Nr. 31. Monnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., a's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertelfährlich Mr. 1,50. Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Samstag, den 6. Februar 1904. Gießener 13. Jahrgang. Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz Obe Hessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Bostzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 88 Fernsprechanschluß Nr. 362. Nenelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Der Hereroaufftand. Die deutschen Truppen im Aufstandsgebiet schreiten rüstig und zielbewußt weiter vor in der Bekämpfung der Hereros. Nach einer Depesche des„ Habicht"-Kommandanten aus Swatopmund ist am Mittwoch Oberleutnant Franke mit seinen 30 Mann auf Omaruru abmarschiert, um diese Station zu entsetzen. Die Nachricht von dem bereits erfolgten Entsatze Omarurus war demnach offenbar verfrüht. Weiter meldet der„ Habicht"-Kommandant: Am Donnerstag ging das Landungskorps vom„ Habicht" zur Sicherung der Bahnlinie nach Okahandja ab. Das 230 Mann starke Ersatzkommando unter Oberleutnant Winkler ist nach Karibib unterwegs, später marschiert es auf Gobabis und gedenkt bann eine Sperrung der Grenze vorzunehmen, um die Herero an der Flucht über die Grenze zu hindern. Die Herden, von denen sich die Herero nur in der allergrößten Not trennen, hilden ein großes Hemmnis für einen raschen Marsch, und es ist daher nicht ausgeschlossen, daß es gelingt, die Hereros zu fassen, ehe sie über die Grenze entwischen können. Sehr erfreulich ist es, daß die telegraphische Verbindung zwischen Swakopmund und Windhuk wieder hergestellt ist. Man wird infolgedessen auf ausführlichere Nachricht in der nächsten Zeit rechnen dürfen. Hoffentlich erfährt man vor allem auch über die Zahl der Opfer des Aufstandes genaueres. Die letzten Meldungen wissen wieder von neuen Opfern zu berichten. So sind nach einer Depesche des Gouvernements in Windhuk an das Kolonialamt nach Angabe eingeborener Diener der Hilfsarbeiter in der Kolonialabteilung, Legationsrat Ho e pner, und der landwirtschaftliche Sachverständige beim Gouvernement, Watermeyer, am 14. Januar in Waterberg von den Hereros ermordet worden. Hinsichtlich des Korrespondenten der Köln. 3tg." Müllendorff und des ihn begleitenden forstwirtschaftlichen Sachverständigen Dr. Gerber, die nach in Berlin eingetroffenen privaten Mitteilungen ebenfalls ermordet worden sein sollen, liegt beim Gouvernement eine Nachricht bisher nicht vor. Es besteht also noch die Hoffnung, daß beide sich haben retten können. Der heute mit der„ Lucie Woermann" von Hamburg abgehende zweite Truppentransport wird mehr als doppelt so stark sein wie der mit dem „ Adolph Woermann" abgegangene erste Transport. Der Führer dieses Transports, Oberst Dürr, und sein aus 9 Offizieren bestehender Stab werden ihre Dienstpferde nach dem Kriegsschauplak mitnehmen. Zu diesem Zwed sind auf dem Achterdeck der„ Lucie Woermann" sehr stark gebaute Stallungen für 16 Pferde aufgestellt worden. Zur Wiederherstellung bezw. Ergänzung der Eisenbahn in DeutschSüdwestafrika wird die„ Lucie Woermann" 4 Zwillingslokomotiven nebst Tendern mitnehmen. Die artilleristische Ausrüstung des Expeditionskorps wird dadurch ergänzt, daß die„ Lucie Woermann" eine Batterie mitnimmt. Der ,, Adolph Woermann" beförderte mit dem ersten Truppentransport bekanntlich 6 Geschüße. Ueber die der Garde entnommenen Mitglieder dieses zweiten Truppentransports, 32 Unteroffiziere und 330 Mann, nahm der Kaiser gestern Abend im Hofe des Berliner Schlosses eine Parade ab. Nachträglich wird Näheres über die Rolle bekannt, die unsere lieben englischen Vettern bei dem nun glücklich gedämpften Aufstande der Bondelzwarts gespielt haben. Ein mit Land und Leuten vertrauter südwestafrikanischer Farmer bezeichnet die Engländer als die Anstifter des Hottentotten- Aufstandes. Das herausfordernde Benehmen der Bondelzwarts sei nicht zum geringsten Teil dem Schüren englischer Handler zuzuschreiben. Diese Leute sind für große Handelsgesellschaften, Zweige der mächtigen De Beers", tätig und verstehen es, den dummen eingebildeten Häuptlingen ein glückliches Leben unter englischem Regime vorzugaufeln. E3 würden recht hübsche Durchstechereien bekannt werden, wenn nach dem Niederwerfen des Aufstandes ein strenges Verhör der daran beteiligt geweſenen Häuptlinge vorgenommen würde. Solche Händler wissen sich dadurch beliebt zu machen, daß sie bessere Preise für Vieh, Häute, Hörner und andere Produkte bezahlen als deutsche Händler oder solche unter den Boeren. Afrika für die Engländer! Das ist die Losung dieser Jingos. In denselben Kreisen wurde bekanntlich der Aufstand der Witboois angezettelt. Der aus der Kapkolonie ausgewanderte Boer van der Werthuisen, der jetzt in Gibeon friedlich eine schöne Farm bewohnt, wurde seinerzeit mit einer Menge Gewehre und Munition zu Witbooi geschickt und wußte diesen unter allen möglichen Versprechungen seitens Rhodes' Konsorten zum Aufstand zu bewegen. ,, De Beers" hatten damals ihre Augen auf mutmaßliche Diamantfelder in Deutsch- Südwestafrika fallen lassen. Jeder in Deutsch- SüdWestafrika gewesene deutsche Offizier weiß dies." Wenn unsere Kolonialverwaltung doch endlich den Herren Briten das Geschäft versalzen möchte! Deutfcher Reichstag. ( 25. Sigung.) CB. Berlin, 5. Februar. Heute wurde die unterbrochene Einzelberatung des Etats vieder aufgenommen und die sozialpolitische Debatte, die sich an den Titel Staatssekretär des Etats des Reichsimts des Innern angeknüpft hat, ver leerem Hause fortgesetzt. Abg. Pa zig( natl.) rechtfertigte die Fülle der dazu ingegangenen sozialpolitischen Resolutionen. Es handle sich hier nur um Wünsche des Reichstags, die keinesfalls unmäßig seien; auch verlange ja der Reichstag nicht, daß ihm von heute auf morgen Gesetzentwürfe vorgelegt würden. Die Haltlosigkeit der sozialdemokratischen Unterstellung, daß es der Mehrheit mit ihren Anträgen nicht ernst sei, ergebe sich schon daraus, daß schon so manchen Anregungen der bürgerlichen Parteien von der Regierung stattgegeben sei. Hoffentlich werde nun auch die Regierung die HandwerksEnquete nicht wegen finanzieller Bedenken vertagen. Auf die paarmal hunderttausend Mark dürfe es nicht ankommen. Die Sozialdemokraten würden nicht müde, den Arbeitern vorzureden, daß sie von unserem Verfassungsstaate nichts, rein gar nichts zu erwarten hätten. Was man aber von dem sozialdemokratischen Staate zu erwarten, hätte, das habe u. a. der Parteitag in Dresden wieder gezeigt. In der Republik Frankreich erwäge man erst jetzt sozialpolitische Neformen, die bei uns längst in Kraft seien. Ständen wir doch dem 25jährigen Jubiläum der kaiserlichen Botschaft von 1881 nahe. Auch dem 25jährigen Jubiläum unserer Gewerbeinspektion, neben der eine Beaufsichtigung durch Beauftragte der Berufsgenossenschaft hergehe. An Unfallentschädigungen und-Renten seien bei uns bisher bereits 430 Millionen Mark gezahlt worden. Abg. Müller- Meiningen( freis. Vp.) kommt zurück auf die Frage der Bordelle in Hamburg, deren Bestehen im Widerspruch zu dem bestehenden Reichsrecht sei. Redner bemängelt weiter die Handhabung des Vereins- und Verjammlungsrechts in Hamburg und verlangt ein einheitliches Reichs- Vereinsrecht, welches auch den Frauen das Vereinsund Versammlungsrecht einräumt. In der weiteren Debatte erwiderte der Hamburgische Bundesratsbevollmächtigte Dr. Schäfer dem Abg. Müller, daß das Hamburger Vereinsrecht keinen Unterschied zwischen Männer und Frauen mache. Abg. Erzberger( 3entr.) verteidigt die Sozialpolitik des Zentrums gegen die Angriffe von links und rechts. Die Politik. Die Budgetkommission des Reichstags hat die von der Regierung geforderte Vermehrung der Unteroffizierstellen abgelehnt. Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, steht eine Verfügung des Kultusministers bevor, die die Marianischen Kongregationen für katholische Schüler an den höheren Lehranstalten, die im Kulturkampf verboten wurden, wieder gestattet; die Zulassung soll nur noch von der Genehmigung der Schulbehörde abhängig gemacht werden. Die Reichstagskommission für den Geseßentwurf betr. die Kaufmannsgerichte hat beschlossen, auch Streitigkeiten aus der Konkurrenzflausel den Kaufmannsgerichten zu unterstellen ohne Rücksicht darauf, wie hoch das Gehalt des Handlungsgehilfen ist. Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, steht die von verschiedenen Parteien lebhaft befürwortete Ausgestaltung der Arbeiterstatistischen Abteilung des Kaiserlich Statistischen Amts zu einem Reichsarbeitsamt bevor. Das neue Amt soll eine selbständige Behörde werden. Zwischen dem Polentum und dem katholischen Klerus Oberschlesiens herrscht bekanntlich seit längerer Zeit der Kriegszustand. Die Polen haben ihn mit fanatischen Angriffen auf die Geistlichkeit begonnen, in der sie gefährliche Germanisatoren sehen. Die maßlosen Angriffe der polnischen Hezpresse gegen den oberschlesischen Klerus und vor allem gegen den Kardinal Kopp haben jezt zu zwei politischen Sensationsprozessen geführt, die in nächster Zeit vor der Beuthener Straftammer verhandelt werden. Es handelt sich um zwei von dem radikalpolnischen„ Gornoslaczak" veröffentlichte Artikel, durch die sich der Kardinal- Fürstbischof Kopp in Breslau und ein Teil der katholischen Geistlichen Oberschlesiens beleidigt fühlen. Strafanträge haben der Fürstbischof für sich und die ihm unterstellten Geistlichen gestellt, außerdem mehr als 30 katholische Pfarrer für ihre Person. Eine Stichprobe aus den Schmähreden, mit denen das pol= nische Blatt die Geistlichkeit regalisierte, mag den Ton der Bolenpresse illustrieren. In einem der Artikel, die von Lügen nur so wimmeln, wird von den Geistlichen Oberschlesiens behauptet, daß die Kanzeln von unwürdigen und unchristlichen Ausfällen gegen die Gefühle und die Ueberzeugung der Ortsangehörigen widerhallten. Weiter ich von moralischer Nichtswürdigkeit und Verrat der katholischen Sache, die der Klerus aus Gefälligkeit gegen den preußischen Staat begangen habe, die Rede. Oefterreich- Ungarn. Die Mentereien unter dem bei der Fahne zurückgehaltenen dritten Truppenjahrgang des ungaryajen Heeres wollen nicht aufhören. Wie aus Preßburg gemeldet wird, kam es dert zu blutigen Ausschreitungen der im dritten Jahre dienenden Husaren, die in betrunkenem Zustand mit blanker Waffe durch die Straßen zogen und gegen das Weiterdienen de-. monstrierten. Die Soldaten widersetzten sich einer Patrouille. Es kam zu einem förmlichen Kampf, wobei zwei Soldaten schwer und sieben leicht verwundet wurden. Wegen Aufwiegelung fanden im Laufe des Tages in der Husarenfaserne viele Verhaftungen statt. Dem Grafen Tisza kommen diese bedauerlichen Vorkommnisse nicht ungelegen, er schlägt daraus Kapital gegen die Opposition, die er mit Erfolg im Lande als die Urheberin der Dienstverlängerung der drittjährigen Mannschaften anflagt. In der Tat trägt die törichte Obstruktionspolitik der Opposition die Schuld an dieser Zwangslage für die Mannschaften. frankreich. ,, Wie der Herr, so's Gescherr". An das alte Bauernsprichwort fühlt man sich gemahnt, wenn man sieht, wie die Insubordination französischer Offiziere ihr Seitenstück in schweren Disziplinvergehen der Mannschaften findet. Aus Marseille wird berichtet, daß eine Kompagnie des 5. Genieregiments, die sich wiederholt über schlechte und ungenügende Rost beschwert hatte, den Dienst verweigert habe. 15 Soldaten sind als Rädelsführer in Haft gesetzt worden. Man wird mit ihnen nicht allzu hart verfahren, nachdem man die viel verdammenswerteren Disziplinwidrigkeiten der Offiziere vom General bis zum Leutnant mit übergroßer und schädlicher Milde bestraft hat. Uns kann diese Zuchtlosigkeit in der Armee der grande nation nur recht sein. Alien. Die russische Antwort, die gestern dem japanischen Kabinett übermittelt werden sollte, steht noch immer aus, und mit ihr die Entscheidung über Krieg und Frieden. Immer wahrscheinlicher wird es indes, daß die Antwort Japans auf die Note der Krieg mit Rußland sein wird. Der japanische Gesandte in Paris, der bisher stets an die friedliche Lösung der Krise zu glauben vorgab, hat jezt rund heraus erklärt: Japan sei unbeugsam entschlossen, loszuschlagen, falls Rußland sich weigere, einen feierlichen Vertrag zu unterzeichnen, indem es Chinas Oberhoheit in der Mandschurei anerkenne. Wenn Rußland in einer Note an die Regierungen Japans und der anderer Nationen feierlich erkläre, es erkenne die chinesische Oberhoheit in der Mandschurei an, so werde Japan deshalb doch losschlagen. Japan werde sich mit Versprechungen Rußlands, und seien sie noch so seierlich nicht begnügen. Zuviel Versprechungen Rußlands seien nicht gehalten worden. Japan bestehe auf einem von Rußland unterzeichneten Vertrag. Jede Vermittelung einer anderen Macht lehne Japan rundweg ab. Dieser Erklärung entspricht es auch, daß Japan alle in der Mandschurei ansässigen Japaner schleunigst in die Heimat zurückbefördert. In Pekinger diplomatischen reisen wird der Ausbruch der Feindseligkeiten in wenigen Tagen erwartet. Japan spielt also va banque. Und das Ende wird sein, daß es von Rußland zermalmt wird. * ** Hof und Gefellschaft. Die Mittelmeerreise des Kaisers wird im 4. März angetreten werden und mehrere Wochen dauern. Der Kaiser begibt sich mit größerem Gefolge im Hofzug nach Benua, wohin ihn wahrscheinlich auch die Kaiserin begleiten wird. Dort wird den Monarchen der Hamburger Dampfer ,, Auguſte Viktoria", den Direktor Ballin zur Verfügung stellt, aufnehmen und ihn bis nach der Insel Malta bringen, wo die ,, Hohenzollern" anfern wird. Auf der„ Hohenzollern" wird dann der Kaiser die Fahrt fortseßen und verschiedene Inseln des Mittelmeers besuchen. Die Königin von Württemberg hat die Reise nach London gestern ohne ihren Gemahl antreten müssen. Dieser ist an einer Sehnenentzündung erkrankt und hat deshalb auf die Fahrt verzichten müssen. Hus dem Gerichtsfaal. § Der Ehegatte der Gräfin Russell. Der Lakai William Brown, der s. 3t. unter der Vorspiegelung, er sei ein öfterreichischer Prinz, die Gräfin Russell heiratete, welche dann die Auflösung des Ehebandes erwirkte, wurde zu Toronto in Kanada wegen vielfacher, an leichtgläubigen Kaufleuten begangenen Betrügereien zu sechs Monaten Kerker verurteilt. § Vom Verdacht des Raubmordes freigesprochen wurde in Leipzig der 18jährige Handarbeiter Weber, nachdem er seit Mitte September 1903 in Untersuchungshaft gesessen hatte. Weber war verdächtig, am 12. September die Wohnung der Lehrersfrau Mader, um zu stehlen, betreten und auf die Genannte mit einem Küchenmesser eingestochen zu haben, als er sich entdeckt sah. Frau Mader erhielt schwere Verlegungen, die aber glücklich geheilt sind. Weber wurde in Magdeburg verhaftet, leugnete jedoch entschieden, und die Voruntersuchung brachte so wenig Belastendes, daß die Staatsanwaltschaft ihn außer Verfolgung setzen wollte; allein die Eröff= nungskammer hatte diesen Antrag abgelehnt. Auch die Verhandlung ergab belastende Memente so gut wie gar nicht, so daß der Staatsanwalt sich jeden Antrages enthielt. Nach furzer Beratung Sprachen die Geschworenen den AngeschulSigten frei. wehrend zu und überwand ſeine Gütterung mit Auftrat haftig näher, aber schon winkte Norden ihm abin yokohama, ein naher Freund des Nordenschen Hauses, bistung aller feiner Präfte flar zu Tagerage forschten: Warum meidest du mich, dammt gewesen war, täglich mehrmals stundenlang zu blicken diese Augen, die aber unablässig in seinem Gesicht mit die nicht wußten, wer er war, das lag endlich Hot- sumi, wichtig und atemlos. Das mußte zweimal wiederholt werden, und dann erschien wieder sinken und drückte den Knopf der elektrischen Leitung. hob er die Sand empor, ließ sie aber, fich hastig besinnend, à mesham hift Eine Aus dem Englischen von H. Mädchenlaune. ( Schluß Gerhardt. ( Nachdruck verboten.) Sizung der Stadtverordneten. Gießen, 4. Februar. Nach Eröffnung der Si zung durch den Oberbürgermeister teilt dieser mit, daß die Zweite Gießener Bumbaß- Gesellschaft" als Erlös von zwei Konzerten ihm 848,20 Mt. und der Verein„ Contentia" 100 Mt. übergeben habe zu dem Zweck der Verabreichung von warmem Frühstück an bedürftige Kinder der Volksschule; das seid sei mit dem Dank an die Geber der Stadtkasse überwiesen. Weiter teilt der Oberbürgermeister mit, daß zu Lasten des Stadt: erweiterungsfonds die Reaßsche Hofraite für 75 000 Mt., ein Grundstück in der Schwarzlach für 20 500 Mt., sowie noch einige kleinere Barzellen von der Stadt angekauft seien. Eine Reihe von Prozessen wegen Straßentoftenbeiträge seien durch das Landgericht zu Gunsten der Stadt entschieden. Mit Zustimmung der Baudeputation sind auf Antrag einer Anzahl beschäftigungsloser einheimischer Arbeiter Notstandsarbetten aufgenommen, bei denen ca. 20 Arbeiter beschäftigt werden. Die nachträgliche Genehmigung wird erteilt. Die Firma Rosenthal in Weglar beantragt die Bauerlaubnis zu einem Lagerhaus für Felle und Häute an der Krofdorfer Kreisstraße. Da die Anlage außerhalb des Bebauungsplanes errichtet werden soll, haben die Stadtverordneten nichts dagegen einzuwenden. Die Dispens gesuche Möhl, Bahnhofstraße, um Anbringung eines Erkers und Balkon und Sack& Jughard für Errichtung eines einstöck gen Neubaus auf dem Grundstück Südanlage 20, werden genehmigt.- Der Antrag des Bauunternehmers Winn um Höherlegung des von der Bahnhofstraße beim Lenzschen Felsenkeller nach der Wieseck führenden Weges wird auf Antrag der Baudeputation abgelehnt, da die erforderlichen Treppenanlagen Gefahren für den Verkehr in sich bergen und die Kabel des Elektrizitätswertes zu tief zu liegen kämen.- Ehe die Straße In Löbers Hof von der Stadt übernommen wurde, hat der Bauunternehmer Winn für Gas- und Wasserleitung 817,28 Mt. aufgewandt. Der vom Bauunternehmer Winn jeßt gestellte Antrag auf Uebernahme der Kosten auf Rechnung der Stadt wird auf Antrag der Baudeputation gebilligt. Mit der Entfernung von neun alten abgängigen Bäumen an verschiedenen Straßenzügen und deren Ersetzung durch neue, ist die Ver= sammlung einverstanden. Bur Heizung der Kapelle auf dem Friedhof am Rodtberg sollen 2 Gasöfen aufgestellt werden, auch ein Windfang ist gleich wie die Defen freihändig für die Kapelle in Auftrag gegeben, was die Versammlung genehmigt. Darauf verlas der Oberbürgermeister eine Eingabe des Gesamtfirchenvorstandes der evang. Kirchengemeinde. Darin wird gegen die von Seiten des Oberbürgermeisters seinerzeit den Stadtverordneten gegebene Darstellung in der Angelegenheit der Weihe des Friedhofs am Rodtberg Einspruch erhoben und das was Pfarrer Dr. Naumann in seiner damaligen Darlegung„ Klarheit und Warheit" behauptet, aufrecht erhalten. Es wird die Verhinderung des Gesanges des evangel. Kirchenchors als ein Gewaltalt des Oberbürgermeisters bezeichnet usw. Da der Kirchenvorstand einen Antrag nicht gestellt, hat die vereinigte juristische und Fried hofstommission, welcher diese Eingabe vorgelegen, beschlossen, den Inhalt des Schriftstücks den Stadtverordneten bekannt zu geben und es zu den Akten zu nehmen. Es erhebt sich gegen diesen Antrag kein Wiederspruch. Obwohl die neu festges gten Tarifpreise, die allerdings höher sind als die früheren, bei den drei letzten Holzversteigerungen nicht erreicht sind, werden die Versteigerungen von der StadtverordnetenVersammlung genehmigt, da die Preise höher sind als die früher erreichten. Der Voranschlag des Polizeiamts für 1904 gibt zu Bedenken feinen Anlaß. Bolizeiamtmann Hechler stellt einen Antrag um Vermehrung und Reorganifierung der Kriminalpolizei. Der Antragsteller begründet den Antrag in einem längeren Schreiben, das vom Oberbürgermeister verlesen wird. Die Finanzkommission, die sich mit der Sache befaßt, tonnte dem Antrag nicht ganz zustimmen. Sie will zwar einen zweiten Kriminalschußmann anstellen, doch von der geplanten Reorganisation absehen aus finanziellen Gründen. Es entspinnt sich über dem Antrag des Polizeiamtmanns Hechler eine lange Debatte an der die Stadtv. Dr. Schäfer, Kirch, Krumm, Dr. Gafffy, Schmall und Haubach teilnahmen. Schließlich wird der - Antrog der Finanzkommission, einen zweiten Kriminalschuß marn anzustellen und dem Kriminalschußmann Pfeffer die Leitung zu übertragen, die beiden Beamten aber dem Polizeiamtmann zu unterstellen, angenommen. Der Voranschlag des Elektrizitätswertes für 1904 wurde genehmigt. Der Verbrauch hat im Rechnungsjahr 1903 über 10000 Mt. mehr in Einnahme gebrocht als erwartet wurde. Der Voranschlag der Block'schen Stiftung für 1904 balanziert in Einnahme und Ausgabe mit 5252,30 Mt. und wird ohne Debatte genehmigt. Oberbürgerm. Mecum verliest eine Begründung des Polizeiamts zum Erlaß einer Polizeiverordnung die für den Wirtschaftsbetrieb mit Kellnerinnenbedienung verschärfte Maßnahmen vorsieht. Der hiesige Gastwirtever in diückt in einem Schreiben, das vom Oberbürgers meister verlesen wurde, sein Einverständnis aus. Die Wirtschaftskommission erklärt sich mit der Verordnung einverstanden. Nach einer kleinen Uenderung wurde die Verordnung die neben der Offenba er die schärfsten Maßnahmen in dieser Beziehung in Hessen trifft, angenommen. Für die Wirtschaftsverlegung des Wirtschaftsbetriebes Wilh. Amend, der seine Wirtschaft in das Reiber'sche Haus, Bahnhofstr.66, verlegt, wird die Bedürfnisfrage bejaht, jedoch der Ausschant in einer zu errichtenden Glashalle die Genehmigung noch versagt, es wird ihm anheimgegeben, nach Errichtung der Halle erneut vorstellig zu werden. Das Gesuch des W. Balser um Wirtschaftserlaubnis im Laden des Hauses Lindenplag 12 wird abgelehnt. Dagegen das Gesuch der Wtw. Schieß um Konzession im Hause Löwengasse 12 wird befürwortet, da ihr verstorbener Mann die Konzession schon besessen habe. Die Beratung über den Bauplatz der Frrenanstalt bildet den letzten Punkt der Tagesordnung. Es entspinnt sich darüber eine sehr lange Debatte. Von den beiden Plänen: der zwischen der Licherstraße und dem alten Steinweg und der in der Schwarzlach zwischen Eisenbahn und Wißmarer Kreisstraße, hält das Ministereium in einem Schreiben an das Kreisamt nur den Bauplatz an der Licherstraße für die Regierung als geeignet. Die Baudeputation beantragt daher die Abtretung eines Bauplages rechts von der Licherstraße über der Esenbahn, wobei ein größerer Teil Wald abgeholzt werden müßte. Die Anstalt wird von einem 20 Meter breiten Waldstreifen umschlossen. An der lebhaften Debatte beteiligten sich die Stadiv. Krumm, Dr. Gefffy und Gutfleisch, in hreren anderen Stadtverordneten die sich zu Wort gemeldet, wurde durch die Annahme ines Antrages auf Schluß der Devatte, das Wort abgestnitten. Der Antrag der Baudeputation wurde gegen 3 Stimmen angenommen. Der damit geschlossen'n öffentuchen Sißung schloß sich eine geheime Sißung an. * Lokales. 6. Februar 1904. ** Die Rückkunft des Großherzogs aus England wird voraussichtlich am nächsten Montag Mittag erfolgen. Der Großherzog hat das Protektorat über die Erste Hessische Landesgeflügel- und Vogelausstellung, die Mitte März in Offenbach stattfindet, übernommen und einen Ehrenpreis hierfür gestiftet. ** In der am letzten Mittwoch stattgefundenen Pro= vinzialausschuß- Sißung wurde über den Wirtschaftsbetrieb des Karl Pölicke zu Friedberg verhandelt. Es liegen recht gesetzwidrige Klagen vor und darum wird ihm heute der Schantwirtschaftsbetrieb entzogen.- Ferner sind um Konzessionserlaubnis eingekommen die Herren Hch. Schneider in Rödgen und Georg Kraft von Gießen, leßterer für Hildebrandstraße Nr. 2. Beide Gesuche hatten dem Kreisausschuß schon vorgelegen, der aber ein nicht zustimmendes Urteil erfannt hatte. Der Provinzialausschuß fonnte sich ebenfalls nicht für die Gesuche aussprechen. ** Stadttheater Gießen. Am Dienstag den 9. Februar geht als 8. Voltsvorstellung Adolf L'Arronges Dr. Klaus in Szene. Die übernächste Voltsvorstellung wird wieder einen Klassiter und zwar Schiller Wilhelm Tell bringen Die Inhaber der 20 Karten- Abonnements werden darauf aufmerksam gemacht, daß im Ganzen noch 8 Abonnementsvorstellungen ausstehen. § Kalt und schneereich soll der Februar nach den Wetterprophezeiungen des verstorbenen Rudolf Falb werden. Einen fritis ben Termin 2. Ordnung bildet der 16. d. Mts. Die Prognose des hundertjährigen Kalenders lautet gleich. falls: Schnee und Kälte. ** Wessen Pflicht ist es, die Straßen und Bürgersteige zu reinigen? Eine Verhandlung des Berliner Kammergerichts beschäftigte sich mit dieser Frage, worüber die Frff 3g." wie folgt berichtet: Ein Eigen tümer eines Grundstückes in der Kaiser Friedrichstraße zu Homberg v. d. H. war angeschuldigt worden, daß er nicht Fatür Sorge getragen hat, daß die Straße vor seinem Grundstück vorschriftsmäßig gereinigt wurde. Gegen einen Strafbefehl beantragte der Eigentümer gerichtliche Entscheidung und erzielte seine Freisprechung vor der Straffammer zu Frankfurt a M. Dieses Urteil focht die Staatsanwaltschaft durch Revision beim Kammergericht an. Der höchste preußische Gerichtshof wies jedoch die Revision der Staatsanwaltschaft als unbegründet zurück. Das Kammergericht steht abweichend von früheren Entscheidungen auf dem Standpunft, daß an und für sich die Gemeinden verpflichtet sind, die Straßen und die Bürgersteige zu reinigen Es erscheint nicht zulässig, die der Gemeinde obliegende Pflicht den Anliegern aufzuerlegen. Es darf lediglich eine durch Gesetz, Observanz oder Ortsstatut auferlegte Reinigungspflicht von der Polizeibehörde geregelt diejenigen Personen mit Strafe bedroht werden, welche die ihnen obliegende Straßenreinigungepflicht nicht erfüllen. Nicht als erwiesen wurde es angesehen, daß den Anliegern der in Rede stehenden Straße von Homberg v. d. H. die Pflicht obliege, gemäß den Vorschriften eines Gesetzes oder Ortsstatuts oder einer Doservanz die Bürgersteige oder Straße zu reinigen. Von einer Observanz fann nach Ansicht des Kammergerichts nur dann die Rede sein, wenn es sich um eine gleichmäßige örtliche auf einer gemeinsamen Rechtsüberzeugung beru zenden Uebung handelt. Das Kammergericht leitet die Verpflichtung der Gemeinden, in erster Reihe die Straße zu reinigen, aus dem allgemeinen Rechtsgrundsaße ab, daß j'de öffentlich rechtliche Korporation verpflichtet ist, ihre Einrichtungen und Anlagen in einem zweckentsprechenden Zustande zu erhalten. Aus den allgemeinen Gesezen darf mithin die Pflicht der Anlieger zur Straßenreinigung nicht hergeleitet werden. | Wieseck, 5 Febr. Das Quellgebiet für die zu erbauende Wasserleitung am Hangelstein liefert noch nicht genügend Wasser, sodaß noch nach weiteren Quellen Umschau gehalten wird. Die Kosten der Leitung werden sich auf etwa 100 000 Mt. belaufen. × Hungen, 5. Febr. Die fürzlich gegründete Rings ofengesellschaft verfügt über ein Gesellschaftskapital von 50 000 art. + Kirtorf, 4. Febr. Die Teilnehmer der hiesigen Ortsfernsprecheinrichtung sowie die öffentlichen Sprechstellen in Ehringshausen, Lehrbach und Ober- Gleen wurden zugelassen zum Sprechverkehr mit Wetter, Hessen- Nassau, Frankenau Bz. Kassel( Dainrode, Ellershausen, Haubern, Löhlbach) Salzschlirf, Großenlüder, Müs, Schliß und Fulda. A Offenbach, 5. Febr. Ein in der Goethestraße wohnender 20 Jahre alter Stempelschneider tödtete sich durch einen Revolverschuß in die Schläfe. darunter mehrere Brunkwagen, mit sich führen. Musi! forps, 200 Reiter und über 1000 Mann Fußvolt werden an dem Zuge teilnehmen. Zehn Betr.: vie follen an bergeben schriftlich Bäue 25, Bie Br ** Darmstadt, 5. Febr. Die bisherigen Mitteilungen über das Befinden des Prinzen Franz Joseph von Battenberg haben im Allgemeinen der Wahrheit nicht entsprochen. Eine wirkliche Besserung ist in dem Befinden des Prinzen teinen Augenblick eingetreten und sein Zustand bleibt nach Eine Operation ist nicht vorgenommen wie vor ernst. worden. Litterarisches. Wer das in allen deutschen Landen gelesene Moden- und Familien journal„ Mode und Haus", Verlag John Herny Schwerin, Berlin W. 35, nicht fennt, kann sich schwer einen Begriff von seiner Reichhaltigkeit und Vorzüglichkeit machen. Welches ähnliche Unternehmen kann sich auch nur im entferntesten mit ihm messen? 8 Seiten Mode, 4 Seiten Handarbeiten, 20 Seiten reich illustrirte Belletristik, einen mustergiltigen Schnittbogen und ein farbenprächtiges Colorit. Außerdem die beliebten Beilagen: Romanzeitung Aus besten Federn", Aerztlicher Ratgeber", illustrierte W zblatt„ Humor", die sehr begehrte 8 Seiten starke Juustrierte Kinderwelt", Musikbeilage etc. Man findet eben hier alles, was Hauswirtschaft und Familie betrifft. Trotz seines reichen Inhaltes foftet es pro Quartal nur Mt 1,-, mit Moden- resp. Handarbeiten- Colorits Mt. 1,25. Abonnements bet allen Buchhandlungen und Postanstalten. Holz- Versteigerungen. Ettingshausen. Montag den 8. Februar kommt zur Submission: 7 Stück Fichten- Schnittholzſtämme mit 10,12 Festm., zirka 360 Stück FichtenBauholzſtämme m. 150 Fm., 7 St. Kiefern- Schnittholzstämme m. 5,15 Fm., Hard 37, 38, 39 und 40, 91 St. KiefernBauholzstämme m. 53,60 Fm., Sandbecke, Riedſtein u. Hard, 124 St. Kiefern- Bauholzstämme m. 56,36 Fm., 1425 St. Kiefern, Grubenholz m. 209,85 Fm., Diftritt Hard Nr. 42 44 45 Kiefern- Grubenholz m. 44 54, 42.26 u. 63.95 Fm. ( Diese drei Abteilungen sind in den 209,82 Fm. enthalten und fönnen auch im einzelnen submittiert werden.) 62 St. Eich.- Bauholzstämme m. 28,50 Fm., 205 St. Eich.- Grubenholz m. 36,05 Fm., 1399 St. Ficht. Derbftang. m. 50,01 Fm. Die Submission findet statt ohne jeden Vorbehalt. Die Interessenten können ihre Angebote verschlossen bis zum obengenannten Termin, mittags 12 Uhr, mit der Aufzeichnung Holzsubmission" an die Bürgermeisterei einschicken. Die Eröffnung findet um 1 Uhr statt. Standesamt- Nachrichten der Stadt Gießen. Aufgebotene. Am 1. Febr. Karl Lang, Wärter dah. mit Anna Christine Heuß in Beuer. Am 2. Adam Herchenröder, Schuhm. in Offenbach m. Anna Barbara Stiegler dah. Dr. Adolf Damemann, Arzt dah. m. Emilie Elisab. Schneider in Mainz. Am 4. Georg Zörb, Kaufm. dah. m. Emilie Weber hiers. Am 5. Karl unton Schmitz, Kaufm. in Franks. a. M. m. Hedwig Charlotte Schmalenbach dah. Eheschließungen. Betr.: Aus 1 jährlich an Handwerker Anm auf dem entgegenge Gief 6 Das nad die G an öffent den Hecke 1,25 mtr. S haben, wi lichen Ren Grund de ftrafe bon Giep Verg Die f inner die erforderli schriftliche bote bis mittags woselbst ficht offen Die anschlagt: Steinn Zimme Dachde Speng Schlof Glafer Schre Weißt Tapez Blanie flafte Dem Bajalt Materi Gijen Gieß Der Gro Berge dah. m. Marie Kathar. Elise Lony hiers. Am 4. Febr. Am 30. Jan. Dr. Wilh. Friedr. Karl Ort, Chemifer August Haas, Lokomotivheiz. dah. m. Kathar. Margar. Wahl hiers. Josef Wed, Kellner in Frantf. a. M. m. Wilhelm. Hartmann dah. Geborene. Am 26. Jan. Dem Installationsmstr. Walter Wille eine Tocht. Am 29 Dem Fußgendarm Augustin Blaß eine Tocht., Auguste Elise Kathar. Dem Lageriften Ludw. B.ter Bingel ein Sohn, Wilh. Friedrich Philipp. Schreiner Heinr. Klinfel ein Sohn, Karl Ludw. Am 1. Febr. Dem Kupferschmied Friedrich Strecker eine Tocht., Johanna Minna Bernhardine Frieda. - Gestorbene. Am 29. Jan. Elisabeth Franziska Ritsert, 40 Jahre alt, ohne Beruf dah. Kathar. Lehrmund, geb. Spuck, 32 J. alt, Ehefr. des Schlossers Hrch. Lehrmand dah. Am 30. Schneidermstrs. Ludw. Eimer dah.- Luise Helene Franziska Marie Elisab. Eimer, geb. Müller, 71 J. alt, Wtw. des Roes, geb. Kalbfleisch, 76 I alt, Wtw. ces Universitätsfechtistes. Hich. Roeſe day. Am 31. Karl Dambmann, 32 J. alt, Feldwebel i. P. day. Am 1. Febr. Hans Walther Liebsch, 5 Wite. alt, Sohn des Buchdruckers Oswald Liebsch dahier. Marktberichte. Gtehen, 6. Februar. Auf dem heutigen Wochenmarit lofteten Butter per Pfd 090-1.00 Mt., Hühnereier 2 Stüd 14-16 Pfg., Enteneler St. 8 fg., Käse per St. 6-8 Pfg.. Käsematte 2 St. 5-6 Bfg., Erbien per Liter 21 Pfg., Linien per Liter 32 Bfg., Tauben per Paar Wt. 0.80-1.00, Hühner per Stüd Mt. 1.30-1.40, Hahnen, per Stüd C.80-1.70, Enten per Stüd 1.70-2.20, Gänse per Pfd. 65-70 Pfg., Ochsenfleisch per Pfd. 68-78 fg., Rindfleisch per Pf. 62-66 Bfg. Schweinefleisch per Pfd. 66-76 Pfg. Schweine fleisch gesalzen per Pfund 0.80 Big., Kalbfleisch per Bfd. 70-76 Pfa, Hammelfleisch per Pfd. 56-74 Bfg., Kartoffeln pro 100 Kilo 5.50 6.00 f., Zwiebeln per 3t. Mr. 4.50-5.00, Alepfel per Centner 20-25 Mr. Milch per Liter 18 Vfg. Dauer der Marktjeit do n 8 Uhr morgens bis 2 Uhr Nachmittags. Gegenstände des Wochenmarktverkehrs dürfen vor Beginn der Marktzeit übeerhanp nict, und während der ersten diei Stunden der Marktzeit im Umherziehen feilgeboten werden. Berantwortlich: für den politischen und Inseratenteil: Albin Alein für das Lokale, den Gerichts." und" Deffentlichen Sprechsaal": Fr. Oppermann H Das Gegenmittel! Kathreiner's Malztaffee wirkt nicht aufregend wie Bohnenkaffee und Thee. Es giebt gar kein zweites Getränk, welches den schädlichen Folgen unserer Mainz, 6. Febr. Ein interessanter Grabsteinfund modernen Lebensweise so wirksam und dabei aus der Römerzeit wurde kürzlich auf einem Felde in der so mild entgegenarbeitet wie Kathreiner's Nähe der Lünette Stahlberg bei Zahlbach gemacht. Malzkaffee. Gerad deshalb eignet er sich so vorMainz, 3. Febr. Der Karnevalszug am Fastnachtzüglich zum täglichen Frühstücks- und Vespermontag wir etwa 60 Nummern umfassen. 20 Wagen, * Getränf. Die Instand im Hofe liche Cha Hinweis a Bergebung Die liegen in u lettere daje werden. Angel 15. berfchloffen i abzugeben. Bufch Gief Gro KalkAug Massen Wer N Am hren. Zehn ann Fußvolt Mitteilungen Don Battengt entsprochen. des Prinzen nd bleibt nach borgenommen Moden- und Berlag John nn fich schwer Borzüglichkeit n sich auch en Mode, 4 te Belletriftit, rbenprächtiges Romanzeitung ", illustrierte Seiten ftarte Man findet milie betrifft. Quartal nur its Mt. 1,25. Boftanstalten. 8. Februar Schnittholz id Flaten ittholzftämme St. Kiefern oftein u. Hard, m., 1425 St. Hard Nr. 42 63.95 Fm. Fm. enthalten ben.) 62 St. Eich.- Grubenng. m. 50,01 en Vorbehalt. loffen bis zum der Aufzeich rei einidhiden. t Gießen. 5. mit Anna Herchenröder, iegler dah. ifab. Schneider h. m. Emilie m. in Frankf . Drt, Chemiter Am 4. Febr. Margar. Wahl .m. Wilhelm. Walter Wille stin Blaz eine Bekanntmachung. Die Stiftung der Frau Hofgerichtsrat von Krug und ihres Sohnes des Hofgerichtsrats Dr. Karl von Krug. wie diesjährigen Zinsen aus der Krug- Stiftung sollen an 12 Arme der Stadt Gießen mit je 20 Mark vergeben werden. Bewerbungen sind bis zum 20. d. M. schriftlich oder mündlich bei dem Armenamt NeuenBäue 25, Zimmer Nr. 2 vorzubringen. Gießen, den 1. Februar 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. J. V.: Curschmann. Befanntmachung. Betr. Die Löbersche Stiftung. Aus obiger Stiftung ist eine Pfründe von 260 Mk. jährlich an einen in Gießen geborenen, verwitweten Handwerker zu vergeben. Anmeldungen werden bis zum 20. Februar 1904 auf dem Armenamt, Neuen- Bäue 25, Zimmer Nr. 2, entgegengenommen. Gießen, den 3. Februar 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. J. V.: Curschmann. Bekanntmachung. Das Polizeireglement vom 24. Februar 1882, wonach die Garten- und Feldbesißer die ihren Grundbesitz an öffentlichen Fahr: oder Fußwegen einfriedigenFrühjahrs- Pferdemarkt zu Schwarze Seiden Gießen. Am Mittwoch, den 16. März 1904, vormittags, findet markt statt. auf den städtischen Martianlagen nächst der Rodheimerstraße PferdeFür Stallungen in der Nähe des Marktes ist aus: reichend Sorge getragen; wegen derfelben wolle man sich an Herrn Hoflohnkutscher Huhn dahier wenden. Auskunft über sonstige Marktangelegenheiten erteilt Herr Weinhändler August Schwan dahier. Mit dem Pferdemarkt ist eine Prämiierung verbunden, für welche 1585 Mf. zur Verfügung stehen. Der Prämiierungsplan ist von Herrn Dekonomierat Schlenke- Hardthof bei Gicken oder von Herrn Weinbändler Schwu- Gießen zu beziehen. Die Breisverteilung erfolgt im Anschluß an die Prämiierung um 12 Uhr. Von 11 Uhr ab Konzert auf dem Marktplay. Omnibusvei bindurg von dem Bahnhof nach dem Marktplatz und zurück. Am 17. März, nachmittags 2 Uhr, findet in der Turnhalle der Sta tfnabenschule eine Verlosung statt von Pferden, Wagen, landwirtschaftlichen Maschinen und Ge= rätschaften, Haushaltungs- und Gebrauchsgegenständen. Der Generalvertrieb der Lose á 1 Mark ist dem Herrn Richard Buchecker dahier übertragen. Gießen, 15. Januar 1904. Die städtische Pferdemarktkommission. Jean Kirch, Stadtverordneter. Holzversteigerung. Montag, den 8. d. Mts., Vormittags 9 Uhr 220 Rm. Buchen- Scheitholz, den Hecken in jedem Frühjahr bis zum 1. März auf soll im Grüninger und Dorfgiller Markwald 1,25 Mtr. Höhe und 0,50 Meter Breite zurückzuschneiden folgendes Holz versteigert werden: haben, wird mit dem Anfügen wiederholt zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß Zuwiderhandlungen auf Grund des Artikels 31 des Feldstrafgesetzes mit Geldstrafe von 1 bis 10 Mark bestraft werden. Gießen, den 3. Februar 1904. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Vergebung von Bauarbeiten. Die für den inneren Ausbau eines neuen Schulhauses, die Errichtung eines Abortgebändes und die Herstellung des Schulhofes in Dorfgill erforderlichen Arbeiten und Lieferungen sollen im Wege schriftlichen Angebots vergeben werden und find Angebote bis Samstag, den 13. Februar 1. J.. Nach mittags 3 Uhr bei Großh. Bürgermeisterei Dorfgill, woselbst Pläne, Voranschläge und Bedingungen zur Einficht offen liegen, portofrei einzureichen. Die Arbeiten und Lieferungen sind wie folgt veranschlagt: zu 1537,80 Mt. Erd- und Maurerarbeiten Steinmezarbeiten Zimmerarbeiten Dachdeckerarbeiten Spenglerarbeiten Schlosserarbeiten Glaserarbeiten Schreinerarbeiten Weißbinderarbeiten Tapezierarbeiten Blanierarbeiten Pflasterarbeiten Gießen, den 1. Februar 1904. eriften Ludw. ipp.- Dem Basaltgruslieferung Am 1. Febr. Materiallieferung ht., Johanna Eisen- und Röhrenlieferung , 40 Jahre -b. Spud, 32 ah. Am 30. Btw. des ene Franzista Universitätsambmann, 32 Sans Walther swald Liebsch lofteten Butter Bfg., Enteneler St. 5-6 Bfg., uben per Baar Hahnen, per Banje per Bfb. Rindfleisch fg. SchweineBfb. 70-76 pro 100 Kilo Alepfel per der Marktzeit genflände des zeit übeerhanp ftzeit im Ums Albin klein t. Oppermann fregend wie fein zweites en unserer m und dabei hreiner's sich so borVesper 300 " " und Eichen- Knüppel, 1500 und Nadel- Reiser, 200 Buchen-, Eichen- und Nadel- Stöcke. Sodann Dienstag, den 9. d. Mts. von vorm. halb 10 Uhr an: 30 Fstm. Eichen- Abschnitte bis 63 Ctm. Durchm., Eichen- Bauholz bis 37 Ctm. Durchmesser bis 15 mtr. lang, 30 31 44 " 10 Fichten- und Kiefern- Bauholz bis 28 3tm. Durchmesser bis 22 Mtr. lang, Buchen- Stämme bis 68 Ctm. Durchm. 7 Stück Eschenstämme bis 46 Ctm. Durchmesser, Kiefern- Schnittstämme b. 38 Ctm. Durchm. 8 6 Fftm. Fichten Derbstangen bis 16 Mtr. lang, 13 Rm. Kiefern- Nugknüppel bis 3 Mtr. lang. Die Zusammenkunft ist am 1. Tag am Fußpfad von Grüningen nach Dorfgill und am 2. Tag an der Kreisstraße von Dorfgill nach Garbenteich. Großh. Bürgermeisterei Grüningen. Gilbert. Holzversteigerung in der Fürstlichen Oberförsterei Lich. Es sollen versteigert werden: Montag, den 8. Februar, a) im Distrift Erlesberg( Zusammenkunft vorm. M 763,42 912 Uhr am Teich): 29 Rm. Kiefern Knüppel, 1060 Kiefern Wellen, 29 Stück Fichten- Stamm- u. Stangen 2131,19 holz II. Kl. 1,90 Fstm. " 350,08 465,81 " " " 128,80 " " " 74,00 " in den Distrikten Erlesberg und Langeberg: 599,80 " " " 4 3072,41 " " " " " 78,00 " " " 680,00 " " " " 1513,50 " " " " b) im Distrikt Langeberg( Zusammenkunft borm. 240,00 11 Uhr auf der neuen Chaussee Niederbessingen- Langsin edelster Färbung und Garantieschein für gutes Tragen, sowie Seidenstoffe jeder Art in großartiger Auswahl und hochmodernen Dessins. Versandt in jedem Maß portound zollfrei an Jedermann. Muster bei Angabe des Gewünschten franto. Briefporto nach der Schwetz 20 Pf. Seidenstoff- Fabrik- Union Adolf Grieder& Cie., Zürich G. 22 Kgl. Hoflieferanten Ohne Fleiss keinen Preis ( Schweiz). AURORA Patentkummet der Deuzeit. Dreifacher Schutz. Kummete aus einem Stück Leder ohne jegliche Naht, schöne unveränderliche Form und tadelloser Siz. Hölzer find abnehmbar, was bei Zusammenhängen oder Umallen der Pferde sehr zweckmäßig ist, da durch eine einfache Hebellösung sofort die Hölzer abfallen. 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Instandstellung des vorderen Arreſthaushofes und der Zufahrtstraßen holz, rund), 29 Rm. Knüppel, 10 Rm. Stöcke, 250 Wellen; 130 Fichten Wellen; 1818 Fichtenstangen aller Sorten 15,25 stm.( darunter 900 Stück schönster Bohnenstangen). Die Buchen- und Eichen- Wellen sind meistens erstklassige Forstwellen. = - Die Zusammenfunft ist vormittags 9 Uhr auf der Chauffee Lich- Steinbach, wo der Weg einläuft, an welchem die Kastanienbäume stehen. Die Chaussee berim Hofe des Gerichtsgebäudes zu Gießen erforderliche Chauffier- und Pflasterarbeit wird hierdurch unter Hinweis auf den Ministerialerlaß vom 16. Juni 1893 zur läßt hier den Walddistrikt Konzebühl. Bergebung auf dem Submissionsweg ausgeschrieb n. Die Ausführungsbedingungen und Arbeitsbeschreibungen liegen in unserem Amtslokal zur Einsicht offen und können lettere daselbst zum Selbstkostenpreis in Empfang genommen werden. Angebote sind längstens bis zum Eröffnungstermin, dem 15. Februar d. Js., vormittags 10 Uhr, verschlossen und mit entsprechender Aufschrift portofrei an uns Zuschlagsfrist 14 Tage. abzugeben. Gießen, den 2. Februar 1904. Großhe zogl. Hochbauamt Gießen. Reuling. Kalk- und Marmorwerke, Dampfziegelei, August Gabriel jr., Giessen Massenfabrikation. Bahnanschlüsse. Werke Abendstern. Telephon Nr. 84. NAUMANNIA- SEIFE. mit dem Beste Seifenah undern! Metallsärge und Särge jeder Art stets am Lager. Schön'sche jeder Art stets am Lager. Metallsärge und Särge Bau- und Möbelschreinerei Liebigstr. 65. GIESSEN. Metgerei Telefon 410. Geweckter Junge oder alleinstehende Frau Donnerstag, d. 11. Februar vormittags 9 Uhr beginnend, werden im Giekener Stadtwald in den Distrikten und Utersbrunnen versteigert. Heingesboden, Hube tusbrunnen 71 Rm. Eichen- Scheitholz Buchen" 1 Nadel11 " Eichen- Knüppel 81 10 69 " 25,5 106 BuchenNadel" 34,8 " 16 Buchen: H " " Eichen- Stockholz 11 47 Nadel3800 Wellen Eichen- Reisig 880 1120 " ( Durchforstung) Buchen- Reisig NadelDie Zusammenkunft ist auf der Grünberger Straße an der Happelewiese. Gießen, am 4. Februar 1904. Gr. Bürgermeisterei Gießen. Mecum. e. Für den Vertrieb pratt, patent. Hausbedarfsartikels, Tischler, Schlosser oder geschickte Handwerfer für hiesigen Plaz u. Umgegend gesucht. Festes Ge halt monatlich 100 mt. und hohe Provision. Für kleinstes Lager 100 Mt erforderlich. Offerten a. d. Erb. d. Bl. erbeten u. 3797. Hauptagentur Gießen, Bahnhofstrake 63 Wochentags 1-3 Uhr Unbemittelte unentgeltlich. Einen Lehrling ſucht K. Walther. Schmiedemstr. Gießen, Bahnhofstraße 4. Oftanlage 18 Ecke Landgrafenstraße: 2. u. 3. Stod, 5 Zimmer, Badezimmer u. Mädchenz. eventuell mit Stallung, Burschenzimmer und Remise. Mansarde, 4 Zimmerwohnung per 1. April zu vermieten. H. W. 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Tagesordnung: Bericht des Schriftführers. KasseBahnhofstr. ,, Contentia" ( Wohltätigkeitsverein.) Sonntag, den 7. Februar, s Ubr, 11 min. abends Grosser Maskenball mit Jahrmarktsrummel in sämtlichen festlich dekorirten Räumen des..Neuen Saalbanes." Nur Mitglieder und eingeladene Gäste haben Zutritt. Erstere haben Vereinsabzeichen zu tragen, leßtere Einladungskarten porzu zeigen. Geheimkarten für Obige sind beim 1. Vorsitzenden C. Wagner, Ebelstraße und beim Kaufmann E. Borrmann, Neustadt zu haben. Nichtmastierte haben sich am Saaleingang mit Maskenabzeichen zu versehen. Der Vorstand. Prima Kartoffel Speise- u. Salatkartoffel zu den billigsten Tagespreifen empfiehlt J. Hankel Schloßgasse Steßen. - Flüssiges Obst: | Alkoholfreie Normalgetränke, un= vergorene Fruchtsäfte a. frischem Obite: Aepfel, Beeren, Trauben 2c. Turn- Verein Gießen. Sonntag, den 7. Februar Fortsetzung des Maskenfestes ( a la Venecia) in der Turnhalle. Anfang 5 Uhr. Ende 12 Uhr. in mehr a. 20 verſch. Sort. Aerzt. 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Da kam ihm der Gedanke an sein gestern gegebenes Versprechen. Einen Augenblick zauderte er noch, dann aber dachte er: Geschehen muß es unbedingt, und eine bessere Gelegenheit konnte gar nicht kommen, und da nahm er das erstaunte junge Mädchen kurz entschlossen in den Arm, zog sie an ſich und küßte sie mit der ganzen Leidenschaft seiner dreiundzwanzig Jahre. Nun war es geschehen. Er war darauf vorbereitet, daß ſie ihn zurückstoßen und ihm davonlaufen würde. Das aber geschah nicht. Als er sie an sich zog, war sie zuerst erstaunt, als er fie aber umfaßte und küßte, sank ihr Köpfchen an seine Brust, und er fühlte erzitternd, daß sie seinen Kuß erwiderte. Jetzt war er einen Augenblick sprachlos, denn darauf war er ja nicht gefaßt gewesen. Im nächsten Moment aber fant ihm schon Kraft und Bewußtsein wieder, und nun fühlte er mit bebender Glückseligkeit, daß das herrliche Mädchen ihn liebte. Und nun vergaß er alles um sich her, umfaßte sie noch einmal und füßte sie mit wilder, glühender Leidenschaft wieder und immer wieder. Plötzlich aber erschienen an der nächsten Wegecke die Freunde vom Stammtisch, und unter lautem Jubel und Lachen rief jemand: Das war gut gemacht! Du hast dein Wort glänzend eingelöst!" Einen Augenblick lag peinliche, angstbeklemmende Stille auf beiden Seiten. Dann aber erkennt das Fräulein die Situation, sofort reißt sie sich los, entflieht, und schon im nächsten Augenblick ist sie den Blicken der jungen Leute entschwunden. Nun erst wird auch der junge Kriegsmann aus seinen Träumen aufgerüttelt, verloren, all sein Glück verloren! Er stößt die Freunde von sich und will ihr nach. Zu spät! Er holt sie nicht mehr ein. Und dann rennt er wütend nach Hause und schließt sich ein und läßt seinen ersten großen Schmerz austoben, denn jezt weiß er ja, daß auch er sie liebt, und daß er sie nun verloren hat, vielleicht für immer, verloren durch seine eitle Prahlerei und Keckheit. Wütend wirft er sich nieder und überdenkt, was nun zu tun sei. Er eilt an ihres Vaters Haus, umsonst, sie sei nicht daheim. Dreimal kommt er wieder, immer vergebens. Nun ist er ganz ratlos, und als er am nächsten Tage wiederkommt, da erfährt er, daß sie fort sei, gestern Abend ganz plötzlich abgereist, zu einer Familie nach dem Süden. In wahnsinniger Wut geht er heim. Also hat er sie wirklich verloren! Der Gedanke treibt ihn fort. Er verläßt seine Vaterstadt, fort, nur fort, hinein ins Leben, hinein in die Arbeit! Vergessen, nur alles vergessen, was geschehen war! Drei Jahre später sah er sie wieder. In einem Seebade war es. Zuerst begrüßten sie sich förmlich und kühl, dann aber, da man in einem so kleinen Nest sich nicht entfremden kann, führte Zufall und Gewohnheit sie öfter zusammen. Und dann kam eines Tages die große Ausspache, und dann gestand er ihr mit flehenden Augen, daß er sie noch immer liebe, daß er ohne sie nicht leben könne, und so bat er um Verzeihung für seinen„ Dummen- Jungenstreich" von ehemals. Drei Jahre sind eine lange Zeit für zwei Liebende, die lange von einander getrennt leben mußten, und in dieser Beit hatte sie oft und lange darüber nachgedacht, ob sie ihm, falls er jemals wiederkäme, wohl verzeihen könne. Ihr Herz fagte ja. Und deshalb, als er nun so flehentlich abbat, verzieh sie ihm jetzt alles und wurde seine Braut. AUS DEM REICHE DES WISSENS Die Abnahme der Wärme auf der Erde. Es gibt jetzt, sogar unter den Gelehrten, Meinungen, nach welchen die Erde in rascherer Weise, als man früher annahm, einer für die Menschen empfindlichen Abkühlung entgegen gehe. Andere bestreiten das und schließen nur auf zeitweise sich wiederholende Abweichungen nach größeren Kälte-, wie nach erhöhten Wärmeperioden. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß wir seit 1877 keinen warmen Sommer mehr gehabt haben. Bei einer derartig konstanten Folge kühler Sommer ist es begreiflich, daß man vielfach die Frage hört: Gehen wir wirklich einer neuen Eiszeit entgegen? Wie stechen dagegen die Sommer der Jahre 1834, 1846, 1857, 1859, 1861 und 1868 ab! Im Jahre 1834 war die Mitteltemperatur von Mai bis September um 3,3 Grad zu hoch, auch das Jahr 1868 hatte eine ununterbrochene Wärmeperiode vom 1. Mai bis einschließlich Oktober. In der Kälteperiode, in der wir uns gegenwärtig befinden und die namentlich seit 1886 ganz Mittel- und Westeuropa betroffen hat, gibt es nur den einen Trost, daß auch schon früher ähnliche Kälteperioden eingetreten sind, auf welche dann wieder längere warme Perioden sich eingestellt haben. Renou hat schon vor längeren Jahren darauf aufmerksam gemacht, daß die Jahre 1838 bis 1847 genau um denselben Betrag zu kalt waren, wie die Jahrgänge 1879 bis 1888. Die Temperatur- Abweichungen der Jahrgänge 1837 bis 1845 zu Wien stimmen mit jenen von Paris sehr genau überein und zeigen derart die große und gleichmäßige Verbreitung solcher Wärmeanomalien. Das Wärmedefizit dieser neun Jahrgänge betrug in Wien mehr als einen halben Grad( zu Paris 0,4 Grad), was schon sehr beträchtlich ist; desgleichen waren die Sommer( bis auf einen, 1842) erheblich zu kalt. Dagegen waren das Dezennium 1861 bis 1870 und dann noch die Periode von 1872 bis 1874 zu warm." Ueber größere Wärme in früheren Zeiten noch folgenden Beweis: In der Kirche der ehemaligen Abtei Kamp bei Rheinberg, südlich von Wesel, wird eine alte lateinische Chronik aufbewahrt, in welcher die merkwürdigen Begebenheiten von dem Jahre 1122 bis 1504 verzeichnet sind. Der Pfarrer Friedrich Michels zu Kamp veröffentlichte im Jahre 1832 in einer Geschichte der Abtei Kamp einen Auszug aus jener Chronik. Man liest darin vom Jahre 1471:„ Es war ein sehr heißer Sommer; der Weinstock fing an zu blühen gegen den halben Mai und am Feſte des heiligen Sixtus( am sechsten August) wurde die Messe mit neuem Weine gehalten; am Feste des heiligen Bernardus( am 20. August) wurde dem ganzen Konvente neuer Wein gereicht. Im Jahre 1473 blühten die Kirschen und Pflaumen in der Mitte des Monats März, die Aepfel anfangs April, die Trauben Mitte Mai und wieder wurde am 6. August die Messe mit neuem Weine gelesen. Dasselbe geschah auch im Jahre 1504." Die bedeutende Quantität Wein, welche aus den Weingärten des Klosters gefeltert wurde, findet sich gewöhnlich angegeben. Heute ist die Weinkultur bis über einen geographischen Grad südlicher gerückt. Die Weinernte hat sich bis nach Südfrankreich hinunter in einem Jahrhundert bis zum Oktober verspätet. Allerlei Wissenswertes. Der Mumienweizen. Es ist oft behauptet worden, daß man aus Samenkorn, das bei ägyptischen Mumien gefunden, ganz vorzügliches Getreide gewonnen habe. Dies ist irrtümlich. Das den Verstorbenen mitgegebene Getreide nämlich war stets vorher in Oefen so weit gedörrt worden, daß es seine Keimfähigkeit vollständig einbüßte. Wenn trotzdem durch Aussäen desselben zuweilen frische Halme gewonnen wurden, so rührt das von einem Geschäftskniff der schon lange Zeit mit Mumien Handel treibenden Araber her, welche, um die Funde aus der Vorzeit interessanter zu machen, die abgetöteten Getreidekörner, die sich bei jenen vorfanden, mit etwas frischerem Getreide vermischten. Etwas zum Probieren. Die angebliche Tatsache, daß die wenigsten Menschen mit geſchloſſenen Augen geradeaus zu gehen bermögen, hat unlängst eine Erklärung gefunden. Sorgfältige Messungen an Skeletten sollen nämlich ergeben haben, daß man nur selten die beiden Untergliedmaßen eines Menschen gleich lang finde. Sei das linke Bein länger( was bei 55 Prozent der Menschen der Fall sei), so würde der Mensch mit diesem unwillkürlich einen etwas längeren Schritt machen, als mit dem rechten und ohne Korrektur durch die Augen also nach rechts abweichen, und umgekehrt. Uebrigens soll auch der rechte Arm bei 75 Prozent der Menschen länger sein als der linke, Nr. 29. Samstag, den 6. Februar 1904. Oberbessische Familienzeitung. Tägliche Unterhaltungs- Beilage der Gießener Neueste Nachrichten. Send mit Beslag der Chefener Berlagsbruckeret, vorm. Bilh. Keller'sche Buchbruderet( gegr. 1780); worentwor:[ bia RI ( 26. Fortsetzung.) Der Zeuge. Roman von Marie Bernhard. Nein, sie war nicht nervös, es wäre ihr jetzt eine Wohltat gewesen, wenn sie es hätte sein können. Keine Ohnmacht erbarmte sich ihrer, sie brach nicht zusammen und stieß keinen Schrei des Entseßens aus, aufrecht und lautlos blieb sie stchen, ließ ihre erhobenen Hände sinken, machte sich von Hellmuts Arm ungeduldig los und trat noch näher an seinen Vater heran, dicht, ganz dicht, denn sie glaubte nicht, wollte nicht glauben, was doch ihr erster Blick ihr deutlich genug gezeigt, Gewißheit mußte sie haben, sie mußte! Und die wurde ihr auch! Nicht nur, daß sie jetzt, Zug um Zug, das Antlitz wiedererkannte, das sie vor langen Jahren monatelang in ihren Fieberträumen vor sich gesehen, das sie verfolgt hatte, als das fürchterlichste, was ihre Kinderaugen je geschaut, das ihr unvergessen ins Gedächtnis geprägt geblieben war bis zum heutigen Tage, sie sah auch an dem Ausdruck in diesem Antlitz, daß der Mann vor ihr sie ver stand, daß er gut genug wußte, warum sie so fassungslos in sein Gesicht starrte, und sie verstand jetzt auch mit Blizes= schnelle, weshalb er sie gemieden und ihr mißtraut, weshalb er die Gattin seines geliebten Sohnes nicht freudig als Tochter an sein Herz geschlossen hatte! Er mußte sie erkannt haben an dem Tage, als sie zum erstenmal vor ihn trat. Er hatte in dem erwachsenen Mädchen sofort das Kind von damals, den Zeugen wiedererkannt, der sein Verbrechen gesehen, und wieder las er jetzt in den merkwürdigen blauen Augen das selbe Entsezen, dasselbe verständnisvolle Grauen, wie an jenem unvergeßlichen Tage. Und all das spielte sich in unglaublich kurzer Frist ab, dauerte kaum zwölf Herzensschläge! Hellmut allein war erstaunt und konnte bemerken, daß hier etwas Seltsames vorgefallen sein mußte. Der spanische Herr war erst nach einigem Zögern in das Gemach des Hausherrn getreten, zu welchem der Junior so unzeremoniell den Eintritt in Scene gesezt hatte, Sennora O'Vegas war kurzsichtig und trug lediglich aus Eitelkeit kein Glas. So hatte das Ehepaar nichts weiter gesehen, als eine, wie es schien, nicht gerade angenehme Ueberraschung im Angesicht des schnell emporschreckenden Hausherrn,- ein umstürzendes Lacktischen, ein hastiges Vorschreiten der jungen Frau, und jetzt Hellmut, der, offenbar, um ihr als galanter Ehegatte zuvorzukommen, rasch die zu Boden gefallenen Dinge aufhob und dabei allerdings besorgte Blicke zwischen seinem Vater und Hilda hin und her gehn ließ. Der geplante fröhliche ..Ueberfall" des Senior war mißlungen, man war ihm einfach ungelegen gekommen, denn der Mann hatte offenbar allein sein wollen, so dachten die beiden Spanier. ,, Wir haben Ihren Herrn Vater gestört, Sennor Norden, und täten wohl besser, uns wieder zurückzuziehen!" bemerkte der Vizekonsul in entschuldigendem Ton, während Hellmut seinem Vater Halsbinde und Brille reichte und dieser hastig beides anlegte. Diese harmlose Bemerkung, mehr noch das vollkommen unbefangene Ausschen des fremden Ehepaars, löste den unwenigstens äußerlich, der über den drei heimlichen Bann Beteiligten gelegen. Hellmut, der innerlich außerordentlich ( Nachdruck verboten.) aufgeregt war und sich befremdet fragte, was um Gottes willen die Veranlassung zu dieser kurzen, höchst befremdlichen Scene gewesen sein könnte, faßte sich zuerst und suchte mit einigen drolligen Redensarten, die freilich etwas erzwungen flangen, der Sache eine scherzhafte Wendung zu geben: man sehe deutlich, daß er gar nicht mehr der Sohn" der Firma, sondern ein von derselben losgelöster, selbständiger Kausherr sei; früher habe er in seines Vaters Arbeitszimmer jederzeit unangemeldet Zutritt gehabt, jetzt hätte er sollen Hot- sumi mit feierlicher Meldung voranschicken: Hellmut Norden nebst Gemahlin bäten um die Ehre, samt ihren werten Gästen empfangen zu werden. Norden senior stimmte in etwas unsicherem Ton bei, er nötigte seine Gäste höflich, Platz zu nehmen, und gestand ehrlich, daß er sich nicht ganz wohl gefühlt und Hot- sumi ausdrücklich aufgetragen habe, daß er ungestört zu sein wünsche, daher seine leichte Verstörung und sein Aufschrecken beim Eintritt des Besuchs. Im übrigen sei ihm derselbe aber höchst willkommen, er verhindere ihn, hypochondrische Grillen zu fangen, wozu er leider in lezter Zeit, wohl infolge körperlicher Indisposition, bedenkliche Neigung zeige, er werde sofort Bill beordern, Erfrischungen zu bringen, und wenn seine geehrten Gäste solche so energisch zurückwiesen, so müsse man ihm wenigstens gestatten, die neuesten, soeben aus der Türkei eingetroffenen Zigaretten zu präsentieren, die ihm der Kapitän des„ Halbmond" als ganz etwas Exquisites angepriesen habe. Letzteres Anerbieten wurde mit Dank angenommen, und gleich darauf saß man im Halbkreise bei einander, dampfte in lichtblauen Wölkchen das in der Tat vortreffliche türkische Kraut und plauderte über den Großhandel mit der Türkei und China, wobei der schlauen Findigkeit der Chinesen mit manchem erheiternden Beispiel Erwähnung geschah. Am schwersten vermochte sich Hilda zu fassen. Ihr schien das eben Erlebte so ungeheuerlich, daß sie sich Gewalt antun mußte, um nur überhaupt ruhig zu ſizen. Sie sprach kein einziges Wort, sie fühlte, daß die Stimme ihr nicht gehorchte, daß sie in Tränen des Jammers, der ratlosen Verzweiflung ausbrechen würde, sobald sie versuchen mußte, zu sprechen. Ohne aufzublicken, saß sie da, die eiskalten Hände, deren Zittern sie mit aller Kraft unterdrückte, im Schoß gefaltet, die Zähne fest aufeinander gedrückt, während die indolente Sennora D'Vegas, eine leidenschaftliche Zigarrettenraucherin, durch Befriedigung ihrer Passion so angenehm gestimmt wurde, daß sie ganz animiert sprach und allerhand drollige Chinesengeschichten aus dem Schatz ihrer persönlichen Erfahrungen sie hatte einmal mit ihrem Gemahl eine Zeit lang in Hongkong gelebt zum besten gab. Nicht wenig trug zu ihrer guten Laune der Umstand bei, daß die schöne Deutsche, welche ihres spanischen Gatten leicht empfängliches Herz entzündet hatte, Japan in zwei Tagen auf immer verlassen sollte. Draußen heulte der Monsun um das Haus in hohlen Stößen, und die Baumkronen wiegten sich rauschend hin und her. Die Natur stand im Aufruhr, wie Hildas Seele, die Basel annover. öbius& Sohn 6 maßlos geängstigt in ihrer Brust hin und her zu flattern schien, wie ein todeswunder Vogel, der keinen Zufluchtsort fennt, wohin er sich flüchten könnte. Ihr schönes, junges, sonniges Glück! Lag es nicht erbarmungslos in Trümmern? Drüben ging die Rede und Gegenrede heiter hin und her. War es möglich? Da saß der Mann, der vor kaum einer halben Stunde noch schreckensbleich und schuldbewußt in Hildas Antlig gestart hatte, anscheinend seelenruhig und streifte sorgsam die Asche von seiner Zigarrette und machte der spanischen Dame Komplimente über ihre geschickte Behandlung der spitzbübiſchen chinesischen Bedienten und verabredete mit dem Vizekonsul ein neues Zweiggeschäft des chinesischen Teehandels, von dem man sich einigen Gewinn versprechen durfte. Ein Ekel erfaßte sie vor der konventionellen Lüge des gesellschaftlichen Lebens, vor der Maske, unter der sich ein so entsetzliches Antlitz barg. Er, der dies Schauspiel so gewandt betrieb, fühlte sich ja sicher, daß die Gattin seines Sohnes unverbrüchlich schweigen würde, er fonnte ihrer Selbstbeherſchung in dieser Beziehung so sicher sein wie seiner eigenen. Aber Hellmut, Helmut! Er, der die Offenherzigkeit und Ehrlichkeit in Person war, wie würde er ihr Schweigen deuten, da er ohne Zweifel gesehen hatte, daß etwas Bedeutsames vorgefallen war zwischen seinem Vater und seiner jungen Gattin? Sie, die ihn über alles in der Welt liebte, die ihm wiederum das Teuerste auf Erden war, mußte gewaltsam das in sich ertöten, was jeder glüdlichen Ehe erst die rechte Weihe gibt: das unumschränkte, hingebende Vertrauen! Norden junior plauderte ganz leicht und heiter, aber sein Blick schweifte zwischendurch immer wieder zu ihr hinüber, die dort in der Nähe des Fensters regungslos, mit schlaff nieder hängenden Händen, wie eine schöne Marmorstatue, stand. Was, in des Himmels Namen, konnte sie ihm so verwandelt haben? Gottlob, endlich brachen die Gäste auf, trotz höflicher Ein wendungen ihrer Wirte, die notgedrungen erfolgen mußten. Bei diesem Wetter nach Tokio zurückzufahren, daran war für die Spanier nicht zu denken, sie besaßen aber zum Glück nech zahlreiche andere Bekannte außer Nordens in Yokohama, und einigen derselben hatten sie ihren Besuch fest zugesagt. Hilda kam herüber, als der Aufbruch erfolgte, sie hatte von ihrem Bewunderer und seiner Gattin definitiv Abschied zu nehmen, da man einander in den nächsten zwei Tagen schwerlich mehr wiedersah. Sie vermochte es richtig über sich, ein Föfliches Lächeln auf ihre Lippen zu zwingen und die üblichen Bedens arten, Danksagungen, guten Wünsche und derartiges mehr herauszubringen, ihre Stimme klang ihr selbst fremad, als sie zu reden begann, und Hellmut mußte das wohl au finden, denn er drehte sich ganz erschrocken nach ihr herum, aber es ging ja doch! Sennor O'Veges sprach eine leichte Berwunderung aus, die schöne Hand, die er wiederholt ca die Lippen führte, so kalt zu finden; Hilda antwortete mit freundlicher Abwehr, sie sei ganz gesund, und dann endlich, endlich gingen die Fremden, und in der nächsten Setunde wünschte sich Hilda, sie wären noch geblieben, oenn nun kam das gefürchtete Alleinsein mit ihrem Gatten, und sie wußte, was ihr bevorstand. Und während Fritz Norden dastand und nach ihr schaute und ihre Blicke ineinander trafen, führten dieselbe eine rasche, stumme Sprache, die jeder von ihnen doch so gut verstand, als wären sie durch Handschlag und feierlichen Eid besiegelt worden. In seinen Mienen stand es drohend und finster zu lesen: Meines Sohnes Glück und mein Leben hängt ab von dir, denn ich gebe mir selbst den Tod, sobald er erfährt, was du weißt, darum mußt du schweigen!- Und ebenso deut lich gab es ihr Blick ihm zurück: Ich werde schweigen, koste es, was es wolle! Im Korridor schlüpfte Hot- sumi an dem jungen Paar borüber; als er es sah, fielen ihm mit einemmale seine Unterlassungssünden ein, und er wurde ganz klein und so geschmeidig wie ein Aal, als er die Gewänder seiner„ allzugütigen Gebieter" abwechselnd an seine Lippen drückte und die Vergehungen ihres allerniedrigsten Knechtes" reumütig beichtete. Aber Hellmut hörte ihn nicht zu Ende und schnitt seine Reden mit einer ungeduldigen Handbewegung ab; er bedeutete ihm, voranzugehen und die Türen zu Hildas Salon zu öffnen. Hier befahl er ihm kurz, daß jetzt er seinerseits ungestört zu sein wünsche, und das kam in Wort und Geberde so kurz und herrisch heraus, daß der Japaner sich erschrocken duckte und sich innerlich bei allen Göttern des„ Dai Nipon" schwor, diesmal seinen Auftrag nicht zu vergessen. Hellmut und Hilda blieben allein. Der junge Gatte zog sich einen Sessel herbei und versuchte Hilda auf seine Kniee zu ziehen, allein sie widerstrebte und blieb aufrecht vor ihm stehen. Er legte den Arm um sie, und das duldete sie, ohne sich zu rühren. Du weißt, was ich dich fragen will?" begann er endlich unsicher und zögernd. Sie sah ihn an, eine leidenschaftliche Bitte in den Augen. Ja! Und wenn ich dich nun anflehe, ja, geradezu anflehe, Hellmut: schone mich, frage mich nicht, quäle mich nicht, was wirst du dann sagen?" Ich dich quälen? Kind, was für ein Cedanke!" sagte er sanft und lächelte sie zärtlich an.„ Aber, sieh, dies ist eine ernste Sache, mein Kleinod, und wir müssen uns doch darüber aussprechen, uns klar werden. Du bist mir ja wie ausgetauscht! Du kannst es nicht leugnen, daß es irgend etwas nicht länger Undefinierbares, ſondern wirklich Greifbares zwischen dir und meinem Vater gibt! Kannst du das leugnen?" Sie blieb stumm. Hilda!" Es lag ein Vorwurf in seiner Stimme, aber er klang so milde und schmerzlich, daß ihr das Herz weh tat. Gönne mir Zeit!" bat sie endlich. Nur jetzt nicht, nicht gleich jetzt gerade heute! Gönne mir Zeit! Mein Liebſter, nicht wahr, diesen ersten Wunsch erfüllst du mir?" Gewiß, mein Herz, wenn du mir versprichst, die volle Wahrheit zu sagen, sowie du ruhiger geworden bist!" „ Das kann das darf ich nicht!" ,, Du darfst nicht?" " Stein- und nein- und tausendmal nein!" Sie rief es mit ausbrechender Leidenschaft, und die Tränen stürzten ihr plötzlich aus den Augen, die so gewaltsam unterdrückte Aufregung beach sich stürmisch Bahn.„ Es ist um deinetwillen, es ist zu deinem Besten, Hellmut, mein liebster Mann, wenn du es mir doch glauben wolltest! Wie oft hast du mich dein kluges Lieb genannt, mir Geist, rasche Fassungsgabe, was alles sonst noch zugesprochen! Ach, so vertraue dem allem dies eine, nur dies eine einzigemal, und frage mich nicht!“ Hätte Hilda nicht unter dem Eindruck der eben erlebten Szene gestanden, wäre ihre Seele nicht von der mit aller Energie niedergehaltenen inneren Erregung so durchrüttelt werden, hätte Hellmut sie an einem der nächstfolgenden Tage gefragt, nicht aber unmittelbar nach dem erschütternden Erlebsie hätte vielleicht kluge Ausreden, Zärtlichkeiten, Schmeideleien die Sache weniger ernst und wichtig gestalten, sie auf ein anderes Gebiet hinüberspielen können, so sehr ihrer ehrlich denkenden Natur auch solche Ausflüchte zuwiderliefen; jetzt aber gab die furchtbare Spannung, welche sie so lange beherrscht hatte, plötzlich nach, und der ganze seelische Konflikt, in dem sie sich befand, trat, frezlich ohne seine Ursache zu entHüllen, klar zu Tage. Hellmut war sehr ernst geworden. Er machte ihre Hände, die sie um seinen Nacken geschlungen hatte, sanft, aber entdieben los und sich. Du berlangst blin Vertre von mir, Hilda, Vertrauen in deinen Scharfsinn, deine Klugheit, und doch verweigerst du es mir, der ich an dein Herz appellierte, in einer, wie ich jetzt fest annehmen muß, hochwichtigen und ernſten Sache, denn nur eine solche kann dich so stürmisch erregen! Wie willst du dich nun rechtfertigen?" Ihr Haupt war herabgesunken, und sie blieb stumm. Erinnerst du dich, Hilda," hob er nach einer kleinen Weile sanft wieder an, als wir auf dem Belvedere standen und dem Sonnenuntergang zusahen? Vor einigen Wochen war's, du wolltest mir irgend eine Kindheitserinnerung erzählen, ich habe vergessen, was es war!- und wir versprachen einander bei dieser Gelegenheit, unumschränktes Vertrauen zwischen uns walten zu lassen, niemals ein Geheimnis vor einander zu haben, als die festeste Grundlage ehelichen Glückes. Damals stimmest du mit voller Ueberzeugung bei, und ich faßte diese deine Zustimmung, die unmittelbar aus deinem Herzen kam, wie einen feierlichen Eid auf, den du mir im heiligen Tempel der Natur schwurst. Deine starke, stolze, reine Seele, deine ungebrochene Natur gab mir ein Recht darauf. Erinnerst du dich?" Ja!" sagte sie tonlos. " Gilt nur beim Mann das Ehrenwort, das feste, ernst gegebene Versprechen, nicht auch bei der Frau? Ich war stolz darauf, zu denken, daß ich mich auf meines Weibes Zusage so fest verlassen durfte wie auf meine eigene!" .Das darfst du auch, Hellmut, gewiß, du darfst es!" ,, Mit dieser einen Ausnahme natürlich!" ergänzte er bitter. Schade nur, daß sie zwei Personen betrifft, die mir die liebsten auf der Welt sind- dich und meinen Vater! Und schade auch, daß es sich um eine Sache von solcher Wichtigkeit handelt, daß er seine Fassung nur höchst mühsam bewahren konnte, während du die deine ganz und gar einbüßtest, angesichts dieser fremden Leute! Die Japaner haben eine Redensart, die auf den gegebenen Fall wunderbar zu passen scheint:„ Verlange alles, was du willst, o Herr, nur dies eine nicht!" Du willst mir dein Vertrauen schenken, nur hier nicht, wo es mir am meisten daran_geTegen ist." Er tat ein paar Schritte ins Zimmer hinein, kehrte dann rasch um und nahm sie in seine Arme. Was soll der bittere Ton gegen dich? Verzeih mir, Liebling! Aber dies mußt du einsehen! So wie ich dich jetzt halte, in meinen Armen, an meinem Herzen, dicht, ganz dicht, so soll es nichts Fremdes zwischen uns geben, so lange Gott uns beieinander läßt. Laß nicht in den ersten Tagen schon eine Kluft entstehen, die nur zu leicht weiter werden, uns von einander entfernen kann, unmerklich, aber unwiederbringlich! Was es auch sein mag, was du mir zu verschweigen für notwendig hältst, und ich weiß es, die Gründe, die dich dazu führen, können nur gut und edel sein! welche Pflicht der Pietät, des Zartgefühls dich auch leiten mag, glaub es mir, die Pflicht des Weibes gegen den Gatten ist die nächste, die erste! Es kann uns ein langes Zusammensein beschieden sein, ein ganzes Menschenalter vielleicht, wie schön, wenn wir uns dereinst sagen können, daß wir eins geblieben sind in unserem Herzen, daß keines von ihnen einen Schlag getan hat, um den das andere nicht weiß." Seine guten, zärtlichen Worte trafen sie tausendmal schwerer als seine Bitterkeit. Alles, was er sagte, weckte ein lautes Echo in ihrem Herzen, er hatte recht in jedem Wort, ach, und wie er das alles sagte! Wie seine Augen, die lieben, schönen, mitredeten, wie seine Stimme weich und ein menig zitternd flang, wie seine Lippen sich heiß und lange auf ihr Haar, ihre Augen, ihren Mund legten, als wollten sie jede Silbe besiegeln, die sie soeben gesprochen! ( Fortsetzung folgt.), Gefährliches Spiel. Eine heitere Geschichte von P. BI i ß. ( Nachdruck verboten.) Anfang September war Käte, des reichen Gutsherrn Müller einzige Tochter, aus einem Schweizer Pensionat zurückgekommen; fünf Jahre war sie dort gewesen, als unbedeutendes kleines Landkind war sie hingegangen, und nun sie wiederkam, war sie eine elegante, junge Dame mit den Manieren einer Baroneß und dem Chik einer Weltdame. Natürlich gab das in dem kleinen Landstädtchen Anlaß genug, darüber zu reden; am erbittersten darüber waren die guten Freundinnen von ehemals, die nur zu bald einsahen, daß sie von dieser noblen Dame ganz und gar in den Schatten gestellt wurden; aber auch die älteren Damen ihrer Bekannt und Verwandtschaft fanden genug an dem vornehmen Fräulein zu bemäkeln, oft sogar zu tadeln: und da Fräulein Käte nur noch den Vater hatte, bekam dieser oft mehr zu hören, als ihm lieb war. Papa Müller aber, bekannt Is ein friedliebender Mann, dachte, schimpft ihr nur immerzu, ich tu' dennoch, was ich für richtig halte; er liebte die Tochter aufrichtig, und deshalb gab er ihr in allen Dingen Recht. So viel aber das Fräulein von den Damen der Stadt gehaßt war, ebenso viel wurde sie von den heiratsfähigen jungen Männern angebetet und umschwärmt. Zu alledem verhielt sich Fräulein Käte sehr reserviert, zu den Damen war sie freundlich und entgegenkommend, die Herren behandelte sie höflich, aber kühl. Sie hatte sehr bald bemerkt, für was man sie hielt, aber sie war zu stolz, an den Klatschereien der Freundinnen teilzunehmen, und fand es abgeschmackt, sich von jedermann den Hof machen zu lassen. Die Folge war, daß man nach einigen Wochen bereits von ihr sagte, sie sei stolz und eingebildet und warte nur auf einen Prinzen, der sie als Gattin heimzuführen komme. Auch dies erfuhren Vater und Tochter, aber auch hierüber lachten beide von Herzen und kümmerten sich nun erst recht um feinen Menschen. Um diese Zeit kam Waldemar Schirmer, der einzige Sohn des Bürgermeisters, auf Urlaub in das Städtchen. Er war ein schmucker, junger Landmann, der jetzt sein Jahr in der Hauptstadt abdiente, nach dem Manöver war er„ befördert" worden, und nun kam er in der nagelneuen Uniform eines Unteroffiziers in sein Vaterhaus. Wie immer in einer kleinen Stadt, erregt das Erscheinen eines Soldaten ein gewisses Aufsehen, hier aber war dop peltes Interesse vorhanden: des Bürgermeisters Sohn und noch dazu ein Unteroffizier und ein strammer flotter Kerl obendrein, kurzum, alles lag in den Fenstern, wenn der junge forsche Krieger sich blicken ließ. Am zweiten Tage traf er auf der„ Promenade" mit Fräulein Käte zusammen. Er hatte bereits von ihrem Dünkel erzählen hören und war sehr begierig, sie nun einmal zu mustern, zwar kannte er sie ja von Kindheit an, dazwischen aber lagen nun die Jahre der Entwickelung, in denen man sich ja so leicht entfremdet. Als er sie grüßte und sie mit leichtem Kopfnicken dankte, sagte er bei sich:„ Donnerwetter, das ist ja ein Staatsmädel geworden!" Er ließ aber sein Erstaunen nicht merken, spielte den Weltmann und begann in einem flotten und leicht burschikos gehaltenen Ton zu plaudern. Zuerst ging sie belustigt auf seine Art ein, weil es ihr Freude machte, einen alten Jugendfreund wiederzufinden, als er dann aber immer dreister wurde, den forschen Kerl und den Schwerenöter spielen wollte, besann sie sich, wurde zurückhaltender und ließ ihn langsam aber sicher abfallen, so daß er mit kurzem militärisch strammen Gruß sich verabschiedete. Wütend ging er weiter. Darauf war er nicht gefaßt gewesen! Er schwur, sich dafür zu rächen! Und während er so in seinem Groll nach Hause ging, dachte er immer nur: Was für ein prächtiges Mädel ist sie doch geworden! Am anderen Tage traf er sie wieder, aber als er sich ihr nähern wollte, entwich sie, so daß sein Vorhaben mißlang. Darob wurde er so ergrimmt und in seinem Vorsatz noch mehr bestärkt. Doch an den beiden nächstfolgenden Tagen ließ sie sich überhaupt nicht blicken, so daß er ganz übellaunig und fast verzagt ward. Als er an diesem Tage abends in die Stammkneipe ging, begannen seine Freunde und Altersgenossen ihn weidlich zu uzen: Ja, lieber Junge, die holde Dame hat uns alle der Reihe nach schon abfallen lassen, da wirst auch selbst du vergeblich um Einlaß anklopfen." Verärgert und wütend schwieg der junge Krieger. „ Die Jungfrau hat kein Herz, sonst wäre sie schon längst einem von uns um den Hals gefallen, so dauerhaft haben wir ihr die Kur geschnitten!" rief lachend der junge Rechtsanwalt. „ So, meint ihr das wirklich!" entgegnete der andere noch wütender. Und ich sage euch, sie hat doch ein Herz, und es muß nur der rechte Mann kommen, da fällt auch dieſe Festung!" „ Nun, vielleicht bist du dieser Rechte!" höhnte scherzhaft ein anderer.„ Beweise es uns doch!" „ Das will ich auch, jawohl!" schrie Waldemar nun erregt.„ Ich werde es euch beweisen. Morgen, am hellen Tage, will ich ihr einen Kuß rauben! Ihr alle sollt das mit ansehen! Jawohl, morgen schon!" Er stand da mit Hochrotem Gesicht, die erregte Stimmung, der zu schnelle Genuß der Getränke, das alles hatte ihm seine ruhige Ueberlegung geraubt, so daß er gar nicht so recht wußte, was er gelobt hatte, nun erst, nachdem alle auf ihn einsprachen und seinen Mut bewunderten, nun erst wurde ihm klar, was er gesagt hatte, nun aber war es zu spät, ein Zurück gab es nicht mehr, wenn er sich nicht lächerlich machen wollte, und jetzt wurde er erst recht ärgerlich, denn nun bedauerte cr heimlich, ein so unsinniges Versprechen gegeben zu haben. wütend ging er nach Hause. Am anderen Tage, als Fräulein Käte des Nachmittags um 5 Uhr allein in dem kleinen Stadtpark lustwandelte, trat plößlich der junge Kriegsmann vor sie hin; entfliehen konnte sie nicht, und so begann sie mit ihm eine Untercray von Sco aten deferti marschieren Forfer und v Ründerunger gen die Ar toreanischen leje Soldater Die Lifte pieder um on den Her mter der Banshor ellschaft Lo Einiges achricht des pejchen an lloth in S eland. Bef jul v. Li Plans. aar Leut olloth als heldet, Fill emem wei in den deffen daber ife aus Port abe den Dar Freitag, bruch preits erfolg ben, die un eurs meldend alamt erhiel alant hatte Telegram udewill mus und telegr Selbſtveria H Leutwei ual Leut mando, tehtu agend erwi babe Ar. 6. 1904. O Seifenblasen Wöchentliche Beilage für die Abonnenten der., Gießener Neuesten Nachrichten". Aus den Sprüchen des Confucius. Drauf das Angesicht des Alten ,, Sage mir doch, Ben Akiba, Sage mir, was trinkst Du lieba? Legt sich ernst in würdge Falten; Trinkst Du lieber. braunes Bier Weise spricht er und gefaßt: Oder Wein? Das sage mir!" ,, Trinke, Jüngling, was Du hast!" Grob. Reicher Gec:„, Es geht doch eigentlich wenigen Leuten in der Welt so, wie sie es verdienen." Dame: Seien Sie doch froh." auty von Moreanern vejеzi. Große Abretungen dieser Soldaten desertieren täglich mit Waffen und Munition; sie marschieren dann in regelrechten Formationen durch die Dörfer und verlangen Quartier. Nachts gehen sie dann auf Plünderungen aus. Die Gesandtschaften haben vergebens gen die Anwesenheit dieser Soldaten protestiert und der toreanischen Regierung mitgeteilt, daß zum Schuße gegen diese Soldaten die Gesandtschaftswachen verstärkt seien. Der Herero- Hufftand. Die Liste der Opfer des Aufstandes ist schon vieder um zwei neue Namen vermehrt worden: Auf der on den Herero geplünderten Station Heusis wurde ein Bemter der deutschen Kolonialgesellschaft für Südwestafrika, Banshorn, und in Spizkopjes der Beamte derselben Geellschaft outsch ermordet worden. Einiges Befremden hat in Berliner Kolonialkreisen die Bachricht des„ Habicht"-Kommandanten erregt, daß Gouverteur Leutwein sich nicht, wie man nach den bisherigen Depeschen annehmen mußte, an Bord des eben von Port Colloth in Swakopmund eingetroffenen Wörmann- Dampfers efand. Bekanntlich hatte der Kapstädter deutsche Generalinsul v. Lindequist die Einschiffung Leutweins in Port Colloth als unmittelbar bevorstehend z. Zt. nach Berlin geneldet, und Koreenkapitän Gudewill vom„ Habicht" hatte einem weiteren Telegramm bereits von Leutweins Abeise aus Port Nolloth gesprochen. Jeßt meldet er, Leutwein abe den Dampfer verpaßt, er sei erst nach dessen Abfahrt, m Freitag, in Port Nolloth eingetroffen. Dieser Widerpruch in den Depeschen des Kapitäns Gudewill erklärt sich adessen daher einfach: Gudewills erste Meldung von der ereits erfolgten Einschiffung Leutweins beruhte auf dem= lben, die unmittelbar bevorstehende Abreise des Gouver= eurs meldenden Telegramm Lindequists, das auch das Kololulamt erhielt. Zugleich mit dem Telegramm an das Kolofalamt hatte der Kapstädter Generalkonsul ein gleichlautenes Telegramm an Gudewill nach Swakopmund geschickt. udewill mußte annehmen, daß Leutwein bereits an Bord und telegraphierte in diesem Sinne nach Berlin. Selbstverständlich wird durch die Verzögerung der Anft Leutweins im Aufstandsgebiete das militärische Vorben unserer Truppen nicht im geringsten beeinträchtigt. Leutwein in Swakopmund eintrifft, führt Gudewill das ommando, und daß er energisch und umsichtig zu operieren rteht, haben die rühmlichen Erfolge der letzten Tage lagend erwiesen. Galant. ( Nachdruck verboten.) ,, und wo soll ich das Rezept bereiten lassen?" ,, Natürlich in der Engel- Apotheke, gnädiges Fräulein!" Jua geretai wurve. Der Stav ves expectationstorps tras mittags in Hamburg ein. Die Abfahrt erfolgte nachmittags. Die Politik. Einen eigenartigen Schritt haben die Kölner Krankenfoffen unternommen: Sie haben beschlossen, ein Telegramm an den Kaiser zu senden, worin er gebeten wird, die etwa 100 000 Kölner Kassenmitglieder, welche durch die Regierungsverfügung mit ihren Familien den Aerzten auf Gnade oder Ungnade ausgeliefert seien, zu schützen. Der Kaiser fann in dieser Sache nichts hin. Das Gesetz schreibt vor, daß die Kassen ihren Mitgliedern die nötige Zahl Aerzte zur Verfügung zu stellen haben. Tun sie das nicht, so ist die Aufsichtsbehörde, also die Regierung, verpflichtet, die Kassenvorstände dazu anzuhalten, und erforderlichenfalls selbst die nötigen Aerzte auf Kosten der Kassen zu engagieren. Deren, daß die Aerzte ihren Streik durchsetzen, sobald sie solidarisch bleiben und Zuzug von außen fernhalten, tann niemand etwas ändern. In der Versammlung, die die Absendung des Telegramme beschloß, wurde u. a. mitgeteilt, daß den Kölner Aerzten zur Abfindung der von auswärts gekommenen Kollegen angeblich 750 000 Marf zur Verfügung ständen. Die fremden Aerzte seien indessen gegenüber den von den Behörden ergangenen Aufforderungen, ihre Tätigkeit cinzustllen, entschlossen, an ihren kontraktlichen Verpflichtungen festzuhalten. Während der Diskussion wurden die anwesenden Aerzte aus dem Saale getpiesen. Bald darauf verlicẞen auch die Vertreter der städtischen und staatlichen Behörden den Versammlungsraum. Die Kölner Krankenkassen werden gleichviel ob sie nun recht oder unrecht haben es bald böllig mit den maßgebenden Instanzen verschütten. Zum Nachfolger des Bischofs Anzer in China soll ein Pater Pieper ausersehen sein. Pater Picper ist bislang eine in den weiteſten Kreisen unbekannte Größe. O Die Erklärungen, die der preußische Minister des Innern v. Hammerstein im Abgeordnetenhause zu der Frage der Aenderung des preußischen Wahlrechts abgab, stellen, wie jetzt bekannt wird, nicht die persönliche Auffassung des gesamten Staatsministeriums dar. Die preußische Regierung ist, wie aus sicherer Quelle verlautet, von der Notwendigkeit durchdrungen, das preußische Wahlrecht im wesentlichen unverändert aufrecht zu erhalten. Bekanntlich hat die Regierung Erhebungen darüber angestellt, inwiefern sich bei den letzten Wahlen die geltenden Bestimmungen als verbesserungsbedürftig erwiesen haben. Das Ergebnis dieser Erhebungen ist die Anschauung des Ministeriums, daß die geltenden Vorschriften sich im allgemeinen als durchaus zweckmäßig erwiesen haben. Dies gilt insbesondere von dem 13. Jahrgang. nspreis: Die einspaltige Petitzelle für ganz Ol : Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 P Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. und Expedition: Gießen, Seltersweg 88 Ferusprechenschluß Nr. 362. chilen şener Zeifung) Gießen und Umgebung. Zehörden von Oberhessen. ment von 1903. Tur einige unwesentliche Aensollen vorgenommen werden. Eine dahingehende ird dem Landtage aber erst in der nächsten Tagung Oefterreich- Ungarn. em Olmüzer kirchlichen Hader scheinen die Gegner erzbischofs Dr. Kohn den kürzeren gezogen zu r. Kohn hat jetzt dem ihm unterstellten Klerus mit3 das heilige Offizium in Rom bereits Anfang De03 die Nachrichten von einer angeblich durch ihn n Verletzung des Beichtgeheimnisses als Verng bezeichnet habe und daß Papst Pius selbst ne Kundgebung veröffentlichen werde. Dänemark. 1 Beschwerdeführern über das Treiben der enghdampfer in den nordeuropäischen Gewässern reiht ch Dänemark an. Nachdem die deutschen Fischerein englischen Fischdampfern die Unverschämtheit, sich in der Nordsee benahmen, gehörig angestrichen Unfug in der Nordsee ein Ende gemacht haben, britischen Fischer jetzt in der Nähe der schottischen spizbubenhandwerf. Neuerdings sind sie mit ganz Noheit an der Isländischen Küste aufgetreten. Dänische Kreuzer Hekla" von dort abberufen ist, Engländer nicht nur in den isländischen Fjorden ht, sondern der wehrlosen und fast ganz auf den ngewiesenen Bevölkerung sogar ihre Fischereigeraubt. Dänemark wird jetzt unverzüglich izer nach den isländischen Gewässern entsenden, glischen Piraten das unsaubere Handwerk gründ n. Balkan- Staaten. derbare Dinge werden aus Montenegro berichtet dem Augenblick, wo der Vertreter des Königs Serbien mit dessen eigenhändigem Schreiben dortEin gewisser Drago Lakitsch war fürzlich in id wurde als ein alter Bekannter vom König Peter Sobald er nach Cettinje zurückkam, wurde er et und in Ketten gelegt. Sein Bruder, de Lakitsch, verlor die angesehene Stelle eines und ist im Begriff, Montenegro zu verlassen. adowitsch, ein Verwandter des Königs Peter, der n Montenegro als Emigrant lebte, hier mit einer Fürsten verheiratet und am montenegrinischen na grata war, fiel ebenfalls in Ungnade und ge Woche Montenegro verlassen. Er befindet sich jetzt in Belgrad. Im allgemeinen wird hier jeder ungern gesehen, der irgendwie zu Serbien Beziehungen unterhält. Und der Grund dieser ungnädigen Praktiken Nikitas? Sicherlich ist es die Enttäuschung darüber, daß nicht an Stelle eines Karageorgiewitsch ein Njegosch, ein Sohn des montenegrinischen Fürstenhauses, auf den serbischen Thron berufen wurde. * Aus den Parlamenten. Zwei völlig aussichtslose Anträge sind von sozialdemofratischer Seite im Reichstag e eingebracht worden. Der eine ersucht den Reichskanzler um Vorlegung eines Gefeßentwurfes, wonach der Betrieb und die Verwaltung der deutschen Eisenbahnen dem Reiche übertragen wird. Der andere verlangt einen Gesezentwurf, in dem ein Arbeitgeber mit Gefängnis bis zu drei Monaten bedroht wird, wenn er mit einem anderen Arbeitgeber vereinbart, Arbeitern die Arbeitsgelegenheit zu erschweren, die an Vereinigungen behufs Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen teilgenommen haben. Der letztgenannte Antrag ist, wie man sieht, das Gegenstück zu der vom vorigen Reichstag begrabenen Zuchthausvorlage". ( 26. Situng.) Deutscher Reichstag. CB. Berlin, 6. Februas. Das Haus ist wieder einmal so schwach besetzt, daß an seiner Beschlußunfähigkeit kein Zweifel auftauchen kann. Der erste der heutigen Redner meinte u. a.: Die einzigen Leute, die umsonst arbeiteten, seien die Mitglieder des Reichstags; die täten es allerdings ad majorem patriae gloriam. Er hätte hinzufügen sollen: in absentia. Aber die Beschlußunfähigkeit bleibt ohne jede Wirkung; sie mag noch so augenfällig sein, juristisch existiert sie nicht, so lange sie nicht formell festgestellt ist. Die Verlängerung des Friedenspräsenzgesetzes von 1899 auf nur ein Jahr, die von etwa 30 Abgeordneten in dritter Lesung endgültig genehmigt wurde, ist somit rechtsgültig. Eine Debatte entstand dabei nicht. Dafür slot der Redestrom uneingedämmt weiter, der durch das Vedürfnis nach sozialpolitischen Auseinandersetzungen beim Titel Staatssekretär des Etats des Reichsamts des Innern entfesselt worden ist. Abg. Rügenberg( entr.) trat für die Forderungen der Aerzte in deren Streit mit den Krankenkassen ein, also Driiben ging die m fonniges Glück! Lag es nicht erbarmungslos in Trümmern? fennt, wohin er sich flüchten könnte. schien, wie ein todeswunder Bogel, der feinen Zufluchtsort maßlos geängstigt in ihrer Brust hin und her zu flattern rede heiter hin und hr schönes, junges, blieb aufrecht vor ihm stehen. das duldete fie, ohne sich zu rühren. Hilda auf seine Seniee zu ziehen, allein sie widerstrebte und Der junge Gatte zog sich einen Sessel herbei und versuchte Er legte den Arm um sie, und Hellmut und Silda blieben allein. min?" begann ,,, Mit bitter. einen Ausnahme natürlich!" ergänzte er die mir die liebsten auf der Welt sind dieser tigkeit handelt, daß er seine Fassung nur höchst mühsam beUnd schade auch, daß es sich um eine Sache von solcher Wich" Schade nur, daß sie zwei Personen betrifft, dich und meinen Vater! Auch dies erfuhren Vater und Tochter, aber auch hierüber umi feinen Menschen. Sohn des Bürgermeisters, auf Urlaub in das Städtchen. Um diese Zeit fam Waldemar Schirmer, der einzige lachten beide von Herzen und fümmerten sich nun erſt Ser nich Bun 119 fön hauchte der Leutnant " Franz Buntat. ,, Himmlische Barmherzigkeit" Verstanden?" Das Chamaeleon. Während die Einkleidung der neuen Rekruten auf den Humoreske von Tco von Torn. Regimentskammern sich vollzog, pflegte der Herr Oberst seine Offiziere um sich zu versammeln und ihnen einen längeren Vortrag zu halten, der um so eindrucksvoller war, als er sich in jedem Jahre wiederholte. Zu den Rekruten- Offizieren, welche mit ganz besonders Er hatte das Vergnügen nun schon zum viertengemischten Empfindungen den„ Passions"-Weg zur ersten Besichtigung der Zöglinge antraten, gehörte der Leutnant mal und ein unerforschlicher Ratschluß hatte es gefügt, daß er bisher stets die ausgefallenste Gesellschaft bekommen hatte, welche in Reih und Glied gestanden. b. Hardegg. Es wird das zwar von allen Retruten- Offizieren behauptet, wie es ja eine ganz allgemeine menschliche Schwäche ist, das eigene Malheur immer als das schwerste und unüberwindlichste anzusehen. Leutnant v. Hardegg aber hatte tatEr traute sich zunächst gar nicht heran, sächlich besonderes Pech gehabt. Sein Material war körperlich oder geistig derart spröde gewesen, daß auch die liebevollste Vertiefung in das Abgründige dieser Menschenseelen Nach diesen Erfahrungen sah der Leutnant mit dem resignierten Fatalismus eines Mohammedaners den neuen sondern winkte den sich meldenden Unteroffizier beiseite und fragte fummervoll:„ Na, Räßke, nun sagen Sie mal kurz und schmerzlos: Was hat uns der liebe Gott in seinem nur geringe Resultate gezeitigt hatte. Zorne wieder beschert?" Geistern entgegen. " Zu Befehl, Herr Leutnant. Ich möchte glauben, daß cs diesmal nicht so fürchterlich ist. Die Leute machen einen ganz guten Eindruck." Gemütlich. Fremder( am Billetschalter): Verzeihen Sie, wann geht der nächste Zug nach Hamburg? Ich möchte heute Billetteur:„ Noch heute? noch weiter fahren..." Einige von den Leuten Ich werde mir die Gallerie schöner - da haben wir ja die Kazenpastete! Nur-1 ,, Wo er die rechte und wo er die linke Flosse hat-?" Wie ich Sie kenne, ist damit alles gesagt. Aber da hilft ja nehmen sich sogar recht gescheit aus. Nur " Zu Befehl, Herr Leutnant. Männer jetzt mal ansehen." mun nichts, Rätke. „ Na also Ich bin gehorsamst der ,, Einen guten Eindruck so. Ich will Ihnen mal was sagen, Räßte: Sie sind ein unverbesserlicher Optimist. Im vorigen Jahre äußerten Sie sich ähnlich, und hinterher haben wir uns selbst mit der Emsigkeit eines Bohrwurms nicht durch die sechszölligen Bretter arbeiten können, welche die Kerls vor dem Schädel hatten. Was sagen Sie nun, Räßke?" Meinung, daß wir diesmal besser gestellt sind. " Zu Befehl, Herr Leutnant. ,, Glauben Sie wirklich?" rief Herr v. Hardegg, indem seine schwermütig umdüsterten Züge sich etwas aufklärten. Dennoch flang es noch recht zaghaft, als er weiter fragte: Meinen Sic, daß jeder weiß, wie er heißt, wo er geboren iſt-?" „ Zu Befehl, Herr Leutnant. Habe bereits alles abge= fragt und es flappte ganz gut." Je länger Leutnant v. Hardegg inspizierte und inquirierte, desto mehr hellte sich sein Antlitz auf. Die Kerls waren tatsächlich aus einer besseren Garnitur Menschheit zusammengestellt. Nur stand da nicht vorhin ein anderer?" ,, Sagen Sie mal, Räßfe," fragte der Offizier, indem er ein verwundertes Gesicht machte und den dritten Mann ,, Nein, Herr Leutnant. Das ist der Rekrut Bunkat, der vom linken Flügel durch sein Glas schärfer ins. Auge faßte, nämliche, welchem auf der Kammer zwei rechte Stiefel zuge= teilt worden sind, wie der Herr Leutnant vorhin be" sagen Sie mal, mängelten. jetzt hat er einen schmalen Mund eine breite " I du Donnerwettstock! Jst ja richtig! Der Kerl hat die zwei rechten Stiebel. Aber er hat doch ein ganz anderes Gesicht! Vorher hatte er einen breiten Mund und eine schmale Nase Nase. Nee das ist doch überhaupt nicht derselbe!" ,, Treten Sie mal da vor!" rief der Offizier den be= treffenden Mann zu sich.„ Aber ein bißchen plötzlich, mein Lieber! Noch näher! So-1 Wie heißen Sie?" „ Zu Befehl, Herr Leutnant. Es ist der Räßfe!" rief er dann auch den Was ist denn mit dem Menschen los? zu sich selbst,„ der Kerl sieht schon wieder anders aus! Jetzt hat er abstehende Ohren und die Augenbrauen sißen schräg. Die Visage ist schon wieder anders. „ Zu Befehl, Herr Leutnant. Vorhin waren sie gerade. Unteroffizier heran. gefallen. Gesicht." Ist mir auch schon aufDer Mann hat alle Augenblicke ein anderes Schließlich fragte der Offizier:„ Was Aber die abstehenden Ohren und schrägen AugenLeutnant v. Hardegg faßte din Mann eine ganze Weile scharf ins Auge, um den rätselhaften Vorgang dieser kompletten Veränderung einmal in seinen einzelnen Phasen zu beobbrauen hielten sich. achten. sind Sie?" „ Künstler! Was für'n Künstler! Maler? Bildhauer? ,, Künstler, Herr Leutnant." Im Flohzirkus? Oder was sonst?" , Mimifer, Herr Leutnant." nun passen Sie mal genau Achtung, was meinetwegen mit Hilfer Ihrer Kunst" in den ich Ihnen sage, mein lieber Freund. Beim Militär hat ein Jeglicher nur ein Gesicht. Wenn Ihnen mehrere zur Verfügung stehen, so nehmen Sie das am wenigsten dumme und vorschriftsmäßigen Ausdruck, über den Ihnen noch näheres beigebracht werden wird. Lassen Sie es sich aber nicht beifommen, uns Vorstellungen geben zu wollen! Davon rate ich Ihnen auf das Entschiedenste ab! So, so bringen es Herr v. Hardegg spitzte den Mund zu einem leisen Pfiff des Begreifens. Dabei sah er den Rekruten scharf an und nickte langsam mit dem Kopf. jumine Spranje, vie wonen ooc 10 jever von gut verstand, als wären sie durch Handschlag und feierlichen Eid besiegelt worden. In seinen Mienen stand es drohend und finster zu lesen: Meines Sohnes Glück und mein Leben hängt ab von dir, denn ich gebe mir selbst den Tod, sobald er erfährt, was du weißt, darum mußt du schweigen!- Und ebenso deutlich gab es ihr Blick ihm zurück: Ich werde schweigen, koste es, was es wolle! Im Korridor schlüpfte Hot- sumi an dem jungen Paar vorüber; als er es fah, fielen ihm mit einemmale seine Unterlassungssünden ein, und er wurde ganz klein und so geschmeidig wie ein Aal, als er die Gewänder seiner allzugütigen Gebieter" abwechselnd an seine Lippen drückte und die Vergehungen ihres allerniedrigsten Knechtes" reumütig beichtete. Aber Hellmut hörte ihn nicht zu Ende und schnitt seine Reden mit einer ungeduldigen Handbewegung ab; er bedeutete ihm, voranzugehen und die Türen zu Hildas Salon zu öffnen. Hier befahl er ihm kurz, daß jetzt er seinerseits ungestört zu sein wünsche, und das kam in Wort und Geberde so kurz und herrisch heraus, daß der Japaner sich erschrocken duckte und sich innerlich bei allen Göttern des„ Dai Nipon" schwor, diesmal seinen Auftrag nicht zu vergessen. erregen! Wie wilst du dich nun rechtfertigen Ihr Haupt war herabgesunken, und sie blieb stumm. Erinnerst du dich, Hilda," hob er nach einer kleinen Weile sanft wieder an, als wir auf dem Belvedere standen und dem Sonnenuntergang zusahen? Vor einigen Wochen war's,- du wolltest mir irgend eine Kindheitserinnerung erzählen, ich habe vergessen, was es war!- und wir versprachen einander bei dieser Gelegenheit, unumschränktes Vertrauen zwischen uns walten zu lassen, niemals ein Geheimnis vor einander zu haben, als die festeste Grundlage ehelichen Glückes. Damals stimmest du mit voller Ueberzeugung bei, und ich faßte diese deine Zustimmung, die unmittelbar aus deinem Herzen kam, wie einen feierlichen Eid auf, den du mir im heiligen Tempel der Natur schwurst. Deine starke, stolze, reine Seele, deine ungebrochene Natur gab mir ein Recht darauf. Erinnerst du dich?" Ja!" sagte sie tonlos. " Gilt nur beim Mann das Ehrenwort, das feste, ernſt gegebene Versprechen, nicht auch bei der Frau? Ich war stolz darauf, zu denken, daß ich mich auf meines Weibes Zusage so fest verlassen durfte wie auf meine eigene!" „ Das darfst du auch, Hellmut, gewiß, du darfst es!" Bleiben Sie doch noch ein bischen." einen Ausnahme natürlich!" ergänzte er e nur, daß sie zwei Personen betrifft, die auf der Welt sind- dich und meinen Vater! daß es sich um eine Sache von solcher Wichdaß er seine Fassung nur höchst mühsam bewährend du die deine ganz und gar einesichts dieser fremden Leute! Die Japaner nsart, die auf den gegebenen Fall wunderbar t: Verlange alles, was du willst, o Herr, nicht!" Du willst mir dein Vertrauen er nicht, wo es mir am meisten daran gear Schritte ins Zimmer hinein, kehrte dann hm sie in seine Arme. er bittere Ton gegen dich? Verzeih mir, dies mußt du einsehen! So wie ich dich jetzt n Armen, an meinem Herzen, dicht, ganz richts Fremdes zwischen uns geben, so lange inder läßt. Laß nicht in den ersten Tagen entstehen, die nur zu leicht weiter werden, er entfernen kann, unmerklich, aber un Was es auch sein mag, was du mir zu notwendig hältst, und ich weiß es, die h dazu führen, können nur gut und edel Sflicht der Pietät, des Zartgefühls dich auch 6 es mir, die Pflicht des Weibes gegen den ächste, die erste! Es kann uns ein langes beschieden sein, ein ganzes Menschenalter schön, wenn wir uns dereinst sagen können, blieben sind in unserem Herzen, daß keines Schlag getan hat, um den das andere nicht zärtlichen Worte trafen sie tausendmal Bitterkeit. Alles, was er sagte, weckte ein rem Herzen, er hatte recht in jedem Wort, er das alles sagte! Wie seine Augen, die nitredeten, wie seine Stimme weich und ein ang, wie seine Lippen sich heiß und lange re Augen, ihren Mund legten, als wollten siegeln, die sie soeben gesprochen! ( Fortsetzung folgt.), efährliches Spiel. heitere Geschichte von P. BI i ß. ( Nachdruck verboten.) ember war Käte, des reichen Gutsherrn Tochter, aus einem Schweizer Pensionat fünf Jahre war sie dort gewesen, als unes Landkind war sie hingegangen, und nun ar sie eine elegante, junge Dame mit den Baroneß und dem Chik einer Weltdame. 5 das in dem kleinen Landstädtchen Aner zu reden; am erbittersten darüber waren innen von ehemals, die nur zu bald einbe von dieser noblen Dame ganz und gar in den Schatten gestellt wurden; aber auch die älteren Damen ihrer Bekannt- und Verwandtschaft fanden genug an dem vornehmen Fräulein zu bemäkeln, oft sogar zu tadeln: und da Fräulein Käte nur noch den Vater hatte, bekam dieser oft mehr zu hören, als ihm lieh war. いしい いい Papa Müller aber, bekannt aus ein friedliebender Mann, dachte, schimpft ihr nur immerzu, ich tu' dennoch, was ich für richtig halte; er liebte die Tochter aufrichtig, und deshalb gab er ihr in allen Dingen Recht. So viel aber das Fräulein von den Damen der Stadt gehaßt war, ebenso viel wurde sie von den heiratsfähigen jungen Männern angebetet und umschwärmt. Zu alledem verhielt sich Fräulein Käte sehr reserviert, zu den Damen war sie freundlich und entgegenkommend, die Herren behandelte sie höflich, aber kühl. Sie hatte sehr bald bemerkt, für was man sie hielt, aber sie war zu stolz, an den Klatschereien der Freundinnen teilzunehmen, und fand es abgeschmackt, sich von jedermann den Hof machen zu lassen. Die Folge war, daß man nach einigen Wochen bereits von ihr sagte, sie sei stolz und eingebildet und warte nur auf einen Prinzen, der sie als Gattin heimzuführen komme. Auch dies erfuhren Vater und Tochter, aber auch hierüber lachten beide von Herzen und kümmerten sich nun erst recht um keinen Menschen. Um diese Zeit kam Waldemar Schirmer, der einzige Sohn des Bürgermeisters, auf Urlaub in das Städtchen. Er war ein schmucker, junger Landmann, der jetzt sein Jahr in der Hauptstadt abdiente, nach dem Manöver war er„ befördert" worden, und nun kam er in der nagelneuen Uniform eines Unteroffiziers in sein Vaterhaus. Wie immer in einer kleinen Stadt, erregt das Erscheinen eines Soldaten ein gewisses Aufsehen, hier aber war dop peltes Interesse vorhanden: des Bürgermeisters Sohn und noch dazu ein Unteroffizier und ein strammer flotter Kerl obendrein, kurzum, alles lag in den Fenstern, wenn der junge forsche Krieger sich blicken ließ. Am zweiten Tage traf er auf der„ Promenade" mit Fräulein Käte zuſammen. Er hatte bereits von ihrem Dünkel erzählen hören und war sehr begierig, sie nun einmal zu mustern, zwar fannte er sie ja von Kindheit an, dazwischen aber lagen nun die Jahre der Entwickelung, in denen man sich ja so leicht entfremdet. Als er sie grüßte und sie mit leichtem Kopfnicken dankte, sagte er bei sich:" Donnerwetter, das ist ja ein Staatsmädel geworden!" Er ließ aber sein Erstaunen nicht merken, ſpielte den Weltmann und begann in einem flotten und leicht burschifos gehaltenen Ton zu plaudern. Zuerst ging sie belustigt auf seine Art ein, weil es ihr Freude machte, einen alten Jugendfreund wiederzufinden, als er dann aber immer dreister wurde, den forschen Kerl und den Schwerenöter spielen wollte, besann sie sich, wurde zurückhaltender und ließ ihn langsam aber sicher abfallen, so daß er mit kurzem militärisch strammen Gruß sich verabschiedete. Wütend ging er weiter. Darauf war er nicht gefaßt gewesen! Er schwur, sich dafür zu rächen! Und während er so in seinem Groll nach Hause ging, dachte er immer nur: Was für ein prächtiges Mädel ist sie doch geworden! Am anderen Tage traf er sie wieder, aber als er sich ihr nähern wollte, entwich sie, so daß sein Vorhaben mißlang. Darob wurde er so ergrimmt und in seinem Vorsatz noch mehr bestärkt. Doch an den beiden nächstfolgenden Tagen ließ sie sich überhaupt nicht blicken, so daß er ganz übellaunig und fast verzagt ward. Als er an diesem Tage abends in die Stammkneipe ging, begannen seine Freunde und Altersgenossen ihn weidlich zu uzen: Ja, lieber Junge, die holde Dame hat uns alle der Reihe nach schon abfallen lassen, da wirst auch selbst du vergeblich um Einlaß anklopfen." Verärgert und wütend schwieg der junge Krieger. „ Die Jungfrau hat kein Herz, sonst wäre sie schon längst einem von uns um den Hals gefallen, so dauerhaft haben wir ihr die Kur geschnitten!" rief lachend der junge Rechtsanwalt. „ So, meint ihr das wirklich!" entgegnete der andere noch wütender. Und ich sage euch, sie hat doch ein Herz, und es muß nur der rechte Mann kommen, da fällt auch dieſe Festung!" „ Nun, vielleicht bist du dieser Rechte!" höhnte scherzhaft ein anderer.„ Beweise es uns doch!" „ Das will ich auch, jawohl!" schrie Waldemar nun erregt. Ich werde es euch beweisen. Morgen, am hellen Tage, will ich ihr einen Kuß rauben! Ihr alle ſollt das mit ansehen! Jawohl, morgen schon!" Er stand da mit Hochrotem Gesicht, die erregte Stimmung, der zu schnelle Genuß der Getränke, das alles hatte ihm seine ruhige Weberlegung geraubt, so daß er gar nicht so recht wußte, was er gelobt hatte, nun erst, nachdem alle auf ihn einsprachen und seinen Mut bewunderten, nun erſt wurde ihm klar, was er gesagt hatte, nun aber war es zu spät, ein Zurück gab es nicht mehr, wenn er sich nicht lächerlich machen wollte, und jetzt wurde er erst recht ärgerlich, denn nun bedauerte er heimlich, ein so unsinniges Versprechen gegeben zu haben. wütend ging er nach Hause. Am anderen Tage, als Fräulein Käte des Nachmittags um 5 Uhr allein in dem kleinen Stadtpark lustwandelte, trat plößlich der junge Kriegsmann vor sie hin; entfliehen konnte sie nicht, und so begann sie mit ihm eine Unteraten desertie naridhierend örfer und be Sünderungen egen die An foreanischen 9 ieje Soldaten Die Lifte pieder um 3 on den Here mter der d Banshor Fellschaft Lo Giniges achricht des feur Leuth epeschen an lloth in Sr Guvial efand, Befe for ju Lin heldet, , und einem weit ife aus Port abe den Dan m Freitag, i bruch in den deffen daher preits erfolgt When ben, die un eurs meldend alamt erhielt falant hatte Telegram dewill muß Leutweini en unjerer teht, haber mmando, un Magend erwie mal mas mijt. Im ther haben rms nicht welche die 1, Räßte?" rjamit der egg, indem aufklärten. ter fragte: er geboren lles abge= hat-?" en Leuten Nur- 1 Da hilft ja ie schöner und inqui terls waren zusammengier, indem itten Mann Auge faßte, anderer?" Bunkat, der iefel zuge orhin beKerl hat nz anderes und eine eine breite Lbel" ier den be öblich, mein Sie?" er Leutnant aus! Jetzt jizen schräg. nn auch den enschen los? schon auf in anderes ganze Weile ser kompletſen zu beob gen Augenzier: Was Bildhauer? Leisen Pfiff arf an und htung, was tär hat ein Ce zur Ver dumme und unst" in den 1och näheres Der nicht beiDavon rate Den?" einen Ausnahme natürlich!" ergänzte er auf der Welt sind daß er seine Fassung nur höchst mühsam bedaß es sich um eine Sache von solcher Wichnur, daß sie zwei Personen betrifft, die dich und meinen Vater! recht um feinen Menschen. Um diese Zeit kam Waldemar Schirmer, Sohn des Bürgermeisters, auf Urlaub in das Städtchen. über lachten beide von Herzen und kümmerten sich nun erst Auch dies erfuhren Vater und Tochter, aber auch hierGr mo Landmann, der jetzt sein Jahr der einzige " Jawohl, Herr Leutnant, aber bitt' schön- ich kann nichts dafür, wenn „ Das werden wir Ihnen schon beibringen. Wegtreten!" Leutnant v. Hardegg wandte sich den anderen Rekruten zu. Als er nach einer Weile wieder den Mann mit den abstehenden Ohren und den schrägen Augenbrauen sich ansehen wollte, fonnte er ihn nicht finden. Nur die beiden rechten Stiefel ließen bei dem dritten Mann vom linken Flügel die Vermutung zu, daß er der Rekrut Franz Bunkat sei. Er hatte weder abstehende Ohren, noch schräge Augenbrauen, dafür aber ein auf der rechten Seite etwas verschwollenes Gesicht und ein Doppelkinn. Das Chamaeleon, eine die Gruppe der Vermilinguia bildende Eidechsengattung, hat die merkwürdige Eigenschaft, sein Aussehen nach dem jeweiligen Gemütszustande, nach Temperatur und Beleuchtung, nach Ernährungsverhältnissen usw. zu verändern. Ein solches Chamaeleon war der Rekrut Buntat nur war er der afrikanischen Eidechse insofern noch über, als er nicht nur seine Farbe, sondern auch Ausdruck und Haltung veränderte und zwar gemäß dem jeweiligen Gemütszustande. Franz Bunkat hatte ein anderes Gesicht, wenn er aß, ein anderes, wenn er Griffe floppte; er hatte ein besonderes Gesicht für den langsamen Schritt und ein besonderes für Freiübungen. Er sah ganz anders aus, wenn der Leutnant ihn anredete, wie wenn der Unteroffizier mit ihm sprach. Und derjenige Rekrut Franz Bunkat, welcher angeschnauzt wurde, war ein ganz anderer als der, welcher den Anschnauzer verdient hatte. Das war für die dritte Kompanie ein höchst pläsierliches Phänomen für die Vorgesetzten allerdings weniger. Franz Bunkat wurde bestraft es half nichts; man redete ihm gut zu wie einem gemütsfranken Pferde es nüßte nichts: der Rekrut schwur ungezählte heilige Eide, daß er nicht anders fönne. Der Stabsarzt nahm ihn ins Lazarett und unterwarf ihn bei ſtrenger Krankendiät einer Radikaltur mit Rizinusöl, dem als„ Soldatenhonig" bekannten und geschätzten Anheilmittel alles vergeblich. Die Vorgesetzten bis zum Major hinauf waren ratlos. H. KLIMSCH 12.6.94. Einer nach dem Andern. Schließlich blieb aber doch nichts übrig, als den Herrn Oberst zu verständigen selbst auf die Gefahr hin, daß die ungezählten verschiedenen Gesichter des Chamaeleons in der Beurteilung des Herrn Oberst auf den Rekrutenoffizier zurückfielen. Der Herr Oberst mochte wohl von dem Mirakel schon gehört haben. Er war nicht erstaunt oder ärgerlich, sondern lächelte nur überlegen und sah sich den Mann mit mildem Ernst und väterlicher Würde genau an. Dann sagte er freundlich: Treten Sie mal vor, mein Sohn!" Während Franz Bunkat, welcher just das runde Apfelgesicht eines Weißbinderbudikers hatte, aus dem Gliede trat und in der vorgeschriebenen Entfernung sich aufstellte, wandte der Oberst sich mit einem Wink an den Leutnant v. Hardegg: „ Lieber Herr Leutnant, ich will Ihnen zugeben, daß es sich hier vielleicht um einen eigenartigen Fall handelt, um einen Fall, auf den das rein Schematische der militärischen ErAber damit allein kommen ziehung nicht anwendbar ist. wir doch auch nicht aus! Selbst das Ungewöhnlichste darf uns nicht überraschen. Dafür muß jeder Offizier einen eigenen Fond von Einsicht, von Menschenkenntnis und Erziehungsmitteln haben. Wollen Sie mal, bitte, darauf achten, wie ich mit dem Manne rede also wo ist der Rekrut Bunkat!" rief der Oberst laut, indem er einen dürftigen Soldaten in seiner Nähe, dessen fieberige Augen aus einem schmalen, schwindsüchtigen Leidensgesichte an dem Vorgesetzten hingen, mit einem flüchtigen Blicke streifte. ,, Na, wird's bald? Zum Donnerwetter! Der Rekrut Bunkat soll vortreten!!" Waaaaa- s! das ist „ Der Rekrut Bunkat ist vorgetreten, Herr Oberst," meldete Leutnant v. Hardegg, mit der Hand am Mützenschirm. ,, Dort steht er." Sie sind derselbe, den ich Mensch!!! Wer sind Sie!?" " Zu Befehl, Herr Oberst! Rekrut Franz Bunkat." " Der Satan sind Sie!!" schrie der Oberst fassungslos und verließ mit großen Schritten den Hof. vorhin Als das Chamaeleon vierzehn Tage später entlassen wurde, machte es ein Gesicht, das es bis dahin noch nicht ge= macht hatte ein vergnügtes nämlich! Bauer( zu den Stallmägden):„ So,' 3 Vieh hat jetzt g'fress'n und g'soff'n! Jetzt könnt Ihr neingeh'n un a Gleiches tun!" uuuj von scoreanern vеjezi. Große Avretungen dieser Sol= daten desertieren täglich mit Waffen und Munition; sie marschieren dann in regelrechten Formationen durch die Pörfer und verlangen Quartier. Nachts gehen sie dann auf Sünderungen aus. Die Gesandtschaften haben vergebens gegen die Anwesenheit dieser Soldaten protestiert und der foreanischen Regierung mitgeteilt, daß zum Schuße gegen Diese Soldaten die Gesandtschaftswachen verstärkt seien. Der Herero- Hufftand. Die Liste der Opfer des Aufstandes ist schon pieder um zwei neue Namen vermehrt worden: Auf der on den Herero geplünderten Station Heusis wurde ein Bemter der deutschen Kolonialgesellschaft für Südwestafrika, Banshorn, und in Spizkopjes der Beamte derselben Geellschaft outsch ermordet worden. Einiges Befremden hat in Berliner Kolonialkreisen die Nachricht des Habicht"-Kommandanten erregt, daß Gouverteur Leutwein sich nicht, wie man nach den bisherigen Depeschen annehmen mußte, an Bord des eben von Port colloth in Swakopmund eingetroffenen Wörmann- Dampfers jefand. Bekanntlich hatte der Kapstädter deutsche Generalonsul v. Lindequist die Einschiffung Leutweins in Port tolloth als unmittelbar bevorstehend 3. 3t. nach Berlin geheldet, und Store:: enkapitän Gudewill vom„ Habicht" hatte einem weiteren Telegramm bereits von Leutweins Abeise aus Port Nolloth gesprochen. Jeßt meldet er, Leutwein abe den Dampfer verpaßt, er sei erst nach dessen Abfahrt, m Freitag, in Port Nolloth eingetroffen. Dieser Widerpruch in den Depeschen des Kapitäns Gudewill erklärt sich dessen daher einfach: Gudewills erste Meldung von der ereits erfolgten Einschiffung Leutweins beruhte auf dem= lben, die unmittelbar bevorstehende Abreise des Gouver= eurs meldenden Telegramm Lindequists, das auch das Koloialamt erhielt. Zugleich mit dem Telegramm an das Kolofalamt hatte der Kapstädter Generalkonsul ein gleichlautenes Telegramm an Gudewill nach Swakopmund geschickt. udewill mußte annehmen, daß Leutwein bereits an Bord und telegraphierte in diesem Sinne nach Berlin. Selbstverständlich wird durch die Verzögerung der Anft Leutweins im Aufstandsgebiete das militärische Vor-( ben unserer Truppen nicht im geringsten beeinträchtigt. Leutwein in Swakopmund eintrifft, führt Gudewill das ommando, und daß er energisch und umsichtig zu operieren : rteht, haben die rühmlichen Erfolge der letzten Tage lagend erwiesen. Tua geretaji wurve. Kindlicher Wunsch. Mutter:„ Die SyrupFabrik hat Pleite gemacht." Vater: Morgen ist die Ausschüttung der Masse." Fritzchen:„ Ach, wenn da unſereins mit lecken dürfte!" * Aus Kalau. ,, Weißt Du auch, daß die Zylinder aus Hasenfellen be= reitet werden?" ,, Freilich, daher der Name Lampen Zylinder!" Wechselseitig. ,, Der Meier macht doch bei jedem Sat einen Kalauer." ,, Und seine Zuhörer bei jedem Kalauer einen Sat!" ※ Vorschlag zur Güte. Unteroffizier:„ Kerls, wenn Ihr nun doch einmal marschieren wollt, als ob' s zu einem Begräbnisse ginge, dann marschiert wenigstens so, als ob Ihr einen alten Erbonkel fortbrächtet!" ver Stav ves expertionstorps traj mittags in Hamburg ein. Die Abfahrt erfolgte nachmittags. Die Politik. Ginen eigenartigen Schritt haben die Kölner Krankenkassen unternommen: Sie haben beschlossen, ein Telegramm an den Kaiser zu senden, worin er gebeten wird, die etwa 100 000 Kölner Kassenmitglieder, welche durch die Regierungsverfügung mit ihren Familien den Aerzten auf Gnade oder Ungnade ausgeliefert seien, zu schützen. Der Kaiser fann in dieser Sache nichts hin. Das Gesetz schreibt vor, daß die Kassen ihren Mitgliedern die nötige Zahl Aerzte zur Verfügung zu stellen haben. Tun sie das nicht, so ist die Aufsichtsbehörde, also die Regierung, verpflichtet, die Kassenvorstände dazu anzuhalten, und erforderlichenfalls selbst die nötigen Aerzte auf Kosten der Kassen zu engagieren. Darau, daß die Aerzte ihren Streif durchsetzen, sobald sie solidarisch bleiben und Zuzug von außen fernhalten, tann niemand etwas ändern. In der Versammlung, die die Absendung des Telegramme beschloß, wurde u. a. mitgeteilt, daß den Kölner Aerzten zur Abfindung der von auswärts gekommenen Kollegen angeblich 750 000 Mark zur Verfügung ständen. Die fremden Aerzte seien indessen gegenüber den von den Behörden ergangenen Aufforderungen, ihre Tätigkeit cinzustllen, entschlossen, an ihren kontraftlichen Verpflichtungen festzuhalten. Während der Diskussion wurden die anwesenden Aerzte aus dem Saale getoiesen. Bald darauf verlicẞen auch die Vertreter der städtischen und staatlichen Behörden den Versammlungsraum. Die Kölner Krankenkassen werden gleichviel ob sie nun recht oder unrecht haben- es bald völlig mit den maßgebenden Instanzen verschütten. Zum Nachfolger des Bischofs Anzer in China soll ein Pater Pieper ausersehen sein. Pater Picper ist bislang eine in den weitesten Kreisen unbekannte Größe. O Die Erklärungen, die der preußische Minister des Innern v. Hammerstein im Abgeordnetenhause zu der Frage der Aenderung des preußischen Wahlrechts abgab, stellen, wie jetzt bekannt wird, nicht die persönliche Auffassung des gesamten Staatsministeriums dar. Die preußische Regierung ist, wie aus sicherer Quelle verlautet, von der Notwendigkeit durchdrungen, das preußische Wahlrecht_im_wefentlichen unverändert aufrecht zu erhalten. Bekanntlich hat die Regierung Erhebungen darüber angestellt, inwiefern sich bei den letzten Wahlen die geltenden Bestimmungen als verbesserungsbedürftig erwiesen haben. Das Ergebnis dieser Erhebungen ist die Anschauung des Ministeriums, daß die geltenden Vorschriften sich im allgemeinen als durchaus zweckmäßig erwiesen haben. Dies gilt insbesondere von dem 13. Jahrgang. nspreis: Die einspaltige Betttzelle für ganz l e Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. 1 und Expedition: Gießen, Seltersweg 88 Fernſprechauschluß Nr. 362. chlen kener Beifung) Gießen und Umgebung. Behörden von Oberhessen. ment von 1903. Nur einige unwesentliche Aensollen vorgenommen werden. Eine dahingehende ird dem Landtage aber erst in der nächsten Tagung Oefterreich- Ungarn. em Olmüzer firchlichen Hader scheinen die Gegner terzbischofs Dr. Kohn den fürzeren gezogen zu r. Sohn hat jetzt dem ihm unterstellten Klerus miti das heilige Offizium in Rom bereits Anfang De103 die Nachrichten von einer angeblich durch ihn n Verlegung des Beichtgeheimnisses als Vering bezeichnet habe und daß Papst Pius selbst ine Kundgebung veröffentlichen werde. Dänemark. n Beschwerdeführern über das Treiben der engchdampfer in den nordeuropäischen Gewässern reiht ich Dänemark an. Nachdem die deutschen Fischereien englischen Fischdampfern die Unverschämtheit, sich in der Nordsee benahmen, gehörig angestrichen Unfug in der Nordsee ein Ende gemacht haben, britischen Fischer jetzt in der Nähe der schottischen Spitzbubenhandwerf. Neuerdings sind sie mit ganz Noheit an der Isländischen Küste aufgetreten. dänische Kreuzer„ Hefla" von dort abberufen ist, Engländer nicht nur in den isländischen Fjorden cht, sondern der wehrlosen und fast ganz auf den ingewiesenen Bevölkerung sogar ihre Fischereigeraubt. Dänemark wird jetzt unverzüglich uzer nach den isländischen Gewässern entienden, iglischen Piraten das unsaubere Handwerk gründen. Balkan- Staaten. iderbare Dinge werden aus Montenegro berichtet dem Augenblick, wo der Vertreter des Königs Serbien mit dessen eigenhändigem Schreiben dortt. Ein gewisser Drago Lakitsch war fürzlich in nd wurde als ein alter Bekannter vom König Peter 1. Sobald er nach Cettinje zurückkam, wurde er tet und in Ketten gelegt. Sein Bruder, ode Lakitsch, verlor die angesehene Stelle eines 3 und ist im Begriff, Montenegro zu verlassen. iadowitsch, ein Verwandter des Königs Peter, der in Montenegro als Emigrant lebte, hier mit einer Fürsten verheiratet und am montenegrinischen ona grata war, fiel ebenfalls in Ungnade und ige Woche Montenegro verlassen. Er befindet sich jetzt in Belgrad. Im allgemeinen wird hier jeder ungern gesehen, der irgendwie zu Serbien Beziehungen unterhält. Und der Grund dieser ungnädigen Praktiken Nikitas? Sicherlich ist es die Enttäuschung darüber, daß nicht an Stelle eines Karageorgiewitsch ein Njegosch, ein Sohn des montenegrinischen Fürstenhauses, auf den serbischen Thron berufen wurde. * Aus den Parlamenten. Zwei völlig aussichtslose Anträge sind von sozialdemofratischer Seite im Reichstage eingebracht worden. Der eine ersucht den Reichskanzler um Vorlegung eines Geſetzentwurfes, wonach der Betrieb und die Verwaltung der deutschen Eisenbahnen dem Reiche übertragen wird. Der andere verlangt einen Gesezentwurf, in dem ein Arbeitgeber mit Gefängnis bis zu drei Monaten bedroht wird, wenn er mit einem anderen Arbeitgeber vereinbart, Arbeitern die Arbeitsgelegenheit zu erschweren, die an Vereinigungen behufs Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen teilgenommen haben. Der letztgenannte Antrag ist, wie man sieht, das Gegenstück zu der vom vorigen Reichstag begrabenen Zuchthausvorlage". Deutfcher Reichstag. ( 26. Sigung.) CB. Berlin, 6. Februas. Das Haus ist wieder einmal so schwach besetzt, daß an seiner Beschlußunfähigkeit kein Zweifel auftauchen kann. Der erste der heutigen Redner meinte u. a.: Die einzigen Leute, die umsonst arbeiteten, seien die Mitglieder des Reichstags; die täten es allerdings ad majorem patriae gloriam. Er hätte hinzufügen sollen: in absentia. Aber die Beschlußunfähigkeit bleibt ohne jede Wirkung; sie mag noch so augenfällig sein, juristisch existiert sie nicht, so lange sie nicht formell festgestellt ist. Die Verlängerung des Friedenspräsenzgesetzes von 1899 auf nur ein Jahr, die von etwo 30 Abgeordneten in dritter Lesung endgültig genehmigt wurde, ist somit rechtsgültig. Eine Debatte entstand dabei nicht. Dafür sleß der Redestrom uneingedämmt weiter, der durch das Vediiejnis nach sozialpolitischen Auseinandersetzungen beim Titel Staatssekretär des Etats des Reichsants des Innern entfesselt worden ist. Abg. Rügenberg( Bentr.) trat für die Forderungen der Aerzte in deren Streit mit den Krankenkassen ein, also HERM. FRENZ. Gute Ausrede. ,, Emmy, ich würde mich doch schämen, den Leutnants so nachzusehen!" ,, Aber Mama, ich suche Dir ja bloß einen Schwiegersohn aus." Parvenüstolz. Jüngst geadelte Kommer. zienrätin( zum Gatten): ,, Sag mer, Jonas, müssen wir uns das gefallen lassen, daß man uns bei der Volkszählung so unter dem gewöhnlichen Wolk mitzählt?" An der Klingel einer Apotheke wird mitten in der Nacht heftig geläutet. Schlaftrunken erhebt sich der Ich möchte für zehn Pfennig Provisor und öffnet das Fenster. Lippenpomade!" ertönt eine Stimme Ein fauler Kunde. unten. ,, Was?" schreit der Provisor ,, wegen dieser Kleinigkeit stören Sie mich im besten Schlaf? Diese Rücksichtslosigkeit geht zu weit!" wütend, ,, Gut," erwiderte der Untenstehende, wenn Sie so grob sind, werde ich meinen Bedarf ein= fach wo anders decken!" . 32 Monneme webaus Ovatiobell und 18900 uch bon Kored nten desertier örfer und ve Bünderungen egen die Ann maridhieren toreanischen R Heje Soldaten When erhielt ben, die un eurs meldende lamt erbiere alant hatte es Telegramm und mußt dewill en unjerer Leutwein gumando, un teht, haben agend erwie ereits erfolgt Die Liste pieder um z en den Here mter der de Banshor jellschaft Lo Giniges achricht des teur Leuth Cepejchen an loth in Sr efand. Befe ons il v. Lin Folloth als u einem weit ife aus Port heldet bila abe den Dam Freitag, bruch in den 1 Deffen daber einen Ausnahme natürlich!" ergänzte er nur, daß sie zwei Personen betrifft, die auf der Welt sind- dich und meinen Vater! daß es sich um eine Sache von solcher Wichdaß er seine Fassung nur höchst mühsam bewährend du die deine ganz und gar einesichts dieser fremden Leute! Die Japaner nsart, die auf den gegebenen Fall wunderbar t: Verlange alles, was du willst, o Herr, nicht!" Du willst mir dein Vertrauen er nicht, wo es mir am meisten daran gear Schritte ins Zimmer hinein, kehrte dann hm sie in seine Arme. er bittere Ton gegen dich? Verzeih mir, dies mußt du einsehen! So wie ich dich jetzt n Armen, an meinem Herzen, dicht, ganz tichts Fremdes zwischen uns geben, so lange ander läßt. Laß nicht in den ersten Tagen entstehen, die nur zu leicht weiter werden, er entfernen kann, unmerklich, aber un Was es auch sein mag, was du mir zu notwendig hältst, und ich weiß es, die h dazu führen, können nur gut und edel ßflicht der Pietät, des Zartgefühls dich auch b es mir, die Pflicht des Weibes gegen den ächste, die erste! Es kann uns ein langes beschieden sein, ein ganzes Menschenalter schön, wenn wir uns dereinst sagen können, blieben sind in unserem Herzen, daß keines Schlag getan hat, um den das andere nicht zärtlichen Worte trafen sie tausendmal Bitterfeit. Alles, was er sagte, weckte ein rem Herzen, er hatte recht in jedem Wort, er das alles sagte! Wie seine Augen, die nitredeten, wie seine Stimme weich und ein ang, wie seine Lippen sich heiß und lange re Augen, ihren Mund legten, als wollten siegeln, die sie soeben gesprochen! ( Fortseßung folgt.), Verbrecher( zu seinem Verteidiger): ,, Als ich Sie das erste Mal sah, Herr Doktor, sagte ich zu mir: ,, Der versteht Dich, der ist selbst erblich belastet!" Vertrauen erweckend. Stubenmädchen( das vor kurzem vom In der Musikalienhandlung. Land in die Stadt gekommen ist): ,, Geben Sie mir den Vergißmeinnicht- Walzer" von Waldteufel!" Stubenmädchen: Ja, glauben Sie Gehülfe: Vierhändig?" denn, die Frau Baronin ist ein Aff?!" * ,, Befolgt der Schulze denn nicht den Zur Kräftigung der Gesundheit. ärztlichen Rat, zur Kräftigung seiner Gesundheit viel auf der See zu fahren?" ,, Und ob! Der kommt aus der Seekrank= heit überhaupt nicht mehr heraus." ※ Gelehrter Zweifel. Professor:„ Ich habe gemeint, wir be= kommen schlechtes Wetter, weil mich das linke Bein so schmerzt, und heute ist wieder blauer Himmel... oder sollte am Ende der Schmerz im linken Bein nur daher kommen, daß ich gestern von meiner Bibliothekleiter herunter gefallen bin?" ※ was will der Mensch! Kommerzienrat Prozgold( dem soAllzu besorgt. eben das erste Töchterchen geboren, zu seinem anmeldenden Diener): Was? Was? Baron Ich glaube gar, das ist schon Einer, der um die Hand meiner Tochter anhält!" Splitterizz? Hm Die Idealistin. ,, Marie, Du bist furchtbar oberflächlich und seicht, denkst Du denn bei Mendelssohn's, Frühlingslied an nichts Anderes, als an ein neues Kleid zum kommenden Frühjahr?" ,, ja, auch noch an einen passenden Hut dazu!" Der ruff Was man ote befürchtet ie diplomo ommt. Wäh heinlich die ebrochen, Birkulardepef Bertreter des Shuld und Arieges auf S Bereits d traglich mitge von Petersb Mandschurei Allerejem gal nach d ruffifchen Ge tags darauf Wie scho apaijchen Bejchaftsleut Boche alle die Abreise v bon Hunder ligit Die fonit ein Bei Tamp abgaben. peibliche gangen. 3 ridgebliebene Dic Tru | მ 3 0 3) siffert fid gea enannten 31 od gegriffen. 000 undiszip nd fereanisch Berantwortlich jur die teoattion der Neuen Berliner Schulz, Charlottenburg, Guerideſtr. 37. mmengebrach Panzten Ba ehen bestär an jeder ahinter. Je Druck und Verlag: Neue Berliner Verlags- Anstalt, Aug. Krebs, Charlottenburg bei Berlin, Berlinerstr. 40. Verlags- Anstalt, Aug. Krebs, Charlottenburg: C. jamme Sprauje, vie lever von women vom 10 gut verstand, als wären sie durch Handschlag und feierlichen Eid besiegelt worden. In seinen Mienen stand es drohend und finster zu lesen: Meines Sohnes Glück und mein Leben hängt ab von dir, denn ich gebe mir selbst den Tod, sobald er erfährt, was du weißt, darum mußt du schweigen!- Und ebenso deutlich gab es ihr Blick ihm zurück: Ich werde schweigen, koste es, was es wolle! Im Korridor schlüpfte Hot- sumi an dem jungen Paar vorüber; als er es sah, fielen ihm mit einemmale seine Unterlassungssünden ein, und er wurde ganz klein und so geschmeidig wie ein Aal, als er die Gewänder seiner„ allzugütigen Gebieter" abwechselnd an seine Lippen drückte und die Vergehungen ihres allerniedrigsten Knechtes" reumütig beichtete. Aber Hellmut hörte ihn nicht zu Ende und schnitt seine Reden mit einer ungeduldigen Handbewegung ab; er bedeutete ihm, voranzugehen und die Türen zu Hildas Salon zu öffnen. Hier befahl er ihm kurz, daß jetzt er seinerseits ungestört zu sein wünsche, und das kam in Wort und Geberde so kurz und herrisch heraus, daß der Japaner sich erschrocken duckte und sich innerlich bei allen Göttern des„ Dai Nipon" schwor, diesmal seinen Auftrag nicht zu vergessen. erregen! Wie wtust on oich nun remijerngen Ihr Haupt war herabgesunken, und sie blieb stumm. Erinnerst du dich, Hilda," hob er nach einer kleinen Weile sanft wieder an, als wir auf dem Belvedere standen und dem Sonnenuntergang zusahen? Vor einigen Wochen war's,- du wolltest mir irgend eine Kindheitserinnerung erzählen, ich habe vergessen, was es war!- und wir versprachen einander bei dieser Gelegenheit, unumschränktes Vertrauen zwischen uns walten zu lassen, niemals ein Geheimnis vor einander zu haben, als die festeste Grundlage ehelichen Glückes. Damals stimmest du mit voller Ueberzeugung bei, und ich faßte diese deine Zustimmung, die unmittelbar aus deinem Herzen kam, wie einen feierlichen Eid auf, den du mir im heiligen Tempel der Natur schwurst. Deine starke, stolze, reine Seele, deine ungebrochene Natur gab mir ein Recht darauf. Erinnerst du dich?" Ja!" sagte sie tonlos. „ Gilt nur beim Mann das Ehrenwort, das feste, ernst gegebene Versprechen, nicht auch bei der Frau? Ich war stolz darauf, zu denken, daß ich mich auf meines Weibes Zusage so fest verlassen durfte wie auf meine eigene!" „ Das darfst du auch, Hellmut, gewiß, du darfst es!" efährliches Spiel. heitere Geschichte von P. BI i ß. ( Nachdruck verboten.) ember war Käte, des reichen Gutsherrn Tochter, aus einem Schweizer Pensionat fünf Jahre war sie dort gewesen, als unes Landkind war sie hingegangen, und nun ar sie eine elegante, junge Dame mit den Baroneß und dem Chik einer Weltdame. 6 das in dem kleinen Landstädtchen Aner zu reden; am erbittersten darüber waren binnen von ehemals, die nur zu bald einjayen, but sie von dieser noblen Dame ganz und gar in den Schatten gestellt wurden; aber auch die älteren Damen ihrer Bekannt und Verwandtschaft fanden genug an dem vornehmen Fräulein zu bemäkeln, oft sogar zu tadeln: und da Fräulein Käte nur noch den Vater hatte, bekam dieser oft mehr zu hören, als ihm liek war. Papa Müller aber, bekannt als ein friedliebender Mann, dachte, schimpft ihr nur immerzu, ich tu' dennoch, was ich für richtig halte; er liebte die Tochter aufrichtig, und deshalb gab er ihr in allen Dingen Recht. So viel aber das Fräulein von den Damen der Stadt gehaßt war, ebenso viel wurde sie von den heiratsfähigen jungen Männern angebetet und umschwärmt. Zu alledem verhielt sich Fräulein Käte sehr reserviert, zu den Damen war sie freundlich und entgegenkommend, die Herren behandelte sie höflich, aber kühl. Sie hatte sehr bald bemerkt, für was man sie hielt, aber sie war zu stolz, an den Klatschereien der Freundinnen teilzunehmen, und fand es abgeschmackt, sich von jedermann den Hof machen zu lassen. Die Folge war, daß man nach einigen Wochen bereits von ihr sagte, sie sei stolz und eingebildet und warte nur auf einen Prinzen, der sie als Gattin heimzuführen komme, Auch dies erfuhren Vater und Tochter, aber auch hierüber lachten beide von Herzen und kümmerten sich nun erst recht um feinen Menschen. Um diese Zeit kam Waldemar Schirmer, der einzige Sohn des Bürgermeisters, auf Urlaub in das Städtchen. Er war ein schmucker, junger Landmann, der jetzt sein Jahr in der Hauptstadt abdiente, nach dem Manöver war er„ befördert" worden, und nun kam er in der nagelneuen Uniform eines Unteroffiziers in sein Vaterhaus. Wie immer in einer kleinen Stadt, erregt das Erscheinen eines Soldaten ein gewisses Aufsehen, hier aber war dop, peltes Interesse vorhanden: des Bürgermeisters Sohn und noch dazu ein Unteroffizier und ein strammer flotter Kerl obendrein, kurzum, alles lag in den Fenstern, wenn der junge forsche Krieger sich blicken ließ. Am zweiten Tage traf er auf der„ Promenade" mit Fräulein Käte zusammen. Er hatte bereits von ihrem Dünfel erzählen hören und war sehr begierig, sie nun einmal zu mustern, zwar fannte er sie ja von Kindheit an, dazwischen aber lagen nun die Jahre der Entwickelung, in denen man sich ja so leicht entfremdet. Als er sie grüßte und sie mit leichtem Kopfnicken dankte, sagte er bei sich:" Donnerwetter, das ist ja ein Staatsmädel geworden!" Er ließ aber sein Erstaunen nicht merken, spielte den Weltmann und begann in einem flotten und leicht burschifos gehaltenen Ton zu plaudern. Zuerst ging sie belustigt auf seine Art ein, weil es ihr Freude machte, einen alten Jugendfreund wiederzufinden, als er dann aber immer dreister wurde, den forschen Kerl und den Schwerenöter spielen wollte, besann sie sich, wurde zurückhaltender und ließ ihn langsam aber sicher abfallen, so daß er mit kurzem militärisch strammen Gruß sich verabschiedete. Wütend ging er weiter. Darauf war er nicht gefaßt gewesen! Er schwur, sich dafür zu rächen! Und während er so in seinem Groll nach Hause ging, dachte er immer nur: Was für ein prächtiges Mädel ist sie doch geworden! Am anderen Tage traf er sie wieder, aber als er sich ihr nähern wollte, entwich sie, so daß sein Vorhaben mißlang. Darob wurde er so ergrimmt und in seinem Vorsatz noch mehr bestärkt. Doch an den beiden nächstfolgenden Tagen ließ sie sich überhaupt nicht blicken, so daß er ganz übellaunig und faſt verzagt ward. Als er an diesem Tage abends in die Stammkneipe ging, begannen seine Freunde und Altersgenossen ihn weidlich zu uzen: Ja, lieber Junge, die holde Dame hat uns alle der Reihe nach schon abfallen lassen, da wirst auch selbst du vergeblich um Einlaß anklopfen." Verärgert und wütend schwieg der junge Krieger. „ Die Jungfrau hat kein Herz, sonst wäre sie schon längst einem von uns um den Hals gefallen, so dauerhaft haben wir ihr die Kur geschnitten!" rief lachend der junge Rechtsanwalt. „ So, meint ihr das wirklich!" entgegnete der andere noch wütender.„ Und ich sage euch, sie hat doch ein Herz, und es muß nur der rechte Mann kommen, da fällt auch diese Jestung!" „ Nun, vielleicht bist du dieser Rechte!" höhnte scherzhaft ein anderer.„ Beweise es uns doch!" „ Das will ich auch, jawohl!" schrie Waldemar nun erregt. Ich werde es euch beweisen. Morgen, am hellen Tage, will ich ihr einen Kuß rauben! Ihr alle sollt das mit ansehen! Jawohl, morgen schon!" Er stand da mit Hochrotem Gesicht, die erregte Stimmung, der zu schnelle Genuß der Getränke, das alles hatte ihm seine ruhige Weberlegung geraubt, so daß er gar nicht so recht wußte, was er gelobt hatte, nun erst, nachdem alle auf ihn einsprachen und seinen Mut bewunderten, nun erſt wurde ihm klar, was er gesagt hatte, nun aber war es zu spät, ein Zurück gab es nicht mehr, wenn er sich nicht lächerlich machen wollte, und jetzt wurde er erst recht ärgerlich, denn nun bedauerte er heimlich, ein so unsinniges Versprechen gegeben zu haben. wütend ging er nach Hause. Am anderen Tage, als Fräulein Käte des Nachmittags um 5 Uhr allein in dem kleinen Stadtpark lustwandelte, trat plötzlich der junge Kriegsmann vor sie hin; entfliehen konnte sie nicht, und so begann sie mit ihm eine Unter