Nr. 106. Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., In's Haus gebracht 60 fg., durch die Poft bezogen viertelfährlich Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Freitag, den 6. Mai 1904. Gießener 13. Jahrgang. Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz Oberhefsen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg. Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 83. Ferusprechanschluß Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Beifung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Bekanntmachung. Für den Dienst in Südwest- Afrika ist ein weiterer Bedarf an Mannschaften erforderlich geworden. Freiwillige der Reserve aller Waffengattungen, welche bereit sind, sich für ein Jahr zum Dienst dortselbst zu verpflichten, wollen sich bis spätekens 7. Mat behufs Vornahme einer ärztlichen Untersuchung auf dem Bezirksfommando, Seltersweg 55, persönlich anmelden. Auskunft über die Gebührnisse u. s. w. wird hier erteilt. Bezirkskommando Gießen. Die Großb. Bürgermeistereien des Kreises werden beauftragt, vorstehende Bekanntmachung ortsüblich zu veröffentlichen. Gießen, den 5. Mai 1904. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Breidert. Bekanntmachung. Betr.: Den Wasenmeisterdienst in Großen- Linden. Jakob Kröck von Großen- Linden ist für die Gemeinde Großen Linden zum Wasenmeister bestellt und von uns amtlich verpflichtet worden. Gießen, den 3. Mai 1904. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I V.: Dr. Kranzbühler. Bekanntmachung. Betr.: Den Wasenmeisterdienst zu Birklar. Christian Habermehl von Birklar ist für die Gemeinde Birklar zum Wasenmeister bestellt und von uns amtlich verpflichtet worden. Gießen, den 3. Mai 1904. Großherzogliches Kreisamt Gießen. J. V.: Dr. Kranzbühler. Syftemwechfel in unferen Kolonien. Die Ernennung des Generalleutnants v. Trotha zum Oberkommandierenden in Südwestafrika ist der Vorbote einer Reihe von Maßregeln, die einen völligen Systemwechsel in unseren Kolonien zur Folge haben werden. Unser CB- Mitarbeiter ist in der Lage, auf Grund von Informationen, die ihm von unterrichteter Seite geworden sind, folgende eingehenden Mitteilungen über die Vorgeschichte der Ernennung und ihre voraussichtlichen Wirkungen zu machen: Daß Generalleutnant v. Trotha zum Oberkommandieren. den ernannt wurde, ist auf persönliche Entschließung des Kaisers zurückzuführen. Der Reichskanzler und das Kolonialami hätten die Erhaltung des Obersten Leutwein gern gesehen, und der Kaiser hatte auch in Karlsruhe bereits dement: sprechend entschieden. Zwar wird dem Oberst Leutwein zum Vorwurf gemacht, daß er durch falsche Behandlung der Farbigen, vor allem aber durch die Anerkennung der Häuptlingschaften und die Einrichtung eines sogenannten Volksrates einen Teil der amtlichen Autorität aufgegeben habe. Man fann aber nicht bestreiten, daß sein System sich bei den Witbois bewährt hat, die heute die getreuesten Vasallen des Reiches sind. In amtlichen Kreisen ist man jedenfalls der Meinung, daß weder Leutwein persönlich, noch sein System an den unerfreulichen Verhältnissen schuld ist. Zu seiner Entlastung spricht auch die Tatsache, daß der deutsche Reichstag in der Bewilligung von Mitteln außerordentlich sparsam war und daß infolgedessen der Oberst Leutwein die Entwicke Tung unserer Kolonien nur durch die Aufzucht der Eingeborenen zu höheren Kulturaufgaben erreichen konnte. Wenn er sich in der Beurteilung der Schwarzen geirrt hat, so ist das jedenfalls die am wenigsten verhängnisvolle Seite der Kolonialfrage. Nicht zu leugnen ist, daß die Händler durch ihr rigoroses Vorgehen und vor allem fremde Hetzer die Wirren verschuldet haben. Der Hauptvorwurf gegen Leutwein. Viel verhängnisvoller als Leutweins verwaltungstechnischer Irrtum war die falsche Ausmessung der zur Niederwerfung des Aufstandes erforderlichen Streitkräfte, und diesen Irrtum haben ihm auch hauptsächlich die militärischen Berater des Kaisers zum Vorwurf gemacht. Außerdem scheint die Taktik seiner Kriegsoperationen nicht gebilligt zu werden. Bekanntlich verfolgte Oberst Leutwein den Plan, die aufständischen Hauptgruppen unter Maharero, Riarua und Tjetjo durch ebenso viele deutsche Kolonnen zusammentreiben zu lassen, und sie dann in einem entscheidenden Angriff aufzureiben. Diese Taktik hat sich allerdings nicht bewährt. Die deutschen Streitkräfte wurden dadurch vollständig verzettelt und ver loren, wie wir an der Kolonne Glasenapp sehen, sogar die Fühlung miteinander. Man scheint in maßgebenden Kreisen zu fürchten, daß Leutwein sich in seine Strategie verbeißen und neue Fehler zu den alten machen könnte. Unter diesen: Gesichtspunkte bedeutet die Ernennung des Generalleutnants v. Trotha zugleich die Aenderung des Kriegsplanes. Daß ein solcher bevorsteht, ergibt sich auch aus der Verteilung der Nachschübe auf die einzelnen Waffengattungen. Im ganzen werden 1500 Mann aufgeboten, unter denen das Fußvolt den geringsten Teil, nur etwa ein Drittel, ausmacht. Darin liegt aber unseres Erachtens auch eine Entschuldigung für Leutwein, weil er mit den vorhandenen geringen Machtmitteln erst zu einer entscheidenden Offensive übergehen konnte, wenn ihm die feindliche Macht nicht mehr in Form konzentrischer Kreise gegenüber stand. Gewiß wünschi man dem General v. Trotha den besten Erfolg, man möge es aber vermeiden, Leutwein unter allen Umständen zum Sündenbock stempeln zu wollen. Die Aufklärung darüber, ob und wie weit ein Verschulden vorliegt, wird später festgestellt und mitgeteilt werden. Einstweilen bleibt Lcutivein als Gouverneur dem Kolonialdienst erhalten, und damit ist auch der Anfang gemacht zur Trennung der Zivilverwaltung und der Militärgewalt. So ist man einem Ziel näher gerückt, das in kolonialen Kreisen beharrlich verfolgt wird. Gerade jezt während der Kriegsoperationen hat es sich gezeigt, daß durch die Personalunion der Zivil- und der militärischer Gewalt stets eines der beiden Interessen leiden muß. Beispielsweise hat Oberst Leutwein seine letzten amtlichen Meldungen aus Windhuk datiert, ein deutlicher Beweis dafür, daß ihn die Verwaltungsgeschäfte doch erheblich in Anspruch nehmen. Wenn nicht alle Voraussetzungen trügen, dann bedeutet die Ernennung v. Trothas einen gründlichen Systemwechſel in den Kolonien. Errichtung einer Kolonialarmee. Vor allen Dingen hat sich auch bei den jetzigen Kriegswirren gezeigt, daß dem Kaiser zur Hebertragung des Oberbefehls nur ganz wenige im Kolonialdienst erprobte Offiziere zur Verfügung standen. Es kamen ernstlich nur die Herren v. Trotha und v. Gayl in Betracht. Die maßgebenden Kreise der Reichshauptstadt glauben diesem unerfreulichen Zustand für etwaige Wiederholungsfälle dadurch begegnen zu können, daß für den Tropendienst eine eigene Kolonialarmee geschaffen wird. Wir befinden uns offenbar auf dem Wege zu dieser Entwickelung. 不 Die militärische Lage in der Kolonic. Zwei neuere Meldungen des Obersten Leutwein geben Aufschluß über die augenblickliche militärische Situation auf dem Schauplatz des Hererokrieges. Die Kriegsgliederung unserer Truppe ist danach zur Zeit folgende: Die Abteilung Estorff steht marschbereit in Otjosasu mit 4 berittenen Kompagnien, 2 Batterien K. 96, 4 Maschinengewehren und der Bastardabteilung, zusammen 706 Mann. Die Hauptabteilung steht an der Bahn gestaffelt verwendbar, sobald die noch im Anmarsch befindlichen ostpreußischen Pferde zur Verfügung stehen, mit sechs berittenen Kompagnien, drei Batterien K. 96 und der Abteilung von Hendrik Witboi, zusammen 964 Mann. Die Nordabteilung steht in einigen Tagen inarschbereit in Karibib mit einer Kompagnie, zwei Geschützen S. 96, zwei Maschinengewehren, zuſammen 176 Mann. Die Oſtabteilung( Glasenapp) liegt in Quarantäne in Otjihaenena mit drei Kompagnien, vier Maschinengetchren, vier Feldgeschützen, zusammen 209 Mann außer den Kranken. Auch bei den anderen Abteilungen sind die Kranfen nicht mit eingerechnet. Weiter berichtet die Depesche über Leutweins Operationsplan. Der Gouverneur meldet: Der Feind geht anscheinend nordwärts zurück. Estorff hat Befehl, zu folgen und womöglich die östliche Flanke des Gegners abzugewinnen. Die Nord. abteilung geht über Owaltjo mit Proviant nach Grootfontein. Ein weiteres Telegramm des Gouverneurs bringt noch einige Ergänzungen zu dieser ersten Meldung. Es besagt: Die Hauptmacht des Feindes geht anscheinend nac Otjiamangombe, nordwestlich Katjapia, zurück. Estorfi folgt mit marschbereiten, berittenen Truppen am 4. Mai über Okatumba einer vorausgeschickten Eingeborenen. Kavallerie. Bei Katja pia waren versammelt die Kapitäne: Samuel Maharero, Assa Riarua, Kajata, Tjetjo, Mambo. Nach Aussage von Ueberläufern war der Verlust der Herero bei Onganjira groß. Bei Ovumbo( Dkatumba) sind wieder viel Herero gefallen, darunter ein Bruder des Großmanns Paul. Samuel Maharero selbst ist verwundet. Die Herero binden nachts die Bastarde und Hottentotten an. Samuel soll angeblich nach dem Ovamboland marschieren wollen. Das in dieser Mitteilung erwähnte Otjimangombe liegt etwa 40 Kilometer nördlich von Okahandja am Kreuzungspunkt mehrerer aus dem Süden kommender Straßen. Das Gelände jener Gegend ist für die Verwendung von Reiterei biel geeigneter als der bisherige Schauplatz der Operationen in den Enjatibergen. Angesichts des Operationsplans Leutweins, der auf ein allgemeines und energisches Vorgehen gegen die schon sehr geschwächten Herero hindeutet, liegt die Wahrscheinlichkeit vor, daß der Aufstand in der Hauptsache, d. h. militärisch, bereits niedergeworfen sein wird, wenn der neue Oberfommandierende General v. Trotha auf dem Kriegsschauplatz erscheint. Der General reist erst Mitte Mai ab, tann also erst Mitte Juni bei Okahandja erscheinen. Wie verlautet, würde dann dem General v. Trotha die Aufgabe bleiben, die in kolonialen Kreisen als unerläßlich betrachtete Unterwerfung der vam bo herbeizuführen, die zwar in deutschem Gebiet wohnen, aber noch nicht unter deutscher Aufsicht und Herrschaft stehen. Der Krieg in Oftafien. Die Japaner scheinen alles Ernstes einen entscheidenden Angriff auf Port Arthur zu planen. Der Sperrungsversuch der Hafeneinfahrt, den sie mittelst Branderschiffen aus= führten, scheint doch nicht so harmlos verlaufen zu sein, wie die ersten russischen Berichte es darstellten. In Tokio be= hauptet man, daß die Sperrung im Gegenteil vorzüglich geglückt sei, und der letzte vorliegende russische Bericht ist durchaus geeignet, dieser Behauptung als Stüße zu dienen. Das Telegramm, datiert aus Port Arthur vom 4. d. M. abends, spricht die Besorgnis aus, daß der am Horizont trenzende Feind einen neuen Ueberfall beabsichtige, und schildert die Sperrungsversuche in folgenden Worten Wie festgestellt ist, waren 12 Sperrschiffe in Aftion. Die Stelle, an welcher acht derselben untergingen, ist ge nau bestimmt, dagegen diejenige des Unterganges von zwei andern noch nicht. Zwei Sperrschiffe hielten dem mörderischen Feuer nicht Stand und machten kehrt. Nach den eingezogenen Informationen waren es Schiffe von je über 2000 Tonnen, mit Ausnahme des„ Satura", der 3000 Tonnen groß war. Dadurch, daß die russische Hafenverteidigung eingesteht, daß sie die Lage von zwei japanischen Sperrschiffen bisher noch nicht fenne, gibt sie der Annahme freien Spielraum, die Japaner könnten doch recht haben mit ihrer Behauptung, zwei gesunkene Schiffe lägen direkt vor der Hafeneinfahrt. Sollte das der Fall sein, so würde Port Arthur sich recht bald als unhaltbar erweisen, da japanische Landungen in großem Maßstabe, ungestört von der russischen Flotte, dann siche: ms Werk gesetzt werden oder bereits wurden. Unser Mitarbeiter macht darauf aufmerksam, daß am jalu nur das erste japanische Armeekorps unter General duroki ins Treffen gelangte. General Ofus' zweite Armee Armeekorps) befindet sich auf den längst signalisierten und ngeblich gegenwärtig bei Tafuschan südlich von Antung hre Truppen landenden Transportschiffen. Sie warteten or Tschemulpo auf die Entscheidung am Jalu. Okus' AufJabe ist, die Stellung der Russen bei Fönghwangtscheng uf deren rechten Flanke zu umgehen und möglichst von der Straße nach Liautschang abzuschneiden, während die nachdrängenden Garden mit der 2. und 12. Division unter Kuroki ihre Umzingelungstaftif wiederholen. Die dritte Armee inter General Nogi soll unweit Niutschwang resp. auf der Halbinsel von Liautung landen. Sie soll Sku auf seinem " ormarsche gegen Liautschang die Hand reichen. Dann ürde die rechte Flanke und der Rücken der russischen tellung auf der Linie Kaiping- Liautschang- Mukden nstlich gefährdet. Eine so großzügige Aktion der Japaner ürde freilich geraume Zeit in Anspruch nehmen, so daß entuell Wochen vergehen werden, ehe dieser Kriegsplan, r in militärischen Kreisen als sehr wahrscheinlich ventiliert vird, zur Ausführung gelangen wird. Aus Tokio wird berichtet, daß nach dem Versenken der Dampfer zur Sperrung des Hafeneingangs von Port Arthur die japanische Flotte am Dienstag die Forts und die Stadt bombardierte und die Beschießung am Mittwochmorgen rtsette. General Kuropatkin hat jetzt auch seinerseits einen ausführlichen Bericht über die Gefechte am Jalu eingesandt, der den bereits bekannten Einzelheiten im allgemeinen nichts wesentliches hinzufügt. Nur schäßt er die russischen Verluste meiter höher ein, als es bisher geschah. Nach Kuropatkins Angaben verloren die Russen 2000 Mann und etwa 40 Offi( ie. Die Verluste der Japaner seien ungeheuer gewesen. Ein deutscher Kaisersohn auf dem Kriegsschar plats. Prinz Adalbert, der dritte Sohn Kaiser Wilhelms, der set längerer Zeit im fernen Osten zur Ausbildung als Seemarn weilt, hat an Bord des großen Kreuzers„ Hertha" feine erste Fahrt nach dem russisch- japanischen Kriegsschauplatz angetreten. Das Ziel ist die koreanische Westküste, wo schmulpo anaelaufen wird. Von dort aus dürfte der ohne felbst mitzutun. nun eine Beitlang ungestört dem Wirbel der Tanzenden, nahm, Die rhythmische Bewegung, die Auge und Ohr zuDer felten genoffene Anblick hatte etwas Berauschendes feine Sinne mächtig auf, und für ihn. gleichen fan dan me blaariicho bazauberton Blatt. Mit Vergnügen," fagte betrittelte Augen, fah in Wahrheit nichts, gar nichts, es schwirrte ihm bor den Tisch. Er schien sich in die Gleichung zu vertiefen, aber er Die beiden Unbekannten x und y tanzten miteinander Beide ſetzten sich neben einander an den er und nahm ernsthaft das Nie soll ein Herz mehr offenbaren Als wie der Baum, wenn Herbste fahren Von seinen schmerzgezwung'nen Schweigen, Denn wie man beingliden fann man ia beim Schwimmenlernen, und Beine heit holen rechen und beim Tanzen sich eine LungenfrankTurnen vom Red fallen, auf dem Eise Arme f { { 249 e e ſt n nz einen Besuch am Kaiserhose in Söul abstatten. Am 8. Mai dampft die„ Hertha" durch den Tschiligolf nach der Tu- Recde und erwartet die Ankunft des Torpedoboots 90", das unter der Führung des Oberleutnants Windner von Tsingtau eintrifft. Der Prinz schifft sich mit se nem militärischen Begleiter, Kapitän zur See Freiherrn b. Schimmelmann an Bord von S 90" ein und fährt die Bohomündung hinauf bis Tonghu, um mit einer Anzahl Dziere des Stabes die Reise nach Peking mit der Bahn for zusetzen. Die Verhandlungen des Tsunglivamen über da Zeremoniell sind beendet, und der Kaiser und die Kaise mutter von China werden den Prinzen in feierlicher Rienz empfangen. Die Politik. Der Kolonialtor wird in diesem Jahre ebenso wie in den letzten Jahren im Sani einberufen werden, um die nächſtjährigen Etats für die Schutgebiete zu beraten, über die jetzt Uebersichten von den Verwaltungen der Schutzgebiete eingesandt werden. * Urväterhausrat, altes, morsches Gerümpel gibt's fast überall in der deutschen Gesez, jebing. Mit solchem veralteter Gesetzeskram haben die hellen Sachsen jetzt gründlich auf geräumt. Die beiden sächsischen Kammern haber eine Anzahl uralter Geseze und Verordnungen aufgehoben die in die Neuzeit passen wie die Faust aufs Auge. Dabei stellte sich ein furioses Ding heraus: Unter den aufzuhchen. den Gesetzen war auch eins, das die Fenergefährlichkeit der Kaken betraf. Dieses Gesetz galt vis heute und verbol den Kaben das Liegen auf dem warmen Ofen, weil sie feuer gefährlich seien. Die Erste sächsische Kammer hat es nun für nötig gehalten, das Gutachten cines Veterinär. beamten darüber einzuholen, ob es auch wirklich aus. geschlossen sei, daß eine auf einem Ofen liegende Raze Feuer fange. Inter großer Seiterfeit wurde das Gutachten verlesen, in welchem auseinandergesetzt wurde, daß die Kaye zweifellos ihren Platz verlassen werde, wenn es ihr zu heiß auf dem Pelz brenne, sie werde gewiß nicht marten, bis ihr Fell Feuer gefangen habe. Daraufhin wurde das Gesetz abgeschafft. Es stammte, beiläufig gesagt, aus Jem Jahre des Heils 1580! Von den übrigen abgeschafften Besetzen seien noch erwähnt diejenigen über das übermäßige Schuldenmachen, das unmäßige Zutrinken, das leichtsinnige Schwören und Fluchen, das Rauchen in den Betten usw. Man sieht, wie recht Goethe hat: Es erben sich Gesetz und Rechte wie eine ew'ge Krankheit fort! A Der Ausschuß des hessischen Landtags. der über die hessische Wahlrechtsänderung beriet, hat jeßt dem Landtage die Einführung der direkten Wahl der Abgeordneten zur zweiten Kammer unter Einfügung bestimmter Rautelen für die Ausübung des Wahlrechts empfohlen. Die zweite Kammer soll nach dem Vorschlag des Ausschusses fortan aus 60 statt seither 50 Abgeordneten bestehen. Statt seither 10 sollen fünftig 15 Abgeordnete auf die Städte entfallen, mährend statt 40 fünftig 45 ländliche Wahlbezirke bestehen jollen. Die Wahlbezirkseinteilung der drei hessischen Provinzen wird der Ausschuß demnächst feststellen. Türkei. Nach neueren Nachrichten aus Mazedonien ist die Lage dort keineswegs so zufriedenstellend, wie die offiziellen Ueberall türkischen Meldungen glauben machen wollen. tauchen mazedonische Banden auf, die die Bevölkerung durch Mord und Brand beunruhigen. Dazu kommt, daß die türkische Bevölkerung und die türkischen Truppen der größtenteils aus Christen bestehenden Gensdarmerie sehr friedlich gesinnt sind, und daß auch in der christlichen Bevölkerung wegen der langsamen Fortschritte der Reformen allmählich immer größere Erbitterung sich einstellt. Alles in allem: Trotz aller Reform"-Maßnahmen und türkischen Ver. prechungen wird wohl nicht cher Ruhe in Mazedonien einireten, ehe die Provinz nicht einem christlichen, von der türkei unabhängigen Gouverneur unterstellt wird. Heer und flotte. Neue Erfindungen in der Waffentechnik? Ein polnischer Bergmann namens Ludwig soll ins preußische Kriegsministe rium zur Vorstellung berufen sein, weil er eine eigene Art von Maschinenkanonen und zwei neue Gewehrkonstruktionen erfunden habe. Er ließ von einem technischen Bureau in Kattowitz die dazu nötigen Zeichnungen anfertigen und sandte Sie dem Kriegsministerium ein. Darauf bekam er von diesem ein Schreiben, wonach seine Zeichnungen der geheimen PrüDer Wildhirt. Eine oberhessische Dorfgeschichte von J. Becker. ( Fortsetzung) ( Nachdruck verboten.) Der junge Mann hob bedeutsam den Zeigefinger der rechten Hand in die Höhe, wobei er die Worte sprach: ,, Na, na, wenn das Wort' ne Brücke wär', ging ich nit drüber." ,, Nein, ich freie aber nit!" Das wär doch schad', wenn so' n hübsches Mädchen ohne Mann bleiben wollt. Wenn mal aber der Rechte fommt, freist'n auch." ,, Der Rechte fommt rit mehr" „ Ich glaube gar! Siehste, ich wüßt Dir ein, der tät bei Dich passen, wie g'macht." " Darum seid Jhr wohl hierherkommen?" " Bewahre! Ich hatt' Geschäfte hier. Ich sein schon mehr hier g'west." " So, ich dacht, Ihr wärt hierherkommen, um mir'n Mann aufzuhängen." „ Na, wenn ich ein hätt', der Dir g'fiel, würd'st m'en doch nit sitzen lassen!" " Ja, wenn Ihr ein hätt', der mir gefiel, aber Н ' S g'fällt Dir wohl keiner?" " Ich glaube nit." 48 „ Na, wenn's so laut', is immer noch Hoffnung. Ich werd' mal seh'n, daß ich ein für Dich friege". übergeben seien, die ihm weitere Mitteilungen über seine Einreichung machen werde. Jetzt erhielt er von dieser Kommission eine Mitteilung, er möge sich sofort in Berlin ihr zur Verfügung stellen. Das Ganze klingt um so wunderbarer, als Ludwig erst 20 Jahre alt, Stockpole ist, noch nicht Soldat war und nie ein Militärgewehr in der Hand gehabt hat. Es wird jedoch von einem Beamten des Bergwerks, in dem Ludwig beschäftigt ist, auf Grund der antlichen Papiere bestätigt. Derselbe Beamte gibt an, das technische Bureau, welches die Zeichnungen anfertigte, habe Ludwig für seine Erfindung eine Summe von 36 000 Mark geboten, er habe sie aber dafür nicht verkauft. fungskommission sur Armaturkonstruktionen „ Das braucht Ihr nit", wehrte Elschen lachend. " Oh, oh! Da is einer in meim Ort, der BurkHennersch Hannhenner, der tät passen bet Dich, wie ,, Ach Den! Den fenn ich ja, der is-" " Na, laß mich doch erst mal sprechen! Ich weiß ja nit, daß Du' n kennst! Er is aber' n prächtiger Bursch, Deutfcher Reichstag. ( 84. Sizung.) CB Berlin, 5. Mai. Der Reichstag beschäftigte sich heute zunächst mit An gelegenheiten einzelner seiner Mitglieder. Er versagte die Genehmigung zur Einleitung oder Fortführung von Beleidtgungsprozessen gegen die Abgeordneten Fußangel, Hilpert und Dr. Bichler und er richtete an den Reichskanzler das Ersuchen um Mitteilung der Aften aus dem Prozesse, der zu einer Haussuchung in den Geschäftsräumen des Abg. Jessen geführt hat. Dann wurde eine größere Anzahl von Rechnungssachen debattelos erledigt und danach setzte das Haus die zweite Beratung des Gesezentwurfs betreffend die Ent. schädigung für unschuldig erlittene Untersuchungshaft fort. Der sozialdemokratische Abgeordnete Stadthagen bekänipste in langer Rede den Beschluß der Kommission, den grundlegenden§ 1 der Regierungsvorlage unverändert anzunehmen. Wenn nicht jeder Verhaftete Entschädigung erhalte, der rechtsfräftig freigesprochen oder gegen den das Verfahren eingestellt wird, dann schaffe man zwei Klassen von Freigesprochenen, und das sei kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt. Daß die Vorlage allen berechtigten Wünschen noch nicht genüge, erkannten auch die Redner anderer Parteien an, aber sie erklärten sich in der Mehrzahl doch für Annahme des Gesetzes, weil es den bestehenden Rechtszustand immerhin verbessere. Dementsprechend schloß sich auch bei der Abstimmung das Plenum der Kommission an. Preussischer Landtag. Haus der Abgeordneten. RK, Berlin, 5. Mai. ( 67. Sitzung.) Solchen Ohrenschmaus hat man im preußischen Abgeordnetenhause kaum jemals erlebt wie heute. Der bekannte Leiter der Anstalt Bethel, Pastor v. Bodelschwingh, hielt jeine parlamentarische Jungfernrede. Und sie war von Anfang bis zu Ende durchtost von stürmischer Heiterkeit des hohen Hauses, die den originellen alten Herrn, der da auf der Tribüne herumgestikulierte, sichtlich erfreute. Ein paar Proben der Tonart, mit der Abg. v. Bodelschwingh für den Kanal und namentlich für eine gute Behandlung und Besoldung der Kanalarbeiter eintrat: Er sagte u. a. am Eingang seiner Rede zu dem Präsidenten: Mein Freund, der Herr v. Pappenheim, hat mir gesagt, ich könnte Sie Du" nennen.( Stürmische Heiterkeit.) Das bin ich so von Hause gewohnt. Nur zu den Ministern muß ich wohl Sie" sagen. ( Wiederholte Heiterfeit.) Aber ich kann doch sagen: Du liebes Ministerium!( Anhaltende Heiterkeit.) Also, liebe Freunde( Heiterkeit), Du hches Haus!( Heiterkeit.) Ich hatte in einer so wichtigen Frage eine mächtige Posaune von Dir zu hören erwartet. Du, liebes Zentrum, hast ja einen gewaltigen Redner vorgeschickt. Ist er hier?( Große Heiterfeit.) Ich wäre froh, wenn ich so klar, so durchdacht ſprechen könnte. Ich konnte auch alles verstehen, aber als Sie zu Ende waren, mein lieber Herr Kollege, da wußte ich doch nicht, wo Sie hinaus wollten.( Stürmische Heiterkeit.) Liebe Freunde! Der andere große Redner war von der freisinnigen Volkspartei. Der wollte erst heraussteigen aus dem Schiff, dann wollte er nicht wieder einsteigen, und chließlich ist er doch wieder eingestiegen.( Große Heiterfeit.) Wo er jetzt ist, weiß ich nicht.( Stürmische Heiterfeit.) Liebe Freunde von der konservativen Partei! Euer Redner jat ja schön und offen gesprochen, aber ganz bin ich auch mit Sir nicht fertig.( Große Heiterfeit.) Ich bin nämlich mit großer Freudigkeit für die Kanalvorlage.( Stürmische Bravo links.) Ich muß aber zwei Bedingungen daran knüpfen; nein,., Be. dingungen" ist zu frech.( Seiterfeld will also sagen: Wünsche.( Sich ummvendend). Ja, ich will artig sein, Herr Präsident!( Stürmische Heiterkeit) Ich habe also don euch, ihr lieben Abgeordneten, roh kein Wort über die gehört, in deren Taschen die Millieren fließen sollen, die Sie Der Kanalminiiter hier bewilligen, die Kanalarbei: er ' n herrlicher Mensch, gut und verträglich, kein Trinker; frag' nur aus meim Ort, wen Du willst, kein Mensch wird Dir anders sagen. Und, was die Hauptsache er hat hier-!“ - Damit rieb der Gast Daumen und Zeigefinger gegeneinander, so, wie man das Geldzählen etwa andeuten will. " Das fann auch noch niemand glücklich machen!" „ Das nit! Aber' s bilft d'rzu, wenn m'es hat. So viertausend Gulden, die' s mal dem Burkhennersch trägt, sein' n ganz gutes Trinkgeld." Viertausend Gulden- allerdings, die wären so übel nicht. Das meinte auch das Eischen. Wenn ihm ber Burkhennersch nur so gefallen könnt, wie der Hangcurt den es aber doch nun niemals zum Mann friegen konnte. " Ich hab' noch Zeit", erwiderte jetzt das Mädchen. " So, wie alt biste da?" " Zweiundzwanzig werd' ich nächst". " Zum Freien haste da allerdings noch Zeit, aber anzuschaffen haste feine Zeit mehr. Muß'n doch erst tennen lernen, im Fall er Dir nit gefällt." Der„ Durchtriebene" verstand seine Sache. Er wollte durchaus das Elschen nicht drängen, sondern ihm nur ein wenig Kurzweil oder Abwechselung verschaffen. Deshalb sollte es den Burkhennersch erst kennen lernen, erst Umgang mit ihm pflegen und die spätere Aussicht, daß es ihn ja, wenn er ihm nicht gefiel, immer noch laufen laffen fonnte, ließ Elschen den Vorschlag des Gastes nicht so verwerflich erscheinen. Darauf hatte dieser auch gerechnet. Er dachte, wenn Elschen und der Burkhennersch erst mit einander verkehrt hätten, würden sie Gefallen aneinander finden. Er konnte darauf schon rechnen. weil ia der Burkbennersch ist er noch da?( Große Heiterfeit.) Ja, da steht er zal( Stür. mische Heiterfeit.) Der Minister bat mir die Hand gereicht, er ist ganz auf meiner Seite, der Minister scheint schon fort zu sein.( Minister v. Budde ist auf die andere Seite der Ministerbank gegangen. Bei diesen Worten steht er auf und verbeugt sich.) Ach, da ist er ja wieder!( Stürmische Seiter. keit.) Aber der Schnaps ist ein fürchterlicher Feind! Wo ist denn der Herr Minister?( Der Redner dreht sich nach allen Seiten um. Minister v. Budde steht auf. Große Heiterfeit.) Ach da!( Schallende Heiterkeit.) Wir sollten an den Kanälen die Arbeiter ansiedeln, das wäre so wunderschön, so wunderschön.( Große Heiterkeit.) Ich habe hierüber( zum Minister v. Budde) Ihre treffliche Dentschrift gelesen, ich mache( zum Geheimrat Sympher) Ihnen mein Kompli ment dafür.( Stürmische Heiterkeit.) Meine lieben Herren ( Heiterkeit), von den Fabrikherren und auch von der Landwirtschaft werde ich wohl dafür keinen Orden bekommen. ( Chorufe.) Oder wollen Sie mir einen Orden geben? ( Heiterfeit.) Du, liebe Landwirtschaft( Heiterkeit), du mußt auch aufhören zu schreien.( Stürmische Heiterkeit links, Unruhe rechs), du mußt mithelfen( Erneute Heiterfeit links), The müßt auch auf dem Lande an cure Arbeiter denken. ( so: Liebes hohes Haus und liebes Staatsministerium! un lassen Sie uns alle recht einmütig sein und den Kanal bewilligen.( Sllirmische Heiterfeit.) Gott im Himmel wird seinen Segen geben, Amen!( Lebhafter Beifall.) Nach ieser eigenartigen Rede bot die Debatte kein besonderes Interesse mehr. Nab und fern. gerichtspfleg fchiedene hob an den Raif gebnislos, i ehrengericht fich beantra der Unifor Schloß das feiner Orie Tich deshal Opfer ben die Roll Frich Neibe Bei einem g chlug das Cod in den Gine Gd idhen Barf Dampfer gerettet un Der Bark b der Fahrt in Stüde fant das Mannschaf Arbeiten n ertranfte u Beiten meh 28. April, Sand zwin bis am 1. Sidht tam durch hatte legt. Der Dank Aalesunds an den Kaiser. Aus den Metall. resten der Glocken der abgebrannten Kirche der norwegischen Stadt Aalesund werden in Bergen in altnordischem Stil gehaltene Erinnerungsgegenstände hergestellt, die dem deutschen Kaiser überreicht werden sollen. Auch für den Flügeladjutanten, Fregattenkapitän v. Grumme, und dessen Gemahlin, die im allerhöchsten Auftrage in Aalesund anwesend waren, werden soiche Gegenstände angefertigt. 800 000 Milreis brasilianische Regierungsgelder gestohlen. Ein schönes Beispiel von brasilianischer Ehrlichkeit und Verwaltung Lesert ein Vorfall, der sich auf der Bahnstation tio de Janeiro ereignete. Es kam dort eine Riste an mit über 800 000 Milreis Regierungsgeldern und zwar von St. Paulo. Auf dem Bahnhof verschwand auf einmal die Ktste spurlos. Alles Nachforschen ist erfolglos geblieben und wird es wahrscheinlich auch bleiben. Familientra ödie. Wie aus Dresden gemeldet wird, hat eine ganze dortige Familie durch Mord und Selbstmord in den Fluten der Elbe geendet. Vor kurzem wurde das sechs Jahre alte Mädchen des Milchkutschers Renner bei Strehla gelandet, jetzt hat die Elbe den Leichnam der Frau Renner ans Ufer gespült. Die Mutter war seit Ende März mit ihren beiden Kindern spurlos verschwunden. Sie hat zweifellos mit ihnen den Tod in der Elbe gesucht, nachdem ihr Mann vorher dasselbe getan. Seine Leiche und die des jüngsten Kindes werden noch vermißt. Die Eheleute faßten den tranrigen Entschluß, nachdem sie aus dem Krankenhause entlassen worden waren, wo sie am Typhus darniederlagen. Beide litten seitdem an Schwermut. 171945 Ein deutscher Mörder in Amerika entdeckt. In Michiganio City( Indiana) stellte sich ein gewisser Karl Weinkowski, denfor Behörden und legte das Geständnis ab, er habe im Jahre ,, 1896 den königlichen Forstbeamten Sommerfeld im Walde bon Wonzaw ermordet. Als vermeintlicher Täter sei damals der Schullehrer Konrad Friß zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt worden. § Ist„ Bilse" eine Beleidigung? Diese Frage beschäftigte das Schöffengericht in Ulm. Zur Verhandlung stand die Beleidigungsklage des Obersten a. D. Hüger, jeßigen Bade fommissars von Bad Königsborn bei Unna, gegen den frühe ren Redakteur der„ Ulmer Zeitung" Richard Schönfelder, ietzt Redakteur des„ Mannheimer Generalanzeigers". Der Plage liegt ein Artikel der Ulmer Zeitung" zu Grunde, die den Oberst a. D. Hüger, der bei Gelegenheit des BilseBrozesses mit seinen Beschwerden über ihm widerfahrene angebliche Rechtsbeugungen der militärischen Gerichte und Ehrengerichte wiederum an die Deffentlichkeit getreten war, einen Ulmer Bilse" und eine Querulantenseele" nannte. Seine Beschwerden hatte Oberst a. D. Hüger, der als preußisher Offizier das württembergische Feldartillerieregiment König Karl Nr. 13 kommandierte, in einer im Jahre 1902 erschienenen sensationellen Broschüre niedergelegt, betitelt: ... Meine Erlebnisse in der Militärrechts- und Offizierehrenin der Tat ein ganz annehmbarer und leidlicher Bursche war, weil er viertausend Gulden Vermögen besaß und weil das Mädchen die Hoffnung auf den Hangcurt doch nun fahren lassen mußte. Ich mag alleweil noch nit", beharrte das Mädchen immer noch auf seinem ablehnenden Standpunkt. ' s muß ja auch nit gleich sein", erwiderte der Gast. Aber wenn ich nächstens mal wieder ins Dorf komme, sprech ich noch mal vor und dann können m'r ja immer noch d'rbon reden." „ Na, das könnt Ihr ja, das will ich Euch nit wehr'n" Jetzt trat der alt Wirts wieder in die Stube. Er mochte wohl denken, daß der f. mde Gast, in dem er einen Freiersmann" erkannt hatte, das Elschen genügend bearbeitet haben würde. Das Gespräch nahm nun natürlich eine andere Wendung.nd als der Gast fortging, wurde er von Elschen's Vater zum baldigen Wiederkommen aufgefordert. Als er draußen war, kam auch die Mutter des Elschen in die Wirtsstube. Beide Eltern fragten nun ihre Tochter, was denn der fremde Gast jewollt habe. „ Er hat' n bischen Dummheiten g'macht“, versezte das Mädchen trocken. „ Ach, ich weiß's ja, was er g'wollt hat“, sagte der alte" Wirths. Es war g'wiß' n Freiersmann für den Burkhennecsch Bursch, der die letzte Kirmeß hier war. Wennste den nit nähmst, müßt m'r Dich wahrhaftig bedauern." Das is der Zweite aus dem Burkhennersch Werk, gelt?" fragte Elschen's Mutter. Ja!' n ganz hübscher Mensch, und's trägt ihm mal biertausend Gulden!" ( Forts. folgt) § Wege dem Brau Richter a hof Kreie anstalt, le aber hefti faal. Ba fleidete da trichter. wieder mi Bum dritter Abort und in den M darauf, bi gab. Da nach Einb Handlung ständigen flärt, da Kind zu Die Ange Die junge Tragweit § Ein gericht. wußten fi arme Ain in der Be ihren im weilte. Matrone fchuldig leidigun fogar, ihnen hauptun fie zu 16 * D Broßh. der ihner dem Db Rönigl. und Kö Gendarm Medaille D Ford i jubiläums Philipps * D Stenerfor Dienfteige * D ausgegeben fanntmach 1902 be In darin: 8. Auguft Berordnun Dieses Gef als offe K. Gießen m Б 23 D1 h b n Τα m th de eĉ de ge Ei mi Au b. nä Eis δας Sd str br me ben Dei 8e rhe ita den fön mei das ihr frü mer neh Uni Gro Abg liche offe in( Stür und gereicht, it idjon fort Seite der er auf und ide Sciter. ind! Wo ist ch nach alleir Weiterfeit.) an den Sta drrichön, jo crüber( zum t gelejen, id ein Stompli eben Herren on der Land. bekommen. den geben? it), du mußt terteit lints, terfeit lints), citer denten. ministerium! d den Kanal Simmel wird fall.) Nach besonderes den Metall norwegischen hem Stil ge pem deutschen den Flügel dessen Gend anwesend gsgelder ge er Ehrlichkeit jder Bahnort eine Riste rn und zwar auf einmal Tos geblieben neldet wird, Selbstmord wurde das Renner bei m der Frau Ende März en. Sie hat nachden ihr des jüngiten ten den tranause entlassen agen. Beide In Michigania infomsti 98Wor Se im Jahre dim Walde Läter set da lichem Zucht ge beschäftigte ung stand die jezigen Bade en der frühe Schönfelder, igers". Der Grunde, die des Bilse. rfahrene anBerichte und getreten war, zele" nannte. er als preußillerieregiment Jahre 1902 legt, betitelt: Offizierehren. icher Bursche besaß und angcurt doch das Mädchen opunft Derte der Gaft. Dorf fomme, m'r ja immer ich Guch nit Stube. Er in dem er Glachen geräch nahm er Gaft fort baldigen Mutter des agten nun wollt habe. Ot", versezte ", sagte der ann für den 8 bier war. wahrhaftig nerfch Wert, trägt ihm = gerichtspflege". In dieser Broschüre greift der Oberst ver-| Braine d'Allend, Cortenberg, Court- St. Etienne, Enghien, schiedene hohe Borgesetzte scharf an. Beschwerden des Obersten an den Kaiser und den König von Württemberg blieben ergebnislos, sie trugen ihm sogar seinen Abschied ein, und ein ehrengerichtliches Verfahren, das der Oberst schließlich gegen sich beantragte, endete damit, daß ihm das Recht zum Tragen der Uniform cberkannt wurde. In der Verhandlung beschloß das Gericht nach längerer Erörterung, zunächst zu feiner Orientierung die Broschüre zu studieren, und vertagte sich deshalb auf unbestimmte Beit. Opfer der See. Ein Opfer ihres we use warben die Kolberger Fischer Franz Prey, Albert Vollendorf und Erich Neibel. Sie waren zum Fischfang auf See gefahren. Bei einem gegen 3 Uhr sich plötzlich erhebenden Wirbelsturm schlug das Boot voll und fenterte. Alle drei fanden den Tod in den Wellen. Eine Schreckensfahrt mußte die Besaßung der österreichischen Barf Maria la Vecchia" durchmachen, die vom Lloyddampfer Prinzeß Frene" von ihrem untergehenden Schiff gerettet und nach Newyork gebracht wurden. Der Kapitän der Bark berichtete, daß die Segel des Schiffes, das sich auf der Fahrt von Venezuela nach Genua befand, vom Sturm in Stüde geriffen wurden. Vom 28. März bis 27. April fant das Schiff immer weiter, Zoll um Zoll, obgleich die Mannschaft unablässig an den Pumpen arbeitete. Zu diesen Arbeiten wurde auch der Koch herangezogen, der aber dabei erkrankte und liegen blieb, so daß die Mannschaft keine Mahlzeiten mehr erhielt. Sieben Matrosen meuterten deshalb am 28. April, so daß der Kapitän sie mit dem Revolver in der Hand zwingen mußte, an den Pumpen weiter zu arbeiten, bis am 1. Mai bei Sonnenaufgang die Prinzeß Frene" in Sicht tam und alle rettete. Drei Tage und drei Nächte hindurch hatte der Kapitän den Revolver nicht aus der Hand gelegt. Hus dem Gerichtsfaal. § Wegen Kindesmordes zum Tode verurteilt wurde von dem Braunschweiger Schwurgericht die 25 Jahre alte Luise Richter aus Ditfurth. Sie wollte das Kind auf dem Bahnhof Kreiensen erst aussehen, brachte es nach der Bedürfnisanstalt, legte es dort nieder und ging fort. Da das Kind aber heftig schrie, so nahm sie es wieder mit in den Wartesaal. Bald darauf ging sie abermals nach dem Abort, entkleidete das Kind und stellte es mit den Füßen in den Aborttrichter. Auch diesmal schrie das Kind, und so nahm sie es wieder mit in den Wartesaal. Schließlich entfernte sie sich zum dritten Male aus dem Wartesaale, begab sich wieder zum Abort und steckte nun das Kind mit dem Kopfe nach unten in den Aborttrichter, klappte den Deckel zu und setzte sich darauf, bis das arme Geschöpf keinen Laut mehr von sich gab. Dann fuhr sie mit dem inzwischen eingelaufenen Zuge nach Einbeck. Sie erklärte, daß sie sich der Strafbarkeit ihrer Handlungsweise nicht bewußt gewesen sei. Dem Sachverständigen Physikus Dr. Roth gegenüber hat sie dagegen ertlärt, daß sie von Anfang an die Absicht gehabt habe, das Kind zu beseitigen. Der Sachverständige ist der Ansicht, daß die Angeklagte mit Ueberlegung gehandelt hat und sich der Tragweite ihrer Handlung wohl bewußt gewesen ist. § Ein Herenprozeß" beschäftigte das Eisenacher Schöffengericht. Einer jungen Frau war ihr Kindchen erkrankt, und Die junge Mutter sowohl wie deren unverheiratete Schwester wußten sich das Leiden nur dadurch zu erklären, daß das arme Kind verheyt sei. Sie glaubten auch die schuldige Here in der Person einer alten Dame gefunden zu haben, die bei ihren im gleichen Hause wohnenden Angehörigen zu Besuch weilte. Da die beiden abergläubischen Schweſtern die Matrone auch offenkundig als Here bezeichneten und sie beschuldigten, das Kind verhert zu haben, erfolgte eine Beleidigungsflage. Im Termin versuchten die Angeklagten fogar, die Richtigkeit ihrer Beschuldigung zu beweisen. Da ihnen aber der Wahrheitsbeweis für ihre seltsamen Behauptungen trotz aller Mühe natürlich nicht gelang, wurden fie zu je 15 Mark Geldstrafe verurteilt. Lokales. 6. Mai 1904. * Der Großherzog hat folgenden Angehörigen des Großh. Gendarmerie Korps die Erlaubnis zur Anlegung der ihnen vom Deutschen Kaiser verliehenen Orden 2c. erteilt: dem Oberstleutnant Freiherrn von Normann für den Königl. Kronenorden III. Klasse; den Wachmeistern Pfeffer und Röppel für die Rote- Adler- Medaille; den berittenen Gendarmen Dieß und Schäfer für die Kronen- Orden Medaille. - * Der Großherzog hat dem Oberlandesgerichtsrat Forch in Darmstadt aus Anlaß seines 50jährigen Dienst jubiläums das Komturkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. * Der Großherzog hat den Steuerkommissär des Steuerfommissariats Beerfelden Georg Hoos in gleicher Diensteigenschaft in das Steuerkommissariat Hungen verſetzt. * Das Großh. Regierungsblatt Nr. 12, ausgegeben am 4. Mai, hat u. a. zum Inhalt eine Befanntmachung, die Ausführung des Gesetzes vom 8. August 1902 über die öffentlichen Sparkassen betreffend. Es heißt darin: In Gemäßheit des Artikels 2 des Gesetzes vom 8. August 1902 über die öffentlichen Sparkassen und der Berordnung vom 28. Februar 1903 über das Inkrafttreten dieses Gesezes sind: die Bezirkssparkasse Langen, die Bezirkssparkasse Ortenberg, die städtische Sparkasse zu Worms, die Bezirkssparkasse Groß- Umstadt, die Bezirkssparkasse Reinheim, die Bezirkssparkasse Nidda, die Bezirkssparkasse Groß- Bieberau, die städtische Sparkasse zu Offenbach a. M., die Gemeindesparkasse Eschollbrücken, die Bezirkssparkasse Gießen, die Bezirkssparkasse zu Laubach als öffentliche Sparkassen anerkannt worden. K. Fernsprechverkehr. Vom 10. Mai ab ist Gießen zum Sprechverkehr mit Brüssel, Braine- le- Comte, × Marburg, 4. Mai. Heute Abend fand die letzte Gembloux, Genappe, Hal, Nivelles, Vilvorde, Virginal Interessenten- Bei sammlung zur Erichtung der Haltestelle und Wavre zugelassen. Gesprächsgebühr: 3 Mt. Hierzu Marburg- Süd statt. Es waren noch 206 Mitglieder vorsei bemerkt, daß wir vor einigen Tagen ein telephonisches handen. Die Interessenten- Vereinigung war vor etwa acht Gespräch mit Brüssel hatten und machten dabei die Wahr- Jahren gebildet worden, um die Hälfte des Baukapitals nehmung, daß die Verständigung mit unserem Geschäfts-( 15 000 Mt.) zur Errichtung der Haltestelle Marburg- Süd freund dort eine ganz vorzügliche war. zu beschaffen. Jetes Mitglied hat pro Jahr 5 Mr. zur Verzinsung und Tilgung des Baufapitals zu zahlen. Da nun die Kreisbahn Marburg- Ebsdorfer Grund in den Südbahnhof mündet, übernahm der Kreis die noch vorhandene Schuld der Interessenten. Es war noch ein Barververmögen von 1145 Mt. vorhanden. Es wurde beschlossen, diesen Betrag zu Aquisationszwecken für Errichtung einer Güter verladestelle am Südbahnhof bereit zu halten. □ Die Arbeiten auf Oswaldsgarten für den nationalen Gesangswettstreit Gießen werden mit allem Eifer betrieben. Die Festhalle, welche eine Länge von 40 m und eine Breite von 30 m hat, ist zur Hälfte in ihrem Holzbau aufgestellt. Mit dem Bau des Haupteinganges, der entgegen früheren Gepflogenheiten etwas zurückgestellt wird, sodak also vor demselben mehr Plazz, z. B. für vorfahrende Chaisen und das Publikum überhaupt ist, hat man auch schon begonnen und eine in der Mitte des Festplates eingerammelte Fahnenstange zeigt uns bereits, wohin der Musikpavillon kommt. Der Fest und geschäftsführende Ausschuß hat nunmehr in Gemeinschaft mit dem Musik-, Gesangs- und Vergnügungsausschuß das endgültige ganze Festprogramm aufgestellt, wonoch für Pfingsten der Stadt Gießen abwechslungsvolle Tage bevorstehen. ** Weißes Kreuz. Dienstag, den 10. Mai, abends von 9 bis 10 Uhr, findet im Konfirmandensaal der Markusgemeinde, Kirchstraße 9, eine Versammlung für junge Männer statt. Forstmeister a. D. v. Rothkirch aus Berlin wird einen Vortrag über die Ziele und Bestrebungen des Weißen Kreuzes"( eine Sittlichkeitssache) halten. Jeder junge Mann, einerlei welchem Beruf oder Stande er angehört, ist herzlich hierzu eingeladen.( S. Inserat.) * Die Invalidenversicherungsanstalt für das Großherzogtum Hessen hat im Jahre 1903 an Rentenzahlungen 1772000 m., an Beitragserstattung 153000 Mt., im Ganzen also 1925 000 mt. zur Auszahlung angewiesen. Als freiwillige Leistung hat sie außerdem ca. 400000 Mt. für Heilverfahrenszwecke verwendet. m Heuchelheim, 5. Mai. Die Frühjahrslehrer. tonferenz des Bezirks Gießen- Land wurde gestern hier abgehalten. Auf derselben sprach Kreisarzt Medizinalrat Dr. Haberkorn über„ Epidemische Krankheiten", wobei er namentlich in längeren Ausführungen erwähnte Diphtherie, Masern, Röteln, Scharlach und Keuchhusten. Kinder, die an Diphtheritis, Masern oder Scharlach erkranken, sind 4-6 Wochen aus der Schule zu lassen. Nach einigen statistischen Mitteilungen ist die Zahl der Todesfälle infolge Diphtherie seit Anwendung des Heilserums auf 5 Broz. gea funfen, 1893 Harben bei 1100 Erkrankungen nach 25 Proz., 1894= 21 Proz., 1895= 7 Proz. Von 347 Scharlachfällen verliefen 3,7 Proz. tötlich. *** Wißmar. Unser Kriegerverein feiert am 19. und 20. Juni sein 25 jähriges Stiftungsfest. Das Feft verdient von den benachbarten Brudervereinen beachtet zu werden und ist ein recht zahlreiches Erscheinen der auswärtigen Kameraden nur am Plaze. Seit dem Jahre 1980, in welchem der Verein seine neue Fahne einweihte, ist dies das erste Fest wieder, hat sich aber in dieser langen Beit stets an allen auswärtigen Kriegerfesten gern und zahlreich beteiligt. ▲ Grünberg, 5. Mai. Der heutige Markt war, begünstigt von schönsten Wetter, ein guter. An Rindvich ( etwa 50 Stück) wie meistens schwach, doch hohe Preise. An Schweinen waren rund 1000 Stück aufgetrieben. Die ziemlich hohen Preise gingen während dem Markte noch um 8-12 Mt. in die Höhe. Läufer durchschnittlich 80 Mt. bis darüber. Ferkel von 28 bis 52, sogar zu 70 Mt. und darüber das Paar. Der ganze Auftrieb wurde ausverkauft. Auch die Geschäfte hatten einzeln gute Erfolge. In der Stadt natürlich waren sie besser. A Grünberg, 6. Mai. Gestern Abend hielt der hiesige " Radfahrerverein 1904" in der„ Pinn" eine Sigung ab, in welcher u. a. eine Ausfahrt am nächsten Sonntag beschlossen wurde. Abfahrt früh 7 Uhr vom GastHof zur Binn“. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Samstag, den 7. Mai 1904. Windig, fühler, meist wolkig, zunächst Gewitterregen, später Regenschauer. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Kirchliche Nachrichten für Gießen. Evangelische Gemeinde. In der Stadtkirche. Rogate, Sonntag, den 8. Mai. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Schwabe. Zugleich Christenlehre für die Neufonfirmierten aus der Marcusgemeinde. Vormittags 9.30 Uhr: Pfarrer Dr. Schlosser. 11„ Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Dr. Schlosser. In der Johanneskirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Euler " Bugleich Christenlehre für die Neufonfirmierten aus der Lulasgemeinde. 19 Vormittags 9.30 Uhr Pfarrer Dr. Naumann. 11 Uhr. Kindergottesdienst für die Johannesgemeinde. Pfarrer Dr. Naumann. Nächstfolgenden Sonntag nach allen Gottesdienstenen Kollekte für die kirchliche Versorgung der evangelischen Glaubensgenossen im Auslande. Himmelfahrttag, den 12. Mai. In der Stadtkirche. Vormittags 9.30 Uhr: Pfarrer Schwabe. In der Johanneskirche. Vormittags 9.30 Uhr: Pfarrer Dr. Nauman. In der Friedhofskapelle Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Euler. Batholische Gemeinde. Samstag, den 7. Mai. Nachmittags um 5 Uhr und Abends 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht. Sonntag, den 8. Mai. 5. Sonntag n. Ostern. Vorm. von 6.30 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beicht. um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und in derselben Austeilung der heilig. Kommunion. " " " 8" H Die zweite heil. Messe. um 9.30 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachm. um 2.30 Uhr: Christenlehre; darauf Andacht. Dienstag u. Freitag Abend um 6.30 Uhr ist Mai- Andacht Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschaft. In der Synagoge, Südanlage. Sabbathfeier am 7. Mai 1904. Freitag Abend 7.20 Uhr. Samstag vorm. 8.00 Uhr. Nachmittags 4 00 Uhr. Sabathausgang 8.40 Uhr. Wochengottesdienst: Morg. 6.30 Uhr, Ab. 8.40 Uhr. Methodistengemeinde, Asterweg 16. Sonntag, den 8. Mai, vormittags 10 Uhr und nachmittags 4 Uhr: Predigt. Nachm. 2 Uhr: Sonntags** Grünberg, 5 Mai. Zu unserer leßthin gebrachten Notiz betr. Grünberger Altertümer, berichten wir heute noch ergänzend, daß der Zunftstiefel von einem Schuh ſchule. Mittwoch, den 11. Mai, abends 81 Uhr: Bibel= - machermeister namens Trinkaus im Jahre 1745 angefertigt worden ist. aber noch viele alte Sachen von Wert für eine AltertumsEs liegen in Grünberg und Umgegend sammlung. Ein uraltes Petschaft, Petrus mit dem Himmelsschlüssel darstellend, das Siegel der Familie eines Lesers userer Zeitung ist, leider verloren gegangen. ** Jnheiden, 5. Mai. Unser Gesangverein, Eintcacht" begeht am 17. und 18. Juli das Fest der Fahnenweihe. Die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Der Verein bietet alles auf, den Festteilnehmern einige vergnügte Stunden zu bereiten. Sämtliche esangvereine der Umgegend sind eingeladen und haben ihre Beteiligung zum größten Händen unsres neuen Gastwirts Herrn Gg. Phil. Kuhl. Teil schon zugesagt. Die Festwirtschaft liegt in den - Hungen, 6. Mai. Der Kriegerverein veranstaltet am Sonntag, den 8. Mai, am Schüßenhaus ein Preisschießen, an dem auch Nichtmitglieder teilnehmen können. *** Hungen, 5. Mai. Wie verlautet, soll in Kürze mit dem Bau einer größeren Anzahl Arbeiterhäuschen begonnen werden, ein Vorhaben, was wohl allseitig begrüßt werden wird.- Nächsten Montag findet hier Vich- und Krammartt statt. ** Hungen, 5. Mai. Der vor kurzem zum Kreisgeometer in Grebenhain ernannte Geometer I. Klasse Müller war in allen Kreisen sehr beliebt, sodaß seine Verseßung von Hungen allgemein bedauert wird. F. C. Lich, 5. Mai. Die Hochzeit der Prinzessin Karoline zu Solms- Hohensolms- Lich mit dem Brinzen Chlodwig von Hessen, die hier am 10. Mai stattfinden sollte, ift infolge ernstlicher Erkrankung der Mutter der Prinzessin, der verwitweten Fürstin Agnes zu Solms- Hohensolms- Lich auf Schloß Hohensolms bis auf weiteres verschoben worden. Die Fürstin wird am 21. Mai 62 Jahre alt. stunde. - Märkte im Mai. Gießen: 10. Mai Vieh-, 11. Mai Krämermarkt. Hungen: 9. Mai Vieh- und Krämermarkt. Nid da: 11. Mai Vieh- und Krämermarkt. Alsfeld: 24. Mai Krämermarkt. Buzbach: 18. Mai Krämer- und 19. Mai Viehmartt. Schotten: Bullen- und Zuchtviehmarkt mit Prämis ierung. Arbeitsnachweis der Stadt Gießen. Gartenstraße Nr 2( Bürgermeistereigebäude) Zimmer Nr. 14. 1 Es fönnen eingestellt werden: 4 landw. Arbeiter, 2 jüngere Schmiede, 1 Bauschlosser, jüngerer Wagner, 4 Schreiner, 2 Schneider, 1 Wäscherin, 2 Maler und Anstreicher, 2 Hausburschen, 1 Stallbursche, 1 Köchin, 10 Dienstmädchen, 2 Lauffrauen, mehrere Arbeiter für ständige Arbeit. Lackierer, 1 Bäcker, 1 Metzger, 2 Friseure, 1 Kaufmann, Lehrlinge: 1 Installateur, 2 Schreiner, 1 2 Kellner. Es suchen Arbeit: 1 Steinhauer, 1 Spengler, 1 Installateur, 1 Schlosser, 1 Lagerarbeiter, 1 Bureaudiener, 1 Lauffrau. Lehrlinge: 2 Kaufleute. Verantwortlich: für den politischen, vermischten und unterhaltenden Teil Albin Klein; für den lokalen Teil Karl Klose. lgt) h Б 23 m r a e I 1 Freitag, den 6. Mai. An die Gießener Geschäftsleute! Am 21.- 24. Mai d. Js. findet in Gießen ein Nationaler Gesangswettstreit statt, zu dem von Nah und Fern viele Fremde zur Teilnahme nach Gießen kommen werden. Erfahrungsgemäß haben neben den Gasthäusern und Restaurants auch sehr viele andere Geschäftsleute einen nennenswerten Nugen aus derartigen Veranstaltungen. Um diesen zu fördern, laden wir die Geschäftsinhaber ein, in dem für den Gesangswettstreit erscheinenden stattlichen Fesibuch Anzeigen zu erlassen, die zweifellos von Erfolg begleitet sein werden. Wir berechnen für die ganze Seite Mk 20.-, für die halbe Mr. 12. und für die viertel Mk. 7.50. Das Buch erscheint in wenigstens 5000 Exemplaren. Wir bitten, wer Anzeigen aufgeben will, dieselben bereit zu halten, da nur in den allernächsten Tagen noch solche eingeholt werden. * Hochachtungsvoll Der Preß- Ausschuß. * Zur Entgegennahme von Inseraten für das Festbuch des Nationalen Gesangs- Wettstreits zu Gießen ist nur das Mitglied des Preßausschusses, Herr Albin Klein, Verleger der„ Gießener Neuesten Nachrichten" beauftragt und bitten wir die verehrliche Geschäftswelt, Gastwirte 2c., sich an denselben zu wenden. Der geschäftsführende Ausschuß. Versammlung für junge Männer am Dienstag, den 10. Mai, abends von 9-10 Uhr im Konfirmandensaal der Markusgemeinde Kirchstraße Nr. 9. Vortrag Gummischläuche zur Gartenbewässerung und für alle sonstigen Zwecke empfehlen Fertsch& Eigel Bureau und Werkstätte für technische Anlagen Gießen. Telephon 378. Die Landsmannschaft Darmstadtia, Gießen Bekanntmachung. Die von der Generalversammlung vom 30. April fordert hiermit ihre sämtlichen genehmigte Dividende mit Gläubiger auf, bis spätestens 5 Prozent Montag, 9. Mai 1904, genou fann von heute ab bet uns in Empfang genommen spezifizierte Aufstellungen ihrer bis werden. zum 1. April 1904 entstandenen Forderungen bei Gefahr vorGrünberg, den 3. Mai 1904. läufiger Nichtberücksichtigung Vorschußz- Verein zu Grünberg eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht. Ritter. an G. Schelhorn, stud. math., Gieken, Goethestr. 35, einzusenden. Stammler. Pinsel Abbruch. Tacke Karben für alle Zwecke gut v.billig bei: Emil Fischbach Giessen. 10 000 gute Platt- Ziegel, 25 Kbm. gutes Bauholz. Eiserne Zeuster 2c. preiswert zu verkaufen. Lehm kann unentgeltlich abge= Näheres fahren werden. Frankfurterstr. 31. Gießen. Kindermädchen gesucht. Bekanntmachung. Möller. Der auf Mittwo, 11. Mai 1904 fallende Krämermarkt( Himmelfahrtsmarkt) muß mit Rücksicht auf die Vorbereitungen für das Sängerfest auf dem Brandplak und Kanzleiberg abgehalten werden. Gießen, den 6. Mai 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Montag, 9. ds. Mts., nachmittags 6 Uhr Offerten a. d. Exp. d. Bl. erb. werden in der Noonstraße eine größere Zahl von Ein braver Junge Vorteilhaftes Angebot! gesucht in mein Flaschenbiergeschäft Direkter Bezug Carle, Gießen, Frankfurter Hof. Grabenstr. 12. Parterre, 3 Zimmer mit allem Zubehör sofort zu vermieten. Schön möbl. Zimmer von der Fabrik für Private unter zu vermieten. Ausfall d. Händleraufschlags! Die Fahrradfabrik ,, Schwalbe Act.- Ges., gegründet 1896, Duisburg- Wanheimerort Näheres Kaplausgaffe 21, II, Schön möbl. Zimmer preiswert au vermieten. Gießen, Sonnenstraße 29. Möbl. Zimmer versendet zu Händler- Preisen ihre per 1. Mai zu vermieten. Fahrräder und Zubehörteile. Gießen, Marktstraße 11. 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Wir bringen hiermit zur Kenntnisnahme der Interessenten, daß am 11.. 19., 20. und 21. Mai d. J. die Vorschriften über die Mindestruhezeit und Mittagspause der Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter(§ 139c der Gewerbeordnung, feine Anwendung zu finden haben und die Läden, sowie die offenen Verkaufsstellen an diesen Tagen bis 10 Uhr abends offen gehalten werden dürfen. Gießen, den 5. Mai 1904. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. bon Bekanntmachung. Der Afterwea, zwischen Nordanlage und Walltorstraße, wird wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten Donnerstag, den 5. I. Mts. an bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrradverkehr gesperrt. Gießen, den 4. Mai 1904. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. Bekanntmachung. Die am 6. April 1. Js. angeordnete Sperre der Marktstraße wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 2. Mai 1904. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Herberg. Cabnkalk- Industrie GrossenLinden- Giessen. Inhaber: Carl Haas junior. Gießen. Ringofen- Kalkwerke. 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Unverzagt ſtand und trat re fehlen; und das leise murmeln des Baches erhöhte noch meh die Leblosigkeit rings herum. Ich sterbe.. flüfterte faum hörbar Unverzagt, und: yer101 1904. en. Sperre der Schon gut! rief der böse Tanzfuß. Er warf die Reisige über die Schulter, nahm den geflochtenen Korb unter den Arm und erhob sich. Unverzagt stand auch auf, blickte auf den Kameraden und trat leise an das Pferd heran. Tanzfuß sah, wie er sich beim Pferde schaffen machte und seine Schnurrbartspitzen bebten. Gehst du mit? fragte er. Ich komme, antwortete Unverzagt. Und sich Bahn zwischen den Sträuchern brechend, gingen sie die Schlucht entlang durch die nächtliche Finsternis. Das Pferdchen trabte hinter ihnen her. bald versanten sie im Schmuz. Unverzagt atmete schwer und Der Weg war sehr mühselig; ihre Füße glitten bald aus, in seiner Brust röchelte es als ob darin ein ungereinigtes Uhrwerk versteckt wäre. Geh nun! sagte er plötzlich mürrisch und beleidigt. Und wohin soll man gehen? was soll man suchen?! Es ist mir übel, Bruder, sagte leise Unverzagt. So? rief ironisch Tanzfuß. Das Atmen fällt mir schwer, antwortete der kranke Dicb. Wovon denn? Von der Krankheit... wahrscheinlich Du lügst! Von deiner Dummheit. Er wollte etwas erwidern, aber er begann zu husten, stützte sich mit zitternden Händen an den Stamm eines Baumes, hustete lange, mit den Füßen stampfend und öffnete weit den Mund. Tanzfuß ſah aufmerksam in das aschgraue Gesicht seines Freundes. Alle Geister scheuchst du mit deinem Husten auf, sagte er endlich düster. Als der Husten etwas nachließ, und Unverzagt frei aufatmete, sagte er im befehlenden Ton: Erhol' dich! setzen wir uns! Sie setzten sich auf die feuchte Erde. Wenn wir zu Hause etwas zu essen hätten, könnten wir nach Hause umkehren. Ja, das ist wahr, nickte Unverzagt. Nach einer Weile erhob sich Tanzfuß. Komm, sagte er, ich kann es nicht mehr aushalten. Ich habe furchtbaren Hunger. Geh du allein, sagte Unverzagt, ich will hier bleiben. Ich kann nicht mehr, ich ersticke. Na, was ist das? sagte unzufrieden Tanzfuß. Ich bin ganz schwach geworden. Das glaube ich! Den ganzen Tag nichts gegessen. Nein, das nicht. Aber ich sehe, es geht zu Ende mit mir. Und Unverzagt hielt ihm die Hand hin, welche mit etwas Dunkelrotem bedeckt war. Tanzfuß blickte auf die Hand und fragte kleinlaut: Was ist da zu machen? Geh du... ich bleibe. vielleicht geht es vorüber. Wohin soll ich gehen? Ins Dorf? Ich werde ihnen sagen, einem Menschen geht es schlecht. Nein, sie werden dich schlagen. Ja, du hast recht. Man soll nur in ihre Hände fallen. Unverzagt fiel dumpf hustend auf den Rücken und spie ganze Blutstücke heraus. Immer noch? fragte Tanzfuß, über ihn stehend und zur Seite blickend. husten. Ja, sehr, sagte kaum hörbar Unverzagt und begann zu Wenn man doch jemand rufen könnte, sagte ärgerlich Tanzfuß. Wen? wiederholte mit einem traurigen Echo Unverzagt. Vielleicht kannst du aufstehen und langsam gehen. Nein, es geht nicht. Tanzfuß setzte sich zu Häupten des Kameraden und die Hände auf die Kniee geſtüßt, begann er in sein Gesicht zu jehen. Die Brust von Unverzagt hob sich ungleichmäßig mit einem dumpfen Röcheln, die Augen waren tief eingefallen und die Lippen seltsam auseinandergezerrt. Aus dem linken Mundwinkel rieselte ein dunkler Streifen. zusammen. Kommt es noch immer? fragte Tanzfuß und in seinem Ton lag etwas wie Ehrfurcht. Das Gesicht von Unverzagt zuckte Es kommt noch immer, ertönte es schwach. Tanzfuß senkte einen Kopf und schwieg. Und die Schlucht übergossen vom Mondlicht. ähnelte einem Traum, dem die Farben des Lebens fehlen; und das leise Murmeln des Baches erhöhte noch meh die Leblosigkeit rings herum. Ich sterbe flüsterte kaum hörbar Unverzagt, und dann wiederholte er laut und deutlich: Ich sterbe, Stepan! Tanzfuß erzitterte am ganzen Leib, erhob den Kopf uni sagte verwirrt, leise, als ob er fürchtete, den Freund zu stören: Du... fürchte nichts! Es ist nichts, wirklich nichts, Bruder Bei Gott! Mein Herr Gott, seufzte schwer Unverzagt. Es ist nichts! flüsterte Tanzfuß, sich über ihn beugend Halte dich noch ein wenig aufrecht... vielleicht vergeht e wieder. Aber Unverzagt begann laut und abgebrochen zu atmen. Dann sagte er: Vergib, Stepan... wenn ich etwas... wegen des Pfer des... aber vergib Bruder! Vergib du mir, unterbrach ihn Tanzfuß und fügte dann nach einer Weile hinzu: Und ich... wohin gehe ich jetzt? was mache ich nun? Wird sich schon finden. Der Herr wird dich nicht Er seufzte auf und schwieg. Dann begann er zu ſtöhnen... Dann streckte er den einen Fuß aus... dann die Hand... Tanzfuß blickte ihn an, ohne das Auge von ihm zu wenden. Die Minuten krochen hin, langsam wie Stunden. Unverzagt erhob den Kopf, aber er fiel sogleich kraftlos zurück. Was ist, Bruder? Tanzfuß beugte sich zu ihm herab. Aber jener antwortete nicht mehr; still und unbeweglich lag er da Noch eine Weile saß der finstere Tanzfuß bei seinem Kame raden, dann stand er auf, nahm die Müße ab, bekreuzte sid und ging langsam die Schlucht entlang. Er trat so fest auf, als ob er der Erde Schmerzen bereiten wollte. Der Morgen graute: über der Schlucht herrschte ein düstere Stille. Dann und wann ertönte die Stimme eines erwachenden Vogels. In der feuchten, falten Luft klinger die Töne nicht lange nach... wie sie erwachen, verschwinden sie www Hausdoctor Dachkrankheiten bei Masern. Eine jede Mutter ist wohl darauf bedacht, die Kinder vor Infektionskrankheiten nach Möglichkeit zu schützen. Zu leicht werden aber gewöhnlich die Masern genommen, die ja auch wirklich an und für sich eine ziemlich harmlose Infektionskrantheit sind. Dennoch ist aber der Rekonvaleszenz sehr viel Aufmerksamkeit zu schenken, da nach Masern leicht eine Lungen tuberkulose entstehen kann. Wenn also der Arzt, in Erwägung dieser Gefahr, auch bei ganz normalem Verlaufe dringend rät, das Kind im Sommer drei, im Winter vier Wochen das Zimmer hüten zu lassen, so widerspreche man ihm nicht, wie dies leider oft geschieht. Zu frühes Ausgehen bei Masern hat sich später oft bitter gerächt. Von anderen Nachkrankheiten der Masern wären zu nennen: Affektionen der äußeren Haut, wie Ekzem, Gangrän, Entzündung der Bronchien, Bindehaut- und Hornhautentzündungen des Auges, Mittelohrkatarrh, Abszesse der Kehlkopfschleimhaut 2c. Auch Nierenentzündung kommt nach Masern vor, wenn auch nicht so häufig und nicht in dem Grade wie nach Scharlach. Im allgemeinen sind die Nachkrankheiten der Masern nichts weiter als die einen chronischen Verlauf nehmenden Komplikationen. Am wichtigsten ist aber, wie gesagt, die Tatsache, daß gerade die Masern eine besondere Tendenz haben, Tuberkulose zu erzeugen. Wie schützt man nun die Kinder vor diesen bösen Folgen der an und für sich so harmlosen Masern? Durch genaue Befolgung der Anordnungen des Arztes, Schutz vor Erkältung, vor Diätfehlern 2c. Weil in vielen Fällen die Masern ganz harmlos verlaufen, so daß man eigentlich gar keinen Arzt braucht, darf man sich nicht in allzugroße Sicherheit wiegen. Auch die Masern können unter Umständen recht heimtückisch werden. dr. 101 Freitag, den 6. Mai. 1904. Oberbessische Familienzeitung. Tägliche Unterhaltungs- Beilage der Gießener Neueste Nachrichten. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein. ( 10. Fortsetzung.) Iwan der Schreckliche. Original- Roman von Hans Hoffmann. Sie guckte durchs Schlüsselloch. Er saß ihr gerade gegenüber regungslos, ganz mit Rosenblättern bestreut, wie im Traum. ,, Herrgott, was er für ein Gesicht macht!" flüsterte sie. ,, Ganz- ganz incommensurabel!" Da machte er eine leichte Handbewegung; sie entfloh, wie von Erinnyen gejagt, und barg sich im Saal in dem Gewühl der Tanzenden. Sie sah hier ihre Mutter im Gespräch mit Herrn von Bodungen. Etsch, Mama," dachte sie, ich heirat' ihn doch! Wir werden die Gleichung schon lösen!" Inzwischen hatte Gotthold Belling seine Gleichung schon lange gelöst und fand sie überraschend commensurabel. Jett begriff er, welcher geheimen Kraft er seine pädagogischen Siege über dies wilde Kind zu verdanken hatte. Aber er begriff auch noch mehr; vor allem, daß er selbst leidenſchaftlich in das entzückende Wesen verliebt war und daß er sich unerhört tölpelhaft benommen hatte. Sie in solchem Augenblick entschlüpfen zu lassen! Ihr nicht zu Füßen zu fallen! Sie nicht an sich zu pressen und festzuhalten für alle Ewigkeit! Es war einfach unglaublich! Er schlug sich vor die Stirn und murmelte: Ich bin ein Frosch! Ein Frosch in Klammern zum Quadrat!" Nach dieser harten Selbstkritik ward er etwas ruhiger und überlegte, wie er das Versäumte nachholen könne. Daß die Entflohene wiederfäme, war schwerlich zu hoffen- kein entschwundenes Glück kehrt zum zweitenmal von selbst wieder! Er mußte sie also suchen dort im Saal- richtig, beim Cotillon hatte er sie ja für sich, da konnte er ihr mitten im Gewühl so vieler Menschen unbemerkt seine Gefühle offenbaren. Und doch sträubte sich etwas in ihm dagegen. Ein heiliger Treueschwur mitten im leichtsinnigen Festjubel, unter Lachen und Schwaßen und übermütiger Tanzmusik nein, das war einer nicht würdig, das war nicht die rechte Art für einen ernsten Mann. Im Grund war es auch das Richtige gemesen, daß er nicht im heißen Taumel der ersten auflodernden Leidenschaft sie an sich gerissen hatte. Mit voller Besonnenheit und klarem Bewußtsein den größten Schritt des Lebens zu tun, war das allein Geziemende. Heute war nicht der Tag für eine weihevolle Entscheidung, der Rausch des Festes mußte erst verklingen, Vertiefung und Sammlung die Leidenschaft klären. Ueberdies, was war durch den Aufschub zu verlieren? Seiner Liebe war er sicher, und an der ihrigen zweifeln, hieße sie einer häßlichen Koketterie beschuldigen. Hier war alles wie bei einer mathematischen Aufgabe: ist das Prinzip der Lösung einmal entdeckt, so ist alles durchsichtig, einfach und unumstößlich. Er beschloß, das Fest möglichst unbemerkt zu verlassen und sich in seine stille Behausung zurückzuziehen. Als er den Saal betrat, entdeckte er mit einigem Schrecken, daß der Cotillon schon im Gang war; er hatte also eine Tänzerpflicht versäumt! Sein Auge suchte unruhig Ilma; er sah, daß sie sich getröstet hatte. Der Premier( Nachdruck verboten.) leutnant von Bodungen saß an ihrer Seite und wandte sicht. lich all seine Liebenswürdigkeit auf, sie zu unterhalten. In Gottholds Bruſt wollte die Eifersucht aufkochen; dock er bemerkte bald, daß sie den Eifer ihres Tänzers schlecht belohnte; sie erschien verstimmt und hielt den Kopf tropig in den Nacken geworfen. Er weidete lange seine Augen an ihrem Reiz, bis auch sie ihn zufällig entdeckte und ihm einer Blick demütiger Abbitte zuwarf. Da fühlte er sich getröste und schob sich langsam aus dem Saal. Als er im Eingangsflur seinen Klapphut öffnete und auffezte, ergoß sich aus demselben ein Regen von Veilchen und Vergißmeinnicht über seinen Kopf. Er lachte ſtill in sich hinein und schwankte einen Augenblick, ob er nicht doch wieder umfehren und sein Glück noch heute mit feckem Wage mut ergreifen sollte. Wer weiß, ob morgen die Welt noch am gleichen Plaze ſteht! Eine Stunde des Glücks verträumt, ist Unendliches versäumt! Auch der Rausch der Leidenschaft hat sein Recht im Leben, auch er kann heilig sein, was braucht er nach der Zufälligkeit seiner Umgebung zu fragen? Vorwärts mit dreiſtem Manneswort das ist's, was sie verlangt, keine Schulmeiſterehrbarkeit! Sein Blut geriet in heiße Wallung, und der Kopf schwindelte ihm in süßem Taumel. Er wandte sich hastig zurück, dem Tanzsaal zu. Da klang von drinnen die überlustige Weise: Vorwärts mit frischem Mut! Lieb' ist mein Panier!" Nein," sagte er entschlossen, Operettenliebe ist mein Fall nicht." Und er verließ ungesehen das Haus. Es war heiteres Frostwetter. Der dunkle Winterhimmel glühte von Sternen. Ihm kam es vor, als ob auch sie sich drehten in ausgelassenem Wirbel, und mit wahrem Erstaunen wollte er bemerken, daß sie sämtlich die ihnen von der Wissenschaft angewiesenen Stellen am Himmel verlassen hätten; er hatte trotz aller astronomischen Kenntnis vergessen, daß die himmlischen Lichter keine Straßenlaternen sind, sondern um Mitternacht einen anderen Platz einzunehmen berechtigt sind als um sieben Uhr abends, zu welcher Stunde er sie sonst zum letztenmal zu begrüßen pflegte. Denn er war ein solider Mann und nächtlicher Ausschweifungen unkundig. Heute jedoch lockte ihn auch zu dieser Stunde noch nichts nach Hause. Ein Unbehagen beschlich ihn bei dem Gedanken an die dürftige Einsamkeit seines Stübchens; der berauschende Duft des Reichstums prickelte noch durch seine Nerven. Zugleich erkannte er plötzlich, daß er sich durch seine Flucht um etwas Wesentliches betrogen hatte, nämlich um das Abendessen. Er hätte zu Hause ein genügendes Stück Zwiebelleberwurst und Brot die Fülle gefunden, aber dieses sein tägliches Freudenmahl reizte ihn heute gar nicht. Er fand die Weinstube des ersten Gasthauses offen; er trat hinein mit dem unsicheren Blick des hier völlig remden. Doch er fühlte sich bald behaglich; ein Eckstübchen erinnerte ihn durch die vornehme Art seiner Ausstattung an das Rauchzimmer bei Kommerzienrats. Er bestellte ein Stück Putenbraten und ein Moselweinchen. Doch das letztere rossen aber: eßen. ke. as junior. jackkalk r. 282. дебитете 00'81 beitete ge. nsxikon. 10 Mark. andlung. und Wlen. Macht) Her Art nko. nstalt еп, fri ท ป mer Nr. 1 Abonnen nog Gration Дав un Betre Für d Freiwi barf an M welche ber verpflichte Vornahm tommando Aus Betreff Das Die betannt m Unfere Port Ar beftätigt. Landseite ruffischen und fie a Aus La bor. N Truppe berichm schmeckte ihm nicht recht stilgemäß. Im Hauptzimmer trant eine Gruppe wohlbeleibter älterer Herren Seft in erheblichen Massen. Gotthold fühlte eine geheime Notwendigkeit, es ebenfalls mit diesem unerhörten Getränk zu versuchen; er ließ eine halbe Flasche kommen und trank sie ohne merkliche Gewissensbisse. Jetzt fühlte er sich zu Hause und unermeßlich wohl. Nach Vollendung dieser Genüsse machte er noch einen bergnügten Gang durch die Straßen und strich an dem stattlichen Hause des Kommerzienrats vorüber. Strahlendes Licht floß aus allen Fenstern wie ein warmer Festgruß, und ein freudiges Brausen drang dumpf in die nächtliche Stille hinaus. Der Nachtschwärmer kam sich vor wie ein irrender Ritter, der im Begriff steht, ein Königsschloß zu erobern und die reizende Prinzessin im Sturm zu gewinnen. Die Brust von heißer Siegesfreude geschwellt, kehrte er endlich nach Hause zurück. Als er im Bett lag, kreisten die Sterne des Himmels um sein Haupt in so hizigem Wirbeltanz, daß er sie ordentlich zischen hörte. 5. Kapitel. Am nächsten Morgen besaß Gotthold einen Kazenjammer, doch nicht der schlimmsten einen, sondern in vernünftigen Grenzen, wie ihn ein anständiges Getränk erzeugt. Er fühlte sich immer noch sehr gehoben und glücklich. Es war Sonntag, und das war ihm lieb. Als er aufgestanden war und sich seinen Kaffee über der Spiritusflamme gebraut hatte, bemerkte er auf dem Tisch ein Paar alter Handschuhe, welche sich bei näherer Durchforschung als sehr sorgsam geflickt erwiesen. Da ergriff ihn eine Rührung. Er wußte, wer dieses Werk der Barmherzigkeit vollbracht hatte. Er hatte Helene lange vernachlässigt, und das reute ihn jetzt. Ihre ehrliche Freundschaft hatte eine bessere Aufmerksamkeit verdient. Freilich hatte sie seit langem ein gewisses madonnenhaftes Wesen angenommen, das ihr nicht stand und das ihm nicht behagte. Ein kleiner Heiligenschein schien beständig ihr schönes Haupt zu umschweben. Seit wann eigentlich? Unverkennbar seit dem Tage, da er in Fräulein Leinemanns Institut den großen Triumph gefeiert. Warum gönnte sie ihm den nicht? Bloß weil sie das Gegenteil vorausgesagt und ihn vor dem Schritte gewarnt hatte, der ihn nun seinem höchsten Glück entgegen führen sollte? War sie so eitel auf ihre Klugheit, so rechthaberisch? Er mußte immer wieder den Kopf schütteln; diese Eigenschaften paßten noch weniger zu ihrem Wesen als der Heiligenschein. Jedenfalls fühlte er heute das herzliche Bedürfnis, ihre Freundschaft wieder zu suchen, sich mit ihr auszusprechen, sie vielleicht ganz ins Vertrauen zu ziehen. Eine gewisse unKlarheit der Empfindungen, die sich trotz aller Siegesfreude immer wieder heimlich geltend machte, ließ ihn nach einem teilnehmenden Herzen verlangen. Und er selbst fühlte sich heute so weich und feierlich gestimmt, daß er bereit war, jedes Vertrauen zu geben. Zu geeigneter Besuchsstunde machte er den Damen seinen Besuch. Die Mutter wirtschaftete in der Küche; er fand Helene allein. Sie sah aus, als ob sie ihren Heiligenschein für den Sonntag frisch geputzt habe, vornehm, mild, zurückhaltend. Das verstimmte ihn, und er verlor sofort die Vertrauensfreudigkeit, die ihn hergetrieben hatte. Es prickelte ihn sogar, sie zu ärgern, zu demütigen, ihr zu erzählen, daß er gestern Herrn von Bodungen kennen gelernt habe und wie flott der selbe Fräulein Alma den Hof gemacht. Dabei kam er selbst sich merkwürdig erhaben vor, daß er so gar keine Eifersucht gegen gefährlichen Nebenbuhler verspürte; er fühlte sich seiner Sache offenbar mathematisch sicher. Indem er nach einer schicklichen Anknüpfung suchte, erinnerte er sich des Gesprächs, das er mit jenem gehabt über Piſtolen und Duelle, und der unverständlichen Bemerkung über Schießübungen hinter dem Hause. Sagen Sie, Fräulein Helene," begann er schnell ,,, ich wollte Sie schon immer fragen: pflegt hier jemand auf Ihrem Hof oder sonst in nächster Nähe mit Pistolen oder Flinten zu schießen? Ich hörte es oft und wurde gestern noch besonders aufmerksam gemacht durch Herrn durch einen Herrn Er stockte doch und brachte den Namen nicht über die Zippen. Er schämte sich seiner boshaften Anwandlung. Er schämte sich auch noch aus einem anderen Grunde: warum Mann gelieb mißgönnte er es ihr denn, daß sie fenen hatte, vielmehr noch liebte? War das etwa eine anständige ehrliche Eifersucht? Machte er selbst denn etwa Ansprüche War das etwas anderes als der gemeine, niedrige Neid der Eitelkeit? Er begriff sich selbst nicht und schämte sich sehr Helene war bei seiner Frage offenbar sehr verlegen ge worden. So sah er sie zum erstenmal; der Heiligenschein war zerflossen wie ein Regenbogen; sie machte ein sehr menschliches, sehr mädchenhaftes, schuldbewußtes und doc zugleich halb schelmisches Gesicht. Sie gefiel ihm ausgezeich net so. Merkwürdig, ja, sie erinnerte ihn mit dieser Mient geradezu an Alma. Das war es, darum gefiel sie ihm offen. bar jetzt so gut. Ach Gott," stotterte sie, das wäre ja schändlich, wenn hier jemand schösse aber ich denke, es wird wohl der Decke von unserem Ausguß sein, der knallt ganz hörbar, wenn man ihn zufällig zuklappen läßt. Aber bitte, sagen Sie das nich weiter, nein?" ,, Warum denn nicht?" fragte er verwundert. Sie ward noch verlegener. Ich meine nur es ist ja ganz gut, wenn die Leute denken, man schießt hier, Sie zum Beispiel wir sind dann sicherer vor Dieben." Er war nicht ganz überzeugt; ihre Unsicherheit machte ihn stubig. " Ich weiß nicht," sagte er nachdenklich und sah dabei sehr grimmig aus,„ ich habe manchmal das Gefühl, als ginge hinter meinem Rücken etwas vor, irgend etwas ganz un klares, wie ein Raunen und Zischeln, das ich nicht höre und doch auf geheimnisvolle Weise wahrnehme, ohne es gleichwohl zu begreifen. „ Das ist ohne Zweifel nur eine Einbildung Ihrer erregten Phantasie," entgegnete Helene schnell. " Ich möchte es selbst gern glauben," sagte er, und doch kraft bei mir beobachtet; wie käme ich auch als Mathematiker erstens habe ich noch nie eine sehr lebhafte Einbildungs. zu solcher Neigung? Und dann was veranlaßt zum Beispiel selbst den Herrn Bürgermeister, den alle Welt als ſackgrob verschreit, mich, einen neuangestellten, völlig unbedeutenden Schullehrer mit der ausgesprochenſten Höflichkeit zu behandeln?" meister fürchtet sich genau so wie alle seine Untertanen vor „ Ei," rief sie, das ist doch ganz einfach: der Herr BürgerIhrem bösen Gesicht." Gotthold blickte ernst und unruhig vor sich hin. " In diesem Fall," sagte er nach einer Bause, wäre es offenbar meine Pflicht, die Leute über meine unfreiwillige Maske aufzuklären." ,, Eine solche Pflicht kann ich durchaus nicht einsehen.. Ebensogut könnten Sie sich verpflichtet fühlen, Ihren Schülern zu sagen: Kinder, ich bin gar nicht der strenge Despot, für den ihr mich haltet; wenn ihr Lust habt, könnt ihr mir getrost auf der Nase herumspielen". „ Das ist doch etwas anderes. Den Kindern gegenüber ist eine gewisse Verstellung sogar einfach Pflicht; die ganze Erziehungskunst beruht zuletzt auf dem großen Schwindel, daß wir alten, erwachsenen Schlingel mit unseren brutalen Fehlern, Dummheiten, Sünden uns der lieben Jugend mit bewußter Heuchelei als fleckenlose Vorbilder sittlichen Wandels, als unbeschränkte Meister alles Wissens, kurz als möglichst ideale Wesen hinstellen; diese Lüge übt jeder Vater, jeder Erzieher, und muß es tun, will er nicht die Pietät und den Gehorsam im Keim ersticken. So weit also bin ich vollkommen in meinem Recht; aber mich von den Erwachsenen mit Bewußtsein in einem falschen Licht sehen zu lassen, streift denn doch hart an die Rolle eines Betrügers." Und wenn die Erwachsenen sich nun selbst zu Kindern machen?" rief sie eifrig. Oder sind sie nicht rechte Kinder, wenn sie sich vor einem strengen Gesicht fürchten und dahinter auch gleich allerlei Abenteuer vermuten? Wahrhaftig, Herr Doktor, es ist mein voller Ernst, Sie wären ein Pedant und ein Tor, wenn Sie den Nimbus selbst zerstören wollten, der Ihnen so wohltätig ist und nach Ihrem eigenen Geständnis Ihnen erst Ihre Lebensstellung sicher gegründet hat." Und doch wußten Sie es einst warm zu rühmen, daß ich Ihnen gegenüber meine Maske sogleich abnahm." ,, Weil ich darin einen Beweis eines edlen Vertrauens erblickte," versette sie warm, dessen würdig zu sein ich mich durch Schweigen." seither ehrlich bemüht habe ( Fortsetzung folgt.)] Ein Wörtlein zähmt jeden Uebermut, Wenn man's nur richtig brauchen tut, Macht kleinlaut und bescheidentlich, Das Wort:„ Es geht auch ohne dich!" 1 Die Genossen. Skizze von Marim Gorkii. ( Fortsetzung folgt.) Den einen von den beiden nannten sie Tanzfuß und den anderen Unverzagt, und in ihrem Berufe waren sie beide Diebe. Sie lebten außerhalb der Stadt in alten aus Lehm und halbverfaultem Holz gezimmerten Hütten. Ihr Wirkungskreis waren die der Stadt am nächsten liegenden Dörfer. Tanzfuß war ein Mann von vierzig Jahren, groß, sehnig. Er ging vornübergebeugt, den Kopf nach unten gesenkt und die langen Arme über dem Rücken gekreuzt. Sein linker Fuß war fürzer als der rechte und wenn er ging, bewegte sich der linke Fuß seltsam in der Luft, dieser Eigentümlichkeit seines Ganges verdankte er seinen Namen. Unverzagt war fünf Jahre älter als sein Kamerade, nieriger und breiter in den Schultern. Er hustete oft und dumpf und sein Gesicht war von einer krankhaft gelben Farbe. Man sah sie immer zusammen und die Bauern sprachen bei ihrem Anblick: Die Genossen" sind wieder da. Nimm dich in acht! Ach diese Spitzbuben! Wann wird sie endlich der Teufel holen!? Die Freunde gingen gewöhnlich irgendwo auf der Dorfstraße immer auf der Hut und jede Begegnung vermeidend. Oder sie lagen irgendwo am Rande des Waldes und besprachen leise, wo es was zu stehlen gäbe und wie hungrig sie wären. Eines Tages im April gingen die Freunde durch die Landstraße, drehten sich Zigaretten und plauderten im Rauchen. Immer öfter hustest du..., sagte ruhig Tanzfuß zu seinem Kameraden. Das hat nichts zu sagen, wenn die Sonne wärmer wird, werde ich wieder aufleben. Mm... Möchtest du nicht ins Krankenhaus gehen? Wozu das? Wenn ich sterben muß, so werde ich auch so ¡ terben. Das ist gewiß. Das Laufen fängt an dir schwer zu fallen? sagte nach furzem Schweigen Tanzfuß. Das macht die Luft, erklärte Unverzagt. Sie ist jetzt Und er schüttelte sich in einem furchtbaren Hustenanfall, rieb die Brust mit den Händen und sein Gesicht war blauunterlaufen. dick und feucht, und ich kann nur schwer atmen. Dann gingen sie weiter. Links am Wege befand sich ein Wald. Am Rande tummelte sich ein kleines, zottiges Pferdchen. Es war so mager, daß man seine Rippen durch das Fell zählen konnte. Die Kameraden betrachteten es. Wenn wir es den Tartaren bringen, werden wir vielleicht noch sieben Rubel bekommen, sagte nachdenklich Tanzfuß. Bekommen wir nicht! Was haben sie davon? Das Fell. und das leise Pfeifen des enterbten Menschen flossen in einem Afford zusammen und verschwanden in der Lautlosigkeit des düsteren Waldes. Gehen wir? fragte Unverzagt. Es ist noch zu früh. Unverzagt seufzte auf und fing an zu husten. Ist dir kalt? fragte der Kamerade. Nein, traurig bin ich. Ach du! denke nicht daran! Woran denn? An das alles. Siehst du. Unverzagt belebte sich plötzlich wieder- ich kann nicht, nicht denken. Ich blicke auf das Pferdchen und denke. Auch ich hatte solch eins. Ich habe damit in meiner Wirtschaft viel geschafft. Und was hast du erarbeitet? sagte kurz und trocken Tanzfuß. Das gefällt mir nicht von dir: Beginnst ein Liedchen zu singen und seufzst dann ohne Ende. Man muß die Sache einfach so betrachten: Hast du was zu effen, ist's gut. Nein? dann klage, aber dann höre auf. Das hat doch keinen Zweck. Aber wenn du anfängst ist es widerlich anzuhören.... Muß wohl von deiner Krankheit kommen. Es muß wohl von der Krankheit kommen, gab leise Unberzagt zu; und fügte dann nach einer Weile hinzu: Und vielleicht kommt es vom schwachen Herzen. Ach wer ein schwaches Herz hat, ist auch nicht gesund, erklärte kategorisch Tanzfuß. Er biß mit den Zähnen einen Reisig durch und ließ ihn durch die Luft pfeifen. Dann sagte er streng: Ich bin gesund, ich leide nicht daran. Unverzagt blickte bald auf ihn, bald auf das Pferd, bald auf den nächtlichen Himmel und sagte endlich mit seltsamer Stimme: Wenn der Bauer plößlich merken wird, daß das Pferdchen ihm fehlt. Wie wird er herumlaufen, um es zu suchen! Und er ahmte mit den Händen die Verzweiflung des Bauern nach. Was willst du damit sagen? fragte trocken Tanzfuß. Nur so... mir fiel eine Geschichte. Einmal ist einem Bauern aus meinem Dorf auch ein Pferd verloren gegangen. Als er es merkte, wurde er wahnsinnig, warf sich auf die Erde und schrie! Ach, wie hat er geheult! Und wie brach er zusammen! Als ob ihm die Füße gebrochen wären. Was geht das dich an? Unverzagt rückte bei der scharfen Frage des Kameraden von ihm ab und antwortete schüchtern: Nur so, mir fiel es gerade ein... Ohne ein Pferd ist der Bauer verloren! Höre mir doch damit auf, begann streng Tanzfuß. Was du sagst ist Unsinn. Hörst du? Man hat doch Mitleid, erwiderte Unverzagt mit den Achseln zuckend. Mitleid? Aber mit uns hat niemand Mitleid. Darüber lohnt sich nicht zu sprechen!... Nun, dann schweige! Wir müssen bald gehen. Unverzagt rückte näher ans Feuer und mit einem schielenden Blick auf Tanzfuß, sagte er leise und bittend: Wollen wir's nicht lieber lassen? Was für einen niederträchtigen Charakter du hast! rief Tanzfuß bekümmert. Wie du willst! Aber besser wäre es, wenn wir es ließen... Es ist schon halb krepiert. Und wie viel wird man denn schon dafür geben, begann er eigensinnig nach einer kurzen Weile wieder. Wir könnten jetzt in das Dorf gehen, dort würden wir schon was passendes Was für ein Fell hat es denn? Ein alter Lappen ist es, finden. aber kein Fell. Man wird doch etwas geben. „ Ja, das ist gewiß. Treiben wir es in den Wald und erwarten dort in der Schlucht die Nacht. In der Nacht treiben wir es heraus und bringen es den Tataren. Gut, nickte Unverzagt. Wir halten den Vogel in der Hand.... Nur daß man nicht... Nichts wird man! sagte sicher Tanzfuß. In der Schlucht war es feucht und still. Die Freunde saßen hier schon lange in der feuchten Dunkelheit. Vor ihnen brannte ein kleines Feuer. Unverzagt saß und pfiff ein Lied, sein Kamerade hatte Weidenruten gesammelt und flocht aus ibnen einen Korb. Die wehmütige Melodie des Bächleins Tanzfuß, der in seine Arbeit vertieft war, war ärgerlich. Alles lebt jetzt in der freien Natur... in den Sümpfen werden wir Gänse haben. Ob du wohl bald fertig bist? Teufel! fragte wütend Tanzfuß. Bei Gott! Aergere dich nicht Stepan. Wollen wir es zum Teufel schicken. Wirklich! Hast du heute gefressen? schrie Tanzfuß. Nein, antwortete verwirrt Unverzagt. Meinetwegen vertrockne... Ich pfeif' darauf. Unverzagt wandte sich ab und seufzte schwer auf. Tu was du willst, aber wenn du so fortfahren willst, sage ich dir, mußt du auf meine Gesellschaft verzichten. An wen denke ich denn, wenn ich so rede? Doch nur an uns. Man könnte uns leicht mit dem Pferdchen sehen... Die unfer gehören Nogi, Latuſb Oku טן Tatusch daß nur so steht Wege. ift, Port bor, dak nach der den brin Feftung, miromits quartier Höchst Heereslei нашио Truppen in der Tir midler S tonnen Si alles dar Hichena