aße. e. lein- Linden ldorf. fstrasse 66 on Nr. 152. i ten strie or, 84. ücken ne. ken. Gießen). mis gebracht, nigsparkasse ttfindet: 1. ▪lag 5. Be 55. 2. B. vigsplay 4. Sieken. rten. ingen noch nichlagt zu en Angebots Broßherzogl t auch die fehen, ber findet um erfienenen Gießen. iten. rbetten erden. erzeichneten edingungen feben, find elben ein rum. er pebition. Nr. 129 Zweites Blatt. Samstag, den 4. Juni 1904. bonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., n's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertelfährlich Mr. 1.50. Ovettobetingen: Oberheffifche Familienzeitung( täglich) und die Stekener Getfenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Gießener 13. Jahrgang. Insertionspreis: Die einspaltige Betitzeile für ganz Oberheffen, die Kreise Wetlar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 Pfg. Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gteßen, Seltersweg 88. Fernsprechanschluß Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Beitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Vertragsabkommen. [ Politische Wochenschan.] Das deutsche Reich hat Gäste erhalten. Die Delegierter der österreichisch- ungarischen Monarchie sind in Berlin ein getroffen, um die Vorverhandlungen über einen etwaiger. neuen Handelsvertrag zu eröffnen. Es handelt sich hierbe im wesentlichen um die Feststellung, auf welchen Gebieten gegenseitige Zugeständnisse gemacht werden können. Von österreichischer Seite aus reflektiert man hauptsächlich auf günstige Bedingungen bei dem Getreide- und dem Viehver fehr, zwei Forderungen, in denen der Regierung bekanntlic durch die Mindestzölle und die veterinärpolizeilichen Bestim mungen die Hände gebunden sind. Wenn nun ein Teil der Presse der Meinung ist, daß hierdurch ein neuer Vertraç überhaupt gefährdet werden könne, so wird zweierlei außei acht gelassen. Einmal, daß die österreichische Ausfuhr nac Deutschland sich zu der österreichischen Einfuhr aus Deutsch land verhält wie 45: 17. Das Interesse der habsburgischer Monarchie an dem Gelingen eines neuen Vertragsabkom mens ist also dreifach größer, als das deutsche. Außerdem tommt noch ein sehr wichtiges Moment hinzu, das von der Bessimisten vollständig außer acht gelassen wird. Die beider Reichshälften des befreundeten Kaiserstaates haben bis jetz: einen neuen Zolltarif noch nicht zustande gebracht; es besteht aber zwischen ihnen ein Vertragsabkommen, wonach die Zoll gemeinschaft in dem Augenblicke aufhört, wenn vor dem Zustandekommen eines neuen Zolltarifs irgend ein bestehen der Handelsvertrag gekündigt wird. Desterreich- Ungarn ist also nicht in der Lage, den Mindesttarifen und den bestehen den veterinärpolizeilichen Vorschriften ein kategorisches Nein entgegenzuseßen. Außerdem kommt noch die moralische Ver pflichtung hinzu, daß es gegenüber der bewiesenen deutschen Bundes freundlichkeit auch Entgegenkommen zeigen muß. So sehr alle diese Fragen auch das öffentliche Leben berühren, so spielt sich die Debatte darüber doch nur in dem engen Kreise der Geschäftswelt ab. Die politische Debatte ist von ganz anderen Fragen beherrscht, unter denen vor allen Dingen die Frage der Simultanschule oder Konfeſſionsschule in dem Vordergrund steht. Durch die Zustimmung zu dem Bedlißschen Antrag hat sich innerhalb der nationalliberalen Partei ein Gegensatz zwischen der Fraktion und der Wählerschaft entwickelt, der immer weitere Kreise ergreift und der allmählich auch auf die freisinnige Vereinigung übertragen wird. Die nationalliberale Partei hat, um die Lehrergehälter regeln zu können, vor allen Dingen die gesezliche Schulunterhaltungspflicht genauer firieren wollen und zu diesem Zwecke die Konfessionsschule als Regel anerkannt, von der allerdings Ausnahmen zulässig sind. Die Wählerschaft stellt indes das Schulideal" in den Vordergrund, und in den öffentlichen Versammlungen wird mit immer größerer Tringlichkeit die Fraktion von ihrem eigenen Werke abgedrängt. Wie der Verlauf dieser Angelegenheit auch sein mag, die Spuren davon werden in der nächsten Zeit noch nicht verschwinden, und die bei den einzelnen liberalen Fähn lein so heißersehnte Einigung, die bei einem positiven Ziel nicht zu erreichen war, wird vielleicht in der Negation der Konfessionsschule erreicht. Jedenfalls ist dieser liberale m- puls ein sehr beachtenswerter Faktor in unserem politischen Leben, der, wenn auch kein Vertragsabkommen zwischen den einzelnen liberalen Parteien geschlossen wird, doch vielleicht die nächsten Wahlen mehr beherrschen könnte, als sich jetzt boraussehen läßt. Diese Bewegung ist entschieden geistesverwandt mit der offiziellen Regierungspolitik, die augenblicklich in Frankreich dem Bapsttum gegenüber in Kraft ist und mit aller Entschiedenheit fortgesetzt wird. Nachdem der französische Botschafter beim Vatikan ,, auf unbestimmte Zeit" seinen„ Urlaub" angetreten hat, ist auch in Frankreich der Verkehr zwischen der Nuntiatur und der Regierung vollständig erloschen. Ge bleibt inzwischen immer noch eine offene Frage, wie die französische Regierung überhaupt zur Kenntnis des päpstlichen Protestes an die fremden Mächte gelangt ist. Eine Zeitlang hieß es, der Fürst von Monaco habe dem Vatikan diesen Liebesdienst erwiesen. Neuerdings verlautet, der König von Portugal habe den Wortlaut ausgeliefert. Indessen ist der Sachverhalt hier doch etwas anders. Der König von Portugal hatte die Absicht, dem König von Italien, der sein leiblicher Vetter ist, einen freundschaftlichen Besuch abzustatten; cs wurde ihm aber von Rom aus bedeutet, daß der Papsi dann seine Beziehungen zu Portugal abbrechen und, was in Frankreich wahrscheinlich noch bevorsteht, das Vertragsabkommen, das sog. Konkordat, auflösen werde. Infolge dessen ist einstweilen der Besuch des Königs von Portugal in Rom aufgegeben. Besonders feinhörige Politiker witterten übrigens hinter dieser geplanten Visite mehr als eine verwandtschaftliche und freundschaftliche Aufmerksamkeit. Man nahm an, daß der König vo: Portugal, der bekanntlich vollständig in Abhängigfeit von England steht, den in lezter Zeit mächtig aufblühenden italienischen Staat mehr, als es seither der Fall war, in das Kielwasser der englischen Politik zurückführen solle. England trägt ja überhaupt mit einer Geslissentlichkeit, die gegen das Verhalten in früheren Jahrhunderten merkwürdig absticht, seine Freundschaft für die einzelnen Staaten auf dem Präsentierteller herum. Eine neue Form fui cu altes System! Mit Frankreich hat es das Abkommen wegen Maroffos und Egypten geschlossen, um in Ostasien den Schutz Frankreichs von Rußland abzusprengen, und da sich naturgemäß daraus eine größere Intimität zwischen den Dreikaisermächten entwickelte, so hat Lord Balfour, der leitende Minister Englands, vor wenigen Tagen in einer Parlamentssitung die schlauberechnete Erklärung abgegeben, daß dieser Vertrag einem Abkommen mit Deutschland nicht im Wege stehe. Da wir aber keine gegensäßlichen Interessen gegen England haben, die in ähnlicher Weise auszugleichen wären, wie mit Frankreich, und da wir auch keinen Grund haben, grundsäv. lich in unserer äußeren Politik mit England Hand in Hand zu gehen, so läßt sich nicht erkennen, was Balfour eigentlich im Auge gehabt haben kann, wenn er nicht etwa den Zweck verfolgte, Rußland durch den Hinweis auf ein deutsch- englisches Abkommen stuzig zu machen und mit einer neuen Methode ein altes Ziel zu erstreben, nämlich die Eifersucht und die Verfeindung zwischen den europäischen Festlandstaaten. Da England dank seiner geographischen Lage nicht so wie die Festlandsmächte auf Bündnisse angewiesen ist und diese deshalb, wenn es ihm paßt, auch viel leichter lösen kann, so steht man englischen Vertragsabkommen mit gutem Grunde etwas mißtrauisch gegenüber. Vermischtes. [ Den Wert der Kunstschätze der Großen Kunstausstellung Dresden 1904] kann man aus den Versicherungssummen erFennen, die für die Kunstwerke ausgeworfen sind. Die Verſicherung beträgt 6 Millionen Mark gegen Feuer und 1 Million gegen Schäden beim Transport. An dieser Gesamtversicherung sind 35 deutsche Versicherungsgesellschaften beteiligt. O[ Die Zeitung der Belagerten.] Den Belagerten in Port Arthur scheint der Humor nicht so schnell vergangen zu scin, wie man es bei ihrer gefahrvollen Lage annehmen könnte. Ein russischer Offizier, der von Moskau zurückgefehrt ist, brachte eine Zeitung mit, die von den Unteroffizieren in Port Arthur herausgegeben wird und die von einer recht vergnügten Stimmung zeugt. Die Zeitung führt den Titel„ Das Bajonett" und wird mittels Cyclostyle- Verfahrens bervielfältigt. Der Leitartikel der ersten Nummer beginnt folgendermaßen:„ Heute werden mit dem Cyclostyle nur fünfzig Bajonette" hergestellt, so daß wir für unsere japanischen Freunde teine übrig haben. Aber eine halbe Million Bajonette konimt mit der sibirischen Eisenbahn, und diese werden dem Feinde franko zugesandt. Unser ,, Bajonett" wird anregend sein, scharf und nicht ohne Spiẞe." Dann werden komische Sportspiele der Garnison geschildert.„ Am Sonnabend fand ein internationaler Wettlauf statt. Alle Japaner rissen aus. Zuerst kam Gefreiter Gwozdew als Jeanne d'Arc kostümiert, ihm folgten die Gemeinen Luschin und Lebenko als Schah von Persien und John Bull. Mütterchen Rußland wurde von dem Kanonier Wasilkow, dem Helden des„ Netwisan", dargestellt, der als sechster kam. Mütterchen uhland hätte gewonnen, wenn nicht ein Zusammenstoß mit John Bull vorgekommen wäre." Schließlich wird ,, um ma. 1rrielle Unterstützung gebeten, damit es den Mitarbeitern an nichts fehlt. Tabak, Streichhölzer und Nummern europäischer Zeitschriften werden dankbar entgegengenommen..." [ Wenn man berühmt wird.] Daß die verschiedensten Nationen den japanischen General Kuroki als ihren Abkömm. ling beanspruchen, ist lächerlich, aber menschlich begreifbar. Perühmte Leute müssen sich derartiges gefallen lassen. Sträuben wird sich aber der russische General Stössel, wenn sich ihm ganz unbekannte als nahe Verwandte aufdrängen wol. len. Ein in der Maschinenfabrik Oerlikon angestellter Heinrich Stössel schreibt dem Berner Bund:„ Zu beliebiger Verwendung kann ich Ihnen mitteilen, daß General Stössel in Port Arthur ursprünglich von Wülflingen in Kanton Zürich ist. Er war bis zum Jahre 1888 Ingenieur in der Lokomo. tivfabrik Winterthur und erhielt dann eine Stelle in der Gouvernementalen Geschüßfabrik in Petersburg. Im Jahre 1890 trat er in die russische Armee ein und wurde gleichzeitig russischer Bürger. Seinem alten Vaterlande hat er die Anhänglichkeit bewahrt; wir hatten alle zwei Jahre die Freude, ihn hier zu sehen... Unser alter Vater lebt jetzt noch in Wülflingen; der Gemeindeschreiber Paul Stössel in Wülflingen und ich sind Brüder des Generals. Die Familie Stössel ist ein stark verbreitetes Geschlecht im Züricher Oberlande." Trotz der Bestimmtheit, mit der die Behauptung der Schweizer Abstammung des Generals Stöffel auf. tritt, ist sie falsch. Er ist 1848 in Rußland geboren und ein Zögling des ehemaligen I. St. Petersburger Militärghmnasiums. Als Kompagniechef machte er den Krieg gegen die Türkei mit und fam 1889 nach Ostasien. A[ Die 300jährige Zugehörigkeit Liebenzells zu Württem. berg] wurde in Anwesenheit des Königs festlich begangen. Auf dem Rathause wurde dem König eine Adresse überreicht, und am Abend nahm er im Kurpark einen großartigen Fackelzug entgegen. Eigentlich fiel das Jubiläum der Stadt schon ins vorige Jahr. 1603 wurde oas toyllische Schwarzwald: städtchen Liebenzell an der Nagold mit dazu gehörigen 15 Ort schaften und Stadt und Amt Altensteig mit 13 Ortschaften Dom Markarafen Ernst Friedrich von Baden- Durlach aeaer Ueberfassung einiger minderweringer württembergischer En: laven( die Kellereien Malsch und Langensteinbach) und eine Raufsumme von nahezu einer halben Million Gulden an Württemberg abgetreten, nachdem er wenige Jahre vorher, 1595, die Aemter Besigheim und Mundelsheim um 385 000 Gulden bendorthin verkauft hatte. Dieser Handel stammt aus einer der traurigsten Episoden der badischen Geschichte. In Baden- Baden regierte Eduard Fortunat, dessen maßlose usschweisungen sein Land dem Bankerott nahebrachten und dem Hause wirtschaftlichen Ruin drohten. Da fühlte sich der gleichzeitig in Baden- Durlach regierende Markgraf Ernst Friedrich berufen, im Interesse des zähringischen Gesamthauses einzugreifen. Eduard Fortunat aber schreckte vor feinem Mittel zurück, sich des unbequemen Vetters zu entlediger. Er bestach im Jahre 1594 zwei Mordbuben, den Echtveizer Paolo Pestalozzi und den Italiener Francesco Muscatelli, die den Markgrafen in Durlach durch Gift aus dem Wege räumen sollten. Ihnen stellte sich noch ein markgraflicher Beamter, Franz Köcher, zur Verfügung. Der Anslag wurde vereitelt, die Attentäter richtete man in Durlach grausani hin. Ernst Friedrich ließ die Untersuchungsakten im Druck veröffentlichen, ob ihm gleich leid war, daß er von emer Fürstlichen Person seines Hauses der ganzen Welt einen ihm so unangenehmen Abriß vor Augen legen mußte". In ber Folge sah sich Erast Friedrich gezwungen, gegen Eduard Fortinat cm zuhlzeit Heer zu imterhalten. Die Kosten Dafür konnte das ohnehin verschuldete Land nicht aufbringen. Entgegen den klaren Bestimmungen der Hausgeseze griff der Markgraf zu dem radikalen Mittel der erwähnten Gebietsveräußerungen, die dem praktischer veranlagten und mehr berechnenden Herzog Friedrich von Württemberg erheblichen Vorteil brachten. [ rrfahrten eines Briefes.] Ein an den Schiffsführer Jens Jensen aus Kiel gerichteter Brief ist nach mehr als 45jähriger Wanderung wieder in den Besitz des Absender gelangt. Jensen fuhr Ende der 50er Jahre an Bord der dänischen Brigg Kourier an der Ostküste Südamerikas; sein in Marstal auf Aerö wohnender Bruder schrieb ihm am 22. Januar 1859 und richtete den Brief an das dänische Generalkonsulat in Buenos Aires. Der Brief gelangte nicht in die Hände des Adressaten. Dagegen erhielt der Absender zu seiner größten Ueberraschung kurz vor Pfingsten ds. J. den alten Brief zurück. Er war unterm 25. Januar 1859 in Hamburg, unterm 27. Januar in London abgestempelt und hatte nach dem Markenausweis 17 Schilling gekostet. Er zeigte noch die Siegelung, die vor einem halben Jahrhundert Brauch war. Wo sich der Brief in den 45 Jahren aufge. halten hat. wird mohl nie ermittelt werden. § Urteil im Königsberger Wahlprozeß. In dem Prozesse gegen acht Mitglieder der Königsberger sozialdemokratischen Partei wegen Hausfriedensbruches, begangen in einer am 2. November 1903 aus Anlaß der Wahlen zum Hause der Abgeordneten abgehaltenen Wähleversammlung der bereinigten Liberalen, wurden Dr. med. Gottschalk zu zwei Monaten, Redakteur Linde zu einem Monat und die übrigen sechs Angeklagten zu je zwei Wochen Gefängnis verurteilt. ** Künstlich gefärbte Eier werden jetzt häufig in den Handel gebracht. Ein merkwürdiger, aber sehr verbreiteter Aberglauben veranlaßt nämlich unsere Hausfrauen, die Güte der Eier nach der Färbung der Schale beurteilen zu wollen. Ganz allgemein werden bräunliche Eier höher geschätzt als solche mit der gewöhnlichen weißen Farbe. Es scheint faſt entschuldbar, daß sich darauf hin die Eierhändler angewöhnt baben, dem äußerlichen Ansehen ihrer Ware künstlich nachzuhelfen, indem sie die Eier einfach in einen Kaffeeaufguß legen oder mit einer Anilinfarbe behandeln. Die Farbe der Eierschale hat aber mit der Güte des Inhalts nichts zu tun, sie ist lediglich eine Eigentümlichkeit der einzelnen Hühner. Dagegen ist die Farbe der Dotter von großer Bedeutung. Es gibt, wie jeder weiß, Eier mit ganz blassem, und solche mit ausgesprochen rötlichem Dotter, und zwar gehören zu den lezleren gewöhnlich die Landeier, zu ersteren aber solche, die von den Henne unter ungesünderen Verhältnissen zur Welt gebracht worden sind. Die Eier der wilden Vögel zeigen auch eine rötliche Färbung des Dotters. Man könnte in dieser Beziehung wirklich von einer Bleichsucht der Hühnerrier sprechen. denn der Stoff, der ihrem Dotter die Farbe berleibt, ist Eisen, also derselbe, von dem unser Blut seine Farbe bezieht, wie denn auch die Eisenverbindung im Eidotter von sehr ähnlicher Natur ist, wie die im Menschenblut. Daber rührt auch die leichte Verdaulichkeit der Eier und ihre günstige Wirkung auf bleichsüchtige Personen. Die Eisenverbindung in den Eiern wird tatsächlich als Hämatogen bezeichnet, weil es wahrscheinlich ist, daß das Blut des Küchleins daraus entsteht. Der Gehalt von Eisen im Eidotter scheint mit der Tiefe der Färbung zu wachsen, und sicher wird der hödste Betrag in dem reichgefärbten Dotter derjenigen Eier erreicht, die von dem unter gesunden Verhältnissen lebenden Geflügel erzeugt werden. Je gesünder die Hühner leben und je besser sie zu fressen bekommen, desto eisenhaltiger und farbiger wird auch der Dotter ihrer Eier ausfallen. Hinsichtlich ihres Nährwerts sollten die Hühnereier somit nicht nach der Färbung der Schale, sondern nur nach der des Dotters beurteilt werden. Im Besonderen sollte jemand, der Eier aus Rücksicht auf eine Blutverbesserung genießt, darauf achten, daß er nur solche mit rötlichem Dotter erhält. Bekanntmachung. Das Hebregister über die Umlagen der Stadt Gießen für das Rechnungsjahr 1904 liegt vom 4. bis 12. Juni d. Js. auf der Bürgermeisteret, Zimmer Nr. 15, zur Einsicht eines jeden Beteiligten offen.&& wird dies mit dem Bemerken zur öffentlichen Senntnis gebracht, daß Beschwerden gegen dasselbe nach Vorschrift des Art. 96 der Städteordnung binnen 4 Wochen bei Großherzoglichem Kreisamt Gießen vorzubringen sind und daß später vorgebrachte Reklamationen keine Berückfichtigung finden können. Gleichzeitig wird bemerkt, daß die Bekanntmachung der Umlagen durch Großh Kreisamt Gießen im Regierungsblatt unterm 28. Mai erfolgt ist, daß daher die Frist zur Vorbringung von Reklamationen, welche gegen Erhebung der Umlagen überhaupt gerichtet sind, von diesem Tage und für Reklamationen, welche gegen die Beitragspflicht oder das angenommene Beitragsverhältnis gerichtet sind, vom Ende der Offenlegungsfrist abläuft. Gießen, den 3. Juni 1904. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Heugrasversteigerung der Stadt Gießen. Donnerstag den 9. und Freitag den 10 Juni 1904, jedesmal vormittags 9 Uhr beginnend, soll das Heugras von den städtischen Wiesen meistbietend versteigert werden und zwar: Donnerstag, den 9. Juni 1904: a) an Orte und Stelle von den Wiesen im Neustädter Feld. b) bormittags 10 Uhr in der Restauration von Melchior Schäfer Wtw., Grünbergerstraße 6, von den Wiesen im Heegstrauch, in der Stephansmack| und im Rußland. c) nachmittags 2 Uhr im Philosophenwald von den Wiesen im Fürstenbrunnen, im Wiesecktal und von 2 Hospitalwiesen, sowie 2 Pfarreiwiesen in der Gemarkung Wieseck, und um 5 Uhr von zirka 20 Morgen Wiesen in der Schwarzlach. Freitag, den 10. Juni 1904: d) von den Ochsenwiesen, einer Hospitalwiese, von den Wiesen im Stolzenmorgen, Ultersbrunnen und Altentisch. e) nachmittags 2 Uhr von den Wiesen in der Gemarkung Rödgen. f) nachmittags 1/23 Uhr von den Wiesen in der Gemarfung Alten- Buseck. g) nachmittags 3 Uhr von den Wiesen in der Gemarfung Großen- Buseck. Die Zusammenkunft ist am 9. Juni am Neustädtertor, am 10 Junt in den Ochsenwiesen. Die Großherzoglichen Bürgermeistereien der umliegenden Orte werden ersucht, Vorstehendes in ihrer Gemeinde bekannt machen zu lassen. Gießen, den 2. Juni 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Jagdverpachtung. Bekanntmachung. Die Verteilung der Zinsen aus der Wolf von Todten art'schen Stiftung findet stiftungsgemäß Freitag, den 10. Juni 1904, morgens um 5 1hr in der Stadtkirche ſtatt Gießen, den 3. Juni 1904. Die Armen- Deputation der Stadt Gießen. Curschmann. ,, Union" erstklassige DampfWaschmaschine zugleich Schlachtkessel und Futterdämpfer" empfehlen Brüder Schmidt Giessen. Prospekte gratis und franko. Peima Apfelwein empfiehlt stets frisch Deutscher Hof, Gießen, Neuenweg. SpazierStöcke stets elegante Neuheiten in großer Auswahl. Casseler Schirmfabrik, Gießen, Seltersweg 9. Neuheiten in Strohhüten für Herren, Knaben und Kinder. Sommermützen in weiss und farbig. Grösste Auswahl, billigste Preise. Rudolf Richter, Hutmachermstr. Marktstr. 26. Zahnklinik Gießen, Bahnhofftrake 63. Wochentags 1-3 Uhr Unbemittelte unentgeltlich. Bingen a. Rh. Rhein. Technikum für Maschinenbau und Elektrotechnik. 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Schlitterwochen, re Engel stand schtatt fagte er mit seiner Nein," sagte Tante Mieze nur und drückte die Wange Na, denn wer' ich dir man besuchen," noch dichter gegen das heiße Kindergesicht. gnädig. meinte Mucki Und dann fagte Muci eine ganze Weile gar nichts. E3 Str. 124 Samstag, den 4 Junt. sische Familier 1904. CA dftraße 6a. k. 80 ke. ad atte. billig. 15. chen 5, Gießen. Den Samstag Mucki lächelte verzückt. Wie ein leibhaftiger Engel stand er da. ,, Mich wünsch' dem lieben, jungen Paare- schtatt Schlitterwochen, Schlitterjahre," sagte er mit seiner hellen, durchdringenden Stimme. herum lachten, lachte sie selber mit. Mama wollte zuerst böse werden. Als aber alle um sie Und Tante Mieze riß den kleinen Burschen sogar so vorkam. jubelnd in ihre Arme, daß sich Mucki wirklich sehr geehrt Tante, des Vaters und der Braut sechzehnjähriger Schwester, Bei der Tafel saß der Blondkopf zwischen seiner jüngsten und einem Kadetten, dem langaufgeschossenen Walter Baumann. Zuerst kümmerte sich Mucki nicht viel um seine Nach= barschaft. Er aß Suppe, Gemüse, Braten und lauter andere schöne Sachen bunt durcheinander. Ein Glas Wein hatte Hoch auf das Brautpaar leer geworden. Papa für ihn bewilligt, und das war schon bei dem ersten ,, Mich will noch mehr Wein!" erklärte er jegt bestimmt. Geben Sie ihm ruhig, Fräulein Gretchen," meinte der nischt!" Kadett großmütig. Solcher freschen Range schadet das Gretchen lächelte. ,, Meinen Sie, Herr Baumann?" " Na ob, immer feste! Wir Männer können nicht früh genug das Trinken lernen.' Aber mein Bruder wird böse sein, wenn der Wein vielleicht Mucki schlecht bekommt." Der Kadett neigte sich ganz ungeniert über Mucki hinweg zu der reizenden Blondine. " Na, dann erst recht! Dann werden wir den Drängelfrike hier zwischen uns vielleicht auf anständige Weise los. Meinen Sie nicht auch, Fräulein Gretchen, daß die Gelegenheit günstig wäre?" ihren. Sie wurde rot und duldete die Jünglingshand auf der ,, Aua, Tante Trete! Mich fall' warraftig untern Tisch! Warum kneift dir denn der olle Soldat immer ſo?" brüllte Mucki plötzlich wütend. auseinander. Ganz verstört fuhren die beiden jungen Menschenkinder Den Jungen schlag' ich tot!" murmelte der Kadett zwischen den Zähnen, als streng mahnende Blicke zu der jugendlichen Ecke hinüberkamen. Gretchen schänkte dem ungebärdigen Nachbar rasch zur Versöhnung das zweite Glas Wein ein, das sie mit Selterwasser verdünnt hatte. Mucki kostete, verzog den Mund und schüttelte den Kopf. Wein hab'n!" Da schind lauter so'n ollen Blasens drin, mich will andern Auf keinen Fall," erklärte Mama, die gerade noch die Worte gehört hatte, als sie nach ihrem Sprößling sehen wollte. ,, Du gibst ihm nichts mehr, Gretchen!" " Dann will mich Schukolade ham," verlangte Mucki, ,, Knallbonbons un'' ne janze Menge Torte!" Ich hab' für dich schon den halben Tisch geplündert," Junge?" meinte der Kadett." Wo hast du denn das alles gelassen, Mucki klopfte sehr vergnügt auf die Seiten. In meine Hosentaschen! Krischt Friße aus en Keller drüben! Mich will nu was selber hab'n!" Mama griff verlegen nach ihres Sohnes bedenklich angezurückgleiten. schwollener Seitenfront und ließ mit einem Schrei die Hand „ Aber das ist ja gräßlich, Junge! Das klitscht ja alles! Was hast du denn da hineingesteckt?" Mucki schnalzte mit der Zunge. „ Na, von alles, was mich gegessen habe. Der arme Frite hot doch nie sowas Feines, Mammi!" Mama zog ihren hoffnungsvollen Sohn vom Stuhle, um geben. ihn irgend einem dienstbaren Geist zur Reinigung zu überAls Mucki wieder sichtbar wurde, drängte er sich schmeichelnd gegen Tante Mieze und wollte durchaus neben der Braut sitzen. Sie hielt den Meinen Blumenstreuer ein Weilchen fest und plauderte mit ihm. Wirst du uns denn auch bald besuchen, Mucki?" Der überlegte. Huscht du auch so'n flein' Jungen, mit dem ich schpielen fann?" Nein," sagte Tante Mieze nur und drückte die Wange noch dichter gegen das heiße Kindergesicht. Na, denn wer' ich dir man besuchen," meinte Mucki gnädig. Und dann sagte Muci eine ganze Weile gar nichts. Es war so süß und schön, den Kopf gegen das Spitzengerieſel von Tante Mieze zu drücken. Die war auch ganz seltsam stumm. Behutsam, ein Lächeln um die Lippen, hielt sie den Kleinen im Arm, dessen Augen schwerer und schwerer wurden. Sie sahen gerade noch, wie Onkel Freds Finger zärtlich und leise die seiner jungen Frau suchten. Dann verschwamm alles, Lichter, Menschen und weiße Schleierwolfe, zu einem großen, bunten Traumbild für das müde Kind, das lächelnd und fest die Augen zudrückte. Als Mucki am nächsten Morgen daheim in seinen Federn erwachte, blickte er sich sehr erstaunt im Zimmer um. Mich weiß warraftig nicht, wie mich die Eklipasche wieder in mein Bett gefahr'n hat," meinte er sehr gedankenvoll. Dage Far Hausdoctor Die Erkältungsschablone. Es gab eine Zeit, da man bei der Forschung nach den Krankheitsursachen sich fast stets damit begnügte, eine Erkältung, wohl auch„ Verschlag" genannt, für alle Krankheiten verantwortlich zu machen. Befördert wurde diese Ansicht von der Erkältung noch dadurch, daß der Ausbruch sehr vieler Krankheiten durch einen Frostschauer oder gar durch einen Schüttelfroſt eingeleitet wird. Hiermit schien der Beweis für die Erkältung als Krankheitsursache über allen Zweifel erhaben zu sein. Die neueren Entdeckungen haben freilich die frühere Alleinherrschaft der Erkältungstheorie gewaltig erschüttert. Seit man als Ursache vieler Krankheiten mikroskopische Keime, welche, in den Körper gelangt, sich daselbst ins Unendliche vervielfältigen und auf Kosten der Körperfäfte leben, verantwortlich zu machen gelernt hat, ist die altehrwürdige Erkältung bei den Aerzten immer mehr in Mißkredit gekommen, während der einfache Mann freilich noch lange an der Furcht vor den„ Verschlägen" und vor dem Zuge" festhalten und glauben wird, daß seine Krankheiten wegen ihrer Entstehung durch Erkältung am besten durch Schwitzen zu beseitigen seien. Wir aber wissen, daß der Frost, mit welchem die Krankheit eingeleitet wird, nicht der eigentliche Beginn ist, sondern daß die Krankheitskeime sich schon länger im Körper befinden müssen. Die Lehre von der Erkältung hat unberechenbaren Schaden getan dadurch, daß sie lange Zeit eine eingehendere Forschung über die Entstehung, das Wesen der Krankheiten hinderte. Es war ja ganz bequem, bei der Frage nach der Ursache eines Leidens sich mit dem Hinweis auf eine Erkältung aus der Schlinge ziehen zu können. Es war Sache des Patienten, sich an seine Erkältung zu erinnern, die schon irgend einmal stattgefunden haben würde. Andernteils aber schadete die Erkältungstheorie dadurch, daß man zur Austreibung des durch den Frost entstandenen Schadens die Wärme für das beste Mittel be= trachtete, die Kranken nicht heiß genug halten konnte und die ge= ringste Erneuerung der Luft im Krankenzimmer auf das eifrigste berpönte. Der ohnehin fiebernde Kranke, dessen Haut brennend heiß ist, wird durch die ihn umgebende Hize nur noch kränker ge= macht, sein Fieber, seine Unruhe, sein Durst vermehren sich. Die schlechte, verdorbene Luft, die er fortwährend zu atmen gezwungen ist, vergrößern seine Leiden, und er geht oft genug nicht an der Krankheit, sondern an den unnatürlichen, widersinnigen Verhältnissen, denen man ihn aussetzt, zu Grunde. Darum fort mit der Erkältungsschablone! Sie genügt nur in den seltensten Fällen, um die Entstehung einer Krankheit zu erklären. Absterben und Steifwerden der Hände ist häufig ein nervöses Symptom, gegen das man mit Erfolg heiße Sandbäder anwendet. Zu diesem Zweck besorgt man sich seinen weißen Sand( am besten Seeſand), erwärmt ihn und steckt die Hände hinein. Das kan man mehrmals( etwa dreinial) täglich wiederholen bis zu der Dauer einer Stunde Wicham ist auch das Bei veinenlassen der Hände von der Sonne. Nr. 124 Samstag, den 4 Junt. 1904. Oberbessische Familienzeitung. Tägliche Unterhaltungs- Beilage der Gießener Neueste Nachrichten. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein. (( 13. Fortsetzung.) Die Rache ist mein. Originalroman von Ottomar Beta. denn Moritz auf weitere Nachgibigkeit von ihrer Seite. Er Und Franziska hatte damals nachgegeben. So hoffte wollte Franziska Zeit lassen, zu erkennen, wie willkommen ihrem Vater ein solches Arrangement" sein müßte. Ich habe den Augenblick verpaßt," sagte er sich nun ,,, das hätte ein paar Wochen früher geschehen müssen, diese Pression und meine generöse Abwehr derselben. Ein Vorwand hätte sich finden lassen!" Er schlug sich unwirsch gegen die Stirn. Er klangen ihm auch jetzt noch so hohl und leer wie ihre früheren glaubte fest an Mammons Herrschaft. Franziskas Worte Abweisungen. Wenn die unsichtbare Macht, welche ihm alle Wege während der letzten Tage verlegt hatte, so dachte er sich, nicht auch hier durch Deckung der Hypothekenschuld seine Pläne durchkreuzt hätte, wie ganz anders... wie ganz nicht alles käuflich wäre und vor dem Gotte Mammon anders würde Franziska vor ihm gestanden haben. Daß begreifen. kriechę, froh, mit Golde sich zu mästen, das konnte er nicht So fanatisch vernarrt war er in seine Doktrin und lediglich mechanische Weltanschauung, daß er, als er den Salon verließ, und die Stufen vom Balkon hinabstieg, nicht einmal Anton Köberlein bemerkte, der dort, wie ein Wächter des Hauses gegen die Balustrade gelehnt, Posten gefaßt hatte. Geschweige denn gedachte er der Lehre, die ihm selbst aus Teil geworden war. dem Munde eines so einfältigen Menschen noch soeben zu Es bewahrheitete sich an ihm das alte Wort:„ Wer eine Gott verderben will, den schlägt er mit Blindheit". Grube gräbt, der fällt hinein", und noch ein anderes:„ Wen Fünfzehntes Kapitel. Der Herbst vergeht. Papa Fiebiger ist wieder ein Jüngling geworden, und es ist unbeschreiblich, was er alles zu tun hat. Auch geht alles nach Wunsch. Im großen ganzen wenigstens. Reibereien, Friktionen im Stadtrat namentlich, bleiben nicht aus; aber Papa Fiebiger hat das linde Del der Suade und des Wohlwollens. Er ist stets bereit zu Kompromissen, Vergleichen, Konzes sionen. Er schwelgt in Tätigkeit und Fördersamkeit. Noch seltsamer ist die Veränderung, die mit seinem Malefiziarius vor sich ging. Stöberer ist plößlich ein anderer Mann geworden, förmlich gelenfig. Er schleift nicht einmal die Füße mehr hinter sich her; im Gegenteil, diese Anhängsel zeigen eine Neigung, förmlich mit ihm davon zu laufen, gegen seine bessere Ueberzeugung. Er sieht einen neuen hellen Stern am Himmel aufsteigen und zieht ihm nach mit der Behendigkeit der Weisen aus dem Morgenlande. Zuweilen, wenn selbst ihm das Gewühl in den unzählig sich vor ihm auftürmenden Kontrakten zu viel wird, klappt er sich zusammen und stellt sich in die Ecke wie einen Regenschirm, dann faßt er sich mit der Riesenhand an den quadratisch geformten Schädel und reißt die Wieselaugen weit auf.„ Himmel, ruft er, mer hätte das gedacht!" Aber dann blitzschnell wie ein Otter stürzt er sich wieder in das Aktenaemoae und treibt " ( Nachdruck verboten.) juridische Verwüstung rings umher, nach römisch rechtlichen Normen, und Papa Fiebiger muß dann alles wieder auf die Wege der Aequitas und Menschenmöglichkeit bringen. Auf solche Weise ergänzen sie einander. Er ist ja nun auch Verwaltungsrat bei zweien Riesenunternehmungen auf Aktien, dem„ Vulkan" und dem „ Lloyd". den. Nur für Herrn Moritz hat eine furchtbare Zeit begonnen, während welcher er alle Kraft zusammen nehmen mußte, um mit dem unsichtbaren Feinde zu ringen, der sich plötzlich erhoben hatte, mit keiner andern Absicht, wie es schien, als um ihn zu vernichten. Freilich, die Welt wollte das nicht einsehen, und nachdem Herr Stöberer ihn größenwahnsinnig genannt hatte, lief er Gefahr, von seinen Kollegen der Handelsbeflissenheit für verfolgungswahnsinnig erklärt zu werDer große finanzielle Apparat, den die Amerikaner aufbauten, mit Riet als vorgeschobener Person und mit dem Justizrat an allen Ecken und Enden, konnte unmöglich auf eine bloße Animosität gegen Herrn Moriz zurückgeführt werden, und noch weniger auf einen Erich Staudius, den Ozean bummler und Lagermeisic welcher im Speicher jenseit des Flusses, der sogenannten alten Siederei, sich einige Bretterverschläge zur Behausung ausersehen hatte. Einsichtsvolle Leute erblickten in den Unternehmungen der Firma Rieß vielmehr eine kommerzielle Flankenbewegung der Amerifaner gegen ihre Erbfeinde, die Briten, und sie bereiteten sich auf eine Hauptbewegung von Newyork aus vor. Wenn unternehinende Leute sich in den Dienst dieser großartigen Strategie stellten, so konnte das dem heimischen Handel nicht schaden, im Gegenteil, es wies nur darauf hin, daß die baltischen Häsen ebenso wie die amerikanischen gemeinsam unter dem Banne der britischen Kapitalshoheit und allumfassenden Schiffahrt litten und daß beide Teile das gleiche Interesse hatten, sich auf die eigenen Füße zu stellen. So war noch keine Bevölkerung im alten Rande in clean yankee- fashion überrascht und überrumpelt worden. Schließlich aber, wenn man sich die Vorgänge ruhig im Ratsfeller überlegte und vergegenwärtigte, erschien alles so einfach wie das berühmte Ei des Kolumbus. Es entstanden unter der Aegide der Firma Niet zwei Aktiengesellschaftcut Vulkan“ und„ Lloyd", an denen sich jedermann enthu siastisch beteiligte; auch Moritz hätte es tun können. Warum tat er es nicht? Warum ließ er sich beim Justizrat Fiebiger, der mit seinem Namen und Einfluß für diese Unternehmungen eintrat, nicht mehr sehen? Warum durchirrt er Stadt, Hafen und Börse wie ein Halbwahnsinniger und schreit über den Verrat! Man erklärte sich dies daraus, daß die beiden Gesellschaften Herrn Moritz überhaupt nicht haben wollten. Herr Moritz war durchaus mit den englischen Interessen verwachsen und hatte sich dem System der Briten gefügt. Dieses System sollte ja eben durchbrochen werden. Der„ Lloyd" sollte in großen Schifen den direkten Verkehr zwischen Newyork und den baltischen Häfen übernehmen. Und der„ Vulkan" sollte diese großen Schiffe auch sogleich bauen. Auch die Engländer, so hieß es, rüsteten sich ia zum kommerziellen Kampfe. er and Küche ugend billige ckerei, i. L. on 243 4061 · BunyosngG อนุ osydg Sie schufen gerade damals den„ Leviathan", und es gab manche superflugen Leute, welche sogar den Aufstand in n dien mit der Weltbewegung in Verbindung brachten, die sich gegen Alt- Albion richtete und deren Ausläufer bis in die baltischen Gewässer bemerkbar wurden. Wer glaubte angesichts solcher Ereignisse an Herrn Morit Klagen! Allerdings war eine Wut wohl erklärlich, da auch sein Monopol dabei in die Brüche ging, aber Sympathien für ihn wurden durch seine Verwünschungen nicht wachgerufen. Er war wie Antäus vom Herkules gleichsam von seiner Bafis abgehoben worden. Dieser Rietz stand fest und zahlte bar. Die Landleute atmeten auf und verkauften der neu emporstrebenden Firma ihr Getreide zum üblichen Marktpreise. Sie hätten sich vielleicht sogar einen kleinen Diskont gefallen Lassen, so schr identifizierten sie ihre eigenen und die Nietzschen Interessen. Ihre steten Klagen bezogen sich ja keineswegs auf die Preise, sondern auf die Usancen und wucherischen Gepflogenheiten des Markts, welche nun die neue Firma durchbrach, indem sie den Ausfall auf andere Weise wett machte. Wunder wurden erzählt von den Neuerungen, welche auf den Speichern und Böden der Firma eingeführt worden waren; dies Verdienst allerdings fiel Erich Staudius zu. Die Kornträger und Schipper hatten, so ging die Rede, in ihrer Boutique bereits sein Wohl in wirklichem gepaschtem Wein getrunken. Sie erzählten von Maschinen, welche Herr Staudius konstruierte, um das feuchte russische Korn von Steinen, Erdklößen und allerlei Unkrautsamen zu befreien, von Rade, Mutterkorn, Tollweizen, Roſt und Brand, und es dann durch Mischung mit heimischem Weizen und durch eine fast verschwenderische Bearbeitung zu guter baltischer Ware zu veredeln. Der riesige„ Wladimir", das größte KronStädter Dampfschiff jener Zeit, war von der Firma gechartert worden und brachte Ladung auf Ladung russischen Erntesegens den Fluß hinauf in die Niegeschen Speicher. Zu Mark- Lane wurden die Rietzschen Abladungen einen Schilling höher notiert als sämtliche anderen baltischen Provenienzien. Und das war, so sagte man, nicht anders als gerecht. Die Herren Engländer zahlten notgedrungen der Rießschen Firma eben nur zurück, was diese an Arbeitslohn für die Läuterung der Ware über das Uebliche ausgelegt hatte. Moritsche Ware wurde gar nicht mehr gefragt" und die Abnehmer schimpften und drückten ihm die Preise. Zu dem Wandel auf diesem speziellen Gebiete hatte allerdings niemand anders den Hauptanlaß gegeben, als Erich Staudius. Auch fiel es niemandem auf, daß er, obwohl er seine bescheidene Wohnung im Speicher beibehielt, sich nach und nach in einen Gentleman verwandelte und von dem Habitus des Dzeanbummlers nicht viel übrig behielt als die furz angebundene, aber kordiale Art, mit den Leuten zu verfehren. Das machte ihn der Firma und bald der ganzen Geschäftswelt besonders wertvoll, denn er verstand es wie niemand sonst die keineswegs leicht zu behandelnden, aber vielfach verdorbenen Arbeiter jener Hafenstadt in Ordnung zu halten und zur Raison zu bringen, vornehmlich die an anderen Orten sogenannten„ Boofkes", die schwere Lasten wie Federbetten schleppenden Kornträger. Ohne Konflikte auch für ihn ging das nicht ab. Bei dem erhöhten Bedarf an Arbeitern, der infolge der Gründungen des Vulkan" und des„ Lloyd" sich bald bemerkbar machte, wurde diese ohnehin trußige Schar vollends übermütig, und Erich fand es zuweilen nötig, zwischen sie zu fahren, wie Zeus mit dem Donnerfeil. Er merzte einige der Unverschämteren und im Trunk Verkommenen aus und schuf sich dadurch vielleicht einzelne Feinde. Aber sein Motto war ja:„ Ohne Feind kein Sieg!" Er bewies auf andere Weise, daß er ein Herz für seine Arbeiter besaß. Er hatte bereits in den ersten Tagen seiner Wirksamkeit in der Handelsstadt einige Terrains auf dem Gebiet der abgetragenen Festungswälle erwerben lassen, und während des Herbstes stiegen dort eine Reihe von Arbeiterhäusern empor, die er den Kornträgern billig zur Verfügung stellte, und durch einige intelligente Leute ließ er den Gedan fen an einen Konsumberein in ihrer Mitte anregen. Da soll ten sie ihren Korporationsgeist einmal in einer fruchtbrin genden Weise betätigen. Nur schade, daß solche Förderungen den Schankwirten nicht gefielen, zu deren Bereicherung die guten Löhne dieser Leute wesentlich beitrugen. Aber man fann es nicht allen recht machen, dachte sich Erich und schritt allen Querelen zum Troße ruhig seines Weges voran. Nur zuweilen kam ein Geist über ihn, der ihn in die Dede triek. Dann ging er still und in sich gekehrt über die lange Brücke und in die Anlagen, wo der Kirchhof lag, auf dem seine Eltern den ewigen Schlaf schliefen. An dieser Stelle rastete er und suchte Ruhe. Ob er sie fand? Er saß und sann. Das Leben bietet Rätsel, unlösbare, und wenn wir ihnen nachsinnen, zu gierig nach Wahrheit, dann verzweifeln wir. Mancher Seufzer aus Erichs Brust stieg dort am einsamen Grabe empor zu den frühen Sternen des Winterabends. Er war so reich so reich; aber Ruhe, zufriedenheit konnte auch er sich nicht erkaufen. Sechzehntes Rapitel. Erich war ein selbstverständlicher Hausfreund bei Fiebigers, ebenso selbstverständlich wie es ehedem Moritz gewesen. Nach des Tages Last stellte er sich oft im Gesellschaftsanzuge im alten Hause in der Domstraße ein, und doch vermied er eine Familiarität im eigentlichen Sinne des Wortes; das war nun wieder ein vielbesuchtes Haus geworden. Die Garnison entsandte ihre Leutenants, die Kaufherren ihre Söhne und Erben, das Gericht sämtliche Assesforen, um den Fiebigerschen Penaten zu huldigen. Da es dergleichen heidnische Fetische in unserer aufgeklärten Zeit aber nicht mehr gibt, so wurden die schönen Augen, mit welchen die Tochter des Hauses die Gäste anstrahlte und besonnte, als solche eingesetzt. Mancher unternehmende junge Mann dachte vielleicht auch an die sich häufenden Geldsäcke, in deren Besitz sie dereinst als einzige Erbin eines nun wieder beispiellos prosperierenden Rechtsanwalts und Notars würde gelangen müssen. Zu diesen leichteren Truppengattungen unter den Gästen gesellten sich dann als schwere Reiterei und Artillerie die und des„ Lloyd". Sie kamen von München daher und von Interessenten an den beiden Unternehmungen des„ Vulkan" Breslau und von Frankfurt am Main und lobten Eisenbahn, Dampf, Telegraphie und das neue Handelsrecht. Erich hielt sich meist zu diesen Herrschaften. Papa Fiebiger duldete es nicht, daß er sich isolierte und zurückzog, so viel Neigung der seltsame Yankee auch dazu an den Tag legte. Herr Riez war da und wandte sich immer wieder an Erich um Rat, wenn irgend eine Konferenz und Generalversammlung zu Entschlüssen Anlaß gab. Auch war Erich weit entfernt davon, sich arm stellen zu wollen. Allmählich wurde es stadt-, ja landkundig, daß er die Seele der erstaunlichen Unternehmungen war, mit welchen die so lange in ihrem Festungsgürtel halb schlummernde Herzogs- und Hafenstadt die Augen der Handelswelt beider Hemisphären auf sich zog. Er wurde in einem Toast gelegentlich eines Diners von Aktionären sogar gefeiert als der Königssohn von St. Franzisko", der gekommen war, das Dornröschen hinter Wällen und Schanzen aufzusuchen und wach zu küssen. Erich zögerte nicht, alle Ehren auf Papa Fiebiger abzuwälzen, der mit geduldiger jahrelanger Mühe am meisten dazu beigetragen, daß die Stadt aus dem Festungsbanne befreit würde und dessen Pläne dem„ Vulkan" zu Grunde lagen. Man kann sich denken, welcher Beifall das alte Staudiussche Haus durchdröhnte ob solcher schönen und gerechten Bescheidenheit und wie herzlich Papa Fiebiger auf seinen Siegfried, den Drachentöter, zueilte und ihn angesichts des versammelten Kriegsvolks umarmte unter Tränen und Weinen, beide echt aus dem Herzen und aus dem Lande Burgund. Aber nach solchen tosenden Szenen kamen wieder verhältnismäßig stillere Tage, denn die Aktionäre dinieren zwar und zahlen auch, aber sie arbeiten nicht. Die Arbeit überblieb den Einheimischen, und Erich, obwohl er sich im wesentlichen auf das Korngeschäft zurückzog, half dann dem Papa Fiebiger bei den Verhandlungen mit Beamten und Technikern aller Art, und er lernte Herrn Stöberer allmählich als eine tüchtige Kraft schätzen, als einen Mann von Mut, der sich in Hemdärmeln, auch in metaphorisch sogenannten, in die rauhe Arbeit des Lebens stürzte und nach wie vor seiner Devise treu blieb, alles im rechten Geleise zu erhalten. ( Fortsetzung folgt.)) Es ist wohl nie ein Tal so tief, Hinein kann doch ein Sternlein schauen. Es ist wohl keine Qual so tief- Der Himmel kann sie überblauen. Mucki. Humoreske von GIse Krafft. ( Nachdruck verboten.) Er kam aus der Erregung gar nicht mehr heraus, seit die Hochzeitseinladung von Onkel Fred und Tante Mieze gekommen war. Papa hatte den großen Brief seinem Vierjährigen dreimal vorlesen müssen, und die Worte„ nebst Herrn Sohn Mucki" sogar sechsmal. Mama hatte den Kopf geschüttelt. Aber nein, das geht nicht! Kinder gehören nicht auf eine Hochzeit. Den Jungen lassen wir zu Hause." Mucki war darauf sehr blaß geworden. „ Mich is die Hauptperßon, hat Tante Mieze scheẞagt. Ohne mich hätt' Onkel Fred seine Braut nich gefrischt." Und da lachte Papa und zog seinen Buben auf die Knie: Natürlich, Junge! Hast ja das ganze Unglück damals durch deine fürchterliche Frechheit angestiftet. Geht zur Schwiegermama und erzählt laut mitten in großer Geſellſchaft,„ dasch der olle fremde Onkel im Garten immer und immer Tante Mieze ihren Mund mit sein ollen krazschigen Schnurrbart zuhält. Ganisch schprechen könnt' die arme Tante!" Na, Frauchen, da gehts doch gar nicht anders! Da muß der Uebeltäter doch dabei sein, wenns los geht!" Warraftig, Mammi," sagte er ernsthaft.„ Mich muß bei schein. Meine neuen Zammthosen zieh' mich an, un mein' Schäbel schnall' mich um. Un dann fahren wir alle in' ne Eklipasche, un mich ruft Hurra, wenn Tante Mieze kommt." ,, Den Mund wirst du halten," sagte Mama darauf sehr streng. Kein Wörtchen ungefragt sprechen, hörst du? Und in die Kirche darfst du überhaupt nicht mitfahren!" Das war Mucki denn doch zu viel! Mit beiden Fäusten rumorte er in den Augen herum. Mich scholl aber mit in die Kirche fahren, mich scholl Blumen schtreuen, hat Tante Mieze geschagt!" Papa mußte wirklich von neuem Frieden stiften und seinem Sohne die kühnsten Versprechungen machen, ehe der junge Mann befriedigt war. Als der große Tag anbrach, war über Nacht der erste Reif gefallen. Mudi preßte ganz entzückt das Näschen gegen die Fensterscheiben. Den Vormittag über blickte er gespannt die Straße entlang, ob die„ Eklipasche" noch immer nicht sichtbar wäre. Hinter ihm nur Eifer und Ordnen von Spizen und Festgewändern, das nur dadurch alle halbe Stunde unterbrochen wurde, daß Mama in heller Aufregung zu den Knaben sagte: „ Kannst du auch dein Verslein, Mucki? Sag'' s noch rasch mal her, mein Junge!" Und jedesmal faltete der Kleine die Hände, blickte in großer Andacht zum Himmel hinauf und begann: Mich wünsch' dem lieben, jungen Paa--re- schtatt" - und dann stockte er regelmäßig. Flitterwochen, Flitterjahre!" vollendete Mama ärgerlich. Aber, Junge, jetzt endlich mußt du' s doch können!" Mich kanns ja," triumphierte Mucki strahlenden Angesichts, wenn ihm Mama geholfen. Und fehlerlos kam das Verschen zum zweitenmal von seinen Lippen. Am Nachmittag, beim Anziehen, ging es ohne Brüllerei nicht ab. Emilie wollte dem Kleinen einen neuen, weißen Spitzenfragen über die braune Sammetbluse legen, als Mucki sich mit Armen und Beinen dagegen sträubte. Mich is ein Junge, will kein' Mächenskragen auf mein Anschug hab'n!" Erst nach der fürchterlichen Drohung, zu Hause bleiben zu müssen, wenn er sich nicht folgsam ankleiden lasse, ließ Mucki mit wütendem Augenaufschlag gegen das Kindermädchen den weißen Schmuck um seine Schultern legen. Und dann verlangte er nach seinem Säbel. Als ihm auch dieser Wunsch schnöde versagt blieb, konnte ihn nur das Blumenkörbchen, das ihm Mama über den Arm gehängt, so einigermaßen von einem erneuten Tränenausbruch zurückhalten. Er sah sehr niedlich aus, der fleine Bursche. Als die ,, Eklipasche" vor der Tür des Hauses hielt, wollte er durchaus vor dem Wagenschlag noch eine Weile stehen bleiben, um sich von den Nachbarskindern bewundern zu lassen. Frize," schrie er mit hocherhobenen Armen über die Straße, wo sein bester Freund, der Portierjunge Krawatschy, an der Kellertreppe lehnte. Mich fahr' zur Hochzeit von meine Tante Miezi! Mich schtreue Blumens!" Alle Passanten auf dem Bürgerstieg wandten die Köpfe. Als Papa den Schreihals mit einem Ruck in den Wagen hineinschob, sträubte sich Mucki mit der flehenden Bitte ,,, auf en Bock schu sitzen, un die Pferde zu hau'n". Die Eltern schienen aber taub zu sein, und fort gings in die Kirche. Hier sah Muci zuerst weiter nichts als Lichter, seidene Gewänder, und fühlte eine paar Küsse, von denen er nicht wußte, wer sie ihm gespendet. Ungewohnt befangen stand er neben der Mutter und umklammerte das Blumenkörbchen mit beiden Händen. Nur als sich die Kirchentüren öffneten und das Brautpaar in den Gottesraum trat, machte er eine Bewegung, als wollte er seiner geliebten Tante Mieze mit lautem Freudengebrüll entgegenstürzen. Zum guten Glück ergriffen aber Mama und drei neben ihm stehende Tanten einen Blusenzipfel, so daß Mucki ganz erschreckt den Mund hielt. und behutsam eine feine Mädchenhand seine Locken streifte, Als er vor den Brautzug gestellt wurde und ganz leise lächelte er. nau so, wie Mama ihm vorher eingeschärft. Nur dicht vor Die Orgel sette ein, und Mucki streute seine Blumen gedem Altar drehte er sich einmal um, eine letzte, große, weiße Blüte in der Hand. „ Die geb' mich meine Großmama, die schmeiß mich nich auf die Erde," meinte er flüsternd zu dem Brautpaar, indem sein suchender Blick weiter, bis zu einem lieben, gütigen Frauenantlik drang. Und nun benahm sich Mucki wirklich sehr musterhaft. Er saß auf seinem Stuhl, mäuschenstill, mit großen, ganz großen Augen. Wie schön das alles war! Lauter Englein an den Wänden ringsum, und der liebe Gott war sogar mitten in einen Wolkenthron hineingemalt. Oben, von der Orgelbrüstung herab, wurde gesungen. Mucki lauschte mit gefalteten Händen. Nur nachher, als oben alles wieder still geworden und der Prediger immerzu und immerzu mit sich allein redete, begann es für den kleinen Mann langweilig zu werden. Er verstand das gar nicht, was der schwarze Mann da alles erzählte. Die eine Beobachtung stimmte ihn zwar gnädiger, daß der auch so ein weißes Ding um den Hals trug, wie ihm Emilie heute auf die Bluse geheftet. Einmal, als es plößlich ganz sonderbar still um ihn war und nur leise, ganz leise die Orgel spielte, drehte sich Mucki um und sagte ganz laut zu dem hinter ihm stehenden Herrn: Mich kann auch Bingen, Onkel! Scholl mich das mal von die Windmühle?" Aber der Herr war gewiß gar kein Onkel. Der schüttelte nur sehr grimmig den Kopf, und alle anderen Verwandten blickten halb lachend, halb vorwurfsvoll zu ihm hinüber. Da schwieg Mucki lieber. Er atmete erst auf, als er wieder in seiner„ Eklipasche" saß. Mama schalt freilich, daß er gerade während des Ringewechselns, im aller feierlichsten Augenblick, gesprochen habe. Aber es war nur eine ganz kurze Zeit, da standen alle zusammen in einem großen, prächtigen Saal, wo die Musik spielte und lauter Stühle an eine lange Tafel gestellt waren. Jezt, Muci, jetzt sage deinen Vers!" drängte Mama, ihm noch einmal den Spitzenkragen über der Sammetbluſe zurechtzupfend.„ Kannst du ihn auch?" Mucki nickte stolz. Er stand vor dem Brautpaar, und alle anderen Gäste umringten ihn. „ Nun, was wünscht mir denn mein kleiner Glücksstifter heute?" lächelte die bräutlicTante ihm zu. Mucki blickte starr über die bereiften, großen Fenster, die vor ihm lagen. Ihm fiel gerade ein, daß nun ja bald wieder Schlittenbahn auf der Straße sein müßte. Heidi, würde das schön werden! " Nun," ermunterte jetzt auch Papa,„ schieß' doch los, Junge. Ich wünsch'-"