahren) erfolgt. Es werden demnach drei Realgymnasialklassen den Klassen III- I der höheren Mädchenschule entsprechen und die folgenden drei Klassen über diese Schule hinausgehen. Die Aufnahme soll von einer besonderen Prüfung abhängig gemacht werden, damit eine Sicherheit geboten ist, daß nur wirklich befähigte Schülerinnen in die Abteilung eintreten. LT. Der Kaiser und das deutsche Volkslied. Der Kaiser hat die von ihm auf dem Frankfurter Gesangswettstreit angekündigte Sammlung deutscher Volkslieder nunmehr in Angriff nehmen lassen. Unter dem Vorsitz des Geheimrats v. Liliencron in Schleswig ist eine Kommission von Sachverständigen zusammengetreten. Neben deutschen und niederländischen Volksliedern sollen auch steirische, Tiroler und sonstige österreichische, sowie deutsch- schweizerische Volkslieder in die Sammlung Aufnahme finden. RN. Nordenskjölds Rückkehr. Der Leiter der schwedischen Südpolarerpedition, Freiherr v. Nordenskjöld, wird heute ( Mittwoch) in Hamburg erwartet. Er ist gestern an Bord des von Argentinien gekommenen Hamburger Dampfers Tijuca" in Boulogne sur Mer eingetroffen und hat nac einem ihm zu Ehren von der Stadtvertretung und der Han delskammer veranstalteten Festmahle die Fahrt nach Ham burg fortgesetzt. Eine Ei Jahres. Das Eigenthümlichteit. auf den 1. April, die Städte, wo mit wird, dürfte dieser U Nicht ganz so leicht 22. Mai. Das Hei einen Sonntag. Ra ** Müssen genommen werd Entscheidung. Die pflichtet ist, diese mi Don einer Bibilfam entschieden. Ein& einer Norddeutsche ( Delitateffen) befte Waren mit Nachn verweigerte. Die Waren und erhob foftenfällig abgewief daß kein Besteller diefe anzunehmen, den, weil jedem Em Ware zuftebe. Die Königl. Landgericht sich jedoch der erst Berufung foftenfäll * Heizt Bur jebigen Beit Tannenbäume in Bekanntlich sind To enthält Roblenwaffe Luft starte Gase e Umständen leicht werden. Man far leicht überzeugen, brennendes Licht h der Ausströmung Teile des Baumes 300000 e Seffen. welche läm auf 19 Dekanate der Briefter beträg Für die in Alsfeld eine V Dem Swed, die ge Dertreten. * Der deu Sommer in Ma u. a. eine Rhei verschiedener Na ** Frei Laut einer Ver Dezember fann einem Begleiter Gange zu und vo Die Un Vogelsberg mehre bor einigen Tage Wald melden fon fälle vor und wo walt und von Der Unglücksfall derselben Weise t Goafen, beim um Morgen ein Hafer auf den Ropi. genommen werden nod glud id ab unglidte liegt ned auf den tieferen Mühe, doch wolle uns aber nicht be mofchine hinzuwei Baum auch eine Der en= Cat en er m en er cauf des nach t in day erde. nistich= to= en en Pers en, ige Ide Cot ach m Der Der elt ich In em ten ara fovon die ind or= Don en eßt ein enoll= lück ren der der Shnmen bi , da berNewdie rere Die Crimber. RoSeider ingen ungs mbar fig in d) gat zum triellen 1. Bei bandes en zur on zwei zeichnet reslau n die n der ẞ die nach g der figen hren) n den und chen. Lingig 3 nur reten. Raifer it anhr in imrats achver niederd sonlieder fchen heute Bort fers nad Han Sam Lokales. 8. Januar 1904. ** Der Großherzog hat dem Briefträger Mickel in Gießen beim Scheiden aus dem Dienst das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen. * * Verliehen wurde: den Ober- Postassistenten Schade, Schliephacke, Stork und Weil in Gießen, Petri in Grünberg, und den Poftverwaltern Hölzel in Hunger, Philippi in Mücke, Schirmann in Lich und Winter in Beerfelden der Titel Poſtſekretär; den Ober- Telegraphenassistenten Fuchs, Lenninger, Lippold und Pabst in Gießen Der Titel Telegraphensekretär; die Postassistenten Drescher, Flohr, Lucas, F. Müller und Rau in Gießen der Titel Ober- Postassistent; den Telegraphenassistenten Waas in Gießen den Titel Ober- Telegraphenassistent. * ** Feuer. Gestern Abend gegen 1/2 10 Uhr ertönten plöglich Feuersignale in Gießen. Es brannte die in der Lahnstraße liegende, dem Tiefbau- und Fuhrunternehmer Alb. Rübsamen gehörige Badeanstalt vollständig nieder. Durch die schnell herbeigeeilte Feuerwehr fonnte nur noch das getrennt danebenstehende Badehaus gerettet werden. X Scharfschießen. Am verflossenen Sonntag wurde von mehreren Unbekannten in der Nähe der Straße nach Klein- Linden scharfe Schüsse abgegeben, wodurch die zahlreichen Passagiere in ernste Gefahr gerieten. Die Schüßen sollen junge Leute gewesen sein, die sich mit Flobertschießen beluftigten. Die Gendarmerie hat die Untersuchung eingeleitet. * * Die Ortsgruppe Gießen der hessischen Vereinigung für Volkskunde hält am Montag, den 11. Januar, abends 84 Uhr im Saale des Café Ebel ihren dritten Mitgliederabend ab. Auf der Tagesordnung steht als einziger Punkt ein Vortrag des Prof. Dr. Sticker. ( Siehe Inserat.) * Eine Eigenthümlichkeit des neuen Jahres. Das neue Jahr 1904 zeigt eine seltene Eigenthümlichteit. Der Charfreitag fällt merkwürdigerweise auf den 1. April, Ostern ist somit am 3. April. Für alle die Städte, wo mit dem Wechsel des Quartals umgezogen wird, dürfte dieser Umstand besondere Schwierigteiten bringen. Nicht ganz so leicht zu merfen ist der Tag von Pfingsten, der 22. Mai. Das Heilige Christfest fält in diesem Jahre auf einen Sonntag. Kaisers Geburtstag ist am Mittwoch. ** Müssen Sendungen mit Nachnahme angenommen werden? Eine für die Geschäftswelt wichtige Entscheidung. Die Frage, ob der Besteller einer Ware deipflichtet ist, diese mit Nachnahme anzunehmen, wurde unlängst von einer Bibilfammer in München in verneinendem Sinne entschieden. Ein Geschäftsmann hatte bei dem Reisenden einer Norddeutschen Firma einen größeren Posten Waren ( Delikatessen) bestellt. Zu seinem Erstaunen erhielt er diese Waren mit Nachnahme zugesandt, weshalb er die Annahme verweigerte. Die Firma bestand jedoch auf Annahme der Waren und erhob Klage. Diese wurde vom Amtsgericht fostenfällig abgewiesen, indem das Urteil u. a. ausführte, daß kein Besteller von Waren verpflichtet werden fönne, diese anzunehmen, wenn sie mit Nachnahme zugesandt werden, weil jedem Empfänger das gefeßliche Prüfungsrecht der Ware zustehe. Die Klägerische Firma legt Berufung beim Königl. Landgerichte ein. De betreffende Zivilkammer schloß sich jedoch der erstrichterlichen Anschauung an und wies die Berufung kostenfällig ab. * * heizt nicht mit Weihnachts bäume. Bur jebigen Zeit ist es angebracht, davor zu warnen. Tannenbäume in Defen und Kochherden zu verbrennen, Bekanntlich sind Tannenbäume sehr harzhaltig. Dieses Harz enthält Kohlenwasserstoff, der in Verbindung mit der heißen Luft starte Gase entwickelt. Durch diese Gase kann unter Umständen leicht der Ofen oder die Maschine gesprengt werden. Man tann sich von der Kraft dieser Gase selbst leicht überzeugen, wenn man einen Tannenzweig über brennendes Licht hält. Daß Licht wird unter dem Drucke der Ausströmung erlöschen. Man soll also stets nur kle nere Teile des Baumes auf einmal verbrenner, nicht größere Stücke. ** 300 000 atholiken zählt das Großherzogtun Sessen, welche sämtlich zur Diözese Mainz gehören und sich auf 19 Defanate und 174 Pfarreien verteilen. Die Zahl der Priester beträgt 307. ** Für die Provinz Oberhessen hat sich mit dem Sitz in Alsfeld eine Viehhändlervereinigung gebildet zu dem Zweck, die gemeinsamen Interessen ihrer Mitglieder zu vertreten. ** Der deutsche Feuerwehrtag wird im nächsten Sommer in Mainz stattfinden. In dem Programm iſt u. a. eine Rheinfahrt nach Rüdesheim sowie ein Besuch verschiedener Nachbarrädte vorgesehen. ** Freier Zutritt zu den Bahnsteigen. Laut einer Verfügung des Eisenbahnministers vom 16. Dezember fann der frete Zutritt zu den Bahnsteigen je einem Begleiter von Blinden und Gelähmten auf dem Gange zu und von dem Eisenbahnzuge gewährt werden. + Die staatliche Brifettfabrik und Braunfohlengrube„ Ludwigshoffnung" zu Wölfersheim ( Wetterau), zeigen bereits in ihrem ersten Geschäftsjahreine bedeutende Produktion, die Trockenanlagen sollen im Zwischen Laufe dieses Jahres vergrößert werden. Grube und Fabrik ist eine 20 Minuten lange Drahtseilbahn erbaut worden. Hessische Sparkassen. Nach der neuesten Auſſtellung über den Stand der Sparkassen im Großherzog tum Hessen, besitzen dieselben ein Gesamtfapital von 228039 720 Mt; davon tominen auf die Provinz Starkenburg 105 068 001 Mt. auf Rheinhessen 83116 406 M., auf Oberhessen 39 855 313 Mt. In den letzten 20 Jahren hat sich das Einlagefapital ron jedem Einleger vermehrt: in Rheinhessen von 79,73 Mt. auf 216,34 Mt., in Startenburg von 96,27 Mt. auf 205,42 Mt. and in Oberhessen bon 59,32 Mt. auf 185,08 mt. Die Provinz Rheinhessen hat im Sparen die größten Fortschritte g macht. Die Unglücksfälle beim Holzfällen im Vogelsbero mehren sich in erschreckender Weise, nachdem wir vor einigen Tagen den zweiten Unglücksfall im Winneröder Wald melden konnten, liegen heute wiederum zwei Unglücksfälle vor und zwar einer aus dem Grünberger Stadtwalt und von Weickardshain( siehe Weickardshain). Der Unglücksfall im Grünberger Stadtwald ging in genau derselben Weise vor sich wie im Winneröd.r Wald bei Scasen, beim umziehen eines Baumes glitt am Mittwoch Morgen ein Haken aus und fiel dem Arbeiter H. Kappes auf den Kopf. Zwar mußte ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden, doch ist der Unglücksfall im allgemeinen noch glück ich abgelaufen. Der im Winneröder Wald Verunglückte liegt noch schwer danieder. Diesen Unglücksfällen auf den tieferen Grund nachzugehen verlohnte sich wohl der Mühe, doch wollen wir es vorerst dabei belassen, mögten es uns aber nicht versagen, auf die Stendal'sche Baumrodmoschine hinzuweisen, vermittels der man dem zu fällenden Baum auch eine bestimmte Fallrichtung geben fann. ** Für unsere Eisenbahner. Minister Budde hat bestimmt, daß denjenigen Eisenbahn- Arbeitern, welche mindestens sechs Monate ununterbrochen im Dienst der Verwaltung beschäftigt sind und zur Ableistung ihrer Militärdienstzeit ausscheiden müssen, beim späteren Wiedereintritt die Militärzeit auf das Lohn= dienſtalter angerechnet werden soll. Auf diese Weise gelangen die Leute viel früher zu höheren Lohnsäßen wie seiher. *** Dampf- Schnellbahnen. Als Versuchsfeld hat Minister Budde die Eisenbahnstrecke Kaff-Söttingen bis Hannover dazu auserschen, Versuche mit Dampf Schnellbahnen zu macher, und wenn alles gut klappt, dann sind die anderen Vorbereitungen auch schon so weit, daß die erste Dampfshnellbahn in Deutschland auf der Strecke Frankfurt a. M.- Gießen- Marburg- Kaffel- Göttingen- Hannover bis Hamburg dem Betriebe übergeben und mit 100 bis 110 Kilometer Geschwindigkeit in der Stunde den Rekord aller auderen Expreßzüge des Kontinents mit Leichtigkeit schlagen tann. ** Am 25. Januar d. Js. wird in Oberstein ( Nahe) cine von der Reichsbankstelle in Kreuznach ab= hängige Reichsbanknebenstelle mit Kasseneinrichtung und beschränktem Gir verkehr eröffnet und zugleich ermächttigt werden, auch Wechsel auf Idar einzuziehen. Wechsel auf Oberstein sowie auf Jdar, welche nach dem 24. Januar fällig werden von jezt ab von der Reichsbank angekauft; dieselben sind an die neue N benstelle zu girieren. * ** Der Blütenlese der neuesten Nr. der ,, Münch. Jugend" entnehmen wir:„ Der„ Grünberger Anzeiger" enthielt fürzlich folgende Notiz:" Ruppertsberg, 6. Dez. Heute fand hier die alle fünf Jahre übliche Kirchenvisitation durch Herrn Defan Münch von Schotten statt. Im Morgengottesdienst wurden die Katechismusschulpflichtigen, im Nachmittagsgottesdienst die Schüler geprüft. Den Morgengottesdienst beehrte Se. Erlaucht der Graf von Laubach mit seinem Besuche." Ob sich der Herrgott wohl in gebührender Weise für die Herablassung Sr. Erlaucht bedankt hat?"" * Weichartshain, 8. Jan. Von einem Baumstamm zerschm ttert wurde gestern Morgen der in den 50 r Jahren stehende Holzarbeiter Schuch. Der Bedauernswerte truq im Wald einen Baumstamm und rutschte auf dem gefrorenen Boden aus, der Stanım schlug ihn auf den Kopf und zertrümmerte die Schädeldeck, sodaß der Tod eintrat. Der von Grünberg herbeigerufene Arzt fonnte nur noch den Tod fonstatieren. Schuch war verheiratet und hinterläßt Frau und Kinder. Saasen, 8. Jan. Mit knapper Not wurde gestern Nachmittag ein Unglücksfall verhütet. Ein Landwirt fuhr mit einem Wagen über einen Bahnübergang als plößlich die Barriere, die von dem nächsten Bahnposten misbedient wird, geschlossen wurde, so daß der Mann mit Wagen und Pferden sich zwischen der Barrtere auf dem Bahndamm befand. Glücklicherweise gelang es dem Mann sich noch rechtzeitig vor dem um eine Kurve von einem Abhang von Gießen kommenden Güterzug zu retten. Frankfurt a. M. 7. Jan. Der Divisionspfarrer Falke in Mainz wurde mit der Führung des MilitärOberpfarreramts des 18. Armeekorps betraut. § Offenbach a. M., 7. Jan. Die beiden vermißten Mädchen waren nach Frankfurt a. M. gegangen und dort im Kinderosyl aufgenommen worden. Sie sind wieder zu ihren Eltern zurückgebracht worden. - < Darmstadt, 7. Jan. Hier sind heute drei Kinder des Dachdeckers Lauer, zwei Knaben und ein Mädchen, erstickt. Seute vormittag xplodierten etwa 30 Liter NatriumAethyflat in dem älteren Teile der chemischen Fabrik von Mert. Auzer dem beträchtlichen Mater alschaden erlitten zwei Arbeiter schwere Verlegungen. × Usingen i. Taun., 6 Jan. Hierselbst soll ein Elektrizitätswerk errichtet werden. Die Anlagekosten swanken zwischen 60-80 000 Marf und die jährlichen Unterhaltungsfoften betragen 13-18 000 Mark. Kassel, 6. Jan. Ein Kindesmord ist hier begangen worden, doch ist die unnatürliche Mutter bis jetzt noch nicht ermittelt worden.- Eine 72 jährige Greisin berübte heute in einem Anfall geistiger Umnachtung Selbstmord. waren in den drei verflossenen Wintern völlig eisfrei geblieben. □ Vom Lande, 6. Jan. Erst mit dem heutigen Tage ist etwas gelindere Witterung eingetreten, was ganz besonders von unseren Landleuten allseitig erwünscht werden mußte. Dem ohne Schneedecke gebliebenen Lande ist ein solches lang anhaltendes Frostwetter e junge sicherlich nichts nüße, und Wintersaat muß offenbar Daß bei solch strengem Winter von 10 Grad R. auch unsere Bäche und selbst die Lahn zufrieren mußten, ist ganz natürlich. Damit zählt der heurige Winter zu den kältesten, denn unsere fließenden Gewässer Schaden om haben. Eingesandt. Für die unter dieser Rubrik gebrachten Artikel übernehmen wir dem Bublifum gegenüber keine Verantwortung. Leise Anfrage! Wie kommt es, daß eine private Differenz zwischen dem Grünberger Rechtsanwalt und dit. Bürger die auf dem Wege der Privatklage ihre Erledigung hätte finden müſſen, ſtatt dessen von der Staatsanwaltschaft angenommen und auf Staatsfoſten durchgeführt werden soll. Nach unserm gewöhnlichen Bürgerverstand fönnen wir nicht begreifen, was eine rein persönliche Privatbeleidigung für ein öffentliches Interesse haven soll, daß die Staatsanwaltschaft ganz gegen ihre sonstige Gepflogenheit die Verhandlung übernimmt. Wird der Angeflagte in der Hauptverhandlung vor der Straffammer frei= gesprochen, wer zahlt dann die Kosten? der Rechtsanwalt oder der Staat, also der Steuerzahler? Wir bitten um Aufklärung durch eine sachkundige Feder. Mehrere Geseßesunkundige. Wetterbericht. ( Wetterdienst zu Gieken: Peppler.) Verlauf der Witterung von Mittwoch bis Donnerstag. Das östliche HOCH verschiebt sich langsam nach Süden. Die flachen Teiltiefs am Rande des HOCH's sind noch nicht abgezogen, sodaß das trübe, etwas fältere Wetter andauert. Im Westen Europas ist ein neues, sich weit nach Süden erstreckendes TIEF erschienen, welches von vielen Randtiefs umfreist, ostwärts vordringt, sodaß schon heute Mittag der Bind unter allmählicher Verstärkung nach Süden umläuft. Diese Drehung dürfte sich beim Weiterzuge des TIEF's nach Westen fortseßen; daher voraussichtliche Witterung für Freitag: etwas milder, geringer Schnee, schwachwindig, trüb; für Samstag: Taumetter, Schnee in Regen übergehend, windia. Briefkasten. G. Grünberg. Sie fragen warum der Kriegerverein Kaisers Geburtstag nicht in der Turnhalle feiert. Leider fönnen wir feine Auskunft darüber geben. Vielleicht der Vorstand des Kriegervereins. Kirchliche Nachrichten für Gießen. Evangelische Gemeinde. 1. Sonntag nach Epiphanias, den 10.; Januar Landesmissionsfest. Nach allen Gottesdiensten Sammlung für die Heidenmission. Gottesdienst. In der Stadtkirche. Vormittags 9,30 Uhr: Pfarrer D. Drews. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe. Abends 5 Uhr: Pfr. D. Schlosser. Montag, den 11. Jan., abends 8 Uhr, im Konfirmandensaal an der Kirchstraße Veremigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Matthäusgemeinde. Die Versammlung der fonfirmierten männlichen Jugend der Matthäusgemeinde nimmt Sonntag, den 17. Januar wieder ihren Anfang. Donnerstag, den 14. Jan., abens 8 Uhr, im unteren Konfirmandensaa, der Kirchir. Bibelstunde. Apostelgesch. Kap. 9. Pfarrer Schwabe. In der Johanneskirche. Vormittags 9 30 Uhr: Pfarrer Euler. meinde. Pfarrer Euler. 11 Uhr Kinderkirche für die LukasgeAbends 5 Uhr: Pfarrer D. Naumann. Abends 8 Uhr: Versammlung und Bibelbesprechung im Konfirmandensaal der Johannesfuche. Text: Matth 10, 34-42. Montag, den 11. Januar, abends 8 Uhr, Bibelst unde im Konfirmandensaal der Johannesfirche. Text: Jaf. 2, Pfarrer Euler. 14 " Batholische Gemeinde. Samstag, den 9. Januar. Nachmittags um 5 Uhr und Abends 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht. Sonntag, den 10. Januar. Sonntag nach Epiphanie Vorm. von 6,30 Uhr an: Gelegenheit zur hi. Beicht. um 7 Uhr: Die erste heil. Mess, vor und in derselben Austeilung der heil Kommunion. um 8 Uhr: Die zweite heil. Masse. Militärgottesdienst mit Bredigt. um 9,30 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachm. um 5,30 Uhr: Christenlehre; darauf Andacht. Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschaft. In der Synagoge, Südanlage. Sabathfeier am 9. Januar 1903. Borabend 4.15 Uhr. Samstag vorm. 8.30 Uhr. Nachmittags 3.30 Uhr. Sabathausgang 5.30 Uhr. Wochengottesdienst: Morg. 7.10 Uhr, Ab. 4.00 Uhr. Marktberichte. Frankfurter Heu- und Strohmarkt. 7. Jan. ( Amtliche Notierungen.) Heu per Zenter Mt. 3.30 bis 3.60, Stroh per Zentner Wit. 2.10—2.40. Verantwortlich: für den politischen und Juseratenteil: Albin Klein für das Lokale, den„ Gerichts." und" Deffentlichen Sprechsaat": Fr. Oppermann NUR 25 Pfo AMTLICH GLÄNZEND BEGUTACHTET: SALUTARIST TOILETTE- FETT- SEIFE Pf Unibertroffen für Haut- u Ceintpflege: Rein, mild, sparsam. C. Naumann, Seifen- u. Parfümeriefabrik, Offenbach a.M. n a It a g n 31 a 6 i Bekanntmachung. Betr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Gießen, rechts der Lahn. Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis der Beteiligten. Gießen, den 8. Januar 1903. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Mit Bezugnahme auf die Bestimmungen in§ 25 der Wehrordnung werden alle im Jahre 1884 geborenen Militärpflichtigen, sowie diejenigen, welches diese Alter bereits überschritten, aber sich zur Musterung noch nicht gestellt haben, oder bei der Musterung in 1903 zurückgestellt worden sind, und entweder in Gießen ihren ge= sehlichen Wohnort haben, oder als Studenten, Gymnafiaften und Böglinge anderer Lehranstalten, oder als Haus- und Wirtschaftsbeamte, Handlungsgehilfen, Lehrlinge, Handwerksgesellen, Dienstboten, Fabrikarbeiter oder in ähnlicher Eigenschaft sich dahier aufhalten, hierIn der Zeit vom 7. Januar 1904 bis einschließlich mit aufgefordert, sich behufs Eintragung ihrer Namen 20. Januar 1904 liegen in der Großh. Bürgermeisterei in die Rekrutierungsstammcolle in der Zeit zu Heuchelheim bei Gießen die Arbeiten des 3. Abschnittes vom 15. Januar bis 1. Februar d. Js. bei der bon den Fluren 34 bis 39 obiger Feldbereinigung, Bürgermeisterei dahier im Zimmer Nr. 13 zu melden, und dabei, wenn sie da hier nicht geboren sind, Bekanntmachung. Betr. Wie oben. nämlich: 1. 6 Zuteilungskarten, 2. 3 Bände Gütergeschosse, 3. 2 Bände Zuteilungsverzeichnis, 4. 1 Heft Zusammenstellung der( Sütergeschosse, 5. 1 Heft Verzeichnis der Drainagefosten, 6. das Protokollbuch, 7. das Obstbaumverzeichnis zur Einsicht der Beteiligten offen. Ortsgruppe Giessen der Hess. Vereinigung für Volkskunde. Dritter Mitgliederabend Montag, den 11. Januar 1904, abends 8 Uhr im unteren Saale des Café Ebel, Tagesordnung: Vortrag von Prof. Dr. Sticker: Der Aussatz im Mittelalter. Gäste sind willkommen. ihren Geburtsschein, welcher von dem betreffen Sonntagsverein für Mädchen. den Standesamt zu erwirken ist, und, wenn sie bereits bei einer früheren Musterung konkurriert haben, ihren Losungsschein vorzulegen. Zugleich wird darauf aufmerksam gemacht, daß diejenigen, welche die Anmeldungen unterlassen, sich zu gewärtigen haben, daß sie mit einer Geldstrafe bis zu 30 Mark oder mit Haft bis zu 3 Tagen belegt, von der Teilnahme an der Losung ausgeschlossen, und ihrer etwaigen Ansprüche auf Zurückstellung 2c. für verlustig Donnerstag, den 21. Januar 1904, vormittags erklärt werden. Bezüglich der zur Zeit der Meldefrist von 11 bis 12 Uhr, in der Großh Bürgermeisterei abwesenden Militärpflichtigen sind deren Eltern, VorTagfahrt zur Entgegennahme von Einwendungen hiergegen findet ſtatt: Die Vereinigung der Mädchen findet statt an jedem Sonntag zwischen 2 und 7 Uhr nachmittags im Saale der Kleinkinderschule; die Mädchen können zu jeder Beit fommen und gehen; von 4 bis 5 Uhr findet gemeinsame Unterhaltung statt mit Gesang, Ansprache, Vorträgen. Gute unterhaltende Bücher und Spiele sind in großer Zahl vorhanden. Für den Vorstand: Dr. Naumann. Pfarrer. Heuchelheim bei Gieken, wozu ich die Beteiligten münder, Lehr-, Brot- oder Fabrikherren zu dieser An- Gas- oder Elektrizitätsmerk Grünberg? unter dem Anfügen einlade, daß die Nichterscheinenden Meldung verpflichtet. Ferner wird bemerkt, daß Gemit Einwendungen ausgeschlossen sind. Einwendungen suche um Zurückſtellung von Militärpflichtigen auf find schriftlich abzufassen, zu begründen und auf Papier Grund des§ 32, pos. 2 Lit. a, b, c, d, e, f und g der in Aftengröße( mindestens 1/2 Bogen) einzureichen. Friedberg, den 31. Dezember 1903. Der Großherzogliche Feldbereinigungskommissär gez.: Spamer, Kreisamtmann. Bekanntmachung. Betr.: Milzbrand. Wehrordnung rechtzeitig bet der Bürgermeisterei dahier vorzubringen sind; Verspätete Gesuche fönnen feine Berücksichtigung finden. Gießen, am 2. Januar 1904. Großherzogl Bürgermeisterei Gießen. J. V.: Curschmann. Bei einer Kuh des Heinrich Biermann zu Eber- Holz- Bersteigerung stadt ist Milzbrand festgestellt worden. Gießen, den 4. Januar 1904. Großherzogliches Kreisamt Gießen. i. Gießner Stadtwald. Prima Kartoffel Samstag, 9. Januar 1904, abends 9 Uhr Versammlung im Sälchen des Restaurants zum wilden Mann", um obige Frage zu besprechen. Der Gemeinderat ist zu der Versammlung freundlichst eingeladen. Mehrere Bürger. Schweineversicherungs- Verein Gießen. Wegen eines eingegangenen Schreibens des Kaiserl. Aufsichtsamtes fällt die auf den 19. Januar anberaumte Montag, d. 11. Januar 1904 Speise- u. Salatkartoffel Generalversammlung bis auf weiteres aus. zu den billigsten Tagesvormittags 92 Uhr J. V: Dr. Kranzbühler. beginnend werden in den Abteil- pretsen empfiehlt Gießen, den 5. Januar 1904. Betr. Vermittelung von Lehrlingsstellen. ungen Bruder winter, Oberförsterwiese, Fauler Boden, Grubenkopf, Ane n. LumpenDie Gr. Kreisschulkommission Gießen mannsbrunnen verſteigert: an die Schulvorstände des Kreises. 96 Rmt. Buchenscheitholz Eichenscheitholz 51 " 1 29 11 48 Buchen knüppelholz Eichenknüppeltolz 1 " 29 Lindenknüppelholz Nadelknüppelholz Wir beauftragen Sie, durch die Lehrer Ihrer Gemeinden in deren Klassen nachfragen zu lassen, ob und welche Schüler gesonnen sind, sich durch die Großherzl. Zentralstelle für Landesstatistik eine Lehrlingsstelle ver- 2120 Wellen Buchenreisig mitteln zu lassen. Diesbezügliche Berichte find bis spätestens 1. März d. Is. an uns einzusenden, Fehl- 4560 Nadelreisig( teilweise zu berichte sind nicht zu erstatten. Dr. Breidert. Bekanntmachung. Betr.: Die Heichelheim'sche Stiftung. Aus obiger Stiftung sind am 27. April d. Is. die halbjährigen Zinsen mit 525 Mt. an eine in Gießen wohnhafte würdige und bedürftige christliche Familie oder Person zu vergeben. Anmeldungen werden von heute an bis 10. Februar d. Js. auf dem Armenamt, Neuen- Bäue 25, entgegen genommen. Gießen, den 5. Januar 1904. Großh. Bürgermeisterei Gießen. J. V.: Curschmann. Kalk- und Marmorwerke, Dampfziegelei, August Gabriel jr., Giessen Massenfabrikation. Bahnanschlüsse. Werke Abendstern. Telephon Nr. 84. 960 Eichenreisig Bohnenstangen geeignet) 37 Rmtr. zerfl. Buchenstockholz 40 101 " Eichenstockholz Nadelstockholz. Die Zusammenkunft ist auf der Licherstraße am Forsthaus Hoch warte. Gießen, den 4. Januar 1904. Großh. Bürgermeisterei Gießen Mecum. Hoher Nebenverdienst d. 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Cementwaren- Fabrik und Lager: Frankfurterstr. 114, eign. Bahnanschl. Bau- und Kanalbau- Artikel. Trottoir-, Fussboden- und Wandplatten. Grösstes Lager am Platze in sämtlichen Bauartikel. b Ic δι A m Die Redaktion u. Kaupt- Expedition V ſe d befinden sich seit 1. Januar lf. Js. he de di ce δε δε der ,, Gießener Neuesten Nachrichten" der ,, Grünberger Zeitung" des ,, Boten aus dem Ohm- und Feldathal" und der ,, Turnzeitung für den Gau Hessen“ Seltersweg 83 rechter Seitenbau im Hause der Eisenwarenhandlung von Brüder Schmidt. HUMOR breitete es fich aus, und plötzlich waren Schiff und Meer das Kommando: " Halb Dampf!" Der Kommandeur da Bergebens warteten die Ingenieure an der Maschine auf Es entsprach das dem Sturm oben empfand es als eine Wohltat, so weiter zu rasen auf und Simmel vom dichtesten Nebel umhüllt. gefahrboller Bahn. Prana in feinem und WITZ UND མ་ Nr. 6 Freitag, sische Familie Den 8 Januar 1904 en. 1883. Lager: ahnanschl. breitete es sich aus, und plötzlich waren Schiff und Meer und Himmel vom dichtesten Nebel umhüllt. Vergebens warteten die Ingenieure an der Maschine auf das Kommando:„ Halb Dampf!" Der Kommandeur da oben empfand es als eine Wohltat, so weiter zu rasen auf gefahrvoller Bahn. Es entsprach das dem Sturm und Drang in seinem Innern. Und ihn traf kein Vorwurf, er blieb damit innerhalb der Grenzen feiner Befugnisse. Wird ein Schiff zur See von einem solchen undurchdringlichen Nebel befallen, so gibt es nur zwei Wege, um demselben ungefährdet zu entrinnen. Der eine ist, den Schiffslauf aufs äußerste zu verlangsamen, der andere, denselben zu beschleunigen, um möglichst schnell durch die Nebelregion hindurchzukommen. Dieser ist der kürzere, aber weitaus gefährlichere Weg. So raste denn das Schiff mit einer Geschwindigkeit von 23 Knoten durch Nacht und Nebel dahin. Schaurig, in langgezogenen Tönen schrillte das Nebelhorn von Zeit zu Zeit auf. Die unten fuhren erschrocken in ihren Betten auf, und bleiche Lippen beteten ein Vaterunser. Die Gefahr eines Zusammenstoßes lag nahe und erfüllte alle Gemüter mit Angst und Schrecken. Nur die Seeleute und Offiziere, soweit sie nicht im Dienst waren, schliefen den festen Schlaf, den ihr aufreibender Dienst ihnen bringt. Und wie, wenn er nun ging, jebt ging, und wenn er haßte, mit hinabriß in sein nasses Grab? Wenn diese letzte, sie, die er so über alles lieb', und ihn, den er so tödlich gemeinsame Meerfahrt sie hinabführte zum Grunde, wenn er mit der im Tode vereint blieb, der er im Leben nicht angehören durfte? Eine grausige Wollust lag in dem Gedaufen: Zusammen sterben! Vielleicht, daß er noch einmal zu ihr eilte, die vom Schreck Ueberwältigte, Willenlose in feine Arme riß und mit einem erſten und letzten Kuß mit ihr zusammen hinabfuhr in die Tiefe! Seine Stirn glühte, fieberhaft pochten seine Schläfen. Wie ein Rausch kam es über ihn. Er wünschte die Gefahr herbei, nicht, um ihr auszuweichen, sondern um ſie zu umarmen. Und da da dämmerte es schwarz herauf aus der nebelgrauen Ferne, flog es gegen ihn mit der zwingenden Gewalt seines eiſernen Willens! Er sah das fremde Schiff zuerst. Unwillkürlich, pflichtgemäß gab die Hand den Druck für das Nebelhorn, aber die Steuerung, die er mit einem zweiten Truck dem Schiffe gab, war zu seinem Verderben. Der Dampfer hielt direkt auf den schwarzen Punkt zu. Ein Zusammenstoß war unvermeidlich. Es mußte ein Segelschiff sein, da von drüben keine Dampspfeife antwortete. Tas Nebelhorn verstummte. Und in die unheimliche Sorestille hinein drang von irgend woher ein schwacher Kinderschrei und dann die Stimme der Mutter, welche den erschreckten Liebling zur Ruhe sang. Und sie sang ein Lied, das er selbst aus seiner Jugendzeit wenn er nicht schlafen konnte. her kannte, ein Lied, das seine Mutter ihm oft gesungen, Da trat sie vor ihn hin, die Gestalt der Mutter, da blickte sie ihn an mit ihren lieben Augensternen, die sich längst zum ewigen Schlummer erschlossen hatten, so traurig und vorwurfsvoll, so bittend und tränenfeucht, als wollte sie ihn fragen: Was willst du tun?" Die eigene bat für die fremde Mutter, deren Lied da herauftönte aus der Tiefe. Und blitzschnell, wie der Gedanke, der ihm diese Erinnerung zurückrief, zuckte seine Hand nach dem Steuerungsapparat. Ein Druck, und der Dampfer schwenkte nach Steuerbord ab, und wenige Sekunden später rauschte etwas wie ein riesiger Nachtvogel backbords an ihm vorüber und verschwand im Nebel. Die Pflicht hatte gesiegt. Niedergegangen und niedergekämpft war alles, was den Unglücklichen in den letzten Stunden bestürmt und zu dieser Verzweiflung getrieben hatte. Sein Rachedurit war gestillt. Sein Auge wurde hell, seine Hand fest. An der Schwelle des Todes hatte er in das Paradies seiner Kindheit zurückgeschaut. Und auf seinem stolz erhobenen Sapte lag es wie ein segnendes Händepaar. Er hatte überwunden. WITZ C2D HUMOR Sein Ahnenschloß. Jch zog durchs weite Ungarland mit meinem Freunde Heinrich, Wir waren beide durstentbrannt, todmüde, schläfrig, weinrich. Miod Die Heide war so still, so leer, im grauen Westen zogen Die Wolken hin, gewitterschwer, am weiten Himmelsbogen. Da sprach mein Freund, und reichlich floß vom Auge ihm die Zähre: ,, Mir ist's, als ob mein Ahnenschloß hier in der Nähe wäre!" „ Heinrich!" sprach ich tiefgerührt,„ Das könnt mir sehr behagen, Denn einen größer'n Hunger spürt' ich nie in meinem Magen." Die Hügel nahten allgemach; die Sonne wies im Sinten Uns noch das dunkelbraune Dach, das tät' so freundlich winken. Jezt aber, Leser, bitte ich, hör' auf mit Weiterlesen, Das Ahnenschloß vom Heinerich ein Schafstall ist's gewesen! " Was ein Häkchen werden will. Das Söhnchen eines bekannten Börsenspekulanten wollte sich mit einem Kameraden unterhalten, der gern etwas Neues gespielt hätte, dem aber nichts Neues einfiel.„ Ich weiß etwas," rief auf einmal unser Held, spielen wir Aftiengesellschaft! Ich bin der Direktor, du bist der Aktionär. Gieb fünf Pfennige her." Gesagt, getan. Sie gingen nun in einen Zigarrenladen, kauften eine Zigarre, die unser Bürschchen ansteckte. Als sie aus dem Laden waren, rauchte es die für die fünf Pfennige des anderen gekaufte Zigarre mit sichtlichem Vergnügen weiter und sprach: Ich, ich bin der Direktor, ,, Und was hab' ich denn zu tun?" fragte der Kamerad. Du," sagte unser Held nach kurzem Besinnen, ,, du kannst spucken!" ES Später Dank. Was wollen Sie von mir? Ich will Jäners meinen tiefgefühlten Dank abstatten. Wofür?- Daß Sie mir vor zehn Jahren die Hand Ihrer Tochter nicht gegeben haben. Au. A.: Wo haben Sie es denn auf Ihrer großen Reise am verschwenderischsten gefunden? B.: Jch? A.: Jawohl... In England, weil da die Straßen mit englischem Pflaster be legt sind. 1 Im Wirtshaus. Gast: Kellner! Kellner: Befehlen? Gast: Donnerwetter, hier in der Fleischbrühe schwimmen ja Haare! Kellner: Verzeihen, das sind gewiß nur die Wimpern zu den Fettaugen. Erkannt. Ein Schauspieler, der seinem geringen Talente durch Beifallklatschen nachhelfen wollte, diesen aber nicht, gleich so vielen Künstlern von Ruf, bezahlen wollte oder konnte, stellte seine vier hoffnungsvollen Sprößlinge auf die Galerie und gab ihnen die Weisung, bei seinem Erscheinen tüchtig in die Hände zu klatschen und, wenn er eine bedeutende Szene hätte. " Bravo!" zu rufen. Die Kleinen hatten sich das gut gemerkt, und das Klatschen tat auch seine gehörige Wirkung; als indes die Reihe an das Bravorufen kam, und alle vier aus voiler Kehle schrieen, da rief der jüngste Knabe: Bravo, Vater! Bravo, Vater!" Das gesamte Publikum brach in lautes Gelächter aus, und mit dem Erfolge des armen Schauspielers war es vorbei. Energie. Engländer: Führer, Sie meinen, dieser Gipfel sei un= besteiglich? Führer: Jawohl, Euer Gnaden, bisher haben ihn nur Esel mit der größten Mühe erklettern können. Engländer: God dam, dann muß ich doch auch hinaufkommen. - Scherzfrage. Welcher Unterschied besteht zwischen einer Krupp. schen Kanone und einer roten Nase? Antwort: Die rote Nase kommt vom Trinken, eine Kruppsche Kanone von Essen. Für Augenleidende. A.( zu einem Freunde, den er längere Zeit nicht gesehen): Sag' mal, hast du nicht früher eine Brille getragen? zeit. tun? B.: Allerdings, aber das war noch vor meiner hoch. A.: Nun, was hat denn die Hochzeit mit deinen Augen au B.: Ja, weißt du, nach meiner Hochzeit sind mir die Augen dermaßen aufgegangen, daß ich manchmal mehr sehe, als mir lich ist l Nr. 6 Freitag, den 8. Januar 1904 Oberbessische Familienzeitung. Tägliche Unterhaltungs- Beilage ber Gießener Neueste Nachrichten. Budnud Berlag ber Steponer Berlagêbrudaret, vorm. Dilh. Reller'ss Bucherudersi( gegr. 1783); verantworff: Ibis& lole ( 3. Fortsetzung.) Der Beuge. Roman von Marie Bernhard. ( Nachdruck verboten.) pflegte. Friß war hübsch, er hatte das Auftreten eines Gentleman, er betrieb seine Sprachstudien mit großem Eifer, man lud ihn hier und da versuchsweise zum Tee ein, fand, daß er sich gut machte, gerade bescheiden und auch gerade ſelbſtbewußt genug, und nun erhielt Mr. Fred. Norden" auch zu größeren Gesellschaften und imposanten Routs Zutritt. Er schwamm so recht mit dem vollen Strom des Lebens, machte eine Unzahl interessanter überseeischer Bekanntschaften beiderlei Geschlechts und fand kaum Zeit, zwischen seinen Geschäftsstunden und seinen häufigen geselligen Verpflich tungen hindurch kurzgefaßte Berichte an seinen Vater und unregelmäßige, dafür aber desto ausführlichere Epiſteln an Roland v. Triberg abzusenden, dem er das ganze gärende Treiben, in welches er hineingeraten war, in seiner frischen, anschaulichen Weise schilderte. War das eine Reise! Norden, der Vater, hatte sich einen jugendlichen Sinn, eine frische Empfänglichkeit für alles Schöne bewahrt; er war seinen zwei Söhnen" ein rechtes Vorbild vollen, freudigen Lebensgenusses. An seinem Frizz erlebte er jetzt die helle Freude. Wie hübsch der schlank emporgeschossene junge Mensch wurde, welch' gewandte, verbind liche Manieren er hatte! Nun, freilich, die verdankte er wohl Hauptsächlich seinem aristokratischen Freunde, der, ohne bisher viel in die Welt und in die Kreise der guten Gesellschaft zu kommen, doch in seinem ganzen Wesen offenbar den Stempel des Edelmannes trug; Roland war Kavalier vom Scheitel bis zur Sohle, und dabei war von irgendwelcher Ziererei oder Prätension keine Spur in ihm. Hier, in den herrlichen Schweizerbergen, dann unter Italiens lachendem Himmel, kamen sich die Herzen der beiden Jünglinge doch bedeutend näher, als es bisher auf den Schulbänken der Fall gewesen war. Die enggezogenen Schranken waren gefallen, ihr Horizont begann sich zu erweitern, leuchtend und froh schweiften Rolands tiefblaue Augen über alle Pracht, die sich ihm bot, und kehrten immer wieder dankbar zu seinem Freunde zurück, dessen Liebe ihm diese Genüsse verschafft hatte. Und Fritz war innerlich stolz und so glücklich, seinem heimlich bewunderten Roland das bieten zu können; eine strahlende Heiterfeit verklärte sein ganzes Wesen, mit einem Wort, es war eine schöne, ungetrübte Zeit, welche die Drei genossen, und nie wieder vermochte Fritz Norden in seinem späteren Leben an Italien zu denken oder davon reden zu hören, ohne daß die Gestalt eines schönen, anmutigen Jünglings mit großen blauen Schwärmeraugen und einschmeichelnd weicher Stimme vor seine Seele trat, eine Erinnerung, die ihn zuerſt mit Sehnsucht, dann mit Schmerz, endlich mit angſt- pathischeren Feld verwerten zu können, denn seine Natur vollem Schaudern erfüllte. Heimgekehrt, ging es freilich bald genug an die Trennung; Roland sollte nach Berlin, um sich zum Offiziersexamen vorzubeiten, Friß mußte schleunigst nach London hinüber, wo in einem bedeutenden Bankhause eine Stelle für ihn offen gehalten worden war. Die beiden Freunde verabredeten eine eifrige Korrespondenz, jeder von ihnen war bestrebt, es vor dem andern zu verbergen, wie viel ihn die Trennung kostete, aber auf dem Perron des Bahnhofs, wo sie sich zum letztenmal in den Armen hielten, Frizz fuhr zuerst ab- da war's mit der künstlichen Fassung vorüber. Es ging ein Zucken über Rolands Antlitz, seine glänzenden Augen trübten sich, und Frizz warf sich wortlos an seine Brust und schluchzte laut hinaus; war es, weil ihm sein Herz sagte, daß er jetzt Abschied nahm von dem einzigen ihm bringen sollten? ungetrübten, hingebenden Gefühl, das ſeine Jugendjahre Da er In London umfing ihn das brausende, betäubende Leben der Millionenstadt mit atemraubender Erregung. private Empfehlungen von gutem Klang mitbrachte, so fand er eine andere Aufnahme in den Häusern seiner Vorgesezten, als man sie sonst einem obskuren deutschen Jüngling, der den untersten Posten eines Clerks bekleidete, zu erweisen Der neufreierte Sekondeleutnant schrieb ſehr regelmäßig und immer im herzlichsten Ton an seinen Freund. Sein Beruf bot ihm keine Freude; er beklagte sich nicht, denn was hätte er, mittellos, wie er war, wohl werden sollen? Seine Mutter mußte Gott danken, wenn sie sich selbst mit Anstand über Wasser hielt, jetzt war sie wenigstens die Sorge um den Sohn los; es war ja eine offenbare Gnade und Vergünstigung, die der lezte Triberg nur seinem alten Namen verdankte, daß er in die Garde eintreten durfte, stillschweigend nahm man es an, daß er sich dafür muſterhaft hielt, und das tat er auch! Er verausgabte nicht einen Taler mehr, als es unumgänglich notwendig war; er war ein gewissenhafter Soldat und ein fähiger Kopf, aber eben weil er letzteres war, regte sich immer mehr in ihm das Bedauern, seine Gaben nicht auf einem ihm sym wies ihn weit mehr in die Laufbahn eines Diplomaten, als in die Offizierskarriere. Gleichviel! Es war einmal nicht zu ändern, mithin galt es, das beste daraus zu machen. Zwischen den Zeilen las Fritz Norden alles das heraus, und sein armer Roland dauerte ihn von Herzen. Er schloß sich an niemand an, dem geselligen Leben Berlins stand er ganz fern, und fein einziger seiner Kameraden trat ihm näher, sie alle hatten Geld die Hülle und Fülle, sie ſtreuten es aus nach allen Richtungen, er konnte und wollte da nicht mithalten und galt bald allgemein als ein„ absurder Mensch", den eine schöne Balleteuse ebenso falt ließ. wie ein edles Rennpferd oder eine Partie Trente et quarante. Das war unnatürlich, das war einfach unmög= lich; daher gewöhnte man sich daran, Triberg mit Achtung zu behandeln und ihn im übrigen links liegen zu lassen, da er so„ verzweifelt ernsthaft" war und man beim beſten Willen nicht recht wußte, wovon man anfangen sollte, mit ihm zu reden. Höchstens im Ballsaal hätte Roland Lorbeeren ernten können; die Damen fanden den schönen, stillen Offizier mit den nachdenklichen Augen äußerst anziehend, aber freilich, er war kein besonders flotter Tän zer und hatte etwas beleidigend Gleichgiltiges in seiner Art, eine herkömmliche, nur eben gerade höfliche Konversation zu führen. Die einzige Chance, die sich ihm bot, vermöge Wenn den Tun am Köni schon der erste Ringen der G ſteht nämlich Handelsverträ wird. Da ab großer Lag er lich angefünd fremden laffen werde" ment weiß m Fragen auf rechte Seite die Regierung die fie mit uns unterhalten m darauf nicht e Diplomatisiere eine aggreffib Um„ Sieg gleichsverhand mitschauer Wer immer muß die Nie Opfern erta jteht vor der Schritte gebr dings hat meise im Au erflärt fidh a auf eine Hen Arbeitssystem also die Ten schritte zu er zelnen wächst dacht sein, d wieder aufge wohl, um die Anwachsen Beendigung furrenten in jich zuwende mit gutem B seiner Erscheinung und seines gut klingenden Namens eine brillante Partie zu machen, ließ er gänzlich unbeachtet. Fritz Norden blieb weit länger in London, als es ursprünglich bestimmt gewesen war; es gefiel ihm dort, er hatte sich eingearbeitet, man ließ ihn rasch vorwärts kommen und zahlte ihm früher Gehalt, als es sonst üblich war. Sein Einkommen, vereinigt mit dem reichlichen Wechsel von daheim, sicherte dem jungen Mann eine gute Eristenz; aber, an sorgloses Leben gewöhnt, gab er immer das aus, was er gerade hatte, ja, es kam vor, daß er zuweilen in Verlegenheit war und hier und da Schulden machte, unbedeutende allerdings muir, aber bei reiflicher Ueberlegung hätte Fritz sich sagen müssen, daß es ihm ein Leichtes gewesen wäre, mit seinen Einnahmen zu reichen. Nur daß es ihm nicht einfiel, reiflich zu überlegen! Er war ja kein gewissenloser Verschwender, kein toller Spieler; die jungen Leute, mit denen er verkehrte, trieben es ganz anders wie er; sie warfen mit Tausenden um sich, und das Gold rollte ihnen wie Wasser zwischen den Händen durch; das tat ja Fritz gar nicht; er konnte sich eben nur nicht zwingen, gewissenhaft seine Ausgaben zu regeln und sich irgend einen hübschen Genuß, der ihn gerade lockte, zu versagen. Indessen, als er, nach einem mehr als dreijährigen Aufenthalt in London, England verlassen wollte, um nach Newyork zu gehen, da mußte er sich doch entschließen, seine Verpflichtungen zu überdenken, sich zu arrangieren, bevor er hinüberging, und es ergab sich, daß die Schwierigkeiten dieses Arrangements gar nicht so unbedeutend waren. Der junge Norden schrieb also kurz entschlossen an seinen Vater, ob er ihm helfen wolle und könne, und Norden der Aeltere schrieb umgehend zurück, natürlich wolle er, daher müsse er auch können, eine Wendung, die dem Sohn hätte zu denken geben müssen, wenn er nicht so vollauf mit seinen Uebersiedlungsplänen beschäftigt gewesen wäre. Er zahlte seine Gläubiger aus, machte seine Koffer zurecht, gab seinen guten Bekannten in einem der fashionabelsten Hotels von London ein solennes, fideles Abschiedsessen und dampfte nach Newyork hinüber. Hier gestaltete sich sein Leben noch ungleich bewegter, als in der englischen Metropole. Das Handelshaus, in welches er eintrat, war eines der großartigsten von ganz Nordamerika, es hatte Weltruf, und unter den Kaufleuten galt es von vorneweg für eine hohe Vergünstigung, dort angestellt zu sein. Die Stellung, welche der junge Deutsche hier einnahm, war keine untergeordnete mehr; er hatte von dem Chef seines Londoner Bankgeschäftes die wärmsten Empfehlungen mitgebracht, er galt als ein in Geschäftssachen ganz ungewöhnlich befähigter Kopf; sichere Disposition, ein rascher, treffender Ueberblick zeichneten ihn vor allen aus, er kombinierte in Börsenaffairen oft mit überraschendem Geschick, man konnte ihm kleinere Spekulationen getrost allein überlassen. Der Chef des Hauses, der eine Deutsche zur Frau hatte und viel Sympathie für deutsches Wesen besaß, zog den klugen und liebenswürdigen jungen Mann zu seiner Familie heran, und Fritz tat nun einen Einblick in die unerhörte Verschwendung und Pracht, in den wahrhaft märchenhaften Reichtum dieser amerikanischen Geldfürsten, die sorglos ihr Gold auf die Straße ſtrömen lassen, sicher, daß es auf andere Weise wieder in ihre prunkenden Paläste hineinströmt. Solch ein Kaufherr, solch ein Börsenkönig willst du auch dereinst werden," dachte sich Frizz Norden, aber später, viel später! Jetzt hat es noch Zeit damit! Vorerst willst du einmal dein Leben genießen!" Nun, dazu sollte er in Newyork reichlich Gelegenheit finden! Der Amerikaner ist strebsam und tüchtig, er geht den aus aller Herren Länder herbeiziehenden Nationen mit gutem Beispiel voran, was Fleiß und Pünktlichkeit anlangt; hat er aber das, was er sein Tagewerk nennt, hinter sich, so gibt er sich, man könnte fast sagen, mit demselben Ernst und Pflichteifer dem Genuß hin; er hält ihn für notwendig, als brauchbares Gegengewicht zum ermüdenden Einerlei der Arbeit, Vergnügen muß sein! In einem zweijährigen Aufenthalt in Newyork lernte Friz Norden eine ganze Menge nüßlicher faufmännischer Dinge und eine ganze Unmenge schädlichen Zeitvertreibs tennen Er tam fich ungeheuer gereift und erfahren vor, alg er Rd endlich entschloß, nach Hause zurückzukehren, um irgend eine amerikanischen Kenntnisse unterzubringen. Ah der Beimat fam, um so unlustiger ward die lieberfahrt brachte ihm cin un oat freilich von ihm mid als ihn · This * 6rated Brith sein Vater, der äußerlich stark gealtert, im übrigen aber unverändert war, voll herzlichster Freude in die Arme schloß, das aber mit verdoppelter Kraft wiederkehrte, als er auch nur zehn Stunden im Vaterhause zugebracht hatte. Es zeigte sich sofort, daß er alle und jede Fühlung mit Deutschland und deutschen Verhältnissen verloren hatte, es kam ihm alles so unglaublich klein und eng, so spießbürgerlich und beschränkt vor, die deutschen Begriffe von kaufmännischer Ehrenhaftigkeit erschienen ihm lächerlich; er legte an alles einen großen und weiten Maßstab an, und mit seinent scharfen Blick durchschaute er den Unterschied sofort, verdie ſtockte sich aber darauf, die Ursachen dieses so stark in die Augen fallenden Unterschiedes nicht zu verstehen, Deutschen sollten Gott danken, daß sie an den Amerikanern ein so glänzendes Beispiel hätten, wie man es zu machen habe, und sollten aus allen Kräften darnach trachten, es ihnen gleichzutun, der gesamte deutsche Handel liege schmachvoll in den Windeln und könne andere Völker höchstens lehren, wie man es nicht anzufangen habe. Der alte Norden hörte seines Sohnes Auseinandersetzungen mit beipflichtender Miene an; er habe es ja immer gesagt, da drüben wäre erst das rechte Leben, und Fritz sei ihm nur ein neuer Beleg dafür. Indessen müsse man sich einmal hier durchhelfen, wie man eben könne; wer nicht über Millionen verfüge, könne doch ummöglich den Reformator spielen; er freue sich übrigens, dem Sohn mitteilen zu können, daß es ihm jetzt,„ nach den sieben mageren Jahren Egyptens", besser gehe, er habe die Verwaltung des bedeutenden Barvermögens eines minderjährigen reichen Erben übernommen, und werde dafür in angemessener Weise besoldet. Dazu nannte er eine Ziffer, die dem Sohn, nach seinen amerikanischen Begriffen gemessen, recht geringfügig erschien, aber Friß nickte nur lächelnd mit dem Kopf und freute sich der Genügsamkeit seines Vaters. Er blieb eine Zeit lang daheim, denn erstens wollte der alte Norden gern mit dem stattlichen ausländischen Sohn Staat machen, zweitens stand man mitten im Sommer, wo die Erlangur einer guten Stelle doppelt zweifelhaft war, drittens end.ch hatte Roland v. Triberg seinen Besuch verheißen und kam zu Ende des Juni auf mehrere Wochen zu seiner Mutter auf Urlaub. Roland war immer noch Sekondeleutnant, es stand dazumal schlecht mit dem Avancement im Militär. Das Wiedersehen der beiden Freunde war ein aufrichtig herzliches, aber es stellte sich bald heraus, daß sie sich durch die lange Trennung bedenklich auseinander gelebt hatten. Roland, durch sein einsames Leben und seine isolierte Stellung inmitten der Kameraden, mehr als je in den alten Traditionen Wurzel schlagend, durchdrungen von der Ueberzeugung, nur ein unantastbarer, stark zusammengefügter Adel, der wie ein hell strahlender Stern über den Völkern schwebe, sei imstande, einer Nation Halt und Kraft zu verleihen, und Frizz Norden, der sich in Amerika voller Ideen gesogen hatte, die seinem Freunde we rotes Sakobinertum, wie offenbare Revolution erschienen.... Fritz, der allen überlebten Kram aufgeräumt ſehen wollte, der über die Ehrwürdigkeit und Heiligkeit alter Institutionen lachte und nach frischer Luft verlangte, die die alte Dumpfheit ein für allemal verjagen solle es gab einen Mißklang gleich beim ersten Zusammensein! Etwas zögernd fam daher auch Rolands Bitte heraus, ob ihn Friß vielleicht für einige Zeit auf das etwa zwei Stunden von der Stadt gelegene Gut eines entfernten Verwandten begleiten wolle, der sich kürzlich hier angekauft. Er werde sehr willkommen sein, man habe ihm- Roland ganz besonders aufgetragen, ein paar gute Freunde einzuführen. " Der Vetter ist der einzige in unserer Familie, der einiges Vermögen besitzt," hatte Roland mit seinem melancholischen Lächeln gejagt, nach deinen heutigen überseeischen Begriffen ist's freilich nur eine Bagatelle jedoch es genügt ihm und seiner Familie, und setzt ihn sogar in den Stand, Gastfreundschaft im weitesten Sinn auszuüben. Man ist dort immer willkommen, und er wie seine Frau verstehen es gut, den Leuten plausibel zu machen, daß sie ihnen eine große Güte erweisen, anstatt selber welche zu empfangen." Hat dein Vetter auch Kinder?" hatte Fritz gefragt. " Ja, zwei Söhne, welche im Kadettenhause sind, und cin paar kleine Töchter. Tu wirst aber dort wahrschein lid viele von meinen Verwandten" inden, die allerlei Brunnenkuren, Flußbäder und so weiter zum Vorwand nehmen, um auf Birkenfelde ihre Sommerfrische zuzubringen." ,, Was sind das für Verwandte?" ,, Ach, natürlich lauter arme Teufel wie ich! Mein Kusin Triberg von der zweiten Linie,- du weißt, seine Mutter war eine Bürgerliche, sonst eine brave Frau- dann der kleine Fähnrich Kostor, der junge Teßdorf von der Ritterakademie in Brandenburg- hat leider eine schwache Brust die Baronin Zernit, mittelalterliche Witwe, mit einem berzogenen Schlingel von Sohn und einem kleinen Mädchen, meine Kusine Helene v. Burg ,, Auch ein kleines Mädchen?" In selbstquälerischer Absicht malte er sich aus, wie es nun sein würde, wenn Emmys liebe Gestalt für immer von Bord verschwunden wäre, wenn sie diesseits oder jenseits des Ozeans als Gattin jenes andern lebte und in ihrem jungen Glücke ihn so gänzlich vergaß, den sie einst„ ihren besten Freund" genannt hatte! Das Herz schnuirt sich ihm zusammen vor unendlichem Weh, er hätte weinen mögen wie ein Kind. Und dann, wenn er weiter hineinblickte in ihr stilles Familien- und Herzensleben, wenn er jenen anderen sah, wie er sie mit liebenden Armen umfing, und wie die braunen Rehaugen ihm entgegenstrahlten, dann packte ihn eine wilde Wut. Mit unheimlich funkelnden Augen sog er sich an der verhaßten Geeiner tötlichen Umarmung. „ Helene? Nein! Die ist, denke ich, siebzehn oder acht ſtalt fest, die er hätte packen und umklammern mögen in zehn Jahre alt." „ Und hübsch, nicht wahr?“ „ Nein,— hübsch, das ist nicht das Wort für sie!" Es war eine Pause eingetreten. Frizz brannte sich eine frische Zigarre an, Roland sah mit zusammengezogenen Brauen vor sich hin. Gut denn," sagte Friz zuletzt,„ ich komme, Roland, und gern, wenn denn dieser liebenswürdige Vetter mich wirklich noch zu so vielen Kusins und Kusinen haben will! Ich weiß ohnehin nicht, wo ich mit meiner Zeit jeßt, ohne Beschäftigung, wie ich bin, in dieſem ſterilen Nest bleiben soll. Wann fahren wir hinaus?" „ Wenn es dir recht ist, übermorgen." „ Sehr gut; also auf Wiedersehen!" Und zur Zeit der Lindenblüte fuhren die beiden hinaus. Zur Zeit der Lindenblüte! Den einsamen Mann, der in Yokohama an seinem Schreibtisch sitt, tief in Erinnerungen verloren, durchzittert es von Kopf bis zu Fuß. Damals! Wie dehnte sich ihm wohlig die Brust, als er an Rolands Seite hineinfuhr in den Gutshof, von schlichten, massiven Wirtschaftsgebäuden umringt, als sie vor dem gemütlichen, altväterischen Wohnhaus mit seinem gespitzten Giebel, den eine helle Taubenschar umflatterte, still hielten und dahinter die hochragenden massigen Baumwipfel der Linden gewahrten, bis zur höchsten Spitze mit Blüten überschüttet. Es war gegen Sonnenuntergang— ein wie herrlicher Sommerabend! So früh wie in dieſem ganz besonders heißen Jahr waren die Linden noch niemals in Blüte gewesen: der Junimonat war noch nicht zu Ende, und wenn wir Glück haben," hatte Roland unterwegs zu seinem Freunde gesagt, dann kann es sich leicht ereignen, daß wir noch eine verspätete Nachtigall zu hören bekommen." 發 ( Fortsetzung folgt.) Des Steuermanns Rache. Eine Erzählung aus dem Seeleben von A. v. Erbach. ( Nachdruck verboten.) ( Schluß.) Er, Willy Burton, hatte aber die gleichen freundschaftlichen Gesinnungen dem andern nicht entgegenbringen können. Im Gegenteil; er em, fand diese liebenswürdige Art des Fremden wie einen Schlag ins Gesicht, denn so aufrichtig und natürlich wie Emmy war, konnte sie Evans wohl mitgeteilt haben, daß auch Burton um sie geworben und sie ihn abgewiesen hatte. Unüberwindlich und alles durchdringend, wie seine Liebe zu Emmy, so riesenstark und jeden edlen Trieb in ihm erstickend, wuchs auch der Haß gegen den glücklichen Nebenbuhler in Burtons Brust empor. Diese un gebändigte Naturkraft wollte hervor und alles, was sich ihrem Eigenwillen entgegenstellte, vernichten, zermalmen. Das waren die Gedanken und Gefühle des ersten Steuermanns, als er an diesem milden Herbstabend an der Achter Reeling stand und nach dem glücklichen Brautpaar hinübersah, welches still den Sonnenuntergang bewunderte und dem die lauten Freuden der Schiffsgeselligkeit so schal und öde erschienen wie ihm selber. Ja, der dort verdämmernde Tag brachte sie wieder ihrem Biele näher, erweiterte die Kluft, welche zwischen ihm und dem geliebtes Mäddeetan hatte. Die Sonne war im Meer versunken. Graue Schleier breiteten über den verdunkelten Fluten sich aus. Nur ein blutig roter Streifen im Westen durchbrach noch das bleifarbene Gewölf, welches sich dort zusammenzog. Dumpf und hohl brausten und brandeten die Wellen. Ein kalter Wind ſtrich über das Schiff hin, welches mit immer gleichmäßiger Schnelligkeit sein Ziel verfolgte. Immer stiller wurde es an Deck, immer dunkler um den einsamen Mann da oben, der jetzt allein war mit seinem großen Schmerz, allein mit seiner hoffnungslosen Liebe. Ein krampfartiges Erschüttern ging durch die hünenhafte Gestalt, und eine Träne stahl sich langsam über die gebräunten Seemannswangen. Diese weiche Stimmung hielt aber nicht lange an. Aus dem Musiksalon tönte Klavierspiel herauf. Er mußte, wer der formvollendete Spieler war. Und dann erflang eine Stimme, so süß und schmelzend wie Nachtigallenschlag! Sie sang, und er begleitete sie. O, sie paßten gut zu einander! Sein Plak war hier an Deck; da gehörte er hin, ein rauher Seemann, dem feine solche holde Blume erblüht, von dem man nichts weiter verlangt als Pflicht und wieder Pflicht, ein ſtrenges Kommando und ab und zu etwas Brutalität. So verging der Abend und es kam auf schwarzen Schwingen die Nacht. Sturm und Wellen wurden lauter. Die immer und starrte hinaus in die See, über deren dunkle Lichter im Schiffsinnern erloschen. Und da saß er noch Fläche hier und da weiße, geſpenſtige Gestalten hinhuschten- die Schaumkämme der sich türmenden und überſtürzenden Wogen. Willy Burtons Augen blickten tief hinein in die graue Nebelwand. Das Nachtteleskop in seiner Hand gestattete ihm, jedwede Verdichtung des Nebels um einen schwarzen Stern zuerst zu erkennen und darnach seine Kommandos zu geben. Aber selbst in diesem Augenblick konnte er die Gedanken an das nicht bannen, was ihn mit tausend Qualen folterte, die Gedanken an seine hoffnungslose Liebe, an seine lebenslängliche Vereinsamung und an das Glück, das jenent andern blühte, dem es mühelos, wie eine reise Frucht, in den Schoß gefallen war. O, jener andere! Und er dagegen! Das war ihre Leyte gemeinsame Meerfahrt vor ihrer Verheiratung. Und dann? Ja- dann! Es gibt Leiden, welche selbst die Zeit nicht heilt, nicht lindert, ein Leben ohne Licht, ohne Frieden, ein Erdentraum, der mit schrecklichen Geschichten erfüllt ist, eine Marter für Geist in grau wie diese Nebelwand malte sich ihm fortan die und Körper ohne Ende. Und da lag es jetzt vor ihm. Grau Welt. Seine Zeit war um; er mochte abschließen mit dem Leben und seinen Freuden. Er hätte jetzt schlafen müssen, um zur Mitternachtswache auf und frisch zu sein. Aber ihn duldete es nicht in der dumpfen, engen Kabine. Die eingeschlossene, heiße Luft hätte ihn erstickt. Und was da in seiner Brust wühlte, es konnte nicht zur Ruhe kommen. Er brauchte den Sturm und das Meer und die freie Bewegung hier oben. Er war ein Seemann und dieses sein natürliches Element. In fieberhafter Aufregung harrte er der Stunde entgegen, wo die bekannten acht Glockenschläge ihn als Kommandierenden auf die Kommandobrücke riefen. Nun stand er oben, ein schwarzer, unheildrohender Schatten über dem stampfenden und stöhnenden Schiffskoloß, der weite Furchen in die schwarze Wasserfläche riß. Und dann glitt es über das Meer daher, grau und düster, wie eine Wolkenwand. Immer näher fam es, immer mehr jöhnende Mo Begenjat zw durch die te Aber immer ihn die mens entfesselt wor virtschaftliche zurückgetreten handelt es fi um Sieg un Auch in itaat Defter Shrbegriff österreichische Regierungs Landesteiler nalität ohne fönnen. M Gine ob ( Fortje Tiop Zerwirten helle Nad Endli jedoch Glü eines For beide schaf Liophel en des zerleg einigen gr neben eine dem er d überdeckte über ihr f „ So, Mittl Lages an für gester den Zwölf am hellen dem Tiop bersprochen in dessen Garten no