Nr. 130 annementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Bfg., Saus gebracht 60 Pfg., durch die Doft bezogen viertelfährlich Mr. 1.50. Beatt@ betlagen: Oberhefftfche Familienzeitung( täglich) und die Gießener Geifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Montag, den 6. Juni 1904. Gießener 13 1 Jusertionspreis: Die einspaltige Petitzeile fu. heffen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfa ionit 1 Reklamen die Petitzeile 30 refp. 40 Pfg. Boftzeitungslifte No. 3269. Rebattion und Expedition: Gießen, Seltersweg 88, Fernsprechanschluß Nr. 362. Neueste Nachrichten ( Gießener Tageblaff) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weylar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Das Frauenftimmrecht. CB. Als Einleitung des am 13. Juni zusammentretenden Internationalen Frauenkongresses fand in Berlin eine internationale Frauenstimmrechts- Konferenz" statt. Ihre Ziele gehen dahin, die Mittel der konstitutionellen Verfassung zu einer Erweiterung des Frauenstimmrechts zu benußen, d. H. mit anderen Worten, in den Parlamenten der Kulturstaaten sollen die einzelnen Parteien für die Frage der Zulassung der Frauen zum aktiven und passiven Wahlrecht gewonnen werden. Tatsächlich ist auch im englischen und norwegischen Bar lament die Zahl der Anhänger dieser Forderung im Wachsen und sogar in der Mehrheit. In mehreren Staaten Amerikas und zwar vorzugsweise im Norden, wo der Bestand an Frauen ein relativ geringer ist, wurde das Frauenstimmrecht bereits eingeführt, ebenso in Australien. Gleichzeitig aber regt sich gerade in diesen Ländern, Widerspruch in der Frauenwelt selbst gegen eine durchgreijende Erweiterung dieses Rechts, weil die grundsätzliche Zulassung der Frauen zur politischen Tätigkeit unbedingt zur Auflösung des Familienlebens führen muß und daher die Frauenwelt unserer Zeit nicht in eine bessere Position bringt, sondern ihre ganzen Daseinsbedingungen verschlechtert. Die Frau ist nun einmal nicht von der Natur in der gleichen Weise wie der Mann mit den Mitteln zum Kampf ums Dasein ausgerüstet worden. Ihr Gemütsleven ist dafür zu weich und auch die physischen Eigenschaften sind anders, als bein Manne. Selbst, wenn viele Frauen vollständig gleichwertig neben dem Manne im Kampfe ums Dasein stehen, so verharrt doch die Mehrzahl bei dem Ziele, ihr Leben im Familien dasein auszuleben, wo die Frau auch am Werke der Kultur, weil ihr die heranwachsende Generation vollständig anvertraut ist, mehr mitarbeiten kann, als wenn sie frei in ihren Rechten, aber auch ihrer Vorrechte beraubt, in den Kampf ums Dasein gestellt wird. Die Ausdehnung der Frauenrechte auf das politische Gebiet ist entschieden eine Verirrung, dagegen werden alle jene Bestrebungen, die den Frauen den Karnpf ums Dasein erleichtern wollen, und deshalb ihre Rechte im Wirtschaftsleben zu erweitern suchen, ihr auch bessere Gelegenheit zur Bereicherung ihrer Kenntnisse verschaffen und neue Erwerbsquellen erschließen wollen, die ungeteilte Sympathie der Deffentlichkeit und der Regierungen finden. Mit dem Verlangen der politischen Gleichberechtigung mit dem Manne rüttelt die Frau an den Grundvesten des Staates, der auf dem Familienleben aufgebaut ist, wo der Mann, ebenso wie im heutigen Staate, die Oberhand hat. Die Anregung zu der Berliner Versammlung ist von Amerika ausgegangen, aber man hat die alte Welt als Mittelpunkt dieses Kongresses wählen müssen, weil nur von dort aus die Impulse Verwirklichung finden können. Die konjituierende Versammlung fand unter dem Vorsitz einer Englinderin statt, während die Verhandlungen von der bekannten deutschen Frauenrechtlerin, Dr. Anita Augspurg geleitet murden. Die Beteiligung war eine äußerst lebhafte, mer aber vielleicht erwartet hat, daß in der Versammlung das unmeibliche Element besonders hervortreten werde, wird sich von dem Gegenteil überzeugt haben. Die Stimmung war, wie in jeder Frauenversammlung, leicht erregbar und auch bei kleinen Anlässen zu lebhaften Sundgebungen geneigt. So wurde unter anderem die feierliche Ueberreichung eines filbernen Hammers durch die amerikanische Delegierte Fräulein Catt, worin das Symbol der Arbeit enthalten sein soll, mit lautem Händeklatschen und Bravorufen aufgenommen. Hernerhin kam es noch zu etwas tragikomischen Zwischenfällen, als die holländische Delegierte Dr. Alette Tacobs auf eine reine Scheidung der Elemente drang und das Verlangen stellte, die anwesenden männlichen Vertreter der Presse sollten aus dem Saale gewiesen werden. So radikal, wie diese leidenschaftliche Niederländerin, waren indes die an= deren Damen doch nicht; insbesondere Dr. Augspurg vertrat den Standpunkt, daß die Männer nun doch einmal ein notbendiges Uebel auf Erden seien, und nahm deshalb die angefeindeten Vertreter des anderen Geschlechts- bildlich genommen natürlich unter ihre schützenden Fittiche. In der tonstituierenden Versammlung wurden die sämtlichen Paragraphen einmütig angenommen. Bei der späteren Beratung aber ergaben sich einige große und, wie uns scheint, sehr bielsagende Schwierigkeiten. Es handelte sich nämlich um die Aufbringung der Mittel für die dauernde Unterhaltung dieses internationalen Verbandes. Es sollen in ganzen 500 Dollar denn der Kongreß ist amerikanischen Ursprungs, und deshalb wird auch mit amerikanischem Gelde gerechnet- aufgebracht werden und zwar nach einem im Verhältnis der Mitgliederzahl abgestuften Umlegeverfahren für die einzelnen Bereine und Verbände. Die Amerikaner- pardon- Amerifanerinnen waren hierzu bereit und in der Lage, die Damen der alten Welt aber erklärten sich teilweise mit einem so leboften Temperament gegen diesen Vorschlag, daß die Verhandlung in einzelnen Fällen, namentlich bei dem bunten prachengemisch, an den Turmbau zu Babel erinnerte. Das Symbol der Arbeit", der silberne Hammer, der die Rolle der Präsidentenglocke spielte, mußte, um Ruhe zu schaffen, sehr Eufig in Bewegung gesezt werden. Aus der vorstehenden Schilderung ergibt sich bereits, daß de internationale Versammlung zwar eine glänzende Eintagsleistung ist, auf welche die Führerinnen der FrauenBergung mit Recht stolz sein können, daß aber wenig Ausjiten vorhanden sind, eine internationale Bewegung von glcimäßiger Stärke fortdauernd im Fluß zu halten. Neue Scharmützel mit den Herero jaben no westlich von ver yauptstellung der Herero ereigner. Eine hier eingetroffene Nachricht des Gouverneurs Leutwein besagt über diese Plänkeleien: Bei Oko wakuatjimi sowie Outjo sind in den letten Togen kleine Zusammenstöße mit einzelnen Hererobanden vorgekommen. Die Heliographenverbindung Omaruru Dulje ist wiederhergestellt. Bei Outjo ist der Seesoldat Friede der 3. Kompagnie des Secbataillons am 31. Mai gefallen. Die Herero sind nach Osten zurückgeworfen. In diesen Scharmützeln dürften Mannschaften der Kolonne Zülow engagiert gewesen sein, vielleicht auch Mannschaften der südlich von Skowakuatjimi liegenden Kompagnie Franke. Sonst ist an neueren Nachrichten noch zu melden die Verabschiedung des nächsten Artillerietransports durch das Kaiserpaar. Die für Südwestafrika bestimmte 1. reitende Feldbatterie stand am Morgen des 4. Juni auf dem Bornstedter Felde. Das Kaiserpaar erschien mit großer Suite, und der Kaiser besichtigte die Truppe aufs eingehendste. Dann hielt er eine Ansprache an die Truppen. U. a. sagte der Monarch: Er habe sie vor ihrer Abreise noch einmal begrüßen wollen. Sie möchten der Truppe, aus der sie hervorgegangen seien, Ehre machen und eingedenk sein, daß sie ins Feld zichen, um das Blut ihrer Brüder zurächen. Sie sollten nicht vergessen, daß sie die im Felde stehende Infanterie zu unterſtüßen und daß sie mit einem tapferen, um sichtigen, energischen und schlauen eind zu tun hätten. Dann fand ein Parademarsch statt. Sonst sind besondere Neuigkeiten in der südwestafrikanischen Angelegenheit vorderhand nicht zu berichten. Erwähnt fei noch, daß die von den deutschen Ansiedlern in DeutschSüdwestafrika nach Deutschland gesandte Ansiedlerabordnung am 10. d. M. in Berlin eintrifft, um mit den maßgebenden Kreisen unmittelbar Fühlung zu nehmen. Die Abordnung bringt eine Denkschrift über die Ursachen des Herero- Aufstandes und die Entschädigungsansprüche der Ansiedler, die die Reichsregierung und den Reichstag zu einer Nachprüfung der durch den Aufstand geschaffenen Verhältnisse bewegen soll. Sehr interessant sind die Feldzugsbriefe, die der vor dem Feinde gefallene Frhr. Burkard v. Erffa an seine Angehörigen gesandt hat. Wir entnehmen einem der Briefe eine Stelle über die Grausamkeit der Herero. Frhr. v. Erffa schreibt:„ Wir können kaum durch Patrouillen aufklären lassen; denn wird von einer solchen ein Mann angeschossen und muß soll nicht die ganze Batrouille verloren sein zurückgelassen werden, so wird er von den Hereromeibern auf die scheußlichste, gemeinste Weise zu Tode gefoltert. Vielleicht findet Ihr meine Denkweise über unseren Feind roh" der Briefschreiber hatte vorher mit vollen Recht bemerkt, daß jeder edle Tropfen Bluts eines Weißen zu schade sei für die schwarzen Teufel ..aber Ihr habt nicht gesehen, was ich gesehen, und wenn man tagelang die zerstückelten Leichen von Männern und Frauen auf den Wegen und in den verkohlten Häusern zusammengelesen hat, dann frißt sich ein böser Haß in das Herz!"- Auch einem schweren Verdacht gibt der junge Offizier Ausdruck. Er findet, der Aufstand sei zu planmäßig ausgeführt, die Zerstörung von Bahn und Telegraph zu prompt erfolgt und der Augenblick zu vortrefflich gewählt, als daß die Herero ohne meißen Rat sein könnten. Er deutet auch auf die Stelle hin, wo er ihn sucht: Er sieht die Anstifter des Aufstandes in den Reihen unserer lieben englischen Vettern, insbesondere der englischen Händler. Bekanntlich haben die Herero auch alle Engländer geschont. Der Krieg in Oftafien. Die Berichterstattung über die Vorgänge auf dem Kriegsschauplay ist wieder einmal auf einem toten Punkt angelangt. Doch wäre es verkehrt, daraus auf einen Stillstand der Operationen zu schließen. Daß keine Nachrichten hierher geTangen, liegt nur an der ungemein strengen Zensur, die gerade in diesen Tagen, wo der entscheidende Aufmarsch der beiderseitigen Truppen sich sowohl bei Port Arthur wie aus der Linie Fönghwanghtscheng- Liautschang vollzieht, wohl noch rigoroser als sonst gehandhabt werden wird. Marquis Yamagata japanischer Oberbefehlshaber. Feldmarschall Marauis Mamagata ist, wie verlautet, aum bei befehlshaber der japanischen Streitkräfte im Felde er: nannt worden. Man nimmt an, daß er binnen furzem nad der Liantunghalbinsel abgehen wird, um den letzten Sturmangriff auf Port Arthur zu leiten. Die Bewegungen der Kuropatkinschen Armee bilden immer noch den Gegenstand lebhafter Erörterung in der Petersburger Presse. Doch tritt jetzt ein merkwürdiger Gegensatz in der Beurteilung der Absichten des russischen Oberbeschlshabers zu Tage. Während zuerst behauptet wurde, daß er eine starke Offensivbewegung nach Süden eingeleitet habe, um Port Arthur zu entsetzen, werden jetzi Hmmmen laut, die von einer Rückwärtskonzentrierung der Kuropatkinschen Truppen wissen wollen. Man schließt dies daraus, daß seit verschiedenen Tagen auf 4000 Karren Mu nition aus Liautschang nach Mufden zurückgeschickt worden sei. Andere Meldungen halten dagegen die Nachricht von cinein Vorstoß gegen Port Arthur aufrecht, wenn auch in ab geschwächter Form. Zwei russische Divisionen unter General Stafelberg seien bei Kaiping fonzentriert, ferner eine Kaval lericbrigade unter Oberst Geschenfo. Sie hätten den Befehl, die Bahn zu decken und durch Reiterabteilungen die Verbin dungen und den Rücken der Armee des Generals Oku anzu greifen. Hierdurch sollen die Japaner gezwungen werden, einen Teil der für die Belagerung von Port Artur bestimm ten Streitkräfte zu detachieren. Die Politik. A In Eisenach wurde eine Konferenz von Vertretern der mitteldeutschen Staaten veranstaltet, die über die schwebenden Verhandlungen mit Preußen wegen Herstellung einer Lotterie- Intereffen- Gemeinschaft beriet. Halbamtlich wird mitgeteilt, daß unter den Beteiligten eine vollständige Uebereinstimmung erzielt wurde. Aus diesem Anlaß werden einzelne Daten über die preußische Lotterie interessieren. Diese bringt dem Staat zur Zeit etwa 9 Millionen Mark ein. As indirekte Einnahme aus dein 20 Broz. betragenden ReichsLotterieſtempel entfielen auf den Antei! Preußens in den lekten Jahren je einige 20 Millionen, so daß die jährliche Gesamt- Einnahme mehr als 30 Millionen betrug. Gegenüber dem geplanten neuen preußischen Lotterie Gesetz wird soeben darauf aufmerksam gemacht, daß die Absicht, durch dieses Gesetz die außerpreußischen Lose auszuschließen, sich nicht realisieren werde, denn die Versendung übernehmen nunmehr Lotteriekollekteure aus dem Ausland. Durch das in Aussicht genommene Gesez würde man darum nur die reichsangehörigen Kollekteure der verschiedenen Bundesstaaten treffen, während die ausländischen Kollekteure das Geschäft an sich reißen würden, ohne einer Bestrafung ausgesetzt zu sein. Dazu kommt, daß, falls der Gesetzentwurf durchgehen sollte, dem Reichsfiskus voraussichtlich ein nicht unerheblicher Schaden zugefügt werden wird, da der Postfiskus durch die mit dem Lotteriegeschäft verbundenen Postsendungen zwischen 20 bis 30 Millionen Einnahmen pro Jahr verlieren würde. Durch diese Mindereinnahme würde Preußen natürlich am stärksten mit betroffen. Man sieht, daß die neue Geseẞesvorlage so viele Mängel enthält, daß schon im preußischen Finanzinteresse deren Zurückstellung, bis die Verhandlungen über die Lotteriegemeinschaft beendet sind, dringend geboten scheint. Gegenüber der irrtümlich als inspiriert betrachteten Nachricht eines Brüsseler Blattes, die deutsch- belgischen Han delsvertragsverhandlungen seien unverrichteter Sache abgebrochen worden, und an ihre Wiederaufnahme sei nich! zu denken, hört unser Berliner CB.- Mitarbeiter aus absolul berläßlicher Quelle: Die Verhandlungen über den deutsch belgischen Handelsvertrag haben ein befriedigendes Ergebnis gehabt; und der Vertrag selbst ist am 4. Juni von den beider. seitigen bevollmächtigten Unterhändlern unterzeichnet worden Italien. Aus dem Vatikan kommt eine überraschende Meldung Mit Rücksicht auf die zurzeit herrschende ungünstige Lage der katholischen Kirche hat der Papst, so wird berichtet, das sonst immer im Juni stattfindende Konsistorium auf unbe stimmte Zeit verschoben. Wahrscheinlich will Papst Pius die übliche Ansprache an das Konsistorium umgehen, in der er des Konflikts mit Frankreich gedenken müßte, was ihm offenbar in dem gegenwärtigen Moment nicht opportun erscheint. frankreich. Frankreich arbeitet mit Hochdruc an der Vervollstän digung und Verstärkung seiner Flottenrüstung. Das französische Marincbudget für 1905 verlangt nicht weniger als 318 Millionen Francs. Dabei sind aber die verschiedener Anhänge, wie besonders der über die Schiffsneubau. ten noch nicht gerechnet. Die diesjährige Forderung über steigt alle bisherigen Marinejahresforderungen für Frank. reich. Russland. O Neuerdings verlautet in Petersburger Hofkreisen, Fürst Dolgorufi, der den Graf Lambsdorff überfallen hatte habe nicht auf eigene Faust, sondern als Werkzeug anderer nämlich der politischen Gegner des Ministers, gehandelt, un eine Kanzlerkrise herbeizuführen. Der Zar soll mit Lambs dorffs Politik, die er ohnehin nur widerstrebend mitmacht tatsächlich sehr unzufrieden sein. afrikanischen Jägerleben. Allerlei Heiteres aus dem verknagt hat, wird er mit dem eingerieben. rieb mir nun auch mir trug, das Gebeute aus ende ein, die Moskitos verboll eingepackt. Mir hatte Ich fie zur Reise auch' n paar Fotchen läschchen, das ich bei einem fort. täubt, Schon nach den ersten Bügen werden sie förmlich be Sie bleiben die Mosfitos femm fazer porn piim aschisch oder Opiumrauchen. dann ganz still, fröhnen ihrer Leidenschaft und uns Hof und Gesellschaft. In die frohen Vorbereitungen zur Gmundene Fürstenhochzeit ist durch den Tod der Prinzessin Marie von Hannover ein düsterer Schatten gefallen Prinzessin Marie, die Tante der Braut, verstarb im Alte gon kaum 55 Jahren an einer Blinddarmentzündung, nach dem sie kurz vorher operiert worden war. Sie ist die Tochter de verstorbenen Königs Georg V. von Hannover und seine Gemahlin Marie, die in Gmunden residiert. Sie selbs war imvermählt geblieben. Der Tag der Vermählung der Prinzessin Alexandra von Cumberland mit dem Großherzog aon Mecklenburg wird nicht verschoben, jedoch sind di Illumination und der Fackelzug abgesagt und die Entfernung des Fabuenschmuds angeordnet worden, während die Aus fdmuchung beftehen bleibt. Aus den Parlamenten. * Die am 7. d. Mts. wieder beginnende Tagung des Reichstags wird nicht von langer Dauer sein. In Albgeordnetenkreisen nimmt man an, daß spätestens am 1. Juli die Session vertagt werden wird, und zwar bis zum Oktober. Auch der preußische Landtag wird seine Sitzungen nicht über den 1. Juli hinaus ausdehnen. Das Abgeord= netenhaus wird zunächst am Dienstag und Mittwoch Plenarsizungen abhalten. Am Mittwoch soll das Gesetz über den Kontraktbruch ländlicher Arbeiter auf die Tagesordnung kommen, Donnerstag und Freitag sollen für die Beratung der Kanalkommission und der übrigen Kommissionen frei bleiben. Das Herrenhaus tritt am 27. d. Mts. zu furzer Tagung zusammen. Aus dem Gerichtssaal. Die Logiskosten und die Kosten für seine Ueberwachung wolle er gern bezahlen. Der Fremde wurde daraufhin im Meißnerschen Gasthofe unter Bewachung untergebracht und am nächsten Tage nach Seelow transportiert, wo man ihm im Gerichtsgefängnis ein stilles Plätzchen anwies. § Anonyme Briefe an den Kaiser und den Kronprinzen bildeten den Anlaß zu einer Verhandlung vor dem Kriegsgericht der ersten Garde- Infanterie- Division, die feststellen sollte, ob ein bisher unbescholtener Mann durch drei Instanzen hindurch unschuldig verurteilt ist oder nicht. Am 29. Oftober 1903 wurde der Füsilier Ferdinand Nahm von der 8. Kompagnie des Garde- Füsilier- Regiments wegen einfachen Diebstahls, begangen zum Nachteil eines Kameraden, von dem Kriegsgericht der ersten Garde- Infanterie- Division zu vier Wochen strengem Arrest und Verseßung in die zweite Klasse des Soldatenstandes verurteilt. N. sollte dem ebenfalls auf der Stube 23 liegenden Füsilier Pieckenhagen in der Nacht vom 20. zum 21. September 1903 das unter dem Kopffissen liegende Portemonnaie mit 9 Mark Inhalt gestohlen haben. N. verbüßte, nachdem in den höheren Instanzen das Urteil bestätigt war, die vier Wochen strengen Arrest und wurde, da er in die zweite Klasse des Soldatenstandes versetzt worden war, in die Disziplinar- Abteilung des Gardekorps nach Spandau überführt. Am Anfang April Dieses Jahres erhielten der Kaiser und der Kronprinz anonyme Briefe, die sich mit der Affäre Nahm beschäftigten und ihn als unschuldig hinstellten. Das Militärkabinett sandte diese Schreiben an das Garde- Füsilier- Regiment, und der Hauptmann der 8. Kompagnie, Herr v. Wikleben, ermittelte den Briefschreiber. Es war sein eigener Bursche, der Füsilier Vincenz Kuropka, der sofort verhaftet wurde. Erst am 21. April ließ sich der Inhaftierte der die Untersuchung führenden Kriegsgerichtsrat Dr. Ullmann vorführen und legte vor demselben ein Geständnis ab: Nahm sei unschuldig, er habe den Diebstahl begangen. In der Verhandlung widerrief Kuropka dies Geständnis und behauptete, er habe nur aus Freundschaft für Nahm die Briefe geschrieben. Die Verhandlung fonnte keine Klarheit schaffen, und es wurde deshalb vom Gericht beschlossen, demnächst nachts 2 Uhr unter Anmesenheit des Angeklagten und aller Zeugen einen Lokaltermin abzuhalten. Es soll ermittelt werden, ob bei der zu dieser Zeit herrschenden Dunkelheit die Zeugen überhaupt etwas sehen konnten. Ein Arzt soll sodann den Hauptzeugen Pieckenhagen auf sein Sehvermögen untersuchen. Zu früh explodiert. Als Absender eines Wertpakets, das bei Abstempelung auf dem Postamt zu Odessa explodierte und einen Beamten verletzte, ist ein Beamter des Bessarabischen Landschaftsamtes namens Buchalo festgestellt worden. In dem Paket befand sich Schießbaumwolle, die dem Plane des Absenders gemäß erst im Postwagen explodieren sollte. Der Verbrecher hoffte augenscheinlich, eine Entschädigung in Höhe des Wertes der Sendung, der mit 30 000 Rubel angegeben war, zu erhalten. Ein rätselhaftes Verbrechen beschäftigt die Behörden von Namur. Ein junger Mann namens François Rousseau, der kürzlich dort angekommen war, hatte ein junges Mädchen Maria Sidot als Wirtschafterin gemietet und war mit ihr abgereist. Am Morgen des nächsten Tages fand man den Zeichnam des Mannes an einem Dachbalken auf dem Boden eines Namurer Kaffeehauses vollständig entkleidet auf. Da er am vorigen Abend abgefahren war, muß er in der Nacht vieder nach Namur zurückgekehrt sein. In seiner Rocktasche and die Polizei einen Brief, nach dem das von ihm geDungene Mädchen in einem Getreidefeld zwischen Fosses und Franières ihren Tod gefunden hat. Die gesamte Polizei irbeitet mit fieberhafter Anstrengung, um Licht in das Dunkel zu bringen. § zweimal zum Tode verurteilt. In der Angelegenheit des Lustmörders Teßnow, der seinerzeit vom Schwurgericht in Greifswald zweimal zum Tode verurteilt wurde, wird jezt weiter gemeldet, daß das Verfahren gegen ihm nochmals aufgenommen worden ist. Es werden gegenwärtig aufs neue Gutachten von Sachverständigen eingeholt, um Näheres über den Geisteszustand des Lustmörders festzustellen. Bekanntlich war seinerzeit der Tag der Hinrichtung Teßnows bereits festgesetzt und der Scharfrichter mit seinen Gehilfen in Greifswald eingetroffen, als der Delinquent plötzlich von einer schweren Krankheit befallen wurde, die auf eine geistige Umnachtung schließen ließ. Infolgedessen mußte die Hinrichtung damals unterbleiben. Ob das Wiederaufnahmeverfahren den Kopf des vierfachen Lustmörders retten wird, muß der weiteren Untersuchung vorbehalten bleiben. Nab und Fern. Ein suwerer glücksfall cf einem Dampfer ereignete sich bei Memel. Als de Schlepper„ Roland" eine Anzahl Dorschfischer auf die See begleitete, platzte ihm ein Dampfrohr. Sieben Fischer, welche sich wegen eines aufkommenden Sturmes an Bord des Dampfers begeben hatten, wurden verbrüht. Drei von ihnen wurden getötet, die vier anderen schwer verletzt. Brandkatastrophe. Wie aus Stettin gemeldet wird, wurden in Priemhausen bei Massow durch ein Großfeuer 24 Bauerngehöfte mit 150 Gebäuden eingeäschert. Dabei fam ein 80jähriger Greis in den Flammen um. * Lustmord. Auf dem Gutshof Hagenhof bei Königslutter wurde die elfjährige Tochter der Witwe Bebenrot ermordet im Bette aufgefunden. Der Tod war durch Stiche in den Hals herbeigeführt. Verschiedene Anzeichen deuten darauf hin, daß ein Kampf stattgefunden hat und wahrscheinlich ein Lustmord vorliegt. Wiederverhaftung des fulschen Regierungsbaumeisters. Der falsche Regierungsbaumeister Riet, der in Berlin ver haftet, alsdann aber wieder freigelassen werden muja seine ihm zur Last gelegte Neustrelitzer Straftat inzwischen verjährt war, ist nachträglich doch noch von seinem Schicksal ereilt worden. Er ist jetzt unter dem Verdacht des Meineides wieder verhaftet worden, da er in einem Prozeß, in welchem er als Zeuge vernommen wurde, sein Alter falsch angegeben haben soll. Die Rache des Dienstmädchens. In Krakau wurde die Frau des Professors Bogucki von ihrem Dienstmädchen mit der Art erschlagen, weil sie das Mädchen hatte zwingen lassen, einen Tag länger im Dienst zu bleiben, als dieses beabsichtigte. Ein Rabenvater. Der aus Desterreich gebürtige, 30jährige Graf Eugen Ressegnier de Miromon wurde durch die Polizei in Dresden verhaftet. Der Graf, der seit längerer Zeit in der sächsischen Residenz Aufenthalt genommen hatte, wird beschuldigt, sein vierjähriges außereheliches Töchterchen fortgesetzt derart genuißhandelt zu haben, daß es an den Folgen verstarb. Das unglückliche Kind wurde dieser Lage in schwer frankem Zustande einer chirurgischen Privatklinik in Dresden zugeführt, wo es aber nicht am Leben erhalten werden konnte. Graf Miromon wurde nach einem längeren Verhör gegen eine Kaution von 30 000 Mark wieder in reiheit gesetzt. Durch einen eigenartigen Unfall wurde die Frau eines Bartensteiner Handwerkers gefährlich verletzt. Als sie eine irdene Schüssel mi: eben gefochten Kartoffeln wegen der Hitze etwas heftig auf den Tisch sekte, zersprang die Schüssel, und die Scherben drangen tief in das linke Armgelenk, so daß die Bulsader vollständig durchschnitten wurde. Bis zur Anfunft des Arztes war die Frau bereits dem Verbluten nahe und liegt jetzt schwer frank darnieder. † Immer nobel. Ein unbekannter junger Mann von tadelloser Kleidung und feinen Manieren wurde dieser Tage in Sophienthal bei Letschin im Oderbruch unter dem Verdachte verhaftet, verschiedene Einbruchsdiebstähle am Orte und in der Umgegend verübt zu haben. Als der mutmaßliche Täter vorläufig in das Spritzenhaus der Gemeinde Kienit eingesperrt werden sollte, protestierte er energisch dagegen und verlanate, in einem anständigen Gasthofe zu übernachten. Bunte Chronik. Wie aus Trier gemeldet wird, erstach der 70jährige Mühlenbesizer Storr in Pensweiler seinen 74jährigen Bruder. Lokales. 5. Juni 1904. A Die G effen hat gefter allen Bezirken, bor bburg, Schlip 2c w doie Jünger Jahne ichen Wettfampf Eichenfranz zu hol geftrengte Arbeit zelnen zuzufchreiben vin ländlichen Ber * Die zweite Kammer sollte gegen Mitte dieses Monats zu einer besonderen Tagung für die Beratung der Wahlrechtsvorlage zusammenberufen werden. Da raus wird aber aller Wahrscheinlichkeit nach nichts, denn 21 Abgeordnete vom Lande haben sich an den Präsidenten mit dem Ersuchen gewandt, die Beratung der Wahl. rechtsvorlage aus schwerwiegenden Gründen night im Monat Juni, sondern im Herbste 1. Js. erfolgen zu lassen. Begründend wird ausgeführt, die Wahlrechtsvorlage gehöre zu den wichtigsten Vorlagen der Regierung, welche dem Landtage seit Jahrzehnten zugegangen sind, es liege im Interesse aller Parteien, daß die Vorlage vor einem vollbeseßten Hause erfolg, das aber im Monat Juni, Juli und August, wo die ländlichen Abgeordneten nur unter Auferlegung großer persönlicher Opfer nach Darmstadt tommen tönnten, schwerlich zusammenzuhalten sei. -Im Bahnschacht der Fürstensteiner Gruben bei Waldenburg wurden drei Bergleute durch fallendes Gestein getötet. Vermischtes. * Gelegentlich der Budgetberatungen der 2. Kammer hat der Referent für den Abschnitt„ Justizpflege", Dr. Gutfleisch, darauf hingewiesen, daß das Oberlandes. gericht mit Arbeiten sehr überlastet und eine Vermehrung des Richterpersonals nicht zu umgehen sei. Wie sehr er Recht hatte, beweist die Tatsache, daß am 1. Zivilsenat des Oberlandesgerichts bereits Termine auf Januar und Februar 1905( also wie beim Reichsgericht) firiert sind. turnern erhielten u 1. Breis Ludwig 3. 11 7. Jean Ho Hch. W Wilh. Jatob G Phil.& Lorenz Sch. H " 114. 15. Mar " 15. Chrift. Lud. L 11 16. Carl 17. M 19. Jat. G и 20. 11 20. Sch. H Carl M 20." Carl R 20. Rich. G N 21. 22. 22. Carl M Sch.& J. Bed п *** Das Ober- Ersaßgeschäft für 1904 wird im Kreise Gießen stattfinden: Dienstag den 14. Juni im Gasthaus„ 8um Rappen" zu Grünberg, vormittags 8 Uhr, Mittwoch den 15. Juni in der Restauration 8um Longs Bierkeller", Schanzenstraße Nr. 18, zu Gießen, vormittags 8 Uhr, Donnerstag den 16. Juni daselbst, vor. mittags 8 Uhr, Freitag den 17. Juni daselbst, vormittags 8 Uhr, Samstag den 18. Juni im Rathause zu Lich, vormittags 8 Uhr. [ Deutsche Sanatorienschiffe.] Unter dem Vorsitz des Admirals v. Knorr hat sich ein Verein gegründet, der es sich zur Aufgabe macht, durch Mitgliederbeiträge und hochherzige Zuwendungen im Laufe der Zeit Mittel zu schaffen, um Sanatorienschiffe zu bauen und in Betrieb zu setzen. Diese Schiffe sollen Patienten und Rekonvaleszenten Aufnahme gewähren unter Ausschluß infektiöser Kranker. Ein solches Sanatorienschiff, als Segelschiff mit Auxiliarmaschine gebaut, soll in den je nach der Jahreszeit günstigen Gewässern kreuzen und so den Insassen die denkbar günstigsten klimatischen Bedingungen schaffen. Die große Bedeutung, welche die See und die Seeluft für die Gesundheit hat, ist allgemein bekannt und veranlaßt Tausende, alljährlich die Inseln und Meeresfüsten zu besuchen. In ganz besonderer Weise macht sich nun die wohltätige Wirkung der salzigen Seeluft auf den angegriffenen Organismus geltend, so daß besonders die Erholungsbedürftigen und Rekonvaleszenten durch einen Aufenthalt an oder auf dem Meere günstig beeinflußt werden. Chronische Katarrhe der Atmungsorgane, nervöse Zustände aller Art, schlechte Blutbeschaffenheit sind die geeignetsten Objekte für die therapeutischen Einflüsse des Seeflimas. Es kommt hinzu, daß das Meer vollkommen staubfrei ist und der Salzgehalt der Luft den Stoffwechsel im allgemeinen anzuregen geeignet erscheint. * Wir machen an dieser Stelle nochmals auf den näch sten Mittwoch, abends 8 Uhr, im Cafè Leib stattfindenden Vortrag des Herrn Oberbaurat Schmid von Darmstadt über die Kanalisation und die Hausanschlüsse aufmerksam, welcher namentlich für die Hausbesitzer besonderes Interesse haben dürfte. A Grünberg Abend abgehalten wefend die Herre Keil und die Möller, Ra 1. Bunft der T Johannette Ba weiteres zurücge 3. Gegenstand b von Fensterläden und der andere *** Wie am Samstag schon durch Inserat befannt gegeben, steht Gießen wiederum ein größeres Fest bevor. Der Garde- Verein zu Gießen feiert anläßlich der ihm vom Kaiser Wilhelm verliehenen Auszeichnung, eine Fahne mit Garde- Adler und Stern führen zu dürfen, ein Fahnenweih fest in größerem Rahmen. Wie uns mitgeteilt wird, haben bis jetzt schon nahezu 30 Vereine zugesagt, sich am Fest zu beteiligen und sind noch mehrere Zusagen zu erwarten. Der Festzug wird auf Dswaldsgarten aufgestellt und passiert folgende Straßen: Neustadt, Bahnhofstraße, Westanlage, Seltersweg, Kreuzplaß, Mäusburg, Marktplaß, Schulstraße, Neuen Bäue, Gartenstraße u. Bergstraße. An dem am Samstag Abend stattfindenden Kommers werden mehrere Gesangvereine verschiedene Lieder zum Vortrag bringen. Die Spigen der Behörden und hochstehende Persönlichkeiten sind als Ehrengäste eingeladen, auch wird sich das Offizierkorps in großer Zahl beteiligen. Am Sonntag findet vorm. um 6 Uhr Weckruf und um 11 Uhr Frühkonzert, letzteres im Garten des Hotel Buschmann statt. Um 2 Uhr nachmittags stellt sich der Festzug auf. Nach seinem Eintreffen auf dem Festplag, dem großen schattichen Garten des Neuen Saalbaues, findet nach Weihe der Fahne, bei welcher das Ehrenmitglied des Garde- Vereins Herr Oberleutnant der Gardelandwehr, Professor Dr. Biermann die Weiherede halten wird, großes Konzert, ausgeführt von der gesammten hiesigen Regimentskapelle fatt; auch wird der Bauer'sche Gesangverein mehrere Lieder fingen. Den Glanzpunkt des Festes wird das große Tongemälde bilden, wobei eine Spielleutabteilung und eine Seftion Infanterie mitwirkt. Es werden dabei alle möglichen Vorgänge, wie solche bei einer wirklichen Schlacht gewonnen werden und zwar durch entsprechende Tanzgemälde Signale, Trommelwirbel Kanonen und Gewehrfeuer bei bengalischer Beleuchtung u. s. w. nachgeahnt, dabet ist für Belustigungen aller Art, Tanz u. a. gesorgt. Die Feftzugteilnehmer haben freien Zutritt. Am Montag findet dann noch Frühschoppen und und nachmittags ein Ausflug nach Gleiberg statt. Wünschen wir dem Garde- Verein ein herrliches Wetter. Mögen dann auch die Bewohner Gießens, hauptsächlich in den Straßen, die der Festzug passiert an es dem nötigeu Fahnenschmuck nicht fehlen lassen. [ Ein vierfüßiger Kriegsheld.] Das 2. Feldregiment für Südwestafrika, das z. Zt. im Truppenlager bei Münster zusammengestellt wird, hat auf einen Aufruf hin nicht weniger als zweihundert zur Verwendung für Kriegszwecke passende Hunde aus allen Teilen des Reiches zugesandt erhalten. Bei dieser Gelegenheit erzählt ein Unterzeichner des Aufrufs folgende Episode aus dem Kriege 1870, wo sein treuer Hund ihn und seine Leute durch seine Wachsamkeit davor behütete, in die Hände der Franzosen zu fallen. Ich hatte so schreibt er meinen Hühnerhund mit in den Krieg genommen und wäre bei einer nächtlichen Rekognoszierung in den Weinbergen südlich Metz den Franzosen, die ihre uns sonst befannte Stellung bei Jussy unbemerkt weiter vorgeschoben hatten, mit meiner Spize vorwärts schleichend, troß aller Vorsicht gerade in den Hals gelaufen, wenn nicht mein bei mir befindlicher und das Gelände absuchender Hund plößlich in der Dunkelheit wütend Standlaut gegeben hätte. Es fielen mehrere Schüsse, ein schmerzliches Aufheulen des Hundes, und er hatte seine Treue mit dem Tode bezahlt! Am anderen Morgen, als die Franzosen die Stellung wieder geräumt, ließen es sich meine Leute nicht nehmen, ihn, den sie alle gern hatten, zu holen, und wir gaben ihm ein ehrliches Begräbnis zu Füßen eines am 18. August Gefallenen. A[ Einträgliche Schüßenkönigswürde.] Während gewöhnlich die Würde eines Schüßenkönigs dem alücklichen Träger der Krone viel Ehren, aber auch viel Kosten zu bereiten pflegt, ist sie in Lieberose( Mark) recht einträglich. Die dortige Schützengilde, die sich sogar den Lurus zweier Könige leistet, gewährt dieses Jahr wie stets als von der Stadt selbst garantierte Benefizien dem ersten König sowie dem zweiten Könia ie 60 Mark bares Geld. verftorbenen J Launsbad G Submissionswege arbeiten bei dem frantes für di werden.- Defd taler Bullen weg befannt gegeben, Anlegung einer 1. April n. J. lichen Sigung g -r. Der Deutschnationale Handlungsge hilfen- Verband, Ortsgruppe Gießen, ließ gestern im Neuen Saalbau wieder einmal sehen, daß er außer in sozialpolitischen Sachen auch in Festlichkeiten etwas zu leisten vermag. Das diesjährige Sommerfest stand auf dem Programm. Es wurde dabei alles mögliche angestellt, um Jung und Alt einige vergnügte Stunden zu bereiten, was auch vollständig gelang. So wurde u. a. der Wind, der 1848 wehte, in einer Raritätenbude gezeigt, zu der den Festteil nehmern sogar freier Eintrit gestattet war, dagegen ließ sich der Inhaber, um auf seine Kosten zu kommen, den Austritt mit 10 Pfg. bezahlen. Nach Sonnenuntergang fand eine photographische Aufnahme statt; gegen 10 Uhr wurde ein prachtvolles Feuerwert abgebrannt. Nach diesem begab sic dann alles in den großen Saal, wo das Fest beim Tanz fortgesetzt und beendet wurde. Die hiesige Militärfapelle, die mittags über im Freien schon manchen Genuß geboten hatte, war hierbei die anerkannt gute Triebfeder. Das Fest muß im Großen und Ganzen als ein äußerst gelungenes bezeichnet werden. In Buzzbach werden nächsten Donnerstag die Bürgermeister des Kreises Friedberg zu einer Versammlung zu sammenkommen, in welcher u. A. über Gemeinde Wasserleitungen und über die bevorstehenden Gemeinderatswahlen beraten werden soll. ** Alein der Ehrenpräfide bahnbedienftete Rameraden gabe ** Lüzelli berein gegründe zeichnen. Die wünschen den Entgegenfomm XBieb wurde der Fa Bigarrenfabrit Die Firma Winters auf d beschäftigt, wel fiedeln. + Marb 60,000 Mart burg wurde in *** Fra hiefiger Gem Schwanheim. ** Au * Dillinge ibres 100 jä legte Landgra des durch die das heutige Dorfe Met fich damals Die Ran lediglich mit Seß zu Grün fehlen Lehrers Gilbert wegen hatten beim 2 Bibertlage er richt freigefpro angefochten; handlung fe einen Bergle meiften der mußten. wurde die V 11 Uhr aus En Be De Dwe Laurer Gold 5. Junt 1904 gen Mitte Die Beratung n werden. nach nichts, den Braide ng der Wa den Grün n im Ber rd ausgeführt ten Vorlagen ehnten zugega daß die Bor aber im chen Abgeordn Opfer nach D zuhalten fei. der 2. Kam Juftizpflege", Oberlande eine Vermeh ei. Wie febr 1. Bivilfenat muar und Feb find. für 1904 tag den 14. berg, bormi eftauration 8, zu Sie Buni dafelbft, felbft, vormi thause zu als auf den Leib stattfinde id von Dar bluffe auft efonderes Ster nferat befannt g Fest bevor. De äglich der ihm vo eine Fahne ein Fahnenweib geteilt wird, haba agt, fidh am f agen zu erwarte aufgestellt u Sofftraße, Weft Marktplag, Gd Be. An dem o verden mehre 9 bringen. fönlichkeiten fi Das Offizierlor indet vorm. ert, lepteres in Uhr nachmittag ntreffen auf de Reuen Saa cher das Ehren nt der Garde Seiherede halte ten hiesigen R e Gefangver wird das gro ilung und Sei alle mögli blagt gemon emälde Signa bei bengali eluftigungen d mer haben fr rühschoppen leiberg errliches W hauptsächligh es dem not ndlung ließ geften außer in fo was zu le auf dem eftellt, um S iten, was a Bind, der 18 er den Feft Dagegen lief n, den Aust ang fand d Ahr wurde efem brgab ft beim L Militärfap Genuß gebo der. Das erft gelunge tag bie Birg fammlung einbe- Waff inberatewa □ Die Gauturnfahrt des Turngaues esen hat gestern bei schönstem Wetter stattgefunden. Aus allen Bezirken, von Kirchhain, Frankenberg, Weglar, Marburg, Schlitz 2c. waren sie zahlreich in Hungen vereinigt, die Jünger Jahns, um nach einem flotten Marsch im friedlichen Wettkampf( volkstümliche Uebungen) sich noch einen Gichenkranz zu holen. Das Kampfgericht hatte wieder angeftrengte Arbeit. die Punktzahl in richtiger Weise den Einzelnen zuzuschreiben, da das Wettturnen sich immer mehr auch in ländlichen Vereinen einbürgert. Von den 102 Wetturnern erhielten u. a. folgende Preise: 1. Preis Ludwig Bepler, T.-V. Gießen Jean Hof, " Hch. Wagner- Großen Linden Wilh. Schmidt- Launsbach mit 371/2 P. 351/2 291/2" 291/8" 11 3. ค Н 7. " " 1 7. 11 " 9. 27 Jakob Frey Klein- Linden 281/2 " M 10. Lorenz Schmalz, T- V. Gießen 28 " 11 11. " Sch. Hahn Großen- Busck 27 " 14. " Mar Günther Lollar 2512 " 15. и Christ. Schmidt, T.-V. Gießen 241/2 " 15. 17 Lud. Lenz, M.-T.-V. Gießen 241/2 " 16. 11 Carl Schneider- Lollar 24 и " 17. M Phil. Hörr- Launsbach 231/2 N " 19. " Jaf. Steinmüller, M.- T.- V.Rodheim 2212 " M 20. " Hch. Hamel, T.-V. Gießen 22 11 " 20. " Carl Wenzel, 22 H " 20 Carl Reh, M.-T.-B. Rodheim 22 99 " 20 22 " 11 21. 211/2 11 " 21 " 1 " " 21 11 " 22. 22. Rich. Schubecker, T.-V. Gießen Carl Möser Grünberg Hch. Scheld Großen- Buseck F J. Becker, M.-T.-V. Gießen " " ▲ Grünberg, 6 Juni. In der am vorigen Samstag Abend abgehaltenen Gemeinderatssigung waren anwesend die Herren Bürgermeister Zimmer, Beigeordneter Keil und die Gemeinderäte Frant, Kaiser, Moll, Möller, Ranft, Sehrt und Trinkhaus. Der 1. Punft der Tagesordnung: Gesuch der Industrielehrerin Johannette Balser um Gehaltserhöhung wird bis auf weiteres zurückgestellt. Dasselbe geschieht mit dem 2. und 3. Gegenstand der Beratung, ersterer betr. die Anbringung vom Fensterläden bei der Wohnung des Herrn Lehrer Roth und der andere die Wahl eines Feldgeschworenen für den verstorbenen Jakob Ha a III. Hierauf erhält Herr Launsbach- Ettingshausen als Mindestfordernder im Eubmissionswege den Zuschlag zur Ausführung der Pflasterarbeiten bei dem Schulsaal. Der Anschaffung eines Bücher frankes für die höhere Bürgerschule soll Folge gegeben werden. Beschlossen wurde die Abschaffung des Simmentaller Bullen wegen Bösartigkeit. Zum Schluß wird noch befannt gegeben, daß das auf der Alsfelderstraße zwecks Anlegung einer neuen Straße angetaufte Haus erst am 1. April n. J. abgerissen werden soll. Schluß der öffentlichen Sigung gegen 9 Uhr. *** Klein- Linden, 5. Juni. Am letzten Freitag wurde der Ehrenpräsident des Gesangvereins„ Eintracht", der Eisenbahnbedienstete Philipp Naumann beerdigt. Viele seiner Kameraden gaben demselben das letzte Geleite. ** * Lüzellinden. Hier hat sich letter Tage ein TurnVerein gegründet; es sind bereits ca. 30 Mitglieder zu verzeichnen. Die Turngeräte werden demnächst eintreffen. Wir münschen dem jungen Verein ein allseitiges freundliches Entgegenfommen und eifrige Unterstüßung. X Bieber b. Rodheim, 6. Juni. Am heutigen Tage wurde der Fabrikbetrieb in der im vorigen Jahre erbauten Bigarrenfabrik des Herrn Kommerzienrat Gail- Gießen eröffnet. Die Firma Gail hatte schon während des verflossenen Winters auf der nahen„ Kronen- Mühle" einige 20 Arbeiter beschäftigt, welche jeßt nach den neuen Arbeitsräumen überfiedeln. + Marburg, 4. Juni. Der nach Unterschlagung von 60,000 Mart flüchtige Kassenrendant Krämer aus Berleburg wurde in Altenhunden verhaftet. Beug verschenkt wern dert. Wäi ech nu aach hieging en wollt äbbes, weil ech doch üwerall debei woar, geschenkt hu, funge se o se lache en mante, fer mich wehr naut do. M'r ginge deswege aach gleich fort en ginge emol uff de Festplatz erum en traffe dann do noch de Gesangverein„ Concordia" vo Diez en die Gesangsabteilung vom Turnverein Dilleburg. Wäi m'r dann so e Zeitlang beim Seipp do d'r Liebigshöh gesesse harre, foame do uff amol die Senger vom Gesangverein Eintracht" in Hunge. Se harre metgesunge en aach en Preis gegcidd, wäi däi Kerle sich freue däre. Henach seht sich aach noch de Gesangverein Germania" do Lollar bei us, se harre zwoar bluß e lobend Erwehning gridd,' moachten ower doch Spoaß. Noach' r Weil ginge m'r aach emol en die Festhall en do stanne groad die Senger vo d'r Heiterfeit" vo Fechenheim do en dere die schene Preiße lowe, däis gäwe hatt. Speter ginge m'r dann aach moal uff de Jurplay. Fern woar so e Rockerbäcker en dann foam d'm Walldorf sei Kunstausstelling en näwe dro woar so e Karussel vo laurer Berle en Selwerzeug. Ech glawe, so Dent tost baal honnert Mart. Gleich denäwe stann so en Kühmattegraf, do ginge m'r aach amol eninn, en wäi in't do e Zeitlang saße, moachte se die Lichter aus en do toame uff amol so e Bortion Scheffe aus d'r Eck eraus en uff amol woarn se aach wirrer verschwunne. Hernoch foam aaner, der dert Rod foahrn, en wäis Gewirrer woar d's Dos en e Gortewirtschaft gefohrn en hat en Desch met sammt de Gäst immgeschmisse. Hernoch bunn se sich dann emol fräftig gehage, bis d'r Schußmann foam en nohm se met. Wäi alles fertig, ginge m'r eraus en setzte us uff die Schaufeln vom Walldorf en wäi m'r so e Weil geschaufelt harre, guck ech mich um en sehe, doaß mei Ahlt aus der Schaufel gefloge ek. Ech sprenge eraus en well se suche, foann se ower nirgends fenne, bis ech uff amol im Jungblut ſein Hof komme, leid se do en streckt die Väir, se hat sech ower weirer net wieh gedoh en ech goawer amol en flane Schnops, doaß wirrer uffsteihn konnt. M'r moachte us ower so langsam zum Bostfäller, wo d'r G.sangverein„ Sängerlust" vo Berfersheim logiere dert en bläibe do üwer Naht Ehe m'r us lege dere, ginge m'r erscht noch emol en die Wirtschaft en do saß näwe de Gesangverein„ Eintracht" do Biersdorf en die„ Germania" vo Daaden, däi drunke us zu. De annern Morge so gege 9 Auer stanne m'r uff en ginge emol bei'n Carlé, wo d'r Gesangverein„ Liederkranz" vo Darmstadt logiert hoat en traffe do noch e poar vom Gesangberein Sängerlust" in Dieburg en vom Gesanverein " Liedertafel" in Marburg, däi de Dwend verher de Zaug verspet harre en sich häi e Bink an leiste wollte. Che m'r dann uff de Festplat moachte, läife m'r erscht noch emol bei'n Pfau, wo die Eintracht" vo Biedenkopf dert logier'n ne do soahn m'r e poar vo d'r„ Liederluft" in Enkheim, däi sake en d'r Eck en moachte saure Gesechter. M'r ginge dann uff de Festplaß en saßte us bei'n decke Wigandt en belurte vo häi aus d's Fest. Wäi m'r so e Gesangverein" Heiterkeit" in Fechenheim doher, däi harre Beitlang do saße, foam uff amol so e Bortion Senger dom Kaffedutte uff de kopp gefaßt en läife wäi narrig dorimm. E Weil druff foam aach de Gesangverein" Liederkranz" vo Kirchen met Schaße gefoahrn, en moachte als off'm Festplat erimm. Nach vom Gesangverein„ Frohsinn" vo Fechenheim woar noch e Bortion doa. Wäi m'r nu vern van de Ausgang foame, stanne do e poar vo d'e Freiwillig Sanidätsfolonne, däi fregte mich, ob ech aach emol wellt verbonne sei, es det jo net väil tofte. M'c ginge dann im„ Frankf. Hof", wo die Winfridia" vo Fulda enlogiert woar, se mettog. Bäi m'e nu do aam ässe woar, foame dann noch e poar vo de„ Eintracht" in Glodebach en sahte, doaß die „ Sängerluft" vo Langenfebold en de Frohsinn" vo Londorf en aach de„ Concordia" vo Windecke beim Fest gewese woarn. *** Frankfurt a. M. 5. Juni. Gestern wurde in hiesiger Gemarkung mit der Heuernte begonnen, ebenso in for Leirer enoff gekrowelt en owe ſteh gebliewe, m'r moant, Schwanheim. Ertrag„ gut“. *** Aus dem Taunus, 5. Juni. Die Gemeinde Dillingen im Kreise Homberg begeht heute die Feier De Dwend ginge m'r dann wirrer en die Festhall, weil m'r die Torner wollte seh, en wäi e Zeit lang gewort harre, foame se aach omarschirt. Uff amol moachte se die Lechter aus, en steckte uff d'e Biehn bontige Streichhölzer o en wäi m'r qucke dere, woar so e Bortion vo dene Kerle do owe häd de Loft Balke, so stanne die Borschen, dann foame so e poar, däi däte o sor Stang erimm torne, wäi die Saaldenzer, m'r mant se mißte fon Kommi sei. Wäi ihres 100 jährigen Bestehens. Damals im Jahre 1804 boas fertig woar goabs d's Feuerwerk, doas woar wirklich e Schenheit. Mei Ahlt wollt ganz narrisch wern en bei jerem Schuß, dens goab, fählse en die knie. Die Leit erum lochten, ich awer nohm mei Alt beim Darm un gi noah'm Felsefeller wo de Gesangverein„ Sangerheim" vo Sinn logiert hat. Dort schliefe m'r de Noacht iwer en fuhre de annern Morje haam. Wäi ech zu Haus ower en mein Gäldbeul guce iß alles fort, es wurd m'r jo ebes haiß bei d'm Gedonte: du lieber Aufuschtin, Aufuschtin, alles is hin alles is hin. Mei Alt drest mich da gleich un sogt:„ Loß Guschtov, die Hauptsach ro de Geschicht eß jo, m'r woarn emol uffen Gäßer Sängerstreit, en schie worsch legte Landgraf Friedrich V. von Hessen Homburg unweit des durch die Pest zu Grunde gegangenen Dorfes Dillingen das heutige gleichnamige Dorf an, 18 Familien aus dem Dorfe Melos- Gehag im Kreise Lauterbach siedelten fich domals an. Aus dem Gerichtssaal. Straffammer. Gießen, den 4. Juni 1904. Die Rammer hatte sich heute als Berufungsinstanz lediglich mit der Privattlagesache des Kaufmanns Ferdinand Heß zu Grüningen und des inzwischen nach Erzhausen versezten Lehrers Martin Jung gegen den Bürgermeister Gilbert wegen Beleidigung zu befassen. Die zwei ersteren hatten beim Amtsgericht Lich Klage erhoben, worauf dieser Widerklage erhob. Beide Parteien wurden vom Schöffengericht freigesprochen. Dieses Erkenntnis wurde durch Berufung angefochten; Bürgermeister Gilbert aber zog vor der Verhandlung seine Widerklage zurück. Die Bemühungen Die Bemühungen einen Vergleich zustande zu bringen scheiterten, weshalb die meisten der 32 geladenen Zeugen vernommen werden mußten. Mit Rücksicht auf die vorhergeschrittene Zeit, wurde die Urteilsverkündung auf nächsten Mittwoch Vorm. 11 Uhr ausgefeßt. En Besoch uff dem Gäßer Sengerstreit. Von Guschtav Velten aus L.... ( Schluß.) De Dwend im Dcht dere se dann die Preiße verschente laurer Gold en Sälwer,' s woar wirklich schoad, doaß d's doch." Neueste Nachrichten. Das direkte hessische Wahlrect teine Verschiebung bis zum Herbst! Der von 23 Abgeordneten der Zweiten hessischen Kammer an das Präsidium gerichtete Wunsch, die Beratung der Wahlrechtsvorlage bis zum Herbst zu bertagen, ist nicht berücksichtigt worden, wie aus folgender Mitteilung hervorgeht: Darmstadt, 4. Juni. Auf Einladung des ersten Präsidenten der Zweiten Kammer versammelten sich heute der Gesamtvorstand der Zweiten Kammer mit den Vorsitzenden der verschiedenen Parteigruppen, um zu dem Wunsche der Abgeordneten Dr. Heidenreich und Konsorten die Beratung der Wahlrechtsvorlage auf den Herbst zu vertagen, Stellung zu nehmen. Nach eingehender Beratung der von den Herren für die Verschiebung vorgebrachten Gründe erwies sich eine vollständige Einmütigkeit aller Anwesenden in der Richtung, daß auf eine derartig wette Hinausschiebung | dieser wichtigen Vorlage unter keinen Um. ständen eingegangen werden könne. Es wurde noch besonders hervorgehoben, daß das Ansehen der Zweiten Kammer notwendigerweise Ginbuße erleiden müsse, wenn sie, obschon noch über 100 Gegenstände der Erledigung harrten, darunter mehrere große Gesetzesvorlagen, sich jegt ohne absolut zwingende Gründe als nicht arbeitsfähig erweisen würde. Die Kammer wird nunmehr auf 28. Juni, also nach Beendigung der Heuernte, einberufen. Die Tagesordnung zu der anberaumten Sitzung ist auch bereits ausgegeben, sie umfaßt 15 Punkte, darunter als 15. Bunft: Regierungsvorlage, den Gesezentwurf die Landstädte betreffend( Wahlrechtsvorlage). Eine Anmerfung besagt: Position 15 wird am Mittwoch, den 29. Juni als erster Gegenstand auf die Tagesordnung gesetzt. In weiterer Ergänzung vorstehender Nachricht diene noch folgende Mitteilung: Darmstadt, 6. Junt. Gestern Nachmittag fand in der Stadt Pfungstadt" unter Vorsitz des Grafen von Oriola eine Sigung des Landesausschusses der Nationalliberalen Partei im Großherzog= tum Hessen statt. Das Referat über den Hauptpunkt der Tagesordnung: Hessisches Wahlgeset", erstattete Abgeordneter Reinhart- Worms. Schluß der etwa vierstündigen Versammlung gelangte folgender Antrag des Herrn Dr. Osann I. zur Annahme: Zum Der Landesausschuß, ohne über die Frage der indirekten Wahl und über die Kautelen der letzteren sich heute auszusprechen, ist der Ansicht, daß der neue Wahlgesehentwurf nur in Verbindung mit einer den Inhalt desselben bildenden Aenderung der Wahlkreiseinteilung, und die Einteilung in die Wahlkreise in dem Landtage im Einverständnis mit der Regierung, zur Verabschiedung gebracht werden soll." Der Antrag wird der Landtagsfraktion übermittelt. Brieftasten. Nach Ruppertenrod. Auf Wunsch teilen wir Ihnen hierdurch mit, daß der in Nr. 121 veröffentlichte Artikel, den Küfer Seim betreffend, nicht vom Herrn Lehrer Strack von dort uns zugesandt wurde. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Dienstag, den 7. Juni. Beitweise wolkig, etwas fühler, vielenorts Gewitterregen( im Westen und Süden). Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Großh. Kurtheater Bad- Nauheim. Spielplan. Montag, den 6. Jun: Altheidelberg. Mittwoch, den 8. Juni: Charleys Tante. Freitag, den 10. Junt: Bettelstudent. Stadttheater Gießen. Dienstag, den 7. Juni: Bettelstudent. Stadttheater Marburg. Donnerstag, den 9. Juni: Zigeunerbaron. Marfiberichte. ** Fruchtpreise am Grünberger Fruchtmarkt vom 4. Juni. Weizen 17,00-00,00, Rorn 14,00 bis Gerste 12,50, Hafer 14,00-00,00, Erbsen 20,00, Samen 00,00, Kartoffeln 4,50-4,60, Linsen 00,00 Mart. Alles per Doppelzentner. Arbeitsnachweis der Stadt Gießen. Gartenstraße Nr 2( Bürgermeistereigebäude) Zimmer Nr. 14. Es können eingestellt werden: 1 Gartenarbeiter, 1 Installateur, 1 Wagner, 3 Schreiner, 1 Bäcker, 1 jüngerer Friseur, mehrere Arbeiter, 2 Weißbinder, 12 Dienstmädchen, 3 Lauffrauen. Lehrlinge: 1 Bäcker, 1 Kaufmann. Es suchen Arbeit: 1 Steinhauer, 1 Schlosser, 1 Heizer, auch Maschinenſchloſſer, 1 Schneider, 2 Wasch- oder Puzfrauen, 1 Fahrbursche, 1 Dienstmädchen, 1 Bureaugehilfe. Lehrlinge: 1 Installateur, 1 Tapezier, 1 Schreiner. Verantwortlich: für den politischen, vermischten und unter: haltenden Teil Albin Klein Gießen; für den lokalen Tell Karl Klose, Grünberg. Ein Frankfurter Roman aus der Feder des beliebten Schriftstellers Rudolf Herzog unter dem Titel„ Das Lebenslied" beginnt soeben in der neuesten Nummer der„ Gartenlaube" zu erscheinen. Die Vorzüge der Herzogschen Feder, seine überaus lebenswahren und sympatischen Figuren, der große Reichtum und die Leichtigkeit und Ausdrucksfähigkeit seiner Sprache sind auch hier wieder unverkennbar. Das Lebenslted" ist ein Künstlerroman, und das kunstliebende Frankfurt und einzelne Gegenden der hessischen Lande geben das Theater für die reichbewegte und spannende Handlung ab. Anheimelnd sind einige Frankfurter Originaltypen. Diese neue Schöpfung Herzogs wird zweifellos gern gelesen werden und für die Gartenlaubegemeinde einer jener Romane sein, zu dem man auch später gerne wieder greift. Probenummern mit dem Anfang dieses Romans werden von jeder Buchhandlung auf Verlangen gratis geliefert. Bekanntmachung. Die Reparaturen an der städtischen Laftwage am Seltersberg sind beendet. Die Wage kann von heute an wieder benugt werden. Gießen, den 6. Juni 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Weisswaren Konfektion Blusen Grosser Räumungs- Ausverkauf Seltersweg von A. Docter Seltersweg zu den bekannten auffallend billigen Preisen hat begonnen. Stadt- Theater Gießen. Gastspiel der gesamten Operette des Kleiderstoffe Brotpreise vom 5 bis 18. Juni 1904. Großh. Kurtheaters Bad Nauheim. Sharzbroi ( Direktion Steingoetter.) Dienstag, den 7. Juni d. Js., abends 8 Uhr ( Außer Abonnement): 1. Vorstellung: Der Bettelstudent. Komische Operette in 3 Aften von Millöcker. Preise der Pläge im Vorverkauf bei Heran Ernst Challier wie an der Abendkasse: Loge Mt. 3. Sperrfiz Mt 2.50, 1 Parkett Mt. 2., 2. Parfett Mt. 1.50, Estrade Mt. 1.25, Gallerie Mr. 0.50. Falls sich genügende Beteiligung findet, ist Abonnement auf 6 Operettenvorstellungen geslant. mentsliste zur Einzeichnung liegt von heute ab Challier auf. im Sommer ein Eine Abonnebei Herrn Enst Der Abonnementspreis für 6 Vorstellungen ist folgendermaßen gestellt: Für Theatervereinsmitglieder: Loge Sperisizz Für Ni tmitglieder: 1,8) Mt. 11.15.- Mt. " 1 " 1 12.9.7.50 М " " 1. Parfett 825 2. Parkett 6.90, Vorgesehen sind außer Bettelstudent die Operetten Mikado, Puppe, Chansonette, Zigeunerbaron, Fledermaus. Die Direktion behält sich etwaige Aenderungen vor. Deuer Saalbau, Giessen. Freitag, den 10. Juni, abends 8 Uhr: Konzert des Königlichen Musikdirektor8 Adolf Boettge. ( Begründer der titorischen National- Konzerte) mit der gesamten( 50 Musiker) Kapelle des Bad. Leib- Grenadier Regts.( Karlsruhe). Programm: Oesterreich- Ungarn in Lied und Tanz mit Nationalinftrumenten. Die Kapelle hat es unternommen, musikalische Aufführungen zu veranstalten welche dem Publikum ein getreutes Bild von der historischen Entwickelung der Nationalmusik aus aller Herren Länder geben soll. Eine Reihe hervorragender Musikstücke wird nicht allein in der ihnen eigentümlichen Instrumentierung, sondern mit den hierfür berechneten Instrumenten ausgeführt. Billette im Vorverkauf á 75 Pfennig sind zu haben bei Herrn Restaurateur Schrödel, NeuerSaalbau Kassenpreis 1 Mark. GOOGOOOOOGGOKOOGGGOOG auch Außer den von mir seither geführten Bieren bringe Mainzer Aktienbier Bekanntmachung. Die Verteilung der Zinsen aus Leibwäsche Bettwäsche Bekanntmachung. Die diesjährige öffentliche Impfung in der Mittwoch, den 1. Juni. der Wolf von Todten art'schen Stadt Gießen wird, beginnend Stiftung findet ſtiftungsgemäß Freitag, den 10. Juni 1904, morgens um 5 Uhr in der Stadtkirche statt Gießen, den 3. Juni 1904. Die Armen- Deputation der Stadt Der hiesigen Bäcker. Kg. 1 Weißbrot Pig. 52 2 26 1 24 2 48 " 3 72 1 Kornbrot 22 2 44 Der auswärtigen Bäcker: 1 Weißbrot bei Georg Dern II. Gr. Linden 23 Freibank. W. Steinmüller Witwe( Lang= göns.) 24 Heinrich Weber( Heuchelh.) W. Fabel Wieseck W. Weigel Langgöns u. 2. Steinmüller Gr..Lind. 25 Karl Post, Wiesec W. Leir. KleinLinden Dern II., Gr. Lind. 26 2 " u. Louis Süßmuth Steinberg 46 V. Steinmüller Wwe Longaöns) 48 W. Fab Wieseck W. Weizel, LangGöns JakobAppel, Krofdorf, Heinrich Weber Heuchelheim L. Steinmüller ( Gr.- Lind.) 50 Gießen. Curschmann. - im Impflokale Schulgebäude. Neustadt 61- für die nächten 5-6 Wochen jeden Mittwoch, nachmittags 5-6 Uhr, abgehalten werden. Impfpflichtig im laufenden Kalenderjahr sind die im vorigen Jahre geborenen Kinder, sowie die Rückständigen aus früheren Jahren. Wir laden die hiesigen Einwohner, welche impfpflichtige Kinder haben, zur Benutzung dieser öffentlichen Termine mit dem Bemerken ein, daß alle in denselben Wer Ochsenfleischgesalz.30% fg. borgenommenen Impfungen unentgeltlich sind. die Termine nicht benutzen will, muß die Impfung seines pflichtigen Kindes bis zum Jahresschlusse auf seine Kosten bewerkstelligen lassen, widrigenfalls ihm im Januar nächsten Jahres eine vierwöchentliche Frist zur Nachholung der Impfung unter Strafandrohung gesetzt wird. Ein wahrer Schatz für alle durch jugendliche Verirrungen Erkrankte ist das berühmte Werk: Dr. Retau's Selbstbewahrung 82. Aufl. Mit 27 Abbild. Preis 3 Mark. Lese es Jeder, der an den Folgen solcher Laster leidet. Tausende verdanken demselben ihre Wiederherstellung. Zu beziehen durch das Verlags- Magazin in Leipzig, Neumarkt 21, Bowie durch jede Buchhandlg. * g.Blutstock.Timermann Hilfe* amburg, Fichteftr. 33. Außer den Pflichtigen werden auch Kinder, welche im laufenden Jahre geboren sind, auf Wunsch ihrer Vertreter geimpft. Alle in einem Termine geimpften Kinder müssen in dem 8 Tage später abgehaltenen Termine zur Nachschau nochmals erscheinen. Kinder, deren Zurückstellung von der Impfung wegen Kränflichkeit beansprucht wird, fönnen gleichfalls dem Impfarzte in den öffentlichen Terminen vorgestellt werden. Die Jmpflinge müssen mit reiner Wäsche und reingewaschenem Körper zur Impfung gebracht werden. Es Rarl Bot. Biele Täglich 20 Mk. und mehr wird nur an einem Arme mit Lymphe aus dem LandesPost, Wieseck Linden 1 Schwarzbrot bei Georg Dern 52 II. Gr. Linden 21 W Steinmüller We " " 2 W. Weitzel, Lang= Gönd, Stein müller Gr. Linden Heinrich Weber, Heuchelheim, Ferd. Weiß, Grüningen 22 W. Lein KleinLinden Dern II. Gr.- Lind. u. Louis Süßmuth, Steinberg L. Steinmüller ( Gr. Linden) W. Steinmüller Wwe. Langgöns, Heinrich Weber, Heuchelheim, W. Weißel Lang Göns, Karl Post und Ernst Christ Wieseck, Karl Spamer, Reisfichen und Ferdinand Weiß, Grüningen, Gust 24 42 Kinder aus Familien, in denen ansteckende Krankfann man verdienen durch hoch-| impfinstitut geimpft. lohnende Fabrikation täglicher Massenartikel. Heinrich Heinen, Katalog gratis. heiten herrschen, dürfen nicht in die Termine gebracht werden. Mühlheim- Ruhr- Broich. In metner mech. Schreinerei mit Motorbetrieb finden mehrere Schreiner oder Glasergesellen dauernde Arbeit. H. Keßler, Lollar. Ein braver Junge der das Schlosserhandwerk erlernen will, wild gesucht. Wilh. Nagel, Schlossermstr. Gießen, Ostanlage 3. Ein braver Junge in die Lehre sucht Wilhelm Schmitt I. Glasermeister. Kanzleiberg 7 Gießen. Gießen, den 28. Mai 1904. Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen. J. V. Curschmann. Bekanntmachung. In der Woche vom 12-19. Juni d. Js. findet eine durchgreifende Räumung der Wieseck statt. Wir machen hierauf die Pächter von Teilen der Wieseckböschungen unter dem Anfügen aufmerksam, daß es sich empfehlen wird, die Aberntung des Grases in der vorhergehenden Woche vorzunehmen, da die Stadt vertragsmäßig für Schäden, welche durch die Reinigung der Wieseck und Fortschaffung des Abraums entstehen, nicht aufzufommen hat. Gießen, den 3. Juni 1904. Großh. Bürgermeisteret Gießen. Mecum Bekanntmachung. Mittwoch, den 8. Junt, abends 8 Uhr, wird im Arbeiterinnen Saale des Café Leib durch Herrn Oberbaurat Schmick von Darmstadt ein Vortrag über die städtische Kanalisation und den Anschluß der Häuser an dieselbe gehalten, wozu wir Interessenten hiermit ergebenst einladen. sowie Lehrmädchen Jakoby, AltenBuseck 44 einige J. Appel, Krofdorf46 W. Lein, KleinLinden 48 21/2 bei Louis Süßmuth " Steinberg 52 3 " W. Fabel und Karl Post, und E. Christ, Wieseck 66 Gustav Jakoby, Alten Buseck beliebt wegen seines reinen, milden Geschmackes und weil 1 Kornbrot Karl Spamer es außerordentlich gut bekommt, zum Verkauf und empfehle dasselbe die 11 Flasche zu 18 Pfennig 1/2 " 9 " Reiskirchen und Wilh. Schimmel Kinzenb.- Mühle Jak. Appel, Krof= dorf 66 44 Wiederverkäufer erhalten Rabatt. Zugleich bemerke tch, um Täuschungen und Verwechselungen vorzubeugen, daß nur mir allein die Vertretung der Mainzer Frebel II., 1 kg. Schwarzbrot 24 Aktien- Brauerei für Gießen und Umgegend übertragen worden ist. Gotthilf Röhrle Bier- Großhandlung. Marburgerstraße 7. Telephon 344, Gießen. Der Brotverkäufer. Dieselben Breise, wie bei den hiesigen Bäckern, außer bei Hrch. 2 Kg. 44 Pfg. Gießen, den 4. Juni 1904. Großb. Polizeiamt Gießen, J. V Roth. 2 Schöne Mansarde( 3 Zim., Kab. u. Zub.) p. 1. Juli zu verm. Näh. Gießen, Steinftr. 35, part. werden jederzeit angenommen. Anna Kramer, Robes und Konfektion. Gießen, Loeberstraße 11, part. 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FÜR UNSERE JUGEND rasch aus seinem Bersted herbor und rief hinüber: Männlein, ich sah dein Hütchen in den flagen bernahm, trat er brave Schmied ihr darob erhobenes Schluchzen und Wehaut gemerkt. Wenn du RG 125 Montag, den 6 Junt. 1904. be Famil " นวย cmine gebracht eßen. sche FÜR UNSERE JUGEND Vier Zeilen nur hat diese Fabel. Ein Affe sah sein Konterfei: Wie zeigt der Spiegel miserabel! „ Das soll ich sein?"- Ein Schlag-.tzwei! Der kleine Schmied. - Ein Märchen von der Weser.- Dicht am Ufer der Weser liegt ein nicht allzuhoher Berg. Er ist fast ganz mit düstern Fichten bewachsen, hie und da sieht man aber auch ein kleines Fledchen grüner Wiese, blühendes Heidekraut und mächtige Farren. Dahindurch hüpft und rauscht und plätschert ein minteres Bächlein über Steine und Bauuntourzeln, imd mehrmals stürzt es auch in tollfühnen Säben über die steilen Abstufungen der Bergwand schaumsprisend in die Tiefe hinunter, bis es endlich nach vielen Hindernissen zwischen moosbewachsenen Felsenvorsprüngen seinen Ausgang in den Strom findet. Im Innern des Berges gibt es unzählige kleine Höhlen und Gänge. Da laufen reiche Gold- und Silberadern durch die Wände, überall glizern Diamanten, Smaragden und andere Edelsteine. Riesengroße rotglühende Karjunkeln erleuchten die dunkeln Räume. Das ist der Wohnort der Wichtelmännchen. Hier hämmern, pochen, graben und bohren sie mit rastloser Tätigkeit bei Tag und bei Nach: und ermüden nimmer, die tief im Schoße der Erde ruhenden Schäße ans Tageslicht zu fördern. Dabei sind sie ein lustiges, oft recht schalthaftes Völkchen, welches auch) lebhaften Anteil nimmt an dem Handel und Wandel der Menschen. Nur tun sie gerne alles unbemerkt, denn sie fürchten immer, von diesem Riesenvolke ausgelacht oder doch mit Geringschätzung be handelt zu werden, und das können sie nun einmal nicht vertragen. Wer ihrer spottet, der kommt sicher nicht ungestraft davon, und den Bösen spielen sie mitunter rechte arge Streiche. Guten und freundlichen Leutchen sind sie aber ganz besonders zugetan; sie beschützen und warnen sie vor Gefahren und sind gern bereit, ihnen alle Mühen und Sorgen zu erleichtern, oder sonst dienlich zu sein. Einstmals ging ein wackerer Schmied spät am Abend den Strom entlang heimwärts in sein Dorf. Und als er gerade dem Berge gegenüber war, vernahm er vom andern Ufer her eine leise, liebliche Musik. Verwundert blieb er stehen, duckte sich dann hinter einen Strauch und schaute neugierig hinüber. Da gewahrte er im Mondeslicht viele kleine Gestalten, welche teils auf den Felsblöcken hockten, teils auf dem Ufersande und in den darüberflutenden Wellen herumhüpften. Einige geigten, bliesen und trommelten auf den wunderlichsten kleinen Instrumenten, nach deren Klängen verschiedene Pärchen einen lustigen Reigen aufführten. Andere saßen fröhlich zusammen und schienen ein kleines Zechgelage zu halten. Wieder andere ruhten vom Tanzen ermüdet auf weichen Moosbänkchen und fächelten sich mit großen Lotosblättern Kühlung zu. Etwas abseits aber trieb ein winzige Gnom sein possierliches Spiel für sich ganz allein. Das schien der Ausgelassenste von allen zu sein, denn er sprang wie toll auf einem Bein herum, krähte wie ein Hahn, late, drehte sich blißesschnell im Kreise und warf dabei aufjauchzend sein mit vielen Silberglöckchen besetztes Hütchen hoch in die Luft, als sollt' es mit seiner Spike den Mond durchbohren. Und wenn es dann hell blinkend und flingeind wieder zur Erde niederſauſte, dann fing er es jedesmal sehr geschickt mit seinem struppigen Köpfchen wieder auf und klatschte dazu in die Händchen. Aber mit einem Male stieß der kleine Kerl einen lauten Klageschrei aus. Er hatte das Hütchen etwas schräg über geworfen, und plumps! da lag es tief unten im Wasser. Bei diesem Angstruf verstummte sofort Jubel und Musik, und die ganze kleine Schar fam herbeigelaufen, um zu sehen, was es gäbe. Alle wollten gern ihrem kleinen Kameraden helfen. Aber da war guter Rat teuer, denn der Mond ward plößlich durch eine schwarze Wolfe verdunkelt, und die Nacht senkte sich aus den Strom. Auch mit dem besten Willen vermochte keines der Zwerglein das Hütchen wieder herauszufischen. Als der brave Schmied ihr darob erhobenes Schluchzen und Wehflagen vernahm, trat er rasch aus seinem Versteck hervor und rief hinüber: Männlein, ich sah dein Hütchen in den Fluß fallen und habe mir die Stelle gut gemerkt. Wenn du dich bis morgen früh gedulden willst, so werde ich's dir herausholen." Da riefen ihm alle Beifall zu, der Eigentümer des Hütchens aber sagte: " Schönen Dank einstweilen, und schaffst du mir mein liebes Hütchen wieder, so will ich dir's reichlich lohnen." ,, Das ist nicht nötig," entgegnete der Schmied." Ich habe mich an curer Musik und an eurem Tanze recht weidlich ergößt, dafür will ich mich auch gern erkenntlich zeigen." Und damit ging er nach Haus. Am andern Morgen, als die Sonne eben aufging, war er schon mit einer langen Stange an Ort und Stelle, watete ins Wasser und fing an zu suchen. Da rief ihm das Zwerglein hinter den Büschen einen guten Morgen zu und sprach ihm seine Freude aus, daß er sein Versprechen so getreulich halte. Bald hatte der Schmied das Glockenhütchen richtig gefunden und reichte es dem kleinen Kobold hinauf. Der sprang nun vor Freuden noch höher, als am gestrigen Abend. Dann aber zog er einen großen Edelstein von wundersamer Pracht aus seiner Tasche und wollte damit den Freundschaftsdienst belohnen. Allein der Meister weigerte sich standhaft, das Geschenk anzunehmen, so sehr der Kleine auch bat. Er schüttelte ihm treuherzig die kleine Hand zum Abschied und ging nach Hause an sein Tagiverf. Heute zerteilte er einen mächtigen Eisenblock in viele kleinere Stücke, de er am folgenden Tage in schlanke Stangen ausrecken wollte. Wie groß war nun sein Erstaunen, als er am nächsten Morgen in seine Werkstatt trat und die ganze Arbeit schon getan fand. Er traute feinen Augen kaum, aber die Stangen lagen wirklich blizeblank und tadellos ausgeschmiedet, schön aufgeschichtet da. Ei, dachte er, das ist ja ein lustiger Streich, wer mag mir den nur gespielt haben? Er fragte den ganzen Tag bei allen Nachbarn und Bekannten, aber niemand konnte oder wollte, wie er glaubte, ihm Auskunft geben. Nun nahm er den zweiten Eisenblock vor und dachte dabei: es wäre doch nett, wenn ich morgen früh wieder die fertigen Stangen fände. Und richtig, so kam's. Am Morgen lagen die schönpolierten Stangen abermals fein aufgeschichtet, fir und fertig in der Werkstatt. sett muß ich aber doch wissen, wie sich die Sache verhält," meinte der Schmied, legte neue Metallstücke zurecht und stellte sich dann abends, als alle Nachbarn schon in tiefem Schlummer lagen, in einer Mauernische verborgen auf die Lauer. ( Fortsetzung in nächster Jugendnummer.), * Rätsel und Aufgaben. 1. Geographisches Quadraträtsel. a a i i مع 11 a a i 1 m m n n 0 I I T S Die Buchstaben in diesem Quadrat sind so zu ordnen, daß die Senkrechten gleich den Wagerechten ergeben: 1. eine Stadt in Peru, 2. einen Nebenfluß der Donau, 3. einen Nebenfluß des Rheins, 4. einen Fluß in Italien. * - 2. Nichts Törichter's als mich kannst du auf Erden finden; Doch neigi vor hohlem Schädel sich manch fluges Haupt; Und deine Ahnen, wie des Nordens Sagen künden, Sie haben, wie Germanen treu, an mich geglaubt, Verehrten meine Macht im blizgebroch'nen Baum. Einst schirm ich in der Schiacht; auch jetzt verleih ich Schuß, Ich biete treubewacht Kampf dem Feinde Trub Und laß den froh in den geschmückten Raum. 3 ° 307 Nr. 125 Montag, den 6 Junt. 1904. Oberbessische Familienzeitung. Tägliche Unterhaltungs- Beilage der Gießener Neueste Nachrichten. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1788); verantwortlich: Albin Klein. ( 14. Fortseßung.) Die Rache ist mein. Originalroman von Ottomar Beta Erich übergab ihm sogar einen Teil seiner eigenen Geldangelegenheiten. Und so wußten denn die Fiebigers wenigstens, daß der arme Ozeanbummler und verlorene Sohn ein ganz immens reicher Mann war, der mit Vanderbilt und anderen Milliardären der neuen Welt in Verrech= nung stand. Er war offenbar am anderen Ufer der großen Bfüße" von einem Glück begünstigt worden, wie es eben nur diejenigen trifft, welche Fortuna besonders liebevoll an ihr Herz nimmt. Aber ob sie dort erwarmen? Inzwischen beschäftigte sich die Vaterstadt lebhaft mit seiner Person. Erich war dort nicht weniger wie in seinem Vaterhause wieder heimisch geworden und zu Ansehen gelangt, und zwar auf historischer Basis. Fiebiger brachte die bergessenen Dinge wieder in Erinnerung: Die Verdienste des alten Staudius während der Franzosenzeit, die der ferneren Vorfahren während des Krieges zwischen Karl dem Zwölften von Schweden und Friedrich Wilhelm dem Ersten von Preußen. Diese Dinge wurden allgemein besprochen, einmal sogar gelegentlich eines Vortrages im Börsensaale kommentiert. Damals kam die Stadt an die Hohenzollern, und der erste hanseatische Staudius, der mit dem General von Bork in ihre Mauern einzog, opferte sogleich einen beträchtlichen Teil seines Vermögens, welches er durch Armeelieferungen gewonnen hatte, dem Wohle und der finanziellen Erleichterung der Bürgerschaft. Die Stadt, gab man zu, war dem Staudius gegenüber mannigfach verschuldet, und man fühlte das Bedürfnis, diese, obwohl verjährte Schuld, abzutragen. Es lag bei Erich, in furzer Zeit Ratsherr und Alderman, endlich auch wohl Bürgermeister zu werden. Nur seine scheinbare Abhängig keit und der mißliche Umstand, daß er nach wie vor in einer provisorischen Wohnung im Speicher hauste, hielt die seßhaften Bürger ab, ihn ohne weiteres mit der goldenen Kette zu behängen. Man bemerkte seine zuweilen sich geltend machende trübe Laune. Und weise Leute munkelten allerlei, so daß auch die Damen sich bald vielfach mit seinem Wohlergehen beschäftigten. Er wurde überallhin eingeladen, nicht nur dahin, wo Fiebigers verkehrten, in der offenbaren Absicht, ihn unter den Pantoffel zu bringen, und zwar in einer seinen Jahren angemessenen Weise. Da gab es manches Mädchen entre deux âges, das vielleicht ihre Jugend in der Hoffnung, einen Offizier zum Gatten zu bekommen, verseufzt und verloren hatte und die ihm nun auf dem Präsentierteller entgegengebracht wurde. Aber er begehrte solcher Früchte nicht, auch nicht, wenn sie mit Vermögen und Hausstätte garniert waren. Er litt sogar einigermaßen unter diesen matrimoniellen Plänen, die, obgleich wohlgemeint, ihn an seine vierzig Jahre erinnerten. „ Er ist schon verheiratet," meinten einige. Er hat, wie so viele Seeleute, irgendwo irgendwas ſizen. Es gibt deren, die haben eine Frau in Honkong und eine in San Franzisko und noch eine in Lissabon oder Liverpool." Auch bei Fiebiger wurden solche Andeutungen gemacht. Man klopfte bei ihm auf den Busch. " ,, Was meinst du, Franziska?" hatte er seinerseits die ( Nachdruck verboten.) Tochter gefragt ,,, du wirst es wissen. Du hast ja mancherlei mit ihm verhandelt." Diese Frage war, wie aus einer Kanone geschossen, ge= legentlich beim Mittagsmahl gestellt worden, und Franziska, welche ihrem Vater socben vorlegte, ließ mit bei ihr sonst nie bemerktem Ungeschick ein Stück Braten auf das Tischtuch fallen und war darüber so erschrocken gewesen, daß sie hinauslief. Der Rittergutsbesitzer war als Gast zugegen und hatte mit dem Justizrat die Handelspolitik der Amerikaner diskutiert, was bei ihm stets mit Hinweis auf die Aeußerungen geschah, welche er einst aus Erichs Munde vernommen. Bei dieser Gelegenheit hatte er Franziskas Abwesenheit zu einem Exkurs auf ein benachbartes Gebiet benüßt, nämlich die eigene Ehepolitik. Der Rittergutsbesitzer hatte zwei Söhne bei der Armee. Auch Ihre Fräulein Tochter," hatte der Rittergutsbesiger gesagt, sollte eigentlich schon unter der Haube sein. Es wäre doch schade um so eine exquisite Schönheit." ,, Gelegenheit dazu hat sich ihr genug geboten," entgegnete Fiebiger, sie hat erst fürzlich wieder jemand einen Korb gegeben.. einem aussichtsvollen Regierungsassessor. sagte, er wäre ihr zu jung." " Bu jung... ei, ei!" Sie ,, Sie iſt, fürchte ich, durch mich zu sehr an den Umgang mit gesetzten Leuten gewöhnt und, offen gestanden, ich würde sie ungern verlieren und an irgend einen Springinsfeld da hingeben, obwohl es Zeit ist... ja, es ist Zeit... denn wie lange kann ich noch leben? Und ich möchte sie in guten Händen wissen, wenn ich die Augen zumache." " Bu jung zu jung... hm," hatte der Rittergutsbesizer, seinen Wein schlürfend, gemeint, wissen Sie, daß ich einen Jungen habe, der dicht vorm Hauptmann steht. Das bekundet Gesetztheit." Dabei blinzelte der unternehmende Schalk den Justizrat über den Rand des Glases hinweg freundlich an. Ueber die anderen dabei zu berücksichtigenden Dinge, hatte er gemeint, würden die beiden Alten sich ja wohl verständigen. Er nötigte sogar seinen etwas verdußt dreinschauenden Wirt, mit ihm anzustoßen. Und dann trat Franziska wieder in das Zimmer. Ihr Vater tätschelte ihr die Hand, und sie sah verwirrt darein. ,, Accidents will happen," hatte der Alte gesagt, so etwas kann sich wohl einmal begeben," aber nachdenklich war er seit der Zeit immer geblieben. Und bei eben jener Gelegenheit war auch die Bedenklichfeit wegen Erichs Vergangenheit noch weiter zur Sprache gekommen. Wenn man vom Verheiratetsein spricht," ergänzte nämlich der Rittergutsbesitzer seine Rede. Er bezog seine Moden von Paris, wohin er freilich nur unter Führung des Feldmarschall Vorwärts" gelangt war, und vereinigte deutsche Brüskheit mit gallischer Anspielungssucht. Franziska lachte und errötete zugleich, und der Rittergutsbesizer strich dann seinen Bart und blinzelte. ,, Wetter, ja, ich müßte ein junger Bursch sein!" Dann des mit Fiebiger Mr. 131 baus gebracht Wonnementopre G En Der Noch immer lieg Sandoperationen bei purudziehen, fommer fher Seite behaupte poeiterem Vorrüden Star Forts vo Am 2. Jumi u erzählen wiffen ichften ist die Schi von einander ent meitlich von Do hings ebenfalls f Streitfräfte auf japanische Armee Santſchimbo und landete Mannsch Richtung auf Bo troffenen Chinesen paner auf der ein Meer, von dem dem russischen S äußeren Forts Am 2. Juni G an diesem Bunt und vielleicht ich thre Operations die größeren Sch den Elliot Infel halb des Hafens Fahrzeugen aus durch die russisc Meitermarsch zu ида erfchoffen worder Der Brief eine kam, beſtätigt tim ben über den gaben fernung der javar betrage. Die Ar bor, infel die Dit „ Ein wand aller Kräfte der vermehrten Arbeit nicht gewachsen gepflogenen Gesprächs eingedenk, verbesserte er sich. solcher in gesezten Jahren natürlich.. Sie lieben ja das Gesetzte." Franziska blickte darauf hin ihren Vater an und dieser in höchster Verwirrung seinen Teller. Das Stück Braten auf demselben hatte natürlich mit seiner schuldbewußten Miene nichts zu tun, und Franziska hatte den Zusammenhang erraten. Sie drohte dem Papachen lächelnd mit dem Finger. Nun, nun," bruminte der Gutsbesitzer mit der alten Militärs eigenen Bonhommie, angejahrte Herren wie wir sind, gnädiges Fräulein, dürfen sich wohl schon mal einen zeitgemäßen Scherz crlauben, und zeitgemäß wäre es, meiner unmaßgeblichen Meinung nach, im höchsten Grade, wenn... wenn ,, Wenn wir Herrn Staudius unter die Haube brächten," so war ihm der Justizrat rechtzeitig in die Parade gefahren. Und nun war das große Wort gelassen wiederholt worden. ,, Richtig... richtig... er soll also schon verheiratet sein, dieser Tausendsassa." Der Justizrat glaubte diesem Gerüchte nicht. „ Er hätte mir davon schon irgend etwas gesagt, und er hätte sich seine Frau auch längst nachkommen lassen. Erich Staudius ist ein Goldmensch..." Der Gutsbesizer bestätigte diese Ansicht.„ Es ist eine Freude, ihn wirtschaften zu sehen. Gewiß!" Nur an einem erlaubte sich der Gutsbesizer zu zweifeln. „ Ob er uns die Leute nicht verdirbt." ,, Er behandelt sie menschlich." ,, Das ist eben der Fehler, denn sie danken ihm dafür wie die... wie die..." ,, Vergleiche hinten." " Das tun sie, wenigstens auf einem Bein, in diesem Falle aber ließe sich schon einer finden, der nicht hinkt, denn unsere Kornträger, Herr Justizrat, das sind eigentlich keine Menschen..." „ Um so schlimmer. Man muß sie dazu erziehen." ,, Gut, dem gebe ich Beifall, aber im Sand muß man sachte fotren und nicht pleine chase, Hoppel die Stoppel, über Stod und Stein. Die Leute können so schnell nicht folgen. U dann in einem kleinen Boot holt man die Leute einzeln uber, sagt der Fährmann. Der Herr Staudius aber nimmt's ja gleich mit der gesamten Sippschaft auf. Sollt mich nicht wundern, wenn die Kornträger einmal streifen, aber nicht w'e's Mode ist. Er läßt ja nun eine Schnecke bauen, um den Wladimir zu löschen." ,, Eine Schnecke?" " Ja. Das ist eine Maschine, im wesentlichen bestehend ans einer forkzieherartig gewundenen und schräg emporleitenden Röhre, durch deren Drehung man das lose Korn zwei, drei Stockwerke hoch emporheben kann. Die Träger leben zu. Außerdem hat er noch eine mit Dampf getriebene Neſenklapper in Aussicht genommen, welche das Korn schon va Bord, che es geschneckt wird, einigermaßen lockert, reinigt und lufttrocken werden läßt. Die Sache ist im höchsten Grade rationell... ja, das ist sie. Aber... aber „ Die Kornträger stecken angesichts dieser Neuerungen die Köpfe zusammen," sagte der Justizrat,„ das ist ja wohl imnier so. Den Erbauer des ersten Dampfschiffes haben sie totgeschlagen. Und heutzutage noch wollen die japanischen trenzieher und Sänftenträger gegen die Einführung der Bug. und Lasttiere rebellieren. Je unmenschlicher die Arbeit, um so unmenschlicher sind die, die sie vollführen." „ Aber um so besser werden sie bezahlt," hatte der Gast bemerkt, da läge der Hase im Pfeffer." a wohl und um so weniger wüßten sie das Geld zu bendigen. Die Lebensweise dieser Leute wäre eine... eine freefliche. Sie heizten sich wie die Maschinen und wären aud seclenlos wie diese. Nach den furchtbaren Anstrengun gen des Werktages legten sie sich auf die Bank in den Schenken und verschlemmten den reichlichen Lohn, bis der Trunk ihrer Bart rcccarriène ein frühzeitiges Ziel sezte. Bettelnde Bagabunden dieses Standes wären so gewöhnlich wie die Leierfasten- Invaliden und eine wahre Landplage." „ Das stimmt, das stimmt," sagte der Gutsbesizer;„ sie Steden einem die Scheune an, wenn man sich nicht auf gute rt mit ihnen abfände," und daß der gesamte Stand ein Hebel wäre, wenn auch leider ein notwendiges, darüber maren alle durchaus einig. Nur die Boofkes selbst sähen das micht ein. Sie schrieen über Verrat, obwohl sie mit dem Aufwären, welche die erhöhte Tätigkeit der Firma Riez nötig machte. Und wenn sie um Arbeit in Not wären, dann nähme der ,, Vulkan" sie auf," fügte der Nat hinzu;„ nein, Herr Amtmann, lassen Sie den Erich Staudius nur machen. Seine Schnecke ist ein unschuldiger Versuch, aber seine Bemühungen, unsere Arbeiter zu heben, auf die lasse ich nichts kommen. Wir verlangen von ihnen neben physischer Kraft auch einige Intelligenz und Geschicklichkeit, und gegen diese Anforderung wehren sie sich. Sie fühlen sich durch die Einführung der Schnecke in ihrer Würde beleidigt, aber wir werden ihnen auf eine andere Weise Genugtuung geben.” „ Dann will ich nur hoffen, daß Ihnen der Kuckuck kein Ei ins Nest legt," schloß der Rittergutsbesizer;„ Herrn Staudius und Ihr gemeinsames Wohl, Herr Justizrat," er stieß an und trank; einstweilen ist ja auch wohl das Gros ganz gut zu menagieren; Herr Staudius weiß die Leute zu behandeln, er spricht mit ihnen wie ein Digger mit dem anderen; ich muß gestehen, ich könnte es nicht, und er verschmäht es nicht, auf seinem eigenen Rücken einen Dreischeffelsack Weizen, das sind nahe an drei Zentner, die Bodentreppe hinaufzutragen." ,, Und das können Sie auch nicht." Nein; aber ich hatte einen Volontär, Herr Justizrat, der konnte das; gut bekommen ist's ihm nicht. Solche Kraftproben dienen als Reizung; nachher bilden sich die Leute ein, sie müßten es auch einmal auf andere Weise versuchen." ,, Bei Erich Staudius nicht." Er hat eine Bulldogge im Speicher und einen Bulldoggrevolver in der Tasche, sonst stünde ich für nichts, denn einige dieser Leute, die er entlassen hat, laufen im Lande umher und drohen, sie würden es ihm schon anstreichen, daher zu kommen von den Goldgruben und sich als den Herrn über alles aufzuspielen." ,, Betrunkene Subjekte, die er ausgemerzt hat." Ja, unter anderen der wilde Robert, der stärkste Mann des Jahrhunderts; der tyrannisiert die Leute, daß sie vor ihm kriechen, aber trinken tun sie alle, und Spiritus, der nicht getrunken wird, der wäre besser Kartoffel geblieben," lachte der ländliche Herr, der natürlich auch Brenner war. Dann ging das Gespräch wieder auf das andere Thema über, welches ja eigentlich das leitende war. Die verwitwete Frau Stadtbaumeisterin Kruſe behauptete nämlich fest und steif, daß Erich verheiratet wäre, denn er esse gern Gemüse und steche nicht mit der Gabel durch die Servietten. Er, der Gutsbesizer, wäre vor kurzem auch in einen kleinen Kaffeeklub von Stiftsdamen erster Klasse geraten, welcher die Reihe herumging und wo die Beteiligten bald bei der einen und bald bei der andern Witwe dieselben Butterkringel einſtippten und meist auch dieselben geehrten Mitmenschen. Da wären furchtbare Dinge publiziert worden. Die eine dieser Damen hätte Erichs Großmutter noch gekannt und behauptete, der junge Staudius hätte damals schon, ehe er als Schiffsjunge durchbrannte, eine Liebschaft gehabt. Er neigte seit je zum Ehestande und ein solcher Mensch hielte das ledige Leben nicht lange aus. ,, Nein, diese Damen, diese Damen!" „ Und besonders diese Stiftsdamen erster Klasse!" " Und wissen Sie, wer es gewesen ist... seine damalige Geliebte?" ,, Gewesen sein soll?" " Soll... ja, gewiß...soll. Nun also, das war oder soll" gewesen sein die Bäckermeisterstochter Klara Riesopp in der Heiligengeiststraße beim damaligen Kloster dicht um die Ecke, die sogenannte Räuberbraut, denn sie machte damals auf den Wällen mit den Burschen die verwegendsten Spiele mit, und eins der am liebsten betriebenen Repertoirestücke derselben pflegte das Räuber- und Ritterspiel zu sein. Klara Riesopp wäre dabei gewöhnlich als Edelfräulein geraubt und hin- und hergerissen worden, daß es nur so eine Art gehabt hätte." Und Erich war wohl gemeinhin der Räuberhauptmann?" " So wenigstens behauptet die verwittwete Frau Salzmagazin- Direktorin Schönebeck in Stift." ( Fortsetzung folgt.) Das weiße Haus am Wall. Skizze von Frit Schott. ( Nachdruck verboten.) Draußen vor'm Tor zieht sich ein grüner, mit bunten Wiesenblumen bedeckter Wall um die eine Seite der alten Hansestadt. Vielleicht ist er einmal höher gewesen, als er noch ein Schutz gegen feindliche Eindringlinge war. Jetzt sieht er aus, als sei es einzig seine Pflicht, das gelbe Wasser des alten Stadtgrabens, der neben ihm langsam dahinzittert, freundlich zu umsäumen, und der jungen Kinderwelt, welche sich hier den ganzen Tag tummelt, ein herrlicher Sportplatz zu sein. Oben auf seiner Höhe zieht sich zwischen blühenden Akazienbäumen die Wallstraße hin, die vornehmste des Ortes. Elegante Villen, von wohlgepflegten farbenfrohen Vorgärten umrahmt, reihen sich aneinander, weit geöffnete Fenster geben Luft und Sonne Einlaß, und fröhliche, gepuzte Menschen, die hier ein- und ausgehen, atmen reiche Lebensfreude. Am Ende der Straße erhebt sich der Wall zu einer kleinen Anhöhe. Die jungen Afazien machen alten, hundertjährigen Blutbuchen Play, deren braunrotes Laub im Sonnenlichte glüht und glänzt. Hinter ihnen dehnt sich weit und schattig ein sorglich gepflegter Park, mit stillen verschwiegenen Wegen, heimlichen Lauben und Grotten, durch ein hohes, kunstvolles Eisengitter abgeschlossen von dem Verkehr der Straße. In der Mitte dieses Parkes steht versteckt hinter Bäumen und fremdländischen Pflanzen ein Haus. Auf weißen Marmorsäulen ruht der Vorbau des einzigen Stockwerkes, und breite, weiße Marmorstufen führen über die Vorhalle durch eine schwere, eisenbeschlagene, kunstvoll gearbeitete Eichentür in das Innere dieses Hauses. Trotz des seltsam grünen Geranks, von dem Säulen und Vorbau umsponnen sind, und trop des Sonnenlichtes, das oft und gern auf dem weißen Marmor ruht, wirkt der Anblick des Hauses düster und kalt. Denn seine Fenster bleiben geschlossen, Tag für Tag, und dicke, schwere Vorhänge wehren der Sonne den Eintritt. Die Leute, welche draußen auf der Wallpromenade spazieren gehen, und nie müde werden durch das Gitter in den stillen Park zu blicken, nennen ihn den Marmorpark, und das einſame, weiße Haus, das er umgibt, das Tempelhaus. Und der Frieden eines Tempels scheint von ihm auszugehen, sich zu erstrecken über die alten Baumriesen und die steifen Tropengewächse, mit denen der Park bepflanzt ist. Keine leuchtende Blüte, keine Blume, so weit der Blick reicht. Nichts als furz gehaltener sattgrüner Rasen, Epheu, Cypressen und Palmen. Ab und zu knirscht leise der Kies im Wege unter lang= samen Schritten. Ein alter, ergrauter Gärtner ist es, der bedächtig seine Arbeit verrichtet, oftmals von zwei weißen, langhaarigen Windhunden begleitet, die in eleganter, zier licher Gangart, wohlgepflegt und wohlerzogen ihm folgen. Bisweilen tut sich auch die kleine Hinterpforte des Parkes auf, die ganz von wilden Wein umsponnen, zur Stadt führt, und von der Dienerschaft benutzt wird. Denn so totenstill und einsam das Tempelhaus aussieht, schließt es bewegtes Leben ein. Nur daß es lichtscheu ist und vor den Blicken der Welt sich verbergen möchte. Hat sich die Sonne geneigt, ist es still und menschenleer auf dem Wall geworden, dann öffnen sich alle Abend die breiten, schweren Eichentüren hinter den Marmorsäulen und langsam steigt eine Frau die Stufen herab, in den schweigen den, dunklen Park. Weiche, schleppende Stoffe umhüllen ihren Körper, und wie eine schwere Bürde zieht sie sie mit sich. Scheu betritt die Frau die dämmerigen Wege, aber sobald der Sand unter ihren Sohlen fniſtert, springen die Hunde aus ihrer Hütte, drängen sich zärtlich an ihre Herrin, die nun hastiger dahingeht. Auf und ab auf und ab- immer dasselbe Stück Weges, das von Haus zur Gartenpforte führt. Immer, wenn diese erreicht ist, legt die Frau ihre Hand auf die Klinke der fest verschlossenen Tür, neigt das Ohr lauschend ein wenig vor und blickt hinaus auf das Dunkel der Straße. Bisweilen klingt aus der Ferne eine Menschenstimme, oder es naht jemand. Dann kommt heftige Bewegung über die Herrscherin, lebhaft rüttelt sie an der Gartentüre und erregt ruft sie einen Namen, leise, dann laut und lauter, bis eilig von der Vorhalle die Wärterin kommt und sie ins Haus zurückführt. Erschöpft, als habe sie schwere Tagesarbeit hinter sich, sinkt sie im Zimmer in ihren Sessel und läßt es willig geschehen, daß die alte Dienerin Haare und Bänder löst, und sie bettet wie ein Kind. Nach einer Weile tiefer Ruhe und völliger Teilnahmslosigkeit pflegt dann plötzlich bei ihr laute Heiterfeit auszubrechen. Hastig springt sie auf und befiehlt, daß die Dienerin sie ankleide und schmücke. Mit großer Hast wählt sie unter dem kostbaren Bestand ihrer Garderobe das leuchtendste Gewand und legt es mit kindischer Freude an. Der Schnitt des Kleides läßt Hals und Arme frei einen dürren, gelben Hals, magere, eckige, gelbe Arme. Aber die Frau ist glücklich in ihrem Buzz. Lächelnd nimmt sie vor den großen Toilettenspiegel Plaz, läßt sich die farblosen Haare künstlich aufstecken und dunkelrote Blüten hineinflechten. Auch kostbares Geschmeide legt sie an, und wird nicht müde, ihr Spiegelbild lächelnd zu betrachten. Dann läßt sie sich von der Dienerin durch eine Reihe hell erleuchteter Zimmer in den großen Speisesaal führen. Sichtlich erfreut über den Glanz und das Leuchten nimmt die Hausfrau an der Tafel Platz und verzehrt mit Hast die ihr zugeteilte Suppe. Dann erst bemerkt sie ihre Tischgenossen. Es ist der Hausarzt und eine Diakonissin, die sich scheinbar gar nicht um die Hausfrau fümmern. Beide tragen Kleider in lebhafter Farbe, ebenso die Dienerschaft. Es iſt, als könne die Hausfrau nicht genug der grellen Farben sehen. Der vierte Platz an der Tafel bleibt leer. Er ist überreich geschmückt und mit seltenem Trinkgeschirr besetzt. Der zweite Gang wird gereicht. Da scheint ein langsames Erinnern über die Hausfrau zu kommen; erregt lehnt sie es plöglich ab, davon zu nehmen, und heut- wie seit zehn langen Jahren als der Gatte die Unglücksfahrt auf seiner Segeljacht unternahm, und nicht wieder heimkehrte- befiehlt sie, daß man mit dem Essen warten solle, bis der Herr da sei. Und dann wartet sie. Mit leeren weiten Augen blickt sie nach der Tür, bis die Spannung steigt, zur Angst wird und sich in heftigem Weinen ausläßt.- Ein Diener kommt herein mit der frommen Lüge: der Herr ließe um Entschuldigung bitten, er käme später- man sollte nicht mit dem Essen warten. Das beruhigte die Frau, und für kurze Zeit zerstreut der Fortgang der Speisefolge ihre Gedanken. Bald aber kommt die alte Angst um den Verbleib des Gatten. Auf den Arm der Wärterin gestützt, sucht sie das einst bewohnte Zimmer des Hausherrn auf, nimmt in seinem großen Arbeitsstuhle Platz und blickt unausgesetzt zur Tür, daß sie sich öffne, der Ersehnte eintrete und sich zu ihr neige, wie einst vor langer, langer Zeit. Aber die Tür bleibt geschlossen, kein Schritt naht, kein liebevoller Arm legt sich um die Einsame. Fröstelnd kauert sich die Frau zusammen. Die Dienerin bringt warme Tücher, weiche Pelze, und hüllt den elenden Körper darin ein. Still, regungslos verharrt die Unglückliche in ihrer Stellung, aufhorchend, wartend, sich sehnend. Bisweilen weht der Wind ein Blatt ans Fenster oder ein Nachtvogel kreist um die hellen Scheiben dann huscht ein glückliches Lächeln über die verfallenen Züge des einst so schönen Gesichtes, die Augen füllt flüchtiger Glanz- aber nach wenigen Minuten erlischt er das Hoffen war trügerisch. Und weil die stete Enttäuschung Furcht erzeugt, und dieser das Grauen folgt, deshalb kleidet sich zur dunklen Nachtzeit das ſtille, weiße Haus in helle, grelle Farben und bleibt wach, während sonst die alte nüchterne Stadt mit ihrem gesunden Menschenschlag den Schlaf der Gerechten schläft. Regt sich aber draußen beim Tagesanbruch das Leben, dann erlöschen langsam die vielen Lichter drinnen. Abgespannt, ermüdet schleppt sich dann die unglückliche Frau zu ihrem Lager und langer, tiefer Schlaf pflegt Gelft und Körper zu beruhigen. Bis mit dem Erwachen Schmerz und Sehnsucht wieder laut wird. „ De lütt Fru Konsuln is dösköpsch", sagen die Leute und zeigen mit dem Finger nach der Stirn. Aber bisweilen huscht in der Abenddämmerung am Parkgitter ein Liebespaar vorbei. Dann zögert es ein Weilchen im Weitergeh'n schlingt die Arme fester umeinander und flüstert leis von Lieb' und Treue. 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