ne rg ner 9-10 Uhr emeinde haus Berlin tlichkeitssache). Eintritt frei 3 Uhr an: erfeft " te. g: ung. oder sich mit ent. Der Nr. 107. Zweites Blatt. Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., la's Haus gebracht 60 Bfg., durch die Poft bezogen viertelfährlich Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberheffifche Familienzeitung( täglich) und die Gießener Geifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Samstag, den 7. Mai 1904. Gießener 13 Jabraana. Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz Oberheffen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg. Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 83. Fernsprechanschluß Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Hindernisrennen. [ Politische Wochenschan.] Von den Verhandlungsgegenständen des Reichstags hat in letzter Zeit, nach dem Tribünenbesuch zu urteilen, ganz entschieden die Vorlage über die Herabsetzung der Totalisatorsteuer das Publikum am meisten interessiert. Die Tribünen waren stärker besetzt als je vorher und die Parlamentsberichterstatter vermeldeten, daß nicht bloß die typischen Erscheinungen der Sportsleute unter den Besuchern vertreten waren, sondern eine durchaus gemischte Gesellschaft". An der Totalisatorsteuer sind allerdings weite Kreise interessiert, denn die Nennwetten sind die am weitesten berbreitete Art des Lotteriespiels geworden. Es sind ungeheure Summen, die jahraus, jahrein auf diese Weise umgeschlagen werden, allerdings, ohne daß der Staat einen wesentlichen Vorteil davon hat. Denn die wenigsten Abschlüsse werden am Totalisator gemacht, der an privaten Wettbureaus eine scharfe und fast unüberwindliche Konkurrenz gefunden hat. Nach einer anıtlichen Statistik hat der Inhaber des Berliner Wettbureaus„ Rhenania" für ausländische Wetten allein einen Betrag von 80 000 Marf angenommen, während von allen Wettbureaus der Hauptstadt insgesamt nur 8000 Mark zu Versteuerung gekommen sind. Unter diesen Umständen sah sich das Reich dazu gezwungen, durch Ermäßigung der Totalisatorsteuer den Zugang zum Totalijator zu erleichtern und die Wettbureaus durch ein radikales Verbot vollständig aus der Welt zu schaffen. Minister von Podbielski, der diese Regierungsforderung zu vertreten hatte, Symbolisierte allerdings das Wettrennen sehr schlecht, denn er mußte wegen eines körperlichen Leidens am Stocke gehen und mußte fißend seinen Vortrag halten. Sachlich aber hat er sein Hindernisrennen sehr gut gewonnen, denn er kam trob des Widerstandes der Linken sehr flott ans Ziel. Inzwischen geht im preußischen Abgeordnetenhause das Hindernisrennen um den Kana I weiter. Ob sich die Ausfichten für das Zustandekommen des Gesezentwurfs tatsächlich berbessert haben, läßt sich bis jetzt noch nicht übersehen. Zwar Elingen die Reden der früheren Kanalgegner etwas freundlicher, aber die Bedenken werden in so scharf akzentuierter Form ausgesprochen, daß die Regierung wohl doch Mühe haben wird, wenn sie alle Hürden nehmen will. Aus den Presseerörterungen scheint überdies hervorzugehen, daß die rechte Seite des Hauses nichts weiter gewähren will, als den Dortmund- Rheinkanal, zu dem sie vielleicht die Lippekanalifation noch gratis zugibt. Um so mehr Erfolg hat aber die Reichsregierung bisher mit ihrer Vorlage über die Entschädigung unschuldig Verhafteter gehabt. Die Kommission hatte allerdings einen Antrag eingebracht, durch den die Entschädigungspflicht etwas weiter gefaßt werden sollte, das Plenum aber hat sich doch in zweiter Lesung für die Regierungsfassung entschieden, jedenfalls deshalb, um einstweilen das Gesetz prinzipiell zustande zu bringen und dessen sachgemäßen Ausbau der Zukunft zu überlassen. Bevor der Reichstag die Ferien antritt, hat er noch eine sehr ernste patriotische Pflicht zu erfüllen durch die Bewilligung der Mittel für den südwest afrikanischen Krieg. Die Zentrumspresse deutet an, daß bei dieser Gelegenheit auch eine gründliche Aussprache über den Widerstreit der Interessen in den kolonialen Kreisen selbst stattfinden soll und daß man vom Reichskanzler vor allen Dingen eine genaue Aufklärung über die Sachlage und über den Einfluß der einzelnen Persönlichkeiten auf die Kolonialpolitik verlangen will. Ebenso wünschenswert aber wäre es, wenn der Reichstag in eine gründliche Beratung über die Fvage eintreten würde, ob nicht intensive Kolonialpolitik durch einmalige Aufwendung großer Mittel zur Ansiedelung und zur Schaffung von Verkehrswegen gemacht werden, wie das bei anderen Kolonialvölkern, die uns hierin den Rang abgelaufen haben, der Fall ist. Die englische Presse hat sich teilweise ironisch und teilweise in sehr scharfer Form über die sparsame Kolonialwirtschaft des deutschen Reichstags aus. gesprochen. Während wir in unserer Kolonisation hinter den Engländern fraglos zurückſtehen, haben wir auf technischem und wirtschaftlichem Gebiet einen neuen Vorsprung vor ihnen erlangt. Das hat der englische Ministerpräsident Balfour selbst zugestanden, als er dieser Tage eine Interpellation über den Warenschutz beantwortete. Er mußte das Bekennt nis ablegen, daß das„ Made in Germany" sich nicht als eine Konkurrenzklausel, sondern als eine kostenlose Reklame für deutsche Firmen bewährt habe. Die ewige Begegnung mit den Deutschen im Hindernisrennen des Weltmarktes macht auch die deutschfeindliche Stimmung in England begreiflich und ist zugleich der Grund für die Ueberschäzung des englisch- französischen Marokkoabkommens und der Annäherung zwischen Frankreich und Italien. Standesamt- Nachrichten der Stadt Gießen. Aufgebote. Am 29. April. Peter Schmidt, Schlosser dahier mit Bertha Junk in Langd. 30. Martin Christian Rühl, Rentner dahier mit Augufte Sophie Ferber hierselbst. Gottlieb Daniel Keßler in Offenbach mit Karoline Laura Gemdt hierselbst. Louis Rosenthal, Kaufmann dahier mit Baula Katz in Hörter. Friedrich Wilhelm Reuschling, Wagner in Heuchelheim mit Auguste Engel dahier. 2. Mai. Heinrich Christian Rau, Kaufmann dahier mit Elisabeth Volt in Großen- Buseck. 3. Karl Daubertshäuser, Schuhmacher da hier mit Katharine Hauffmann hierselbst. 5. Friedrich Wilhelm Mörsch, Sanitätssergeant dahier mit Katharine Friedericke Hengst hierselbst. 5. Heinrich Kreuter, Straßenbahnschaffner in Bielefeld mit Anna Marie Margarethe Leilich dahier. 6. Hermann Schmidt, Kutscher dahier mit Anna Katharine Thamer hierselbst. Eheschließungen. Am 30. April. Georg Friedrich Simon, Schlosser dahier mit Auguste Margarete Christiane Vogel hierselbst. Heinrich Eise, Lackierer dahier mit Karoline Johanna Elisamhaufen Wollen Sie Vorteile geniessen, Bahnklinit est. Zutritt frei. Vorstand. chtverein end. stellung fenkeller 4 Fürsten von lung: ittage. Uhr an geöffnet. so sehen Sie sich unser Lager in Sportwagen für Kinder und Pappen, sowie Leiter- Wagen an und vergleichen Sie die Preise. Gießen, Bahnhofstraße 63. Wochentags 1-3 Uhr Kartel die mit Farbenzeichen versehenen Unbemittelte unentgeltlich. Bahngebiet mit sämtlichen neuen Wege im nördl. Taunus und öftl. 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Dem Kutscher Christian Buet ein Sohn, Wilhelm. 28. Dem Buchhalter Karl Hermann Walter Richte ein Sohn, Ernst Richard Rudolf. 30. Dem Schneider Heinrich Hahn II. ein Sohn, Karl. 2. Mai. Dem Maschinisten Wilhelm Semmler II. ein Sohn, Heinrich. 5. Dem Schneider Adam Bayer eine Tochter, Elisabethe. Gestorbene. Am 29. April. Dr. August Hanau, 54 Jahre alt, praft. Arzt dahier. 30. Emilie Marie Helene Lepper, 13 Jahre, ohne Beruf dahier. 2. Mai. Dr. Konstantin Höhlbaum, 54 Jahre alt, Universitätsprofessor dahier. 2. Adam Bender, 70 Jahre alt, Spinnereib siger dahier. 2. Johannes Euler, 70 Jahre alt, Pflegling dahier. 4. Anna Frieda Marter, 1 Jahr alt, Tochter des Gastwirts Johann Marker dahier. 3. Heinrich Semmler, 1 Tag alt, Sohn des Maschinisten Wilhelm Semmler II. dahier. 4. Bertha Wallach geb. Heichelheim, 83 Jahre alt, Witwe des Kaufmanns. Julius Wallach dahier. 4. Charlotte Anna Sophie van Calfer, 2 Monate alt, Tochter des Universitätsprofessors Dr. Wilhelm van Calker dahier. 4. Caroline Wilhelmine Fresenius geb. Welsch, 58 Jahre alt, Witwe des Bolizeirats Wilhelm Fresentus dahier. 5. Karl August Kraz, 10 Mte. alt, Sohn des Fubrmanns August Krab dabier. Berantwortlich: für den politischen, vermischten und unterhaltenden Teil Albin Klein; für den lokalen Teil Karl Klose. Julius Fischer Giessen, Schulstrasse 6. Anfertigung eleganter Herrengarderobe unter Garantie für guten Sitz und tadelloser Ausführung. Specialität in echt steyrischen Herren- und Damen- Sch afwoll- Loden, das beste für Haus, Strasse und Reise. Aufträge werden behufs prompter Lieferung zeitig erbeten. Steuer- Reklamationen werden billigst angefertigt. Rat in Steuersachen gewissenhaft erteilt. Für die Abonnenten der ,, Gießener Neuesten Nachrichten unentgeltlich. Näheres zu erfahren in der Expedition. 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Juli 1893 vorgeschriebene Anmeldung von Mietwohnungen( bestehend aus 3 oder weniger Räumen einschließlich der Küche), Schlafräumen und insbesondere von Schlafstellen bezw. von Aenderungen in der Person des Mieters oder Vermieters nicht stattfindet. Bekanntmachung. Der auf Mittwoch, 11. Mai 1904 fallende Krämermarkt( Himmelfahrtsmarkt) muß mit Rücksicht auf die Vorbereitungen für das Sängerfest auf dem Brandplatz und Kanzleiberg abgehalten werden. Gießen, den 6. Mai 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Wir bringen nachstehend die genannten Gesezesbestimmungen zur allgemeinen Kenntnis mit dem Anfügen, Montag, 9. ds. Mts., nachmittags 6 Uhr daß die vorgeschriebenen Anzeigeformulare auf unserem werden in der Roonstraße eine größere 3ahl von Meldebureau zu haben sind. I men stämmchen, einige Akazien stämmchen, Gleichzeitig weisen wir darauf hin, daß Bestrafung ein Kastanienstamm und einige Haufen eintreten wird, falls bei der demnächst stattfindenden Abfallreisig öffentlich meistbietend versteigert. Revision der Mietwohnungen 2c. durch den städtischen Wohnungsinspektor, die Unterlassung von Anmeldungen festgestellt wird. Gießen, den 29 April 1904. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. Artikel 4. Verjenige, für dessen Rechnung eine Wohnung erstmals vermietet wird, oder dessen Vertreter ist verpflichtet, hiervon vor dem Einzuge des Mieters der Polizeibehörde Anzeige zu machen, wenn entweder 1. die Mietwohnung( einschl. der Küche und ausschl. solcher Räume, die in Aftermiete gegeben oder von anderen Personen regelmäßig mitbenutzt werden) aus drei oder weniger Räumen besteht, oder 2. Kellergeschosse oder nicht unterkellerte Räume, deren Fußboden nicht mindestens 0,25 Mtr. über Erde gelegen ist, oder 3. unmittelbar unter Dach( ohne Zwischendecke) befindliche Räume zum Wohnen vermietet werden sollen. Die Anzeige muß Auskunft geben über: a) den Eigentümer, sowie die Lage des Hauses nach Straße und Nummer, b) die Lage der Wohnung( ob im Haupt- oder Nebengebäude und in welchem Stockwerk), c) die Anzahl und Bestimmung der Räume, d) den Beruf des Mieters, sein Verhältnis zu den in seiner Hausgemeinschaft befindlichen Personen, sowie Namen und Alter derselben. Die Vermieter sogenannter möblierter Wohnungen sind von der Anzeigepflicht befreit, wenn und solange der Mietpreis für das Zimmer den Betrag von monat. lich 8 Mart überschreitet. Artikel 5. Der Polizeibehörde ist ferner binnen einer Woche Anzeige zu machen, wenn in der Person des Vermieters oder Mieters einer Wohnung der im Art. 4 bezeichneten Art eine Aenderung eintritt, oder wenn durch Verminderung der Zahl der Mieträume oder durch Aftervermietung die Wohnung nachträglich anzeigepflichtig wird. Die Anzeigepflicht trifft bei Aenderungen in der Person des Vermieters den neuen Vermieter. Bei Aenderungen in der Person des Mieters find zugleich die im vorigen Artikel unter d vorgeschriebenen Angaben zu machen. Artikel 6. Wer dritten, nicht zu seiner Familie gehörigen Personen Schlafstellen, mit oder ohne Berechtigung zum Aufenthalt über Tag vermietet, hat hiervon vor Beginn der Mietbenutzung der Polizeibehörde Anzeige zu machen. Die Anzeige muß Auskunft geben über: a) Lage des Hauses nach Straße und Nummer, sowie über den Vermieter, b) Lage, Länge, Breite und Höhe der zu Schlafstellen bestimmten Räume, c) die Anzahl der in jedem einzelnen Raume vorhandenen Schlafstellen. Von jedem Wechsel in der Person des Vermieters der Schlafstellen hat der neue Vermieter der Polizeibehörde binnen einer Woche Anzeige zu machen. Artikel 11. Mit Geldstrafe bis zu 30 Mark wird bestraft, wer die nach Artikel 4 bis 6 vorgeschriebenen Anzeigen zu machen unterläßt oder in diesen Anzeigen wissentlich unrichtige Angaben macht. Bekanntmachung. Betr. Die Feierabendstunde für offene Verkaufsstellen und Mindestruhezeit der Gehilfen in solchen; hier Festsetzung der Ausnahmetage. Wir bringen hiermit zur Kenntnisnahme der Interessenten, daß am 11.. 19., 20. und 21. Mai d. J. die Vorschriften über die Mindestruhezeit und Mittagspause der Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter(§ 139c der Gewerbeordnung, feine Anwendung zu finden haben und die Läden, sowie die offenen Verkaufsstellen an diesen Tagen bis 10 Uhr abends offen gehalten werden dürfen. Gießen, den 5. Mai 1904. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. Bekanntmachung. Die Sonnenstraße zwischen Schulstraße und Kanzleiberg wird wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten von heute an bis auf weiteres für den Fuhrwerks und Fahrradverkehr gesperrt. Gießen, den 6. Mai 1904. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. | Die Zusammenkunft ist in der Moltkestraße am Eingang zur Roonstraße. Gießen, den 6. Mai 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Für die bevoritehende Saison empfehle ich meine außerordentlich reiche Auswahl moderner Tapeten Verdingung von Wasserleitungsanlagen. Die bei Herstellung der Wasserversorgungsanlage für die Gemeinde Flechenbach, Kreis Lauter- Telephon 305 bach, Oberhessen, vorkommenden Arbeiten nnd Lieferungen und zwar: Los 1{ 203 2{ Titel I Quellfassungsarbeiten II Hochbehälter( 50 cbm), Titel III Röhrengräben, IV Rohrlieferung und Verlegungsarbeiten, sollen durch schriftliches Angebot vergeben werden. Pläne und Bedingungen sind bei der unterzeichneten Behörde, letztere auch bei der Großh. Bürgermeisterei Flechenbach einzusehen; Bedingungen und Angebotsvordrucke gegen ganz freie Einsendung von 1 Mt. in bar für jedes Los nur von uns beziehbar. in jedem Genre und in jeder Preislage fowie alle Neuheiten in Lincrufta-, Seide- und Stoff- Tapeten Vorjährige Mufter u. Refte zu den bekannten billigen Preisen Heinrich Hochstätter P Tapeten Spezial- Geschäft Schlossgasse 19 am Brandplat Gebe in meiner Sandgrube an der Marburgerstraße Weißbinderund Maurersand Angebote sind unter Benutzung der Vordrucke verschloffen und mit entsprechender Aufschrift versehen bis Samstag, den 21. Mai 1904 vormittags 12 Uhr, zu jeder Zeit ab; übernehme auch die Anfuhr. auf unserm Bureau: Frankfurterstraße 29 einzureichen. Eröffnung in Gegenwart der Anbieter. Frete Auswahl bleibt vorbehalten. Zuschlagsfrist 3 Wochen.- Gießen, den 28. April 1904. - Großh. Kulturinspektion Gießen. J. V.: Wallet. Wilh. Seipp III., Bau- und Weißbindergeschäft. Ludwigstraße 28. 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Es war eine große Schwarzdornhecke und gerade als sich der Gaul bereits zum Sprunge erhoben hatte Painkiller war etwa drei Längen hinter uns ließ sich plötzlich das laute Blasen einer Trompete vernehmen. Ich konnte sehen, wie Painkiller links von der Hecke zur Seite ausbog und ich war allein übrig und ging als Sieger des Enviller Steeplechase durch Ziel. Wie wir das gemacht haben? Das will ich Ihnen auch erzählen. Ich erinnerte mich, daß, als ich einst Painkiller in Frland ritt, gerade eine Postfutsche vorbeifuhr und der Postillon sein Horn blies. Painkiller war damals nicht zu haiten und raste wie toll davon. Später erzählte mir sein Trainer, daß er es immer so mache, wenn er plötzlich ein Geräusch, wie das Blasen einer Trompete oder das Pfeifen einer Lokomotive, höre. Das war mir noch rechtzeitig eingefallen und ich hatte einen Kerl mit einem Posthorn veranlaßt, sich im Walde in unmittelbarer Nähe des Hindernisses zu plazieren und in dem Augenblick, in dem Painkiller an die Hecke fam, wie wütend darauf los zu blasen. Das wäre kein ehrenhaftes Mittel, einen Konkurrenten los zu werden, meinen Sie? Gewiß nicht, im Kriege und in ein paar Jahr später über den Kapitän Daugliſh hörte, ließ der Liebe ist aber bekanntlich alles erlaubt, und das, was ich habe. es mich nicht bedauern, daß ich ihm diesen Streich gespielt Der Baron Brownthone, der natürlich von der Geschichte mit der Trompete nichts wußte, war über seinen Sieg so er wenn ich ihn darum gebeten hätte. Diese schien jedoch befreut, daß er mir wohl die Hand seiner Tochter gegeben hätte, reits anders verfügt zu haben, denn ich bemerkte einen jungen Herrn, der nicht von ihrer Seite wich, und der über Auroras Sieg ebenso erfreut zu sein schien wie sie selber. Selbstverständlich wurde ich für meinen Ritt gut bezahlt, das Lächeln aber aus den blauen Augen des Fräuleins, mit dem sie mich nach dem Rennen begrüßte, erschien mir als genügende Belohnung für meine Mühe. Und auch diesen Sting," er hielt mir seine Hand entgegen, auf der ein Siegelring mit dem Brownthoneschen Wappen funkelte,„ erhielt ich zur Erinnerung an die Niederlage des Kapitäns." AUS FERNEN ZONEN Die Nachfolger der Trapper. Die echten, gastfreien, wilden, ehrlichen Präriejäger existieren heute in ihrem ursprünglichen Charakter fast gar nicht mehr; sie sind mit den Rothäuten dem vordringenden Europäer gewichen. Trapper sind immer noch über ganz Amerika verbreitet, aber mit dem freien Jägerleben ist es zu Ende. Die weißen Ansiedler drangen immer mehr vor und warfen sich mit Vorliebe auf die Büffelausrottung, nicht Jagd, sondern rohe, gewaltsame Ausrottung. Die Tiere wurden an ihren Tränken belauert und niedergemacht, die davongeeilten mußten natürlich immer wiederkommen und rannen endlich, trotz der Angst vor den Schüssen, von wahnsinnigem Durst gepeinigt, den am Wasser lauernden Mördern in den Schuß; den getöteten Tieren wurde dann nur das Fell heruntergerissen, um daraus Geldwert zu ziehen, während die blutigen Kadaver zu Hunderten liegen blieben und die Flüsse herum verpesteten. Wenn noch vor etwa 60 Jahren die ersten Eisenbahnzüge vor wandernden mächtigen Büffelherden halten mußten, um dieselben vorüberzulassen, so kann man heute fast nirgends mehr ein solches Tier zu Gesicht bekommen infolge der wahrhaft schnöden Ausrottungsmethode der Fellhändler. Es ist statistisch festgestellt, daß in den Jahren 1872 bis 1874 auf den Eisenbahnen allein 4½ Millionen Büffelfelle befördert wurden. Für den Newyorker Nationalpark tourde mit vieler Mühe noch ein Büffel- Bulle beschafft. Durch das Aussterben dieser Tiere wurde den noch übrig gebliebenen Indianern Das Hauptlebenselement entzogen, so daß sie zur Rache manche kleine, eben erst entstandene Eisenbahnstadt überfielen und vom Erdboden vertilgten. Die Nachkommen der Trapper mußten sich aber nun auch einen anderen Nahrungszweig suchen, und so wurden sie Cowboys, Straßenräuber, Pferdediebe und Desperados. Von ungemeiner Verwegenheit, vor keinem Mord, keiner Gräueltat zurückschreckend, unbekümmert um Religion, Sitte und Gesez, wurden sie bald der Schrecken der neuen, aus Holzbaracken, Chantants und Spielhöllen bestehenden Eisenbahn- oder Gräberstädte des amerikanischen Westens. Daß die ehrsamen Bürger dieser aus dem Boden aufwachsenden und plöblich wieder verschwindenden Städte es mit der Moral auch nicht genau nehmen, zeigt eine Kleine Notiz, die in der einzigen Zeitung einer solchen Stadt in etwas veränderter Form häufig wiederkehrt:„ Mr. John K. ist seit einigen Tagen verschwunden; er ging aus, um Pferde zu holen, welche nicht ihm gehörten; er soll nicht wiedergekommen sein, weil plöblich seine Füße nicht mehr den Boden berühren konnten; man sah ihn zuletzt an einer Telegraphenstange stehen; auf der anderen Seite der Stange zogen einige ehrenwerte Bürger unserer Stadt angelegentlichst an einem Seil!" Das sind die Nachkommen des einstigen kühnen Präriejägers; nur in einigen ganz abgelegenen Landstrichen mag man noch hin und wieder auf Menschen stoßen, die sich in ihrer völligen Abgeschiedenheit die charakteristischen Eigenschaften des Trappers be= wahrt haben. $ Bunte Blätter. Schafe als Lasttiere. Im nördlichen Indien, wo die Wege durch die Himalaya- Berge oft sehr steil sind, zieht man als Lastträger die Schafe allen größeren Tieren, die keinen so sicheren Gang haben, vor. Diese tragen jedes eine Bürde von 7-8% Kilo. Man verbindet damit aber noch einen anderen Zweck. Die Schafe werden nämlich von Dorf zu Dorf mit der schurreifen Wolle getrieben und so viel geschoren, wie der Treiber Wolle eben verkaufen kann. Für lettere tauscht er Getreide ein, das die Tiere dann weiter tragen. Ist seine ganze Herde geschoren, so kehrt er mit den Tieren in die Heimat zurück. * Der Pfeiferbaum. Eine Akazienart, die in Nubien und dem Sudan sehr häufig vorkommt, wird von den Eingeborenen daselbst gewöhnlich„ Pfeiferbaum"( oder Pfeifender Baum") genannt. Seine Schößlinge werden vielfach, durch die Einnistung von Insektenlarven, in ihrer Formentwickelung gestört und bilden dann schließlich Blasen von 25-50 Millimeter Durchmesser. Ist das betreffende Insekt dann durch eine kreisrunde, seitliche Deffnung an der Blase ausgeschlüpft, so wird diese, wenn der Wind sie trifft, zum musikalischen Instrument, das einen, dem der Flöte ziemlich gleichen Ton hören läßt. * Die Ausdauer der chinesischen Kuli- Arbeiter ist ganz außerordentlich und erstaunlich. Es werden Beispiele von diesen Menschen erzählt, welche früh nüchtern 5 deutsche Meilen weit, mit einer schweren Last beladen, zu Fuß gingen, und von anderen, welche Lasten 3 Meilen weit trugen, ohne in der Zeit etwas zu genießen und nachher noch Kraft übrig hatten, einen Mann 1½ Meilen weit zu tragen. $ 3 Opfer der wilden Tiere in Indien. In Indien haben im Jahre 1903 nicht weniger als 24 841 Personen ihr Leben durch wilde Tiere und giftige Schlangen verloren, 1934 mehr als im vorhers gehenden Jahre. Die Todesfälle durch Schlangenbisse stiegen von 20 142 auf 22 134, während wilde Tiere 2707 Personen töteten gegen 2765 in 1902. Tiger verschuldeten 928 Todesfälle und Wölfe 222. Elefanten, Leoparden, Bären, Hhänen, wilde Eber, Auerochsen, Schakale, Alligatoren, Krokodile, wilde Kazen und Panther hatten ebenfalls verhältnismäßigen Anteil an den Opfern. So wur den in Bengalen 477 Todesfälle durch Schakale und 198 durch Alligatoren verursacht. Ueberdies wurden in ganz Indien 57 541 Stück Vieh durch wilde Tiere und Schlangen getötet, gegen 59 029 im Jahre 1902. Was die Vernichtung wilder Tiere betrifft, so sind die statistischen Ausweise darüber durchaus nicht befriedigend. Die Zahl der erlegten Tiger belief sich auf 1464, die der Leoparden auf 4031, die der Bären auf 1668 und die der Schlangen auf 417 596. Die Abnahme ist in Bengalen wenig bemerkbar und insbesondere der geringen Belohnung zuzuschreiben, die der Staat für die Tötung von wilden Tieren und Schlangen zahlt. Nr. 102 Samstag, den 7. Mai. 1904. Oberbessische Familienzeitung. Tägliche Unterhaltungs- Beilage der Gießener Neueste Nachrichten. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerci, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein. ( 11. Fortsetzung.) Iwan der Schreckliche. Original- Roman von Hans Hoffmann. ,, Sie trauen also anderen nicht die gleiche Schweigsantfeit zu?" Helene senkte betroffen den Blick. „ Es war wohl sehr hochmütig," sagte sie leise, zu glauben, daß Sie uns durch Ihr Vertrauen ein Zeichen besonderer Freundschaft geben wollten." ,, Nein, wahrhaftig, das war kein Hochmut und kein Frrtum," rief er ganz gerührt, es war so die Meinung, und sie kam aus dem Herzen. Und Sie haben recht; eine übertriebene Ehrlichkeit wäre Torheit; ein derartiges Vertrauen oder ist eine freie Gabe, auf die niemand Anspruch hat glauben Sie, daß irgend jemand von Hause aus berechtigt wäre, eine solche Offenherzigkeit von mir zu fordern etwa mein Direktor? Mein Schulrat? Meine Kollegen?" Helene dachte ernsthaft nach. Dann sagte sie beſtimmt: " Ich wüßte nur einen Fall, in welchem jemand ein Recht auf Ihre ganze Offenheit hätte Sie brach leicht errötend ab. Belling verstand sie auf der Stelle, und das Blut stieg ihm heiß ins Gesicht. Das war es, was ihm unklar auf der Seele gelegen, was gestern bei aller Begeisterung und Leidenschaft seinen Mund verschlossen, seinen Fuß gehemmt hatte! Daß ihm das nicht von selbst ins Bewußtsein gekommen war! Daß dieses junge Mädchen erst der gute Genius sein mußte, der die Erinne cung an eine so einfache Pflicht in seiner Seele löste! In diesem Augenblick fühlte er eine grenzenlose Verehrung für sie, jetzt schien sie ihm wirklich einen Heiligenschein zu haben, aber einen anderen, einen echten er suchte mit dankbarem Blick ihr kluges, treues Auge. Doch nein, da war plößlich wieder der alte, unangenehme, Stilwidrige Heiligenschein! Ganz urplötzlich, ohne daß er ein Wort gesprochen. Fort war die anmutige Schelmerei, fort die frische Offenheit, fort auch das mädchenhafte Erröten gerade als wenn es von seinem eigenen tieferen Erglühen verscheucht wäre— was übrig blieb, war fühles, vornehmes Wohlwollen. Er fühlte sich wahrhaft peinlich berührt von diesem unflaren, launenhaften Wesen; war es doch gerade die Klarheit und Festigkeit gewesen, die er an ihr irrtümlich so hoch geschätzt! Wie stand auf einmal Almas Gestalt so bezaubernd vor seinem Geiſte! Dort immer die gleiche Demut, Kindlichkeit, Frische, Offenheit, Schalkheit, Anmut, und hier fühle Klugheit. Und er war fast im Begriff gewesen, ihr sein ganzes volles Herz zu öffnen! Er sprach noch allerlei gleichgiltige Dinge und empfahl sich mit mattem Händedruck Als nicht lange darnach die Frau Rechnungsrätin hereintrat, fand sie Spuren von Tränen in den Augen ihrer Tochter. Aber, Lenchen, was iſt dir?" rief sie betrübt. Ich denke, unser Herr Doktor war hier er ist doch nicht etwa unartig gegen dich gewesen?" Helene schüttelte kräftig den Kopf und versuchte zu lächeln. ,, Dann ist's also richtig wieder der unglückselige Bodungen!" rief die Mutter entsetzt.„ dieser Und Nachdrud verboten.) ich Aermste hoffte, du würdest endlich Vernunft annehmen und unseren lieben Herrn Doktor schätzen lernen statt jenes Unwürdigen!" Mutter," rief Helene heftig, solch ein Wort kann ich nicht dulden! Wenn ich Herbert auf die Dauer nicht genügte, so ist das wahrlich kein Grund, ihn zu schmähen. Ich fürchte, er war nur zu sehr in seinem Recht. Zehnfach aber würde ich ihm erst Recht geben, wenn ich ihm jemals in meinem Herzen die Treue bräche und einen anderen liebte. Und das mußt du doch einsehen, daß gerade dann Herr Doktor Belling selbst mir seine Achtung entziehen müßte; und ohne Achtung keine wahre Liebe." " Das wäre freilich eine verzweifelte Zwickmühle, wenn nur alles so stimmte! Aber unser Herr Doktor ist viel zu verſtändig Mutter, glaubst du, daß er jemals seiner ersten Liebe untreu werden würde? Dann denkst du geringer von ihm als ich, und dann würde ich ihn nicht mehr wahrhaft achten und also auch nicht wahrhaft lieben können. Deine Zwickmühle steht also wirklich von beiden Seiten offen. Uebrigens kann ich dir zu deiner Beruhigung mitteilen, daß Herr Doktor Belling nicht von weitem an uns denkt er ist für uns zu vornehm geworden." ,, Wieso? Was heißt das?" „ Er verkehrt sehr intim, wie mir scheint in der Familie des Herrn Kommerzienrats Gruber." Helene sprach in einem spißen und pikierten Ton, der ihr sonst nicht eigen war. Nu, was ist das denn Großes?" rief die Mutter. ,, Erstens Rat ist Rat, und Kommerzienrat ist nichts Besseres als Rechnungsrat, denn er verdient sein Brot auch bloß mit Rechnen und nichts Besserem, der Unerschied ist bloß, daß der eine für seine eigene Tasche rechnet und der andere für den Staat, und da iſt das letztere doch wirklich viel anständiger. Uebrigens, weißt du, ein Mathematiker hat es im Grunde doch auch nur hauptsächlich mit Rechnen zu tun und könnte ganz gut auf Deutsch Rechnungsrat heißen, und er rechnet auch für den Staat und wahrhaftig nicht für sich, denn sonst würde er natürlich auch die Taschen voll Geld haben wie so ein Herr Kommerzienrat, und also paßt er viel besser zu uns als zu den Grubers die übrigens sehr gute Leute sein mögen," ſetzte sie eifrig hinzu, um ihr Gewissen wegen der Gehässigkeit ihrer Rede zu beruhigen. " In dem einen Punkt hast du recht, Mutter," sagte Helene still, daß wir uns für nichts Schlechteres zu halten brauchen als reiche Leute, aber eben darum und nun gib mir einen Kuß, mein kleines Mutterchen, und laß mich zufrieden mit deinen Hoffnungen und Wünschen, aus denen doch nichts werden kann." Und sie fiel ihr um den Hals und fing dort plößlich laut zu schluchzen an ohne jeden vernünftigen Grund, wie es der Frau Rechnungsrätin scheinen wollte. Das hielt diese jedoch nicht ab, sie zärtlich zu streicheln und nach Kräßen zu trösten. Ungefähr zur gleichen Stunde hatte Fräulein Alma eine lebhafte Unterredung mit ihrem Vater, dem Kommerzienrat essen, weg 83. Ets.f. w. essen, 76. am Plak. erwagen. ftühlen. , Sport: 0 D O 61 Gruber, in dessen Arbeitszimmer. Sie sah etwas über seinem Willen wird er so wenig gefragt, wie Papa und nächtig, aber sehr hübsch aus. Mama." Papa, ich habe eine Bitte," sagte sie gelassen. „ Das brauchst du nicht erst zu sagen, wenn du hierher tommst," entgegnete er noch gelassener. Ist's diesmal ein Kleid oder ein Schmuck?" ,, Keins von beiden." Also etwas noch kostspieligeres, versteht sich." ,, Versteht sich. Ich bitte um ein kleines Fest." „ Was nach dem gestrigen fürchterlichen Ball noch ein Fest? Nein, Almchen, das geht über die Hutschnur." ,, Aber so laß mich doch erst ausreden. Es handelt sich um ein ganz anderes Fest, viel billiger und origineller. Wir brauchen nichts als ein Dußend Schlitten und ein bißchen Proviant, Punsch, Wein und dergleichen für höchstens hundert Menschen, dazu etwas Kostüm, viele Blumen und Grün und sonstige Kleinigkeiten Und wozu diese ganze Kleinigkeit?" " Ich will ein Eisfest veranstalten, kostümiert, mit allerhand Zauber. Denke doch, Papa, ist es nicht eine reizende Idee? Wir kostümieren uns als neapolitanische Lazzaroni und feiern so ein nordisches Eisfest zu Schlittschuh. Ist das nicht großartig?" „ Versteht sich, versteht sich. Die zirka hundert Kostüme kosten auch gar kein Geld. O, versteht sich!" ,, Ach, Papa, das ist furchtbar einfach. Wir setzen bloß phrygische Mützen auf und binden eine rote Schärpe um, das genügt für den Eindruck. Das ist billig zu beschaffen, ich schreibe sofort nach Berlin. Ueberhaupt besorge ich alles, du hast gar keine Umstände davon." Bloß Kosten, versteht sich." ,, Nun ja, aber diesmal lohnt es sich auch. Dies Fest hat seine besonderen Gründe." ,, So? Und welche?" „ Es wird mein Verlobungsfest." ,, Himmlischer Vater! Du willst dich verloben?" rief der Papa, entsegt zurückfahrend. „ Mit Herrn Doktor Belling, zur Zeit Lehrer am hiesigen Gymnasium, fünftig Provinzialschulrat oder vortragender Rat im Ministerium " So? Von deinen Gnaden, versteht sich. Aber das ist ja eine ganz merkwürdige Ueberraschung." Für mich gar keine, Papa." Also du hast schon lange so ein kleines Verhältnis mit diesem Herrn Schulmeister?" ,, Schulmann sagt man, Papa. Und ich habe kein anderes Verhältnis zu ihm, als daß ich ihn zu heiraten wünsche." Die Herren Eltern werden natürlich gar nicht gefragt, o, versteht sich!" " Aber, Papa, ich frage dich doch allermeist." " So, das nennst du fragen? Auch gut! Und die Mama, was sagt die dazu?" Die ärgert sich, natürlich. Aber das ist gerade mein Hauptspaß dabei und deiner doch sicher auch. Das heißt, heiraten würde ich ihn, auch wenn sie sich nicht ärgerte. Aber sie findet natürlich, es sei keine passende Partie für mich." Offen gestanden, liebes Kind, das finde ich auch. Allen Respekt vor dem Herrn, aber ich hätte wirklich nicht gedacht, daß du, gerade du dir einen gewöhnlichen Schullehrer aussuchen würdest Schulmann, Papa! Außerdem einen ungewöhnlichen! Und dann was bildest du dir eigentlich ein? Was bist du denn Großes? Du hast doch wahrhaftig nichts als dein bißchen Geld, das du mühselig zusammengescharrt. Wenn du das nicht hättest, wärest du nicht mehr als der Krämer am Markt oder dein Buchhalter. Welcher Offizier würde dann mit dir verkehren? Ich zum Beispiel schon gar nicht. Und auch kein einziger Schulmann. Ein Schulmann aber berkehrt mit uns und sonst mit der guten Gesellschaft, auch wenn er gar kein Geld hat. Folglich ist er in Wahrheit viel mehr als du, und wenn er erst obendrein reich ist, braucht er dich eigentlich gar nicht mehr anzusehen." „ Ein netter Schwiegersohn, den du mir in Aussicht stellst. Der Hochmut scheint ihn allerdings schon so ein wenig zu plagen." Das gefällt mir gerade an ihm, daß er so ist. Ich jage dir, er ist furchtbar forsch, Papa." Das fürchte sch. Aber noch eins, mein Töchterchen: hat er sich dir denn schon erklärt?" „ Nein, das soll er ja eben auf dem Gisfest tun." " So? Also er soll? Versteht sich, o, versteht sich! Nach Na, aber er muß doch fragen und nicht ich. Und das wird er schon tun, sei ganz ruhig. Man muß ihm nur eine richtige Gelegenheit geben. Und die findet sich gerade auf dem Eise famos. Daß ich ihn haben will, muß er gestern schon gemerkt haben=" Und daß er da sogleich zugreift, ist ja selbstverständlich." ,, Ach, tue doch nicht so, Papa! Daß ich eine gute Partie bin, weißt du doch auch." Ich denke wohl, daß ich es allenfalls wissen könnte." ,, Und er ist schließlich nur ein einfacher Schulmann Na, weißt du, viel Rogik scheint er dir mit seiner Mathematik aber nicht gerade beigebracht zu haben da ist Fräulein Leinemann gründlich auf den Holzweg geraten." ,, Ach, zum Heiraten braucht man auch gar keine Logik! Und übrigens laß mich nur ausreden. Daß er mich nämlich gern hat, weiß ich aucho, du glaubst nicht, was er gestern für ein entzückendes Gesicht gemacht hat! Ich kann dir sagen: Der nimmt mich!" Der Kommerzienrat strich sich nachdenklich das Kinn. ,, Hm, hm," brummte er, ich dachte eigentlich, der Bodungen weißt du, der hätte eigentlich viel besser für dich gepaßt. Eine leichtsinnige Fliege ist er zwar, und seine Majorsschulden wird er lange voll haben, indessen-" " Ich mache mir aber nicht viel aus ihm. Er ist so zudringlich." " Das finde ich in solchen Fällen der Situation nur angemessen." Ich finde aber Herrn Doktor Bellings Manier viel vornehmer. Na, kurzum, Papa, ich schwöre dir, ich heirate ihn, und wenn du dich auf den Kopf stellst." „ Das werde ich bleiben lassen. Mir kann es ja übrigens ganz recht sein, wenn ich keine Schulden zu bezahlen brauche. Wie du aber mit Mama fertig werden willst nun, das ist deine Sache. Verlange von mir nur nicht, daß ich mich da weiter hineinmische etwa gegen Mamas Wunsch- ,, Aber, Papa, wie könnte ich so pietätlos sein! Verlaß dich ganz auf mich. Ich mache alles. Also das Fest ist bewilligt?" Meinethalben, meinethalben. Was hilft es mir auch, wenn ich es nicht bewillige? Dann wird ja erst recht veranstaltet, und ich ersticke nachher in Rechnungen. So habe ich wenigstens noch eine leise Hoffnung, daß diese Laune von selbst wieder verraucht." Reine Illusionen, Papa!" rief Fräulein Alma und verschwand. Eine Stunde später wurden die Einladungen versandt. Der Tag dieses großen Festes war gekommen. Strahlend, wolfenlos, in milder Kälte stieg er empor. Als Gotthold in die blikende Winterherrlichkeit hinausschaute, überfam ihn die feierlich wonnevolle Stimmung, mit der er als Kind in den Weihnachtstag hineingeschritten war, jene Stimmung, die mitten in der Hoffnung auf hundert köstliche Dinge sich halb in ein heimliches Bagen vor dem Glück verliert, als ob es ganz unglaublich sei, daß das erträumte Glück troz seiner sicheren Nähe wirklich werden könne. Als die Stunde des Aufbruchs herankam, ward sein Be nehmen so sonderbar, seine Bewegungen so unruhig und hastig, daß Molly aufmerksam wurde, in eine wachsende Aufregung geriet und zuletzt in ein klägliches Winseln ausbrach. Sein Herr nahm das kleine Ungeheuer auf den Arm und streichelte es mit besonderer Rührung; er kam sich vor wie ein Vater, der seinem Kinde eine Stiefmutter zu geben im Begriff steht. Als er ging, übergab er den Hund Helene mit der Bitte, ihn zu versorgen und festzuhalten, da seine Begleitung auf dem Eise unbequem sei. Alma hatte ihm neulich verraten, daß sie das Tier abscheulich finde. „ Glückliche Fahrt!" sagte Helene zum Abschied mit einem sonderbaren Blick, dessen Bedeutung ihm nicht klar ward, obgleich er ihn bis an sein Ziel verfolgte. Es hatte eine große Herzlichkeit darin gelegen ohne Zweifel; aber noch mehr: war er nicht ein wenig scheu, ein wenig besorgt, ein wenig traurig gewesen? Wenn er sich zu einer Nordpolfahrt aufgemacht hätte, wäre das ganz begreiflich. Aber so? Doch dies Mädchen war ihm ja lange schon unverständlich geworden. ( Fortsetzung folgt.)] Die Niederlage des Kapitäns. Rennplaz- Episode von James Frank. ( Nachdruck verboten.)) Ich soll Ihnen das merkwürdigste Erlebnis aus meiner Laufbahn erzählen? So' was pflegt leichter gefragt als gesagt zu sein, zum Glück aber befinde ich mich in der angenehmen Lage, Ihnen das erzählen zu können, ohne daß ich mein Gedächtnis allzusehr anzustrengen brauche." Die Gelegenheit eines zufälligen Zusammentreffens mit dem alten Joe Garner hatte ich benutzt, um mir von ihm eine seiner immer interessanten Geschichten vom Rennplatz erzählen zu lassen. Früher war Joe einer der berühmtesten Steeplechase- Reiter gewesen, hatte aber schon lange diesen Beruf mit dem ebenso lukrativen, aber viel ungefährlicheren eines Trainers vertauscht. „ Es war eine ganze Reihe von Jahren vor Ihrer Zeit, Herr Doktor," begann er, in jenen Tagen- eigentlich dürft' ich das nicht selber sagen- als ich für den besten Jockey des ganzen Landes galt. Es muß wohl so gewesen sein, denn von weit und breit kamen sie zu mir und baten mich zu reiten, als wenn nur ich und keiner sonst das Rennen machen könnte. Gar mancher von euch Zeitungsmenschen hat damals geschrieben, daß, wenn ich im Sattel fäße, das gleichbedeutend sei, als wenn der Gaul eine Avance von Sieben Pfund hätte. Ich hatte also damals viele Besucher und ich war daher auch gar nicht überrascht, als eines Abends, als ich in meinem gemütlichen Zimmer in Epson saß, mir das Mädchen meldete, daß mich jemand zu sprechen wünschte. Als ich aber in meinem Besucher eine Dame erkannte, war ich doch erstaunt, denn für gewöhnlich pflegte ich Damen nicht zu meinen Kunden zu zählen und ich konnte mir nicht denken, was die wohl zu mir geführt hatte. Sie war verschleiert, aber so viel konnte ich doch sehen, daß ich ein solch schönes Weib noch nie vor mir gehabt hatte. Als sie dann aber ihren Schleier lüftete und ich an ihren Augen sehen konnte, daß sie geweint hatte, da- Sie können mir's glauben, Herr Doktor, sie hätte mich bitten mögen um alles, das sie wollte ich hätte ihr nichts abschlagen können. Brockenweise kam sie mit ihrer Geschichte heraus, und recht traurig war das, was sie erzählte. Sie war die Tochter des Barons Brownthone auf Schloß Brownthone in Worcestershire, eines Herrn, den ich dem Namen nach wohl kannte, da er auch Pferde laufen ließ. Vor einem Jahre etwa hatte der Baron einen gewissen Kapitän Dauglish, einen berühmten Sportsmen, kennen gelernt und diese Bekanntschaft hatte sich zu einer Freundschaft entwickelt. Beide Herren waren auch in geschäftliche Beziehungen zu einander getreten. Wie die sich für den Kapitän erwiesen, weiß ich nicht, für den Baron waren sie aber sehr verhängnisvoll, und es dauerte gar nicht lange und Kapitän Dauglish hatte eine Pfandverschreibung in Händen, die sich über Schloß und Gut Brownthone erstreckte. Die Verschreibung war vor acht Tagen fällig geworden und der Kapitän hatte sich bereit erklärt, sie auf vier bis sechs Wochen zu prolongieren, falls ihm der Baron seine Tochter zur Frau geben wollte. Die junge Dame konnte aber, wie sie mir unter Tränen erzählte, den Kapitän nicht leiden, und sie erzählte, daß sie unter keinen Umständen sein Weib werden würde. Um dem Baron Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, muß ich aber bemerken, daß er keinerlei Versuch machte, seine Tochter zu zwingen. Wie aber der Ertrinkende nach dem Strohhalme greift, so kämpfte auch er auf das Verzweifelste, um die Familienehre zu wahren. Er besaß ein Pferd Aurora, daß er für das Handicap Steeplechase zu Enville gemeldet hatte, und da gerade bei diesem Rennen immer sehr viel gewettet wurde, war es ihm unmöglich gewesen, auf diesen Gaul eine Summe zu setzen, die groß genug gewesen wäre, die Forderung des Kapitäns zu begleichen, falls der Gaul den Sieg davontrug. Während des Trainierens hatte sich Aurora so gut gezeigt, daß ihr Sieg bereits als„ totsichere" Sache galt, dann aber wollte man plößlich von gewisser Seite Nachteiliges über den Gaul erfahren haben und er war in der öffentlichen Meinung sehr gesunken. Daß etwas im Gange war, den Sieg Auroras zu verhindern, davon war das Fräulein, wie sie versicherte, überzeugt, und ihr Besuch bei mir hatte den Zweck, mich zu bewegen, nach Brownthone zu fahren, die erwähnten Machen schaften zu durchkreuzen und vor allem Aurora zu reiten, denn, meinte sie händeringend, wenn Aurora nicht gewänne wären sie und ihr Vater, den sie so sehr liebte, ruiniert. Was kann ein Mann solch schönen blauen Augen gegen. über, die bittend auf ihn gerichtet sind, wohl tun? Ich hieß sie guten Mutes sein, versprach ihr anfangs nächster Woch nach Brownthone zu kommen und alles zu tun, was in meinen Kräften ſtand, um Aurora zum Siege zu steuern. Als das Fräulein sich verabschiedet hatte, nahm ich meinen Rennkalender vor und ſah nach, was für Meldungen für das Enviller Handicap Steeplechase gemacht waren. Viel Gescheutes war nicht darunter, und wenn die Aurora wirklich so gut war, wie sie Fräulein Brownthone geschildert hatte, hatte sie allerdings gute Chancen. Schon wollte ich das Buch wieder fortlegen, als ein Name am Schluß der Seite mein Interesse erregte, Mr. Lucrafts Painkiller. Wo war ich dem Namen doch vorher schon begegnet? Ach ja, in Irland war es. Aber es war nicht anzunehmen, daß dieser Paikiller dasselbe Tier war- wenn aber doch, so war es mit Baron Brownthones Siegeshoffnungen vorbei, denn Painkiller war ein Steepler, mit dem es wohl kein Zweiter aufnahm. Als ich mir die Sache durch den Kopf gehen ließ, fürchtete ich, daß ich mehr versprochen hätte, als ich halten konnte. ich bereits einem meiner besten Kunden, dem Colonel DanFür den dreizehnten der Tage der Enviller Steeplechase hatte gersfield, zugesagt, für ihn ein Rennen zu reiten, das in einer ganz anderen Gegend gelaufen wurde. Schließlich hielt ich es für das Ratſamſte, den Colonel zu besuchen, ihm die ganze Geschichte zu erzählen und ihn zu fragen, ob er mich von meiner Zusage entbinden wollte. Grobheit gefürchtete Oberst an, und wenn Sie mit der Scheren Sie sich zum Teufel," fuhr mich der wegen seiner Aurora nicht das Rennen machen, dann lassen Sie Ihr verdammtes Gesicht nicht wieder hier sehen." In der Frühe des nächsten Montags reiste ich nach Schloß Brownthone, wo mich der Baron und seine Tochter mit offenen Armen empfingen. Ich wollte im Dorfwirtshause absteigen, das gaben sie aber nicht zu und stellten mir das ganze Schloß zur Verfügung. Ich kann wohl sagen, daß ich während meines dortigen Aufenthaltes wie ein Fürst aufgenommen wurde. Das Erste, was ich tat, war, daß ich mir das Tier, das ich reiten sollte, ansah. Aurora machte ja einen recht guten Eindruck, aber sie war nicht ganz Vollblut, und wenn sie ja auch für die Gesellschaft, die sie bei dem Rennen finden würde, passen mochte, so war sie doch nicht der Flieger, für den sie in Fräulein Brownthones Augen galt. Noch mehr begierig aber war ich, Painkiller zu sehen, und es war mir lieb, zu hören, daß er während der letzten Monate in der Nachbarschaft trainiert wurde. Leicht war's ja nicht, an ihn heranzukommen. In dem Augenblick aber, in dem ich ihn sah, erkannte ich auch in ihm den kleinen Schimmel, der mich so oft in Irland getragen hatte. Ich entdeckte auch, daß Kapitän Dauglish ein Interesse an ihm hatte. Von meiner Entdeckung sagte ich jedoch nichts dem Baron oder seiner Tochter. Ich wollte ihnen nicht Angst machen und überließ es lieber dem Zufall, ob ich nicht Painkiller auf irgend eine Weise los werden könnte. Denn daß er Aurora mit leichter Mühe schlagen müßte, wenn alles fair ginge, davon war ich überzeugt. Ueber die Tage vor dem Rennen kann ich hinweggehen, ich fand, daß Auroras Leistungen, namentlich was Springen anbetraf, ihr Aeußeres nicht Lügen straften, und jemehr ich im Stalle heimisch wurde, desto lieber gewann ich den Gaul. Acht Pferde sollten laufen und ich war ebenso sehr wie alle Zuschauer überrascht, als kurz vor Beginn des Rennens bekannt wurde, daß Kapitän Dauglish Painkiller reiten würde. Gleich zu anfang des Rennens stürzten zwei, und als wir die Mitte des Weges waren, waren nur noch vier von uns übrig, ein großer Brauner, der ein paar Längen voran war, dann kam ich als Zweiter, direkt hinter mir Painkiller und Farmer Browns als Rosinante Matilda machte den Schluß. Sie keuchte wie eine Maschine und ein Wunder war es, daß sie sich überhaupt noch auf den Beinen halten konnte. Beim Wassergraven kam der große Braune zu Sturze, und kaum war ich glücklich darüber weg, als ich mich nach Painkiller umsah. Der kleine Schimmel hatte alle Hindernisse mit einer Leichtigkeit genommen, wie das eben nur Irländer tun können, und ich sah auch, daß der Kapitän so ruhig in seinem Sattel saß, als wenn er sich zu Hause auf seinem Lehnstuhl befunden hätte. F061