Nr. 55. Erstes Blatt. onnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., Saus gebracht 60 Bfg., durch die Poft bezogen viertelfährlich Mr. 1.50. Cattebetlagen: Oberheffifche Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Samstag, den 5. März 1904. Gießener 13. Jahrgang. Jnsertionspreis: Die einspaltige Petitzelle für ganz C hefsen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. sonft 16 Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungslifte No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg Fernsprechanschluß Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblaff) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeifung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weßlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. www. Der Raffenkrieg. [ Politische Wochenschau.] Im preußischen Herrenhause, das als der Versammlungs. ort der hohen und höchsten Herrschaften, wie die offizielle Anrede lautet, in der Regel die Stätte der abgeklärten Verkehrsformen ist, wurde vorgestern zum ersten Male in gellendem Tone das Wort„ Rassenkrieg" in das Haus geworfen. Es handelte sich hierbei um die Beratung des Gesetzentwurfs, betreffend die Gründung neuer Ansiedelungen, der ausgesprochenermaßen den Zweck der Germanisation befolgt. Daß die Polen die gesamte Abwehrbewegung des Deutschtums mit anderen Augen ansehen, als die Deutschen selbst, ist nur natürlich. Man hat die Grenzen ihres Vaterlandes verwischt, aber in ihrem Herzen ist dessen Bild und in ihrem Geiste dessen Geschichte noch nicht erloschen. Eine Sprache und ein gemeinsames Staatsideal bildet den zerrissenen Landesteilen ein festes Band, und sobald der Traum von der Wiedererweckung des alten Reiches beginnt, sich in Taten zu äußern, ist er eine Gefahr für den inneren Frieden derjenigen Staaten, denen die Polen jetzt als Untertanen angehören. Es ist aber unverkennbar, daß die polnische Bewegung tatsächlich die Initiative in diesem Rassengegensatz darstellt, der in seinem lezten Ende nichts anderes ist, als eine Kulturfrage, wie denn überhaupt die Zertrümmerung des polnischen Reiches ebenfalls eine Kulturnotwendigkeit gewesen ist. Dem slavischen Volfselement wohnt eben in einem weit geringeren Maße als dem germanischen die staatenbildende Kraft inne. Hier giebt es nur zwei Kategorien von Bürgern, von denen die eine die Rolle des Reiters und die andere die Nolle des Pferdes spielt. Von diesem Gesichtspunkte aus muß man auch die sogenannte fonstitutionelle Bewegung in Rußland betrachten. Die mit der westlichen Kultur in Berührung gekommenen Elemente haben die größere persönliche Freiheit kennen und schätzen gelernt, sie übersehen aber dabei, daß das Slaventum und speziell das Russentum noch lange nicht für jene innere geistige Freiheit reif ist, auf welcher eine konstitutionelle Verfassung sich aufbaut. Würde Rußland tatsächlich den Absolutismus aufheben, dann würden mit der Zeit ähnliche Verhältnisse entstehen, wie in Desterreich- Ungarn. So lange das Russentum noch den Kampf für seine äußere Machtstellung zu führen hat, kann es sich den Lurus innerer Nationalitätskämpfe, bei denen das Polentum als das vom Westen aus am meisten befruchtete Element zweifellos die maßgebende Rolle spielen würde, noch nicht leisten. Damit sollen selbstverständnlich nicht die russischen Maßnahmen gegen die Finländer und die Deutschen entschuldigt oder gar gerechtfertigt werden. Die letzteren sind zweifellos das überlegenere Kulturelement, und ihre Unterdrückung fann Rußland überhaupt nicht zum Segen gereichen. Die sogenannte Valtenpolitik, die von einer Wiedervereinigung der Stammesgenossen träumt, ist eine reine Literatenpolitik. Die deutsche Diplomatie hat kein Verlangen nach dem Besig jenes Teiles der Ostsee, weil dadurch sofort der Rassentrieg mit dem Hinterlande hervorgerufen würde. Dagegen erleichtert sich der Handelsverkehr zwischen dem Nord- und Olgesinde der Ostsee, wenn die Stammverwandtschaft und die Spracheinheit eine Verbindungsfette darstellt. Außerdem waren seither die Balten das unerschöpfliche Reservoir, aus dem Rußland hervorragende Kräfte für die Diploniatie und die Wissenschaft gewonnen hat. Wenn es die Deutschen politisch entmannt, dann gewinnt es keine treueren Untertanen, es zerstört aber die Brücke zwischen Ost und West. Die Deutschen in den Ostseeprovinzen nehmen ungefähr Rußland gegenüber die gleiche Stellung ein, wie Rußland sie für sein Verhältnis zu Ostasien beansprucht und durch die Waffen zu erzwingen sucht. Dieses Waffenspiel auf der Kriegsbühne im fernen Osten hat nicht bloß bei den beiden gegnerischen Parteien den Charakter des Rassenkrieges angenommen; auch im Barket der zuschauenden Nationen zeigen sich die ersten Symptome für den Aufmarsch der Rassen. England und Amerika rücken enger aneinander an. Beide befestigen ihre Stellung im Stillen Ozean, um im Bunde miteinander die Vorherrschaft einer der beiden Kriegsparteien zu verhüten. Gerade dieser Rassenkrieg gibt dem ostasiatischen Kampfe das interessante Gepräge. Wenn Japan siegte, dann würde es keinen grimmigeren Feind haben, als England und Amerika. Der jetzige Bundesgenosse insbesondere würde bald seine Krallen zeigen. Sollte sich allerdings im letzten Akt des Dramas de Gunst des Kriegsgottes auf die russische Seite neigen, dann darf Japan darauf rechnen, daß ihm bei einem etwaigen Friedensschlusse die Diplomatie der Angelsachsen zur Seite steht. Die Ziele derselben sind sehr leicht zu erkennen. Eng. land will seine Position in Ostindien behaupten, und Amerika, das in den Philippinen einen starken Stüßpunkt für seine Macht gewonnen hat, beansprucht, wie Präsident Roosevelt bor längerer Zeit ausdrücklich betont hat, die Vormachtstellung im Stillen Ozean. Hinter diesem großen Völkerringen treten allerdings die nationalen Gegensäge in der alten Welt weit zurück. Die Germanen, die Romanen und die Slaven sind schließlich doch, wie der Anthropologe Chamberlain die ethnologische Gruppierung auch tatsächlich auffaßt, die Teile eines gemeinsamen Sulturzentrums, die mit der zeu, namentlich wenn das Schicksal und die Stellung eines Volkes mehr als bisher von dem Einfluß in der großen Welt abhängig wird, einander in ihren interessen immer näher treten werden. So wird der Rassenkrieg im großen Stil schließlich den Rassenfrieg im kleinen beseitigen. Der Krieg in Oftalien. Wie Londoner Blätter wissen wollen, stehen in allernächster Zeit große Ereignisse bevor. Sie schließen das auch aus der Tatsache, daß die Schar der in Tokio zurückgehaltenen Kriegskorrespondenten endlich vom Kriegsamt die Erlaubnis erhalten hat, sich den vorrückenden japanischen Truppen anzuschließen. Erfreulich wäre es, wenn die japanische Heeresleitung endlich einmal den fremden Korrespondenten gestattet, sich aus eigener Anschauung über die Vorgänge auf dem Kriegsschauplaz zu informieren, damit man zuverlässige Nachrichten schnell und sicher erhalten kann. Allerdings befinden sich unter den 53 Berichterstattern nur 2 Deutsche, während allein 29 Engländer den japanischen Truppen folgen werden. Vorläufig müssen wir uns allerdings weiter mit unkontrollierbaren Nachrichten begnügen. Der Mittelpunkt der koreanischen Operationen scheint vorläufig Phongjang und dessen Umgegend zu sein, wo die Japaner sich festgesetzt haben und von wo sie ständige telephonische Verbindung mit der Hauptstadt Söul unterhalten. Phongjang liegt etwa auf halbem Wege zwischen Söul und dem die Nordgrenze des Reiches gegen die Mandschurei bildenden Jaluflusse, kaum 50 Kilometer von der westlichen Meeresfüste der Halbinsel. Die Russen richten sich inzwischen nördlich von der japanische Stellung häuslich ein. Aus Söul wird gemeldet: Die Russen haben den Vizepräfekten von Andschu fest genommen und nötigen die Koreaner, ihnen Reis, Futter und Brennmaterial zu liefern; sie stellen eiligst in Antung Befestigungen und ausgedehnte Erdwerke mit der offen: baren Absicht her, den Japanern den Uebergang über den Yalu streitig zu machen. Die Haltung der Koreaner. Eine weitere Meldung besagt, daß 1500 Russen den Tumanfluß bei Horyong überschritten und von den Amtsbureaus des Bezirks Besiz ergriffen haben. Sie verwenden naturalisierte Koreaner als Spione. Ueberhaupt scheint man im russischen Hauptquartier stark auf einen Umschlag in der Stimmung der Koreaner zu rechnen. Aus Port Arthur verlautet darüber: Ein Kenner Koreas spricht im ,, Nowy Krai" die Ansicht aus, daß die Koreaner, die zur Zeit gegenüber Japanern und Russen das gleiche Verhalten zeigten, bei der geringsten Niederlage der Japaner ihrem alten Haß gegen ihre Bedrücker Ausdruck geben und den Japanern in den Rücken fallen würden, nicht offen, als. Verbündete Rußlands, sondern auf eigene Faust. Diese Auffassung der Russen scheint ihre Bestätigung in der Nachricht von einem Bombenattentat in Söul zu finden, das seinen Grund in der Unzufriedenheit der Bebölkerung mit dem japanisch- koreanischen Vertrag haben soll. Aus Soul wird dazu gemeldet: Nachts wurden in die Wohnungen des Ministers des Auswärtigen und seines Sekretärs Bomben geworfen. Beide entkamen ohne Verlegung. Die japanische Polizei verhaftete fünf Händler, die verdächtig erschienen, ließ sie aber hernach frei. Die wirklichen Täter sind bisher nicht ergriffen. Man glaubt, der Widerstand gegen den Vertrag sei jetzt unterdrückt. Der japanische Gesandte ist bei Wiederherstellung der Ordnung behilflich. Die Lage in Port Arthur wird in Petersburg als verzweifelt angesehen. Sollen doch ruffische Strategen von der Bedeutung eines Dragomirow die Räumung Port Arthurs durch Heer und Flotte als unbedingt notwendig erklärt haben, wenn ein ferneres großes Unheil vermieden werden solle. Einem Angriff der Japaner von der Landseite aus soll Admiral Makarow entgegen. treten, der in Port Arthur angekommen ist. Dazu wird gemeldet: General Makarom hat die Aufgabe, gegen die von den Japanern geplante gleichzeitige Landung im Golf von Liaotung und an der North- Saddlebay Maßnahmen zu treffen. Sechs japanische Kreuzer und zehn Transportschiffe sollen schon in der Richtung auf den Golf gesichtet worden sein. Ein großes Hindernis für den von den Russen beabsichtigten a perkrieg ist die Sperrung des Suezkanals für von den Russen genommene Prisen. Bei dem großen Umweg um das Kap wird es sich für sie nicht lohnen, weitere Jagd zu halten. Die Politik. * Wie aus Christiania gemeldet, beabsichtigt die norwegische Regierung, über den Abschluß eines neuen deutsch- norwegischen Handelsvertrages mit Deutschland in Berbindung zu treten. In der Frage der Kaufmannsgerichte erklärten die Vertreter von Bayern, Württemberg, Sachsen und Baden in der zuständigen Reichstagskommission, daß der Entwurf mit dem neu beschlossenen aktiven Frauenstimmrecht für ihre Regierungen unannehmbar sei. Die Kommission blieb trotzdem bei ihrem Beschluß. Belgien. Was König Leopold selbst nicht zu empfinden scheint, das empfinden seine Untertanen doppelt: Daß er sich durch den Prozeß mit seinen Töchtern wegen des Nachlasses der verstorbenen Königin große Blößen gibt, die die ohnehin nicht sehr beträchtlichen Sympathien des Volkes für ihn noch mehr verringern müssen. Viele politische Persönlichkeiten unternehmen Anstrengungen, um den Erbschaftsprozeß durch einen Vergleich zu beenden. Man besorgt in den monarchistischen Kreisen von den fortgesetzten Angriffen auf ben König eine Rückwirkung auf die republikanische Propaganda. Ob ein solcher Vergleich jedoch bei dem Charakter des Königs möglich ist, wird bezweifelt. Man nennt den König nicht umsonst den gekrönten Geschäftsmanr". Oefterreich- Ungarn. Die Angelegenheit des Erzbischofs von Olmütz, Kohn, ist noch immer nicht völlig geregelt. Die eigentliche Anklage gegen Kohn hat sich ja bereits als gegenstandslos erwiesen, trotzdem aber dürfte der Erzbischof noch längere Zeit in Rom festgehalten werden. Es sollen nämlich auch noch die unzähligen gegen ihn eingelaufenen Beschwerden geprüft werden. Wahrscheinlich wird ihre Prüfung dasselbe Ergebnis haben, wie die der Hauptanklage. Amerika. Die Revolution in Uruguay scheint sich ihrem Ende zu nähern. Die Regierungstruppen haben das Heer der Aufständischen nach sechsstündigem Kampfe gänzlich geschlagen. Es fragt sich nur, ob die Meldung, die von der Regierung von Uruguay verbreitet wird, wahr ist, Deutfcher Reichstag. CB. Berlin, 4. März. ( 49. Situmg.) ... Mars regiert die Stunde..." Heute beginnt die Beratung des Hauptstücks des deutschen Reichsbudgets, des Militäretats. Die Kommission hat darin ordentlich herumgestrichen; im ganzen beziffern sich die von ihr vorgenommenen Abstriche auf 4 Millionen. Gestrichen ist u. a. die von der Regierung verlangte Vermehrung der Unteroffiziersstellen. Der Referent der Budgetkommission, Abg. MüllerFulda( Str.) kündigt für nächsten Winter eine neue Militär- Präsenz- Vorlage an und hofft, daß nicht eine langfristige Präsenzbewilligung verlangt werden wird. So viel Vertrauen, meinte er, sollte doch die Regierung zum Reichstage haben, daß dieser jederzeit alles wirklich Erforderliche bewilligen werde. Dann spricht Abg. Bebel. Er beginnt mit dem Thema Soldatenmißhandlungen und wendet sich dann den Kritiken inaktiver Offiziere über Heereseinrichtungen u. s. w. zu. Warum soll gerade die Armee gegen solche Kritiken geschützt werden? Sie seien heute umsomehr am Blaze, als sich die Armee heute nicht mehr wie vor 30 Jahren vorwiegend aus landwirtschaftlichen, also inferioren Elementen ( Lachen rechts) zusammensetze. Die Sozialdemokraten seien, wie schon Caprivi anerkannt habe, gute Soldaten, denn um Sozialdemokrat zu sein, müsse man schon eine höhere Intelligenz besitzen. Dieser klassische Ausspruch rust stürmische Heiterkeit hervor. Dann wendet sich der Redner gegen das Verlangen nach Kadavergehorsam und unter Berufung auf Auslassungen des Generals v. Meerscheidt- Hüllessem gegen die erstarrte Ausbildungsmethode". Er zitiert die„ Erstklassigen Menschen" des Grafen Baudissin. Wäre nicht wahr, was dieser Mann geschrieben( Zuruf: Ein Lump!) ch fonstatiere, daß Sie einen Mann aus einem der ältesten Adelsgeschlechter einen Lumpen nennen! Wäre nicht wahr, was derselbe über Zustände in Offiziersfreisen schrieb, müßte doch der Kriegsminister sofort eine Anflage herbeiführen ( Ruf: Ist nicht Militär!). Weiter verbreitet sich Redner über Lurus in der Armec, Schulden, Uniformänderungen, Kummerfalte, elektrische Helmspize", Manöver u. s. w., um schließlich das Milizsystem zu empfehlen. In seiner Erwiderung betoni Kriegsminister v. Einem, der Vorredner habe olle Samellen vorgebracht. Niemand hat mehr Interesse daran, den Mißhandlungen abzuhelfen, als Die Heeresverwaltung selbst. Andererseits hat keine Partei weniger Interesse daran, im Heere bessere Zustände zu schaffen, als die sozialdemokratische Partei( Widerspruch links). Die hierauf folgende Debatte konnte sich naturgemäß ent. weder an die Rede Bebels oder an die Erwiderung des Kriegs. ministers anlehnen. Sie bot darum nur wenig Bemerkens. mertes. nicht noch einen Saken hätte. gegeben babe Gerr Ichon zuvorgekommen, dem ich meine Zusage bereits brer Werbung ist ein anderer mub und wird zurücktreten, weil Irma ihn nicht liebt." Ich weiß das," unterbrach Martin ihn, jener Herr " Jedenfalls muß," fuhr Joachim Spangenberg achselaudent fart icarduct iein, ehe ich Frage Natürlich weis ich das gebrochen act gar rente, daß ich das Jawort erhalten Sat bas Fräulein wirklich nicht bon autr Aeußerung gefallen, aus ber ich Aber Tommen wir auf meine werde. Die offnung schöpfen der Sofrat, leicht das Haupt wiegend " Ich bedaure, Ihre Frage berneinen zu müssen," sagie Sie dürfen tr namentlich, was Gewölf der Sorge, Wärme des Gemüts, Kälte des Herzens, turm der Gefühle und Frieden im Leben aus ebenso vielen kaun burch Beständigkeit, Wechsel, Sonnenschein der Liebe, rlds; das Klima des Hauses, die erste Welt des Menschen, ble gemischten Keime des findlichen Herzens fördert oder fftäglic Blüten treibt, und Die argen die Glöckchen am stummet langen hell burd) die unbewegta Luft. crichmunden war Darja stand aufrecht im Wagen. noch immer rückwärts, obwohl die Heimat schon lange in Eine Hand auf Schukows Schulter geftüßt, schaute ste der Fer ndrid but Joine Hessischer Landtag. Darmstadt, 4. März 1903. Erster Präsident Haas eröffnet die Sitzung um 9 Uhr 30 Minuten. Die Spezialberatung des Staats voranschlags wird fortgesetzt bet Kapitel 103, Ministerium der Finanzen. Staatsminister Rothe spricht zur Frage der Verunreinigung der Flüsse und gibt zur Erwägung anheim, die Angelegenheit auf dem Wege einer besonderen Anfrage zu erörtern, und für jetzt die Debatte hierüber nicht fortzusetzen. Auf Antrag des Abg. Reinhart wird von der weiteren Gröterung dieser Frage abgesehen. Abg. Noack regt die Vereinfachung der Organisation der Bauämter an. Abg. Breimer führt Klage über die Verunreinigung der Ohm. Nach Erwiderungen des Ministerialrats Freiherrn v. Biegeleben und des Finanzministers wird das Kapitel genehmigt. Beim Kapitel 104, Brücken und Ueberfahrten, werden Wünsche laut auf Ueberbrückung der Nahe bei Gernsheim, Verbesserung des Fährbetriebs zwischen Nordheim und Rheindürkheim u. s. w. Das Kapitel wird bewilligt, ebenso Sapitel 105, meterorologische Beobachtungen; 106, internationale Gradmessung; 107, Betriebskrankenkasse; 108, Privat- und oberhessische Staatsbahnen; 109, Münzwesen; 111, Sterbquartale; 112, allgemeine Fonds für Vertretungs- und Aushilfsfosten; 112, Porto, Telegraphen- und Fernsprechgebühren. Ferner werden, zumeist ohne Debatte, genehmigt Hauptabteil XI, Ausleihungen und Staatsschuld( Kapitel 114); Hauptabteilung XII, Pensionen( Stapitel 115); Hauptabteilung XIII, Verhältnis zum Reich( Stapitel 116); Hauptabteilung XIV, indisponible und reservierte Fonds ( Kapitel 117). Damit ist das Verwaltungsbuget erledigt. Im 2. Teil des Staatsvoranschlag, für das Vermögen, werden genehmigt I. Reste aus früheren Jahren ( Kapitel 118), II. Domänen des Großherzoglichen Hauses, Kapitel 119, Kameral- und Forstdomänen, Titel 1, Hochbauwesen, Titel 2, Domanialbauwesen; III. Staatsdomänen, Kapitel 120, Kameral- und Forstdomänen; Kapitel 121, Saline- und Bade- Anstalt Bad Nauheim; Kapitel 122, Staatseisenbahnen; Kapitel 123, An- und Verkauf von Staatsdomänen. Hierauf tritt eine Vertagung auf Dienstag vormittag 10 Uhr ein. Lokales. 5. März 1904. * Stadttheater Gießen. Nochmals sei darauf hingewiesen, daß die Sonntag Nachmittagvorstellung von 3apfenstreich" wegen Erfrankung des Frl. Hellberg ausfallen muß. Es findet nur die Egmontvorstellung am Abend unter musikalischer Leitung des Herrn Musifdirektors Krauße statt. Die Vorstellung ist sorgfältig vorbereitet. Den Egmont spielt Herr Sandorff, das Clärchen Frl. Vilma Dülfer auf Engagement. ** Feuerbestattung. Im 4. Quartale fanden, nach Mitteilung des Vereins für Feuerbestattung, im Mainzer Krematortum 40 Ginäscherungen statt, gegen 28. im 3. Quartal. In der Zeit vom 3. Mai bis 31. Dezember, während welcher das Krematorium in Betrieb war, fanden 90 Kremationen statt. Hierunter waren 55 Männer, 33 Frauen und 2 Kinder. Dem Alter nach waren 2 unter einem Jahr, 2 von 15-20, 3 von 20-30, 3 von 30-40, 16 von 40-50, 16 von 50-60, 24 von 60-70, 15 bon 70-80, 8 von 80-90, 1 von 90 Jahren. Der Konfession nach waren 47 evangelisch, 24 fatholisch, 1 altfatholisch, 6 freireligiös, 3 diffidentisch, 8 Juden und 1 anglikanisch. Nach Herfunft geordnet waren aus Mainz 18, aus Wiesbaden 28, aus Düsseldorf 7, aus Köln 5, aus Frankfurt 3, aus Godesberg 3, aus Kreuznach 3, aus Nieder- Ingelheim 2, aus Ober- Jagelheim 2 und aus Alsheim, Brüssel, Cassel, Eichberg, Bad Ems, Herdecke, Hahn bei Wiesbaden, Kirn a. d. Nahe, Metternich, Mombach b. Mainz, Mommenheim, Neuwied, Oestrich, Remscheid, Schwelm, Stoppenberg, Winningen b. Koblenz je 1 Leiche. Die Leichenfeiern wurden in Mainz in der Weise würdiger gestaltet, daß neben ständiger Blumendekoration und Harmoniumspiel während der Trauerfeier auch eine Blumenspende eingeführt wurde, welche allgemeinen Anklang fand. Die Verwaltung des Krematoriums läßt es sich angelegen sein, durch Instruktion der Bestattungsfommissäre, in Gießen ist es Herr Schreinermeister Zimmermann, Neuen Bäue, und Uebersendung von Formularen und Unterweisungen an dieselben eine möglichst zuverlässige Ueberführung der Betchen herbeizuführen. Im Laufe des letzten Jahres haben sich in Westdeutschland mehrere neue Vereine für Feuerbestattung gebildet, und hat die Bewegung zu Gunsten der Feuerbestattung bedeutende Fortschritte gemacht. Vereine für Feuerbestattung, welche für das Mainzer Krematorium in Betracht kommen, bestehen in Barmen, Bonn, Darmstadt, Dortmund, Düsseldorf, Elberfeld, Essen, Frankfurt a. M., Hagen i. Westf., Köln a Nh., Lüdenscheid, Mainz, Meiderich( Rhld.), Köln a Nh., Lüdenscheid, Mainz, Meiderich( Rhld.), Meh( Els.- Lothr.), Remscheid, Wiesbaden und Worms a. Rh. Im ganzen wurden in den deutschen Krematorien, das ist in Gotha, Hamburg, Heidelberg, Jena, Offenbach, Mainz( eit 2. Mai 1903), Mannheim und Eisenach im vorigen Jahre 1074 Ginäscherungen vorgenommen, gegen 861 in 1902. ** Die Leipziger! Bu Schlagworten des Humors ist in allen deutschen Landen die Spizmarke„ Leipziger Sänger" geworden, wenn die Mitglieder auch nicht alle an der Bleiße geboren sind. Die Sänger Gesellschaft hat sich der Bleiße geboren sind. Die Sänger- Gesellschaft hat sich durch die Orginellität ihrer Darbietungen einen ehrenvollen Ruf in der Kunstrelt erworben. Bon der nächsten Dienstag in Gießen im Neuen Saalbau auftreten en Eyle- Schmidtchen Gesellschaft, bestehend aus 8 Herren, ist jeder ein vollendeter Rünstler. Das„ Halberst. Tagebl" schreibt z. B. über eines der angehörten Borstellungen: Das Lob gilt sowohl den Quartetts, welche die Herren Marcellus, Schmidt, Pastory und Sennhöfer mit lebendigstem Ausdruck und in tadelloser Reinheit vortrugen, wie den Einzelvorträgen des Herrn Eyle, dieses geborenen Komiters, und des Herrn Frische. Doch nicht nur der Humor fam in ergößlicher und schallende Heiterfeit erweckender Weise zu seinem Recht, auch ernste Stücke wurden vorgetragen, die tief ergriffen zu Herzen gingen. Unter diesen befanden sich zwei, Süße Heimat" und Weihnachtsbilder", in denen Herr Pastory sich auch als tüchtiger Komponist erwies. Gewaltig erscholl der pompöse Baß des Herrn Sennhöfer, und der Damendarsteller Herr Jebben konnte mit seinem schmetternden Sopran, der eine erstaunliche Ausbildung der Kopfstimme erfennen ließ, manche hochmögende Opernsängerin beschämen. " H veranstaltet am morgigen Sonntag Nachmittag in + Lollar, 5. März. Unser Ortsgewerbeverein Daubringen im Saale des Herrn Schäfer eine Versammlung in der Herr Scherf- Gießen einen Vortrag über„ Arbeiterschutz und Arbeiterversicherung" hält. Groß- Felda, 5. März. Im Ortsgewerbeverein hält am Sonntag, den 13. März, Herr Professor Dr. W. Sonne einen Vortrag über„ Chemi in Küche und Haushaltung." Lich, 5. März. Ein Knecht vom Albacher Hof, der gestern ein Pferd ohne Sattel ritt, rutschte vom Pferde, blieb mit den Füßen im Leibgurt des Pferdes hängen und wurde von dem wild gewordenen Pferde nachgeschleift. Der Unglückliche soll nach einer uns gewordenen Mitteilung ins fugt den Unglücklichen schon tot. Hospital nach Lich gebracht sein, eine andere Mitteilung Roßdorf( Kreis Kirchhain). Dieser Tage gerieten hier zwei Burschen in Strett, im Verlauf desselben biß einer der Streitenden dem andern in den Daumen; eine daraus entstandene Blutvergiftung raffte den jungen Mann nach vier Tagen dahin. Nieder- Ofleiden, 4. März. Nach einer gut ausgefallenen Prüfung wurde heute die Fortbildungsschule geschlossen. Elbenrod. Die Vorarbeiten zu der neuen Brücke, welche die hiesige Gemeinde über den Berfabach bauen läßt, haben bereits ihren Anfang genommen. = Deckenbach. Der Gesangverein Eintracht feierte in voriger Woche sein 20- jähriges Bestehen. Der bei der Festlichkeit erzielte namhafte Einnahme- lleberschuß wurde der Armenfasse überwiesen. × Frankfurt, a. M., 4. März. In dem Keller eines Hauses in Bornheim wurde die Leiche eines 1-2 Jahre alten Rindes begraben gefunden, die noch nicht lange an der Stelle gelegen hatte. Darmstadt, 4. März. Der Sohn Otto des Bantiers Schade, der im Geschäft als Prokurist angeftelt war, ist heute verhaftet worden, sämmtliche Bücher und Korrespondenzen über die auswärtigen Geschäftsverbindungen und Depots sind verschwunden. Die Verbindlichkeiten sollen sich auf 4 Millionen Mt. belaufen. Geschädigt sind eine Menge fleinere Leute. Manche sind um ihr ganzes Vermögen gekommen. Die Staatsanwaltschaft hat einen Steckbrief erlassen. Aus dem Gerichts[ aal. Straffammer. Gießen, 4. März 1904. Der Tischlergeselle Friedrich Josef Deimel aus Köln beschwindelte den Pfarrer Glück zu Heuchelheim um 5 BRØDBEBOSE Städt. Wohnungsnach- Schöne Wohnung, Oftanlage 18 Stadt- Theater Gießen. Direktion: Steingeetter. Sonntag, den 6. März 1904 16. SonntagAbonnements- Vorstellung. Egmont. Trauerspiel in 5 Aufz. v. Goethe. Musik von Beethoven. wets Gießen. Gartenstraße 2, Zimmer Nr. 14. Gefchäftsstunden von 8-1 und bon 3-6 Uhr Es sind zu vermiet.: 38 Wohnung. von 1 bis 9 Zim., Zimmer zur Lagerung von Möbeln oder Bibliotbefgegenständen. 2 möbl. Bimmer. Näh. in der Exp. d. Bl. ( 4 3immer), mitten der Stadt ge- Ecke Landgrafenstraße: 2. u. 3. Stock, 5 Zimmer, Badezimmer u. legen, billig zu verm. Mädchenz. eventuell mit Stallung, und Burschenzimmer Remise. Mansarde, 4- Zimmerwohnung per 1. April zu vermieten. Ein schön möbliertes Wohnand Schlafzimmer per 1. April zu vermieten. Morth Semmler, Gicßen, Wallthorstraße 15. Bu mieten gesucht: 28 Wohn Schöne möbl. Zimmer ungen von I bis 5 Zimmern. auf Wunsch Wohn- und SchlafDie Vermieter haben eine Ein- zimmer, mit oder ohne Pension. schreibgebühr zu entrichten und Gießen. 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Der seither am Bahnbau zu Grebenhain beschäftigte Erdarbeiter Stanislaus Koppa aus Kant lewo stach in angetrunkenem Zustande einem Mitarbeiter ein Messer in die Brust, sodaß eine längere Arbeitsunfähigkeit eintrat. Mit Rücksicht auf die große Rohheit wurde er in eine GefängnisStrafe von einem Jahr und neun Monate genommen. Unter der Anklage seine Ehefrau mißhandelt, bedroht und beleidigt zu haben wurde der Sprachlehrer Heinrich Frizel zu Bad Nauheim durch das dortige Schöffengericht zu 14 Tagen Gefängnis und 20-25 Mt. Geldstrafe verurteilt. Die von ihm eingelegte Berufung war ohne Erfolg, denn die erkannte Strafe wurde aufrecht erhalten. Deueste Dachrichten. Ueber Berlin wird uns folgendes gemeldet: Samstag, follen bei d 1. Die fta Turm 1. Ap 2. Die C auf 3. Die Wirt play f März 1 Offentlich me Gieße Paris, 4. März. Der„ Agence Havas" wird aus Schanghai gemeldet, die Japaner hätten in Tschemulpo alle zur Ausschiffung von Truppen errichteten Anlagen abgebrochen und die Ausschiffungen dort eingestellt. Die allgemeine Annahme ginge dahin, daß nunmehr Tschinampo mit seinem seit einigen Tagen eisfreien Hafen der Hauptlandungsplatz geworden sei. Niutschwang, 4. März. Die Russisch Chinesische Bank hat die Vorbereitungen, nach Mukden zu gehen, abgeschlossen. Frauen und Kinder bereiten sich auf das Verlassen des Drtes dor, in der Annahme, daß die japanische Flotte, sobald der Fluß in ungefähr 14 Tagen eisfrei wird, zu erwarten ist. Die Russen sind darauf gefaßt, daß Port Arthur abgeschnitten und belagert wird. Marktberichte. @teken, 5. März auf dem heutigen Wochenmarti lofteten Butter per Pfd. 0.90-1.00., Hühnereter 2 Stück 12-14 Pfg., Enteneter St. 8 Pfg., Käse per St. 6-8 Pfg.. Käsematte 2 St. 5-6 Pfg., Erbsen per Liter 21 Bfg., Linien per Liter 32 Big., Tauben per Baar M. 0.80-1.00, Hühner per Stüd Mr. 1.30-1.40, Hahnen, per Stüd 0.80-1.70, Enten per Stück 1.70-2.20, Gänie per Pfd. 65-70 Pfg., Ochsenfleisch per Pfd. 68-78 fg., Rindfleisch per td. 62-68 Pfg. Schweinefleisch per Pfd 60-72 fg. Schweinefleisch gesalzen per fund 0.76 Bfg., Kalbfleisch per Pfd. 44-70 Bfg, Hammelfleisch per Pfd. 44-74 Pfg., Kartoffeln pro 100 Kilo 6.00 m., Zwiebeln ver 8t. Mr. 7.00-10 00, Aepfel per Centner 20-25 Mr. Milch per Ltter 18 Bfa. Dauer der Marktzeit von 8 Uhr morgens bis 2 Uhr Nachmittags. Gegenstände des Wochenmarktverkehrs dürfen vor Beginn der Marktzeit übeerhanp nicht, und während der ersten drei Stunden der Marktzeit im Um herziehen feilgeboten werden. Arbeitsnachweis der Stadt Gießen. Gartenstraße Nr 2( Bürgermeistereigebäude) Zimmer Nr. 14. Es können eingestellt werden: 1 landw. Magd, 1 landw. Knecht, 4 Schmiede, 1 Wagner, 1 Tapezierer, 2 Schreiner, 2 Friseur, 2 Schneider, 2 jüng. Hausburschen, 1 Fahrbursche 8 Dienstmädchen hier und ausw., 1 Köchin,( Aushilfe), 1 Puzzfrau, 1 Laufmädchen, 2 Lauffrauen. Lehrlinge: 2 Schlosser, 1 Mechaniker oder Installateur, 2 Buchbinder, 1 Tapezterer, 3 Schreiner, 2 Drechsler, 3 Bäcker, 1 Metzger, 1 Schneider, 1 Friseur, 1 Schuhmacher, 1 Glaser, 1 Weißbinder oder Lackierer. Es suchen Arbeit: 1 landw. Knecht, 3 Schreiner, 1 Küfer, 1 Buchhalter, 2 Dienstmädchen, 1 Lauffrau, 1 Putzfrau, 1 Wochenpflegerin auch nach auswärts. Lehrlinge: 1 Spengler, 1 Elektrotechniker, 2 Mechanikec, 1 Kaufmann. Drud und Verlag der Gießener Verlagsbruderei( vorm. Wilh. Seller), Gießen Berantwortlich: für den politischen und Inseratenteil: Albin Klein für das Lokale, den Gerichts" und Deffentlichen Sprechsaal": Fr. Oppermann Prüfet alles und behaltet das Geste! Wer alle unſere meist genossenen Getränke, wie Tee, Kaffee, Malztaffee, Katao u. 1. m., sorgsam geprüft hat, mit Rücksicht auf die Wirkung, die sie auf unsere Gesundheit und unser Wohlbebefinden ausüben, und auch mit Rücksicht auf ihre wirtschaftlichen Vorzüge oder Nachteile, der behält Malzkaffee. - Kathreiners Maggi's Bouillon- Kapseln in der neuen, vervollkommneten Aufm achung sind nach wie vor von unerreichter Güte, Bei der Sorte Fleischbrühe ist noch die Verbesserung hervorzuheben, dass das Fett nicht mehr mit dem Extrakt vermengt, sondern an den beiden Enden der Portionsröhrchen lose angefügt ist Wünscht nun eine Fleischbrühe ohne Fettaugen, so entfernt man ein fach das Fett vor dem Auflösen. Auch die Preisermässigung auf 15 und 10 Pfg. per Kapsel für je zwei Portionen ist zu begrüssen. man Telepho.. 2430 GEORG APPEL Bauspenglerei. Gas& Wasseranlagen voranschläge bitte zuverlangen. NAUMANNIA- SEIFE mit dem Beste Seife nah undfern! 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